Der Nibelunge liet

25. Âventiure
wie die künege zuo den Hiunen vuoren.

Nu lâßen daß belîben, · wie si gebâren hie.
hôch gemuoter recken · die gevuoren nie
sô rehte hêrlîchen · in deheines küneges lant.
si heten, swaß si wolden, · beide wâfen und gewant.

Der vogt von dem Rîne · kleidete sîne man
sehzec unde tûsent, · als ich vernomen hân,
und niun tûsent knehte · gên der hôhzît.
die si dâ heime ließen, · die beweinden eß sît.

Dô truoc man daß gereite · ze Wormeß über den hof.
dô sprach dâ von Spîre · ein alter bischof
zuo der schœnen Uoten: · „unser vriunde wellent varn
gên der hôhzîte: · Got müeße si dâ bewarn.“

Dô sprach zuozir kinden · diu edele Uote:
„ir soldet hie belîben, · helde guote.
mir ist getroumet hînte · von engestlîcher nôt,
wie alleß daß gevügele · in disme lande wære tôt.“

„Swer sich an troume wendet,“ · sprach dô Hagene,
„der enweiß der rehten mære · niht ze sagene,
wenne eß im zen êren · volleclîchen stê.
ich wil, daß mîn hêrre · ze hove nâch urloube gê.

„Wir suln vil gerne rîten · in Etzelen lant:
dâ mac wol dienen künege · guoter helde hant,
dâ wir dâ schouwen müeßen · Kriemhilde hôhzît.“
Hagne riet die reise; · iedoch gerouw eß in sît.

Er heteß widerrâten, · wan daß Gêrnôt
mit ungevüege · im alsô missebôt.
er mant in Sîvrides, · vroun Kriemhilde man:
er sprach: „dâ von wil Hagene · die grôßen hovereise lân.“

Dô sprach von Troneje Hagene: · „durch vorhte ich niht entuo.
swenne ir gebietet, helde, · sô sult ir grîfen zuo:
jâ rîte ich mit iu gerne · in Etzelen lant.“
sît wart von im verhouwen · manec helm unde rant.

Diu schif bereitet wâren · den künegen und ir man;
swaß si kleider hêten, · diu truoc man dar an.
si wâren vil unmüeßec · vor âbendes zît;
si huoben sich von hûse · vil harte vrœlîche sît.

Gezelt unde hütten · spien man an daß gras
anderhalp des Rînes, · dâ daß gesæße was.
den künec bat noch belîben · sîn vil schœneß wîp:
si trûte noch des nahtes · den sînen wætlîchen lîp.

Pusûnen, vloitieren · houp sich des morgens vruo,
daß si varn solden: · dô griffen si dô zuo.
swer liep hete an arme, · der trûte vriundes lîp;
des schiet sît vil mit leide · des küneges Etzelen wîp.

Diu kint der schœnen Uoten · die heten einen man
küenen und getriuwen: · dô si dô wolten dan,
dô sagete er dem künege · tougen sînen muot.
er sprach: „des muoß ich trûren, · daß ir die hovereise tuot.“

Er was geheißen Rûmolt · und was ein helt zer hant.
er sprach: „wem welt ir lâßen · liute und ouch diu lant?
daß nieman kan erwenden · iu recken iuwern muot!
Kriemhilde mære · nie gedûhten mich guot.“

„Daß lant sî dir bevolhen · und ouch mîn kindelîn;
und diene wol den vrouwen: · daß ist der wille mîn.
swen du sehest weinen, · dem trœste sînen lîp;
jâ tuot uns nimmer leide · des künîc Etzelen wîp!“

Ê daß si schieden dannen, · der künec ze râte gie
mit sînen hôhsten mannen: · unberihtet er niht lie
lant unde bürge: · die der solden phlegen,
den ließ er ze huote · vil manegen ûß erwelten degen.

Diu ros bereitet wâren · den künegen und ir man.
mit minneclîchem kusse · schiet vil maneger dan,
dem in hôhem muote · lebete dô der lîp.
daß muose sît beweinen · vil manec wætlîcheß wîp.

Wuofen unde weinen · des hôrte man genuoc.
ir kint diu küneginne · zem künec ûf armen truoc:
„wie welt ir nu verweisen · unser beider lîp!
ir sult durch uns belîben,“ · sô sprach daß jâmerhafte wîp.

„Ir sult niht, vrouwe, weinen · durch den willen mîn,
ir sult in hôhem muote · hie heime ân angest sîn:
wir kumen schiere widere · mit vreuden wol gesunt.“
si schieden minneclîchen · von ir vriunden sâ ze stunt.

Dô man die snellen recken · sach zen rossen gân,
dô kôs man vil der vrouwen · trûreclîchen stân.
daß ir vil langeß scheiden · seite in wol der muot:
ûf grôßen schaden ze komene, · daß herze niene samphte tuot.

Die snellen Burgunden · sich ûß huoben,
dô wart in dem lande · ein michel uoben:
beidenthalp der berge · weinde wîp und man.
swie dort ir volc tæte, · si vuoren vrœlîche dan.

Die Niblunges helde · kômen mit in dan
in tûsent halspergen; · die heime heten lân
manege schœne vrouwen, · gesâhens nimmer mê;
Sîvrides wunde · tâten Kriemhilde wê.

In den selben zîten · was noch der gloube kranc;
doch vrumtens einen kapelân, · der in messe sanc:
der kom gesunder widere, · swie er vil kûm entran;
die andern muosen alle · dâ zen Hiunen bestân.

Dô schicten si ir reise · gên dem Möune dan,
ûf durch Ôstervranken, · die Guntheres man.
dar leitete si Hagene, · dem was eß wol bekant.
ir marschalc was Dankwart, · der helt von Burgunden lant.

Dô si von Ôstervranken · gên Swalevelde riten,
dô mohte man si kiesen · an hêrlîchen siten,
die vürsten und ir mâge, · die helde lobesam.
an dem zwelften morgen · der künec zer Tuonouwe kam.

Dô reit von Tronje Hagene · zaller vorderôst:
er was den Niblungen · ein helflîcher trôst.
do erbeißte der degen küene · nider ûf den sant:
sîn ros er harte balde · zuo eime boume gebant.

Daß waßßer was engoßßen, · diu schif verborgen:
eß ergie den Niblungen · zuo grôßen sorgen,
wie si kœmen übere: · der wâc was in ze breit.
do erbeißte zuo der erden · vil manec rîter gemeit.

„Leide,“ sprach dô Hagene, · „mac dir hie wol geschehen,
vogt von dem Rîne; · nu mahtu selbe sehen,
daß waßßer ist engoßßen, · vil starc ist im sîn vluot:
jâ wæn wir hie verliesen · noch hiute manegen recken guot.“

„Waß wîßet ir mir, Hagene?“ · sprach der künic hêr,
„durch iuwer selbes tugende · untrœstet uns niht mêr.
den vurt sult ir uns suochen · hin über an daß lant,
daß wir von hinnen bringen · beide ros und ouch gewant.“

„Ja enist mir,“ sprach Hagene, · „mîn leben niht sô leit,
daß ich mich welle ertrenken · in disen ünden breit:
ê sol von mînen handen · ersterben manec man
in Etzelen landen, · des ich vil guoten willen hân.

„Belîbet bî dem waßßer, · ir stolzen rîter guot.
ich wil die vergen suochen · selbe bî der vluot,
die uns bringen übere · in Gelphrâtes lant.“
dô nam der starke Hagene · sînen guoten schildes rant.

Er was wol gewâfent. · den schilt er dannen truoc,
den helm ûf gebunden; · lieht was er genuoc.
dô truoc er ob der brünne · ein wâfen alsô breit,
daß ze beiden ecken · vil harte vreislîchen sneit.

Dô suohte er nâch den vergen · wider unde dan.
er hôrte waßßer gießen: · losen er began.
in einem schœnen brunnen · tâten daß wîsiu wîp:
diu wolden sich dâ küelen · unde badeten ir lîp.

Hagene wart ir innen, · er sleich in tougen nâch.
dô si daß versunnen, · dô was in dannen gâch.
daß si im entrunnen, · des wâren si vil hêr.
er nam in ir gewæte: · der helt enschadete in niht mêr.

Dô sprach daß eine merwîp, · Hadburc was si genant:
„edel rîter Hagene, · wir tuon iu hie bekant,
swenne ir uns widere · gebet unser wât,
wie iu zuo den Hiunen · iuwer hovereise ergât.“

Si swebten sam die vogele · vor im ûf der vluot.
des dûhten in ir sinne · starc unde guot:
swaß si im sagen wolden, · er geloubte in dester baß.
daß er dô hinze in gerte, · wol beschieden si im daß.

Si sprach: „ir mugt wol rîten · in Etzelen lant.
des setze ich iu ze bürgen · mîn triuwe hie zehant,
daß helde nie gevuoren · in deheiniu rîche baß
nâch alsô grôßen êren; · nu geloubet wærlîchen daß.“

Der rede was dô Hagene · in sîme herzen hêr:
dô gab er in ir kleider · und sûmte sich niht mêr.
dô si an geleiten · ir wunderlîch gewant,
dô sageten sim rehte · die reise in Etzelen lant.

Dô sprach daß ander merwîp, · diu hieß Siglint:
„ich wil dich warnen, Hagene, · Aldrîânes kint.
durch der wæte liebe hât · mîn muome dir gelogen:
und kumestu zen Hiunen, · sô bistu sêre betrogen.

„Jâ soltu kêren widere, · daß ist an der zît:
wan ir helde küene · alsô geladet sît,
daß ir sterben müeßet · in Etzelen lant:
swelhe dar gerîtent, · die hânt den tôt an der hant.“

Dô sprach aber Hagene: · „ir trieget âne nôt.
wie möhte eß sich gevüegen, · daß wir alle tôt
solden dâ belîben · durch iemannes haß?“
si begunden im diu mære · sagen kuntlîcher baß.

Dô sprach aber diu eine: · „eß muoß alsô wesen,
daß dâ iuwer einer · niht enkan genesen
niuwan des küneges kapelân: · daß ist uns wol bekant:
der kumt gesunder widere · in daß Guntheres lant.“

Dô sprach in grimmem muote · der küene Hagene:
„daß wære mînen hêrren · müelîch ze sagene,
daß wir zen Hiunen solden · verliesen alle en lîp.
nu zeig uns überß waßßer, · aller wîseste wîp.“

Si sprach: „Sît du der verte · niht wellest haben rât,
wâ oben bî dem waßßer · ein herberge stât,
dar inne ist ein verge · und niender anderswâ.“
der mære, der er vrâgte, · der geloubete er sich dâ.

Dem ungemuoten recken · sprach diu eine nâch:
„nu bîtet noch, er Hagene: · jâ ist iu gar ze gâch.
vernemet noch baß diu mære, · (wie ir kumet über sant.
dirre marke hêrre · der ist Else genannt.

„Sîn bruoder derst geheißen · der degen Gelphrât,
ein hêrre in Beier lande: · vil müelîch eß iu stât,
welt ir durch sîne marke). · ir sult iuch wol bewarn
und sult ouch mit dem vergen · vil bescheidenlîchen varn.

„Der ist sô grimmes muotes, · er lât iuch niht genesen,
irn welt mit guoten sinnen · bî dem helde wesen.
welt ir, daß er iuch vüere, · sô gebet ir im den solt.
er hüetet dises landes · und ist Gelphrâte holt.

„Und kume er niht bezîte, · sô rüefet über vluot
und jehet, ir heißet Amelrîch. · der was ein helt guot,
der durch vîentschefte · rûmte ditze lant.
sô kumet iu der verge, · swenne im der name wirt erkant.“

Der übermüete Hagene · den vrouwen dô neic
des râtes und der lêre; · der helt vil stille sweic.
dô gie er bî dem waßßer · hôher an den sant,
dâ er anderthalben · eine herberge vant.

Er begunde ruofen · vaste über vluot:
„nu hol mich hie, verge,“ · sprach der degen guot,
„sô gib ich dir ze miete · von golde ein bouc vil rôt;
jâ ist mir dirre verte, · daß wißßest, wærlîche nôt.“

Der verge was sô rîche, · daß im niht dienen zam:
dâ von er lôn vil selten · von ieman dâ genam;
ouch wâren sîne knehte · vil hôhe gemuot.
noch stuont alleß Hagene · eine dishalp der vluot.

Dô ruofte er mit der krefte, · daß al der wâc erdôß
von des heldes sterke: · diu was michel unde grôß:
„nu hol mich Amelrîchen: · ich bin der Elsen man,
der durch starke vîntschaft · von disen landen entran.“

Vil hôch anme swerte · en bouc er im dô bôt,
lieht unde schœne · was er von golde rôt,
daß man in über fuorte · in Gelphrâtes lant.
der übermüete verge · nam selbe deß ruoder an die hant.

Ouch was der selbe schifman · niulîch gesît.
diu gir nâch grôßem guote · vil bœseß ende gît.
dô wolt er verdienen · daß Hagnen golt vil rôt:
des leit er von dem degene · den swertgrimmegen tôt.

Der verge zôch genôte · hin über an den sant.
den er dâ nennen hôrte, · do er des niht envant,
dô zurnde er ernslîchen; · dô er Hagenen sach,
vil harte grimmeclîchen · zuo dem helde er dô sprach:

„Ir muget wol sîn geheißen · bî namen Amelrîch;
des ich mich hie verwæne, · dem sît ir ungelîch.
von vater und von muoter · was er der bruoder mîn:
nu ir mich betrogen hât, · ir müeßet dishalben sîn.“

„Nein, durch Got den rîchen,“ · sprach dô Hagene.
„ich bin ein vremder recke · und sorge ûf degene.
nu nemet vriuntlîche · hin mînen solt,
daß ir mich über vüeret: · ich bin iu wærlîchen holt.“

Dô sprach aber der verge: · „desn mac niht gesîn.
eß habent vîende · die lieben hêrren mîn.
dar umbe ich niemen vremden · vüer in ditze lant:
sô liep dir sî ze lebene, · sô trit balde ûß an den sant.“

„Nune tuot des niht,“ sprach Hagene. · „trûrec ist mîn muot.
nemt von mir ze minnen · ditze golt vil guot
und vüert uns über tûsent ros · und alsô manegen man.“
dô sprach der grimme verge, · „daß wirdet nimmer getân.“

Er huop ein starkeß ruoder, · michel unde breit,
er sluog eß ûf Hagenen, · des wart er ungemeit,
daß er in dem schiffe · strûhte an sîniu knie.
sô rehte grimmer verge · kom dem Tronjære nie.

Dô wolde er baß erzürnen · den übermüeten gast:
er sluoc im eine schalten, · daß diu gar zebrast,
Hagnen über houbet; · er was ein starker man:
dâ von der Elsen verge · grôßen schaden dâ gewan.

Mit grimmigem muote · greif Hagene zehant
vil balde zeiner scheide, · dâ er ein wâfen vant:
er sluoc im ab daß houbet · und warf eß an den grunt.
diu mære wurden schiere · den stolzen Burgunden kunt.

In den selben stunden, · dô er den schifman sluoc,
daß schif vlôß enouwe: · daß was im leit genuoc.
ê erß gerihte widere, · müeden er began:
dô zôch vil krefteclîche · des künic Guntheres man.

Mit zügen harte swinden · kêrte eß der gast,
unz im daß starke ruoder · an sîner hant zebrast.
er wolde zuo den recken · ûß an einen sant.
dô was dâ heinß mêre: · hei, wie schiere erß gebant

Mit eime schiltveßßel! · daß was ein borte smal.
gegen eime walde · kêrte er hin ze tal.
dô vant er sînen hêrren · an dem stade stân:
dô gie im hin enkegene · manec wætlîcher man.

Mit gruoße in wol enphiengen · die edelen rîter guot.
dô sâhens in dem schiffe · riechen daß bluot
von einer starken wunden, · die er dem vergen sluoc:
dâ von sô muose Hagene · hœren vrâgen genuoc.

Dô der künic Gunther · daß heiße bluot ersach
sweben in dem schiffe, · balde er dô sprach:
„wan saget ir mir, Hagene, · war ist der verge komen?
iuwer starkeß ellen · wæn im den namen hât benomen.“

Dô sprach er lougenlîche: · „dâ ich daß schif vant
bî einer wilden wîden, · dâ lôste eß mîne hant.
ich hân deheinen vergen · hiute hie gesehen;
eß ist ouch niemen leide · von mînen schulden geschehen.“

Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt:
„hiute muoß ich sorgen · ûf lieber vriunde tôt,
sît wir der schifliute · bereite niene hân.
wie wir komen übere, · des muoß ich trûrende stân.“

Lûte rief dô Hagene: · „leit nider ûf daß gras,
ir knehte, daß gereite: · ich gedenke, daß ich was
der aller beste verge, · den man bî Rîne vant:
jâ trouwe ich iuch wol bringen · über in Gelphrâtes lant.“

Daß si deste balder · kœmen über vluot,
diu ros si an sluogen: · der swimmen daß wart guot,
wan diu starke ünde · deheinß in dâ benam.
etlîcheß ouwete, · als im diu müede gezam.

Dô truogen si ze schiffe · ir golt und ouch ir wât,
sît si der verte · niht mohten haben rât.
Hagene der was meister: · des vuorte er ûf den sant
vil manegen zieren recken · in daß unkunde lant.

Zem êrsten brâht er übere · tûsent rîter hêr,
dar zuo sîne recken. · dannoch was ir mêr:
niun tûsent knehte · vuorte er an daß lant.
des tages was unmüeßec · des küenen Tronjæres hant.

Daß schif was ungevüege, · starc und wît genuoc:
fünf hundert unde mêre · eß wol ze mâle truoc
ir gesindes mit ir spîse · und gewæfen über vluot.
an riemen muose ziehen · des tages manec rîter guot.

Dô er si wol gesunde · brâhte über vluot,
do gedâhte vremder mære · der snelle degen guot,
diu im ê seiten · diu wilden merwîp:
des hete des küneges kapelân · nâch verloren sînen lîp.

Bî dem kapelsoume · er den phaffen vant;
ob dem heilictuome · er leinde an sîner hant.
des mohte er niht genießen: · dâ in Hagne sach,
der Gotes arme priester · muose lîden ungemach.

Er swanc in ûß dem schiffe, · dar zuo was im gâch.
dô riefen ir genuoge: · „nu vâhâ, hêrre, vâch.“
Gîselher der junge · zürnen erß began:
ern wolde eß doch niht lâßen, · er enhete im leide getân.

Dô sprach von Burgunden · der starke Gêrnôt:
„waß hilfet iuch nu, Hagene, · des kapelânes tôt?
tæte eß ander ieman, · eß solde im wesen leit.
umbe welhe schulde · habet ir dem priester widerseit?“

Der phaffe swam genôte: · er wolde sîn genesen,
sô im ieman hülfe: · des mohte dô niht wesen,
wan der starke Hagene, · vil zornec was sîn muot,
er stieß in zuo dem grunde; · daß endûhte nieman guot.

Dô der arme phaffe · der helfe niht ensach,
dô kêrte er wider übere: · des leit er ungemach.
swie er niht swimmen kunde, · im half diu Gotes hant,
daß er kom gesunder · hin wider ûß an daß lant.

Dô stuont der arme priester · und schutte sîne wât.
dâ bî sach wol Hagene, · daß sîn niht wære rât,
daß im vür mære sagten · diu wilden merwîp.
er dâhte: „dise degene · die müeßen vliesen den lîp.“

Dô si daß schif entluoden · und gar getruogen dan,
swaß dar ûfe hêten · der drîer künege man,
Hagne eß sluoc ze stucken · und warf eß an die vluot.
des hete michel wunder · die recken küene unde guot.

„Zwiu tuot ir daß, bruoder?“ · sô sprach Dancwart:
„wie suln wir komen übere, · sô wir die widervart
rîten von den Hiunen · ze lande an den Rîn?“
sît dô sagte im Hagene, · daß des kunde niht gesîn.

Dô sprach von Troneje Hagene: · „ich tuonß ûf den wân,
ob wir an diser reise · deheinen zagen hân,
der uns entrinnen welle · durch zegelîche nôt,
der muoß an disem wâge · lîden schemlîchen tôt.“

Si vuorten mit in einen · ûß Burgunden lant,
zuo sînen handen einen helt: · der was Volkêr genant:
der redete spæhelîche · allen sînen muot:
swaß ie begie Hagene, · daß dûhte den videlære guot.

Dô des küneges kapelân · daß schef zerhouwen sach,
hin wider überß waßßer · er ze Hagene sprach:
„ir morder âne triuwe, · waß hete ich iu getân,
daß ir mich âne schulde · hie ertrenket woldet hân?“

Des antwurte im Hagene: · „nu lât die rede wesen.
mir ist leit ûf mîne triuwe, · daß ir sît genesen
hie von mînen handen, · daß wißßet sunder spot.“
dô sprach der arme kapelân: · „des wil ich immer loben Got.

„Ich vürht iuch nu vil kleine, · des sult ir sicher sîn.
nu vart ir zuo den Hiunen, · sô wil ich an den Rîn.
Got enlâß iuch nimmer · ze Rîne wider komen,
des wünsch ich iu vil sêre: · ir het mir nâch den lîp benomen.“

Dô sprach der künic Gunther · ze sînem kapelân:
„eß wirt iu wol gebüeßet, · swaß iu hât getân
Hagene in sînem zorne, · und kum ich an den Rîn
wider mit mîme lebene, · des sult ir âne angest sîn.

„Vart wider heim ze lande, · wan eß muoß nu sîn.
ich enbiute mînen dienest · der lieben vrouwen mîn
und andern mînen mâgen, · als ich von rehte sol:
ir sagt in liebiu mære, · daß wir noch alle varn wol.

Ir ros bereitet wâren, · ir soumer wol geladen.
si heten an der verte · noch deheinen schaden
genomen, der si muote, · wan sküneges kapelân:
der muose ûf sînen vüeßen · hin wider zuo dem Rîne gân.