Dô diu edel Kriemhilt · alsô verwitwet wart
bî ir inme lande · der grâve Eckewart
beleip mit sînen mannen: · sîn triuwe im daß gebôt.
er diende sîner vrouwen · mit willen unz an sînen tôt.
Ze Wormeß bî dem münster · ein gezimber man ir slôß,
wît und vil michel, · rîch unde grôß,
dâ si mit ir gesinde · sît âne vreude saß.
si was ze kirchen gerne · und tet vil willeclîchen daß.
Dô man begruob ir vriedel, · wie selten si daß lie!
mit trûrigem muote · si alle zît dar gie
und bat Got den rîchen · sîner sêle phlegen.
vil dicke wart beweinet · mit grôßen triuwen der degen.
Uote und ir gesinde · trôstens alle stunt;
dô was ir daß herze · sô grœßlîchen wunt,
eß kunde niht vervâhen, · swaß man ir trôstes bôt.
si het nâch ir vriunde · die aller grœßisten nôt,
Die nâch liebem manne · ie mê wîp gewan.
man moht ir michel tugende · kiesen wol dar an.
si klagete unz an ir ende, · die wîle werte ir lîp.
sît rach sich wol mit ellen · in grôßen triuwen daß wîp.
Sus saß si nâch ir leide, · daß ist alwâr,
nâch ir mannes tôde · unz in daß vierde jâr,
daß si ze Gunthere · nie kein wort gesprach,
und ouch ir vîent Hagenen · in der zîte nie gesach.
Dô sprach von Tronje Hagene: · „muget ir daß tragen an,
daß ir iuwer swester · ze vriunt möhtet hân?
sô kœm zuo disem lande · der Niblunge golt:
des möht ir vil gewinnen, · wurde uns diu küneginne holt.“
„Daß suln wir versuochen,“ · sprach der künic sân.
„ich wil eß mîne bruoder · hin zir werben lân,
daß si mir daß vüegen, · daß si daß gerne sehe.“
„ine trouwes niht,“ sprach Hagene, · „daß eß immer geschehe.“
Dô hieß er Ortwînen · hin ze hove gân
und den marcgrâven Gêren. · dô daß was getân,
man brâhte ouch Gêrnôte · und Gîselher daß kint.
si versuohtens vriuntlîchen · an vrouwen Kriemhilde sint.
Dô sprach von Burgunden · der küene Gêrnôt:
„vrouwe, ir klaget ze lange · den Sîvrides tôt.
iu wil der künic rihten, · daß ern niht hât erslagen.
man hœrt iuch zallen zîten · sô rehte grœßlîchen klagen.“
Si sprach: „des zîht in nieman: · in sluoc Hagnen hant,
wâ man in verhouwen solde, · do er daß an mir ervant.
wie moht ich des getrouwen, · daß er im trüege haß?
ich hete wol behüetet,“ · sprach diu küneginne, „daß,
„Daß ich vermeldet hête · sînen schœnen lîp.
sô ließe ich nu mîn weinen, · ich vil armeß wîp.
holt wird ich in nimmer, · die eß dâ hânt getân.“
do begunde vlêgen Gîselher, · der vil wætlîche man.
Si sprach: „ich muoß in grüeßen, · irn welts mich niht erlân:
des habt ir grôße sünde. · der künec hât mir getân
sô vil der herzen swære · gar âne mîne scholt:
mîn munt im giht der suone, · im wirt daß herze nimmer holt.“
„Dar nâch wirt eß beßßer,“ · sprâchen ir vriunde dô.
„waß, ob er ir an verdienet, · daß si noch wirdet vrô.“
„er mac si wol ergetzen,“ · sprach Gêrnôt der helt.
dô sprach diu jâmers rîche: · „seht, nu tuon ich, swaß ir welt.
„Ich wil den künic grüeßen.“ · dô si im des verjach,
mit sînen besten vriunden · man in vor ir sach.
dô getorste Hagene · vür si niht gegân:
wol weste er sîne schulde: · er hete ir leide getân.
Dô si verkiesen wolde · ûf Gunther den haß,
ob er si küssen solde, · eß zæme im deste baß.
wær ir von sîme râte · leide niht getân,
sô möhte er vrevellîche · dicke sîn zuo ir gegân.
Eß enwart nie suone · mit sô vil trehen mê
gevüeget under vriunden. · ir tet ir schade vil wê;
si verkôs ûf si alle · wan ûf den einen man:
in hete erslagen niemen, · het eß Hagene niht getân.
Dar nâch vil unlange · dô truogen si daß an,
daß diu vrouwe Kriemhilt · den grôßen hort gewan
von Niblunges lande · und vuorte in an den Rîn:
eß was ir morgengâbe, · er solde ir billîchen sîn.
Dar nâch vuor dô Gîselher · und ouch Gêrnôt.
ahtzec hundert mannen · Kriemhilt dô gebôt,
daß si in holen solden, · dâ er verborgen lac,
dâ sîn der degen Alberîch · mit sînen besten vriunden phlac.
Dô man die von Rîne · nâch dem schatze komen sach,
Albrîch der vil küene · zuo sînen vriunden sprach:
„wir turren ir des hortes · vor gehaben niht,
sît sîn ze morgengâbe · diu edel küneginne giht.
„Doch enwurdeß nimmer,“ · sprach Alberîch, „getân,
niuwan daß wir übele · dâ verlorn hân
mit samet Sîvride · die guoten tarnhût:
wan die truoc alle zîte · der schœnen Kriemhilde trût.
„Nu ist eß Sîvride · leider übel komen,
daß uns die tarnkappen · der helt hete benomen
und daß im muose dienen · alleß ditze lant.“
dô gie der kamerære, · dâ er die slüßßele vant.
Eß stuonden vor dem berge · Kriemhilde man
und ouch ein teil ir mâge: · den schaz sie truogen dan
zuo dem sêwe · an diu schiffelîn.
den vuorte man ûf ünden · unz ze berge an den Rîn.
Ir muget von dem horte · wunder hœren sagen:
swaß zwelf kanzwegene · meist mohten tragen
in vier tagen und nahten · von dem berge dan;
ouch muos ir ieslîcher · des tages drîstunde gân.
Eß was ouch niht anders · wan gestein unde golt.
und ob man al die welte · hête versolt,
sîn wære minner niht · einer marke wert.
jâne hetes Hagene · âne schulde niht gegert.
Der wunsch lac dar under, · von golde ein rüetelîn.
der daß hete erkunnet, · der möhte meister sîn
wol in al der werlde · über ieslîchen man.
der Albrîches mâge · kom vil mit Gêrnôte dan.
Dô sich der hêrre Gêrnôt · und Gîselher daß kint
des hortes underwunden, · do underwunden si sich sint
des landes und der burge · und maneges recken balt:
die muosen im sît dienen · bêdiu durch vorhte und ouch gewalt.
Dô si den hort behielten · in Guntheres lant,
und sich diu küneginne · des alles underwant,
kamere unde türne · die wurden vol getragen;
man gehôrte nie daß wunder · von guote mêre gesagen.
Unde wær sîn tûsent stunt · noch alse vil gewesen,
unde solde Sîvrit · gesunder sîn genesen,
bî im wære Kriemhilt · hemdeblôß bestân.
getriuwer wîbes künne · ein helt nie mêre gewan.
Dô si den hort nu hête, · dô brâhtes in daß lant,
vil unkunder recken; · jâ gap der vrouwen hant,
daß man sô grôßer milte · mêre nie gesach.
si phlac vil grôßer tugende; · des man der küneginne jach.
Den armen und den rîchen · begunde si nu geben,
daß dô reite Hagene, · obe si solde leben
noch deheine wîle, · daß si sô manegen man
in ir dienst gewünne, · daß eß in leide müeste ergân.
Dô sprach künic Gunther: · „ir ist lîp unde guot:
zwiu sol ich daß wenden, · daß si dâ mite tuot?
ja erwarb ich daß vil kûme, · daß si mir wart holt;
nu enruochen, war si teile · ir steine unde ir rôteß golt.“
Hagene sprach zem künege: · „eß sold ein vrumer man
deheineme wîbe · niht des hortes lân.
si bringet eß mit gâbe · noch unz ûf den tac,
deiß vil wol geriuwen · die küenen Burgunden mac.“
Dô sprach künic Gunther: · „ich swuor ir einen eit,
daß ich ir getæte · nimmer mêre leit,
und wils vürbaß hüeten: · si ist diu swester mîn.“
dô sprach aber Hagene: · „lât mich den schuldigen sîn.“
Ir sumelîcher eide · wâren unbehuot.
dô nâmen si der witewen · daß kreftige guot.
Hagene sich der slüßßele · aller underwant.
daß zurnde ir bruoder Gêrnôt, · dô er daß rehte bevant.
Dô sprach der hêrre Gîselher: · „Hagene hât getân
vil leides mîner swester; · ich soldeß understân:
wær er niht mîn mâc, · eß gienge im an den lîp.
iteniuweß weinen · tete dô Sîvrides wîp.
Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „ê wir immer sîn
gemüet mit dem golde, · wir soldenß in den Rîn
alleß heißen senken, · deiß wurde nieman.“
si gie vil klegelîche · vür Gîselher ir bruoder stân.
Si sprach: „lieber bruoder, · du solt gedenken mîn,
lîbes unde guotes · soltu mîn voget sîn.“
dô sprach er zuo der vrouwen: · „daß sol sîn getân,
als wir komen widere: · wir haben rîtennes wân.“
Der künec und sîne mâgen · die rûmten daß lant,
die aller besten drunder, · die man iender vant;
niuwan eine Hagene · beleip durch den haß,
den er truoc Kriemhilde, · und tet vil schedelîchen daß.
Ê der rîche künic · wider wære komen,
die wîle hete Hagene · den schatz vil gar genomen:
er sancte in dâ ze Lôche · allen in den Rîn.
er wânde, er sold in nießen: · des enkunde dô niht gesîn.
Ê daß von Troneje Hagene · den schatz alsô verbarc,
dô heten siß gevestent · mit eiden alsô starc,
daß er verholen wære, · unz ir einer möhte leben:
so enkunden sis in selben · noch ander niemen gegeben.
Die vürsten kômen widere, · mit in vil manec man.
Kriemhilt ir schaden grôßen · klagen dô began
mit vrouwen und mit meiden; · in was harte leit.
do gebârten die degene, · sam si im hêten widerseit.
Dô sprâchen si gemeine: · „er hât übele getân.“
er entweich der vürsten zorne · alsô lange dan,
unz er gewan ir hulde: · si ließen in genesen;
doch enkunde im Kriemhilt · nimmer vînder sîn gewesen.
Mit iteniuwen leiden · beswæret was ir muot
umb ir mannes ende · und dô si ir daß guot
Alsô gar benâmen. · dô gestuont ir klage
des lîbes nimmer mêre · unz an ir jungisten tage.
Nâch Sîvrides tôde, · daß ist al wâr,
si wonde in manegem sêre · driuzehen jâr,
daß si des recken tôdes · vergeßßen kunde niht.
si was im ie getriuwe; · des ir diu meiste menege giht.
Ein rîche vürsten abtei · stifte vrou Uote
nâch Dankrâtes tôde · von ir guote
mit starken rîchen urborn, · als eß noch hiute hât,
daß klôster dâ ze Lôrse, · des dinc vil hôhe an êren stât.
Dar zuo gab ouch Kriemhilt · sît ein michel teil
durch Sîvrides sêle · und umb aller sêlen heil,
golt und edel steine, · mit williger hant;
getriuwer wîp deheine · ist uns selten ê bekant.
Sît daß diu vrouwe Kriemhilt · ûf Gunther verkôs
und doch von sînen schulden · den grôßen hort verlôs,
dô wart ir herzenleide · tûsent stunde mêr:
dô wære gerne dannen · diu vrouwe edel unde hêr.
Dô was der vrouwen Uoten · ein sedelhof bereit
ze Lôrse bî ir klôster · mit grôßer rîcheit:
dar zôch sich diu witewe · von ir kinden sît,
dâ noch diu vrouwe hêre · begraben in eime sarke lît.
Dô sprach diu küneginne: · „vil liebiu tohter mîn,
sît du hie niht maht belîben, · sô soltu bî mir sîn
ze Lôrse in mîme hûse · und solt dîn weinen lân.“
Des antwurt ir Kriemhilt: · „wem ließe ich danne mînen man?“
„Den lâß et hie belîben,“ · sprach vrou Uote.
„nune welle Got von himele,“ · sprach ab diu guote.
„mîn vil liebiu muoter, · daß sol ich wol bewarn,
wand er muoß von hinnen · mit mir wærlîche varn.“
Dô schuof diu jâmers rîche, · daß er wart ûf erhaben;
sîn edeleß gebeine · wart anderstunt begraben
ze Lôrse bî dem münster · vil werdeclîchen sît,
dâ der helt vil küene · in einem langen sarke lît.
In den selben zîten, · dâ Kriemhilt solde
varn mit ir muoter, · dar si doch wolde,
dô muoste si belîben, · als eß solde sîn.
daß unterstuonden mære, · vil verre komen über Rîn.