Das Nibelungenlied

Der ursprüngliche Verfasser des mittelhochdeutschen Epos' aus dem 13. Jahrhundert ist unbekannt. Dies ist eine neuhochdeutsche Übersetzung von Karl Simrock (1827).

Hörbuch: https://archive.org/details/nibelungenlied_ak_librivox

Inhaltsverzeichnis

1. Erstes Abenteuer.
Wie Kriemhilden träumte.

Viel Wunderdinge melden · die Mären alter Zeit
Von preiswerthen Helden, · von großer Kühnheit,
Von Freud und Festlichkeiten, · von Weinen und von Klagen,
Von kühner Recken Streiten · mögt ihr nun Wunder hören sagen.

Es wuchs in Burgunden · solch edel Mägdelein,
Daß in allen Landen · nichts Schönres mochte sein.
Kriemhild war sie geheißen, · und ward ein schönes Weib,
Um die viel Degen musten · verlieren Leben und Leib.

Die Minnigliche lieben · brachte Keinem Scham;
Um die viel Recken warben, · Niemand war ihr gram.
Schön war ohne Maßen · die edle Maid zu schaun;
Der Jungfrau höfsche Sitte · wär eine Zier allen Fraun.

Es pflegten sie drei Könige · edel und reich,
Gunther und Gernot, · die Recken ohne Gleich,
Und Geiselher der junge, · ein auserwählter Degen;
Sie war ihre Schwester, · die Fürsten hatten sie zu pflegen.

Die Herren waren milde, · dazu von hohem Stamm,
Unmaßen kühn nach Kräften, · die Recken lobesam.
Nach den Burgunden · war ihr Land genannt;
Sie schufen starke Wunder · noch seitdem in Etzels Land.

In Worms am Rheine wohnten · die Herrn in ihrer Kraft.
Von ihren Landen diente · viel stolze Ritterschaft
Mit rühmlichen Ehren · all ihres Lebens Zeit,
Bis jämmerlich sie starben · durch zweier edeln Frauen Streit.

Ute hieß ihre Mutter, · die reiche Königin,
Und Dankrat ihr Vater, · der ihnen zum Gewinn
Das Erbe ließ im Tode, · vordem ein starker Mann,
Der auch in seiner Jugend · großer Ehren viel gewann.

Die drei Könge waren, · wie ich kund gethan,
Stark und hohen Muthes; · ihnen waren unterthan
Auch die besten Recken, · davon man hat gesagt,
Von großer Kraft und Kühnheit, · in allen Streiten unverzagt.

Das war von Tronje Hagen, · und der Bruder sein,
Dankwart der Schnelle, · von Metz Herr Ortewein,
Die beiden Markgrafen · Gere und Eckewart,
Volker von Alzei, · an allen Kräften wohlbewahrt,

Rumold der Küchenmeister, · ein theuerlicher Degen,
Sindold und Hunold: · die Herren musten pflegen
Des Hofes und der Ehren, · den Köngen unterthan.
Noch hatten sie viel Recken, · die ich nicht alle nennen kann.

Dankwart war Marschall; · so war der Neffe sein
Truchseß des Königs, · von Metz Herr Ortewein.
Sindold war Schenke, · ein waidlicher Degen,
Und Kämmerer Hunold: · sie konnten hoher Ehren pflegen.

Von des Hofes Ehre · von ihrer weiten Kraft,
Von ihrer hohen Würdigkeit · und von der Ritterschaft,
Wie sie die Herren übten · mit Freuden all ihr Leben,
Davon weiß wahrlich Niemand · euch volle Kunde zu geben.

In ihren hohen Ehren · träumte Kriemhilden,
Sie zög einen Falken, · stark-, schön- und wilden;
Den griffen ihr zwei Aare, · daß sie es mochte sehn:
Ihr konnt auf dieser Erde · größer Leid nicht geschehn.

Sie sagt' ihrer Mutter · den Traum, Frau Uten:
Die wust ihn nicht zu deuten · als so der guten:
„Der Falke, den du ziehest, · das ist ein edler Mann:
Ihn wolle Gott behüten, · sonst ist es bald um ihn gethan.“

„Was sagt ihr mir vom Manne, · vielliebe Mutter mein?
Ohne Reckenminne · will ich immer sein;
So schön will ich verbleiben · bis an meinen Tod,
Daß ich von Mannesminne · nie gewinnen möge Noth.“

„Verred es nicht so völlig,“ · die Mutter sprach da so,
„Sollst du je auf Erden · von Herzen werden froh,
Das geschieht von Mannesminne: · du wirst ein schönes Weib,
Will Gott dir noch vergönnen · eines guten Ritters Leib.“

„Die Rede laßt bleiben, · vielliebe Mutter mein.
Es hat an manchen Weiben · gelehrt der Augenschein,
Wie Liebe mit Leide · am Ende gerne lohnt;
Ich will sie meiden beide, · so bleib ich sicher verschont!“

Kriemhild in ihrem Muthe · hielt sich von Minne frei.
So lief noch der guten · manch lieber Tag vorbei,
Daß sie Niemand wuste, · der ihr gefiel zum Mann,
Bis sie doch mit Ehren · einen werthen Recken gewann.

Das war derselbe Falke, · den jener Traum ihr bot,
Den ihr beschied die Mutter. · Ob seinem frühen Tod
Den nächsten Anverwandten · wie gab sie blutgen Lohn!
Durch dieses Einen Sterben · starb noch mancher Mutter Sohn.

2. Zweites Abenteuer.
Von Siegfrieden.

Da wuchs im Niederlande · eines edeln Königs Kind,
Siegmund hieß sein Vater, · die Mutter Siegelind,
In einer mächtgen Veste, · weithin wohlbekannt,
Unten am Rheine, · Xanten war sie genannt.

Ich sag euch von dem Degen, · wie so schön er ward.
Er war vor allen Schanden · immer wohl bewahrt.
Stark und hohes Namens · ward bald der kühne Mann:
Hei! was er großer Ehren · auf dieser Erde gewann!

Siegfried ward geheißen · der edle Degen gut.
Er erprobte viel der Recken · in hochbeherztem Muth.
Seine Stärke führt' ihn · in manches fremde Land:
Hei! was er schneller Degen · bei den Burgunden fand!

Bevor der kühne Degen · voll erwuchs zum Mann,
Da hatt er solche Wunder · mit seiner Hand gethan,
Davon man immer wieder · singen mag und sagen;
Wir müßen viel verschweigen · von ihm in heutigen Tagen.

In seinen besten Zeiten, · bei seinen jungen Tagen
Mochte man viel Wunder · von Siegfrieden sagen,
Wie Ehr an ihm erblühte · und wie schön er war zu schaun:
Drum dachten sein in Minne · viel der waidlichen Fraun.

Man erzog ihn mit dem Fleiße, · wie ihm geziemend war;
Was ihm Zucht und Sitte · der eigne Sinn gebar!
Das ward noch eine Zierde · für seines Vaters Land,
Daß man zu allen Dingen · ihn so recht herrlich fand.

Er war nun so erwachsen, · mit an den Hof zu gehn.
Die Leute sahn ihn gerne; · viel Fraun und Mädchen schön
Wünschten wohl, er käme · dahin doch immerdar;
Hold waren ihm gar viele, · des ward der Degen wohl gewahr.

Selten ohne Hüter · man reiten ließ das Kind.
Mit Kleidern hieß ihn zieren · seine Mutter Siegelind;
Auch pflegten sein die Weisen, · denen Ehre war bekannt:
Drum möcht er wohl gewinnen · so die Leute wie das Land,

Nun war er in der Stärke, · daß er wohl Waffen trug:
Wes er dazu bedurfte, · des gab man ihm genug.
Schon sann er zu werben · um manches schöne Kind;
Die hätten wohl mit Ehren · den schönen Siegfried geminnt.

Da ließ sein Vater Siegmund · kund thun seinem Lehn,
Mit lieben Freunden woll er · ein Hofgelag begehn.
Da brachte man die Märe · in andrer Könge Land.
Den Heimischen und Gästen · gab er Ross und Gewand.

Wen man finden mochte, · der nach der Eltern Art
Ritter werden sollte, · die edeln Knappen zart
Lud man nach dem Lande · zu der Lustbarkeit,
Wo sie das Schwert empfiengen · mit Siegfried zu gleicher Zeit.

Man mochte Wunder sagen · von dem Hofgelag.
Siegmund und Siegelind · gewannen an dem Tag
Viel Ehre durch die Gaben, · die spendet' ihre Hand:
Drum sah man viel der Fremden · zu ihnen reiten in das Land.

Vierhundert Schwertdegen · sollten gekleidet sein
Mit dem jungen Könige. · Manch schönes Mägdelein
Sah man am Werk geschäftig: · ihm waren alle hold.
Viel edle Steine legten · die Frauen da in das Gold,

Die sie mit Borten wollten · auf die Kleider nähn
Den jungen stolzen Recken; · das muste so ergehn.
Der Wirth ließ Sitze bauen · für manchen kühnen Mann
Zu der Sonnenwende, · wo Siegfried Ritters Stand gewann.

Da gieng zu einem Münster · mancher reiche Knecht
Und viel der edeln Ritter. · Die Alten thaten recht,
Daß sie den Jungen dienten, · wie ihnen war geschehn,
Sie hatten Kurzweile · und freuten sich es zu sehn.

Als man da Gott zu Ehren · eine Messe sang,
Da hub sich von den Leuten · ein gewaltiger Drang,
Da sie zu Rittern wurden · dem Ritterbrauch gemäß
Mit also hohen Ehren, · so leicht nicht wieder geschähs.

Sie eilten, wo sie fanden · geschirrter Rosse viel.
Da ward in Siegmunds Hofe · so laut das Ritterspiel,
Daß man ertosen hörte · Pallas und Saal.
Die hochbeherzten Degen · begannen fröhlichen Schall.

Von Alten und von Jungen · mancher Stoß erklang,
Daß der Schäfte Brechen · in die Lüfte drang.
Die Splitter sah man fliegen · bis zum Saal hinan.
Die Kurzweile sahen · die Fraun und Männer mit an.

Der Wirth bat es zu laßen. · Man zog die Rosse fort;
Wohl sah man auch zerbrochen · viel starke Schilde dort
Und viel der edeln Steine · auf das Gras gefällt
Von des lichten Schildes Spangen: · die hatten Stöße zerschellt.

Da setzten sich die Gäste, · wohin man ihnen rieth,
zu Tisch, wo von Ermüdung · viel edle Kost sie schied
Und Wein der allerbeste, · des man die Fülle trug.
Den Heimischen und Fremden · bot man Ehren da genug.

So viel sie Kurzweile · gefunden all den Tag,
Das fahrende Gesinde · doch keiner Ruhe pflag:
Sie dienten um die Gabe, · die man da reichlich fand;
Ihr Lob ward zur Zierde · König Siegmunds ganzem Land.

Da ließ der Fürst verleihen · Siegfried, dem jungen Mann,
Das Land und die Burgen, · wie sonst er selbst gethan.
Seinen Schwertgenoßen · gab er mit milder Hand:
So freute sie die Reise, · die sie geführt in das Land.

Das Hofgelage währte · bis an den siebten Tag.
Sieglind die reiche · der alten Sitte pflag,
Daß sie dem Sohn zu Liebe · vertheilte rothes Gold:
Sie könnt es wohl verdienen, · daß ihm die Leute waren hold.

Da war zuletzt kein armer · Fahrender mehr im Land.
Ihnen stoben Kleider · und Rosse von der Hand,
Als hätten sie zu leben · nicht mehr denn einen Tag.
Man sah nie Ingesinde, · das so großer Milde pflag.

Mit preiswerthen Ehren · zergieng die Lustbarkeit.
Man hörte wohl die Reichen · sagen nach der Zeit,
Daß sie dem Jungen gerne · wären unterthan;
Das begehrte nicht Siegfried, · dieser waidliche Mann.

So lange sie noch lebten, · Siegmund und Siegelind,
Wollte nicht Krone tragen · der beiden liebes Kind;
Doch wollt er herrlich wenden · alle die Gewalt,
Die in den Landen fürchtete · der Degen kühn und wohlgestalt.

Ihn durfte Niemand schelten: · seit er die Waffen nahm,
Pflag er der Ruh nur selten, · der Recke lobesam.
Er suchte nur zu streiten · und seine starke Hand
Macht' ihn zu allen Zeiten · in fremden Reichen wohlbekannt.

3. Drittes Abenteuer.
Wie Siegfried nach Worms kam.

Den Herrn beschwerte selten · irgend ein Herzeleid.
Er hörte Kunde sagen, · wie eine schöne Maid
Bei den Burgunden wäre, · nach Wünschen wohlgethan,
Von der er bald viel Freuden · und auch viel Leides gewann.

Von ihrer hohen Schöne · vernahm man weit und breit,
Und auch ihr Hochgemüthe · ward zur selben Zeit
Bei der Jungfrauen · den Helden oft bekannt:
Das ladete der Gäste · viel in König Gunthers Land.

So viel um ihre Minne · man Werbende sah,
Kriemhild in ihrem Sinne · sprach dazu nicht Ja,
Daß sie einen wollte · zum geliebten Mann:
Er war ihr noch gar fremde, · dem sie bald ward unterthan.

Dann sann auf hohe Minne · Sieglindens Kind:
All der Andern Werben · war wider ihn ein Wind.
Er mochte wohl verdienen · ein Weib so auserwählt:
Bald ward die edle Kriemhild · dem kühnen Siegfried vermählt.

Ihm riethen seine Freunde · und Die in seinem Lehn,
Hab er stäte Minne · sich zum Ziel ersehn,
So soll er werben, daß er sich · der Wahl nicht dürfe schämen.
Da sprach der edle Siegfried: · „So will ich Kriemhilden nehmen,

„Die edle Königstochter · von Burgundenland,
Um ihre große Schöne. · Das ist mir wohl bekannt,
Kein Kaiser sei so mächtig, · hätt er zu frein im Sinn,
Dem nicht zum minnen ziemte · diese reiche Königin.“

Solche Märe hörte · der König Siegmund.
Es sprachen seine Leute: · also ward ihm kund
Seines Kindes Wille. · Es war ihm höchlich leid,
Daß er werben wolle · um diese herrliche Maid.

Es erfuhr es auch die Königin, · die edle Siegelind:
Die muste große Sorge · tragen um ihr Kind,
Weil sie wohl Gunthern kannte · und Die in seinem Heer
Die Werbung dem Degen · zu verleiden fliß man sich sehr.

Da sprach der kühne Siegfried: · „Viel lieber Vater mein,
Ohn edler Frauen Minne · wollt ich immer sein,
Wenn ich nicht werben dürfte · nach Herzensliebe frei.“
Was Jemand reden mochte, · so blieb er immer dabei.

„Ist dir nicht abzurathen,“ · der König sprach da so,
„So bin ich deines Willens · von ganzem Herzen froh
Und will dirs fügen helfen, · so gut ich immer kann;
Doch hat der König Gunther · manchen hochfährtgen Mann.

„Und wär es anders Niemand · als Hagen der Degen,
Der kann im Uebermuthe · wohl der Hochfahrt pflegen,
So daß ich sehr befürchte, · es mög uns werden leid,
Wenn wir werben wollen · um diese herrliche Maid.“

„Wie mag uns das gefährden!“ · hub da Siegfried an:
„Was ich mir im Guten · da nicht erbitten kann,
Will ich schon sonst erwerben · mit meiner starken Hand,
Ich will von ihm erzwingen · so die Leute wie das Land.“

„Leid ist mir deine Rede,“ · sprach König Siegmund,
„Denn würde diese Märe · dort am Rheine kund,
Du dürftest nimmer reiten · in König Gunthers Land.
Gunther und Gernot · die sind mir lange bekannt.

„Mit Gewalt erwerben · kann Niemand die Magd,“
Sprach der König Siegmund, · „das ist mir wohl gesagt;
Willst du jedoch mit Recken · reiten in das Land,
Die Freunde, die wir haben, · die werden eilends besandt.“

„So ist mir nicht zu Muthe,“ · fiel ihm Siegfried ein,
„Daß mir Recken sollten · folgen an den Rhein
Einer Heerfahrt willen: · das wäre mir wohl leid,
Sollt ich damit erzwingen · diese herrliche Maid.

„Ich will sie schon erwerben · allein mit meiner Hand.
Ich will mit zwölf Gesellen · in König Gunthers Land;
Dazu sollt ihr mir helfen, · Vater Siegmund.“
Da gab man seinen Degen · zu Kleidern grau und auch bunt.

Da vernahm auch diese Märe · seine Mutter Siegelind;
Sie begann zu trauern · um ihr liebes Kind:,
Sie bangt' es zu verlieren · durch Die in Gunthers Heer.
Die edle Königstochter · weinte darüber sehr.

Siegfried der Degen · gieng hin, wo er sie sah.
Wider seine Mutter · gütlich sprach er da:
„Frau, ihr sollt nicht weinen · um den Willen mein:
Wohl will ich ohne Sorgen · vor allen Weiganden sein.

„Nun helft mir zu der Reise · nach Burgundenland,
Daß mich und meine Recken · ziere solch Gewand,
Wie so stolze Degen · mit Ehren mögen tragen:
Dafür will ich immer · den Dank von Herzen euch sagen.“

„Ist dir nicht abzurathen,“ · sprach Frau Siegelind,
So helf ich dir zur Reise, · mein einziges Kind,
Mit den besten Kleidern, · die je ein Ritter trug,
Dir und deinen Degen: · ihr sollt der haben genug.“

Da neigte sich ihr dankend · Siegfried der junge Mann.
Er sprach: „Nicht mehr Gesellen · nehm ich zur Fahrt mir an
Als der Recken zwölfe: · verseht die mit Gewand.
Ich möchte gern erfahren, · wie's um Kriemhild sei bewandt.“

Da saßen schöne Frauen · über Nacht und Tag,
Daß ihrer selten Eine · der Muße eher pflag,
Bis sie gefertigt hatten · Siegfriedens Staat.
Er wollte seiner Reise · nun mit nichten haben Rath.

Sein Vater hieß ihm zieren · sein ritterlich Gewand,
Womit er räumen wollte · König Siegmunds Land.
Ihre lichten Panzer · die wurden auch bereit
Und ihre festen Helme, · ihre Schilde schön und breit.

Nun sahen sie die Reise · zu den Burgunden nahn.
Um sie begann zu sorgen · beides, Weib und Mann,
Ob sie je wiederkommen · sollten in das Land.
Sie geboten aufzusäumen · die Waffen und das Gewand.

Schön waren ihre Rosse, · ihr Reitzeug goldesroth;
Wenn wer sich höher dauchte, · so war es ohne Noth,
Als der Degen Siegfried · und Die ihm unterthan.
Nun hielt er um Urlaub · zu den Burgunden an.

Den gaben ihm mit Trauern · König und Königin.
Er tröstete sie beide · mit minniglichem Sinn
Und sprach: „Ihr sollt nicht weinen · um den Willen mein:
Immer ohne Sorgen · mögt ihr um mein Leben sein.“

Es war leid den Recken, · auch weinte manche Maid;
Sie ahnten wohl im Herzen, · daß sie es nach der Zeit
Noch schwer entgelten müsten · durch lieber Freunde Tod.
Sie hatten Grund zu klagen, · es that ihnen wahrlich Noth.

Am siebenten Morgen · zu Worms an den Strand
Ritten schon die Kühnen; · all ihr Gewand
War von rothem Golde, · ihr Reitzeug wohlbestellt;
Ihnen giengen sanft die Rosse, · die sich da Siegfried gesellt.

Neu waren ihre Schilde, · licht dazu und breit,
Und schön ihre Helme, · als mit dem Geleit
Siegfried der kühne · ritt in Gunthers Land.
Man ersah an Helden · nie mehr so herrlich Gewand.

Der Schwerter Enden giengen · nieder auf die Sporen;
Scharfe Spere führten · die Ritter auserkoren.
Von zweier Spannen Breite · war, welchen Siegfried trug;
Der hatt an seinen Schneiden · grimmer Schärfe genug.

Goldfarbne Zäume · führten sie an der Hand;
Der Brustriem war von Seide: · so kamen sie ins Land.
Da gafften sie die Leute · allenthalben an:
Gunthers Mannen liefen · sie zu empfangen heran.

Die hochbeherzten Recken, · Ritter so wie Knecht,
Liefen den Herrn entgegen, · so war es Fug und Recht,
Und begrüßten diese Gäste · in ihrer Herren Land;
Die Pferde nahm man ihnen · und die Schilde von der Hand.

Da wollten sie die Rosse · ziehn zu ihrer Rast;
Da sprach aber Siegfried alsbald, · der kühne Gast:
„Laßt uns noch die Pferde · stehen kurze Zeit:
Wir reiten bald von hinnen; · dazu bin ich ganz bereit.

„Man soll uns auch die Schilde · nicht von dannen tragen;
Wo ich den König finde, · kann mir das Jemand sagen,
Gunther den reichen · aus Burgundenland?“
Da sagt' es ihm Einer, · dem es wohl war bekannt.

„Wollt ihr den König finden, · das mag gar leicht geschehn:
In jenem weiten Saale · hab ich ihn gesehn
Unter seinen Helden; · da geht zu ihm hinan,
So mögt ihr bei ihm finden · manchen herrlichen Mann.“

Nun waren auch die Mären · dem König schon gesagt,
Daß auf dem Hofe wären · Ritter unverzagt:
Sie führten lichte Panzer · und herrlich Gewand;
Sie erkenne Niemand · in der Burgunden Land.

Den König nahm es Wunder, · woher gekommen sei'n
Die herrlichen Recken · im Kleid von lichtem Schein
Und mit so guten Schilden, · so neu und so breit;
Das ihm das Niemand sagte, · das war König Gunthern leid.

Zur Antwort gab dem König · von Metz Herr Ortewein;
Stark und kühnes Muthes · mocht er wohl sein:
„Da wir sie nicht erkennen, · so heißt Jemand gehn
Nach meinem Oheim Hagen: · dem sollt ihr sie laßen sehn.

„Ihm sind wohl kund die Reiche · und alles fremde Land;
Erkennt er die Herren, · das macht er uns bekannt.“
Der König ließ ihn holen · und Die in seinem Lehn:
Da sah man ihn herrlich · mit Recken hin zu Hofe gehn.

Warum nach ihm der König, · frug Hagen da, geschickt?
„Es werden fremde Degen · in meinem Haus erblickt,
Die Niemand mag erkennen: · habt ihr in fremdem Land
Sie wohl schon gesehen? · das macht mir, Hagen bekannt.“

„Das will ich,“ sprach Hagen. · Zum Fenster schritt er drauf,
Da ließ er nach den Gästen · den Augen freien Lauf.
Wohl gefiel ihm ihr Geräthe · und all ihr Gewand;
Doch waren sie ihm fremde · in der Burgunden Land.

Er sprach, woher die Recken · auch kämen an den Rhein,
Es möchten selber Fürsten · oder Fürstenboten sein.
„Schön sind ihre Rosse · und ihr Gewand ist gut;
Von wannen sie auch ritten, · es sind Helden hochgemuth.“

Also sprach da Hagen: · „Soviel ich mag verstehn,
Hab ich gleich im Leben · Siegfrieden nie gesehn,
So will ich doch wohl glauben, · wie es damit auch steht,
Daß er es sei, der Degen, · der so herrlich dorten geht.

„Er bringt neue Mären · her in dieses Land:
Die kühnen Nibelungen · schlug des Helden Hand,
Die reichen Königssöhne · Schilbung und Nibelung;
Er wirkte große Wunder · mit des starken Armes Schwung.

„Als der Held alleine · ritt aller Hülfe bar,
Fand er an einem Berge, · so hört ich immerdar,
Bei König Niblungs Horte · manchen kühnen Mann;
Sie waren ihm gar fremde, · bis er hier die Kunde gewann.

„Der Hort König Nibelungs · ward hervorgetragen
Aus einem hohlen Berge: · nun hört Wunder sagen,
Wie ihn theilen wollten · Die Niblung unterthan.
Das sah der Degen Siegfried, · den es zu wundern begann.

„So nah kam er ihnen, · daß er die Helden sah
Und ihn die Degen wieder. · Der Eine sagte da:
„Hier kommt der starke Siegfried, · der Held aus Niederland.“
Seltsame Abenteuer · er bei den Nibelungen fand.

„Den Recken wohl empfiengen · Schilbung und Nibelung.
Einhellig baten · die edeln Fürsten jung,
Daß ihnen theilen möchte · den Schatz der kühne Mann:
Das begehrten sie, bis endlich · ers zu geloben begann.

„Er sah so viel Gesteines, · wie wir hören sagen,
Hundert Leiterwagen · die möchten es nicht tragen,
Noch mehr des rothen Goldes · von Nibelungenland:
Das Alles sollte theilen · des kühnen Siegfriedes Hand.

„Sie gaben ihm zum Lohne · König Niblungs Schwert:
Da wurden sie des Dienstes · gar übel gewährt,
Den ihnen leisten sollte · Siegfried der Degen gut.
Er könnt es nicht vollbringen: · sie hatten zornigen Muth.

„So must er ungetheilet · die Schätze laßen stehn.
Da bestanden ihn die Degen · in der zwei Könge Lehn:
Mit ihres Vaters Schwerte, · das Balmung war genannt,
Stritt ihnen ab der Kühne · den Hort und Nibelungenland

„Da hatten sie zu Freunden · kühne zwölf Mann,
Die starke Riesen waren: · was konnt es sie verfahn?
Die erschlug im Zorne · Siegfriedens Hand
Und siebenhundert Recken · zwang er vom Nibelungenland.

„Mit dem guten Schwerte, · geheißen Balmung.
Vom Schrecken überwältigt · war mancher Degen jung
Zumal vor dem Schwerte · und vor dem kühnen Mann:
Das Land mit den Burgen · machten sie ihm unterthan.

„Dazu die reichen Könige · die schlug er beide todt.
Er kam durch Albrichen · darauf in große Noth:
Der wollte seine Herren · rächen allzuhand,
Eh er die große Stärke · noch an Siegfrieden fand.

„Mit Streit bestehen konnt ihn · da nicht der starke Zwerg.
Wie die wilden Leuen · liefen sie an den Berg,
Wo er die Tarnkappe · Albrichen abgewann:
Da war des Hortes Meister · Siegfried der schreckliche Mann.

„Die sich getraut zu fechten, · die lagen all erschlagen.
Den Schatz ließ er wieder · nach dem Berge tragen,
Dem ihn entnommen hatten · Die Niblung unterthan.
Alberich der starke · das Amt des Kämmrers gewann.

„Er must ihm Eide schwören, · er dien ihm als sein Knecht,
Zu aller Art Diensten · ward er ihm gerecht.“
So sprach von Tronje Hagen: · „Das hat der Held gethan;
Also große Kräfte · nie mehr ein Recke gewann.

„Noch ein Abenteuer · ist mir von ihm bekannt:
Einen Linddrachen · schlug des Helden Hand;
Als er im Blut sich badete, · ward hörnern seine Haut.
So versehrt ihn keine Waffe: · das hat man oft an ihm geschaut.

„Man soll ihn wohl empfangen, · der beste Rath ist das,
Damit wir nicht verdienen · des schnellen Recken Haß.
Er ist so kühnes Sinnes, · man seh ihn freundlich an:
Er hat mit seinen Kräften · so manche Wunder gethan.“

Da sprach der mächtge König: · „Gewiss, du redest wahr:
Nun sieh, wie stolz er dasteht · vor des Streits Gefahr,
Dieser kühne Degen · und Die in seinem Lehn!
Wir wollen ihm entgegen · hinab zu dem Recken gehn.“

„Das mögt ihr,“ sprach da Hagen, · „mit allen Ehren schon:
Er ist von edelm Stamme · eines reichen Königs Sohn;
Auch hat er die Gebäre, · mich dünkt, beim Herren Christ,
Es sei nicht kleine Märe, · um die er hergeritten ist.“

Da sprach der Herr des Landes: · „Nun sei er uns willkommen.
Er ist kühn und edel, · das hab ich wohl vernommen;
Des soll er auch genießen · im Burgundenland.“
Da gieng der König Gunther · hin, wo er Siegfrieden fand.

Der Wirth und seine Recken · empfiengen so den Mann,
Daß wenig an dem Gruße · gebrach, den er gewann;
Des neigte sich vor ihnen · der Degen ausersehn
In großen Züchten sah man · ihn mit seinen Recken stehn.

„Mich wundert diese Märe,“ · sprach der Wirth zuhand,
„Von wannen, edler Siegfried, · ihr kamt in dieses Land
Oder was ihr wollet suchen · zu Worms an dem Rhein?“
Da sprach der Gast zum König: · „Das soll euch unverhohlen sein.

„Ich habe sagen hören · in meines Vaters Land,
An euerm Hofe wären, · das hätt ich gern erkannt,
Die allerkühnsten Recken, · so hab ich oft vernommen,
Die je gewann ein König: · darum bin ich hieher gekommen.

„So hör ich auch euch selber · viel Mannheit zugestehn,
Man habe keinen König · noch je so kühn gesehn.
Das rühmen viel der Leute · in all diesem Land;
Nun kann ichs nicht verwinden, · bis ich die Wahrheit befand.

„Ich bin auch ein Recke · und soll die Krone tragen:
Ich möcht es gerne fügen, · daß sie von mir sagen,
Daß ich mit Recht besäße · die Leute wie das Land.
Mein Haupt und meine Ehre · setz ich dawider zu Pfand.

Wenn ihr denn so kühn seid, · wie euch die Sage zeiht,
So frag ich nicht, ists Jemand · lieb oder leid:
Ich will von euch erzwingen, · was euch angehört,
Das Land und die Burgen · unterwerf ich meinem Schwert.“

Der König war verwundert · und all sein Volk umher,
Als sie vernahmen · sein seltsam Begehr,
Daß er ihm zu nehmen · gedächte Leut und Land.
Das hörten seine Degen, · die wurden zornig zuhand.

„Wie sollt ich das verdienen,“ · sprach Gunther der Degen,
Wes mein Vater lange · mit Ehren durfte pflegen,
Daß wir das verlören · durch Jemands Ueberkraft?
Das wäre schlecht bewiesen, · daß wir auch pflegen Ritterschaft!“

„Ich will davon nicht laßen,“ · fiel ihm der Kühne drein,
„Von deinen Kräften möge · dein Land befriedet sein,
Ich will es nun verwalten; · doch auch das Erbe mein,
Erwirbst du es durch Stärke, · es soll dir unterthänig sein.

„Dein Erbe wie das meine · wir schlagen gleich sie an,
Und wer von uns den Andern · überwinden kann,
Dem soll es alles dienen, · die Leute wie das Land.“
Dem widersprach da Hagen · und mit ihm Gernot zuhand.

„So stehn uns nicht die Sinne,“ · sprach da Gernot,
„Nach neuen Lands Gewinne, · daß Jemand sollte todt
Vor Heldeshänden liegen: · reich ist unser Land,
Das uns mit Recht gehorsamt, zu Niemand beßer bewandt.“

In grimmigem Muthe · standen da die Freunde sein.
Da war auch darunter · von Metz Herr Ortewein.
Der Sprach: „Die Sühne · ist mir von Herzen leid:
Euch ruft der starke Siegfried · ohn allen Grund in den Streit.

„Wenn ihr und eure Brüder · ihm auch nicht steht zur Wehr,
Und ob er bei sich führte · ein ganzes Königsheer,
So wollt ichs doch erstreiten, · daß der starke Held
Also hohen Uebermuth, · wohl mit Recht bei Seite stellt.“

Darüber zürnte mächtig · der Held von Niederland:
„Nicht wider mich vermeßen · darf sich deine Hand:
Ich bin ein reicher König, · du bist in Königs Lehn;
Deiner zwölfe dürften · mich nicht im Streite bestehn.“

Nach Schwertern rief da heftig · von Metz Herr Ortewein:
Er durfte Hagens Schwestersohn · von Tronje wahrlich sein;
Daß er so lang geschwiegen, · das war dem König leid.
Da sprach zum Frieden Gernot, · ein Ritter kühn und allbereit.

„Laßt euer Zürnen bleiben,“ · hub er zu Ortwein an,
„Uns hat der edle Siegfried · noch solches nicht gethan;
Wir scheiden es in Güte · wohl noch, das rath ich sehr,
Und haben ihn zum Freunde; · es geziemt uns wahrlich mehr.“

Da sprach der starke Hagen · „Uns ist billig leid
und all euern Degen, · daß er je zum Streit
an den Rhein geritten: · was ließ er das nicht sein?
So übel nie begegnet · wären ihm die Herren mein.“

Da sprach wieder Siegfried, · der kraftvolle Held:
„Wenn euch, was ich gesprochen, · Herr Hagen, missfällt,
So will ich schauen laßen, · wie noch die Hände mein
Gedenken so gewaltig · bei den Burgunden zu sein.“

„Das hoff ich noch zu wenden,“ · sprach da Gernot.
Allen seinen Degen · zu reden er verbot
In ihrem Uebermuthe, · was ihm wäre leid.
Da gedacht auch Siegfried · an die viel herrliche Maid.

„Wie geziemt' uns mit euch zu streiten?“ · sprach wieder Gernot
„Wie viel dabei der Helden · auch fielen in den Tod,
Wenig Ehre brächt uns · so ungleicher Streit.“
Die Antwort hielt da Siegfried, · König Siegmunds Sohn, bereit:

Warum zögert Hagen · und auch Ortewein,
Daß er nicht zum Streite · eilt mit den Freunden sein,
Deren er so manchen · bei den Burgunden hat?“
Sie blieben Antwort schuldig, · das war Gernotens Rath.

„Ihr sollt uns willkommen sein,“ · sprach Geiselher das Kind,
„Und eure Heergesellen, · die hier bei euch find:
Wir wollen gern euch dienen, · ich und die Freunde mein.“
Da hieß man den Gästen · schenken König Gunthers Wein.

Da sprach der Wirth des Landes: · „Alles, was uns gehört,
Verlangt ihr es in Ehren, · das sei euch unverwehrt;
Wir wollen mit euch theilen · unser Gut und Blut.“
Da ward dem Degen Siegfried · ein wenig sanfter zu Muth.

Da ließ man ihnen wahren · all ihr Wehrgewand;
Man suchte Herbergen, · die besten, die man fand:
Siegfriedens Knappen · schuf man gut Gemach.
Man sah den Fremdling gerne · in Burgundenland hernach.

Man bot ihm große Ehre · darauf in manchen Tagen,
Mehr zu tausend Malen, · als ich euch könnte sagen;
Das hatte seine Kühnheit · verdient, das glaubt fürwahr.
Ihn sah wohl selten Jemand, · der ihm nicht gewogen war.

Flißen sich der Kurzweil · die Könge und ihr Lehn,
So war er stäts der Beste, · was man auch ließ geschehn.
Es konnt ihm Niemand folgen, · so groß war seine Kraft,
Ob sie den Stein warfen · oder schoßen den Schaft.

Nach höfscher Sitte ließen · sich auch vor den Fraun
Der Kurzweile pflegend · die kühnen Ritter schaun:
Da sah man stäts den Helden · gern von Niederland;
Er hatt auf hohe Minne · seine Sinne gewandt.

Die schönen Fraun am Hofe · erfragten Märe,
Wer der stolze fremde · Recke wäre.
„Er ist so schön gewachsen, · so reich ist sein Gewand!“
Da sprachen ihrer Viele: · „Das ist der Held von Niederland.“

Was man beginnen wollte, · er war dazu bereit;
Er trug in seinem Sinne · eine minnigliche Maid,
Und auch nur ihn die Schöne, · die er noch nie gesehn,
Und die sich doch viel Gutes · von ihm schon heimlich versehn.

Wenn man auf dem Hofe · das Waffenspiel begann,
Ritter so wie Knappen, · immer sah es an
Kriemhild aus den Fenstern, · die Königstochter hehr;
Keiner andern Kurzweil · hinfort bedurfte sie mehr.

Und wüst er, daß ihn sähe, · die er im Herzen trug,
Davon hätt er Kurzweil · immerdar genug.
Ersähn sie seine Augen, · ich glaube sicherlich,
Keine andre Freude · hier auf Erden wünscht' er sich.

Wenn er bei den Recken · auf dem Hofe stand,
Wie man noch zur Kurzweil · pflegt in allem Land,
Wie stand dann so minniglich · das Sieglindenkind,
Daß manche Frau ihm heimlich · war von Herzen hold gesinnt.

Er gedacht auch manchmal: · „Wie soll das geschehn,
Daß ich das edle Mägdlein · mit Augen möge sehn,
Die ich von Herzen minne, · wie ich schon längst gethan?
Die ist mir noch gar fremde; · mit Trauern denk ich daran.“

So oft die reichen Könige · ritten in ihr Land,
So musten auch die Recken · mit ihnen all zur Hand.
Auch Siegfried ritt mit ihnen: · das war der Frauen leid;
Er litt von ihrer Minne · auch Beschwer zu mancher Zeit.

So wohnt' er bei den Herren, · das ist alles wahr,
In König Gunthers Lande · völliglich ein Jahr,
Daß er die Minnigliche · in all der Zeit nicht sah,
Durch die ihm bald viel Liebes · und auch viel Leides geschah.

4. Viertes Abenteuer.
Wie Siegfried mit den Sachsen stritt.

Da kamen fremde Mären · in König Gunthers Land
Durch Boten aus der Ferne · ihnen zugesandt
Von unbekannten Recken, · die ihnen trugen Haß
Als sie die Rede hörten, · gar sehr betrübte sie das.

Die will ich euch nennen: · es war Lüdeger
Aus der Sachsen Lande, · ein mächtger König hehr;
Dazu vom Dänenlande · der König Lüdegast:
Die gewannen zu dem Kriege · gar manchen herrlichen Gast.

Ihre Boten kamen · in König Gunthers Land,
Die seine Widersacher · hatten hingesandt.
Da frug man um die Märe · die Unbekannten gleich
Und führte bald die Boten · zu Hofe vor den König reich.

Schön grüßte sie der König und sprach: · „Seid willkommen!
Wer euch hieher gesendet, · hab ich noch nicht vernommen:
Das sollt ihr hören laßen,“ · sprach der König gut.
Da bangten sie gewaltig · vor des grimmen Gunther Muth.

„Wollt ihr uns, Herr, erlauben, · daß wir euch Bericht
Von unsrer Märe sagen, · wir hehlen sie euch nicht.
Wir nennen euch die Herren, · die uns hieher gesandt:
Lüdegast und Lüdeger · die suchen heim euer Land.

Ihren Zorn habt ihr verdienet: · wir vernahmen das
Gar wohl, die Herren tragen · euch beide großen Haß.
Sie wollen heerfahrten · gen Worms an den Rhein;
Ihnen helfen viel der Degen: · laßt euch das zur Warnung sein.

„Binnen zwölf Wochen · muß ihre Fahrt geschehn;
Habt ihr nun guter Freunde, · so laßt es bald ersehn,
Die euch befrieden helfen · die Burgen und das Land:
Hier werden sie verhauen · manchen Helm und Schildesrand.

„Oder wollt ihr unterhandeln, · so macht es offenbar;
So reitet euch so nahe · nicht gar manche Schar
Eurer starken Feinde · zu bitterm Herzeleid,
Davon verderben müßen · viel der Ritter kühn im Streit.“

„Nun harrt eine Weile · (ich künd euch meinen Muth),
Bis ich mich recht bedachte,“ · sprach der König gut.
„Hab ich noch Getreue, · denen will ichs sagen,
Diese schwere Botschaft · muß ich meinen Freunden klagen.“

Dem mächtigen Gunther · war es leid genug;
Den Botenspruch er heimlich · in seinem Herzen trug.
Er hieß berufen Hagen · und Andr' in seinem Lehn
Und hieß auch gar geschwinde · zu Hof nach Gernoten gehn.

Da kamen ihm die Besten, · so viel man deren fand.
Er sprach: „Die Feinde wollen · heimsuchen unser Land
Mit starken Heerfahrten; · das sei euch geklagt.
Es ist gar unverschuldet, · daß sie uns haben widersagt.“

„Dem wehren wir mit Schwertern,“ · sprach da Gernot,
„Da sterben nur, die müßen: · die laßet liegen todt.
Ich werde nicht vergeßen · darum der Ehre mein:
Unsre Widersacher · sollen uns willkommen sein.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Das dünkt mich nicht gut;
Lüdegast und Lüdeger · sind voll Uebermuth.
Wir können uns nicht sammeln · in so kurzen Tagen,“
So sprach der kühne Recke: · „ihr sollt es Siegfrieden sagen.“

Da gab man den Boten · Herbergen in der Stadt.
Wie feind sie ihnen waren, · sie gut zu pflegen bat
Gunther der reiche, · das war wohlgethan,
Bis er erprobt an Freunden, · wer ihm zu Hülfe zög heran.

Der König trug im Herzen · Sorge doch und Leid.
Da sah ihn also trauern · ein Ritter allbereit,
Der nicht wißen konnte, · was ihm war geschehn:
Da bat er König Gunthern, · ihm den Grund zu gestehn.

„Mich nimmt höchlich Wunder,“ · sprach da Siegfried,
„Wie die frohe Weise · so völlig von euch schied,
Deren ihr so lange · mit uns mochtet pflegen.“
Zur Antwort gab ihm Gunther, · dieser zierliche Degen:

„Wohl mag ich allen Leuten · nicht von dem Leide sagen,
Das ich muß verborgen · in meinem Herzen tragen:
Stäten Freunden klagen · soll man des Herzens Noth.“
Siegfriedens Farbe · ward da bleich und wieder roth.

Er sprach zu dem Könige: · „Was blieb euch je versagt?
Ich will euch wenden helfen · das Leid, das ihr klagt.
Wollt ihr Freunde suchen, · so will ich einer sein
Und getrau es zu vollbringen · mit Ehren bis ans Ende mein.“

„Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried, · die Rede dünkt mich gut;
Und kann mir auch nicht helfen · eure Kraft und hoher Muth,
So freut mich doch die Märe, · daß ihr so hold mir seid:
Leb ich noch eine Weile, · ich vergelt es mit der Zeit.

Ich will euch hören laßen, · was mich traurig macht.
Von Boten meiner Feinde · ward mir hinterbracht,
Mit Heerfahrten kämen · sie mich zu suchen hie:
Das geschah uns von Degen · in diesen Landen noch nie.“

„Das laßt euch nicht betrüben,“ · sprach da Siegfried,
„Sänftet eur Gemüthe · und thut, wie ich euch rieth:
Laßt mich euch erwerben · Ehre so wie Frommen,
Bevor eure Feinde · her zu diesen Landen kommen.

„Und hätten dreißigtausend · Helfer sich ersehn
Eure starken Feinde, · doch wollt ich sie bestehn,
Hätt ich auch selbst nur tausend: · verlaßt euch auf mich.“
Da sprach der König Gunther: · „Das verdien ich stäts um dich.“

„So heißt mir eurer Leute · gewinnen tausend Mann,
Da ich von den Meinen · nicht mehr hier stellen kann
Als der Recken zwölfe; · so wehr ich euer Land.
Immer soll getreulich · euch dienen Siegfriedens Hand.

„Dazu soll Hagen helfen · und auch Ortewein,
Dankwart und Sindold, · die lieben Recken dein.
Auch soll da mit uns reiten · Volker der kühne Mann:
Der soll die Fahne führen: · keinen Beßern trefft ihr an.

„Und laßt die Boten reiten heim · in ihrer Herren Land;
Daß sie uns bald da sehen, · macht ihnen das bekannt,
So daß unsre Burgen · befriedet mögen sein.“
Der König hieß besenden · Freund und Mannen insgemein.

Zu Hofe giengen wieder · Die Lüdeger gesandt;
Sie freuten sich der Reise · zurück ins Heimatland.
Ihnen bot da reiche Gabe · Gunther der König gut
Und sicheres Geleite: · des waren sie wohlgemuth.

„Nun sagt,“ sprach da Gunther, · „meinen starken Feinden an,
Ihre Reise bliebe · beßer ungethan;
Doch wollten sie mich suchen · hier in meinem Land,
Wir zerrännen denn die Freunde, · ihnen werde Noth bekannt.“

Den Boten reiche Gaben · man da zur Stelle trug:
Deren hatte Gunther · zu geben genug.
Das durften nicht verschmähen · Die Lüdeger gesandt.
Sie baten um Urlaub · und räumten fröhlich das Land.

Als die Boten waren · gen Dänemark gekommen,
Und der König Lüdegast · den Bericht vernommen,
Was sie am Rhein geredet, · als das ihm ward gesagt,
Seine übermüthge Botschaft · ward da bereut und beklagt.

Sie sagten ihm, sie hätten · manch kühnen Mann im Lehn:
„Darunter sah man Einen · vor König Gunthern stehn,
Der war geheißen Siegfried, · ein Held aus Niederland.“
Leid wars Lüdegasten, · als er die Dinge so befand.

Als Die vom Dänenlande · hörten diese Mär,
Da eilten sie, der Helfer · zu gewinnen desto mehr,
Bis der König Lüdegast · zwanzigtausend Mann
Seiner kühnen Degen · zu seiner Heerfahrt gewann.

Da besandte sich von Sachsen · auch König Lüdeger,
Bis sie vierzigtausend · hatten und wohl mehr,
Die mit ihnen ritten · gen Burgundenland.
Da hatt auch schon zu Hause · der König Gunther gesandt

Zu seinen nächsten Freunden · und seiner Brüder Heer,
Womit sie fahren wollten · im Kriegszug einher,
Und auch mit Hagens Recken: · das that den Helden Noth.
Darum musten Degen · bald erschauen den Tod.

Sie schickten sich zur Reise; · sie wollten nun hindann.
Die Fahne muste führen · Volker der kühne Mann,
Da sie reiten wollten · von Worms über Rhein;
Hagen von Tronje · der muste Scharmeister sein.

Mit ihnen ritt auch Sindold · und der kühne Hunold,
Die wohl verdienen konnten · reicher Könge Gold.
Dankwart, Hagens Bruder, · und auch Ortewein
Die mochten wohl mit Ehren · bei dem Heerzuge sein.

„Herr König,“ sprach da Siegfried, · „bleibet ihr zu Haus:
Da mir eure Degen · folgen zu dem Strauß,
So weilt bei den Frauen · und tragt hohen Muth:
Ich will euch wohl behüten · die Ehre so wie das Gut.

„Die euch heimsuchen wollten · zu Worms an dem Rhein,
Will euch davor bewahren, · daß sie euch schädlich sei'n:
Wir wollen ihnen reiten · so nah ins eigne Land,
Daß ihnen bald in Sorge · der Uebermuth wird gewandt.“

Vom Rheine sie durch Hessen · mit ihren Helden ritten
Nach dem Sachsenlande: · da wurde bald gestritten.
Mit Raub und mit Brande · verheerten sie das Land,
Daß bald den Fürsten beiden · ward Noth und Sorge bekannt.

Sie kamen an die Marke; · die Knechte rückten an.
Siegfried der starke · zu fragen da begann:
„Wer soll nun der Hüter · des Gesindes sein?“
Wohl konnte nie den Sachsen · ein Heerzug übler gedeihn.

Sie sprachen: „Laßt der Knappen · hüten auf den Wegen
Dankwart den kühnen, · das ist ein schneller Degen:
Wir verlieren desto minder · durch Die in Lüdgers Lehn;
Laßt ihn mit Ortweinen · hie die Nachhut versehn.“

„So will ich selber reiten,“ · sprach Siegfried der Degen,
„Den Feinden gegenüber · der Warte zu pflegen,
Bis ich recht erkunde, · wo die Recken sind.“
Da stand bald in den Waffen · der schönen Siegelinde Kind.

Das Volk befahl er Hagen, · als er zog hindann,
Ihm und Gernoten, · diesem kühnen Mann.
So ritt er hin alleine · in der Sachsen Land,
Wo er die rechte Märe · wohl bald mit Ehren befand.

Er sah ein groß Geschwader, · das auf dem Felde zog,
Und die Kraft der Seinen · gewaltig überwog:
Es waren vierzigtausend · oder wohl noch mehr.
Siegfried in hohem Muthe · sah gar fröhlich das Heer.

Da hatte sich ein Recke · auch aus der Feinde Schar
Erhoben auf die Warte, · der wohl gewappnet war:
Den sah der Degen Siegfried · und ihn der kühne Mann;
Jedweder auf den andern · mit Zorn zu blicken begann.

Ich sag euch, wer der wäre, · der hier der Warte pflag;
Ein lichter Schild von Golde · ihm vor der Linken lag.
Es war der König Lüdegast, · der hütete sein Heer.
Der edle Fremdling sprengte · herrlich wider ihn einher.

Nun hatt auch ihn Herr Lüdegast · sich feindlich erkoren:
Ihre Rosse reizten Beide · zur Seite mit den Sporen;
Sie neigten auf die Schilde · mit aller Macht den Schaft:
Da kam der hehre König · darob in großer Sorgen Haft.

Dem Stich gehorsam trugen · die Rosse pfeilgeschwind
Die Könige zusammen, · als wehte sie der Wind;
Dann mit den Zäumen wandten · sie ritterlich zurück:
Die grimmen Zwei versuchten · da mit dem Schwerte das Glück.

Da schlug der Degen Siegfried, · das Feld erscholl umher.
Aus dem Helme stoben, · als obs von Bränden wär,
Die feuerrothen Funken · von des Helden Hand;
Da stritt mit großen Kräften · der kühne Vogt von Niederland.

Auch ihm schlug Herr Lüdegast · manch grimmen Schlag;
Jedweder auf dem Schilde · mit ganzer Stärke lag.
Da hatten es wohl dreißig · erspäht aus seiner Schar:
Eh die ihm Hülfe brachten, · der Sieg doch Siegfrieden war

Mit drei starken Wunden, · die er dem König schlug
Durch einen lichten Harnisch; · der war doch fest genug.
Das Schwert mit seiner Schärfe · entlockte Wunden Blut;
Da gewann König Lüdegast · einen traurigen Muth.

Er bat ihn um sein Leben · und bot ihm all sein Land
Und sagt' ihm, er wäre · Lüdegast genannt.
Da kamen seine Recken: · die hatten wohl gesehn,
Was da von ihnen beiden · auf der Warte war geschehn.

Er führt' ihn gern von dannen: · da ward er angerannt
Von dreißig seiner Mannen; · doch wehrte seine Hand
Seinen edeln Geisel · mit ungestümen Schlägen.
Bald that noch größern Schaden · dieser zierliche Degen.

Die Dreißig zu Tode · wehrlich er schlug;
Ihrer Einen ließ er leben: · der ritt da schnell genug
Und brachte hin die Märe · von dem, was hier geschehn;
Auch konnte man die Wahrheit · an seinem rothen Helme sehn.

Gar leid wars den Recken · aus dem Dänenland,
Als ihres Herrn Gefängniss · ihnen ward bekannt.
Man sagt' es seinem Bruder: · der fieng zu toben an
In ungestümem Zorne: · ihm war gar wehe gethan.

Lüdegast der König · war hinweggebracht
Zu Gunthers Ingesinde · von Siegfrieds Uebermacht.
Er befahl ihn Hagen: · der kühne Recke gut,
Als er vernahm die Märe, · da gewann er fröhlichen Muth.

Man gebot den Burgunden: · „Die Fahne bindet an.“
„Wohlauf,“ sprach da Siegfried, · „hier wird noch mehr gethan
Vor Abendzeit, verlier ich · Leben nicht und Leib:
Das betrübt im Sachsenlande · noch manches waidliche Weib.

„Ihr Helden vom Rheine, · ihr sollt mein nehmen wahr:
Ich kann euch wohl geleiten · zu Lüdegers Schar.
Da seht ihr Helme hauen · von guter Helden Hand:
Eh wir uns wieder wenden, · wird ihnen Sorge bekannt.“

Zu den Rossen sprangen Gernot · und Die ihm unterthan.
Die Heerfahne faßte · der kühne Spielmann,
Volker der Degen, · und ritt der Schar vorauf.
Da war auch das Gesinde · zum Streite muthig und wohlauf.

Sie führten doch der Degen · nicht mehr denn tausend Mann,
Darüber zwölf Recken. · Zu stieben da begann
Der Staub von den Straßen: · sie ritten über Land;
Man sah von ihnen scheinen · manchen schönen Schildesrand.

Nun waren auch die Sachsen · gekommen und ihr Heer
Mit Schwertern wohlgewachsen; · die Klingen schnitten sehr,
Das hab ich wohl vernommen, · den Helden an der Hand:
Da wollten sie die Gäste · von Burgen wehren und Land.

Der Herren Scharmeister · führten das Volk heran.
Da war auch Siegfried kommen · mit den zwölf Mann,
Die er mit sich führte · aus dem Niederland.
Des Tags sah man im Sturme · manche blutige Hand.

Sindold und Hunold · und auch Gernot
Die schlugen in dem Streite · viel der Helden todt,
Eh sie ihrer Kühnheit · noch selber mochten traun:
Das musten bald beweinen · viel der waidlichen Fraun.

Volker und Hagen · und auch Ortwein
Leschten in dem Streite · manches Helmes Schein
Mit fließendem Blute, · die Kühnen in der Schlacht.
Von Dankwarten wurden · viel große Wunder vollbracht.

Da versuchten auch die Dänen · waidlich ihre Hand;
Von Stößen laut erschallte · mancher Schildesrand
Und von den scharfen Schwertern, · womit man Wunden schlug.
Die streitkühnen Sachsen · thaten Schadens auch genug.

Als die Burgunden · drangen in den Streit,
Von ihnen ward gehauen · manche Wunde weit:
Ueber die Sättel fließen · sah man das Blut;
So warben um die Ehre · diese Ritter kühn und gut.

Man hörte laut erhallen · den Helden an der Hand
Ihre scharfen Waffen, · als Die von Niederland
Ihrem Herrn nachdrangen · in die dichten Reihn;
Die zwölfe kamen ritterlich · zugleich mit Siegfried hinein.

Deren vom Rheine · kam ihnen Niemand nach.
Man konnte fließen sehen · den blutrothen Bach
Durch die lichten Helme · von Siegfriedens Hand,
Eh er Lüdegeren · vor seinen Heergesellen fand.

Dreimal die Kehre · hat er nun genommen
Bis an des Heeres Ende; · da war auch Hagen kommen:
Der half ihm wohl vollbringen · im Kampfe seinen Muth.
Da muste bald ersterben · vor ihnen mancher Ritter gut.

Als der starke Lüdeger · Siegfrieden fand,
Wie er so erhaben · trug in seiner Hand
Balmung den guten · und da so Manchen schlug,
Darüber ward der Kühne · vor Zorn ingrimmig genug.

Da gab es stark Gedränge · und lauten Schwerterklang,
Wo ihr Ingesinde · auf einander drang.
Da versuchten desto heftiger · die beiden Recken sich;
Die Scharen wichen beide: · der Kämpen Haß ward fürchterlich.

Dem Vogt vom Sachsenlande · war es wohl bekannt,
Sein Bruder sei gefangen: · drum war er zornentbrannt;
Nicht wust er, ders vollbrachte, · sei der Sieglindensohn.
Man zeihte des Gernoten; · hernach befand er es schon.

Da schlug so starke Schläge · Lüdegers Schwert,
Siegfrieden unterm Sattel · niedersank das Pferd;
Doch bald erhob sichs wieder: · der kühne Siegfried auch
Gewann jetzt im Sturme · einen furchtbaren Brauch.

Dabei half ihm Hagen · wohl und Gernot,
Dankwart und Volker: · da lagen Viele todt.
Sindold und Hunold · und Ortwein der Degen
Die konnten in dem Streite · zum Tode Manchen niederlegen.

Untrennbar im Kampfe · waren die Fürsten hehr.
Ueber die Helme fliegen · sah man manchen Sper
Durch die lichten Schilde · von der Helden Hand;
Auch ward von Blut geröthet · mancher herrliche Rand.

In dem starken Sturme · sank da mancher Mann
Von den Rossen nieder. · Einander rannten an
Siegfried der kühne · und König Lüdeger;
Man sah da Schäfte fliegen · und manchen schneidigen Sper.

Der Schildbeschlag des Königs · zerstob vor Siegfrieds Hand.
Sieg zu erwerben dachte · der Held von Niederland
An den kühnen Sachsen; · die litten Ungemach.
Hei! was da lichte Panzer · der kühne Dankwart zerbrach!

Da hatte König Lüdeger · auf einem Schild erkannt
Eine gemalte Krone · vor Siegfriedens Hand:
Da sah er wohl, es wäre · der kraftreiche Mann.
Laut auf zu seinen Freunden · der Held zu rufen begann:

„Begebt euch des Streites, · ihr all mir unterthan!
Den Sohn König Siegmunds · traf ich hier an,
Siegfried den starken · hab ich hier erkannt;
Den hat der üble Teufel · her zu den Sachsen gefandt.“

Er gebot die Fahnen · zu senken in dem Streit.
Friedens er begehrte: · der ward ihm nach der Zeit;
Doch must er Geisel werden · in König Gunthers Land:
Das hatt an ihm erzwungen · des kühnen Siegfriedes Hand.

Nach allgemeinem Rathe · ließ man ab vom Streit.
Viel zerschlagner Helme · und der Schilde weit
Legten sie aus Händen; · so viel man deren fand,
Die waren blutgeröthet · von der Burgunden Hand.

Sie fiengen, wen sie wollten: · sie hatten volle Macht.
Gernot und Hagen, · die schnellen, hatten Acht,
Daß man die Wunden bahrte; · da führten sie hindann
Gefangen nach dem Rheine · der Kühnen fünfhundert Mann.

Die sieglosen Recken · zum Dänenlande ritten.
Da hatten auch die Sachsen · so tapfer nicht gestritten,
Daß man sie loben sollte: · das war den Helden leid.
Da beklagten ihre Freunde · die Gefallnen in dem Streit.

Sie ließen ihre Waffen · aufsäumen nach dem Rhein.
Es hatte wohl geworben · mit den Gefährten sein
Siegfried der starke · und hatt es gut vollbracht:
Das must ihm zugestehen · König Gunthers ganze Macht.

Gen Worms sandte Boten · der König Gernot:
Daheim in seinem Lande · den Freunden er entbot,
Wie ihm gelungen wäre · und all seinem Lehn:
Es war da von den Kühnen · nach allen Ehren geschehn.

Die Botenknaben liefen; · so ward es angesagt.
Da freuten sich in Liebe, · die eben Leid geklagt,
Dieser frohen Märe, · die ihnen war gekommen.
Da ward von edlen Frauen · großes Fragen vernommen,

Wie es den Herrn gelungen · wär in des Königs Heer.
Man rief der Boten Einen · zu Kriemhilden her.
Das geschah verstohlen, · sie durfte es wohl nicht laut:
Denn Einer war darunter, · dem sie längst ihr Herz vertraut.

Als sie in ihre Kammer · den Boten kommen sah,
Kriemhild die schöne · gar gütlich sprach sie da:
„Nun sag mir liebe Märe, · so geb ich dir mein Gold,
Und thust dus ohne Trügen, · will ich dir immer bleiben hold.

„Wie schied aus dem Streite · mein Bruder Gernot
Und meine andern Freunde? · Blieb uns nicht Mancher todt?
Wer that da das Beste? · das sollst du mir sagen“
Da sprach der biedre Bote: · „Wir hatten nirgend einen Zagen.

„Zuvorderst in dem Streite · ritt Niemand so wohl,
Hehre Königstochter, · wenn ich es sagen soll,
Als der edle Fremdling · aus dem Niederland:
Da wirkte große Wunder · des kühnen Siegfriedes Hand.

„Was von den Recken allen · im Streit da geschehn,
Dankwart und Hagen · und des Königs ganzem Lehn,
Wie wehrlich sie auch stritten, · das war doch wie ein Wind
Nur gegen Siegfrieden, · König Siegmundens Kind.

„Sie haben in dem Sturme · der Helden viel erschlagen;
Doch möcht euch dieser Wunder · ein Ende Niemand sagen,
Die da Siegfried wirkte, · ritt er in den Streit.
Den Fraun an ihren Freunden · that er mächtiges Leid.

„Auch muste vor ihm fallen · der Friedel mancher Braut.
Seine Schläge schollen · auf Helmen also laut,
Daß sie aus Wunden brachten · das fließende Blut:
Er ist in allen Dingen · ein Ritter kühn und auch gut.

„Da hat auch viel begangen · von Metz Herr Ortewein:
Was er nur mocht erlangen · mit dem Schwerte sein,
Das fiel vor ihm verwundet · oder meistens todt.
Da schuf euer Bruder · die allergrößeste Noth,

„Die jemals in Stürmen · mochte sein geschehn;
Man muß dem Auserwählten · die Wahrheit zugestehn.
Die stolzen Burgunden · bestanden so die Fahrt,
Daß sie vor allen Schanden · die Ehre haben bewahrt.

„Man sah von ihren Händen · der Sättel viel geleert,
Als so laut das Feld erhallte · von manchem lichten Schwert.
Die Recken vom Rheine · die ritten allezeit,
Daß ihre Feinde beßer · vermieden hätten den Streit.

„Auch die kühnen Tronjer · schufen großes Leid,
Als mit Volkskräften · das Heer sich traf im Streit.
Da schlug so Manchen nieder des kühnen Hagen Hand,
Es wäre viel zu sagen · davon in der Burgunden Land.

„Sindold und Hunold · in Gernotens Heer
Und Rumold der kühne · schufen so viel Beschwer,
König Lüdger mag es · beklagen allezeit,
Daß er meine Herren · am Rhein berief in den Streit.

„Kampf, den allerhöchsten, · der irgend da geschah,
Vom Ersten bis zum Letzten, · den Jemand nur sah,
Hat Siegfried gefochten · mit wehrlicher Hand:
Er bringt reiche Geisel · her in König Gunthers Land.

„Die zwang mit seinen Kräften · der streitbare Held,
Wovon der König Lüdegast · den Schaden nun behält
Und vom Sachsenlande · sein Bruder Lüdeger.
Nun hört meine Märe, · viel edle Königin hehr!

„Gefangen hat sie beide · Siegfriedens Hand:
Nie so mancher Geisel · kam in dieses Land,
Als nun seine Kühnheit · bringt an den Rhein.“
Ihr konnten diese Mären · nicht willkommener sein.

„Man führt der Gesunden · fünfhundert oder mehr
Und der zum Sterben Wunden, · wißt, Königin hehr,
Wohl achtzig blutge Bahren · her in unser Land:
Die hat zumeist verhauen · des kühnen Siegfriedes Hand.

„Die uns im Uebermuthe · widersagten hier am Rhein,
Die müßen nun Gefangene · König Gunthers sein;
Die bringt man mit Freuden · her in dieses Land.“
Ihre lichte Farb erblühte, · als ihr die Märe ward bekannt.

Ihr schönes Antlitz wurde · vor Freuden rosenroth,
Da lebend war geschieden · aus so großer Noth
Der waidliche Recke, · Siegfried der junge Mann.
Sie war auch froh der Freunde · und that wohl weislich daran.

Die Schöne sprach: „Du machtest · mir frohe Mär bekannt:
Ich laße dir zum Lohne · geben reich Gewand,
Und zehn Mark von Golde · heiß ich dir tragen.“
Drum mag man solche Botschaft · reichen Frauen gerne sagen.

Man gab ihm zum Lohne · das Gold und auch das Kleid.
Da trat an die Fenster · manche schöne Maid
Und schaute nach der Straße, · wo man reiten fand
Viel hochherzge Degen · in der Burgunden Land.

Da kamen die Gesunden, · der Wunden Schar auch kam:
Die mochten grüßen hören · von Freunden ohne Scham.
Der Wirth ritt seinen Gästen · entgegen hocherfreut:
Mit Freuden war beendet · all sein mächtiges Leid.

Da empfieng er wohl die Seinen, · die Fremden auch zugleich,
Wie es nicht anders ziemte · dem Könige reich,
Als denen gütlich danken, · die da waren kommen,
Daß sie den Sieg mit Ehren · im Sturme hatten genommen.

Herr Gunther ließ sich Kunde · von seinen Freunden sagen,
Wer ihm auf der Reise · zu Tode wär erschlagen,
Da hatt er nicht verloren · mehr als sechzig Mann;
Die muste man verschmerzen, · wie man noch Manchen gethan.

Da brachten die Gesunden · zerhauen manchen Rand
Und viel zerschlagener Helme · in König Gunthers Land.
Das Volk sprang von den Rossen · vor des Königs Saal;
Zu liebem Empfange · vernahm man fröhlichen Schall.

Da gab man Herbergen · den Recken in der Stadt.
Der König seine Gäste · wohl zu verpflegen bat;
Die Wunden ließ er hüten · und warten fleißiglich.
Wohl zeigte seine Milde · auch an seinen Feinden sich.

Er sprach zu Lüdegeren: · „Nun seid mir willkommen!
Ich bin zu großem Schaden · durch eure Schuld gekommen:
Der wird mir nun vergolten, · wenn ich das schaffen kann.
Gott lohne meinen Freunden: · sie haben wohl an mir gethan.“

„Wohl mögt ihr ihnen danken,“ · sprach da Lüdeger,
„Solche hohe Geisel · gewann kein König mehr.
Um ritterlich Gewahrsam · bieten wir großes Gut
Und bitten, daß ihr gnädiglich · an euern Widersachern thut.“

„Ich will euch,“ sprach er, „Beide · ledig laßen gehn;
Nur daß meine Feinde · hier bei mir bestehn,
Dafür verlang ich Bürgschaft, · damit sie nicht mein Land
Räumen ohne Frieden.“ · Darauf boten sie die Hand.

Man brachte sie zur Ruhe, · wo man sie wohl verpflag.
Und bald auf guten Betten · mancher Wunde lag.
Man schenkte den Gesunden · Meth und guten Wein;
Da konnte das Gesinde · nicht wohl fröhlicher sein.

Die zerhaunen Schilde · man zum Verschluße trug;
Blutgefärbter Sättel · sah man da genug.
Die ließ man verbergen, · so weinten nicht die Fraun.
Da waren reisemüde · viel gute Ritter zu schaun.

Seiner Gäste pflegen · hieß der König wohl;
Von Heimischen und Fremden · lag das Land ihm voll;
Er ließ die Fährlichwunden · gütlich verpflegen:
Wie hart war darnieder · nun ihr Uebermuth gelegen!

Die Arzneikunst wusten, · denen bot man reichen Sold,
Silber ungewogen, · dazu das lichte Gold,
Wenn sie die Helden heilten · nach des Streites Noth.
Dazu viel große Gaben · der König seinen Gästen bot.

Wer wieder heimzureisen · sann in seinem Muth,
Den bat man noch zu bleiben, · wie man mit Freunden thut.
Der König gieng zu Rathe, · wie er lohne seinem Lehn:
Durch sie war sein Wille · nach allen Ehren geschehn.

Da sprach der König Gernot: · „Laßt sie jetzt hindann;
Ueber sechs Wochen, · das kündigt ihnen an,
Sollten sie wiederkehren · zu einem Hofgelag:
Heil ist dann wohl Mancher, · der jetzt schwer verwundet lag.“

Da bat auch um Urlaub · Siegfried von Niederland.
Als dem König Gunther · sein Wille ward bekannt,
Bat er ihn gar minniglich, · noch bei ihm zu bestehn;
Wenn nicht um seine Schwester, · so wär es nimmer geschehn.

Dazu war er zu mächtig, · daß man ihm böte Sold,
So sehr er es verdiente. · Der König war ihm hold
Und all seine Freunde, · die das mit angesehn,
Was da von seinen Händen · war im Streite geschehn.

Er dachte noch zu bleiben · um die schöne Maid;
Vielleicht, daß er sie sähe. · Das geschah auch nach der Zeit:
Wohl nach seinem Wunsche · ward sie ihm bekannt.
Dann ritt er reich an Freuden · heim in seines Vaters Land.

Der Wirth bat alle Tage · des Ritterspiels zu pflegen;
Das that mit gutem Willen · mancher junge Degen.
Auch ließ er Sitz' errichten · vor Worms an dem Strand
Für Die da kommen sollten · in der Burgunden Land.

Nun hatt auch in den Tagen, · als sie sollten kommen,
Kriemhild die schöne · die Märe wohl vernommen,
Er stell ein Hofgelage · mit lieben Freunden an.
Da dachten schöne Frauen · mit großem Fleiße daran,

Gewand und Band zu suchen, das sie wollten tragen.
Ute die reiche · vernahm die Märe sagen
Von den stolzen Recken, · die da sollten kommen:
Da wurden aus dem Einschlag · viele reiche Kleider genommen.

Ihrer Kinder halb bereiten · ließ sie Rock und Kleid,
Womit sich da zierten · viel Fraun und manche Maid
Und viel der jungen Recken · aus Burgundenland.
Sie ließ auch manchem Fremden · bereiten herrlich Gewand.

5. Fünftes Abenteuer.
Wie Siegfried Kriemhilden zuerst ersah.

Man sah die Helden täglich · nun reiten an den Rhein,
Die bei dem Hofgelage · gerne wollten sein
Und den Königen zu Liebe · kamen in das Land.
Man gab ihrer Vielen · beides, Ross und Gewand.

Es war auch das Gestühle · allen schon bereit,
Den Höchsten und den Besten, · so hörten wir Bescheid,
Zweiunddreißig Fürsten · zu dem Hofgelag:
Da zierten um die Wette · sich die Frauen für den Tag.

Gar geschäftig sah man · Geiselher das Kind.
Die Heimischen und Fremden · empfieng er holdgesinnt
Mit Gernot seinem Bruder · und beider Mannen da.
Wohl grüßten sie die Degen, · wie es nach Ehren geschah.

Viel goldrother Sättel · führten sie ins Land,
Zierliche Schilde · und herrlich Gewand
Brachten sie zu Rheine · bei dem Hofgelag.
Mancher Ungesunde · hieng der Freude wieder nach.

Die wund zu Bette liegend · vordem gelitten Noth,
Die durften nun vergeßen, · wie bitter sei der Tod;
Die Siechen und die Kranken · vergaß man zu beklagen.
Es freute sich ein Jeder · entgegen festlichen Tagen:

Wie sie da leben wollten · in gastlichem Genuß!
Wonnen ohne Maßen, · der Freuden Ueberfluß
Hatten alle Leute, · so viel man immer fand:
Da hub sich große Wonne · über Gunthers ganzes Land.

An einem Pfingstmorgen · sah man sie alle gehn
Wonniglich gekleidet, · viel Degen ausersehn,
Fünftausend oder drüber, · dem Hofgelag entgegen.
Da hub um die Wette · sich viel Kurzweil allerwegen.

Der Wirth hatt im Sinne, · was er schon längst erkannt,
Wie von ganzem Herzen · der Held von Niederland
Seine Schwester liebe, · sah er sie gleich noch nie,
Der man das Lob der Schönheit · vor allen Jungfrauen lieh.

Er sprach: „Nun rathet Alle, · Freund oder Unterthan,
Wie wir das Hofgelage · am besten stellen an,
Daß man uns nicht schelte · darum nach dieser Zeit;
Zuletzt doch an den Werken · liegt das Lob, das man uns beut.“

Da sprach zu dem Könige · von Metz Herr Ortewein:
„Soll dieß Hofgelage · mit vollen Ehren sein,
So laßt eure Gäste · die schönen Kinder sehn,
Denen so viel Ehren · in Burgundenland geschehn.

„Was wäre Mannes Wonne, · was freut' er sich zu schaun,
Wenn nicht schöne Mägdelein · und herrliche Fraun?
Drum laßt eure Schwester · vor die Gäste gehn.“
Der Rath war manchem Helden · zu hoher Freude geschehn.

„Dem will ich gerne folgen,“ · der König sprach da so.
Alle, die's erfuhren, · waren darüber froh.
Er entbot es Frauen Uten · und ihrer Tochter schön,
Daß sie mit ihren Maiden · hin zu Hofe sollten gehn.

Da ward aus den Schreinen · gesucht gut Gewand,
So viel man eingeschlagen · der lichten Kleider fand,
Der Borten und der Spangen; · des lag genug bereit.
Da zierte sich gar minniglich · manche waidliche Maid.

Mancher junge Recke · wünschte heut so sehr,
Daß er wohlgefallen · möchte den Frauen hehr,
Das er dafür nicht nähme · ein reiches Königsland:
Sie sahen die gar gerne, · die sie nie zuvor gekannt.

Da ließ der reiche König · mit seiner Schwester gehn
Hundert seiner Recken, · zu ihrem Dienst ersehn
Und dem ihrer Mutter, · die Schwerter in der Hand:
Das war das Hofgesinde · in der Burgunden Land.

Ute die reiche · sah man mit ihr kommen,
Die hatte schöner Frauen · sich zum Geleit genommen
Hundert oder drüber, · geschmückt mit reichem Kleid.
Auch folgte Kriemhilden · manche waidliche Maid.

Aus einer Kemenate · sah man sie alle gehn:
Da muste heftig Drängen · von Helden bald geschehn,
Die alle harrend standen, · ob es möchte sein,
Daß sie da fröhlich sähen · dieses edle Mägdelein.

Da kam die Minnigliche, · wie das Morgenroth
Tritt aus trüben Wolken. · Da schied von mancher Noth,
Der sie im Herzen hegte, · was lange war geschehn.
Er sah die Minnigliche · nun gar herrlich vor sich stehn.

Von ihrem Kleide leuchtete · mancher edle Stein;
Ihre rosenrothe Farbe · gab wonniglichen Schein.
Was Jemand wünschen mochte, · er muste doch gestehn,
Daß er hier auf Erden · noch nicht so Schönes gesehn.

Wie der lichte Vollmond · vor den Sternen schwebt,
Des Schein so hell und lauter · sich aus den Wolken hebt,
So glänzte sie in Wahrheit · vor andern Frauen gut:
Das mochte wohl erhöhen · den zieren Helden den Muth.

Die reichen Kämmerlinge · schritten vor ihr her;
Die hochgemuthen Degen · ließen es nicht mehr:
Sie drängten, daß sie sähen · die minnigliche Maid.
Siegfried dem Degen · war es lieb und wieder leid.

Er sann in seinem Sinne: · „Wie dacht ich je daran,
Daß ich dich minnen sollte? · das ist ein eitler Wahn;
Soll ich dich aber meiden, · so wär ich sanfter todt.“
Er ward von Gedanken · oft bleich und oft wieder roth.

Da sah man den Sigelindensohn · so minniglich da stehn,
Als wär er entworfen · auf einem Pergamen
Von guten Meisters Händen: · gern man ihm zugestand,
Daß man nie im Leben · so schönen Helden noch fand.

Die mit Kriemhilden giengen, · die hießen aus den Wegen
Allenthalben weichen: · dem folgte mancher Degen.
Die hochgetragnen Herzen · freute man sich zu schaun:
Man sah in hohen Züchten · viel der herrlichen Fraun.

Da sprach von Burgunden · der König Gernot:
„Dem Helden, der so gütlich · euch seine Dienste bot,
Gunther, lieber Bruder, · dem bietet hier den Lohn
Vor allen diesen Recken: · des Rathes spricht man mir nicht Hohn.

„Heißet Siegfrieden · zu meiner Schwester kommen,
Daß ihn das Mägdlein grüße: · das bringt uns immer Frommen:
Die niemals Recken grüßte, · soll sein mit Grüßen pflegen,
Daß wir uns so gewinnen · diesen zierlichen Degen.“

Des Wirthes Freunde giengen dahin, · wo man ihn fand;
Sie sprachen zu dem Recken · aus dem Niederland:
„Der König will erlauben, · ihr sollt zu Hofe gehn,
Seine Schwester soll euch grüßen: · die Ehre soll euch geschehn.“

Der Rede ward der Degen · in seinem Muth erfreut:
Er trug in seinem Herzen · Freude sonder Leid,
Daß er der schönen Ute · Tochter sollte sehn.
In minniglichen Züchten · empfieng sie Siegfrieden schön.

Als sie den Hochgemuthen · vor sich stehen sah,
Ihre Farbe ward entzündet; · die Schöne sagte da:
„Willkommen, Herr Siegfried, · ein edler Ritter gut.“
Da ward ihm von dem Gruße · gar wohl erhoben der Muth.

Er neigte sich ihr minniglich, · als er den Dank ihr bot.
Da zwang sie zu einander · sehnender Minne Noth;
Mit liebem Blick der Augen · sahn einander an
Der Held und auch das Mägdelein; · das ward verstohlen gethan.

Ward da mit sanftem Drucke · geliebkost weiße Hand
In herzlicher Minne, · das ist mir unbekannt.
Doch kann ich auch nicht glauben, · sie hättens nicht gethan.
Liebebedürftige Herzen · thäten Unrecht daran.

Zu des Sommers Zeiten · und in des Maien Tagen
Durft er in seinem Herzen · nimmer wieder tragen
So viel hoher Wonne, · als er da gewann,
Da die ihm an der Hand gieng, · die der Held zu minnen sann.

Da gedachte mancher Recke: · „Hei! wär mir so geschehn,
Daß ich so bei ihr gienge, · wie ich ihn gesehn,
Oder bei ihr läge! · das nähm ich willig hin.“
Es diente nie ein Recke · so gut noch einer Königin.

Aus welchen Königs Landen · ein Gast gekommen war,
Er nahm im ganzen Saale · nur dieser beiden wahr.
Ihr ward erlaubt zu küssen · den waidlichen Mann:
Ihm ward in seinem Leben · nie so Liebes gethan.

Von Dänemark der König · hub an und sprach zur Stund:
„Des hohen Grußes willen · liegt gar Mancher wund,
Wie ich wohl hier gewahre, · von Siegfriedens Hand:
Gott laß ihn nimmer wieder · kommen in der Dänen Land.“

Da hieß man allenthalben · weichen aus den Wegen
Kriemhild der Schönen; · manchen kühnen Degen
Sah man wohlgezogen · mit ihr zur Kirche gehn.
Bald ward von ihr geschieden · dieser Degen ausersehn.

Da gieng sie zu dem Münster · und mit ihr viel der Fraun.
Da war in solcher Zierde · die Königin zu schaun,
Daß da hoher Wünsche · mancher ward verloren;
Sie war zur Augenweide · viel der Recken auserkoren.

Kaum erharrte Siegfried, · bis schloß der Messgesang;
Er mochte seinem Heile · des immer sagen Dank,
Daß ihm so gewogen war, · die er im Herzen trug:
Auch war er der Schönen · nach Verdiensten hold genug.

Als sie aus dem Münster · nach der Messe kam,
Lud man wieder zu ihr · den Helden lobesam.
Da begann ihm erst zu danken · die minnigliche Maid,
Daß er vor allen Recken · so kühn gefochten im Streit.

„Nun lohn euch Gott, Herr Siegfried,“ · sprach das schöne Kind,
„Daß ihr das verdientet, · daß euch die Recken sind
So hold mit ganzer Treue, · wie sie zumal gestehn.“
Da begann er Frau Kriemhilden · minniglich anzusehn.

„Stäts will ich ihnen dienen,“ · sprach Stegfried der Degen,
„Und will mein Haupt nicht eher · zur Ruhe niederlegen,
Bis ihr Wunsch geschehen, · so lang mein Leben währt:
Das thu ich, Frau Kriemhild, · daß ihr mir Minne gewährt.“

Innerhalb zwölf Tagen, · so oft es neu getagt,
Sah man bei dem Degen · die wonnigliche Magd,
So sie zu Hofe durfte · vor ihren Freunden gehn.
Der Dienst war dem Recken · aus großer Liebe geschehn.

Freude und Wonne · und lauten Schwerterschall
Vernahm man alle Tage · vor König Gunthers Saal,
Davor und darinnen · von manchem kühnen Mann.
Von Ortwein und Hagen · wurden Wunder viel gethan.

Was man zu üben wünschte, · dazu sah man bereit
In völligem Maße · die Degen kühn im Streit.
Da machten vor den Gästen · die Recken sich bekannt;
Es war eine Zierde · König Gunthers ganzem Land.

Die lange wund gelegen, · wagten sich an den Wind:
Sie wollten kurzweilen · mit des Königs Ingesind,
Schirmen mit den Schilden · und schießen manchen Schaft.
Des halfen ihnen Viele; · sie hatten größliche Kraft.

Bei dem Hofgelage · ließ sie der Wirth verpflegen
Mit der besten Speise; · es durfte sich nicht regen
Nur der kleinste Tadel, · der Fürsten mag entstehn;
Man sah ihn jetzo freundlich · hin zu seinen Gästen gehn.

Er sprach: „Ihr guten Recken, · bevor ihr reitet hin,
So nehmt meine Gaben: · also fleht mein Sinn,
Ich will euch immer danken; · verschmäht nicht mein Gut:
Es unter euch zu theilen · hab ich willigen Muth.“

Die vom Dänenlande · sprachen gleich zur Hand:
„Bevor wir wieder reiten · heim in unser Land,
Gewährt uns stäten Frieden: · das ist uns Recken noth;
Uns sind von euern Degen · viel der lieben Freunde todt.“

Genesen von den Wunden · war Lüdegast derweil;
Der Vogt des Sachsenlandes · war bald vom Kampfe heil.
Etliche Todte · ließen sie im Land.
Da gieng der König Gunther · hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sprach zu dem Recken: · „Nun rath mir, wie ich thu.
Unsre Gäste wollen · reiten morgen fruh
Und gehn um stäte Sühne · mich und die Meinen an:
Nun rath, kühner Degen, · was dich dünke wohlgethan.

„Was mir die Herrn bieten, · das will ich dir sagen:
Was fünfhundert Mähren · an Gold mögen tragen,
Das bieten sie mir gerne · für ihre Freiheit an.“
Da sprach aber Siegfried: · „Das wär übel gethan.

„Ihr sollt sie beide ledig · von hinnen laßen ziehn;
Nur daß die edeln Recken · sich hüten fürderhin
Vor feindlichem Reiten · her in euer Land,
Laßt euch zu Pfande geben · der beiden Könige Hand.“

„Dem Rathe will ich folgen.“ · So giengen sie hindann.
Seinen Widersachern · ward es kundgethan,
Des Golds begehre Niemand, · das sie geboten eh.
Daheim den lieben Freunden · war nach den heermüden weh.

Viel Schilde schatzbeladen · trug man da herbei:
Das theilt' er ungewogen · seinen Freunden frei,
An fünfhundert Marken · und Manchem wohl noch mehr;
Gernot rieth es Gunthern, · dieser Degen kühn und hehr.

Um Urlaub baten alle, · sie wollten nun hindann.
Da kamen die Gäste · vor Kriemhild heran
Und dahin auch, wo Frau Ute · saß, die Königin.
Es zogen nie mehr Degen · so wohl beurlaubt dahin.

Die Herbergen leerten sich, · als sie von dannen ritten.
Doch verblieb im Lande · mit herrlichen Sitten
Der König mit den Seinen · und mancher edle Mann:
Die giengen alle Tage · zu Frau Kriemhild heran.

Da wollt auch Urlaub nehmen · Siegfried der gute Held,
Verzweifelnd zu erwerben, · worauf sein Sinn gestellt.
Der König hörte sagen, · er wolle nun hindann:
Geiselher der junge · ihn von der Reise gewann.

„Wohin, edler Siegfried, · wohin reitet ihr?
Hört meine Bitte, · bleibt bei den Recken hier,
Bei Gunther dem König · und bei seinem Lehn:
Hier sind viel schöne Frauen, · die läßt man euch gerne sehn.“

Da sprach der starke Siegfried: · „So laßt die Rosse stehn.
Von hinnen wollt ich reiten, · das laß ich mir vergehn.
Tragt auch hinweg die Schilde: · wohl wollt ich in mein Land:
Davon hat mich Herr Geiselher · mit großen Treuen gewandt.“

So verblieb der Kühne · dem Freund zu Liebe dort.
Auch wär ihm in den Landen · an keinem andern Ort
So wohl als hier geworden: · daher es nun geschah,
Daß er alle Tage · die schöne Kriemhild ersah.

Ihrer hohen Schönheit willen · der Degen da verblieb.
Mit mancher Kurzweile · man nun die Zeit vertrieb;
Nur zwang ihn ihre Minne, · die schuf ihm oftmals Noth;
Darum hernach der Kühne · lag zu großem Jammer todt.

6. Sechstes Abenteuer.
Wie Gunther um Brunhild gen Isenland fuhr.

Wieder neue Märe · erhob sich über Rhein:
Man sagte sich, da wäre · manch schönes Mägdelein.
Sich eins davon zu werben · sann König Gunthers Muth.
Das dauchte seine Recken · und die Herren alle gut.

Es war eine Königin · geseßen über Meer,
Ihr zu vergleichen · war keine andre mehr.
Schön war sie aus der Maßen, · gar groß war ihre Kraft;
Sie schoß mit schnellen Degen · um ihre Minne den Schaft.

Den Stein warf sie ferne, · nach dem sie weithin sprang;
Wer ihrer Minne gehrte, · der muste sonder Wank
Drei Spiel' ihr abgewinnen, · der Frauen wohlgeboren;
Gebrach es ihm an Einem, · so war das Haupt ihm verloren.

Die Königstochter hatte · das manchesmal gethan.
Das erfuhr am Rheine · ein Ritter wohlgethan.
Der seine Sinne wandte · auf das schöne Weib.
Drum musten bald viel Degen · verlieren Leben und Leib.

Als einst mit seinen Leuten · saß der König hehr,
Ward es von allen Seiten · berathen hin und her,
Welche ihr Herr sich sollte · zum Gemahl erschaun,
Die er zum Weibe wollte · und dem Land geziemte zur Fraun.

Da sprach der Vogt vom Rheine: „Ich will an die See
Hin zu Brunhilden, · wie es mir ergeh.
Um ihre Minne wag ich · Leben und Leib,
Die will ich verlieren, · gewinn ich nicht sie zum Weib.“

„Das möcht ich widerrathen,“ · sprach Siegfried wider ihn:
„So grimmiger Sitte · pflegt die Königin,
Um ihre Minne werben, · das kommt hoch zu stehn:
Drum mögt ihrs wohl entrathen, · auf diese Reise zu gehn.“

Da sprach der König Gunther: · „Ein Weib ward noch nie
So stark und kühn geboren, · im Streit wollt ich sie
Leichtlich überwinden · allein mit meiner Hand.“
„Schweigt,“ sprach da Siegfried, · „sie ist euch noch unbekannt.

„Und wären eurer viere, · die könnten nicht gedeihn
Vor ihrem grimmen Zorne: · drum laßt den Willen sein,
Das rath ich euch in Treuen: · entgeht ihr gern dem Tod,
So macht um ihre Minne · euch nicht vergebliche Noth.“

„Sei sie so stark sie wolle, · die Reise muß ergehn
Hin zu Brunhilden, · mag mir was will geschehn.
Ihrer hohen Schönheit willen · gewagt muß es sein:
Vielleicht daß Gott mir füget, · daß sie uns folgt an den Rhein.“

„So will ich euch rathen,“ · begann da Hagen,
„Bittet Siegfrieden, · mit euch zu tragen
Die Last dieser Sorge; · das ist der beste Rath,
Weil er von Brunhilden · so gute Kunde doch hat.“

Er sprach: „Viel edler Siegfried, · willst du mir Helfer sein
Zu werben um die Schöne? · Thu nach der Bitte mein;
Und gewinn ich mir zur Trauten · das herrliche Weib,
So verwag ich deinetwillen · Ehre, Leben und Leib.“

Zur Antwort gab ihm Siegfried, · König Siegmunds Sohn:
„Ich will es thun, versprichst du · die Schwester mir zum Lohn,
Kriemhild die schöne, · eine Königin hehr:
So begehr ich keines Dankes · nach meinen Arbeiten mehr.“

„Das gelob ich,“ sprach Gunther, · „Siegfried, dir an die Hand.
Und kommt die schöne Brunhild · hieher in dieses Land,
So will ich dir zum Weibe · meine Schwester geben:
So magst du mit der Schönen · immer in Freuden leben.“

Des schwuren sich Eide · diese Recken hehr.
Da schuf es ihnen beiden · viel Müh und Beschwer,
Eh sie die Wohlgethane · brachten an den Rhein.
Es musten die Kühnen · darum in großen Sorgen sein.

Von wilden Gezwergen · hab ich hören sagen,
Daß sie in hohlen Bergen · wohnen und Schirme tragen,
Die heißen Tarnkappen, · von wunderbarer Art;
Wer sie am Leibe trage, · der sei gar wohl darin bewahrt

Vor Schlägen und vor Stichen; · ihn mög auch Niemand sehn,
So lang er drin verweile; · hören doch und spähn
Mag er nach feinem Willen, · daß Niemand ihn erschaut;
Ihm wachsen auch die Kräfte, · wie uns die Märe vertraut.

Die Tarnkappe führte · Siegfried mit hindann,
Die der kühne Degen · mit Sorgen einst gewann
Von einem Gezwerge · mit Namen Alberich.
Da schickten sich zur Reise · Recken kühn und ritterlich.

Wenn der starke Siegfried · die Tarnkappe trug,
So gewann er drinnen · der Kräfte genug,
Zwölf Männer Stärke, · so wird uns gesagt.
Er erwarb mit großen Listen · diese herrliche Magd.

Auch war so beschaffen · die Nebelkappe gut,
Ein Jeder mochte drinnen · thun nach seinem Muth,
Was er immer wollte, · daß ihn doch Niemand sah.
Damit gewann er Brunhild, · durch die ihm bald viel Leid geschah.

„Nun sage mir, Siegfried, · eh unsre Fahrt gescheh,
Wie wir mit vollen Ehren · kommen über See?
Sollen wir Ritter führen · in Brunhildens Land?
Dreißigtausend Degen · die werden eilends besandt.“

„Wie viel wir Volkes führten,“ · sprach Siegfried wider ihn,
„So grimmiger Sitte · pflegt die Königin,
Das müste doch ersterben · vor ihrem Uebermuth.
Ich will euch beßer rathen, · Degen ihr kühn und gut.

„In Reckenweise fahren · laßt uns zu Thal den Rhein.
Die will ich euch nennen, · die das sollen sein:
Zu uns zwein noch zweie · und Niemand anders mehr,
Daß wir die Frau erwerben, · was auch geschehe nachher.

„Der Gesellen bin ich einer, · du sollst der andre sein,
Und Hagen sei der dritte: · wir mögen wohl gedeihn;
Der vierte das sei Dankwart, · dieser kühne Mann.
Es dürfen Andrer tausend · zum Streite nimmer uns nahn.“

„Die Märe wüst ich gerne,“ · der König sprach da so,
„Eh wir von hinnen führen, · des wär ich herzlich froh,
Was wir für Kleider sollten · vor Brunhilden tragen,
Die uns geziemen möchten: · Siegfried, das sollst du mir sagen.“

„Gewand das allerbeste, · das man irgend fand,
Trägt man zu allen Zeiten · in Brunhildens Land:
Drum laß uns reiche Kleider · vor der Frauen tragen,
Daß wirs nicht Schande haben, · hört man künftig von uns sagen.“

Da sprach der gute Degen: · „So will ich selber gehn
Zu meiner lieben Mutter, · ob es nicht mag geschehn,
Daß ihre schönen Mägde · uns schaffen solch Gewand,
Das wir mit Ehren tragen · in der hehren Jungfrau Land.“

Da Sprach von Tronje Hagen · mit herrlichen Sitten:
„Was wollt ihr eure Mutter · um solche Dienste bitten?
Laßt eure Schwester hören · euern Sinn und Muth:
Die ist so kunstreich, · unsre Kleider werden gut.“

Da entbot er seiner Schwester, · er wünsche sie zu sehn
Und auch der Degen Siegfried. · Eh sie das ließ geschehn,
Da hatte sich die Schöne · geschmückt mit reichem Kleid.
Daß die Herren kamen, · schuf ihr wenig Herzeleid.

Da war auch ihr Gesinde · geziert nach seinem Stand.
Die Fürsten kamen beide; · als sie das befand,
Erhob sie sich vom Sitze: · wie höfisch sie da gieng,
Als sie den edeln Fremdling · und ihren Bruder empfieng!

„Willkommen sei mein Bruder · und der Geselle sein.
Nun möcht ich gerne wissen,“ · Sprach das Mägdelein,
„Was euch Herrn geliebe, · daß ihr zu Hofe kommt:
Laßt mich doch hören, · was euch edeln Recken frommt.“

Da sprach König Gunther: · „Frau, ich wills euch sagen.
Wir müßen große Sorge · bei hohem Muthe tragen:
Wir wollen werben reiten · fern in fremdes Land
Und hätten zu der Reise · gerne zierlich Gewand.“

„Nun sitzt, lieber Bruder,“ · sprach das Königskind,
„Und laßt mich erst erfahren, · Wer die Frauen sind,
Die ihr begehrt zu minnen · in fremder Könge Land.“
Die Auserwählten beide · nahm das Mägdlein bei der Hand:

Hin gieng sie mit den Beiden, · wo sie geseßen war
Auf prächtgen Ruhebetten, · das glaubt mir fürwahr,
Mit eingewirkten Bildern, · in Gold wohl erhaben.
Sie mochten bei der Frauen · gute Kurzweile haben.

Freundliche Blicke · und gütliches Sehn,
Des mochte von den Beiden · da wohl viel geschehn.
Er trug sie in dem Herzen, · sie war ihm wie sein Leben.
Er erwarb mit großem Dienste, · daß sie ihm ward zu Weib gegeben.

Da sprach der edle König: · „Viel liebe Schwester mein,
Ohne deine Hülfe · kann es nimmer sein.
Wir wollen abenteuern · in Brunhildens Land;
Da müßen wir vor Frauen · tragen herrlich Gewand.“

Da sprach die Königstochter: · „Viel lieber Bruder mein,
Kann euch an meiner Hülfe · dabei gelegen sein,
So sollt ihr inne werden, · ich bin dazu bereit;
Versagte sie ein Andrer euch, · das wäre Kriemhilden leid.

„Ihr sollt mich, edler Ritter, · nicht in Sorgen bitten,
Ihr sollt nur gebieten · mit herrlichen Sitten:
Was euch gefallen möge, · dazu bin ich bereit
Und thus mit gutem Willen,“ · sprach die wonnigliche Maid.

„Wir wollen, liebe Schwester, · tragen gut Gewand:
Das soll bereiten helfen · eure weiße Hand.
Laßt eure Mägdlein sorgen, · daß es uns herrlich steht,
Da man uns diese Reise · doch vergebens widerräth.“

Da begann die Jungfrau: · „Nun hört, was ich sage,
Wir haben selber Seide: · befehlt, daß man uns trage
Gestein auf den Schilden, · so schaffen wir das Kleid,
Das ihr mit Ehren traget · vor der herrlichen Maid.“

„Wer sind die Gesellen,“ · sprach die Königin,
„Die mit euch gekleidet · zu Hofe sollen ziehn?“
„Das bin ich selbvierter; · noch Zwei aus meinem Lehn,
Dankwart und Hagen, · sollen mit uns zu Hofe gehn.

„Nun merkt, liebe Schwester, · wohl, was wir euch sagen:
Sorgt, daß wir vier Gesellen · zu vier Tagen tragen
Je der Kleider dreierlei · und also gut Gewand,
Daß wir ohne Schande · räumen Brunhildens Land.“

Das gelobte sie den Recken; · die Herren schieden hin.
Da berief der Jungfraun · Kriemhild die Königin
Aus ihrer Kemenate · dreißig Mägdelein,
Die gar sinnreich mochten · zu solcher Kunstübung sein.

In arabische Seide, · so weiß als der Schnee,
Und gute Zazamanker, · so grün als der Klee,
Legten sie Gesteine: · das gab ein gut Gewand;
Kriemhild die schöne · schnitts mit eigener Hand.

Von seltner Fische Häuten · Bezüge wohlgethan,
Zu schauen fremd den Leuten, · so viel man nur gewann,
Bedeckten sie mit Seide: · darein ward Gold getragen:
Man mochte große Wunder · von den lichten Kleidern sagen.

Aus dem Land Marocco · und auch von Libya
Der allerbesten Seide, · die man jemals sah
Königskinder tragen, · der hatten sie genug.
Wohl ließ sie Kriemhild schauen, · wie sie Liebe für sie trug.

Da sie so theure Kleider · begehrt zu ihrer Fahrt,
Hermelinfelle · wurden nicht gespart,
Darauf von Kohlenschwärze · mancher Flecken lag:
Das trügen schnelle Helden · noch gern bei einem Hofgelag.

Aus arabischem Golde · glänzte mancher Stein;
Der Frauen Unmuße · war nicht zu klein.
Sie schufen die Gewände · in sieben Wochen Zeit;
Da war auch ihr Gewaffen · den guten Degen bereit.

Als sie gerüstet standen, · sah man auf dem Rhein
Fleißiglich gezimmert · ein starkes Schiffelein,
Das sie da tragen sollte · hernieder an die See.
Den edeln Jungfrauen · war von Arbeiten weh.

Da sagte man den Recken, · es sei für sie zur Hand,
Das sie tragen sollten, · das zierliche Gewand.
Was sie erbeten hatten, · das war nun geschehn;
Da wollten sie nicht länger · mehr am Rheine bestehn.

Zu den Heergesellen · ein Bote ward gesandt,
Ob sie schauen wollten · ihr neues Gewand,
Ob es den Helden wäre · zu kurz oder lang.
Es war von rechtem Maße; · des sagten sie den Frauen Dank.

Vor wen sie immer kamen, · die musten all gestehn,
Sie hätten nie auf Erden · schöner Gewand gesehn.
Drum mochten sie es gerne · da zu Hofe tragen;
Von beßerm Ritterstaate · wuste Niemand mehr zu sagen.

Den edeln Maiden wurde · höchlich Dank gesagt.
Da baten um Urlaub · die Recken unverzagt;
In ritterlichen Züchten · thaten die Herren das.
Da wurden lichte Augen · getrübt von Weinen und naß.

Sie sprach: „Viel lieber Bruder, · ihr bliebet beßer hier
Und würbt andre Frauen: · klüger schien' es mir,
Wo ihr nicht wagen müstet · Leben und Leib.
Ihr fändet in der Nähe · wohl ein so hochgeboren Weib.“

Sie ahnten wohl im Herzen · ihr künftig Ungemach.
Sie musten alle weinen, · was da auch Einer sprach.
Das Gold vor ihren Brüsten · ward von Thränen fahl;
Die fielen ihnen dichte · von den Augen zuthal.

Da sprach sie: „Herr Siegfried, · laßt euch befohlen sein
Auf Treu und auf Gnade · den lieben Bruder mein,
Daß ihn nichts gefährde · in Brunhildens Land.“
Das versprach der Kühne · Frau Kriemhilden in die Hand.

Da sprach der edle Degen: · „So lang mein Leben währt,
So bleibt von allen Sorgen, · Herrin, unbeschwert;
Ich bring ihn euch geborgen · wieder an den Rhein.
Das glaubt bei Leib und Leben.“ · Da dankt' ihm schön das Mägdelein.

Die goldrothen Schilde · trug man an den Strand
Und schaffte zu dem Schiffe · all ihr Rüstgewand;
Ihre Rosse ließ man bringen: · sie wollten nun hindann.
Wie da von schönen Frauen · so großes Weinen begann!

Da stellte sich ins Fenster · manch minnigliches Kind.
Das Schiff mit seinem Segel · ergriff ein hoher Wind.
Die stolzen Heergesellen · saßen auf dem Rhein;
Da sprach der König Gunther: · „Wer soll nun Schiffmeister sein?“

„Das will ich,“ sprach Siegfried: · „ich kann euch auf der Flut
Wohl von hinnen führen, · das wißt, Helden gut;
Die rechten Wasserstraßen · sind mir wohl bekannt.“
So schieden sie mit Freuden · aus der Burgunden Land.

Eine Ruderstange · Siegfried ergriff;
Vom Gestade schob er · kräftig das Schiff.
Gunther der kühne · ein Ruder selber nahm.
Da huben sich vom Lande · die schnellen Ritter lobesam.

Sie führten reichlich Speise, · dazu guten Wein,
Den besten, den sie finden · mochten um den Rhein.
Ihre Rosse standen · still in guter Ruh;
Das Schiff gieng so eben, · kein Ungemach stieß ihnen zu.

Ihre starken Segelseile · streckte die Luft mit Macht;
Sie fuhren zwanzig Meilen, · eh niedersank die Nacht,
Mit günstigem Winde · nieder nach der See;
Ihr starkes Arbeiten · that noch schönen Frauen weh.

An dem zwölften Morgen, · wie wir hören sagen,
Da hatten sie die Winde · weit hinweggetragen
Nach Isenstein der Veste · in Brunhildens Land,
Das ihrer Keinem · außer Siegfried bekannt.

Als der König Gunther · so viel der Burgen sah
Und auch der weiten Marken, · wie bald sprach er da:
„Nun sagt mir, Freund Siegfried, · ist euch das bekannt?
Wem sind diese Burgen · und wem das herrliche Land?

„Ich hab all mein Leben, · das muß ich wohl gestehn,
So wohlgebauter Burgen · nie so viel gesehn
Irgend in den Landen, · als wir hier ersahn;
Der sie erbauen konnte, · war wohl ein mächtiger Mann.“

Zur Antwort gab ihm Siegfried: · „Das ist mir wohlbekannt;
Brunhilden sind sie, · die Burgen wie das Land
Und Isenstein die Veste, · glaubt mir fürwahr:
Da mögt ihr heute schauen · schöner Frauen große Schar.

„Ich will euch Helden rathen: · seid all von einem Muth
Und sprecht in gleichem Sinne, · so dünkt es mich gut.
Denn wenn wir heute · vor Brunhilden gehn,
So müßen wir in Sorgen · vor der Königstochter stehn.

„Wenn wir die Minnigliche · bei ihren Leuten sehn,
Sollt ihr erlauchte Helden · nur Einer Rede stehn:
Gunther sei mein Lehnsherr · und ich ihm unterthan;
So wird ihm sein Verlangen · nach seinem Wunsche gethan.“

Sie waren all willfährig · zu thun, wie er sie hieß:
In seinem Uebermuthe · es auch nicht Einer ließ.
Sie sprachen, wie er wollte; · wohl frommt' es ihnen da,
Als der König Gunther · die schöne Brunhild ersah.

„Wohl thu ichs nicht so gerne · dir zu lieb allein,
Als um deine Schwester, · das schöne Mägdelein.
Die ist mir wie die Seele · und wie mein eigner Leib;
Ich will es gern verdienen, · daß sie werde mein Weib.“

7. Siebentes Abenteuer.
Wie Gunther Brunhilden gewann.

Ihr Schifflein unterdessen · war auf dem Meer
Zur Burg heran gefloßen: · da sah der König hehr
Oben in den Fenstern · manche schöne Maid.
Daß er sie nicht erkannte, · das war in Wahrheit ihm leid.

Er fragte Siegfrieden, · den Gesellen sein:
„Hättet ihr wohl Kunde · um diese Mägdelein,
Die dort hernieder schauen · nach uns auf die Flut?
Wie ihr Herr auch heiße, · so tragen sie hohen Muth.“

Da sprach der kühne Siegfried: · „Nun sollt ihr heimlich spähn
Nach den Jungfrauen · und sollt mir dann gestehn,
Welche ihr nehmen wolltet, · wär euch die Wahl verliehn.“
„Das will ich,“ sprach Gunther, · dieser Ritter schnell und kühn.

„So schau ich ihrer Eine · in jenem Fenster an,
Im schneeweißen Kleide, · die ist so wohlgethan:
Die wählen meine Augen, · so schön ist sie von Leib.
Wenn ich gebieten dürfte, · sie müste werden mein Weib.“

„Dir hat recht erkoren · deiner Augen Schein:
Es ist die edle Brunhild, · das schöne Mägdelein,
Nach der das Herz dir ringet, · der Sinn und auch der Muth.“
All ihr Gebaren dauchte · König Gunthern gut.

Da hieß die Königstochter · von den Fenstern gehn
Die minniglichen Maide: · sie sollten da nicht stehn
Zum Anblick für die Fremden; · sie folgten unverwandt.
Was da die Frauen thaten, · das ist uns auch wohl bekannt.

Sie zierten sich entgegen · den unkunden Herrn,
Wie es immer thaten · schöne Frauen gern.
Dann an die engen Fenster · traten sie heran,
Wo sie die Helden sahen: · das ward aus Neugier gethan.

Nur ihrer Viere waren, · die kamen in das Land.
Siegfried der kühne · ein Ross zog auf den Strand.
Das sahen durch die Fenster · die schönen Frauen an:
Große Ehre dauchte · sich König Gunther gethan.

Er hielt ihm bei dem Zaume · das zierliche Ross,
Das war gut und stattlich, · stark dazu und groß,
Bis der König Gunther · fest im Sattel saß.
Also dient' ihm Siegfried, · was er hernach doch ganz vergaß.

Dann zog er auch das seine · aus dem Schiff heran:
Er hatte solche Dienste · gar selten sonst gethan,
Daß er am Steigreif · Helden gestanden wär.
Das sahen durch die Fenster · die schönen Frauen hehr.

Es war in gleicher Weise · den Helden allbereit
Von schneeblanker Farbe · das Ross und auch das Kleid,
Dem einen wie dem andern, · und schön der Schilde Rand:
Die warfen hellen Schimmer · an der edeln Recken Hand.

Ihre Sättel wohlgesteinet, · die Brustriemen schmal:
So ritten sie herrlich · vor Brunhildens Saal;
Daran hiengen Schellen · von lichtem Golde roth.
Sie kamen zu dem Lande, · wie ihr Hochsinn gebot,

Mit Speren neu geschliffen, · mit wohlgeschaffnem Schwert,
Das bis auf die Sporen gieng · den Helden werth.
Die Wohlgemuthen führten · es scharf genug und breit.
Das alles sah Brunhild, · diese herrliche Maid.

Mit ihnen kam auch Dankwart · und sein Bruder Hagen:
Diese beide trugen, · wie wir hören sagen,
Von rabenschwarzer Farbe · reichgewirktes Kleid;
Neu waren ihre Schilde, · gut, dazu auch lang und breit.

Von India dem Lande · trugen sie Gestein,
Das warf an ihrem Kleide · auf und ab den Schein.
Sie ließen unbehütet · das Schifflein bei der Flut;
So ritten nach der Veste · diese Helden kühn und gut.

Sechsundachtzig Thürme · sahn sie darin zumal,
Drei weite Pfalzen · und einen schönen Saal
Von edelm Marmelsteine, · so grün wie das Gras,
Darin die Königstochter · mit ihrem Ingefinde saß.

Die Burg war erschloßen · und weithin aufgethan,
Brunhildes Mannen · liefen alsbald heran
Und empfiengen die Gäste · in ihrer Herrin Land.
Die Rosse nahm man ihnen · und die Schilde von der Hand.

Da sprach der Kämmrer Einer: · „Gebt uns euer Schwert
Und die lichten Panzer.“ · „Das wird euch nicht gewährt,“
Sprach Hagen von Tronje, · „wir wollens selber tragen.“
Da begann ihm Siegfried · von des Hofs Gebrauch zu sagen:

„In dieser Burg ist Sitte, · das will ich euch sagen,
Keine Waffen dürfen · da die Gäste tragen:
Laßt sie von hinnen bringen, · das ist wohlgethan.“
Ihm folgte wider Willen · Hagen, König Gunthers Mann.

Man ließ den Gästen schenken · und schaffen gute Ruh.
Manchen schnellen Recken · sah man dem Hofe zu
Allenthalben eilen · in fürstlichem Gewand;
Doch wurden nach den Kühnen · ringsher die Blicke gesandt.

Nun wurden auch Brunhilden · gesagt die Mären,
Daß unbekannte Recken · gekommen wären
In herrlichem Gewande · gefloßen auf der Flut.
Da begann zu fragen · diese Jungfrau schön und gut:

„Ihr sollt mich hören laßen,“ · sprach das Mägdelein,
„Wer die unbekannten · Recken mögen sein,
Die ich dort stehen sehe · in meiner Burg so hehr,
Und wem zu Lieb die Helden · wohl gefahren sind hieher.“

Des Gesindes sprach da Einer: · „Frau, ich muß gestehn,
Daß ich ihrer Keinen · je zuvor gesehn;
Doch Einer steht darunter, · der Siegfrieds Weise hat:
Den sollt ihr wohl empfangen, · das ist in Treuen mein Rath.

„Der andre der Gesellen, · gar löblich dünkt er mich;
Wenn er die Macht besäße, · zum König ziemt' er sich
Ob weiten Fürstenlanden, · sollt er die versehn.
Man sieht ihn bei den Andern · so recht herrlich da stehn.

„Der dritte der Gesellen, · der hat gar herben Sinn,
Doch schönen Wuchs nicht minder, · reiche Königin.
Die Blicke sind gewaltig, · deren so viel er thut:
Er trägt in seinem Sinne, · wähn ich, grimmigen Muth.

„Der jüngste darunter, · gar löblich dünkt er mich:
Man sieht den reichen Degen · so recht minniglich
In jungfräulicher Sitte · und edler Haltung stehn:
Wir müstens alle fürchten, · wär ihm ein Leid hier geschehn.

„So freundlich er gebahre, · so wohlgethan sein Leib,
Er brächte doch zum Weinen · manch waidliches Weib,
Wenn er zürnen sollte; · sein Wuchs ist wohl so gut,
Er ist an allen Tugenden · ein Degen kühn und wohlgemuth.“

Da sprach die Königstochter: · „Nun bringt mir mein Gewand:
Und ist der starke Siegfried · gekommen in mein Land
Um meiner Minne willen, · es geht ihm an den Leib:
Ich fürcht ihn nicht so heftig, · daß ich würde sein Weib.“

Brunhild die schöne · trug bald erlesen Kleid.
Auch gab ihr Geleite · manche schöne Maid,
Wohl hundert oder drüber, · sie all in reicher Zier.
Die Gäste kam zu schauen · manches edle Weib mit ihr.

Mit ihnen giengen · Degen aus Isenland,
Brunhildens Recken, · die Schwerter in der Hand,
Fünfhundert oder drüber; · das war den Gästen leid.
Aufstanden von den Sitzen · die kühnen Helden allbereit.

Als die Königstochter · Siegfrieden sah,
Wohlgezogen sprach sie · zu dem Gaste da:
„Seid willkommen, Siegfried, · hier in diesem Land.
Was meint eure Reise? · das macht mir, bitt ich, bekannt.“

„Viel Dank muß ich euch sagen, · Frau Brunhild,
Daß ihr mich geruht zu grüßen, · Fürstentochter mild,
Vor diesem edeln Recken, · der hier vor mir steht:
Denn der ist mein Lehnsherr; · der Ehre Siegfried wohl enträth.

„Er ist am Rheine König: · was soll ich sagen mehr?
Dir nur zu Liebe · fuhren wir hierher.
Er will dich gerne minnen, · was ihm geschehen mag.
Nun bedenke dich bei Zeiten: · mein Herr läßt nimmermehr nach.

„Er ist geheißen Gunther, · ein König reich und hehr.
Erwirbt er deine Minne, · nicht mehr ist sein Begehr.
Deinthalb mit ihm · that ich diese Fahrt;
Wenn er mein Herr nicht wäre, · ich hätt es sicher gespart.“

Sie sprach: „Wenn er dein Herr ist · und du in seinem Lehn,
Will er, die ich ertheile, · meine Spiele dann bestehn
Und bleibt darin der Meister, · so werd ich sein Weib;
Doch ists, daß ich gewinne, · es geht euch allen an den Leib.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „So zeig uns, Königin,
Was ihr für Spiel' ertheilet. · Eh euch den Gewinn
Mein Herr Gunther ließe, · so müst es übel sein:
Er mag wohl noch erwerben · ein so schönes Mägdelein.“

„Den Stein soll er werfen · und springen darnach,
Den Sper mit mir schießen: · drum sei euch nicht zu jach.
Ihr verliert hier mit der Ehre · Leben leicht und Leib:
Drum mögt ihr euch bedenken,“ · sprach das minnigliche Weib.

Siegfried der schnelle · gieng zu dem König hin
Und bat ihn, frei zu reden · mit der Königin
Ganz nach seinem Willen; · angstlos soll er sein:
„Ich will dich wohl behüten · vor ihr mit den Listen mein.“

Da sprach der König Gunther: · „Königstochter hehr,
Ertheilt mir, was ihr wollet, · und wär es auch noch mehr,
Eurer Schönheit willen · bestünd ich Alles gern.
Mein Haupt will ich verlieren, · gewinnt ihr mich nicht zum Herrn.“

Als da seine Rede · vernahm die Königin,
Bat sie, wie ihr ziemte, · das Spiel nicht zu verziehn.
Sie ließ sich zum Streite · bringen ihr Gewand,
Einen goldnen Panzer · und einen guten Schildesrand.

Ein seiden Waffenhemde · zog sich an die Maid,
Das ihr keine Waffe · verletzen konnt im Streit,
Von Zeugen wohlgeschaffen · aus Libya dem Land:
Lichtgewirkte Borten · erglänzten rings an dem Rand.

Derweil hatt ihr Uebermuth · den Gästen schwer gedräut.
Dankwart und Hagen · die standen unerfreut.
Wie es dem Herrn ergienge, · sorgte sehr ihr Muth.
Sie dachten: „Unsre Reise · bekommt uns Recken nicht gut.“

Derweilen gieng Siegfried, · der listige Mann,
Eh es wer bemerkte, · an das Schiff heran,
Wo er die Tarnkappe · verborgen liegen fand,
In die er hurtig schlüpfte: · da war er Niemand bekannt.

Er eilte bald zurücke · und fand hier Recken viel:
Die Königin ertheilte · da ihr hohes Spiel.
Da gieng er hin verstohlen · und daß ihn Niemand sah
Von Allen, die da waren, · was durch Zauber geschah.

Es war ein Kreis gezogen, · wo das Spiel geschehn
Vor kühnen Recken sollte, · die es wollten sehn.
Wohl siebenhundert · sah man Waffen tragen:
Wer das Spiel gewänne, · das sollten sie nach Wahrheit sagen.

Da war gekommen Brunhild, · die man gewaffnet fand,
Als ob sie streiten wolle · um aller Könge Land.
Wohl trug sie auf der Seide · viel Golddrähte fein;
Ihre minnigliche Farbe · gab darunter holden Schein.

Nun kam ihr Gesinde, · das trug herbei zuhand
Aus allrothem Golde · einen Schildesrand
Mit hartem Stahlbeschlage, · mächtig groß und breit,
Worunter spielen wollte · diese minnigliche Maid.

An einer edeln Borte · ward der Schild getragen,
Auf der Edelsteine, · grasgrüne, lagen;
Die tauschten mannigfaltig · Gefunkel mit dem Gold.
Er bedurfte großer Kühnheit, · dem die Jungfrau wurde hold.

Der Schild war untern Buckeln, · so ward uns gesagt,
Von dreier Spannen Dicke; · den trug hernach die Magd.
An Stahl und auch an Golde · war er reich genug,
Den ihrer Kämmrer Einer · mit Mühe selbvierter trug.

Als der starke Hagen · den Schild hertragen sah,
In großem Unmuthe · sprach der Tronjer da:
„Wie nun, König Gunther? · An Leben gehts und Leib:
Die ihr begehrt zu minnen, · die ist ein teuflisches Weib.“

Hört noch von ihren Kleidern: · deren hatte sie genug.
Von Azagauger Seide · einen Wappenrock sie trug,
Der kostbar war und edel: · daran warf hellen Schein
Von der Königstochter · gar mancher herrliche Stein.

Da brachten sie der Frauen · mächtig und breit
Einen scharfen Wurfspieß; · den verschoß sie allezeit,
Stark und ungefüge, · groß dazu und schwer.
An seinen beiden Seiten · schnitt gar grimmig der Sper.

Von des Spießes Schwere · höret Wunder sagen:
Wohl hundert Pfund Eisen · war dazu verschlagen.
Ihn trugen mühsam Dreie · von Brunhildens Heer:
Gunther der edle · rang mit Sorgen da schwer.

Er dacht in seinem Sinne: · „Was soll das sein hier?
Der Teufel aus der Hölle, · wie schützt' er sich vor ihr?
War ich mit meinem Leben · wieder an dem Rhein,
Sie dürfte hier wohl lange · meiner Minne ledig sein.“

Er trug in seinen Sorgen, · das wißet, Leid genug.
All seine Rüstung · man ihm zur Stelle trug.
Gewappnet Stand der reiche · König bald darin.
Vor Leid hätte Hagen · schier gar verwandelt den Sinn.

Da sprach Hagens Bruder, · der kühne Dankwart:
„Mich reut in der Seele · her zu Hof die Fahrt.
Nun hießen wir einst Recken! · wie verlieren wir den Leib!
Soll uns in diesem Lande · nun verderben ein Weib?

„Des muß mich sehr verdrießen, · daß ich kam in dieses Land.
Hätte mein Bruder Hagen · sein Schwert an der Hand
Und auch ich das meine, · so sollten sachte gehn
Mit ihrem Uebermuthe · Die in Brunhildens Lehn.

Sie sollten sich bescheiden, · das glaubet mir nur.
Hätt ich den Frieden tausendmal · bestärkt mit einem Schwur,
Bevor ich sterben sähe · den lieben Herren mein,
Das Leben müste laßen · dieses schöne Mägdelein.“

„Wir möchten ungefangen · wohl räumen dieses Land,“
Sprach sein Bruder Hagen, · „hätten wir das Gewand,
Des wir zum Streit bedürfen, · und die Schwerter gut,
So sollte sich wohl sänften · der schönen Fraue Uebermuth.“

Wohl hörte, was er sagte, · die Fraue wohlgethan;
Ueber die Achsel · sah sie ihn lächelnd an.
„Nun er so kühn sich dünket, · so bringt doch ihr Gewand,
Ihre scharfen Waffen · gebt den Helden an die Hand.

„Es kümmert mich so wenig, · ob sie gewaffnet sind,
Als ob sie bloß da stünden,“ · so sprach das Königskind.
„Ich fürchte Niemands Stärke, · den ich noch je gekannt:
Ich mag auch wohl genesen · im Streit vor des Königs Hand.“

Als man die Waffen brachte, · wie die Maid gebot,
Dankwart der kühne · ward vor Freuden roth.
„Nun spielt, was ihr wollet,“ · sprach der Degen werth,
„Gunther ist unbezwungen: · wir haben wieder unser Schwert.“

Brunhildens Stärke · zeigte sich nicht klein:
Man trug ihr zu dem Kreise · einen schweren Stein,
Groß und ungefüge, · rund dabei und breit.
Ihn trugen kaum zwölfe · dieser Degen kühn im Streit.

Den warf sie allerwegen, · wie sie den Sper verschoß.
Darüber war die Sorge · der Burgunden groß.
„Wen will der König werben?“ · sprach da Hagen laut:
„Wär sie in der Hölle · doch des übeln Teufels Braut!“

An ihre weißen Arme · sie die Ärmel wand,
Sie schickte sich und faßte · den Schild an die Hand,
Sie schwang den Spieß zur Höhe: das war des Kampfe Beginn.
Gunther und Siegfried bangten vor Brunhildens grimmem Sinn.

Und wär ihm da Siegfried · zu Hülfe nicht gekommen,
So hätte sie dem König · das Leben wohl benommen.
Er trat hinzu verstohlen · und rührte seine Hand;
Gunther seine Künste · mit großen Sorgen befand.

„Wer wars, der mich berührte?“ · dachte der kühne Mann,
Und wie er um sich blickte, · da traf er Niemand an.
Er sprach: „Ich bin es, Siegfried, · der Geselle dein:
Du sollst ganz ohne Sorge · vor der Königin sein.“

(Er sprach:) „Gieb aus den Händen den Schild, laß mich ihn tragen
Und behalt im Sinne, · was du mich hörest sagen:
Du habe die Gebärde, · ich will das Werk begehn.“
Als er ihn erkannte, · da war ihm Liebes geschehn.

„Verhehl auch meine Künste, · das ist uns beiden gut:
So mag die Königstochter · den hohen Uebermuth
Nicht an dir vollbringen, · wie sie gesonnen ist:
Nun sieh doch, welcher Kühnheit · sie wider dich sich vermißt.“

Da schoß mit ganzen Kräften · die herrliche Maid
Den Sper nach einem neuen Schild, · mächtig und breit;
Den trug an der Linken · Sieglindens Kind.
Das Feuer sprang vom Stahle, · als ob es wehte der Wind.

Des starken Spießes Schneide · den Schild ganz durchdrang,
Daß das Feuer lohend · aus den Ringen sprang.
Von dem Schuße fielen · die kraftvollen Degen:
War nicht die Tarnkappe, · sie wären beide da erlegen.

Siegfried dem kühnen · vom Munde brach das Blut.
Bald sprang er auf die Füße: · da nahm der Degen gut
Den Sper, den sie geschoßen · ihm hatte durch den Rand:
Den warf ihr jetzt zurücke · Siegfried mit kraftvoller Hand.

Er dacht: „Ich will nicht schießen · das Mägdlein wonniglich.“
Des Spießes Schneide kehrt' er · hinter den Rücken sich;
Mit der Sperstange · schoß er auf ihr Gewand,
Daß es laut erhallte · von seiner kraftreichen Hand.

Das Feuer stob vom Panzer, · als trieb' es der Wind.
Es hatte wohl geschoßen · der Sieglinde Kind:
Sie vermochte mit den Kräften · dem Schuße nicht zu stehn;
Das war von König Gunthern · in Wahrheit nimmer geschehn.

Brunhild die schöne · bald auf die Füße sprang:
„Gunther, edler Ritter, · des Schußes habe Dank!“
Sie wähnt', er hätt es selber · mit seiner Kraft gethan
Nein, zu Boden warf sie · ein viel stärkerer Mann.

Da gieng sie hin geschwinde, · zornig war ihr Muth,
Den Stein hoch erhub sie, · die edle Jungfrau gut;
Sie schwang ihn mit Kräften · weithin von der Hand,
Dann sprang sie nach dem Wurfe, · daß laut erklang ihr Gewand.

Der Stein fiel zu Boden · von ihr zwölf Klafter weit:
Den Wurf überholte · im Sprung die edle Maid.
Hin gieng der schnelle Siegfried, · wo der Stein nun lag:
Gunther must ihn wägen, · des Wurfs der Verholne pflag.

Siegfried war kräftig, · kühn und auch lang;
Den Stein warf er ferner, · dazu er weiter sprang.
Ein großes Wunder war es · und künstlich genug,
Daß er in dem Sprunge · den König Gunther noch trug.

Der Sprung war ergangen, · am Boden lag der Stein:
Gunther wars, der Degen, · den man sah allein.
Brunhild die schöne · ward vor Zorne roth;
Gewendet hatte Siegfried · dem König Gunther den Tod.

Zu ihrem Ingesinde · sprach die Königin da,
Als sie gesund den Helden · an des Kreises Ende sah:
„Ihr, meine Freund und Mannen, · tretet gleich heran:
Ihr sollt dem König Gunther · alle werden unterthan.“

Da legten die Kühnen · die Waffen von der Hand
Und boten sich zu Füßen · von Burgundenland
Gunther dem reichen, · so mancher kühne Mann:
Sie wähnten, die Spiele · hätt er mit eigner Kraft gethan.

Er grüßte sie gar minniglich; · wohl trug er höfschen Sinn.
Da nahm ihn bei der Rechten · die schöne Königin:
Sie erlaubt' ihm, zu gebieten · in ihrem ganzen Land.
Des freute sich da Hagen, · der Degen kühn und gewandt.

Sie bat den edeln Ritter · mit ihr zurück zu gehn
Zu dem weiten Saale, · wo mancher Mann zu sehn,
Und mans aus Furcht dem Degen · nun desto beßer bot.
Siegfrieds Kräfte hatten · sie erledigt aller Noth.

Siegfried der schnelle · war wohl schlau genug,
Daß er die Tarnkappe · aufzubewahren trug.
Dann gieng er zu dem Saale, · wo manche Fraue saß:
Er sprach zu dem König, · gar listiglich that er das:

„Was säumt ihr, Herr König, · und beginnt die Spiele nicht,
Die euch aufzugeben · die Königin verspricht?
Laßt uns doch bald erschauen, · wie es damit bestellt.“
Als wüst er nichts von allem, · so that der listige Held.

Da sprach die Königstochter: · „Wie konnte das geschehn,
Daß ihr nicht die Spiele, · Herr Siegfried, habt gesehn,
Worin hier Sieg errungen hat · König Gunthers Hand?“
Zur Antwort gab ihr Hagen · aus der Burgunden Land:

Er sprach: „Da habt ihr, Königin, · uns betrübt den Muth:
Da war bei dem Schiffe · Siegfried der Degen gut,
Als der Vogt vom Rheine · das Spiel euch abgewann;
Drum ist es ihm unkundig,“ · sprach da Gunthers Unterthan,

„Nun wohl mir dieser Märe,“ · sprach Siegfried der Held,
„Daß hier eure Hochfahrt · also ward gefällt,
Und Jemand lebt, der euer · Meister möge sein.
Nun sollt ihr, edle Jungfrau, · uns hinnen folgen an den Rhein.“

Da sprach die Wohlgethane: · „Das mag noch nicht geschehn.
Erst frag ich meine Vettern · und Die in meinem Lehn.
Ich darf ja nicht so leichthin · räumen dieß mein Land:
Meine höchsten Freunde · die werden erst noch besandt.“

Da ließ sie ihre Boten · nach allen Seiten gehn:
Sie besandte ihre Freunde · und Die in ihrem Lehn,
Daß sie zum Isensteine · kämen unverwandt;
Einem jeden ließ sie geben · reiches, herrliches Gewand.

Da ritten alle Tage · Beides, spat und fruh,
Der Veste Brunhildens · die Recken scharweis zu.
„Nun ja doch,“ sprach da Hagen, · „was haben wir gethan!
Wir erwarten uns zum Schaden hier · Die Brunhild unterthan.“

„Wenn sie mit ihren Kräften · kommen in dieß Land,
Der Königin Gedanken · die sind uns unbekannt:
Wie, wenn sie uns zürnte? · so wären wir verloren,
Und wär das edle Mägdlein uns · zu großen Sorgen geboren!“

Da sprach der starke Siegfried: · „Dem will ich widerstehn.
Was euch da Sorge schaffet, · das laß ich nicht geschehn.
Ich will euch Hülfe bringen · her in dieses Land
Durch auserwählte Degen: · die sind euch noch unbekannt.

„Ihr sollt nach mir nicht fragen, · ich will von hinnen fahren;
Gott möge eure Ehre · derweil wohl bewahren.
Ich komme bald zurücke · und bring euch tausend Mann
Der allerbesten Degen, · deren Jemand Kunde gewann.“

„So bleibt nur nicht zu lange,“ · der König sprach da so,
„Wir sind eurer Hülfe · nicht unbillig froh.“
Er sprach: „Ich komme wieder · gewiss in wenig Tagen.
Ihr hättet mich versendet, · sollt ihr der Königin sagen.“

8. Achtes Abenteuer.
Wie Siegfried nach den Nibelungen fuhr.

Von dannen gieng da Siegfried · zum Hafen an den Strand
In seiner Tarnkappe, · wo er ein Schifflein fand.
Darin stand verborgen · König Siegmunds Kind:
Er führt' es bald von dannen, · als ob es wehte der Wind.

Den Steuermann sah Niemand, · wie schnell das Schifflein floß
Von Siegfriedens Kräften, · die waren also groß.
Da wähnten sie, es trieb es · ein eigner starker Wind:
Nein, es führt' es Siegfried, · der schönen Sieglinde Kind.

Nach des Tags Verlaufe · und in der einen Nacht
Kam er zu einem Lande · von gewaltger Macht:
Es war wohl hundert Rasten · und noch darüber lang,
Das Land der Nibelungen, · wo er den großen Schatz errang.

Der Held fuhr alleine · nach einem Werder breit:
Sein Schiff band er feste, · der Ritter allbereit.
Er fand auf einem Berge · eine Burg gelegen
Und suchte Herberge, · wie die Wegemüden pflegen.

Da kam er vor die Pforte, · die ihm verschloßen stand:
Sie bewachten ihre Ehre, · wie Sitte noch im Land.
Ans Thor begann zu klopfen · der unbekannte Mann:
Das wurde wohl behütet; · da traf er innerhalben an

Einen Ungefügen, · der da der Wache pflag,
Bei dem zu allen Zeiten · sein Gewaffen lag.
Der sprach: „Wer pocht so heftig · da draußen an das Thor?“
Da wandelte die Stimme · der kühne Siegfried davor

Und sprach: „Ich bin ein Recke: · thut mir auf alsbald,
Sonst erzürn ich Etlichen · hier außen mit Gewalt,
Der gern in Ruhe läge · und hätte sein Gemach.“
Das verdroß den Pförtner, · als da Siegfried also sprach.

Der kühne Riese hatte · die Rüstung angethan,
Den Helm aufs Haupt gehoben, · der gewaltge Mann:
Den Schild alsbald ergriffen · und schwang nun auf das Thor.
Wie lief er Siegfrieden · da so grimmig an davor!

Wie er zu wecken wage · so manchen kühnen Mann?
Da wurden schnelle Schläge · von seiner Hand gethan.
Der edle Fremdling schirmte · sich vor manchem Schlag;
Da hieb ihm der Pförtner in Stücke · seines Schilds Beschlag

Mit einer Eisenstange: · so litt der Degen Noth.
Schier begann zu fürchten · der Held den grimmen Tod,
Als der Thürhüter · so mächtig auf ihn schlug.
Dafür war ihm gewogen · sein Herre Siegfried genug.

Sie stritten so gewaltig, · die Burg gab Widerhall:
Man hörte fern das Tosen · in König Niblungs Saal.
Doch zwang er den Pförtner · zuletzt, daß er ihn band;
Kund ward diese Märe · in allem Nibelungenland.

Das Streiten hatte ferne · gehört durch den Berg
Alberich der kühne, · ein wildes Gezwerg.
Er waffnete sich balde · und lief hin, wo er fand
Diesen edeln Fremdling, · als er den Riesen eben band.

Alberich war muthig, · dazu auch stark genug.
Helm und Panzerringe · er am Leibe trug
Und eine schwere Geisel · von Gold an seiner Hand.
Da lief er hin geschwinde, · wo er Siegfrieden fand.

Sieben schwere Knöpfe · hiengen vorn daran,
Womit er vor der Linken · den Schild dem kühnen Mann
So bitterlich zergerbte, · in Splitter gieng er fast.
In Sorgen um sein Leben · gerieth der herrliche Gast.

Den Schild er ganz zerbrochen · seiner Hand entschwang:
Da stieß er in die Scheide · eine Waffe, die war lang.
Seinen Kammerwärter · wollt er nicht schlagen todt:
Er schonte seiner Leute, · wie ihm die Treue gebot.

Mit den starken Händen · Albrichen lief er an,
Und erfaßte bei dem Barte · den altgreisen Mann.
Den zuckt' er ungefüge: · der Zwerg schrie auf vor Schmerz.
Des jungen Helden Züchtigung · gieng Alberichen ans Herz.

Laut rief der Kühne: · „Nun laßt mir das Leben:
Und hätt ich einem Helden · mich nicht schon ergeben,
Dem ich schwören muste, · ich war ihm unterthan,
Ich dient euch, bis ich stürbe,“ · so sprach der listige Mann.

Er band auch Alberichen · wie den Riesen eh:
Siegfriedens Kräfte · thaten ihm gar weh.
Der Zwerg begann zu fragen: · „Wie seid ihr genannt?“
Er sprach: „Ich heiße Siegfried: · ich wähnt, ich wär euch bekannt.“

„So wohl mir diese Kunde,“ · sprach da Alberich,
„An euern Heldenwerken · spürt ich nun sicherlich,
Daß ihrs wohl verdientet, · des Landes Herr zu sein.
Ich thu, was ihr gebietet, · laßt ihr nur mich gedeihn.“

Da sprach der Degen Siegfried: · „So macht euch auf geschwind
Und bringt mir her der Besten, · die in der Veste sind,
Tausend Nibelungen; · die will ich vor mir sehn.
So laß ich euch kein Leides · an euerm Leben geschehn.“

Albrichen und den Riesen · löst' er von dem Band.
Hin lief der Zwerg geschwinde, · wo er die Recken fand.
Sorglich erweckt' er · Die in Niblungs Lehn
Und sprach: „Wohlauf, ihr Helden, · ihr sollt zu Siegfrieden gehn.“

Sie sprangen von den Betten · und waren gleich bereit:
Tausend schnelle Ritter · standen im Eisenkleid.
Er brachte sie zur Stelle, · wo er Siegfried fand:
Der grüßte schön die Degen · und gab Manchem die Hand.

Viel Kerzen ließ man zünden; · man schenkt' ihm lautern Trank.
Daß sie so bald gekommen, · des sagt' er Allen Dank.
Er sprach: „Ihr sollt von hinnen · mir folgen über Flut.“
Dazu fand er willig · diese Helden kühn und gut.

Wohl dreißig hundert Recken · kamen ungezählt:
Von denen wurden tausend · der besten auserwählt,
Man brachte ihre Helme · und ander Rüstgewand,
Da er sie führen wollte · hin zu Brunhildens Land.

Er sprach: „Ihr guten Ritter, · Eins laßt euch sagen:
Ihr sollt reiche Kleider · dort am Hofe tragen,
Denn uns wird da schauen · manch minnigliches Weib:
Darum sollt ihr zieren · mit guten Kleidern den Leib.“

Nun möchten mich die Thoren · vielleicht der Lüge zeihn:
Wie konnten so viel Ritter · wohl beisammen sein?
Wo nähmen sie die Speise? · Wo nähmen sie Gewand?
Und besäß er dreißig Lande, · er brächt es nimmer zu Stand.

Ihr habt doch wol vernommen, · Siegfried war gar reich.
Sein war der Nibelungenhort, · dazu das Königreich.
Drum gab er seinen Degen · völliglich genug;
Es ward ja doch nicht minder, · wie viel man von dem Schatze trug.

Eines frühen Morgens · begannen sie die Fahrt:
Was schneller Mannen hatte · da Siegfried sich geschart!
Sie führten gute Rosse · und herrlich Gewand:
Sie kamen stolz gezogen · hin zu Brunhildens Land.

Da stand in den Zinnen · manch minnigliches Kind.
Da sprach die Königstochter: · „Weiß Jemand, wer die sind,
Die ich dort fließen sehe · so fern auf der See?
Sie führen reiche Segel, · die sind noch weißer als der Schnee.“

Da sprach der Vogt vom Rheine: · „Es ist mein Heergeleit,
Das ich auf der Reise · verließ von hier nicht weit:
Ich habe sie besendet: · nun sind sie, Frau, gekommen.“
Der herrlichen Gäste · ward mit Züchten wahrgenommen.

Da sah man Siegfrieden · im Schiffe stehn voran
In herrlichem Gewande · mit manchem andern Mann.
Da sprach die Königstochter: · „Herr König, wollt mir sagen:
Soll ich die Gäste grüßen · oder ihnen Gruß versagen?“

Er sprach: „Ihr sollt entgegen · ihnen vor den Pallas gehn,
Ob ihr sie gerne sehet, · daß sie das wohl verstehn.“
Da that die Königstochter, · wie ihr der König rieth;
Siegfrieden mit dem Gruße · sie von den Andern unterschied.

Herberge gab man ihnen · und wahrt' ihr Gewand.
Da waren so viel Gäste · gekommen in das Land,
Daß sie sich allenthalben · drängten mit den Scharen:
Da wollten heim die Kühnen · zu den Burgunden fahren.

Da sprach die Königstochter: · „Dem blieb ich immer hold,
Der zu vertheilen wüste · mein Silber und mein Gold
Meinen Gästen und des Königs, · des ich so viel gewann.“
Zur Antwort gab ihr Dankwart, · des kühnen Geiselher Mann:

„Viel edle Königstochter, · laßt mich der Schlüßel pflegen;
Ich will es so vertheilen,“ · sprach der kühne Degen,
„Wenn ich mir Schand erwerbe, · die treffe mich allein.“
Daß er milde wäre, · das leuchtete da wohl ein.

Als sich Hagens Bruder · der Schlüßel unterwand,
So manche reiche Gabe · bot des Helden Hand:
Wer Einer Mark begehrte, · dem ward so viel gegeben,
Daß die Armen alle · da in Freuden mochten leben.

Wohl mit hundert Pfunden · gab er ohne Wahl.
Da gieng in reichem Kleide · Mancher aus dem Saal,
Der nie zuvor im Leben · so hehr Gewand noch trug.
Die Königin erfuhr es: · da war es ihr leid genug.

Sie sprach zu dem König: · „Des hätt ich gerne Rath,
Daß nichts mir soll verbleiben · von meinem Kleiderstaat
Vor euerm Kämmerlinge: · er verschwendet all mein Gold.
Wer dem noch widerstände, · dem wollt ich immer bleiben hold.

„Er giebt so reiche Gaben: · der Degen wähnet eben,
Ich habe nach dem Tode · gesandt: ich will noch leben
Und kann wol selbst verschwenden · meines Vaters Gut.“
Nie hatt einer Königin · Kämmerer so milden Muth.

Da sprach von Tronje Hagen: · „Frau, euch sei bekannt:
Der König vom Rheine · hat Gold und Gewand
Zu geben solche Fülle, · daß es nicht Noth ihm thut,
Von hier hinweg zu führen · einen Theil von Brunhilds Gut.“

„Nein, wenn ihr mich liebet,“ · sprach sie zu den Herrn,
„Zwanzig Reiseschreine · füllt ich mir gern
Mit Gold und mit Seide: · das soll meine Hand
Vertheilen, so wir kommen · heim in der Burgunden Land.“

Da lud man ihr die Kisten · mit edelm Gestein.
Der Frauen Kämmerlinge · musten zugegen sein:
Sie wollt es nicht vertrauen · Geiselhers Unterthan.
Gunther und Hagen · darob zu lachen begann.

Da sprach die Königstochter: · „Wem laß ich nun mein Land?
Das soll hier erst bestimmen · mein und eure Hand.“
Da sprach der edle König: · „So rufet wen herbei,
Der euch dazu gefalle, · daß er zum Vogt geordnet sei.“

Ihrer nächsten Freunde Einen · die Jungfrau bei sich sah;
Es war ihr Mutterbruder, · zu dem begann sie da:
„Nun laßt euch sein befohlen · die Burgen und das Land,
Bis seine Amtleute · der König Gunther gesandt.“

Aus dem Gesinde wählte sie · zweitausend Mann,
Die mit ihr fahren sollten · gen Burgund hindann
Mit jenen tausend Recken · aus Nibelungenland.
Sie schickten sich zur Reise: · man sah sie reiten nach dem Strand.

Sie führte mit von dannen · sechsundachtzig Fraun,
Dazu wol hundert Mägdelein, · die waren schön zu schaun.
Sie säumten sich nicht länger, · sie eilten nun hindann:
Die sie zu Hause ließen, · wie Manche hub zu weinen an!

In höfischen Züchten · räumte die Frau ihr Land,
Die nächsten Freunde küssend, · die sie bei sich fand.
Mit gutem Urlaube · kamen sie aufs Meer;
Ihres Vaters Lande · sah die Jungfrau nimmermehr.

Auf ihrer Fahrt ertönte · vielfaches Freudenspiel;
Aller Kurzweile · hatten sie da viel.
Auch hob sich zu der Reise · der rechte Wasserwind.
Sie fuhren ab vom Lande: · das beweinte mancher Mutter Kind.

Doch wollte sie den König · nicht minnen auf der Fahrt:
Ihre Kurzweil wurde · bis in sein Haus gespart
Zu Worms in der Veste · zu einem Hofgelag,
Dahin mit ihren Helden · sie fröhlich kamen hernach.

9. Neuntes Abenteuer.
Wie Siegfried nach Worms gesandt wird.

Da sie gefahren waren · voll neun Tage,
Da sprach von Tronje Hagen: · „Nun hört, was ich sage.
Wir säumen mit der Kunde · nach Worms an den Rhein:
Nun sollten eure Boten · schon bei den Burgunden sein.“

Da sprach König Gunther: · „Ihr redet recht daran;
Auch hätt uns wohl Niemand · die Fahrt so gern gethan
Als ihr selbst, Freund Hagen: · nun reitet in mein Land,
Unsre Hofreise · macht Niemand beßer da bekannt.“

„Nun wißt, lieber Herre, · ich bin kein Bote gut:
Laßt mich der Kammer pflegen · und bleiben auf der Flut.
Ich will hier bei den Frauen · behüten ihr Gewand,
Bis daß wir sie bringen · in der Burgunden Land.

„Nein, bittet Siegfrieden · um die Botschaft dahin:
Der mag sie wohl verrichten · mit zuchtreichem Sinn.
Versagt er euch die Reise, · ihr sollt mit guten Sitten
Bei eurer Schwester Liebe · um die Fahrt ihn freundlich bitten.“

Er sandte nach dem Recken: · der kam, als man ihn fand.
Er sprach zu ihm: „Wir nahen · uns schon meinem Land;
Da sollt ich Boten senden · der lieben Schwester mein
Und auch meiner Mutter, · daß wir kommen an den Rhein.

„So bitt ich euch, Herr Siegfried, · daß ihr die Reise thut,
Ich wills euch immer danken,“ · so sprach der Degen gut.
Da weigerte sich Siegfried, · dieser kühne Mann,
Bis ihn König Gunther · sehr zu flehen begann.

Er sprach: „Ihr sollt reiten · um den Willen mein,
Dazu auch um Kriemhild, · das schöne Mägdelein,
Daß es mit mir vergelte · die herrliche Maid.“
Als Siegfried das hörte, · da war der Recke bald bereit.

„Entbietet, was ihr wollet, · es soll gemeldet sein:
Ich will es gern bestellen · um das schöne Mägdelein.
Die ich im Herzen trage, · verzichtet' ich auf die?
Leisten will ich Alles, · was ihr gebietet, um sie.“

„So sagt meiner Mutter, · Ute der Königin,
Daß ich auf dieser Reise · hohes Muthes bin.
Wie wir geworben haben, · sagt meinen Brüdern an;
Auch unsern Freunden werde · diese Märe kund gethan.

Ihr sollt auch nichts verschweigen · der schönen Schwester mein,
Ich woll ihr mit Brunhild · stäts zu Diensten sein;
So sagt auch dem Gesinde · und wer mir unterthan,
Was je mein Herz sich wünschte, · daß ich das Alles gewann.

„Und saget Ortweinen, · dem lieben Neffen mein,
Daß er Gestühl errichten · laße bei dem Rhein;
Den Mannen auch und Freunden · sei es kund gethan,
Ich stelle mit Brunhilden · eine große Hochzeit an.

„Und bittet meine Schwester, · werd ihr das bekannt,
Daß ich mit meinen Gästen · gekommen sei ins Land,
Daß sie dann wohl empfange · die liebe Traute mein:
So woll ich Kriemhilden · stäts zu Dienst erbötig sein.“

Da bat bei Brunhilden · und ihrem Ingesind
Alsbald um den Urlaub · Siegfried, Sigmunds Kind,
Wie es ihm geziemte: · da ritt er an den Rhein.
Es könnt in allen Landen · ein beßrer Bote nicht sein.

Mit vierundzwanzig Recken · zu Worms kam er an;
Ohne den König kam er, · das wurde kund gethan.
Da mühten all die Degen · in Jammer sich und Noth,
Besorgt, daß dort der König · gefunden habe den Tod.

Sie stiegen von den Rossen · und trugen hohen Muth;
Da kam alsbald Herr Geiselher, · der junge König gut,
Und Gernot, sein Bruder, · wie hurtig sprach er da,
Als er den König Gunther · nicht bei Siegfrieden sah:

„Willkommen, Herr Siegfried, · ich bitte, sagt mir an:
Wo habt ihr meinen Bruder, · den König, hingethan?
Brunhildens Stärke · hat ihn uns wol benommen;
So wär uns sehr zu Schaden · ihre hohe Minne gekommen.“

„Die Sorge laßt fahren: · euch und den Freunden sein
Entbietet seine Dienste · der Heergeselle mein.
Ich verließ ihn wohlgeborgen: · er hat mich euch gesandt,
Daß ich sein Bote würde, · mit Mären her in euer Land.

„Nun helft mir es fügen, · wie es auch gescheh,
Daß ich die Königin Ute · und eure Schwester seh;
Die soll ich hören laßen, · was ihr zu wißen thut
Gunther und Frau Brunhild; · um sie beide steht es gut.“

Da sprach der junge Geiselher: · „So sprecht bei ihnen an;
Da habt ihr meiner Schwester · einen Liebesdienst gethan.
Sie trägt noch große Sorge · um den Bruder mein:
Die Maid sieht euch gerne: · dafür will ich euch Bürge sein.“

Da sprach der Degen Siegfried: · „Wo ich ihr dienen kann,
Das soll immer treulich · und willig sein gethan.
Wer sagt nun, daß ich komme, · den beiden Frauen an?“
Da warb die Botschaft Geiselher, · dieser waidliche Mann.

Geiselher der junge · sprach zu der Mutter da
Und auch zu seiner Schwester, · als er die beiden sah:
„Uns ist gekommen Siegfried, · der Held aus Niederland;
Ihn hat mein Bruder Gunther · her zum Rheine gesandt.

„Er bringt uns die Kunde, · wie's um den König steht;
Nun sollt ihr ihm erlauben, · daß er zu Hofe geht:
Er bringt die rechten Mären · uns her von Isenland.“
Noch war den edeln Frauen · große Sorge nicht gewandt.

Sie sprangen nach dem Staate · und kleideten sich drein
Und luden Siegfrieden · nach Hof zu kommen ein.
Das that der Degen williglich, · weil er sie gerne sah.
Kriemhild die edle · sprach zu ihm in Güte da:

„Willkommen, Herr Siegfried, · ein Ritter ohne Gleich.
Wo blieb mein Bruder Gunther, · der edle König reich?
Durch Brunhilds Stärke, fürcht' ich, · gieng er uns verloren:
O weh mir armen Mägdelein, · daß ich je ward geboren!“

Da sprach der kühne Ritter: · „Nun gebt mir Botenbrot,
Ihr zwei schönen Frauen · weinet ohne Noth.
Ich verließ ihn wohlgeborgen, · das thu ich euch bekannt:
Sie haben mich euch beiden · mit der Märe hergesandt.

„Mit freundlicher Liebe, · viel edle Herrin mein,
Entbeut euch seine Dienste · er und die Traute sein.
Nun laßt euer Weinen: · sie wollen balde kommen.“
Sie hatte lange Tage · so liebe Märe nicht vernommen.

Mit schneeweißem Kleide · aus Augen wohlgethan
Wischte sie die Thränen; · zu danken hub sie an
Dem Boten dieser Märe, · die ihr war gekommen.
Ihr war die große Trauer · und auch ihr Weinen benommen.

Sie hieß den Boten sitzen: · des war er gern bereit.
Da sprach die Minnigliche: · „Es wäre mir nicht leid,
Wenn ich euch geben dürfte · zum Botenlohn mein Gold.
Dazu seid ihr zu vornehm: · so bleib ich sonst denn euch hold.

„Und würden dreißig Lande,“ · sprach er, „mein genannt,
So empfieng' ich Gabe · doch gern aus eurer Hand.“
Da sprach die Wohlgezogne: · „Wohlan, es soll geschehn.“
Da hieß sie ihren Kämmerer · nach dem Botenlohne gehn.

Vierundzwanzig Spangen · mit Edelsteinen gut
Gab sie ihm zum Lohne. · So stund des Helden Muth:
Er wollt es nicht behalten: · er gab es unverwandt
Ihren schönen Maiden, · die er in der Kammer fand.

Ihre Dienste bot ihm · die Mutter gütlich an.
„Ich soll euch ferner sagen,“ · sprach der kühne Mann,
„Um was der König bittet, · gelangt er an den Rhein:
Wenn ihr das, Fraue, leistet, · er will euch stäts gewogen sein.

„Seine reichen Gäste, · das ist sein Begehr,
Sollt ihr wohl empfangen; · auch bittet er euch sehr,
Entgegen ihm zu reiten · vor Worms ans Gestad.
Das ists, warum der König · euch in Treun gebeten hat.“

„Das will ich gern vollbringen,“ · sprach die schöne Magd:
„Worin ich ihm kann dienen, · das ist ihm unversagt.
Mit freundlicher Treue · wird all sein Wunsch gethan.“
Da mehrte sich die Farbe, · die sie vor Freude gewann.

Nie sah man Fürstenboten · beßer wohl empfahn:
Wenn sie ihn küssen durfte, · sie hätt es gern gethan;
Minniglich er anders · doch von der Frauen schied.
Da thaten die Burgunden, · wie da Siegfried ihnen rieth.

Sindold und Hunold · und Rumold der Degen
Großer Unmuße · musten sie da pflegen,
Als sie die Sitze richteten · vor Worms an dem Strand:
Die Schaffner des Königs · man sehr beflißen da fand.

Ortwein und Gere · säumten auch nicht mehr,
Sie sandten nach den Freunden · allwärts umher,
Die Hochzeit anzusagen, · die da sollte sein;
Der zierten sich entgegen · viel der schönen Mägdelein.

Der Pallas und die Wände · waren allzumal
Verziert der Gäste wegen; · König Gunthers Saal
Ward herrlich ausgerüstet · für manchen fremden Mann;
Das große Hofgelage · mit hohen Freuden begann.

Da ritten allenthalben · die Wege durch das Land
Der drei Könge Freunde; · die hatte man besandt,
Die Gäste zu empfangen, · die da sollten kommen.
Da wurden aus dem Einschlag · viel reicher Kleider genommen.

Bald brachte man die Kunde, · daß man schon reiten sah
Brunhilds Gefolge: · Gedränge gab es da
Von des Volkes Menge · in Burgundenland.
Hei! was man kühner Degen · da zu beiden Seiten fand!

Da sprach die schöne Kriemhild: · „Ihr, meine Mägdelein,
Die bei dem Empfange · mit mir wollen sein,
Die suchen aus den Kisten · ihr allerbest Gewand:
So wird uns Lob und Ehre · von den Gästen zuerkannt.“

Da kamen auch die Recken · und ließen vor sich her
Schöne Sättel tragen · von rothem Golde schwer,
Daß drauf die Frauen ritten · von Worms an den Rhein.
Beßer Pferdgeräthe · konnte wohl nimmer sein.

Wie warf da von den Mähren · den Schein das lichte Gold!
Viel Edelsteine glänzten · von den Zäumen hold;
Die goldenen Schemel · auf lichtem Teppich gut
Brachte man den Frauen: · sie hatten fröhlichen Muth.

Die Frauenpferde standen · auf dem Hof bereit,
Wie gemeldet wurde, · für manche edle Maid.
Die schmalen Brustriemen · sah man die Mähren tragen
Von der besten Seide, · davon man je hörte sagen.

Sechsundachtzig Frauen · traten da heraus,
Die Kopfgebinde trugen; · zu Kriemhild vor das Haus
Zogen die Schönen · jetzt in reichem Kleid;
Da kam in vollem Schmucke · auch manche waidliche Maid,

Fünfzig und viere · aus Burgundenland:
Es waren auch die besten, · die man irgend fand.
Man sah sie gelblockig · unter lichten Borten gehn.
Was sich bedingt der König, · das sah er fleißig geschehn.

Von kostbaren Zeugen, · den besten, die man fand,
Trugen sie vor den Gästen · manch herrlich Gewand.
Zu ihrer schönen Farbe · stand es ihnen gut:
Wer Einer abhold wäre, · litte wohl an schwachem Muth.

Von Hermelin und Zobel · viel Kleider man da fand.
Da schmückte sich gar Manche · den Arm und auch die Hand
Mit Spangen auf der Seide, · die sie sollten tragen.
Es könnt euch dieß Befleißen · Niemand wohl zu Ende sagen.

Viel Gürtel kunstgeschaffen, · kostbar und lang,
Ueber lichte Kleider · die Hand der Frauen schwang
Um edle Ferransröcke · von Zeug aus Arabia,
Wie man sie besser · in aller Welt nicht ersah.

Man sah in Brustgeschmeide · manch schöne Maid
Minniglich sich schnüren. · Die mochte tragen Leid,
Deren lichte Farbe · das Kleid nicht überschien.
So schönes Ingesinde · hat nun keine Königin.

Als die Minniglichen · nun trugen ihr Gewand,
Die sie da führen sollten, · die kamen unverwandt,
Die hochgemuthen Recken · in großer Zahl daher;
Man bracht auch hin viel Schilde · und manchen eschenen Sper.

10. Zehntes Abenteuer.
Wie Gunther mit Brunhild Hochzeit hielt.

Jenseits des Rheins · sah man dem Gestad
Mit allen seinen Gästen · den König schon genaht.
Da sah man auch am Zaume · leiten manche Maid:
Die sie empfangen sollten, · die waren alle bereit.

Als bei den Schiffen ankam · von Isenland die Schar
Und die der Nibelungen, · die Siegfried eigen war,
Sie eilten an das Ufer; · wohl fliß sich ihre Hand,
Als man des Königs Freunde · jenseits am Gestade fand.

Nun hört auch die Märe · von der Königin,
Ute der reichen, · wie sie die Mägdlein hin
Brachte von der Veste · und selber ritt zum Strand.
Da wurden mit einander · viel Maid' und Ritter bekannt.

Der Markgraf Gere führte · am Zaum Kriemhildens Pferd
Bis vor das Thor der Veste; · Siegfried der Degen werth
Durft ihr weiter dienen; · sie war so schön und hehr.
Das ward ihm wohl vergolten · von der Jungfrau nachher.

Ortwein der kühne führte · Ute die Königin,
Und so ritt mancher Ritter · neben den Frauen hin.
Zu festlichem Empfange, · das mag man wohl gestehn,
Wurden nie der Frauen · so viel beisammen gesehn.

Viel hohe Ritterspiele · wurden da getrieben
Von preiswerthen Helden · (wie wär es unterblieben?)
Vor Kriemhild der schönen, · die zu den Schiffen kam.
Da hub man von den Mähren · viel der Frauen lobesam.

Der König war gelandet · mit fremder Ritterschaft.
Wie brach da vor den Frauen · mancher starke Schaft!
Man hört' auf den Schilden · erklingen Stoß auf Stoß.
Hei! reicher Buckeln Schallen · ward im Gedränge da groß!

Vor dem Hafen standen · die Frauen minniglich;
Gunther mit seinen Gästen · hub von den Schiffen sich:
Er führte Brunhilden · selber an der Hand.
Wider einander leuchtete · schön Gestein und licht Gewand.

In höfischen Züchten · hin Frau Kriemhild gieng,
Wo sie Frau Brunhilden · und ihr Gesind empfieng.
Man konnte lichte Hände · am Kränzlein rücken sehn,
Da sich die Beiden küssten: · das war aus Liebe geschehn.

Da sprach wohlgezogen · Kriemhild das Mägdelein:
„Ihr sollt uns willkommen · in diesem Lande sein,
Mir und meiner Mutter, · und Allen, die uns treu
Von Mannen und von Freunden.“ · Da verneigten sich die Zwei.

Oftmals mit den Armen · umfiengen sich die Fraun.
So minniglich Empfangen · war nimmer noch zu schaun,
Als die Frauen beide · der Braut da thaten kund,
Frau Ute mit der Tochter: · sie küssten oft den süßen Mund.

Da Brunhilds Frauen alle · nun standen auf dem Strand,
Von waidlichen Recken · wurden bei der Hand
Freundlich genommen · viel Frauen ausersehn.
Man sah die edeln Maide · vor Frau Brunhilden stehn.

Bis der Empfang vorüber war, · das währte lange Zeit,
Manch rosigem Munde war · da ein Kuß bereit.
Noch standen bei einander · die Königinnen reich:
Das freuten sich zu schauen · viel der Recken ohne Gleich.

Da spähten mit den Augen, · die oft gehört vorher,
Man hab also Schönes · gesehen nimmermehr
Als die Frauen beide: · das fand man ohne Lug.
Man sah an ihrer Schöne · auch nicht den mindesten Trug.

Wer Frauen schätzen konnte · und minniglichen Leib,
Der pries um ihre Schöne · König Gunthers Weib;
Doch sprachen da die Kenner, · die es recht besehn,
Man müße vor Brunhilden · den Preis Kriemhilden zugestehn.

Nun giengen zu einander · Mägdelein und Fraun;
Es war in hoher Zierde · manch schönes Weib zu schaun.
Da standen seidne Hütten · und manches reiche Zelt,
Womit man erfüllt sah · hier vor Worms das ganze Feld.

Des Könige Freunde drängten · sich, um sie zu sehn.
Da hieß man Brunhilden · und Kriemhilden gehn
Und all die Fraun mit ihnen · hin, wo sich Schatten fand;
Es führten sie die Degen · aus der Burgunden Land.

Nun waren auch die Gäste · zu Ross geseßen all;
Da gabs beim Lanzenbrechen · durch Schilde lauten Schall.
Das Feld begann zu stäuben, · als ob das ganze Land
Entbrannt wär in der Lohe: · da machten Helden sich bekannt.

Was da die Recken thaten, · sah manche Maid mit an.
Wohl ritt mit seinen Degen · Siegfried der kühne Mann
In mancher Wiederkehre · vorbei an dem Gezelt;
Der Nibelungen führte · tausend Degen der Held.

Da kam von Tronje Hagen, · wie ihm der König rieth;
Der Held mit guter Sitte · die Ritterspiele schied,
Daß sie nicht bestaubten · die schönen Mägdelein:
Da mochten ihm die Gäste · gerne wohl gehorsam sein.

Da sprach der edle Gernot: · „Die Rosse laßt stehn,
Bis es beginnt zu kühlen, · daß wir die Frauen schön
Mit unserm Dank geleiten · bis vor den weiten Saal;
Will dann der König reiten, · find er euch bereit zumal.“

Das Kampfspiel war vergangen · über all dem Feld:
Da giengen kurzweilen · in manches hohe Zelt
Die Ritter zu den Frauen · um hoher Lust Gewinn:
Da vertrieben sie die Stunden, · bis sie weiter sollten ziehn.

Vor des Abends Nahen, · als sank der Sonne Licht
Und es begann zu kühlen, · ließ man es länger nicht:
Zu der Veste huben · Fraun und Ritter sich;
Mit Augen ward geliebkost · mancher Schönen minniglich.

Von guten Knechten wurden · viel Pferde müd geritten
Vor den Hochgemuthen · nach des Landes Sitten,
Bis vor dem Saale · abstieg der König werth.
Da diente man den Frauen · und hob sie nieder vom Pferd.

Da wurden auch geschieden · die Königinnen reich.
Hin gieng Frau Ute · und Kriemhild zugleich
Mit ihrem Ingesinde · in ein weites Haus:
Da vernahm man allenthalben · der Freude rauschenden Braus.

Man richtete die Stühle: · der König wollte gehn
Zu Tisch mit den Gästen. · Da sah man bei ihm stehn
Brunhild die schöne, · die da die Krone trug
In des Königs Lande: · sie erschien wohl reich genug.

Da sah man schöne Sitze · und gute Tafeln breit
Mit Speisen beladen, · so hörten wir Bescheid.
Was sie da haben sollten, · wie wenig fehlte dran!
Da sah man bei dem König · gar manchen herrlichen Mann.

Des Wirthes Kämmerlinge · im Becken goldesroth
Reichten ihnen Wasser. · Das wär vergebne Noth,
Sagte wer, man hätte · je fleißgern Dienst gethan
Bei eines Fürsten Hochzeit: · ich glaubte schwerlich daran.

Eh der Vogt am Rheine · hier das Wasser nahm,
Zu Gunthern trat da Siegfried, · er durft es ohne Scham,
Und mahnt' ihn seiner Treue, · die er ihm gab zu Pfand,
Bevor er Brunhilden · daheim gesehn in Isenland.

Er sprach zu ihm: „Gedenket, · mir schwur eure Hand,
Wenn wir Frau Brunhild · brächten in dieß Land,
Ihr gäbt mir eure Schwester: · wo blieb nun der Eid?
Ihr wißt, bei eurer Reise · war keine Mühe mir leid.“

Da sprach der Wirth zum Gaste: · „Recht, daß ihr mich mahnt.
Ich will den Eid nicht brechen, · den ich schwur mit Mund und Hand,
Ich helf es euch fügen, · so gut es mag geschehn.“
Da hieß man Kriemhilden · zu Hof vor den König gehn.

Mit ihren schönen Maiden · kam sie vor den Saal.
Da sprang von einer Stiege · Geiselher zu Thal:
„Nun heißt wiederkehren · diese Mägdelein:
Meine Schwester soll alleine · hier bei dem Könige sein.“

Hin brachten sie Kriemhilden, · wo man den König fand:
Da standen edle Ritter · von mancher Fürsten Land.
In dem weiten Saale · hieß man sie stille stehn;
Frau Brunhilden sah man · eben auch zu Tische gehn.

Sie hatte keine Kunde, · was da im Werke war.
Da sprach König Dankrats Sohn · zu seiner Mannen Schar:
„Helft mir, daß meine Schwester · Siegfrieden nimmt zum Mann.“
Sie sprachen einhellig: · „Das wäre gar wohl gethan.“

Da sprach der König Gunther: · „Schwester, edle Maid,
Bei deiner Zucht und Güte · löse meinen Eid.
Ich schwur dich einem Recken, · und nimmst du ihn zum Mann,
So hast du meinen Willen · mit großen Treuen gethan.“

Die edle Maid versetzte: · „Lieber Bruder mein,
Ihr sollt mich nicht flehen, · ich will gehorsam sein.
Wie ihr mir gebietet, · so soll es sein gethan:
Dem will ich mich verloben, · den ihr, Herr, mir gebt zum Mann.“

Von lieber Augenweide · Ward Siegfrieds Farbe roth:
Zu Diensten sich der Recke · Frau Kriemhilden bot.
Man ließ sie mit einander · in einem Kreise stehn,
Und frug sie, ob sie wolle · diesen Recken ausersehn?

Scheu, wie Mädchen pflegen, · schämte sie sich ein Theil;
Jedoch war Siegfrieden · so günstig Glück und Heil,
Daß sie nicht verschmähen · wollte seine Hand.
Auch versprach sich ihr zum Manne · der edle Held von Niederland.

Da er sich ihr verlobte · und sich ihm die Maid,
Ein gütlich Umfangen · war da alsbald bereit
Von Siegfriedens Armen · dem schönen Mägdlein zart:
Die edle Königin küsst' er · in der Helden Gegenwart.

Sich schied das Gesinde. · Als das geschah,
Auf dem Ehrenplatze · man Siegfrieden sah,
Mit Kriemhilden sitzen; · da dient' ihm mancher Mann.
Man sah die Nibelungen · mit ihm den Sitzen sich nahm.

Der König saß zu Tische · bei Brunhild der Maid.
Da sah sie Kriemhilden · (nichts war ihr je so leid)
Bei Siegfrieden sitzen: · zu weinen hub sie an,
Daß ihr manch heiße Thräne · über lichte Wangen rann.

Da sprach der Wirth des Landes: · „Was ist euch, Fraue mein,
Daß ihr so trüben laßet · lichter Augen Schein?
Ihr solltet recht euch freuen: · euch ist unterthan
Mein Land und reiche Burgen · und mancher waidliche Mann.“

„Recht weinen sollt ich eher,“ · sprach die schöne Maid.
„Deiner Schwester wegen · trag ich Herzeleid.
Ich seh sie sitzen neben · dem Eigenholden dein:
Wohl muß ich immer weinen, · soll sie so erniedrigt sein.“

Da sprach der König Gunther: · „Schweigt davon jetzt still,
Da ich euch ein andermal · die Kunde sagen will,
Warum meine Schwester · Siegfrieden ward gegeben.
Wohl mag sie mit dem Recken · allezeit in Freuden leben.“

Sie sprach: „Mich jammern immer · ihre Schönheit, ihre Zucht;
Wüst ich, wohin ich sollte, · ich nähme gern die Flucht
Und wollt euch nimmer eher · nahe liegen bei,
Bis ich wüste, weshalb Kriemhild · die Braut von Siegfrieden sei.“

Da sprach König Gunther: · „Ich mach es euch bekannt:
Er hat selber Burgen · wie ich und weites Land.
Das dürft ihr sicher glauben, · er ist ein König reich:
Drum gönn ich ihm zum Weibe · die schöne Magd ohne Gleich.“

Was ihr der König sagte, · traurig blieb ihr Muth.
Da eilte von den Tischen · mancher Ritter gut:
Das Kampfspiel ward so heftig, · daß rings die Burg erklang.
Dem Wirth bei seinen Gästen · ward die Weile viel zu lang.

Er dacht: „Ich läge sanfter · der schönen Frauen bei.“
Er wurde des Gedankens · nicht mehr im Herzen frei,
Von ihrer Minne müße · ihm Liebes viel geschehn.
Da begann er freundlich · Frau Brunhilden anzusehn.

Vom Ritterspiel die Gäste · bat man abzustehn:
Mit seinem Weibe wollte · zu Bett der König gehn.
Vor des Saales Stiege · begegneten da
Sich Kriemhild und Brunhild; · noch in Güte das geschah.

Da kam ihr Ingesinde; · sie säumten länger nicht:
Ihre reichen Kämmerlinge · brachten ihnen Licht.
Es theilten sich die Recken · in beider Könge Lehn.
Da sah man viel der Degen · hinweg mit Siegfrieden gehn.

Die Helden kamen beide · hin, wo sie sollten liegen.
Da dachte Jedweder · mit Minnen obzusiegen
Den minniglichen Frauen: · des freute sich ihr Muth.
Siegfriedens Kurzweil · die wurde herrlich und gut.

Als Siegfried der Degen · bei Kriemhilden lag
Und er da der Jungfrau · so minniglich pflag
Mit seinem edeln Minnen, · sie ward ihm wie sein Leben:
Er hätte nicht die eine · für tausend andre gegeben.

Ich sag euch nicht weiter, · wie er der Frauen pflag.
Nun hört diese Märe, · wie König Gunther lag
Bei Brunhild der Frauen; · der zierliche Degen
Hätte leichtlich sanfter · bei andern Frauen gelegen.

Das Volk hatt ihn verlaßen · zumal, so Frau als Mann:
Da ward die Kemenate · balde zugethan.
Er wähnt', er solle kosen · ihren minniglichen Leib:
Da währt' es noch gar lange, · bevor sie wurde sein Weib.

Im weißen Linnenhemde · gieng sie ins Bett hinein.
Der edle Ritter dachte: · „Nun ist das alles mein,
Wes mich je verlangte · in allen meinen Tagen.“
Sie must ob ihrer Schöne · mit großem Recht ihm behagen.

Das Licht begann zu bergen · des edeln Königs Hand.
Hin gieng der kühne Degen, · wo er die Jungfrau fand.
Er legte sich ihr nahe: · seine Freude die war groß,
Als die Minnigliche · der Held mit Armen umschloß.

Minnigliches Kosen · möcht er da viel begehn,
Ließe das willig · die edle Frau geschehn.
Doch zürnte sie gewaltig: · den Herrn betrübte das.
Er wähnt, er fände Freude, · da fand er feindlichen Haß.

Sie sprach: „Edler Ritter, · laßt euch das vergehn:
Was ihr da habt im Sinne, · das kann nicht geschehn.
Ich will noch Jungfrau bleiben, · Herr König, merkt euch das,
Bis ich die Mär erfahre.“ · Da faßte Gunther ihr Haß.

Er rang nach ihrer Minne · und zerrauft' ihr Kleid.
Da griff nach einem Gürtel · die herrliche Maid,
Einer starken Borte, · die sie um sich trug:
Da that sie dem König · großen Leides genug.

Die Füß und die Hände · sie ihm zusammenband,
Zu einem Nagel trug sie ihn · und hieng ihn an die Wand.
Als er im Schlaf sie störte, · sein Minnen sie verbot.
Von ihrer Stärke hätt er · beinah gewonnen den Tod.

Da begann zu flehen, · der Meister sollte sein:
„Nun löst mir die Bande, · viel edle Fraue mein.
Ich getrau euch, schöne Herrin, · doch nimmer obzusiegen
Und will auch wahrlich selten · mehr so nahe bei euch liegen.“

Sie frug nicht, wie ihm wäre, · da sie in Ruhe lag.
Dort must er hangen bleiben · die Nacht bis an den Tag,
Bis der lichte Morgen · durchs Fenster warf den Schein:
Hatt er je Kraft beseßen, · die ward an seinem Leibe klein.

„Nun sagt mir, Herr Gunther, · ist euch das etwa leid,
Wenn euch gebunden finden,“ · sprach die schöne Maid,
„Eure Kämmerlinge · von einer Frauen Hand?“
Da sprach der edle Ritter: · „Das würd euch übel gewandt.

„Auch wär mirs wenig Ehre,“ · sprach der edle Mann:
„Bei eurer Zucht und Güte · nehmt mich nun bei euch an.
Und ist euch meine Minne · denn so mächtig leid,
So will ich nie berühren · mit meiner Hand euer Kleid.“

Da löste sie den König, · daß er nicht länger hieng;
Wieder an das Bette · er zu der Frauen gieng.
Er legte sich so ferne, · daß er ihr Hemde fein
Nicht oft darnach berührte: · auch wollte sie des ledig sein.

Da kam auch ihr Gesinde, · das brachte neu Gewand:
Des war heute Morgen · genug für sie zur Hand.
Wie froh man da gebahrte, · traurig war genug
Der edle Wirth des Landes, · wie er des Tags die Krone trug.

Nach des Landes Sitte, · die zu begehen Pflicht,
Unterließ es Gunther · mit Brunhild länger nicht:
Sie giengen nach dem Münster, · wo man die Messe sang.
Dahin auch kam Herr Siegfried; · da hob sich mächtiger Drang.

Nach königlichen Ehren · war da für sie bereit,
Was sie haben sollten, · die Krone wie das Kleid.
Da ließen sie sich weihen: · als das war geschehn,
Da sah man unter Krone · alle Viere herrlich stehn.

Das Schwert empfiengen Knappen, · sechshundert oder mehr,
Den Königen zu Ehren · auf meines Worts Gewähr.
Da hob sich große Freude · in Burgundenland:
Man hörte Schäfte brechen · an der Schwertdegen Hand.

Da saßen in den Fenstern · die schönen Mägdelein.
Sie sahen vor sich leuchten · manches Schildes Schein.
Nun hatte sich der König · getrennt von seinem Lehn:
Was man beginnen mochte, · er ließ es trauernd geschehn.

Ihm und Siegfrieden · ungleich stand der Muth:
Wohl wuste, was ihm fehlte, · der edle Ritter gut.
Da gieng er zu dem König, · zu fragen er begann:
„Wie ists euch gelungen · die Nacht, das saget mir an.“

Da sprach der Wirth zum Gaste: · „Den Schimpf und den Schaden
Hab ich an meiner Frauen · in mein Haus geladen.
Ich wähnte sie zu minnen, · wie schnell sie mich da band!
Zu einem Nagel trug sie mich · und hieng mich hoch an die Wand.

„Da hieng ich sehr in Aengsten · die Nacht bis an den Tag.
Eh sie mich wieder löste, · wie sanft sie da lag!
Das sei dir in der Stille · geklagt in Freundlichkeit.“
Da sprach der starke Siegfried: · „Das ist in Wahrheit mir leid.

„Das will ich euch beweisen, · verschmerzt ihr den Verdruß.
Ich schaffe, daß sie heute Nacht · so nah euch liegen muß,
Daß sie euch ihre Minne · nicht länger vorenthält.“
Die Rede hörte gerne · nach seinem Leide der Held.

„Nun schau meine Hände, · wie die geschwollen sind:
Die drückte sie so mächtig, · als wär ich ein Kind,
Daß Blut mir allenthalben · aus den Nägeln drang.
Ich hegte keinen Zweifel, · mein Leben währe nicht lang.“

Da sprach der starke Siegfried: · „Es wird noch Alles gut.
Uns Beiden war wohl ungleich · heute Nacht zu Muth.
Mir ist deine Schwester · wie Leben lieb und Leib!
So muß nun auch Frau Brunhild · noch heute werden dein Weib.

„Ich komme heut Abend · zu deinem Kämmerlein
Also wohl verborgen · in der Tarnkappe mein,
Daß sich meiner Künste · Niemand mag versehn.
Laß dann die Kämmerlinge · zu ihren Herbergen gehn:

„So lesch ich den Knappen · die Lichter an der Hand:
Bei diesem Wahrzeichen · sei dir bekannt,
Daß ich hereingetreten. · Wohl zwing ich dir dein Weib,
Daß du sie heute minnest, · ich verlör' denn Leben und Leib.“

„Wenn du sie nicht minnest,“ · der König sprach da so,
„Meine liebe Fraue: · des Andern bin ich froh;
Was du auch thust und nähmst du · Leben ihr und Leib,
Das wollt ich wohl verschmerzen: · sie ist ein schreckliches Weib.“

„Das nehm ich,“ sprach da Siegfried, · „auf die Treue mein,
Daß ich sie nicht berühre; · die liebe Schwester dein
Geht mir über alle, · die ich jemals sah.“
Wohl glaubte König Gunther · der Rede Siegfriedens da.

Da gabs von Ritterspielen · Freude so wie Noth.
Den Buhurd und das Lärmen · man allzumal verbot.
Als die Frauen sollten · nach dem Saale gehn,
Geboten Kämmerlinge · den Leuten, nicht im Weg zu stehn.

Von Rossen und von Leuten · räumte man den Hof.
Der Frauen Jedwede · führt' ein Bischof,
Als sie vor den Königen · zu Tische sollten gehn.
Ihnen folgten zu den Stühlen · viel der Degen ausersehn.

Bei seinem Weib der König · in froher Hoffnung saß:
Was Siegfried ihm verheißen, · im Sinne lag ihm das.
Der eine Tag ihn dauchte · wohl dreißig Tage lang:
Nach Brunhildens Minne · all sein Denken ihm rang.

Er konnt es kaum erwarten, · bis vorbei das Mahl.
Brunhild die schöne · rief man aus dem Saal
Und auch Kriemhilden: · sie sollten schlafen gehn:
Hei! was man kühner Degen · sah vor den Königinnen stehn!

Siegfried der Herre · gar minniglich saß
Bei seinem schönen Weibe · mit Freuden ohne Haß.
Sie kos'te seine Hände · mit ihrer weißen Hand,
Bis er ihr vor den Augen, · sie wuste nicht wie, verschwand.

Da sie mit ihm spielte · und sie ihn nicht mehr sah,
Zu seinem Ingesinde · sprach die Königin da:
„Mich wundert sehr, wo ist doch · der König hingekommen?
Wer hat seine Hände · mir aus den meinen genommen?“

Sie ließ die Rede bleiben. · Da eilt' er hinzugehn,
Wo er die Kämmerlinge · fand mit Lichtern stehn:
Die lescht' er unversehens · den Knappen an der Hand:
Daß es Siegfried wäre, · das war da Gunthern bekannt.

Wohl wust er, was er wolle: · er ließ von dannen gehn
Mägdelein und Frauen. · Als das war geschehn,
Der edle König selber · verschloß der Kammer Thür:
Starker Riegel zweie · die warf er eilends dafür.

Hinterm Bettvorhange · barg er der Kerzen Licht.
Ein Spiel sogleich begannen, · vermeiden ließ sichs nicht,
Siegfried der starke · und die schöne Maid:
Das war dem König Gunther · beides lieb und auch leid.

Da legte sich Siegfried · der Königin bei.
Sie sprach: „Nun laßt es, Gunther, · wie lieb es euch auch sei,
Daß ihr nicht Noth erleidet · heute so wie eh:
Oder euch geschieht hier · von meinen Händen wieder Weh.“

Er hehlte seine Stimme, · kein Wörtlein sprach er da.
Wohl hörte König Gunther, · obgleich er sie nicht sah,
Daß Heimliches von Beiden · wenig geschehen sei;
Nicht viel bequeme Ruhe · im Bette fanden die Zwei.

Er stellte sich, als wär er · Gunther der König reich;
Er umschloß mit Armen · das Mägdlein ohne Gleich.
Sie warf ihn aus dem Bette · dabei auf eine Bank,
Daß laut an einem Schemel · ihm das Haupt davon erklang.

Wieder auf mit Kräften · sprang der kühne Mann,
Es beßer zu versuchen: · wie er das begann,
Daß er sie zwingen wollte, · da widerfuhr ihm Weh.
Ich glaube nicht, daß solche Wehr · von Frauen je wieder gescheh.

Da ers nicht laßen wollte, · das Mägdlein aufsprang:
„Euch ziemt nicht zu zerraufen · mein Hemd also blank.
Ihr seid ungezogen: · das wird euch noch leid.
Des bring ich euch wohl inne,“ · sprach die waidliche Maid.

Sie umschloß mit den Armen · den theuerlichen Degen
Und wollt ihn auch in Bande · wie den König legen,
Daß sie im Bette läge · mit Gemächlichkeit.
Wie grimmig sie das rächte, · daß er zerzerret ihr Kleid!

Was half ihm da die Stärke, · was seine große Kraft?
Sie erwies dem Degen · ihres Leibes Meisterschaft.
Sie trug ihn übermächtig, · das muste nur so sein,
Und drückt ihn ungefüge · bei dem Bett an einen Schrein.

„O weh,“ gedacht er, „soll ich · Leben nun und Leib
Von einer Maid verlieren, · so mag jedes Weib
In allen künftgen Zeiten · tragen Frevelmuth
Dem Mann gegenüber, · die es sonst wohl nimmer thut.“

Der König hörte Alles; · er bangte für den Mann.
Da schämte sich Siegfried, · zu zürnen fieng er an.
Mit ungefügen Kräften · ihr widersetzt' er sich
Und versuchte seine Stärke · an Brunhilden ängstiglich.

Wie sie ihn niederdrückte, · sein Zorn erzwang es noch
Und seine starken Kräfte, · daß ihr zum Trotz er doch
Sich aufrichten konnte; · seine Angst war groß.
Sie gaben in der Kammer · sich her und hin manchen Stoß.

Auch litt König Gunther · Sorgen und Beschwer:
Er muste manchmal flüchten · vor ihnen hin und her.
Sie rangen so gewaltig, · daß es Wunder nahm,
Wie Eins vor dem Andern · mit dem Leben noch entkam.

Den König Gunther ängstigte · beiderseits die Noth;
Doch fürchtet' er am meisten · Siegfriedens Tod.
Wohl hätte sie dem Degen · das Leben schier benommen:
Dürft er nur, er wär ihm · gern zu Hülfe gekommen.

Gar lange zwischen Beiden · dauerte der Streit;
Da bracht er an das Bette · zuletzt zurück die Maid:
Wie sehr sie sich auch wehrte, · die Wehr ward endlich schwach.
Gunther in seinen Sorgen · hieng mancherlei Gedanken nach.

Es währte lang dem König, · bis Siegfried sie bezwang.
Sie drückte seine Hände, · daß aus den Nägeln sprung
Das Blut von ihren Kräften; · das war dem Helden leid.
Da zwang er zu verläugnen · diese herrliche Maid

Den ungestümen Willen, · den sie erst dargethan.
Alles vernahm der König, · doch hört ers schweigend an.
Er drückte sie ans Bette, · daß sie aufschrie laut:
Des starken Siegfrieds Kräfte · schmerzten übel die Braut.

Da griff sie nach der Hüfte, · wo sie die Borte fand,
Und dacht' ihn zu binden: · doch wehrt' es seine Hand,
Daß ihr die Glieder krachten, · dazu der ganze Leib.
Da war der Streit zu Ende: · da wurde sie Gunthers Weib.

Sie sprach: „Edler König, · nimm mir das Leben nicht:
Was ich dir that zu Leide, · vergüt ich dir nach Pflicht.
Ich wehre mich nicht wieder · der edeln Minne dein:
Ich hab es wohl erfahren, · daß du magst Frauen Meister sein.“

Aufstand da Siegfried, · liegen blieb die Maid,
Als dächt er abzuwerfen · eben nur das Kleid.
Er zog ihr vom Finger · ein Ringlein von Gold,
Daß es nicht gewahrte · die edle Königin hold,

Auch nahm er ihren Gürtel, · eine Borte gut.
Ich weiß nicht, geschah es · aus hohem Uebermuth.
Er gab ihn seinem Weibe: · das ward ihm später leid.
Da lagen bei einander · der König und die schöne Maid.

Er pflag der Frauen minniglich, · wie es geziemend war:
Scham und Zorn verschmerzen · muste sie da gar.
Von seinen Heimlichkeiten · ihre lichte Farb erblich.
Hei! wie von der Minne · die große Kraft ihr entwich!

Da war auch sie nicht stärker · als ein ander Weib.
Minniglich umfieng er · ihren schönen Leib;
Wenn sie noch widerstände, · was könnt es sie verfahn?
Das hatt ihr Alles Gunther · mit seinem Minnen gethan.

Wie minniglich der Degen · da bei der Frauen lag
In freundlicher Liebe · bis an den lichten Tag!
Inzwischen war Herr Siegfried · längst schon hindann:
Da ward er wohl empfangen · von einer Frauen wohlgethan.

Er wich allen Fragen aus, · die sie erdacht,
Und hehlt' ihr noch lang, · was er mitgebracht,
Bis er daheim das Kleinod · ihr doch am Ende gab:
Das brachte viel der Degen · mit ihm selber ins Grab.

Dem Wirth am andern Morgen · viel höher stand der Muth,
Als am ersten Tage: · da ward die Freude gut
In allen seinen Landen · bei manchem edeln Mann.
Die er zu Hof geladen, · denen ward viel Dienst gethan.

Vierzehn Tage währte · diese Lustbarkeit,
Daß sich der Schall nicht legte · in so langer Zeit
Von aller Lust und Kurzweil, · die man erdenken mag.
Wohl verwandte hohe Kosten · der König bei dem Hofgelag.

Des edeln Wirthes Freunde, · wie es der Herr gewollt,
Verschenkten ihm zu Ehren · Kleider und rothes Gold,
Silber auch und Rosse · an manchen fremden Mann.
Die gerne Gaben nahmen, · die schieden fröhlich hindann.

Auch der kühne Siegfried · aus dem Niederland
Mit seinen tausend Mannen · — all das Gewand,
Das sie gebracht zum Rheine, · ward ganz dahin gegeben,
Schöne Ross' und Sättel: · sie wusten herrlich zu leben.

Bevor die reiche Gabe · noch alle war verwandt,
Schon daucht es die zu lange, · die wollten in ihr Land.
Nie sah man ein Gesinde · mehr so wohl verpflegen.
So endete die Hochzeit: · da schied von dannen mancher Degen.

11. Eilftes Abenteuer.
Wie Siegfried mit seinem Weibe heimkehrte.

Als die Gäste waren · gefahren all davon,
Da sprach zu dem Gesinde · König Siegmunds Sohn:
„Wir wollen auch uns rüsten · zur Fahrt in unser Land.“
Lieb ward es seinem Weibe, · als ihr die Märe ward bekannt.

Sie sprach zu ihrem Manne: · „Wann sollen wir nun fahren?
So sehr damit zu eilen · will ich mich bewahren:
Erst sollen mit mir theilen · meine Brüder dieses Land.“
Leid war es Siegfrieden, · als ers an Kriemhilden fand.

Die Fürsten giengen zu ihm · und sprachen alle drei:
„Wißt nun, Herr Siegfried, · daß euch immer sei
Unser Dienst mit Treue · bereit bis in den Tod.“
Er neigte sich den Herren, · da mans so wohl ihm erbot.

„Wir wolln auch mit euch theilen,“ · sprach Geiselher das Kind,
„Das Land und die Burgen, · die unser eigen sind,
Und was der weiten Reiche · uns ist unterthan;
Ihr empfangt mit Kriemhild · euer volles Theil daran.“

Der Sohn König Siegmunds · sprach zu den Fürsten da,
Als er den guten Willen · der Herren hört und sah:
„Gott laß euch euer Erbe · gesegnet immer sein
Und auch die Leute drinnen: · es mag die liebe Fraue mein

„Des Theils wohl entrathen, · den ihr ihr wolltet geben:
Wo sie soll Krone tragen, · mögen wirs erleben,
Da muß sie reicher werden, · als wer ist auf der Welt.
Was ihr sonst gebietet, · ich bin euch dienstlich gesellt.“

Da sprach aber Kriemhild: · „Wenn ihr mein Land verschmäht,
Um die Burgundendegen · es so gering nicht fleht;
Die mag ein König gerne · führen in sein Land:
Wohl soll sie mit mir theilen · meiner lieben Brüder Hand.“

Da sprach König Gernot: · „Nimm, die du willst, mit dir.
Die gerne mit dir reiten, · du findest Viele hier.
Von dreißighundert Recken · nimm dir tausend Mann
Zu deinem Hausgesinde.“ · Kriemhild zu senden begann

Nach Hagen von Tronje · und nach Ortwein,
Ob sie und ihre Freunde · Kriemhildens wollten sein.
Da gewann darüber Hagen · ein zorniges Leben:
Er sprach: „Uns kann Gunther · in der Welt an Niemand vergeben.

„Ander Ingesinde · nehmt zu eurer Fahrt;
Ihr werdet ja wohl kennen · der Tronejer Art.
Wir müßen bei den Königen · bleiben so fortan
Und denen ferner dienen, · deren Dienst wir stäts versahn.“

Sie ließen es bewenden · und machten sich bereit.
Ihres edeln Ingesindes · nahm Kriemhild zum Geleit
Zweiunddreißig Mägdelein · und fünfhundert Mann;
Eckewart der Markgraf · zog mit Kriemhild hindann.

Da nahmen alle Urlaub, · Ritter so wie Knecht,
Mägdelein und Frauen: · so war es Fug und Recht.
Unter Küssen scheiden · sah man sie unverwandt,
Und jene räumten fröhlich · dem König Gunther das Land.

Da geleiteten die Freunde · sie fern auf ihren Wegen.
Allenthalben ließ man · ihnen Nachtherberge legen,
Wo sie die nehmen wollten · in der Könge Land.
Da wurden bald auch Boten · dem König Siegmund gesandt,

Damit er wißen sollte · und auch Frau Siegelind,
Sein Sohn solle kommen · mit Frau Utens Kind,
Kriemhild der schönen, · von Worms über Rhein.
Diese Mären konnten · ihnen nimmer lieber sein.

„Wohl mir,“ sprach da Siegmund, · „daß ich den Tag soll sehn,
Da hier die schöne Kriemhild · soll unter Krone gehn!
Das erhöht im Werthe · mir all das Erbe mein:
Mein Sohn Siegfried · soll nun selbst hier König sein.“

Da gab ihnen Siegelind · zu Kleidern Sammet roth
Und schweres Gold und Silber: · das war ihr Botenbrot.
Sie freute sich der Märe, · die sie da vernahm.
All ihr Ingesinde · sich mit Fleiß zu kleiden begann.

Man sagt' ihr, wer da käme · mit Siegfried in das Land.
Da hieß sie Gestühle · errichten gleich zur Hand,
Wo er vor den Freunden · sollt unter Krone gehn.
Entgegen ritten ihnen · Die in König Siegmunds Lehn.

Wer beßer wäre empfangen, · mir ist es unbekannt,
Als die Helden wurden · in Siegmundens Land.
Kriemhilden seine Mutter · Sieglind entgegenritt
Mit viel der schönen Frauen; · kühne Ritter zogen mit

Wohl eine Tagereise, · bis man die Gäste sah.
Die Heimischen und Fremden · litten Beschwerde da,
Bis sie endlich kamen · zu einer Veste weit,
Die Santen war geheißen, · wo sie Krone trugen nach der Zeit.

Mit lachendem Munde · Siegmund und Siegelind
Manche liebe Weile · küssten sie Utens Kind
Und Siegfried den Degen; · ihnen war ihr Leid benommen.
All ihr Ingesinde · hieß man fröhlich willkommen.

Da brachten sie die Gäste · vor König Siegmunds Saal.
Die schönen Jungfrauen · hub man allzumal
Von den Mähren nieder; · da war mancher Mann,
Der den schönen Frauen · mit Fleiß zu dienen begann.

So prächtig ihre Hochzeit · am Rhein war bekannt,
Doch gab man hier den Helden · köstlicher Gewand,
Als sie all ihr Leben · je zuvor getragen.
Man mochte große Wunder · von ihrem Reichthume sagen.

So saßen sie in Ehren · und hatten genug.
Was goldrothe Kleider · ihr Ingesinde trug!
Edel Gestein und Borten · sah man gewirkt darin.
So verpflag sie fleißig · Sieglind die edle Königin.

Da sprach vor seinen Freunden · der König Siegmund:
„Allen meinen Freunden · thu ichs heute kund,
Daß Siegfried meine Krone · hier hinfort soll tragen.“
Die Märe hörten gerne · Die von Niederlanden sagen.

Er befahl ihm seine Krone · mit Gericht und Land:
Da war er Herr und König. · Wem er den Rechtsspruch fand
Und wen er strafen sollte, · das wurde so gethan,
Daß man wohl fürchten durfte · der schönen Kriemhilde Mann.

In diesen hohen Ehren · lebt' er, das ist wahr,
Und richtet' unter Krone · bis an das zehnte Jahr,
Da die schöne Königin · einen Sohn gewann,
An dem des Königs Freunde · ihren Wunsch und Willen sahn.

Alsbald ließ man ihn taufen · und einen Namen nehmen:
Gunther, nach seinem Oheim, · des dürft er sich nicht schämen.
Gerieth' er nach den Freunden, · er würd ein kühner Mann.
Man erzog ihn sorgsam: · sie thaten auch recht daran.

In denselben Zeiten · starb Frau Siegelind:
Da nahm die volle Herrschaft · der edeln Ute Kind,
Wie so reicher Frauen · geziemte wohl im Land.
Es ward genug betrauert, · daß der Tod sie hatt entwandt.

Nun hatt auch dort am Rheine, · wie wir hören sagen,
Gunther dem reichen · einen Sohn getragen
Brunhild die schöne · in Burgundenland.
Dem Helden zu Liebe · ward er Siegfried genannt.

Mit welchen Sorgen immer · man sein hüten hieß!
Von Hofmeistern Gunther · ihn Alles lehren ließ,
Was er bedürfen möchte, · erwüchs' er einst zum Mann.
Hei, was ihm bald das Unglück · der Verwandten abgewann!

Zu allen Zeiten Märe · war so viel gesagt,
Wie doch so herrlich · die Degen unverzagt
Zu allen Stunden lebten · in Siegmundens Land:
So lebt' auch König Gunther · mit seinen Freunden auserkannt.

Das Land der Nibelungen · war Siegfried unterthan
(Keiner seiner Freunde · je größern Schatz gewann)
Mit Schilbungens Recken · und der Beiden Gut.
Darüber trug der Kühne · desto höher den Muth.

Hort den allermeisten, · den je ein Held gewann,
Nach den ersten Herren, · besaß der kühne Mann,
Den vor einem Berge · seine Hand erwarb im Streit:
Er schlug darum zu Tode · manchen Ritter allbereit.

Vollauf besaß er Ehre, · und hätt ers halb entbehrt,
Doch müste man gestehen · dem edeln Recken werth,
Daß er der Beste wäre, · der je auf Rossen saß.
Man scheute seine Stärke, · mit allem Grunde that man das.

12. Zwölftes Abenteuer.
Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud.

Da dacht auch alle Tage · Brunhild die Königin:
„Wie trägt nur Frau Kriemhild · so übermüthgen Sinn!
Nun ist doch unser Eigen · Siegfried ihr Mann:
Der hat uns nun schon lange · wenig Dienste gethan.“

Das trug sie im Herzen · in großer Heimlichkeit;
Daß sie ihr fremde blieben, · das war der Frauen leid.
Daß man ihr nicht zinste · von des Fürsten Land,
Woher das wohl käme, · das hätte sie gern erkannt.

Sie versucht' es bei dem König, · ob es nicht geschehn
Möchte, daß sie Kriemhild · noch sollte wiedersehn.
Sie vertraut' ihm heimlich, · worauf ihr sann der Muth;
Da dauchte den König · der Frauen Rede nicht gut.

„Wie könnten wir sie bringen,“ · sprach der König hehr,
„Her zu diesem Lande? · das fügt sich nimmermehr.
Sie wohnen uns zu ferne: · ich darf sie nicht drum bitten.“
Da gab ihm Brunhild Antwort · mit gar hochfährtgen Sitten:

„Und wäre noch so mächtig · eines Königs Mann,
Was ihm sein Herr gebietet, · das muß doch sein gethan.“
Lächeln muste Gunther · ihrer Rede da:
Er nahm es nicht als Dienst an, · wenn er Siegfrieden sah.

Sie sprach: „Lieber Herre, · bei der Liebe mein,
Hilf mir, daß Siegfried · und die Schwester dein
Zu diesem Lande kommen · und wir sie hier ersehn:
So könnte mir auf Erden · nimmer lieber geschehn.

„Deiner Schwester Güte, · ihr wohlgezogner Muth,
Wenn ich daran gedenke, · wie wohl mirs immer thut;
Wie wir beisammen saßen, · als ich dir ward vermählt!
Sie hat sich mit Ehren · den kühnen Siegfried erwählt.“

Da bat sie ihn so lange, · bis der König sprach:
„Nun wißt, daß ich Gäste · nicht lieber sehen mag.
Ihr mögt mich leicht erbitten: · ich will die Boten mein
Zu ihnen beiden senden, · daß sie kommen an den Rhein.“

Da sprach die Königstochter: · „So sollt ihr mir sagen,
Wann ihr sie wollt besenden, · oder zu welchen Tagen
Die lieben Freunde sollen · kommen in dieß Land;
Die ihr dahin wollt senden, · die macht zuvor mir bekannt.“

„Das will ich,“ sprach der König: · „dreißig aus meinem Lehn
Laß ich zu ihnen reiten.“ · Die hieß er vor sich gehn:
Durch sie entbot er Märe · in Siegfriedens Land.
Da beschenkte sie Frau Brunhild · mit manchem reichen Gewand.

Der König sprach: „Ihr Recken · sollt von mir sagen
Und nichts von dem verschweigen, · was ich euch aufgetragen,
Siegfried dem starken · und der Schwester mein,
Ihnen dürf auf Erden · nimmer Jemand holder sein.

„Und bittet, daß sie beide · uns kommen an den Rhein:
Dafür will ich und Brunhild · ihnen stäts gewogen sein.
Vor dieser Sonnenwende · soll er hier Manchen sehn,
Er und seine Mannen, · die ihm Ehre laßen geschehn.

„Vermeldet auch dem König · Siegmund die Dienste mein,
Daß ich und meine Freunde · ihm stäts gewogen sei'n.
Und bittet meine Schwester, · daß sie's nicht unterläßt
Und zu den Freunden reitet: · nie ziemt' ihr so ein Freudenfest.“

Brunhild und Ute · und was man Frauen fand,
Die entboten ihre Dienste · in Siegfriedens Land
Den minniglichen Frauen · und manchem kühnen Mann.
Nach Wunsch des Königs hoben · sich bald die Boten hindann.

Sie standen reisefertig; · ihr Ross und ihr Gewand
War ihnen angekommen: · da räumten sie das Land.
Sie eilten zu dem Ziele, · dahin sie wollten fahren.
Der König hieß die Boten · durch Geleite wohl bewahren.

Innerhalb zwölf Tagen · kamen sie in das Land,
Zu Nibelungens Veste, · wohin man sie gesandt,
In der Mark zu Norweg · fanden sie den Degen:
Ross und Leute waren · müde von den langen Wegen.

Siegfried und Kriemhilden · war eilends hinterbracht,
Daß Ritter kommen waren, · die trügen solche Tracht,
Wie bei den Burgunden · man trug der Sitte nach.
Sie sprang von einem Bette, · darauf die Ruhende lag.

Zu einem Fenster ließ sie · eins ihrer Mägdlein gehn;
Die sah den kühnen Gere · auf dem Hofe stehn,
Ihn und die Gefährten, · die man dahin gesandt.
Ihr Herzeleid zu stillen, · wie liebe Kunde sie fand!

Sie sprach zu dem Könige: · „Seht ihr, wie sie stehn,
Die mit dem starken Gere · auf dem Hofe gehn,
Die uns mein Bruder Gunther · nieder schickt den Rhein.“
Da sprach der starke Siegfried: · „Die sollen uns willkommen sein.“

All ihr Ingesinde · lief hin, wo man sie sah.
Jeder an seinem Theile · gütlich sprach er da
Das Beste, was er konnte, · zu den Boten hehr.
Ihres Kommens freute · der König Siegmund sich sehr.

Herbergen ließ man Geren · und Die ihm unterthan
Und ihrer Rosse warten. · Die Boten brachte man
Dahin, wo Herr Siegfried · bei Kriemhilden saß.
Sie sahn den Boten gerne · sicherlich ohne allen Haß.

Der Wirth mit seinem Weibe · erhob sich gleich zur Hand.
Wohl ward empfangen Gere · aus Burgundenland
Mit seinen Fahrtgenossen · in König Gunthers Lehn.
Den Markgrafen Gere · bat man nicht länger zu stehn.

„Erlaubt uns die Botschaft, · eh wir uns setzen gehn;
Uns wegemüde Gäste, · laßt uns so lange stehn,
So melden wir die Märe, · die euch zu wißen thut
Gunther mit Brunhilden: · es geht ihnen beiden gut.

„Und was euch Frau Ute, · eure Mutter, her entbot,
Geiselher der junge · und auch Herr Gernot
Und eure nächsten Freunde: · die haben uns gesandt
Und entbieten euch viele Dienste · aus der Burgunden Land.“

„Lohn ihnen Gott,“ sprach Siegfried; · „ich versah zu ihnen wohl
Mich aller Lieb und Treue, · wie man zu Freunden soll.
So thut auch ihre Schwester; · ihr sollt uns ferner sagen,
Ob unsre lieben Freunde · hohen Muth daheim noch tragen.

„Hat ihnen, seit wir schieden, · Jemand ein Leid gethan
Meiner Fraue Brüdern? · Das saget mir an.
Ich wollt es ihnen immer · mit Treue helfen tragen,
Bis ihre Widersacher · meine Dienste müsten beklagen.“

Antwort gab der Markgraf · Gere, ein Ritter gut:
„Sie sind in allen Züchten · mit Freuden wohlgemuth.
Sie laden euch zum Rheine · zu einer Lustbarkeit
Sie sähn euch gar gerne, · daß ihr des außer Zweifel seid.

„Sie bitten meine Fraue · auch mit euch zu kommen.
Wenn nun der Winter · ein Ende hat genommen,
Vor dieser Sonnenwende · da möchten sie euch sehn.“
Da sprach der starke Siegfried: · „Das könnte schwerlich geschehn.“

Da sprach wieder Gere · von Burgundenland:
„Eure Mutter Ute · hat euch sehr gemahnt
Mit Gernot und Geiselher, · ihr sollt es nicht versagen.
Daß ihr so ferne wohnet, · hör ich sie täglich beklagen.

„Brunhild meine Herrin · und ihre Mägdelein
Freuen sich der Kunde, · und könnt es jemals sein,
Daß sie euch wiedersähen, · ihnen schuf es hohen Muth.“
Da dauchten diese Mären · die schöne Kriemhilde gut.

Gere war ihr Vetter: · der Wirth ihn sitzen hieß;
Den Gästen hieß er schenken, · nicht länger man das ließ.
Da kam dazu auch Siegmund: · als der die Boten sah,
Freundlich sprach der König · zu den Burgunden da:

„Willkommen uns, ihr Recken · in König Gunthers Lehn.
Da sich Kriemhilden · zum Weibe hat ersehn
Mein Sohn Siegfried, · man sollt euch öfter schaun
In diesem Lande, dürften wir · bei euch auf Freundschaft vertraun.

Sie sprachen: Wenn er wolle, · sie würden gerne kommen.
Ihnen ward mit Freuden · die Müdigkeit benommen.
Man hieß die Boten sitzen; · Speise man ihnen trug:
Deren schuf da Siegfried · den lieben Gästen genug.

Sie musten da verweilen · volle neun Tage.
Darob erhoben endlich · die schnellen Ritter Klage,
Daß sie nicht wieder reiten · durften in ihr Land.
Da hatt auch König Siegfried · zu seinen Freunden gesandt:

Er fragte, was sie riethen: · er solle nach dem Rhein.
„Es ließ mich entbieten · Gunther der Schwager mein,
Er und seine Brüder, · zu einer Lustbarkeit:
Ich möcht ihm gerne kommen, · liegt gleich sein Land mir so weit.

„Sie bitten Kriemhilden, · mit mir zu ziehn.
Nun rathet, liebe Freunde, · wie kommen wir dahin?
Und sollt ich Heerfahrten · durch dreißig Herren Land,
Gern dienstbereit erwiese · sich ihnen Siegfriedens Hand.“

Da sprachen seine Recken: · „Steht euch zur Fahrt der Muth
Nach dem Hofgelage, · wir rathen, was ihr thut:
Ihr sollt mit tausend Recken · reiten an den Rhein:
So mögt ihr wohl mit Ehren · bei den Burgunden sein.“

Da sprach von Niederlanden · der König Siegmund:
„Wollt ihr zum Hofgelage, · was thut ihr mirs nicht kund?
Ich will mit euch reiten, · wenn ihrs zufrieden seid;
Hundert Degen führ ich, · damit mehr ich eur Geleit.“

„Wollt ihr mit uns reiten, · lieber Vater mein,“
Sprach der kühne Siegfried, · „des will ich fröhlich sein.
Binnen zwölf Tagen · räum ich unser Land.“
Die sie begleiten sollten, · denen gab man Ross' und Gewand.

Als dem edeln König · zur Reise stand der Muth,
Da ließ man wieder reiten · die schnellen Degen gut.
Seiner Frauen Brüdern · entbot er an den Rhein,
Daß er gerne wolle · bei ihrem Hofgelage sein.

Siegfried und Kriemhild, · so hörten wir sagen,
Beschenkten so die Boten, · es mochten es nicht tragen
Die Pferde nach der Heimat: · er war ein reicher Mann.
Ihre starken Säumer · trieb man zur Reise fröhlich an.

Da schuf dem Volke Kleider · Siegfried und Siegemund.
Eckewart der Markgraf · ließ da gleich zur Stund
Frauenkleider suchen, · die besten, die man fand
Und irgend mocht erwerben · in Siegfriedens ganzem Land.

Die Sättel und die Schilde · man da bereiten ließ.
Den Rittern und den Frauen, · die er sich folgen hieß,
Gab man, was sie wollten; · nichts gebrach daran.
Er brachte seinen Freunden · manchen herrlichen Mann.

Nun wandten sich die Boten · zurück und eilten sehr.
Da kam zu den Burgunden · Gere, der Degen hehr,
Und wurde schön empfangen: · sie schwangen sich zu Thal
Von Rossen und von Mähren · dort vor König Gunthers Saal.

Die Jungen und die Alten · kamen, wie man thut,
Und fragten nach der Märe. · Da sprach der Ritter gut:
„Wenn ichs dem König sage, · wird es auch euch bekannt.“
Er gieng mit den Gesellen · dahin, wo er Gunthern fand.

Der König vor Freude · von dem Seßel sprang;
Daß sie so bald gekommen, · sagt' ihnen Dank
Brunhild die Schöne. · Zu den Boten sprach er da:
„Wie gehabt sich Siegfried, · von dem mir Liebe viel geschah?“

Da sprach der kühne Gere: · „Er ward vor Freuden roth,
Er und eure Schwester. · So holde Mär entbot
Seinen Freunden nimmer · noch zuvor ein Mann,
Als euch der edle Siegfried · und sein Vater hat gethan.“

Da sprach zum Markgrafen · des reichen Königs Weib:
„Nun sagt mir, kommt uns Kriemhild? · Hat noch ihr schöner Leib
Die hohe Zier behalten, · deren sie mochte pflegen?“
Er sprach: „Sie kommen beide; · mit ihnen mancher kühne Degen.“

Ute ließ die Boten · alsbald vor sich gehn.
Da wars an ihrem Fragen · leichtlich zu verstehn,
Was sie zu wißen wünsche: · „War Kriemhild noch wohlauf?“
Er gab Bescheid, sie kam auch · nach kurzer Tage Verlauf.

Da blieb auch nicht verhohlen · am Hof der Botensold,
Den ihnen Siegfried schenkte, · die Kleider und das Gold:
Die ließ man alle schaun · in der drei Fürsten Lehn.
Da musten sie ihm Ehre · wohl für Milde zugestehn.

„Er mag,“ sprach da Hagen, · „mit vollen Händen geben:
Er könnt es nicht verschwenden, · und sollt er ewig leben.
Den Hort der Nibelungen · beschließt des Königs Hand;
Hei! daß er jemals käme · her in der Burgunden Land!“

Da freuten sich die Degen · am Hof im Voraus,
Daß sie kommen sollten. · Beflißen überaus
Sah man spät und frühe · Die in der Könge Lehn.
Welch herrlich Gestühle · ließ man vor der Burg erstehn!

Hunold der kühne · und Sindold der Degen
Hatten wenig Muße: · des Amtes muste pflegen
Truchseß auch und Schenke · und richten manche Bank;
Auch Ortwein war behülflich: · des sagt' ihnen Gunther Dank.

Rumold der Küchenmeister, · wie herrscht' er in der Zeit
Ob seinen Unterthanen, · gar manchem Keßel weit,
Häfen und Pfannen; · hei! was man deren fand!
Denen ward da Kost bereitet, · die da kamen in das Land.

Der Frauen Arbeiten · waren auch nicht klein:
Sie bereiteten die Kleider, · darauf manch edler Stein,
Des Stralen ferne glänzten, · gewirkt war in das Gold;
Wenn sie die anlegten, · ward ihnen Männiglich hold.

13. Dreizehntes Abenteuer.
Wie sie zum Hofgelage fuhren.

All ihr Bemühen · laßen wir nun sein
Und sagen, wie Frau Kriemhild · und ihre Mägdelein
Hin zum Rheine fuhren · von Nibelungenland.
Niemals trugen Rosse · so viel herrlich Gewand.

Viel Saumschreine wurden · versendet auf den Wegen.
Da ritt mit seinen Freunden · Siegfried der Degen
Und die Königstochter · in hoher Freuden Wahn;
Da war es ihnen Allen · zu großem Leide gethan.

Sie ließen in der Heimat · Siegfrieds Kindelein
Und Kriemhildens bleiben; · das muste wohl so sein.
Aus ihrer Hofreise · erwuchs ihm viel Beschwer:
Seinen Vater, seine Mutter · ersah das Kindlein nimmermehr.

Mit ihnen ritt von dannen · Siegmund der König hehr.
Hätt er ahnen können, · wie es ihm nachher
Beim Hofgelag ergienge, · er hätt es nicht gesehn:
Ihm konnt an lieben Freunden · größer Leid nicht geschehn.

Vorausgesandte Boten · verhießen sie bei Zeit.
Entgegen ritten ihnen · in herrlichem Geleit
Von Utens Freunden viele · und König Gunthers Lehn.
Der Wirth ließ großen Eifer · für die lieben Gäste sehn.

Er gieng zu Brunhilden, · wo er sie sitzen fand:
„Wie empfieng euch meine Schwester, da ihr kamet in dieß Land?
So will ich, daß ihr Siegfrieds · Gemahl empfangen sollt.“
„Das thu ich“, sprach sie, „gerne: ich bin ihr billiglich hold.“

Da sprach der mächtige König: · „Sie kommen morgen fruh;
Wollt ihr sie empfangen, · so greift nur bald dazu,
Daß sie uns in der Veste · nicht überraschen hie:
Mir sind so liebe Gäste · nicht oft gekommen wie sie.“

Ihre Mägdelein und Frauen · ließ sie da zur Hand
Gute Kleider suchen, · die besten, die man fand,
Die ihr Ingesinde · vor Gästen mochte tragen.
Das thaten sie doch gerne: · das mag man für Wahrheit sagen.

Sie zu empfangen eilten · auch Die in Gunthers Lehn;
All seine Recken · hieß er mit sich gehn.
Da ritt die Königstochter · hinweg in stolzem Zug.
Die lieben Gäste grüßte · sie alle freudig genug.

Mit wie hohen Ehren · da empfieng man sie!
Sie dauchte, daß Frau Kriemhild · Brunhilden nie
So wohl empfangen habe · in Burgundenland.
Allen, die es sahen, · war hohe Wonne bekannt.

Nun war auch Siegfried kommen · mit seiner Leute Heer.
Da sah man die Helden · sich wenden hin und her
Im Feld allenthalben · mit ungezählten Scharen.
Vor Staub und Drängen konnte · sich da Niemand bewahren.

Als der Wirth des Landes · Siegfrieden sah
Und Siegmund den König, · wie gütlich sprach er da:
„Nun seid mir hochwillkommen · und all den Freunden mein;
Wir wollen hohen Muthes · ob eurer Hofreise sein.“

„Nun lohn euch Gott,“ sprach Siegmund, · der ehrbegierge Mann.
„Seit mein Sohn Siegfried · euch zum Freund gewann,
Rieth mir all mein Sinnen, · wie ich euch möchte sehn.“
Da sprach König Gunther: · „Nun freut mich, daß es geschehn.“

Siegfried ward empfangen, · wie man das wohl gesollt,
Mit viel großen Ehren; · ein Jeder ward ihm hold.
Des half mit Rittersitten · Gernot und Geiselher;
Man bot es lieben Gästen · so gütlich wohl nimmermehr.

Nun konnten sich einander · die Königinnen schaun.
Da sah man Sättel leeren · und viel der schönen Fraun
Von der Helden Händen · gehoben auf das Gras:
Wer gerne Frauen diente, · wie selten der da müßig saß!

Da giengen zu einander · die Frauen minniglich.
Darüber höchlich freuten · viel der Ritter sich,
Daß der Beiden Grüßen · so minniglich ergieng.
Man sah da manchen Recken, · der Frauendienste begieng.

Das herrliche Gesinde · nahm sich bei der Hand;
Züchtiglich sich neigen · man allerorten fand
Und minniglich sich küssen · viel Frauen wohlgethan.
Das sahen gerne Gunthers und · Siegfrieds Mannen mit an.

Sie säumten da nicht länger · und ritten nach der Stadt.
Der Wirth seinen Gästen · zu erweisen hat,
Daß man sie gerne sähe · in der Burgunden Land.
Manches schöne Kampfspiel · man vor den Jungfrauen fand.

Da ließ von Tronje Hagen · und auch Ortewein,
Wie sie gewaltig waren, · wohl offenkundig sein.
Was sie gebieten mochten, · das ward alsbald gethan.
Man sah die lieben Gäste · viel Dienst von ihnen empfahn.

Man hörte Schilde hallen · vor der Veste Thor
Von Stichen und von Stößen. · Lange hielt davor
Der Wirth mit seinen Gästen, · bis alle waren drin,
In mancher Kurzweil giengen · ihnen schnell die Stunden hin.

Vor den weiten Gästesaal · sie nun in Freuden ritten.
Viel kunstvolle Decken, · reich und wohlgeschnitten,
Sah man von den Sätteln · den Frauen wohlgethan
Allenthalben hangen; · da kamen Diener heran.

Zu Gemache wiesen · sie die Gäste da.
Hin und wieder blicken · man Brunhilden sah
Nach Kriemhild der Frauen; · schön war sie genug:
Den Glanz noch vor dem Golde · ihre hehre Farbe trug.

Da vernahm man allenthalben · zu Worms in der Stadt
Den Jubel des Gesindes. · König Gunther bat
Dankwart, seinen Marschall, · es wohl zu verpflegen:
Da ließ er die Gäste · in gute Herbergen legen.

Draußen und darinnen · beköstigte man sie:
So wohl gewartet wurde · fremder Gäste nie.
Was Einer wünschen mochte, · das war ihm gern gewährt:
So reich war der König, · es blieb Keinem was verwehrt.

Man dient' ihnen freundlich · und ohn allen Haß.
Der König zu Tische · mit seinen Gästen saß;
Siegfrieden ließ man sitzen, · wie er sonst gethan.
Mit ihm gieng zu Tische · gar mancher waidliche Mann.

Zwölfhundert Recken · setzten sich dahin
Mit ihm an der Tafel. · Brunhild die Königin
Gedachte, wie ein Dienstmann · nicht reicher möge sein.
Noch war sie ihm günstig, · sie ließ ihn gerne gedeihn.

Es war an einem Abend, · da so der König saß,
Viel reiche Kleider wurden · da vom Weine naß,
Als die Schenken sollten · zu den Tischen gehn:
Da sah man volle Dienste · mit großem Fleiße geschehn.

Wie bei Hofgelagen · Sitte mochte sein,
Ließ man zur Ruh geleiten · Fraun und Mägdelein.
Von wannen wer gekommen, · der Wirth ihm Sorge trug;
In gütlichen Ehren · gab man Allen genug.

Die Nacht war zu Ende, · sich hob des Tages Schein,
Aus den Saumschreinen · mancher Edelstein
Erglänzt' auf gutem Kleide; · das schuf der Frauen Hand.
Aus der Lade suchten sie · manches herrliche Gewand.

Eh es noch völlig tagte, · kamen vor den Saal
Ritter viel und Knechte: · da hob sich wieder Schall
Vor einer Frühmesse, · die man dem König sang.
So ritten junge Helden, · der König sagt' ihnen Dank.

Da klangen die Posaunen · von manchem kräftgen Stoß;
Von Flöten und Drommeten · ward der Schall so groß,
Worms die weite Veste · gab lauten Widerhall.
Auf die Rosse sprangen · die kühnen Helden überall.

Da hob sich in dem Lande · ein hohes Ritterspiel
Von manchem guten Recken: · man fand ihrer viel,
Deren junge Herzen · füllte froher Muth.
Unter Schilden sah man · manchen zieren Ritter gut.

Da ließen in den Fenstern · die herrlichen Fraun
Und viel der schönen Maide · sich im Schmucke schaun.
Sie sahen kurzweilen · manchen kühnen Mann:
Der Wirth mit seinen Freunden · zu reiten selber begann.

So vertrieben sie die Weile, · die dauchte sie nicht lang.
Da lud zu dem Dome · mancher Glocke Klang:
Den Frauen kamen Rosse, · da ritten sie hindann;
Den edeln Königinnen · folgte mancher kühne Mann.

Sie stiegen vor dem Münster · nieder auf das Gras.
Noch hegte zu den Gästen · Brunhild keinen Haß.
Sie giengen unter Krone · in das Münster weit.
Bald schied sich diese Liebe: · das wirkte grimmiger Neid.

Als die Messe war gesungen, · sah man sie weiter ziehn
Unter hohen Ehren. · Sie giengen heiter hin
Zu des Königs Tischen. · Ihre Freude nicht erlag
Bei diesen Lustbarkeiten · bis gegen den eilften Tag.

Die Königin gedachte: · „Ich wills nicht länger tragen.
Wie ich es fügen möge, · Kriemhild muß mir sagen,
Warum uns so lange · den Zins versaß ihr Mann:
Der ist doch unser Eigen: · der Frag ich nicht entrathen kann.“

So harrte sie der Stunde, · bis es der Teufel rieth,
Daß sie das Hofgelage · und die Lust mit Leide schied.
Was ihr lag am Herzen, · zu Lichte must es kommen:
Drum ward in manchen Landen · durch sie viel Jammer vernommen.

14. Vierzehntes Abenteuer.
Wie die Königinnen sich schalten.

Es war vor einer Vesper, · als man den Schall vernahm,
Der von manchem Recken · auf dem Hofe kam:
Sie stellten Ritterspiele · der Kurzweil willen an.
Da eilten es zu schauen · Frauen viel und mancher Mann.

Da saßen beisammen · die Königinnen reich
Und gedachten zweier Recken, · die waren ohne Gleich.
Da sprach die schöne Kriemhild: · „Ich hab einen Mann,
Dem wären diese Reiche · alle billig unterthan.“

Da sprach zu ihr Frau Brunhild: · „Wie könnte das wohl sein?
Wenn Anders Niemand lebte · als du und er allein,
So möchten ihm die Reiche · wohl zu Gebote stehn:
So lange Gunther lebte, · so könnt es nimmer geschehn.“

Da sprach Kriemhild wieder: · „Siehst du, wie er steht,
Wie er da so herrlich · vor allen Recken geht,
Wie der lichte Vollmond · vor den Sternen thut!
Darob mag ich wohl immer · tragen fröhlichen Muth.“

Da sprach wieder Brunhild: · „Wie waidlich sei dein Mann,
Wie schön und wie bieder, · so steht ihm doch voran
Gunther der Recke, · der edle Bruder dein:
muß vor allen Königen, · das wiße du wahrlich, sein.“

Da sprach Kriemhild wieder: · „So werth ist mein Mann,
Daß er ohne Grund nicht · solch Lob von mir gewann.
An gar manchen Dingen · ist seine Ehre groß.
Glaubst du das, Brunhild? · er ist wohl Gunthers Genoß!“

„Das sollst du mir, Kriemhild, · im Argen nicht verstehn;
Es ist auch meine Rede · nicht ohne Grund geschehn.
Ich hört' es Beide sagen, · als ich zuerst sie sah,
Und als des Königs Willen · in meinen Spielen geschah.

„Und da er meine Minne · so ritterlich gewann,
Da sagt' es Siegfried selber, · er sei des Königs Mann:
Drum halt ich ihn für eigen: · ich hört' es ihn gestehn.“
Da sprach die schöne Kriemhild: · „So wär mir übel geschehn.

„Wie hätten so geworben · die edeln Brüder mein,
Daß ich des Eigenmannes · Gemahl sollte sein?
Darum will ich, Brunhild, · gar freundlich dich bitten,
Laß mir zu Lieb die Rede · hinfort mit gütlichen Sitten.“

Die Königin versetzte: · „Sie laßen mag ich nicht:
Wie thät ich auf so manchen · Ritter wohl Verzicht,
Der uns mit dem Degen · zu Dienst ist unterthan?“
Kriemhild die Schöne · hub da sehr zu zürnen an.

„Dem must du wohl entsagen, · daß er in der Welt
Dir irgend Dienste leiste. · Werther ist der Held
Als mein Bruder Gunther, · der Degen unverzagt.
Erlaß mich der Dinge, · die du mir jetzo gesagt.

„Auch muß mich immer wundern, · wenn er dein Dienstmann ist
Und du ob uns Beiden · So gewaltig bist,
Warum er dir so lange · den Zins verseßen hat;
Deines Uebermuthes · wär ich billig nun satt.“

„Du willst dich überheben,“ · sprach da die Königin.
„Wohlan, ich will doch schauen, · ob man dich fürderhin
So hoch in Ehren halte, · als man mich selber thut.“
Die Frauen waren beide · in sehr zornigem Muth.

Da sprach wieder Kriemhild: · „Das wird dir wohl bekannt:
Da du meinen Siegfried · dein eigen hast genannt,
So sollen heut die Degen · der beiden Könge sehen,
Ob ich vor der Königin · wohl zur Kirche dürfe gehn.

„Ich laße dich wohl schauen, · daß ich edel bin und frei,
Und daß mein Mann viel werther · als der deine sei.
Ich will damit auch selber · nicht bescholten sein:
Du sollst noch heute sehen, · wie die Eigenholde dein

„Zu Hof geht vor den Helden · in Burgundenland.
Ich will höher gelten, · als man je gekannt
Eine Königstochter, · die noch die Krone trug.“
Unter den Frauen hob sich · der Haß da grimm genug.

Da sprach Brunhild wieder: · „Willst du nicht eigen sein,
So must du dich scheiden · mit den Frauen dein
Von meinem Ingesinde, · wenn wir zum Münster gehn.“
„In Treuen,“ sprach da Kriemhild, · „also soll es geschehn.“

„Nun kleidet euch, ihr Maide,“ · hub da Kriemhild an:
„Ob ich frei von Schande · hier nicht verbleiben kann,
Laßt es heute schauen, · besitzt ihr reichen Staat;
Sie soll es noch verläugnen, · was ihr Mund gesprochen hat.“

Ihnen war das leicht zu rathen; · sie suchten reich Gewand.
Wie bald man da im Schmucke · viel Fraun und Maide fand!
Da gieng mit dem Gesinde · des edeln Wirths Gemahl;
Zu Wunsch gekleidet ward auch · die schöne Kriemhild zumal

Mit dreiundvierzig Maiden, · die sie zum Rhein gebracht;
Die trugen lichte Zeuge, · in Arabien gemacht.
So kamen zu dem Münster · die Mägdlein wohlgethan.
Ihrer harrten vor dem Hause · Die Siegfrieden unterthan.

Die Leute nahm es Wunder, · warum das geschah,
Daß man die Königinnen · so geschieden sah,
Und daß sie bei einander · nicht giengen so wie eh.
Das gerieth noch manchem Degen · zu Sorgen und großem Weh.

Nun stand vor dem Münster · König Gunthers Weib.
Da fanden viel der Ritter · genehmen Zeitvertreib
Bei den schönen Frauen, · die sie da nahmen wahr.
Da kam die edle Kriemhild · mit mancher herrlichen Schar.

Was Kleider je getragen · eines edeln Ritters Kind,
Gegen ihr Gesinde · war alles nur wie Wind.
Sie war so reich an Gute, · dreißig Königsfraun
Mochten die Pracht nicht zeigen, · die da an ihr war zu schaun.

Was man auch wünschen mochte, · Niemand konnte sagen,
Daß er so reiche Kleider · je gesehen tragen,
Als da zur Stunde trugen · ihre Mägdlein wohlgethan.
Brunhilden wars zu Leide, · sonst hätt es Kriemhild nicht gethan.

Nun kamen sie zusammen · vor dem Münster weit.
Die Hausfrau des Königs · aus ingrimmem Neid
Hieß da Kriemhilden · unwirsch stille stehn:
„Es soll vor Königsweibe · die Eigenholde nicht gehn.“

Da sprach die schöne Kriemhild, · zornig war ihr Muth:
„Hättest du noch geschwiegen, · das wär dir wohl gut.
Du hast geschändet selber · deinen schönen Leib:
Mocht eines Mannes Kebse · je werden Königesweib?“

„Wen willst du hier verkebsen?“ · sprach des Königs Weib.
„Das thu ich dich,“ sprach Kriemhild: · „deinen schönen Leib
Hat Siegfried erst geminnet, · mein geliebter Mann:
Wohl war es nicht mein Bruder, · der dein Magdthum gewann.

„Wo blieben deine Sinne? · Es war doch arge List:
Was ließest du ihn minnen, · wenn er dein Dienstmann ist?
Ich höre dich,“ sprach Kriemhild, · „ohn alle Ursach klagen.“
„In Wahrheit,“ sprach da Brunhild, „das will ich doch Gunthern sagen.“

„Wie mag mich das gefährden? · Dein Uebermuth hat dich betrogen:
Du hast mich mit Reden · in deine Dienste gezogen,
Daß wiße du in Treuen, · es ist mir immer leid:
Zu trauter Freundschaft bin ich · dir nimmer wieder bereit.“

Brunhild begann zu weinen; · Kriemhild es nicht verhieng,
Vor des Königs Weibe · sie in das Münster gieng
Mit ihrem Ingesinde. · Da hub sich großer Haß;
Es wurden lichte Augen · sehr getrübt davon und naß.

Wie man da Gott auch diente · oder Jemand sang,
Brunhilden währte · die Weile viel zu lang.
War allzutrübe · der Sinn und auch der Muth:
Des muste bald entgelten · mancher Degen kühn und gut.

Brunhild mit ihren Frauen · gieng vor das Münster stehn.
Sie gedachte: „Ich muß von Kriemhild · mehr zu hören sehn,
Wes mich so laut hier zeihte · das wortscharfe Weib:
Und wenn er sichs gerühmt hat, gehts ihm an Leben und Leib!“

Nun kam die edle Kriemhild · mit manchem kühnen Mann.
Da begann Frau Brunhild: · „Haltet hier noch an.
Ihr wolltet mich verkebsen: · laßt uns Beweise sehn,
Mir ist von euern Reden, · das wißet, übel geschehn.“

Da sprach die schöne Kriemhild: · „Was laßt ihr mich nicht gehn?
Ich bezeug es mit dem Golde, · an meiner Hand zu sehn.
Das brachte mir Siegfried, · nachdem er bei euch lag.“
Nie erlebte Brunhild · wohl einen leidigen Tag.

Sie sprach: „Dieß Gold das edle, · das ward mir gestohlen
Und blieb mir lange · Jahre übel verhohlen:
Ich komme nun dahinter, · wer mir es hat genommen.“
Die Frauen waren beide · in großen Unmuth gekommen.

Da sprach wieder Kriemhild: · „Ich will nicht sein der Dieb.
Du hättest schweigen sollen, · wär dir Ehre lieb.
Ich bezeug es mit dem Gürtel, · den ich umgethan,
Ich habe nicht gelogen: · wohl wurde Siegfried dein Mann.“

Von Niniveer Seide · sie eine Borte trug
Mit edelm Gesteine, · die war wohl schön genug.
Als Brunhild sie erblickte, · zu weinen hub sie an.
Das muste Gunther wißen · und alle Die ihm unterthan.

Da sprach des Landes Königin: · „Sendet her zu mir
Den König vom Rheine: · hören soll er hier,
Wie sehr seine Schwester · schändet meinen Leib:
Sie sagt vor allen Leuten, · ich sei Siegfriedens Weib.“

Der König kam mit Recken: · als er weinen sah
Brunhild seine Traute, · gütlich sprach er da:
„Von wem, liebe Fraue, · ist euch ein Leid geschehn?“
Sie sprach zu dem König: · „Unfröhlich muß ich hier stehn.

Aller meiner Ehren · hat die Schwester dein
Mich berauben wollen. · Geklagt soll dir sein,
Sie sagt: ich sei die Kebse · von Siegfried ihrem Mann.“
Da sprach König Gunther: · „So hat sie übel gethan.“

„Sie trägt hier meinen Gürtel, · den ich längst verloren,
Und mein Gold das rothe. · Daß ich je ward geboren,
Des muß mich sehr gereuen: · befreist du, Herr, mich nicht
Solcher großen Schande, · ich minne nie wieder dich.“

Da sprach König Gunther: · „So ruft ihn herbei:
Hat er sichs gerühmet, · das gesteh er frei,
Er woll es denn läugnen, · der Held von Niederland.“
Da ward der kühne Siegfried · bald hin zu ihnen gesandt.

Als Siegfried der Degen · die Unmuthvollen sah
Und den Grund nicht wuste, · balde sprach er da:
„Was weinen diese Frauen? · das macht mir bekannt:
Oder wessentwegen · wurde hier nach mir gesandt“

Da sprach König Gunther: · „Groß Herzleid fand ich hier.
Eine Märe sagte · mein Weib Frau Brunhild mir:
Du habest dich gerühmet, · du wärst ihr erster Mann.
So spricht dein Weib Frau Kriemhild: · hast du, Degen, das gethan?“

„Niemals,“ sprach da Siegfried; · „und hat sie das gesagt,
Nicht eher will ich ruhen, · bis sie es beklagt,
Und will davon mich reinigen · vor deinem ganzen Heer
Mit meinen hohen Eiden, · ich sagte Solches nimmermehr.“

Da sprach der Fürst vom Rheine: · „Wohlan, das zeige mir.
Der Eid, den du geboten, · geschieht der allhier,
Aller falschen Dinge · laß ich dich ledig gehn.“
Man ließ in einem Ringe · die stolzen Burgunden stehn.

Da bot der kühne Siegfried · zum Eide hin die Hand.
Da sprach der reiche König: · „Jetzt hab ich wohl erkannt,
Ihr seid hieran unschuldig · und sollt des ledig gehn:
Des euch Kriemhild zeihte, · das ist nicht von euch geschehn.“

Da sprach wieder Siegfried: · „Und kommt es ihr zu Gut,
Daß deinem schönen Weibe · sie so betrübt den Muth,
Das wäre mir wahrlich · aus der Maßen leid.“
Da blickten zu einander · die Ritter kühn und allbereit.

„Man soll so Frauen ziehen,“ · sprach Siegfried der Degen,
„Daß sie üppge Reden · laßen unterwegen;
Verbiet es deinem Weibe, · ich will es meinem thun.
Solchen Uebermuthes · in Wahrheit schäm ich mich nun.“

Viel schöne Frauen wurden · durch Reden schon entzweit.
Da erzeigte Brunhild · solche Traurigkeit,
Daß es erbarmen muste · Die in Gunthers Lehn.
Von Tronje Hagen sah man · zu der Königin gehn.

Er fragte, was ihr wäre, · da er sie weinend fand.
Sie sagt' ihm die Märe. · Er gelobt' ihr gleich zur Hand,
Daß es büßen sollte · der Kriemhilde Mann,
Oder man treff ihn nimmer · unter Fröhlichen an.

Ueber die Rede kamen · Ortwein und Gernot,
Allda die Helden riethen · zu Siegfriedens Tod.
Dazu kam auch Geiselher, · der schönen Ute Kind;
Als er die Rede hörte, · sprach der Getreue geschwind:

„O weh, ihr guten Knechte, · warum thut ihr das?
Siegfried verdiente · ja niemals solchen Haß,
Daß er darum verlieren · Leben sollt und Leib:
Auch sind es viel Dinge, · um die wohl zürnet ein Weib.“

„Sollen wir Gäuche ziehen?“ · sprach Hagen entgegen:
„Das brächte wenig Ehre · solchen guten Degen.
Daß er sich rühmen durfte · der lieben Frauen mein,
Ich will des Todes sterben · oder es muß gerochen sein.“

Da sprach der König selber: · „Er hat uns nichts gethan
Als Liebes und Gutes: · leb er denn fortan.
Was sollt ich dem Recken · hegen solchen Haß?
Er bewies uns immer Treue, · gar williglich that er das.“

Da begann der Degen · von Metz Herr Ortewein:
„Wohl kann ihm nicht mehr helfen · die große Stärke sein.
Will es mein Herr erlauben, · ich thu ihm alles Leid.“
Da waren ihm die Helden · ohne Grund zu schaden bereit.

Dem folgte doch Niemand, · außer daß Hagen
Alle Tage pflegte · zu Gunthern zu sagen:
Wenn Siegfried nicht mehr lebte, · ihm würden unterthan
Manches Königs Lande. · Da hub der Held zu trauern an.

Man ließ es bewenden · und gieng dem Kampfspiel nach.
Hei! was man starker Schäfte · vor dem Münster brach
Vor Siegfriedens Weibe · bis hinan zum Saal!
Mit Unmuth sah es Mancher, · dem König Gunther befahl.

Der König sprach: „Laßt fahren · den mordlichen Zorn.
Er ist uns zu Ehren · und zum Heil geborn;
Auch ist so grimmer Stärke · der wunderkühne Mann,
Wenn ers inne würde, · so dürfte Niemand ihm nahn.“

„Nicht doch,“ sprach da Hagen, · „da dürft ihr ruhig sein:
Wir leiten in der Stille · alles sorglich ein.
Brunhildens Weinen · soll ihm werden leid.
Immer sei ihm Hagen · zu Haß und Schaden bereit.“

Da sprach der König Gunther: · „Wie möcht es geschehn?“
Zur Antwort gab ihm Hagen: · „Das sollt ihr bald verstehn:
Wir laßen Boten reiten · her in dieses Land,
Uns offnen Krieg zu künden, · die hier Niemand sind bekannt.

„Dann sagt ihr vor den Gästen, · ihr wollt mit euerm Lehn
Euch zur Heerfahrt rüsten. · Sieht er das geschehn,
So verspricht er euch zu helfen; · dann gehts ihm an den Leib,
Erfahr ich nur die Märe · von des kühnen Recken Weib.“

Der König folgte leider · seines Dienstmanns Rath.
So huben an zu sinnen · auf Untreu und Verrath,
Eh es wer erkannte, · die Ritter auserkoren:
Durch zweier Frauen Zanken · gieng da mancher Held verloren.

15. Fünfzehntes Abenteuer.
Wie Siegfried verrathen ward.

Man sah am vierten Morgen · zweiunddreißig Mann
Hin zu Hofe reiten: · da ward es kund gethan
Gunther dem reichen, · es droh ihm neuer Streit.
Die Lüge schuf den Frauen · das allergrößeste Leid.

Sie gewannen Urlaub, · an den Hof zu gehn.
Da sagten sie, sie ständen · in Lüdegers Lehn,
Den einst bezwungen hatte · Siegfriedens Hand
Und ihn als Geisel brachte · König Gunthern in das Land.

Die Boten grüßte Gunther · und hieß sie sitzen gehn.
Einer sprach darunter: · „Herr König, laßt uns stehn,
Daß wir die Mären sagen, · die euch entboten sind.
Wohl habt ihr zu Feinden, · das wißt, mancher Mutter Kind.

„Euch wiedersagen Lüdegast · und König Lüdeger:
Denen schuft ihr weiland · grimmige Beschwer;
Nun wollen sie mit Heereskraft · reiten in dieß Land.“
Gunther begann zu zürnen, · als wär es ihm unbekannt.

Man ließ die falschen Boten · zu den Herbergen gehn.
Wie mochte da Siegfried · der Tücke sich versehn,
Er oder anders Jemand, · die man so listig spann?
Doch war es ihnen selber · zu großem Leide gethan.

Der König mit den Freunden · gieng raunend ab und zu:
Hagen von Tronje · ließ ihm keine Ruh,
Noch wollt es Mancher wenden · in des Königs Lehn;
Doch nicht vermocht er Hagen · von seinen Räthen abzustehn.

Eines Tages Siegfried · die Degen raunend fand.
Da begann zu fragen · der Held der Niederland:
„Wie traurig geht der König · und Die ihm unterthan?
Das helf ich immer rächen, · hat ihnen wer ein Leid gethan.“

Da sprach König Gunther: · „Wohl hab ich Herzeleid:
Lüdegast und Lüdeger · drohn mir wieder Streit.
Mit Heerfahrten wollen sie · reiten in mein Land.“
Da sprach der kühne Degen: · „Dem soll Siegfriedens Hand

„Nach allen euern Ehren · mit Kräften widerstehn;
Von mir geschieht den Degen, · was ihnen einst geschehn.
Ihre Burgen leg ich wüste · und dazu ihr Land,
Eh ich ablaße: · des sei mein Haupt euer Pfand.

„Ihr mit euern Mannen · nehmt der Heimat wahr;
Laßt mich zu ihnen reiten · mit meiner Leute Schar.
Daß ich euch gerne diene, · laß ich euch wohl sehn:
Von mir soll euern Feinden, · das wißet, übel geschehn.“

„Nun wohl mir dieser Märe,“ · der König sprach da so,
Als wär er seiner Hülfe · alles Ernstes froh.
Tief neigte sich in Falschheit · der ungetreue Mann.
Da sprach der edle Siegfried: · „Laßt euch keine Sorge nahn.“

Sie schickten mit den Knechten · zu der Fahrt sich an:
Siegfrieden und den Seinen · ward es zum Schein gethan.
Da hieß er sich rüsten · Die von Niederland:
Siegfriedens Recken · suchten ihr Streitgewand.

Da sprach der starke Siegfried: · „Mein Vater Siegmund,
Bleibt ihr hier im Lande: · wir kehren bald gesund,
Will Gott uns Glück verleihen, · wieder an den Rhein.
Ihr sollt bei dem König · unterdessen fröhlich sein.“

Da wollten sie von dannen: · die Fähnlein band man an.
Umher standen Viele, · die Gunthern unterthan
Und hatten nicht erfahren, · wie es damit bewandt.
Groß Heergesinde war es, · das da bei Siegfrieden stand.

Die Panzer und die Helme · man auf die Rosse lud;
Aus dem Lande wollten · viel starke Recken gut.
Da gieng von Tronje Hagen · hin, wo er Kriemhild fand;
Er bat sie um Urlaub: · sie wollten räumen das Land.

„Nun wohl mir,“ sprach Kriemhild, · „daß ich den Mann gewann.“
Der meine lieben Freunde · so wohl beschützen kann,
Wie hier mein Herr Siegfried · an meinen Brüdern thut:
Darum trag ich,“ sprach die Königin, · „immer fröhlichen Muth.

„Lieber Freund Hagen, · nun hoff ich, ihr gedenkt,
Daß ich euch gerne diene; · ich hab euch nie gekränkt.
Das komme mir zu Gute · an meinem lieben Mann:
Laßt es ihn nicht entgelten, · was ich Brunhilden gethan.

„Des hat mich schon gereuet,“ · sprach das edle Weib,
„Auch hat er so zerbleuet · zur Strafe mir den Leib,
Daß ich je beschwerte · mit Reden ihr den Muth,
Er hat es wohl gerochen, · dieser Degen kühn und gut.“

Da sprach er: „Ihr versöhnt euch · wohl nach wenig Tagen.
Kriemhild, liebe Herrin, · nun sollt ihr mir sagen,
Wie ich euch dienen möge · an Siegfried euerm Herrn.
Ich gönn es niemand beßer · und thu es, Königin, gern.“

„Ich wär ohn alle Sorge,“ · sprach da das edle Weib,
„Daß man ihm im Kampfe · Leben nähm und Leib,
Wenn er nicht folgen wollte · seinem Uebermuth;
So wär immer sicher · dieser Degen kühn und gut.“

„Fürchtet ihr, Herrin,“ · Hagen da begann,
„Daß er verwundet werde, · so vertraut mir an,
Wie soll ichs beginnen, · dem zu widerstehn?
Ihn zu schirmen will ich immer · bei ihm reiten und gehn.“

Sie sprach: „Du bist mir Sippe, · so will ich dir es sein:
Ich befehle dir auf Treue · den holden Gatten mein.
Daß du mir behütest · den geliebten Mann.“
Was beßer wär verschwiegen, · vertraute da sie ihm an.

Sie sprach: „Mein Mann ist tapfer, · dazu auch stark genug.
Als er den Linddrachen · an dem Berge schlug,
Da badet' in dem Blute · der Degen allbereit,
Daher ihn keine Waffe · je versehren mocht im Streit.

„Jedoch bin ich in Sorgen, · wenn er im Kampfe steht
Und aus der Helden Hände · mancher Sperwurf geht,
Daß ich da verliere · meinen lieben Mann.
Hei! was ich Sorgen · oft um Siegfried gewann!

„Mein lieber Freund, ich meld es · nun auf Gnade dir,
Daß du deine Treue · bewähren mögst an mir,
Wo man mag verwunden · meinen lieben Mann.
Das sollst du nun vernehmen: · es ist auf Gnade gethan.

„Als von des Drachen Wunden · floß das heiße Blut,
Und sich darinne badete · der kühne Recke gut,
Da fiel ihm auf die Achseln · ein Lindenblatt so breit:
Da kann man ihn verwunden; · das schafft mir Sorgen und Leid.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „So näht auf sein Gewand
Mir ein kleines Zeichen · mit eigener Hand,
Wo ich ihn schirmen müße, · mag ich daran verstehn.“
Sie wähnt' ihn so zu fristen; · auf seinen Tod wars abgesehn.

Sie sprach: „Mit feiner Seide · näh ich auf sein Gewand
Insgeheim ein Kreuzchen: · da soll, Held, deine Hand
Mir den Mann behüten, · wenns ins Gedränge geht,
Und er vor seinen Feinden · in den starken Stürmen steht.“

„Das thu ich,“ sprach da Hagen, · „viel liebe Herrin mein.“
Wohl wähnte da die Gute, · sein Frommen sollt es sein:
Da war hiemit verrathen · der Kriemhilde Mann.
Urtaub nahm da Hagen: · da gieng er fröhlich hindann.

Was er erfahren hatte, · bat ihn sein Herr zu sagen.
„Mögt ihr die Reise wenden, · so laßt uns reiten jagen.
Ich weiß nun wohl die Kunde, · wie ich ihn tödten soll.
Wollt ihr die Jagd bestellen?“ · „Das thu ich,“ sprach der König, „wohl.“

Der Dienstmann des Königs · war froh und wohlgemuth.
Gewiss, daß solche Bosheit · kein Recke wieder thut
Bis zum jüngsten Tage, · als da von ihm geschah,
Da sich seiner Treue · die schöne Königin versah.

Früh des andern Morgens · mit wohl tausend Mann
Ritt Siegfried der Degen · mit frohem Muth hindann:
Er wähnt', er solle rächen · seiner Freunde Leid.
So nah ritt ihm Hagen, · daß er beschaute sein Kleid.

Als er ersah das Zeichen, · da schickt' er ungesehn,
Andre Mär zu bringen, · zwei aus seinem Lehn:
In Frieden sollte bleiben · König Gunthers Land;
Es habe sie Herr Lüdeger · zu dem König gesandt.

Wie ungerne Siegfried · abließ vom Streit,
Eh er gerochen hatte · seiner Freunde Leid!
Kaum hielten ihn zurücke · Die Gunthern unterthan.
Da ritt er zu dem König, · der ihm zu danken begann:

„Nun lohn euch Gott, Freund Siegfried, · den willigen Sinn,
Daß ihr so gerne thatet, · was mir vonnöthen schien:
Das will ich euch vergelten, · wie ich billig soll.
Vor allen meinen Freunden · vertrau ich euch immer wohl.

„Da wir uns der Heerfahrt · so entledigt sehn,
So laßt uns nun Bären · und Schweine jagen gehn
Nach dem Odenwalde, · wie ich oft gethan.“
Gerathen hatte Hagen das, · dieser ungetreue Mann.

„Allen meinen Gästen · soll man das nun sagen,
Ich denke früh zu reiten: · die mit mir wollen jagen,
Die laßt sich fertig halten; · die aber hier bestehn,
Kurzweilen mit den Frauen: · so sei mir Liebes geschehn.“

Mit herrlichen Sitten · sprach da Siegfried:
„Wenn ihr jagen reitet, · da will ich gerne mit.
So sollt ihr mir leihen · einen Jägersmann
Mit etlichen Bracken: · So reit ich mit euch in den Tann.“

„Wollt ihr nur Einen?“ · frug Gunther zuhand;
„Ich leih euch, wollt ihr, viere, · denen wohl bekannt
Der Wald ist und die Steige, · wo viel Wildes ist,
Daß ihr des Wegs unkundig · nicht ledig wieder heimwärts müßt.“

Da ritt zu seinem Weibe · der Degen unverzagt.
Derweil hatte Hagen · dem König gesagt,
Wie er verderben wolle · den herrlichen Degen.
So großer Untreue · sollt ein Mann nimmer pflegen.

Als die Ungetreuen · beschloßen seinen Tod,
Da wusten sie es Alle. · Geiselher und Gernot
Wollten nicht mit jagen. · Weiß nicht, aus welchem Groll
Sie ihn nicht verwarnten; · doch des entgalten sie voll.

16. Sechzehntes Abenteuer.
Wie Siegfried erschlagen ward.

Gunther und Hagen, · die Recken wohlgethan
Gelobten mit Untreuen · ein Birschen in den Tann.
Mit ihren scharfen Spießen · wollten sie jagen Schwein'
Und Bären und Wisende: · was mochte Kühneres sein?

Da ritt auch mit ihnen · Siegfried mit stolzem Sinn.
Man bracht ihnen Speise · aller Art dahin.
An einem kühlen Brunnen · ließ er da das Leben:
Den Rath hatte Brunhild, · König Gunthers Weib, gegeben.

Da gieng der kühne Degen · hin, wo er Kriemhild fand.
Schon war aufgeladen · das edle Birschgewand
Ihm und den Gefährten: · sie wollten über Rhein.
Da konnte Kriemhilden · nicht leider zu Muthe sein.

Seine liebe Traute · küsst' er auf den Mund:
„Gott laße mich dich, Liebe, · noch wiedersehn gesund
Und deine Augen mich auch; · mit holden Freunden dein
Kürze dir die Stunden: · ich kann nun nicht bei dir sein.“

Da gedachte sie der Märe, · sie durft es ihm nicht sagen,
Nach der sie Hagen fragte: · da begann zu klagen
Die edle Königstochter, · daß ihr das Leben ward:
Ohne Maßen weinte · die wunderschöne Fraue zart.

Sie sprach zu dem Recken: · „Laßt euer Jagen sein:
Mir träumte heunt von Leide, · wie euch zwei wilde Schwein
Ueber die Haide jagten: · da wurden Blumen roth.
Daß ich so bitter weine, · das thut mir armem Weibe Noth.

„Wohl muß ich fürchten · Etlicher Verrath,
Wenn man den und jenen · vielleicht beleidigt hat,
Die uns verfolgen könnten · mit feindlichem Haß.
Bleibt hier, lieber Herre, · mit Treuen rath ich euch das.“

Er sprach: „Liebe Traute, · ich kehr in kurzer Zeit;
Ich weiß nicht, daß hier Jemand · mir Haß trüg oder Neid.
Alle deine Freunde · sind insgemein mir hold;
Auch verdient' ich von den Degen · wohl nicht anderlei Sold.“

„Ach nein, lieber Siegfried: · wohl fürcht ich deinen Fall.
Mir träumte heunt von Leide, · wie über dir zu Thal
Fielen zwei Berge, · daß ich dich nie mehr sah:
Und willst du von mir scheiden, · das geht mir inniglich nah.“

Er umfieng mit Armen · das zuchtreiche Weib,
Mit holden Küssen herzt' er · ihr den schönen Leib.
Da nahm er Urlaub · und schied in kurzer Stund:
Sie ersah ihn leider · darnach nicht wieder gesund.

Da ritten sie von dannen · in einen tiefen Tann
Der Kurzweile willen; · manch kühner Rittersmann
Ritt mit dem König; · hinaus gesendet ward
Auch viel der edeln Speise, · die sie brauchten zu der Fahrt.

Manch Saumross zog beladen · vor ihnen überrhein,
Das den Jagdgesellen · das Brot trug und den Wein,
Das Fleisch mit den Fischen · und Vorrath aller Art,
Wie sie ein reicher König · wohl haben mag auf der Fahrt.

Da ließ man herbergen · bei dem Walde grün
Vor des Wildes Wechsel · die stolzen Jäger kühn,
Wo sie da jagen wollten, · auf breitem Angergrund.
Auch Siegfried war gekommen: · das ward dem Könige kund.

Von den Jagdgesellen · ward umhergestellt
Die Wart an allen Enden: · da sprach der kühne Held,
Siegfried der starke: · „Wer soll uns in den Wald
Nach dem Wilde weisen, · ihr Degen kühn und wohlgestalt?“

„Wollen wir uns scheiden,“ · hub da Hagen an,
„Eh wir beginnen · zu jagen hier im Tann:
So mögen wir erkennen, · ich und der Herre mein,
Wer die besten Jäger · bei dieser Waldreise sei'n.

„Leute so wie Hunde, · wir theilen uns darein:
Dann fährt, wohin ihm lüstet, · Jeglicher allein“
Und wer das Beste jagte, · dem sagen wir den Dank.“
Da weilten die Jäger · bei einander nicht mehr lang.

Da sprach der edle Siegfried: · „Der Hunde hab ich Rath
Bis auf einen Bracken, · der so genoßen hat,
Daß er die Fährte spüre · der Thiere durch den Tann.
Wir kommen wohl zum Jagen!“ · sprach der Kriemhilde Mann.

Da nahm ein alter Jäger · einen Spürhund hinter sich
Und brachte den Herren, · eh lange Zeit verstrich,
Wo sie viel Wildes fanden: · was des erstöbert ward,
Das erjagten die Gesellen, · wie heut noch guter Jäger Art.

Was da der Brack ersprengte, · das schlug mit seiner Hand
Siegfried der kühne, · der Held von Niederland.
Sein Ross lief so geschwinde, · daß ihm nicht viel entrann:
Das Lob er bei dem Jagen · vor ihnen allen gewann.

Er war in allen Dingen · mannhaft genug.
Das erste der Thiere, · die er zu Tode schlug,
War ein starker Büffel, · den traf des Helden Hand:
Nicht lang darauf der Degen · einen grimmen Leuen fand.

Als den der Hund ersprengte, · schoß er ihn mit dem Bogen
Und dem scharfen Pfeile, · den er darauf gezogen;
Der Leu lief nach dem Schuße · nur dreier Sprünge lang.
Seine Jagdgesellen, · die sagten Siegfrieden Dank.

Einen Wisend schlug er wieder · darnach und einen Elk,
Vier starker Auer nieder · und einen grimmen Schelk,
So schnell trug ihn die Mähre, · daß ihm nichts entsprang:
Hinden und Hirsche · wurden viele sein Fang.

Einen großen Eber · trieb der Spürhund auf.
Als der flüchtig wurde, · da kam in schnellem Lauf
Alles Jagens Meister · und nahm zum Ziel ihn gleich.
Anlief das Schwein im Zorne · diesen Helden tugendreich.

Da schlug es mit dem Schwerte · der Kriemhilde Mann:
Das hätt ein andrer Jäger · nicht so leicht gethan.
Als er nun gefällt lag, · fieng man den Spürhund.
Seine reiche Beute wurde · den Burgunden allen kund.

Da sprachen seine Jäger: · „Kann es füglich sein,
So laßt uns, Herr Siegfried, · des Wilds ein Theil gedeihn:
Ihr wollt uns heute leeren · den Berg und auch den Tann.“
Darob begann zu lächeln · der Degen kühn und wohlgethan.

Da vernahm man allenthalben · Lärmen und Getos.
Von Leuten und von Hunden · ward der Schall so groß,
Man hörte widerhallen · den Berg und auch den Tann.
Vierundzwanzig Meuten · hatten die Jäger losgethan.

Da wurde viel des Wildes · vom grimmen Tod ereilt.
Sie wähnten es zu fügen, · daß ihnen zugetheilt
Der Preis des Jagens würde: · das konnte nicht geschehn,
Als bei der Feuerstätte · der starke Siegfried ward gesehn.

Die Jagd war zu Ende, · doch nicht so ganz und gar,
Zu der Feuerstelle · brachte der Jäger Schar
Häute mancher Thiere · und des Wilds genug.
Hei! was des zur Küche · des Königs Ingesinde trug!

Da ließ der König künden · den Jägern wohlgeborn,
Daß er zum Imbiß wolle; · da wurde laut ins Horn
Einmal gestoßen: · so machten sie bekannt,
Daß man den edeln Fürsten · nun bei den Herbergen fand.

Da sprach ein Jäger Siegfrieds: · „Mit eines Hornes Schall
Ward uns kund gegeben, · Herr, daß wir nun all
Zur Herberge sollen: · erwiedre ichs, das behagt.“
Da ward nach den Gesellen · mit Blasen lange gefragt.

Da sprach der edle Siegfried: · „Nun räumen wir den Wald.“
Sein Ross trug ihn eben; · die Andern folgten bald.
Sie ersprengten mit dem Schalle · ein Waldthier fürchterlich,
Einen wilden Bären; · da sprach der Degen hinter sich:

„Ich schaff uns Jagdgesellen · eine Kurzweil.
Da seh ich einen Bären: · den Bracken löst vom Seil.
Zu den Herbergen · soll mit uns der Bär:
Er kann uns nicht entrinnen, · und flöh er auch noch so sehr.“

Da lös'ten sie den Bracken: · der Bär sprang hindann.
Da wollt ihn erreiten · der Kriemhilde Mann.
Er kam in eine Bergschlucht: · da konnt er ihm nicht bei:
Das starke Thier wähnte · von den Jägern schon sich frei.

Da sprang von seinem Rosse · der stolze Ritter gut
Und begann ihm nachzulaufen. · Das Thier war ohne Hut,
ES konnt ihm nicht entrinnen: · er fieng es allzuhand;
Ohn es zu verwunden, · der Degen eilig es band.

Kratzen oder beißen · konnt es nicht den Mann.
Er band es an den Sattel; · auf saß der Schnelle dann
Und bracht es an die Feuerstatt · in seinem hohen Muth
Zu einer Kurzweile, · dieser Degen kühn und gut.

Er ritt zur Herberge · in welcher Herrlichkeit!
Sein Sper war gewaltig, · stark dazu und breit;
Eine schmucke Waffe hieng ihm · herab bis auf den Sporn;
Von rothem Golde führte · der Held ein herrliches Horn.

Von beßerm Birschgewande · hört ich niemals sagen.
Einen Rock von schwarzem Zeuge · sah man ihn tragen
Und einen Hut von Zobel, · der reich war genug.
Hei! was edler Borten · an seinem Köcher er trug!

Ein Vlies von einem Panther · war darauf gezogen
Des Wohlgeruches wegen. · Auch trug er einen Bogen:
Mit einer Winde · must ihn ziehen an,
Wer ihn spannen wollte, · er hätt es selbst denn gethan.

Von fremden Tierhäuten · war all sein Gewand,
Das man von Kopf zu Füßen · bunt überhangen fand.
Aus dem lichten Rauchwerk · zu beiden Seiten hold
An dem kühnen Jägermeister · schien manche Flitter von Gold.

Auch führt' er Balmungen, · das breite schmucke Schwert:
Das war solcher Schärfe, · nichts blieb unversehrt,
Wenn man es schlug auf Helme: · seine Schneiden waren gut.
Der herrliche Jäger · trug gar hoch seinen Muth.

Wenn ich euch der Märe · ganz bescheiden soll,
So war sein edler Köcher · guter Pfeile voll,
Mit goldenen Röhren, · die Eisen händebreit.
Was er traf mit Schießen, · dem war das Ende nicht weit.

Da ritt der edle Ritter · stattlich aus dem Tann.
Gunthers Leute sahen, · wie er ritt heran.
Sie liefen ihm entgegen · und hielten ihm das Ross:
Da trug er an dem Sattel · einen Bären stark und groß.

Als er vom Ross gestiegen, · löst' er ihm das Band
Vom Mund und von den Füßen: · die Hunde gleich zur Hand
Begannen laut zu heulen, · als sie den Bären sahn.
Das Thier zu Walde wollte: · das erschreckte manchen Mann.

Der Bär durch die Küche · von dem Lärm gerieth:
Hei! was er Küchenknechte · da vom Feuer schied!
Gestürzt ward mancher Keßel, · verschleudert mancher Brand;
Hei! was man guter Speisen · in der Asche liegen fand!

Da sprang von den Sitzen · Herr und Knecht zumal.
Der Bär begann zu zürnen; · der König gleich befahl
Der Hunde Schar zu lösen, · die an den Seilen lag;
Und war es Wohl geendet, · sie hätten fröhlichen Tag.

Mit Bogen und mit Spießen, · man säumte sich nicht mehr,
Liefen hin die Schnellen, · wo da gieng der Bär;
Doch wollte Niemand schießen, · von Hunden wars zu voll.
So laut war das Getöse, · daß rings der Bergwald erscholl.

Der Bär begann zu fliehen · vor der Hunde Zahl;
Ihm konnte Niemand folgen · als Kriemhilds Gemahl.
Er erlief ihn mit dem Schwerte, · zu Tod er ihn da schlug.
Wieder zu dem Feuer · das Gesind den Bären trug.

Da sprachen, die es sahen, · er wär ein starker Mann.
Die stolzen Jagdgesellen · rief man zu Tisch heran.
Auf schönem Anger saßen · der Helden da genug.
Hei! was man Ritterspeise · vor die stolzen Jäger trug!

Die Schenken waren säumig, · sie brachten nicht den Wein;
So gut bewirthet mochten · sonst Helden nimmer sein.
Wären manche drunter · nicht so falsch dabei,
So wären wohl die Degen · aller Schanden los und frei.

Des wurde da nicht inne · der verrathne kühne Mann,
Daß man solche Tücke · wider sein Leben spann.
Er war in höfschen Züchten · alles Truges bar;
Seines Todes must entgelten, · dem es nie ein Frommen war.

Da sprach der edle Siegfried: · „Mich verwundert sehr,
Man trägt uns aus der Küche · doch so viel daher,
Was bringen uns die Schenken · nicht dazu den Wein?
Pflegt man so der Jäger, · will ich nicht Jagdgeselle sein.

„Ich möcht es doch verdienen, · bedächte man mich gut.“
Von seinem Tisch der König · sprach mit falschem Muth:
„Wir büßen euch ein andermal, · was heut uns muß entgehn;
Die Schuld liegt an Hagen, · der will uns verdursten sehn.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Lieber Herre mein,
Ich wähnte, das Birschen · sollte heute sein
Fern im Spechtsharte: · den Wein hin sandt ich dort.
Heute giebt es nichts zu trinken, · doch vermeid ich es hinfort.“

Da sprach der edle Siegfried: · „Dem weiß ich wenig Dank:
Man sollte sieben Lasten · mit Meth und Lautertrank
Mir hergesendet haben; · konnte das nicht sein,
So sollte man uns näher · gesiedelt haben dem Rhein.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Ihr edeln Ritter schnell,
Ich weiß hier in der Nähe · einen kühlen Quell:
Daß ihr mir nicht zürnet, · da rath, ich hinzugehn.“
Der Rath war manchem Degen · zu großem Leide geschehn.

Siegfried den Recken · zwang des Durstes Noth;
Den Tisch hinwegzurücken · der Held alsbald gebot:
Er wollte vor die Berge · zu dem Brunnen gehn.
Da war der Rath aus Arglist · von den Degen geschehn.

Man hieß das Wild auf Wagen · führen in das Land,
Das da verhauen hatte · Siegfriedens Hand.
Wer es auch sehen mochte, · sprach großen Ruhm ihm nach.
Hagen seine Treue · sehr an Siegfrieden brach.

Als sie von dannen wollten · zu der Linde breit,
Da sprach von Tronje Hagen: · „Ich hörte jederzeit,
Es könne Niemand folgen · Kriemhilds Gemahl,
Wenn er rennen wolle; · hei! schauten wir das einmal!“

Da sprach von Niederlanden · der Degen kühn und gut:
„Das mögt ihr wohl versuchen: · wenn ihr mit mir thut
Einen Wettlauf nach dem Brunnen? · Soll das geschehn,
So habe der gewonnen, · den wir den vordersten sehn.“

„Wohl, laßt es uns versuchen,“ · sprach Hagen der Degen.
Da sprach der starke Siegfried: · „So will ich mich legen,
Verlier ich, euch zu Füßen · nieder in das Gras.“
Als er das erhörte, · wie lieb war König Gunthern das!

Da sprach der kühne Degen: · „Noch mehr will ich euch sagen:
Gewand und Gewaffen · will ich bei mir tragen,
Den Wurfspieß samt dem Schilde · und all mein Birschgewand.“
Das Schwert und den Köcher · um die Glieder schnell er band.

Die Kleider vom Leibe · zogen die Andern da:
In zwei weißen Hemden · man beide stehen sah.
Wie zwei wilde Panther · liefen sie durch den Klee;
Man sah bei dem Brunnen · den schnellen Siegfried doch eh.

Den Preis in allen Dingen · vor Manchem man ihm gab.
Da löst' er schnell die Waffe, · den Köcher legt' er ab,
Den starken Spieß lehnt' er · an den Lindenast.
Bei des Brunnens Fluße · stand der herrliche Gast.

Die höfsche Zucht erwies da · Siegfried daran;
Den Schild legt' er nieder, · wo der Brunnen rann;
Wie sehr ihn auch dürstete, · der Held nicht eher trank
Bis der König getrunken; · dafür gewann er übeln Dank.

Der Brunnen war lauter, · kühl und auch gut;
Da neigte sich Gunther · hernieder zu der Flut.
Als er getrunken hatte, · erhob er sich hindann:
Also hätt auch gerne · der kühne Siegfried gethan.

Da entgalt er seiner höfschen Zucht; · den Bogen und das Schwert
Trug beiseite Hagen · von dem Degen werth.
Dann sprang er zurücke, · wo er den Wurfspieß fand,
Und sah nach einem Zeichen · an des Kühnen Gewand.

Als der edle Siegfried · aus dem Brunnen trank,
Er schoß ihn durch das Kreuze, · daß aus der Wunde sprang
Das Blut von seinem Herzen · an Hagens Gewand.
Kein Held begeht wohl wieder · solche Unthat nach der Hand.

Den Gerschaft im Herzen · ließ er ihm stecken tief.
Wie im Fliehen Hagen · da so grimmig lief,
So lief er wohl auf Erden · nie vor einem Mann!
Als da Siegfried Kunde · der schweren Wunde gewann,

Der Degen mit Toben · von dem Brunnen sprang;
Ihm ragte von der Achsel · eine Gerstange lang.
Nun wähnt' er da zu finden · Bogen oder Schwert,
Gewiß, so hätt er Hagnen · den verdienten Lohn gewährt.

Als der Todwunde · da sein Schwert nicht fand,
Da blieb ihm nichts weiter · als der Schildesrand.
Den rafft' er von dem Brunnen · und rannte Hagen an:
Da konnt ihm nicht entrinnen · König Gunthers Unterthan.

Wie wund er war zum Tode, · so kräftig doch er schlug,
Daß von dem Schilde nieder · wirbelte genug
Des edeln Gesteines; · der Schild zerbrach auch fast:
So gern gerochen hätte · sich der herrliche Gast.

Da muste Hagen fallen · von seiner Hand zu Thal;
Der Anger von den Schlägen · erscholl im Wiederhall.
Hätt er sein Schwert in Händen, · so wär er Hagens Tod.
Sehr zürnte der Wunde, · es zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen; · er konnte nicht mehr stehn.
Seines Leibes Stärke · muste ganz zergehn,
Da er des Todes Zeichen · in lichter Farbe trug.
Er ward hernach betrauert · von schönen Frauen genug.

Da fiel in die Blumen · der Kriemhilde Mann.
Das Blut von seiner Wunde · stromweis nieder rann.
Da begann er die zu schelten, · ihn zwang die große Noth
Die da gerathen hatten · mit Untreue seinen Tod.

Da sprach der Todwunde: · „Weh, ihr bösen Zagen,
Was helfen meine Dienste, · da ihr mich habt erschlagen?
Ich war euch stäts gewogen · und sterbe nun daran.
Ihr habt an euern Freunden · leider übel gethan.

„Die sind davon bescholten, · so viele noch geborn
Werden nach diesem Tage: · ihr habt euern Zorn
Allzusehr gerochen · an dem Leben mein.
Mit Schanden geschieden · sollt ihr von guten Recken sein.“

Hinliefen all die Ritter, · wo er erschlagen lag.
Es war ihrer Vielen · ein freudeloser Tag.
Wer Treue kannt und Ehre, · der hat ihn beklagt:
Das verdient' auch wohl um Alle · dieser Degen unverzagt.

Der König der Burgunden · klagt' auch seinen Tod.
Da sprach der Todwunde: · „Das thut nimmer Noth,
Daß der um Schaden weine, · von dem man ihn gewann:
Er verdient groß Schelten, · er hätt es beßer nicht gethan.“

Da sprach der grimme Hagen: · „Ich weiß nicht, was euch reut:
Nun hat doch gar ein Ende, · was uns je gedräut.
Es gibt nun nicht manchen, · der uns darf bestehn;
Wohl mir, daß seiner Herrschaft · durch mich ein End ist geschehn.“

„Ihr mögt euch leichtlich rühmen,“ · sprach Der von Niederland.
„Hätt ich die mörderische · Weis an euch erkannt,
Vor euch behütet hätt ich · Leben wohl und Leib.
Mich dauert nichts auf Erden · als Frau Kriemhild mein Weib.

„Nun mög es Gott erbarmen, · daß ich gewann den Sohn,
Der jetzt auf alle Zeiten · den Vorwurf hat davon,
Daß seine Freunde Jemand · meuchlerisch erschlagen:
Hätt ich Zeit und Weile, · das müst ich billig beklagen.

„Wohl nimmer hat begangen · so großen Mord ein Mann,“
Sprach er zu dem König, · „als ihr an mir gethan.
Ich erhielt euch unbescholten · in großer Angst und Noth;
Ihr habt mir schlimm vergolten, · daß ich so wohl es euch bot.“

Da sprach im Jammer weiter · der todwunde Held:
„Wollt ihr, edler König, · noch auf dieser Welt
An Jemand Treue pflegen, · so laßt befohlen sein
Doch auf eure Gnade · euch die liebe Traute mein.

„Es komm ihr zu Gute, · daß sie eure Schwester ist:
Sei aller Fürsten Tugend · helft ihr zu jeder Frist.
Mein mögen lange harren · mein Vater und mein Lehn:
Nie ist an liebem Freunde · einem Weibe so leid geschehn.“

Er krümmte sich in Schmerzen, · wie ihm die Noth gebot,
Und sprach aus jammerndem Herzen: · „Mein mordlicher Tod
Mag euch noch gereuen · in der Zukunft Tagen:
Glaubt mir in rechten Treuen, · daß ihr euch selber habt erschlagen.

Die Blumen allenthalben · waren vom Blute naß.
Da rang er mit dem Tode, · nicht lange that er das,
Denn des Todes Waffe · schnitt ihn allzusehr.
Da konnte nicht mehr reden · dieser Degen kühn und hehr.

Als die Herren sahen · den edlen Helden todt,
Sie legten ihn auf einen Schild, · der war von Golde roth.
Da giengen sie zu Rathe, · wie sie es stellten an,
Daß es verhohlen bliebe, · Hagen hab es gethan.

Da sprachen ihrer Viele: · „Ein Unfall ist geschehn;
Ihr sollt es alle hehlen · und Einer Rede stehn:
Als er allein ritt jagen, · der Kriemhilde Mann,
Erschlugen ihn Schächer, · als er fuhr durch den Tann.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Ich bring ihn in das Land.
Mich soll es nicht kümmern, · wird es ihr auch bekannt,
Die so betrüben konnte · der Königin hohen Muth;
Ich werde wenig fragen, · wie sie nun weinet und thut.“

Von denselben Brunnen, · wo Siegfried ward erschlagen,
Sollt ihr die rechte Wahrheit · von mir hören sagen.
Vor dem Odenwalde · ein Dorf liegt Odenheim.
Da fließt noch der Brunnen, · kein Zweifel kann daran sein.

17. Siebzehntes Abenteuer.
Wie Siegfried beklagt und begraben ward.

Da harrten sie des Abends · und fuhren über Rhein;
Es mochte nie von Helden · ein schlimmer Jagen sein.
Ihr Beutewild beweinte · noch manches edle Weib:
Sein muste bald entgelten · viel guter Weigande Leib.

Von großem Uebermuthe · mögt ihr nun hören sagen
Und schrecklicher Rache. · Bringen ließ Hagen
Den erschlagen Siegfried · von Nibelungenland
Vor eine Kemenate, · darin sich Kriemhild befand.

Er ließ ihn ihr verstohlen · legen vor die Thür,
Daß sie ihn finden müße, · wenn morgen sie herfür
Zu der Mette gienge · frühe vor dem Tag,
Deren Frau Kriemhild · wohl selten eine verlag.

Da hörte man wie immer · zum Münster das Geläut:
Kriemhild die schöne · weckte manche Maid.
Ein Licht ließ sie sich bringen, · dazu auch ihr Gewand;
Da kam der Kämmrer Einer · hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sah ihn roth von Blute, · all sein Gewand war naß:
Daß sein Herr es wäre, · mit Nichten wust er das.
Da trug er in die Kammer · das Licht in seiner Hand,
Bei dem da Frau Kriemhild · viel leide Märe befand.

Als sie mit den Frauen · zum Münster wollte gehn,
„Frau,“ sprach der Kämmerer, · „wollt noch stille stehn:
Es liegt vor dem Gemache · ein Ritter todtgeschlagen.“
„O weh,“ sprach da Kriemhild, · „was willst du solche Botschaft sagen?“

Eh sie noch selbst gesehen, · es sei ihr lieber Mann,
An die Frage Hagens · hub sie zu denken an,
Wie er ihn schützen möchte: · da ahnte sie ihr Leid.
Mit seinem Tod entsagte · sie nun aller Fröhlichkeit.

Da sank sie zur Erden, · kein Wort mehr sprach sie da;
Die schöne Freudenlose · man da liegen sah.
Kriemhildens Jammer · wurde groß und voll;
Sie schrie nach der Ohnmacht, · daß all die Kammer erscholl.

Da sprach ihr Gesinde: · „Es kann ein Fremder sein.“
Das Blut ihr aus dem Munde · brach vor Herzenspein.
„Nein, es ist Siegfried, · mein geliebter Mann:
Brunhild hats gerathen · und Hagen hat es gethan.“

Sie ließ sich hingeleiten, · wo sie den Helden fand;
Sein schönes Haupt erhob sie · mit ihrer weißen Hand.
So roth er war von Blute, · sie hat ihn gleich erkannt:
Da lag zu großem Jammer · der Held von Nibelungenland.

Da rief in Jammerlauten · die Königin mild:
„O weh mir dieses Leides! · Nun ist dir doch dein Schild
Mit Schwertern nicht verhauen! · dich fällte Meuchelmord.
Und wüst ich, wer der Thäter wär, ich wollt es rächen immerfort.“

All ihr Ingesinde · klagte laut und schrie
Mit seiner lieben Frauen; · heftig schmerzte sie
Ihr edler Herr und König, · den sie da sahn verlorn.
Gar übel hatte Hagen · gerochen Brunhildens Zorn.

Da sprach die Jammerhafte: · „Nun soll Einer gehn
Und mir in Eile wecken · Die in Siegfrieds Lehn
Und soll auch Siegmunden · meinen Jammer sagen,
Ob er mir helfen wolle · den kühnen Siegfried beklagen.“

Da lief dahin ein Bote, · wo er sie liegen fand,
Siegfriedens Helden · von Nibelungenland.
Mit den leiden Mären · die Freud er ihnen nahm;
Sie wollten es nicht glauben, · bis man das Weinen vernahm.

Auch kam dahin der Bote, · wo der König lag.
Siegmund der Herre · keines Schlafes pflag,
Als ob das Herz ihm sagte, · was ihm wär geschehn,
Er sollte seinen lieben Sohn · lebend nimmer wiedersehn.

„Wacht auf, König Siegmund, · mich hieß nach euch gehn
Kriemhild, meine Herrin; · der ist ein Leid geschehn,
Das ihr vor allem Leide · wohl das Herz versehrt;
Das sollt ihr klagen helfen, · da es auch euch widerfährt.“

Auf richtete sich Siegmund · und sprach: „Was beklagt
Denn die schöne Kriemhild, · wie du mir hast gesagt?“
Der Bote sprach mit Weinen: · „Sie hat wohl Grund zu klagen
Es liegt von Niederlanden · der kühne Siegfried erschlagen.“

Da sprach König Siegmund: · „Laßt das Scherzen sein
Mit so böser Märe · von dem Sohne mein
Und sagt es Niemand wieder, · daß er sei erschlagen,
Denn ich könnt ihn nie genug · bis an mein Ende beklagen.“

„Und wollt ihr nicht glauben, · was ihr mich höret sagen,
So vernehmet selber · Kriemhilden klagen
Und all ihr Ingesinde · um Siegfriedens Tod.“
Wie erschrak da Siegmund: · es schuf ihm wahrhafte Noth.

Mit hundert seiner Mannen · er von dem Bette sprang.
Sie zuckten zu den Händen · die scharfen Waffen lang
Und liefen zu dem Wehruf · jammersvoll heran.
Da kamen tausend Recken, · dem kühnen Siegfried unterthan.

Als sie so jämmerlich · die Frauen hörten klagen,
Da kam Vielen erst in Sinn, · sie müsten Kleider tragen.
Wohl mochten sie vor Schmerzen · des Sinnes Macht nicht haben:
Es lag in ihrem Herzen · große Schwere begraben.

Da kam der König Siegmund · hin, wo er Kriemhild fand.
Er sprach: „O weh der Reise · hierher in dieses Land!
Wer hat euch euern Gatten, · wer hat mir mein Kind
So mordlich entrißen, · da wir bei guten Freunden sind?“

„Ja, kennt ich Den,“ · versetzte die edle Königin,
„Hold würd ihm nimmer · mein Herz noch mein Sinn:
Ich rieth' ihm so zum Leide, · daß all die Freunde sein
Mit Jammer weinen müsten, · glaubt mir, von wegen mein.“

Siegmund mit Armen · den Fürsten umschloß;
Da ward von seinen Freunden · der Jammer also groß,
Daß von dem lauten Wehruf · Palas und Saal
Und Worms die weite Veste · rings erscholl im Widerhall.

Da konnte Niemand trösten · Siegfriedens Weib,
Man zog aus den Kleidern · seinen schönen Leib,
Wusch ihm seine Wunde · und legt' ihn auf die Bahr;
Allen seinen Leuten · wie weh vor Jammer da war!

Es sprachen seine Recken · aus Nibelungenland:
„Immer ihn zu rächen · bereit ist unsre Hand.
Er ist in diesem Hause, · von dem es ist geschehn.“
Da eilten sich zu waffnen · die Degen in Siegfrieds Lehn.

Die Auserwählten kamen · in ihrer Schilde Wehr,
Elfhundert Recken; · die hatt in seinem Heer
Siegmund der König: · seines Sohnes Tod
Hätt er gern gerochen, · wie ihm die Treue gebot.

Sie wusten nicht, wen sollten · sie im Streit bestehn,
Wenn es nicht Gunther wäre · und Die in seinem Lehn,
Die zur Jagd mit Siegfried · geritten jenen Tag.
Kriemhild sah sie gewaffnet: · das schuf ihr großes Ungemach.

Wie stark auch ihr Jammer, · wie groß war ihre Noth,
Sie besorgte doch so heftig · der Nibelungen Tod
Von ihrer Brüder Mannen, · daß sie dawider sprach:
Sie warnte sie in Liebe, wie immer Freund mit Freunden pflag.

Da sprach die Jammerreiche: · „Herr König Siegmund,
Was wollt ihr beginnen? · Euch ist wohl nicht kund,
Es hat der König Gunther · so manchen kühnen Mann:
Ihr wollt euch all verderben, · greift ihr solche Recken an.“

Mit auferhobnen Schilden · that ihnen Streiten Noth.
Die edle Königstochter · bat und gebot,
Daß es meiden sollten · die Recken allbereit.
Daß sie's nicht laßen wollten, · das war ein grimmiges Leid.

Sie sprach: „Herr König Siegmund, · steht damit noch an,
Bis es sich beßer fügte: · so will ich meinen Mann
Euch immer rächen helfen. · Der mir ihn hat benommen,
Wird es mir bewiesen, · es muß ihm noch zu Schaden kommen.

„Es sind der Uebermüthigen · hier am Rhein so viel,
Daß ich euch zum Streite · jetzt nicht rathen will:
Sie haben wider Einen · immer dreißig Mann;
Laß ihnen Gott gelingen, · wie sie uns haben gethan.

„Bleibt hier im Hause · und tragt mit mir das Leid,
Bis es beginnt zu tagen, · ihr Helden allbereit:
Dann helft ihr mir besargen · meinen lieben Mann.“
Da sprachen die Degen: · „Liebe Frau, das sei gethan.“

Es könnt euch des Wunders · ein Ende Niemand sagen,
Die Ritter und die Frauen, · wie man sie hörte klagen,
Bis man des Wehrufs · ward in der Stadt gewahr.
Die edeln Bürger kamen · daher in eilender Schar.

Sie klagten mit den Gästen: · sie schmerzte der Verlust.
Was Siegfried verschulde, · war ihnen unbewust,
Weshalb der edle Recke · Leben ließ und Leib.
Da weinte mit den Frauen · manchen guten Bürgers Weib.

Schmiede hieß man eilen · und würken einen Sarg
Von Silber und von Golde, · mächtig und stark,
Und ließ ihn wohl beschlagen · mit Stahl, der war gut.
Da war allen Leuten · das Herz beschwert und der Muth.

Die Nacht war vergangen: · man sagt', es wolle tagen.
Da ließ die edle Königin · hin zum Münster tragen
Diesen edeln Todten, · ihren lieben Mann.
Mit ihr giengen weinend, · was sie der Freunde gewann.

Da sie zum Münster kamen, · wie manche Glocke klang!
Allenthalben hörte · man der Pfaffen Sang.
Da kam der König Gunther · hinzu mit seinem Lehn
Und auch der grimme Hagen; · es wäre klüger nicht geschehn.

Er sprach: „Liebe Schwester, · o weh des Leides dein;
Daß wir nicht ledig mochten · so großen Schadens sein!
Wir müßen immer klagen · um Siegfriedens Tod.“
„Daran thut ihr Unrecht,“ · sprach die Frau in Jammersnoth.

„Wenn euch das betrübte, · so wär es nicht geschehn.
Ihr hattet mein vergeßen, · das muß ich wohl gestehn,
Als ich so geschieden ward · von meinem lieben Mann.
Wollte Gott vom Himmel, · mir selber war es gethan.“

Sie hielten sich am Läugnen. · Da hub Kriemhild an:
„Wer unschuldig sein will, · leicht ist es dargethan,
Er darf nur zu der Bahre · hier vor dem Volke gehn:
Da mag man gleich zur Stelle · sich der Wahrheit versehn.“

Das ist ein großes Wunder, · wie es noch oft geschieht,
Wenn man den Mordbefleckten · bei dem Todten sieht,
So bluten ihm die Wunden, · wie es auch hier geschah;
Daher man nun der Unthat · sich zu Hagen versah.

Die Wunden floßen wieder · so stark als je vorher.
Die erst schon heftig klagten, · die weinten nun noch mehr.
Da sprach König Gunther: · „Nun hört die Wahrheit an:
Ihn erschlugen Schächer; · Hagen hat es nicht gethan.“

Sie sprach: „Diese Schächer · sind mir wohl bekannt:
Nun laß es Gott noch rächen · von seiner Freunde Hand!
Gunther und Hagen, · ja ihr habt es gethan.“
Da wollten wieder streiten · Die Siegfrieden unterthan.

Da sprach aber Kriemhild: · „Ertragt mit mir die Noth.“
Da kamen auch die Beiden, · wo sie ihn fanden todt,
Gernot ihr Bruder · und Geiselher das Kind.
Sie beklagten ihn in Treuen; · ihre Augen wurden thränenblind.

Sie weinten von Herzen · um Kriemhildens Mann.
Man wollte Messe singen: · zum Münster heran
Sah man allenthalben · Frauen und Männer ziehn,
Die ihn doch leicht verschmerzten, · weinten alle jetzt um ihn.

Geiselher und Gernot · sprachen: „Schwester mein,
Nun tröste dich des Todes, · es muß wohl also sein.
Wir wollen dirs ersetzen, · so lange wir leben.“
Da wust ihr auf Erden · Niemand doch Trost zu geben.

Sein Sarg war geschmiedet · wohl um den hohen Tag;
Man hob ihn von der Bahre, · darauf der Todte lag.
Da wollt ihn noch die Königin · nicht laßen begraben:
Es musten alle Leute · große Mühsal erst haben.

In kostbare Zeuge · man den Todten wand.
Gewiss daß man da Niemand · ohne Weinen fand.
Aus ganzem Herzen klagte · Ute das edle Weib
Und all ihr Ingesinde · um Siegfrieds herrlichen Leib.

Als die Leute hörten, · daß man im Münster sang
Und ihn besargt hatte, · da hob sich großer Drang:
Um seiner Seele willen · was man da Opfer trug!
Er hatte bei den Feinden · doch guter Freunde genug.

Kriemhild die arme · zu den Kämmerlingen sprach:
„Ihr sollt mir zu Liebe · leiden Ungemach:
Die ihm Gutes gönnen · und mir blieben hold,
Um Siegfriedens Seele · verteilt an diese sein Gold.“

Da war kein Kind so kleine, · mocht es Verstand nur haben,
Das nicht zum Opfer gienge, · eh er ward begraben.
Wohl an hundert Messen · man des Tages sang.
Von Siegfriedens Freunden · hob sich da mächtiger Drang.

Als die gesungen waren, · verlief die Menge sich.
Da sprach wieder Kriemhild: · „Nicht einsam sollt ihr mich
Heunt bewachen laßen · den auserwählten Degen:
Es ist an seinem Leibe · all meine Freude gelegen.

„Drei Tag und drei Nächte · will ich verwachen dran,
Bis ich mich ersättige · an meinem lieben Mann.
Vielleicht daß Gott gebietet, · daß mich auch nimmt der Tod:
So wäre wohl beendet · der armen Kriemhilde Noth.“

Zur Herberge giengen · die Leute von der Stadt.
Die Pfaffen und die Mönche · sie zu verweilen bat
Und all sein Ingesinde, · das sein billig pflag.
Sie hatten üble Nächte · und gar mühselgen Tag.

Ohne Trank und Speise · verblieb da mancher Mann.
Wers nicht gern entbehrte, · dem ward kund gethan,
Man gab ihm gern die Fülle: · das schuf Herr Siegmund.
Da ward den Nibelungen · viel Noth und Beschwerde kund.

In diesen dreien Tagen, · so hörten wir sagen,
Muste mit Kriemhilden · viel Mühsal ertragen,
Wer da singen konnte. · Was man auch Opfer trug!
Die eben arm gewesen, · die wurden nun reich genug.

Was man fand der Armen, · die es nicht mochten haben,
Die ließ sie mit dem Golde · bringen Opfergaben
Aus seiner eignen Kammer: · er durfte nicht mehr leben,
Da ward um seine Seele · manches Tausend Mark gegeben.

Güter und Gefälle · vertheilte sie im Land,
So viel man der Klöster · und guter Leute fand.
Silber gab man und Gewand · den Armen auch genug.
Sie ließ es wohl erkennen, · wie holde Liebe sie ihm trug.

An dem dritten Morgen · zur rechten Messezeit
Sah man bei dem Münster · den ganzen Kirchhof weit
Von der Landleute · Weinen also voll:
Sie dienten ihm im Tode, · wie man lieben Freunden soll.

In diesen vier Tagen, · so hört ich immerdar,
Wol an dreißigtausend Mark · oder mehr noch gar
Ward um seine Seele · den Armen hingegeben,
Indes war gar zerronnen · seine große Schöne wie sein Leben.

Als vom Gottesdienste · verhallt war der Gesang,
Mit ungefügem Leide · des Volkes Menge rang.
Man ließ ihn aus dem Münster · zu dem Grabe tragen.
Da hörte man auch anders · nichts als Weinen und Klagen.

Das Volk mit lautem Wehruf · schloß im Zug sich an:
Froh war da Niemand, · weder Weib noch Mann.
Eh er bestattet wurde, · las und sang man da:
Hei! was man guter Pfaffen · bei seiner Bestattung sah!

Bevor da zu dem Grabe · kam das getreue Weib,
Rang sie mit solchem Jammer · um Siegfriedens Leib,
Daß man sie mit Wasser · vom Brunnen oft begoß:
Ihres Herzens Kummer · war über die Maßen groß.

Es war ein großes Wunder, · daß sie zu Kräften kam.
Es halfen ihr mit Klagen · viel Frauen lobesam.
„Ihr, meines Siegfrieds Mannen,“ · sprach die Königin,
„Erweist mir eine Gnade · aus erbarmendem Sinn.

„Laßt mir nach meinem Leide · die kleinste Gunst geschehn“,
Daß ich sein schönes Angesicht · noch einmal dürfe sehn,“
Da bat sie im Jammer · so lang und so stark,
Daß man zerbrechen muste · den schön geschmiedeten Sarg.

Hin brachte man die Königin, · wo sie ihn liegen fand.
Sein schönes Haupt erhob sie · mit ihrer weißen Hand
Und küsste so den Todten, · den edeln Ritter gut:
Ihre lichten Augen · vor Leide weinten sie Blut.

Ein jammervolles Scheiden · sah man da geschehn.
Man trug sie von dannen, · sie vermochte nicht zu gehn.
Da lag ohne Sinne · das herrliche Weib:
Vor Leid wollt ersterben · ihr viel wonniglicher Leib.

Als der edle Degen · also begraben war,
Sah man in großem Leide · die Helden immerdar,
Die ihn begleitet hatten · aus Nibelungenland:
Fröhlich gar selten · man da Siegmunden fand.

Wohl Mancher war darunter, · der drei Tage lang
Vor dem großen Leide · weder aß noch trank;
Da konnten sie's nicht länger · dem Leib entziehen mehr:
Sie genasen von den Schmerzen, · wie noch Mancher wohl seither.

Kriemhild der Sinne ledig · in Ohnmächten lag
Den Tag und den Abend · bis an den andern Tag.
Was Jemand sprechen mochte, · es ward ihr gar nicht kund.
Es lag in gleichen Nöthen · auch der König Siegmund.

Kaum daß ihn zur Besinnung · zu bringen noch gelang.
Seine Kräfte waren · von starkem Leide krank:
Das war wohl kein Wunder. · Die in seiner Pflicht
sprachen: „Laßt uns heimziehn: · es duldet uns hier länger nicht.“

18. Achtzehntes Abenteuer.
Wie Siegmund heimkehrte und Kriemhild daheim blieb.

Der Schwäher Kriemhildens · gieng hin, wo er sie fand.
Er sprach zu der Königin: · „Laßt uns in unser Land:
Wir sind unliebe Gäste, · wähn ich, hier am Rhein.
Kriemhild, liebe Fraue, · nun folgt uns zu dem Lande mein.

„Daß man in diesen Landen · uns so verwaiset hat
Eures edeln Mannes · durch böslichen Verrath,
Ihr sollt es nicht entgelten: · hold will ich euch sein
Aus Liebe meines Sohnes · und des edeln Kindes sein.

„Ihr sollt auch, Frau, gebieten · mit all der Gewalt,
Die Siegfried euch verstattete, · der Degen wohlgestalt.
Das Land und auch die Krone · soll euch zu Diensten stehn.
Euch sollen gern gehorchen · Die in Siegfriedens Lehn.“

Da sagte man den Knechten: · „Wir reiten heim vor Nacht.“
Da sah man nach den Rossen · eine schnelle Jagd:
Bei den verhaßten Feinden · zu leben war ein Leid.
Den Frauen und den Maiden · suchte man ihr Reisekleid.

Als König Siegmund gerne · weggeritten wär,
Da bat ihre Mutter · Kriemhilden sehr,
Sie sollte bei den Freunden · im Lande doch bestehn.
Da sprach die Freudenarme: · „Das könnte schwerlich geschehn.

„Wie vermocht ichs, mit den Augen · den immer anzusehn,
Von dem mir armen Weibe · so leid ist geschehn?“
Da sprach der junge Geiselher: · „Liebe Schwester mein,
Du sollst bei deiner Treue · hier mit deiner Mutter sein.

„Die dir das Herz beschwerten · und trübten dir den Muth,
Du bedarfst nicht ihrer Dienste, · du zehrst von meinem Gut.“
Sie sprach zu dem Recken: · „Wie könnte das geschehn?
Vor Leide müst ich sterben, · wenn ich Hagen sollte sehn.“

„Dessen überheb ich dich, · viel liebe Schwester mein.
Du sollst bei deinem Bruder · Geiselher hier sein;
Ich will dir wohl vergüten · deines Mannes Tod.“
Da sprach die Freudenlose: · „Das wäre Kriemhilden Noth.“

Als es ihr der Junge · so gütlich erbot,
Da begannen auch zu flehen · Ute und Gernot
Und ihre treuen Freunde, · sie möchte da bestehn:
Sie hätte wenig Sippen · unter Siegfriedens Lehn.

„Sie sind euch alle fremde,“ · sprach da Gernot.
„Wie stark auch einer gelte, · so rafft ihn doch der Tod.
Bedenkt das, liebe Schwester, · und tröstet euern Muth:
Bleibt hier bei euern Freunden, · es geräth euch wahrlich gut.“

Da gelobte sie dem Bruder, · im Lande zu bestehn.
Man zog herbei die Rosse · Denen in Siegmunds Lehn,
Als sie reiten wollten · gen Nibelungenland;
Da war auch aufgeladen · der Recken Zeug und Gewand.

Da gieng König Siegmund · vor Kriemhilden stehn
Und sprach zu der Frauen: · „Die in Siegfrieds Lehn
Warten bei den Rossen: · reiten wir denn hin,
Da ich gar so ungern · hier bei den Burgunden bin.“

Frau Kriemhild sprach: „Mir rathen · hier die Freunde mein,
Die besten, die ich habe, · bei ihnen soll' ich sein.
Ich habe keinen Blutsfreund · in Nibelungenland.“
Leid war es Siegmunden, · da er dieß an Kriemhild fand.

Da sprach König Siegmund: · „Das laßt euch Niemand sagen:
Vor allen meinen Freunden · sollt ihr die Krone tragen
Nach rechter Königswürde, · wie ihr vordem gethan:
Ihr sollt es nicht entgelten, · daß ihr verloren habt den Mann.

„Fahrt auch mit uns zur Heimat · um euer Kindelein:
Das sollt ihr eine Waise, · Frau, nicht laßen sein.
Ist euer Sohn erwachen, · er tröstet euch den Muth.
Derweil soll euch dienen · mancher Degen kühn und gut.“

Sie sprach: „Mein Herr Siegmund, · ich kann nicht mit euch gehn.
Ich muß hier verbleiben, · was halt mir mag geschehn,
Bei meinen Anverwandten, · die mir helfen klagen.“
Da wollten diese Mären · den guten Recken nicht behagen.

Sie sprachen einhellig: · „So möchten wir gestehn,
Es sei in dieser Stunde · uns erst ein Leid geschehn.
Wollt ihr hier im Lande · bei unsern Feinden sein,
So könnte Helden niemals · eine Hoffahrt übler gedeihn.“

„Ihr sollt ohne Sorge · Gott befohlen fahren:
Ich schaff euch gut Geleite · und heiß euch wohl bewahren
Bis zu euerm Lande; · mein liebes Kindelein
Das soll euch guten Recken · auf Gnade befohlen sein.“

Als sie das recht vernahmen, · sie wolle nicht hindann,
Da huben Siegfrieds Mannen · all zu weinen an.
Mit welchem Herzensjammer · nahm da Siegmund
Urlaub von Kriemhilden! · Da ward ihm Unfreude kund.

„Weh dieses Hofgelages!“ · sprach der König hehr.
„Einem König und den Seinen · geschieht wohl nimmermehr
Einer Kurzweil willen, · was uns hier ist geschehn:
Man soll uns nimmer wieder · hier bei den Burgunden sehn.“

Da sprachen laut die Degen · in Siegfriedens Heer:
„Wohl möchte noch die Reise · geschehen hieher,
Wenn wir den nur fanden, · der uns den Herrn erschlug.
Sie haben Todfeinde · bei seinen Freunden genug.“

Er küsste Kriemhilden: · kläglich sprach er da,
Als er daheim zu bleiben · sie so entschloßen sah:
„Wir reiten arm an Freuden · nun heim in unser Land!
All mein Kummer · ist mir erst jetzo bekannt.“

Sie ritten ungeleitet · von Worms an den Rhein:
Sie mochten wohl des Muthes · in ihrem Sinne sein,
Wenn sie in Feindschaft · würden angerannt,
Daß sich schon wehren solle · der kühnen Niblungen Hand.

Sie erbaten Urlaub · von Niemanden sich.
Da sah man Geiselheren · und Gernot minniglich
Zu dem König kommen; · ihnen war sein Schade leid:
Das ließen ihn wohl schauen · die kühnen Helden allbereit.

Da sprach wohlgezogen · der kühne Gernot:
„Wohl weiß es Gott im Himmel, · an Siegfriedens Tod
Bin ich ganz unschuldig: · ich hört auch niemals sagen,
Wer ihm Feind hier wäre: · ich muß ihn billig beklagen.“

Da gab ihm gut Geleite · Geiselher das Kind.
Er bracht ohne Sorgen, · die sonst bei Leide sind,
Den König und die Recken · heim nach Niederland.
Wie wenig der Verwandten · man dort fröhlich wiederfand!

Wie's ihnen nun ergangen ist, · weiß ich nicht zu sagen.
Man hörte hier Kriemhilden · zu allen Zeiten klagen,
Daß ihr Niemand tröstete · das Herz noch den Muth
Als ihr Bruder Geiselher: · der war getreu und auch gut.

Brunhild die schöne · des Uebermuthes pflag:
Wie viel Kriemhild weinte, · was fragte sie darnach!
Sie war zu Lieb und Treue · ihr nimmermehr bereit;
Bald schuf auch ihr Frau Kriemhild · wohl so ungefüges Leid.

19. Neunzehntes Abenteuer.
Wie der Nibelungenhort nach Worms kam.

Als die edle Kriemhild · so verwitwet ward,
Blieb bei ihr im Lande · der Markgraf Eckewart
Zurück mit seinen Mannen, · wie ihm die Treu gebot.
Er diente seiner Frauen · willig bis an seinen Tod.

Zu Worms am Münster wies man · ihr ein Gezimmer an,
Weit und geräumig, · reich und wohlgethan,
Wo mit dem Gesinde · die Freudenlose saß.
Sie gieng zur Kirche gerne, · mit großer Andacht that sie das.

Wo ihr Freund begraben lag, · wie fleißig gieng sie
Sie that es alle Tage · mit trauerndem Sinn
Und bat seiner Seele · Gott den Herrn zu pflegen:
Gar oft bejammert wurde · mit großer Treue der Degen.

Ute und ihr Gesinde · sprachen ihr immer zu,
Und doch im wunden Herzen · fand sie so wenig Ruh,
Es konnte nicht verfangen · der Trost, den man ihr bot.
Sie hatte nach dem Freunde · die allergrößeste Noth,

Die nach liebem Manne · je ein Weib gewann:
Ihre große Treue · ersah man wohl daran.
Sie klagt' ihn bis zu Ende, · da sie zu sterben kam.
Bald rächte sie gewaltig · mit großer Treue den Gram.

Sie saß in ihrem Leide, · das ist alles wahr,
Nach ihres Mannes Tode · bis in das vierte Jahr
Und hatte nie zu Gunthern · gesprochen einen Laut
Und auch Hagen ihren Feind · in all der Zeit nicht erschaut.

Da sprach von Tronje Hagen: · „Könnte das geschehn,
Daß ihr euch die Schwester · gewogen möchtet sehn,
So käm zu diesem Lande · der Nibelungen Gold:
Des mögt ihr viel gewinnen, · wird uns die Königin hold.“

„Wir wollen es versuchen,“ · sprach der König hehr.
„Es sollen für uns bitten · Gernot und Geiselher,
Bis sie es erlangen, · daß sie das gerne sieht.“
„Ich glaube nicht,“ sprach Hagen, · „daß es jemals geschieht.“

Da befahl er Ortweinen · hin an Hof zu gehn
Und dem Markgrafen Gere: · als das war geschehn,
Brachte man auch Gernot · und Geiselhern das Kind:
Da versuchten bei Kriemhilden · sie es freundlich und gelind.

Da sprach von Burgunden · der kühne Gernot:
„Frau, ihr klagt zu lange · um Siegfriedens Tod.
Der König will euch zeigen, · er hab ihn nicht erschlagen:
Man hört zu allen Zeiten · euch so heftig um ihn klagen.“

Sie sprach: „Des zeiht ihn Niemand, · ihn schlug Hagens Hand.
Wo er verwundbar wäre, · macht ich ihm bekannt.
Wie konnt ich michs versehen, · er trüg ihm Haß im Sinn!
Sonst hätt ichs wohl vermieden,“ · sprach die edle Königin,

„Daß ich verraten hätte · seinen schönen Leib:
So ließ' ich nun mein Weinen, · ich unselig Weib!
Hold werd ich ihnen nimmer, · die das an ihm gethan!“
Zu flehn begann da Geiselher, · dieser waidliche Mann.

Sie sprach: „Ich muß ihn grüßen, · ihr liegt zu sehr mir an.
Von euch ist's große Sünde: · Gunther hat mir gethan
So viel Herzeleides · ganz ohne meine Schuld:
Mein Mund schenkt ihm Verzeihung, · mein Herz ihm nimmer die Huld.“

„Hernach wird es beßer,“ · ihre Freunde sprachen so.
„Wenn ers zu Wege brächte, · daß wir sie sähen froh!“
„Er mags ihr wohl vergüten,“ · sprach da Gernot.
Da sprach die Jammersreiche: · „Seht, nun leist ich eur Gebot:

„Ich will den König grüßen.“ · Als er das vernahm,
Mit seinen besten Freunden · der König zu ihr kam.
Da getraute Hagen · sich nicht, zu ihr zu gehn:
Er kannte seine Schuld wohl: · ihr war Leid von ihm geschehn.

Als sie verschmerzen wollte · auf Gunther den Haß,
Daß er sie küssen sollte, · wohl ziemte sich ihm das.
Wär ihr mit seinem Willen · so leid nicht geschehn,
So dürft er dreisten Muthes · immer zu Kriemhilden gehn.

Es ward mit so viel Thränen · nie eine Sühne mehr
Gestiftet unter Freunden. · Sie schmerzt' ihr Schade sehr.
Doch verzieh sie allen · bis auf den Einen Mann:
Niemand hätt ihn erschlagen, · hätt es Hagen nicht gethan.

Nun währt' es nicht mehr lange, · so stellten sie es an,
Daß die Königstochter · den großen Hort gewann
Vom Nibelungenlande · und bracht ihn an den Rhein:
Ihre Morgengabe war es · und must ihr billig eigen sein.

Nach diesem fuhr da Geiselher · und auch Gernot.
Achtzighundert Mannen · Frau Kriemhild gebot,
Daß sie ihn holen sollten, · wo er verborgen lag
Und sein der Degen Alberich · mit seinen besten Freunden pflag.

Als man des Schatzes willen · vom Rhein sie kommen sah,
Alberich der kühne · sprach zu den Freunden da:
„Wir dürfen ihr wohl billig · den Hort nicht entziehn,
Da sein als Morgengabe · heischt die edle Künigin.

„Dennoch sollt es nimmer,“ · sprach Alberich, „geschehn,
Müsten wir nicht leider · uns verloren sehn
Die gute Tarnkappe · mit Siegfried zumal,
Die immer hat getragen · der schönen Kriemhild Gemahl.

„Nun ist es Siegfrieden · leider schlimm bekommen,
Daß die Tarnkappe · der Held uns hat genommen,
Und daß ihm dienen muste · all dieses Land.“
Da gieng dahin der Kämmerer, · wo er die Schlüßel liegen fand.

Da standen vor dem Berge, · die Kriemhild gesandt,
Und mancher ihrer Freunde: · man ließ den Schatz zur Hand
Zu dem Meere bringen · an die Schiffelein
Und führt' ihn auf den Wellen · bis zu Berg in den Rhein.

Nun mögt ihr von dem Horte · Wunder hören sagen:
Zwölf Leiterwagen konnten · ihn kaum von dannen tragen
In vier Tag und Nächten · aus des Berges Schacht,
Hätten sie des Tages · den Weg auch dreimal gemacht.

Es war auch nichts anders · als Gestein und Gold.
Und hätte man die ganze Welt · erkauft mit diesem Gold,
Um keine Mark vermindern · möcht es seinen Werth.
Wahrlich Hagen hatte · nicht ohne Grund sein begehrt.

Der Wunsch lag darunter, · ein golden Rüthelein:
Wer es hätt erkundet, · der möchte Meister sein
Auf der weiten Erde · wohl über jeden Mann.
Von Albrichs Freunden zogen · mit Gernot Viele hinan.

Als Gernot der Degen · und der junge Geiselher
Des Horts sich unterwanden, · da wurden sie auch Herr
Des Landes und der Burgen · und der Recken wohlgestalt:
Die musten ihnen dienen · zumal durch Furcht und Gewalt.

Als sie den Hort gewannen · in König Gunthers Land,
Und sich darob die Königin · der Herrschaft unterwand,
Kammern und Thürme · die wurden voll getragen;
Man hörte nie von Schätzen · so große Wunder wieder sagen.

Und wären auch die Schätze · noch größer tausendmal,
Und wär der edle Siegfried · erstanden von dem Fall,
Gern wäre bei ihm Kriemhild · geblieben hemdebloß.
Nie war zu einem Helden · eines Weibes Treue so groß.

Als sie den Hort nun hatte, · da brachte sie ins Land
Viel der fremden Recken; · wohl gab der Frauen Hand,
Daß man so große Milde · nie zuvor gesehn.
Sie übte hohe Güte: · das muste man ihr zugestehn.

Den Armen und den Reichen · zu geben sie begann.
Hagen sprach zum König: · „Läßt man sie so fortan
Noch eine Weile schalten, · so wird sie in ihr Lehn
So manchen Degen bringen, · daß es uns übel muß ergehn.“

Da sprach König Gunther: · „Ihr gehört das Gut:
Wie darf ich mich drum kümmern, · was sie mit ihm thut?
Ich konnt es kaum erlangen, · daß sie mir wurde hold;
Nicht frag ich, wie sie theilet · ihr Gestein und rohes Gold.“

Hagen sprach zum König: · „Es vertraut ein kluger Mann
Doch solche Schätze billig · keiner Frauen an:
Sie bringt es mit Gaben · wohl noch an den Tag,
Da es sehr gereuen · die kühnen Burgunden mag.“

Da sprach König Gunther: · „Ich schwur ihr einen Eid,
Daß ich ihr nie wieder · fügen wollt ein Leid,
Und will es künftig meiden: · sie ist die Schwester mein.“
Da sprach wieder Hagen: · „Laßt mich den Schuldigen sein.“

Sie nahmen ihre Eide · meistens schlecht in Hut:
Da raubten sie der Witwe · das mächtige Gut.
Hagen aller Schlüßel · dazu sich unterwand.
Ihr Bruder Gernot zürnte, · als ihm das wurde bekannt.

Da sprach der junge Geiselher: · „Viel Leides ist geschehn
Von Hagen meiner Schwester: · dem sollt ich widerstehn:
Wär er nicht mein Blutsfreund, · es gieng' ihm an den Leib.“
Wieder neues Weinen · begann da Siegfriedens Weib.

Da sprach König Gernot: · „Eh wir solche Pein
Um dieses Gold erlitten, · wir solltens in den Rhein
All versenken laßen: · so gehört' es Niemand an.“
Sie kam mit Klaggebärde · da zu Geiselher heran.

Sie sprach: „Lieber Bruder, · du sollst gedenken mein,
Lebens und Gutes · sollst du ein Vogt mir sein.“
Da sprach er zu der Schwester: · „Gewiss, es soll geschehn,
Wenn wir wiederkommen: · eine Fahrt ist zu bestehn.“

Gunther und seine Freunde · räumten das Land,
Die allerbesten drunter, · die man irgend fand;
Hagen nur alleine · verblieb um seinen Haß,
Den er Kriemhilden hegte: · ihr zum Schaden that er das.

Eh der reiche König · wieder war gekommen,
Derweil hatte Hagen · den ganzen Schatz genommen:
Er ließ ihn bei dem Loche · versenken in den Rhein.
Er wähnt', er sollt ihn nutzen; · das aber konnte nicht sein.

Bevor von Tronje Hagen · den Schatz also verbarg,
Da hatten sie's beschworen · mit Eiden hoch und stark,
Daß er verhohlen bliebe, · so lang sie möchten leben:
So konnten sie's sich selber · noch auch Jemand anders geben.

Die Fürsten kamen wieder, · mit ihnen mancher Mann.
Kriemhild den großen Schaden · zu klagen da begann
Mit Mägdlein und Frauen; · sie hatten Herzensnoth.
Da stellten sich die Degen, · als sännen sie auf seinen Tod.

Sie sprachen einhellig: · „Er hat nicht wohlgethan.“
Bis er zu Freunden wieder · die Fürsten sich gewann,
Entwich er ihrem Zorne: · sie ließen ihn genesen;
Aber Kriemhild konnt ihm · wohl nicht feinder sein gewesen.

Mit neuem Leide wieder · belastet war ihr Muth,
Erst um des Mannes Leben · und nun, da sie das Gut
Ihr so gar benahmen: · da ruht' auch ihre Klage,
So lang sie lebte, nimmer · bis zu ihrem jüngsten Tage.

Nach Siegfriedens Tode, · das ist alles wahr,
Lebte sie im Leide · noch dreizehen Jahr,
Daß ihr der Tod des Recken · stäts im Sinne lag:
Sie wahrt' ihm immer Treue; · das rühmen ihr die Meisten nach.

Eine reiche Fürstenabtei · hatte Frau Ute
Nach Dankrats Tod gestiftet · von ihrem Gute
Mit großen Einkünften, · die es noch heute zieht:
Dort zu Lorsch das Kloster, · das man in hohen Ehren sieht.

Dazu gab auch Kriemhild · hernach ein großes Theil
Um Siegfriedens Seele · und aller Seelen Heil
Gold und Edelsteine · mit williger Hand;
Getreuer Weib auf Erden · ward uns selten noch bekannt.

Seit Kriemhild König Gunthern · wieder schenkte Huld
Und dann doch den großen Hort · verlor durch seine Schuld,
Ihres Herzeleides · ward da noch viel mehr:
Da zöge gern von dannen · die Fraue edel und hehr.

Nun war Frau Uten · ein Sedelhof bereit
Zu Lorsch bei ihrem Kloster, · reich, groß und weit,
Dahin von ihren Kindern · sie zog und sich verbarg,
Wo noch die hehre Königin · begraben liegt in einem Sarg.

Da sprach die Königswitwe: · „Liebe Tochter mein,
Hier magst du nicht verbleiben: · bei mir denn sollst du sein,
Zu Lorsch in meinem Hause, · und läst dein Weinen dann.“
Kriemhild gab zur Antwort: · „Wo ließ' ich aber meinen Mann?“

„Den laß nur hier verbleiben,“ · sprach Frau Ute.
„Nicht woll es Gott vom Himmel,“ · sprach da die Gute.
„Nein, liebe Mutter, · davor will ich mich wahren:
„ein Mann muß von hinnen · in Wahrheit auch mit mir fahren.“

Da schuf die Jammersreiche, · daß man ihn erhub
Und sein Gebein, das edle, · wiederum begrub
Zu Lorsch bei dem Münster · mit Ehren mannigfalt:
Da liegt im langen Sarge · noch der Degen wohlgestalt.

Zu denselben Zeiten, · da Kriemhild gesollt
Zu ihrer Mutter ziehen, · wohin sie auch gewollt,
Da muste sie verbleiben, · weil es nicht sollte sein:
Das schufen neue Mären, · die da kamen über Rhein.

20. Zwanzigste Abenteuer.
Wie König Etzel um Kriemhilden sandte.

Das war in jenen Zeiten, · als Frau Helke starb
Und der König Etzel · um andre Frauen warb,
Da riethen seine Freunde · in Burgundenland
Zu einer stolzen Witwe, · die war Frau Kriemhild genannt.

Seit ihm die schöne Helke · erstarb, die Königin,
Sie sprachen: „Sinnt ihr wieder · auf edler Frau Gewinn,
Der höchsten und der besten, · die je ein Fürst gewann,
So nehmet Kriemhilden; · der starke Siegfried war ihr Mann.“

Da sprach der reiche König: · „Wie gienge das wohl an?
Ich bin ein Heide, · ein ungetaufter Mann,
Sie jedoch ist Christin · sie thut es nimmermehr.
Ein Wunder müst es heißen, · käm sie jemals hieher.“

Die Schnellen sprachen wieder: · „Vielleicht, daß sie es thut
Um euern hohen Namen · und euer großes Gut.
Man soll es doch versuchen · bei dem edeln Weib:
Euch ziemte wohl zu minnen · ihren wonniglichen Leib.“

Da sprach der edle König: · „Wem ist nun bekannt
Unter euch am Rheine · das Volk und auch das Land?“
Da sprach von Bechlaren · der gute Rüdiger:
„Kund von Kindesbeinen · sind mir die edeln Könige hehr,

„Gunther und Gernot, · die edeln Ritter gut;
Der dritte heißt Geiselher: · ein Jeglicher thut,
Was er nach Zucht und Ehren · am besten mag begehn:
Auch ist von ihren Ahnen · noch stäts dasselbe geschehn.“

Da sprach wieder Etzel: · „Freund, nun sage mir,
Ob ihr wohl die Krone · ziemt zu tragen hier;
Und hat sie solche Schöne, · wie man sie zeiht,
Meinen besten Freunden · sollt es nimmer werden leid.“

„Sie vergleicht sich an Schöne · wohl der Frauen mein,
Helke der reichen: · nicht schöner könnte sein
Auf der weiten Erde · eine Königin:
Wen sie erwählt zum Freunde, · der mag wohl trösten den Sinn.“

Er sprach: „So wirb sie, Rüdiger, · so lieb als ich dir sei.
Und darf ich Kriemhilden · jemals liegen bei,
Das will ich dir lohnen, · so gut ich immer kann;
Auch hast du meinen Willen · mit großer Treue gethan.

„Von meinem Kammergute · laß ich so viel dir geben,
Daß du mit den Gefährten · in Freude mögest leben;
Von Rossen und von Kleidern, · was ihr nur begehrt,
Des wird zu der Botschaft · euch die Genüge gewährt.“

Zur Antwort gab der Markgraf, · der reiche Rüdiger:
„Begehrt' ich deines Gutes, · das ziemte mir nicht sehr.
Ich will dein Bote gerne · werden an den Rhein
Mit meinem eignen Gute; · ich hab es aus den Händen dein.“

Da sprach der reiche König: · „Wann denkt ihr zu fahren
Nach der Minniglichen? · So soll euch Gott bewahren
Dabei an allen Ehren · und auch die Fraue mein;
Und möge Glück mir helfen, · daß sie uns gnädig möge sein.“

Da sprach wieder Rüdiger: · „Eh wir räumen dieses Land,
Müßen wir uns rüsten · mit Waffen und Gewand,
Daß wir vor den Königen · mit Ehren dürfen stehn:
Ich will zum Rheine führen · fünfhundert Degen ausersehn.

„Wenn man bei den Burgunden · mich und die Meinen seh,
Daß dann einstimmig · das Volk im Land gesteh,
Es habe nie ein König · noch so manchen Mann
So fern daher gesendet, · als du zum Rheine gethan.

„Und wiß, edler König, · stehst du darob nicht an,
Sie war dem besten Manne, · Siegfrieden unterthan,
Siegmundens Sohne; · du hast ihn hier gesehn:
Man mocht ihm große Ehre · wohl in Wahrheit zugestehn.“

Da sprach der König Etzel: · „War sie dem Herrn vermählt,
Sie war so hohes Namens · der edle Fürst erwählt,
Daß ich nicht verschmähen · darf die Königin.
Ob ihrer großen Schönheit · gefällt sie wohl meinem Sinn.“

Da sprach der Markgraf wieder: · „Wohlan, ich will euch sagen,
Wir heben uns von hinnen · in vierundzwanzig Tagen.
Ich entbiet es Gotelinden, · der lieben Fraue mein,
Daß ich zu Kriemhilden · selber wolle Bote sein.“

Hin gen Bechelaren · sandte Rüdiger
Boten seinem Weibe, · der Markgräfin hehr,
Er werbe für den König · um eine Königin:
Der guten Helke dachte · sie da mit freundlichem Sinn.

Als die Botenkunde · die Markgräfin gewann,
Leid war es ihr zum Theile, · zu sorgen hub sie an,
Ob sie wohl eine Herrin · gewänne so wie eh.
Gedachte sie an Helke, · das that ihr inniglich weh.

Nach sieben Tagen Rüdiger · ritt aus Heunenland,
Worüber frohgemuthet · man König Etzeln fand.
Man fertigte die Kleider · in der Stadt zu Wien;
Da wollt er mit der Reise · auch nicht länger mehr verziehn.

Zu Bechlaren harrte · sein Frau Gotelind
Und die junge Markgräfin, · Rüdigers Kind,
Sah ihren Vater gerne · und Die ihm unterthan;
Da ward ein liebes Harren · von schönen Frauen gethan.

Eh der edle Rüdiger · aus der Stadt zu Wien
Ritt nach Bechlaren, · da waren hier für ihn
Kleider und Gewaffen · auf Säumern angekommen.
Sie fuhren solcherweise, · daß ihnen wenig ward genommen.

Als sie zu Bechlaren · kamen in die Stadt,
Für seine Heergesellen · um Herbergen bat
Der Wirth mit holden Worten: · die gab man ihnen da.
Gotelind die reiche · den Wirth gar gerne kommen sah.

Auch seine liebe Tochter, · die Marfgräfin jung,
Ob ihres Vaters Kommen · war sie froh genung,
Aus Heunenland die Helden, · wie gern sie die sah!
Mit lachendem Muthe · sprach die edle Jungfrau da:

„Willkommen sei mein Vater · und Die ihm unterthan.“
Da ward ein schönes Danken · von manchem werthen Mann
Freundlich geboten · der jungen Markgräfin.
Wohl kannte Frau Gotlind · des edeln Rüdiger Sinn.

Als sie des Nachts nun · bei Rüdigern lag,
Mit holden Worten fragte · die Markgräfin nach,
Wohin ihn denn gesendet · der Fürst von Heunenland?
„Meine Frau Gotlind,“ sprach er, · „ich mach es gern euch bekannt.

„Meinem Herren werben · soll ich ein ander Weib,
Da ihm ist erstorben · der schönen Helke Leib.
Nun will ich nach Kriemhilden · reiten an den Rhein:
Die soll hier bei den Heunen · gewaltge Königin sein.“

„Das wollte Gott!“ sprach Gotlind, · „möcht uns dies Heil geschehn,
Da wir so hohe Ehren · ihr hören zugestehn.
Sie ersetzt uns Helken · vielleicht in alten Tagen;
Wir mögen bei den Heunen · sie gerne sehen Krone tragen.“

Da sprach Markgraf Rüdiger: · „Liebe Fraue mein,
Die mit mir reiten sollen · von hinnen an den Rhein,
Denen sollt ihr freundlich · bieten euer Gut:
Wenn Helden reichlich leben, · so tragen sie hohen Muth.“

Sie sprach: „Da ist nicht Einer, · wenn er es gerne nähm,
Ich wollt ihm willig bieten, · was Jeglichem genehm,
Eh ihr von hinnen scheidet · und Die euch unterthan.“
Da sprach der Markgraf wieder: · „Ihr thut mir Liebe daran.“

Hei! was man reicher Zeuge · von ihrer Kammer trug!
Da ward den edeln Recken · Gewand zu Theil genug
Mit allem Fleiß gefüttert · vom Hals bis auf die Sporen;
Die ihm davon gefielen, · hatte Rüdger sich erkoren.

Am siebenten Morgen · von Bechlaren ritt
Der Wirth mit seinen Degen. · Sie führten Waffen mit
Und Kleider auch die Fülle · durch der Baiern Land.
Sie wurden auf der Straße · von Räubern selten angerannt.

Binnen zwölf Tagen · kamen sie an den Rhein.
Da konnte diese Märe · nicht lang verborgen sein:
Dem König und den Seinen · ward es kund gethan,
Es kämen fremde Gäste. · Der Wirth zu fragen begann,

Ob sie Jemand kennte? · das sollte man ihm sagen.
Man sah die Saumrosse · schwere Lasten tragen:
Wie reich die Helden waren, · ward daran erkannt.
Herberge schuf man ihnen · in der weiten Stadt zuhand.

Als die Gäste waren · in die Stadt gekommen,
Ihres Aufzugs hatte man · mit Neugier wahrgenommen.
Sie wunderte, von wannen · sie kämen an den Rhein.
Der Wirth fragte Hagen, · wer die Herren möchten sein?

Da sprach der Held von Tronje: · „Ich sah sie noch nicht;
Wenn ich sie erschaue, · mag ich euch Bericht
Wohl geben, von wannen · sie ritten in dies Land.
Sie wären denn gar fremde, · so sind sie gleich mir bekannt.“

Herbergen hatten · die Gäste nun empfahn.
Der Bote hatte reiche · Gewänder angethan
Mit seinen Heergesellen, · als sie zu Hofe ritten.
Sie trugen gute Kleider, · die waren zierlich geschnitten.

Da sprach der schnelle Hagen: · „So viel ich mag verstehn,
Da ich seit langen Tagen · den Herrn nicht hab ersehn,
So sind sie so zu schauen, · als wär es Rüdiger
Aus der Heunen Lande, · dieser Degen kühn und hehr.“

„Wie sollt ich das glauben,“ · der König sprachs zuhand,
„Daß der von Bechelaren · kam in dieses Land?“
Kaum hatte König Gunther · das Wort gesprochen gar,
So nahm der kühne Hagen · den guten Rüdiger wahr.

Er und seine Freunde · liefen ihm entgegen:
Da sprangen von den Rossen · fünfhundert schnelle Degen.
Wohl empfangen wurden · die von Heunenland;
Niemals trugen Boten · wohl so herrlich Gewand.

Da rief von Tronje Hagen · mit lauter Stimme Schall:
„Nun sei'n uns hochwillkommen · diese Degen all,
Der Vogt von Bechelaren · mit seiner ganzen Schar.“
Man empfieng mit Ehren · die schnellen Heunen fürwahr.

Des Königs nächste Freunde · drängten sich heran:
Da hub von Metzen Ortewein · zu Rüdigern an:
„Wir haben lange Tage · hier nicht mehr gesehn
Also liebe Gäste, · das muß ich wahrlich gestehn!“

Sie dankten des Empfanges · den Recken allzumal.
Mit dem Heergesinde · giengen sie zum Saal,
Wo sie den König fanden · bei manchem kühnen Mann.
Der stand empor vom Sitze: · das ward aus höfscher Zucht gethan.

Wie freundlich dem Boten · er entgegengieng
Und allen seinen Degen! · Gernot auch empfieng
Den Gast mit hohen Ehren · und Die ihm unterthan.
Den guten Rüdger führte · der König an der Hand heran.

Er bracht' ihn zu dem Sitze, · darauf er selber saß.
Den Gästen ließ er schenken · (gerne that man das)
Von dem guten Methe · und von dem besten Wein,
Den man mochte finden · in den Landen um den Rhein.

Geiselher und Gere · waren auch gekommen,
Dankwart und Volker, · die hatten bald vernommen
Von den werthen Gästen. · Sie waren wohlgemuth:
Sie empfiengen vor dem König · die Ritter edel und gut.

Da sprach von Tronje Hagen · zu Gunthern seinem Herrn:
„Mit Dienst vergelten sollten · stäts eure Degen gern,
Was uns der Markgraf · zu Liebe hat gethan;
Des sollte Lohn empfangen · der schönen Gotlinde Mann.“

Da sprach der König Gunther: · „Ich laße nicht das Fragen:
Wie beide sich gehaben, · das sollt ihr mir sagen,
Etzel und Frau Helke · in der Heunen Land?“
Der Markgraf gab zur Antwort: · „Ich mach es gern euch bekannt.“

Da erhob er sich vom Sitze · und Die ihm unterthan
Und sprach zu dem König: · „Laßt mich Erlaub empfahn,
Daß ich die Märe sage, · um die mich hat gesandt
Etzel der König · hieher in der Burgunden Land.“

Er sprach: „Was man uns immer · durch euch entboten hat,
Erlaub ich euch zu sagen · ohne der Freunde Rath.
Die Märe laßt vernehmen · mich und die Degen mein:
Euch soll nach allen Ehren · zu werben hier gestattet sein.“

Da sprach der biedre Bote: · „Euch entbietet an den Rhein
Seine treuen Dienste · der große König mein,
Dazu den Freunden allen, · die euch zugethan;
Auch wird euch diese Botschaft · mit großer Treue gethan.

„Euch läßt der edle König · klagen seine Noth:
Sein Volk ist ohne Freude, · meine Frau die ist todt,
Helke die reiche, · meines Herrn Gemahl:
An der sind schöne Jungfraun · nun verwaist in großer Zahl,

„Edler Fürsten Kinder, · die sie erzogen hat;
Darum hat im Lande · nun große Trauer Statt:
Sie haben leider Niemand mehr, · der sie so treulich pflegt,
Drum wähn ich auch, daß selten · des Königs Sorge sich legt.“

„Nun lohn ihm Gott,“ sprach Gunther, · „daß er die Dienste sein
So williglich entbietet · mir und den Freunden mein.
Ich hörte gern die Grüße, · die ihr mir kund gethan;
Auch wollen sie verdienen · Die mir treu und unterthan.“

Da sprach von Burgunden · der edle Gernot:
„Die Welt mag wohl beklagen · der schönen Helke Tod
Um manche höfsche Tugend, · der sie gewohnt zu pflegen.“
Das bestätigte Hagen · und mancher andre Degen.

Da sprach wieder Rüdiger, · der edle Bote hehr:
„Erlaubt ihr mir, Herr König, · so sag ich euch noch mehr,
Was mein lieber Herre · euch hieher entbot:
Er lebt in großem Kummer · seit der Königin Helke Tod.

„Man sagte meinem Herren, · Kriemhild sei ohne Mann,
Da Siegfried gestorben: · und sprach man wahr daran,
Und wollt ihr ihrs vergönnen, · so soll sie Krone tragen
Vor König Etzels Recken: · das gebot mein Herr ihr zu sagen.“

Da sprach König Gunther · mit wohlgezognem Muth:
„Sie hört meinen Willen, · wenn sie es gerne thut.
Das will ich euch berichten · von heut in dreien Tagen:
Wenn sie es nicht weigert, · wie sollt ichs Etzel versagen?“

Man ließ Gemach bescheiden · den Gästen allzuhand.
Sie fanden solche Pflege, · daß Rüdiger gestand,
Er habe gute Freunde · in König Gunthers Lehn.
Gerne dient' ihm Hagen: · ihm war einst Gleiches geschehn.

So verweilte Rüdiger · bis an den dritten Tag.
Der Fürst berief die Räthe, · wie er weislich pflag,
Und fragte seine Freunde, · ob sie es gut gethan
Däuchte, daß Kriemhild · Herrn Etzeln nähme zum Mann.

Da riethen sie es alle; · nur Hagen stands nicht an.
Er sprach zu König Gunther, · diesem kühnen Mann:
„Habt ihr kluge Sinne, · so seid wohl auf der Hut,
Wenn sie auch folgen wollte, · daß ihr doch nimmer es thut.“

„Warum,“ sprach da Gunther, · „ließ' ich es nicht ergehn?
Was künftig noch der Königin · Liebes mag geschehn,
Will ich ihr gerne gönnen: · sie ist die Schwester mein.
Wir müsten selbst drum werben, · sollt es ihr zur Ehre sein.“

Da sprach aber Hagen: · „Das sprecht ihr unbedacht.
Wenn ihr Etzeln kenntet · wie ich und seine Macht,
Und ließt ihr sie ihn minnen, · wie ich euch höre sagen,
Das müstet ihr vor Allen · mit großem Rechte beklagen.“

„Warum?“ sprach da Gunther, · „leicht vermeid ich das,
Ihm je so nah zu kommen, · daß ich durch seinen Haß
Leid zu befahren hätte, · würd er auch ihr Mann.“
Da sprach wieder Hagen: · „Mich dünkt es nimmer wohlgethan.“

Da lud man Gernoten · und Geiselhern heran,
Ob die Herren beide · däuchte wohlgethan,
Wenn Frau Kriemhild nähme · den mächtgen König hehr.
Noch widerrieth es Hagen · und auch anders Niemand mehr.

Da sprach von Burgunden · Geiselher der Degen:
„Nun mögt ihr, Freund Hagen, · noch der Treue pflegen:
Entschädigt sie des Leides, · das ihr ihr habt gethan.
Was ihr noch mag gelingen, · das säht ihr billig neidlos an.“

„Wohl habt ihr meiner Schwester · gefügt so großes Leid,“
Sprach da wieder Geiselher, · der Degen allbereit,
„Ihr hättets wohl verschuldet, · wäre sie euch gram:
Noch Niemand einer Frauen · so viel der Freuden benahm.“

„Daß ich das wohl erkenne, · das sei euch frei bekannt.
Und soll sie Etzeln nehmen · und kommt sie in sein Land,
Wie sie es fügen möge, · viel Leid thut sie uns an.
Wohl kommt in ihre Dienste · da mancher waidliche Mann.“

Dawider sprach zu Hagen · der kühne Gernot:
„Es mag dabei verbleiben · bis an Beider Tod,
Daß wir niemals kommen · in König Etzels Land.
Laßt uns ihr Treue leisten: · zu Ehren wird uns das gewandt.“

Da sprach Hagen wieder: · „Das laß ich mir Niemand sagen;
Und soll die edle Kriemhild · Helkens Krone tragen,
Viel Leid wird sie uns schaffen, · wo sie's nur fügen kann:
Ihr sollt es bleiben laßen, · das ständ euch Recken beßer an.“

Im Zorn sprach da Geiselher, · der schönen Ute Kind:
Wir wollen doch nicht alle · meineidig sein gesinnt.
Was ihr geschieht zu Ehren, · laßt uns froh drum sein.
Was ihr auch redet, Hagen, · ich dien ihr nach der Treue mein.“

Als das Hagen hörte, · da trübte sich sein Muth.
Geiselher und Gernot, · die stolzen Ritter gut,
Und Gunther der reiche · vereinten endlich sich,
Wenn es Kriemhild wünsche, · sie wolltens dulden williglich.

Da sprach Markgraf Gere: · „So geh ich ihr zu sagen,
Daß sie den König Etzel · sich laße wohlhagen.
Dem ist so mancher Recke · mit Furchten unterthan,
Er mag ihr wohl vergüten, · was sie je Leides gewann.“

Hin gieng der schnelle Degen, · wo er Kriemhilden sah.
Sie empfieng ihn gütlich; · wie balde sprach er da:
„Ihr mögt mich gern begrüßen · und geben Botenbrot,
Es will das Glück euch scheiden · nun von all eurer Noth.

„Es hat um eure Minne, · Frau, hiehergesandt
Der Allerbesten einer, · der je ein Königsland
Gewann mit vollen Ehren · und Krone durfte tragen:
Es werben edle Ritter: · das läßt euch euer Bruder sagen.“

Da sprach die Jammerreiche: · „Verbiete doch euch Gott
Und allen meinen Freunden, · daß sie keinen Spott
Mit mir Armen treiben: · was sollt ich einem Mann,
Der je Herzensliebe · von gutem Weibe gewann?“

Sie widersprach es heftig. · Da traten zu ihr her
Gernot ihr Bruder · und der junge Geiselher.
Sie baten sie in Minne · zu trösten ihren Mut.
Und nehme sie den König, · es gerath ihr wahrlich gut.

Bereden mochte Niemand · doch die Königin
Noch einen Mann zu minnen · auf Erden fürderhin.
Da baten sie die Degen: · „So laßt es doch geschehn,
Wenn ihr denn nicht anders wollt, · daß euch der Bote möge sehn.“

„Das will ich nicht versagen,“ · sprach die Fraue hehr.
Ich empfange gerne · den guten Rüdiger
Ob seiner höfschen Sitte: · wär er nicht hergesandt,
Jedem andern Boten, · dem blieb' ich immer unbekannt.“

Sie sprach: „So schickt den Degen · morgen früh heran
Zu meiner Kemenate. · Ich bescheid ihn dann:
Wes ich mich berathen, · will ich ihm selber sagen.“
So war ihr jetzt erneuert · das große Weinen und Klagen.

Da wünschte sich auch anders nichts · der edle Rüdiger,
Als daß er schauen dürfte · die Königin hehr.
Er wuste sich so weise: · könnt es irgend sein,
So müst er sie bereden, · diesen Recken zu frein.

Früh des andern Morgens · nach dem Messgesang
Kamen die edeln Boten; · da hub sich großer Drang.
Die mit Rüdigeren · zu Hofe sollten gehn,
Die sah man wohlgekleidet, · manchen Degen ausersehn.

Kriemhilde die arme, · in traurigem Muth
Harrte sie auf Rüdiger, · den edeln Boten gut.
Er fand sie in dem Kleide, · das sie für täglich trug:
Dabei hatt ihr Gesinde · reicher Kleider genug.

Sie gieng ihm entgegen · zu der Thüre hin
Und empfieng Etzels Recken · mit gütlichem Sinn.
Nur selbzwölfter trat er · herein zu der Fraun;
Man bot ihm große Ehre; · wer möcht auch beßre Boten schaun?

Man hieß den Herren sitzen · und Die in seinem Lehn.
Die beiden Markgrafen · sah man vor ihr stehn,
Eckewart und Gere, · die edeln Ritter gut.
Um der Hausfrau willen · sahn sie Niemand wohlgemuth.

Sie sahen vor ihr sitzen · manche schöne Maid.
Da hatte Frau Kriemhild · Jammer nur und Leid.
Ihr Kleid war vor den Brüsten · von heißen Thränen naß.
Das sah der edle Markgraf, · der nicht länger vor ihr saß.

Er sprach in großen Züchten: · „Viel edles Königskind,
Mir und den Gefährten, · die mit mir kommen sind,
Sollt ihr, Frau, erlauben, · daß wir vor euch stehn
Und euch melden, weshalb · unsre Reise sei geschehn.“

„Ich will euch gern erlauben,“ · sprach die Königin,
„Was ihr wollt, zu reden; · also steht mein Sinn,
daß ich es gerne höre: · ihr seid ein Bote gut.“
Da merkten wohl die Andern · ihren abgeneigten Muth.

Da sprach von Bechelaren · der Markgraf Rüdiger:
„Euch läßt entbieten, Herrin, · Etzel der König hehr
Große Lieb und Treue · hierher in dieses Land;
Er hat um eure Minne · viel gute Recken gesandt.

„Er entbeut euch freundlich · Liebe sonder Leid;
Er sei stäter Freundschaft · nun euch hinfort bereit
Wie Helken einst, der Königin, · die ihm am Herzen lag:
Ihr sollt die Krone tragen, · deren sie vor Zeiten pflag.“

Da sprach zu ihm die Königin: · „Markgraf Rüdiger,
Wenn meines Herzeleides · Jemand kundig war,
Der würde mir nicht rathen · zu einem zweiten Mann:
Ich verlor der Besten Einen, · die je ein Weib noch gewann.“

„Was tröstet mehr im Leide“, · sprach der kühne Mann,
„Als freundliche Liebe? · Wer die gewähren kann
Und hat sich den erkoren, · der ihm zu Herzen kommt,
Der erfährt wohl, daß im Leide · nichts so sehr als Liebe frommt.

„Und geruht ihr zu minnen · den edeln Herren mein,
Zwölf reicher Kronen · sollt ihr gewaltig sein.
Dazu von dreißig Fürsten · giebt euch mein Herr das Land,
Die alle hat bezwungen · seine vielgewaltge Hand.

„Ihr sollt auch Herrin werden · über manchen werthen Mann,
Die meiner Frauen Helke · waren unterthan,
Und viel der schönen Maide, · einst ihrem Dienst gesellt,
Von hoher Fürsten Stamme,“ · sprach der hochbeherzte Held.

„Dazu giebt euch der König, · gebot er euch zu sagen,
Wenn ihr geruht die Krone · bei meinem Herrn zu tragen,
Gewalt die allerhöchste, · die Helke je gewann:
Alle Mannen Etzels · werden euch da unterthan.“

„Wie möchte jemals wieder,“ · sprach die Königin,
„Eines Helden Weib zu werden · gelüsten meinem Sinn?
Mir hat der Tod an Einem · so bittres Leid gethan,
Daß ichs bis an mein Ende · nimmermehr verschmerzen kann.“

Die Heunen sprachen wieder: · Viel reiche Königin,
Das Leben geht bei Etzeln · so herrlich euch dahin,
Daß ihr in Wonnen schwebet, · weigert ihr es nicht;
Mancher ziere Degen · steht in des reichen Königs Pflicht.

„Helkens Jungfrauen · und eure Mägdelein,
Sollten die beisammen · je Ein Gesinde sein,
Dabei möchten Recken · wohl werden wohlgemuth.
Laßt es euch rathen, Fraue, · es bekommt euch wahrlich gut.“

Sie sprach mit edler Sitte: · „Nun laßt die Rede sein
Bis morgen in der Frühe, · dann tretet zu mir ein,
Daß ich auf die Werbung · euch gebe den Bescheid.“
Da musten Folge leisten · die kühnen Degen allbereit.

Als zu den Herbergen · sie kamen allzumal,
Nach Geiselhern zu senden · die edle Frau befahl
Und nach ihrer Mutter: · den Beiden sagte sie,
Ihr gezieme nur zu weinen · und alles Andere nie.

Da sprach ihr Bruder Geiselher: · „Mir ahnt, Schwester mein,
Und gerne mag ichs glauben, · dein Leid und deine Pein
Wird König Etzel wenden; · und nimmst du ihn zum Mann,
Was Jemand anders rathe, · so dünkt es mich wohlgethan.“

„Er mag dirs wohl ersetzen,“ · sprach wieder Geiselher.
„Vom Rotten bis zum Rheine, · von der Elbe bis ans Meer
Weiß man keinen König · gewaltiger als ihn.
Du magst dich höchlich freuen, · heischt er dich zur Königin.“

Sie sprach: „Lieber Bruder, · wie räthst du mir dazu?
Weinen und Klagen · das käm mir eher zu.
Wie sollt ich vor den Recken · da zu Hofe gehn?
Hatt ich jemals Schönheit, · um die ists lange geschehn.“

Da redete Frau Ute · der lieben Tochter zu:
„Was deine Brüder rathen, · liebes Kind, das thu.
Folge deinen Freunden, · so mag dirs wohlergehn.
Hab ich dich doch so lange · in großem Jammer gesehn.“

Da bat sie, daß vom Himmel · ihr würde Rath gesandt:
Denn hätte sie zu geben · Gold, Silber und Gewand
Wie einst, da er noch lebte, · ihr Mann der Degen hehr,
Sie erlebe doch nicht wieder · so frohe Stunden nachher.

Sie dacht in ihrem Sinne: · „Und sollt ich meinen Leib
Einem Heiden geben? · Ich bin ein Christenweib;
Des müst ich billig Schelte · von aller Welt empfahn;
Gäb er mir alle Reiche, · es bliebe doch ungethan.“

Da ließ sie es bewenden. · Die Nacht bis an den Tag
Die Frau in ihrem Bette · voll Gedanken lag.
Ihre lichten Augen · trockneten ihr nicht,
Bis sie hin zur Mette · wieder gieng beim Morgenlicht.

Nun waren auch die Könige · zur Messezeit gekommen.
Sie hatten ihre Schwester · an die Hand genommen
Und riethen ihr zu minnen · den von Heunenland.
Niemand doch die Fraue · ein wenig fröhlicher fand.

Da ließ man zu ihr bringen, · die Etzel hingesandt,
Die nun mit Urlaub wollten · räumen Gunthers Land,
Wie es gerathen möge, · mit Nein oder Ja!
Da kam zu Hofe Rüdiger: · die Gefährten mahnten ihn da,

Recht zu erforschen · des edeln Fürsten Muth
Und zeitig das zu leisten; · das dauchte Jeden gut;
Ihre Wege wären ferne · wieder in ihr Land.
Man brachte Rüdigeren · hin, wo er Kriemhilden fand.

Da bat alsbald der Recke · die edle Königin
Mit minniglichen Worten, · zu künden ihren Sinn,
Was sie entbieten wolle · in König Etzels Land.
Der Held mit seinem Werben · bei ihr nur Weigerung fand.

„Sie wolle nimmer wieder · minnen einen Mann.“
Dawider sprach der Markgraf: · „Das wär nicht recht gethan:
Was wolltet ihr verderben · so minniglichen Leib?
Ihr werdet noch mit Ehren · eines werthen Recken Weib.“

Nichts half es, was sie baten, · bis daß Rüdiger
Insgeheim gesprochen · mit der Königin hehr,
Er hoff ihr zu vergüten · all ihr Ungemach.
Da ließ zuletzt ein wenig · ihre hohe Trauer nach.

Er sprach zu der Königin: · „Laßt euer Weinen sein;
Hättet ihr bei den Heunen · Niemand als mich allein,
Meine getreuen Freunde · und Die mir unterthan,
Er sollt es schwer entgelten, · hätt euch Jemand Leid gethan.“

Davon ward erleichtert · der Frauen wohl der Muth.
Sie sprach: „So schwört mir, Rüdiger, · was mir Jemand thut,
Ihr wollt der Erste werden, · der rächen will mein Leid.“
Da sprach zu ihr der Markgraf: · „Dazu bin ich, Frau, bereit.“

Mit allen seinen Mannen · schwur ihr da Rüdiger,
Ihr immer treu zu dienen, · und daß die Recken hehr
Ihr nichts versagen wollten · in König Etzels Land,
Was ihre Ehre heische: · das gelobt' ihr Rüdigers Hand.

Da gedachte die Getreue: · „Wenn ich gewinnen kann
So viel stäter Freunde, · so seh ichs wenig an,
Was auch die Leute reden, · in meines Jammers Noth.
Vielleicht wird noch gerochen · meines lieben Mannes Tod.“

Sie gedachte: „Da Herr Etzel · der Recken hat so viel,
Denen ich gebiete, · so thu ich, was ich will.
Er hat auch solche Schätze, · daß ich verschenken kann;
Mich hat der leide Hagen · meines Gutes ohne gethan.“

Sie sprach zu Rüdigeren: · „Hätt ich nicht vernommen,
Daß er ein Heide wäre, · so wollt ich gerne kommen,
Wohin er geböte, · und nähm ihn zum Mann.“
Da sprach der Markgraf wieder: · „Steht darauf, Herrin, nicht an.

„Er ist nicht gar ein Heide, · des dürft ihr sicher sein:
Er ist getauft gewesen, · der liebe Herre mein,
Wenn er auch zu den Heiden · wieder übertrat:
Wollt ihr ihn, Herrin, minnen, · so wird darüber noch Rath.

„Ihm dienen so viel Recken · in der Christenheit,
Daß euch bei dem König · nie widerfährt ein Leid.
Ihr mögt auch leicht erlangen, · daß der König gut
Zu Gott wieder wendet · so die Seele wie den Muth.“

Da sprachen ihre Brüder: · „Verheißt es, Schwester mein,
Und all euern Kummer · laßt in Zukunft sein.“
Des baten sie so lange, · bis sie mit Trauer drein
Vor den Helden willigte, · den König Etzel zu frein.

Sie sprach: „Ich muß euch folgen, · ich arme Königin!
Ich fahre zu den Heunen, · wann es geschehe, hin,
Wenn ich Freunde finde, · die mich führen in sein Land.“
Darauf bot vor den Helden · die schöne Kriemhild die Hand.

Der Markgraf sprach: „Zwei Recken · stehn in eurem Lehn,
Dazu hab ich noch manchen: · so kann es wohl geschehn,
Daß wir euch mit Ehren · bringen überrhein,
Ich laß euch nun nicht länger · hier bei den Burgunden sein.

„Fünfhundert Mannen hab ich · und der Freunde mein:
Die sollen euch zu Diensten · hier und bei Etzeln sein,
Was ihr auch gebietet; · ich selber steh euch bei
Und will michs nimmer schämen, · mahnt ihr mich künftig meiner Treu.

„Eure Pferdedecken · haltet euch bereit;
Was Rüdiger gerathen hat, · wird euch nimmer leid.
Und sagt es euern Mägdlein, · die ihr euch gesellt,
Uns begegnet unterwegs · mancher auserwählte Held.“

Sie hatten noch Geschmeide, · das sie zu Siegfrieds Zeit
Beim Reiten getragen, · daß sie mit mancher Maid
Mit Ehren reisen mochte, · so sie wollt hindann.
Hei! was man guter Sättel · den schönen Frauen gewann!

Hatten sie schon immer · getragen reich Gewand,
So wurde des zur Reise · die Fülle nun zur Hand,
Weil ihnen von dem König · so viel gepriesen ward;
Sie schloßen auf die Kisten, · so lang versperrt und gespart.

Sie waren sehr geschäftig · wohl fünftehalben Tag
Und suchten aus dem Einschlag, · so viel darinne lag.
Ihre Kammer zu erschließen · hub da Kriemhild an,
Sie Alle reich zu machen, · Die Rüdigern unterthan.

Sie hatte noch des Goldes · von Nibelungenland:
Das sollte bei den Heunen · vertheilen ihre Hand.
Sechshundert Mäule mochten · es nicht von dannen tragen.
Die Märe hörte Hagen · da von Kriemhilden sagen.

Er sprach: „Mir wird Kriemhild · doch nimmer wieder hold:
So muß auch hier verbleiben · Siegfriedens Gold.
Wie ließ' ich meinen Feinden · wohl so großes Gut?
Ich weiß gar wohl, was Kriemhild · noch mit diesem Schatze thut.

„Brächte sie ihn von hinnen, · ich glaube sicherlich,
Sie würd ihn nur vertheilen, · zu werben wider mich.
Sie hat auch nicht die Rosse, · um ihn hinwegzutragen:
Behalten will ihn Hagen, · das soll man Kriemhilden sagen.“

Als sie vernahm die Märe, · das schuf ihr grimme Pein.
Es ward auch den Königen · gemeldet allen drein:
Sie gedachten es zu wenden. · Als das nicht geschah,
Rüdiger der edle · sprach mit frohem Muthe da:

„Reiche Königstochter, · was klagt ihr um das Gold?
Euch ist König Etzel · so zugethan und hold,
Ersehn euch seine Augen, · er giebt euch solchen Hort,
Daß ihr ihn nie verschwendet; · das verbürgt euch, Frau, mein Wort.“

Da sprach zu ihm die Königin: · „Viel edler Rüdiger,
Nie gewann der Schätze · eine Königstochter mehr
Als die, deren Hagen · mich ohne hat gethan.“
Da kam ihr Bruder Gernot · zu ihrer Kammer heran.

Mit des Königs Macht den Schlüßel · stieß er in die Thür.
Kriemhildens Schätze · reichte man herfür,
An dreißigtausend Marken · oder wohl noch mehr,
Daß es die Gäste nähmen: · des freute Gunther sich sehr.

Da sprach von Bechelaren · der Gotelinde Mann:
„Und gehörten all die Schätze · noch Kriemhilden an,
Die man jemals brachte · von Nibelungenland,
Nicht berühren sollt es · mein noch der Königin Hand.

„Heißt es aufbewahren, · da ichs nicht haben will.
Ich bracht aus unserm Lande · des Meinen her so viel,
Wir mögens unterweges · entrathen wohl mit Fug:
Wir haben zu der Reise · genug und übergenug.“

Zwölf Schreine hatten · noch ihre Mägdelein
Des allerbesten Goldes, · das irgend mochte sein,
Bewahrt aus alten Zeiten: · das nun verladen ward
Und viel der Frauenzierde, · die sie brauchten auf der Fahrt.

Die Macht des grimmen Hagen · bedauchte sie zu stark.
Des Opfergoldes hatte · sie wohl noch tausend Mark:
Das gab sie für die Seele · von ihrem lieben Mann.
Das dauchte Rüdigeren · mit großen Treuen gethan.

Da sprach die arme Königin: · „Wo sind die Freunde mein,
Die da mir zu Liebe · im Elend wollen sein
Und mit mir reiten sollen · in König Etzels Land?
Die nehmen meines Goldes · und kaufen Ross' und Gewand.“

Alsbald gab ihr Antwort · der Markgraf Eckewart:
„Seit ich als Ingesinde · euch zugewiesen ward,
Hab ich euch stäts getreulich · gedient,“ sprach der Degen,
„Und will bis an mein Ende · des Gleichen immer bei euch pflegen.

„Ich führ auch mit der Meinen · fünfhundert Mann,
Die biet ich euch zu Dienste · mit rechten Treuen an.
Wir bleiben ungeschieden, · es thu es denn der Tod.“
Der Rede dankt' ihm Kriemhild, · da ers so wohl ihr erbot.

Da brachte man die Rosse: · sie wollten aus dem Land.
Wohl huben an zu weinen · die Freunde all zur Hand.
Ute die reiche · und manche schöne Maid
Bezeigten, wie sie trugen · um Kriemhilden Herzeleid.

Hundert schöner Mägdelein · führte sie aus dem Land;
Die wurden wohl gekleidet, · jede nach ihrem Stand.
Aus lichten Augen fielen, · die Thränen ihnen nieder;
Manche Freud erlebten · sie auch bei König Etzel wieder.

Da kam der junge Geiselher · und König Gernot,
Mit ihrem Heergesinde, · wie es die Zucht gebot:
Die liebe Schwester wollten sie · begleiten durch das Land;
Sie hatten im Gefolge · wohl tausend Degen auserkannt.

Da kam der schnelle Gere · und auch Ortewein;
Rumold der Küchenmeister · der ließ sie nicht allein.
Sie schufen Nachtlager · der Frauen auf den Wegen:
Als Marschall sollte Volker · ihrer Herberge pflegen.

Bei Abschiedsküssen hatte · man Weinen viel vernommen,
Eh sie zu Felde waren · von der Burg gekommen.
Ungebeten gaben Viele · Geleit ihr durch das Land.
Vor der Stadt schon hatte · sich König Gunther gewandt.

Eh sie vom Rheine führen, · hatten sie vorgesandt
Ihre schnellen Boten · in der Heunen Land,
Dem Könige zu melden, · daß ihm Rüdiger
Zum Gemahl geworben · die edle Königin hehr.

Die Boten fuhren schnelle: · Eil war ihnen Noth
Um die große Ehre · und das reiche Botenbrot.
Als sie mit ihren Mären · waren heimgekommen,
Da hatte König Etzel · so Liebes selten vernommen.

Der frohen Kunde willen · ließ der König geben
Den Boten solche Gaben, · daß sie wohl mochten leben
Immerdar in Freuden · hernach bis an den Tod:
Mit Wonne war verschwunden · des Königs Kummer und Noth.

21. Einundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Kriemhild zu den Heunen fuhr.

Die Boten laßt reiten, · so thun wir euch bekannt,
Wie die Königstochter · fuhr durch das Land,
Und wo von ihr Geiselher · schied mit Gernot;
Sie hatten ihr gedienet, · wie ihre Treue gebot.

Sie kamen an die Donau · gen Bergen nun geritten.
Da begannen sie um Urlaub · die Königin zu bitten,
Weil sie wieder wollten · reiten an den Rhein.
Da mocht es ohne Weinen · von guten Freunden nicht sein.

Geiselher der schnelle · sprach zu der Schwester sein:
„Schwester, wenn du jemals · bedürfen solltest mein,
Was immer dich gefährde, · so mach es mir bekannt,
Dann reit ich dir zu dienen · hin in König Etzels Land.“

Die Verwandten alle küsste sie auf den Mund.
Minniglich sich scheiden · sah man da zur Stund
Die schnellen Burgunden · von Rüdigers Geleit.
Da zog mit der Königin · manche wohlgethane Maid,

Hundert und viere; · sie trugen schön Gewand
Von buntgewebten Zeugen; · manch breiten Schildesrand
Führte man der Königin · nach auf ihren Wegen.
Da bat auch um Urlaub · Volker der zierliche Degen.

Ueber die Donau kamen · sie jetzt gen Baierland:
Da sagte man die Märe, · es kämen angerannt
Viel unkunder Gäste. · Wo noch ein Kloster steht
Und der Innfluß mündend · in die Donau niedergeht,

In der Stadt zu Paßau · saß ein Bischof.
Herbergen leerten sich · und auch des Fürsten Hof:
Den Gästen entgegen · giengs auf durch Baierland,
Wo der Bischof Pilgerin · die schöne Kriemhild fand.

Den Recken in dem Lande · war es nicht zu leid,
Als sie ihr folgen sahen · so manche schöne Maid.
Da kos'ten sie mit Augen · manch edeln Ritters Kind.
Gute Herberge · wies man den Gästen geschwind.

Dort zu Pledelingen · schuf man ihnen Ruh;
Das Volk allenthalben · ritt auf sie zu.
Man gab, was sie bedurften, · williglich und froh:
Sie nahmen es mit Ehren; · so that man bald auch anderswo.

Der Bischof mit der Nichte · ritt auf Paßau an.
Als es da den Bürgern · der Stadt ward kund gethan,
Das Schwesterkind des Fürsten, · Kriemhild wolle kommen,
Da ward sie wohl mit Ehren · von den Kaufherrn aufgenommen.

Als der Bischof wähnte, · sie blieben nachts ihm da,
Sprach Eckewart der Markgraf: · „Unmöglich ist das ja:
Wir müßen abwärts reiten · in Rüdigers Land:
Viel Degen harren unser: · ihnen allen ist es bekannt.“

Nun wust auch wohl die Märe · die schöne Gotelind:
Sie rüstete sich fleißig · und auch ihr edel Kind.
Ihr hatt entboten Rüdiger, · ihn bedünk es gut,
Wenn sie der Königstochter · damit tröstete den Muth

Und ihr entgegenritte · mit seiner Mannen Schar
Hinauf bis zur Ense. · Als das im Werke war,
Da sah man allenthalben · erfüllt die Straßen stehn:
Sie wollten ihren Gästen · entgegen reiten und gehn.

Nun war gen Everdingen · die Königin gekommen.
Man hatt im Baierlande · von Schächern wohl vernommen,
Die auf den Straßen raubten, · wie es ihr Gebrauch:
So hätten sie die Gäste · mögen schädigen auch.

Das hatte wohl verhütet · der edle Rüdiger:
Er führte tausend Ritter · oder wohl noch mehr.
Da kam auch Gotelinde, · Rüdigers Gemahl,
Mit ihr in stolzem Zuge · kühner Recken große Zahl.

Ueber die Traune kamen sie · bei Ense auf das Feld;
Da sah man aufgeschlagen · Hütten und Gezelt,
Daß gute Ruhe fänden · die Gäste bei der Nacht.
Für ihre Kost zu sorgen · war der Markgraf bedacht.

Von den Herbergen · ritt ihrer Frau entgegen
Gotelind die schöne. · Da zogen auf den Wegen
Mit klingenden Zäumen · viel Pferde wohlgethan.
Sie wurde wohl empfangen; · lieb that man Rüdigern daran.

Die sie zu beiden Seiten · begrüßten auf dem Feld
Mit kunstvollem Reiten, · das war mancher Held.
Sie übten Ritterspiele; · das sah manch schöne Maid.
Auch war der Dienst der Helden · den schönen Frauen nicht leid.

Als zu den Gästen kamen · Die in Rüdigers Lehn,
Viel Schaftsplitter sah man · in die Lüfte gehn
Von der Recken Händen · nach ritterlichen Sitten.
Da wurde wohl zu Danke · vor den Frauen geritten.

Sie ließen es bewenden. · Da grüßte mancher Mann
Freundlich den andern. · Nun führten sie heran
Die schöne Gotelinde, · wo sie Kriemhild sah.
Die Frauen dienen konnten, · hatten selten Muße da.

Der Vogt von Bechelaren · ritt zu Gotlinden hin.
Wenig Kummer schuf es · der edeln Markgräfin,
Daß sie wohl geborgen · ihn sah vom Rheine kommen.
Ihr war die meiste Sorge · mit großer Freude benommen.

Als sie ihn hatt empfangen, · hieß er sie auf das Feld
Mit den Frauen steigen, · die er ihr sah gestellt.
Da zeigte sich geschäftig · mancher edle Mann:
Den Frauen wurden Dienste · mit großem Fleiße gethan.

Da ersah Frau Kriemhild · die Markgräfin stehn
Mit ihrem Ingesinde: · sie ließ nicht näher gehn:
Sie zog mit dem Zaume · das Ross an, das sie trug,
Und ließ sich aus dem Sattel · heben schleunig genug.

Den Bischof sah man führen · seiner Schwester Kind,
Ihn und Eckewarten, · hin zu Frau Gotelind.
Es muste vor ihr weichen, · wer im Wege stund.
Da küsste die Fremde · die Markgräfin auf den Mund.

Da sprach mit holden Worten · die edle Markgräfin:
„Nun wohl mir, liebe Herrin, · daß ich so glücklich bin,
Hier in diesem Lande · mit Augen euch zu sehn:
Mir könnt in diesen Zeiten · nimmer lieber geschehn.“

„Nun lohn euch Gott,“ sprach Kriemhild, · „viel edle Gotelind.
So ich gesund verbleibe · mit Botlungens Kind,
Mag euch zu Gute kommen, · daß ihr mich habt gesehn.“
Noch ahnten nicht die Beiden, · was später muste geschehn.

Mit Züchten zu einander · gieng da manche Maid;
Zu Diensten waren ihnen · die Recken gern bereit.
Sie setzten nach dem Gruße · sich nieder auf den Klee:
Da lernten sich kennen, · die sich fremd gewesen eh.

Man ließ den Frauen schenken. · Es war am hohen Tag;
Das edle Ingesinde · der Ruh nicht länger pflag.
Sie ritten, bis sie fanden · viel breiter Hütten stehn:
Da konnten große Dienste · den edeln Gästen geschehn.

Ueber Nacht da pflegen · sollten sie der Ruh.
Die von Bechelaren · schickten sich dazu,
Nach Würden zu bewirthen · so manchen werthen Mann.
So hatte Rüdiger gesorgt, · es gebrach nicht viel daran.

Die Fenster an den Mauern · sah man offen stehn;
Man mochte Bechelaren · weit erschloßen sehn.
Da ritten ein die Gäste, · die man gerne sah;
Gut Gemach schuf ihnen · der edle Rüdiger da.

Des Markgrafen Tochter · mit dem Gesinde gieng
Dahin, wo sie die Königin · minniglich empfieng.
Da war auch ihre Mutter, · Rüdigers Gemahl:
Liebreich empfangen wurden · die Jungfrauen allzumal.

Sie fügten ihre Hände · in Eins und giengen dann
Zu einem weiten Saale, · der war gar wohlgethan,
Vor dem die Donau unten · die Flut vorübergoß.
Da saßen sie im Freien · und hatten Kurzweile groß.

Ich kann euch nicht bescheiden, · was weiter noch geschah.
Daß sie so eilen müsten, · darüber klagten da
Die Recken Kriemhildens; · wohl war es ihnen leid.
Was ihnen guter Degen · aus Bechlarn gaben Geleit!

Viel minnigliche Dienste · der Markgraf ihnen bot.
Da gab die Königstochter · zwölf Armspangen roth
Der Tochter Gotlindens · und also gut Gewand,
Daß sie kein beßres brachte · hin in König Etzels Land.

Obwohl ihr war benommen · der Nibelungen Gold,
Alle, die sie sahen, · machte sie sich hold
Noch mit dem kleinen Gute, · das ihr verblieben war.
Dem Ingesind des Wirthes · bot sie große Gaben dar.

Dafür erwies Frau Gotlind · den Gästen von dem Rhein
Auch so hohe Ehre · mit Gaben groß und klein,
Daß man da der Fremden · wohl selten einen fand,
Der nicht von ihr Gesteine · trug oder herrlich Gewand.

Als man nach dem Imbiß · fahren sollt hindann,
Ihre treuen Dienste · trug die Hausfrau an
Mit minniglichen Worten · Etzels Gemahl.
Die liebkos'te scheidend · der schönen Jungfrau zumal.

Da sprach sie zu der Königin: · „Dünkt es euch nun gut,
So weiß ich, wie gern es · mein lieber Vater thut,
Daß er mich zu euch sendet · in der Heunen Land.“
Daß sie ihr treu gesinnt war, · wie wohl Frau Kriemhild das fand!

Die Rosse kamen aufgezäumt · vor Bechelaren an.
Als die edle Königin · Urlaub hatt empfahn
Von Rüdigers Weibe · und von der Tochter sein,
Da schieden auch mit Grüßen · viel der schönen Mägdelein.

Sie sahn einander selten · mehr nach diesen Tagen.
Aus Medelick auf Händen · brachte man getragen
Manch schönes Goldgefäße · angefüllt mit Wein
Den Gästen auf die Straße · und hieß sie willkommen sein.

Ein Wirth war da geseßen, · Astold genannt,
Der wies sie die Straße · ins Oesterreicherland
Gegen Mautaren · an der Donau nieder:
Da ward viel Dienst erboten · der reichen Königin wieder.

Der Bischof mit Liebe · von seiner Nichte schied.
Daß sie sich wohl gehabe, · wie sehr er ihr das rieth,
Und sich Ehr erwerbe, · wie Helke einst gethan.
Hei! was sie großer Ehren · bald bei den Heunen gewann!

An die Traisem kamen · die Gäst in kurzer Zeit.
Sie zu pflegen fliß sich · Rüdigers Geleit,
Bis daß man die Heunen · sah reiten über Land:
Da ward der Königstochter · erst große Ehre bekannt.

Bei der Traisem hatte · der Fürst von Heunenland
Eine reiche Veste, · im Lande wohl bekannt,
Mit Namen Traisenmauer: · einst wohnte Helke da
Und pflag so hoher Milde, · als wohl nicht wieder geschah,

Es sei denn von Kriemhilden; · die mochte gerne geben.
Sie durfte wohl die Freude · nach ihrem Leid erleben,
Daß ihre Güte priesen, · die Etzeln unterthan.
Das Lob sie bei den Helden · in der Fülle bald gewann.

König Etzels Herrschaft · war so weit erkannt,
Daß man zu allen Zeiten · an seinem Hofe fand
Die allerkühnsten Recken, · davon man je vernommen
Bei Christen oder Heiden; · die waren all mit ihm gekommen.

Bei ihm war allerwegen, · so sieht mans nimmermehr,
So christlicher Glaube · als heidnischer Verkehr.
Wozu nach seiner Sitte · sich auch ein Jeder schlug,
Das schuf des Königs Milde, · man gab doch Allen genug.

22. Zweiundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Kriemhild bei den Heunen empfangen ward.

Sie blieb zu Traisenmauer · bis an den vierten Tag.
Der Staub in den Straßen · derweil nicht stille lag:
Aufstob er allenthalben · wie in hellem Brand.
Da ritten Etzels Leute · durch das Oesterreicherland.

Es war dem König Etzel · gemeldet in der Zeit,
Daß ihm vor Gedanken · schwand sein altes Leid,
Wie herrlich Frau Kriemhild · zöge durch das Land.
Da eilte hin der König, · wo er die Minnigliche fand.

Von gar manchen Sprachen · sah man auf den Wegen
Vor König Etzeln reiten · viel der kühnen Degen,
Von Christen und von Heiden · manches breite Heer.
Als sie die Herrin fanden, · sie zogen fröhlich einher.

Von Reußen und von Griechen · ritt da mancher Mann;
Die Polen und Walachen · zogen geschwind heran
Auf den guten Rossen, · die sie herrlich ritten.
Da zeigte sich ein Jeder · in seinen heimischen Sitten.

Aus dem Land zu Kiew · ritt da mancher Mann
Und die wilden Peschenegen. · Mit Bogen hub man an
Zu schießen nach den Vögeln, · die in den Lüften flogen;
Mit Kräften sie die Pfeile · bis zu des Bogens Ende zogen.

Eine Stadt liegt an der Donau · im Oesterreicherland,
Die ist geheißen Tulna. · Da ward ihr bekannt
Manche fremde Sitte, · die sie noch niemals sah.
Da empfiengen sie gar Viele, · denen noch Leid von ihr geschah.

Es ritt dem König Etzel · ein Ingesind voran,
Fröhlich und prächtig, · höfisch und wohlgethan,
Wohl vierundzwanzig Fürsten, · mächtig und hehr:
Ihre Königin zu schauen, · sie begehrten sonst nichts mehr.

Ramung, der Herzog · aus Walachenland,
Mit siebenhundert Mannen · kam er vor sie gerannt.
Wie fliegende Vögel · sah man sie alle fahren.
Da kam der Fürst Gibeke · mit viel herrlichen Scharen.

Hornbog der schnelle · ritt mit tausend Mann
Von des Königs Seite · zu seiner Fraun heran.
Sie prangten und stolzierten · nach ihres Landes Sitten.
Von den Heunenfürsten · ward auch da herrlich geritten.

Da kam vom Dänenlande · der kühne Hawart
Und Iring der schnelle, · vor allem Falsch bewahrt;
Von Thüringen Irnfried, · ein waidlicher Mann:
Sie empfiengen Kriemhilden, · daß sie viel Ehre gewann,

Mit zwölfhundert Mannen, · die zählte ihre Schar.
Da kam der Degen Blödel · mit dreitausend gar,
König Etzels Bruder · aus dem Heunenland:
Der ritt in stolzem Zuge, · bis er die Königin fand.

Da kam der König Etzel · und Herr Dieterich
Mit seinen Helden allen. · Da sah man ritterlich
Manchen edeln Ritter · bieder und auch gut.
Davon ward Kriemhilden · gar wohl erhoben der Muth.

Da sprach zu der Königin · der edle Rüdiger:
„Frau, euch will empfangen · hier der König hehr.
Wen ich euch küssen heiße, · dem sei der Kuss gegönnt:
Wißt, daß ihr Etzels Recken · nicht alle gleich empfangen könnt.“

Da hob man von der Mähre · die Königin hehr.
Etzel der reiche · nicht säumt' er länger mehr:
Er schwang sich von dem Rosse · mit manchem kühnen Mann;
Voller Freuden kam er · zu Frau Kriemhilden heran.

Zwei mächtige Fürsten, · das ist uns wohlbekannt,
Giengen bei der Frauen · und trugen ihr Gewand,
Als der König Etzel · ihr entgegen gieng
Und sie den edlen Fürsten · mit Küssen gütlich empfieng.

Sie schob hinauf die Binden: · ihre Farbe wohlgethan
Erglänzt' aus dem Golde. · Da sagte mancher Mann,
Frau Helke könne schöner · nicht gewesen sein.
Da stand in der Nähe · des Königs Bruder Blödelein.

Den rieth ihr zu küssen · Rüdiger der Markgraf reich
Und den König Gibeke, · Dietrichen auch zugleich:
Zwölf der Recken küsste · Etzels Königin;
Da blickte sie mit Grüßen · noch zu manchem Ritter hin.

Während König Etzel · bei Kriemhilden stand,
Thaten junge Degen · wie Sitte noch im Land:
Waffenspiele wurden · schön vor ihr geritten;
Das thaten Christenhelden · und Heiden nach ihren Sitten.

Wie ritterlich die Degen · in Dietrichens Lehn
Die splitternden Schäfte · in die Lüfte ließen gehn
Hoch über Schilde · aus guter Ritter Hand!
Vor den deutschen Gästen · brach da mancher Schildesrand.

Von der Schäfte Krachen · vernahm man lauten Schall.
Da waren aus dem Lande · die Recken kommen all
Und auch des Königs Gäste, · so mancher edle Mann:
Da gieng der reiche König · mit der Königin hindann.

Sie fanden in der Nähe · ein herrlich Gezelt.
Erfüllt war von Hütten · rings das ganze Feld;
Da war nach den Beschwerden · Rast für sie bereit.
Da geleiteten die Helden · darunter manche schöne Maid

Zu Kriemhild der Königin, · die dort darnieder saß
Auf reichem Stuhlgewande; · der Markgraf hatte das
So prächtig schaffen laßen, · sie fandens schön und gut.
Da stand dem König Etzel · in hohen Freuden der Muth.

Was sie zusammen redeten, · das ist mir unbekannt;
In seiner Rechten ruhte · ihre weiße Hand.
So saßen sie in Minne, · als Rüdiger der Degen
Dem König nicht gestattete, · Kriemhildens heimlich zu pflegen.

Da ließ man unterbleiben · das Kampfspiel überall;
Mit Ehren ward beendet · der laute Freudenschall.
Da giengen zu den Hütten · Die Etzeln unterthan;
Herberge wies man ihnen · ringsum allenthalben an.

Den Abend und nachtüber · fanden sie Ruhe da,
Bis man den lichten Morgen · wieder scheinen sah.
Da kamen hoch zu Rosse · viel Helden ausersehn;
Hei! was sah man Kurzweil · zu des Königs Ehren geschehn!

Nach Würden es zu schaffen · der Fürst die Heunen bat.
Da ritten sie von Tulna · gen Wien in die Stadt.
In schönem Schmucke fand man · da Frauen ohne Zahl.
Sie empfiengen wohl mit Ehren · König Etzels Gemahl.

In Ueberfluß und Fülle · war da für sie bereit,
Wes sie nur bedurften. · Viel Degen allbereit
Sahn froh dem Fest entgegen. · Herbergen wies man an;
Die Hochzeit des Königs · mit hohen Freuden begann.

Man mochte sie nicht alle · herbergen in der Stadt:
Die nicht Gäste waren, · Rüdiger die bat,
Daß sie Herberge · nahmen auf dem Land.
Wohl weiß ich, daß man immer · den König bei Kriemhilden fand.

Dietrich der Degen · und mancher andre Held
Die hatten ihre Muße · mit Arbeit eingestellt,
Auf daß sie den Gästen · trösteten den Muth;
Rüdger und seine Freunde · hatten Kurzweile gut.

Die Hochzeit war gefallen · auf einen Pfingstentag,
Wo der König Etzel · bei Kriemhilden lag
In der Stadt zu Wiene. · Fürwahr so manchen Mann
Bei ihrem ersten Manne · sie nicht zu Diensten gewann.

Durch Gabe ward sie Manchem, · der sie nicht kannte, kund.
Darüber zu den Gästen · hub Mancher an zur Stund:
„Wir wähnten, Kriemhilden · benommen wär ihr Gut,
Die nun mit ihren Gaben · hier so große Wunder thut.“

Diese Hochzeit währte · siebzehn Tage lang.
Von keinem andern König · weiß der Heldensang,
Der solche Hochzeit hielte: · es ist uns unbekannt.
Alle, die da waren, · die trugen neues Gewand.

Sie hatte nie geseßen · daheim in Niederland
Vor so manchem Recken; · auch ist mir wohlbekannt,
War Siegfried reich an Schätzen, · so hatte er doch nicht
So viel der edeln Recken, · als sie hier sah in Etzels Pflicht.

Wohl gab auch nie ein König · bei seiner Hochzeit
So manchen reichen Mantel, · lang, tief und weit,
Noch so gute Kleider, · als man hier gewann,
Die Kriemhildens willen · alle wurden vertan.

Ihre Freunde wie die Gäste · hatten Einen Muth:
Sie dachten nichts zu sparen, · und wärs das beste Gut.
Was Einer wünschen mochte, · man war dazu bereit;
Da Standen viel der Degen · vor Milde bloß und ohne Kleid.

Wenn sie daran gedachte, · wie sie am Rheine saß
Bei ihrem edeln Manne, · ihre Augen wurden naß;
Doch hehlte sie es immer, · daß es Niemand sah,
Da ihr nach manchem Leide · so viel der Ehren geschah.

Was Einer that aus Milde, · das war doch gar ein Wind
Gegen Dietrichen: · was Botlungens Kind
Ihm gegeben hatte, · das wurde gar verwandt.
Da begieng auch große Wunder · des milden Rüdiger Hand.

Auch aus Ungarlande · der Degen Blödelein
Ließ da ledig machen · manchen Reiseschrein
Von Silber und von Golde: · das ward dahin gegeben.
Man sah des Königs Helden · so recht fröhlich alle leben.

Des Königs Spielleute, · Werbel und Schwemmelein,
Wohl an tausend Marken · nahm Jedweder ein
Bei dem Hofgelage · (oder mehr als das),
Als die schöne Kriemhild · bei Etzeln unter Krone saß.

Am achtzehnten Morgen · von Wien die Helden ritten.
In Ritterspielen wurden · der Schilde viel verschnitten
Von Speren, so da führten · die Recken an der Hand:
So kam der König Etzel · mit Freuden in der Heunen Land.

In Heimburg der alten · verblieb man über Nacht.
Da konnte Niemand wißen · recht des Volkes Macht,
Mit welchen Heerkräften · sie ritten durch das Land.
Hei! was schöner Frauen · man in seiner Heimat fand!

In Misenburg der reichen · fieng man zu segeln an.
Verdeckt ward das Wasser · von Ross und auch von Mann,
Als ob es Erde wäre, · was man doch fließen sah.
Die wegemüden Frauen · mochten sich wohl ruhen da.

Zusammen war gebunden · manches Schifflein gut,
Daß ihnen wenig schaden · Woge mocht und Flut;
Darüber ausgebreitet · manch köstlich Geleit,
Als ob sie noch immer · beides hatten, Land und Feld.

Nun ward auch in Etzelnburg · die Märe kund gethan:
Da freute sich darinnen · beides, Weib und Mann.
Etzels Ingesinde, · des einst Frau Helke pflag,
Erlebte bei Kriemhilden · noch manchen fröhlichen Tag.

Da stand ihrer harrend · gar manche edle Maid,
Die seit Helkens Tode · getragen Herzeleid.
Sieben Königstöchter · Kriemhild noch da fand;
Durch die so ward gezieret · König Etzels ganzes Land.

Herrat die Jungfrau · noch des Gesindes pflag,
Helkens Schwestertochter, · in der viel Tugend lag,
Dietrichs Verlobte, · eines edeln Königs Sproß,
Die Tochter Nentweinens, · die noch viel Ehren genoß.

Auf der Gäste Kommen · freute sich ihr Muth;
Auch war dazu verwendet · viel kostbares Gut.
Wer könnt euch des bescheiden, · wie der König saß seitdem?
Den Heunen ward nicht wieder · eine Königin so genehm.

Als der Fürst mit seinem Weibe · geritten kam vom Strand,
Wer eine Jede führte, · das ward da wohl benannt
Kriemhild der edeln: · sie grüßte desto mehr.
Wie saß an Helkens Stelle · sie bald gewaltig und hehr!

Getreulichen Dienstes · ward ihr viel bekannt.
Die Königin vertheilte · Gold und Gewand,
Silber und Gesteine: · was sie des überrhein
Zum Heunenlande brachte, · das muste gar vergeben sein.

Auch wurden ihr mit Diensten · ergeben allzumal
Die Freunde des Königs · und denen er befahl,
Daß Helke nie die Königin · so gewaltiglich gebot,
Als sie ihr dienen musten · bis an Kriemhildens Tod.

Da stand in solchen Ehren · der Hof und auch das Land,
Daß man zu allen Zeiten · die Kurzweile fand,
Wonach einem Jeden · verlangte Herz und Muth;
Das schuf des Königs Liebe, · dazu der Königin Gut.

23. Dreiundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen gedachte.

In so hohen Ehren, · das ist alles wahr,
Wohnten sie beisammen · bis an das siebte Jahr.
Eines Sohns war genesen · derweil die Königin:
Das schien König Etzel · der allergröste Gewinn.

Bis sie es erlangte, · ließ sie nicht ab davon,
Die Taufe must empfangen · König Etzels Sohn
Nach christlichem Brauche: · Ortlieb ward er genannt.
Darob war große Freude · über Etzels ganzem Land.

Der Zucht, deren jemals · zuvor Frau Helke pflag,
Fliß sich Frau Kriemhild · darauf gar manchen Tag.
Es lehrte sie die Sitte · Herrat die fremde Maid;
Die trug noch in der Stille · um Helke schmerzliches Leid.

Vor Heimischen und Fremden · gestanden allesamt
Beßer und milder · hab eines Königs Land
Nie eine Frau beseßen: · das hielten sie für wahr.
Des rühmten sie die Heunen · bis an das dreizehnte Jahr.

Nun wuste sie, daß Niemand · ihr feindlich sei gesinnt,
Wie oft wohl Königinnen · der Fürsten Recken sind,
Und daß sie täglich mochte · zwölf Könge vor sich sehn.
Sie vergaß auch nicht des Leides, · das ihr daheim war geschehn.

Sie gedacht auch noch der Ehren · in Nibelungenland,
Die ihr geboten worden · und die ihr Hagens Hand
Mit Siegfriedens Tode · hatte gar benommen,
Und ob ihm das nicht jemals · noch zu Leide sollte kommen.

„Es geschäh, wenn ich ihn bringen · möcht in dieses Land.“
Ihr träumte wohl, ihr gienge · bei Etzel an der Hand
Geiselher ihr Bruder; · sie küsst' ihn allezeit
In ihrem sanften Schlafe: · das ward zu schmerzlichem Leid.

Der üble Teufel war es wohl, · der Kriemhilden rieth,
Daß sie in Freundschaft · von König Gunther schied
Und ihn zur Sühne küsste · in Burgundenland.
Aufs Neu begann zu triefen · von heißen Thränen ihr Gewand.

Es lag ihr an dem Herzen · beides, spat und fruh,
Wie man mit Widerstreben · sie doch gebracht dazu,
Daß sie minnen muste · einen heidnischen Mann:
Die Noth hatt ihr Hagen · und Herr Gunther angethan.

Wie sie das rächen möchte, · dachte sie alle Tage:
„Ich bin nun wohl so mächtig, · wem es auch missbehage,
Daß ich meinen Feinden · mag schaffen Herzeleid:
Dazu wär ich dem Hagen · von Tronje gerne bereit.

„Nach den Getreuen jammert · noch oft die Seele mein;
Doch die mir Leides thaten, · möcht ich bei denen sein,
So würde noch gerochen · meines Friedels Tod.
Kaum kann ich es erwarten,“ · sprach sie in des Herzens Noth.

Es liebten sie Alle, · die dem König unterthan,
Die Recken Kriemhildens; · das war wohlgethan.
Ihr Kämmerer war Eckewart: · drum ward er gern gesehn:
Kriemhildens Willen · konnte Niemand widerstehn.

Sie gedacht auch alle Tage: · „Ich will den König bitten,“
Er möcht ihr vergönnen · mit gütlichen Sitten,
Daß man ihre Freunde · brächt in der Heunen Land.
Den argen Willen Niemand · an der Königin verstand.

Als eines Nachts Frau Kriemhild · bei dem König lag,
Umfangen mit den Armen · hielt er sie, wie er pflag
Der edeln Frau zu kosen, · sie war ihm wie sein Leib,
Da gedachte ihrer Feinde · dieses herrliche Weib.

Sie sprach zu dem König: · „Viel lieber Herre mein,
Ich wollt euch gerne bitten, · möcht es mit Hulden sein,
Daß ihr mich sehen ließet, · ob ich verdient den Sold,
Daß ihr meinen Freunden · wäret inniglich hold.“

Da sprach der mächtge König, · arglos war sein Muth:
„Des sollt ihr inne werden: · was man den Helden thut
Zu Ehren und zu Gute, · mir geschieht ein Dienst daran,
Da ich von Weibesminne · nie beßre Freunde gewann.“

Noch sprach zu ihm die Königin: · „Ihr wißt so gut wie ich,
Ich habe hohe Freunde: · darum betrübt es mich,
Daß mich die so selten · besuchen hier im Land:
Ich bin allen Leuten · hier nur als freundlos bekannt.“

Da sprach der König Etzel: · „Viel liebe Fraue mein,
Däucht' es sie nicht zu ferne, · so lüd ich überrhein,
Die ihr da gerne sähet, · hieher zu meinem Land.“
Sie freute sich der Rede, · als ihr sein Wille ward bekannt.

Sie sprach: „Wollt ihr mir Treue · leisten, Herre mein,
So sollt ihr Boten senden · gen Worms überrhein.
So entbiet ich meinen Freunden · meinen Sinn und Muth:
So kommen uns zu Lande · viel Ritter edel und gut.“

Er sprach: „Wenn ihr gebietet, · so laß ich es geschehn.
Ihr könntet eure Freunde · nicht so gerne sehn,
Der edeln Ute Kinder, · als ich sie sähe gern:
Es ist mir ein Kummer, · daß sie so fremd uns sind und fern.“

Er sprach: „Wenn dirs gefiele, · viel liebe Fraue mein,
Wollt ich als Boten senden · zu den Freunden dein
Meine Fiedelspieler · gen Burgundenland.“
Die guten Spielleute · ließ man bringen gleich zur Hand.

Die Knappen kamen beide, · wo sie den König sahn
Sitzen bei der Königin. · Da sagt' er ihnen an,
Sie sollten Boten werden · nach Burgundenland.
Auch ließ er ihnen schaffen · reiches herrliches Gewand.

Vierundzwanzig Recken · schnitt man da das Kleid.
Ihnen ward auch von dem König · gegeben der Bescheid,
Wie sie Gunthern laden sollten · und Die ihm unterthan.
Frau Kriemhild mit ihnen · geheim zu sprechen begann.

Da sprach der reiche König: · „Nun hört, wie ihr thut:
Ich entbiete meinen Freunden · alles, was lieb und gut,
Daß sie geruhn zu reiten · hieher in mein Land.
Ich habe noch gar selten · so liebe Gäste gekannt.

„Und wenn sie meinen Willen · gesonnen sind zu thun,
Kriemhilds Verwandte, · so mögen sie nicht ruhn
Und mir zu Liebe kommen · zu meinem Hofgelag,
Da meiner Schwäger Freundschaft · mich so sehr erfreuen mag.“

Da sprach der Fiedelspieler, · der stolze Schwemmelein:
„Wann soll euer Gastgeber · in diesen Landen sein?
Daß wirs euern Freunden · am Rhein mögen sagen.“
Da sprach der König Etzel: · „In der nächsten Sonnenwende Tagen.“

„Wir thun, was ihr gebietet,“ · sprach da Werbelein.
Kriemhild ließ die Boten · zu ihrem Kämmerlein
Führen in der Stille · und besprach mit ihnen da,
Wodurch noch manchem Degen · bald wenig Liebes geschah.

Sie sprach zu den Boten: · „Ihr verdient groß Gut,
Wenn ihr besonnen · meinen Willen thut
Und sagt, was ich entbiete · heim in unser Land:
Ich mach euch reich an Gute · und geb euch herrlich Gewand.

„Wen ihr von meinen Freunden · immer möget sehn
Zu Worms an dem Rheine, · dem sollt ihrs nie gestehn,
Daß ihr mich immer sähet · betrübt in meinem Muth;
Und entbietet meine Grüße · diesen Helden kühn und gut.

„Bittet sie zu leisten, · was mein Gemahl entbot,
Und mich dadurch zu scheiden · von all meiner Noth.
Ich scheine hier den Heunen · freundlos zu sein.
Wenn ich ein Ritter hieße · ich käme manchmal an den Rhein.

„Und sagt auch Gernoten, · dem edeln Bruder mein,
Daß ihm auf Erden Niemand · holder möge sein:
Bittet, daß er mir bringe · hierher in dieses Land
Unsre besten Freunde: · so wird uns Ehre bekannt.

„Sagt auch Geiselheren, · ich mahn ihn daran,
Daß ich mit seinem Willen · nie ein Leid gewann:
Drum sähn ihn hier im Lande · gern die Augen mein;
Auch will ich all mein Leben · ihm zu Dienst verpflichtet sein.

„Sagt auch meiner Mutter, · wie mir Ehre hier geschieht;
Und wenn von Tronje Hagen · der Reise sich entzieht,
Wer ihnen zeigen solle · die Straßen durch das Land?
Die Wege zu den Heunen · sind von frühauf ihm bekannt.“

Nun wusten nicht die Boten, · warum das möge sein,
Daß sie diesen Hagen · von Tronje nicht am Rhein
Bleiben laßen sollten. · Bald ward es ihnen leid:
Durch ihn war manchem Degen · mit dem grimmen Tode gedräut.

Botenbrief und Siegel · ward ihnen nun gegeben;
Sie fuhren reich an Gute · und mochten herrlich leben.
Urlaub gab ihnen Etzel · und sein schönes Weib;
Ihnen war auch wohlgezieret · mit guten Kleidern der Leib.

24. Vierundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten.

Als Etzel seine Fiedler · hin zum Rheine sandte,
Da flogen diese Mären · von Lande zu Lande:
Mit schnellen Abgesandten · bat er und entbot
Zu seinem Hofgelage; · da holte Mancher sich den Tod.

Die Boten ritten hinnen · aus der Heunen Land
Zu den Burgunden, · wohin man sie gesandt
Zu dreien edeln Königen · und ihrer Mannen Heer:
Daß sie zu Etzeln kämen; · da beeilten sie sich sehr.

Zu Bechlaren ritten · schon die Boten ein.
Ihnen diente man da gerne · und ließ auch das nicht sein:
Ihre Grüße sandten · Rüdger und Gotelind
Den Degen an dem Rheine · und auch des Markgrafen Kind.

Sie ließen ohne Gaben · die Boten nicht hindann,
Daß desto sanfter führen · Die Etzeln unterthan.
Uten und ihren Söhnen · entbot da Rüdiger,
Ihnen so gewogen hätten · sie keinen Markgrafen mehr.

Sie entboten auch Brunhilden · Alles, was lieb und gut,
Ihre stäte Treue · und dienstbereiten Muth.
Da wollten nach der Rede · die Boten weiter ziehn;
Gott bat sie zu bewahren · Gotlind die edle Markgräfin.

Eh noch die Boten völlig · durchzogen Baierland,
Werbel der Schnelle · den guten Bischof fand.
Was der da seinen Freunden · hin an den Rhein entbot,
Davon hab ich nicht Kunde; · jedoch sein Gold also roth

Gab er den Boten milde. · Als sie wollten ziehn,
„Sollt ich sie bei mir schauen,“ · sprach Bischof Pilgerin,
„So wär mir wohl zu Muthe, · die Schwestersöhne mein:
Ich mag leider selten · zu ihnen kommen an den Rhein.“

Was sie für Wege fuhren · zum Rhein durch das Land,
Kann ich euch nicht bescheiden. · Ihr Gold und ihr Gewand
Blieb ihnen unbenommen; · man scheute Etzels Zorn:
So gewaltig herrschte · der edle König wohlgeborn.

Binnen zwölf Tagen · kamen sie an den Rhein,
Gen Worms in die Veste, · Werbel und Schwemmelein.
Da sagte mans dem König · und seinen Mannen an,
Es kämen fremde Boten; · Gunther zu fragen begann.

Da sprach der Vogt vom Rheine: · „Wer macht uns bekannt,
Von wannen diese Gäste · ritten in das Land?“
Davon wuste Niemand, · bis die Boten sah
Hagen von Tronje: · der begann zu Gunthern da:

„Wir hören Neues heute, · dafür will ich euch stehn:
Etzels Fiedelspieler · die hab ich hier gesehn;
Die hat eure Schwester · gesendet an den Rhein:
Ihres Herren Willen · sollen sie uns willkommen sein.“

Sie ritten ohne Weilen · zu dem Saal heran:
So herrlich fuhr wohl nimmer · eines Fürsten Fiedelmann.
Des Königs Ingesinde · empfieng sie gleich zur Hand;
Herberge gab man ihnen · und bewahrte ihr Gewand.

Ihre Reisekleider waren · reich und so wohlgethan,
Sie mochten wohl mit Ehren · sich so dem König nahn;
Doch wollten sie nicht länger · sie dort am Hofe tragen.
„Ob Jemand sie begehre?“ · ließen da die Boten fragen.

Da waren auch bedürftige · Leute bei der Hand,
Die sie gerne nahmen: · denen wurden sie gesandt.
Da schmückten mit Gewanden · so reich die Gäste sich,
Wie es Königsboten · herrlich stand und wonniglich.

Da gieng mit Urlaube · hin, wo der König saß
Etzels Ingesinde: · gerne sah man das.
Herr Hagen gleich den Boten · vom Sitz entgegen sprang,
Sie freundlich zu begrüßen: · des sagten ihm die Knappen Dank.

Da hub er um die Kunde · sie zu befragen an,
Wie Etzel sich gehabe · und Die ihm unterthan.
Da sprach der Fiedelspieler: · „Nie beßer stands im Land,
Das Volk war niemals froher, · das sei euch wahrlich bekannt.“

Er führte sie dem Wirthe zu; · der Königssaal war voll:
Da empfieng man die Gäste, · wie man immer soll
Boten freundlich grüßen · in andrer Könge Land.
Werbel der Recken · viel bei König Gunthern fand.

Der König wohlgezogen · zu grüßen sie begann:
„Willkommen, beide Fiedler, · die Etzeln unterthan,
Mit euern Heergesellen: · wozu hat euch gesandt
Etzel der reiche · zu der Burgunden Land?“

Sie neigten sich dem König. · Da sprach Werbelein:
„Euch entbietet seine Dienste · der liebe Herre mein
Und Kriemhild eure Schwester · hieher in dieses Land:
Sie haben uns euch Recken · auf gute Treue gesandt.“

Da sprach der reiche König: · „Der Märe bin ich froh.
Wie gehabt sich Etzel,“ · der Degen fragte so,
„Und Kriemhild meine Schwester · in der Heunen Land?“
Da sprach der Fiedelspieler: · „Das mach ich gern euch bekannt.

„Beßer wohl gehabten · sich Könge nirgend mehr
Und fröhlicher, das wißet, als die Fürsten hehr
Und ihre Degen alle, · Freund und Untertan.
Sie freuten sich der Reise, · da wir schieden hindann,“

„Nun Dank ihm für die Dienste, · die er mir entbeut,
Ihm und meiner Schwester: · gern erfahr ich heut,
Daß sie in Freuden leben, · der König und sein Lehn;
Meine Frage war nach ihnen · in großen Sorgen geschehn.“

Die beiden jungen Könige · waren auch gekommen,
Die hatten diese Märe · eben erst vernommen.
Geiselher der junge · die Boten gerne sah
Aus Liebe zu der Schwester; · gar minniglich sprach er da:

„Ihr Boten sollt uns beide · hochwillkommen sein;
Kämet ihr geritten nur öfter · an den Rhein,
Ihr fändet hier der Freunde, · die ihr gerne möchtet sehn.
Euch sollte hier zu Lande · wenig Leides geschehn.“

„Wir versehn uns alles Guten · zu euch,“ sprach Schwemmelein;
„Ich könnt euch nicht bedeuten · mit den Worten mein,
Wie minnigliche Grüße · euch Etzel hat gesandt
Und eure edle Schwester, · die da in hohen Ehren stand.

„An eure Lieb und Treue · mahnt euch die Königin
Und daß ihr stäts gewogen · war euer Herz und Sinn.
Zuvörderst euch, Herr König, · sind wir hieher gesandt,
Daß ihr geruht zu reiten · zu ihnen in der Heunen Land.

„Es soll auch mit euch reiten · euer Bruder Gernot.
Etzel der reiche · euch Allen das entbot,
Wenn ihr nicht kommen wolltet, · eure Schwester sehn,
So möcht er doch wohl wißen, · was euch von ihm war geschehn,

„Daß ihr ihn also meidet · und auch sein Reich und Land.
Wär euch auch die Königin · fremd und unbekannt,
So möcht er selbst verdienen, · ihr kämet ihn zu sehn:
Wenn ihr das leisten wolltet, · so wär ihm Liebes geschehn.“

Da sprach der König Gunther: · „Nach der siebten Nacht
Will ich euch bescheiden, · wes ich mich bedacht
Hab im Rath der Freunde; · geht derweilen hin
Zu eurer Herberge · und findet gute Ruh darin.“

Da sprach wieder Werbel: · „Könnt es nicht geschehn,
Daß wir unsre Fraue, · die reiche Ute, sehn,
Eh wir müden Degen · fragten nach der Ruh?“
Da sprach wohlgezogen · der edle Geiselher dazu:

„Das soll euch Niemand wehren; · wollt ihr vor sie gehn,
So ist auch meiner Mutter · Will und Wunsch geschehn,
Denn sie sieht euch gerne · um die Schwester mein,
Frau Kriemhilde: · ihr sollt ihr willkommen sein.“

Geiselher sie brachte · hin, wo er Uten fand.
Die sah die Boten gerne · aus der Heunen Land
Und empfieng sie freundlich · mit wohlgezognem Muth.
Da sagten ihr die Märe · die Boten höfisch und gut.

„Meine Frau läßt euch entbieten,“ · sprach da Schwemmelein,
„Dienst und stäte Treue, · und wenn es möchte sein,
Daß sie euch öfter sähe, · so glaubet sicherlich,
Wohl keine andre Freude · auf Erden wünschte sie sich.“

Da sprach die Königin Ute: · „Dass kann nun nicht sein.
So gern ich öfter sähe · die liebe Tochter mein,
So wohnt zu fern uns leider · die edle Königin:
Nun geh ihr immer selig · die Zeit mit Etzeln dahin.

„Ihr sollt mich wißen laßen, · eh ihr von hinnen müßt,
Wenn ihr reiten wollet; · ich sah in langer Frist
Boten nicht so gerne, · als ich euch gesehn.“
Da gelobten ihr die Knappen, · ihr Wille solle geschehn.

Zu den Herbergen giengen · Die von Heunenland.
Der reiche König hatte · die Freunde nun besandt.
Gunther der edle · fragte Mann für Mann,
Was sie darüber dächten? · Wohl Manche huben da an,

Er möge wohl reiten · in König Etzels Land.
Das riethen ihm die Besten, · die er darunter fand.
Hagen nur alleine, · dem war es grimmig leid.
Zum König sprach er heimlich: · „Mit euch selbst seid ihr im Streit.

Ihr habt doch nicht vergeßen, · was ihr von uns geschehn:
Vor Kriemhilden müßen · wir stäts in Sorge stehn.
Ich schlug ihr zu Tode · den Mann mit meiner Hand:
Wie dürften wir wohl reiten · hin in König Etzels Land?“

Da sprach der reiche König: · „Meiner Schwester Zürnen schwand.
Mit minniglichem Kusse, · eh sie verließ dieß Land,
Hat sie uns verziehen, · was wir an ihr gethan,
Es wäre denn, sie stände · bei euch, Herr Hagen, noch an.“

„Nun laßt euch nicht betrügen,“ · sprach Hagen, „was auch sagen
Diese Heunenboten: · wollt ihrs mit Kriemhild wagen,
Da verliert ihr zu der Ehre · Leben leicht und Leib:
Sie weiß wohl nachzutragen, · dem König Etzel sein Weib!“

Da sprach vor dem Rathe · der König Gernot:
„Ihr mögt aus guten Gründen · fürchten dort den Tod
In heunischen Reichen; · ständen wir drum an
Und mieden unsre Schwester, · das wär übel gethan.“

Da sprach zu dem Degen · der junge Geiselher:
„Da ihr euch, Freund Hagen, · schuldig wißt so sehr,
So bleibt hier im Lande, · euer Heil zu weisen;
Nur laßt, die sichs getrauen, · mit uns zu den Heunen fahren.“

Darob begann zu zürnen · von Tronje der Held:
„Ich will nicht, daß euch Jemand · sei bei der Fahrt gesellt,
Der an den Hof zu reiten · sich mehr getraut als ich:
Wollt ihrs nicht bleiben laßen, · ich beweis' es euch sicherlich.“

Da sprach der Küchenmeister · Rumold der Degen:
„Der Heimischen und Fremden · mögt ihr zu Hause pflegen
Nach euerm Wohlgefallen: · da habt ihr vollen Rath;
Ich glaube nicht, daß Hagen · euch noch je vergeiselt hat.

„Wollt ihr nicht Hagen folgen, · so räth euch Rumold,
Der ich euch dienstlich · gewogen bin und hold,
Daß ihr im Lande bleibet · nach dem Willen mein
Und laßt den König Etzel · dort bei Kriemhilden sein.

„Wo könntet ihr auf Erden · so gut als hier gedeihn?
Ihr mögt vor euern Feinden · daheim geborgen sein,
Ihr sollt mit guten Kleidern · zieren euern Leib,
Des besten Weines trinken · und minnen manches schöne Weib.

„Dazu giebt man euch Speise, · so gut sie in der Welt
Ein König mag gewinnen. · Euer Land ist wohl bestellt:
Der Hochzeit Etzels mögt ihr euch · mit Ehren wohl begeben
Und hier mit euern Freunden · in guter Kurzweile leben.

„Und hättet ihr nichts Anderes · davon zu zehren hier,
Ich gab euch Eine Speise · die Fülle für und für,
In Oel gesottne Schnitten. · Das ist, was Rumold räth,
Da es gar so ängstlich, · ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.

„Hold wird euch Frau Kriemhild · doch nimmer, glaubet mir;
Auch habt ihr und Hagen · es nicht verdient an ihr.
Und wollt ihr nicht verbleiben, · wer weiß, wie ihrs beklagt:
Ihr werdets noch erkennen, · ich hab euch Wahrheit gesagt.

„Drum rath ich euch zu bleiben. · Reich ist euer Land:
Ihr könnt hier beßer lösen, · was ihr gabt zu Pfand,
Als dort bei den Heunen: · wer weiß, wie es da steht?
Verbleibt hier, ihr Herren: · das ist, was Rumold euch rath.“

„Wir wollen nun nicht bleiben,“ · sprach da Gernot.
„Da es meine Schwester · so freundlich uns entbot
Und Etzel der reiche, · was führen wir nicht hin?
Die nicht mit uns wollen, · mögen bleiben immerhin.“

„In Treuen,“ sprach da Rumold, · „ich will der Eine sein,
Der um Etzels Hofgelag · kommt nimmer überrhein.
Wie setzt' ich wohl das Beßre · aufs Spiel, das ich gewann?
Ich will mich selbst so lange · am Leben laßen, als ich kann.“

„So denk ichs auch zu reiten,“ · sprach Ortwein der Degen:
„Ich will der Geschäfte · zu Hause mit euch pflegen.“
Da sprachen ihrer Viele, · sie wollten auch nicht fahren:
„Gott woll euch, liebe Herren, · bei den Heunen wohl bewahren.“

Der König Gunther zürnte, · als er ward gewahr,
Sie wollten dort verbleiben, · der Ruhe willen zwar:
„Wir wollens drum nicht laßen, · wir müßen an die Fahrt;
Der waltet guter Sinne, · der sich allezeit bewahrt.“

Zur Antwort gab da Hagen: · „Laßt euch zum Verdruß
Meine Rede nicht gereichen: · was auch geschehen muß,
Das rath ich euch in Treuen, · wenn ihr euch gern bewahrt,
Daß ihr nur wohlgerüstet · zu dem Heunenlande fahrt.

„Wenn ihrs euch unterwindet, · so entbietet euer Heer,
Die Besten, die ihr findet · und irgend wißt umher,
Aus ihnen Allen wähl ich dann · tausend Ritter gut:
So mag euch nicht gefährden · der argen Kriemhilde Muth.“

„Dem Rathe will ich folgen,“ · sprach der König gleich.
Da sandt er seine Boten · umher in seinem Reich.
Bald brachte man der Helden · dreitausend oder mehr.
Sie dachten nicht zu finden · so großes Leid und Beschwer.

Sie ritten hohes Muthes · durch König Gunthers Land.
Sie verhießen Allen · Ross' und Gewand,
Die ihnen geben wollten · zum Heunenland Geleit.
Da fand viel gute Ritter · der König zu der Fahrt bereit.

Da ließ von Tronje Hagen · Dankwart den Bruder sein
Achtzig ihrer Recken · führen an den Rhein.
Sie kamen stolz gezogen; · Harnisch und Gewand
Brachten viel die schnellen · König Gunthern in das Land.

Da kam der kühne Volker, · ein edler Spielmann,
Mit dreißig seiner Degen · zu der Fahrt heran.
Ihr Gewand war herrlich, · ein König mocht es tragen.
Er wollte zu den Heunen, · ließ er dem Könige sagen.

Wer Volker sei gewesen, · das sei euch kund gethan.
Es war ein edler Herre; · ihm waren unterthan
Viel der guten Recken · in Burgundenland;
Weil er fiedeln konnte, · war er der Spielmann genannt.

Hagen wählte tausend, · die waren ihm bekannt;
Was sie in starken Stürmen · gefrommt mit ihrer Hand
Und sonst begangen hatten, · das hatt er oft gesehn:
Auch alle Andern musten · ihnen Ehre zugestehn.

Die Boten Kriemhildens · der Aufenthalt verdroß;
Die Furcht vor ihrem Herren · war gewaltig groß:
Sie hielten alle Tage · um den Urlaub an.
Den gönnt' ihnen Hagen nicht: · das ward aus Vorsicht gethan.

Er sprach zu seinem Herren: · „Wir wollen uns bewahren,
Daß wir sie reiten laßen, · bevor wir selber fahren
Sieben Tage später · in König Etzels Land:
Trägt man uns argen Willen, · das wird so beßer gewandt.

„So mag sich auch Frau Kriemhild · bereiten nicht dazu,
Daß uns nach ihrem Rathe · Jemand Schaden thu.
Will sie es doch versuchen, · so fährt sie übel an:
Wir führen zu den Herren · manchen auserwählten Mann.“

Die Sättel und die Schilde · und all ihr Gewand,
Das sie führen wollten · in König Etzels Land,
War nun bereit und fertig · für manchen kühnen Mann.
Etzels Spielleute · rief man zu Gunthern heran.

Da die Boten kamen, · begann Herr Gernot:
„Der König will leisten, · was Etzel uns entbot.
Wir wollen gerne kommen · zu seiner Lustbarkeit
Und unsre Schwester sehen; · daß ihr des außer Zweifel seid.“

Da sprach der König Gunther: · „Wißt ihr uns zu sagen,
Wann das Fest beginnt, · oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?“ · Da sprach Schwemmelein:
„Zur nächsten Sonnenwende · da soll es in Wahrheit sein.“

Der König erlaubte das, · war noch nicht geschehn,
Wenn sie Frau Brunhilden · wünschten noch zu sehn,
Daß sie mit seinem Willen · sprächen bei ihr an.
Dem widerstrebte Volker: · da war ihr Liebes gethan.

„Es ist ja Frau Brunhild · nun nicht so wohlgemuth,
Daß ihr sie schauen möchtet,“ · sprach der Ritter gut.
„Wartet bis morgen, · so läßt man sie euch sehn.“
Sie wähnten sie zu schauen, · da konnt es doch nicht geschehn.

Da ließ der reiche König, · er war den Boten hold,
Aus eigner hoher Milde · daher von seinem Gold
Auf breiten Schilden bringen; · wohl war er reich daran.
Ihnen ward auch reiche Schenkung · von seinen Freunden gethan.

Geiselher und Gernot, · Gere und Ortewein,
Wie sie auch milde waren, · das leuchtete wohl ein:
So reiche Gaben boten · sie den Boten an,
Daß sie's vor ihrem Herren · nicht getrauten zu empfahn.

Da sprach zu dem König · der Bote Werbelein:
„Herr König, laßt die Gaben · nur hier im Lande sein.
Wir könnens nicht verführen, · weil uns der Herr verbot,
Daß wir Geschenke nähmen: · auch thut es uns wenig Noth.“

Da ward der Vogt vom Rheine · darüber ungemuth,
Daß sie verschmähen wollten · so reichen Königs Gut.
Da musten sie empfahen · sein Gold und sein Gewand,
Daß sie es mit sich führten · heim in König Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen · vor ihrer Wiederkehr.
Die Spielleute brachte · der junge Geiselher
Zu Hof vor seine Mutter; · sie entbot der Königin,
Wenn man ihr Ehre biete, · so bedünk es sie Gewinn.

Da ließ die Königswitwe · ihre Borten und ihr Gold
Vertheilen um Kriemhildens, · denn der war sie hold,
Und König Etzels Willen · an das Botenpaar.
Sie mochtens wohl empfahen: · getreulich bot sie es dar.

Urlaub genommen hatten · nun von Weib und Mann
Die Boten Kriemhildens; · sie fuhren froh hindann
Bis zum Schwabenlande: · dahin ließ Gernot
Seine Helden sie begleiten, · daß sie nirgend litten Noth.

Als die von ihnen schieden, · die sie sollten pflegen,
Gab ihnen Etzels Herschaft · Frieden auf den Wegen,
Daß ihnen Niemand raubte · ihr Ross noch ihr Gewand.
Sie ritten sehr in Eile · wieder in der Heunen Land.

Wo sie Freunde wusten, · da machten sie es kund,
In wenig Tagen kämen · die Helden von Burgund
Vom Rhein hergezogen · in der Heunen Land.
Pilgerin, dem Bischof, · ward auch die Märe bekannt.

Als sie vor Bechlaren · die Straße niederzogen,
Da ward um die Märe · Rüdger nicht betrogen,
Noch Frau Gotelinde, · die Markgräfin hehr.
Daß sie sie schauen sollten, · des freuten beide sich sehr.

Die Spielleute spornten · die Rosse mächtig an.
Sie sanden König Etzeln · in seiner Stadt zu Gran,
Gruß über Grüße, · die man ihm her entbot,
Brachten sie dem Könige: · vor Liebe ward er freudenroth.

Als Kriemhild der Königin · die Märe ward bekannt,
Ihre Brüder wollten · kommen in ihr Land,
Da ward ihr wohl zu Muthe: · sie gab den Boten Lohn
Mit reichlichen Geschenken; · sie hatte Ehre davon.

Sie sprach: „Nun sagt mir beide, · Werbel und Schwemmelein,
Wer will von meinen Freunden · beim Hofgelage sein,
Von den höchsten, die wir luden · hieher in dieses Land?
Sagt an, was sprach wohl Hagen, · als ihm die Mähre ward bekannt?“

„Er kam zu ihrem Rathe · an einem Morgen fruh;
Wenig gute Sprüche · redet' er dazu,
Als sie die Fahrt gelobten · nach dem Heunenland:
Die hat der grimme Hagen · die Todesreise genannt.

„Es kommen eure Brüder, · die Könge alle drei,
In herrlichem Muthe. · Wer mehr mit ihnen sei,
Darüber ich des Weitern · euch nicht bescheiden kann.
Es will mit ihnen reiten · Volker der kühne Fiedelmann.“

„Des mag ich leicht entbehren,“ · sprach die Königin,
„Daß ich auch Volkern sähe · her zu Hofe ziehn;
Hagen bin ich gewogen, · der ist ein Degen gut:
Daß wir ihn schauen sollen, · des hab ich fröhlichen Muth.“

Hin gieng die Königstochter, · wo sie den König sah.
Wie ininnigliche Worte · sprach Frau Kriemhild da:
„Wie gefallen euch die Mären, · viel lieber Herre mein?
Wes mich je verlangte, · das soll nun bald vollendet sein.“

„Dein Will ist meine Freude,“ · der König sprach da so:
„Ich wär der eignen Freunde · nicht so von Herzen froh,
Wenn sie kommen sollten · hieher in unser Land.
Durch deiner Freunde Liebe · viel meiner Sorge verschwand.“

Des Königs Amtleute · befahlen überall
Mit Gestühl zu schmücken · Pallas und Saal
Für die lieben Gäste, · die da sollten kommen.
Durch die ward bald dem König · viel hoher Freude benommen.

25. Fünfundzwanzigstes Abenteuer.
Wie die Könige zu den Heunen fuhren.

Wie man dort gebarte, · vernahmt ihr nun genug.
Wohl kamen nie gefahren · in solchem stolzen Zug
So hochgemuthe Degen · in eines Königs Land;
Sie hatten, was sie wollten, · beides, Waffen und Gewand.

Der Vogt vom Rheine kleidete · aus seinem Heergeleit
Der Degen tausend sechzig, · so gab man uns Bescheid,
Und neuntausend Knechte · zu dem Hofgelag;
Die sie zu Hause ließen, · beweinten es wohl hernach.

Da trug man ihr Geräthe · zu Worms übern Hof.
Wohl sprach da von Speier · ein alter Bischof
Zu der schönen Ute: · „Unsre Freunde wollen fahren
Zu dem Gastgebote: · möge Gott sie da bewahren.“

Da sprach zu ihren Söhnen · Ute, die Fraue gut:
„Ihr solltet hier verbleiben, · Helden hochgemuth.
Geträumt hat mir heute · von ängstlicher Noth,
Wie all das Gevögel · in diesem Lande wäre todt.“

„Wer sich an Träume wendet,“ · sprach dawider Hagen,
„Der weiß noch die rechte · Kunde nicht zu sagen,
Wie es mög am Besten · um seine Ehre stehn:
Es mag mein Herr nur immer · mit Urlaub hin zu Hofe gehn.

„Wir wollen gerne reiten · in König Etzels Land:
Da mag wohl Köngen dienen · guter Helden Hand,
So wir da schauen sollen · Kriemhildens Hochzeit.“
Hagen rieth die Reise; · doch ward es später ihm leid.

Er hätt es widerrathen, · nur daß Gernot
Mit ungefügen Reden · ihm Spott entgegenbot.
Er mahnt' ihn an Siegfried, · Frau Kriemhildens Mann:
Er sprach: „Darum steht Hagen · die große Reise nicht an.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Nicht Furcht ist's, daß ich's thu.
Gebietet ihr es, Helden, · so greift immer zu:
Gern will ich mit euch reiten · in König Etzels Land.“
Bald ward von ihm zerhauen · mancher Helm und Schildesrand.

Die Schiffe standen fertig · zu fahren überrhein;
Was sie an Kleidern hatten, · trugen sie darein.
Sie fanden viel zu schaffen · bis zur Abendzeit;
Sie huben sich von Hause · zur Reise freudig bereit.

Sie schlugen auf im Grase · sich Hütten und Gezelt
Jenseits des Rheines, · wo das Lager war bestellt.
Da bat noch zu verweilen · Gunthern sein schönes Weib;
Sie herzte nachts noch einmal · des Mannes waidlichen Leib.

Flöten und Posaunen · erschollen morgens fruh
Den Aufbruch anzukündigen: · da griff man bald dazu.
Wem Liebes lag im Arme, · herzte des Freundes Leib;
Mit Leid trennte Viele · des König Etzel Weib.

Der schönen Ute Söhne · die hatten einen Mann,
Der kühn war und bieder; · als man die Fahrt begann,
Sprach er zu dem Könige · geheim nach seinem Muth.
Er sprach: „Ich muß wohl trauern, · daß ihr die Hofreise thut.“

Er war geheißen Rumold, · ein Degen auserkannt.
Er sprach: „Wem wollt ihr laßen · Leute nun und Land?
Daß Niemand doch euch Recken · wenden mag den Muth!
Die Mären Kriemhildens · dauchten mich niemals gut.“

„Das Land sei dir befohlen · und auch mein Söhnelein;
Und diene wohl den Frauen: · das ist der Wille mein.
Wen du weinen siehest, · dem tröste Herz und Sinn;
Es wird uns nichts zu Leide · Kriemhild thun, die Königin.“

Eh man schied von dannen, · berieth der König hehr
Sich mit den höchsten Mannen; · er ließ nicht ohne Wehr
Das Land und die Burgen: · die ihrer sollten pflegen,
Zum Schutze ließ er denen · manchen auserwählten Degen.

Die Rosse standen aufgezäumt · den Mannen wie den Herrn:
Mit minniglichem Kusse · zog da Mancher fern,
Dem noch in hohem Muthe · lebte Seel und Leib;
Das muste bald beweinen · manches waidliche Weib.

Wehruf und Weinen · hörte man genug;
Auf dem Arm die Königin · ihr Kind dem König trug:
„Wie wollt ihr so verwaisen · uns beide auf ein Mal?
Verbleibet uns zu Liebe,“ · sprach sein jammerreich Gemahl.

„Frau, ihr sollt nicht weinen · um den Willen mein,
Ihr mögt hier ohne Sorgen · in hohem Muthe sein:
Wir kommen bald euch wieder · mit Freuden wohl gesund.“
Sie schieden von den Freunden · minniglich zur selben Stund.

Als man die schnellen Recken · sah zu den Rossen gehn,
Fand man viel der Frauen · in hoher Trauer stehn.
Daß sie auf ewig schieden, · sagt' ihnen wohl der Muth:
Zu großem Schaden kommen, · das thut Niemanden gut.

Die schnellen Burgunden · begannen ihren Zug.
Da ward in dem Lande · das Treiben groß genug;
Beiderseits des Rheines · weinte Weib und Mann.
Wie auch das Volk gebarte, · sie fuhren fröhlich hindann.

Niblungens Helden · zogen mit ihnen aus
In tausend Halsbergen: · die hatten dort zu Haus
Viel schöne Fraun gelaßen · und sahn sie nimmermehr.
Siegfriedens Wunden · die schmerzten Kriemhilden sehr.

Nur schwach in jenen Zeiten · war der Glaube noch:
Es sang ihnen Messe · ein Kaplan jedoch:
Der kam gesund zurücke, · obwohl aus großer Noth;
Die andern blieben alle · dort im Heunenlande todt.

Da lenkten mit der Reise · auf den Mainstrom an
Hinauf durch Ostfranken · Die Gunthern unterthan.
Hagen war ihr Führer, · der war da wohlbekannt.
Ihr Marschall war Dankwart, · der Held von Burgundenland.

Da sie von Ostfranken · durch Schwalefelde ritten,
Da konnte man sie kennen · an den herrlichen Sitten,
Die Fürsten und die Freunde, · die Helden lobesam.
An dem zwölften Morgen · der König an die Donau kam.

Da ritt von Tronje Hagen · den andern all zuvor:
Er hielt den Nibelungen · zumal den Muth empor.
Bald sprang der kühne Degen · nieder auf den Strand,
Wo er sein Ross in Eile · fest an einem Baume band.

Die Flut war ausgetreten, · die Schifflein verborgen:
Die Nibelungen kamen · da in große Sorgen,
Wie sie hinüber sollten: · das Wasser war zu breit.
Da schwang sich zur Erde · mancher Ritter allbereit.

„Uebel,“ sprach da Hagen, · „mag dir wohl hier geschehn,
König an dem Rheine; · du magst es selber sehn:
Das Wasser ist ergoßen, · zu stark ist seine Flut:
Ich fürchte, wir verlieren · noch heute manchen Recken gut.“

„Hagen, was verweist ihr mir?“ · sprach der König hehr,
„Um eurer Hofzucht willen · erschreckt uns nicht noch mehr.
Ihr sollt die Furt uns suchen · hinüber an das Land,
Daß wir von hinnen bringen · beides, Ross' und Gewand.“

„Mir ist ja noch,“ sprach Hagen, · „mein Leben nicht so leid,
Daß ich mich möcht ertränken · in diesen Wellen breit:
Erst soll von meinen Händen · ersterben mancher Mann
In König Etzels Landen, · wozu ich gute Lust gewann.

„Bleibet bei dem Wasser, · ihr stolzen Ritter gut.
So geh ich und suche · die Fergen bei der Flut,
Die uns hinüber bringen · in Gelfratens Land.“
Da nahm der kühne Hagen · seinen festen Schildesrand.

Er war wohl bewaffnet: · den Schild er bei sich trug;
Sein Helm war aufgebunden · und glänzte hell genug.
Ueberm Harnisch führt' er · eine breite Waffe mit,
Die an beiden Schärfen · aufs allergrimmigste schnitt.

Er suchte hin und wieder · nach einem Schiffersmann.
Da hört' er Wasser rauschen; · zu lauschen hub er an.
In einem schönen Brunnen · that das manch weises Weib:
Die gedachten da im Bade · sich zu kühlen den Leib.

Hagen ward ihrer inne, · da schlich er leis heran;
Sie eilten schnell von hinnen, · als sie den Helden sahn.
Daß sie ihm entrannen, · des freuten sie sich sehr.
Da nahm er ihre Kleider · und schadet' ihnen nicht mehr.

Da sprach das eine Meerweib, · Hadburg war sie genannt:
„Hagen, edler Ritter, · wir machen euch bekannt,
Wenn ihr uns dagegen · die Kleider wiedergebt,
Was ihr auf dieser Reise · bei den Heunen erlebt.“

Sie schwammen wie die Vögel · schwebend auf der Flut.
Da daucht ihn ihr Wißen · von den Dingen gut:
So glaubt' er um so lieber, · was sie ihm wollten sagen.
Sie beschieden ihn darüber, · was er begann sie zu fragen.

Sie sprach: „Ihr mögt wohl reiten · in König Etzels Land:
Ich setz euch meine Treue · dafür zum Unterpfand:
Niemals fuhren Helden · noch in ein fremdes Reich
Zu so hohen Ehren: · in Wahrheit, ich sag es euch.“

Der Rede war da Hagen · im Herzen froh und hehr!
Die Kleider gab man ihnen · und säumte sich nicht mehr.
Als sie umgezogen · ihr wunderbar Gewand,
Vernahm er erst die Wahrheit · von der Fahrt in Etzels Land.

Da sprach das andre Meerweib · mit Namen Siegelind:
„Ich will dich warnen, Hagen, · Aldrianens Kind.
Meine Muhme hat dich · der Kleider halb belogen:
Und kommst du zu den Heunen, · so bist du übel betrogen.

„Wieder umzukehren, · wohl wär es an der Zeit,
Dieweil ihr kühnen Helden · also geladen seid,
Daß ihr müßt ersterben · in der Heunen Land:
Wer da hinreitet, · der hat den Tod an der Hand.“

Da sprach aber Hagen: · „Ihr trügt mich ohne Noth:
Wie sollte das sich fügen, · daß wir alle todt
Blieben bei dem Hofgelag · durch Jemandes Groll?“
Da sagten sie dem Degen · die Märe deutlich und voll.

Da sprach die Eine wieder: · „Es muß nun so geschehn,
Keiner wird von euch allen · die Heimat wiedersehn
Als der Kaplan des Königs: · das ist uns wohlbekannt,
Der kommt geborgen wieder · heim in König Gunthers Land.“

Ingrimmen Muthes · sprach der kühne Hagen:
„Das ließen meine Herren · schwerlich sich sagen,
Wir verlören bei den Heunen · Leben all und Leib;
Nun zeig uns übers Wasser, · allerweisestes Weib.“

Sie sprach: „Willst du nicht anders · und soll die Fahrt geschehn,
So siehst du überm Wasser · eine Herberge stehn:
Darin ist ein Ferge · und sonst nicht nah noch fern.“
Weiter nachzufragen, · des begab er nun sich gern.

Dem unmuthsvollen Recken · rief noch die Eine nach:
„Nun wartet, Herr Hagen, · euch ist auch gar zu jach;
Vernehmt noch erst die Kunde, · wie ihr kommt durchs Land.
Der Herr dieser Marke · der ist Else genannt.

„Sein Bruder ist geheißen · Gelfrat der Held,
Ein Herr im Baierlande: · nicht so leicht es hält,
Wollt ihr durch seine Marke: · ihr mögt euch wohl bewahren
Und sollt auch mit dem Fergen · gar bescheidentlich verfahren.

„Der ist so grimmes Muthes, · er läßt euch nicht gedeihn,
Wollt ihr nicht verständig · bei dem Helden sein.
Soll er euch überholen, · so bietet ihm den Sold;
Er hütet dieses Landes · und ist Gelfraten hold.

„Und kommt er nicht bei Zeiten, · so ruft über Flut
Und sagt, ihr heißet Amelrich; · das war ein Degen gut,
Der seiner Feinde willen · räumte dieses Land:
So wird der Fährmann kommen, · wird ihm der Name genannt.“

Der übermüthge Hagen · dankte den Frauen hehr
Des Raths und der Lehre; · kein Wörtlein sprach er mehr.
Dann gieng er bei dem Wasser · hinauf an dem Strand,
Wo er auf jener Seite · eine Herberge fand.

Laut begann zu rufen · der Degen über Flut:
„Nun hol mich über, Ferge,“ · sprach der Degen gut,
„So geb ich dir zum Lohne · eine Spange goldesroth;
Mir thut das Ueberfahren, · das wiße, wahrhaftig Noth.“

Es brauchte nicht zu dienen · der reiche Schiffersmann,
Lohn nahm er selten · von Jemandem an;
Auch waren seine Knechte · zumal von stolzem Muth.
Noch immer stand Hagen · dießseits allein bei der Flut.

Da rief er so gewaltig, · der ganze Strom erscholl
Von des Helden Stärke, · die war so groß und voll:
„Mich Amelrich hol über; · ich bin es, Elses Mann,
Der vor starker Feindschaft · aus diesen Landen entrann.“

Hoch an seinem Schwerte · er ihm die Spange bot,
Die war schön und glänzte · von lichtem Golde roth,
Daß er ihn überbrächte · in Gelfratens Land.
Der übermüthge Ferge · nahm selbst das Ruder an die Hand.

Auch hatte dieser Ferge · habsüchtgen Sinn:
Die Gier nach großem Gute · bringt endlich Ungewinn;
Er dachte zu verdienen · Hagens Gold so roth,
Da litt er von dem Degen · hier den schwertgrimmen Tod.

Der Ferge zog gewaltig · hinüber an den Strand.
Welcher ihm genannt war, · als er den nicht fand,
Da hub er an zu zürnen: · als er Hagen sah,
Mit grimmem Ungestüme · zu dem Helden sprach er da:

„Ihr mögt wohl sein geheißen · mit Namen Amelrich;
Doch seht ihr dem nicht ähnlich, · des ich versehen mich.
Von Vater und von Mutter · war er der Bruder mein:
Nun ihr mich betrogen habt, · so müßt ihr dießhalben sein.“

„Nein! um Gotteswillen,“ · sprach Hagen dagegen.
„Ich bin ein fremder Recke, · besorgt um andre Degen.
So nehmet denn freundlich · hin meinen Sold
Und fahrt uns hinüber: · ich bin euch wahrhaftig hold.“

Da sprach der Ferge wieder: · „Das kann einmal nicht sein.
Viel der Feinde haben · die lieben Herren mein.
Drum fahr ich keinen Fremden · hinüber in ihr Land:
Wenn euch das Leben lieb ist, · so tretet aus an den Strand.“

„Das thu ich nicht,“ sprach Hagen, · „traurig ist mein Muth.
Nehmt zum Gedächtniß · die goldne Spange gut
Und fahrt uns über, tausend Ross' · und auch so manchen Mann.“
Da sprach der grimme Ferge: · „Das wird nimmer gethan.“

Er hob ein starkes Ruder, · mächtig und breit,
Und schlug es auf Hagen · (es ward ihm später leid),
Daß er im Schiffe nieder · strauchelt' auf die Knie.
Solchen grimmen Fergen · fand der von Tronje noch nie.

Noch stärker zu erzürnen · den kühnen Fremdling, schwang
Er seine Ruderstange, · daß sie gar zersprang,
Auf das Haupt dem Hagen; · er war ein starker Mann:
Davon Elses Ferge · bald großen Schaden gewann.

Mit grimmigem Muthe · griff Hagen gleich zur Hand
Zur Seite nach der Scheide, · wo er ein Waffen fand:
Er schlug das Haupt ihm nieder · und warf es auf den Grund.
Bald wurden diese Mären · den stolzen Burgunden kund.

Im selben Augenblicke, · als er den Fährmann schlug,
Glitt das Schiff zur Strömung; · das war ihm leid genug.
Eh er es richten konnte, · fiel ihn Ermüdung an:
Da zog am Ruder kräftig · König Gunthers Unterthan.

Er versucht' es umzukehren · mit manchem schnellen Schlag,
Bis ihm das starke Ruder · in der Hand zerbrach.
Er wollte zu den Recken · sich wenden an den Strand;
Da hatt er keines weiter: · wie bald er es zusammen band

Mit seinem Schildriemen, · einer Borte schmal.
Hin zu einem Walde · wandt er das Schiff zu Thal.
Da fand er seinen Herren · sein harren an dem Strand;
Es giengen ihm entgegen · viel der Degen auserkannt.

Mit Gruß ihn wohl empfiengen · die edeln Ritter gut:
Sie sahen in dem Schiffe · rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde, · die er dem Fergen schlug:
Darüber muste Hagen · fragen hören genug.

Als der König Gunther · das heiße Blut ersah
In dem Schiffe schweben, · wie bald sprach er da:
„Wo ist denn, Herr Hagen, · der Fährmann hingekommen?
Eure starken Kräfte haben · ihm wohl das Leben benommen.“

Da sprach er mit Verläugnen: · „Als ich das Schifflein fand
Bei einer wilden Weide, · da löst' es meine Hand.
Ich habe keinen Fergen · heute hier gesehn;
Leid ist auch Niemand · von meinen Händen geschehn.“

Da sprach von Burgunden · der König Gernot:
„Heute muß ich bangen · um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffmann · hier am Strome sehn:
Wie wir hinüber kommen, · darob muß ich in Sorgen stehn.“

Laut rief da Hagen: · „Legt auf den Boden her,
Ihr Knechte, das Geräthe: · ich gedenke, daß ich mehr
Der allerbeste Ferge war, · den man am Rheine fand:
Ich bring euch hinüber · gar wohl in Gelfratens Land.“

Daß sie desto schneller · kämen über Flut,
Trieb man hinein die Mähren; · ihr Schwimmen ward so gut,
Daß ihnen auch nicht eines · der starke Strom benahm.
Einige trieben ferner, · als sie Ermüdung überkam.

Sie trugen zu dem Schiffe · ihr Gut und ihre Wehr,
Nun einmal ihre Reise · nicht zu vermeiden mehr.
Hagen fuhr sie über; · da bracht er an den Strand
Manchen zieren Recken · in das unbekannte Land.

Zum ersten fuhr er über · tausend Ritter hehr
Und seine sechzig Degen; · dann kamen ihrer mehr:
Neuntausend Knechte, · die bracht er an das Land.
Des Tags war unmüßig · des kühnen Tronejers Hand.

Das Schiff war ungefüge, · stark und weit genug:
Fünfhundert oder drüber · es leicht auf einmal trug
Ihres Volks mit Speise · und Waffen über Flut:
Am Ruder muste ziehen · des Tages mancher Ritter gut.

Da er sie wohlgeborgen · über Flut gebracht,
Da war der fremden Märe · der schnelle Held bedacht,
Die ihm verkündet hatte · das wilde Meerweib:
Dem Kaplan des Königs gieng es · da schier an Leben und Leib.

Bei seinem Weihgeräthe · er den Pfaffen fand,
Auf dem Heiligthume · sich stützend mit der Hand:
Das kam ihm nicht zu Gute, · als Hagen ihn ersah;
Der unglückselge Priester, · viel Beschwerde litt er da.

Er schwang ihn aus dem Schiffe · mit jäher Gewalt.
Da riefen ihrer Viele: · „Halt, Hagen, halt!“
Geiselher der junge · hub zu zürnen an;
Er wollt es doch nicht laßen, · bis er ihm Leides gethan.

Da sprach von Burgunden · der König Gernot:
„Was hilft euch wohl, Herr Hagen, · des Kaplanes Tod?
Thät dieß anders Jemand, · es sollt ihm werden leid.
Was verschuldete der Priester, · daß ihr so wider ihn seid?“

Der Pfaffe schwamm nach Kräften: · er hoffte zu entgehn,
Wenn ihm nur Jemand hülfe: · das konnte nicht geschehn,
Denn der starke Hagen, · gar zornig war sein Muth,
Stieß ihn zu Grunde wieder; · das dauchte Niemanden gut.

Als der arme Pfaffe · hier keine Hülfe sah,
Da wandt er sich ans Ufer; · Beschwerde litt er da.
Ob er nicht schwimmen konnte, · doch half ihm Gottes Hand,
Daß er wohlgeborgen · hinwieder kam an den Strand.

Da stand der arme Priester · und schüttelte sein Kleid.
Daran erkannte Hagen, · ihm habe Wahrheit,
Unmeidliche, verkündet · das wilde Meerweib.
Er dachte: „Diese Degen · verlieren Leben und Leib.“

Als sie das Schiff entladen · und ans Gestad geschafft,
Was darauf beseßen · der Könge Ritterschaft,
Schlug Hagen es in Stücke · und warf es in die Flut;
Das wunderte gewaltig · die Recken edel und gut.

„Bruder, warum thut ihr das?“ · sprach da Dankwart,
„Wie sollen wir hinüber · bei unsrer Wiederfahrt,
Wenn wir von den Heunen · reiten an den Rhein?“
Hernach sagt' ihm Hagen, · das könne nimmermehr sein.

Da sprach der Held von Tronje: · „Ich thats mit Wohlbedacht:
Haben wir einen Feigen · in dieses Land gebracht,
Der uns entrinnen möchte · in seines Herzens Noth,
Der muß an diesen Wogen · leiden schmählichen Tod.“

Sie führten bei sich Einen · aus Burgundenland,
Der ein gar behender Held · und Volker ward genannt.
Der redete da launig · nach seinem kühnen Muth:
Was Hagen je begangen, · den Fiedler dauchte das gut.

Als der Kaplan des Königs · das Schiff zerschlagen sah,
Ueber das Wasser · zu Hagen sprach er da:
„Ihr Mörder ohne Treue, · was hatt ich euch gethan,
Daß mich unschuldgen Pfaffen · eur Herz zu ertranken sann?“

Zur Antwort gab ihm Hagen: · „Die Rede laßt beiseit:
Mich kümmert, meiner Treue, · daß ihr entkommen seid
Hier von meinen Händen, · das glaubt ohne Spott.“
Da sprach der arme Priester: · „Dafür lob ich ewig Gott.

„Ich fürcht euch nun wenig, · des dürft ihr sicher sein:
Fahrt ihr zu den Heunen, · so will ich über Rhein.
Gott laß euch nimmer wieder · nach dem Rheine kommen,
Das wünsch ich euch von Herzen: · schier das Leben habt ihr mir genommen.“

Da sprach König Gunther · zu seinem Kapellan:
„Ich will euch alles büßen, · was Hagen euch gethan
Hat in seinem Zorne, · komm ich an den Rhein
Mit meinem Leben wieder: · des sollt ihr außer Sorge sein.

„Fahrt wieder heim zu Lande; · es muß nun also sein.
Ich entbiete meine Grüße · der lieben Frauen mein
Und meinen andern Freunden, · wie ich billig soll:
Sagt ihnen liebe Märe, · daß wir noch alle fuhren wohl.“

Die Rosse standen harrend, · die Säumer wohl geladen;
Sie hatten auf der Reise · bisher noch keinen Schaden
Genommen, der sie schmerzte, · als des Königs Kaplan:
Der must auf seinen Füßen · sich zum Rheine suchen Bahn.

26. Sechsundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Dankwart Gelfraten erschlug.

Als sie nun alle waren · gekommen an den Strand,
Da fragte König Gunther: · „Wer soll uns durch das Land
Die rechten Wege weisen, · daß wir nicht irre gehn?“
Da sprach der kühne Volker: · „Laßt mich das Amt nur versehn.“

„Nun haltet an,“ sprach Hagen, · „sei's Ritter oder Knecht:
Man soll Freunden folgen, · das bedünkt mich recht.
Eine ungefüge Märe · mach ich euch bekannt:
Wir kommen nimmer wieder · heim in der Burgunden Land.

„Das sagten mir zwei Meerfraun · heute morgen fruh,
Wir kämen nimmer wieder. · Nun rat ich, was man thu:
Waffnet euch, ihr Helden, · ihr sollt euch wohl bewahren:
Wir finden starke Feinde · und müßen drum wehrhaft fahren.

„Ich wähnt auf Lug zu finden · die weisen Meerfraun:
Sie sagten mir, nicht Einer · werde wiederschaun
Die Heimat von uns Allen · bis auf den Kapellan;
Drum hätt ich ihm so gerne · heut den Tod angethan.“

Da flogen diese Mären · von Schar zu Schar einher.
Bleich vor Schrecken wurden · Degen kühn und hehr,
Als sie die Sorge faßte · vor dem herben Tod
Auf dieser Hofreise: · das schuf ihnen wahrlich Noth.

Bei Möringen waren · sie über Flut gekommen,
Wo dem Fährmann Elsen · das Leben ward benommen.
Da sprach Hagen wieder: · „Da ich mir so gewann
Unterwegs der Feinde, · so greift man ehstens uns an.

„Ich erschlug den Fährmann · heute morgen fruh;
Sie wißen nun die Kunde. · Drum eilt und greifet zu,
Wenn Gelfrat und Elsen · heute hier besteht
Unser Ingesinde, · daß es ihnen übel ergeht.

„Sie sind gar kühn, ich weiß es, · es wird gewiss geschehn.
Drum laßt nur die Rosse · in sanftem Schritte gehn,
Daß nicht Jemand wähne, · wir flöhn vor ihrem Heer.“
„Dem Rathe will ich folgen,“ · sprach der junge Geiselher.

„Wer zeigt nun dem Gesinde · die Wege durch das Land?“
Sie sprachen: „Das soll Volker: · dem sind hie wohlbekannt
Die Straßen und die Steige, · dem stolzen Fiedelmann.“
Eh mans von ihm verlangte, · kam er gewaffnet heran.

Der schnelle Fiedelspieler: · den Helm er überband;
Von herrlicher Farbe · war all sein Streitgewand.
Am Schaft ließ er flattern · ein Zeichen, das war roth.
Bald kam er mit den Königen · in eine furchtbare Noth.

Gewisse Kunde hatte · Gelfrat nun bekommen
Von des Fergen Tode; · da hatt es auch vernommen
Else der starke: · beiden war es leid.
Sie besandten ihre Helden: · die traf man balde bereit.

Darauf in kurzen Zeiten, · nun hört mich weiter an,
Sah man zu ihnen reiten, · denen Schade war gethan,
In starkem Kriegszuge · ein ungefüges Heer:
Wohl siebenhundert stießen · zu Gelfrat oder noch mehr.

Als das den grimmen Feinden · nachzuziehn begann,
Die Herren, die es führten, · huben zu jagen an
Den kühnen Gästen hinterdrein. · Sie wollten Rache haben:
Da musten sie der Freunde · hernach noch manchen begraben.

Hagen von Tronje · richtete das ein
(Wie konnte seiner Freunde · ein beßrer Hüter sein?),
Daß er die Nachhut hatte · und Die ihm unterthan
Mit Dankwart seinem Bruder; · das war gar weislich gethan.

Ihnen war der Tag zerronnen, · den hatten sie nicht mehr.
Er bangte vor Gefahren · für seine Freunde sehr.
Sie ritten unter Schilden · durch der Baiern Land:
Darnach in kurzer Weile · die Helden wurden angerannt.

Beiderseits der Straße · und hinter ihnen her
Vernahm man Hufe schlagen; · die Haufen eilten sehr.
Da sprach der kühne Dankwart: · „Gleich fallen sie uns an:
Bindet auf die Helme, · das dünkt mich räthlich gethan.“

Sie hielten ein mit Reiten, · als es muste sein.
Da sahen sie im Dunkel · der lichten Schilde Schein.
Nicht länger stille schweigen · mochte da der Hagen:
„Wer verfolgt uns auf der Straße?“ · Das muste Gelfrat ihm sagen.

Da sprach zu ihm der Markgraf · aus der Baiern Land:
„Wir suchen unsre Feinde, · denen sind wir nachgerannt.
Ich weiß nicht, wer mir heute · meinen Fergen schlug:
Das war ein schneller Degen; · mir ist leid um ihn genug.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „War der Ferge dein?
Er wollt uns nicht fahren; · alle Schuld ist mein:
Ich erschlug den Recken; · fürwahr, es that mir Noth:
Ich hatte von dem Degen · schier selbst den grimmigen Tod.

„Ich bot ihm zum Lohne · Gold und Gewand,
Daß er uns überführe, · Held, in euer Land.
Darüber zürnt' er also, · daß er nach mir schlug
Mit starker Ruderstange: · da ward ich grimmig genug.

„Ich griff nach dem Schwerte · und wehrte seinem Zorn
Mit einer schweren Wunde: · da war der Held verlorn.
Ich steh euch hier zur Sühne, · wie es euch dünke gut.“
Da gieng es an ein Streiten: · sie hatten zornigen Muth.

„Ich wuste wohl,“ sprach Gelfrat, · „als hier mit dem Geleit
Gunther zog vorüber, · uns geschäh ein Leid
Von Hagens Uebermuthe. · Nun büßt ers mit dem Leben:
Für des Fergen Ende · soll er selbst hier Bürgschaft geben.“

Ueber die Schilde neigten · da zum Stich den Sper
Gelfrat und Hagen; · sich zürnten beide schwer.
Dankwart und Else · zusammen herrlich ritten;
Sie erprobten, wer sie waren: · da wurde grimmig gestritten.

Wer je versuchte kühner · sich und die Gunst des Glücks?
Von einem starken Stoße · sank Hagen hinterrücks
Von der Mähre nieder · durch Gelfratens Hand.
Der Brustriem war gebrochen: · so ward im Fallen bekannt.

Man hört' auch beim Gesinde · krachender Schäfte Schall.
Da erholte Hagen · sich wieder von dem Fall,
Den er auf das Gras gethan · von des Gegners Sper:
Da zürnte der von Tronje · wider Gelfraten sehr.

Wer ihnen hielt die Rosse, · das ist mir unbekannt.
Sie waren aus den Sätteln · gekommen auf den Sand,
Hagen und Gelfrat: · nun liefen sie sich an.
Ihre Gesellen halfen, · daß ihnen Streit ward kund gethan.

Wie heftig auch Hagen · zu Gelfraten sprang,
Ein Stück von Ellenlänge · der edle Markgraf schwang
Ihm vom Schilde nieder; · das Feuer stob hindann.
Da wäre schier erstorben · König Gunthers Unterthan.

Er rief mit lauter Stimme · Dankwarten an:
„Hilf mir, lieber Bruder, · ein schneller starker Mann
Hat mich hier bestanden: · der läßt mich nicht gedeihn.“
Da sprach der kühne Dankwart: · „So will ich denn Schiedsmann sein.“

Da sprang der Degen näher · und schlug ihm solchen Schlag
Mit einer scharfen Waffe, · daß er todt da lag.
Else wollte Rache · nehmen für den Mann:
Doch er und sein Gesinde · schied mit Schaden hindann.

Sein Bruder war erschlagen, · selber ward er wund.
Wohl achtzig seiner Degen · wurden gleich zur Stund
Des grimmen Todes Beute: · da muste wohl der Held
Gunthers Mannen räumen · in geschwinder Flucht das Feld.

Als Die vom Baierlande · wichen aus dem Wege,
Man hörte nachhallen · die furchtbaren Schläge:
Da jagten die von Tronje · ihren Feinden nach;
Die es nicht büßen wollten, · die hatten wenig Gemach.

Da sprach beim Verfolgen · Dankwart der Degen:
„Kehren wir nun wieder · zurück auf unsern Wegen
Und laßen wir sie reiten: · sie sind vom Blute naß.
Wir eilen zu den Freunden: · in Treuen rath ich euch das.“

Als sie hinwieder kamen, · wo der Schade war geschehn,
Da sprach von Tronje Hagen: · „Helden, laßt uns sehn,
Wen wir hier vermissen, · oder wer uns verlorn
Hier in diesem Streite · gieng durch Gelfratens Zorn.“

Sie hatten vier verloren; · der Schade ließ sich tragen.
Sie waren wohl vergolten; · dagegen aber lagen
Deren vom Baierlande · mehr als hundert todt.
Den Tronejern waren · von Blut die Schilde trüb und roth.

Ein wenig brach aus Wolken · des hellen Mondes Licht;
Da sprach wieder Hagen: · „Hört, berichtet nicht
Meinen lieben Herren, · was hier von uns geschah:
Bis zum Morgen komme · ihnen keine Sorge nah.“

Als zu ihnen stießen, · die da kamen von dem Streit,
Da klagte das Gesinde · über Müdigkeit:
„Wie lange sollen wir reiten?“ · fragte mancher Mann.
Da sprach der kühne Dankwart: · „Wir treffen keine Herberg an.

„Ihr müst alle reiten · bis an den hellen Tag.“
Volker der schnelle, · der des Gesindes pflag,
Ließ den Marschall fragen: · „Wo kehren wir heut ein?
Wo rasten unsre Pferde · und die lieben Herren mein?“

Da sprach der kühne Dankwart: · „Ich weiß es nicht zu sagen:
Wir können uns nicht ruhen, · bis es beginnt zu tagen;
Wo wir es dann finden, · legen wir uns ins Gras.“
Als sie die Kunde hörten, · wie leid war Etlichen das!

Sie blieben unverrathen · vom heißen Blute roth,
Bis daß die Sonne · die lichten Stralen bot
Dem Morgen über Berge, · wo es der König sah,
Daß sie gestritten hatten: · sehr im Zorne sprach er da:

„Wie nun denn, Freund Hagen? · Verschmähtet ihr wohl das,
Daß ich euch Hülfe brachte, · als euch die Ringe naß
Wurden von dem Blute? · Wer hat euch das gethan?“
Da sprach er: „Else that es: · der griff nächten uns an.

„Seines Fergen wegen · wurden wir angerannt.
Da erschlug Gelfraten · meines Bruders Hand.
Zuletzt entrann uns Else, · es zwang ihn große Noth:
Ihnen hundert, uns nur viere · blieben da im Streite todt.“

Wir können euch nicht melden, · wo man die Nachtruh fand.
All den Landleuten · ward es bald bekannt,
Der edeln Ute Söhne · zögen zum Hofgelag.
Sie wurden wohl empfangen · dort zu Paßau bald hernach.

Der werthen Fürsten Oheim, · der Bischof Pilgerin,
Dem wurde wohl zu Muthe, · als seine Neffen ihn
Mit so viel der Recken · besuchten da im Land:
Daß er sie gerne sähe, · ward ihnen balde bekannt.

Sie wurden wohl empfangen · von Freunden vor dem Ort.
Nicht all verpflegen mochte · man sie in Paßau dort:
Sie musten übers Wasser, · wo Raum sich fand und Feld:
Da schlugen auf die Knechte · Hütten und reich Gezelt.

Sie musten da verweilen · einen vollen Tag
Und eine Nacht darüber. · Wie schön man sie verpflag!
Dann ritten sie von dannen · in Rüdigers Land;
Dem kamen auch die Mären: · da ward ihm Freude bekannt,

Als die Wegemüden · Nachtruh genommen
Und sie dem Lande waren · näher gekommen,
Sie fanden auf der Marke · schlafen einen Mann,
Dem von Tronje Hagen · ein starkes Waffen abgewann.

Eckewart geheißen · war dieser Ritter gut.
Der gewann darüber · gar traurigen Muth,
Daß er verlor das Waffen · durch der Helden Fahrt.
Rüdgers Grenzmarke, · die fand man übel bewahrt.

„O weh mir dieser Schande,“ · sprach da Eckewart.
„Schwer muß ich beklagen · der Burgunden Fahrt.
Als ich verlor Siegfrieden, · hub all mein Kummer an;
O weh, mein Herr Rüdiger, · wie hab ich wider dich gethan!“

Wohl hörte Hagen · des edeln Recken Noth:
Er gab das Schwert ihm wieder, · dazu sechs Spangen roth.
„Die nimm dir, Held, zu Lohne, · willst du hold mir sein;
Du bist ein kühner Degen, · lägst du hier noch so allein.“

„Gott lohn euch eure Spangen,“ · sprach da Eckewart;
„Doch muß ich sehr beklagen · zu den Heunen eure Fahrt.
Ihr erschlugt Siegfrieden; · hier trägt man euch noch Haß:
Daß ihr euch wohl behütet, · in Treuen rath ich euch das.“

„Nun, mög uns Gott behüten,“ · sprach Hagen entgegen.
„Keine andre Sorge · haben diese Degen
Als um die Herberge, · die Fürsten und ihr Lehn,
Wo wir in diesem Lande · heute Nachtruh sollen sehn.

„Vermüdet sind die Rosse · uns auf den fernen Wegen,
Die Speise gar zerronnen,“ · sprach Hagen der Degen:
„Wir findens nicht zu Kaufe: · es wär ein Wirth uns Noth,
Der uns heute gäbe · in seiner Milde das Brot.“

Da sprach wieder Eckewart: · „Ich zeig euch solchen Wirth,
Daß Niemand euch im Hause · so gut empfangen wird
Irgend in den Landen, · als hier euch mag geschehn,
Wenn ihr schnellen Degen · wollt zu Rüdigern gehn.

„Der Wirth wohnt an der Straße, · der beste allerwärts,
Der je ein Haus beseßen. · Milde gebiert sein Herz,
Wie das Gras mit Blumen · der lichte Maimond thut,
Und soll er Helden dienen, · so ist er froh und wohlgemuth.“

Da sprach der König Gunther: · „Wollt ihr mein Bote sein,
Ob uns behalten wolle · bis an des Tages Schein
Mein lieber Freund Rüdiger · und Die mir unterthan?
Das will ich stäts verdienen, · so gut ich irgend nur kann.“

„Der Bote bin ich gerne,“ · sprach da Eckewart,
Mit gar gutem Willen · erhob er sich zur Fahrt
Rüdigern zu sagen, · was er da vernommen.
Dem war in langen Zeiten · so liebe Kunde nicht gekommen.

Man sah zu Bechlaren · eilen einen Degen,
Den Rüdger wohl erkannte; · er sprach: „Auf diesen Wegen
Kommt Eckewart in Eile, · Kriemhildens Unterthan.“
Er wähnte schon, die Feinde · hätten ihm ein Leid gethan.

Da gieng er vor die Pforte, · wo er den Boten fand.
Der nahm sein Schwert vom Gurte · und legt' es aus der Hand.
Er sprach zu dem Degen: · „Was habt ihr vernommen,
Daß ihr so eilen müßet? · hat uns Jemand was genommen?“

„Geschadet hat uns Niemand,“ · sprach Eckewart zuhand;
„Mich haben drei Könige · her zu euch gesandt,
Gunther von Burgunden, · Geiselher und Gernot;
Jeglicher der Recken · euch seine Dienste her entbot.

„Das selbe thut auch Hagen, · Volker auch zugleich,
Mit Fleiß und rechter Treue; · dazu bericht ich euch,
Was des Königs Marschall · euch durch mich entbot,
Es sei den guten Degen · eure Herberge Noth.“

Mit lachendem Munde · sprach da Rüdiger:
„Nun wohl mir dieser Märe, · daß die Könige hehr
Meinen Dienst verlangen: · dazu bin ich bereit.
Wenn sie ins Haus mir kommen, · des bin ich höchlich erfreut.“

„Dankwart der Marschall · hat euch kund gethan,
Wer euch zu Hause · noch heute zieht heran:
Sechzig kühner Recken · und tausend Ritter gut
Mit neuntausend Knechten.“ · Da ward ihm fröhlich zu Muth.

„Wohl mir dieser Gäste,“ · sprach da Rüdiger,
„Daß mir zu Hause kommen · diese Recken hehr,
Denen ich noch selten · hab einen Dienst gethan.
Entgegen reitet ihnen, · sei's Freund oder Unterthan.“

Da eilte zu den Rossen · Ritter so wie Knecht:
Was sie der Herr geheißen, · das dauchte Alle recht.
Sie brachten ihre Dienste · um so schneller dar.
Noch wust es nicht Frau Gotlind, · die in ihrer Kammer war.

27. Siebenundzwanzigstes Abenteuer.
Wie sie nach Bechlaren kamen.

Hin gieng der Markgraf, · wo er die Frauen fand,
Sein Weib und seine Tochter. · Denen macht' er da bekannt
Diese liebe Märe, · die er jetzt vernommen,
Daß ihrer Frauen Brüder · zu ihrem Hause sollten kommen.

„Viel liebe Traute,“ · sprach da Rüdiger,
„Ihr sollt sie wohl empfangen, · die edeln Könge hehr,
Wenn sie und ihr Gesinde · vor euch zu Hofe gehn;
Ihr sollt auch freundlich grüßen · Hagen in Gunthers Lehn.

„Mit ihnen kommt auch Einer · mit Namen Dankwart;
Ein Andrer heißt Volker, · an Ehren wohlbewahrt.
Die Sechse sollt ihr küssen, · ihr und die Tochter mein,
Und sollt in höfschen Züchten · diesen Recken freundlich sein.“

Das gelobten ihm die Frauen · und warens gern bereit.
Sie suchten aus den Kisten · manch herrliches Kleid,
Darin sie den Recken · entgegen wollten gehn.
Da mocht ein groß Befleißen · von schönen Frauen geschehn.

Gefälschter Frauenzierde · gar wenig man da fand;
Sie trugen auf dem Haupte · lichtes goldnes Band,
Das waren reiche Kränze, · damit ihr schönes Haar
Die Winde nicht verwehten; · sie waren höfisch und klar.

In solcher Unmuße · laßen wir die Fraun.
Da war ein schnelles Reiten · über Feld zu schaun
Von Rüdigers Freunden, · bis man die Fürsten fand.
Sie wurden wohl empfangen · in des Markgrafen Land.

Als sie der Markgraf · zu sich kommen sah,
Rüdiger der schnelle · wie fröhlich sprach er da:
„Willkommen mir, ihr Herren · und Die in euerm Lehn.
Hier in diesem Lande · seid ihr gerne gesehn.“

Da dankten ihm die Recken · in Treuen ohne Haß.
Daß sie willkommen waren, · wohl erzeigt' er das.
Besonders grüßt' er Hagen, · der war ihm längst bekannt;
So that er auch mit Volkern, · dem Helden aus Burgundenland.

Er begrüßt' auch Dankwarten. · Da sprach der kühne Degen:
„Wollt ihr uns hier versorgen, · wer soll dann verpflegen
Unser Ingesinde · aus Worms an dem Rhein?“
Da begann der Markgraf: · „Diese Angst laßet sein.

„All euer Gesinde · und was ihr in das Land
Mit euch geführet habet, · Ross, Silber und Gewand,
Ich schaff ihm solche Hüter, · nichts geht davon verloren,
Das euch zu Schaden brächte · nur um einen halben Sporen.

„Spannet auf, ihr Knechte, · die Hütten in dem Feld;
Was ihr hier verlieret, · dafür leist ich Entgelt:
Zieht die Zäume nieder · und laßt die Rosse gehn.“
Das war ihnen selten · von einem Wirth noch geschehn.

Des freuten sich die Gäste. · Als das geschehen war
Und die Herrn von dannen ritten, · legte sich die Schar
Der Knecht im Grase nieder: · sie hatten gut Gemach.
Sie fandens auf der Reise · nicht beßer vor oder nach.

Die Markgräfin eilte · vor die Burg zu gehn
Mit ihrer schönen Tochter. · Da sah man bei ihr stehn
Die minniglichen Frauen · und manche schöne Maid:
Die trugen viel der Spangen · und manches herrliche Kleid.

Das edle Gesteine · glänzte fern hindann
Aus ihrem reichen Schmucke: · sie waren wohlgethan.
Da kamen auch die Gäste · und sprangen auf den Sand.
Hei! was man edle Sitten · an den Burgunden fand!

Sechsunddreißig Mägdelein · und viel andre Fraun,
Die wohl nach Wunsche waren · und wonnig anzuschauen,
Giengen den Herrn entgegen · mit manchem kühnen Mann.
Da ward ein schönes Grüßen · von edeln Frauen gethan.

Die Markgräfin küsste · die Könge alle drei;
So that auch ihre Tochter. · Hagen stand dabei.
Den hieß ihr Vater küssen: · da blickte sie ihn an:
Er dauchte sie so furchtbar, · sie hätt es lieber nicht gethan.

Doch muste sie es leisten, · wie ihr der Wirth gebot.
Gemischt ward ihre Farbe, · bleich und auch roth.
Auch Dankwarten küsste sie, · darnach den Fiedelmann:
Seiner Kraft und Kühnheit wegen · ward ihm das Grüßen gethan.

Die junge Markgräfin · nahm bei der Hand
Geiselher den jungen · von Burgundenland;
So nahm auch ihre Mutter · Gunthern den kühnen Mann.
Sie giengen mit den Helden · beide fröhlich hindann.

Der Wirth gieng mit Gernot · in einen weiten Saal.
Die Ritter und die Frauen · setzten sich zumal.
Man ließ alsdann den Gästen · schenken guten Wein:
Gütlicher bewirthet · mochten Helden nimmer sein.

Mit zärtlichen Augen · sah da Mancher an
Rüdigers Tochter, · die war so wohlgethan.
Wohl kos't' in seinem Sinne · sie mancher Ritter gut;
Das mochte sie verdienen: · sie trug gar hoch ihren Muth.

Sie gedachten, was sie wollten; · nur konnt es nicht geschehn.
Man sah die guten Ritter · hin und wieder spähn
Nach Mägdelein und Frauen: · deren saßen da genug.
Dem Wirth geneigten Willen · der edle Fiedeler trug.

Da wurden sie geschieden, · wie Sitte war im Land:
Zu andern Zimmern giengen · Ritter und Fraun zur Hand.
Man richtete die Tische · in dem Saale weit
Und ward den fremden Gästen · zu allen Diensten bereit.

Den Gästen gieng zu Liebe · die edle Markgräfin
Mit ihnen zu den Tischen: · die Tochter ließ sie drin
Bei den Mägdlein weilen, · wo sie nach Sitte blieb.
Daß sie die nicht mehr sahen, · das war den Gästen nicht lieb.

Als sie getrunken hatten · und gegeßen überall,
Da führte man die Schöne · wieder in den Saal.
Anmuthge Reden · wurden nicht gescheut:
Viel sprach deren Volker, · ein Degen kühn und allbereit.

Da sprach unverhohlen · derselbe Fiedelmann:
„Viel reicher Markgraf, · Gott hat an euch gethan
Nach allen seinen Gnaden: · er hat euch gegeben
Ein Weib, ein so recht schönes, · dazu ein wonnigliches Leben.

„Wenn ich ein König wäre,“ · sprach der Fiedelmann,
„Und sollte Krone tragen, · zum Weibe nähm ich dann
Eure schöne Tochter: · die wünschte sich mein Muth.
Sie ist minniglich zu schauen, · dazu edel und gut.“

Der Markgraf entgegnete: · „Wie möchte das Wohl sein,
Daß ein König je begehrte · der lieben Tochter mein?
Wir sind hier beide heimatlos, · ich und mein Weib,
Und haben nichts zu geben: · was hilft ihr dann der schöne Leib?“

Zur Antwort gab ihm Gernot, · der edle Degen gut:
„Sollt ich ein Weib mir wählen · nach meinem Sinn und Muth,
So wär ich solches Weibes · stäts von Herzen froh.“
Darauf versetzte Hagen · in höfischen Züchten so:

„Nun soll sich doch beweiben · mein Herr Geiselher:
Es ist so hohen Stammes · die Markgräfin hehr,
Daß wir ihr gerne dienten, · ich und all sein Lehn,
Wenn sie bei den Burgunden · unter Krone sollte gehn.“

Diese Rede dauchte · den Markgrafen gut
Und auch Gotelinde; · wohl freute sich ihr Muth.
Da schufen es die Helden, · daß sie zum Weibe nahm
Geiselher der edle, · wie er es mocht ohne Scham.

Soll ein Ding sich fügen, · wer mag ihm widerstehn?
Man bat die Jungfraue, · hin zu Hof zu gehn.
Da schwur man ihm zu geben · das schöne Mägdelein,
Wogegen er sich erbot, · die Wonnigliche zu frein.

Man beschied der Jungfrau · Burgen und auch Land.
Da sicherte mit Eiden · des edeln Königs Hand
Und Gernot der Degen, · es werde so gethan.
Da sprach der Markgraf: · „Da ich Burgen nicht gewann,

„So kann ich euch in Treuen · nur immer bleiben hold.
Ich gebe meiner Tochter · an Silber und an Gold,
Was hundert Saumrosse · nur immer mögen tragen,
Daß es wohl nach Ehren · euch Helden möge behagen.“

Da wurden diese beiden · in einen Kreis gestellt
Nach dem Rechtsgebrauche. · Mancher junge Held
Stand ihr gegenüber · in fröhlichem Muth;
Er gedacht in seinem Sinne, · wie noch ein Junger gerne thut.

Als man begann zu fragen · die minnigliche Maid,
Ob sie den Recken wolle, · zum Theil war es ihr leid;
Doch dachte sie zu nehmen · den waidlichen Mann.
Sie schämte sich der Frage, · wie manche Maid hat gethan.

Ihr rieth ihr Vater Rüdiger, · daß sie spräche ja,
Und daß sie gern ihn nähme: · wie schnell war er da
Mit seinen weißen Händen, · womit er sie umschloß,
Geiselher der junge! · Wie wenig sie ihn doch genoß!

Da begann der Markgraf: · „Ihr edeln Könge reich,
Wenn ihr nun wieder reitet · heim in euer Reich,
So geb ich euch, so ist es · am schicklichsten, die Magd,
Daß ihr sie mit euch führet.“ · Also ward es zugesagt.

Der Schall, den man hörte, · der muste nun vergehn.
Da ließ man die Jungfrau · zu ihrer Kammer gehn
Und auch die Gäste schlafen · und ruhn bis an den Tag.
Da schuf man ihnen Speise: · der Wirth sie gütlich verpflag.

Als sie gegeßen hatten · und nun von dannen fahren
Wollten zu den Heunen: · „Davor will ich euch wahren,“
Sprach der edle Markgraf, · „ihr sollt noch hier bestehn;
So liebe Gäste hab ich · lange nicht bei mir gesehn.“

Dankwart entgegnete: · „Das kann ja nicht sein:
Wo nähmt ihr die Speise, · das Brot und auch den Wein,
Das ihr doch haben müstet · für solch ein Heergeleit?“
Als das der Wirth erhörte, · er sprach: „Die Rede laßt beiseit.

„Meine lieben Herren, · ihr dürft mir nicht versagen.
Wohl geb ich euch die Speise · zu vierzehen Tagen,
Euch und dem Gesinde, · das mit euch hergekommen.
Mir hat der König Etzel · noch gar selten was genommen.“

Wie sehr sie sich wehrten, · sie musten da bestehn
Bis an den vierten Morgen. · Da sah man geschehn
Durch des Wirthes Milde, · was weithin ward bekannt:
Er gab seinen Gästen · beides, Ross' und Gewand.

Nicht länger mocht es währen, · sie musten an ihr Ziel.
Seines Gutes konnte · Rüdiger nicht viel
Vor seiner Milde sparen: · wonach man trug Begehr,
Das versagt' er Niemand: · er gab es gern den Helden hehr.

Ihr edel Ingesinde · brachte vor das Thor
Gesattelt viel der Rosse; · zu ihnen kam davor
Mancher fremde Recke, · den Schild an der Hand,
Da sie reiten wollten · mit ihnen in Etzels Land.

Der Wirth bot seine Gaben · den Degen allzumal,
Eh die edeln Gäste · kamen vor den Saal.
Er konnte wohl mit Ehren · in hoher Milde leben.
Seine schöne Tochter · hatt er Geiselhern gegeben;

Da gab er Gernoten · eine Waffe gut genug,
Die hernach in Stürmen · der Degen herrlich trug.
Ihm gönnte wohl die Gabe · des Markgrafen Weib;
Doch verlor der gute Rüdiger · davon noch Leben und Leib.

Er gab König Gunthern, · dem Helden ohne Gleich,
Was wohl mit Ehren führte · der edle König reich,
Wie selten er auch Gab empfieng, · ein gutes Streitgewand,
Da neigte sich der König · vor des milden Rüdger Hand.

Gotelind bot Hagnen, · sie durfte es ohne Scham,
Ihre freundliche Gabe: · da sie der König nahm,
So sollt auch er nicht fahren · zu dem Hofgelag
Ohn ihre Steuer: · der edle Held aber sprach:

„Alles, was ich je gesehn,“ · entgegnete Hagen,
„So begehr ich nichts weiter · von hinnen zu tragen
Als den Schild, der dorten · hängt an der Wand:
Den möcht ich gerne führen · mit mir in der Heunen Land.“

Als die Rede Hagens · die Markgräfin vernahm,
Ihres Leids ermahnt' er sie, · daß ihr das Weinen kam.
Mit Schmerzen gedachte · sie an Nudungs Tod,
Den Wittich hatt erschlagen; · das schuf ihr Jammer und Noth.

Sie sprach zu dem Degen: · „Den Schild will ich euch geben.
Wollte Gott vom Himmel, · daß der noch dürfte leben,
Der einst ihn hat getragen! · er fand im Kampf den Tod.
Ich muß ihn stäts beweinen: · das schafft mir armem Weibe Noth!“

Da erhob sich vom Sitze · die Markgräfin mild:
Mit ihren weißen Händen · hob sie herab den Schild
Und trug ihn hin zu Hagen: · der nahm ihn an die Hand.
Die Gabe war mit Ehren · an den Recken gewandt.

Eine Hülle lichten Zeuges · auf seinen Farben lag.
Beßern Schild als diesen · beschien wohl nie der Tag.
Mit edelm Gesteine · War er so besetzt,
Man hätt ihn im Handel · wohl auf tausend Mark geschätzt.

Den Schild hinwegzutragen · befahl der Degen hehr.
Da kam sein Bruder Dankwart · auch zu Hofe her.
Dem gab reicher Kleider · Rüdigers Kind genug,
Die er bei den Heunen · hernach mit Freuden noch trug.

Wie viel sie der Gaben · empfiengen insgemein,
Nichts würd in ihre Hände · davon gekommen sein,
Wars nicht dem Wirth zu Liebe, · der es so gütlich bot.
Sie wurden ihm so feind hernach, daß sie ihn schlagen musten todt.

Da hatte mit der Fiedel · Volker der schnelle Held
Sich vor Gotelinde · höfisch hingestellt.
Er geigte süße Töne · und sang dazu sein Lied:
Damit nahm er Urlaub, · als er von Bechlaren schied.

Da ließ die Markgräfin · eine Lade näher tragen.
Von freundlicher Gabe · mögt ihr nun hören sagen:
Zwölf Spangen, die sie aus ihr nahm, · schob sie ihm an die Hand:
„Die sollt ihr führen, Volker, · mit euch in der Heunen Land

„Und sollt sie mir zu Liebe · dort am Hofe tragen:
Wenn ihr wiederkehret, · daß man mir möge sagen,
Wie ihr gedient mir habet · bei dem Hofgelag.“
Wie sie ihn gebeten, · so that der Degen hernach.

Der Wirth sprach zu den Gästen: · „Daß ihr nun sichrer fahrt,
Will ich euch selbst geleiten: · so seid ihr wohl bewahrt,
Daß ihr auf der Straße · nicht werdet angerannt.“
Seine Saumrosse · die belud man gleich zur Hand.

Der Wirth war reisefertig · und fünfhundert Mann
Mit Rossen und mit Kleidern: · die führt' er hindann
Zu dem Hofgelage · mit fröhlichem Muth;
Nach Bechelaren kehrte · nicht Einer all der Ritter gut.

Mit minniglichen Küssen · der Wirth von dannen schied;
Also that auch Geiselher, · wie ihm die Liebe rieth.
Sie herzten schöne Frauen · mit zärtlichem Umfahn:
Das musten bald beweinen · viel Jungfrauen wohlgethan.

Da wurden allenthalben · die Fenster aufgethan,
Als mit seinen Mannen · der Markgraf ritt hindann.
Sie fühlten wohl im Herzen · voraus das herbe Leid:
Drum weinten viel der Frauen · und manche waidliche Maid.

Nach den lieben Freunden · trug Manche groß Beschwer,
Die sie in Bechelaren · ersahen nimmermehr.
Doch ritten sie mit Freuden · nieder an dem Strand
Dort im Donauthale · bis in das heunische Land.

Da sprach zu den Burgunden · der milde Markgraf hehr,
Rüdiger der edle: · „Nun darf nicht länger mehr
Verhohlen sein die Kunde, · daß wir nach Heunland kommen.
Es hat der König Etzel · noch nie so Liebes vernommen.“

Da ritt manch schneller Bote · ins Oesterreicherland:
So ward es allenthalben · den Leuten bald bekannt,
Daß die Helden kämen · von Worms über Rhein.
Dem Ingesind des Königs · konnt es nicht lieber sein.

Die Boten vordrangen · mit diesen Mären,
Daß die Nibelungen · bei den Heunen wären:
„Du sollst sie wohl empfangen, · Kriemhild, Fraue mein:
Nach großen Ehren kommen · dir die lieben Brüder dein.“

Als die Königstochter · vernahm die Märe,
Zum Theil wich ihr vom Herzen · ihr Leid, das schwere.
Aus ihres Vaters Lande · zog Mancher ihr heran,
Durch den der König Etzel · bald großen Jammer gewann.

„Nun wohl mir diese Freude,“ · sprach da Kriemhild.
„Hier bringen meine Freunde · gar manchen neuen Schild
Und Panzer glänzend helle: · wer nehmen will mein Gold
Und meines Leids gedenken, · dem will ich immer bleiben hold.“

Sie gedachte heimlich: · „Noch wird zu Allem Rath.
Der mich an meinen Freuden · so gar gepfändet hat,
Weiß ich es zu fügen, · es soll ihm werden leid
Bei diesem Gastgebote: · dazu bin ich gern bereit.

„Ich will es also Schaffen, · daß meine Rach ergeht
Bei diesem Hofgelage, · wie es hernach auch steht,
An seinem argen Leibe, · der mir hat benommen
So viel meiner Wonne: · des soll mir nun Entgeltung kommen.“

28. Achtundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Kriemhild Hagen entpfieng.

Als die Burgunden · kamen auf das Feld,
Auf schlug man drei Königen · gar herrlich Gezelt.
Sie stießen ein die Fahnen · von eitel Golde roth.
Da wusten nicht die Herren, · wie ihnen nah war der Tod.

Da stieg zu den Zinnen · Frau Kriemhild hinan
Und sah auf dem Felde · reiten manchen Mann.
Des freute sich heimlich · das wunderschöne Weib:
„Nun endlich wird gerochen · des kühnen Siegfriedes Leib,

„Der mir so mörderlich · zu Tode ward geschlagen;
Ich kann bis an mein Ende · ihn nie genug beklagen.
O weh der großen Ehren, · die ich muß verloren schaun:
So tapfrer Mann lag nimmer · noch im Arm einer Fraun.

„Seine große Tugend · schafft mir Herzeleid:
Wenn ich daran gedenke, · wie er zu jener Zeit
Hin ritt mit so gesundem Leib, · so mehrt sich meine Klage:
Mir darf Niemand rügen · das große Leid, das ich trage.

„Gott hatt ihn mir zu Manne · aus aller Welt erkoren.
Wär Einem Mann die Tugend · Tausender angeboren,
Viel größere doch Siegfried · ganz alleine trug.“
Sehr klagt' um ihn die Königin, · zu dem Herzen sie sich schlug.

Alsbald ward dem Berner · die Märe kund gethan.
Da kam er geschwinde · über den Hof heran;
Er hatte Hilbranden · der Sitte nach bei sich.
„Viel edle Königstochter, · das ließet ihr billiglich,

„Daß man euch weinen sähe · bei dieser Lustbarkeit.
Ihr habt hieher beschieden · aus fremden Landen weit
Viel der werthen Recken · und manchen Biedermann:
Daß man euch nun weinen sieht, · das steht euch gar übel an.“

„Ich mahne dich der Treue,“ · sprach sie, „Hildebrand,
Hast du je Gab empfangen · aus meiner milden Hand,
So räche mich an Hagen: · ich gebe dir mein Gold
Und bin mit guten Treuen · bis an mein Ende dir hold.“

Da sprach zu ihr der Berner: · „Ihr seid ein übel Weib,
Daß ihr den Freunden rathet · an Leben und Leib,
Und habt so manchen Boten · hin an den Rhein gesandt,
Bis sie euch nun kamen · zu Haus mit wehrlicher Hand.

„Höret, Meister Hildebrand, · so lieb als ich euch sei:
Empfangt mir vom Rheine · die Könige alle drei
Und heißt sie hier zu Felde · liegen bis an den Tag,
So warn ich sie mit Treue, · so gut ich immer vermag.“

Da ritt wohlgezogen · Meister Hildebrand,
Bis er die drei Könige · von dem Rheine fand.
Er sprang vom Pferde ritterlich · und ließ sich auf die Knie:
Die drei Könige vom Rheine · so empfing und grüßt' er sie.

„Willkommen seid, Herr Gunther, · König an dem Rhein;
So sei auch Herr Gernot, · der liebe Bruder dein,
Und Geiselher der junge · und Hagen, ein starker Mann,
Und noch manch schneller Recke, · die ich nicht alle nennen kann.

„Euch entbeut der Berner, · der liebe Herre mein,
Seine Huld und Freundschaft · und will euch hülfreich sein.
Er räth euch, hier im Felde · zu liegen bis zum Tag:
Dann warnt er euch mit Treuen, · so gut er immer vermag.

„Mög euch Gott behüten · hier vor aller Noth:
Schon vor vierthalb Jahren · war euch bereit der Tod.
Geschworen hat Frau Kriemhild, · eure Schwester, manchen Eid,
daß sie an euch will rächen · all ihr großes Herzeleid.

„Er entbeut euch, daß ihr meidet, · so lieb euch sei das Leben,
Den Neubau an der Donau, · wo euch Herberg ist gegeben:
Das sollt ihr mir glauben, · und käm darein ein Heer,
Ihr müstet All ersterben · und Keiner käme zur Wehr.

„Wißt, in drei schönen Rohren, · die hohl von innen sind,
Schwefel und Kohlen · mischten sie falsch gesinnt:
Das wird angezündet, · wenn sie zu Tische gehn.
Davor sollt ihr euch hüten · ihr stolzen Degen ausersehn.“

Des erschrak der König, · die Rede war ihm leid.
„Nun lohne Gott dir, Hildebrand, · daß du uns gabst Bescheid
Und daß du hast gewarnet · manch heimatlosen Mann.
Ich seh, wir treffen Treue · bei den Heunen wenig an.“

Des erlachten die Jungen · und hielten es für Spott.
Da sprachen die Weisen: · „Davor behüt uns Gott.
Wir sind in großer Treue · geritten in das Land;
Sie hat uns manchen Boten · hin nach dem Rheine gesandt.“

Da sprach wohlgezogen · der König Gernot:
„Meine Schwester Kriemhild hat uns · geladen in den Tod.
Zu großer Treue ritten · wir her in diese Statt,
Da meine schöne Schwester · uns vom Rhein geladen hat.“

Da sprach der Fiedelspieler, · der kühne Volker:
„Ich kam der Gabe willen · vom Rhein geritten her.
Nun will ich drauf verzichten,“ · so sprach der Fiedelmann:
„Ich fiedle mit dem Schwerte · das allerbeste, das ich kann.

„Erklingen meine Töne, · so weichen sie zurück,
Und wollen sie's nicht laßen, · so fügt es leicht das Glück,
Ich schlag Einem ritterlich · einen schnellen Geigenschlag,
Hat er einen treuen Freund, · daß es der beweinen mag.“

Als Hildebrand der alte · von dannen wollte gehn,
Geiselher der junge · hieß ihn noch stille stehn.
Er gab ihm einen Mantel, · den er ihm zu Ehren trug;
Für dreißig Mark Goldes · hatt er Pfands daran genug.

An sich nahm den Mantel · Meister Hildebrand
Und ritt hin wohlgezogen, · wo er den Berner fand.
„Schaut den reichen Mantel, · der hier an mir zu sehn:
Den gab mir Geiselher das Kind, · als ich von ihm wollte gehn.“

Als die Burgunden · kamen in das Land,
Da erfuhr es von Berne · der alte Hildebrand.
Er sagt' es seinem Herren. · Dietrichen war es leid;
Er hieß ihn wohl empfangen · der kühnen Ritter Geleit.

Da ließ der starke Wolfhart · die Pferde führen her;
Dann ritt mit dem Berner · mancher Degen hehr,
Sie zu begrüßen, · zu ihnen auf das Feld.
Sie hatten aufgeschlagen · da manches herrliche Zelt.

Als sie von Tronje Hagen · aus der Ferne sah,
Wohlgezogen sprach er · zu seinen Herren da:
„Nun hebt euch von den Sitzen, · ihr Recken wohlgethan,
Und geht entgegen denen, · die euch hier wollen empfahn.

„Dort kommt ein Heergesinde, · das ist mir wohl bekannt;
Es sind viel schnelle Degen · von Amelungenland.
Sie führt Der von Berne, · sie tragen hoch den Muth:
Laßt euch nicht verschmähen · die Dienste, die man euch thut.“

Da sprang von den Rossen · wohl nach Fug und Recht
Mit Dietrichen nieder · mancher Herr und Knecht.
Sie giengen zu den Gästen, · wo man die Helden fand,
Und begrüßten freundlich · Die von der Burgunden Land.

Als sie der edle Dietrich · ihm entgegen kommen sah,
Liebes und Leides · zumal ihm dran geschah.
Er wuste wohl die Märe; · leid war ihm ihre Fahrt:
Er wähnte, Rüdger wüst es · und hätt es ihnen offenbart.

„Willkommen mir, ihr Herren, · Gunther und Geiselher,
Gernot und Hagen, · Herr Volker auch so sehr,
Und Dankwart der schnelle: · ist euch das nicht bekannt?
Schwer beweint noch Kriemhild · Den von Nibelungenland.“

„Sie mag noch lange weinen,“ · so sprach da Hagen:
„Er liegt seit manchem Jahr · schon zu Tod erschlagen.
Den König der Heunen · mag sie nun lieber haben:
Siegfried kommt nicht wieder, · er ist nun lange begraben.“

„Siegfriedens Wunden · laßen wir nun stehn:
So lange lebt Frau Kriemhild, · mag Schade wohl geschehn.“
So redete von Berne · der edle Dieterich:
„Trost der Nibelungen, · davor behüte du dich!“

„Wie soll ich mich behüten?“ · sprach der König hehr.
„Etzel sandt uns Boten, · was sollt ich fragen mehr?
Daß wir zu ihm ritten · her in dieses Land.
Auch hat uns manche Botschaft · meine Schwester Kriemhild gesandt.“

„So will ich euch rathen,“ · sprach wieder Hagen,
„Laßt euch diese Märe · doch zu Ende sagen
Dieterich den Herren · und seine Helden gut,
Daß sie euch wißen laßen · der Frau Kriemhilde Muth.“

Da giengen die drei Könige · und sprachen unter sich,
Herr Gunther und Gernot · und Herr Dieterich:
„Nun sag uns, von Berne · du edler Ritter gut,
Was du wißen mögest · von der Königin Muth.“

Da sprach der Vogt von Berne: · „Was soll ich weiter sagen?
Als daß ich alle Morgen · weinen hör und klagen
Etzels Weib Frau Kriemhild · in jämmerlicher Noth
Zum reichen Gott vom Himmel · um des starken Siegfried Tod.“

„Es ist halt nicht zu wenden,“ · sprach der kühne Mann,
Volker der Fiedler, · „was ihr uns kund gethan.
Laßt uns zu Hofe reiten · und einmal da besehn,
Was uns schnellen Degen · bei den Heunen möge geschehn.“

Die kühnen Burgunden · hin zu Hofe ritten:
Sie kamen stolz gezogen · nach ihres Landes Sitten.
Da wollte bei den Heunen · gar mancher kühne Mann
Von Tronje Hagen schauen, · wie der wohl wäre gethan.

Es war durch die Sage · dem Volk bekannt genug,
Daß er von Niederlanden · Siegfrieden schlug,
Aller Recken stärksten, · Frau Kriemhildens Mann:
Drum ward so großes Fragen · bei Hof nach Hagen gethan.

Der Held war wohlgewachsen, · das ist gewisslich wahr.
Von Schultern breit und Brüsten; · gemischt war sein Haar
Mit einer greisen Farbe; · von Beinen war er lang
Und schrecklich von Antlitz; · er hatte herrlichen Gang.

Da schuf man Herberge · den Burgundendegen;
Gunthers Ingesinde · ließ man gesondert legen.
Das rieth die Königstochter, · die ihm viel Haßes trug:
Daher man bald die Knechte · in der Herberg erschlug.

Dankwart, Hagens Bruder, · war da Marschall;
Der König sein Gesinde · ihm fleißig anbefahl,
Daß er es die Fülle · mit Speise sollte pflegen.
Das that auch gar willig · und gern dieser kühne Degen.

Kriemhild die schöne · mit dem Gesinde gieng,
Wo sie die Nibelungen · mit falschem Muth empfieng:
Sie küsste Geiselheren · und nahm ihn bei der Hand.
Als das Hagen sah von Tronje, · den Helm er fester sich band.

„Nach solchem Empfange,“ · so sprach da Hagen,
„Mögen wohl Bedenken · die schnellen Degen tragen;
Man grüßt die Fürsten ungleich · und den Unterthan:
Keine gute Reise haben wir · zu dieser Hochzeit gethan.“

Sie sprach: „Seid willkommen · dem, der euch gerne sieht:
Eurer Freundschaft willen · kein Gruß euch hier geschieht.
Sagt, was ihr mir bringet · von Worms überrhein,
Daß ihr mir so höchlich · solltet willkommen sein?“

„Was sind das für Sachen,“ · sprach Hagen entgegen,
„Daß euch Gaben bringen · sollten diese Degen?
So reich wär ich gewesen, · hätt ich das gedacht,
Daß ich euch meine Gabe · zu den Heunen hätt gebracht.“

„Nun frag ich um die Märe · weiter bei euch an,
Der Hort der Nibelungen, · wohin ward der gethan?
Der war doch mein eigen, · das ist euch wohl bekannt:
Den solltet ihr mir haben · gebracht in König Etzels Land.“

„In Treuen, Frau Kriemhild, · schon mancher Tag ist hin,
Den Hort der Nibelungen, · seit ich des ledig bin,
Ihn ließen meine Herren · senken in den Rhein:
Da muß er auch in Wahrheit · bis zum jüngsten Tage sein.“

Die Königin versetzte: · „Ich dacht es wohl vorher.
Ihr habt mir noch wenig · davon gebracht hieher,
Wiewohl er war mein eigen · und ich sein weiland pflag;
Nach ihm und seinem Herren · hab ich manchen leiden Tag.“

„Ich bring euch den Teufel!“ · sprach wieder Hagen,
„Ich hab an meinem Schilde · so viel zu tragen
Und an meinem Harnisch; · mein Helm der ist licht,
Das Schwert an meiner Seite: · drum bring ich ihn euch nicht.“

„Es war auch nicht die Meinung, · als verlangte mich nach Gold:
So viel hab ich zu geben, · ich entbehre leicht den Sold.
Eines Mords und Doppelraubes, · die man an mir genommen,
Dafür möcht ich Arme · zu lieber Entgeltung kommen.“

Da sprach die Königstochter · zu den Recken allzumal:
„Man soll keine Waffen · tragen hier im Saal;
Vertraut sie mir, · ihr Helden, zur Verwahrung an.“
„In Treuen,“ sprach da Hagen, · „das wird nimmer gethan.

„Ich begehre nicht der Ehre, · Fürstentochter mild,
Daß ihr zur Herberge · tragt meinen Schild
Und ander Streitgeräthe; · ihr seid hier Königin.
So lehrte mich mein Vater, · daß ich selbst ihr Hüter bin.“

„O Weh dieses Leides!“ · sprach da Kriemhild:
„Warum will mein Bruder · und Hagen seinen Schild
Nicht verwahren laßen? · Gewiss, sie sind gewarnt:
Und wüst ich, wer es hat gethan, · der Tod der hielt' ihn umgarnt.“

Im Zorn gab ihr Antwort · Dietrich sogleich:
„Ich bin es, der gewarnt hat · die edeln Fürsten reich
Und Hagen den kühnen, · der Burgunden Mann:
Nur zu, du Braut des Teufels, · du thust kein Leid mir drum an.“

Da schämte sich gewaltig · die edle Königin:
Sie fürchtete sich bitter · vor Dietrichs Heldensinn.
Sie gieng alsdann von dannen, · kein Wort mehr sprach sie da,
Nur daß sie nach den Feinden · mit geschwinden Blicken sah.

Da nahmen bei den Händen · zwei der Degen sich,
Der Eine war Hagen, · der Andere Dietrich.
Da sprach wohlgezogen · der Degen allbereit:
„Eure Reise zu den Heunen · die ist in Wahrheit mir leid,

„Da die Königstochter · so gesprochen hat.“
Da sprach von Tronje Hagen: · „Zu Allem wird schon Rath.“
So sprachen zu einander · die Recken wohlgethan.
Das sah der König Etzel, · der gleich zu fragen begann:

„Die Märe wust ich gerne,“ · befrug der König sich,
„Wer der Recke wäre, · den dort Herr Dietrich
So freundlich hat empfangen; · er trägt gar hoch den Muth:
Wie auch sein Vater heiße, · er mag wohl sein ein Recke gut.“

Antwort gab dem König · ein Kriemhildens-Mann:
„Von Tronje ist er geboren, · sein Vater hieß Aldrian;
Wie zahm er hier gebare, · er ist ein grimmer Mann:
Ich laß euch das noch schauen, · daß ich keine Lüge gethan.“

„Wie soll ich das erkennen, · daß er so grimmig ist?“
Noch hatt er nicht Kunde · von mancher argen List,
Die wider ihre Freunde · die Königin spann,
Daß aus dem Heunenlande · ihr auch nicht Einer entrann.

„Wohl kannt ich Hagen, · er war mein Unterthan:
Lob und große Ehre · er hier bei mir gewann.
Ich macht' ihn zum Ritter · und gab ihm mein Gold;
Weil er sich getreu erwies, · war ich immer ihm hold.

„Daher ist mir von Hagen · Alles wohlbekannt.
Zwei edle Kinder bracht ich · als Geisel in dieß Land,
Ihn und von Spanien Walther: · die wuchsen hier heran.
Hagen sandt ich wieder heim; · Walther mit Hildegund entrann.“

So bedacht er alter Zeiten · und was vordem geschehn.
Seinen Freund von Tronje · hatt er hier gesehn,
Der ihm in seiner Jugend · oft große Dienste bot;
Jetzt schlug er ihm im Alter · viel lieber Freunde zu Tod.

29. Neunundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Hagen und Volker vor Kriemhildens Saal saßen.

Da schieden auch die beiden · werthen Recken sich,
Hagen von Tronje · und Herr Dieterich.
Ueber die Achsel blickte · Gunthers Unterthan
Nach einem Heergesellen, · den er sich bald gewann.

Neben Geiselheren · sah er Volkern stehn,
Den kunstreichen Fiedler: · den bat er mitzugehn,
Weil er wohl erkannte · seinen grimmen Muth:
Er war an allen Tugenden · ein Ritter kühn und auch gut.

Noch ließ man die Herren · auf dem Hofe stehn.
Die Beiden ganz alleine · sah man von dannen gehn
Ueber den Hof hin ferne · vor einen Pallas weit:
Die Auserwählten scheuten · sich vor Niemandes Streit.

Sie setzten vor dem Hause sich · genüber einem Saal,
Der war Kriemhilden, · auf eine Bank zu Thal.
An ihrem Leibe glänzte · ihr herrlich Gewand;
Gar Manche, die das sahen, · hätten gern sie gekannt.

Wie die wilden Thiere · gaffte sie da an,
Die übermüthgen Helden, · mancher Heuneumann.
Da sah sie durch ein Fenster · Etzels Königin:
Das betrübte wieder · der schönen Kriemhilde Sinn.

Sie gedacht ihres Leides; · zu weinen hub sie an.
Das wunderte die Degen, · die Etzeln unterthan,
Was ihr bekümmert hätte · so sehr den hohen Muth?
Da sprach sie: „Das that Hagen, · ihr Helden kühn und auch gut.“

Sie sprachen zu der Frauen: · „Wie ist das geschehn?
Wir haben euch doch eben · noch wohlgemuth gesehn.
Wie kühn er auch wäre, · der es euch hat gethan,
Befehlt ihr uns die Rache, · den Tod müst er empfahn.“

„Dem wollt ich immer danken, · der rächte dieses Leid:
Was er nur begehrte, · ich wär dazu bereit.
„Ich fall euch zu Füßen,“ · so sprach des Königs Weib:
„Rächt mich an Hagen: · er verliere Leben und Leib.“

Da rüsteten die Kühnen sich, · sechzig an der Zahl:
Kriemhild zu Liebe · wollten sie vor den Saal
Und wollten Hagen schlagen, · diesen kühnen Mann,
Dazu den Fiedelspieler; · das ward einmüthig gethan.

Als so gering den Haufen · die Königin ersah,
In grimmem Muthe sprach sie · zu den Helden da:
„Von solchem Unterfangen · rath ich abzustehn:
Ihr dürft in so geringer Zahl · nicht mit Hagen streiten gehn.

„So kühn auch und gewaltig · Der von Tronje sei,
Noch ist bei weitem stärker, · der ihm da sitzet bei,
Volker der Fiedler: · das ist ein übler Mann:
Wohl dürft ihr diesen Helden · nicht zu so wenigen nahn.“

Als sie die Rede hörten, · rüsteten sich mehr
Vierhundert Recken. · Der Königin hehr
Lag sehr am Herzen · die Rache für ihr Leid.
Da wurde bald den Degen · große Sorge bereit.

Als sie ihr Gesinde · wohlbewaffnet sah,
Zu den schnellen Recken · sprach die Königin da:
„Nun harrt eine Weile: · ihr sollt noch stille stehn.
Ich will unter Krone · hin zu meinen Feinden gehn.

„Hört mich ihm verweisen, · was mir hat gethan
Hagen von Tronje, · Gunthers Unterthan.
Ich weiß ihn so gemuthet, · er läugnets nimmermehr:
So will ich auch nicht fragen, · was ihm geschehe nachher.“

Da sah der Fiedelspieler, · ein kühner Spielmann,
Die edle Königstochter · von der Stiege nahn,
Die aus dem Hause führte. · Als er das ersah,
Zu seinem Heergesellen · sprach der kühne Volker da:

„Nun schauet, Freund Hagen, · wie sie dorther naht,
Die uns ohne Treue · ins Land geladen hat.
Ich sah mit einer Königin · nie so manchen Mann
Die Schwerter in den Händen · also streitlustig nahn.

„Wißt ihr, Freund Hagen, · daß sie euch abhold sind?
So will ich euch rathen, · daß ihr zu hüten sinnt
Des Lebens und der Ehre; · führwahr, das dünkt mich gut:
Soviel ich mag erkennen, · ist ihnen zornig zu Muth.

„Es sind auch Manche drunter · von Brüsten stark und breit:
Wer seines Lebens hüten will, · der thu es beizeit.
Ich seh sie unter Seide · die festen Panzer tragen.
Was sie damit meinen, · das hör ich Niemanden sagen.“

Da sprach im Zornmuthe · Hagen der kühne Mann:
„Ich weiß wohl, das wird Alles · wider mich gethan,
Daß sie die lichten Waffen · tragen an der Hand;
Von denen aber reit ich · noch in der Burgunden Land.

„Nun sagt mir, Freund Volker, · denkt ihr mir beizustehn,
Wenn mit mir streiten wollen · Die in Kriemhilds Lehn?
Das laßt mich vernehmen, · so lieb als ich euch sei.
Ich steh euch mit Diensten · immer wieder treulich bei.“

„Sicherlich, ich helf euch,“ · so sprach da Volker.
„Und säh ich uns entgegen · mit seinem ganzen Heer
Den König Etzel kommen, · all meines Lebens Zeit
Weich ich von eurer Seite · aus Furcht nicht eines Fußes breit.“

„Nun lohn euch Gott vom Himmel, · viel edler Volker!
Wenn sie mit mir streiten, · wes bedarf ich mehr?
Da ihr mir helfen wollet, · wie ich jetzt vernommen,
So mögen diese Recken · fein behutsam näher kommen.“

„Stehn wir auf vom Sitze,“ · sprach der Fiedelmann,
„Vor der Königstochter, · so sie nun kommt heran.
Bieten wir die Ehre · der edeln Königin!
Das bringt uns auch beiden · an eignen Ehren Gewinn.“

„Nein! wenn ihr mich lieb habt,“ · sprach dawider Hagen.
„Es möchten diese Degen · mit dem Wahn sich tragen,
Daß ich aus Furcht es thäte · und dächte wegzugehn:
Von dem Sitze mein ich · vor ihrer Keinem aufzustehn.

„Daß wir es bleiben laßen, · das ziemt uns ganz allein.
Soll ich dem Ehre bieten, · der mir feind will sein?
Nein, ich thu es nimmer, · so lang ich leben soll:
In aller Welt, was kümmr ich · mich um Kriemhildens Groll?“

Der vermeßne Hagen legte · über die Schenkel hin
Eine lichte Waffe, · aus deren Knaufe schien
Mit hellem Glanz ein Jaspis, · grüner noch als Gras.
Wohl erkannte Kriemhild, · daß Siegfried einst sie besaß.

Als sie das Schwert erkannte, · das schuf ihr große Noth.
Der Griff war von Golde, · der Scheide Borte roth.
Ermahnt war sie des Leides, · zu weinen hub sie an;
Ich glaube, Hagen hatt es · auch eben darum gethan.

Volker der kühne · zog näher an die Bank
Einen starken Fiedelbogen, · mächtig und lang,
Wie ein Schwert geschaffen, · scharf dazu und breit.
So saßen unerschrocken · diese Recken allbereit.

Die kühnen Degen beide · dauchten sich so hehr,
Aus Furcht vor Jemandem · wollten sie nimmermehr
Vom Sitz sich erheben. · Ihnen schritt da vor den Fuß
Die edle Königstochter · und bot unfreundlichen Gruß.

Sie sprach: „Nun sagt, Herr Hagen, · wer hat nach euch gesandt,
Daß ihr zu reiten wagtet · her in dieses Land,
Da ihr doch wohl wustet, · was ihr mir habt gethan?
Wart ihr bei guten Sinnen, · ihr durftets euch nicht unterfahn.“

„Nach mir gesandt hat Niemand,“ · sprach er entgegen,
„Her zu diesem Lande · lud man drei Degen,
Die heißen meine Herren: · ich steh in ihrem Lehn;
Bei keiner Hofreise · pfleg ich daheim zu bestehn.“

Sie sprach: „Nun sagt mir ferner, · was thatet ihr das,
Daß ihr es verdientet, · wenn ich euch trage Haß?
Ihr erschlugt Siegfrieden, · meinen lieben Mann,
Den ich bis an mein Ende · nicht gut beweinen kann.“

„Wozu der Rede weiter?“ · sprach er, „es ist genug:
Ich bin halt der Hagen, · der Siegfrieden schlug,
Den behenden Degen: · wie schwer er das entgalt,
Daß die Frau Kriemhild · die schöne Brunhilde schalt!

„Es wird auch nicht geläugnet, · reiche Königin,
Daß ich an all dem Schaden, · dem schlimmen, schuldig bin.
Nun räch es, wer da wolle, · Weib oder Mann.
Ich müst es wahrlich lügen, · ich hab euch viel zu Leid gethan.“

Sie sprach: „Da hört ihr, Recken, · wie er die Schuld gesteht
An all meinem Leide: · wie's ihm deshalb ergeht,
Darnach will ich nicht fragen, · ihr Etzeln unterthan.“
Die übermüthgen Degen · blickten all einander an.

Wär da der Streit erhoben, · so hätte man gesehn,
Wie man den zwei Gesellen · müß Ehre zugestehn:
Das hatten sie in Stürmen · oftmals dargethan.
Was jene sich vermeßen, · das gieng aus Furcht nun nicht an.

Da sprach der Recken Einer: · „Was seht ihr mich an?
Was ich zuvor gelobte, · das wird nun nicht gethan.
Um Niemands Gabe laß ich · Leben gern und Leib.
Uns will hier verleiten · dem König Etzel sein Weib.“

Da sprach ein Andrer wieder: · „So steht auch mir der Muth.
Wer mir Thürme gäbe · von rothem Golde gut,
Diesen Fiedelspieler · wollt ich nicht bestehn
Der schnellen Blicke wegen, · die ich hab an ihm ersehn.

„Auch kenn ich diesen Hagen · von seiner Jugendzeit:
Drum weiß ich von dem Recken · selber wohl Bescheid.
In zweiundzwanzig Stürmen · hab ich ihn gesehn;
Da ist mancher Frauen · Herzeleid von ihm geschehn.

„Er und Der von Spanien · traten manchen Pfad,
Da sie hier bei Etzeln · thaten manche That
Dem König zu Liebe. · Das ist oft geschehn:
Drum mag man Hagen billig · große Ehre zugestehn.

„Damals war der Recke · an Jahren noch ein Kind,
Da waren schon die Knaben · wie jetzt kaum Greise sind.
Nun kam er zu Sinnen · und ist ein grimmer Mann;
Auch trägt er Balmungen, · den er übel gewann.“

Damit wars entschieden, · Niemand suchte Streit.
Das war der Königstochter · im Herzen bitter leid.
Die Helden giengen wieder; · wohl scheuten sie den Tod
Von den Helden beiden: · das that ihnen wahrlich Noth.

Wie oft man verzagend · Manches unterläßt,
Wo der Freund beim Freunde · treulich steht und fest!
Und hat er kluge Sinne, · daß er nicht also thut,
Vor Schaden nimmt sich Mancher · durch Besonnenheit in Hut.

Da sprach der kühne Volker: · „Da wir nun selber sahn,
Daß wir hie Feinde finden, · wie man uns kund gethan,
So laß uns zu den Königen · hin zu Hofe gehn,
So darf unsre Herren · mit Kampfe Niemand bestehn.“

„Gut, ich will euch folgen,“ · sprach Hagen entgegen.
Da giengen hin die Beiden, · wo sie die zieren Degen
Noch harrend des Empfanges · auf dem Hofe sahn.
Volker der kühne · hub da laut zu reden an.

Er sprach zu seinen Herren: · „Wie lange wollt ihr stehn
Und euch drängen laßen? · ihr sollt zu Hofe gehn
Und von dem König hören, · wie der gesonnen sei.“
Da sah man sich gesellen · der kühnen Helden je zwei.

Dietrich von Berne · nahm da an die Hand
Gunther den reichen · von Burgundenland;
Irnfried nahm Gernoten, · diesen kühnen Mann;
Da gieng mit seinem Schwäher · Geiselher zu Hof heran.

Wie bei diesem Zuge · gesellt war Jeglicher,
Volker und Hagen, · die schieden sich nicht mehr
Als noch in Einem Kampfe · bis an ihren Tod.
Das musten bald beweinen · edle Fraun in großer Noth.

Da sah man mit den Königen · hin zu Hofe ziehn
Ihres edeln Ingesindes · tausend Degen kühn;
Darüber sechzig Recken · waren mitgekommen:
Die hatt aus seinem Lande · der kühne Hagen genommen.

Hawart und Iring, · zwei Degen auserkannt,
Die giengen mit den Königen · zu Hofe Hand in Hand;
Dankwart und Wolfhart, · ein theuerlicher Degen,
Die sah man großer Hofzucht · vor den übrigen pflegen.

Als der Vogt vom Rheine · in den Pallas gieng,
Etzel der reiche · das länger nicht verhieng:
Er sprang von seinem Sitze, · als er ihn kommen sah.
Ein Gruß, ein so recht schöner, · nie mehr von Köngen geschah.

„Willkommen mir, Herr Gunther · und auch Herr Gernot
Und euer Bruder Geiselher, · die ich hieher entbot
Mit Gruß und treuem Dienste · von Worms überrhein,
Und eure Degen alle · sollen mir willkommen sein.

„Laßt euch auch Willkommen, · ihr beiden Recken, sagen,
Volker der kühne · und dazu Herr Hagen,
Mir und meiner Frauen · hier in diesem Land:
Sie hat euch manche Botschaft · hin zum Rheine gesandt.“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Das haben wir vernommen.
Wär ich um meine Herren · gen Heunland nicht gekommen,
So wär ich euch zu Ehren · geritten in das Land.“
Da nahm der edle König · die lieben Gäste bei der Hand.

Und führte sie zum Sitze · hin, wo er selber saß.
Da schenkte man den Gästen, · fleißig that man das,
In weiten goldnen Schalen · Meth, Moraß und Wein
Und hieß die fremden Degen · höchlich willkommen sein.

Da sprach König Etzel: · „Das muß ich wohl gestehn,
Mir könnt in diesen Zeiten · nichts Lieberes geschehn
Als durch euch, ihr Recken, · daß ihr gekommen seid;
Damit ist auch der Königin · benommen Kummer und Leid.

„Mich nahm immer Wunder, · was ich euch wohl gethan,
Da ich der edeln Gäste · so Manche doch gewann,
Daß ihr nie zu reiten · geruhtet in mein Land;
Nun ich euch hier ersehen hab, · ist mirs zu Freuden gewandt.“

Da versetzte Rüdiger, · ein Ritter hochgemuth:
„Ihr mögt sie gern empfahen, · ihre Treue die ist gut:
Der wißen meiner Frauen · Brüder schön zu pflegen.
Sie bringen euch zu Hause · manchen waidlichen Degen.“

Am Sonnewendenabend · waren sie gekommen
An Etzels Hof, des reichen. · Noch selten ward vernommen,
Daß ein König seine Gäste · freundlicher empfieng;
Darnach er zu Tische · wohlgemuth mit ihnen gieng.

Ein Wirth bei seinen Gästen · sich holder nie betrug.
Zu trinken und zu eßen · bot man da genug:
Was sie nur wünschen mochten, · das wurde gern gewährt.
Man hatte von den Helden · viel große Wunder gehört.

Der reiche Etzel hatte · an ein Gebäude weit
Viel Fleiß und Müh gewendet · und Kosten nicht gescheut:
Man sah Pallas und Thürme, · Gemächer ohne Zahl
In einer weiten Veste · und einen herrlichen Saal.

Den hatt er bauen laßen · lang, hoch und weit,
Weil ihn so viel der Recken · heimsuchten jederzeit.
Auch ander Ingesinde, · zwölf reiche Könge hehr
Und viel der werthen Degen · hatt er zu allen Zeiten mehr,

Als je gewann ein König, · von dem ich noch vernahm.
Er lebte so mit Freunden · und Mannen wonnesam:
Gedräng und frohen Zuruf · hatte der König gut
Von manchem schnellen Degen; · drum stand wohl hoch ihm der Muth.

30. Dreißigstes Abenteuer.
Wie Hagen und Volker Schildwacht standen.

Der Tag war nun zu Ende, · es nahte sich die Nacht.
Den reisemüden Recken · war die Sorg erwacht,
Wann sie ruhen sollten · und zu Bette gehn.
Zur Sprache bracht es Hagen: · Bescheid ist ihnen geschehn.

Zu dem Wirthe sprach da Gunther: · „Gott laß euchs wohlgedeihn:
Wir wollen schlafen gehen, · mag es mit Urlaub sein.
Wenn ihr das gebietet, · kommen wir morgen fruh.“
Der Wirth entließ die Gaste · wohlgemuth zu ihrer Ruh.

Von allen Seiten drängen · man die Gäste sah.
Volker der kühne · sprach zu den Heunen da:
„Wie dürft ihr uns Recken · so vor die Füße gehn?
Und wollt ihr das nicht meiden, · so wird euch übel geschehn.

„So schlag ich Dem und Jenem · so schweren Geigenschlag,
Hat er einen Treuen, · daß ders beweinen mag.
Nun weicht vor uns Recken, · fürwahr, mich dünkt es gut:
Es heißen Alle Degen · und haben doch nicht gleichen Muth.“

Als in solchem Zorne · sprach der Fiedelmann,
Hagen der kühne · sich umzuschaun begann.
Er sprach: „Euch räth zum Heile · der kühne Fiedeler.
Geht zu den Herbergen, · ihr in Kriemhildens Heer.

„Was ihr habt im Sinne, · es fügt sich nicht dazu:
Wollt ihr was beginnen, · so kommt uns morgen fruh
Und laßt uns Reisemüden · heut in Frieden ruhn.
Ich glaube, niemals werden · es Helden williger thun.“

Da brachte man die Gäste · in einen weiten Saal,
Zur Nachtruh eingerichtet · den Recken allzumal
Mit köstlichen Betten, · lang zumal und breit.
Gern schuf ihnen Kriemhild · das allergrößeste Leid,

Schmucker Decken sah man · von Arras da genug
Aus lichthellem Zeuge · und manchen Ueberzug
Aus Arabischer Seide, · so gut sie mochten sein,
Verbrämt mit goldnen Borten, · die gaben herrlichen Schein.

Viel Bettlaken fand man · von Hermelin gemacht
Und von schwarzem Zobel, · worunter sie die Nacht
Sich Ruhe schaffen sollten · bis an den lichten Tag.
Ein König mit dem Volke · wohl nimmer herrlicher lag.

„O weh des Nachtlagers!“ · sprach Geiselher das Kind,
„Und weh meiner Freunde, · die mit uns kommen sind.
Wie gut es meine Schwester · uns auch hier erbot,
Wir gewinnen, fürcht ich, alle · von ihrem Haße den Tod.“

„Nun laßt euer Sorgen,“ · sprach Hagen der Degen,
„Ich will heunte selber · der Schildwache pflegen
Und getrau euch zu behüten · bis morgen an den Tag:
Seit des ohne Sorge: · so entrinne, wer da mag.“

Da neigten sich ihm Alle · und sagten ihm Dank.
Sie giengen zu den Betten. · Da währt' es nicht lang,
Bis in Ruhe lagen · die Helden wohlgethan.
Hagen der kühne · sich da zu waffnen begann.

Da sprach der Fiedelspieler, · Volker der Degen:
„Verschmäht ihrs nicht, Hagen, · so will ich mit euch pflegen
Heunt der Schildwache · bis morgen an den Tag.“
Da dankte Volkeren · der Degen gütlich und sprach:

„Nun lohn euch Gott vom Himmel, · viel lieber Volker!
Zu allen meinen Sorgen · wünsch ich mir Niemand mehr
Als nur euch alleine, · befahr ich irgend Noth.
Ich will es wohl vergelten, · es verwehr es denn der Tod.“

Da kleideten die Beiden · sich in ihr licht Gewand,
Jedweder faßte · den Schild an seine Hand,
Sie giengen aus dem Hause · vor die Thüre stehn
Und hüteten der Gäste; · das ist mit Treuen geschehn.

Volker der schnelle · lehnte von der Hand
Seinen Schild den guten · an des Saales Wand.
Dann wandt er sich zurücke, · wo seine Geige war,
Und diente seinen Freunden: · es ziemt ihm also fürwahr.

Unter des Hauses Thüre · setzt' er sich auf den Stein.
Kühnrer Fiedelspieler · mochte nimmer sein.
Als der Saiten Tönen · ihm so hold erklang,
Die stolzen Heimatlosen · die sagten Volkern den Dank.

Da tönten seine Saiten, · daß all das Haus erscholl;
Seine Kraft und sein Geschicke · die waren beide voll.
Süßer und sanfter · zu geigen hub er an:
So spielt' er in den Schlummer · gar manchen sorgenden Mann.

Da sie entschlafen waren · und Volker das befand,
Da nahm der Degen wieder · den Schild an die Hand
Und gieng aus dem Hause · vor die Thüre stehn,
Seine Freunde zu behüten · vor Denen in Kriemhilds Lehn.

Wohl der Nacht inmitten, · wenn es erst da geschah,
Volker der kühne · einen Helm erglänzen sah
Fernher durch das Dunkel: · Die Kriemhild unterthan,
Hätten an den Gästen · gerne Schaden gethan.

Bevor diese Recken · Kriemhild hatt entsandt,
Sie sprach: „Wenn ihr sie findet, · so seid um Gott ermahnt,
Daß ihr Niemand tödtet · als den einen Mann,
Den ungetreuen Hagen; · die Andern rühret nicht an.“

Da sprach der Fiedelspieler: · „Nun seht, Freund Hagen,
Uns ziemt, diese Sorge · gemeinsam zu tragen.
Gewaffnet vor dem Hause · seh ich Leute stehn:
So viel ich mag erkennen, · kommen sie uns zu bestehn.“

„So schweigt,“ sprach da Hagen, · „laßt sie erst näher her.
Eh sie uns inne werden, · wird ihrer Helme Wehr
Zerschroten mit den Schwertern · von unser Beider Hand:
Sie werden Kriemhilden · übel wieder heimgesandt.“

Der Heunenrecken Einer · das gar bald ersah,
Die Thüre sei behütet: · wie schnell sprach er da:
„Was wir im Sinne hatten, · kann nun nicht geschehn:
Ich seh den Fiedelspieler · vor dem Hause Schildwacht stehn.

„Er trägt auf dem Haupte · einen Helm von lichtem Glanz,
Der ist hart und lauter, · stark dazu und ganz.
Auch loh'n die Panzerringe · ihm, wie das Feuer thut.
Daneben steht auch Hagen: · die Gäste sind in guter Hut.“

Da wandten sie sich wieder. · Als Volker das ersah,
Zu seinem Heergesellen · in Zorn sprach er da:
„Nun laßt mich von dem Hause · zu den Recken gehn:
So frag ich um die Märe · Die in Kriemhildens Lehn.“

„Nein, wenn ihr mich lieb habt,“ · sprach Hagen entgegen,
„Kämt ihr aus dem Hause, · diese schnellen Degen
Brächten euch mit Schwertern · leicht in solche Noth,
Daß ich euch helfen müste, · wärs aller meiner Freunde Tod.

„Wenn wir dann Beide · kämen in den Streit,
So möchten ihrer zweie · oder vier in kurzer Zeit
Zu dem Hause springen · und schüfen solche Noth
Drinnen an den Schlafenden, · daß wir bereuten bis zum Tod.“

Da sprach wieder Volker: · „So laßt es nur geschehn,
Daß sie inne werden, · wir haben sie gesehn:
So können uns nicht läugnen · Die Kriemhild unterthan,
Daß sie gerne treulos · an den Gästen hätten gethan.“

Da rief der Fiedelspieler · den Heunen entgegen:
„Wie geht ihr so bewaffnet, · ihr behenden Degen?
Wollt ihr morden reiten, · ihr Kriemhild unterthan?
So nehmt mich zur Hülfe · und meinen Heergesellen an,“

Niemand gab ihm Antwort; · zornig war sein Muth:
„Pfui, feige Bösewichter,“ · sprach der Degen gut,
„Im Schlaf uns zu ermorden, · schlicht ihr dazu heran?
Das ward so guten Helden · bisher noch selten gethan.“

Bald ward auch die Märe · der Königin bekannt
Vom Abzug ihrer Boten: · wie schwer sie das empfand!
Da fügte sie es anders; · gar grimmig war ihr Muth.
Da musten bald verderben · viel der Helden kühn und gut.

31. Einunddreißigstes Abenteuer.
Wie die Herren zur Kirche giengen.

„Mir wird so kühl der Harnisch,“ · sprach da Volker:
„Die Nacht, wähn ich, wolle · nun nicht währen mehr.
Ich fühl es an den Lüften, · es ist nicht weit vom Tag.“
Da weckten sie gar Manchen, · der da im Schlafe noch lag.

Da schien der lichte Morgen · den Gästen in den Saal.
Hagen begann zu fragen · die Recken allzumal,
Ob sie zum Münster wollten · in die Messe heut.
Nach christlichen Sitten · erscholl der Glocken Geläut.

Der Gesang war ungleich; · kein Wunder möcht es sein,
Daß Christen mit Heiden · nicht stimmten überein.
Da wollten zu der Kirche · Die in Gunthers Lehn:
Man sah sie von den Betten · allzumal da erstehn.

Da schnürten sich die Recken · in also gut Gewand,
Daß nie Helden wieder · in eines Königs Land
Beßre Kleider brachten. · Hagen war es leid;
Er sprach: „Ihr thätet beßer, · ihr trügt hier anderlei Kleid.

„Nun ist euch doch allen · die Märe wohl bekannt:
Drum statt der Rosenkränze · nehmt Waffen an die Hand;
Statt wohlgesteinter Hüte · die lichten Helme gut,
Da wir so wohl erkennen · der argen Kriemhilde Muth.

„Wir müßen heute streiten, · das will ich euch sagen.
Statt seidner Hemden sollt ihr · Halsbergen tragen
Und statt der reichen Mäntel · gute Schilde breit:
zürnt mit euch Jemand, · daß ihr wehrhaftig seid.

„Meine lieben Herren, · Freund und Mannen mein,
Tretet in die Kirche · mit lauterm Herzen ein
Und klagt Gott dem reichen · eure Sorg und Noth:
Denn wißt unbezweifelt, · es naht uns allen der Tod.

„Ihr sollt auch nicht vergeßen, · was je von euch geschah,
Und fleht vor eurem Gotte · andächtig da.
Laßt euch alle warnen, · gute Recken hehr:
Es wend es Gott im Himmel, · so hört ihr keine Messe mehr,“

So giengen zu dem Münster · die Fürsten und ihr Lehn.
Auf dem heiligen Friedhof, · da hieß sie stille stehn
Hagen der kühne, · damit man sie nicht schied.
Er sprach: „Noch weiß ja Niemand, was von den Heunen geschieht.

„Setzt, meine Freunde, · die Schilde vor den Fuß
Und lohnt es, beut euch Jemand · feindlichen Gruß,
Mit tiefen Todeswunden: · das ist, was euch Hagen räth.
So werdet ihr befunden, · wie's euch am löblichsten steht.“

Volker und Hagen · die beiden stellten da
Sich vor das weite Münster: · was darum geschah,
Sie wolltens dazu bringen, · daß sich die Königin
Mit ihnen drängen müße; · wohl war gar grimmig ihr Sinn.

Da kam der Wirth des Landes · und auch sein schönes Weib;
Mit reichem Gewände · war ihr geziert der Leib
Und manchem schnellen Degen, · der im Geleit ihr war.
Da flog der Staub zur Höhe · vor der Königin Schar,

Als der reiche König · so gewaffnet sah
Die Fürsten und ihr Ingesind, · wie bald sprach er da:
„Was seh ich meine Freunde · unter Helmen gehn?
Leid war mir meiner Treue, · wär ihnen Leid hier geschehn.

„Das wollt ich ihnen büßen, · wie sie es däuchte gut.
Wenn ihnen wer beschwerte · das Herz und den Muth,
So laß ich sie wohl schauen, · es sei mir wahrlich leid:
Was sie gebieten mögen, · dazu bin ich gern bereit.“

Zur Antwort gab ihm Hagen: · „Uns ist kein Leid geschehn.
Es ist der Herren Sitte, · daß sie gewaffnet gehn
Bei allen Gastgeboten · zu dreien vollen Tagen.
Was uns hier geschähe, · wir würden es Etzeln klagen.“

Wohl vernahm die Königin · Hagens Rede da.
Wie feindlich sie dem Degen · unter die Augen sah!
Sie wollte doch nicht melden · den Brauch in ihrem Land,
Wie lang bei den Burgunden · sie den auch hatte gekannt.

Wie grimm und stark die Königin · ihnen abhold wäre,
Hätte Jemand Etzeln · gesagt die rechte Märe,
Er hätt es wohl gewendet, · was nun doch geschah:
In ihrem hohen Uebermuth · verschwiegen sie es Alle da.

Da schritt mit vielem Volke · Kriemhild zur Kirchenthür:
Doch wollten diese Beiden · weichen nicht vor ihr
Zweier Hände Breite: · das war den Heunen leid.
Da muste sie sich drängen · mit den Helden allbereit.

Etzels Kämmerlinge · die dauchte das nicht gut:
Wohl hätten sie den Recken · gern erzürnt den Muth,
Wenn sie es wagen dürften · vor dem König hehr.
Da gab es groß Gedränge · und doch nichts anderes mehr.

Als nach dem Gottesdienste · man auf den Heimweg sann,
Da kam hoch zu Rosse · mancher Heunenmann.
Auch war bei Kriemhilden · manche schöne Maid;
Wohl Siebentausend zählte · der Königin Heergeleit.

Kriemhild mit ihren Frauen · in den Fenstern saß
Bei Etzeln dem reichen; · gerne sah er das.
Sie wollten reiten sehen · die Helden auserkannt:
Hei! was man fremder Recken · vor ihnen auf dem Hofe fand!

Nun war auch mit den Rossen · der Marschall gekommen.
Der kühne Dankwart hatte · mit sich genommen
Der Herren Ingesinde · von Burgundenland:
Die Rosse wohlgesattelt · man den kühnen Niblungen fand.

Als zu Rossen kamen · die Fürsten und ihr Herr,
Da begann zu rathen · der kühne Volker,
Sie sollten buhurdieren · nach ihres Landes Sitten.
Da wurde von den Helden · bald gar herrlich geritten.

Was der Held gerathen, · Niemanden wohl verdroß;
Der Buhurd und der Waffenklang · wurden beide groß.
In dem weiten Hofe · kam da mancher Mann;
Etzel mit Kriemhild · es selbst zu schauen begann.

Auf den Buhurd kamen · sechshundert Degen.
Dietrichens Recken, · den Gästen entgegen.
Mit den Burgunden wollten · sie sich im Spiel ergehn;
Wollt es ihr Herr vergönnen, · so wär es gerne geschehn.

Hei! Was gute Recken · ritten da heran!
Dietrich dem Helden · ward es kund gethan.
Mit Gunthers Ingesinde · das Spiel er verbot;
Er schonte seiner Leute: · das that ihm sicherlich Noth.

Als Dietrichs Gefolge · so vermied den Streit,
Da kamen von Bechlaren · Rüdigers Geleit,
Fünfhundert unter Schilden, · vor den Saal geritten.
Leid wars dem Markgrafen: · er hätt es gern nicht gelitten.

Er kam zu ihnen eilends · gedrungen durch die Schar
Und sagte seinen Mannen: · sie würden selbst gewahr,
Daß im Unmuth wären · Die Gunthern unterthan:
Wenn sie das Kampfspiel ließen, · so wär ihm Liebes gethan.

Als von ihnen schieden · die Helden allbereit,
Da kamen die von Thüringen, · hörten wir Bescheid,
Und vom Dänenlande · der Kühnen tausend Mann.
Von Stichen sah man fliegen · viel der Splitter hoch hinan.

Irnfried und Hawart · ritten zum Buhurd hin;
Ihrer harrten Die vom Rheine · mit hochfährtgem Sinn
Zum Lanzenspiel mit Denen · vom Thüringerland:
Durchbohrt von Stichen wurde · mancher schöne Schildesrand.

Da kam der Degen Blödel, · dreitausend in der Schar.
Etzel und Kriemhild · nahmen sein wohl war,
Da vor ihnen Beiden · das Ritterspiel geschah.
Die Königin es gerne · aus Haß der Burgunden sah.

Sie gedacht in ihrem Sinne, · schier wärs auch so geschehn:
„Und thäten sie wem Leides, · so dürft ich mich versehn,
Daß es zum Ernste käme: · an den Feinden mein
Würd ich dann gerochen; · des wollt ich ohne Sorge sein.“

Schrutan und Gibeke · ritten zum Buhurd auch,
Hornbog und Ramung, · nach heunischem Gebrauch.
Sie hielten vor den Helden · aus Burgundenland:
Die Schäfte flogen wirbelnd · über des Königssaales Wand.

Wie sie da Alle ritten, · das war doch eitel Schall.
Von Stößen auf die Schilde · das Haus und den Saal
Hörte man ertosen · durch manchen Gunthers-Mann.
Das Lob sich sein Gesinde · mit großen Ehren gewann.

Da ward ihre Kurzweil · so stark und so groß,
Daß den Satteldecken · der blanke Schweiß entfloß
Von den guten Rossen, · so die Helden ritten.
Sie versuchten an den Heunen · sich mit hochfährtgen Sitten.

Da sprach der kühne Volker, · der edle Spielmann:
„Zu feig sind diese Degen, · sie greifen uns nicht an.
Ich hörte immer sagen, · daß sie uns abhold sein:
Nun könnte die Gelegenheit · ihnen doch nicht günstger sein.“

„Zu den Ställen wieder,“ · sprach der König hehr,
„Ziehe man die Rosse; · wir reiten wohl noch mehr
In den Abendstunden, · wenn die Zeit erschien.
Ob dann den Burgunden · den Preis wohl giebt die Königin?“

Da sahn sie Einen reiten · so stattlich daher,
Es thats von allen Heunen · kein Anderer mehr.
Er hatt in den Fenstern · wohl ein Liebchen traut:
Er ritt so wohl gekleidet · als eines werthen Ritters Braut.

Da sprach wieder Volker: · „Wie blieb' es ungethan?
Jener Weiberliebling · muß einen Stoß empfahn.
Das mag hier Niemand wenden, · es geht ihm an den Leib:
Nicht frag ich, ob drum zürne · dem König Etzel sein Weib.“

„Nicht doch,“ sprach der König, · „wenn ichs erbitten kann:
Es schelten uns die Leute, · greifen wir sie an:
Die Heunen laßt beginnen; · es kommt wohl bald dahin.“
Noch saß König Etzel · am Fester bei der Königin.

„Ich will das Kampfspiel mehren,“ · sprach Hagen jedoch:
„Laßt diese Frauen · und die Degen noch
Sehn, wie wir reiten können: · das ist wohlgethan;
Man läßt des Lobs doch wenig · die Recken Gunthers empfahn.“

Volker der schnelle · ritt wieder in den Streit.
Das schuf da viel der Frauen · großes Herzeleid.
Er stach dem reichen Heunen · den Sper durch den Leib:
Das sah man noch beweinen · manche Maid und manches Weib.

Alsbald rückt' auch Hagen · mit seinen Helden an:
Mit sechzig seiner Degen · zu reiten er begann
Dahin, wo von dem Fiedler · das Spiel war geschehn.
Etzel und Kriemhild · konnten Alles deutlich sehn.

Da wollten auch die Könige · den kühnen Fiedler gut
Unter den Feinden · nicht laßen ohne Hut.
Da ward von tausend Helden · mit großer Kunst geritten.
Sie thaten, was sie lüstete, · mit gar hochfährtgen Sitten.

Als der reiche Heune · zu Tode war geschlagen,
Man hörte seiner Freunde · Wehruf und Klagen.
All das Gesinde fragte: · „Wer hat das gethan?“
„Das hat gethan der Fiedler, · Volker der kühne Spielmann.“

Nach Schwertern und Schilden · riefen gleich zur Hand
Des Markgrafen Freunde · von der Heunen Land:
Zu Tode schlagen wollten · sie den Fiedelmann.
Der Wirth von seinem Fenster · daher zu eilen begann.

Da hob sich von den Heunen · allenthalben Schall.
Abstiegen mit dem Volke · die Könge vor dem Saal;
Zurück die Rosse stießen · Die Gunthern unterthan.
Da kam der König Etzel · den Streit zu schlichten heran.

Einem Vetter dieses Heunen, · den er da bei ihm fand,
Eine scharfe Waffe · brach er ihm aus der Hand
Und schlug sie all zurücke: · er war in großem Zorn.
„Wie hätt ich meine Dienste · an diesen Helden verlorn!

„Wenn ihr diesen Spielmann · hättet drum erschlagen,
Ich ließ' euch alle hängen! · das will ich euch sagen.
Als er erstach den Heunen, · sein Reiten wohl ich sah,
Daß es wider seinen Willen · nur durch Straucheln geschah.

„Ihr sollt meine Gäste · mit Frieden laßen ziehn.“
So ward er ihr Geleite. · Die Rosse zog man hin
Zu den Herbergen. · Sie hatten manchen Knecht,
Der ihnen war zu Diensten · mit allem Fleiße gerecht.

Der Wirth mit seinen Freunden · gieng zum Saal zurück:
Da regte sich kein Zürnen · mehr vor seinem Blick.
Man richtete die Tische, · das Wasser man auch trug.
Da hatten Die vom Rheine · der starken Feinde genug.

Unlieb war es Etzeln, · doch folgte manche Schar
Den Fürsten, die mit Waffen · wohl versehen war,
Im Unmuth auf die Gäste, · als man zu Tische gieng,
Den Freund bedacht zu rächen, · wenn es günstge Zeit verhieng.

„Daß ihr in Waffen lieber · zu Tische geht als bloß,“
Sprach der Wirth des Landes, · „die Unart ist zu groß;
Wer aber an den Gästen · den kleinsten Frevel wagt,
Der büßt es mit dem Haupte: · das sei euch Heunen gesagt.“

Bevor da niedersaßen · die Herren, das währte lang,
Weil zu sehr mit Sorgen · jetzt Frau Kriemhild rang.
Sie sprach: „Fürst von Berne, · heute muß ich flehn
Zu dir um Rath und Hülfe: · meine Sachen ängstlich stehn.“

Zur Antwort gab ihr Hildebrand, · eine Recke tugendlich:
„Wer schlägt die Nibelungen, · der thut es ohne mich,
Wie viel man Schätze böte; · es wird ihm wahrlich leid.
Sie sind noch unbezwungen, · die schnellen Ritter allbereit.“

„Es geht mir nur um Hagen, · der hat mir Leid gethan,
Der Siegfrieden mordete, · meinen lieben Mann.
Wer den von ihnen schiede, · dem wär mein Gold bereit:
Entgält es anders Jemand, · das wär mir inniglich leid.“

Da sprach Meister Hildebrand: · „Wie möchte das geschehn,
Den ihnen zu erschlagen? · Ihr solltet selber sehn:
Bestünde man den Degen, · leicht gäb es eine Noth,
Daß Arme so wie Reiche · dabei erlägen im Tod.“

Da sprach dazu Herr Dietrich · mit zuchtreichem Sinn:
„Die Rede laßt bleiben, · reiche Königin;
Mir ist von euern Freunden · kein solches Leid geschehn,
Daß ich sollt im Streite · die kühnen Degen bestehn.

„Die Bitte ehrt euch wenig, · edel Königsweib,
Daß ihr den Freunden rathet · an Leben und an Leib.
Sie kamen euch auf Gnade · hieher in dieses Land;
Siegfried bleibt ungerochen · wohl von Dietrichens Hand.“

Als sie keine Untreu · bei dem Berner fand,
Alsobald gelobte sie · Blödeln in die Hand
Eine weite Landschaft, · die Nudung einst besaß;
Hernach erschlug ihn Dankwart, · daß er der Gabe gar vergaß.

Sie sprach: „Du sollst mir helfen, · Bruder Blödelein.
Hier in diesem Hause · sind die Feinde mein,
Die Siegfrieden schlugen, · meinen lieben Mann:
Wer mir das rächen hülfe, · dem war ich immer unterthan.“

Zur Antwort gab ihr Blödel, · der ihr zur Seite saß:
„Ich darf euern Freunden · nicht zeigen solchen Haß,
Weil sie mein Bruder Etzel · so gerne leiden mag:
Wenn ich sie bestünde, · der König säh es mir nicht nach.“

„Nicht also, Herr Blödel, · ich bin dir immer hold:
Ich gebe dir zum Lohne · mein Silber und mein Gold
Und eine schöne Witwe, · Nudungens Weib:
So magst du immer kosen · ihren minniglichen Leib.

„Das Land zu den Burgen, · Alles geb ich dir,
So lebst du, theurer Ritter, · in Freuden stäts mit ihr,
Wenn du die Mark gewinnest, · die Nudung einst besaß.
Was ich dir hier gelobe, · mit Treuen leist ich dir das.“

Als Blödel bieten hörte · des Lohnes also viel
Und ihrer Schöne willen · die Frau ihm wohlgefiel,
Im Kampf verdienen wollt er · das minnigliche Weib.
Da muste dieser Recke · verlieren Leben und Leib.

Er sprach zu der Königin: · „Geht wieder in den Saal.
Eh man es inne werde, · erheb ich großen Schall.
Hagen muß es büßen, · was er euch hat gethan:
Ich bring euch gebunden · König Gunthers Unterthan.“

„Nun waffnet euch,“ sprach Blödel, · „ihr all in meinem Lehn,
Wir wollen zu den Feinden · in die Herberge gehn.
Mir will es nicht erlaßen · König Etzels Weib:
Wir Helden müßen alle · verwagen Leben und Leib.“

Als den Degen Blödel · entließ die Königin,
Daß er den Streit begänne, · zu Tische gieng sie hin
Mit Etzeln dem Könige · und manchem Unterthan.
Sie hatte schlimme Räthe · wider die Gäste gethan.

Wie sie zu Tische giengen, · das will ich euch sagen:
Man sah reiche Könige · die Krone vor ihr tragen;
Manchen hohen Fürsten · und viel der werthen Degen
Sah man großer Demuth · vor der Königin pflegen.

Der König wies den Gästen · die Sitze überall,
Den Höchsten und den Besten · neben sich im Saal.
Den Christen und den Heiden · die Kost er unterschied;
Man gab die Fülle beiden, · wie es der weise König rieth.

In der Herberge · aß ihr Ingesind:
Von Truchsäßen ward es · da allein bedient;
Die hatten es zu speisen · großen Fleiß gepflogen.
Die Bewirtung und die Freude · ward bald mit Jammer aufgewogen.

Da nicht anders konnte · erhoben sein der Streit,
Kriemhilden lag im Herzen · begraben altes Leid,
Da ließ sie zu den Tischen · tragen Etzels Sohn:
Wie könnt ein Weib aus Rache · wohl entsetzlicher thun?

Da kamen vier gegangen · aus Etzels Ingesind
Und brachten Ortlieben, · das junge Königskind,
Den Fürsten an die Tafel, · wo auch Hagen saß.
Das Kind must ersterben · durch seinen mordlichen Haß.

Als der reiche König · seinen Sohn ersah,
Zu seiner Frauen Brüdern · gütlich sprach er da:
„Nun schaut, meine Freunde, · das ist mein einzig Kind
Und das eurer Schwester, · von dem ihr Frommen einst gewinnt.

„Geräth er nach dem Stamme, · er wird ein starker Mann,
Reich dazu und edel, · kühn und wohlgethan.
Erleb ich es, ich geb ihm · zwölf reicher Könge Land:
So thut euch wohl noch Dienste · des jungen Ortliebens Hand.

„Darum bät ich gerne · euch, lieben Freunde mein,
Wenn ihr heimwärts reitet · wieder an den Rhein,
Daß ihr dann mit euch nehmet · eurer Schwester Kind;
Und seid auch dem Knaben · immer gnädig gesinnt.

„Erzieht ihn nach Ehren, · bis er geräth zum Mann:
Hat euch in den Landen · Jemand ein Leid gethan,
So hilft er euch es rächen, · erwuchs ihm erst der Leib.“
Die Rede hörte Kriemhild · mit an, König Etzels Weib.

„Ihm sollten wohl vertrauen · alle diese Degen,
Wenn er zum Mann erwüchse,“ · sprach Hagen entgegen;
„Doch ist der junge König · so schwächlich anzusehn:
Man soll mich selten schauen · nach Hof zu Ortlieben gehn.“

Der König blickt' auf Hagen; · die Rede war ihm leid.
Wenn er auch nichts erwiederte, · der König allbereit,
Es betrübt' ihn in der Seele · und beschwert' ihm den Muth.
Da waren Hagens Sinne · zu keiner Kurzweile gut.

Es schmerzte wie den König · sein fürstlich Ingesind,
Was Hagen da gesprochen · hatte von dem Kind.
Daß sie's vertragen sollten, · gieng ihnen allen nah;
Noch konnten sie nicht wißen, · was von dem Recken bald geschah.

Gar Manche, die es hörten · und ihm trugen Groll,
Hätten ihn gern bestanden; · der König selber wohl,
Wenn er mit Ehren dürfte: · so käm der Held in Noth.
Bald that ihm Hagen Aergeres, · er schlug ihn ihm vor Augen todt.

32. Zweiunddreißigstes Abenteuer.
Wie Blödel mit Dankwart in der Herberge Stritt.

Blödels Recken standen · gerüstet allzumal.
In tausend Halsbergen · erreichten sie den Saal,
Wo Dankwart mit den Knechten · an den Tischen saß.
Da hob sich unter Helden · der allergrimmigste Haß.

Als der Degen Blödel · vor die Tische gieng,
Dankwart der Marschall · ihn freundlich empfieng:
„Willkommen hier im Hause, · mein Herr Blödelein:
Mich wundert euer Kommen: · sagt, was soll die Märe sein?“

„Du brauchst mich nicht zu grüßen,“ · sprach da Blödelein,
„Denn dieses mein Kommen · muß dein Ende sein
Um Hagen deinen Bruder, · der Siegfrieden schlug.
Des entgiltst du bei den Heunen · und andre Helden genug.“

„Nicht doch, mein Herr Blödel,“ · sprach da Dankwart,
„So möchte sehr uns reuen · zu Hofe diese Fahrt.
Ich war ein Kind, als Siegfried · Leben ließ und Leib:
Nicht weiß ich, was mir wolle · dem König Etzel sein Weib.“

„Ich weiß dir von der Märe · nicht mehr zu sagen;
Es thatens deine Freunde, · Gunther und Hagen.
Nun wehrt euch, ihr Armen, · ihr könnt nicht länger leben,
Ihr müßt mit dem Tode · hier ein Pfand Kriemhilden geben.“

„Wollt ihrs nicht laßen?“ · sprach da Dankwart,
„So gereut mich meines Flehens: · hätt ich das gespart!“
Der schnelle kühne Degen · von dem Tische sprang,
Eine scharfe Waffe zog er, · die war gewaltig und lang.

Damit schlug er Blödeln · einen schwinden Schwertesschlag,
Daß ihm das Haupt im Helme · vor den Füßen lag.
„Das sei die Morgengabe,“ · sprach der schnelle Degen,
„Zu Nudungens Witwe, · die du mit Minne solltest pflegen.

„Vermähle man sie morgen · einem andern Mann:
Will er den Brautschatz, · wird ihm wie dir gethan.“
Ein getreuer Heune · hatt ihm das hinterbracht,
Wie die Königstochter · auf ihr Verderben gedacht.

Da sahen Blödels Mannen, · ihr Herr sei erschlagen;
Das wollten sie den Gästen · länger nicht vertragen.
Mit aufgehobnen Schwertern · auf die Knappen ein
Drangen sie mit Ingrimm: · das muste Manchen gereun.

Laut rief da Dankwart · all die Knappen an:
„Ihr seht wohl, edle Knechte, · es ist um uns gethan,
Nun wehrt euch, ihr Armen, · wie euch zwingt die Noth,
Daß ihr ohen Schanden · erliegt in wehrlichem Tod.“

Die nicht Schwerter hatten, · die griffen vor die Bank,
Vom Boden aufzuheben · manchen Schemel lang.
Die Burgundenknechte · wollten nichts vertragen:
Mit schweren Stühlen sah man · starker Beulen viel geschlagen.

Wie grimm die armen Knappen · sich wehrten in dem Strauß!
Sie trieben zu dem Hause · die Gewaffneten hinaus:
Fünfhundert oder drüber · erlagen drin dem Tod.
Da war das Ingesinde · vom Blute naß und auch roth.

Diese schwere Botschaft · drang in kurzer Zeit
Zu König Etzels Recken: · ihnen wars grimmig leid,
Daß mit seinen Mannen · Blödel den Tod gewann;
Das hatte Hagens Bruder · mit den Knechten gethan.

Eh es vernahm der König, · stand schon ein Heunenheer
In hohem Zorn gerüstet, · zweitausend oder mehr.
Sie giengen zu den Knechten, · es muste nun so sein,
Und ließen des Gesindes · darin nicht Einen gedeihn.

Die Ungetreuen brachten · vors Haus ein mächtig Heer.
Die landlosen Knechte · standen wohl zu Wehr.
Was half da Kraft und Kühnheit? · sie fanden doch den Tod.
Darnach in kurzer Weile · hob sich noch grimmere Noth.

Nun mögt ihr Wunder hören · und Ungeheures sagen:
Neuntausend Knechte · lagen todt geschlagen,
Darüber zwölf Ritter · in Dankwartens Lehn.
Man sah ihn weltalleine · noch bei seinen Feinden stehn.

Der Lärm war beschwichtigt, · das Tosen eingestellt.
Ueber die Achsel blickte · Dankwart der Held:
Er sprach: „O weh der Freunde, · die ich fallen sah!
Nun steh ich leider einsam · unter meinen Feinden da.“

Die Schwerter fielen heftig · auf des Einen Leib:
Das muste bald beweinen · manches Helden Weib.
Den Schild rückt' er höher, · der Riemen ward gesenkt:
Mit rothem Blute sah man · noch manchen Harnisch getränkt.

„O weh mir dieses Leides!“ · sprach Aldrianens Kind.
„Nun weicht, Heunenrecken, · und laßt mich an den Wind,
Daß die Lüfte kühlen · mich sturmmüden Mann.“
Da drang er auf die Thüre · unter Schlägen herrlich an.

Als der Streitmüde · aus dem Hause sprang,
Wie manches Schwert von Neuem · auf seinem Helm erklang!
Die nicht gesehen hatten · die Wunder seiner Hand,
Die sprangen da entgegen · dem aus Burgundenland.

„Nun wollte Gott,“ sprach Dankwart, · „daß mir ein Bote käm,
Durch den mein Bruder Hagen · Kunde vernähm,
Daß ich vor diesen Recken · steh in solcher Noth.
Der hülfe mir von hinnen · oder fände selbst den Tod.“

Da sprachen Heunenrecken: · „Der Bote must Du sein,
Wenn wir todt dich tragen · vor den Bruder dein.
Dann sieht erst sein Herzeleid · Gunthers Unterthan.
Du hast dem König Etzel · hier großen Schaden gethan.“

Er sprach: „Nun laßt das Dräuen · und weicht zurück von mir,
Sonst netz ich noch Manchem · mit Blut den Harnisch hier.
Ich will die Märe selber · hin zu Hofe tragen
Und will meinen Herren · meinen großen Kummer klagen.“

Er verleidete so sehr sich · dem Volk in Etzels Lehn,
Daß sie ihn mit Schwertern · nicht wagten zu bestehn:
Da schoßen sie der Spere · so viel ihm in den Rand,
Er must ihn seiner Schwere · wegen laßen aus der Hand.

Sie wähnten ihn zu zwingen, · weil er den Schild nicht trug;
Hei, was er tiefer Wunden · durch die Helme schlug!
Da muste vor ihm Straucheln · mancher kühne Mann,
Daß sich viel Lob und Ehre · der kühne Dankwart gewann.

Von beiden Seiten sprangen · die Gegner auf ihn zu.
Wohl kam ihrer Mancher · in den Kampf zu fruh.
Da gieng er vor den Feinden, · wie ein Eberschwein
Im Walde thut vor Hunden: · wie möcht er wohl kühner sein?

Sein Weg war stäts aufs Neue · genetzt mit heißem Blut.
Wie konnte je ein Recke · allein wohl so gut
Mit so viel Feinden streiten, · als hier von ihm geschehn?
Man sah Hagens Bruder · herrlich hin zu Hofe gehn.

Truchsäßen und Schenken · vernahmen Schwerterklang:
Gar mancher die Getränke · aus den Händen schwang
Oder auch die Speisen, · die man zu Hofe trug.
Da fand er vor der Stiege · noch starker Feinde genug.

„Wie nun, ihr Truchsäßen?“ · sprach der müde Degen,
„Nun solltet ihr die Gäste · gütlich verpflegen
Und solltet den Herren · die edle Speise tragen
Und ließet mich die Märe · meinen lieben Herren sagen.“

Wer da den Muth gewonnen · und vor die Stieg ihm sprang,
Deren schlug er etlichen · so schweren Schwertesschwang,
Daß ihm aus Schreck die Andern · ließen freie Bahn.
Da hatten seine Kräfte · viel große Wunder gethan.

33. Dreiunddreißigstes Abenteuer.
Wie Dankwart die Märe seinen Herren brachte.

Als der kühne Dankwart · unter die Thüre trat
Und Etzels Ingesinde · zurückzuweichen bat,
Mit Blut war beronnen · all sein Gewand;
Eine scharfe Waffe · trug er bloß an seiner Hand.

Gerade in der Stunde, · als Dankwart trat zur Thür,
Trug man Ortlieben · im Saale für und für
Von einem Tisch zum andern · den Fürsten wohlgeboren:
Durch seine schlimme Botschaft · gieng das Kindlein verloren.

Hellauf rief da Dankwart · einem Degen zu:
„Ihr sitzt, Bruder Hagen, · hier zu lang in Ruh.
Euch und Gott vom Himmel · klag ich unsre Noth:
Ritter und Knechte · sind in der Herberge todt.“

Der rief ihn hin entgegen: · „Wer hat das gethan?“
„Das that der Degen Blödel · und Die ihm unterthan.
Auch hat ers schwer entgolten, · das will ich euch sagen:
Mit diesen Händen hab ich · ihm sein Haupt abgeschlagen.“

„Das ist ein kleiner Schade,“ · sprach Hagen unverzagt,
„Wenn man solche Märe · von einem Degen sagt,
Daß er von Heldenhänden · zu Tode sei geschlagen:
Den sollen desto minder · die schönen Frauen beklagen.

„Nun sagt mir, lieber Bruder, · wie seid ihr so roth?
Ich glaube gar, ihr leidet · von Wunden große Noth.
Ist der wo hier im Lande, · von dem das ist geschehn?
Der üble Teufel helf ihm denn: · sonst muß es ihm ans Leben gehn.“

„Ihr seht mich unverwundet: · mein Kleid ist naß von Blut.
Das floß nur aus Wunden · andrer Degen gut,
Deren ich so Manchen · heute hab erschlagen,
Wenn ichs beschwören sollte, · ich wüste nicht die Zahl zu sagen.“

Da sprach er: „Bruder Dankwart, · so hütet uns die Thür
Und laßt von den Heunen · nicht Einen Mann herfür.
So red ich mit den Recken, · wie uns zwingt die Noth:
Unser Ingesinde · liegt ohne Schuld von ihnen todt.“

„Soll ich Kämmrer werden?“ · sprach der kühne Mann,
„Bei so reichen Königen steht · mir das Amt wohl an:
Der Stiege will ich hüten · nach allen Ehren mein.“
Kriemhildens Recken · konnte das nicht leider sein.

„Nun nimmt mich doch Wunder,“ · sprach wieder Hagen,
„Was sich die Heunen · hier in die Ohren sagen:
Sie möchten sein entbehren, · der dort die Thür bewacht
Und der die Hofmären · den Burgunden hat gebracht.

„Ich hörte schon lange · von Kriemhilden sagen,
Daß sie nicht ungerochen · ihr Herzleid wolle tragen.
Nun trinken wir die Minne · und zahlen Etzels Wein:
Der junge Vogt der Heunen · muß hier der allererste sein.“

Ortlieb das Kind erschlug da · Hagen der Degen gut,
Daß vom Schwerte nieder · zur Hand ihm floß das Blut
Und das Haupt herabsprang · der Köngin in den Schoß.
Da hob sich unter Degen · ein Morden grimmig und groß.

Darauf dem Hofmeister · der des Kindes pflag,
Mit beiden Händen schlug · er einen schnellen Schlag,
Daß vor des Tisches Füße · das Haupt ihm niederflog:
Es war ein jämmerlicher Lohn, · den er dem Hofmeister wog.

Er sah vor Etzels Tische · einen Spielmann:
Hagen in seinem Zorne · lief zu ihm heran.
Er schlug ihm auf der Geigen · herab die rechte Hand.
„Das habe für die Botschaft · in der Burgunden Land.“

„Ach meine Hand,“ sprach Werbel, · Etzels Spielmann:
„Herr Hagen von Tronje, · was hatt ich euch gethan?
Ich kam in großer Treue · in eurer Herren Land:
Wie kläng ich nun die Töne, · da ich verlor meine Hand?“

Hagen fragte wenig, · und geigt' er nimmermehr.
Da kühlt' er in dem Hause · die grimme Mordlust sehr
An König Etzels Recken, · deren er viel erschlug:
Er bracht in dem Saale · zu Tod der Recken genug.

Volker sein Geselle · von dem Tische sprang,
Daß laut der Fiedelbogen · ihm an der Hand erklang.
Ungefüge siedelte · Gunthers Fiedelmann:
Hei! was er sich zu Feinden · der kühnen Heunen gewann!

Auch sprangen von den Tischen · die drei Könge hehr.
Sie wolltens gerne schlichten, · eh Schadens würde mehr.
Doch strebten ihre Kräfte · umsonst dawider an,
Da Volker mit Hagen · so sehr zu wüten begann.

Nun sah der Vogt vom Rheine, · er scheide nicht den Streit:
Da schlug der König selber · manche Wunde weit
Durch die lichten Panzer · den argen Feinden sein.
Der Held war behende, · das zeigte hier der Augenschein.

Da kam auch zu dem Streite · der starke Gernot:
Wohl schlug er den Heunen · manchen Helden todt
Mit dem scharfen Schwerte, · das Rüdeger ihm gab:
Damit bracht er Manche · von Etzels Recken ins Grab.

Der jüngste Sohn Frau Utens · auch zu dem Streite sprang:
Sein Gewaffen herrlich · durch die Helme drang
König Etzels Recken · aus der Heunen Land;
Da that viel große Wunder · des kühnen Geiselher Hand.

Wie tapfer alle waren, · die Könge wie ihr Lehn,
Jedennoch sah man Volkern · voran all Andern stehn
Bei den starken Feinden; · er war ein Degen gut:
Er förderte mit Wunden · Manchen nieder in das Blut.

Auch wehrten sich gewaltig · Die in Etzels Lehn.
Die Gäste sah man hauend · auf und nieder gehn
Mit den lichten Schwertern · durch des Königs Saal.
Allenthalben hörte man · von Wehruf größlichen Schall.

Da wollten die da draußen · zu ihren Freunden drin:
Sie fanden an der Thüre · gar wenig Gewinn;
Da wollten die da drinnen · gerne vor den Saal:
Dankwart ließ keinen · die Stieg empor noch zu Thal.

So hob sich vor den Thüren · ein ungestümer Drang
Und von den Schwerthieben · auf Helme lauter Klang.
Da kam der kühne Dankwart · in eine große Noth:
Das berieth sein Bruder, · wie ihm die Treue gebot.

Da rief mit lauter Stimme · Hagen Volkern an:
„Seht ihr dort, Geselle, · vor manchem Heunenmann
Meinen Bruder stehen · unter starken Schlägen?
Schützt mir, Freund, den Bruder, · eh wir verlieren den Degen.“

Der Spielmann entgegnete: · „Das soll alsbald geschehn.“
Dann begann er fiedelnd · durch den Saal zu gehn:
Ein hartes Schwert ihm öfters · an der Hand erklang.
Vom Rhein die Recken sagten · dafür ihm größlichen Dank.

Volker der kühne · zu Dankwarten sprach:
„Ihr habt erlitten heute · großes Ungemach.
Mich bat euer Bruder, · ich sollt euch helfen gehn;
Wollt ihr nun draußen bleiben, · so will ich innerhalben stehn.“

Dankwart der schnelle · stand außerhalb der Thür:
So wehrt' er von der Stiege, · wer immer trat dafür.
Man hörte Waffen hallen · den Helden an der Hand;
So that auch innerhalben · Volker von Burgundenland.

Da rief der kühne Fiedelmann · über die Menge laut:
„Das Haus ist wohl verschlossen, · ihr, Freund Hagen, schaut
Verschränkt ist so völlig · König Etzels Thür,
Von zweier Helden Händen · gehn ihr wohl tausend Riegel für.“

Als von Tronje Hagen · die Thüre sah in Hut,
Den Schild warf zurücke · der schnelle Degen gut:
Nun begann er erst zu rächen · seiner Freunde Leid.
Seines Zornes must entgelten · mancher Ritter kühn im Streit.

Als der Vogt von Berne · das Wunder recht ersah,
Wie der starke Hagen · die Helme brach allda,
Der Fürst der Amelungen · sprang auf eine Bank.
Er sprach: „Hier schenkt Hagen · den allebittersten Trank.“

Der Wirth war sehr in Sorgen, · sein Weib in gleicher Noth.
Was schlug man lieber Freunde · ihm vor den Augen todt!
Er selbst war kaum geborgen · vor seiner Feinde Schar.
Er saß in großen Aengsten: · was half ihm, daß er König war?

Kriemhild die reiche · rief Dietrichen an:
„Hilf mir mit dem Leben, · edler Held, hindann,
Bei aller Fürsten Tugend · aus Amelungenland:
Denn erreicht mich Hagen, · hab ich den Tod an der Hand.“

„Wie soll ich euch helfen,“ · sprach da Dietrich,
„Edle Königstochter? · ich sorge selbst um mich.
Es sind so sehr im Zorne · Die Gunthern unterthan,
Daß ich zu dieser Stunde · Niemand Frieden schaffen kann.“

„Nicht also, Herr Dietrich, · edler Degen gut:
Laß uns heut erscheinen · deinen tugendreichen Muth
Und hilf mir von hinnen, · oder ich bleibe todt.
Bring mich und den König · aus dieser angstvollen Noth.“

„Ich will es versuchen, · ob euch zu helfen ist,
Jedoch sah ich wahrlich · nicht in langer Frist
In so bitterm Zorne · manchen Ritter gut:
Ich seh ja durch die Helme · von Hieben springen das Blut.“

Mit Kraft begann zu rufen · der Ritter auserkorn,
Daß seine Stimme hallte · wie ein Büffelhorn
Und daß die weite Veste · von seiner Kraft erscholl.
Dietrichens Stärke · die war gewaltig und voll.

Da hörte König Gunther · rufen diesen Mann
In dem harten Sturme. · Zu horchen hub er an:
„Dietrichens Stimme · ist in mein Ohr gekommen,
Ihm haben unsre Degen · wohl der Seinen wen benommen.

„Ich seh ihn auf dem Tische · winken mit der Hand.
Ihr Vettern und Freunde · von Burgundenland,
Haltet ein mit Streiten: · laßt hören erst und sehn,
Was hier Dietrichen · von meinen Mannen sei geschehn.“

Als so der König Gunther · bat und auch gebot,
Da senkten sie die Schwerter · in des Streites Noth.
Das war Gewalt bewiesen, · daß Niemand da mehr schlug.
Er fragte den von Berne · um die Märe schnell genug.

Er sprach: „Viel edler Dietrich, · was ist euch geschehn
Hier von meinen Freunden? · Ihr sollt mich willig sehn:
Zur Sühne und zur Buße · bin ich euch bereit.
Was euch Jemand thäte, · das war mir inniglich leid.“

Da sprach der edle Dietrich: · „Mir ist nichts geschehn!
Laßt mich aus dem Hause · mit euerm Frieden gehn
Von diesem harten Streite · mit dem Gesinde mein.
Dafür will ich euch Degen · stäts zu Dienst beflißen sein.“

„Was müßt ihr also flehen?“ · sprach da Wolfhart,
„Es hält der Fiedelspieler · die Thür nicht so verwahrt,
Wir erschließen sie so mächtig, · daß man ins Freie kann.“
„Nun schweig,“ sprach da Dietrich, · „du hast den Teufel gethan.“

Da sprach der König Gunther: · „Das sei euch freigestellt:
Führt aus dem Hause, · so viel euch gefällt,
Ohne meine Feinde: · die sollen hier bestehn.
Von ihnen ist mir Leides · bei den Heunen viel geschehn.“

Als das der Berner hörte, · mit einem Arm umschloß
Er die edle Königin; · ihre Angst war groß;
Da führt er an dem andern · Etzeln aus dem Haus.
Auch folgten Dietrichen · sechshundert Degen hinaus.

Da begann der Markgraf, · der edle Rüdiger:
„Soll aber aus dem Hause · noch kommen Jemand mehr,
Der euch doch gerne diente, · so macht es mir kund:
So walte stäter Friede · in getreuer Freunde Bund.“

Antwort seinem Schwäher · gab Geiselher zuhand:
„Frieden und Sühne · sei euch von uns bekannt;
Ihr haltet stäte Treu, · ihr und euer Lehn,
Ihr sollt mit euren Freunden · ohne Sorgen hinnen gehn.“

Als Rüdiger der Markgraf · räumte Etzels Saal,
Fünfhundert oder drüber · folgten ihm zumal.
Das ward von den Helden · aus Treue gethan,
Wodurch König Gunther · bald großen Schaden gewann.

Da sah ein Heunenrecken · König Etzeln gehn
Neben Dietrichen: · des wollt er Frommen sehn.
Dem gab der Fiedelspieler · einen solchen Schlag,
Daß ihm gleich am Boden · das Haupt vor Etzels Füßen lag.

Als der Wirth des Landes · kam vor des Hauses Thor,
Da wandt er sich und blickte · zu Volkern empor:
„O weh mir dieser Gäste: · wie ist das grimme Noth,
Daß alle meine Recken · vor ihnen finden den Tod!“

„Ach weh des Hofgelages!“ · sprach der König hehr:
„Da drinnen ficht Einer, · der heißt Volker,
Wie ein wilder Eber · und ist ein Fiedelmann;
Ich dank es meinem Heile, · daß ich dem Teufel entrann.

„Seine Weisen lauten übel, · sein Bogenstrich ist roth;
Mir schlagen seine Töne · manchen Helden todt.
Ich weiß nicht, was uns Schuld giebt · derselbe Fiedelmann,
Daß ich in meinem Leben · so leiden Gast nicht gewann.“

Zur Herberge giengen · die beiden Recken hehr,
Dietrich von Berne · und Markgraf Rüdiger.
Sie selber wollten gerne · des Streits entledigt sein
Und geboten auch den Degen, · daß sie den Kampf sollten scheun.

Und hätten sich die Gäste · versehn der Leiden,
Die ihnen werden sollten · noch von den Beiden,
Sie wären aus dem Hause · so leicht nicht gekommen,
Eh sie eine Strafe · von den Kühnen hätten genommen.

Sie hatten, die sie wollten, · entlaßen aus dem Saal:
Da hob sich innerhalben · ein furchtbarer Schall.
Die Gäste rächten bitter · ihr Leid und ihre Schmach.
Volker der kühne, · hei, was der Helme zerbrach!

Sich kehrte zu dem Schalle · Gunther der König hehr:
„Hört ihr die Töne, Hagen, · die dorten Volker
Mit den Heunen fiedelt, · wenn wer zur Thüre trat?
Es ist ein rother Anstrich, · den er am Fiedelbogen hat.“

„Es reut mich ohne Maßen,“ · sprach Hagen entgegen,
„Daß ich je mich scheiden · mußte von dem Degen.
Ich war sein Geselle, · er der Geselle mein,
Und kehren wir je wieder heim, · wir wollens noch in Treuen sein.

„Nun schau, hehrer König, · Volker ist dir hold:
Wie will er verdienen · dein Silber und dein Gold!
Sein Fiedelbogen schneidet · durch den harten Stahl,
Er wirft von den Helmen · die hellen Zierden zu Thal.

„Ich sah nie Fiedelspieler · noch so herrlich stehn,
Als diesen Tag von Volker · dem Degen ist geschehn.
Seine Weisen hallen · durch Helm und Schildesrand:
Gute Rosse soll er reiten · und tragen herrlich Gewand.“

So viel der Heunendegen · auch waren in dem Saal,
Nicht Einer blieb am Leben · von ihnen allzumal.
Da war der Schall beschwichtigt, · als Niemand blieb zum Streit.
Die kühnen Recken legten · da ihre Schwerter beiseit.

34. Vierunddreißigstes Abenteuer.
Wie sie die Todten aus dem Saale warfen.

Da setzten sich aus Müdigkeit · die Herrn und ruhten aus.
Volker und Hagen · die giengen vor das Haus
Ueber den Schild sich lehnend · in ihrem Uebermuth:
Da pflagen launger Reden · diese beiden Helden gut.

Da sprach von Burgunden · Geiselher der Degen:
„Noch dürft ihr, lieben Freunde, · nicht der Ruhe pflegen:
Ihr sollt erst die Todten · aus dem Hause tragen.
Wir werden noch bestanden, das will ich wahrlich euch sagen.

„Sie sollen untern Füßen · uns hier nicht länger liegen,
bevor im Sturm die Heunen · mögen uns besiegen,
Wir haun noch manche Wunde, · die gar sanft mir thut.
Des hab ich,“ sprach da Geiselher, · „einen willigen Muth.“

„O wohl mir solches Herren,“ · sprach Hagen entgegen.
„Der Rath geziemte Niemand · als einem solchen Degen,
Wie unsern jungen Herren · wir heute hier gesehn:
Ihr Burgunden möget · all darob in Freuden stehn.

Da folgten sie dem Rathe · und trugen vor die Thür
Siebentausend Todte, · die warfen sie dafür.
Vor des Saales Stiege · fielen sie zu Thal:
Da erhoben ihre Freunde · mit Jammern kläglichen Schall.

Auch war darunter Mancher · nur so mäßig wund,
Käm ihm sanftre Pflege, · er würde noch gesund;
Doch von dem hohen Falle · fand er nun den Tod.
Das klagten ihre Freunde; · es zwang sie wahrhafte Noth.

Da sprach der Fiedelspieler, · der Degen unverzagt:
„Nun seh ich wohl, sie haben · mir Wahrheit gesagt:
Die Heunen sind feige, · sie klagen wie ein Weib,
Da sie nun pflegen sollten · der Schwerverwundeten Leib.“

Da mocht ein Markgraf wähnen, · er meint es ernst und gut:
Ihm war der Vettern Einer · gefallen in das Blut;
Den dacht' er wegzutragen · und wollt ihn schon umfahn:
Da schoß ob ihm zu Tode · den der kühne Spielmann.

Als das die Andern sahen, · sie flohen von dem Saal.
Dem Spielmann zu fluchen · begannen sie zumal.
Einen Sper hob Volker · vom Boden, scharf und hart,
Der von einem Heunen · zu ihm hinauf geschoßen ward.

Den schoß er durch den Burghof · zurück kräftiglich
Ueber ihre Häupter. · Das Volk Etzels wich
Erschreckt von dem Wurfe · weiter von dem Haus.
Vor seinen Kräften hatten · alle Leute Schreck und Graus,

Da stand vor dem Hause · Etzel mit manchem Mann.
Volker und Hagen · huben zu reden an
Mit dem Heunenkönig · nach ihrem Uebermuth.
Das schuf bald große Sorge · diesen Helden kühn und gut.

„Wohl wär es,“ sprach da Hagen, · „des Volkes Trost im Leid,
Wenn die Herren föchten · allen voran im Streit,
Wie von meinen Herren · hier Jeglicher thut:
Die hauen durch die Helme, · daß von den Schwertern fließt das Blut.“

So kühn war König Etzel, · er faßte seinen Schild.
„Nun hütet eures Lebens,“ · sprach da Kriemhild,
„Und bietet Gold den Recken · auf dem Schildesrand,
Denn erreicht euch Hagen, · ihr habt den Tod an der Hand.“

So kühn war der König, · er ließ nicht vom Streit,
Wozu so mächtge Fürsten · nun selten sind bereit.
Man must ihn bei den Riemen · des Schildes ziehn hindann.
Hagen der grimme · ihn mehr zu höhnen begann:

„Eine nahe Sippe war es,“ · sprach Hagen gleich zur Hand,
„Die Etzeln zusammen · und Siegfried verband:
Er minnte Kriemhilden, · eh sie gesehen dich:
Feiger König Etzel, · warum räthst du wider mich?“

Diese Rede hörte · die edle Königin,
Darüber ward unmuthig · Kriemhild in ihrem Sinn,
Daß er sie schelten durfte · vor manchem Etzelsmann.
Wider die Gäste · hub sie aufs Neu zu werben an.

Sie sprach: „Wer von Tronje · den Hagen mir schlüge
Und sein Haupt als Gabe · her vor mich trüge,
Mit rothem Golde füllt' ich · ihm Etzels Schildesrand;
Auch gäb ich ihm zum Lohne · viel gute Burgen und Land.“

„Ich weiß nicht, was sie zaudern,“ · sprach der Fiedelmann.
„Nie sah ich, daß Helden · so verzagt gethan,
Wo man bieten hörte · also reichen Sold.
Wohl sollt ihnen Etzel · nimmer wieder werden hold.

„Die hier mit Schimpf und Schanden · eßen des Königs Brot
Und jetzt im Stich ihn laßen · in der größten Noth,
Deren seh ich Manchen · so recht verzagt da stehn
Und thun doch so verwegen: · sie können nie der Schmach entgehn.“

Der mächtige Etzel hatte · Jammer und Noth:
Er beklagte seiner Mannen · und Freunde bittern Tod.
Von manchen Landen standen · ihm Recken viel zur Seit
Und weinten mit dem König · sein gewaltiges Leid.

Darob begann zu spotten · der kühne Volker:
„Ich seh hier übel weinen · gar manchen Recken hehr.
Sie helfen schlecht dem König · in seiner großen Noth.
Wohl eßen sie mit Schanden · nun schon lange hier sein Brot.“

Da gedachten wohl die Besten: · „Wahr ists, was Volker sagt.“
Von Niemand doch von allen · ward es so schwer beklagt
Als von Markgraf Iring, · dem Herrn aus Dänenland,
Was sich nach kurzer Weite · wohl nach der Wahrheit befand.

35. Fünfunddreißigstes Abenteuer.
Wie Iring erschlagen ward.

Da rief der Markgraf Iring · aus der Dänen Land:
„Ich habe nun auf Ehre · die Sinne lang gewandt;
Auch ist von mir das Beste · in Stürmen oft geschehn:
Nun bringt mir mein Gewaffen: · so will ich Hagen bestehn.“

„Das möcht ich widerrathen,“ · hub da Hagen an,
„Sonst finden mehr zu klagen · Die Etzeln unterthan.
Springen eurer zweie · oder drei in den Saal,
Die send ich wohlverhauen · die Stiege wieder zu Thal.“

„Ich wills darum nicht laßen,“ · sprach wieder Iring:
„Wohl schon oft versucht ich · ein gleich gefährlich Ding.
Wohl will ich mit dem Schwerte · allein dich bestehn,
Und wär von dir im Streite · mehr als von Jemand geschehn.“

Da ward gewaffnet Iring · nach ritterlichem Brauch
Und Irnfried der kühne · von Thüringen auch
Und Hawart der starke · wohl mit tausend Mann:
Sie wollten Iring helfen, · was der Held auch begann.

Da sah der Fiedelspieler · ein gewaltig Heer,
Das mit Iringen · gewaffnet zog einher.
Sie trugen aufgebunden · die lichten Helme gut.
Da ward dem kühnen Volker · darüber zornig zu Muth.

„Seht ihr, Freund Hagen, · dort Iringen gehn,
Der euch im Kampf alleine · gelobte zu bestehn?
Wie ziemt Helden Lüge? · Führwahr, ich tadl es sehr.
Es gehn mit ihm gewaffnet · tausend Recken oder mehr.“

„Nun straft mich nicht Lügen,“ · sprach Hawarts Unterthan,
„Ich will gerne leisten, · was ich euch kund gethan.
Mein Wort soll um Feigheit · nicht gebrochen sein:
Sei Hagen noch so gräulich, · ich besteh ihn ganz allein.“

Zu Füßen warf sich Iring · den Freunden und dem Lehn,
Daß sie allein ihn ließen · den Recken bestehn.
Das thaten sie doch ungern, · ihnen war zu wohl bekannt
Der übermütige Hagen · aus der Burgunden Land.

Doch bat er sie so lange, · bis es zuletzt geschah.
Als das Ingesinde · seinen Willen sah,
Und daß er warb nach Ehre, · da ließen sie ihn gehn.
Da ward von den Beiden · ein grimmes Streiten gesehn.

Iring der Däne · hielt hoch empor den Sper,
Sich deckte mit dem Schilde · der theure Degen hehr:
So lief er auf im Sturme · zu Hagen vor den Saal.
Da erhob sich von den Degen · ein gewaltiger Schall.

Die Spere schößen beide · kräftig aus der Hand
Durch die festen Schilde · auf ihr licht Gewand,
Daß die Spersplitter · hoch in die Lüfte flogen.
Da griffen zu den Schwertern · die grimmen Degen verwegen.

Die Kraft des kühnen Hagen · war ohne Maßen voll;
Doch schlug nach ihm Iring, · daß all die Burg erscholl.
Der Saal und die Thürme · erhallten von den Schlägen.
Es konnte seinen Willen · doch nicht vollführen der Degen.

Iring ließ Hagen · unverwundet stehn:
Auf den Fiedelspieler · begann er loszugehn.
Er wähnt', er sollt ihn zwingen · mit seinen grimmen Schlägen,
Doch wuste sich zu schirmen · dieser zierliche Degen.

Da schlug der Fiedelspieler, · daß von des Schildes Rand
Das Gespänge wirbelte · von Volkers starker Hand.
Den ließ er wieder stehen; · es war ein übler Mann:
Jetzt lief er auf Gunther, · den Burgundenkönig, an.

Da war nun Jedweder · zum Streite stark genug.
Wie Gunther auf Iring · und der auf Gunther schlug,
Das brachte nicht aus Wunden · das fließende Blut.
Ihre Rüstung wehrt' es, · die war zu fest und zu gut.

Gunthern ließ er stehen · und lief Gernoten an.
Das Feuer aus den Ringen · er ihm zu haun begann.
Da hätte von Burgunden · der starke Gernot
Iring den kühnen · beinah gesandt in den Tod.

Da sprang er von dem Fürsten; · schnell war er genug.
Der Burgunden viere · der Held behend erschlug,
Des edeln' Heergesindes · aus Worms an dem Rhein.
Darüber mochte Geiselher · nicht wohl zorniger sein.

„Gott weiß, Herr Iring,“ · sprach Geiselher das Kind,
„Ihr müßt mir entgelten, · die hier erlegen sind
Vor euch in dieser Stunde.“ · Da lief er ihn an
Und schlug den Danenhelden, · daß er zu straucheln begann.

Er schoß vor seinen Händen · nieder in das Blut,
Daß sie alle wähnten, · dieser Degen gut
Schlug im Streit nicht wieder · einen Schlag mit seinem Schwert.
Doch lag vor Geiselheren · Iring da noch unversehrt.

Von des Helmes Schwirren · und von des Schwertes Klang
Waren seine Sinne · so betäubt und krank,
Daß sich der kühne Degen · des Lebens nicht besann.
Das hatt ihm mit den Kräften · der kühne Geiselher gethan.

Als ihm aus dem Haupte · das Schwirren jetzt entwich,
Von dem mächtgen Schlage · war das erst fürchterlich,
Da gedacht er: · „Ich lebe und bin auch nirgend wund:
Nun ist mir erst die Stärke · des kühnen Geiselher kund!“

Zu beiden Seiten hört' er · seine Feinde stehn.
Sie hättens wißen sollen, · so wär ihm mehr geschehn.
Auch hatt er Geiselheren · vernommen nahe bei:
Er sann, wie mit dem Leben · den Feinden zu entkommen sei.

Wie tobend der Degen · aus dem Blute sprang!
Er mochte seiner Schnelle · wohl sagen großen Dank.
Da lief er aus dem Hause, · wo er Hagen fand,
Und schlug ihm schnelle Schläge · mit seiner kraftreichen Hand.

Da gedachte Hagen: · „Du must des Todes sein.
Befriede dich der Teufel, · sonst kannst du nicht gedeihn.“
Doch traf Iring Hagnen · durch seines Helmes Hut.
Das that der Held mit Maske; · das war eine Waffe gut.

Als der grimme Hagen · die Wund an sich empfand,
Da schwenkte sich gewaltig · das Schwert in seiner Hand.
Es muste vor ihm weichen · Hawarts Unterthan:
Hagen ihm die Stiege · hinab zu folgen begann.

Uebers Haupt den Schildrand · Iring der kühne schwang.
Und war dieselbe Stiege · drei solcher Stiegen lang,
Derweil ließ ihn Hagen · nicht schlagen einen Schlag.
Hei, was rother Funken · da auf seinem Helme lag!

Doch kam zu den Freunden · Iring noch gesund.
Da wurde diese Märe · Kriemhilden kund,
Was er dem von Tronje · hatt im Streit gethan;
Dafür die Königstochter · ihm sehr zu danken begann.

„Nun lohne Gott dir, Iring, · erlauchter Degen gut,
Du hast mir wohl getröstet · das Herz und auch den Muth:
Nun seh ich blutgeröthet · Hagens Wehrgewand!“
Kriemhild nahm ihm selber · den Schild vor Freud aus der Hand.

„Ihr mögt ihm mäßig danken,“ · begann da Hagen,
„Bis jetzt ist viel Großes · nicht davon zu sagen;
Versucht' er es zum andern Mal, · er wär ein kühner Mann.
Die Wunde frommt euch wenig, · die ich noch von ihm gewann.

„Daß ihr von meiner Wunde · mir seht den Harnisch roth,
Das hat mich noch erbittert · zu manches Mannes Tod.
Nun bin ich erst im Zorne · auf ihn und manchen Mann;
Mir hat der Degen Iring · noch kleinen Schaden gethan.“

Da stand dem Wind entgegen · Iring von Dänenland;
Er kühlte sich im Harnisch, · den Helm er niederband.
Da priesen ihn die Leute · für streitbar und gut:
Darüber trug der Markgraf · nicht wenig hoch seinen Muth.

Da sprach Iring wieder: · „Nun, Freunde, sollt ihr gehn
Und neue Waffen holen: · ich will noch einmal sehn,
Ob ich bezwingen möge · den übermüthgen Mann.“
Sein Schild war verhauen, · einen beßern er gewann.

Gewaffnet war der Recke · bald in noch festre Wehr.
Er griff in seinem Zorne · nach einem starken Sper,
Damit wollt er Hagen · zum drittenmal bestehn.
Es brächt ihm Ehr und Frommen, · ließ' er das sich vergehn.

Da wollte sein nicht harren · Hagen der Degen.
Mit Schüßen und mit Hieben · lief er ihm entgegen
Die Stiege bis zu Ende; · zornig war sein Muth.
Da kam dem Degen Iring · seine Stärke nicht zu gut.

Sie schlugen durch die Schilde, · daß es zu lohn begann
Mit feuerrothem Winde. · Hawarts Unterthan
Ward von Hagens Schwerte · da gefährlich wund
Durch Helm und durch Schildrand; · er ward nicht wieder gesund.

Als Iring der Degen · der Wunde sich besann,
Den Schild rückte näher · dem Helm der kühne Mann.
Ihn dauchte voll der Schaden, · der ihm war geschehn;
Bald that ihm aber größern · der in König Gunthers Lehn.

Hagen vor seinen Füßen · einen Wurfspieß liegen fand:
Auf Iringen schoß er · den von Dänenland,
Daß man ihm aus dem Haupte · die Stange ragen sah.
Ein grimmes Ende ward ihm · von dem Uebermüthgen da.

Iring must entweichen · zu seinen Dänen hin.
Eh man den Helm dem Degen · mochte niederziehn,
Brach man den Sper vom Haupte, · da naht' ihm der Tod.
Das beweinten seine Freunde: · es zwang sie wahrhafte Noth.

Da kam die Königstochter · auch zu ihm heran:
Iring den starken · hub sie zu klagen an.
Sie beweinte seine Wunden: · es war ihr grimmig leid.
Da sprach vor seinen Freunden · dieser Recke kühn im Streit:

„Laßt eure Klage bleiben, · viel hehre Königin.
Was hilft euer Weinen? · Mein Leben muß dahin
Schwinden aus den Wunden, · die an mir offen stehn.
Der Tod will mich nicht länger · euch und Etzeln dienen sehn.“

Zu Thüringern und Dänen · sprach er hingewandt:
„Die Gaben, so die Königin · euch beut, soll eure Hand
Nicht zu erwerben trachten, · ihr lichtes Gold so roth
Und besteht ihr Hagen, · so müßt ihr schauen den Tod.“

Seine Farbe war erblichen, · des Todes Zeichen trug
Iring der kühne; · ihnen war es leid genug.
Es konnte nicht gesunden · der Held in Hawarts Lehn:
Da must es an ein Streiten · von den Dänenhelden gehn.

Irnfried und Hawart · sprangen vor das Haus
Wohl mit tausend Helden: · einen ungestümen Braus
Vernahm man allenthalben, · kräftig und groß.
Hei! was man scharfer Spere · auf die Burgunden schoß!

Irnfried der kühne · lief den Spielmann an,
Wodurch er großen Schaden · von seiner Hand gewann.
Der edle Fiedelspieler · den Landgrafen schlug
Durch den Helm den festen: · wohl war er grimmig genug.

Da schlug dem grimmen Spielmann · Irnfried einen Schlag,
Daß er den Ringpanzer · dem Helden zerbrach
Und sich sein Harnisch färbte · von Funken feuerroth.
Dennoch fiel der Landgraf · vor dem Spielmann in den Tod.

Zusammen waren Hagen · und Hawart gekommen.
Da mochte Wunder schauen, · wer es wahrgenommen.
Die Schwerter fielen kräftig · den Helden an der Hand:
Da muste Hawart sterben · vor dem aus Burgundenland.

Die Thüringer und Dänen · sahn ihre Herren todt.
Da hub sich vor dem Hause · noch grimmere Noth,
Eh sie die Thür gewannen · mit kraftreicher Hand.
Da ward noch verhauen · mancher Helm und Schildesrand.

„Weichet,“ sprach da Volker, · „laßt sie zum Saal herein:
Was sie im Sinne haben, · kann dennoch nicht sein.
Sie müßen bald ersterben · allzumal darin:
Sie ernten mit dem Tode, · was ihnen beut die Königin,“

Als die Uebermüthigen · drangen in den Saal,
Das Haupt ward da Manchem · so geneigt zu Thal,
Daß er ersterben muste · vor ihren schnellen Schlägen.
Wohl stritt der kühne Gernot; · so that auch Geiselher der Degen.

Tausend und viere · die kamen in das Haus:
Da hörte man erklingen · den hellen Schwertersaus.
Sie wurden von den Gästen · alle drin erschlagen:
Man mochte große Wunder · von den Burgunden sagen.

Darnach ward eine Stille, · als der Lärm verscholl.
Das Blut allenthalben · durch die Lücken quoll
Und zu den Riegelsteinen · von den todten Degen:
Das hatten die vom Rheine · gethan mit kräftigen Schlägen.

Da saßen wieder rufend · die aus Burgundenland,
Sie legten mit den Schilden · die Waffen aus der Hand.
Da stand noch vor dem Hause · der kühne Spielmann,
Erwartend, ob noch Jemand · zum Streite zöge heran.

Der König klagte heftig, · dazu die Königin;
Mägdelein und Frauen · härmten sich den Sinn.
Der Tod, wähn ich, hatte · sich wider sie verschworen:
Drum giengen durch die Gäste · noch viele der Recken verloren.

36. Sechsunddreißigstes Abenteuer.
Wie die Königin den Saal verbrennen ließ.

„Nun bindet ab die Helme,“ · sprach Hagen der Degen:
„Ich und mein Geselle · wollen euer pflegen.
Und versuchten es noch einmal · Die Etzeln unterthan,
So warn ich meine Herren, · so geschwind ich immer kann.“

Da band den Helm vom Haupte · mancher Ritter gut.
Sie setzten auf die Leichen · sich nieder, die ins Blut
Waren zum Tode · von ihrer Hand gekommen.
Da ward der edeln Gäste · mit Erbittrung wahrgenommen.

Noch vor dem Abend · schuf der König hehr
Und Kriemhild die Königin, · daß es der Heunen mehr
Noch versuchen musten; · man sah vor ihnen stehn
Wohl an zwanzigtausend: · die musten da zum Kampfe gehn.

Da drang zu den Gästen · ein harter Sturm heran.
Dankwart, Hagens Bruder, · der kraftvolle Mann,
Sprang von seinen Herren · zu den Feinden vor das Thor.
Sie versahn sich seines Todes; · doch sah man heil ihn davor.

Das harte Streiten währte, · bis es die Nacht benahm.
Da wehrten sich die Gäste · wie Helden lobesam
Wider Etzels Recken · den sommerlangen Tag.
Hei! was guter Helden · im Tod vor ihnen erlag!

Zu einer Sonnenwende · der große Mord geschah:
Ihres Herzens Jammer · rächte Kriemhild da
An ihren nächsten Freunden · und manchem andern Mann,
Wodurch der König Etzel · nie wieder Freude gewann.

Sie hatte nicht gesonnen auf solche Mörderschlacht.
Als sie den Streit begonnen, · hatte sie gedacht,
Hagen sollt alleine · dabei sein Ende sehn.
Da schuf der böse Teufel, · über Alle must es ergehn.

Der Tag war zerronnen; · ihnen schuf nun Sorge Noth.
Sie gedachten, wie doch beßer · war ein kurzer Tod,
Als sich so lang zu quälen · in ungefügem Leid.
Da wünschten einen Frieden · die großen Ritter allbereit.

Sie baten, daß man brächte · den König vor den Saal.
Die blutrothen Helden, · geschwärzt vom rostgen Stahl,
Traten aus dem Hause · und die drei Könge hehr.
Sie wusten nicht, wem klagen · ihres großen Leids Beschwer.

Etzel und Kriemhild · kamen beide her;
Das Land war ihnen eigen, · drum mehrte sich ihr Heer.
Er sprach zu den Gästen: · „Sagt, was begehrt ihr mein?
Wollt ihr Frieden haben? · das könnte nun schwerlich sein

„Nach so großem Schaden, · als ihr mir habt gethan.
Es kommt euch nicht zu Statten, · so lang ich athmen kann:
Mein Kind, das ihr erschluget, · und viel der Freunde mein,
Fried und Sühne soll euch · stäts dafür geweigert sein.“

Antwort gab ihm Gunther: · „Uns zwang wohl große Noth.
All mein Gesinde lag · vor deinen Helden todt
In der Herberge: · verdient ich solchen Sold?
Ich kam zu dir auf Treue · und wähnte, du warst mir hold.“

Da sprach von Burgunden · Geiselher das Kind:
„Ihr Helden König Etzels, · die noch am Leben sind,
Wes zeiht ihr mich, ihr Degen? · was hatt ich euch gethan,
Der ich die Fahrt so gütlich · zu diesem Lande begann?“

Sie sprachen: „Deiner Güte · ist all die Burg hier voll
Mit Jammer gleich dem Lande; · wir gönnten dir es wohl,
Wärst du nie gekommen · von Worms überrhein.
Das Land ist gar verwaiset · durch dich und die Brüder dein.“

Da sprach im Zornmuthe · Gunther der Held:
„Wünscht ihr noch dieß Morden · im Frieden eingestellt
Mit uns Heimatlosen, · das ist uns beiden gut;
Es ist gar unverschuldet, · was uns König Etzel thut.“

Der Wirt sprach zu den Gästen: · „mein und euer Leid
Sind einander ungleich: · die große Noth im Streit,
Der Schaden und die Schande, · die ich von euch gewann,
Dafür soll euer Keiner · mir lebend kommen hindann.“

Da sprach zu dem König · der starke Gernot:
„So soll euch Gott gebieten, · daß ihr die Lieb uns thut:
Weichet von dem Hause · und laßt uns zu euch gehn.
Wir wissen wohl, bald ist es · um unser Leben geschehn.

„Was uns geschehen könne, · das laßt schnell ergehn:
Ihr habt so viel Gesunde, · die dürfen uns bestehn
Und geben uns vom Streite · Müden leicht den Tod:
Wie lange solln wir Recken · bleiben in so grimmer Noth?“

Von König Etzels Reden · war es fast geschehn,
Daß sie die Helden ließen · aus dem Saale gehn.
Als das Kriemhild hörte, · es war ihr grimmig leid.
Da war den Heimathlosen · mit Nichten Sühne bereit.

„Nein, edle Recken, · worauf euch sinnt der Muth,
Ich will euch treulich raten, · daß ihr das nimmer thut,
Daß ihr die Mordgierigen · laßt vor den Saal;
Sonst müßen eure Freunde · leiden tödtlichen Fall.

„Und lebten nur alleine, · die Utens Söhne' sind,
Und kämen meine edeln · Brüder an den Wind.
Daß sie die Panzer kühlten, · ihr alle wärt verloren:
Es wurden kühnre Degen · noch nie auf Erden geboren.“

Da sprach der junge Geiselher: · „Viel schöne Schwester mein,
Wie hätt ich dir das zugetraut, · daß du mich überrhein
Her zu Lande ladetest · in diese große Noth:
Wie möcht ich an den Heunen · hier verdienen den Tod?

„Ich hielt dir stäte Treue, · that nie ein Leid dir an:
Ich kam auch her zu Hilfe · geritten in dem Wahn,
Du wärst mir gewogen, · viel liebe Schwester mein,
Nun schenk uns deine Gnade, · da es anders nicht mag sein.“

„Ich schenk euch keine Gnade, · Ungnad ich selbst gewann:
Mir hat von Tronje Hagen · so großes Leid gethan
Daheim, und hier zu Lande · erschlug er mir mein Kind:
Das müßen schwer entgelten, · die mit euch hergekommen sind.“

Wollt ihr mir aber Hagen · allein zum Geisel geben,
So will ichs nicht verweigern, · daß ich euch laße leben.
Denn meine Brüder seid ihr, · der gleichen Mutter Kind:
So red ich um die Sühne · mit den Helden, die hier sind.“

„Nicht woll es Gott vom Himmel,“ · sprach da Gernot.
„Und waren unser tausend, · wir wollten alle todt
Vor deinen Freunden liegen · eh wir dir Einen Mann
Hier zu Geisel gäben: · das wird nimmer gethan.“

„Wir müsten doch ersterben,“ · sprach da Geiselher,
„So soll uns Niemand scheiden · von ritterlicher Wehr.
Wer gerne mit uns stritte, · wir sind noch immer hie:
Verrieth ich meine Treue · an einem Freunde doch nie.“

Da sprach der kühne Dankwart, · es ziemt' ihm wohl zu sagen:
„Noch steht nicht alleine · hier mein Bruder Hagen.
Die uns den Frieden weigern, · beklagen es noch schwer,
Des sollt ihr inne werden, · ich sags euch wahrlich vorher.“

Da sprach die Königstochter: · „Ihr Helden allbereit,
Nun geht der Stiege näher · und rächt unser Leid.
Das will ich stäts verdienen, · wie ich billig soll:
Der Uebermuth Hagens, · dessen lohn ich ihm wohl.

„Laßt keinen aus dem Hause · der Degen allzumal:
So laß ich an vier Enden · anzünden hier den Saal.
So wird noch wohl gerochen · all mein Herzeleid.“
König Etzels Recken · sah man bald dazu bereit.

Die noch draußen standen, · die trieb man in den Saal
Mit Schlägen und mit Schüßen: · da gab es lauten Schall.
Doch wollten sich nicht scheiden · die Fürsten und ihr Heer:
Sie ließen von der Treue · zu einander nicht mehr.

Den Saal in Brand zu stecken · gebot da Etzels Weib.
Da quälte man den Helden · mit Feuersglut den Leib.
Das Haus vom Wind ergriffen · gerieth in hohen Brand.
Nie wurde solcher Schrecken · noch einem Volksheer bekannt.

Da riefen Viele drinnen: · „O weh dieser Noth!
Da möchten wir ja lieber · im Sturm liegen todt.
Das möge Gott erbarmen; · wie sind wir all verlorn!
Wie grimmig rächt die Königin · an uns allen ihren Zorn!“

Da sprach darinnen Einer: · „Wir finden hier den Tod
Vor Rauch und vor Feuer: · wie grimm ist diese Noth!
Mir thut vor starker Hitze · der Durst so schrecklich weh,
Ich fürchte, mein Leben · in diesen Nöthen zergeh!“

Da sprach von Tronje Hagen: · „Ihr edlen Ritter gut,
Wen der Durst will zwingen, · der trinke hier das Blut.
Das ist in solcher Hitze · beßer noch als Wein;
Es mag halt zu trinken · hier nichts Beßeres sein.“

Hin gieng der Recken Einer, · wo er einen Todten fand:
Er kniet' ihm zu der Wunde, · den Helm er niederband.
Da begann er zu trinken · das fließende Blut.
So wenig ers gewohnt war, · er fand es köstlich und gut.

„Nun lohn euch Gott, Herr Hagen,“ · sprach der müde Mann,
„Daß ich von eurer Lehre · so guten Trank gewann.
Man schenkte mir selten · noch einen beßern Wein.
So lang ich leben bleibe · will ich euch stäts gewogen sein.“

Als das die Andern hörten, · es däuchte ihn so gut,
Da fanden sich noch Viele, · die tranken auch das Blut.
Davon kam zu Kräften · der guten Recken Leib:
Des entgalt an lieben Freunden · bald manches waidliche Weib.

Das Feuer fiel gewaltig · auf sie in den Saal:
Sie wandten mit den Schilden · es von sich ab im Fall.
Der Rauch und auch die Hitze · schmerzten sie gar sehr.
Also großer Jammer · geschieht wohl Helden nimmer mehr.

Da sprach von Tronje Hagen: · „Stellt euch an die Wand;
Laßt nicht die Brände fallen · auf eurer Helme Band
Und tretet sie mit Füßen · tiefer in das Blut.
Eine üble Hochzeit ist es, · zu der die Königin uns lud.“

Unter solchen Nöthen · zerrann zuletzt die Nacht.
Noch hielt vor dem Hause · der kühne Spielmann Wacht
Und Hagen sein Geselle, · gelehnt auf Schildesrand,
Noch größern Leids gewärtig · von Denen aus Etzels Land.

Daß der Saal gewölbt war, · half den Gästen sehr;
Dadurch blieben ihrer · am Leben desto mehr,
Wiewohl sie an den Fenstern · von Feuer litten Noth.
Da wehrten sich die Degen, · wie Muth und Ehre gebot.

Da sprach der Fiedelspieler: · „Gehn wir in den Saal:
Da wähnen wohl die Heunen, · wir seien allzumal
Von der Qual erstorben, · die sie uns angethan:
Dann kommen doch noch Etliche · zum Streit mit ihnen heran.“

Da sprach von Burgunden · Geiselher das Kind:
„Ich wähn, es wolle tagen, · sich hebt ein kühler Wind.
Nun laß uns Gott vom Himmel · noch liebre Zeit erleben!
Eine arge Hochzeit hat uns · meine Schwester Kriemhild gegeben.“

Da sprach wieder Einer: · „Ich spüre schon den Tag.
Wenn es denn uns Degen · nicht beßer werden mag,
So bereitet euch, ihr Recken, · zum Streit, das ist uns Noth:
Da wir doch nicht entrinnen, · daß wir mit Ehren liegen todt.“

Der König mochte wähnen, · die Gäste wären todt
Von den Beschwerden allen · und von des Feuers Noth,
Da lebten doch so Kühner · noch drin sechshundert Mann,
Daß wohl nie ein König · beßre Degen gewann.

Der Heimathlosen Hüter · hatten wohl gesehn,
Daß noch die Gäste lebten, · was ihnen auch geschehn
Zu Schaden war und Leide, · den Herrn und ihrem Lehn.
Man sah sie in dem Hause · noch gar wohl geborgen gehn.

Man sagte Kriemhilden, · noch Viele lebten drin.
„Wie wäre das möglich,“ · sprach die Königin,
„Daß noch Einer lebte · nach solcher Feuersnoth?
Eher will ich glauben, · sie fanden Alle den Tod.“

Noch wünschten zu entkommen · die Fürsten und ihr Lehn,
Wenn an ihnen Gnade · noch jemand ließ' ergehn.
Die konnten sie nicht finden · in der Heunen Land:
Da rächten sie ihr Sterben · mit gar williger Hand.

Schon früh am andern Morgen · man ihnen Grüße bot
Mit heftigem Angriff; · wohl schuf das Helden Noth.
Zu ihnen aufgeschoßen · ward mancher scharfe Sper;
Doch fanden sie darinnen · die kühnen Recken wohl zur Wehr.

Dem Heergesinde Etzels · war erregt der Muth,
Daß sie verdienen wollten · Frau Kriemhildens Gut
Und alles willig leisten, · was der Fürst gebot:
Da muste bald noch Mancher · von ihnen schauen den Tod.

Von Verheißen und von Gaben · mochte man Wunder sagen:
Sie ließ ihr Gold, das rothe, · auf Schilden vor sich tragen;
Sie gab es Jedem willig, · Der es wollt empfahn.
Nie wurden wider Feinde · so große Schätze verthan.

Gewaffnet trat der Recken · eine große Macht zur Thür.
Da sprach der Fiedelspieler. · „Wir sind noch immer hier:
So gern sah ich Helden · zum Streiten nimmer kommen,
Als die das Gold des Königs · uns zu verderben genommen.“

Da riefen ihrer Viele: · „Nur näher zu dem Streit!
Da wir doch fallen müßen, · so thun wirs gern bei Zeit.
Hier wird Niemand bleiben, · als wer doch sterben soll.“
Da staken ihre Schilde · gleich von Sperschüßen voll.

Was soll ich weiter sagen? · Wohl zwölfhundert Degen
Versuchtens auf und nieder · mit starken Schwertesschlägen.
Da kühlten an den Feinden · die Gäste wohl den Muth.
Kein Friede war zu hoffen, · drum sah man fließen das Blut

Aus tiefen Todeswunden: · Deren wurden viel geschlagen.
Man hörte nach den Freunden · Jeglichen klagen.
Die Biedern starben alle · dem reichen König hehr:
Da hatten liebe Freunde · nach ihnen Leid und Beschwer.

37. Siebenunddreißigstes Abenteuer.
Wie Rüdiger erschlagen ward.

Die Heimathlosen hatten · am Morgen viel gethan.
Der Gemahl Gotlindens · kam zu Hof heran
Und sah auf beiden Seiten · des großen Leids Beschwer:
Darüber weinte inniglich · der getreue Rüdiger.

„O weh, daß ich das Leben,“ · sprach der Held, „gewann
Und diesem großen Jammer · nun Niemand wehren kann.
So gern ich Frieden schüfe, · der König gehts nicht ein,
Da ihm das Unheil stärker, · immer stärker bricht herein.“

Zu Dietrichen sandte · der gute Rüdiger,
Ob sie's noch könnten wenden · von den Köngen hehr?
Da entbot ihm Der von Berne: · „Wer möcht ihm widerstehn?
Es will der König Etzel · keine Sühne mehr sehn.“

Da sah ein Heunenrecke · Rüdigern da stehn
Mit weinenden Augen, · wie er ihn oft gesehn.
Er sprach zu der Königin: · „Nun seht, wie er da steht
Den ihr und König Etzel · vor allen Andern habt erhöht

„Und dem doch alles dienet, · die Leute wie das Land.
Wie sind so viel der Burgen · an Rüdigern gewandt,
Deren er so manche · von dem König haben mag!
Er schlug in diesen Stürmen · noch keinen löblichen Schlag.

„Mich dünkt, ihn kümmert wenig, · was hier mit uns geschieht,
Wenn er nach seinem Willen · bei sich die Fülle sieht.
Man rühmt, er wäre kühner, · als Jemand möge sein:
Das hat uns schlecht bewiesen · in dieser Noth der Augenschein.“

Mit traurigem Muthe · der vielgetreue Mann,
Den er so reden hörte, · den Heunen sah, er an.
Er dachte: „Das entgiltst du; · du sagst, ich sei verzagt:
Da hast du deine Mären · zu laut bei Hofe gesagt.“

Er zwang die Faust zusammen: · da lief er ihn an
Und schlug mit solchen Kräften · den Heunischen Mann,
Daß er ihm vor die Füße · niederstürzte todt.
Da war gemehrt aufs Neue · dem König Etzel die Noth.

„Fahr hin, verzagter Bösewicht,“ · sprach da Rüdiger,
„Ich hatte doch des Leides · genug und der Beschwer.
Daß ich hier nicht fechte, · was rügst du mir das?
Wohl trüg auch ich den Gästen · mit Grunde feindlichen Hass,

„Und alles, was ich könnte, · thät ich ihnen an,
Hätt ich nicht hieher geführt · Die Gunthern unterthan.
Ich war ihr Geleite · in meines Herren Land:
Drum darf sie nicht bestreiten · meine unselge Hand.“

Da sprach zum Markgrafen · Etzel der König hehr:
„Wie habt ihr uns geholfen, · viel edler Rüdiger!
Wir hatten doch der Todten · so viel in diesem Land,
Daß wir nicht mehr bedurften: mit Unrecht schlug ihn eure Hand.“

Da sprach der edle Ritter: · „Er beschwerte mir den Muth
Und hat mir bescholten · die Ehre wie das Gut,
Des ich aus deinen Händen · so große Gaben nahm,
Was nun dem Lügenbolde · übel auch zu Statten kam.“

Da kam die Königstochter, · die hatt es auch gesehn,
Was von des Helden Zorne · dem Heunen war geschehn.
Sie beklagt' es ungefüge, · ihre Augen wurden naß.
Sie sprach zu Rüdigern: · Wie verdienten wir das,

„Daß ihr mir und dem König · noch mehrt unser Leid?
Ihr habt uns, edler Rüdiger, · verheißen allezeit,
Ihr wolltet für uns wagen · die Ehre wie das Leben;
Auch hört ich viel der Recken · den Preis des Muthes euch geben.“

„Ich mahn euch nun der Treue, · die mir schwur eure Hand,
Da ihr mir zu Etzeln riethet, · Ritter auserkannt,
Daß ihr mir dienen wolltet · bis an unsern Tod.
Des war mir armen Weibe · noch niemals so bitter Noth.“

„Das kann ich nicht läugnen, · ich schwur euch, Königin,
Die Ehre wie das Leben · gäb ich für euch dahin:
Die Seele zu verlieren · hab ich nicht geschworen.
Zu diesem Hofgelage · bracht ich die Fürsten wohlgeboren.“

Sie sprach: „Gedenke, Rüdiger, · der hohen Eide dein
Von deiner stäten Treue, · wie du den Schaden mein
Immer wolltest rächen · und wenden all mein Leid.“
Der Markgraf entgegnete: „Ich war euch stäts zu Dienst bereit.“

Etzel der reiche · hub auch zu flehen an.
Da warfen sie sich beide · zu Füßen vor den Mann.
Den guten Markgrafen · man da in Kummer sah;
Der vielgetreue Recke · jammervoll begann er da:

„O weh mir Unselgem, · muß ich den Tag erleben!
Aller meiner Ehren · soll ich mich nun begeben,
Aller Zucht und Treue, · die Gott mir gebot;
O weh, Herr des Himmels, · daß mirs nicht wenden will der Tod!

„Welches ich nun laße, · das Andre zu begehn,
So ist doch immer übel · und arg von mir geschehn.
Was ich thu und laße, · so schilt mich alle Welt.
Nun möge mich erleuchten, · der mich dem Leben gesellt!“

Da baten ihn so dringend · der König und sein Weib,
Daß bald viel Degen musten · Leben und Leib
Von Rüdgers Hand verlieren · und selbst Der Held erstarb.
Nun mögt ihr bald vernehmen, · welchen Jammer er erwarb.

Er wuste wohl nur Schaden · und Leid sei sein Gewinn.
Er hätt es auch dem König · und der Königin
Gern versagen wollen: · der Held besorgte sehr,
Erschlug er ihrer Einen, · daß er der Welt ein Greuel wär.

Da sprach zu dem Könige · dieser kühne Mann:
„Herr Etzel, nehmt zurücke, · was ich von euch gewann,
Das Land mit den Burgen; · bei mir soll nichts bestehn:
Ich will auf meinen Füßen · hinaus in das Elend gehn.

„Alles Gutes ledig · räum ich euer Land,
Mein Weib und meine Tochter · nehm ich an die Hand,
Eh ich so ohne Treue · entgegen geh dem Tod:
Das hieß' auf üble Weise · verdienen euer Gold so roth.“

Da sprach der König Etzel: · „Wer aber hülfe mir?
Mein Land mit den Leuten, · das alles geb ich dir,
Daß du mich rächest, Rüdiger, · an den Feinden mein:
Du sollst neben Etzeln · ein gewaltger König sein.“

Da sprach wieder Rüdiger: · „Wie dürft ich ihnen schaden?
Heim zu meinem Hause · hab ich sie geladen;
Trinken und Speise · ich ihnen gütlich bot,
Dazu meine Gabe; · und soll ich sie nun schlagen todt?

„Die Leute mögen wähnen, · ich sei zu verzagt.
Keiner meiner Dienste · war ihnen je versagt:
Sollt ich sie nun bekämpfen, · das wär nicht wohl gethan.
So reute mich die Freundschaft, · die ich an ihnen gewann.

„Geiselher dem Degen · gab ich die Tochter mein:
Sie konnt auf Erden nimmer · beßer verwendet sein,
Seh ich auf Zucht und Ehre, · auf Treu oder Gut.
Nie ein so junger König · trug wohl tugendreichern Muth.“

Da sprach wieder Kriemhild: · „Viel edler Rüdiger,
Nun laß dich erbarmen · unsres Leids Beschwer,
Mein und auch des Königs; · gedenke wohl daran,
Daß nie ein Wirth auf Erden · so leide Gäste gewann.“

Da begann der Markgraf · zu der Köngin hehr:
„Heut muß mit dem Leben · entgelten Rüdiger,
Was ihr und der König · mir Liebes habt gethan:
Dafür muß ich sterben, · es steht nicht länger mehr an.

„Ich weiß, daß noch heute · meine Burgen und mein Land
Euch ledig werden müßen · von dieser Helden Hand.
So befehl ich euch auf Gnade · mein Weib und mein Kind
Und all die Heimathlosen, · die da zu Bechlaren find.“

„Nun lohne Gott dir, Rüdiger!“ · der König sprach da so;
Er und die Königin, · sie wurden beide froh.
„Uns seien wohlbefohlen · alle Leute dein;
Auch trau ich meinem Heile, · du selber werdest glücklich sein.“

Da setzt' er auf die Wage · die Seele wie den Leib.
Da begann zu weinen · König Etzels Weib.
Er sprach: „Ich muß euch halten · den Eid, den ich gethan.
O weh meiner Freunde! · wie ungern greif ich sie an.“

Man sah ihn von dem König · hinweggehn trauriglich.
Da fand er seine Recken · nahe stehn bei sich:
Er sprach: „Ihr sollt euch waffnen, · ihr All in meinem Lehn:
Die kühnen Burgunden · muß ich nun leider bestehn.“

Nach den Gewaffen riefen · die Helden allzuhand,
Ob es Helm wäre · oder Schildesrand,
Von dem Ingesinde · ward es herbeigetragen.
Bald hörten leide Märe · die stolzen Fremdlinge sagen.

Gewaffnet ward da Rüdiger · mit fünfhundert Mann;
Darüber zwölf Recken · zu Hülf er sich gewann.
Sie wollten Preis erwerben · in des Sturmes Noth:
Sie wusten nicht die Märe, · wie ihnen nahe der Tod.

Da sah man unterm Helme · den Markgrafen gehn.
Scharfe Schwerter trugen · Die in Rüdgers Lehn,
Dazu vor den Händen · die lichten Schilde breit.
sah der Fiedelspieler: · dem war es ohne Maßen leid.

Da sah der junge Geiselher · seinen Schwäher gehn
Mit aufgebundnem Helme. · Wie mocht er da verstehn,
Wie er damit es meine, · es sei denn treu und gut?
Da gewann der edle König · von Herzen fröhlichen Muth.

„Nun wohl mir solcher Freunde,“ · sprach da Geiselher,
„Wie wir gewonnen haben · auf der Fahrt hieher.
Meines Weibes willen · ist uns Hülfe nah:
Lieb ist mir, meiner Treue, · daß diese Heirath geschah.“

„Wes ihr euch wohl tröstet“ · sprach der Fiedelmann:
„Wann saht ihr noch zur Sühne · so viel der Helden nahn
Mit aufgebundnen Helmen, · die Schwerter in der Hand?
Er will an uns verdienen · seine Burgen und sein Land.“

Eh der Fiedelspieler · die Rede sprach vollaus,
Den edeln Markgrafen · sah man schon vor dem Haus.
Seinen Schild den guten · setzt' er vor den Fuß:
Da must er seinen Freunden · versagen dienstlichen Gruß.

Rüdiger der edle · rief da in den Saal:
„Ihr Kühnen Nibelungen, · nun wehrt euch allzumal.
Ihr solltet mein genießen, · ihr entgeltet mein:
Wir waren ehmals Freunde: · der Treue will ich ledig sein.“

Da erschraken dieser Märe · die Nothbedrängten Schwer.
Ihnen war der Trost entsunken, · den sie gewähnt vorher,
Da sie bestreiten wollte, · dem Jeder Liebe trug.
Sie hatten von den Feinden · schon Leid erfahren genug.

„Das verhüte Gott vom Himmel!“ · sprach Gunther der Degen,
„Daß ihr eurer Freundschaft, trätet so entgegen
Und der großen Treue, · darauf uns sann der Muth:
Ich will euch wohl vertrauen, · daß ihr das nimmermehr tuth.

„Es ist nicht mehr zu wenden,“ · sprach der kühne Mann:
„Ich muß mit euch streiten, · wie ich den Schwur gethan.
Nun wehrt euch, kühne Degen, · wenn euch das Leben werth,
Da mir die Königstochter · nicht andre Willkür gewährt.“

„Ihr widersagt uns nun zu spät,“ · sprach der König hehr.
„Nun mög euch Gott vergelten, · viel edler Rüdiger,
Die Treu und die Liebe, · die ihr uns habt gethan,
Wenn ihr bis ans Ende · auch halten wolltet daran.

„Wir wollen stäts euch danken, · was ihr uns habt gegeben,
Ich und meine Freunde, · laßet ihr uns leben,
Der herrlichen Gaben, · als ihr uns brachtet her
In Etzels Land mit Treue: · des gedenket, edler Rüdiger.“

„Wie gern ich euch das gönnte,“ · sprach Rüdiger der Degen,
„Daß ich euch meiner Gabe · die Fülle dürfte wägen
Nach meinem Wohlgefallen; · wie gerne that ich das,
So es mir nicht erwürbe · der edeln Königin Haß!“

„Laßt ab, edler Rüdiger,“ · sprach wieder Gernot,
„Nie ward ein Wirth gefunden, · der es den Gästen bot
So freundlich und so gütlich, · als uns von euch geschehn.
Des sollt ihr auch genießen, · so wir lebendig entgehn.“

„Das wollte Gott,“ sprach Rüdiger, · „viel edler Gernot,
„Daß ihr am Rheine wäret, · und ich wäre todt.
So rettet' ich die Ehre, · da ich euch soll bestehn!
Es ist noch nie an Degen · von Freunden übler geschehn.“

„Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,“ · sprach wieder Gernot,
„Eurer reichen Gabe. · Mich jammert euer Tod,
Soll an euch verderben · so tugendlicher Muth.
Hier trag ich eure Waffe, · die ihr mir gabet, Degen gut.

„Sie hat mir noch nie versagt · in all dieser Noth:
Es fiel vor ihrer Schärfe · mancher Ritter todt.
Sie ist stark und lauter, · herrlich und gut:
Gewiss, so reiche Gabe · kein Recke je wieder thut.

„Und wollt ihr es nicht meiden · und wollt ihr uns bestehn,
Erschlagt ihr mir die Freunde, · die hier noch bei mir stehn,
Mit euerm Schwerte nehm ich · Leben euch und Leib.
So reut ihr mich, Rüdiger, · und euer herrliches Weib.“

„Das wolle Gott, Herr Gernot, · und möcht es geschehn,
Daß hier nach euerm Willen · Alles könnt ergehn
Und euern Freunden bleiben · Leben möcht und Leib,
Euch sollten wohl vertrauen · meine Tochter und mein Weib.“

Da sprach von Burgunden · der schönen Ute Kind:
„Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? · Die mit mir kommen sind,
Die sind euch all gewogen; · ihr greift übel zu:
Eure schöne Tochter · wollt ihr verwitwen allzufruh.

„Wenn ihr und eure Recken · mich wollt im Streit bestehn,
Wie wär das unfreundlich, · wie wenig ließ' es sehn,
Daß ich euch vertraute · vor jedem andern Mann,
Als ich eure Tochter · mir zum Weibe gewann.“

„Gedenkt eurer Treue,“ · sprach da Rüdiger.
Und schickt euch Gott von hinnen, · viel edler König hehr,
„So laßt es nicht entgelten · die liebe Tochter mein:
Bei aller Fürsten Tugend · geruht ihr gnädig zu sein.“

„So sollt ichs billig halten,“ · sprach Geiselher das Kind;
„Doch meine hohen Freunde, · die noch im Saal hier sind,
Wenn die von euch ersterben, · so muß geschieden sein
Diese stäte Freundschaft · zu dir und der Tochter dein.“

„Nun möge Gott uns gnaden,“ · sprach der kühne Mann.
Da hoben sie die Schilde · und wollten nun hinan
Zu streiten mit den Gästen · in Kriemhildens Saal.
Laut rief da Hagen · von der Stiege her zu Thal:

„Verzieht noch eine Weile, · viel edler Rüdiger,“
Also sprach da Hagen: · „wir reden erst noch mehr,
Ich und meine Herren, · wie uns zwingt die Noth.
Was hilft es Etzeln, finden · wir in der Fremde den Tod?

„Ich steh in großen Sorgen,“ · sprach wieder Hagen,
„Der Schild, den Frau Gotlind · mir gab zu tragen,
Den haben mir die Heunen · zerhauen vor der Hand;
Ich bracht ihn doch in Treuen · her in König Etzels Land.

„Daß es Gott vom Himmel · vergönnen wollte,
Daß ich so guten Schildrand · noch tragen sollte,
Als du hast vor den Händen, · viel edler Rüdiger:
So bedürft ich in dem Sturme · keiner Halsberge mehr.“

„Wie gern wollt ich dir dienen · mit meinem Schilde,
Dürft ich dir ihn bieten · vor Kriemhilde.
Doch nimm ihn hin, Hagen, · und trag ihn an der Hand:
Hei! dürftest du ihn führen · heim in der Burgunden Land!“

Als er den Schild so willig · zu geben sich erbot,
Die Augen wurden Vielen · von heißen Thränen roth.
Es war Die letzte Gabe: · es dürft hinfort nicht mehr
Einem Degen Gabe bieten · von Bechlaren Rüdiger.

Wie grimmig auch Hagen, · wie hart auch war sein Muth,
Ihn erbarmte doch die Gabe, · die der Degen gut
So nah seinem Ende · noch hatt an ihn gethan.
Mancher edle Ritter · mit ihm zu trauern begann.

„Nun lohn euch Gott im Himmel, · viel edler Rüdiger.
Es wird eures Gleichen · auf Erden nimmermehr,
Der heimathlosen Degen · so milde Gabe gebe.
So möge Gott gebieten, · daß eure Milde immer lebe.“

„O weh mir dieser Märe,“ · sprach wieder Hagen.
„Wir hatten Herzensschwere · schon so viel zu tragen:
Das müße Gott erbarmen, · gilts uns mit Freunden Streit!“
Da sprach der Markgraf wieder: · „Das ist mir inniglich leid.“

„Nun lohn ich euch die Gabe, · viel edler Rüdiger:
Was euch auch widerfahre · von diesen Recken hehr,
Es soll euch nicht berühren · im Streit meine Hand,
Ob ihr sie all erschlüget · Die von der Burgunden Land.“

Da neigte sich ihm dankend · der gute Rüdiger.
Die Leute weinten alle: · Daß nicht zu wenden mehr
Dieser Herzensjammer, · das war zu große Noth.
Der Vater aller Tugend · fand an Rüdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege · Volker der Fiedelmann:
„Da mein Geselle Hagen · euch trug den Frieden an,
So biet ich auch so stäten · euch von meiner Hand.
Das habt ihr wohl verdient an uns, · da wir kamen in das Land.

„Viel edler Markgraf, · mein Bote werdet hier:
Diese rothen Spangen · gab Frau Gotlinde mir,
Daß ich sie tragen sollte · bei dieser Lustbarkeit:
Ich thu es, schauet selber, · daß ihr des mein Zeuge seid.“

„Wollt es Gott vom Himmel,“ · sprach da Rüdiger,
„Daß euch die Markgräfin · noch geben dürfte mehr.
Die Märe sag ich gerne · der lieben Trauten mein,
Seh ich gesund sie wieder: · Des sollt ihr außer Zweifel sein.“

Nach diesem Angeloben · Den Schild hob Rüdiger,
Sein Muth begann zu toben: · nicht länger säumt' er mehr.
Auf lief er zu den Gästen · wohl einem Recken gleich.
Viel kraftvolle Schläge · schlug da dieser Markgraf reich.

Volker und Hagen · traten beiseit,
Wie ihm verheißen hatten · die Degen allbereit.
Noch traf er bei den Thüren · so manchen Kühnen an,
Daß Rüdiger die Feindschaft · mit großen Sorgen begann.

Aus Mordbegierde ließen · ihn ins Haus hinein
Gernot und Gunther; · das mochten Helden sein.
Zurück wich da Geiselher: · fürwahr, es war ihm leid;
Er versah sich noch des Lebens, · drum mied er Rüdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden · Die in Rüdgers Lehn.
Hinter ihrem Herren · sah man sie kühnlich gehn.
Schneidende Waffen · trugen sie an der Hand:
Da zerbrachen viel der Helme · und mancher herrliche Rand.

Da schlugen auch die Müden · noch manchen schnellen Schlag
Auf die von Bechlaren, · der tief und eben brach
Durch die festen Panzer · und drang bis auf das Blut.
Sie frommten in dem Sturme · viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde · war alle nun im Saal.
Volker und Hagen · die sprangen hin zumal:
Sie gaben Niemand Frieden · als dem Einen Mann.
Das Blut von ihren Hieben · von den Helmen niederrann.

Wie da der Schwerter Tosen · so grimmig erklang,
Daß unter ihren Schlägen · das Schildgespänge sprang!
Die Schildsteine rieselten · getroffen in das Blut.
Da fochten sie so grimmig, · wie man es nie wieder thut.

Der Vogt von Bechlaren · schuf hin und her sich Bahn,
Wie Einer der mit Ungestüm · im Sturme werben kann.
Des Tages ward an Rüdiger · herrlich offenbar,
Daß er ein Recke wäre, · kühn und ohne Tadel gar.

Hier standen diese Recken, · Gunther und Gernot,
Sie schlugen in dem Streite · viel der Helden todt.
Geiselhern und Dankwart · am Heile wenig lag:
Da brachten sie noch Manchen · hin zu seinem jüngsten Tag.

Wohl erwies auch Rüdiger, · daß er stark war genug,
Kühn und wohl gewaffnet: · hei, was er Helden schlug!
Das sah ein Burgunde, · da schuf der Zorn ihm Noth:
Davon begann zu nahen · des edeln Rüdiger Tod.

Gernot der starke · rief den Helden an.
Er sprach zum Markgrafen: · „Ihr wollt mir keinen Mann
Der Meinen leben laßen, · viel edler Rüdiger.
Das schmerzt mich ohne Maßen: · ich ertrag es nicht länger mehr.

„Nun mag euch eure Gabe wohl · zu Unstatten kommen,
Da ihr mir der Freunde · habt so viel genommen.
Nun bietet mir die Stirne, · ihr edler kühner Mann:
So verdien ich eure Gabe, · so gut ich immer nur kann.“

Bevor da der Markgraf · zu ihm gedrungen war.
Ward noch getrübt vom Blute · manch lichter Harnisch klar.
Da liefen sich einander · die Ehrbegiergen an:
jedweder sich zu schirmen · vor starken Wunden begann.

Doch schnitten ihre Schwerter, · es schützte nichts dagegen.
Da schlug den König Gernot · Rüdiger der Degen
Durch den steinharten Helm, · daß niederfloß das Blut:
Das vergalt alsbald ihm · dieser Ritter kühn und gut.

Hoch schwang er Rüdgers Gabe, · die in der Hand ihm lag;
Wie wund er war zum Tode, · er schlug ihm einen Schlag
Auf des Helmes Bänder · und durch den festen Schild,
Davon ersterben muste · der gute Rüdiger mild.

So reicher Gabe übler · gelohnt ward nimmermehr.
Da fielen beid erschlagen, · Gernot und Rüdiger,
Im Sturm gleichermaßen · von beider Kämpfer Hand.
Da erst ergrimmte Hagen, · als er den großen Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje: · „Es ist uns schlimm bekommen.
So großen Schaden haben wir · an den Zwein genommen,
Daß wir ihn nie verwinden, · ihr Volk noch ihr Land.
Uns Heimathlosen bleiben · nun Rüdgers Helden zu Pfand.“

Da wollte Keiner weiter · dem Andern was vertragen:
Mancher ward darnieder · unverletzt geschlagen,
Der wohl noch wär genesen: · ob ihm war solcher Drang,
Wie heil er sonst gewesen, · daß er im Blute doch ertrank.

„Weh mir um den Bruder! · der fiel hier in den Tod.
Was mir zu allen Stunden · für leide Märe droht!
Auch muß mich immer reuen · mein Schwäher Rüdiger:
Der Schad ist beidenthalben · und großen Jammers Beschwer.“

Als der junge Geiselher · sah seinen Bruder todt,
Die noch im Saale waren, · die musten leiden Noth.
Der Tod suchte eifrig, · wo sein Gesinde wär:
Deren von Bechelaren · entgieng kein Einziger mehr.

Gunther und Hagen · und auch Geiselher,
Dankwart und Volker, · die guten Degen hehr,
Die giengen zu der Stelle, · wo man sie liegen fand:
Wie jämmerlich da weinten · diese Helden auserkannt!

„Der Tod beraubt uns übel,“ · sprach Geiselher das Kind.
„Nun laßt euer Weinen · und gehn wir an den Wind,
Daß sich die Panzer kühlen · uns streitmüden Degen:
Es will nicht Gott vom Himmel, · daß wir länger leben mögen.“

Den sitzen, den sich lehnen · sah man manchen Mann.
Sie waren wieder müßig. · Die Rüdgern unterthan
Waren all erlegen; · verhaßt war das Getos.
So lange blieb es stille, · daß es Etzeln verdroß.

„O weh dieses Leides!“ · sprach die Königin.
„Sie sprechen allzulange; · unsre Feinde drin
Mögen wohl heil verbleiben · vor Rüdigers Hand:
Er will sie wiederbringen · heim in der Burgunden Land.

„Was hilfts, König Etzel, · daß wir an ihn vertan,
Was er nur begehrte? · Er that nicht wohl daran:
Der uns rächen sollte, · der will der Sühne pflegen.“
Da gab ihr Volker Antwort, · dieser zierliche Degen:

„Dem ist nicht also leider, · viel edel Königsweib.
Und dürft ich Lügen strafen · ein so hehres Weib,
So hättet ihr recht teuflisch · Rüdigern verlogen.
Er und seine Degen · sind um die Sühne gar betrogen.

„So williglich vollbracht er, · was ihm sein Herr gebot,
Daß er und sein Gesinde · hier fielen in den Tod.
Nun seht euch um, Frau Kriemhild, · wem ihr gebieten wollt:
Euch war bis an sein Ende · Rüdiger getreu und hold.

„Wollt ihr mir nicht glauben, · so schaut es selber an.“
Zu ihrem Herzeleide · ward es da gethan:
Man trug ihn hin erschlagen, · wo ihn der König sah.
König Etzels Mannen · wohl nimmer leider geschah.

Da sie den Markgrafen · todt sahn vor sich tragen,
Da vermöcht euch kein Schreiber · zu schildern noch zu sagen
Die ungebärdge Klage · so von Weib als Mann,
Die sich aus Herzensjammer · da zu erzeigen begann.

König Etzels Jammern · war so stark und voll,
Wie eines Löwen Stimme · dem reichen König scholl
Der Wehruf der Klage; · auch ihr schufs große Noth;
Sie weinten übermäßig · um des guten Rüdger Tod.

38. Achtunddreißigstes Abenteuer.
Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.

Der Jammer allenthalben · zu solchem Maße schwoll,
Daß von der Wehklage · Pallas und Thurm erscholl.
Da vernahm es auch ein Berner, · Dietrichs Unterthan:
Der schweren Botschaft willen · wie eilends kam er heran!

Da sprach er zu dem Fürsten: · „Hört mich, Herr Dieterich,
Was ich noch je erlebte, · so herzensjämmerlich
Hört ich noch niemals klagen, · als ich jetzt vernahm.
Ich glaube, daß der König · nun selber zu der Hochzeit kam,

„Wie wären sonst die Leute · all in solcher Noth?
Der König oder Kriemhild · Eins ward dem Tod
Von den kühnen Gästen · in ihrem Zorn gesellt.
Es weint übermäßig · mancher auserwählte Held.“

Da sprach der Vogt von Berne: „Ihr Getreun in meinem Lehn,
Seid nicht allzu eilig: · was hier auch ist geschehn
Von den Heimathlosen, · sie zwang dazu die Noth:
Nun laßt sie des genießen, · daß ich ihnen Frieden bot.“

Da sprach der kühne Wolfhart: · „Ich will zum Saale gehn,
Der Märe nachzufragen, · was da sei geschehn,
Und will euch dann berichten, · viel lieber Herre mein,
Wenn ich es dort erkunde, · wie die Sache möge sein.“

Da sprach der edle Dietrich: · „Wenn man sich Zorns versieht
Und ungestümes Fragen · zur Unzeit dann geschieht,
Das betrübt den Recken · allzuleicht den Muth:
Drum will ich nicht, Wolfhart, · daß ihr die Frage da thut.“

Da bat er Helfrichen · hin zu gehn geschwind,
Ob er erkundgen möge · bei Etzels Ingesind
Oder bei den Gästen, · was da wär geschehn.
Da wurde nie bei Leuten · so großer Jammer gesehn.

Der Bote kam und fragte: · „Was ist hier geschehn?“
Da ward ihm zum Bescheide: · „Nun must uns auch zergehn
Der Trost, der uns geblieben · noch war in Heunenland:
Hier liegt erschlagen Rüdiger · von der Burgunden Hand.

„Nicht Einer ist entkommen, · der mit ihm gieng hinein.“
Das konnte Helfrichen · nimmer leider sein.
Wohl mocht er seine Märe · noch nie so ungern sagen:
Er kam zu Dietrichen · zurück mit Weinen und Klagen.

„Was bringt ihr uns für Kunde?“ · sprach da Dieterich,
„Wie weint ihr so heftig, · Degen Helferich?“
Da sprach der edle Recke: · „Wohl hab ich Grund zu klagen.
Den guten Rüdger haben · die Burgunden erschlagen.“

Da sprach der Held von Berne: · „Das wolle nimmer Gott.
Eine starke Rache wär es · und des Teufels Spott.
Wie hätt an ihnen Rüdiger · verdient solchen Sold?
Ich weiß wohl die Kunde, · er ist den Fremdlingen hold.“

Da sprach der kühne Wolfhart: · „Und wär es geschehn,
So sollt es ihnen Allen · an Leib und Leben gehn.
Wenn wirs ertragen wollten, · es brächt uns Spott und Schand,
Uns bot so große Dienste · des guten Rüdiger Hand.“

Der Vogt von Amelungen · erfragt' es gern noch mehr.
In ein Fenster setzt' er sich, · ihm war das Herz so schwer.
Da hieß er Hildebranden · zu den Gästen gehn,
Bei ihnen zu erforschen, · was da wäre geschehn.

Der sturmkühne Recke, · Meister Hildebrand,
Weder Schild noch Waffen · trug er an der Hand.
Er wollt in seinen Züchten · zu den Gästen gehn;
Von seiner Schwester Kinde · must er sich gescholten sehn.

Da sprach der grimme Wolfhart: · „Geht ihr dahin so bloß,
So kommt ihr ungescholten · nimmer wieder los:
So müst ihr dann mit Schanden · thun die Wiederfahrt;
Geht ihr dahin in Waffen, so weiß ich, daß es Mancher spart.“

Da rüstete der Alte · sich nach des Jungen Rath.
Eh Hildbrand es gewahrte, · standen in ihrem Staat
Die Recken Dietrichs alle, · die Schwerter in der Hand.
Leid war das dem Helden, · er hätt es gern noch abgewandt.

Er frag, wohin sie wollten. · „Wir wollen mit euch hin;
Ob von Tronje Hagen · wohl dann noch ist so kühn,
Mit Spott zu euch zu reden, · wie ihm zu thun gefällt?“
Als er die Rede hörte, · erlaubt' es ihnen der Held.

Da sah der kühne Volker · wohlgewaffnet gehn
Die Recken von Berne · in Dietrichens Lehn,
Die Schwerter umgegürtet, · die Schilde vor der Hand:
Er sagt' es seinen Herren · aus der Burgunden Land.

Da sprach der Fiedelspieler: · „Dorten seh ich nahn
Recht in Feindesweise · Die Dietrich unterthan,
Gewaffnet unter Helmen: · sie wollen uns bestehn.
Nun wird es an das Ueble · mit uns Fremdlingen gehn.“

Es währte nicht lange, · so kam auch Hildebrand:
Da setzt' er vor die Füße · seinen Schildesrand
Und begann zu fragen · Die Gunthern unterthan:
„O weh, ihr guten Degen, · was hatt euch Rüdiger gethan?

„Mich hat mein Herr Dietrich · her zu euch gesandt,
Ob erschlagen liege, Helden, · von eurer Hand
Dieser edle Markgraf, · wie man uns gab Bescheid?
Wir könnten nicht verwinden · also schweres Herzeleid.“

Da sprach der grimme Hagen: · „Die Mär ist ungelogen,
Wie gern ichs euch gönnte, · wärt ihr damit betrogen,
Rüdigern zu Liebe: · so lebt' er uns noch,
Den nie genug beweinen · mögen Fraun und Mannen doch.“

Als sie das recht vernahmen, · Rüdiger sei todt,
Da beklagten ihn die Recken, · wie ihre Treu gebot.
Dietrichens Mannen · sah man die Thränen gehn
Uebern Bart zum Kinne: · viel Leid war ihnen geschehn.

Siegstab der Herzog · von Bern sprach zuhand:
„O weh, wie all die Güte · hier gar ein Ende fand,
Die uns Rüdiger hier schuf · nach unsers Leides Tagen:
Der Trost der Heimathlosen · liegt von euch Degen erschlagen.“

Da sprach von Amelungen · der Degen Wolfwein:
„Und wenn ich vor mir liegen · hier säh, den Vater mein,
Mir würde nimmer leider · als um Rüdgers Tod.
O weh, wer soll nun trösten · die Markgräfin in ihrer Noth?“

Do sprach im Zornmuthe · der kühne Wolfhart:
„Wer leitet nun die Recken · auf mancher Heerfahrt,
Wie von dem Markgrafen · so oft geschehen ist?
O weh, viel edler Rüdiger, · daß du uns so verloren bist!“

Wolfbrand und Helferich · und auch Helmnot
Mit allen ihren Freunden · beweinten seinen Tod.
Nicht mehr fragen mochte · vor Seufzen Hildebrand:
So thut denn, ihr Degen, · warum mein Herr uns gesandt.

„Gebt uns den todten · Rüdiger aus dem Saal,
An dem all unsre Freude · erlitt den Jammerfall.
Laßt uns ihm so vergelten, · was er an uns gethan
Hat mit großer Treue · und an manchem fremden Mann.

„Wir sind hier auch Vertriebene · wie Rüdiger der Degen.
Wie laßt ihr uns warten? · Laßt uns ihn aus den Wegen
Tragen und im Tode · lohnen noch dem Mann:
Wir hätten es wohl billig · bei seinem Leben gethan.“

Da sprach der König Gunther: · „Nie war ein Dienst so gut,
Als den ein Freund dem Freunde · nach dem Tode thut.
Das nenn ich stäte Treue, · wenn man das leisten kann:
Ihr lohnt ihm nach Verdienste, · er hat euch Liebes gethan.“

„Wie lange solln wir flehen?“ · sprach Wolfart der Held.“
„Da unser Trost der beste · liegt von euch gefällt,
Und wir ihn nun leider · nicht länger mögen haben,
Laßt uns ihn hinnen tragen, · daß wir den Recken begraben.“

Zur Antwort gab ihm Volker: · „Man bringt ihn euch nicht her,
Holt ihn aus dem Hause, · wo der Degen hehr
Mit tiefen Herzenswunden · gefallen ist ins Blut:
So sind es volle Dienste, · die ihr hier Rüdigern thut.“

Da sprach der kühne Wolfhart: · „Gott weiß, Herr Fiedelmann,
Ihr müßt uns nicht noch reizen; · ihr habt uns Leid gethan.
Dürft ichs vor meinem Herren, · so kämt ihr drum in Noth;
Doch müßen wir es laßen, · weil er den Streit uns verbot.“

Da sprach der Fiedelspieler: · „Der fürchtet sich zu viel,
Der, was man ihm verbietet, · Alles laßen will:
Das kann ich nimmer heißen · rechten Heldenmuth.“
Die Rede dauchte Hagnen · von seinem Heergesellen gut.

„Wollt ihr den Spott nicht laßen,“ · fiel ihm Wolfhart ein,
„Ich verstimm euch so die Saiten, · daß ihr noch am Rhein,
Wenn je ihr heimreitet, · habt davon zu sagen.
Euer Ueberheben · mag ich mit Ehren nicht ertragen.“

Da sprach der Fiedelspieler: · „Wenn ihr den Saiten mein
Die guten Töne raubtet, · eures Helmes Schein
Müste trübe werden · dabei von meiner Hand,
Wie ich halt auch reite · in der Burgunden Land.“

Da wollt er zu ihm springen · doch blieb nicht frei die Bahn.
Hildebrand sein Oheim · hielt ihn mit Kräften an.
„Ich seh, du willst wüthen · in deinem dummen Zorn;
Nun hätten wir auf immer · meines Herren Huld verlorn.“

„Laßt los den Leuen, Meister, · er hat so grimmigen Muth;
Doch kommt er mir zu nahe,“ · sprach Volker der Degen gut,
„Hätt er mit seinen Händen · die ganze Welt erlagen,
Ich schlag ihn, daß er nimmermehr · ein Widerwort weiß zu sagen.“

Darob ergrimmte heftig · den Bernern der Muth.
Den Schild ruckte Wolfhart, · ein schneller Recke gut,
Gleich einem wilden Leuen · lief er auf ihn an.
Die Schar seiner Freunde · ihm rasch zu folgen begann.

Mit weiten Sprüngen setzt' er · bis vor des Saales Wand;
Doch ereilt' ihn vor der Stiege · der alte Hildebrand:
Er wollt ihn vor ihm selber · nicht laßen in den Streit.
Zu ihrem Willen fanden · sie gern die Gäste bereit.

Da sprang hin zu Hagen · Meister Hildebrand:
Man hörte Waffen klingen · an der Helden Hand.
Sie waren sehr im Zorne, · das zeigte sich geschwind:
Von der Beiden Schwertern · gieng der feuerrothe Wind.

Da wurden sie geschieden · in des Streites Noth:
Das thaten die von Berne, · wie Kraft und Muth gebot.
Als sich von Hagen wandte · Meister Hildebrand,
Da kam der starke Wolfhart · auf den kühnen Volker gerannt.

Auf den Helm dem Fiedler · schlug er solchen Schwang,
Daß des Schwertes Schärfe · durch die Spangen drang.
Das vergalt mit Ungestüm · der kühne Fiedelmann:
Da schlug er Wolfharten, · daß er zu sprühen begann.

Feuers aus den Panzern · hieben sie genug;
Grimmen Haß Jedweder · zu dem Andern trug.
Da schied sie von Berne · der Degen Wolfwein;
Wär er kein Held gewesen, · so konnte das nimmer sein.

Gunther der kühne · mit williger Hand
Empfieng die hehren Helden · aus Amelungenland.
Geiselher der junge · die lichten Helme gut
Macht' er in dem Sturme · Manchem naß und roth von Blut.

Dankwart, Hagens Bruder, · war ein grimmer Mann:
Was er zuvor im Streite · Herrliches gethan
An König Etzels Recken, · das schien nun gar ein Wind:
Nun erst begann zu toben · des kühnen Aldrians Kind.

Ritschart und Gerbart, · Helfrich und Wichart
In manchen Stürmen hatten · die selten sich gespart:
Das ließen sie wohl schauen · die in Gunthers Lehn.
Da sah man Wolfbranden · in dem Sturme herrlich gehn.

Da focht, als ob er wüthe, · der alte Hildebrand.
Viel gute Recken musten · vor Wolfhartens Hand
Auf den Tod getroffen · sinken in das Blut:
So rächten Rüdgers Wunden · diese Recken kühn und gut.

Da focht der Herzog Siegstab, · wie ihm der Zorn gebot.
Hei! was harter Helme · brach in des Sturmes Noth
An seinen Feinden · Dietrichens Schwestersohn!
Er konnt in dem Sturme · nicht gewaltiger drohn.

Volker der Starke, · als er das ersah,
Wie Siegstab der kühne · aus Panzerringen da
Bäche Blutes holte, · das schuf dem Biedern Zorn:
Er sprang ihm hin entgegen: · da hatte hier bald verlorn

Von dem Fiedelspieler · das Leben Siegstab:
Volker ihm seiner Künste · so vollen Anteil gab,
Er fiel von seinem Schwerte · nieder in den Tod.
Der alte Hilbrand rächte das, · wie ihm sein Eifer gebot.

„O weh des lieben Herren,“ · sprach Meister Hildebrand,
„Der uns hier erschlagen · liegt von Volkers Hand!
Nun soll der Fiedelspieler · auch länger nicht gedeihn.“
Hildebrand der kühne · wie könnt er grimmiger sein.

Da schlug er so auf Volker, · daß von des Helmes Band
Die Splitter allwärts stoben · bis zu des Saales Wand,
Vom Helm und auch vom Schilde · dem kühnen Spielmann;
Davon der starke Volker · nun auch sein Ende gewann.

Da drangen zu dem Streite · Die in Dietrichs Lehn:
Sie schlugen, daß die Splitter · sich wirbelnd musten drehn
Und man der Schwerter Enden · in die Höhe fliegen sah.
Sie holten aus den Helmen · heiße Blutbäche da.

Nun sah von Tronje Hagen · Volker den Degen todt:
Das war ihm bei der Hochzeit · die allergröste Noth,
Die er gewonnen hatte · an Freund und Unterthan!
O weh, wie grimmig Hagen · den Freund zu rächen begann!

„Nun soll es nicht genießen · der alte Hildebrand:
Mein Gehilfe liegt erschlagen · von des Helden Hand,
Der beste Heergeselle, · den ich je gewann.“
Den Schild rückt' er höher, · so gieng er hauend hindann.

Helferich der starke · Dankwarten schlug:
Gunthern und Geiselhern · war es leid genug,
Als sie ihn fallen sahen · in der starken Noth;
Doch hatten seine Hände · wohl vergolten seinen Tod.

So viel aus manchen Landen · hier Volks versammelt war,
Viel Fürsten kraftgerüstet · gegen die kleine Schar,
Wären die Christenleute · nicht wider sie gewesen,
Durch ihre Tugend mochten sie · vor allen Heiden wohl genesen.

Derweil schuf sich Wolfhart · hin und wieder Bahn,
Alles niederhauend, · was Gunthern unterthan.
Er machte nun zum dritten Mal · die Runde durch den Saal:
Da fiel von seinen Händen · gar mancher Recke zu Thal.

Da rief der starke Geiselher · Wolfharten an:
„O weh, daß ich so grimmen · Feind je gewann!
Kühner Ritter edel, · nun wende dich hieher!
Ich will es helfen enden, · nicht länger trag ich es mehr.“

Zu Geiselheren wandte · sich Wolfhart in den Streit.
Da schlugen sich die Recken · manche Wunde weit.
Mit solchem Ungestüme · er zu dem König drang,
Daß unter seinen Füßen · übers Haupt das Blut ihm sprang.

Mit schnellen grimmen Schlägen · der schönen Ute Kind
Empfieng da Wolfharten, · den Helden hochgesinnt.
Wie stark auch war der Degen, · wie sollt er hier gedeihn?
Es konnte nimmer kühner · ein so junger König sein.

Da schlug er Wolfharten · durch einen Harnisch gut,
Daß ihm aus der Wunde · niederschoß das Blut:
Zum Tode war verwundet · Dietrichens Unterthan.
Wohl must er sein ein Recke, · der solche Werke gethan.

Als der kühne Wolfhart · die Wund an sich empfand,
Den Schild ließ er fallen: · höher in der Hand
Hob er ein starkes Waffen, · das war wohl scharf genug:
Durch Helm und Panzerringe · der Degen Geiselhern schlug.

Den grimmen Tod einander · hatten sie angethan.
Da lebt' auch Niemand weiter, · der Dietrich unterthan.
Hildebrand der alte · Wolfharten fallen sah:
Gewiss vor seinem Tode · solch Leid ihm nimmer geschah.

Erstorben waren Alle · Die in Gunthers Lehn
Und Die in Dietrichens. · Hilbranden sah man gehn,
Wo Wolfhart war gefallen · nieder in das Blut.
Er umschloß mit Armen · den Degen bieder und gut.

Er wollt ihn aus dem Hause · tragen mit sich fort;
Er war zu schwer doch, laßen · must ihn der Alte dort.
Da blickt' aus dem Blute · der todwunde Mann:
Er sah wohl, sein Oheim · hülfe gern ihm hindann.

Da sprach der Todwunde: · „Viel lieber Oheim mein,
Mir kann zu dieser Stunde · eure Hülfe nicht gedeihn.
Nun hütet euch vor Hagen, · fürwahr, ich rath euch gut:
Der tragt in seinem Herzen · einen grimmigen Muth.

„Und wollen meine Freunde · im Tode mich beklagen,
Den nächsten und den besten · sollt ihr von mir sagen,
Daß sie nicht um mich weinen, · das thu nimmer Noth:
Von eines Königs Händen · fand ich hier herrlichen Tod.

„Ich hab auch so vergolten · mein Sterben hier im Saal,
Das schafft noch den Frauen · der guten Ritter Qual.
Wills Jemand von euch wißen, · so mögt ihr kühnlich sagen:
Von meiner Hand alleine · liegen hundert wohl erschlagen.

Da gedacht auch Hagen · an den Fiedelmann,
Dem der alte Hildebrand · das Leben abgewann:
Da sprach er zu dem Kühnen: · „Ihr entgeltet nun mein Leid.
Ihr habt uns hier benommen · manchen Recken kühn im Streit.“

Er schlug auf Hildebranden · daß man wohl vernahm
Balmungen dröhnen, · den Siegfrieden nahm
Hagen der kühne, · als er den Helden schlug.
Da wehrte sich ser Alte: · er war auch streitbar genug.

Wolfhartens Oheim · ein breites Waffen schwang
Auf Hagen von Tronje, · das scharf den Stahl durchdrang:
Doch konnt er nicht verwunden · Gunthers Unterthan.
Da schlug ihm Hagen wieder · durch einen Harnisch wohlgetan.

Als da Meister Hildebrand · die Wunde recht empfand,
Besorgt' er größern Schaden · noch von Hagens Hand.
Den Schild warf auf den Rücken · Dietrichs Unterthan:
Mit der starken Wunde · der Held vor Hagen entrann.

Da lebt' auch von allen · den Degen Niemand mehr
Als Gunther und Hagen, · die beiden Recken hehr.
Mit Blut gieng beronnen · der alte Hildebrand:
Er brachte leide Märe, · da er Dietrichen fand.

Schwer bekümmert sitzen · sah er da den Mann:
Noch größern Leides Kunde · nun der Fürst gewann.
Als er Hildebranden · im Panzer sah so roth,
Da fragt' er nach der Ursach, · wie ihm die Sorge gebot.

„Nun sagt mir, Meister Hildebrand, · wie seid ihr so naß
Von dem Lebensblute? · oder wer that euch das?
Ihr habt wohl mit den Gästen · gestritten in dem Saal?
Ihr ließt es billig bleiben, · wie ich so dringend befahl.“

Da sagt' er seinem Herren: · „Hagen that es mir:
Der schlug mir in dem Saale · diese Wunde hier,
Als ich von dem Recken · zu wenden mich begann.
Kaum daß ich mit dem Leben · noch dem Teufel entrann.“

Da sprach der von Berne: · „Gar recht ist euch geschehen,
Da ihr mich Freundschaft hörtet · den Recken zugestehn
Und doch den Frieden brachet, · den ich ihnen bot:
Wär mirs nicht ewig Schande, · ihr solltets büßen mit dem Tod.“

„Nun zürnt mir, Herr Dietrich, · darob nicht allzusehr:
An mir und meinen Freunden · ist der Schade gar zu schwer.
Wir wollten Rüdger gerne · tragen aus dem Saal:
Das wollten uns nicht gönnen · die, welchen Gunther befahl.“

„O weh mir dieses Leides! · Ist Rüdiger doch todt?
Das muß mir sein ein Jammer · vor all meiner Noth.
Gotelind die edle · ist meiner Base Kind:
O weh der armen Waisen, · die dort zu Bechlaren sind!“

Herzeleid und Kummer · schuf ihm sein Tod:
Er hub an zu weinen: · den Helden zwang die Noth.
„O weh der treuen Hülfe, · die mir an ihm erlag,
König Etzels Degen, · den ich nie verschmerzen mag.

„Könnt ihr mir, Meister Hildebrand, · rechte Kunde sagen,
Wie der Recke heiße, · der ihn hat erschlagen?“
Er sprach „Das that mit Kräften · der starke Gernot;
Von Rüdigers Händen · fand auch der König den Tod.“

Er sprach zu Hilbranden: · „So sagt den Meinen an,
Daß sie alsbald sich waffnen, · so geh ich selbst hinan.
Und befehlt, daß sie mir bringen · mein lichtes Streitgewand:
Ich selber will nun fragen · die Helden aus Burgundenland.“

Da sprach Meister Hildebrand: · „Wer soll mit euch gehn?
Die euch am Leben blieben, · die seht ihr vor euch stehn:
Das bin ich ganz alleine; · die Andern die sind todt.“
Da erschrak er dieser Märe, · es schuf ihm wahrhafte Noth,

Daß er auf Erden nimmer · noch solches Leid gewann.
Er sprach: „Und sind erstorben · all Die mir unterthan,
So hat mein Gott vergeßen, · ich, armer Dietrich!
Ich herrscht' ein mächtger König · einst hehr und gewaltiglich.“

Wieder sprach da Dietrich: · „Wie könnt es nur geschehn,
Daß sie all erstarben, · die Helden ausersehn,
Vor den Streitmüden, · die doch gelitten Noth?
Mein Unglück schufs alleine, · sonst verschonte sie der Tod!

„Wenn dann mein Unheil wollte, · es sollte sich begeben,
So sprecht, blieb von den Gästen · Einer noch am Leben?“
Da sprach Meister Hildebrand: · „Das weiß Gott, Niemand mehr
Als Hagen ganz alleine · und Gunther der König hehr.“

„O weh, lieber Wolfhart, · und hab ich dich verloren,
So mag mich bald gereuen, · daß ich je ward geboren.
Siegstab und Wolfwein · und auch Wolfbrand:
Wer soll mir denn helfen · in der Amelungen Land?

„Helferich der kühne, · und ist mir der erschlagen,
Gerbart und Wichard, · wann hör ich auf zu klagen?
Das ist aller Freuden · mir der letzte Tag.
O weh, daß vor Leide · Niemand doch ersterben mag!“

39. Neununddreißigstes Abenteuer.
Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden.

Da suchte sich Herr Dietrich · selber sein Gewand;
Ihm half, daß er sich waffnete, · der alte Hildebrand.
Da klagte so gewaltig · der kraftvolle Mann,
Daß von seiner Stimme · das Haus zu schüttern begann.

Dann gewann er aber wieder · rechten Heldenmuth.
Im Grimm ward gewaffnet · da der Degen gut.
Seinen Schild, den festen, · den nahm er an die Hand:
Sie giengen bald von dannen, · er und Meister Hildebrand.

Da sprach von Tronje Hagen: · „Dort seh ich zu uns gehn
Dietrich den Herren: · der will uns bestehn
Nach dem großen Leide, · das wir ihm angethan.
Nun soll man heute schauen, · wen man den Besten nennen kann.

„Und dünkt sich denn von Berne · der Degen Dieterich
Gar so starkes Leibes · und so fürchterlich.
Und will ers an uns rächen · was ihm ist geschehn,“
Also sprach da Hagen, · „ich bin wohl Mann ihn zu bestehn.“

Die Rede hörte Dietrich · mit Meister Hildebrand.
Er kam, wo er die Recken · beide stehen fand
Außen vor dem Hause, · gelehnt an den Saal.
Seinen Schild den guten, · den setzte Dietrich zu Thal.

In leidvollen Sorgen · sprach da Dietrich:
„Wie habt ihr so geworben, · Herr Gunther, wider mich,
Einen Heimathlosen? · Was that ich euch wohl je,
Daß alles meines Trostes · ich nun verwaiset mich seh?

„Ihr fandet nicht Genüge · an der großen Noth,
Als ihr uns Rüdigeren, · den Recken, schluget todt:
Ihr missgönntet sie mir alle, · Die mir unterthan.
Wohl hätt ich solchen Leides · euch Degen nimmer gethan.

„Gedenkt an euch selber · und an euer Leid,
Eurer Freunde Sterben · und all die Noth im Streit,
Ob es euch guten Degen · nicht beschwert den Muth.
O weh, wie so unsanft · mir der Tod Rüdigers thut!

„So leid geschah auf Erden · Niemanden je.
Ihr gedachtet wenig · an mein und euer Weh.
Was ich Freuden hatte, · das liegt von euch erschlagen:
Wohl kann ich meine Freunde · nimmer genug beklagen.“

„Wir sind wohl nicht so schuldig,“ · sprach Hagen entgegen.
„Zu diesem Hause kamen · alle eure Degen
Mit großem Fleiß gewaffnet · in einer breiten Schar.
Man hat euch wohl die Märe · nicht gesagt, wie sie war.“

„Was soll ich andere glauben? · mir sagt Hildebrand:
Euch baten meine Recken · vom Amelungenland,
Daß ihr ihnen Rüdigern · gäbet aus dem Haus:
Da botet ihr Gespötte nur · meinen Recken heraus.“

Da sprach der Vogt vom Rheine: · „Sie wollten Rüdgern tragen,
Sagten sie, von hinnen: · das ließ ich versagen
Etzeln zum Trotze, · nicht aber deinem Heer,
Bis darob zu schelten · Wolfhart begann, der Degen hehr.“

Da sprach der Held von Berne: · „Es sollte nun so sein.
Gunther, edler König, · bei aller Tugend dein
Ersetze mir das Herzeleid, · das mir von dir geschehn;
Versühn es, kühner Ritter, · so laß ichs ungerochen gehn.

„Ergieb dich mir zum Geisel · mit Hagen deinem Mann:
So will ich euch behüten, · so gut ich immer kann,
Daß euch bei den Heunen · hier Niemand Leides thut.
Ihr sollt an mir erfahren, · daß ich getreu bin und gut.“

„Das verhüte Gott vom Himmel,“ · sprach Hagen entgegen,
„Daß sich dir ergeben · sollten zwei Degen,
Die noch in voller Wehre · dir gegenüber stehn,
Das wär uns Unehre: · die Feigheit soll nicht geschehn.“

„Ihr solltets nicht verweigern,“ · sprach wieder Dietrich.
„Gunther und Hagen, · ihr habt so bitterlich
Beide mir bekümmert · das Herz und auch den Muth,
Wollt ihr mir das vergüten, · daß ihr es billiglich thut.

„Ich geb euch meine Treue, · und reich euch drauf die Hand,
Daß ich mit euch reite · heim in euer Land.
Ich geleit euch wohl nach Ehren, · ich stürbe denn den Tod,
Und will um euch vergeßen · all meiner schmerzhaften Noth.“

„Begehrt es nicht weiter,“ · sprach wieder Hagen:
„Wie ziemt es, wenn die Märe · wär von uns zu sagen,
Daß zwei so kühne Degen · sich ergäben eurer Hand?
Sieht man bei euch doch Niemand · als alleine Hildebrand.“

Da sprach Meister Hildebrand: · „Gott weiß, Herr Hagen,
Den Frieden, den Herr Dietrich · euch hat angetragen,
Es kommt noch an die Stunde · vielleicht in kurzer Frist,
Daß ihr ihn gerne nähmet, · und er nicht mehr zu haben ist.“

„Auch nähm ich eh den Frieden,“ · sprach Hagen entgegen,
„Eh ich mit Schimpf und Schande · so vor einem Degen
Flöhe, Meister Hildebrand, · als ihr hier habt gethan:
Ich wähnt auf meine Treue, · ihr stündet beßer euerm Mann.“

Da sprach Meister Hildebrand: · „Was verweiset ihr mir das?
Nun wer wars, der auf dem Schilde · vor dem Wasgensteine saß,
Als ihm von Spanien Walther · so viel der Freunde schlug?
Wohl habt ihr an euch selber · noch zu rügen genug.“

Da sprach der edle Dietrich: · „Wie ziemt solchen Degen
Sich mit Worten schelten · wie alte Weiber pflegen?
Ich verbiet es, Meister Hildebrand · sprecht hier nicht mehr.
Mich heimathlosen Recken · zwingt so große Beschwer.

„Laßt hören, Freund Hagen,“ · sprach da Dieterich,
„Was spracht ihr zusammen, · ihr Helden tugendlich,
Als ihr mich gewaffnet · sahet zu euch gehn?
Ihr sagtet, ihr alleine · wolltet mich im Streit bestehn.“

„Das wird euch Niemand läugnen,“ · sprach Hagen entgegen,
„Wohl will ichs hier versuchen · mit kräftigen Schlägen,
Es sei denn, mir zerbreche · das Nibelungenschwert:
Mich entrüstet, daß zu Geiseln · unser beider ward begehrt.“

Als Dietrich erhörte · Hagens grimmen Muth,
Den Schild behende zuckte · der schnelle Degen gut.
Wie rasch ihm von der Stiege · entgegen Hagen sprang!
Niblungs Schwert das gute · auf Dietrichen laut erklang.

Da wuste wohl Herr Dietrich, · daß der kühne Mann
Grimmen Muthes fechte; · zu schirmen sich begann
Der edle Vogt von Berne · vor ängstlichen Schlägen.
Wohl erkannt er Hagen, · er war ein auserwählter Degen.

Auch scheut' er Balmungen, · eine Waffe stark genug.
Nur unterweilen Dietrich · mit Kunst entgegenschlug
Bis daß er Hagen · im Streite doch bezwang.
Er schlug ihm eine Wunde · die gar tief war und lang.

Der edle Dietrich dachte: · „Dich schwächte lange Noth;
Mir brächt es wenig Ehre, · gäb ich dir den Tod.
So will ich nur versuchen, · ob ich dich zwingen kann,
Als Geisel mir zu folgen.“ · Das ward mit Sorgen gethan.

Den Schild ließ er fallen: · seine Stärke, die war groß;
Hagnen von Tronje · mit den Armen er umschloß.
So ward von ihm bezwungen · dieser kühne Mann.
Gunther der edle · darob zu trauern begann.

Hagnen band da Dietrich · und führt' ihn, wo er fand
Kriemhild die edle, · und gab in ihre Hand
Den allerkühnsten Recken, · der je Gewaffen trug.
Nach ihrem großen Leide · ward sie da fröhlich genug.

Da neigte sich dem Degen · vor Freuden Etzels Weib:
„Nun sei dir immer selig · das Herz und auch der Leib.
Du hast mich wol entschädigt · aller meiner Noth:
Ich will dirs immer danken, · es verwehr es denn der Tod.“

Da sprach der edle Dietrich: · „Nun laßt ihn am Leben,
Edle Königstochter: · es mag sich wohl begeben,
Daß euch sein Dienst vergütet · das Leid, das er euch that:
Er soll es nicht entgelten, · daß ihr ihn gebunden saht.“

Da ließ sie Hagnen führen · in ein Haftgemach,
Wo Niemand ihn erschaute · und er verschloßen lag.
Gunther der Edle · hub da zu rufen an:
„Wo blieb der Held von Berne? · Er hat mir Leides gethan.“

Da gieng ihm hin entgegen · von Bern Herr Dieterich.
Gunthers Kräfte waren · stark und ritterlich;
Da säumt' er sich nicht länger, · er rannte vor den Saal.
Von ihrer Beider Schwertern · erhob sich mächtiger Schall.

So großen Ruhm erstritten · Dietrich seit alter Zeit,
In seinem Zorne tobte · Gunther zu sehr im Streit:
Er war nach seinem Leide · von Herzen feind dem Mann.
Ein Wunder must es heißen, · daß da Herr Dietrich entrann.

Sie waren alle Beide · so stark und muthesvoll,
Daß von ihren Schlägen · Pallas und Thurm erscholl,
So hieben sie mit Schwertern · auf die Helme gut.
Da zeigte König Gunther · einen herrlichen Muth.

Doch zwang ihn Der von Berne, · wie Hagnen war geschehn.
Man mochte durch den Panzer · das Blut ihm fließen sehn
Von einem scharfen Schwerte: · das trug Herr Dieterich
Doch hatte sich Herr Gunther · gewehrt, der müde, ritterlich.

Der König ward gebunden · von Dietrichens Hand,
Wie nimmer Könige sollten · leiden solch ein Band.
Er dachte, ließ' er ledig · Gunthern und seinen Mann,
Wem sie begegnen möchten, · die müsten all den Tod empfahn.

Dietrich von Berne · nahm ihn bei der Hand,
Er führt' ihn hin gebunden, · wo er Kriemhilden fand.
Ihr war mit seinem Leide · des Kummers viel benommen.
Sie sprach: „König Gunther, · nun seid mir höchlich willkommen.“

Er sprach: „Ich müst euch danken, · viel edle Schwester mein,
Wenn euer Gruß in Gnaden · geschehen könnte sein.
Ich weiß euch aber, Königin, · so zornig von Muth,
Daß ihr mir und Hagen · solchen Gruß im Spotte thut.“

Da sprach der Held von Berne: · „Königstochter hehr,
So gute Helden sah, man · als Geisel nimmermehr
Als ich, edle Königin, · bracht in eure Hut.
Nun komme meine Freundschaft · den Heimathlosen zu Gut.“

Sie sprach, sie thät es gerne. · Da gieng Herr Dieterich
Mit weinenden Augen · von den Helden tugendlich.
Da rächte sich entsetzlich · König Etzels Weib:
Den auserwählten Recken · nahm sie Leben und Leib.

Sie ließ sie gesondert · in Gefängniss legen,
Daß sich nie im Leben · wiedersahn die Degen,
Bis sie ihres Bruders Haupt · hin vor Hagen trug.
Kriemhildens Rache · ward an Beiden grimm genug.

Hin gieng die Königstochter, · wo sie Hagen sah;
Wie feindselig sprach sie · zu dem Recken da:
„Wollt ihr mir wiedergeben, · was ihr mir habt genommen,
So mögt ihr wohl noch lebend · heim zu den Burgunden kommen.“

Da sprach der grimme Hagen: · „Die Red ist gar verloren,
Viel edle Königstochter. · Den Eid hab ich geschworen,
Daß ich den Hort nicht zeige: · so lange noch am Leben
Blieb Einer meiner Herren, · so wird er Niemand gegeben.“

„Ich bring es zu Ende,“ · sprach das edle Weib.
Dem Bruder nehmen ließ sie · Leben da und Leib.
Man schlug das Haupt ihm nieder: · bei den Haaren sie es trug
Vor den Held von Tronje: · da gewann er Leids genug.

Als der Unmuthvolle · seines Herren Haupt ersah,
Wider Kriemhilden · sprach der Recke da:
„Du hasts nach deinem Willen · zu Ende nun gebracht;
Es ist auch so ergangen, · wie ich mir hatte gedacht.

„Nun ist von Burgunden · der edle König todt,
Geiselher der junge · dazu Herr Gernot.
Den Hort weiß nun Niemand · als Gott und ich allein:
Der soll dir Teufelsweibe · immer wohl verhohlen sein.“

Sie sprach: „So habt ihr üble · Vergeltung mir gewährt;
So will ich doch behalten · Siegfriedens Schwert.
Das trug mein holder Friedel, · als ich zuletzt ihn sah,
An dem mir Herzensjammer · vor allem Leide geschah.“

Sie zog es aus der Scheide, · er konnt es nicht wehren.
Da dachte sie dem Recken · das Leben zu versehren.
Sie schwang es mit den Händen, · das Haupt schlug sie ihm ab.
Das sah der König Etzel, · dem es großen Kummer gab.

„Weh!“ rief der König, · „wie ist hier gefällt
Von eines Weibes Händen · der allerbeste Held,
Der je im Kampf gefochten · und seinen Schildrand trug!
So feind ich ihm gewesen bin, · mir ist leid um ihn genug.“

Da sprach Meister Hildebrand: · „Es kommt ihr nicht zu gut,
Daß sie ihn schlagen durfte; · was man halt mir thut,
Ob er mich selber brachte · in Angst und große Noth,
Jedennoch will ich rächen · dieses kühnen Tronjers Tod.“

Hildebrand im Zorne · zu Kriemhilden sprang:
Er schlug der Königstochter · einen Schwertesschwang.
Wohl schmerzten solche Dienste · von dem Degen sie;
Was könnt es aber helfen, · daß sie so ängstlich schrie?

Die da sterben sollen, · die lagen all umher:
Zu Stücken lag verhauen · die Königin hehr.
Dietrich und Etzel · huben zu weinen an
Und jämmerlich zu klagen · manchen Freund und Unterthan.

Da war der Helden Herrlichkeit · hingelegt im Tod:
Die Leute hatten alle · Jammer und Noth.
Mit Leide war beendet · des Königs Lustbarkeit,
Wie immer Leid die Freude · am lezten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden, · was seither geschah,
Als daß man immer weinen · Christen und Heiden sah,
Die Ritter und die Frauen · und manche schöne Maid:
Sie hatten um die Freunde · das allergrößeste Leid.

Ich sag euch nun nicht weiter · von der großen Noth:
Die da erschlagen waren, · die laßt liegen todt.
Wie es im Heunenlande · dem Volk hernach gerieth,
Hie hat die Mär ein Ende: · das ist das Nibelungenlied.