Den Herrn beschwerte selten · irgend ein Herzeleid.
Er hörte Kunde sagen, · wie eine schöne Maid
Bei den Burgunden wäre, · nach Wünschen wohlgethan,
Von der er bald viel Freuden · und auch viel Leides gewann.
Von ihrer hohen Schöne · vernahm man weit und breit,
Und auch ihr Hochgemüthe · ward zur selben Zeit
Bei der Jungfrauen · den Helden oft bekannt:
Das ladete der Gäste · viel in König Gunthers Land.
So viel um ihre Minne · man Werbende sah,
Kriemhild in ihrem Sinne · sprach dazu nicht Ja,
Daß sie einen wollte · zum geliebten Mann:
Er war ihr noch gar fremde, · dem sie bald ward unterthan.
Dann sann auf hohe Minne · Sieglindens Kind:
All der Andern Werben · war wider ihn ein Wind.
Er mochte wohl verdienen · ein Weib so auserwählt:
Bald ward die edle Kriemhild · dem kühnen Siegfried vermählt.
Ihm riethen seine Freunde · und Die in seinem Lehn,
Hab er stäte Minne · sich zum Ziel ersehn,
So soll er werben, daß er sich · der Wahl nicht dürfe schämen.
Da sprach der edle Siegfried: · „So will ich Kriemhilden nehmen,
„Die edle Königstochter · von Burgundenland,
Um ihre große Schöne. · Das ist mir wohl bekannt,
Kein Kaiser sei so mächtig, · hätt er zu frein im Sinn,
Dem nicht zum minnen ziemte · diese reiche Königin.“
Solche Märe hörte · der König Siegmund.
Es sprachen seine Leute: · also ward ihm kund
Seines Kindes Wille. · Es war ihm höchlich leid,
Daß er werben wolle · um diese herrliche Maid.
Es erfuhr es auch die Königin, · die edle Siegelind:
Die muste große Sorge · tragen um ihr Kind,
Weil sie wohl Gunthern kannte · und Die in seinem Heer
Die Werbung dem Degen · zu verleiden fliß man sich sehr.
Da sprach der kühne Siegfried: · „Viel lieber Vater mein,
Ohn edler Frauen Minne · wollt ich immer sein,
Wenn ich nicht werben dürfte · nach Herzensliebe frei.“
Was Jemand reden mochte, · so blieb er immer dabei.
„Ist dir nicht abzurathen,“ · der König sprach da so,
„So bin ich deines Willens · von ganzem Herzen froh
Und will dirs fügen helfen, · so gut ich immer kann;
Doch hat der König Gunther · manchen hochfährtgen Mann.
„Und wär es anders Niemand · als Hagen der Degen,
Der kann im Uebermuthe · wohl der Hochfahrt pflegen,
So daß ich sehr befürchte, · es mög uns werden leid,
Wenn wir werben wollen · um diese herrliche Maid.“
„Wie mag uns das gefährden!“ · hub da Siegfried an:
„Was ich mir im Guten · da nicht erbitten kann,
Will ich schon sonst erwerben · mit meiner starken Hand,
Ich will von ihm erzwingen · so die Leute wie das Land.“
„Leid ist mir deine Rede,“ · sprach König Siegmund,
„Denn würde diese Märe · dort am Rheine kund,
Du dürftest nimmer reiten · in König Gunthers Land.
Gunther und Gernot · die sind mir lange bekannt.
„Mit Gewalt erwerben · kann Niemand die Magd,“
Sprach der König Siegmund, · „das ist mir wohl gesagt;
Willst du jedoch mit Recken · reiten in das Land,
Die Freunde, die wir haben, · die werden eilends besandt.“
„So ist mir nicht zu Muthe,“ · fiel ihm Siegfried ein,
„Daß mir Recken sollten · folgen an den Rhein
Einer Heerfahrt willen: · das wäre mir wohl leid,
Sollt ich damit erzwingen · diese herrliche Maid.
„Ich will sie schon erwerben · allein mit meiner Hand.
Ich will mit zwölf Gesellen · in König Gunthers Land;
Dazu sollt ihr mir helfen, · Vater Siegmund.“
Da gab man seinen Degen · zu Kleidern grau und auch bunt.
Da vernahm auch diese Märe · seine Mutter Siegelind;
Sie begann zu trauern · um ihr liebes Kind:,
Sie bangt' es zu verlieren · durch Die in Gunthers Heer.
Die edle Königstochter · weinte darüber sehr.
Siegfried der Degen · gieng hin, wo er sie sah.
Wider seine Mutter · gütlich sprach er da:
„Frau, ihr sollt nicht weinen · um den Willen mein:
Wohl will ich ohne Sorgen · vor allen Weiganden sein.
„Nun helft mir zu der Reise · nach Burgundenland,
Daß mich und meine Recken · ziere solch Gewand,
Wie so stolze Degen · mit Ehren mögen tragen:
Dafür will ich immer · den Dank von Herzen euch sagen.“
„Ist dir nicht abzurathen,“ · sprach Frau Siegelind,
So helf ich dir zur Reise, · mein einziges Kind,
Mit den besten Kleidern, · die je ein Ritter trug,
Dir und deinen Degen: · ihr sollt der haben genug.“
Da neigte sich ihr dankend · Siegfried der junge Mann.
Er sprach: „Nicht mehr Gesellen · nehm ich zur Fahrt mir an
Als der Recken zwölfe: · verseht die mit Gewand.
Ich möchte gern erfahren, · wie's um Kriemhild sei bewandt.“
Da saßen schöne Frauen · über Nacht und Tag,
Daß ihrer selten Eine · der Muße eher pflag,
Bis sie gefertigt hatten · Siegfriedens Staat.
Er wollte seiner Reise · nun mit nichten haben Rath.
Sein Vater hieß ihm zieren · sein ritterlich Gewand,
Womit er räumen wollte · König Siegmunds Land.
Ihre lichten Panzer · die wurden auch bereit
Und ihre festen Helme, · ihre Schilde schön und breit.
Nun sahen sie die Reise · zu den Burgunden nahn.
Um sie begann zu sorgen · beides, Weib und Mann,
Ob sie je wiederkommen · sollten in das Land.
Sie geboten aufzusäumen · die Waffen und das Gewand.
Schön waren ihre Rosse, · ihr Reitzeug goldesroth;
Wenn wer sich höher dauchte, · so war es ohne Noth,
Als der Degen Siegfried · und Die ihm unterthan.
Nun hielt er um Urlaub · zu den Burgunden an.
Den gaben ihm mit Trauern · König und Königin.
Er tröstete sie beide · mit minniglichem Sinn
Und sprach: „Ihr sollt nicht weinen · um den Willen mein:
Immer ohne Sorgen · mögt ihr um mein Leben sein.“
Es war leid den Recken, · auch weinte manche Maid;
Sie ahnten wohl im Herzen, · daß sie es nach der Zeit
Noch schwer entgelten müsten · durch lieber Freunde Tod.
Sie hatten Grund zu klagen, · es that ihnen wahrlich Noth.
Am siebenten Morgen · zu Worms an den Strand
Ritten schon die Kühnen; · all ihr Gewand
War von rothem Golde, · ihr Reitzeug wohlbestellt;
Ihnen giengen sanft die Rosse, · die sich da Siegfried gesellt.
Neu waren ihre Schilde, · licht dazu und breit,
Und schön ihre Helme, · als mit dem Geleit
Siegfried der kühne · ritt in Gunthers Land.
Man ersah an Helden · nie mehr so herrlich Gewand.
Der Schwerter Enden giengen · nieder auf die Sporen;
Scharfe Spere führten · die Ritter auserkoren.
Von zweier Spannen Breite · war, welchen Siegfried trug;
Der hatt an seinen Schneiden · grimmer Schärfe genug.
Goldfarbne Zäume · führten sie an der Hand;
Der Brustriem war von Seide: · so kamen sie ins Land.
Da gafften sie die Leute · allenthalben an:
Gunthers Mannen liefen · sie zu empfangen heran.
Die hochbeherzten Recken, · Ritter so wie Knecht,
Liefen den Herrn entgegen, · so war es Fug und Recht,
Und begrüßten diese Gäste · in ihrer Herren Land;
Die Pferde nahm man ihnen · und die Schilde von der Hand.
Da wollten sie die Rosse · ziehn zu ihrer Rast;
Da sprach aber Siegfried alsbald, · der kühne Gast:
„Laßt uns noch die Pferde · stehen kurze Zeit:
Wir reiten bald von hinnen; · dazu bin ich ganz bereit.
„Man soll uns auch die Schilde · nicht von dannen tragen;
Wo ich den König finde, · kann mir das Jemand sagen,
Gunther den reichen · aus Burgundenland?“
Da sagt' es ihm Einer, · dem es wohl war bekannt.
„Wollt ihr den König finden, · das mag gar leicht geschehn:
In jenem weiten Saale · hab ich ihn gesehn
Unter seinen Helden; · da geht zu ihm hinan,
So mögt ihr bei ihm finden · manchen herrlichen Mann.“
Nun waren auch die Mären · dem König schon gesagt,
Daß auf dem Hofe wären · Ritter unverzagt:
Sie führten lichte Panzer · und herrlich Gewand;
Sie erkenne Niemand · in der Burgunden Land.
Den König nahm es Wunder, · woher gekommen sei'n
Die herrlichen Recken · im Kleid von lichtem Schein
Und mit so guten Schilden, · so neu und so breit;
Das ihm das Niemand sagte, · das war König Gunthern leid.
Zur Antwort gab dem König · von Metz Herr Ortewein;
Stark und kühnes Muthes · mocht er wohl sein:
„Da wir sie nicht erkennen, · so heißt Jemand gehn
Nach meinem Oheim Hagen: · dem sollt ihr sie laßen sehn.
„Ihm sind wohl kund die Reiche · und alles fremde Land;
Erkennt er die Herren, · das macht er uns bekannt.“
Der König ließ ihn holen · und Die in seinem Lehn:
Da sah man ihn herrlich · mit Recken hin zu Hofe gehn.
Warum nach ihm der König, · frug Hagen da, geschickt?
„Es werden fremde Degen · in meinem Haus erblickt,
Die Niemand mag erkennen: · habt ihr in fremdem Land
Sie wohl schon gesehen? · das macht mir, Hagen bekannt.“
„Das will ich,“ sprach Hagen. · Zum Fenster schritt er drauf,
Da ließ er nach den Gästen · den Augen freien Lauf.
Wohl gefiel ihm ihr Geräthe · und all ihr Gewand;
Doch waren sie ihm fremde · in der Burgunden Land.
Er sprach, woher die Recken · auch kämen an den Rhein,
Es möchten selber Fürsten · oder Fürstenboten sein.
„Schön sind ihre Rosse · und ihr Gewand ist gut;
Von wannen sie auch ritten, · es sind Helden hochgemuth.“
Also sprach da Hagen: · „Soviel ich mag verstehn,
Hab ich gleich im Leben · Siegfrieden nie gesehn,
So will ich doch wohl glauben, · wie es damit auch steht,
Daß er es sei, der Degen, · der so herrlich dorten geht.
„Er bringt neue Mären · her in dieses Land:
Die kühnen Nibelungen · schlug des Helden Hand,
Die reichen Königssöhne · Schilbung und Nibelung;
Er wirkte große Wunder · mit des starken Armes Schwung.
„Als der Held alleine · ritt aller Hülfe bar,
Fand er an einem Berge, · so hört ich immerdar,
Bei König Niblungs Horte · manchen kühnen Mann;
Sie waren ihm gar fremde, · bis er hier die Kunde gewann.
„Der Hort König Nibelungs · ward hervorgetragen
Aus einem hohlen Berge: · nun hört Wunder sagen,
Wie ihn theilen wollten · Die Niblung unterthan.
Das sah der Degen Siegfried, · den es zu wundern begann.
„So nah kam er ihnen, · daß er die Helden sah
Und ihn die Degen wieder. · Der Eine sagte da:
„Hier kommt der starke Siegfried, · der Held aus Niederland.“
Seltsame Abenteuer · er bei den Nibelungen fand.
„Den Recken wohl empfiengen · Schilbung und Nibelung.
Einhellig baten · die edeln Fürsten jung,
Daß ihnen theilen möchte · den Schatz der kühne Mann:
Das begehrten sie, bis endlich · ers zu geloben begann.
„Er sah so viel Gesteines, · wie wir hören sagen,
Hundert Leiterwagen · die möchten es nicht tragen,
Noch mehr des rothen Goldes · von Nibelungenland:
Das Alles sollte theilen · des kühnen Siegfriedes Hand.
„Sie gaben ihm zum Lohne · König Niblungs Schwert:
Da wurden sie des Dienstes · gar übel gewährt,
Den ihnen leisten sollte · Siegfried der Degen gut.
Er könnt es nicht vollbringen: · sie hatten zornigen Muth.
„So must er ungetheilet · die Schätze laßen stehn.
Da bestanden ihn die Degen · in der zwei Könge Lehn:
Mit ihres Vaters Schwerte, · das Balmung war genannt,
Stritt ihnen ab der Kühne · den Hort und Nibelungenland
„Da hatten sie zu Freunden · kühne zwölf Mann,
Die starke Riesen waren: · was konnt es sie verfahn?
Die erschlug im Zorne · Siegfriedens Hand
Und siebenhundert Recken · zwang er vom Nibelungenland.
„Mit dem guten Schwerte, · geheißen Balmung.
Vom Schrecken überwältigt · war mancher Degen jung
Zumal vor dem Schwerte · und vor dem kühnen Mann:
Das Land mit den Burgen · machten sie ihm unterthan.
„Dazu die reichen Könige · die schlug er beide todt.
Er kam durch Albrichen · darauf in große Noth:
Der wollte seine Herren · rächen allzuhand,
Eh er die große Stärke · noch an Siegfrieden fand.
„Mit Streit bestehen konnt ihn · da nicht der starke Zwerg.
Wie die wilden Leuen · liefen sie an den Berg,
Wo er die Tarnkappe · Albrichen abgewann:
Da war des Hortes Meister · Siegfried der schreckliche Mann.
„Die sich getraut zu fechten, · die lagen all erschlagen.
Den Schatz ließ er wieder · nach dem Berge tragen,
Dem ihn entnommen hatten · Die Niblung unterthan.
Alberich der starke · das Amt des Kämmrers gewann.
„Er must ihm Eide schwören, · er dien ihm als sein Knecht,
Zu aller Art Diensten · ward er ihm gerecht.“
So sprach von Tronje Hagen: · „Das hat der Held gethan;
Also große Kräfte · nie mehr ein Recke gewann.
„Noch ein Abenteuer · ist mir von ihm bekannt:
Einen Linddrachen · schlug des Helden Hand;
Als er im Blut sich badete, · ward hörnern seine Haut.
So versehrt ihn keine Waffe: · das hat man oft an ihm geschaut.
„Man soll ihn wohl empfangen, · der beste Rath ist das,
Damit wir nicht verdienen · des schnellen Recken Haß.
Er ist so kühnes Sinnes, · man seh ihn freundlich an:
Er hat mit seinen Kräften · so manche Wunder gethan.“
Da sprach der mächtge König: · „Gewiss, du redest wahr:
Nun sieh, wie stolz er dasteht · vor des Streits Gefahr,
Dieser kühne Degen · und Die in seinem Lehn!
Wir wollen ihm entgegen · hinab zu dem Recken gehn.“
„Das mögt ihr,“ sprach da Hagen, · „mit allen Ehren schon:
Er ist von edelm Stamme · eines reichen Königs Sohn;
Auch hat er die Gebäre, · mich dünkt, beim Herren Christ,
Es sei nicht kleine Märe, · um die er hergeritten ist.“
Da sprach der Herr des Landes: · „Nun sei er uns willkommen.
Er ist kühn und edel, · das hab ich wohl vernommen;
Des soll er auch genießen · im Burgundenland.“
Da gieng der König Gunther · hin, wo er Siegfrieden fand.
Der Wirth und seine Recken · empfiengen so den Mann,
Daß wenig an dem Gruße · gebrach, den er gewann;
Des neigte sich vor ihnen · der Degen ausersehn
In großen Züchten sah man · ihn mit seinen Recken stehn.
„Mich wundert diese Märe,“ · sprach der Wirth zuhand,
„Von wannen, edler Siegfried, · ihr kamt in dieses Land
Oder was ihr wollet suchen · zu Worms an dem Rhein?“
Da sprach der Gast zum König: · „Das soll euch unverhohlen sein.
„Ich habe sagen hören · in meines Vaters Land,
An euerm Hofe wären, · das hätt ich gern erkannt,
Die allerkühnsten Recken, · so hab ich oft vernommen,
Die je gewann ein König: · darum bin ich hieher gekommen.
„So hör ich auch euch selber · viel Mannheit zugestehn,
Man habe keinen König · noch je so kühn gesehn.
Das rühmen viel der Leute · in all diesem Land;
Nun kann ichs nicht verwinden, · bis ich die Wahrheit befand.
„Ich bin auch ein Recke · und soll die Krone tragen:
Ich möcht es gerne fügen, · daß sie von mir sagen,
Daß ich mit Recht besäße · die Leute wie das Land.
Mein Haupt und meine Ehre · setz ich dawider zu Pfand.
Wenn ihr denn so kühn seid, · wie euch die Sage zeiht,
So frag ich nicht, ists Jemand · lieb oder leid:
Ich will von euch erzwingen, · was euch angehört,
Das Land und die Burgen · unterwerf ich meinem Schwert.“
Der König war verwundert · und all sein Volk umher,
Als sie vernahmen · sein seltsam Begehr,
Daß er ihm zu nehmen · gedächte Leut und Land.
Das hörten seine Degen, · die wurden zornig zuhand.
„Wie sollt ich das verdienen,“ · sprach Gunther der Degen,
Wes mein Vater lange · mit Ehren durfte pflegen,
Daß wir das verlören · durch Jemands Ueberkraft?
Das wäre schlecht bewiesen, · daß wir auch pflegen Ritterschaft!“
„Ich will davon nicht laßen,“ · fiel ihm der Kühne drein,
„Von deinen Kräften möge · dein Land befriedet sein,
Ich will es nun verwalten; · doch auch das Erbe mein,
Erwirbst du es durch Stärke, · es soll dir unterthänig sein.
„Dein Erbe wie das meine · wir schlagen gleich sie an,
Und wer von uns den Andern · überwinden kann,
Dem soll es alles dienen, · die Leute wie das Land.“
Dem widersprach da Hagen · und mit ihm Gernot zuhand.
„So stehn uns nicht die Sinne,“ · sprach da Gernot,
„Nach neuen Lands Gewinne, · daß Jemand sollte todt
Vor Heldeshänden liegen: · reich ist unser Land,
Das uns mit Recht gehorsamt, zu Niemand beßer bewandt.“
In grimmigem Muthe · standen da die Freunde sein.
Da war auch darunter · von Metz Herr Ortewein.
Der Sprach: „Die Sühne · ist mir von Herzen leid:
Euch ruft der starke Siegfried · ohn allen Grund in den Streit.
„Wenn ihr und eure Brüder · ihm auch nicht steht zur Wehr,
Und ob er bei sich führte · ein ganzes Königsheer,
So wollt ichs doch erstreiten, · daß der starke Held
Also hohen Uebermuth, · wohl mit Recht bei Seite stellt.“
Darüber zürnte mächtig · der Held von Niederland:
„Nicht wider mich vermeßen · darf sich deine Hand:
Ich bin ein reicher König, · du bist in Königs Lehn;
Deiner zwölfe dürften · mich nicht im Streite bestehn.“
Nach Schwertern rief da heftig · von Metz Herr Ortewein:
Er durfte Hagens Schwestersohn · von Tronje wahrlich sein;
Daß er so lang geschwiegen, · das war dem König leid.
Da sprach zum Frieden Gernot, · ein Ritter kühn und allbereit.
„Laßt euer Zürnen bleiben,“ · hub er zu Ortwein an,
„Uns hat der edle Siegfried · noch solches nicht gethan;
Wir scheiden es in Güte · wohl noch, das rath ich sehr,
Und haben ihn zum Freunde; · es geziemt uns wahrlich mehr.“
Da sprach der starke Hagen · „Uns ist billig leid
und all euern Degen, · daß er je zum Streit
an den Rhein geritten: · was ließ er das nicht sein?
So übel nie begegnet · wären ihm die Herren mein.“
Da sprach wieder Siegfried, · der kraftvolle Held:
„Wenn euch, was ich gesprochen, · Herr Hagen, missfällt,
So will ich schauen laßen, · wie noch die Hände mein
Gedenken so gewaltig · bei den Burgunden zu sein.“
„Das hoff ich noch zu wenden,“ · sprach da Gernot.
Allen seinen Degen · zu reden er verbot
In ihrem Uebermuthe, · was ihm wäre leid.
Da gedacht auch Siegfried · an die viel herrliche Maid.
„Wie geziemt' uns mit euch zu streiten?“ · sprach wieder Gernot
„Wie viel dabei der Helden · auch fielen in den Tod,
Wenig Ehre brächt uns · so ungleicher Streit.“
Die Antwort hielt da Siegfried, · König Siegmunds Sohn, bereit:
Warum zögert Hagen · und auch Ortewein,
Daß er nicht zum Streite · eilt mit den Freunden sein,
Deren er so manchen · bei den Burgunden hat?“
Sie blieben Antwort schuldig, · das war Gernotens Rath.
„Ihr sollt uns willkommen sein,“ · sprach Geiselher das Kind,
„Und eure Heergesellen, · die hier bei euch find:
Wir wollen gern euch dienen, · ich und die Freunde mein.“
Da hieß man den Gästen · schenken König Gunthers Wein.
Da sprach der Wirth des Landes: · „Alles, was uns gehört,
Verlangt ihr es in Ehren, · das sei euch unverwehrt;
Wir wollen mit euch theilen · unser Gut und Blut.“
Da ward dem Degen Siegfried · ein wenig sanfter zu Muth.
Da ließ man ihnen wahren · all ihr Wehrgewand;
Man suchte Herbergen, · die besten, die man fand:
Siegfriedens Knappen · schuf man gut Gemach.
Man sah den Fremdling gerne · in Burgundenland hernach.
Man bot ihm große Ehre · darauf in manchen Tagen,
Mehr zu tausend Malen, · als ich euch könnte sagen;
Das hatte seine Kühnheit · verdient, das glaubt fürwahr.
Ihn sah wohl selten Jemand, · der ihm nicht gewogen war.
Flißen sich der Kurzweil · die Könge und ihr Lehn,
So war er stäts der Beste, · was man auch ließ geschehn.
Es konnt ihm Niemand folgen, · so groß war seine Kraft,
Ob sie den Stein warfen · oder schoßen den Schaft.
Nach höfscher Sitte ließen · sich auch vor den Fraun
Der Kurzweile pflegend · die kühnen Ritter schaun:
Da sah man stäts den Helden · gern von Niederland;
Er hatt auf hohe Minne · seine Sinne gewandt.
Die schönen Fraun am Hofe · erfragten Märe,
Wer der stolze fremde · Recke wäre.
„Er ist so schön gewachsen, · so reich ist sein Gewand!“
Da sprachen ihrer Viele: · „Das ist der Held von Niederland.“
Was man beginnen wollte, · er war dazu bereit;
Er trug in seinem Sinne · eine minnigliche Maid,
Und auch nur ihn die Schöne, · die er noch nie gesehn,
Und die sich doch viel Gutes · von ihm schon heimlich versehn.
Wenn man auf dem Hofe · das Waffenspiel begann,
Ritter so wie Knappen, · immer sah es an
Kriemhild aus den Fenstern, · die Königstochter hehr;
Keiner andern Kurzweil · hinfort bedurfte sie mehr.
Und wüst er, daß ihn sähe, · die er im Herzen trug,
Davon hätt er Kurzweil · immerdar genug.
Ersähn sie seine Augen, · ich glaube sicherlich,
Keine andre Freude · hier auf Erden wünscht' er sich.
Wenn er bei den Recken · auf dem Hofe stand,
Wie man noch zur Kurzweil · pflegt in allem Land,
Wie stand dann so minniglich · das Sieglindenkind,
Daß manche Frau ihm heimlich · war von Herzen hold gesinnt.
Er gedacht auch manchmal: · „Wie soll das geschehn,
Daß ich das edle Mägdlein · mit Augen möge sehn,
Die ich von Herzen minne, · wie ich schon längst gethan?
Die ist mir noch gar fremde; · mit Trauern denk ich daran.“
So oft die reichen Könige · ritten in ihr Land,
So musten auch die Recken · mit ihnen all zur Hand.
Auch Siegfried ritt mit ihnen: · das war der Frauen leid;
Er litt von ihrer Minne · auch Beschwer zu mancher Zeit.
So wohnt' er bei den Herren, · das ist alles wahr,
In König Gunthers Lande · völliglich ein Jahr,
Daß er die Minnigliche · in all der Zeit nicht sah,
Durch die ihm bald viel Liebes · und auch viel Leides geschah.