Der Nibelunge liet

37. Âventiure
wie der marcgrâve Rüedegêr erslagen wart.

Eß heten die ellende · wider morgen guot getân.
wine der Gotlinde · kom ze hove gegân,
dô sach er beidenthalben · diu groeßlîchen sêr:
daß weinte inneclîche · der vil getriuwe Rüedegêr.

„Sô wê mich,“ sprach der recke, · „daß ich den lîp gewan;
daß disen grôßen jâmer · kan niemen understân.
swie gerne ichß vriden wolde, · der künec entuot es niht,
wand er der sînen leide · ie mêr und mêre gesiht.“

Dô sande an Dietrîche · der guote Rüedegêr,
ob siß noch kunden wenden · an dem künege hêr?
do enbôt im der von Berne: · „wer möht eß understân?
eß enwil der künec Etzel · scheiden nieman enlân.“

Dô sach ein Hiunen recke · Rüedegêren stân
mit weinunden ougen, · und hetes vil getân.
der sprach zer küneginne: · „nu seht ir, wie er stât,
der doch gewalt den meisten · hie bî Etzelen hât

„Und dem eß alleß dienet, · liut unde lant.
wie ist sô vil der bürge · an Rüedegêr gewant,
der er von dem künege · vil manege haben mac!
er sluoc in disem sturme · noch nie loblîchen slac.

„Mich dunket, er enruoche, · wie eß hier umbe gât,
sît et er den vollen · nâch sînem willen hât.
man giht im, er sî küener, · danne ieman müge sîn:
daß ist in disen sorgen · worden bœslîchen schîn.“

Mit trûregem muote · der vil getriuwe man,
den er daß reden hôrte, · der helt der blicte in an.
er gedâht: „du solt eß arnen: · du gihst, ich sî verzagt:
du hâst diu dînen mære · ze hove ze lûte gesagt.“

Die vûst begunder twingen: · dô lief er in an
und sluoc sô krefteclîche · den Hiunischen man,
daß er im vor den vüeßen · lac vil schiere tôt.
dô was aver gemêret · des künic Etzelen nôt.

„Hin, du zage mære,“ · sprach dô Rüedegêr,
„ich hân doch genuoge · leit unde sêr.
daß ich hie niht envihte, · zwiu wîßest du mir daß?
jâ wær ich den gesten · von grôßen schulden gehaß,

„Und alleß, daß ich mehte, · daß hete ich in getân,
niuwan daß ich die recken · her gevüeret hân.
ich was ir geleite · in mînes hêrren lant:
des ensol mit in niht strîten · mîn vil ellendes hant.“

Dô sprach zem marcgrâven · Etzel der künic hêr:
„wie habt ir uns geholfen, · vil edel Rüedegêr!
wan wir sô vil der veigen · hie ze lande hân,
wir bedurfen ir niht mêre: · ir habt vil übele getân.“

Dô sprach der rîter edele: · „ja beswârt er mir den muot
und hât mir geitewîßet · êre unde guot,
des ich von dînen handen · sô vil hân genomen:
daß ist dem lügenære · ein teil ze unstaten komen.“

Dô kom diu küneginne · und heteß ouch gesehen,
daß von des heldes zorne · dem Hiune was geschehen.
si klagte eß ungevuoge: · ir ougen wurden naß.
si sprach zuo Rüedegêre: · „wie habe wir verdienet daß,

„Daß ir mir und dem künege · mêret unser leit?
nu habt ir, edel Rüedegêr, · uns alleß her geseit,
ir woldet durch uns wâgen · die êre und daß leben.
ich hôrt iu vil der recken · den prîs vil grœßlîchen geben.

„Ich mane iuch der genâden, · und ir mir hânt gesworn,
do ir mir zuo Etzeln rietet, · rîter ûßerkorn,
daß ir mir woldet dienen · an unser eines tôt.
des wart mir armen wîbe · nie sô grœßlîchen nôt.“

„Daß ist âne lougen, · ich swuor iu, edel wîp,
daß ich durch iuch wâgte · die êre und ouch den lîp;
daß ich die sêle vliese, · desn hân ich niht gesworn.
zuo dirre hôhgezîte · brâht ich die vürsten wol geborn.“

Si sprach: „gedenke, Rüedegêr, · der grôßen triuwe dîn,
der stæte und ouch der eide, · daß du den schaden mîn
immer woldest rechen · und elliu mîniu leit.“
dô sprach der marcgrâve: · „ich hân iu selten iht verseit.“

Etzel der rîche · vlêgen ouch began:
dô buten si sich beidiu · ze vüeßen vür den man.
den guoten marcgrâven · unmuotes man dô sach:
der vil getriuwe recke · harte jæmerlîchen sprach:

„Ouwê mich Gotes armen, · daß ich ditz gelebet hân.
aller mîner êren · der muoß ich abe stân,
triuwen unde zühte, · die Got an mir gebôt.
ouwê, Got von himele, · daß michs niht wendet der tôt!

„Swelheß ich nu lâße · und daß ander begân,
sô hân ich bœslîche · und vil übele getân:
lâß aber ich si beide, · mich schendet elliu diet.
nu ruoche mich bewîsen, · der mir ze lebene geriet.“

Dô bâten si genôte, · der künec und ouch sîn wîp.
des muosen sider recken · vliesen den lîp
von Rüedegêres hende, · dâ ouch der helt erstarp.
ir mugt daß hie wol hœren, · daß er vil jæmerlîchen warp.

Er weste schaden gewinnen · und ungevüegiu leit.
er hête dem künege · vil gerne verseit
und ouch der küneginne: · vil sêre vorhte er daß,
ob er ir einen slüege, · diu werlt trüege im drumbe haß.

Dô sprach zuo dem künege · der vil küene man:
„hêr künec, nu nemt hin widere, · swaß ich von iu hân,
daß lant mit den bürgen: · der sol mir niht bestên.
ich wil ûf mînen vüeßen · in daß ellende gên.

„Alles guotes âne · sô rûme ich iu diu lant,
mîn wîp und mîne tohter · nim ich an mîne hant,
ê daß ich âne triuwe · belîben müese tôt.
ich hete genomen übele · iuwer golt alsô rôt.“

Dô sprach der künic Etzel: · „wer hulfe danne mir?
daß lant zuo den liuten · daß gibich alleß dir,
daß du mich rechest, Rüedegêr, · an den vînden mîn.
du solt ein künec gewaltic · bî neben Etzelen sîn.“

Dô sprach aber Rüedegêr: · „wie sol ichß ane vân?
heim ze mînem hûse · ich si geladen hân,
trinken unde spîse · ich in güetlîchen bôt
und gab in mîne gâbe: · sol ich si dar zuo slahen tôt?

„Die liute wænent lîhte, · daß ich sî verzagt:
deheinen mînen dienest · hân ich in versagt;
solde ich nu mit in strîten, · daß wære missetân.
sô rouwe mich diu vriuntschaft, · die ich mit in geworben hân.

„Gîselher dem degene · gab ich die tohter mîn:
sine kunde in dirre werlde · niht baß verwendet sîn
ûf zuht und ouch ûf êre, · ûf triuwe und ûf guot.
ine gesach nie künic jungen · sô rehte tugentlîch gemuot.“

Dô sprach aber Kriemhilt: · „vil edel Rüedegêr:
„nu lâ dich erbarmen · unser beider sêr,
mîn und ouch des küneges; · gedenke wol dar an,
daß nie wirt deheiner · sô leide geste mêr gewan.“

Dô sprach der marcgrâve · wider daß edel wîp:
„eß muoß hiute gelten · der Rüedegêres lîp,
swaß ir und ouch mîn hêrre · mir liebes habt getân:
dar umbe muoß ich sterben; · daß enmac niht langer gestân.

„Ich weiß wol, daß noch hiute · mîn bürge und mîniu lant
iu müeßen ledec werden · von ir eteslîches hant.
ich bevilhe iu ûf genâde · mîn wîp und mîn kint
und die vil ellenden, · die ze Bechelâren sint.“

„Nu lôn dir Got, Rüedegêr,“ · sprach der künic dô.
er und diu küneginne · si wurden beidiu vrô.
„uns suln dîne liute · vil wol bevolhen wesen:
ouch trouwe ich mînem heile, · daß du maht selbe wol genesen.“

Dô ließ er an die wâge · sêle unde lîp.
dô begunde weinen · daß Etzelen wîp.
er sprach: „ich muoß iu leisten, · als ich gelobt hân.
ouwê der mînen vriunde, · die ich vil ungerne bestân.“

Man sach in von dem künege · vil trûreclîchen gân.
dô vant er sîne recken · vil nâhen bî im stân:
er sprach: „ir sult iuch wâfenen, · alle mîne man:
die küenen Burgunden · muoß ich leider bestân.“

Si hießen balde springen, · dâ man ir wâfen vant.
eß der helm wære · od des schildes rant,
von ir ingesinde · wart eß in dar getragen.
sît hôrten leidiu mære · die stolzen ellende sagen.

Gewâfent wart dô Rüedegêr · mit fünf hundert man,
dar über zwelf recken · sach man mit im gân.
die wolden prîs erwerben · in des sturmes nôt:
si enwessen niht der mære, · daß in sô nâhent der tôt.

Dô sach man Rüedegêre · under helme gân.
eß truogen swert diu scharphen · des marcgrâven man,
dar zuo vor ir handen · die liehte schilde breit.
daß sach der videlære: · eß was im grœßlîchen leit.

Dô sach der junge Gîselher · sînen sweher gên
mit ûf gebundem helme. · wie moht er dô verstên,
waß er dâ mite meinte · niuwan alleß guot?
des wart der künic edele · sô rehte vrœlîch gemuot.

„Nu wol mich solher vriunde!“ · sprach Gîselher der degen,
„die wir hân gewunnen · nu ûf disen wegen.
wir suln mînes wîbes · vil wol genießen hie:
mir ist liep ûf mîne triuwe, · daß ie der hîrât ergie.“

„Ine weiß, wes ir iuch trœstet,“ · sprach der spilman.
„wâ sâht ir ie durch suone · sô manegen helt gân
mit ûf gebunden helmen, · die trüegen swert enhant?
an uns wil dienen Rüedegêr · sîne bürge und sîniu lant.“

Bedaß der videlære · die rede vol sprach,
Rüdegêr den edelen · man vor dem hûse sach.
sînen schilt den guoten · satzt er vür den vuoß:
dô muos er sînen vriunden · versagen dienst unde gruoß.

Der edel marcgrâve · rief dô in den sal:
„ir küene Nibelunge, · nu wert iuch über al.
ir soldet mîn genießen, · ir enkeltet mîn.
ê dô wâr wir vriunde, · der triuwe wil ich ledec sîn.“

Do erschrahten dirre mære · die nôthaften man:
in was der trôst enphallen, · den si dâ wânden hân,
dô mit in wolde strîten, · dem si dâ wâren holt.
si heten doch von vînden · vil michel arbeit gedolt.

„Nune welle Got von himele,“ · sprach Gunther der degen,
„daß ir iuch genâden · sült an uns bewegen
und der vil grôßen triuwe, · der wir doch heten muot:
ich wil iu des getrouwen, · daß ir eß nimmer getuot.“

„Jane mac ichs niht gelâßen,“ · sprach der küene man:
„ich muoß mit iu strîten, · wan ichß gelobt hân.
nu wert iuch, küene degene, · sô liep iu sî der lîp.
mich enwoldes niht erlâßen · des künic Etzelen wîp.“

„Ir widersagt uns nu ze spâte,“ · sprach der künic hêr.
„nu müeß iu Got vergelten, · vil edel Rüedegêr,
triuwe unde minne, · die ir uns habt getân,
ob ir eß an dem ende · woldet güetlîcher lân.

„Wir soltenß immer dienen, · daß ir uns habt gegeben,
ich und mîne mâge, · ob ir uns ließet leben,
der hêrlîchen gâbe, · dô ir uns brâhtet her
in Etzeln lant mit triuwen; · des gedenket, edel Rüedegêr.“

„Wie wol ich iu des gunde,“ · sprach Rüedegêr der degen,
„daß ich iu mîne gâbe · mit vollen solde wegen
alsô willeclîche, · als ich des hete wân.
sone wurde mir dar umbe · nimmer schelten getân.“

„Erwindet, edel Rüedegêr,“ · sprach dô Gêrnôt,
„wan eß wirt deheiner · gesten nie erbôt
sô rehte minneclîchen, · als ir uns habt getân.
des sult ir wol genießen, · ob wir bî lebene bestân.“

„Daß wolde Got,“ sprach Rüedegêr, · „vil edel Gêrnôt,
daß ir ze Rîne wæret · und ich wære tôt
mit etlîchen êren, · sît ich iuch sol bestân!
eß wart an ellenden · von vriunden noch nie wirs getân.“

„Nu lône iu Got, hêr Rüedegêr,“ · sprach dô Gêrnôt,
„der vil rîchen gâbe. · mich riuwet iuwer tôt,
sol an iu verderben · sô tugentlîcher muot.
hie trag ich iuwer wâfen, · daß ir mir gâbet, helt guot.

„Daß ist mir nie geswichen · in aller dirre nôt:
under sînen ecken · lît manec rîter tôt.
eß ist lûter unde stæte, · hêrlîch unde guot.
ich wæne, sô rîcher gâbe · ein recke nimmer mê getuot.

„Und welt ir niht erwinden, · irn welt uns bestân,
slaht ir mir iht der vriunde, · die ich hinne hân,
mit iuwer selbes swerte · nim ich iu den lîp!
sô riuwet ir mich, Rüedegêr, · und iuwer hêrlîcheß wîp.“

„Daß wolde Got, hêr Gêrnôt, · und meht eß ergân,
daß aller iuwer wille · wære hie getân
und daß genesen wære · iuwer vriunde lîp!
jâ sold iu wol getrûwen · beidiu mîn tohter und mîn wîp.“

Dô sprach von Burgunden · der schœnen Uoten kint:
„wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? · die mit mir komen sint,
si sint iu alle wæge: · ir grîfet übel zuo:
die iuwer schœne tohter · welt ir verwitwen ze vruo.

„Swenne ir und iuwer recken · mit strîte mich bestât,
wie reht unvriuntlîche · ir daß schînen lât,
daß ich iu wol getrûwe · vür alle ander man,
dâ von ich ze wîbe · iuwer tohter mir gewan.“

„Gedenket iuwer triuwen, · vil edel künic hêr,
gesende iuch Got von hinne,“ · sô sprach Rüedegêr,
„lât die juncvrouwen · niht enkelten mîn:
durch iuwer selbes tugende · sô ruochet ir genædec sîn.“

„Daß tæt ich billîche,“ · sprach Gîselher daß kint:
„die hôhen mîne mâge, · die noch hier inne sint,
suln die von iu sterben, · sô muoß gescheiden sîn
diu vil stæte vriuntschaft · zuo dir und der tohter dîn.“

„Nu müeß uns Got genâden,“ · sprach der küene man.
dô huoben si die schilde, · alsô si wolden dan
strîten zuo den gesten · in Kriemhilde sal.
dô rief vil lûte Hagene · von der stiege hin ze tal:

„Belîbet eine wîle, · vil edel Rüedegêr.“
alsô sprach dô Hagene: · „wir wolden reden mêr,
ich und mîne hêrren, · als uns des twinget nôt.
waß mac gehelfen Etzeln · unser ellender tôt?

„Ich stên in grôßen sorgen,“ · sprach aber Hagene,
„den schilt, den mir vrou Gotelint · gap zuo tragene,
den habent mir die Hiunen · zerhouwen von der hant.
ich vuort in vriuntlîche · in daß Etzelen lant.

„Daß des Got von himele · ruochen wolde,
daß ich schilt sô guoten · noch tragen solde,
sô den du hâst vor hende, · vil edel Rüedegêr!
so bedorfte ich in dem sturme · deheiner halsperge mêr.“

„Vil gerne wær ich dir guot · mit mînem schilde,
getörst ich dirn gebieten · vor Kriemhilde.
doch nim du in hin, Hagene, · und trag in an der hant.
hei, soldest du in vüeren · in der Burgunden lant!“

Do er im sô willeclîchen · den schilt ze gebene bôt,
dô wart genuoger ougen · von heißen trehen rôt.
eß was diu leste gâbe, · die sider immer mêr
bôt deheinem degene · von Bechlâren Rüedegêr.

Swie grimme Hagne wære · und wie herte gemuot,
ja erbarmet in diu gâbe, · die der helt guot
bî sînen lesten zîten · sô nâhen het getân.
vil manec rîter edele · mit im trûren began.

„Nu lôn iu Got von himele, · vil edel Rüedegêr.
eß wirt iur gelîche · deheiner nimmer mêr,
der ellenden recken · sô hêrlîchen gebe.
sô sol daß Got gebieten, · daß iuwer tugende immer lebe.“

„Sô wê mich dirre mære,“ · sô sprach ab Hagene.
„wir heten ander swære · sô vil ze tragene:
suln wir mit vriunden strîten, · daß sî Got gekleit.“
dô sprach der marcgrâve: · daß ist mir inneclîche leit.“

„Nu lôn ich iu der gâbe, · vil edel Rüedegêr.
swie halt gein iu gebâren · dise recken hêr,
daß nimmer iuch gerüeret · mit strîte hie mîn hant,
ob ir si alle slüeget · die von Burgunden lant.“

Des neig im mit zühten · der guote Rüedegêr.
si weinten allenthalben: · daß disiu herzen sêr
niemen scheiden kunde, · daß was ein michel nôt.
vater aller tugende · lac an Rüedegêre tôt.

Dô sprach von dem hûse · Volkêr der spileman:
„sît mîn geselle Hagene · den vride hât getân,
den sult ir alsô stæte · hân von mîner hant.
daß habt ir wol verdienet, · dô wir kômen in daß lant.

„Vil edel marcgrâve, · ir sult mîn bote sîn.
dise rôte bouge · gab mir diu marcgrâvîn,
daß ich si tragen solde · hie zer hôhgezît:
die mugt ihr selbe schouwen, · daß ir des mîn geziuge sît.“

„Daß wolde Got von himele,“ · sprach dô Rüedegêr,
„daß iu diu marcgrâvinne · noch solde geben mêr.
diu mære sage ich gerne · der triutinne mîn,
gesihe ich si gesunder: · des sult ir âne zwîvel sîn.“

Als er im daß gelobete, · den schilt huop Rüedegêr:
des muotes er ertobete: · do enbeit er dâ niht mêr.
dô lief er zuo den gesten, · einem degen gelîch,
manegen slac vil swinden · sluoc der marcgrâve rîch.

Die zwêne stuonden hôher, · Volkêr und Hagene,
wan eß im ê gelobten · die zwêne degene.
noch vant er als küenen · bî den türen stân,
daß Rüedegêr des strîtes · mit grôßen sorgen began.

Durch mortræßen willen · sô ließen in dar in
Gunther und Gêrnôt: · si heten helde sin.
dô stuont hôher Gîselher: · zwâre eß was im leit.
er versach sich noch des lebenes: · dâ von er Rüedegêre meit.

Dô sprungen zuo den vînden · des marcgrâven man.
man sach si nâch ir hêrren · vil degenlîche gân.
diu snîdunde wâfen · si truogen an der hant:
des brast dâ vil der helme · und manec hêrlîcher rant.

Dô sluogen die vil müeden · vil manegen swinden slac
den von Bechelâren, · der eben und tiefe wac,
durch die vesten ringe · vast unz ûf daß verch.
si tâten in dem sturme · diu vil hêrlîchen werch.

Daß edel ingesinde · was nu komen in.
Volkêr und Hagene · die sprungen balde hin.
sine gâben vride niemen · wan dem einen man.
von ir beider hende · daß bluot durch helme nider ran.

Wie rehte gremlîche · vil swerte drinne erklanc!
vil der schiltspange · ûß von slegen spranc:
des reis ir schiltsteine · nider in daß bluot:
si vâhten alsô grimme, · daß manß nimmer mê getuot.

Der vogt von Bechelâren · gie wider unde dan,
alsô der mit ellen · in sturme werben kan.
dem tet des tages Rüedegêr · harte wol gelîch,
daß er ein recke wære · vil küene unde lobelîch.

Hie stuonden dise recken, · Gunther und Gêrnôt,
si sluogen in dem strîte · vil manegen helt tôt.
Gîselher und Dancwart · die zwêne eß ringe wac:
des vrumten si vil manegen · hinz ûf den jungisten tac.

Vil wol zeigte Rüedegêr, · daß er was starc genuoc,
küene und wol gewâfent: · hei, waß er helde sluoc!
daß sach ein Burgunde: · dô twang in zornes nôt.
dâ von begunde nâhen · des guoten Rüedegêres tôt.

Gêrnôt der starke · den helt ruofte er an.
er sprach zem marcgrâven: · „ir welt mir mîner man
niht genesen lâßen, · vil edel Rüedegêr.
daß müet mich âne mâße: · ichn kans niht an gesehen mêr.

„Nu mag iu iuwer gâbe · wol ze schaden komen,
sît ir mîner vriunde · mir habt sô vil genomen.
nu wendet iuch her umbe, · vil edel küene man:
iur gâbe wirt verdienet, · sô ichß aller hoehste kan.“

Ê daß der marcgrâve · zuo im vol kœme dar,
des muosen liehte ringe · werden missevar.
dô sprungen zuo ein ander · die êre gernde man.
ir ietweder schermen · vür starke wunden began.

Ir swert sô scharph wâren, · eß enkunde in niht gewegen.
dô sluoc Gêrnôten · Rüedegêr der degen
durch helmen vlinsherten, · daß nider vlôß daß bluot:
daß vergalt im schiere · der rîter küene unde guot.

Die Rüedegêres gâbe · an hende er hôhe erwac:
swie wunt er wær zem tôde, · er sluog im einen slac
durch den schilt vil guoten · unz ûf diu helmgespan:
dâ von muose ersterben · dô der Gotlinden man.

Jane wart nie wirs gelônet · sô rîcher gâbe mêr.
dô vielen beide erslagene, · Gêrnôt und Rüedegêr,
gelîch in dem sturme · von ir beider hant.
alrêst erzurnde Hagene, · dô er den grôßen schaden bevant.

Dô sprach der helt von Troneje: · „eß ist uns übel komen.
wir haben an in beiden · sô grôßen schaden genomen,
den wir nimmer überwinden, · ir liut und ouch ir lant.
die Rüedegêres helde · sint unser ellenden phant.“

Dane wolde ir deheiner · dem andern niht vertragen:
vil maneger âne wunden · dar nider wart geslagen,
der wol genesen wære: · ob im wart solch gedranc,
swie gesunt er anders wære, · dêr in dem bluote doch ertranc.

„Ouwê mich mînes bruoder, · der tôt ist hie gevrumt.
waß mir der leiden mære · ze allen zîten kumt!
ouch muoß mich immer riuwen · mîn sweher Rüedegêr:
der schade ist beidenthalben · und diu grœßlîchen sêr.“

Dô der junge Gîselher · sach sînen bruoder tôt,
die dô dar inne wâren, · die muosen lîden nôt.
der tôt der suohte sêre, · dâ sîn gesinde was.
der von Bechelâren · dô langer einer niht genas.

Gunther unde Gîselher · und ouch Hagene,
Dancwart unde Volkêr, · die guoten degene,
die giengen, dâ si vunden · ligen die zwêne man:
dô wart dâ von den helden · mit jâmer weinen begân.

„Der tôt uns sêre roubet,“ · sprach Gîselher daß kint.
„nu lâßet iuwer weinen, · und gê wir an den wint,
daß uns die ringe erkuolent, · uns strîtmüeden man.
jâ wæn Got uns langer · hie ze lebene niht engan.“

Den sitzen, den sich leinen · sach man dâ manegen degen.
si wâren aber müeßec. · dâ wâren tôt gelegen
die Rüedegêres helde: · vergangen was der dôß.
sô lange wert diu stille, · daß sîn Etzeln erdrôß.

„Ouwê mir dirre swære,“ · sprach des küneges wîp,
„si sprechent al ze lange. · unser vînde lîp
mac nu wol vrî belîben · vor Rüedegêres hant:
er wil si wider bringen · in der Burgunde lant.

„Waß hilfet, künic Etzel, · daß wir geteilet hân
mit im, swaß er wolde? · der helt hât missetân.
der uns dâ solde rechen, · der wil der suone phlegen.
des antwurte ir dô Volkêr, · der vil zierlîche degen:

„Der rede enist sô niht leider, · vil edel küneges wîp.
getörste ich heißen liegen · alsus edelen lîp,
sô het ir tievellîchen · an Rüedegêr gelogen.
er und die sîne degene · sint an der suone gar betrogen.

„Er tet sô willeclîche, · daß im der künec gebôt,
daß er und sîn gesinde · ist hie gelegen tôt.
nu seht al umbe, Kriemhilt, · wem ir gebieten welt:
iu hât unz an den ende · gedienet Rüedegêr der helt.

„Welt ir es niht gelouben, · man solß iuch sehen lân.“
durch ir herzen sêre · sô wart duo daß getân:
man truoc den helt verhouwen, · dâ in der künic sach.
den Etzelen degenen · sô rehte leide nie geschach.

Dô si den marcgrâven · tôten sâhen tragen,
eß enkunde ein schrîber · gebrieven noch gesagen
die manegen ungebærde · von wîbe und ouch von man,
diu sich von herzen jâmer · aldâ zeigen began.

Der Etzelen jâmer · der wart alsô grôß,
als eines leuwen stimme · der rîche künec erdôß
mit herzeleidem wuofe: · alsam tet ouch sîn wîp.
si klagten ungevuoge · des guoten Rüedegêres lîp.