Dô schieden sich die zwêne · recken lobelîch,
Hagene von Troneje · und ouch hêr Dietrîch.
dô blikte über ahsel · der Guntheres man
nâch eime hergesellen, · den er vil schiere gewan.
Dô sach er Volkêren · bî Gîselhere stên,
den spæhen videlære: · er bat in mit im gên,
wan er vil wol erkande · sînen grimmen muot.
er was an allen tugenden · ein rîter küene unde guot.
Noch ließen si die hêrren · ûf dem hove stân.
niuwan si zwêne aleine · sach man dannen gân
über den hof vil verre · vür einen palas wît.
die ûß erwelten degene · vorhten niemannes nît.
Si gesâßen vor dem hûse · gein eime sal,
der was Kriemhilde, · ûf eine banc ze tal.
dô lûhte in vor dem lîbe · ir hêrlîch gewant.
genuoge, die daß sâhen, · hetens gerne bekant.
Alsam tier diu wilden · gekaphet wurden an
die übermüeten helde · von den Hiunen man.
si ersach durch ein venster · daß Etzelen wîp:
des wart aber betrüebet · der schœnen Kriemhilde lîp.
Eß mande si ir leide, · weinen si began.
des hete michel wunder · die Etzelen man,
waß ir sô rehte swære · verrihtet hete ir muot.
si sprach: „daß hât Hagene, · ir helde küene unde guot.
Si sprâchen zuo der vrouwen: · „wie ist daß geschehen?
wan wir iuch niulîche · haben vrô gesehen.
nie niemen wart sô küene, · derß iu hât getân,
heißet irß uns rechen, · eß sol im an sîn leben gân.“
„Daß wolde ich immer dienen, · swer ræche mîniu leit:
alles, deß er gerte, · des wær ich im bereit.
ich biut mich iu ze vüeßen,“ · sprach des küneges wîp:
„rechet mich an Hagenen, · daß er verliese den lîp.“
Dô garten sich vil balde · sehzec küener man:
durch Kriemhilde willen · si wolden hin gân
und wolden slahen Hagenen, · den vil küenen man,
und ouch den videlære. · daß wart mit râte getân.
Dô diu küneginne · ir schar sô kleine sach,
in einem grimmen muote · si ze den helden sprach:
„des ir dâ habet gedinge, · des sult ir abe gân:
ja endurfet ir sô ringe · Hagenen nimmer bestân.
„Swie stark und swie küene · von Troneje Hagne sî,
noch ist verre sterker, · der im dâ sitzet bî,
Volkêr der videlære: · der ist ein übel man.
ja ensult ir die helde · niht sô lîhte bestân.“
Dô si daß gehôrten, · dô garte sich ir mêr,
vier hundert recken. · diu küneginne hêr
was des vil genœte, · daß si in tæte leit.
dâ von wart sît den degenen · michel sorge bereit.
Dô si wol gewâfent · ir gesinde sach,
zuo den snellen recken · diu küneginne sprach:
„nu bîtet eine wîle: · jâ sult ir stille stân.
ich wil under krône · ze mînen vîenden gân.
„Und hœret itewîße, · waß mir hât getân
Hagene von Troneje, · Guntheres man:
ich weiß in sô gemuoten, · daß er mir lougent niht;
sô ist ouch mir unmære, · swaß im dar umbe geschiht.“
Dô sach der videlære, · ein küene spilman,
die edelen küneginne · ab einer stiegen gân
nider abeme hûse. · dô er daß ersach,
Volkêr der küene · zuo sîme hergesellen sprach:
„Nu schouwet, vriunt Hagene, · wâ si dort here gât,
diu uns âne triuwe · inß lant geladet hât.
in gesach mit küneges wîbe · nie sô manegen man,
die swert enhende trüegen, · alsô strîtlîchen gân.
„Wißßet ir, vriunt Hagene, · ob si iu sîn gehaß?
sô wil ich iu daß râten, · ir hüetet deste baß
des lîbes und der êren; · jâ dunket eß mich guot.
als ich mich versinne, · si sint vil zornec gemuot,
„Und sint ouch sumelîche · zen brusten alsô wît,
swer sîn selbes hüeten wil, · der tuo daß enzît.
ich wæn, si under sîden · die vesten prünne tragen.
waß si dâ mite meinen, · daß enhœr ich niemen sagen.“
Dô sprach in zornes muote · Hagne der küene man:
„ich weiß wol, daß eß alleß · ist ûf mich getân,
daß si diu liehten wâfen · tragent an der hant;
vor den möht ich gerîten · noch in der Burgunden lant.
„Nu saget mir, vriunt Volkêr, · welt ir mir gestân,
ob mit mir wellent strîten · Kriemhilde man?
daß lâßet ir mich hœren, · als liep als ich iu sî.
ich won iu immer mêre · mit triuwen dienstlîchen bî.“
„Ich hilfe iu sicherlîchen,“ · sô sprach der spilman.
„ob ich uns hie engegene · sæhe den künic gân
mit allen sînen recken, · die wîle ich leben muoß,
so entwîche ich iu durch vorhte · ûß helfe nimmer einen vuoß.“
„Nu lôn iu Got von himele, · vil edel Volkêr.
ob si mit mir strîten, · wes bedarf ich danne mêr?
sît ir mir helfen wellet, · als ich hân vernomen,
sô suln dise recken · vil gewerlîchen komen.“
„Nu stê wir von dem sedele,“ · sprach der spilman:
„si ist ein küneginne: · und lât si vür gân.
bieten ir die êre: · si ist ein edel wîp.
dâ mite ist ouch getiuwert · unser ietweders lîp.“
„Nein, durch mîne liebe,“ · sprach dô Hagene.
„sô wolden sich versinnen · dise degene,
daß ichß durch vorhte tæte, · und solde ich hin gên.
ine wil durch ir deheinen · nimmer von dem sedel stên.
„Jâ zimet eß uns beiden · zwâre lâßen baß.
zwiu sold ich den êren, · der mir ist gehaß?
daß getuon ich nimmer, · die wîl ich hân den lîp:
jane ruoche ich, waß mich nîdet · des künic Etzelen wîp.“
Der übermüete Hagene · leit über sîniu bein
ein vil liehteß wâfen, · ûß des knophe schein
ein vil liehter jaspis · grüener denne ein gras.
wol erkande eß Kriemhilt, · daß eß Sîvrides was.
Dô si daß swert erkande, · dô gie ir trûrens nôt.
daß gehilz was guldîn, · diu scheide ein borte rôt,
eß mande si ir leide: · weinen si began;
ich wæne, eß hete dar umbe · der küene Hagne getân.
Volkêr der snelle · zôch nâher ûf der banc
einen videlbogen starken, · michel unde lanc,
gelîch eime swerte, · scharph unde breit.
dô sâßen unervorhten · die zwêne recken gemeit.
Nu dûhten sich sô hêre · die zwêne küene man,
daß si niht enwolden · von dem sedel stân
durch niemannes vorhte. · des gieng in an den vuoß
diu edele küneginne · und bôt in vîntlîchen gruoß.
Si sprach: „nu saget, hêr Hagene, · wer hât nâch iu gesant,
daß ir getorstet rîten · her in ditze lant,
und ir daß wol erkandet, · waß ir mir habet getân?
hetet ir guote sinne, · ir soldetß billîchen lân.“
„Nâch mir ensande niemen,“ · sprach dô Hagene.
„man ladete her ze lande · drîe degene,
die heißent mîne hêrren: · sô bin ich ir man;
deheiner hovereise · bin ich hinder in gestân.“
Si sprach: „nu saget mir mêre, · zwiu tâtet ir daß,
daß ir daß habt verdienet, · daß ich iu bin gehaß?
ir sluoget Sîvriden, · mînen lieben man,
des ich unz an mîn ende · immer mêr ze weinne hân.“
Er sprach: „waß sol des mêre? · der rede ist nu genuoc.
ich binß et aber Hagene, · der Sîvriden sluoc,
den helt ze sînen handen: · wie sêre er des enkalt,
daß diu vrouwe Kriemhilt · die schœnen Prünhilde schalt!
„Eß ist et âne lougen, · küneginne rîch,
ich hân des alles schulde, · des schaden schedelîch.
nu reche eß, swer sô welle, · eß sî wîp oder man.
ich enwolde iu danne liegen, · ich hân iu leides vil getân.“
Si sprach: „daß hœret, recken, · wâ er mir lougent niht
aller mîner leide. · swaß im dâ von geschiht,
daß ist mir vil unmære, · ir Etzelen man.“
die übermüeten degene · sâhen alle ein ander an.
Swer den strît dâ hüebe, · sô wære dâ geschehen,
daß man den zwein gesellen · der êren müeße jehen,
wan siß in stürmen hêten · vil dicke wol getân.
des sich jene vermâßen, · durch vorhte muosen si daß lân.
Dô sprach ein der recken: · „wes seht ir mich an?
daß ich ê dâ lobete, · des wil ich abe gân,
durch niemannes gâbe · verliesen mînen lîp.
jâ wil uns verleiten · des künic Etzelen wîp.“
Dô sprach dâ bî ein ander: · „des selben hân ich muot.
der mir gæbe türne · von rôtem golde guot,
disen videlære · wolde ich niht bestân
durch sîne swinde blicke, · die ich an im gesehen hân.
„Ouch erkenne ich Hagenen · von sînen jungen tagen:
des mac man von dem recken · lîhte mir gesagen.
in zwein und zweinzec stürmen · hân ich in gesehen,
dâ vil maneger vrouwen · ist herzeleit von im geschehen.
„Er und der von Spâne · trâten manegen stîc,
dô si hie bî Etzel · vâhten manegen wîc
ze êren dem künege: · des ist vil geschehen:
dar umbe sol man Hagenen · der êren billîchen jehen.
„Dannoch was der recke · sîner jâre ein kint,
daß dô die tumben wâren, · wie grîse die nu sint.
nu ist er komen ze witzen · und ist ein grimmec man;
ouch treit er Balmungen, · daß er übele gewan.“
Dâ mite was gescheiden, · daß niemen dâ enstreit.
dô wart der küneginne · vil herzenlîchen leit.
die helden kêrten dannen; · jâ vorhten si den tôt
von dem videlære: · des gie in sicherlîchen nôt.
Wie dicke man durch vorhte · manegiu dinc verlât,
swâ sô vriunt bî vriunde · güetlîchen stât!
und hât er guote sinne, · daß er sîn niht entuot,
schade vil maneges mannes · wirt von sinnen wol behuot.
Dô sprach der küene Volkêr: · „wir hân daß wol ersehen,
daß wir hie vinden vînde, · als wir ê hôrten jehen.
wir suln zuo den künegen · hin ze hove gân,
so entar unser hêrren · mit strîte niemen bestân.“
„Nu wil ich iu volgen,“ · sprach dô Hagene.
si giengen, dâ si vunden · vil der degene
in grôßem antphange · noch an dem hove stân.
Volkêr der küene · vil lûte sprechen began.
Er sprach zuo sînen hêrren: · „wie lange welt ir stên,
daß ir iuch lâßet dringen? · ir sult ze hove gên
und hœret an dem künege, · wie der sî gemuot.“
dô sach man sich gesellen · die helde küene unde guot.
Der vürste von Berne · der nam an die hant
Gunthern den vil rîchen · von Burgunden lant;
Irnvrit nam Gêrnôten, · den vil küenen man;
dô sach man Gîselheren · ze hove mit sînem sweher gân.
Swie iemen sich gesellete · und ouch ze hove gie,
Volkêr und Hagene · geschieden sich nie
niuwan in eime sturme · unz an ir endes zît.
daß muosen edele vrouwen · beweinen grœßlîchen sît.
Dô sach man mit den künegen · hin ze hove gân
ir edelen ingesindes · tûsent küener man,
dar über sehzec recken: · die wâren mit in komen,
die hete in sîme lande · der küene Hagene genomen.
Hâwart und Îrinc, · zwêne ûß erwelte man,
sach man geselleclîchen · bî den künegen gân.
Dancwart und Wolfhart, · ein tiuwerlîcher degen,
die sach man grôßer tugende · vor den anderen phlegen.
Dô der vogt von Rîne · in den palas gie,
Etzel der rîche · daß langer niht enlie,
er spranc von sîme sedele, · als er in komen sach.
ein gruoß sô rehte schœne · von künege nie mêr geschach.
„Sît willekomen, hêr Gunther · und ouch hêr Gêrnôt
und iuwer bruoder Gîselher, · mîn dienst ich iu enbôt
mit triuwen willeclîchen · ze Wormeß über Rîn,
und alleß daß gedigene · daß sol mir willekomen sîn.
„Nu sît uns grôße willekomen, · ir zwêne degene,
Volkêr der vil küene · und ouch Hagene,
mir und mîner vrouwen · her in ditze lant:
si hât iu boten manegen · hin ze Rîne gesant.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „des hân ich vil vernomen.
wær ich durch mîne hêrren · zen Hiunen niht enkomen,
sô wær ich iu zen êren · geriten in daß lant.“
dô nam der wirt edele · die lieben geste bî der hant.
Er brâhte si zem sedele, · dâ er ê selbe saß.
dô schancte man den gesten, · mit vlîße tet man daß,
in wîten goldes schâlen · met, môraß unde wîn
und bat die ellenden · grôße willekomen sîn.
Dô sprach der künic Etzele: · „daß wil ich iu verjehen,
mir enkunde in dirre werlde · lieber niht geschehen
danne an iu helden, · daß ir mir sît bekomen.
des ist der küneginne · vil michel trûren benomen.
„Mich nimt des immer wunder, · waß ich iu habe getân,
sô manegen gast vil edele, · den ich gewunnen hân,
daß ir nie geruohtet · komen in mîniu lant.
daß ich iuch nu gesehen hân, · deist mir ze vreuden gewant.“
Des antwurte Rüedegêr, · ein rîter hôch gemuot:
„ir mugt si sehen gerne, · ir triuwe diu ist guot,
der mîner vrouwen mâge · sô schône kunnen phlegen.
si bringent iu ze hûse · manegen wætlîchen degen.“
An sunewenden âbent · die hêrren wâren komen
in Etzeln hof des rîchen. · vil selten ist vernomen
von alsô hôhem gruoße, · als er die helde enphie.
dar nâch er zuo den tischen · mit in vil vrœlîche gie.
Ein wirt bî sînen gesten · schôner nie gesaß.
man gab in volleclîchen · trinken unde maß:
alles, des si gerten, · des was man in bereit.
man hete von den helden · vil michel wunder geseit.
Etzel der rîche · het an bou geleit
sînen vlîß kostenlîche · mit grôßer arebeit:
palas unde türne, · kemenâten âne zal
in einer wîten bürge · und einen hêrlîchen sal.
Den het er heißen bouwen · lanc, hôch und wît,
durch daß sô vil der recken · in suohte zaller zît,
ân ander sîn gesinde · zwelf rîche künege hêr
und vil der werden degene · het er zallen zîten mêr,
Denne künic ie gewünne, · als ich vernomen hân.
er lebte in hôher wünne · von mâgen unde man.
schallen unde dringen · het der vürste guot
von manegem snellen degene: · des stuont im hôhe der muot.