Der Nibelunge liet Vollständig, mit Benutzung mehrerer Handschriften zusammengestellt von Karl Simrock, nachbearbeitet. https://archive.org/details/dernibelungelie00unkngoog http://www.blb-karlsruhe.de/blb/blbhtml/nib/uebersicht.html 1. Âventiure // von den Nibelungen. Uns ist in alten mæren · wunders vil geseit // von helden lobebæren, · von grôßer kuonheit, // von vreude und hôhgezîten, · von weinen und von klagen, // von küener recken strîten · muget ir nu wunder hœren sagen. // Es wuohs in Burgunden · ein edel magedîn, // daß in allen landen · niht schœners mohte sîn; // Kriemhilt was si geheißen, · si wart ein schœne wîp. // dar umbe muosen degene · vil verliesèn den lîp. // Der minneclîchen meide · triuten wol gezam; // ir muoten küene recken; · niemen was ir gram. // âne mâßen schœne · sô was ir edel lîp. // der juncvrouwen tugende · zierten anderiu wîp. // Ir phlâgen drî künege · edel unde rîch, // Gunther unde Gêrnôt, · die recken lobelîch, // und Gîselhêr der junge, · ein ûßerwelter degen. // diu vrouwe was ir swester, · die vürsten hetens in ir phlegen. // Die hêrren wâren milte, · von arte hôch geborn, // mit krefte unmâßen küene, · die recken ûß erkorn. // dâ zen Burgunden · sô was ir lant genant; // si vrumten starkiu wunder · sît in Etzelen lant. // Ze Wormße bî dem Rîne · si wonden mit ir kraft; // in diende von ir landen · vil stolziu rîterschaft // mit lobelîchen êren · unz an ir endes zît. // sît sturbens jâmerlîche · von zweier edelen vrouwen nît. // Ein rîchiu küneginne · vrou Uote ir muoter hieß: // ir vater hieß Dancrât, · der in diu erbe ließ // sît nâch sînem lebene, · ein ellens rîcher man, // der ouch in sîner jugende · grôßer êren vil gewan. // Die drî künege wâren, · als ich gesaget hân, // von vil hôhem ellen; · in wâren undertân // ouch die besten recken, · von den man hât gesaget, // stark und vil küene, · in allen strîten unverzaget. // Daß was von Troneje Hagene · und ouch der bruoder sîn, // Dancwart der snelle, · von Metzen Ortwîn, // die zwêne marcgrâven · Gêre und Eckewart, // Volkêr von Alzeije, · mit ganzen ellen wol bewart, // Rûmolt der kuchenmeister, · ein tiuwerlîcher degen, // Sindolt und Hûnolt: · die hêrren muosen phlegen // des hoves und der êren, · der drîer künege man; // si heten noch manegen recken, · der ich genennen niht enkan. // Dancwart der was marschalc; · dô was der neve sîn // trúhs̀æße des küneges, · von Metzen Ortwîn; // Sindolt der was schenke, · ein wætlîcher degen; // Hûnolt was kamerære: · si kunden hôher êren phlegen. // Von des hoves koste · und von ir wîten kraft, // von ir vil hôhen werdekeit · und von ir rîterschaft, // der die hêrren phlâgen · mit vreuden al ir leben, // des enkunde iu ze wâre · niemen gar ein ende geben. // In ir hôhen êren · troumde Kríemhildè, // wie si züge einen valken · stárc schœn und wíldè, // den ir zwên arn erkrummen, · daß si daß muose sehen. // ir enkunde in dirre werlde · leider nimmer geschehen. // Den troum si dô sagete · ir muoter Úotèn; // sine kunde in niht bescheiden · baß der gúotèn: // „der valke, den du ziuhest, · daß ist ein edel man: // in welle Got behüeten, · du muost in schiere vloren hân.“ // „Waß saget ir mir von manne, · vil liebiu muoter mîn? // âne recken minne · sô wil ich immer sîn. // sus schœn ich wil belîben · unz an mînen tôt, // daß ich von recken minne · sol gewinnen nimmer nôt.“ // „Nu versprich eß niht ze sêre“, · sprach ir muoter dô, // „soltu immer herzenlîche · zer werlde werden vrô, // daß geschiht von mannes minne: · du wirst ein schœne wîp, // ob Got dir noch gevüeget · eins rehte guoten rîters lîp“. // „Die rede lât belîben, · vil liebiu muoter mîn: // eß ist an manegen wîben · vil dicke worden schîn, // wie liebe mit leide · zu jungest lônen kan: // ich sol si mîden beide, · son kan mir nimmer missegân“. // Kriemhilt in ir muote · sich minne gar bewac. // sît lebete diu vil guote · vil manegen lieben tac, // daß si wesse niemen, · den minnen wolde ir lîp. // sît wart si mit êren · eins vil werden recken wîp. // Der was der selbe valke, · den si in ir troume sach, // den ir beschiet ir muoter. · wie sêre si daß rach // an ir næhsten mâgen, · die in sluogen sint! // durch sîn eines sterben · starp vil maneger muoter kint. // 2. Âventiure // von Sîvride. Dô wuohs in Niderlanden · eins rîchen küneges kint, // des vater hieß Sigemunt, · sîn muoter Sigelint, // in einer bürge rîche, · wîten wol bekant, // niden bî dem Rîne, · diu was ze Santen genant. // Ich sage iu von dem degene, · wie schœnè der wart. // sîn lîp vor allen schanden · was vil wol bewart. // stark unde mære · wart sît der küene man. // hei, waß er grôßer êren · ze diser werlde gewan! // Sîvrit was geheißen · der snelle degen guot. // er versuohte vil der recken · durch ellenthaften muot. // durch sînes lîbes sterke · reit er in menegiu lant. // hei, waß er sneller degene · sît zen Burgunden vant! // Ê daß der degen küene · vol gewuohs ze man, // dô hete er solhiu wunder · mit sîner hant getân, // dâ von man immer mêre · mac singen unde sagen, // des wir in disen stunden · müeßen vil von im gedagen. // In sînen besten zîten, · bî sînen jungen tagen, // man mohte michel wunder · von Sîvride sagen, // waß êren an im wüehse · und wie schœne was sîn lîp; // des heten in ze minne · diu vil wætlîchen wîp. // Man zôch in mit dem vlîße, · als im daß wol gezam: // von sîn selbes muote · waß tugende er an sich nam! // des wurden sît gezieret · sînes vater lant, // daß man in ze allen dingen · sô rehte hêrlîchen vant. // Er was nu sô gewahsen, · daß er ze hove reit. // die liute in gerne sâhen: · manec vrouwe und manec meit // im wunschten, daß sîn wille · in immer trüege dar. // holt wâren im genuoge: · des wart der hêrre wol gewar. // Vil selten âne huote · man rîten lie daß kint. // in hieß mit kleidern zieren · Sigmunt und Sigelint. // sîn phlâgen ouch die wîsen, · den êre was bekant: // des mohte er wol gewinnen · beidiu liute unde lant. // Nu was er in der sterke, · daß er wol wâfen truoc: // swes er dar zuo bedorfte, · des lag an im genuoc. // dô begunde er sinnen · werben schœniu wîp: // die trûten wol mit êren · den sînen wætlîchen lîp. // Dô hieß sîn vater Sigemunt · künden sînen man, // er wolde hôhgezîte · mit lieben vriunden hân. // diu mære man dô vuorte · in ander künege lant. // den vremden und den kunden · gab er ros unt gewant. // Swâ man vant deheinen, · der rîter solde sîn // von arte der sînen mâge, · diu edelen kindelîn // ladet man zuo dem lande · durch die hôhgezît: // mit dem jungen künege · swert genâmen si sît. // Von der hôhzîte · man wunder möhte sagen. // Sigmunt unde Sigelint · die mohten wol bejagen // mit guote michel êre: · des teilte vil ir hant. // des sach man vil der vremden · zuo in rîten in daß lant. // Vier hundert swertdegene · die solten tragen kleit // mit dem jungen künege; · vil manec schœniu meit // von werke was unmüeßec, · wan si im wâren holt. // vil der edelen steine · die vrouwen leiten in daß golt, // Die si mit borten wolden · wurken ûf ir wât // den jungen stolzen recken; · des enwas niht rât. // der wirt der hieß dô sidelen · vil manegem küenen man // zeinen sunewenden, · dâ Sîvrit rîters namen gewan. // Dô gie zeime münster · vil manec rîcher kneht // und vil der edelen rîter; · die wîsen heten reht, // daß si den tumben dienden, · als in was ê getân. // si heten kurzwîle · und ouch vil maneger vreuden wân. // Gote man dô zen êren · eine messe sanc. // dô huop sich von den liuten · vil michel gedranc, // dô si ze rîter wurden · nâch rîterlîcher ê // mit alsô grôßen êren, · daß wætlîch nimmer mêre ergê. // Si liefen, dâ si vunden · gesatelt manec marc. // in hove Sigmundes · der buhurt wart sô starc, // daß man erdießen hôrte · palas unde sal: // die hôch gemuoten degene · heten vrœlîchen schal. // Von wîsen und von tumben · man hôrte manegen stôß, // daß der schefte brechen · gein dem lufte dôß. // trunzûne sach man vliegen · vür den palas dan. // dâ sâhen kurzwîle · beide wîp und ouch die man. // Der wirt bat eß lâßen: · dâ zôch man dan diu marc. // man sach ouch dâ zebrochen · vil manege buckel starc // und vil der edelen steine · gevellet ûf daß gras // abe liehten schildes spangen; · von hurte daß geschehen was. // Dô giengen swirtes geste, · dâ man in sitzen riet. // vil der edelen spîse · si von ir müede schiet // und wîn der aller beste, · des man in vil getruoc. // den vremden und den kunden · bôt man êren dâ genuoc. // Swie vil si kurzwîle · phlâgen al den tac, // vil der varnden diete · ruowe sich bewac: // si dienden nâch der gâbe, · die man dâ rîche vant. // des wart mit lobe gezieret · alleß Sigmundes lant. // Der hêrre hieß dô lîhen · Sîvrit den jungen man // lant unde bürge, · als er hete ê getân. // sînen swertgenôßen · den gap dô vil sîn hant: // dô liebete in diu reise, · daß si kômen in daß lant. // Diu hôhgezît werte · unz an den sibenden tac. // Siglint diu rîche · nâch alten siten phlac // durch ir sunes liebe · teilen rôteß golt. // si kunde eß wol gedienen, · daß im die liute wâren holt. // Vil lützel der varenden · man dâ armen vant. // ros unde kleider · daß stoub in von der hant // sam si ze lebene hêten · niht mêr wan einen tac. // ich wæn nie ingesinde · grœßer milte gephlac. // Mit lobelîchen êren · schiet sich diu hôhzît. // von den rîchen hêrren · hôrte man wol sît, // daß si den jungen wolden · zeime hêrren hân: // des gerte niht Sîvrit, · der vil wætlîche man. // Sît daß noch beide lebten, · Sigmunt und Sigelint, // niht wolde tragen krône · ir beider liebeß kint; // doch wolde er wesen hêrre · vür allen den gewalt, // des in den landen vorhte · der degen küene unde balt. // In dorfte niemen schelten: · sît dô er wâfen nam, // jâ geruowete vil selten · der recke lobesam // suohte niuwan strîten; · sîn ellenthaftiu hant // tet in zallen zîten · in vremden rîchen wol bekant. // 3. Âventiure // wie Sîvrit ze Wormße kom. Den hêrren muoten selten · deheiniu herzeleit. // er hôrte sagen mære, · wie ein schœniu meit // wær in Burgunden, · ze wunsche wolgetân, // von der er sît vil vreuden · und ouch arbeit gewan. // Diu ir unmâßen schœne · was vil wîten kunt, // und ir hôhgemüete · zuo der selben stunt // an der juncvrouwen · sô manec helt ervant: // eß ladete vil der geste · in daß Guntheres lant. // Swaß man nâch ir minne · der werbenden sach, // Kriemhilt in ir sinne · ir selber nie verjach, // daß si deheinen wolde · ze triutenne hân. // er was ir noch vil vremde, · dem si wart sider undertân. // Dô dâhte ûf hôhe minne · daß Siglinde kint. // Eß was ir aller werben · wider in ein wint. // er mohte wol verdienen · schœner vrouwen lîp. // Sît wart diu edel Kriemhilt · des küenen Sîvrides wîp. // Im rieten sîne mâge · und ander sîne man, // sît er ûf stæte minne · tragen wolde wân, // daß er dan eine wurbe, · diu im möhte zemen. // Dô sprach der edel Sîvrit: · „sô wil ich Kriemhilden nemen, // „Die edeln juncvrouwen · von Burgunden lant, // durch ir vil grôßen schœne; · daß ist mir wol bekant, // nie keiser wart sô rîche, · der wolde haben wîp, // im zæme wol ze minne · der rîchen küneginne lîp.“ // Disiu selben mære · gehôrte Sigmunt. // eß reiten sîne liute: · dâ von wart im kunt // der wille sînes kindes · was im harte leit, // daß er werben wolde · die vil hêrlîchen meit. // Eß gevriesch ouch Sigelint, · des edelen küneges wîp. // si hete grôße sorge · umb ir kindes lîp, // wan si wol erkande · Gunthern und sîne man. // den gewerp man dem degene · sêre leiden began. // Dô sprach der küene Sîvrit: · „vil lieber vater mîn, // ân edeler vrouwen minne · wolde ich immer sîn, // ich enwurbe dar mîn herze · vil grôße liebe hât.“ // swaß iemen reden kunde, · des was deheiner slahte rât. // „Und wiltu niht erwinden,“ · sprach der künic dô, // „sô bin ich dînes willen · wærlîchen vrô // und wil dirß helfen enden, · so ich aller beste kan: // doch hât der künic Gunther · vil manegen hôhverten man. // „Ob eß anders nieman wære · wan Hagene der degen, // der kan mit übermüete · wol hôhverte pflegen, // daß ich des sêre vürhte, · eß müge uns werden leit, // ob wir werben wellen · die vil hêrlîchen meit.“ // „Waß mag uns daß gewerren?“ · sprach dô Sîvrit, // „swaß ich vriuntlîche · niht ab in erbit, // daß mac sus erwerben · mit ellen dâ mîn hant. // ich trouwe an im ertwingen · beidiu liute unde lant.“ // Dô sprach der vürste Sigemunt: · „dîn rede ist mir leit. // wan wurden disiu mære · ze Rîne geseit, // dune dörftest nimmer rîten · in Guntheres lant. // Gunther unde Gêrnôt · die sint mir lange bekant. // „Mit gewalte niemen · erwerben mac die maget,“ // sô sprach der künic Sigmunt, · „daß ist mir wol gesaget; // wil aber du mit recken · rîten in daß lant, // ob wir iht haben vriunde, · die werdent schiere besant.“ // „Des enist mir niht ze muote,“ · sprach aber Sîvrit, // „daß mir süln ze Rîne · recken volgen mit // durch deheine hervart, · daß wære mir vil leit, // dâ mit ich solde ertwingen · die vil hêrlîchen meit. // „Si mac wol sus erwerben · dâ mîn eines hant. // ich wil selbe zwelfter · in Guntheres lant. // dar sult ir mir helfen, · vater Sigmunt.“ // dô gab man sînen degenen · ze kleidern grâ unde bunt. // Do vernam ouch disiu mære · sîn muoter Siglint. // si begunde trûren · umbe ir liebeß kint: // daß vorhte si verliesen · von Guntheres man. // diu edel küneginne · vil sêre weinen began. // Sîvrit der hêrre · gie, dâ er si sach; // wider sîne muoter · er güetlîchen sprach: // „vrouwe, ir sult niht weinen · durch den willen mîn: // jâ wil ich âne sorge · vor allen wîganden sîn. // „Nu helfet mir der reise · in Burgunden lant, // daß ich und mîne recken · haben sölch gewant, // daß also stolze degene · mit êren mügen tragen. // des wil ich iu genâde · mit triuwen wærlîchen sagen.“ // „Sît du niht wil erwinden,“ · sprach vrou Siglint, // „sô hilfe ich dir der reise, · mîn einigeß kint, // mit der besten wæte, · die rîter ie getruoc, // dir und den dînen degenen: · ir sult ir vüeren genuoc.“ // Dô neic der küneginne · Sîvrit der junge man. // Er sprach: „ich wil zer verte · niemen mêre hân // niuwan zwelef recken: · den sol man brüeven wât. // ich wil daß sehen gerne, · wieß umbe Kriemhilde stât.“ // Dô sâßen schœne vrouwen · naht unde tac, // daß lützel ir deheiniu · ruowe gephlac, // unze man geworhte · die Sîvrides wât. // er wolde sîner reise · haben deheiner slahte rât. // Sîn vater hieß im zieren · sîn rîterlîch gewant, // dâ mite er wolde rûmen · daß Sigmundes lant. // die ir vil liehten brüneje · die wurden ouch bereit // und ir veste helmen, · ir schilde schœne unde breit. // Dô nâhte in ir reise · ze den Burgunden dan. // umb si begunde sorgen · wîb unde man, // ob si immer komen solden · heim wider in ir lant. // die helde in hießen soumen · beide wâfen und gewant. // Ir ros diu wâren schœne, · ir gereite goldes rôt. // lebt iemen übermüeter, · des enwas niht nôt, // danne wære Sîvrit · und die sîne man. // urloubes er dô gerte · zuo den Burgunden dan. // In werte trûreclîche · der künic und sîn wîp. // er trôste minneclîche · dô ir beider lîp. // er sprach: „ir sult niht weinen · durch den willen mîn: // immer âne sorge · sult ir mînes lîbes sîn.“ // Eß was leit den recken; · eß weinte ouch manec meit. // ich wæne, in hete ir herze · rehte daß geseit, // daß in sô vil der vriunde · dâ von gelæge tôt. // von schulden si dô klageten: · des gie in wærlîchen nôt. // An dem sibenden morgen · ze Wormeß ûf den sant // riten die vil küenen; · alleß ir gewant // was von rôtem golde, · ir gereite wolgetân; // ir ros in giengen ebene, · des küenen Sîvrides man. // Ir schilde wâren niuwe, · lieht unde breit, // und vil schœne ir helmen, · dô ze hove reit // Sîvrit der vil küene · in Guntheres lant. // man gesach an helden · nie sô hêrlîch gewant. // Diu ort der swerte giengen · nider ûf die sporn: // eß vuorten scharphe gêren · die rîter ûz erkorn. // Sîvrit der vuorte ir einen · wol zweier spannen breit, // der ze sînen ecken · vil harte vreislîchen sneit. // Die goltvarwen zoume · vuortens an der hant, // sîdîniu vürbüege: · sus kômens in daß lant. // daß volc si allenthalben · kaphen an began: // dô liefen in enkegene · vil der Guntheres man. // Die hôch gemuoten recken, · rîter unde kneht, // die giengen zuo den hêrren, · daß was michel reht, // und enphiegen die geste · in ir hêrren lant; // si nâmen in die mœre · mit den schilden von der hant. // Diu ros si wolten dannen · ziehen an gemach: // Sîvrit der vil küene · wie snelle er dô sprach: // „Lât uns noch die mœre · eine wîle stân: // wir wellen schiere hinnen; · des ich guoten willen hân. // „Man sol ouch unser schilde · ninder von uns tragen; // wâ ich den künic vinde, · kan mir daß iemen sagen, // Gunthern den rîchen · ûß Burgunden lant? // dô sagete eß im einer, · dem eß rehte was bekant. // „Welt ir den künic vinden, · daß mac vil wol geschehen; // in jenem sale wîten · hân ich in gesehen // bî den sînen helden: · dâ sult ir hine gân: // dâ muget ir bî im vinden · manegen hêrlîchen man.“ // Dô wâren ouch diu mære · dem künege geseit, // ûf sînem hove wæren · rîter vil gemeit: // die vuorten liehte brünne · und hêrlîch gewant; // si derkande nieman · in der Burgunden lant. // Den künic nam des wunder, · von wannen kœmen dar // die hêrlîchen recken · in wæte lieht gevar // und mit sô guoten schilden · niuwe unde breit. // daß im daß nieman sagete, · daß was Gunthere leit. // Des antwurte dem künege · von Metzen Ortwîn; // starc unde küene · mohte er vil wol sîn. // „sît wir ir niht erkennen, · sô sult ir heißen gân // nâch mînem œheim Hagenen: · den sult ir si sehen lân. // „Dem sint kunt diu rîche · und elliu vremdiu lant. // sîn im die hêrren künde, · daß tuot er uns bekant.“ // der künic bat in bringen · und die sîne man: // man sach in hêrlîche · mit recken hin ze hove gân. // Waß sîn der künic wolde, · des vrâgte Hagene. // „eß sint in mîme hûse · unkunde degene, // die niemen hie bekennet: · ob ir si ê gesehen // habt in vremden landen, · des sult ir, Hagene, mir verjehen.“ // „Daß tuon ich,“ sprach Hagene: · zeim venster er dô gie, // sîn ougen er dâ wenken · zuo den gesten lie. // wol behagete im ir geverte · und ouch ir gewant: // si wâren im vil vremde · in der Burgunden lant. // Er sprach, von swannen kœmen · die recken an den Rîn, // eß möhten selbe vürsten · oder vürsten boten sîn. // „ir ros diu sint schœne, · ir kleider harte guot; // swannen si joch rîten, · si sint vil hôhe gemuot.“ // Alsô sprach dô Hagene: · „als ich mich kan verstân, // swie ich Sîvriden · noch nie gesehen hân, // sô wil ich wol gelouben, · swie eß dar umbe stât, // daß eß sî der recke, · der dort sô hêrlîchen gât. // „Er bringet niuwiu mære · her in ditze lant. // die küenen Niblunge · sluoc des heldes hant, // Schilbunc und Niblungen, · des rîchen küneges kint. // er vrumte starkiu wunder · mit sîner grôßen krefte sint. // „Dô der helt aleine · ân alle helfe reit, // er vant vor einem berge, · als mir ist geseit, // bî Niblunges horde · vil manegen küenen man: // die wârn im ê vil vremde, · unz er ir künde dâ gewan. // „Hort der Niblunges · der was gar getragen // ûß eime holn berge. · nu hœret wunder sagen, // wie in wolden teilen · der Niblunge man. // daß sach der degen Sîvrit: · den helt es wundern began. // „Er kom zuozin sô nâhen, · daß er die helde sach // und ouch in die degene. · ir einer drunder sprach: // „hie kumet der starke Sîvrit, · der helt von Niderlant.“ // vil seltsæniu mære · er an den Niblungen vant. // „Den recken wol enphiengen · Schilbunc und Nibelunc. // mit gemeinem râte · die edelen vürsten junc // den schaz in bâten teilen · den wætlîchen man // und gerten des mit vlîße, · unz erß in loben dô began. // „Er sach sô vil gesteines, · sô wir hœren sagen, // hundert kanzwagene · eß heten niht getragen; // noch mê des rôten goldes · von Niblunge lant; // daß solt in alleß teilen · des küenen Sîvrides hant. // „Dô gâben si im ze miete · daß Niblunges swert. // si wâren mit dem dienste · vil übele gewert, // den in dâ leisten solde · Sîvrit der helt guot: // ern kunde eß niht verenden: · si wâren zornec gemuot. // „Den schaz er ungeteilet · belîben muose lân. // do begunden mit ihm strîten · der zweier künege man: // mit ir vater swerte, · daß Balmunc was genant, // erstreit ab in der küene · den hort und Nibelunge lant. // Si heten dâ ir vriunde · zwelf küener man, // daß starke risen wâren: · waß kundeß si vervân? // die sluoc sît mit zorne · diu Sîvrides hant, // und recken siben hundert · twang er von Nibelunge lant // „Mit dem guoten swerte, · daß hieß Balmunc. // durch die starken vorhte · vil manec recke junc, // die si ze dem swerte hêten · und an den küenen man, // daß lant zuo den bürgen · si im tâten undertân; // „Dar zuo die rîchen künege · die sluog er beide tôt. // er kom von Albrîche · sît in grôße nôt. // der wânde sîne hêrren · rechen dâ zehant, // unz er die grôßen sterke · sît an Sîvride vant. // „Done kunde im niht gestrîten · daß starke getwerc. // alsam die leuwen wilde · si liefen an den berc, // dâ er die tarnkappe · sît Albrîche an gewan. // dô was des hordes hêrre · Sîvrit der vreislîche man. // „Die dâ torsten vehten, · die lâgen alle erslagen. // den schaz den hieß er balde · vüeren unde tragen, // dâ in dâ vor nâmen · die Niblunges man. // Albrîch der vil starke · dô die kameren gewan. // „Er muos im sweren eide, · er diende im sô sîn kneht: // aller hande dinge · was er im gereht.“ // sô sprach von Tronje Hagene: · „daß hât er getân; // alsô grôßer krefte · nie mêr recke gewan. // Noch weiß ich an im mêre, · daß mir ist bekant: // einen lintrachen · sluoc des heldes hant; // er badete in dem bluote: · sîn hût wart hurnîn. // des snîdet in kein wâfen: · daß ist dicke worden schîn. // „Wir suln den jungen hêrren · enphâhen dester baß, // daß wir iht verdienen · des snellen recken haß. // sîn lîp der ist sô küene, · man sol in holden hân; // er hât mit sîner krefte · sô manegiu wunder getân.“ // Dô sprach der künic rîche: · „du maht wol haben wâr: // nu sich, wie degenlîche · er stêt gein strîtes vâr, // er und die sînen degene, · der vil küene man. // wir suln im engegene · hin nider zuo dem recken gân.“ // „Daß mugt ir,“ sprach dô Hagene, · „wol mit êren tuon. // er ist von edelem künne, · eins rîchen küneges sun. // er stêt in der gebære, · mich dunket, wißße Krist, // eß ensîn niht kleiniu mære, · dar umber her geriten ist.“ // Dô sprach der künec des landes: · „nu sî uns willekomen. // er ist edel und küene: · daß hân ich wol vernomen. // des sol ouch er genießen · in Burgunden lant.“ // dô gie der hêrre Gunther, · dâ er Sîvriden vant. // Der wirt und sîne recken · enphiengen sô den gast, // daß in an ir zühten · vil lützel iht gebrast. // des begunde in nîgen · der wætlîche man. // man sach in zühteclîche · mit den sînen recken stân. // „Mich wundert dirre mære,“ · sprach der wirt zehant, // „von wanne ir, edel Sîvrit, · sît komen in ditze lant, // oder waß ir wellet werben · ze Wormeß an den Rîn.“ // dô sprach der gast ze dem künege: · „daß sol iuch unverdaget sîn. // „Mir wart gesaget mære · in mînes vater lant, // daß hie bî iu wæren, · daß hete ich gerne erkant, // die küenesten recken, · des hân ich vil vernomen, // die ie künec gewünne: · dar umbe bin ich her bekomen. // „Ouch hœre ich iu selben · der degenheite jehen, // daß man künec deheinen · küener hab gesehen. // des redent vil die liute · über elliu disiu lant: // nune wil ich niht erwinden, · unz eß mir werde bekant. // „Ich bin ouch ein recke · und solde krône tragen. // ich wil daß gerne vüegen, · daß si von mir sagen, // daß ich habe von rehte · liute unde lant; // dar umbe sol mîn êre · und ouch mîn houbet wesen phant. // „Nu ir sît sô küene, · als mir ist geseit, // nune ruoche ich, ist eß ieman · lieb oder leit: // ich wil an iu ertwingen, · swaß ir muget hân, // lant unde bürge, · daß sol mir werden undertân.“ // Den künic hete wunder · und sîne man alsam // umbe solhiu mære, · als er hie vernam, // daß er des hete willen, · er næme im sîniu lant. // daß hôrten sîne degene: · dô wart in zürnen bekant. // „Wie hete ich daß verdienet,“ · sprach Gunther der degen, // „des mîn vater lange · mit êren hât gephlegen, // daß wir daß solden vliesen · von iemannes kraft? // wir ließen übele schînen, · daß wir ouch phlegen rîterschaft.“ // „Ich enwil es niht erwinden,“ · sprach der küene man. // „eß enmüge von dînen ellen · dîn lant den vride hân, // ich wil es alles walten; · und ouch diu erbe mîn, // erwirbest dus mit sterke, · diu suln dir undertænec sîn. // „Dîn erbe und ouch daß mîne · suln gelîche ligen: // sweder unser einer · ame anderen mac gesigen, // dem soll eß alleß dienen, · die liute und ouch diu lant.“ // daß widerredet Hagne dâ · unde Gêrnôt zehant. // „Wir hân des niht gedingen,“ · sprach dô Gêrnôt, // „daß wir iht lande ertwingen, · daß iemen drumbe tôt // gelige vor heldes handen. · wir haben rîchiu lant: // diu dienent uns ze rehte, · ze niemen sint si baß bewant.“ // Mit grimmegem muote · dâ stuonden vriunde sîn. // dô was ouch dar under · von Metzen Ortwîn: // der sprach: „disiu suone · ist mir harte leit; // iu hât der starke Sîvrit · unverdienet widerseit. // „Ob ir und iuwer bruoder · hetet niht die wer, // und ob er danne hête · ein ganzeß küneges her, // ich trûte wol erstrîten, · daß der küene man // dise starke übermüete · von wâren schulden müese lân.“ // Daß zurnde harte sêre · der helt von Niderlant: // er sprach: „sich sol vermeßßen · niht wider mich dîn hant: // ich bin ein künic rîche, · sô bistu küneges man: // jan dorften mich dîn zweleve · mit strîte nimmer bestân.“ // Nâch swerten rief dô sêre · von Metzen Ortwîn: // er mohte Hagnen swestersun · von Tronje vil wol sîn. // daß der sô lange dagete, · daß was dem künege leit. // dô understuont eß Gêrnôt, · ein rîter küene und gemeit. // Er sprach zuo Ortwîne: · „lât iuwer zürnen stân. // uns hât der hêrre Sîvrit · solhes niht getân. // wir mügenß noch wol scheiden · mit zühten, dêst mîn rât, // und haben in ze vriunde; · daß uns noch lobelîcher stât.“ // Dô sprach der starke Hagene: · „uns mac wol wesen leit, // allen iuwern degenen, · daß er ie gereit // durch strîten her ze Rîne. · er soldeß haben lân: // im heten mîne hêrren · solher leide niht getân.“ // Dô sprach aber Sîvrit, · der kreftige man: // „müet iuch daß, hêr Hagene, · daß ich gesprochen hân, // sô sol ich lâßen kiesen, · daß die hende mîn // wellent vil gewaltec · hie zen Burgunden sîn.“ // „Daß sol ich eine wenden,“ · sprach dô Gêrnôt. // allen sînen degenen · reden er verbôt // iht mit übermüete, · des im wære leit. // dô gedâhte ouch Sîvrit · an die vil hêrlîchen meit. // „Wie zæme uns mit iu strîten?“ · sprach aber Gêrnôt. // „swaß helde nu dar under · müesen ligen tôt, // wir hetens lützel êren · und ir vil kleinen vrun.“ // des antwurte im dô Sîvrit, · des küneges Sigmundes sun: // „War umbe bîtet Hagene · und ouch Ortwîn, // daß er niht gâhet strîten · mit den vriunden sîn, // der er hie sô manegen · ze den Burgunden hât?“ // si muosen rede vermîden: · daß was Gêrnôtes rât. // „Ir sult uns wesen willekomen“, · sô sprach daß Uoten kint, // „und iuwer hergesellen, · die hie mit iu sint. // wir suln iu gerne dienen, · ich und die mâge mîn.“ // dô hieß man den gesten · schenken Guntheres wîn. // Dô sprach der wirt des landes: · „alleß, daß wir hân, // geruochet irs nâch êren, · daß sî iu undertân // und sî mit iu geteilet · lîp unde guot!“ // dô wart der hêrre Sîvrit · ein lützel sanfter gemuot. // Dô hieß man in behalten · alleß ir gewant. // die besten herberge · man suohte, die man vant, // Sîvrides knehten: · man schuof in guot gemach. // den gast man sît vil gerne · dâ zen Burgunden sach. // Man bôt im michel êre · dâ nâch ze manegen tagen, // tûsent stunden mêre, · danne ich iu kan gesagen. // daß hete versolt sîn ellen, · ir sult gelouben daß; // in sach vil lützel iemen, · der im wære gehaß. // Sich vlißßen kurzwîle · die künege und ouch ir man, // sô was er ie der beste, · swes man dâ began: // des enkunde im volgen niemen, · sô michel was sîn kraft, // sô si den stein wurfen · oder schußßen den schaft. // Swâ si bî den vrouwen · durch ir höfscheit // kurzwîle phlâgen, · die rîter vil gemeit, // dâ sach man ie vil gerne · den helt von Niderlant. // er hete ûf hôhe minne · sîne sinne gewant. // Ze hove die schœnen vrouwen · vrâgèten mærè, // wer der stolze vremde · recke wære? // „sîn lîp der ist sô schœne, · vil rîch ist sîn gewant!“ // dô sprâchen ir genuoge; · „eß ist der künec von Niderlant.“ // Swes man ie begunde, · des was sîn lîp bereit. // er truog in sîme sinne · ein minneclîche meit // und ouch in ein diu vrouwe, · die er noch nie gesach, // diu im in heimlîche · vil dicke güetlîchen sprach. // Swenn ûfem hove wolden · spilen dâ diu kint, // rîter unde knehte, · daß sach vil dicke sint // Kriemhilt durch diu venster, · diu küneginne hêr; // deheiner kurzwîle · bedorfte si in den zîten mêr. // Wester, daß si in sæhe, · die er in herzen truoc, // dâ het er kurzwîle · immer von genuoc. // sæhen si sîn ougen, · ich wil wol wißßen daß, // daß im in dirre werlde · nimmer kunde werden baß. // Swenne er bî den helden · ûf dem hove stuont, // alsô noch die liute · durch kurzewîle tuont, // sô stuont sô minneclîche · daß Siglinde kint, // daß in von herzeliebe · trûte manec vrouwe sint. // Er gedâht ouch manege zîte: · „wie sol daß geschehen, // daß ich die maget edele · mit ougen müge sehen, // die ich von herze minne · und lange hân getân? // diu ist mir noch vil vremede: · des muoß ich trûrec gestân.“ // Sô ie die künege rîche · riten in ir lant, // sô muosen ouch die recken · mit in al zehant. // dâ mite muoste ouch Sîvrit: · daß was der vrouwen leit; // er leit ouch von ir minne · dicke michel arbeit. // Sus wonde er bî den hêrren, · daß ist alwâr, // in Guntheres lande · volleclîch ein jâr, // daß er die minneclîchen · die zît nie gesach, // dâ von im sît vil liebe · und ouch vil leide geschach. // 4. Âventiure // wie Sîvrit mit den Sahsen streit. Dô kômen vremdiu mære · in Guntheres lant // von boten, die in verre · wurden dar gesant // von unkunden recken, · die in truogen haß. // dô si die rede vernâmen, · leit was in inneclîche daß. // Die wil ich iu nennen: · eß was Liudgêr // ûßer Sahsen lande, · ein rîcher vürste hêr, // und ouch von Tenemarke · der künic Liudgast. // die brâhten in ir reise · vil manegen hêrlîchen gast. // Ir boten komen wâren · in Guntheres lant, // die sîne vîende · heten dar gesant. // dô vrâgte man der mære · die unkunden man. // man hieß die boten balde · ze hove vür den künic gân. // Der künec si gruoßte schône, · er sprach: „sît willekomen! // wer iuch her habe gesendet, · desn hân ich niht vernomen: // daß sult ir lâßen hœren“, · sprach der künic guot. // Dô vorhten si vil sêre · den grimmen Guntheres muot. // „Welt ir, künec, erlouben · daß wir iu mære sagen, // diu wir iu dâ bringen, · sone suln wir niht verdagen. // wir nennen iu die hêrren, · die uns her hânt gesant: // Liudgast und Liudgêr, · die welnt iuch suochen inß lant. // „Ir habet ir zorn verdienet: · jâ hôrten wir wol daß, // daß iu die hêrren beide · tragent grôßen haß. // si wellent herverten · ze Wormeß an den Rîn; // in hilfet vil der degene: · des sult ir gewarnet sîn. // „Inre zwelf wochen · diu reise muoß geschehen; // habt ir iht guoter vriunde, · daß lâßet balde sehen, // die iu vriden helfen · die bürge und iuriu lant: // hie wirt von in verhouwen · vil manec helme unde rant. // „Oder welt ir mit in dingen, · so enbietet eß in dar; // sone rîtent iu sô nâhen · niht die manegen schar // der iuwer starken vînde · ûf herzenlîchiu leit, // dâ von verderben müeßen · vil guote rîter gemeit.“ // „Nu bîtet eine wîle · (ich kündiu mînen muot), // unz ich mich baß versinne,“ · sprach der künic guot. // „hân ich guoter iemen, · die sol ich niht verdagen, // disiu starken mære · sol ich mînen vriunden klagen.“ // Gunther dem rîchen · leide wart genuoc; // die rede er tougenlîchen · in sîme herze truoc. // er hieß gewinnen Hagenen · und ander sîne man // und bat ouch harte balde · ze hove nâch Gêrnôten gân. // Dô kômen dar die besten, · swaß man der dâ vant. // er sprach: „man wil uns suochen · her in unser lant // mit starken herverten; · daß lât iu wesen leit. // eß ist gar âne schulde, · daß si uns habent widerseit.“ // „Daß wer ot wir mit swerten,“ · sô sprach Gêrnôt. // dâ sterbent wan die veigen: · die lâßen ligen tôt. // dar umbe ich niht vergeßßen · mac der êren mîn: // die unser vîende · suln uns willekomen sîn.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „daß endunket mich niht guot. // Liudegast und Liudegêr · die tragent übermuot. // wir mugen uns niht besenden · in sô kurzen tagen,“ // sô sprach der küene recke: · „ir sult eß Sîvride sagen.“ // Die boten herbergen · hieß man in die stat. // swie vîent man in wære, · vil schône ir phlegen bat // Gunther der rîche, · daß was wol getân, // unz er ervant an vriunden, · wer im dâ wolde gestân. // Dem künege in sînen sorgen · was iedoch vil leit. // dô sach in trûrende · ein rîter vil gemeit, // der niht wißßen kunde, · waß im was geschehen: // dô bat er im der mære · den künic Gunther verjehen. // „Mich nimt des michel wunder,“ · sprach dô Sîvrit, // „wie ir sô habet verkêret · die vrœlîchen sit, // der ir mit uns nu lange · habt alher gephlegen.“ // des antwurte ime dô Gunther, · der vil zierlîche degen: // „Jane mac ich allen liuten · die swære niht gesagen, // die ich muoß tougenlîche · in mîme herzen tragen: // man sol stæten vriunden · klagen herzenôt.“ // diu Sîvrides varwe · wart dô bleich unde rôt. // Er sprach zuo dem künege: · „ich hân iu niht verseit. // ich sol iu helfen wenden · elliu iuriu leit. // welt ir vrîunt suochen, · der sol ich einer sîn // und trûwe eß wol volbringen · mit êren an daß ende mîn.“ // „Nu lône iu Got, hêr Sîvrit, · diu rede mich dunket guot; // und ob mir nimmer helfe · iur ellen getuot, // ich vreu mich doch der mære, · daß ir mir sît sô holt. // lebe ich deheine wîle, · eß wirt wol umb iuch versolt. // „Ich wil iuch hœren lâßen, · war umbe ich trûric stân. // von boten mîner vînde · ich daß vernomen hân, // daß si mich wellent suochen · mit herverte hie; // daß getâten uns noch degene · her zuo disen landen nie.“ // „Daß lât iuch ahten ringe,“ · sprach dô Sîvrit, // „senftet iur gemüete, · tuot, des ich iuch bit: // lât mich iu erwerben · êre unde vrumen, // ê daß iuwer vînde · her ze disen landen kumen. // „Swenne iuwer starke vînde · ze helfe möhten hân // drîßec tûsent degene, · sô woldich si bestân, // und het ich niht wan tûsent: · des lât iuch an mich.“ // dô sprach der künic Gunther: · „daß dienich immer umbe dich.“ // „Sô heißet mir gewinnen · tûsent iuwer man, // sît daß ich der mînen · bî mir niht enhân // niuwan zwelf recken: · sô wer ich iuwer lant. // iu sol mit triuwen dienen · immer Sîvrides hant. // „Des sol uns helfen Hagene · und ouch Ortwîn, // Dancwart und Sindolt, · die lieben recken dîn. // ouch sol dâ mit rîten · Volkêr der küene man: // der sol den vanen vüeren: · baß ichs nieman engan. // „Und lât die boten rîten heim · in ir hêrren lant; // daß si uns dâ sehen schiere, · daß tuo man in bekant, // sô daß unser bürge · müeßen vride hân.“ // dâ hieß der künec besenden · beide mâge unde man. // Die boten Liudegêres · ze hove giengen dô; // daß si ze lande solden, · des wâren si vil vrô. // dô bôt in rîche gâbe · Gunther der künic guot // und schuof in sîn geleite: · des stuont in hôhe der muot. // „Nu saget,“ sprach dô Gunther, · „den starken vînden mîn, // si mugent mit ir reise · wol dâ heime sîn; // weln aber si mich suochen · her in mîniu lant, // mirn zerinne mîner vriunde, · in wirt arbeit bekant.“ // Den boten rîche gâbe · man dô vür truoc: // der het in ze gebene · Gunther genuoc. // dine torsten niht versprechen · die Liudgêres man. // urloub si dô nâmen · und vuoren vrœlîche dan. // Dô die boten wâren · ze Tenemarke komen, // und der künic Liudegast · hete daß vernomen, // waß si ze Rîne redeten, · als im daß wart geseit, // ir starkeß übermüeten · was im wærlîche leit. // Si sagten, daß si hêten · vil manegen küenen man: // „dar under sach man einen · vor Gunthere stân, // der was geheißen Sîvrit, · ein helt ûß Niderlant.“ // eß leidete Liudgaste, · dô er daß mære bevant. // Dô die von Tenemarke · ditze hôrten sagen, // dô îlten si der vriunde · deste mê bejagen, // unz daß er Liudegast · sîner küenen man // zweinzec tûsent degene · ze sîner reise gewan. // Do besande ouch sich von Sahsen · der künic Liudegêr, // unz si vierzec tûsent · heten unde mêr, // mit den si wolden rîten · in Burgunden lant. // dô hete ouch sich hie heime · der künic Gunther besant // Mit den sînen mâgen · und sîner bruoder man, // die si wolden vüeren · durch urliuge dan, // und ouch die Hagenen recken: · des gie den helden nôt. // dar umbe muosen degene · sider kiesen den tôt. // Si vlißßen sich der reise, · dô si wolden dan. // den vanen muose leiten · Volkêr der küene man, // alsô si wolten rîten · von Wormeß über Rîn. // Hagene von Troneje · der muose scharmeister sîn. // Dâ mite reit ouch Sindolt · und der küene Hûnolt, // die wol gedienen kunden · rîcher künege golt. // Dancwart, Hagnen bruoder, · und ouch Ortwîn // die mohten wol mit êren · in der herverte sîn. // „Her künic, sît hie heime,“ · sprach dô Sîvrit. // „sît daß mir iuwer recken · wellent volgen mit, // belîbet bî den vrouwen · und traget hôhen muot. // ich trou iu wol behüeten · beide êre unde guot. // „Die iuch dâ wolden suochen · ze Wormeß an den Rîn, // daß wil ich wol behüeten, · daßs iu iht schade sîn. // wir sulen in gerîten · sô nâhen in ir lant, // daß in ir übermüeten · ze sorgen werde bewant.“ // Von Rîne si durch Hessen · mit ir helden riten // gegen Sahsen lande: · dâ wart sît gestriten. // mit roube und mit brande · wuosten si daß lant, // daß eß den vürsten beiden · wart mit arbeit bekant. // Si kômen ûf die marke: · die knehte zogten dan. // Sîvrit der vil starke · vrâgen des began: // „wer sol des gesindes · uns nu hüeten hie?“ // jâne wart den Sahsen · geriten schedlîcher nie. // Si sprâchen: „lât die tumben · hüeten ûf den wegen // den küenen Dancwarten, · der ist ein sneller degen. // wir vliesen deste minner · von Liudgêres man; // lât in und Ortwînen · hie die nâchhuote hân.“ // „Sô wil ich selbe rîten,“ · sprach Sîvrit der degen, // „unde wil der warte · gein den vînden phlegen, // unz ich rehte ervinde, · wâ die recken sint.“ // dô wart gewâfent schiere · der schœnen Siglinden kint. // Daß volc bevalher Hagenen, · dô er wolde dan, // unde Gêrnôte, · dem vil küenen man. // dô reit er eine danne · in der Sahsen lant, // dâ er diu rehten mære · wol mit êren sît ervant. // Dô sach er her daß grôße, · daß ûf dem velde lac, // daß wider sîner helfe · mit ungevüege wac: // des was wol vierzec tûsent · oder dannoch baß. // Sîvrit in hôhem muote · sach vil vrœlîchen daß. // Dô hete sich ouch ein recke · von den vînden dar // erhaben ûf die warte, · der was ze vlîße gar: // den sach der hêrre Sîvrit · und in der küene man; // ieweder dô des andern · mit nîde hüeten began. // Ich sagiu, wer der wære, · der hie der warte pflac; // ein liehter schilt von golde · im vor der hende lac. // eß was der künic Liudegast: · der huote sîner schar. // dirre gast vil edele · sprancte hêrlîchen dar. // Nu het ouch in hêr Liudegast · vîentlîche erkorn: // diu ros si nâmen beide · zen sîten mit den sporn; // si neigten ûf die schilde · die schefte mit ir kraft: // des wart der künic hêre · mit grôßen sorgen behaft. // Diu ros nâch stichen truogen · diu rîchen küneges kint // beide vür ein ander, · sam si wæte ein wint; // mit zoumen wart gewendet · vil rîterlîchen dan: // mit swerten eß versuohten · die zwêne grimmege man. // Dô sluoc der hêrre Sîvrit, · daß al daß velt erdôß. // dô stoup ûß dem helme, · sam von brenden grôß, // die viuwerrôte vanken · von des heldes hant. // dô streit vil mehteclîchen · der küene vogt ûß Niderlant. // Ouch sluog im hêr Liudegast · vil manegen grimmen slac; // ir ieweders ellen · ûf schilden vaste lac. // dô heten dar gehüetet · wol drîßec sîner man: // ê im der helfe kœme, · den sic doch Sîvrit gewan // Mit drin starken wunden, · die er dem künege sluoc // durch eine wîße brünne, · diu was guot genuoc. // daß swert an sînen ecken · brâht ûß wunden bluot. // des gewan der künic Liudegast · einen trûregen muot. // Er bat sich leben lâßen · und bôt im sîniu lant // und sagte im, daß er wære · Liudegast genant. // dô kômen sîne recken: · die heten wol gesehen, // waß dâ von in beiden · ûf der warte was geschehen. // Er wolt in vüeren dannen: · dô wart er an gerant // von drîßec sînen mannen: · dô werte des heldes hant // sînen rîchen gîsel · mit ungevüegen slegen. // sît tet schaden mêre · der vil zierlîche degen. // Die drîßec er ze tôde · werlîche sluoc. // er ließ ir leben einen: · balde er reit genuoc // und sagte hin diu mære, · waß hie was geschehen; // ouch mohte mans die wârheit · an sîme rôten helmen sehen. // Den von Tenemarke · was vil grimme leit, // ir hêrre was gevangen, · dô in daß was geseit. // man sagte eß sînem bruoder: · toben er began // von ungevüegem zorne, · wan im was leide getân. // Liudegast der rîche · was gevüeret dan // von Sîvrides gewalte · zuo Guntheres man. // er bevalch in Hagenen: · der küene recke guot, // dô er vernam diu mære, · dô wart er vrœlîch gemuot. // Man hieß den Burgunden · ir vanen binden an. // „wol ûf,“ sprach Sîvrit, · „hie wirt noch mê getân, // ê sich der tac verende, · sol ich haben den lîp: // daß gemüet in Sahsen lande · vil manec wætlîcheß wîp. // „Ir helde von dem Rîne, · ir sult mîn nemen war: // ich kan iuch wol geleiten · in Liudgêres schar. // sô sehet ir helme houwen · von guoter helde hant. // ê daß wir wider wenden, · in wirdet sorge bekant.“ // Zen rossen gâhte Gêrnôt · und die sîne man. // den vanen zucte balde · der küene spilman, // Volkêr der hêrre: · dô reit er vor der schar. // dô was ouch daß gesinde · ze strîte êrlîchen gar. // Si vuorten doch niht mêre · niuwan tûsent man, // dar über zwelf recken. · stieben dô began // diu molte von den strâßen: · si riten über lant. // dô sach man von in schînen · vil manegen hêrlîchen rant. // Dô wâren ouch die Sahsen · mit ir scharn komen, // mit swerten wole wahsen, · daß hân ich sît vernomen. // diu swert diu sniten sêre · den helden an der hant: // dô wolten si den gesten · weren bürge unde lant. // Der hêrren scharmeister · daß volc dô vuorten dan. // dô was ouch komen Sîvrit · mit den zwelef man, // die er mit im brâhte · ûßer Niderlant. // des tages wart in sturme · vil manec bluotegiu hant. // Sindolt und Hûnolt · und ouch Gêrnôt // die vrumten in dem strîte · vil manegen helt tôt, // ê si rehte ervunden, · wie küene was ir lîp: // daß muose sît beweinen · vil manec wætlîcheß wîp. // Volkêr und Hagene · und ouch Ortwîn // laschten in dem strîte · vil maneges helmes schîn // mit vlißendem bluote, · die sturmküene man. // dô wart von Dancwarten · vil michel wunder getân. // Die von Tenemarke · versuohten wol ir hant; // dô hôrte man von hurte · erdießen manegen rant // und ouch von scharphen swerten, · der man dâ vil gesluoc. // die strîtküenen Sahsen · tâten schaden ouch genuoc. // Dô die von Burgunden · drungen in den strît, // von in wart erhouwen · vil manec wunde wît: // dô sach man über satele · vließen daß bluot; // sus wurben nâch den êren · die rîter küene unde guot. // Man hôrt dâ lût erhellen · den helden an der hant // diu vil scharphen wâsen, · dô die von Niderlant // drungen nâch ir hêrren · in die herten schar; // si kômen degenlîche · mit samt Sîvride dar. // Volgen der von Rîne · niemen man im sach. // man mohte kiesen vließen · den bluotegen bach // durch die liehten helme · von Sîvrides hant, // end er Liudgêren · vor sînen hergesellen vant. // Drî widerkêre · het er nu genomen // durch daß her anß ende. · nu was ouch Hagene komen: // der half im wol ervollen · in sturme sînen muot. // des muose dâ ersterben · vor in vil manec rîter guot. // Dô der starke Liudegêr · Sîvriden vant, // und daß er alse hôhe · truoc an sîner hant // den guoten Balmungen · und ir sô manegen sluoc, // dar umbe wart der küene · vor leide zornec genuoc. // Dô wart michel dringen · und grôßer swerte klanc, // dâ ir ingesinde · zuo ein ander dranc. // do versuohten sich die recken · beide deste baß. // die schar begunden wîchen; · sich huob dâ grœßlîcher haß. // Dem vogte von den Sahsen · was daß wol geseit, // sîn bruoder was gevangen: · daß was im harte leit; // niht wesser, daß eß tæte · daß Siglinde kint. // man zêch es Gêrnôten: · wol ervant er eß sint. // Die slege Liudgêres · die wâren alsô starc, // daß Sîvride under satele · strûhte daß marc; // doch sich daß ros erholte: · der küene Sîvrit // der gewan in dem sturme · einen vreislîchen sit. // Des half im Hagene · und ouch Gêrnôt, // Dancwart und Volkêr: · des lac ir vil dâ tôt. // Sindolt und Hûnolt · und Ortwîn der degen // die kunden in dem strîte · zem tôde manegen nider legen. // In sturme ungescheiden · wârn die vürsten hêr. // dô sach man über helme · vliegen manegen gêr // durch die liehten schilde · von der helde hant; // man sach dâ var nâch bluote · vil manegen hêrlîchen rant. // In dem starken sturme · erbeißte manec man // nider von den rossen. · ein ander liefens an // Sîvrit der küene · und ouch Liudgêr; // man sach dâ schefte vliegen · und vil manegen scharphen gêr. // Dô vlouc daß schiltgespenge · von Sîvrides hant. // den sic gedâhte erwerben · der helt von Niderlant // an den küenen Sahsen; · die dolten ungemach. // hei, waß dâ liehter ringe · der küene Dancwart zebrach! // Dô het der hêrre Liudegêr · ûf eime schilte erkant // gemâlet eine krône · vor Sîvrides hant: // wol wesser, daß eß wære · der kreftige man. // der helt zuo sînen vriunden · lûte ruofen began: // „Geloubet iuch des strîtes, · alle mîne man. // sun den Sigmundes · ich hie gesehen hân, // Sîvriden den starken · hân ich hie bekant. // in hât der übel tiuvel · ze den Sahsen gesant.“ // Die vanen hieß er lâßen · in dem sturme nider. // vrides er dô gerte; · des werte man in sider; // doch muos er werden gîsel · in Guntheres lant: // daß hete an im ertwungen · diu küene Sîvrides hant. // Mit gemeinem râte · sô ließen si den strît. // dürkel vil der helme · und der schilte wît // si leiten von den handen: · swaß sô man der vant, // die truogen bluotes varwe · von der Burgunden hant. // Si viengen, swen si wolden: · des heten si gewalt. // Gêrnôt und Hagene, · die recken vil balt, // die wunden hießen bâren: · si vuorten mit in dan // gevangen zuo dem Rîne · fünf hundert wætlîcher man. // Die siglôsen recken · ze Tenemarken riten. // done heten ouch die Sahsen · sô hôhe niht gestriten, // daß man in lobes jæhe: · daß was den helden leit. // dô wurden ouch die veigen · von vriunden sêre gekleit. // Si hießen ir gewæfen · soumen an den Rîn. // eß hete wol geworben · mit den helden sîn // Sîvrit der starke · der hete eß guot getân, // des im jehen muosen · alle Guntheres man. // Gegen Wormeß sande · der hêrre Gêrnôt: // heim ze sînem lande · den vriunden er enbôt, // wie gelungen wære · im und sînen man: // eß heten die vil küenen · wol nâch êren getân. // Die garzûne liefen, · von den wart eß geseit. // dâ vreuten sich von liebe, · die ê heten leit, // dirre lieben mære, · diu in dâ wâren komen. // dâ wart von edelen vrouwen · michel vrâgen vernomen, // Wie gelungen wære · des rîchen küneges man. // man hieß der boten einen · vür Kriemhilde gân. // daß geschach vil tougen, · jan torstes überlût: // wan si hete dar under · ein vil liebeß herzen trût. // Dô si den boten komende · zir kemenâte sach, // Kriemhilt diu schœne · vil güetlîchen sprach: // „nu sag an liebiu mære: · jâ gib ich dir mîn golt; // tuostuß âne triegen, · ich wil dir immer wesen holt. // „Wie schiet ûß dem strîte · mîn bruoder Gêrnôt // und ander mîne vriunde? · ist uns iht maneger tôt? // oder wer tet daß beste? · daß soltu mir sagen.“ // dô sprach der bote biderbe: · „wir heten ninder einen zagen. // „Ze vorderst in dem strîte · reit niemen alsô wol, // vil edeliu küneginne, · sît ich iuß sagen sol, // sô der gast vil edele · ûßer Niderlant: // dâ worhte michel wunder · des küenen Sîvrides hant. // „Swaß die recken alle · in strîte hân getân, // Dancwart und Hagene · und ander sküneges man, // swaß iemen streit nâch êren, · daß was gar ein wint // wan aleine Sîvrit, · des künic Sigmundes kint. // „Si vrumten in dem sturme · der helde vil derslagen: // doch möhte iu ditze wunder · niemen vol gesagen, // was dâ worhte Sîvrit, · swenne er ze strîte reit. // den vrouwen an ir mâgen · tet er diu grœßlîchen leit. // „Ouch muoste dâ belîben · vil maneger vrouwen trût. // sîne slege man hôrte · ûf helmen alsô lût, // daß si von wunden brâhten · daß vließende bluot: // er ist an allen tugenden · ein rîter küene unde guot. // „Dô hêt ouch vil begangen · von Metzen Ortwîn: // swaß er ir mohte erlangen · mit dem swerte sîn, // die muosen wunt belîben · oder meistec tôt. // dâ tet iuwer bruoder · die aller grœßisten nôt, // „Diu immer in den stürmen · kunde sîn geschehen: // man muoß der wârheite · dem ûß derwelten jehen. // die stolzen Burgunden · habent sô gevarn, // daß si vor allen schanden · ir êre kunden bewarn. // „Man sach dâ von ir handen · vil manegen satel blôß, // dâ von liehten swerten · daß velt sô lûte erdôß. // die recken von dem Rîne · die habent sô geriten, // daß eß ir vîenden · wære beßßer vermiten. // „Die küenen Tronejære · die vrumten grôßiu leit, // dô mit volkes kreften · daß her ze samne reit. // dâ vrumte manegen tôten · des küenen Hagnen hant, // des vil ze sagene wære · her in Burgunden lant. // „Sindolt und Hûnolt, · die Gêrnôtes man, // und Rûmolt der küene · die hânt sô vil getân, // daß eß Liudgêre · mag immer wesen leit, // daß er den mînen hêrren · het ze Rîne widerseit. // „Strît den aller hœhsten, · der inder dâ geschach // ze jungest und zem êrsten, · den iemen dâ gesach, // den tet vil degenlîchen · diu Sîvrides hant. // er bringet rîche gîsele · her in Guntheres lant. // „Die twanc mit sînen ellen · der wætlîche man; // des ouch der künic Liudegast · muoß den schaden hân // und ouch von Sahsen landen · sîn bruoder Liudgêr. // nu hœret mîniu mære, · edel küneginne hêr. // „Si hât gevangen beide · diu Sîvrides hant. // nie sô manegen gîsel · man brâhte in ditze lant, // sô von sînen schulden · nu kumt an den Rîn.“ // ir enkunden disiu mære · nimmer lieber gesîn. // „Man bringet der gesunden · fünf hundert oder baß // und der verchwunden, · wißßet, vrouwe, daß, // wol ahzec rôte bâre · her in unser lant, // die meistec hat verhouwen · des küenen Sîvrides hant. // „Die durch übermüete · widerseiten an den Rîn, // die müeßen nu gevangen · die Guntheres sîn. // die bringet man mit vreuden · her in ditze lant.“ // do erblüete ir liehte varwe, · dô si diu mære rehte ervant. // Ir schœneß antlütze · daß wart rôsenrôt, // dô mit lîbe was gescheiden · ûß sô grôßer nôt // Sîvrit der junge, · der wætlîche man. // si vreute ouch sich ir vriunde: · daß was von schulden getân. // Dô sprach diu minneclîche: · „du hâst mir wol geseit. // du solt hân dar umbe · ze miete rîchiu kleit, // und zehen marc von golde · die heiß ich dir tragen.“ // des mac man solhiu mære · rîchen vrouwen gerne sagen. // Man gab im sîne miete, · daß golt und ouch diu kleit. // dô gie an diu venster · vil manec schœniu meit: // si warten ûf die strâße: · rîten man dô vant // vil der hôch gemuoten · in der Burgunden lant. // Dâ kômen die gesunden, · die wunden tâten sam; // si mohten grüeßen hœren · von vriunden âne scham. // der wirt gên sînen gesten · vil vrœlîchen reit: // mit vreuden was verendet · sîn vil grœßlîcheß leit. // Do enphie er wol die sîne, · die vremden tet er sam, // wan dem rîchen künege · anders niht enzam // wan danken güetlîche · den, die im wâren komen, // daß si den sic nâch êren · in sturme hêten genomen. // Gunther bat im mære · von sînen vriunden sagen, // wer im an der reise · ze tôde wær erslagen: // dô het er vlorn niemen · niuwan sehzec man. // verklagen man die muose, · sô sît vil helde sint getân. // Die gesunden brâhten · zerhouwen manegen rant // und helme vil verschrôten · in Guntheres lant. // daß volk erbeißte nidere · vür des küneges sal; // ze liebem antphange · man hôrte vrœlîchen schal. // Dô hieß man herbergen · die recken in die stat. // der künic sîner geste · vil schône phlegen bat; // er hieß der wunden hüeten · und schaffen guot gemach. // wol man sîne tugende · an sînen vîenden sach. // Er sprach zuo Liudegêre: · „nu sît mir willekomen! // ich hân von iuwern schulden · schaden vil genomen: // der wirt mir nu gebüeßet, · ob ich gelücke hân. // Got lône mînen vriunden: · si hânt mir liebe getân.“ // „Ir muget in gerne danken,“ · sprach dô Liudgêr, // alsô hôher gîsel · gewan nie künic mêr. // umbe schœne huote · wir bieten michel guot, // daß ir genædeclîche · an mir und mînen vriunden tuot.“ // „Ich wil iuch beide lâßen,“ · sprach er, „ledec gên; // daß mîne vîende · hie bî mir bestên, // des wil ich haben bürgen, · daß si mîniu lant // iht rûmen âne hulde.“ · des sichert dô ir beider hant. // Man brâhte si ze ruowe · und schuof in ir gemach. // den wunden man gebettet · vil güetlîchen sach; // man schancte den gesunden · met und guoten wîn: // dô kunde daß gesinde · nimmer vrœlîcher sîn. // Ir zerhouwen schilde · man behalten truoc. // vil bluoteger setele, · der was dâ genuoc: // die hieß man verbergen, · daß weinten niht diu wîp. // dâ kom vil hermüede · maneges guoten rîters lîp. // Der künec phlac sîner geste · vil grœßlîche wol. // der vremden und der kunden · diu lant wâren vol. // er bat der sêre wunden · vil güetlîchen phlegen. // dô was ir übermüeten · vil harte ringe gelegen. // Die erzenîe kunden, · den bôt man rîchen solt, // silber âne wâge, · dar zuo daß liehte golt, // daß si die helde nerten · nâch des strîtes nôt; // dar zuo der künec den gesten · gâbe grœßlîchen bôt. // Die wider heim ze hûse · heten reise muot, // die bat man noch belîben, · sô man vriunden tuot. // der künic gie ze râte, · wie er lônde sînen man: // si heten sînen willen · nâch grôßen êren getân. // Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „man sol si rîten lân: // über sehs wochen · sî in daß kunt getân, // daß si kumen widere · zeiner hôhgezît; // so ist maneger geheilet, · der nu vil sêre wunder lît.“ // Dô gerte ouch urloubes · Sîvrit von Niderlant. // dô der künic Gunther · den willen sîn ervant, // er bat in minneclîchen · noch bî im bestân. // niuwan durch sîn swester, · sône wæreß niht getân. // Dar zuo was er ze rîche, · daß er iht næme solt; // er heteß wol verdienet. · der künic was im holt; // sam wâren sîne mâgen, · die heten daß gesehen, // waß von sînen handen · in dem strîte was geschehen. // Durch der schœnen willen · gedâhte er noch bestân, // ob er si sehen möhte. · sît wart eß getân: // wol nâch sînem willen · wart im diu maget bekant. // sît reit er vrœlîche · heim in sînes vater lant. // Der wirt hieß zallen zîten · rîterschefte phlegen: // daß tet vil willeclîchen · dô manec junger degen. // die wîle hieß er sidelen · vor Wormeß an den sant // den, die im komen solden · in der Burgunden lant. // In den selben zîten, · dô si nu solden komen, // dô hete diu schœne Kriemhilt · diu mære wol vernomen, // er wolde hôhgezîte · durch liebe vriunde hân. // dô wart vil michel vlîßen · von schœnen vrouwen getân // Mit wæte und mit gebende, · daß si dâ solten tragen. // Uote diu vil rîche · diu mære hôrte sagen // von den stolzen recken, · die dâ solden komen: // dô wart ûß der valde · vil rîcher kleider genomen. // Durch ir kinde liebe · hieß si bereiten kleit; // dâ mite wart gezieret · vil vroun und manec meit // und vil der jungen recken · ûß Burgunden lant. // si hieß ouch vil der vremden · brüeven hêrlîch gewant. // 5. Âventiure // wie Sîvrit Kriemhilt êrste gesach. Man sach si tegelîchen · nu rîten an den Rîn, // die zer hôhgezîte · gerne wolden sîn. // die durch der künege liebe · kômen in daß lant, // den bôt man sumelîchen · beidiu ros und gewant. // In was ir gesidele · allen wol bereit, // den hôhsten und den besten, · als uns daß ist geseit, // zwein und drîßec vürsten, · dâ zer hôhgezît: // dâ zierten sich engegene · alle vrouwen wider strît. // Eß was dâ vil unmüeßec · Gîselher daß kint. // die geste mit den kunden · vil güetlîchen sint // die enphieng er und Gêrnôt · und ouch ir beider man: // jâ gruoßten si die degene, · als eß nâch êren was getân. // Vil goltrôter setele · si vuorten in daß lant, // zierlîche schilde · und êrlîch gewant // brâhten si ze Rîne · zuo der hôhgezît. // manegen ungesunden · sach man vrœlîchen sît. // Die in den betten lâgen · und heten wunden nôt, // die muosen des vergeßßen, · wie herte was der tôt. // die siechen ungesunden · muosen si verklagen: // si vreuten sich der mære · gên der hôhgezîte tagen, // Wie si leben wolden · dâ ze der wirtschaft. // wünne âne mâße, · mit vreuden überkraft // heten al die liute, · swaß man ir dâ vant: // des huop sich michel wünne · über al daß Guntheres lant. // An einem phingestmorgen · sach man vür gân // gekleidet wünneclîche · vil manegen küenen man, // fünf tûsent oder mêre, · dâ zer hôhgezît. // sich huob diu kurzewîle · an manegen enden wider strît. // Der wirt der hete die sinne, · im was daß wol erkant, // wie rehte herzenlîche · der helt von Niderlant // sîne swester trûte, · die er noch nie gesach, // der man sô grôßer schœne · vor allen juncvrouwen jach. // Er sprach: „nu râtet alle, · mâge und mîne man, // wie wir die hôhgezîte · sô lobelîche hân, // daß man uns drumbe iht schelte · her nâch dirre zît; // ein ieslîch lop vil stæte · ze jungest an den werken lît.“ // Dô sprach zuo dem künege · der degen Ortwîn: // „welt ir mit vollen êren · ze der hôhzîte sîn, // sô sult ir lâßen schouwen · diu wünneclîchen kint, // die mit sô grôßen êren · hie zen Burgunden sint. // „Waß wære mannes wünne, · wes vreute sich sîn lîp, // eß entæten schœne meide · und hêrlîchiu wîp? // lâßet iuwer swester · vür iuwer geste gân!“ // der rât was ze liebe · manegem helde getân. // „Des wil ich gerne volgen,“ · sprach der künic dô. // alle, dieß ervunden, · wârens harte vrô. // ernbôt eß vroun Uoten · und ir tohter wolgetân, // daß si mit ir megeden · hin ze hove solde gân. // Dô wart ûß den schrînen · gesuochet guot gewant, // swaß man in der valde · der guoten wæte vant, // die bouge mit den borten; · des was in vil bereit. // sich zierte minneclîche · vil manec wætlîchiu meit. // Vil manec recke tumber · des tages hete muot, // daß er an ze sehene · den vrouwen wære guot, // daß er dâ vür niht næme · eins rîchen küneges lant. // si sâhen die vil gerne, · die si heten nie bekant. // Dô hieß der künic rîche · mit sîner swester gân, // die ir dienen solden, · hundert sîner man, // ir und sîner muoter: · die truogen swert enhant. // daß was daß hofgesinde · in der Burgunden lant. // Uoten die vil rîchen · sach man mit ir komen. // diu hete schœner vrouwen · geselleclîch genomen // hundert oder mêre: · die truogen rîchiu kleit. // ouch gie dâ nâch ir tohter · vil manec wætlîchiu meit. // Von einer kemenâten · sach man si alle gân: // dô wart vil michel dringen · von helden dar getân, // die des gedinge hêten, · ob kunde daß geschehen, // daß si die maget edele · solden vrœlîche sehen. // Nu gie diu minneclîche, · alsô der morgen rôt // tuot ûß trüeben wolken. · dô schiet von maneger nôt, // der si da truoc in herzen · und lange hete getân. // er sach die minneclîchen · nu vil hêrlîchen stân. // Jâ lûhte ir von ir wæte · vil manec edel stein: // ir rôsenrôtiu varwe · vil minneclîchen schein. // ob ieman wünschen solde, · der kunde niht gejehen, // daß er ze dirre werlde · hete iht schœners gesehen. // Sam der liehte mâne · vor den sternen stât, // des schîn sô lûterlîche · ab den wolken gât, // dem stuont si nu gelîche · vor andern vrouwen guot. // des wart dâ wol gehœhet · den zieren helden der muot. // Die rîchen kamerære · sach man vor ir gân. // die hôch gemuoten degene · wolden des niht lân, // sin drungen, dâ si sâhen · die minneclîchen meit. // Sîvride dem hêrren · wart beide lieb unde leit. // Er dâhte in sînem muote: · „wie kunde daß ergân, // daß ich dich minnen solde? · daß ist ein tumber wân; // sol aber ich dich vremden, · sô wære ich samfter tôt.“ // er wart von gedanken · dicke bleich unde rôt. // Dô stuont sô minneclîche · daß Siglinde kint, // sam er entworfen wære · an ein permint // von guotes meisters listen, · sô man im verjach, // daß man helt neheinen · nie sô schœnen gesach. // Die mit der vrouwen giengen, · die hießen von den wegen // wîchen allenthalben: · daß leiste manec degen. // diu hôch tragenden herzen · vreuten manegen lîp; // man sach in grôßen zühten · vil manec hêrlîcheß wîp. // Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt: // „der iu sînen dienest · sô güetlîchen bôt, // Gunther, lieber bruoder, · dem sult ir tuon alsam // vor allen disen recken: · des râts ich nimmer mich gescham. // „Ir heißet Sîvriden · zuo mîner swester kumen, // daß in diu maget grüeße; · des habe wir immer vrumen: // diu nie gegruoßte recken, · diu sol in grüeßen phlegen; // dâ mite wir hân gewunnen · den vil zierlîchen degen.“ // Dô giengen swirtes mâgen, · dâ man den helt vant. // si sprâchen zuo dem recken · ûßer Niderlant: // „iu hât der künec erloubet, · ir sult ze hove gân, // sîn swester sol iuch grüeßen: · daß ist iu zêren getân.“ // Der hêrre in sînem muote · was des vil gemeit. // dô truoc er in dem herzen · lieb âne leit, // daß er sehen solde · der schœnen Uoten kint. // mit minneclîchen tugenden · si gruoßte Sîvriden sint. // Dô si den hôch gemuoten · vor ir stênde sach, // do erzunde sich ir varwe; · diu schœne meit sprach: // „sît willekomen, er Sîvrit, · ein edel rîter guot.“ // dô wart im von dem gruoße · wol gehœhet der muot. // Er neig ir minneclîchen, · genâde er ir bôt. // si twanc gên ein ander · der seneden minne nôt; // mit lieben ougen blicken · ein ander sâhen an // der hêrre und ouch diu vrouwe: · daß wart vil tougen getân. // Wart dâ vriuntlîche · getriutet (ir vil) wîßiu hant // von herzen lieber minne, · daß ist mir niht bekant. // doch wil ich niht gelouben, · daß eß wurde lân: // zwei minne gerndiu herze · heten anders missetân. // Bî der sumerzîte · und gên des meijen tagen // dorft er niht mêre · in sîme herze tragen // sô vil hôher vreude, · sô er dâ gewan, // dô im diu gie an hende, · die er ze trûte gerte hân. // Dô dâhte manec recke: · „hei, wær mir sam geschehen, // daß ich ir gienge nebene, · als ich in hân gesehen, // oder bî ze ligene! · daß ließe ich âne haß!“ // eß gediende noch nie recke · nâch einer küneginne baß. // Von swelher künege lande · die geste kômen dar, // die nâmen al gelîche · niuwan ir zweier war. // ir wart erloubet küssen · den wætlîchen man: // im wart ze dirre werlde · nie sô liebe getân. // Der künec von Tenemarke · sprach dô sâ zestunt: // „des vil hôhen gruoßes · lît vil maneger wunt, // des ich dâ wol enphinde, · von Sîvrides hant: // Got lâße in nimmer mêre · ze Tenemarke in daß lant!“ // Man hieß dô allenthalben · wîchen von den wegen // der schœnen Kriemhilde; · manegen küenen degen // sach man zühteclîche · ze kirche mit ir gân. // sît wart von ir gescheiden · der vil wætlîche man. // Dô gie si zuo dem münster, · ir volgete manec wîp. // dâ was ouch wol gezieret · der küneginne lîp, // daß dô hôher wünsche · maneger wart verlorn. // si was ze ougen weide · manegem recken erkorn. // Vil kûme erbeite Sîvrit, · daß man dâ gesanc. // er mohte sînen sælden · immer sagen danc, // daß im diu was sô wæge, · die er in herzen truoc: // ouch was er der schœnen · holt von schulden genuoc. // Dô si kom ûz dem münster, · als er hete ê getân, // man sach in vriuntlîche · zuo Kriemhilde gân. // alrêst begunde im danken · diu minneclîche meit, // daß er vor den recken · sô rehte wîclîchen streit. // „Nu lôn iu Got, er Sîvrit,“ · sprach daß schœne kint, // „daß ir daß habt verdienet, · daß iu die recken sint // sô holt in guoten triuwen, · sô ich si hœre jehen.“ // do begunde er minneclîche · an vroun Kriemhilde sehen. // „Ich sol in immer dienen“, · sprach Sîvrit der degen, // „und enwil mîn houbet · nimmer ê gelegen, // ich enwerbe nâch ir willen, · sol ich mîn leben hân. // daß muoß iu sîn ze dienste, · mîn vrou Kriemhilt, getân.“ // Inre tage zwelven, · der tage al ieslîch, // sach man bî dem degene · die maget lobelîch, // sô si ze hove solde · vor ir vriunden gân. // der dienst wart dem recken · durch grôße liebe getân. // Vreude unde wünne · und michelen schal // sach man tegelîche · vor Guntheres sal, // dar ûße und ouch dar inne · von manegem küenen man. // Ortwîn und Hagene · vil grôßer wunder began. // Swes iemen phlegen solde, · des wâren si bereit // mit volleclîcher mâße, · die helde vil gemeit. // des wurden von den gesten · die recken wol bekant; // dâ von sô was gezieret · alleß Guntheres lant. // Die ê dâ wunde lâgen, · die sach man vüre gân: // si wolden kurzewîle · mit dem gesinde hân, // schirmen mit den schilden · und schießen manegen schaft. // des hulfen in genuoge; · si heten michele kraft. // In der hôhzîte · der wirt hieß ir phlegen // mit der besten spîse. · er hete sich bewegen // aller slahte schande, · die ie künec gewan. // man sach in vriuntlîche · zuo den sînen gesten gân. // Er sprach: „ir guoten recken, · ê daß ir scheidet hin, // sô nemet ir mîne gâbe: · alsô stêt mîn sin, // daß ichß immer diene; · versmâhe iu niht mîn guot: // daß wil ich mit iu teilen: · des hân ich willigen muot.“ // Die von Tenemarken · sprâchen sâ zehant: // „ê daß wir wider rîten · heim in unser lant, // wir gern stæter suone: · des ist uns recken nôt: // wir hân von iuwern degenen · manegen lieben vriunt tôt.“ // Liudegast geheilet · sîner wunden was: // der vogt von den Sahsen · nâch strîte wol genas. // etelîche tôten · si ließen dâ ze lant. // dô gie der künic Gunther, · dâ er Sîvriden vant. // Er sprach zuo dem recken: · „nu rât, wie ich tuo. // unser geste wellent · rîten morgen vruo // und gerent stæter suone · an mich und mîne man: // nu râtâ, degen küene, · waß dich des dünke guot getân. // „Waß mir die hêrren bieten, · daß wil ich dir sagen: // swaß vünf hundert mære · goldes mügen tragen, // daß gebent si mir gerne, · wil ich si ledic lân.“ // dô sprach Sîvrit: · „daß wær übele getân. // „Ir sult si ledeclîchen · hinnen lâßen varn: // und daß die recken edele · vürbaß bewarn // vîentlîcheß rîten · her in iuwer lant, // des lât iu sicherheit · geben beider hêrren hant.“ // „Des râtes wil ich volgen.“ · dâ mite si giengen dan. // den sînen widerwinnen · wart daß kunt getân, // ir goldes gerte niemen, · daß si dâ büten ê. // dâ heime ir lieben vriunden · was nâch den hermüeden wê. // Manegen schilt vollen · man dar schatzes truoc; // er teilt es âne wâge · den vriunden genuoc, // bî vünf hundert marken · und eteslîchen baß. // Gêrnôt der vil küene · der riet Gunthere daß. // Urloup si dô nâmen, · alsô si wolden dan. // dô sach man die geste · vür Kriemhilde gân // und ouch, dâ vrou Uote · diu küneginne saß. // eß enwart nie degenen · mêre geurloubet baß. // Herberge wurden lære, · dô si dannen riten. // doch bestuont dâ heime · mit hêrlîchen siten // der künic mit den sînen · und manec edel man: // die sach man tegelîche · vür vroun Kriemhilde gân. // Urloup nemen wolde ouch · Sîvrit ein helt guot: // er wânde niht erwerben, · des er hete muot. // der künic sagen hôrte, · daß er wolde dan: // Gîselher der junge · in von der reise gewan. // „War woldet ir nu rîten, · edel Sîvrit? // belîbet bî den recken, · tuot, des ich iuch bit, // bî Gunther dem künege · und bî sînen man. // hie sint vil schœne vrouwen, · die man iuch sol sehen lân.“ // Dô sprach der starke Sîvrit: · „sô lât diu ros stân. // ich wolde hinne rîten; · des wil ich abe gân; // und traget hin die schilde. · jâ wolde ich in mîn lant: // des hât mich her Gîselher · mit grôßen triuwen erwant.“ // Sus beleip der küene · durch vriunde liebe dâ. // jâ wær er in den landen · niender anderswâ // gewesen alse sanfte: · dâ von daß geschach, // daß er nu tegelîche · die schœnen Kriemhilde sach. // Durch ir unmâßen schœne · der hêrre dâ beleip. // mit maneger kurzwîle · man nu die zît vertreip; // wan daß in twanc ir minne: · diu gab im dicke nôt; // dar umbe sît der küene · lac vil jæmerlîchen tôt. // 6. Âventiure // wie Gunther gên Isenlande nâch Prünhilt vuor. Iteniuwiu mære · sich huoben über Rîn: // man seite, daß dâ wære · manec magedîn. // der dâhte im eine werben · des künic Gunthers muot. // daß dûhte sîne recken · und die hêrren alle guot. // Eß was ein küneginne · geseßßen über sê, // ir gelîche · was deheiniu mê. // si was unmâßen schœne, · vil michel was ir kraft; // si schôß mit snellen degenen · umbe minne den schaft. // Den stein warf si verre, · dar nâch si wîten spranc. // swer ir minne gerte, · der muose âne wank // driu spil an gewinnen · der vrouwen wol geborn: // gebrast im an eime, · er het daß houbet verlorn. // Des het diu juncvrouwe · unmâßen vil getân, // do gevriesch eß bî dem Rîne · ein rîter wol getân. // der wande sîne sinne · an daß schœne wîp; // des muosen vil helde · sît verliesen den lîp. // Dô si eines tages sâßen, · der künec und sîne man, // manegen ende si eß mâßen · beidiu wider unde dan, // welhe ir hêrre möhte · zeinem wîbe nemen, // diu im ze vrouwen töhte · und ouch dem lande möhte zemen. // Dô sprach der vogt von Rîne: · „ich wil an den sê // hin zuo Prünhilde, · swie eß mir ergê. // ich wil umbe ir minne · wâgen den lîp: // den wil ich verliesen, · sine werde mîn wîp.“ // „Daß wil ich widerrâten,“ · sprach dô Sîvrit. // „jâ hât diu küneginne · sô vreislîchen sit, // swer ir minne wirbet, · daß eß im hôhe stât. // des muget ir der reise · haben wærlîchen rât.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „nie geborn wart ein wîp // sô stark und ouch sô küene, · ine wolde wol ir lîp // in strîte betwingen · mit mîn selbes hant.“ // „swîget,“ sprach dô Sîvrit, · „iu ist ir ellen unbekant. // „Und wæren iuwer viere, · dine kunden niht genesen // von ir vil grimmen zorne: · ir lât den willen wesen, // daß rât ich iu mit triuwen; · welt ir niht ligen tôt, // sone lât iuch nâch ir minne · niht ze sêre wesen nôt.“ // „Nu sî swie stark si welle, · ine lâße der reise niht // hin ze Prünhilde, · swaß halt mir geschiht. // durch ir unmâßen schœne · muoß eß gewâget sîn: // waß, ob mir Got gevüeget, · daß si mir volget an den Rîn?“ // „Sô wil ich iu daß râten,“ · sprach dô Hagene, // „ir bitet Sîvride · mit iu ze tragene // die vil starken sorge: · daß ist nu mîn rât, // sît im daß ist sô kündec, · wieß umbe Prünhilde stât.“ // Er sprach: „wiltu mir helfen, · vil edel Sîvrit, // die minneclîchen werben? · tuo, des ich dich bit. // und wirt mir ze trûte · daß hêrlîche wîp, // ich wil durch dînen willen · wâgen êre unde lîp.“ // Des antwurte Sîvrit, · Sigmundes sun: // „gîstu mir dîn swester, · sô wil ich eß tuon, // die schœnen Kriemhilde, · ein küneginne hêr: // sô gere ich niht lônes · nâch mînen arbeiten mêr.“ // „Daß lobe ich,“ sprach Gunther, · „Sîvrit, an dîne hant. // und kumet diu schœne Prünhilt · her in ditze lant, // sô wil ich dir ze wîbe · mîne swester geben: // sô mahtu mit ir · immer vrœlîchen leben.“ // Des swuoren si dô eide, · die recken vil hêr. // des wart ir arbeite · verre dester mêr, // ê si die wolgetânen · brâhten an den Rîn: // des muosen die küenen · sît in grôßen nœten sîn. // Von wilden getwergen · hân ich gehœret sagen, // si sîn in holen bergen · und (daß si) ze scherme tragen // eineß, heißet tarnkappen, · von wunderlîcher art: // swerß hât an sîme lîbe, · der sol vil gar wol sîn bewart // Vor slegen und vor stichen; · in müge ouch niemen sehen, // swenne er sî dar inne; · beide hœren unde spehen // mag er nâch sînem willen, · daß in doch niemen siht; // er sî ouch verre sterker, · als uns diu âventiure giht. // Sîvrit muose vüeren · die kappen mit im dan, // die der helt küene · mit sorge gewan // ab eime getwerge, · daß hieß Albrîch. // sich garten zuo der verte · die recken küene unde rîch. // Alsô der starke Sîvrit · die tarnkappen truoc, // sô hete er dar inne · krefte genuoc, // zwelf manne sterke, · als uns ist geseit. // er gewan mit grôßen listen · die vil hêrlîchen meit. // Ouch was diu tarnhût · alsô getân, // daß dar inne worhte · ein ieslîcher man, // swaß er selbe wolde, · daß in niemen sach. // dâ mit gewan er Prünhilt; · dâ von im leide geschach. // „Du solt mir sagen, Sîvrit, · ê unser vart ergê, // wie wir mit vollen êren · komen an den sê? // suln wir rîter vüeren · in Prünhilde lant? // drîßec tûsent degene, · die werdent schiere besant.“ // „Swie vil wir volkes vüeren,“ · sprach aber Sîvrit, // „eß phligt diu küneginne · sô vreislîcher sit, // die müesen doch ersterben · von ir übermuot. // ich wil iuch baß bewîsen, · degen küene unde guot. // „Wir suln in recken wîse · varn ze tal den Rîn. // die wil ich iu nennen, · die daß sulen sîn: // zuo uns zwein noch zwêne · unde niemen mê; // so erwerben wir die vrouwen, · swie eß uns dar nâch ergê. // „Der gesellen bin ich einer, · der ander soltu wesen, // der drite daß sî Hagene: · wir suln wol genesen; // der vierte daß sî Dancwart, · der vil küene man. // uns geturren ander tûsent · mit strîte nimmer bestân.“ // „Diu mære wesse ich gerne,“ · sprach der künic dô, // „ê wir hinnen vüeren, · des wære ich harte vrô, // waß wir kleider solden · vor Prünhilde tragen, // diu uns dâ wol zæmen: · Sîvrit, daß soltu mir sagen.“ // „Wât die aller beste, · die man ie bevant, // treit man zallen zîten · in Prünhilde lant: // des suln wir rîche kleider · vor der vrouwen tragen, // daß wirs iht haben schande, · sô man diu mære hœre sagen.“ // Dô sprach der degen guoter: · „sô wil ich selbe gân // ze mîner lieben muoter, · ob ich erwerben kan, // daß uns ir schœnen meide · helfen brüeven kleit, // diu wir tragen mit êren · vür die hêrlîchen meit.“ // Dô sprach von Troneje Hagene · mit hêrlîchen siten: // „zwiu welt ir iuwer muoter · sölher dienste biten? // lât iuwer swester hœren, · wes ir habet muot: // si ist sô kunstrîche, · daß diu kleider werdent guot.“ // Do enbôt er sîner swester, · daß er se wolde sehen // und ouch der degen Sîvrit. · ê daß was geschehen, // dô hete sich diu schœne · ze lobe wol gekleit. // daß die hêrren kômen, · daß was ir mæßlîchen leit. // Nu was ouch ir gesinde · geziert, als im gezam. // die vürsten kômen beide: · dô si daß vernam, // dô stuont si von dem sedele: · mit zühten si dô gie, // dâ si den gast vil edele · und ouch ir bruoder enphie. // „Sî willekomen, mîn bruoder · und der geselle sîn. // diu mære ich weste gerne,“ · sprach daß meidîn, // „waß ir hêrren woldet, · sît ir ze hove gât. // lât ir mich hœren, · wieß iu edelen recken stât.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „vrouwe, ich wilß iu sagen. // wir müeßen michel sorge · bî hôhme muote tragen; // wir wellen hübschen rîten · verre in vremdiu lant: // wir solden zuo der reise · haben zierlîch gewant.“ // „Nu sitzet, lieber bruoder,“ · sprach daß küneges kint. // „lât mich rehte hœren, · wer die vrouwen sint, // der ir gert ze minne · in ander künege lant.“ // die ûßerwelten beide · nam diu vrouwe bî der hant. // Si gie mit den degenen, · dâ si ê dâ saß // ûf matraze rîche, · ich wil wißßen daß, // geworht mit guoten bilden, · mit golde wol erhaben. // si mohten bî der vrouwen · guote kurzwîle haben. // Vriuntlîche blicke · und güetlîchen sehen, // daß mohte von in beiden · harte vil geschehen. // er truoc si in dem herzen, · si was im sô der lîp. // er erwarp mit starkem dienste, · daß si sider wart sîn wîp. // Dô sprach der künic rîche: · „vil liebiu swester mîn, // âne dîne helfe · kunde eß niht gesîn. // wir wellen kurzwîlen · in Prünhilde lant: // da bedorften wir ze tragene · vor vrouwen hêrlîch gewant.“ // Dô sprach diu küneginne: · „vil lieber bruoder mîn, // swaß der mînen helfe · dar an kan gesîn, // des bringe ich iuch wol innen, · daß ich iu bin bereit. // versagt iu ander iemen, · daß wære Kriemhilde leit. // „Ir sult mich, rîter edele, · niht sorgende biten, // ir sult mir gebieten · mit hêrlîchen siten: // swaß iu von mir gevalle, · des bin ich iu bereit // und tuon eß willeclîche,“ · sprach diu wünneclîchiu meit. // „Wir wellen, liebiu swester, · tragen guot gewant. // daß sol helfen brüeven · iuwer wîßiu hant; // des vlîßen sich iur megede, · daß eß uns rehte stât, // wande wir der verte · hân deheiner slahte rât.“ // Dô sprach diu juncvrouwe: · „nu merket, waß ich sage. // wir hân selbe sîden; · nu schaffet, daß man trage // gestein uns ûf den schilden, · sô würken wir diu kleit, // daß ir si tragt mit êren · vür die hêrlîchen meit.“ // „Wer sint die gesellen,“ · sprach diu künegîn, // „die mit iu gekleidet · ze hove sulen sîn?“ // er sprach: „ich selbe vierde. · zwêne mîne man, // Dancwart und Hagene, · ze hove sulen mit mir gân. // „Nu merket, liebiu swester, · rehte, waß wir sagen: // daß wir vier gesellen · ze vier tagen tragen // ie drîer hande kleider · und alsô guot gewant, // daß wir âne schande · rûmen Prünhilde lant!“ // Daß lobte si den recken; · die hêrren schieden dan. // dô hieß ir juncvrouwen · drîßec meide gân // ûß ir kemenâten · Kriemhilt diu künegîn, // die zuo solhem werke · heten grœßlîchen sin. // Die Arâbischen sîden · wîß alsô der snê // unde von Zazamanc · der grüenen sô der klê, // dar în si leiten steine: · des wurden guotiu kleit; // selbe sneit si Kriemhilt, · diu vil hêrlîche meit. // Von vremder vische hiuten · bezoc wolgetân, // ze sehene vremd den liuten, · swaß man der gewan, // die dacten si mit sîden; · golt dar în getragen: // man mohte michel wunder · von der liehten wæte sagen. // Von Marroch dem lande · und ouch von Libîân // die aller besten sîden, · die ie mêr gewan // deheines küneges künne, · der heten si genuoc. // wol lie daß schînen Kriemhilt, · daß si in holden willen truoc. // Sît sis zer hovereise · heten sô gegert, // hermîne vedere · dûhten si unwert; // phelle dar ûfe lâgen · swarz alsam ein kol, // daß noch snellen degenen · stüende in hôhzîten wol. // Ûß Arâbischem golde · vil gesteines schein; // der vrouwen unmuoße · was niht ze klein. // inre siben wochen · bereiten si diu cleit; // dô was ouch gewæfen · den guoten recken bereit. // Dô si bereit wâren, · dô was in ûf dem Rîn // gemachet vlîßeclîchen · ein starkeß schiflîn, // daß si tragen solde · nider an den sê. // den edelen juncvrouwen · was von arbeiten wê. // Dô sagte man den recken, · in wæren nu bereit, // diu si dâ vüeren solden, · ir zierlîchen kleit. // alsô si dâ gerten, · daß was nu getân: // done wolden si niht langer · bî dem Rîne bestân. // Nâch den hergesellen · wart bote sâ gesant, // ob si wolden schouwen · niuweß ir gewant, // ob eß den helden wære · ze kurz oder ze lanc. // eß was in rehter mâße: · des seiten si den vrouwen danc. // Vür alle die si kômen, · die muosen in des jehen, // daß si zer werlde hêten · beßßers niht gesehen. // des möhten si se gerne · dâ ze hove tragen: // von beßßerr recken wæte · kunde niemen niht gesagen. // Vil michel danken · wart dâ niht verdeit. // dô gerten urloubes · die recken vil gemeit; // in rîterlîchen zühten · die hêrren tâten daß. // des wurden liehtiu ougen · von weinen trüebe unde naß. // Si sprach: „vil lieber bruoder, · ir möhtet noch bestân // und wurbet ander vrouwen: · daß hieße ich wol getân; // und dâ iu niht enstünde · en wâge sô der lîp. // ir muget hie nâhen vinden · ein als hôch geboren wîp.“ // Ich wæne, in sagt daß herze, · daß in dâ von geschach. // si weinten al gelîche, · swaß ieman gesprach. // ir golt in vor den brüsten · wart vor trähen sal: // die vielen in genôte · von den ougen ze tal. // Si sprach: „hêrre Sîvrit, · lât iu bevolhen sîn // ûf triuwe und ûf genâde · den lieben bruoder mîn, // daß im iht werre · in Prünhilde lant.“ // daß lobte ir der küene · mit guotem willen an die hant. // Dô sprach der degen rîche: · „ob mir mîn lîp bestât, // sô sult ir aller sorge, · vrouwe, haben rât: // ich bringen iu gesunden · her wider an den Rîn. // daß habt ûf mîme lîbe.“ · im neic daß schœne magedîn. // Ir goltvarwen schilde · man truoc in ûf den sant // und brâht in zuo dem schiffe · alleß ir gewant. // ir ros hieß man in ziehen: · si wolden varn dan. // dô wart von schœnen vrouwen · vil michel weinen getân. // Dô stuonden in diu venster · diu minneclîchen kint. // ir schif mit dem segele · ruorte ein hôher wint. // die stolzen hergesellen · sâßen ûf den Rîn; // dô sprach der künic Gunther: · „wer sol nu schifmeister sîn?“ // „Daß wil ich,“ sprach Sîvrit: · „ich kan iuch ûf der vluot // hinnen wol gevüeren, · daß wißßet, helde guot; // die rehten waßßerstrâße · sint mir wol bekant.“ // mit vreuden si dô schieden · ûß der Burgunden lant. // Sîvrit dô balde · ein schalten gewan, // von stade er schieben · vaste began. // Gunther der küene · ein ruoder selbe nam. // dô huoben sich von lande · die snellen rîter lobesam. // Si vuorten rîche spîse, · dar zuo guoten wîn, // den besten, den man kunde · vinden umben Rîn. // ir ros stuonden ebene, · si heten guot gemach. // ir schif gienc ouch ebene: · lützel leides in geschach. // Ir (vil) starken segelseil · wurden in gestraht: // si vuoren zweinzec mîle, · end eß wurde naht, // mit eime guoten winde · nider gein dem sê; // ir starkes arbeiten · tet sît schœnen vrouwen wê. // An dem zwelften morgen, · sô wir hœren sagen, // heten si die winde · verre dan getragen // gegen Isensteine · in Prünhilde lant; // daß was niemen mêre · wane Sîvride bekant. // Dô der künic Gunther · sô vil der bürge sach // und ouch der wîten marke, · wie balde er dô sprach: // „saget mir, vriunt, hêr Sîvrit, · ist iu daß bekant? // wes sint dise bürge · und ouch daß hêrlîche lant? // „Ine hân bî mînen zîten, · ine wolde lüge jehen, // sô wol erbouwen bürge · mêre nie gesehen // in deheinem einlande, · als ir hie vor uns stât: // er mac wol wesen rîche, · der si hie gebouwen hât.“ // Des antwurte Sîvrit: · „eß ist mir wol bekant: // eß ist Prünhilde, · bürge unde lant // und Isenstein diu veste, · als ir mich hœret jehen. // dâ muget ir noch hiute · vil schœner vrouwen gesehen. // „Ich wil iu helden râten, · ir habet einen muot, // ir jehet al gelîche: · jâ dunket eß mich guot. // swenne wir noch hiute · vür Prünhilde gân, // sô müeßen wir mit sorgen · vor der küneginne stân. // „Sô wir die minneclîchen · bî ir gesinde sehen, // sô sult ir helde mære · wan einer rede jehen: // Gunther sî mîn hêrre · unde ich sîn man; // des er hât gedingen, · daß wirt alleß getân.“ // Des wâren si bereite, · des er si loben hieß: // durch ir übermüete · deheiner eß niht ließ. // si jâhen, swes er wolde; · dâ von in wol geschach, // dô der künic Gunther · die schönen Prünhilde sach. // „Jane lobe ichß niht sô verre · durch die liebe dîn, // sô durch dîne swester, · daß schœne magedîn. // diu ist mir sam mîn sêle · und sô mîn selbes lîp; // ich wil daß gerne dienen, · daß si werde mîn wîp.“ // 7. Âventiure // wie Gunther Prünhilde gewan. In der selben zîte · dô was ir schif gegân // der burc alsô nâhen: · dô sach der künic stân // oben in den venstern · manec schœne meit. // daß er si niht erkande, · daß was im wærlîche leit. // Er vrâgte Sîvriden, · den gesellen sîn: // „ist iu iht daß künde · umb disiu magedîn, // die dort nider schouwent · gên uns ûf die vluot? // swie ir hêrre geheiße, · si sint vil hôhe gemuot.“ // Dô sprach der küene Sîvrit: · „nu sult ir tougen spehen // under den juncvrouwen · und sult mir danne jehen, // welhe ir nemen woldet, · hetet irs gewalt.“ // „daß tuon ich,“ sprach Gunther, · ein rîter küene unde balt. // „Sô sihe ich ir eine · in jenem venster stân // in snêwîßer wæte: · diu ist sô wol getân: // die welent mîniu ougen · durch ir schœnen lîp: // ob ich gewalt des hête, · si müese werden mîn wîp.“ // „Dir hât erwelt vil rehte · dîner ougen schîn: // eß ist diu edel Prünhilt, · daß schœne magedîn, // nâch der dîn herze ringet, · dîn sin und ouch dîn muot.“ // elliu ir gebærde · dûhte Gunthere guot. // Dô hieß diu küneginne · ûz den venstern gân // ir minneclîchen meide; · sine solden dâ niht stân // den vremden an ze sehene: · des wâren si bereit. // waß dô die vrouwen tâten, · daß ist uns sider ouch geseit. // Gên den unkunden · strichen si ir lîp, // des ie site hêten · wætlîchiu wîp. // an diu engen venster · kômen si gegân, // dâ si die helde sâhen: · daß was durch schouwen getân. // Ir wâren niuwan viere, · die kômen in daß lant. // Sîvrit der küene · ein ros zôch ûf den sant. // daß sâhen durch diu venster · diu wætlîchen wîp: // des dûhte sich getiuret · des künic Guntheres lîp. // Er habte im dâ bî zoume · daß zierlîche marc, // guot unde schœne, · michel unde starc, // unz der künic Gunther · in den satel gesaß. // alsô diente im Sîvrit, · des er doch sider gar vergaß. // Dô zôch er ouch daß sîne · von dem schiffe dan: // er het solhen dienest · vil selten ê getân, // daß er bî stegereife · gestüende helde mêr. // daß sâhen durch diu venster · die vrouwen schœn unde hêr. // Rehte in einer mâße · den helden vil gemeit // von snêblanker varwe · ir ros und ouch ir kleit // wâren vil gelîche, · ir schilde wol getân: // die lûhten von den handen · den vil wætlîchen man. // Ir setele wol gesteinet, · ir vürbüege smal: // si riten hêrlîche · vür Prünhilde sal; // dar an sô hiengen schellen · von liehtem golde rôt. // si kômen zuo dem lande, · als eß ir ellen in gebôt, // Mit spern niuwe sliffen, · mit swerten wol getân, // diu ûf die sporen giengen · den wætlîchen man. // diu vuorten die vil küenen · scharph unde breit. // daß sach alleß Prünhilt, · diu vil hêrlîche meit. // Mit in kom dô Dancwart · und ouch Hagene: // wir hœren sagen mære, · wie die degene // von rabenswarzer varwe · truogen rîchiu kleit. // ir schilde wâren niuwe, · michel, guot unde breit. // Von Indîâ dem lande · sach man si steine tragen, // die kôs man an ir wæte · vil hêrlîchen wagen. // si ließen âne huote · daß schiffel bî der vluot: // sus riten zuo der bürge · die helde küene unde guot. // Sehs und ahzec türne · si sâhen drinne stân, // drî palas wîte · und einen sal wol getân // von edelem marmelsteine · grüene alsam ein gras, // dar inne diu küneginne · mit ir ingesinde was. // Diu burc was entsloßßen, · vil wîte ûf getân. // dô liefen in enkegene · die Prünhilde man // und enphiengen die geste · in ir vrouwen lant. // ir ros man hieß behalden · und ir schilde vor der hant. // Dô sprach ein kamerære: · „gebet uns diu swert // und die liehten brünne.“ · „des sît ir ungewert,“ // sprach von Troneje Hagene, · „wir wellens selbe tragen.“ // dô begunde Sîvrit · im den hovesite sagen. // „In dirre burc phliget man, · daß wil ich iu sagen, // daß neheine geste · sulen wâfen tragen: // lât si tragen hinnen, · daß ist wol getân.“ // des volgte ungerne · Hagne Guntheres man. // Man hieß den gesten schenken · und schaffen guot gemach. // manegen snellen recken · man ze hove sach // in vürstlîcher wæte · allenthalben gân; // doch wart michel schouwen · an die küenen getân. // Dô wart vroun Prünhilde · gesaget mit mæren, // daß unkunde recken · dâ komen wæren // in hêrlîcher wæte · gevloßßen ûf der vluot. // dâ von begonde vrâgen · diu maget schœne unde guot: // „Ir sult mich lâßen hœren,“ · sprach diu künegîn, // „wer die unkunden · recken mügen sîn, // die ich sô hêrlîche · dort sihe stân, // und durch wes liebe · die helde her gevarn hân.“ // Dô sprach ein ir gesinde: · „vrouwe, ich mac wol jehen, // daß ich ir deheinen · mêre habe gesehen, // wan Sîvride gelîche · einer drunder stât: // den sult ir wol enphâhen: · daß ist mit triuwen mîn rât.“ // Der ander der gesellen · der ist sô lobelîch: // „ob er gewalt des hæte, · wol wær er künic rîch // ob wîten vürsten landen · und mohte er diu hân. // man siht in bî den andern · sô rehte hêrlîche stân. // „Der drite der gesellen · der ist sô gremlîch // und doch mit schœnem lîbe, · küneginne rîch, // von swinden sînen blicken, · der er sô vil getuot. // er ist in sînen sinnen · ich wæne grimme gemuot. // „Der jungeste dar under · der ist sô lobelîch: // magtlîcher zühte · sihe ich den degen rîch // mit guotem gelæße · sô minneclîche stân. // wir möhtenß alle vürhten, · hete im hie iemen iht getân. // „Swie blîde er phlege der zühte · und swie schœne sî sîn lîp, // er möhte wol erweinen · vil wætlîchiu wîp, // swenne er begonde zürnen. · sîn lîp ist sô gestalt, // er ist in allen tugenden · ein degen küene unde balt.“ // Dô sprach diu küneginne: · „Nu brinc mir mîn gewant: // und ist der starke Sîvrit · komen in mîn lant // durch willen mîner minne, · eß gât im an den lîp. // ich vürhte in niht sô sêre, · daß ich werde sîn wîp.“ // Prünhilt diu schœne · wart schiere wol gekleit. // dô gie mit ir dannen · manegiu schœniu meit, // wol hundert oder mêre; · gezieret was ir lîp. // die geste wolden schouwen · diu vil wætlîchen wîp. // Dâ mite giengen degene · ûß Isenlant, // Prünhilde recken: · die truogen swert enhant, // vünf hundert oder mêre. · daß was den gesten leit: // dô stuonden von dem sedele · die küenen helde gemeit. // Dô diu küneginne · Sîvriden sach, // zuo deme gaste · si zühteclîchen sprach: // „sît willekomen, hêr Sîvrit, · her in ditze lant! // waß meinet iuwer reise? · daß hete ich gerne bekant.“ // „Vil michel genâde, · vrou Prünhilt, // daß ir mich ruochet grüeßen, · vürsten tohter milt, // vor disem edelen recken, · der hie vor mir stât: // wan der ist mîn hêrre; · der êren hete ich gerne rât. // „Er ist künec ze Rîne: · waß sol ich sagen mêr? // durch dîne liebe · sîn wir gevarn her. // er wil dich gerne minnen, · swaß im dâ von geschiht. // bedenke dichs bezîte: · er enlât dich sîn niht. // „Er ist geheißen Gunther, · ein künec rîch unde hêr. // erwurb er dîne minne, · sone gerte er niht mêr. // durch dich mit im · ich her gevarn hân; // wærer niht mîn hêrre, · ich heteß nimmer getân.“ // Si sprach: „ist er dîn hêrre · unde du sîn man, // wil er mîn geteiltiu spil · alsô bestân, // behabe er die meisterschaft, · sô wird ich sîn wîp: // gewinne aber ich ir eineß, · eß gêt iu allen an den lîp.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „vrouwe, lât uns sehen // iuwer spil geteiltiu. · end iu müeste jehen // Gunther mîn hêrre, · dâ mües eß herte sîn. // er trouwet wol erwerben · ein alse schœne magedîn.“ // „Den stein sol er werfen · und springen dar nâch, // den gêr mit mir schießen. · lât iu niht sîn ze gâch. // ir muget hie wol verliesen · die êre und ouch den lîp: // des sult ir iuch bedenken,“ · sprach daß minneclîche wîp. // Sîvrit der snelle · zuo dem künege trat, // allen sînen willen · er in reden bat // gên der küneginne: · er solde ân angest sîn: // „ich sol dich wol behüeten · vor ir mit den listen mîn.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „küneginne hêr, // nu teilt, swaß ir gebietet. · und wæres dannoch mêr, // ich bestüende eß alleß · durch iuwern schœnen lîp. // mîn houbet ich verliuse, · ir enwerdet mîn wîp.“ // Dô diu küneginne · sîne rede vernam, // der spile bat si gâhen, · als ir daß gezam. // si hieß ir ze strîte · bringen ir gewant, // ein brünne von golde · und einen guoten schildes rant. // Ein wâfenhemde sîdîn · leite an diu meit, // daß in deheime strîte · wâfen nie versneit, // von phelle ûßer Libîâ; · eß was wol getân: // von borten lieht gewürhte · sach man schînen dar an. // Die zît wart den recken · in gelfe vil gedreut. // Dancwart und Hagene · wâren ungevreut. // wie eß dem künege ergienge, · des sorget in der muot. // si dâhten: „unser reise · ist uns gesten niht ze guot.“ // Die wîle was ouch Sîvrit, · der listige man, // end eß iemen wesse, · zuo dem schiffe gegân, // dâ er die tarnkappe · verborgen ligen vant. // dar în slouf er schiere: · dô was er niemen bekant. // Er îlte hin widere: · dô vant er recken vil, // dâ diu küneginne · teilte ir hôhiu spil. // dâ gie er tougenlîchen, · daß in dâ niemen sach // aller, die dâ wâren, · vone listen daß geschach. // Der rinc was bezeiget, · dô soldeß spil geschehen // vor manegem küenen recken, · die daß solden sehen. // wol siben hundert · sach man wâfen tragen: // swer daß spil gewünne, · daß si die wârheit solden sagen. // Dô was ouch komen Prünhilt: · gewâfent man die vant, // sam ob si wolde strîten · umbe elliu küneges lant. // jâ truoc si ob den sîden · manegen goldes zein, // dar under minneclîchen · ir vil liehtiu varwe schein. // Dô kom ir gesinde · und truogen dar zehant // von alrôtem golde · einen schildes rant // mit stahelherten spangen, · michel unde breit, // dar under spilen wolde · diu vil minneclîche meit. // Der meide schiltveßßel · ein edel borte was, // dar ûfe lâgen steine · grüene alsam ein gras: // der lûhte maneger leije · mit schîne widerß golt. // er müeste wesen küene, · dem diu vrouwe wurde holt. // Der schilt was under buckeln, · als uns daß ist geseit, // drîer spannen dicke, · den tragen solt diu meit: // von stâle und ouch von golde · rîch er was genuoc, // den ir kamerære · selp vierde kûme getruoc. // Alsô der starke Hagene · den schilt dar tragen sach, // in grôßem unmuote · der helt von Troneje sprach: // „wâ nu, künic Gunther, · wie vliese wir den lîp? // der ir dâ gert ze minnen, · diu ist des tiuveles wîp.“ // Vernemt noch von ihr wæte: · der hæte si genuoc. // von Azagouc der sîden · einen wâfenroc si truoc, // edel unde rîche, · ab des varwe schein // von der küneginne · vil manec hêrlîcher stein. // Dô truoc man der vrouwen · swære unde grôß // einen vil scharfen gêr, · dens zallen zîten schôß, // stark und ungevüege, · michel unde breit, // der ze sînen ecken · vile vreislîchen sneit. // Von des gêres swære · hœret wunder sagen. // vierdehalp messe · was dar zuo geslagen. // den truogen kûme drîe · Prünhilde man. // Gunther der edele · dar umbe sorge gewan. // Er dâhte in sînem muote: · „waß sol ditze wesen? // der tiuvel ûß der helle · (wie) kunde er dâ vor genesen? // wære ich ze Burgunden · mit dem lebene mîn, // si müeste hie vil lange · vrî vor mîner minne sîn.“ // Im was in sînen sorgen, · daß wißßet, leit genuoc. // alleß sîn gewæfen · man im einen truoc. // dâ wart der künic rîche · wol gewâfent in. // vor leide hete Hagene · vil nâch verwandelt den sin. // Dô sprach Hagnen bruoder, · der küene Dankwart: // „mich riuwet inneclîchen · disiu hovevart. // nu hießen wir ie recken! · wie vliese wir den lîp! // suln uns in disem lande · nu verderben diu wîp? // „Mich müet harte sêre, · daß ich kom in daß lant. // hete mîn bruoder Hagene · sîn wâfen an der hant // und ouch ich daß mîne, · sô möhten samfte gân // mit ir übermüete · alle Prünhilde man. // Daß wißßet sicherlîchen, · si soldenß wol bewarn. // und hete ich tûsent eide · zeinem vride geswarn, // ê daß ich sterben sæhe · den lieben hêrren mîn, // jâ müesen lîp verliesen · daß vil schœne magedîn.“ // „Wir solden ungevangen · wol rûmen ditze lant,“ // sprach sîn bruoder Hagene, · „hete wir daß gewant, // des wir ze nôt bedurfen, · und diu swert vil guot, // sô wurde wol gesenftet · der schœnen vrouwen übermuot.“ // Wol hôrt diu maget edele, · waß der degen sprach. // mit smielendem munde · si über ahsel sach: // „nu er dunket sich sô küene, · sô traget in ir gewant, // ir vil scharfen wâfen · gebet den helden an die hant. // „Mir ist alse mære, · daß si gewâfent sîn, // als ob si blôße stüenden,“ · sô sprach diu künegîn. // „ich envürhte niemens sterke, · den ich noch habe bekant: // ich getrouwe wol gedingen · in strîte vor sîn eines hant.“ // Dô si diu swert gewunnen, · sô diu meit gebôt, // der vil küene Dancwart · wart von vreuden rôt: // „nu spilen, swes si wellen,“ · sprach der küene man. // „Gunther ist unbetwungen, · sît wir unser wâfen hân.“ // Prünhilde sterke · grœßlîchen schein. // man truog ir zuo dem ringe · einen swæren stein, // grôß und ungevüege, · michel unde wel: // in truogen kûme zweleve · der küenen helde unde snel. // Den warf si zallen zîten, · sô si den gêr verschôß. // der Burgunden sorge · was vil harte grôß. // „wâfen!“ sprach Hagene, · „waß hât der künec ze trût! // jâ sol si in der helle · sîn des übelen tiuvels brût.“ // An ir vil wîße arme · si die ermel want, // si begunde vaßßen · den schilt an der hant, // den gêr si hôhe zucte: · dô gie eß an den strît. // die ellenden geste · vorhten Prünhilde nît. // Unde wære im Sîvrit · niht dâ ze helfe komen, // sô hete si Gunther · sînen lîp benomen. // er gie dar tougenlîche · und ruort im sîne hant. // Gunther sîne liste · harte sorclîch ervant. // „Waß hât mich gerüeret?“ · dâht der küene man. // dô sach er allenthalben: · er vant dâ niemen stân. // er sprach: „ich pinß, Sîvrit, · der liebe vriunt dîn. // vor der küneginne · soltu gar âne angest sîn.“ // (Er sprach): „gip mir von handen · den schilt lâ mich tragen, // unde merke rehte, · waß du mich hœrest sagen. // nu habe du die gebærde, · diu werk wil ich begân.“ // dô er in bekande, · eß was im liebe getân. // „Nu hil du mîne liste, · daß ist uns beiden guot: // sone mac diu küneginne · ir starke übermuot // an dir iht verenden, · des si doch willen hât: // nu sihtu, wie diu vrouwe · vor dir unsorclîchen stât.“ // Dô schôß vil krefteclîchen · diu hêrlîche meit // ûf einen schilt niuwen, · michel unde breit; // den truoc an sîner hende · daß Siglinde kint. // daß viur spranc von stahele, · sam eß wâte der wint. // Des starken gêres snîde · al durch den schilt gebrach, // daß man daß viuwer lougen · ûß den ringen sach. // des schußßes beide strûchten · die kreftige man: // wan diu tarnkappe, · si wæren tôt dâ bestân. // Sîvride dem küenen · von munde brast daß bluot. // vil balde spranc er widere: · dô nam der helt guot // den gêr, den si geschoßßen · im hete durch den rant: // den schôß ir dô hin widere · des starken Sîvrides hant. // Er dâhte: „ich wil niht schießen · daß schœne magedîn.“ // er kêrte des gêres snîde · hindern rücke sîn; // mit der gêrstangen · er shôß ûf ir gewant, // daß eß erklanc vil lûte · von sîner ellenthaften hant. // Daß fiuwer stoub ûß ringen, · als ob eß tribe der wint. // den gêr schôß mit ellen · daß Sigmundes kint: // sine mohte mit ir kreften · des schußßes niht gestân; // eß enhete der künic Gunther · in triuwen nimmer getân. // Prünhilt diu schœne · balde ûf spranc: // „edel rîter Gunther, · des schußßes habe danc.“ // si wânde, daß erß hête · mit sîner kraft getân; // nein, si hete gevellet · ein verre kreftiger man. // Dô gie si hin balde, · zornec was ir muot: // den stein huop vil hôhe · diu edel maget guot. // si swanc in krefteclîche · verre von der hant: // dô spranc si nâch dem wurfe, · daß lûte erklang ir gewant. // Der stein was gevallen · zwelf klâfter dan: // den wurf brach mit sprunge · diu maget wol getân. // dar gie der snelle Sîvrit, · dâ der stein gelac: // Gunther in wegete, · der helende werfennes phlac. // Sîvrit was küene, · kreftec unde lanc: // den stein warf er verrer, · dar zuo er wîter spranc. // von sînen schœnen listen · het er kraft genuoc, // daß er mit dem sprunge · den künic Gunthere truoc. // Der sprunc was ergangen, · der stein was gelegen: // dô sach man ander niemen · wan Gunther den degen. // Prünhilt diu schœne · wart in zorne rôt; // Sîvrit hete geverret · des künic Guntheres tôt. // Zuo ir ingesinde · ein teil si lûte sprach, // dô si ze ende des ringes · den helt gesunden sach: // „balde komet her nâher, · mâge und mîne man: // ir sult dem künic Gunther · alle werden undertân.“ // Dô leiten die vil küenen · diu wâfen von der hant, // si buten sich ze vüeßen · von Burgunden lant // Gunther dem rîchen, · vil manec küener man: // si wânden, er hête · mit sîner kraft diu spil getân. // Er gruoßtes minneclîche: · jâ was er tugende rîch. // dô nam in bî der hende · diu maget lobelîch: // si erloubte im, daß er solde · haben dâ gewalt. // des vreute sich dô Hagene, · der degen küene unde balt. // Si bat den rîter edele · mit ir dannen gân // in den palas wîten: · dâ was vil manec man. // durch vorhte manß dem degene · deste baß erbôt. // von Sîvrides ellen · si wâren komen ûßer nôt. // Sîvrit der snelle, · wîse er was genuoc, // sîne tarnkappen · er ze behalten truoc. // dô gie er hin widere, · dâ manec vrouwe saß; // er sprach zuo dem künege · und tet vil kündeclîche daß: // „Wes pîtet ir, mîn hêrre, · wan beginnet ir der spil, // der iu diu küneginne · teilet alsô vil? // und lât uns balde schouwen, · wie diu sîn getân.“ // sam ers niht enweste, · gebârt der listige man. // Dô sprach diu küneginne: · „wie ist daß geschehen, // daß ir habt, hêr Sîvrit, · der spil niht gesehen, // diu hie hât errungen · diu Guntheres hant?“ // des antwurte ir Hagene · ûßer Burgunden lant: // Er sprach: „dâ het ir, vrouwe, · betrüebet uns den muot: // dô was bî dem scheffe · Sîvrit der helt guot, // dô der vogt von Rîne · diu spil iu an gewan: // des ist eß im unkündec,“ · sprach der Guntheres man. // „Sô wol mich dirre mære,“ · sprach Sîvrit der degen, // „daß iuwer hôchverten · alsô ist gelegen, // „daß iemen lebet, der iuwer · meister müge sîn. // nu sult ir, maget edele, · uns hinnen volgen an den Rîn.“ // Dô sprach diu wol getâne: · „des mac niht ergân. // eß müeßen ê bevinden · mâge und mîne man. // jane mag ich alsô lîhte · gerûmen niht mîn lant: // die mîne hôhsten vriunde · müeßen werden ê besant.“ // Dô hieß si boten rîten · allenthalben dan: // si besande ir vriunde, · mâg unde man. // die bat si ze Isensteine · komen unerwant, // und hieß in geben allen · rîch und hêrlîch gewant. // Si riten tegelîche · spâte unde vruo // Prünhilde bürge · scharhafte zuo. // „jarîâ,“ sprach Hagene, · „waß habe wir getân! // wir erbeiten hie übele · der schœnen Prünhilde man. // „Sô si nu mit ir krefte · koment in daß lant, // der küneginne wille · ist uns unbekant: // waß, ob si alsô zürnet, · daß wir sîn verlorn? // sô ist diu maget edel uns · ze grôßen sorgen geborn.“ // Dô sprach der starke Sîvrit: · „daß sol ich understên. // des ir dâ habet sorge, · des lâße ich niht ergên. // ich sol iu helfe bringen · her in ditze lant // von ûß erwelten recken, · die sint iu noch unbekant. // „Ir sult nâch mir niht vrâgen: · ich wil hinnen varn. // Got müeße iuwer êre · die zît wol bewarn. // ich kume schiere widere · und bringiu tûsent man // der aller besten degene, · der iemen künde gewan.“ // „Sone sît et niht ze lange,“ · sprach der künic dô. // „wir sîn iuwer helfe · billîchen vrô“. // er sprach: „ich kume widere · in vil kurzen tagen. // daß ir mich habet gesendet, · sult ir der küneginne sagen.“ // 8. Âventiure // wie Sîvrit nâch den Nibelungen vuor. „Dannen gie dô Sîvrit · zer porten ûf den sant // in sîner tarnkappen, · dâ er ein schiffel vant. // dar an sô stuont vil tougen · daß Sigmundes kint: // er vuorte eß balde dannen, · als ob eß wæte der wint. // Den schifmeister niemen sach; · daß schiffel sêre vlôß // von Sîvrides kreften: · die wâren alsô grôß. // si wânden, daß eß vuorte · ein sunder starker wint: // nein, eß vuorte Sîvrit, · der schœnen Siglinde kint. // Bî des tages zîte · und bî der einen naht // kom er zeime lande · mit michelre maht, // hundert langer raste · und dannoch lîhte baß; // daß hieß Niblunge, · dâ er den grôßen hort besaß. // Der helt vuor aleine · ûf einen wert breit: // daß schif gebant vil balde · der rîter vil gemeit. // er gie zuo eime berge, · dar ûfe ein burc stuont, // und suohte herberge, · sô die wegemüede tuont. // Dô kom er vür die porten: · versloßßen im diu stuont: // jâ huoten si ir êre, · sô noch die liute tuont. // anß tor begunde bôßen · der unkunde man: // daß was wol behüetet; · dô vant er innerthalben stân // Einen ungevüegen, · der der burc phlac, // bî dem zallen zîten · sîn gewæfen lac. // der sprach: „wer ist der bôßet · sô vaste an daß tor?“ // dô wandelte sîne stimme · der küene Sîvrit dâ vor // Und sprach: „ich bin ein recke: · nu sliuß ûf daß tor. // ich erzürne eteslîchen · noch hiute dâ vor, // der gerne samphte læge · und hete sîn gemach.“ // daß muote den portenære, · dô daß Sîvrit gesprach. // Nu hete der rise küene · sîn wæfen an getân, // sîn helmen ûf sîn houbet: · der vil starke man // den schilt vil balde zucte, · daß tor er ûf swief: // wie rehte gremlîchen · er dô an Sîvriden lief! // Wie er getorste wecken · sô manegen küenen man? // dô wurden slege swinde · von sîner hant getân. // dô begunde im schirmen · der hêrlîche gast; // doch schuof der portenære, · daß sîn gespenge zebrast // Von einer îsenstangen: · des gie dem helde nôt. // ein teil begunde vürhten · der helt den grimmen tôt, // dô der portenære · sô krefteclîchen sluoc. // dar umbe was im wæge · sîn hêrre Sîvrit genuoc. // Si striten alsô sêre, · daß al diu burc erschal: // dô hôrte man daß dießen · in Niblunge sal. // er twanc den portenære, · daß er in sît gebant; // diu mære wurden künde · in al der Niblunge lant. // Dô hôrte daß strîten · verre durch den berc // Albrîch der küene, · ein wildeß getwerc. // Er wâfent sich balde · und lief, dâ er dâ vant // disen gast vil edele, · dâ er den risen vaste gebant. // Albrîch was küene, · dar zuo stark genuoc. // helm unde ringe · er an dem lîbe truoc // und eine geisel swære · von golde an sîner hant. // dô lief er harte swinde, · dâ er Sîvriden vant. // Siben knöphe swære · hiengen vor dar an, // dâ mit er umb die hende · den schilt dem küenen man // sluoc sô bitterlîchen, · daß im des vil zebrast. // des lîbes kom in sorge · dô der wætlîche gast. // Den scherm er von der hende · gar zebrochen swanc: // dô stieß er in die scheide · ein wâfen, daß was lanc. // sînen kamerære · wold er niht slahen tôt: // er schônde sîner liute, · als im tugent daß gebôt. // Mit starken sînen handen · lief er Albrîchen an // und vie bî dem barte · den altgrîsen man: // er zogte in ungevuoge, · daß er vil lûte erschrê. // zuht des jungen heldes · diu tet Albrîche wê. // Lûte rief der küene: · „nu lâßet mich genesen. // und möhte ich iemens eigen · ân einen recken wesen // (dem swuor ich des eide, · ich wær im undertân), // ich diente iu, ê ich sturbe,“ · sprach der listige man. // Er bant ouch Albrîchen · sam den risen ê: // die Sîvrides krefte · tâten im vil wê. // daß twerc begunde vrâgen: · „wie sît ir genant?“ // er sprach: „ich heiße Sîvrit: · ich wânde, ich wære iu wol bekant.“ // „Sô wol mich dirre mære,“ · sprach Albrîch daß getwerc. // „nu hân ich wol ervunden · diu hêrlîchen werc, // daß ir von wâren schulden · muget landes hêrre wesen, // ich tuon, swaß ir gebietet, · daß ir lât mich genesen.“ // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ir sult vil balde gân // und bringet mir der besten · recken, die wir hân, // tûsent Niblunge, · daß mich die hie gesehen: // sô wil ich iu leides · lâßen hie niht geschehen.“ // Dem risen und Albrîche · lôste er dô diu bant. // dô lief Albrîch balde, · dâ er die recken vant: // sorgende wacter · der Niblunge man. // er sprach: „wol ûf, ir helde, · ir sult ze Sîvride gân. // Si sprungen von den betten · und wâren vil bereit. // tûsent rîter snelle · die wurden wol gekleit. // si giengen, dâ si vunden · Sîvriden stân. // dô wart ein schœne grüeßen, · ein teil mit werken getân. // Vil kerzen was enzündet, · man schancte im lûtertranc. // daß si kômen schiere, · er seit ins allen danc. // er sprach: „ir sult hinnen · mit samt mir über vluot.“ // des vant er vil bereite · die helde küene unde guot. // Wol drîßec tûsent recken · wâren schiere komen: // ûß den wurden tûsent · der besten dô genomen. // den brâhte man ir helme · und ander ir gewant, // wan er si vüeren wolde · in daß Prünhilde lant. // Er sprach: „ir guoten rîter, · daß wil ich iu sagen, // ir sult vil rîchiu kleider · dâ ze hove tragen, // wan uns dâ sehen müeßen · vil minneclîchiu wîp. // dar umbe solt ir zieren · mit guoter wæte den lîp.“ // Nu sprichet lîhte ein tumber: · „eß mac wol lüge wesen: // wie möhte sô vil rîter · bî ein ander sîn genesen? // wâ nâmen si die spîse, · wâ nâmen si gewant? // sine kundenß niht verenden, · und ob in dienten drîßec lant.“ // Sîvrit was sô rîche, · als ir wol habt gehôrt. // im diente daß künecrîche · und Nibelunge hort: // des gaber sînen degenen · vil volleclîch genuoc, // wan sîn wart doch niht minre, · swie vil man von dem schatze truoc. // An einem morgen vrüeje · huoben si sich dan: // waß sneller geverten · Sîvrit dô gewan! // si vuorten ros diu guoten · und hêrlîch gewant: // si kômen weigerlîchen · in daß Prünhilde lant. // Dô stuonden in den zinnen · diu minneclîchen kint. // dô sprach diu küneginne: · „weiß iemen, wer die sint, // die ich dort sihe vließen · sô verre ûf dem sê? // si vüerent segel rîche, · diu sint noch wîßer danne snê.“ // Dô sprach der vogt von Rîne: · „eß sint mîne man; // die hete ich an der verte · hie nâhen bî verlân. // die hân ich besendet: · die sint nu, vrouwe, komen.“ // der hêrlîchen geste · wart mit zühten war genomen. // Dô sach man Sîvriden · vor ime schiffe stân // in hêrlîcher wæte · und ander manegen man. // dô sprach diu küneginne: · „her künec, ir sult mir sagen, // sol ich die geste grüeßen · oder sol ich grüeßen si verdagen?“ // Er sprach: „ir sult enkegen · in vür daß palas gên, // ob ir si sehet gerne, · daß si daß wol verstên.“ // dô tete diu küneginne, · als ir der künic riet; // Sîvriden mit dem gruoße · si von den anderen schiet. // Man schuof in herberge · und behielt in ir gewant. // dô was sô vil geste · komen in daß lant, // daß si sich allenthalben · drungen mit ir scharn. // dâ wolden die vil küenen · heim zen Burgunden varn. // Dô sprach diu küneginne: · „ich wolde im wesen holt, // der geteilen kunde · mîn silber und mîn golt // mîn und des küneges gesten, · des ich sô vil hân.“ // dô antwurte Dankwart, · des küenen Gîselhêres man: // „Vil edel küneginne, · lât mich der slüßßel phlegen. // ich trûweß sô geteilen,“ · sprach der küene degen, // „swaß ich erwerbe schande, · die lât mîn eines sîn.“ // daß er milte wære, · daß tete er grœßlîchen schîn. // Dô sich Hagenen bruoder · der slüßßele underwant, // sô manege rîche gâbe · bôt des heldes hant: // der einer mark gerte, · dem wart sô vil gegeben, // daß die armen alle · muosen vrœlîchen leben. // Wol bî hundert phunden · gab er âne zal. // genuoge in rîcher wæte · giengen vor den sal, // die nie dâ vor getruogen · sô hêrlîchiu cleit. // daß gevriesch diu künegîn: · eß was ir swære unde leit. // Dô sprach diu küneginne: · „hêr künic, ich het des rât, // daß iuwer kamerære · mir wil mîner wât // lâßen niht belîben: · er swendet gar mîn golt. // derß noch understüende, · dem wolde ich immer wesen holt.“ // „Er gît sô rîche gâbe, · jâ wænet des der degen, // ich habe gesant nâch tôde: · ich wils noch lenger phlegen. // ouch trûwe ichß wol verswenden, · daß mir mîn vater lie.“ // sô milten kamerære · gewan noch küneginne nie. // Dô sprach von Troneje Hagene: · „vrouwe, iu sî geseit, // eß hât der künic von Rîne · golt unde kleit // alsô vil ze gebene, · daß wir des haben rât, // daß wir von hinnen vüeren · iht der Prünhilde wât.“ // „Nein, durch mîne liebe,“ · sprach diu künegîn, // „nu lât mir ervüllen · zweinzec leitschrîn // von golde und ouch sîden, · daß geben sol mîn hant, // sô wir über komen heim · in der Burgunden lant.“ // Mit edelem gesteine · ladet man ir diu schrîn. // ir selber kamerære · dâ mite muosen sîn: // sine wolde es niht getrouwen · dem Gîselhêres man. // Gunther und Hagene · dar umbe lachen began. // Dô sprach diu küneginne: · „wem lâße ich mîniu lant? // diu sol ê hie bestiften · mîn und iuwer hant.“ // dô sprach der künic edele: · „nu heißet her gân, // der iu dar zuo gevalle, · den sul wir voget wesen lân.“ // Ein ir hôhsten mâge · diu vrouwe bî ir sach, // er was ir muoter bruoder, · zuo dem diu maget sprach: // „nu lât iu sîn bevolhen · mîn bürge und ouch daß lant, // unze daß hie rihte · des künic Guntheres hant.“ // Dô welt si ir gesindes · zweinzec hundert man, // die mit ir ze Rîne · solden varn dan, // zuo jenen tûsent recken · ûß Nibelunge lant. // si rihten sich zer verte: · man sach si rîten ûf den sant. // Si vuorte mit ir dannen · sehs und ahzec wîp, // dar zuo hundert meide: · vil schœne was der lîp. // sin sûmten sich niht langer, · si wolden gâhen dan. // die si dâ heime ließen, · hei, waß der weinen began! // In tugentlîchen zühten · diu vrouwe rûmte ir lant: // si kuste ir næhsten vriunde, · die si bî ir vant. // mit guotem urloube · si kômen ûf den sê; // zuo ir vater lande · kom diu vrouwe nimmer mê. // Man hôrte ûf ir verte · maneger hande spil; // aller kurzwîle · der hêten si vil. // ouch kom in zuo ir reise · ein rehter waßßerwint. // si vuoren von dem lande: · daß beweinde maneger muoter kint. // Doch wolde si den hêrren · niht minnen ûf der vart: // eß wart ir kurzwîle · unz in ir hûs gespart // ze Wormeß zuo der bürge · an eine hôhzît, // dar si vil vreuden rîche · kômen mit ir helden sît. // 9. Âventiure // wie Sîvrit ze Wormeß gesant wart. Dô si gevarn wâren · volle niun tage, // dô sprach von Troneje Hagene: · „nu hœret, waß ich sage. // wir sûmen uns mit den mæren · ze Wormeß an den Rîn: // iuwer boten solden · nu ze Burgunden sîn.“ // Dô sprach künic Gunther: · „ir habet wâr geseit. // uns wære ze der verte · niemen sô bereit // als ir, vriunt Hagene: · nu rîtet in mîn lant. // unser hovereise · tuot in nieman baß bekant.“ // „Nu wißßet, lieber hêrre, · ich bin niht bote guot: // lât mich phlegen der kamere, · belîben ûf der vluot. // jâ wil ich bî den vrouwen · behüeten ir gewant, // unz wir si bringen · in der Burgunde lant.“ // „Nu bitet Sîvriden · vüern die botschaft: // der kan si wol gewerben · mit ellenhafter kraft. // verseit er iu die reise, · ir sult mit guoten siten // durch iuwer swester liebe · der verte in vriuntlîchen biten.“ // Er sande nâch dem recken: · der kom, dô man in vant. // er sprach: „sît wir nâhen · heim in mîniu lant, // sô solde ich boten senden · der lieben swester mîn // und ouch mîner muoter, · daß wir nâhen an den Rîn. // „Des ger ich an iu, Sîvrit, · daß ir die reise tuot, // daß ich eß immer diene,“ · sprach der degen guot. // dô widerredetß Sîvrit, · der vil küene man, // unz daß in künic Gunther · sêre vlêgen began. // Er sprach: „ir sult rîten · durch den willen mîn // und ouch durch Kriemhilde, · daß schœne magedîn, // daß eß mit mir verdiene · diu hêrlîche meit.“ // dô daß erhôrte Sîvrit, · dô was der recke vil bereit. // „Enbietet, swaß ir wellet: · des wirt niht verdaget. // ich wil eß werben gerne · durch die schœne maget. // zwiu solde ich die verzîhen, · die ich in herzen hân? // durch si, swaß ir gebietet, · daß ist alleß getân.“ // „Sô saget Uoten, · der rîchen künegîn, // daß wir an dirre verte · hôhes muotes sîn. // lât wißßen mîne bruoder, · wie wir geworben hân; // ir sult ouch unser vriunde · disiu mære hœren lân. // „Mîne schœne swester · sult ir niht verdagen, // ir sult ir Prünhilde · und mînen dienest sagen // und ouch dem gesinde · und allen mînen man. // dar nâch ie ranc mîn herze, · wol ich daß verendet hân. // „Und saget Ortwîne, · dem lieben neven mîn, // daß er heiße rihten · sidel an dem Rîn, // und ander mîne mâge · die sol man wißßen lân, // ich wil mit Prünhilde · grôße hôhgezîte hân. // „Und saget mîner swester, · sô si habe vernomen, // daß ich mit mînen gesten · sî ze lande komen, // daß si wol enphâhe · die triutinne mîn: // daß wil ich immer diende · umbe Kriemhilde sîn.“ // Sîvrit der hêrre · balde urloup nam // vrouwen Prünhilde, · als im daß wol gezam, // und zallem ir gesinde: · dô reit er an den Rîn. // eß enkunde in dirre werlde · ein bote beßßer niht gesîn. // Mit vier und zweinzec recken · ze Wormeß er dô reit; // des küneges kom er âne: · dô daß wart geseit, // alleß daß gedigene · muote jâmers nôt: // si vorhten, daß ir hêrre · dort belîben wære tôt. // Si erbeißten von den rossen, · hôhe stuont ir muot; // schiere kom in Gîselhêr, · der junge künic guot, // und Gêrnôt sîn bruoder: · wie balde er dô sprach, // dô er den künic Gunther · niht bî Sîvride sach: // Sît willekomen, hêr Sîvrit; · ir sult mich wißßen lân, // war ir mînen bruoder, · den künic, habet getân? // Prünhilde sterke · in wæn uns habe benomen: // „sô wære ir hôhiu minne · uns ze grôßen schaden komen.“ // Die angest lât belîben: · iu und den mâgen sîn // enbiutet sînen dienest · der hergeselle mîn. // den lie ich wol gesunden: · er hât mich iu gesant, // daß ich sîn bote wære · mit mæren her in iuwer lant. // „Ir sult daß ahten schiere, · swie sô daß geschehe, // daß ich die küneginne · und iuwer swester sehe. // die sol ich lâßen hœren, · waß iu enboten hât // Gunther und Prünhilt: · ir dinc in beiden hôhe stât.“ // Dô sprach der junge Gîselher: · „dâ sult ir zuo ir gân; // dâ habet ir mîner swester · liebe an getân. // si treit michel sorge · umbe den bruoder mîn: // diu meit sihet iuch gerne: · des wil ich iuwer bürge sîn.“ // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „swâ ich ir dienen kan, // daß sol willeclîchen · mit triuwen sîn getân. // wer seit nu den vrouwen, · daß ich wil dar gân?“ // des wart dô bote Gîselher, · der vil wætlîche man. // Gîselher der junge · zuo sîner muoter sprach // und ouch zuo sîner swester, · dâ er si beide sach: // uns ist komen Sîvrit, · der helt ûß Niderlant: // in hât mîn bruoder Gunther · her ze Rîne gesant. // „Er bringet uns diu mære, · wieß umbe den künic stê; // nu sult ir im erlouben, · daß er ze hove gê: // er seit diu rehten mære · her von Isenlant.“ // noch was den edelen vrouwen · michel sorgen bekant. // Si sprungen nâch ir wæte · und leiten sich an. // si bâten Sîvriden · hin ze hove gân: // daß tete er willeclîchen, · wande er si gerne sach. // Kriemhilt diu edele · zuo im vil güetlîchen sprach: // „Sît willekomen, hêr Sîvrit, · rîter lobelîch. // wâ ist mîn bruoder Gunther, · der edel künic rîch? // von Prünhilde sterke · den wæn wir hân verlorn. // ouwê mir armer meide, · daß ich zer werlde ie wart geborn.“ // Dô sprach der rîter küene: · „gebet mir boten brôt: // ir vil schœnen vrouwen · weinet âne nôt. // ich lie in wol gesunden: · daß tuon ich iu bekant: // er hât mich iu beiden · mitten mæren her gesant. // „Mit vriuntlîcher liebe, · vil edel künegîn, // enbiutet iu ir dienest · er und diu wine sîn. // nu lât iuwer weinen: · si wellent schiere komen.“ // si hete in manegen zîten · sô lieber mære niht vernomen. // Mit snêwîßen gêren · ir ougen wol getân // wischte si nâch trehenen. · danken si began // dem boten dirre mære, · diu ir dâ wâren komen. // dô was ir michel trûren · unde weinen benomen. // Si bat den boten sitzen: · des was er vil bereit. // dô sprach diu minneclîche: · „mir wære niht ze leit, // ob ich ze boten miete · iu solte geben mîn golt: // dar zuo sît ir ze rîche: · ich wil iu sust wesen holt.“ // „Ob ich nu eine hête,“ · sprach er, „drîßec lant, // so enphienge ich doch gerne · gâbe ûß iuwer hant.“ // dô sprach diu tugentrîche: · „sô sol eß sîn getân.“ // si hieß ir kamerære · nâch der boten miete gân. // Vier und zweinzec bouge · mit gesteine guot // gap si im ze miete. · sô stuont des heldes muot, // er woldeß niht behalten, · er gab eß sâ zehant // ir vil schœnen meiden, · die er ze kemenâten vant. // „Ir muoter bôt ir dienest · im güetlîchen an. // „ich sol iu sagen mêre,“ · sprach der küene man, // „wes iuch der künic bittet, · so er kumet an den Rîn: // ob ir daß, vrouwe, leistet, · er welle iuch immer wæge sîn. // „Sîne rîche geste, · hôrte ich in gern, // daß ir die wol enphâhet, · und sult in des gewern, // daß ir gên im rîtet · vür Wormeß ûf den sant. // des sît ir von dem künege · mit guoten triuwen gemant.“ // Dô sprach diu minneclîche: · „des bin ich bereit. // swaß ich im kan dienen, · daß ist im unverseit: // mit vriuntlîchen triuwen · sô sol eß sîn getân.“ // dô mêrte sich ir varwe, · die si vor liebe gewan. // Eß enwart nie bote enphangen · deheines vürsten baß: // getorste si in hân küsset, · daß hete si âne haß; // anders minneclîchen · er von der vrouwen schiet. // dô tâten die Burgunden, · als in Sîvrit geriet. // Sindolt und Hûnolt · und Rûmolt der degen // vil grôßer unmuoße · muosen si dô phlegen, // rihten daß gesidele · vor Wormeß ûf den sant; // des küneges schaffære · man mit arbeiten vant. // Ortwîn und Gêre · dine wolden daß niht lân, // si sanden nâch den vriunden · allenthalben dan // und kunten in die hôhgezît, · diu dâ solde sîn. // dâ zierten sich engegene · diu vil schœnen magedîn. // Der palas und die wende · was alleß über al // gezieret gên den gesten: · der Guntheres sal // wart vil wol bezimbert · durch manegen vremden man. // disiu starke hôhgezît · huop sich vil vrœlîchen an. // Dô riten allenthalben · die wege durch daß lant // der drîer künege mâge · hete man besant, // daß si den solden warten, · die in dâ solden komen. // dô wart ûß der valde · rîcher wæte vil genomen. // Dô seite man diu mære, · daß man rîten sach // Prünhilde vriunde: · dô huop sich ungemach // von des volkes krefte · in Burgunden lant. // hei, waß man küener degene · dâ ze beiden sîten vant! // Dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „ir, mîne magedîn, // die an dem antphange · mit mir wellen sîn, // die suochen ûß den kisten · diu aller besten kleit: // sô wirt uns von den gesten · lob und êre geseit.“ // Dô kômen ouch die recken · und hießen tragen dar // hêrlîche setele · von rôtem golde gar, // die die vrouwen solden rîten · ze Wormeß an den Rîn. // beßßer phertgereite · kunde nimmer gesîn. // Hei, waß dâ liehtes goldes · von den mœren schein! // in lûhte von den zoumen · vil manec edel stein; // die guldînen schæmele · ob liehtem phelle guot // die brâhte man den vrouwen: · si wâren vrœlîch gemuot. // Ûf dem hove wâren · diu vrouwen phert bereit // den edelen juncvrouwen, · als ich iu hân geseit. // diu smalen vürbüege · sach man die mœre tragen // von den besten sîden, · dâ von iu iemen kunde sagen. // Sehs und ahzec vrouwen · sach man vür gân, // die gebende truogen. · zuo Kriemhilde dan // kômen die vil schône · und truogen rîchiu kleit; // dar kom ouch wol gezieret · vil manec wætlîchiu meit, // Funfzec unde viere · von Burgunde lant: // eß wâren ouch die besten, · die man iender vant. // die sach man valevahse · under liehten porten gân. // des ê der künic gerte, · daß wart mit vlîße getân. // Si truogen rîche phelle, · die besten, die man vant, // vor den vremden recken, · sô manec guot gewant, // daß ir schœnen varwe · ze rehte wol gezam. // er wære in swachem muote, · der ir deheiner wære gram. // Von zobel und von harme · vil kleider man dâ vant. // dâ wart vil wol gezieret · manec arm unde hant // mit pougen ob den sîden, · die si solden tragen. // iu enkunde ditze vlîßen · ze ende niemen gesagen. // Vil manegen gürtel spæhe, · rîch unde lanc, // über liehtiu kleider · manec hant dô swanc // ûf edel röcke ferrans · von phelle ûß Arabîn, // daß si in al der werlde · niht beßßer kunden gesîn. // Eß wart in vürgespenge · manec schœniu meit // genæt vil minneclîche. · eß möhte ir wesen leit, // der ir liehtiu varwe · niht lûhte gên der wât. // sô schœnes ingesindes · nu niht küneges künne hât. // Dô die minneclîchen · nu truogen ir gewant, // die si dâ vüeren solden, · die kômen dar zehant, // der hôch gemuoten recken · ein vil michel kraft; // man truoc ouch dar mit schilden · manegen eschînen schaft. // 10. Âventiure // wie Prünhilt ze Wormeß enphangen wart. Anderthalp des Rînes · sach man mit manegen scharn // den künec mit sînen gesten · zuo dem stade varn. // man sach ouch dâ bî zoume · leiten manec meit. // die si enphâhen solden, · die wâren alle bereit. // Dô die von Isenlande · zen schiffen kômen dan // und ouch von Niblunge · Sîvrides man, // si gâhten zuo dem lande, · unmüeßec was ir hant, // dâ man des küneges vriunde · anderthalp des stades vant. // Nu hœrt ouch disiu mære · von der künegîn, // Uoten der vil rîchen, · wie si diu meidîn // gevrumte von der bürge, · dar si dâ selbe reit. // da gewan ein ander künde · vil manec rîter unde meit. // Der marcgrâve Gêre · Kriemhilt zoumte dan // niuwan vür daß bürgetor: · Sîvrit der küene man // der muoste ir vürbaß dienen; · si was ein schœne kint. // des wart im wol gelônet · von der juncvrouwen sint. // Ortwîn der küene · bî vroun Uoten reit // und vil geselleclîchen · manec rîter unde meit. // ze solhem antphange, · des mac man wol verjehen, // wart nie sô vil der vrouwen · bî ein ander gesehen. // Vil manegen buhurt rîchen · sach man dâ getriben // von helden lobelîchen · (niht wol wær eß beliben) // vor Kriemhilt der schœnen · zuo den schiffen dan. // dô huob man von den mœren · manege vrouwen wol getân. // Der künec was komen übere · und manec werder gast. // hei, waß starker schefte · vor den vrouwen brast. // man hôrt dâ hurtlîchen · von schilden manegen stôß. // hei, waß rîcher buckeln · vor gedrange lûte erdôß! // Die vil minneclîchen · stuonden an der habe; // Gunther mit sînen gesten · gie von schiffen abe: // er vuorte Prünhilde · selbe an sîner hant. // dâ lûhte wider ein ander · vil liehte steine und gewant. // Mit vil grôßen zühten · vrou Kriemhilt dô gie, // dâ si vroun Prünhilde · und ir gesinde enphie. // man sach dâ schapel rücken · mit wîßen henden dan, // dâ si sich kusten beide: · daß wart durch liebe getân. // Dô sprach gezogenlîchen · Kriemhilt daß meidîn: // „ir sult zuo disen landen · uns willekomen sîn // mir und mîner muoter · und allen, die wir hân // der getriuwen vriunde.“ · dô wart dâ nîgen getân. // Die vrouwen sich beviengen · mit armen dicke hie. // sô minneclîch enphâhen · gehôrte man noch nie, // sô die vrouwen beide · der briute tâten kunt, // vrou Uote und ir tohter: · si kusten dicke ir süeßen munt. // Dô Prünhilde vrouwen · volkômen ûf den sant, // dâ wart minneclîchen · genomen bî der hant // von wætlîchen recken · manec wîp wol getân. // man sach die edelen meide · vor vrou Prünhilde stân. // Ê daß ir gruoß ergienge, · daß was ein lengiu stunt. // jâ wart dâ geküsset · manec rôter munt. // noch stuonden bî ein ander · die künege tohtre rîch: // daß liebet an ze sehene · manegen recken lobelîch. // Dô spehten mit den ougen, · die ê hôrten jehen, // daß si alsô schœnes · heten niht gesehen // sô die vrouwen beide: · des sach man âne lüge. // man kôs an ir lîbe · dâ deheiner slahte trüge. // Die vrouwen spehen kunden · und minneclîchen lîp, // die lobten durch ir schœne · daß Guntheres wîp; // doch sprâchen dâ die wîsen, · die hetenß baß besehen, // man möhte Kriemhilde · für vroun Prünhilde jehen. // Wider ein ander giengen · maget unde wîp; // man sach dâ wol gezieret · vil manegen schœnen lîp. // dâ stuonden sîden hütten · und manec rîch gezelt: // der was dâ gar ervüllet · vor Wormeß alleß daß velt. // Von des küneges mâgen · wart dringen niht verlân. // man hieß die küneginne · beide dannen gân // und mit in al die vrouwen, · dâ man schate vant; // dar brâhten si die degene · ûßer Burgunden lant. // Nu wâren ouch die geste · ze rossen alle komen; // vil manec rîchiu tjoste · durch schilde wart genomen. // daß velt begunde stouben, · sam ob al daß lant // mit louge wære enbrunnen. · dâ wurden helde wol bekant. // Des dâ die recken phlâgen, · daß sach vil manec meit. // mich dunket, daß er Sîvrit · mit sînen degen reit // vil manege widerkêre · vür die hütten dan. // er vuort der Nibelunge · tûsent wætlîcher man. // Dô kom von Troneje Hagene, · als im der wirt geriet: // den buhurt minneclîchen · dô der helt geschiet, // daßs ungestoubet ließen · diu vil schœnen kint. // des wart dô von den gesten · gevolget güetlîchen sint. // Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „diu ros lâßet stân, // unz eß beginne kuolen, · sô sul wir ane vân // dienen schœnen wîben · vür den palas wît; // so der künic welle rîten, · daß ir vil bereite sît.“ // Der buhurt was zergangen · über al daß velt. // dô giengen kurzwîlen · under manec hôch gezelt // die rîter zuo den vrouwen · ûf hôher vreuden wân. // da vertriben si die stunde, · unz man rîten wolde dan. // Vor âbende nâhen, · dô diu sunne nider gie // und eß begunde kuolen, · niht lenger man daß lie, // sich huoben gên der bürge · manec man unde wîp. // mit ougen wart getriutet · vil maneger schœnen vrouwen lîp. // Dô wart von guoten knehten · vil kleider ab geriten // vor den hôch gemuoten · nâch des landes siten // biß vür den palas, · da der künic nider stuont. // dâ wart gedienet vrouwen, · sô helde hôch gemuote tuont. // Dô wurden ouch gescheiden · die rîchen künegin. // vrou Uote und ir tohter · die giengen beide hin // mit ir ingesinde · in ein vil wîteß gadem. // dô hôrte man allenthalben · ze vreuden grœßlîchen kradem. // Gerihtet was gesidele: · der künic wolde gân // ze tische mit den gesten. · dô sach man bî im stân // die schœnen Prünhilde. · krône si dô truoc // in des küneges lande: · jâ was si rîche genuoc. // Vil manec hêr gesidele · mit guoten taveln breit // vol spîse wart gesetzet, · als uns daß ist geseit. // des si dâ haben solden, · wie wênec des gebrast! // dô sach man bî dem künege · gar manegen hêrlîchen gast. // Des wirtes kamerære · von golde in pecken rôt // daß waßßer vür truogen. · des wære lützel nôt, // ob iu daß iemen seite, · daß man diende baß // ze vürsten hôhgezîte: · ich wolde niht gelouben daß. // Ê daß der vogt von Rîne · waßßer dô genam, // dô tet der hêrre Sîvrit, · als im daß gezam, // er mande in sîner triuwe, · wes er im verjach, // ê daß er Prünhilde · dâ heime in Isenlande sach. // Er sprach: „ir sult gedenken, · wes mir swuor iuwer hant, // swenne daß vrou Prünhilt · kœme in ditze lant, // ir gæbt mir iuwer swester: · war sint die eide komen? // ich hân an iuwer reise · vil michel arbeit genomen.“ // Dô sprach der künec zem gaste: · „ir habt mich rehte ermant. // jane sol niht meineide · werden des mîn hant: // ich wilß iu helfen vüegen, · sô ich beste kan.“ // dô hieß man Kriemhilde · ze hove vür den künic gân. // Mit ir vil schœnen meiden · si kom vür den sal. // dô spranc von einer stiegen · Gîselher ze tal: // „Nu heißet wider wenden · disiu magedîn: // niuwan mîn swester eine · sol hie bî dem künege sîn.“ // Dô brâht man Kriemhilde, · dâ man den künic vant: // dô stuonden rîter edele · von maneger vürsten lant. // in dem sal enmitten · man hieß si stille stân; // ouch was Prünhilt · nu zuo tische gegân. // Sine wesse niht der mære, · waß man dô wolde tuon. // dô sprach zuo sînen mâgen · der Dankrâtes sun: // „helft mir, daß mîn swester · Sîvriden neme ze man.“ // si sprachen al gelîche: · „si mag in wol mit êren hân.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „swester vil gemeit, // durch dîn selber tugende · lœse mînen eit. // ich swuor dich eime recken, · und wirdet er dîn man, // sô hâstu mînen willen · mit grôßen triuwen getân.“ // Dô sprach diu maget edele: · „lieber bruoder mîn, // irn sult mich niht vlêgen: · jâ wil ich immer sîn, // swie ir mir gebietet: · daß sol sîn getân. // ich wil in loben gerne, · den ir mir, hêrre, gebt ze man.“ // Von liebe und ouch von vreuden · wart Sîvrides varwe rôt. // ze dienste sich der recke · vroun Kriemhilde bôt. // man hieß si zuo ein ander · an dem ringe stân: // man vrâgt si, ob si wolde · den vil wætlîchen man. // In meitlîchen zühten · si schamte sich ein teil; // doch sô was gelücke · und Sîvrides heil, // daß si in niht versprechen · wolde dâ zehant; // ouch lobte si ze wîbe · der edel künec von Niderlant. // Dô er si gelobete · und ouch in diu meit, // güetlîchen umbevâhen · was dâ vil bereit // von Sîvrides armen · daß minneclîche kint. // vor helden wart geküsset · diu edel küneginne sint. // Sich teilte daß gesinde, · alsô daß geschach; // an daß gegensidele · man Sîvriden sach // sitzen mit Kriemhilde. · im diende manec man. // man sach die Niblunge · mit Sîvrit an den sedel gân. // Der künic was geseßßen · und Prünhilt diu meit. // dô sach si Kriemhilde · (ir wart nie sô leit) // bî Sîvride sitzen: · weinen si began, // ir vielen heiße trähene · über liehtiu wange dan. // Dô sprach der wirt des landes: · „waß ist iu, vrouwe mîn, // daß ir sô lâßet truoben · liehter ougen schîn? // ir sult iuch vreuwen balde: · iu ist undertân // mîn lant und rîche bürge · unde manec wætlîch man.“ // „Ich mac wol weinen balde,“ · sprach diu schœne meit. // „umbe dîne swester · ist mir von herzen leit. // die sihe ich sitzen nâhen · dem eigen holden dîn: // daß muoß ich immer weinen, · sol si sô verderbet sîn. // Dô sprach der künic Gunther: · „ir sult des stille dagen, // ich wil iu zandern zîten · disiu mære sagen, // war umbe ich mîne swester · Sîvride hân gegeben. // jâ mac si mit dem recken · immer vrœlîche leben.“ // Si sprach: „mich riuwet immer · ir schœne und ouch ir zuht. // wessich, war ich mehte, · ich hete gerne vluht, // daß ich iu nimmer wolde · geligen nâhen bî, // irn saget mir, wâ von Kriemhilt · wine Sîvrides sî.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „ich tuonß iu wol bekant. // er hât als ich wol bürge · unde wîtiu lant. // daß wißßet sicherlîchen, · er ist ein künic rîch: // des gan ich im ze minnen · die schœnen magt lobelîch.“ // Swaß ir der künic seite, · doch hete si trüeben muot. // dô gâhte von den tischen · manec rîter guot: // ir buhurt wart sô herte, · daß al diu burc erdôß. // den wirt bî sînen gesten · harte sêre verdrôß. // Er dâhte: „ich læge sanfter · der schœnen vrouwen bî.“ // dô was er des gedingen · niht gar in herzen vrî, // im müese von ir minne · liebe vil geschehen. // er begunde vriuntlîchen · an vrou Prünhilde sehen. // Rîterschaft die geste · bat man abe lân: // der künec mit sîme wîbe · ze bette wolde gân. // vor des sales stiegen · gesamden sich dô sît // Kriemhilt und Prünhilt; · noch was eß ân ir beider nît. // Dô kom ir ingesinde: · die sûmten sich des niht, // ir rîche kamerære · die brâhten in diu lieht. // sich teilten dô die recken, · der zweier künege man. // dô sach man vil degene · dan mit Sîvride gân. // Die hêrren kômen beide, · dâ si solden ligen. // dô dâhte ir iewedere · mit minnen an gesigen // den wætlîchen vrouwen, · daß senftet in den muot. // Sîvrides kurzwîle · diu wart grœßlîchen guot. // Dô der hêrre Sîvrit · bî Kriemhilde lac // und er sô minneclîche · der juncvrouwen phlac // mit sîner edelen minne, · si wart im sô sîn lîp: // er næme vür si eine · niht tûsent anderiu wîp. // Ich sage iu niht mêre, · wie er der vrouwen phlac. // nu hœret disiu mære, · wie Gunther gelac // bî vrouwen Prünhilde: · der zierlîche degen // hæte dicke sanfter · bî anderen wîben gelegen. // Daß volc was im entwichen, · vrouwen unde man: // dô wart diu kemenâte · balde zuo getân. // er wânde, er solde triuten · ir minneclîchen lîp: // jâ was eß noch unnâhen, · ê si wurde sîn wîp. // In sabenwîßen hemede · si an daß bette gie. // dô dâhte der rîter edele: · „nu hân ichß alleß hie, // des ich ie dâ gerte · in allen mînen tagen.“ // si muos im durch ir schœne · von grôßen schulden behagen. // Diu lieht begunde bergen · des edelen küneges hant. // dô gie der degen küene, · dâ er die vrouwen vant. // er leite sich ir nâhen: · sîn vreude diu was grôß, // die vil minneclîchen · der helt mit armen umbeslôß. // Minneclîche triuten · des kunder vil begân, // ob in diu edele vrouwe · hete lâßen daß getân: // dô zurnde si sô sêre, · daß in gemuote daß: // er wânde vinden vreude, · dô vant er vîntlîchen haß. // Si sprach: „rîter edele, · ir sult eß lâßen stân. // des ir dâ habet gedingen, · jane mages niht ergân. // ich wil noch meit belîben, · ir sult wol merken daß, // unz ich diu mære ervinde.“ · des wart ir Gunther gehaß. // Dô rang er nâch ir minne · und zervuorte ir diu kleit. // dô greif nâch eime gürtel · diu hêrlîche meit, // eime starken borten, · dens umbe ir sîten truoc: // dô tet si dem künege · grôßer leide genuoc. // Die vüeße und ouch die hende · si im zesamne bant, // si truog in zeime nagele · und hieng in an die want. // dô er si slâfes irte, · minne si im verbôt. // jâ hete er von ir krefte · nâch gewunnen den tôt. // Dô begunde vlêgen, · der meister solde sîn. // „nu lœset mîn gebende, · vil edel künegîn: // ine trouwiu, schœne vrouwe, · nimmer an gesigen // und sol ouch harte selten · iu sô nâhen bî geligen.“ // Sine ruohte, wie im wære, · want si vil sanfte lac. // dort muoste er alleß hangen · die naht unz an den tac, // unz der liehte morgen · durch diu venster schein. // ob er ie kraft gewünne, · diu was an sîme lîbe klein. // „Nu saget mir, er Gunther, · ist iu daß iht leit, // ob iuch gebunden vindent,“ · sprach diu schœne meit, // „iuwer kamerære · von einer vrouwen hant?“ // dô sprach der rîter edele: · „daß wurde iu übele bewant. // „Ouch hete ichs wênec êre,“ · sprach der edel man: // „durch iuwer tugende · lât mich nu zuoziu gân. // sît iu mîne minne · sint sô starke leit, // ich sol mit mînen handen · selten rüeren iuwer kleit.“ // Dô lôste si in balde, · ûf si in verlie. // wider an daß bette · er zuo der vrouwen gie. // er leite sich sô verre, · daß er ir schœne wât // dar nâch selten ruorte: · ouch wolde si des haben rât. // Dô kom ouch ir gesinde: · die brâhten niuwe kleit: // der was in an dem morgen · harte vil bereit. // swie wol man dâ gebârte, · trûrec was genuoc // der edel wirt des landes, · swie er des tages krône truoc. // Nâch siten, der si phlâgen · und man durch reht begie, // Gunther unde Prünhilt · niht langer daß verlie: // si giengen zuo dem münster, · dâ man die messe sanc. // dar kom ouch er Sîvrit: · dô huop sich michel gedranc. // Nâch küneclîchen êren · was in dar bereit, // swaß si haben solden, · ir krône und ouch ir kleit. // dô wurden si gewîhet. · dô daß was getân, // dô sach man under krône · elliu vieriu schône stân. // Vil degen swert dâ nâmen, · sehs hundert oder baß, // den künigen ze êren, · ir sult wißßen daß. // sich huop michel vreude · in Burgunden lant: // man hôrte schefte bresten · an der swertdegen hant. // Dô sâßen in den venstern · diu schœnen magedîn. // si sâhen vor in liuhten · maneges schildes schîn. // dô hete sich gesundert · der künec von sînen man: // swes iemen dâ begunde, · man sach in trûrende gân. // Im unde Sîvride · ungelîche stuont der muot; // wol wiste, waß im würre, · der edel rîter guot. // er gie zuo dem künege, · vrâgen er began: // „wie ist iu hînt gelungen? · daß sult ir mich wißßen lân.“ // Dô sprach der wirt zem gaste: · „laster unde schaden // hân ich an mîner vrouwen · ze hûse heim geladen. // dô ich se wânde minnen, · vil sêre si mich bant: // si truoc mich zeime nagele · und hienc mich hôch an die want. // „Dâ hieng ich angestlîchen · die naht unz an den tac, // ê si mich enbunde: · wie sanfte si dô lac! // daß sol dir vriuntlîchen · tougen sîn gekleit.“ // dô sprach der starke Sîvrit: · „daß ist mir wærlîchen leit. // „Des bringe ich iuch wol innen, · lât irß âne nît. // ich schaffe, daß si hînaht · sô nâhen bî iu lît, // daß si iuch ir minne · gesûmet nimmer mêr.“ // der rede was dô Gunther · nâch sînen arbeiten hêr. // „Nu schouwe mîne hende, · wie die geswollen sint: // die twanc si mir sô sêre, · als ob ich wære ein kint, // daß mir bluot zen nagelen · allenthalben dranc. // ich hete ze mîme lebene · harte kleinen gedanc.“ // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „du maht wol genesen, // ich wæne, uns ungelîche · hînaht sî gewesen. // mir ist dîn swester Kriemhilt · lieber danne der lîp. // eß muoß diu vrouwe Prünhilt · noch hînte werden dîn wîp.“ // Er sprach: „ich kume noch hînte · zer kemenâten dîn // alsô tougenlîche · in der tarnkappe mîn, // daß sich mîner liste · niemen mac verstên. // sô lâ die kamerære · zuo den herbergen gên. // „Sô lesche ich den kinden · diu lieht an der hant: // bî disem wortzeichen · sol dir sîn bekant, // daß ich bî dir sî nâhen. · jâ twing ich dir dîn wîp, // daß du si hînte minnest, · oder ich verliuse den lîp.“ // „Ane daß du iht triutest,“ · sprach der künic dô, // „mîne lieben vrouwen; · anders bin ichs vrô: // sô tuo ir, swaß du wellest; · und næmestu ir den lîp, // daß solde ich wol verkiesen: · si ist ein angestlîcheß wîp.“ // „Daß nim ich,“ sprach Sîvrit, · „ûf die triuwe mîn, // daß ich ir niht enminne: · diu liebe swester dîn // ist mir vor in allen, · die ich noch ie gesach.“ // vil wol geloubetß Gunther, · swaß dô Sîvrit gesprach. // Dâ was von kurzewîle · vreude unde nôt. // buhurt unde schallen · man alleß verbôt. // dô die vrouwen solden · gegen dem sale gân, // dô hießen kamerære · die liute von den wegen stân. // Von rossen und von liuten · gerûmet wart der hof. // der vrouwen ieslîche · vuorte ein bischof, // dô si vor den künegen · ze tische solden gân. // in volgte an daß gesidele · vil manec wætlîcher man. // Der künic in guotem wâne · dô vroelîchen saß: // daß im gelobte Sîvrit, · wol dâhte er ane daß. // der eine tac in dûhte · wol drîßec tage lanc: // an Prünhilde minne · stuont im aller sîn gedanc. // Der künic erbeite kûme, · daß man von tische gie. // die schœnen Prünhilde · man dô komen lie // und ouch Kriemhilde, · beide an ir gemach: // hei, waß man küener degene · vor den küneginnen sach! // Sîvrit der hêrre · vil minneclîchen saß // bî sîme schœnen wîbe · mit vreuden âne haß. // si trûte sîne hende · mit ir vil wîßen hant, // unz er ir vor den ougen · sine wesse wenne verswant. // Dô si mit im spilte · und si sîn niht ensach, // zuo sîme ingesinde · diu küneginne sprach: // „mich hât des michel wunder: · war ist der künic komen? // wer hât die sînen hende · ûß den mînen genomen?“ // Die rede si lie belîben. · dô was er hin gegân, // dâ er die kamerære · vant mit liehten stân: // diu begunde er leschen · den kinden an der hant: // daß eß wære Sîvrit, · daß was dô Gunther bekant. // Wol wesser, waß er wolde: · dô hieß er dannen gân // meide unde vrouwen. · dô daß was getân, // der edel künic dô selbe · vil wol beslôß die tür: // starker rigele zwêne · warf er balde dervür. // Diu lieht verbarg er schiere · under die bettewât. // eines spils begunde, · des enwas niht rât, // Sîvrit der starke · und ouch diu schœne meit: // daß was dem künege Gunther · beide lieb unde leît. // Sîvrit sich dô leite · der küneginne bî. // si sprach: „nu lâtß, er Gunther, · als liep iu daß sî, // daß ir iht arbeite · lîdet alsam ê, // oder iu geschihet hie · von mînen handen wider wê.“ // Dô hal er sîne stimme, · daß er niht ensprach. // Gunther wol hôrte, · swie er si niht ensach, // daß dâ heimlîche · von in niht geschach; // si heten an dem bette · harte kleinen gemach. // Er gebârte, sam eß wære · Gunther der künic rîch; // er umbeslôß mit armen · die maget lobelîch. // si warf in ûß dem bette · dâ bî ûf eine banc, // daß sîn houbet lûte · an eime schamel im erklanc. // Wider ûf mit kreften · spranc der küene man: // er woldeß baß versuochen: · dô er des began, // daß er si wolde twingen, · dar umbe wart im wê. // solich wer an vrouwen · ich wæne nimmer ergê. // Dô er niht wolde erwinden, · diu maget ûf spranc: // „iu zimet niht zefüeren · mîn hemde sô blanc. // ir sît ungevüege: · daß sol iu werden leit. // des bringe ich iuch wol innen,“ · sprach diu wætlîche meit. // Si beslôß mit armen · den tiuwerlîchen degen // und wold in gebunden · alsam den künic legen, // daß si an dem bette · hete guot gemach. // daß er ir wât zervuorte, · diu vrouwe eß grœßlîchen rach. // Waß half dô sîn sterke · und ouch sîn kraft? // wan si im erzeigte · ir lîbes meisterschaft. // si truoc in mit gewalte, · daß muos et alsô sîn, // und dructe in ungevuoge · bî dem bette an einen schrîn. // „Ouwê,“ gedâht der recke, · „sol ich nu mînen lîp // von einer meit verliesen, · sô mugen elliu wîp // dar nâch immer mêre · tragen gelphen muot // gegen ir manne, · diu sus eß nimmer getuot.“ // Der künic eß wol hôrte; · er angstete umbe den man. // Sîvrit sich schamte, · zürnen er began. // mit ungevüeger krefte · satzter ir sich wider; // versuochende angestlîchen · an vroun Prünhilde sider. // Swie vaste si ûf im læge, · sîn zorn in dô twanc // und ouch sîn starkeß ellen, · daß er âne ir danc // sich wider ûf gerihte; · sîn angest diu was grôß. // si tâten in dem gademe · her und dar vil manegen stôß. // Ouch was der künic Gunther · niht âne angest gar: // er muose dicke wenken · vor in her und dar. // si rungen alsô starke, · daß eß grôß wunder was, // daß ir ieslîcheß · vor dem andern ie genas. // Den künic muote sêre · beidenthalp diu nôt; // doch vorhte er michels mêre · den Sîvrides tôt. // wand si het dem degene · den lîp nâch benomen: // wan daß er niht getorste, · er wær ze helfe im gerne komen. // Jâ werte harte lange · under in der strît; // doch brâhte er die vrouwen · wider an daß bette sît: // swie vaste si sich werte, · ir wer wart (ze iungest) kranc. // der künec in sînen sorgen · hete manegen gedanc. // In dûhte harte lange, · unz er si betwanc. // si druhte sîne hende, · daß ûß den nagelen spranc // daß bluot von ir krefte: · daß was dem helde leit. // dâ brâhte er an ein lougen · die vil hêrlîchen meit // Ir ungevüeges willen, · des si ê dâ jach. // der künic eß alleß hôrte, · swie er niht ensprach. // er dructes an daß bette, · daß si es vil lûte erschrê; // ir tâten sîne krefte · harte grœßlîchen wê. // Dô greif si zuo der sîten, · dâ si den porten vant, // und wolde in hân gebunden: · dô werteß sô sîn hant, // daß ir diu lit erkrachten, · dar zuo al der lîp. // des wart der kriec gescheiden: · dô wart si Guntheres wîp. // Si sprach: „künic edele, · du solt mich leben lân: // eß wirt wol versüenet, · swaß ich dir hân getân. // ich were mich nimmer mêre · der edelen minne dîn: // ich hân wol ervunden, · daß du kanst vrouwen meister sîn.“ // Sîvrit der stuont dannen, · ligen lie er die meit, // sam ober von im ziehen · wolde sîniu kleit. // er zôch ir ab der hende · ein guldîn vingerlîn, // daß es dâ nie wart innen · diu vil edel künegîn. // Dar zuo nam er ir gürtel: · daß was ein borte guot. // ich enweiß, ob er daß tæte · durch sînen hôhen muot. // er gab in sînem wîbe: · daß wart im sider leit. // dô lâgen bî ein ander · der künic und diu schœne meit. // Er phlac ir minneclîchen, · als im daß gezam: // dâ muose si verkiesen · ir zorn und ouch ir sham. // von sîner heimlîche · si wart ein lützel bleich. // Hei, waß ir von der minne · ir vil grôßen krefte entweich! // Done was ouch si niht sterker · danne ein ander wîp. // er trûte minneclîchen · ir vil schœnen lîp; // ob siß versuochte mêre, · waß kunde eß si vervân? // daß het ir alleß Gunther · mit sînen minnen getân. // Wie rehte minneclîche · er bî der vrouwen lac // mit vriuntlîcher liebe · biß an den liehten tac! // nu was der hêrre Sîvrit · wider ûß gegân, // dâ er wart wol enphangen · von einer vrouwen wol getân. // Er understuont ir vrâge, · der si hete gedâht; // er hal si sît vil lange, · daß er ir hete brâht. // diz kleinœt er dâ heime · ir doch ze jungest gap: // daß vrumte vil der degene · mit samt im selben in daß grap. // Der wirt wart an dem morgen · verre baß gemuot, // danner vore wære: · des wart diu vreude guot // in allen den landen · von manegem edelen man. // die er ze hûse ladete, · den wart vil dienste getân. // Diu hôhzît diu werte · den vierzehenden tac, // daß in al der wîle · der schal nie gelac // von aller hande vreuden, · der iemen solde phlegen. // dâ wart des küneges koste · vil harte hôhe gewegen. // Des edelen wirtes mâge, · als eß der künic gebôt, // gâben durch sîn êre · kleider und golt rôt, // ros und dar zuo silber · manegem vremden man. // die gâbe nemen wolden, · die schieden vrœlîchen dan. // Ouch der hêrre Sîvrit · ûßer Niderlant // mit tûsent sînen mannen, · alleß daß gewant, // daß si ze Rîne brâhten, · daß wart gar hin gegeben, // schœniu ros mit setelen: · si kunden hêrlîchen leben. // Ê man die rîchen gâbe · alle dâ verswanc, // die wider ze lande wolden, · die dûhte des ze lanc. // eß enwart nie gesindes · mêre baß gephlegen. // sô endete sich diu hôhgezît: · eß schiet von dannen manec degen. // 11. Âventiure // wie Sîvrit ze lande mit sînem wîbe kom. Dô die geste wâren · alle dan gevarn, // dô sprach zuo sîm gesinde · Sigmundes barn: // „wir suln ouch uns bereiten · heim in unser lant.“ // liep was eß sînem wîbe, · dô eß diu mære rehte ervant. // Si sprach zuozir manne: · „wenne sul wir varn? // daß ich sô harte gâhe, · daß heiße ich wol bewarn: // mir suln ê mîne bruoder · teilen mit diu lant.“ // leit was eß Sîvride, · dô erß an Kriemhilt ervant. // Die vürsten zuozim giengen · und sprâchen alle drî: // „nu wißßet daß, hêr Sîvrit, · daß iu immer sî // mit triuwen unser dienest · bereit unz in den tôt.“ // dô neiger den hêrren, · dô man imß sô wol erbôt. // „Wir suln ouch mit iu teilen,“ · sprach Gîselher daß kint, // „lant unde bürge, · die unser eigen sint: // swaß der wîten rîche · uns ist undertân, // der sult ir teil vil guoten · mit samt Kriemhilde hân.“ // Sun der Sigmundes · zuo den vürsten sprach, // dô er den guoten willen · an den hêrren sach: // „Got lâße iu iuwer erbe · immer sælec sîn // und ouch die liute drinne; · ja getuot diu liebe wine mîn // „Des teiles wol ze râte, · den ir ir woldet geben: // dâ si sol tragen krône, · und sul wir daß geleben, // si muoß werden rîcher, · dan iemen lebender sî. // swaß ir sus gebietet, · des bin ich iu dienstlîchen bî.“ // Dô sprach diu vrouwe Kriemhilt: · „habet ir der erbe rât, // umb Burgunden degene · eß niht sô lîhte stât, // si müge ein künic gerne · vüeren in sîn lant: // jâ sol si mit mir teilen · mîner lieben bruoder hant.“ // Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „nim dir, swen du wil. // die gerne mit dir rîten, · der vindestu hie vil. // ûß drîßec hundert recken · nim dir tûsent man: // die sîn dîn heimgesinde.“ · Kriemhilt senden began // Nâch Hagenen von Troneje · und nâch Ortwîn, // ob die und ir mâge · Kriemhilde wolden sîn. // do gewan dar umbe Hagene · ein zornlîcheß leben: // er sprach: „jâ mag uns Gunther · zer werlde niemen gegeben. // „Ander ingesinde · lât iu volgen mite, // wan ir wol bekennet · der Tronejære site: // wir müeßen bî den künegen · hie ze hove bestân. // wir suln in langer dienen, · den wir her gevolget hân.“ // Daß ließen si belîben · und bereiten sich dan. // ir edel ingesinde · vrou Kriemhilt zir gewan, // zwô und drîßec meide · und fünf hundert man; // Eckewart der grâve · volgete Kriemhilde dan. // Urloup si dô nâmen, · rîter unde kneht, // meide unde vrouwen: · daß was vil michel reht. // gescheiden küssende · wurden si zehant: // si rûmten vrœlîchen · des künic Guntheres lant. // Do beleiten si ir mâge · verre ûf den wegen. // man hieß in allenthalben · ir nahtselde legen, // swâ sis gerne nâmen, · durch der künege lant. // boten wurden balde · Sigemunde dan gesant, // Daß er wißßen solde · und ouch vrou Sigelint, // daß sîn sun komen wolde · und vrou Uoten kint, // Kriemhilt diu vil schœne, · von Wormeß über Rîn. // done kunden in diu mære · nimmer lieber gesîn. // „Wol mich,“ sprach dô Sigemunt, · „daß ich gelebet hân, // daß diu schœne Kriemhilt · sol hie gekrônet gân: // des müeßen wol getiuret · sîn diu erbe mîn. // mîn sun Sîvrit · sol hie selbe künic sîn.“ // Dô gap diu vrouwe Sigelint · manegen samît rôt, // silber und golt swære · was ir botenbrôt. // si vreute sich der mære, · diu si dô vernam. // alleß ir gesinde · mit vlîße kleiden sich began. // Man seite, wer dâ kœme · mit Sîvride in daß lant. // dô hieß si gesidele · rihten sâ zehant, // dar zuo er under krône · vor vriunden solde gân. // dô riten in engegene · des künic Sigmundes man. // Ist iemen baß enphangen, · dêst mir unbekant, // danne die helde · in Sigmundes lant. // Siglint diu schœne · Kriemhilde gegen reit // mit maneger schœnen vrouwen · unde rîtern gemeit // In einer tageweide, · dâ man die geste sach. // die kunden und die vremden · liten ungemach, // unze si kômen · zeiner bürge wît, // diu was geheißen Santen, · dâ si krône truogen sît. // Mit lachendem munde · Siglint und Sigmunt // kusten Kriemhilde · durch liebe manege stunt // und ouch Sîvriden: · in was ir leit benomen. // alleß ir gesinde · was in grôße willekomen. // Dô brâhte man die geste · vür Sigmundes sal. // die schœnen juncvrouwen · huop man dâ ze tal // nider von den mœren. · dâ was manec man, // der den schœnen wîben · mit vlîße dienen began. // Swie grôß ir hôhzîte · bî Rîne was bekant, // noch gap man hie den helden · vil beßßer gewant, // denne si ie getrüegen noch · bî allen ir tagen. // man mohte michel wunder · von ir rîcheite sagen. // Dôs in ir grôßen êren · sâßen und heten genuoc, // waß goltvarwer gêren · ir ingesinde truoc, // borten und edel gesteine · verwieret wol dar în! // sus phlac vlîßeclîchen · ir diu edel künegîn. // Dô sprach vor sînen vriunden · der hêrre Sigmunt: // „allen mînen vriunden · sol daß wesen kunt, // daß Sîvrit mîne krône · hinnen vür sol tragen.“ // diu mære hôrten gerne · die von Niderlanden sagen. // Er bevalch im sîne krône, · gerihte unde lant: // sît was er ir hêrre. · die er ze rehte vant // und dar er rihten solde, · daß wart alsô getân, // daß man sêre vorhte · der schœnen Kriemhilde man. // In disen hôhen êren · lebter, daß ist wâr, // und rihte ouch under krône · unz in daß zehende jâr, // daß diu schœne vrouwe · einen sun gewan: // daß was des küneges mâgen · nâch ir willen wol ergân. // Den îlte man dô toufen · und gab im einen namen, // Gunther, nâch sînem œheim; · des dorfte er sich niht schamen. // geriet er nâch den mâgen, · er wurde ein küene man. // dô zôch man in mit vlîße: · daß was von schulden getân. // In den selben zîten · starp vrou Sigelint: // dô nam den gwalt mit alle · der edelen Uoten kint, // der sô rîcher vrouwen · ob landen wol gezam. // daß klageten genuoge, · dô si der tôt von in genam. // Nu hete ouch dort bî Rîne, · sô wir hœren sagen, // bî Gunther dem rîchen · einen sun getragen // Prünhilt diu schœne · in Burgunden lant. // durch des heldes liebe · wart er Sîvrit genant. // Wie rehte vlîßeclîche · man sîn hüeten hieß! // Gunther der edele · im magezogen ließ, // dieß kunden lêren tugende, · gewüehseß zeinem man. // hei, waß im ungelücke · sît der vriunde an gewan! // Mære zallen zîten · wart sô vil geseit, // wie rehte lobelîchen · die recken vil gemeit // lebten zallen stunden · in Sigmundes lant. // alsam tet ouch Gunther · mit sînen mâgen ûß erkant. // Daß lant ze Niblunge · Sîvride diende hie, // rîcher sîner mâge · wart deheiner nie, // und Schilbunges recken · und ir beider guot. // des truoc der vil küene · deste hôher den muot. // Hort den aller meisten, · den ie helt gewan, // âne dies ê phlâgen, · hete der küene man, // den er vor eime berge · mit sîner hende erstreit, // dar umbe er sluoc ze tôde · manegen rîter gemeit. // Er hete den wunsch der êren, · und wær des niht geschehen, // sô müese man von schulden · dem edelen recken jehen, // daß er wær der beste, · der ie ûf ors gesaß. // man vorhte sîne sterke · und tet vil billîchen daß. // 12. Âventiure // wie Gunther Sîvriden zuo der hôhzît bat. Dô dâhte ouch alle zîte · daß Guntheres wîp: // „wie treit et alsô hôhe · vrou Kriemhilt den lîp? // nu ist doch unser eigen · Sîvrit ir man: // er hât uns nu lange · lützel dienste getân.“ // Daß truoc si in ir herzen · und wart ouch wol verdeit; // daß si ir vremde wâren, · daß was der vrouwen leit. // daß si niht zinses hête · von des vürsten lant, // wâ von daß wære, · daß hete si gerne bekant. // Si versuochte eß an dem künege, · ob daß möhte geschehen, // daß si Kriemhilde · solde noch gesehen. // si reite eß heimlîche, · des si dâ hete muot. // dô dûhte den hêrren · diu rede mæßlîchen guot. // „Wie möhten wir si bringen,“ · sprach der künic rîch, // „her zuo disem lande? · daß wær unmügelîch. // si sitzent uns ze verre: · ich getarses niht gebiten.“ // des antwurt im Prünhilt · in vil hôhverten siten: // „Swie hôhe rîche wære · deheines küneges man, // swaß im gebüte sîn hêrre, · daß solde er doch niht lân.“ // des ersmielte Gunther, · dô si daß gesprach: // ern jachs im niht ze dienste, · swie dicke er Sîvriden sach. // Si sprach: „lieber hêrre, · durch den willen mîn, // hilf mir, daß Sîvrit · und diu swester dîn // komen zuo dem lande, · daß wir si hie gesehen: // sone kunde mir ze wâre · nimmer lieber geschehen. // „Dîner swester zühte, · ir wol gezogen muot, // sô ich dar an gedenke, · wie sanfte mir daß tuot; // wie wir ensament sâßen, · dô ich wart dîn wîp! // si mac mit êren minnen · des küenen Sîvrides lîp.“ // Si gertes alsô lange, · unz der künic sprach: // „nu wißßet, daß ich geste · sô gerne nie gesach. // ir muget mich sanfte vlêgen: · ich wil die boten mîn // nâch in beiden senden, · daß si her komen an den Rîn.“ // Dô sprach diu küneginne: · „sô sult ir mir sagen, // wenne ir si welt besenden, · oder in welhen tagen // unser liebe vriunde · suln komen in daß lant. // die ir dar welt senden, · die lât mir werden bekant.“ // „Daß tuon ich,“ sprach der fürste: · „drîßec mîner man // wil ich dar lân rîten.“ · die hieß er vür sich gân: // bî den enbôt er mære · in Sîvrides lant. // ze liebe gab in Prünhilt · vil harte hêrlîch gewant. // Dô sprach der künec: „ir recken · sult von mir sagen, // daß ich dar enbiete, · des sult ir niht verdagen, // dem starken Sîvride · und der swester mîn, // daß in darf zer werlde · niemen holder gesîn. // „Und bitet, daß si beidiu · uns komen an den Rîn: // daß welle ich und mîn vrouwe · immer diende sîn. // vor disen sunewenden · sol er und sîne man // sehen hie vil manegen, · der in grôßer êren gan. // „Dem künic Sigmunde · saget den dienst mîn, // daß ich und mîne vriunde · im immer wæge sîn, // und saget ouch mîner swester, · daß si niht lâße daß, // sine rîte zuo ir vriunden: · ir zaeme nie hôhzîte baß.“ // Prünhilt und Uote · und swaß man vrouwen vant, // die enbuten ir dienest · in Sîvrides lant // den minneclîchen vrouwen · und manegem küenen man. // mit des küneges râte · die boten huoben sich dan. // Si vuoren reislîche; · ir phert und ir gewant // daß was in komen allen: · dô rûmten si daß lant. // in zogte wol ir verte, · dar si dâ wolden varn. // der künic mit geleite · bat die boten wol bewarn. // Inre tagen zwelven · si kômen in daß lant, // ze Niblunges bürge: · dar wâren si gesant. // ze Norweg in der marke · vunden si den degen. // ros und liute wâren · müede von den langen wegen. // Sîvride und Kriemhilde · wart beiden dô geseit, // daß rîter komen wæren, · die trüegen solhiu kleit, // sam man zen Burgunden · dâ der site phlac. // si spranc von eime bette · dâ si ruowende lac. // Dô bat si zeime venster · eine maget gân. // diu sach den küenen Gêren · an dem hove stân, // in und die gesellen, · die wâren dar gesant. // gegen ir herzeleide · wie liebiu mære si bevant! // Si sprach zuo dem künege: · „seht ir, wâ si stênt, // die mit dem starken Gêren · ûf dem hove gênt, // die uns mîn bruoder Gunther · sendet nider Rîn.“ // dô sprach der starke Sîvrit: · „der sol uns willekomen sîn.“ // Alleß daß gesinde · lief, dâ man si sach. // ir ieslîch besunder · vil güetlîche sprach // daß beste, daß si kunden, · zuo den boten dô. // Sigmunt der hêrre · was ir künfte harte vrô. // Dô wart geherberget · Gêre und sîne man; // diu ros man hieß behalten. · die boten giengen dan, // dâ hêr Sîvrit · bî Kriemhilde saß. // si sâhen in vil gerne, · daß sult ir wißßen, âne haß. // Der wirt mit sînem wîbe · stuont ûf sâ zehant. // wol wart enphangen Gêre · ûß Burgunden lant // und sîne hergesellen, · Guntheres man, // Gêren den vil rîchen · bat man an den sedel gân. // „Erloubet uns die botschaft, · ê wir sitzen gên, // uns wegemüede geste · lât uns die wîle sten. // wir suln iu sagen mære, · waß iu enboten hât // Gunther und Prünhilt, · der dinc vil zierlîche stât, // „Unde waß vrou Uote, · iur muoter, her enbôt, // Gîselher der junge · und ouch er Gêrnôt // und iuwer besten mâge · habent uns her gesant: // die enbietent iu ir dienest · ûßer Burgunden lant.“ // „Nu lôn in Got,“ sprach Sîvrit, · „ich getrûwe in wol // triuwen unde guotes, · alsô man vriunden sol. // sam tuot ouch ir swester; · man sol uns mêre sagen, // ob unser lieben vriunde · daheim iht hôhes muotes tragen. // „Sît wir von in schieden, · hât man in iht getân // mînen kone mâgen? · daß lâßet mich verstân. // daß wil ich in mit triuwen · immer helfen tragen, // unz daß ir vîende · mînen dienst müeßen klagen.“ // Dô sprach der marcgrâve · Gêre, ein rîter guot: // „si sint in allen tugenden · mit vreuden wol gemuot. // si ladent iuch ze Rîne · zeiner hôhgezît. // si sæhen iuch vil gerne, · daß ir des âne zwîvel sît. // „Si bitent mîne vrouwen, · si sül mit iu dar komen. // swenne der winder · ein ende habe genomen, // vor disen sunewenden · wolden si iuch sehen.“ // dô sprach der starke Sîvrit: · „daß kunde müelîch geschehen.“ // Dô sprach aber Gêre · von Burgunden lant: // „iuwer muoter Uote · diu hât iuch gemant, // Gêrnôt unde Gîselher, · ir sült in niht versagen. // daß ir in sît sô verre, · daß hœre ich tegelîche klagen. // Prünhilt mîn vrouwe · und ir magedîn // vreuwent sich der mære: · ob daß mehte sîn, // daß si iuch noch sæhen, · daß gæbe in hôhen muot.“ // dô dûhten disiu mære · die schœnen Kriemhilde guot. // Gêre was ir sippe: · der wirt in sitzen hieß; // den gesten hieß er schenken: · niht langer man daß ließ. // dô kom ouch dar Sigmunt, · dâ er die boten sach: // der hêrre vriuntlîche · zuo den Burgunden sprach: // „Sît willekomen, ir recken, · Guntheres man. // sît daß Kriemhilde · ze wîbe gewan // mîn sun Sîvrit, · man solde iuch dicker sehen // hie in disem lande, · wolt ir uns vriuntschefte jehen.“ // Si sprâchen, swenne er wolde, · si solden gerne komen. // in wart michel müede · mit vreuden benomen. // die boten bat man sitzen, · spîse man in truoc: // der hieß dô geben Sîvrit · den lieben gesten genuoc. // Si muosen dâ belîben · bevollen niun tage. // des heten endelîchen · die snellen rîter klage, // daß si niht wider rîten · solden in ir lant. // dô hete der künic Sîvrit · nâch sînen vriunden gesant. // Er vrâgte, waß si rieten: · er sold an den Rîn. // „eß hât nâch mir gesendet · Gunther der vriunt mîn, // er und sîne mâge, · durch eine hôhzît: // nu kœm ich im vil gerne, · wan daß sîn lant ze verre lît. // „Si bitent Kriemhilde, · daß si mit mir var. // nu râtet, lieben vriunde, · wie sol si komen dar? // sold ich herverten · durch si in drîßec lant, // dâ müese in dienen gerne · hin diu Sîvrides hant.“ // Dô sprâchen sîne recken: · „habet ir der reise muot // hin zer hôhzîte, · wir râten, waß ir tuot: // ir sult mit tûsent recken · rîten an den Rîn: // sô muget ir wol mit êren · dâ zen Burgunden sîn.“ // Dô sprach von Niderlanden · der hêrre Sigmunt: // „welt ir zer hôhzîte, · wan tuot ir mir daß kunt? // obeß iu niht versmâhet, · sô rîte ich mit iu dar. // ich vüere hundert degene, · dâ mite mêre ich iuwer schar.“ // „Welt ir mit uns rîten, · lieber vater mîn,“ // sprach der küene Sîvrit, · „vil vrô sol ich des sîn. // inre tagen zwelfen · sô rûme ich mîniu lant.“ // alle, die es gerten, · den gap man ros und ouch gewant. // Dô der künic edele · der reise hete muot, // dô hieß man wider rîten · die snellen degne guot. // sînen konemâgen · enbôt er an den Rîn, // er wolde harte gerne · bî ir hôhgezîte sîn. // Sîvrit und Kriemhilt, · sô wir hœren sagen, // sô vil den boten gâben, · daß eß niht mohten tragen // ir mœre heim ze lande: · er was ein rîcher man. // ir starken soumære · treip man vrœlîchen dan. // Ir volk kleidete Sîvrit · und ouch Sigemunt. // Eckewart der grâve · der hieß an der stunt // vrouwen kleider suochen, · diu besten, die man vant // oder inder kunde erwerben · über Sîvrides lant. // Die setel zuo den schilden · bereiten man began. // rîtern und vrouwen, · die mit im solden dan, // den gap man, swaß si wolden, · daß in niht gebrast. // er brâhte sînen vriunden · manegen hêrlîchen gast. // Die boten zogten sêre · ze lande ûf den wegen. // dô kom zen Burgunden · Gêre der degen. // er wart vil wol enphangen: · do erbeißten si ze tal // von rossen und von mœren · vür den Guntheres sal. // Die tumben zuo den wîsen · giengen, sô man tuot, // vrâgen umbe mære. · sô sprach der rîter guot: // „swenne ich si sage dem künege, · dâ hœrt ir si zehant.“ // er gie mit den gesellen, · dâ er Guntheren vant. // Der künic von liebe · von dem sedel spranc. // daß si sô snelle kômen, · des seite in dô danc // Prünhilt diu schœne. · Gunther zen boten sprach: // „wie gehabet sich Sîvrit, · von dem mir liebe vil geschach?“ // Dô sprach der küene Gêre: · „dâ wart er vreuden rôt, // er und iuwer swester. · nie vriunden baß enbôt // sô getriuwe mære · deheiner slahte man, // als iu der hêrre Sîvrit · und ouch sîn vater hât getân.“ // Dô sprach zem marcgrâven · des rîchen küneges wîp: // „nu sagt mir, kumt uns Kriemhilt? · hât noch ir schœner lîp // behalten iht der zühte, · der si kunde phlegen?“ // er sprach: „si koment beide · und mit in maneger küene degen.“ // Uote bat dô drâte · die boten vür sich gên. // man moht an ir vrâge · harte wol verstên, // daß si hôrte gerne: · „was Kriemhilt noch gesunt?“ // er seite, wier si vunde · und daß si kœme in kurzer stunt. // Eß wart von in diu gâbe · ze hove niht verdeit, // die in gap er Sîvrit: · golt und ouch diu kleit // brâhte man ze sehene · der drîer künege man. // ir vil grôßer milte · wart dâ danken getân. // „Er mac,“ sprach dô Hagene, · „von im sanfte geben: // ern kundeß niht verswenden, · sold er immer leben. // hort der Niblunge · besloßßen hât sîn hant; // hei, sold er immer · komen in Burgunden lant!“ // Alleß daß gedigene · vreute sich dar zuo, // daß si komen solden. · spâte unde vruo // wâren vil unmüeßec · der drîer künege man. // manec hêr gesidele · man dô rihten began. // Hûnolt der küene · und Sindolt der degen // heten vil unmuoße. · die zît muosen phlegen // truhsæßen unde schenken, · ze rihten manege banc. // des half in ouch Ortwîn; · des seite in Gunthere danc. // Rûmolt der kuchenmeister, · wie wol er rihte sît // sîne undertâne! · manegen keßßel wît, // haven unde phannen: · hei, waß man der dâ vant! // do bereite man den spîse, · die dâ kômen in daß lant. // Der vrouwen arbeiten · was ouch niht kleine, // dô si bereiten ir kleider. · die edelen steine // mit glanze verre glesten, · verwieret in daß golt, // dô si si ane leiten, · daß in die liute wurden holt. // 13. Âventiure // wie si ze der hôhzît vuoren. Alle ir unmuoße · lâßen wir nu sîn // und sagen, wie vrou Kriemhilt · und ir magedîn // hin gên Rîne vuoren · von Niblunge lant. // nie getruogen mœre · sô manec hêrlîch gewant. // Vil der soumschrîne · man schihte zuo den wegen. // dô reit mit sînen vriunden · Sîvrit der degen // und diu küneginne, · dar si heten vreuden wân; // sît wart eß in allen · ze grôßem leide getân. // Dâ heime si dô ließen · Sîvrides kindelîn // und sun den Kriemhilde; · daß muos et alsô sîn. // von ir hovereise · wuohs vil michel sêr: // sînen vater und sîn muoter · gesach daß kindel nimmer mêr. // Dô reit ouch mit in dannen · der hêrre Sigmunt. // solde er rehte wißßen, · wie eß nâch der stunt // zer hôhzît ergienge, · er het ir niht gesehen: // im kunde an lieben vriunden · leider nimmer geschehen. // Boten man vür sande, · die mære seiten dar. // dô reit ouch in enkegene · mit wünneclîcher schar // vil der Uoten vriunde · und der Guntheres man. // der wirt gên sînen gesten · sich sêre vlîßen began. // Er gie zuo Prünhilde, · dâ er si sitzen vant. // „wie enphieng iuch mîn swester, · do ir kômet in daß lant? // sam sult ir enphâhen · Sîvrides wîp.“ // „daß tuon ich,“ sprach si, „gerne: · von schulden holt ist ir mîn lîp.“ // Dô sprach der künic rîche: · „si koment uns morgen vruo. // welt ir si enphâhen, · dâ grîfet balde zuo, // daß wir ir niht bîten · in der burc hie. // mir sint in allen zîten · lieber geste komen nie.“ // Ir meide und ir vrouwen · hieß si sâ zehant // suochen guotiu kleider, · diu besten, diu man vant, // diu ir ingesinde · vor gesten solde tragen. // daß tâten si doch gerne: · daß mac man lîhte gesagen. // Ouch îlten in dô dienen · die Guntheres man. // alle sîne recken · der wirt zuo im gewan. // dô reit diu küneginne · hêrlîchen dan. // dâ wart vil michel grüeßen · die lieben geste getân. // Mit wie getânen êren · man die geste enphie! // si dûhte, daß vrou Kriemhilt · vroun Prünhilde nie // sô rehte wol enphienge · in Burgunden lant. // die eß ie gesâhen, · den wart vil hôher muot bekant. // Nu was ouch komen Sîvrit · mit den sînen man. // man sach die helde wenden · wider unde dan // des veldes allenthalben · mit ungevüegen scharn. // dringen unde stouben · kunde niemen dâ bewarn. // Dô der wirt des landes · Sîvriden sach // und ouch Sigmunden, · wie güetlîch er sprach! // „nu sît mir grôße willekomen · und al den vriunden mîn; // iuwer hovereise · sul wir hôhes muotes sîn.“ // „Nu lône iu got,“ sprach Sigmunt, · der êre gernde man. // „sît daß iuch Sîvrit · ze vriunde gewan, // dô rieten mîne sinne, · daß ich iuch wolde sehen.“ // dô sprach der künic Gunther: · „nu ist mir liebe dran geschehen.“ // Sîvrit wart enphangen, · als im daß wol gezam, // mit vil grôßen êren; · niemen was im gram. // des half mit grôßen zühten · Gîselher und Gêrnôt. // nie lieben gesten · manß sô güetlîch erbôt. // Nu nâheten ze ein ander · der zweier künege wîp. // dâ wart vil setel lære, · maneger vrouwen lîp // wart von helde handen · erhaben ûf daß gras. // die vrouwen gerne dienden, · waß der dâ unmüeßec was! // Dô giengen zuo ein ander · diu minneclîchen wîp. // des was in grôßen vreuden · maneges rîters lîp, // daß ir beider grüeßen · sô minneclîch ergie. // dô sach man vil der recken, · der dienen vrouwen dâ niht lie. // Daß hêrlîch gesinde · vie sich bî der hant; // in zühten grôße nîgen · des man vil dâ vant // und küssen minneclîchen · von vrouwen wol getân. // daß was liep ze sehene · Gunthers und Sîvrides man. // Si biten dâ niht langer, · si riten zuo der stat. // der wirt sînen gesten · wol erzeigen bat, // daß man si gerne sæhe · in Burgunden lant. // manegen puneiß rîchen · man vor den juncvrouwen vant. // Ûßer Troneje Hagene · und ouch Ortwîn, // daß si gewaltec wæren, · daß tâten si wol schîn. // swaß si gebieten wolden, · des torste man niht lân. // von in wart michel dienest · den lieben gesten getân. // Vil schilde hôrt man hellen · dâ ze dem bürge tor // von stichen und von stôßen. · lange habete dâ vor // der wirt mit sînen gesten, · ê si kômen drin. // jâ gie in diu stunde · mit grôßer kurzwîle hin. // Vür den palas wîten · mit vreuden si dô riten. // manegen phelle spæhe, · guot und wol gesniten, // sach man über setele · den vrouwen wol getân // allenthalben hangen. · dô kômen Guntheres man: // Die hießen si dô vüeren · balde an ir gemach. // under wîlen blicken · man Prünhilde sach // an vrouwen Kriemhilde, · diu schœne was genuoc. // ir varwe gên dem golde · den glanz vil hêrlîchen truoc. // Allenthalben schallen · ze Wormeß in der stat // hôrte manß gesinde. · Gunther dô bat // Dancwarten sînen marschalc, · daß er ir solde phlegen. // do begunde er daß gesinde · harte güetlîchen legen. // Dar ûße und ouch dar inne · spîsen man si lie. // jâ wart vremder geste · baß gephlegen nie. // alles, des si gerten, · des was man in bereit. // der künic was sô rîche, · daß niemen dâ niht wart verseit. // Man diende in vriuntlîche · und ân allen haß. // der wirt dâ ze tische · mit sînen gesten saß. // dô muose sitzen Sîvrît, · als er ê hete getân. // dô gie mit im ze tische · vil manec wætlîcher man. // Zwelf hundert recken · an dem ringe sîn // dâ ze tische sâßen. · Prünhilt diu künegîn // gedâht, daß eigen holde · niht rîcher kunde wesen. // si was im noch sô wæge, · daß si in gerne lie genesen. // An jenem âbende, · dâ der künic saß, // vil der rîchen kleider · wart von wîne naß, // dâ die schenken solden · zuo den tischen gân: // dâ wart vil voller dienest · mit grôßem vlîße getân. // Sô man ze hôhgezîten · lange hât gephlegen, // vrouwen unde meide · hieß man schône legen. // swannen si dar kômen, · der wirt in willen truoc; // in güetlîchen êren · man gap in allen genuoc. // Dô diu naht het ende · und der tac erschein, // ûß den soumschrînen · manec edel stein // erlûhte in guoter wæte, · die ruorte vrouwen hant. // dô wart ervür gesuochet · manec hêrlîch gewant. // Ê eß vol ertagete, · dô kômen vür den sal // vil rîter unde knehte: · dô huop sich aber schal // vor einer vruomesse, · die man dem künege sanc. // dâ riten junge helde, · daß ins der künic seite danc. // Manec pusûne lûte · vil krefteclîch erdôß. // von trumben und von vloiten · der schal wart sô grôß, // daß Wormeß diu vil wîte · dar nâch lûte erschal. // die hôch gemuoten helde · ze rossen kômen über al. // Dô huop sich in dem lande · harte hôch ein spil // von manegem guoten recken: · der sach man dâ vil, // den ir tumbiu herze · gâben hôhen muot; // dô sach man under schilde · manegen zieren rîter guot. // In diu venster sâßen · diu hêrlîchen wîp // und vil der schœnen meide; · gezieret was ir lîp. // si sâhen kurzewîle · von manegem küenen man. // der wirt mit sînen vriunden · selbe rîten dâ began. // Sus vertriben si die wîle: · diu dûhte si niht lanc. // man hôrte dâ zem tuome · maneger glocken klanc: // dô kômen in die mœre: · die vrouwen riten dan; // den edelen küneginnen · volgete manec küene man. // Si stuonden vor dem münster · nider ûf daß gras. // Prünhilt ir gesten · dannoch wæge was. // si giengen under krône · in daß münster wît. // diu liebe wart gescheiden: · daß vrumte grœßlîcher nît. // Dô si gehôrten messe, · si vuoren wider dan // mit vil manegen êren. · man sach si sider gân // ze tische vrœlîche. · ir vreude nie gelac // dâ zer hôhgezîte · unz an den einliften tac. // Do gedâht diu küneginne: · „ine mac niht langer dagen. // swie ich daß gevüege, · Kriemhilt muoß mir sagen, // war umbe uns alsô lange · den zins verseßßen hât // ir man, derst unser eigen: · der vrâge hân ich keinen rât.“ // Sus warte si der wîle, · als eß der tiuvel riet: // die vreude und ouch die hôhgezît · mit leide si dô schiet. // daß ir lac amme herzen, · ze liehte eß muose komen. // des wart in manegen landen · von ir jâmers vil vernomen. // 14. Âventiure // wie die küneginne ein ander schulten. Vor einer vesperzîte · huop sich grôß ungemach, // daß von manegem recken · ûf dem hove geschach: // si phlâgen rîterschefte · durch kurzwîle wân. // dô liefen dar durch schouwen · manec wîp unde man. // Ze samne dô gesâßen · die küneginne rîch: // si gedâhten zweier recken, · die wâren lobelîch. // dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „ich hân einen man, // daß elliu disiu rîche · zuo sînen handen solden stân.“ // Dô sprach diu vrouwe Prünhilt: · „wie kunde daß gesîn? // ob ander nieman lebete · wan dîn unde sîn, // sô möhten im diu rîche · wol wesen undertân: // die wîle daß lebet Gunther, · sô kundeß nimmer ergân.“ // Dô sprach aber Kriemhilt: · „sihestu, wie er stât, // wie rehte hêrlîche · er vor den recken gât, // sam der liehte mâne · vor den sternen tuot! // des muoß ich von schulden · tragen vrœlîchen muot.“ // Dô sprach diu vrouwe Prünhilt: · „swie wætlîch sî dîn man, // swie biderbe und swie schœne, · sô soltu vor im lân // Gunther den recken, · den edelen bruoder dîn: // der muoß vor allen künegen, · daß wißße, wærlîche sîn.“ // Dô sprach aber Kriemhilt: · „sô tiuwer ist mîn man, // daß ich in âne schulde · niht gelobet hân. // an vil manegen dingen · ist sîn êre grôß. // geloubestu daß, Prünhilt, · er ist wol Gunthers genôß.“ // „Jane soltu mirß, Kriemhilt, · ze arge niht verstân, // wan ich ouch âne schulde niht · die rede hân getân: // ich hôrtes jehen beide, · dô ichs êrste sach, // und dâ des küneges wille · an mîme lîbe geschach, // „Und dâ er mîne minne · sô rîterlîch gewan, // dô jach Sîvrit, · er wære sküneges man: // des hân ich in vür eigen, · sît ich ins hôrte jehen.“ // dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „sô wær mir übele geschehen. // „Wie heten sô geworben · die edelen bruoder mîn, // daß ich eigenmannes · wine solde sîn? // des wil ich dich, Prünhilt, · vil vriuntlîchen biten, // daß du die rede lâßest · durch mich mit güetlîchen siten.“ // „Ich mag ir niht gelâßen,“ · sprach des küneges wîp: // „zwiu sold ich verkiesen · sô maneges rîters lîp, // der uns mit dem degene · dienstlîch ist undertân?“ // Kriemhilt diu vil schœne · daß sêre zürnen began. // „Du muost in verkiesen, · daß er dir immer bî // wone deheiner dienste. · erst tiurer, danne sî // Gunther mîn bruoder, · der vil edel man. // du solt mich des erlâßen, · daß ich von dir vernomen hân. // „Und nimt mich immer wunder, · sît er dîn eigen ist // und du über uns beidiu · sô gewaltec bist, // daß er dir sô lange · den zins verseßßen hât. // dîner übermüete · solde ich von rehte haben rât.“ // „Du ziuhest dich ze hôhe,“ · sprach dô des küneges wîp. // „nu wil ich sehen gerne, · ob man dînen lîp // habe ze solhen êren, · sô man den mînen tuot.“ // die vrouwen wurden beide · vil sêre zornec gemuot. // Dô sprach diu vrouwe Kriemhilt: · „daß muoß et nu geschehen: // sît du mînes mannes · vür eigen hâst gejehen, // sô müeßen hiute kiesen · der beider künege man, // ob ich vor küneges wîbe · ze kirche türre gegân. // „Du muost daß hiute schouwen, · daß ich bin edelvrî, // und daß mîn man ist tiuwerer, · danne der dîn sî. // dâ mite wil ich selbe · niht bescholden sîn. // du solt noch hiute kiesen, · wie diu eigen diu dîn // „Ze hove gê vor recken · in Burgunden lant. // ich wil wesen tiuwerer, · danne ieman habe bekant // deheine küneginne, · diu krôn her ie getruoc.“ // dô huop sich undern vrouwen · grôßes nîdes genuoc. // Dô sprach aber Prünhilt: · „wiltu niht eigen sîn, // sô muostu dich scheiden · mit den vrouwen dîn // von mînem ingesinde, · dâ wir ze münster gân.“ // des antwurte Kriemhilt: · „triuwen, daß sol sîn getân.“ // „Nu kleidet iuch, mîn meide,“ · sprach Sîvrides wîp. // „eß muoß âne schande · belîben hie mîn lîp. // ir sult daß lâßen schouwen, · habt ir iht rîche wât. // si mac sîn gerne lougen, · des si hie verjehen hât.“ // Man mohte in lîhte râten, · si suochten rîchiu kleit. // dâ wart vil wol gezieret · manec vrouwe unde meit. // dô gie mit ir gesinde · des edelen wirtes wîp; // ze wunsche wart gekleidet · der schœnen Kriemhilde lîp // Mit drin und vierzec meiden: · die brâhtes an den Rîn; // die truogen liehte phelle, · geworht in Arâbîn. // sus kômen zuo dem münster · die meide wol getân. // ir warten vor dem hûse · alle Sîvrides man. // Die liute nam des wunder, · wâ von daß geschach, // daß man die küneginne · alsô gescheiden sach, // daß si bî ein ander · niht giengen alsam ê. // dâ von wart manegem degene · sît vil sorclîchen wê. // Nu stuont vor dem münster · Guntheres wîp. // dô hete kurzwîle · vil maneges rîters lîp // mit den schœnen vrouwen, · der si dâ nâmen war. // dô kom diu edel Kriemhilt · mit maneger hêrlîchen schar. // Swaß kleider ie getruogen · edeler rîter kint, // wider ir gesinde · daß was gar ein wint. // si was sô rîch des guotes, · daß drîßec küneges wîp // eß möhten niht erziugen, · daß eine erziuget ir lîp. // Ob ieman wünschen solde, · der kunde niht gesagen, // daß man sô rîcher kleider · gesæhe ie mê getragen, // sô dâ ze stunde truogen · ir meide wol getân. // wan Prünhilde ze leide, · eß hete Kriemhilt verlân. // Ze samene si dô kômen · vor dem münster wît. // eß tet diu hûsvrouwe · durch einen grôßen nît, // si hieß vil übellîche · Kriemhilde stân: // „jâ sol vor küneges wîbe · nimmer eigen diu gegân.“ // Dô sprach diu schœne Kriemhilt, · zornec was ir muot: // „kundestu noch swîgen, · daß wær dir lîhte guot. // duo hâst geschendet · dînen schœnen lîp. // wie mohte mannes kebse · immer werden küneges wîp?“ // „Wen hâstu hie verkebeset?“ · sprach des küneges wîp. // „daß tuon ich dich,“ sprach Kriemhilt: · „dînen schœnen lîp // minnete êrste Sîvrit, · mîn vil lieber man. // jâ was eß niht mîn bruoder, · der dînen meituom gewan. // „War kômen dîne sinne? · eß was ein arger list, // daß du in ließe minnen, · sît er dîn eigen ist. // ich hœre dich,“ sprach Kriemhilt, · „âne schulde klagen.“ // „triuwen,“ sprach dô Prünhilt, · „daß wil ich Gunthere sagen.“ // „Waß mac mir daß gewerren? · dîn übermuot dich hât betrogen: // du hâst mich ze dienste · mit rede dich an gezogen. // daß wißße an rehten triuwen, · eß ist mir immer leit: // getriuwer heinlîche · sol ich dir wesen unbereit.“ // Prünhilt dô weinde: · Kriemhilt niht lenger lie, // vor des küneges wîbe · inß münster si dô gie // mit ir ingesinde. · dâ huop sich grôßer haß: // des wurden liehtiu ougen · starke trüebe unde naß. // Swie vil man Gote diende · oder ieman dâ sanc, // des dûhte Prünhilde · diu wîle gar ze lanc, // wand ir was vil trüebe · der lîp und ouch der muot. // des muoste sît enkelten · manec helt küene unde guot. // Prünhilt mit ir vrouwen · gie vür daß münster stân. // si dâhte: „mich muoß Kriemhilt · mêre hœren lân, // des mich sô lûte zîhet · daß wortræße wîp. // hât er sichs gerüemet, · eß gêt im wærlîch an den lîp.“ // Nu kom diu edel Kriemhilt · mit manegem küenen man. // dô sprach diu vrouwe Prünhilt: · „ir sult noch stille stân. // ir jâhet mîn ze kebesen: · daß sult ir lâßen sehen: // mir ist von iuwern sprüchen, · daß wißßet, leide geschehen.“ // Dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „ir möht mich lâßen gân. // ich erziugeß mit dem golde, · deich an der hende hân: // daß brâhte mir Sîvrit, · dô er bî iu lac.“ // nie gelebte Prünhilt · deheinen leideren tac. // Si sprach: diz golt vil edele · daß wart mir verstoln // und ist mich harte lange · übele verholn: // ich kum es an ein ende, · wer mirß hât genomen.“ // die vrouwen wâren beide · in grôß ungemüete komen. // Dô sprach aber Kriemhilt: · „ine wils niht wesen diep. // du möhtest gedaget hân, · wær dir êre liep. // ich erziugeß mit dem gürtel, · den ich umbe hân, // daß ich niht enliuge: · jâ wart Sîvrit dîn man.“ // Von Ninnivê der sîden · si den borten truoc // mit edelem gesteine; · jâ was er guot genuoc. // dô den gesach Prünhilt, · weinen si began: // daß muoste vreischen Gunther, · dar zuo alle sîne man. // Dô sprach diu küneginne: · „heißet here gân // den vürsten von Rîne: · ich wil in hœren lân, // wie mich hât gehœnet · sîner swester lîp. // si seit hie offenlîche, · ich sî Sîvrides wîp.“ // Der künic kom mit recken: · weinen er dô sach // sîne triutinne: · güetlîch er dô sprach: // „saget mir, liebiu vrouwe, · wer hât iu iht getân?“ // si sprach zuo dem künege: · „ich muoß unvrœlîchen stân. // „Von allen mînen êren · mich diu swester dîn // gerne wolde scheiden: · dir sol geklaget sîn, // si giht, mich habe gekebeset · Sîvrit ir man.“ // dô sprach der künic Gunther: · „sô hetes übele getân.“ // „Si treit hie mînen gürtel, · den ich hân verlorn, // und mîn golt daß rôte. · daß ich ie wart geborn, // daß riuwet mich vil sêre. · dun entredest, künic, mich // der vil grôßen schanden, · ich minne nie mêre dich.“ // Dô sprach künic Gunther: · „er sol her vüre gân: // hât er sichs gerüemet, · daß sol er hœren lân, // oder sîn muoß lougenen · der helt ûß Niderlant.“ // dô wart der küene Sîvrit · harte balde dar besant. // Dô der hêrre Sîvrit · die ungemuoten sach, // ern weste niht der mære, · balde er dô sprach: // „waß weinent dise vrouwen? · daß hete ich gerne erkant, // oder von welhen schulden · ich dâ her sî besant.“ // Dô sprach künic Gunther: · mir ist harte leit. // mir hât mîn vrouwe Prünhilt · ein mære hie geseit: // du hâst dich gerüemet, · du wærst ir êrster man. // sô seit dîn wîp Kriemhilt: · hâstu, degen, daß getân? // „Nein ich,“ sprach dô Sîvrit. · „und hât si daß geseit, // end ich erwinde, · daß muoß ir werden leit, // und wil dirß gerihten · vor allen dînen man // mit mînen hôhen eiden, · daß ich irß niht gesaget hân.“ // Dô sprach der künec von Rîne: · „daß soltu lâßen sehen: // den eit, den du biutest, · mac der hie geschehen, // aller valschen dinge · wil ich dich ledec lân.“ // man sach zuo dem ringe · dô die von Burgunden stân. // Sîvrit der vil küene · zem eide bôt die hant. // dô sprach der künic rîche: · „mir ist sô wol bekant // iuwer grôß unschulde: · ich wil iuch ledec lân, // des iuch mîn swester zîhet, · daß ir des niht habet getân.“ // Dô sprach aber Sîvrit: · „und genießet des ir lîp, // daß si hât ertrüebet · dîn vil schœne wîp, // daß ist mir sicherlîchen · âne mâße leit.“ // dô sâhen zuo ein ander · die küenen rîter gemeit. // „Man sol sô vrouwen ziehen,“ · sprach Sîvrit der degen, // „daß si üppege sprüche · lâßen under wegen. // verbiut eß dînem wîbe, · der mînen tuon ich sam. // solher übermüete · ich mich wærlîchen scham.“ // Mit rede wart gescheiden · manec schœne wîp. // dô trûrte alsô sêre · Prünhilde ir lîp, // daß eß erbarmen muose · die Guntheres man. // dô kom von Troneje Hagene · zuo sîner vrouwen gegân. // Er vrâgte, waß ir wære: · weinende er si vant. // dô seite si im diu mære. · er lobte ir sâ zehant, // daß eß erarnen müese · Kriemhilde man, // oder er wolde nimmer · dar umbe vrœlîch gestân. // Zuo der rede kômen · Ortwîn und Gêrnôt, // dâ die helde rieten · den Sîvrides tôt. // dar zuo kom ouch Gîselher, · der schœnen Uoten kint; // dô er ir rede gehôrte, · er sprach getriulîchen sint: // „Ouwê, ir guoten knehte, · war umbe tuot ir daß? // jane gediende Sîvrit · nie alsolhen haß, // daß er dar umbe solde · verliesen sînen lîp: // jâ ist des harte lîhte, · dar umbe zürnent diu wîp.“ // „Suln wir gouche ziehen?“ · sprach aber Hagene: // „des habent lützel êre · sô guote degene. // daß er sich hât gerüemet · der lieben vrouwen mîn, // dar umbe wil ich sterben, · eß engê im an daß leben sîn.“ // Dô sprach der künic selbe: · „ern hât uns niht getân // niuwan guot und êre: · man sol in leben lân. // waß touc, ob ich dem recken · wære nu gehaß? // er was ie getriuwe · und tet vil willeclîchen daß.“ // Dô sprach ûßer Metzen · der degen Ortwîn: // „jane kan in niht gehelfen · diu grôße sterke sîn. // erloubet mirß mîn hêrre, · ich tuon im alleß leit.“ // dô heten im die helde · âne schulde widerseit. // Sîn gevolgte niemen, · niuwan daß Hagene // riet in allen zîten · Gunther dem degene, // ob Sîvrit niht enlebte, · sô wurde im undertân // vil der künege lande. · der helt des trûren began. // Dô ließen siß belîben: · spiln man dô sach. // hei, waß man starker schefte · vor dem münster brach // vor Sîvrides wîbe · al zuo dem sale dan! // dô wâren in unmuote · genuoge Guntheres man. // Der künic sprach: „lât belîben · den mortlîchen zorn. // er ist uns ze sælden · unt ze êren geborn; // ouch ist sô stark grimme · der wundernküene man, // wurde er sîn innen, · sô torst in nieman bestân.“ // „Nein er,“ sprach dô Hagene. · „lât iu eß wol behagen: // ich trouwe eß heinlîche · alsô an getragen, // daß Prünhilde weinen · sol im werden leit. // jâ sol im von Hagenen · immer wesen widerseit.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „wie möhte daß ergân?“ // des antwurte Hagene: · „ich wil iuchß hœren lân: // heißen boten rîten · zuo uns in daß lant // widersagen offenlîche, · die hie niemen sîn bekant. // Sô jehet ir vor den gesten, · daß ir und iuwer man // wellent herverten. · alsô daß ist getân, // sô lobet er iu dar dienen: · des vliuset er den lîp, // ervare ich uns diu mære · an des küenen recken wîp.“ // Der künic übel volgte · Hagnen sînem man. // die starken untriuwe · begunden tragen an, // ê ieman daß ervunde, · die rîter ûß erkorn. // von zweier vrouwen bâgen · wart vil manec helt verlorn. // 15. Âventiure // wie Sîvrit verrâten wart. An dem vierden morgen · zwên und drîßec man // sach man ze hove rîten. · daß wart dô kunt getân // Gunther dem rîchen, · im wære widerseit. // von lüge wuohs den vrouwen · grôßer jâmer unde leit. // Urloup si gewunnen, · daß si vür solden gân, // und jâhen, daß siß wæren · Liudgêres man, // den ê dâ hete betwungen · Sîvrides hant // und in ze gîsel bræhte · in daß Guntheres lant. // Die boten er dô gruoßte · und hieß si sitzen gân. // einer sprach dar under: · hêrre, lât uns stân, // unz wir gesagen mære, · diu iu enboten sint. // jâ habet ir ze vînde, · daß wißßet, maneger muoter kint. // „Iu widerseit Liudegast · unde Liudgêr, // den ir dâ wîlen tâtet · gremlîchiu sêr: // die wellent zuo iu rîten · mit her in ditze lant.“ // der künic begunde zürnen, · als ob eß wære im unbekant. // Man hieß die meinræten · zen herbergen varn. // wie möhte sich Sîvrit · dâ vor dô bewarn, // er oder ander ieman, · daß si dô truogen an? // daß wart sît in selben · ze grôßem leide getân. // Der künic mit sînen vriunden · rûnende gie. // Hagne von Troneje · in nie geruowen lie. // noch heten eß gescheiden · genuoge sküneges man; // dône wolde et Hagene · nie des râtes abe gân. // Eines tages si Sîvrit · rûnende vant. // dô begunde vrâgen · der helt von Niderlant: // „wie gât sô trûreclîchen · der künic und sîne man?“ // daß hilfe ich immer rechen, · hât in iemen iht getân.“ // Dô sprach künic Gunther: · „mir ist von schulden leit: // Liudgast und Liudegêr · habent mir widerseit: // si wellen offenlîche · rîten in mîn lant.“ // dô sprach der degen küene: · „daß sol Sîvrides hant // „Nâch allen iuwern êren · mit vlîße understân; // ich tuon noch den degenen, · als ich hân ê getân. // ich lege in wüeste ir bürge · und ouch ir lant, // ê daß ich erwinde: · des sî mîn houbet iuwer phant. // „Ir und iuwer recken · sult hie heime bestân // und lât mich zuo in rîten · mit den, die ich hân. // daß ich iu gerne diene, · daß lâße ich iuch sehen: // von mir sol iuwern vînden, · daß wißßet, leide geschehen.“ // „Sô wol mich dirre mære,“ · sprach der künic dô, // als ob er ernslîche · der helfe wære vrô. // in valsche neig im tiefe · der ungetriuwe man. // dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ir sult kleine sorge hân.“ // Dô schikten si die reise · mit den knehten dan: // Sîvride und den sînen · ze sehene eß was getân. // dô hieß er sich bereiten · die von Niderlant: // Sîvrides recken · suohten strîtlîch gewant. // Dô sprach der starke Sîvrit: · „mîn vater Sigmunt, // ir sult hie belîben: · wir komen in kurzer stunt, // gît uns Got gelücke, · her wider an den Rîn. // ir sult bî dem künege · hie vil vrœlîchen sîn.“ // Diu zeichen si ane bunden, · alsô si wolden dan. // dô wâren dâ genuoge · Guntheres man, // dine wessen niht der mære, · wâ von eß was geschehen. // man mohte grôß gesinde · dô bî Sîvride sehen. // Ir helme und ouch ir brünne · si bunden ûf diu marc; // dô wolde von dem lande · vil manec recke starc. // dô gie von Troneje Hagene, · da er Kriemhilde vant, // und bat im geben urloup: · si wolden rûmen daß lant. // „Wol mich,“ sprach Kriemhilt, · deich ie den man gewan, // der mînen lieben vriunden · sô wol tar vor stân, // alse mîn hêr Sîvrit · tuot den vriunden mîn: // des wil ich hôhes muotes,“ · sprach diu küneginne, „sîn.“ // „Lieber vriunt, er Hagene, · gedenket an daß, // daß ich iu gerne diene · und noch nie wart gehaß. // des lâßet mich genießen · an mînem lieben man: // er sol des niht enkelten, · hân ich Prünhilt iht getân. // „Des hât mich sît gerouwen,“ · sprach daß edel wîp, // „ouch hât er sô zerblouwen · dar umbe mînen lîp: // daß ichß ie gereite, · daß beswârte ir den muot, // daß hât vil wol errochen · der degen küene unde guot.“ // „Ir werdet wol versüenet,“ · sprach er, „nâch disen tagen. // Kriemhilt, liebiu vrouwe, · jâ sult ir mir sagen, // wie ich iu müge dienen · an Sîvride iuwerm man. // daß tuon ich gerne, vrouwe: · baß ichs nieman engan.“ // „Ich wære ân alle sorge,“ · sprach dô daß edel wîp, // „daß im ieman næme · in sturme sînen lîp, // ob er niht wolde volgen · sîner übermuot: // sô wær immer sicher · der degen küene unde guot.“ // „Vrouwe,“ sprach dô Hagene, · „und habet ir des wân, // daß man in müge versnîden, · ir sult mich wißßen lân, // mit wie getânen listen · sol ichß understên? // ich wil im ze huote · immer rîten unde gên.“ // Si sprach: „du bist mîn mâc, · sô bin ich der dîn. // ich bevilhe dir ûf triuwe · den lieben wine mîn, // daß du wol behüetest · mir den lieben man.“ // si seit im kundiu mære, · diu beßßer wæren verlân. // Si sprach: „mîn man ist küene, · dar zuo stark genuoc. // dô er den lintdrachen · an dem berge sluoc, // jâ badet sich in dem bluote · der recke vil gemeit, // dâ von in sît in stürmen · dehein wâfen nie versneit. // „Jedoch bin ich in sorgen, · swenne er in strîte stât // und vil der gêrschüßße · von helde handen gât, // daß ich dâ verliese · den mînen lieben man. // hei, waß ich grôßer sorge · dicke umb Sîvriden hân! // „Ich melde eß ûf genâde, · vil lieber vriunt, dir, // daß du dîne triuwe · behaltest ane mir, // dâ man dâ mac verhouwen · den mînen lieben man. // daß lâße ich dich hœren: · dêst ûf genâde getân. // „Dô von des trachen wunden · vlôß daß heiße bluot // und dar inne badete · sich der rîter guot, // dô viel im zwischen herten · ein linden blat vil breit. // dâ mac man in versnîden: · des hân ich sorge unde leit.“ // Dô sprach von Tronje Hagene: · „ûf daß sîn gewant // næt ein kleineß zeichen. · dâ bî ist mir bekant, // wâ ich in müge behüeten, · sô wir in stürmen stân.“ // si wânde den helt vristen; · eß was ûf sînen tôt getân. // Si sprach: „mit kleinen sîden · næ ich ûf sîn gewant // ein tougenlîcheß criuze. · dâ sol, helt, dîn hant // mînen man behüeten, · so eß an die herte gât, // und er in starken stürmen · vor sînen vîenden stât.“ // „Daß tuon ich,“ sprach dô Hagene, · „vil liebiu vrouwe mîn.“ // dô wând ouch diu vrouwe, · eß sold im vrume sîn: // dô was dâ mite verrâten · der Kriemhilde man. // urloup nam dô Hagene: · dô gie er vrœlîchen dan. // Daß er revarn hête, · bat im sîn hêrre sagen. // „mugt ir die reise wenden, · sô suln wir rîten jagen. // ich hân nu gar diu mære, · wie ich in gewinnen sol. // muget ir daß gevüegen?“ · „daß tuon ich,“ sprach der künic, „wol“. // Des küneges ingesinde · was alleß wol gemuot. // ich wæne, nimmer recke · deheiner mêr getuot // sô grôße meinræte, · sô dâ von im ergie, // dô sich an sîne triuwe · diu schœne künegîn verlie. // Des anderen morgens · mit tûsent sîner man // reit der hêrre Sîvrit · vil vrœlîchen dan. // er wânde, er solde rechen · sîner vriunde leit. // Hagene im reit sô nâhen, · daß er geschouwet diu kleit. // Als er gesach daß bilde, · dô schikte er tougen dan, // die seiten andriu mære, · zwêne sîner man: // mit vride solde belîben · daß Guntheres lant, // und si hete Liudegêr · zuo dem künige gesant. // Wie ungerne Sîvrit · dô hin wider reit, // er enhete ê gerochen · sîner vriunde leit! // wan in der reise erwanden · vil kûme Gunthers man. // er reit zuo dem künege: · der wirt im danken began. // „Nu lône iu Got des willen, · vriunt, hêr Sîvrit, // daß ir sô willeclîchen · tuot, des ich iuch bit: // daß wil ich immer dienen, · als ich von rehte sol. // vür alle mîne vriunde · sô getrouwe ich iu wol. // „Nu wir der herverte · ledec worden sîn, // sô wil ich jagen rîten · bern unde swîn // hin zuo dem Oten walde, · als ich vil dicke hân.“ // daß hete gerâten Hagene, · der vil ungetriuwe man. // „Allen mînen gesten · sol man daß nu sagen, // ich welle vruo rîten: · die wellen mit mir jagen, // daß sich die bereiten; · die wellen hie bestân, // hübschen mit den vrouwen: · daß sî liep mir getân.“ // Dô sprach der starke Sîvrit · mit hêrlîchem site: // „swenne ir jagen rîtet, · sô wil ich gerne mite. // sô sult ir mir lîhen · einen suochman // und etelîchen bracken: · sô wil ich mit iu in den tan.“ // „Welt ir niht wan einen?“ · sprach der künic zehant. // „ich lîhe iu, welt ir, viere, · den wol ist bekant // der walt und ouch die stîge, · swâ diu tier gânt, // die iuch niht urwîse · wider heim rîten lânt.“ // Dô reit zuo sînem wîbe · der rîter vil gemeit. // schiere hete Hagene · dem künige geseit, // wie er gewinnen wolde · den tiuwerlîchen degen. // sus grôßer untriuwe · solde nimmer man gephlegen. // Dô die vil ungetriuwen · ûf geleiten sînen tot, // si wistenß al gemeine; · Gîselher und Gêrnôt // wolden niht jagen rîten. · ineweiß, durch welhen nît // daß si in niht enwarenden; · iedoch erarneten siß sît. // 16. Âventiure // wie Sîvrit erslagen wart. Gunther und Hagene · die recken vil balt // lobeten mit untriuwen · ein pirsen in den walt. // mit ir scharphen gêren · si wolden jagen swîn, // beren unde wisende: · waß kunde küeners gesîn? // Dâ mite reit ouch Sîvrit · in êrlîchem site. // maneger hande spîse · die vuorte man in mite. // zuo eime kalten brunnen · verlôs er sît den lîp. // daß hete gerâten Prünhilt, · künic Guntheres wîp. // Dô gie der degen küene, · da er Kriemhilde vant. // dô was nû ûf gesoumet · sîn edel pirsgewant // und ouch der gesellen: · si wolden über Rîn. // do endorfte Kriemhilde · nimmer leider gesîn. // Sîne triutinne · kust er an den munt: // „Got lâße mich dich, vrouwe, · gesehen noch gesunt // und mich ouch dîniu ougen. · mit holden mâgen dîn // soltu kurzwîlen: · ine mac heime niht gesîn.“ // Dô dâhtes an diu mære, · si entorste ir niht sagen, // diu si Hagenen seite: · dô begunde klagen // diu edel küneginne, · daß si ie gewan den lîp. // dô weinde âne mâße · daß vil wunderschœne wîp. // Si sprach zuo dem recken: · „lât iuwer jagen sîn. // mir troumde hînt leide, · wie iuch zwei wildiu swîn // jageten über heide: · dâ wurden bluomen rôt. // daß ich sô sêre weine, · des gêt mir armen wîbe nôt. // „Jâ vürhte ich harte sêre · etelîchen rât, // ob man der deheinen · missedienet hât, // die uns gevüegen kunnen · vîentlîchen haß. // belîbet, lieber hêrre, · mit triuwen râte ich iu daß.“ // „Mîn liebiu triutinne, · ich kume in kurzen tagen. // ine weiß hie niht der liute, · die mir iht haßßes tragen. // alle dîne mâge · sint mir gemeine holt; // ouch hân ich an den degenen · hie niht anders versolt.“ // „Neinâ, hêrre Sîvrit, · jâ vürhtich dînen val. // mir troumde hînt leide, · wie obe dir ze tal // vielen zwêne berge: · ine sach dich nimmer mê. // wiltu von mir scheiden, · daß tuot mir inneclîchen wê.“ // Er umbevie mit armen · daß tugentrîche wîp, // mit minneclîchem küssen · er trûte ir schœnen lîp. // mit urloube er dannen · schiet in kurzer stunt. // sine gesach in leider · dar nâch nimmer mêr gesunt. // Dô riten si von dannen · in einen tiefen walt // durch kurzewîle willen; · vil manec rîter balt // riten mit dem wirte; · man vuorte ouch mit in dan // vil der edelen spîse, · die die helden solden hân. // Geladen vil der rosse · kom vor in über Rîn, // diu den jeitgesellen · truogen brôt unt wîn, // vleisch mit den vischen · und ander manegen rât, // den ein künic sô rîche · harte billîchen hât. // Si hießen herbergen · vür den grüenen walt // gêns wildes abeloufe · die stolzen jegere balt, // dâ si dâ jagen solden, · ûf einen wert vil breit. // dô was ouch komen Sîvrit: · daß wart dem künige geseit. // Von den jeitgesellen · wurden dô bestân // die warte an allen ende. · dô sprach der küene man, // Sîvrit der vil starke: · „wer sol uns in den walt // wîsen nâch dem wilde, · ir degne küene unde balt?“ // „Welle wir uns scheiden,“ · sprach dô Hagene, // „ê daß wir beginnen · hie ze jagene: // dâ bî mugen bekennen · ich und der hêrre mîn, // wer die besten jegere · an diser waltreise sîn. // „Liute unde hunde · suln wir teilen gar: // sô kêre ieslîcher, · dar er gerne var. // der danne jage beste, · der sol des haben danc.“ // dô was der jeger bîten · bî ein ander niht lanc. // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ich hân der hunde rât // wan einen bracken, · der sô genoßßen hât, // daß er die verte erkenne · der tiere durch den tan. // wir komen wol ze jeide,“ · sprach der Kriemhilde man. // Dô nam ein alter jegere · einen spürhunt: // er brâhte den hêrren · in einer kurzen stunt, // dâ si vil tiere vunden: · swaß der von leger stuont, // diu erjeiten die gesellen, · sô noch guote jeger tuont. // Swaß ir der bracke ersprancte, · diu sluoc mit sîner hant // Sîvrit der küene, · der helt von Niderlant. // sîn ros lief sô sêre, · daß ir im niht entran. // den lop er vor in allen · an dem gejeide gewan. // Er was an allen dingen · biderbe genuoc. // sîn tier daß êrste, · daß er ze tôde sluoc, // was ein starkeß halpswuol, · mit der sîner hant; // dar nâch er vil schiere · einen grimmen leuwen vant. // Der bracke den ersprancte: · er schôß in mit dem bogen. // eine scharfe strâle · hete er dar in gezogen: // der leuw lief nâch dem schußße · wan drîer sprünge lanc. // sîne jeitgesellen · die seiten Sîvride danc. // Dar nâch sluoc er schiere · einen wisent und einen elch, // starker ûre viere · und einen grimmen schelch. // sîn ros truoc in sô balde, · daß im niht entran. // hirße oder hinde · kunde im wênec enkân. // Einen eber grôßen · vant der spürhunt. // als er begunde vliehen, · dô kom an der stunt // des gejeides meister · bestuont in ûf der slâ. // daß swîn zorneclîchen · lief an den küenen degen sâ. // Dô sluoc in mit dem swerte · Kriemhilde man: // eß hete ein ander jegere · sô sanfte niht getân. // dô ern hete ervellet, · man vie den spürhunt. // dô wart sîn rîch gejeide · allen Burgunden kunt. // Dô sprâchen sîne jegere: · „mag eß mit vuoge wesen, // sô lât uns, hêr Sîvrit, · der tier ein teil genesen: // ir tuot uns hiute lære · den berc und ouch den walt.“ // des begonde smielen · der degen küene unde balt. // Si hôrten allenthalben · ludem unde dôß. // von liuten und von hunden · der schal was sô grôß, // daß in dâ von antwurte · der berc und ouch der tan. // vier und zweinzec ruore · die jeger hêten verlân. // Dô muosen vil der tiere · verliesen dâ daß leben. // dô wânden si vüegen, · daß man solde geben // in den prîs des jeides: · des kunde niht geschehen, // dô der starke Sîvrit · wart zer viurstat gesehen. // Daß jeit was ergangen · unde doch niht gar. // die zer viurstat wolden, · die brâhten mit in dar // vil maneger hande hiute · und wildes genuoc. // hei, waß des ze kuchen · des küneges ingesinde truoc! // Dô hieß der künic künden · den jegern wol geborn, // daß er enbîßen wolde. · dô wart lûte ein horn // zeiner stunt geblâsen: · dâ mite wart erkant, // daß man den vürsten edele · dâ zen herbergen vant. // Dô sprach ein Sîvrides jegere: · „hêrre, ich hân vernomen // von eines hornes dußße, · daß wir nu suln komen // zuo den herbergen: · antwurten ich des wil.“ // dô wart nâch den gesellen · gevrâget blâsende vil. // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „nu rûme wir den tan!“ // sîn ros truoc in ebene: · si îlten mit im dan. // si ersprancten mit ir schalle · ein tier gremelich, // einen bern wilden. · dô sprach der degen hinder sich: // „Ich wil uns hergesellen · kurzwîle wern. // ir solt den bracken lâßen: · ich sihe einen bern; // der sol mit uns hinnen · zen herbergen varn. // ern vliehe danne sêre, · ern kan sichs nimmer bewarn.“ // Der bracke wart verlâßen, · der ber spranc von dan. // dô wolde in errîten · Kriemhilde man. // er kom in ein gevelle: · done kunde eß niht wesen; // daß starke tier dô wânde · vor den jegeren genesen. // Dô spranc von sîme rosse · der stolze rîter guot, // er begunde nâch loufen. · daß tier was unbehuot, // eß enkunde im niht entrinnen: · dô vie erß sâ zehant; // ân alle wunden · der helt eß schiere gebant. // Krazen noch gebîßen · kunde eß niht den man. // er band eß zuo dem satele: · ûf saß der snelle sân, // er brâhte eß an die viuwerstat · durch sînen hôhen muot // zeiner kurzwîle, · der degen küene unde guot. // Wie rehte hêrlîche · er ze herbergen reit! // sîn gêr was vil michel, · starc unde breit; // im hie ein zier wâfen · nider ûf den sporn. // von rôteme golde · der hêrre vuorte ein schœne horn. // Von beßßerm pirsgewæte · hôrte ich nie gesagen. // einen roc swarz phellîn · sach man in tragen // und einen huot von zobele, · der rîche was genuoc. // hei, waß er borten · an sîme kochære truoc! // Von eineme pantel · dar über was gezogen // ein hût durch die süeße. · ouch vuorter einen bogen, // den man mit antwerke · muose ziehen dan, // der in spannen wolde, · ern heteß selbe getân. // Von einer ludmes hiute · was alleß sîn gewant; // von houbet unz anß ende · gestreut man drûfe vant. // ûß der liehten riuhe · vil manec goldes zein // ze beiden sînen sîten · dem küenen jegermeister schein. // Ouch vuorte er Balmungen, · ein ziere wâfen breit: // daß was alsô scherphe, · daß eß nie vermeit, // swâ manß sluoc ûf helme: · sîn ecke wâren guot. // der hêrlîche jegere · was vil hôhe gemuot. // Sît ich iu diu mære · gar bescheiden sol, // im was sîn edel kocher · guoter strâle vol, // von guldînen tüllen, · diu sahs wol hende breit. // eß muoste balde ersterben, · swaß er dâ mit versneit. // Dô reit der rîter edele · vil weidenlîche dan. // in sâhen zuo in komende · Guntheres man: // si liefen im enkegene · und enphiengen im daß marc: // dô vuorte er bî dem satele · den beren grôß unde starc. // Als er gestuont von rosse, · dô lôste er im diu bant // von vuoße und ouch von munde. · do erlûte sâ zehant // vil lûte daß gehünde, · swaß es den bern sach. // daß tier ze walde wolde: · die liute hetens ungemach. // Der ber von dem schalle · durch die kuche geriet: // hei, waß er kuchenknehte · von dem viuwer schiet! // vil keßßele wart gerüeret, · zervüeret manec brant; // hei, waß man guoter spîse · in dem aschen ligen vant! // Dô sprungen von dem sedele · die hêrren und ir man. // der ber begunde zürnen; · der künic hieß dô lân // alleß daß gehünde, · daß an seilen lac; // und wære eß wol verendet, · si heten vrœlîchen tac. // Mit bogen und mit spießen, · niht langer man daß lie, // dar liefen dô die snellen, · dâ der bere gie. // dô was sô vil der hunde, · daß dâ nieman schôß. // von des liutes schalle · daß gebirge alleß erdôß. // Der ber begunde vliehen · vor den hunden dan: // im kunde niht gevolgen · wan Kriemhilde man. // er erlief in mit dem swerte, · ze tôde er in dô sluoc. // hin zuo dem viure · man den beren wider truoc. // Dô sprâchen, die daß sâhen, · er wære ein kreftec man. // die stolzen jeitgesellen · hieß man ze tische gân. // ûf einen schœnen anger · saß ir dâ genuoc. // hei, waß man rîterspîse · dô den stolzen jegern truoc! // Die schenken kômen seine, · die tragen solden wîn; // eß enkunde baß gedienet · nimmer helden sîn. // heten si dar under · niht sô valschen muot, // sô wæren wol die recken · vor allen schanden behuot. // Done hete niht der sinne · der küene veige man, // daß er ir untriuwe · kunde sich verstân. // er was in ganzen tugenden · alles valsches blôß; // sîns tôdes muose engelten sît, · der sîn nie niht genôß. // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „wunder mich des hât, // sît man uns von kuchen · gît sô manegen rât, // war umbe uns die schenken · dar zuo niht bringen wîn: // man phlege baß der jegere, · ich wil niht jeitgeselle sîn. // „Ich hete wol verdienet, · daß man mîn næme war.“ // der künic von dem tische · sprach in valsche dar: // „man sol iu gerne büeßen, · swes wir gebresten hân. // eß ist von Hagnen schulde: · der wil uns erdürsten lân.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „lieber hêrre mîn, // ich wânde, daß pirsen · solde hiute sîn // dâ zem Spehtsharte: · den wîn den sande ich dar. // sîn wir hiut ungetrunken, · wie wol ich mêre daß bewar.“ // Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ir lîp der habe undanc. // man sold mir siben soume · met und lûtertranc // haben her gevüeret. · dô des niht mohte sîn, // dô sold man uns gesidelet · haben nâher an den Rîn.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „ir edelen rîter balt, // ich weiß hie vil nâhen · einen brunnen kalt: // daß ir niht enzürnet: · dâ sul wir hine gân.“ // der rât wart manegem degene · ze grôßen sorgen getân. // Sîvriden den recken · twanc des durstes nôt; // den tisch er deste zîter · ruken dan gebôt: // er wolde vür die berge · zuo dem brunnen gân. // dô was der rât mit meine · von den degenen getân. // Diu tier hieß man ûf wägenen · und vüeren in daß lant, // diu dâ hete verhouwen · Sîvrides hant. // man jach im grôßer êren, · swer eß ie gesach. // Hagne sîne triuwe · sêre an Sîvride brach. // Dô si wolden dannen · zuo der linden breit, // dô sprach von Troneje Hagene: · „mir ist des vil geseit, // daß niht gevolgen kunde · dem Kriemhilde man, // swenne er welle gâhen; · hei! wolde er uns daß sehen lân!“ // Dô sprach von Niderlande · der küene Sîvrit: // „daß muget ir wol versuochen, · welt ir mir volgen mit // ze wette zuo dem brunnen. · sô daß ist getân, // dem sol man jehen danne, · den man siht ze vorderst stân.“ // „Nu welle wirß versuochen,“ · sprach Hagne der degen. // dô sprach der starke Sîvrit: · „sô wil ich mich legen // vür iuwer vüeße · nider an daß gras.“ // dô er daß gehôrte, · wie liep daß Gunthere was! // Dô sprach der degen küene: · „ich wil iu mêre sagen: // alleß mîn gewæte · wil ich mit mir tragen, // den gêr zuo dem schilde · und mîn pirsgewant.“ // den kocher zuo dem swerte · vil schier er umbe gebant. // Dô zugen si diu kleider · von dem lîbe dan: // in zwein wîßen hemden · sach man si beide stân. // sam zwei wildiu pantel · si liefen durch den klê; // doch sach man bî dem brunnen · den küenen Sîvriden ê. // Den prîs an allen dingen · truoc er vor manegem man. // daß swert lôste er schiere, · den kocher leit er dan, // den starken gêr er leinde · an der linden ast: // bî des brunnen vlußße · stuont der hêrlîche gast. // Die Sîvrides tugende · wâren harte grôß. // den schilt er leite nidere, · dâ der brunne vlôß: // swie harte sô in durste, · der helt doch niht entranc, // ê der künec getrunke: · des seit er im vil bœsen danc. // Der brunne was küele, · lûter unde guot. // Gunther sich dô neigete · nider zuo der vluot. // als er hete getrunken, · dô rihte er sich von dan: // alsam het ouch gerne · der küene Sîvrit getân. // Do engalt er sîner zühte. · den bogen und daß swert // daß truoc alleß Hagene · von im danwert // und spranc dâ hin widere, · da er den gêre vant. // er sach nâch einem bilde · an des küenen gewant. // Dô der hêrre Sîvrit · ob dem brunnen tranc, // er schôß in durch daß kriuze, · daß von der wunden spranc // daß bluot von dem herzen · vaste an Hagnen wât. // solher missewende · ein helt nu nimmer begât. // Den gêr im gên dem herzen · stecken er dô lie. // alsô grimmeclîche · ze flühte Hagne nie // gelief in der werlde · vor deheinem man. // dô sich der starke Sîvrit · der grôßen wunden versan, // Der hêrre tobelîchen · von dem brunnen spranc; // im ragete von den herten · ein gêrstange lanc. // der vürste wânde vinden · bogen oder swert: // sô müese wesen Hagene · nâch sîme dienste gewert. // Dô der sêre wunde · des swertes niht envant, // done het et er niht mêre · wan des schildes rant: // er zuct in von dem brunnen, · dô lief er Hagnen an: // done kunde im niht entrinnen · des künic Guntheres man. // Swie wunt er was zem tôde, · sô krefteclîch er sluoc, // daß ûßer dem schilde · dræte genuoc // des edelen gesteines; · der schilt vil gar zerbrast. // sich hete gerne errochen · der vil hêrlîche gast. // Hagene muose strûchen · vor sîner hant ze tal; // von des slages krefte · der wert vil lûte erhal. // het er sîn swert enhende, · sô wær eß Hagenen tôt. // sêre zurnde der wunde, · des twanc in êhaftiu nôt. // Erblichen was sîn varwe: · ern mohte niht gestên. // sînes lîbes sterke · muoste gar zergên, // wande er des tôdes zeichen · in liehter varwe truoc. // sît wart er beweinet · von schœnen vrouwen genuoc. // Dô viel in die bluomen · der Kriemhilde man. // daß bluot von sîner wunden · sach man vaste gân. // dô begunder schelten, · des twanc in grôßiu nôt, // die ûf in gerâten · heten ungetriuwe den tôt. // Dô sprach der verchwunde: · „jâ ir bœsen zagen, // waß helfent mîniu dienest, · sît ir mich habet erslagen? // ich was iu ie getriuwe: · des ich enkolten hân. // ir habt an iuwern vriunden · leider übele getân. // „Die sint dâ von bescholden, · swaß ir wirt geborn // her nâch disen zîten. · ir habt iuwern zorn // gerochen al ze sêre · an dem lîbe mîn. // mit laster gescheiden · sult ir von guoten recken sîn.“ // Die rîter liefen alle, · dâ er erslagen lac. // eß was ir genuogen · ein vreudelôser tac. // die iht triuwe hêten, · von den wart er gekleit: // daß het ouch wol gedienet · umb alle liute der helt gemeit. // Der künec von Burgunden · klagte ouch sînen tôt. // dô sprach der verchwunde: · „daß ist âne nôt, // daß der nâch schaden weinet, · der in dâ hât getân: // der dienet michel schelten: · eß wære beßßer verlân.“ // Dô sprach der grimme Hagene: · „jane weiß ich, waß ir kleit. // eß hat nu alleß ende an uns, · sorge unde leit. // wir vinden ir nu wênec, · die getürren uns bestân; // wol mich, deich sîner hêrschaft · hân ze râte getân.“ // „Ir muget iuch lîhte rüemen,“ · sprach dô Sîvrit. // „het ich an iu erkunnet · den mortlîchen sit, // ich hete wol behalten · vor iu mînen lîp. // mich riuwet niht sô sêre · sô vrou Kriemhilt mîn wîp. // „Nu müeße Got erbarmen, · deich ie gewan den sun, // dem man itewîßen · sol daß her nâch tuon, // daß sîne mâge ieman · mortlîch hânt erslagen. // möhte ichß verenden, · daß solde ich pillîche klagen. // „Zer werlde wart nie mêre · grœßer mort begân,“ // sprach er zuo dem künege, · „denne an mir ist getân. // ich behielt iu lîp und êre · in angestlîcher nôt; // ich hâns engolten sêre, · daß ichß iu ie sô wol erbôt.“ // Dô sprach jæmerlîche · der verchwunde man: // „welt ir, künic edele, · triuwen iht began // in der werlde an iemen, · lât iu bevolhen sîn // ûf iuwer genâde · die lieben triutinne mîn. // „Lât si des genießen, · daß si iuwer swester sî: // durch aller vürsten tugende · wont ir mit triuwen bî. // mir müeßen warten lange · mîn vater und mîne man: // eß enwart nie vrouwen leider · an liebem vriunde getân.“ // Er ramph sich bitterlîche, · als im diu nôt gebôt, // und sprach dô jæmerlîche: · „der mortlîche tôt // mag iuch wol geriuwen · her nâch disen tagen: // geloubt an rehten triuwen, · daß ir iuch selben habt erslagen.“ // Die bluomen allenthalben · von bluote wâren naß. // dô ranger mit dem tôde, · unlange tet er daß, // wan des tôdes wâfen · ie ze sêre sneit. // dô mohte reden niht mêre · der recke küene unde gemeit. // Dô die hêrren sâhen, · daß der helt was tôt, // si leiten in ûf einen schilt, · der was von golde rôt, // und wurden des ze râte, · wie daß solde ergân, // daß man eß verhæle, · daß eß Hagne hete getân. // Dô sprâchen ir genuoge: · „uns ist übel geschehen. // ir sult eß heln alle · und sult gelîche jehen: // da er jagen rite aleine, · Kriemhilde man, // in slüegen schâchære, · dâ er vüere durch den tan.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „ich bring in in daß lant. // mir ist vil unmære, · wirt eß ir bekant, // diu sô hât betrüebet · den Prünhilde muot. // eß ahtet mich vil ringe, · swaß si nu weinen getuot.“ // Von dem selben brunnen, · dâ Sîvrit wart erslagen, // sult ir die rehten wârheit · von mir hœren sagen: // vor dem Otenwalde · ein dorf lît, Otenheim: // dâ vliußet noch der brunne, · des ist zwîvel dehein. // 17. Âventiure // wie Sîvrit beklaget und begraben wart. Dô biten si der nahte · und vuoren über Rîn: // von helden kunde nimmer · wirs gejaget sîn. // ein tier, daß si dâ sluogen, · daß weinden edeliu wîp: // jâ muosen sîn enkelten · vil guoter wîgande lîp. // Von grôßer übermüete · muget ir hœren sagen // und eislîcher râche. · eß hieß Hagne tragen // Sîvriden alsô tôten · von Niblunge lant // vür eine kemenâten, · dâ man Kriemhilde vant. // Er hieß in tougenlîche · legen an die tür, // daß si in dâ vinden solde, · sô si gienge dervür // hin ze mettîne, · ê daß eß wurde tac, // der diu vrouwe Kriemhilt · vil selten eine verlac. // Man lûte dâ zem münster · nâch gewoneheit: // Kriemhilt diu vil schœne · wacte manege meit. // ein lieht bat si ir bringen · und ouch ir gewant; // dô kom ein kamerære, · dâ er Sîvriden vant. // Er sach in bluotes rôten, · sîn wât was elliu naß. // daß eß sîn hêrre wære, · niht enwesser daß. // hin ze der kemenâten · daß lieht er truoc enhant, // bî dem vil leide mære · vrouwe Kriemhilt ervant. // Dô si mit ir vrouwen · ze kirche wolde gân, // dô sprach der kamerære: · „vrouwe, ir sult stille stân: // eß lît vor dem gademe · ein rîter tôt erslagen.“ // „Ouwê,“ sprach vrou Kriemhilt, · „waß wiltu solher mære sagen?“ // Ê si rehte ervunde, · daß eß wære ir man, // an die Hagenen vrâge · denken si began, // wie er solde in vristen: · êrst dô wart ir leit. // von ir was allen vreuden · mit sîme tôde widerseit. // Si seic zuo der erden, · daß si niht ensprach: // die schœnen vreudelôsen · ligen man dô sach. // Kriemhilde jâmer · wart unmâßen grôß. // dô schrei si nâch unkreften, · daß al diu kemenâte erdôß. // Dô sprach daß gesinde: · „waß, obeß ist ein gast?“ // daß bluot ir ûß dem munde · vor herzen jâmer brast. // (si sprach): „nein, eß ist Sîvrit, · mîn vil lieber man: // eß hât gerâten Prünhilt, · daß eß Hagne hât getân.“ // Diu vrouwe bat sich wîsen, · dâ si den helt vant. // si huop sîn schœne houbet · mit ir vil wîßen hant. // swie rôt er was von bluote, · si hete in schiere erkant. // dô lac vil jæmerlîche · der helt von Nibelunge lant. // Dô rief trûreclîchen · diu küneginne milt: // „wê mir dises leides: · nu ist dir doch dîn schilt // mit swerten niht verhouwen: · du lîst ermorderôt. // wesse ich, wer eß het getân, · ich riete im immer sînen tôt.“ // Alleß ir gesinde · klagete unde schrê // mit ir lieben vrouwen, · wande in was vil wê // umb ir edelen hêrren, · der dâ was verlorn. // gerochen hete Hagene · vil übele Prünhilde zorn. // Dô sprach diu jâmerhafte: · „ir sult hine gân // und wecket harte balde · die Sîvrides man. // ir sult ouch Sigmunde · mînen jâmer sagen, // ob er mir helfen welle · den küenen Sîvriden klagen.“ // Dô lief ein bote balde, · dâ er ligen vant // Sîvrides helde · von Niblunge lant. // mit den vil leiden mæren · ir vreude er in benam; // si woldenß niht gelouben, · ê man daß weinen vernam. // Der bote kom ouch schiere, · dâ der künic lac. // Sigmunt der hêrre · des slâfes niene phlac: // ich wæn, sîn herze im seite, · daß im was geschehen, // daz er sînen lieben sun · nimmer solde mêr gesehen. // „Wachet, hêrre Sigmunt! · mich bat nâch iu gân // Kriemhilt mîn vrouwe: · der ist ein leit getân, // daß ir vor allen leiden · an ir herze gât: // daß sult ir klagen helfen, · wan eß sêre iuch bestât.“ // Ûf rihte sich dô Sigemunt, · er sprach: „waß sint diu leit // der schœnen Kriemhilde, · sô du hâst geseit?“ // der bote sprach mit weinen: · „si muoß von schulden klagen: // jâ ist von Niderlanden · der küene Sîvrit erslagen.“ // Dô sprach der künic Sigemunt: · „lât daß schimpfen sîn // und alsô bœsiu mære · von dem sune mîn, // daß ir saget ieman, · daß er sî erslagen, // wan ich enkunde in nimmer · unz an mîn ende verklagen.“ // „Und welt irß niht gelouben, · daß ir mich hœret sagen, // sô vernemet selbe · Kriemhilde klagen // und alleß ir gesinde · den Sîvrides tôt.“ // vil sêre schrac dô Sigmunt: · des gie im wærlîchen nôt. // Mit hundert sîner manne · er von dem bette spranc. // si zucten zuo den handen · diu scharphen wâfen lanc: // si liefen zuo dem wuofe · jâmerlîchen dan. // dô kômen tûsent recken, · des küenen Sîvrides man. // Dô si sô jâmerlîche · die vrouwen hôrten klagen, // dô wânden sumelîche, · si solden kleider tragen. // jane mohten si der sinne · vor leide niht gehaben: // in was michel swære · in ir herze begraben. // Dô kom der künic Sigemunt, · da er Kriemhilde vant. // er sprach: „ouwê der reise · her in ditze lant. // wer hât mich mînes kindes · und iuch des iuwern man // bî alsô guoten vriunden · sus mortlîch âne getân?“ // „Solde ich den bekennen,“ · sprach daß vil edel wîp, // „holt wurde im nimmer · mîn herze noch mîn lîp: // ich riete im alse leides, · daß al die vriunde sîn // mit jâmer müesen weinen, · daß wißßet, von den schulden mîn.“ // Sigemunt mit armen · den vürsten umbeslôß. // dô wart von sînen vriunden · der jâmer alsô grôß, // daß von dem starken wuofe · palas unde sal // und diu stat ze Wormße · von ir weinen erschal. // Done kunde nieman trœsten · Sîvrides wîp. // man zôch ûß den kleidern · sînen schœnen lîp // und wuosch im sîne wunde, · man leite in ûf den rê. // dô was sînen liuten · von starkem jâmer vil wê. // Eß sprâchen sîne recken · ûß Niblunge lant: // „in sol immer rechen · mit willen unser hant. // er ist in disem hûse, · der eß hât getân.“ // dô ilten sich wâfenen · alle Sîvrides man. // Die ûß erwelten degene · mit schilden kômen dar, // einlif hundert recken: · die hete an sîner schar // Sigmunt der rîche. · sînes sunes tôt // wolde er gerne rechen, · als im sîn triuwe daß gebôt. // Sine wessen, wen si solden · mit strîte dô bestân, // si entæten Guntheren · und ouch sîne man, // mit den der hêrre Sîvrit · an daß gejeide reit. // Kriemhilt sach si gewâfent; · daß was ir grœßlîche leit. // Swie michel wær ir jâmer · und wie starc ir nôt, // doch vorhte si sô harte · der Niblunge tôt // von ir bruoder mannen, · daß si eß understuont. // si warnt si güetlîche, · sô vriunde liebe vriunde tuont. // Dô sprach diu jâmers rîche: · „mîn hêr Sigmunt, // wes welt ir beginnen? · iu ist niht rehte kunt. // jâ hât künic Gunther · sô manegen küenen man: // ir welt iuch alle vliesen, · welt ir die recken bestân.“ // Mit ûf erburten schilden · was in ze strîte nôt. // diu edel küneginne · si bat und ouch gebôt, // daß eß mîden solden · die recken vil gemeit. // daß wolden si niht lâßen, · daß was ir wærlîche leit. // Si sprach: „mîn hêr Sigmunt, · ir sult eß lâßen stân, // unz eß sich baß vüege: · sô wil ich mînen man // immer mit iu rechen. · der mir in hât benomen, // wird ich des bewîset, · eß muoß im schedlîchen komen. // „Eß ist der übermüeten · hie bî Rîne vil, // dâ von ich iu des strîtes · râten niht enwil. // si habent wider einen · ie wol drîßec man; // Got lâß in gelingen, · als si umb uns gedienet hân. // „Ir sult hie belîben · und dolt mit mir diu leit, // unz eß tagen beginne, · ir helde vil gemeit: // sô helfet mir beserken · mînen lieben man.“ // dô sprâchen die degene: · „vrouwe liep, daß sî getân.“ // Iu enkunde nieman · daß wunder volsagen // von rîtern und von vrouwen, · wie man die hôrte klagen, // sô daß man des wuofes · wart in der stat gewar. // die edelen burgære · kômen gâhende dar. // Si klagten mit den gesten, · wan in was harte leit. // Sîvrides schulde · in wâren niht geseit, // durch waß der edel recke · verlôs dâ sînen lîp. // dô weinden mit den vrouwen · der guoten burgære wîp. // Smide hieß man gâhen · wurken einen sarc // von silber und von golde, · michel unde starc, // und hieß in vaste spengen · mit stahel, der was guot. // dô was al den liuten · harte trûrec der muot. // Diu naht was ergangen: · man seite, eß wolde tagen. // dô hieß diu edel vrouwe · zuo dem münster tragen // den vil edelen tôten, · ir vil lieben man. // swaß er dâ vriunde hête, · die sach man weinende gân. // Dô si in zem münster brâhten, · wie vil dâ glocken klanc! // man hôrte allenthalben · maneges phaphen sanc. // dô kom der künic Gunther · dar mit sînen man // und ouch der grimme Hagene; · daß wære beßßer verlân. // Er sprach: „liebiu swester, · wê der leide dîn. // daß wir niht mohten âne · sô grôßes schaden sîn. // wir müeßen klagen immer · Sîvrides lîp.“ // „daß tuot ir âne schulde,“ · sprach daß jâmerhafte wîp. // „Wær iu dar umbe leide, · sone wær es niht geschehen. // ir hetet mîn vergeßßen, · des mag ich wol jehen, // dâ ich dâ wart gescheiden · von mîme lieben man. // daß wolde Got von himele, · wær eß mir selber getân.“ // Si buten vaste ir lougenen; · Kriemhilt begunde jehen: // „swelher sî unschuldec, · der lâße daß besehen. // der sol zuo der bâre · vor den liuten gân: // dâ mac man die wârheit · harte schiere bî verstân.“ // Daß ist ein michel wunder: · dicke eß noch geschiht, // swâ man den mortmeilen · bî dem tôten siht, // sô bluotent im die wunden; · sam ouch dâ geschach; // dâ von man die schulde · dâ ze Hagenen gesach. // Die wunden vlußßen sêre, · alsam si tâten ê. // die ê dâ sêre klageten, · des wart nu michel mê. // dô sprach künic Gunther: · „ich wilß iuch wißßen lân. // in sluogen schâchære: · Hagene hât es niht getân.“ // „Mir sint die schâchære,“ · sprach si, „vil wol bekant. // nu lâße eß Got errechen · noch sîner vriunde hant. // Gunther und Hagene, · jâ habet irß getân.“ // die Sîvrides degene · hêten dô zuo strîte wân. // Dô sprach aber Kriemhilt: · „nu dolt mit mir die nôt.“ // dô kômen dise beide, · dâ si in vunden tôt, // Gêrnôt ir bruoder · und Gîselher daß kint. // mit triuwen si in klageten; · ir ougen wurden naßßes blint. // Si weinden inneclîche · Kriemhilde man. // man wolde messe singen: · zuo dem münster dan // giengen allenthalben · man unde wîp. // die sîn doch lîhte enbâren, · die weinden Sîvrides lîp. // Gêrnôt unde Gîselher · sprâchen: „swester mîn, // nu trœste dich nâch tôde, · als eß iedoch muoß sîn. // wir wellen dichs ergetzen, · die wîle wir leben.“ // dône kunde ir nieman · trôst neheinen gegeben. // Sîn sarc was bereitet · wol umbe mitten tac; // man huob in von der bâre, · dâ er ûfe lac. // in wolde noch diu vrouwe · lâßen niht begraben: // des muosen al die liute · michel arbeite haben. // In einen rîchen phelle · man den tôten want. // ich wæne, man dâ ieman · âne weinen vant. // dô klagte herzenlîche · Uote, ein edel wîp, // und al ir ingesinde · Sîvrides wætlîchen lîp. // Dô man gehôrte, · daß man zem münster sanc // und in besarket hête, · dâ huop sich grôß gedranc: // durch willen sîner sêle · waß man ophers truoc! // er hete bî den vînden · doch guoter vriunde genuoc. // Kriemhilt diu arme · zir kameræren sprach: // „ir sult durch mîne liebe · lîden ungemach: // die im guotes günnen · und mir wesen holt, // durch Sîvrides sêle · sol man in teilen sîn golt.“ // Dehein kint was sô kleine, · daß witze mohte haben, // eß muose gên zem opher, · ê er wurde begraben. // wol hundert messe · man des tages sanc. // von Sîvrides vriunden · wart dô grôßer gedranc. // Dô man het gesungen, · daß volc sich huop von dan. // dô sprach vrou Kriemhilt: · „irn sult niht eine lân // hînte mich bewachen · den ûß erwelten degen. // eß ist an sîme lîbe · al mîn vreude gelegen. // „Drî tac und drî nahte · wil ich in lâßen stân, // unz ich mich geniete · mîns vil lieben man. // waß, ob Got gebiutet, · daß mich ouch nimt der tôt? // sô wære wol verendet · mîn armer Kriemhilde nôt.“ // Ze herbergen giengen · die liute von der stat. // phaffen unde müniche · si belîben bat // und alleß sîn gesinde, · daß des heldes phlac. // si heten naht vil arge · und vil müelîchen tac. // Ân eßßen und ân trinken · beleib dâ manec man. // die eß nemen wolden, · den wart daß kunt getân, // man gæbes in den vollen: · daß schuof er Sigmunt. // dô was den Niblungen · vil michel arbeite kunt. // Die drîe tagezîte, · sô wir hœren sagen, // die dâ kunden singen, · daß si muosen tragen // vil der arbeite: · waß man in ophers truoc! // die dâ arme wâren, · die wurden rîche genuoc. // Swaß man vant der armen, · die es niht mohten hân, // die hieß man doch zem opher · mit dem golde gân // ûß sîn selbes kamere: · dô er niht solde leben, // umbe sîne sêle · wart manec tûsent marc gegeben. // Urbor ûf der erden · teiltes in diu lant, // swâ sô man klôster · und guote liute vant. // silber gap man unde wât · den armen dâ genuoc. // si tet dem wol gelîche, · daß sim holden willen truoc. // An dem dritten morgen · ze rehter messezît // sô was bî dem münster · der kirchhof alsô wît // von den lantliuten · weinennes alsô vol: // si dienden im nâch tôde, · als man lieben vriunden sol. // In den tagen vieren, · man hât gesaget daß, // ze drîßec tûsent marken · oder dannoch baß // wart durch sîne sêle · den armen dâ gegeben. // dô was gelegen ringe · sîn grôßiu schœne und ouch sîn leben. // Dô Gote wart gedienet · und man vol gesanc, // mit ungevüegem leide · vil des volkes ranc. // man hieß in ûß dem münster · zuo dem grabe tragen. // man vant dâ niht anders · wan ein weinen unde klagen. // Lûte schrîende · daß liut gie mit im dan: // vrô enwas dô niemen · weder wîp noch man. // ê man in begrüebe, · man sanc unde las: // hei, waß guoter phaffen · bî sîner bevilde was! // Ê ze dem grâbe kœme · Sîvrides wîp, // dô ranc mit solhem jâmer · ir getriuwer lîp, // daß man si mit dem brunnen · dicke dâ begôß. // eß was ir ungemüete · vil harte unmæßlîchen grôß. // Eß was michel wunder, · daß si ie genas. // mit klage ir helfende · dâ manec vrouwe was. // dô sprach diu küneginne: · „ir Sîvrides man, // ir sult durch iuwer triuwe · an mir genâde begân. // „Lât mir nâch mîme leide · ein kleine liep geschehen, // daß ich sîn schœne houbet · noch eins müeße sehen.“ // dô bat sis alsô lange · mit jâmers sinnen starc, // daß man zebrechen muose · den vil hêrlîchen sarc. // Dô brâhte man die vrouwen, · dâ si in ligen vant. // si huop sîn schœneß houbet · mit ir vil wîßen hant // und kuste in alsô tôten, · den edelen rîter guot: // ir vil liehten ougen · von leide weinden dô bluot. // Ein jæmerlîcheß scheiden · wart dô dâ getân. // dô truoc man si von dannen: · sine kunde niht gegân. // dô vant man sinnelôse · daß hêrlîche wîp. // von leide möht ersterben · ir vil wünneclîcher lîp. // Dô man den edelen hêrren · hete nu begraben, // leit âne mâße · sach man die alle haben, // die mit im komen wâren · von Niblunge lant. // vil selten vrœlîchen · man dô Sigmunden vant. // Dô was etelîcher, · der drîer tage lanc // vor dem grôßen leide · niht aß noch entranc. // dô mohten si dem lîbe · sô geswîchen niht: // si nerten sich nâch sorgen, · sô noch genuogen geschiht. // Kriemhilt unversunnen · in unkreften lac // den tac und den âbent · unz an den andern tac. // swaß iemen sprechen kunde, · daß was ir gar unkunt. // in den selben nœten · lag ouch der künic Sigemunt. // Vil kûme wart der hêrre · wider ze sinnen brâht. // von dem starken leide · kranc was gar sîn maht: // daß enwas niht wunder. · dô sprâchen sîne man: // „hêrre, ir sult ze lande: · wir mugen niht langer hie bestân.“ // 18. Âventiure // wie Sigmunt wider ze lande vuor. Der sweher Kriemhilde · gie, dâ er si vant. // er sprach ze der küneginne: · „wir suln in unser lant. // wir wæne unmære geste · bî dem Rîne sîn. // Kriemhilt, vil liebiu vrouwe, · nu vart ir zuo dem lande mîn. // „Sît daß uns untriuwe · âne hât getân // hie in disen landen · des iuwern edelen man: // des sult ir niht enkelten: · ich tuon iu triuwen schîn // durch iuwers mannes liebe · unde des edelen kindes sîn. // „Ir sult ouch haben, vrouwe, · allen den gewalt, // den iu tet ê Sîvrit · kunt, der degen balt. // daß lant und ouch diu krône · sî iu undertân. // iu suln gerne dienen · alle Sîvrides man.“ // Dô seite man den knehten, · si solden rîten dan: // dô wart michel gâhen · nâch rossen getân. // bî ir starken vînden · was in daß leben leit. // vrouwen unde meiden · hieß man suochen diu kleit. // Dô der künic Sigemunt · wolde sîn geriten, // dô begunde ir muoter · Kriemhilde biten, // daß si bî ir mâgen · solde dâ bestân. // dô sprach diu vreuden arme: · „daß kunde müelîch ergân. // „Wie möht ich den immer · mit ougen an gesehen, // von dem mir armen wîbe · sô leide ist geschehen?“ // dô sprach der junge Gîselher: · „liebiu swester mîn, // du solt durch dîne triuwe · hie bî dîner muoter sîn. // „Die dir hânt beswæret · und betrüebet dînen muot, // der bedarftu niht ze dienste, · du zere mîn eines guot.“ // si sprach zuo dem recken: · „jane mag es niht geschehen. // von leide müese ich sterben, · swenne ich Hagene solde sehen.“ // „Des tuon ich dir ze râte, · vil liebiu swester mîn. // du solt bî dînem bruoder · Gîselhere sîn. // jâ wil ich dich ergetzen · dînes mannes tôt.“ // dô sprach diu Gotes arme: · „des wære Kriemhilde nôt.“ // Dô eß ir der junge · sô güetlîch erbôt, // dô begunde ouch vlêgen · Uote und Gêrnôt // und ir getriuwe mâge, · si bâtens dâ bestân, // si hete lützel künnes · under Sîvrides man. // „Si sint iu alle vremede,“ · sô sprach Gêrnôt. // „niemen lebt sô starker, · ern müeße ligen tôt. // daß bedenket, liebiu swester, · und trœstet iuwern muot, // belîbet bî den vriunden; · eß wirt iu wærlîchen guot.“ // Si lobete Gîselhere, · si wolde dâ bestân. // diu ros gezogen wâren · Sigmundes man, // als si wolden rîten · ze Niblunge lant; // dô was ouch ûf gesoumet · al der recken gewant. // Dô gie hêr Sigemunt · vür Kriemhilde stân: // er sprach zuo der vrouwen: · „Sîvrides man // wartent bî den rossen, · nu suln wir rîten hin, // wan ich vil ungerne · hie bî den Burgunden bin.“ // Dô sprach vrou Kriemhilt: · „mir râtent vriunde mîn, // swaß der ist getriuwe, · ich sul hie bî in sîn: // ich habe niemen mâge · in Niblunge lant.“ // leit was eß Sigmunde, · dô erß an Kriemhilde vant. // Dô sprach künic Sigemunt: · „lât iuß nieman sagen: // vor allen mînen mâgen · sult ir krône tragen // vil gewalteclîchen, · als ir habt ê getân: // irn sult des niht enkelten, · daß wir den helt verlorn hân. // „Und vart mit uns widere · durch iuwer kindelîn; // daß ensult ir niht verweiset, · vrouwe, lâßen sîn, // swenn iuwer sun gewahset, · der trœstet iu den muot. // die wîle sol iu dienen · manec küene degen guot.“ // Si sprach: „mîn hêr Sigemunt, · jane mag ich rîten niht. // ich muoß hie belîben, · swaß halt mir geschiht, // bî mînen mâgen, · die mir helfen klagen.“ // do begunden disiu mære · den guoten recken missehagen. // Si sprâchen al gelîche: · „sô möhten wir wol jehen, // daß uns êrste wære · leide geschehen, // woldet ir belîben · bî unsern vînden hie: // so geriten hovereise · noch helde sorclîcher nie.“ // „Ir sult âne sorge · Got bevolhen varn: // man gît iu guot geleite, · ich heiß iuch wol bewarn // zuo iuwerme lande; · mîn liebeß kindelîn // daß sol ûf genâde · iu recken wol bevolhen sîn.“ // Dô si wol vernâmen, · daß si niht wolde dan, // dô weinden al gelîche · Sigmundes man. // wie rehte jæmerlîche · schiet dô Sigmunt // von vrouwen Kriemhilde! · dô was im ungemüete kunt. // „Sô wê der hôhzîte,“ · sprach der künic hêr. // „eß geschiht von kurzwîle · vürbaß nimmer mêr // künege noch sînen mâgen, · daß uns ist geschehen. // man sol uns nimmer mêre · hie zen Burgunden sehen.“ // Dô sprâchen offenlîche · Sîvrides man: // „eß möhte noch diu reise · in ditz lant ergân, // sô wir den noch vunden, · der uns den hêrren sluoc. // si hânt von sînen mâgen · starker vînde genuoc.“ // Er kuste Kriemhilde: · jæmerlîch er sprach, // dô si belîben wolde · und er daß rehte ersach: // „nu rîten vreuden âne · heim in unser lant! // alle mîne sorge · sint mir êrste nu bekant.“ // Si riten ân geleite · von Wormeß über Rîn: // si mohten wol des muotes · sicherlîchen sîn, // ob si in vîentschefte · wurden an gerant, // daß sich weren wolde · der küenen Niblunge hant. // Sine gerten urloubes · dâ ze keinem man. // dô sach man Gêrnôten · und Gîselheren gân // zuo im minneclîchen: · in was sîn schade leit: // des brâhten in wol inne · die helde küene unt gemeit. // Dô sprach gezogenlîche · der fürste Gêrnôt: // „Got weiß wol von himele, · an Sîvrides tôt // gewan ich nie schulde: · ich hôrte ouch nie gesagen, // wer im hie vîent wære: · ich soll in billîche klagen.“ // Dô gab im guot geleite · Gîselher daß kint. // er brâhte sorgen âne, · die noch bî leide sint, // den künec bî sînen recken · heim ze Niderlant. // wie lützel man der mâge · dar inne vrœlîche vant! // Wie si nu gevüeren, · des kan ich niht gesagen. // man hôrte zallen zîten · hie Kriemhilde klagen, // daß ir niemen trôste · daß herze noch den muot, // eß entæte Gîselher: · der was getriuwe unde guot. // Prünhilt diu schœne · mit übermüete saß. // swaß geweinde Kriemhilt, · ummære was ir daß. // sine wart ir guoter triuwen · nimmer mê bereit; // sît tet ouch ir vrou Kriemhilt · diu vil herzenlîchen leit. // 19. Âventiure // wie der Nibelunge hort ze Wormeß kam. Dô diu edel Kriemhilt · alsô verwitwet wart // bî ir inme lande · der grâve Eckewart // beleip mit sînen mannen: · sîn triuwe im daß gebôt. // er diende sîner vrouwen · mit willen unz an sînen tôt. // Ze Wormeß bî dem münster · ein gezimber man ir slôß, // wît und vil michel, · rîch unde grôß, // dâ si mit ir gesinde · sît âne vreude saß. // si was ze kirchen gerne · und tet vil willeclîchen daß. // Dô man begruob ir vriedel, · wie selten si daß lie! // mit trûrigem muote · si alle zît dar gie // und bat Got den rîchen · sîner sêle phlegen. // vil dicke wart beweinet · mit grôßen triuwen der degen. // Uote und ir gesinde · trôstens alle stunt; // dô was ir daß herze · sô grœßlîchen wunt, // eß kunde niht vervâhen, · swaß man ir trôstes bôt. // si het nâch ir vriunde · die aller grœßisten nôt, // Die nâch liebem manne · ie mê wîp gewan. // man moht ir michel tugende · kiesen wol dar an. // si klagete unz an ir ende, · die wîle werte ir lîp. // sît rach sich wol mit ellen · in grôßen triuwen daß wîp. // Sus saß si nâch ir leide, · daß ist alwâr, // nâch ir mannes tôde · unz in daß vierde jâr, // daß si ze Gunthere · nie kein wort gesprach, // und ouch ir vîent Hagenen · in der zîte nie gesach. // Dô sprach von Tronje Hagene: · „muget ir daß tragen an, // daß ir iuwer swester · ze vriunt möhtet hân? // sô kœm zuo disem lande · der Niblunge golt: // des möht ir vil gewinnen, · wurde uns diu küneginne holt.“ // „Daß suln wir versuochen,“ · sprach der künic sân. // „ich wil eß mîne bruoder · hin zir werben lân, // daß si mir daß vüegen, · daß si daß gerne sehe.“ // „ine trouwes niht,“ sprach Hagene, · „daß eß immer geschehe.“ // Dô hieß er Ortwînen · hin ze hove gân // und den marcgrâven Gêren. · dô daß was getân, // man brâhte ouch Gêrnôte · und Gîselher daß kint. // si versuohtens vriuntlîchen · an vrouwen Kriemhilde sint. // Dô sprach von Burgunden · der küene Gêrnôt: // „vrouwe, ir klaget ze lange · den Sîvrides tôt. // iu wil der künic rihten, · daß ern niht hât erslagen. // man hœrt iuch zallen zîten · sô rehte grœßlîchen klagen.“ // Si sprach: „des zîht in nieman: · in sluoc Hagnen hant, // wâ man in verhouwen solde, · do er daß an mir ervant. // wie moht ich des getrouwen, · daß er im trüege haß? // ich hete wol behüetet,“ · sprach diu küneginne, „daß, // „Daß ich vermeldet hête · sînen schœnen lîp. // sô ließe ich nu mîn weinen, · ich vil armeß wîp. // holt wird ich in nimmer, · die eß dâ hânt getân.“ // do begunde vlêgen Gîselher, · der vil wætlîche man. // Si sprach: „ich muoß in grüeßen, · irn welts mich niht erlân: // des habt ir grôße sünde. · der künec hât mir getân // sô vil der herzen swære · gar âne mîne scholt: // mîn munt im giht der suone, · im wirt daß herze nimmer holt.“ // „Dar nâch wirt eß beßßer,“ · sprâchen ir vriunde dô. // „waß, ob er ir an verdienet, · daß si noch wirdet vrô.“ // „er mac si wol ergetzen,“ · sprach Gêrnôt der helt. // dô sprach diu jâmers rîche: · „seht, nu tuon ich, swaß ir welt. // „Ich wil den künic grüeßen.“ · dô si im des verjach, // mit sînen besten vriunden · man in vor ir sach. // dô getorste Hagene · vür si niht gegân: // wol weste er sîne schulde: · er hete ir leide getân. // Dô si verkiesen wolde · ûf Gunther den haß, // ob er si küssen solde, · eß zæme im deste baß. // wær ir von sîme râte · leide niht getân, // sô möhte er vrevellîche · dicke sîn zuo ir gegân. // Eß enwart nie suone · mit sô vil trehen mê // gevüeget under vriunden. · ir tet ir schade vil wê; // si verkôs ûf si alle · wan ûf den einen man: // in hete erslagen niemen, · het eß Hagene niht getân. // Dar nâch vil unlange · dô truogen si daß an, // daß diu vrouwe Kriemhilt · den grôßen hort gewan // von Niblunges lande · und vuorte in an den Rîn: // eß was ir morgengâbe, · er solde ir billîchen sîn. // Dar nâch vuor dô Gîselher · und ouch Gêrnôt. // ahtzec hundert mannen · Kriemhilt dô gebôt, // daß si in holen solden, · dâ er verborgen lac, // dâ sîn der degen Alberîch · mit sînen besten vriunden phlac. // Dô man die von Rîne · nâch dem schatze komen sach, // Albrîch der vil küene · zuo sînen vriunden sprach: // „wir turren ir des hortes · vor gehaben niht, // sît sîn ze morgengâbe · diu edel küneginne giht. // „Doch enwurdeß nimmer,“ · sprach Alberîch, „getân, // niuwan daß wir übele · dâ verlorn hân // mit samet Sîvride · die guoten tarnhût: // wan die truoc alle zîte · der schœnen Kriemhilde trût. // „Nu ist eß Sîvride · leider übel komen, // daß uns die tarnkappen · der helt hete benomen // und daß im muose dienen · alleß ditze lant.“ // dô gie der kamerære, · dâ er die slüßßele vant. // Eß stuonden vor dem berge · Kriemhilde man // und ouch ein teil ir mâge: · den schaz sie truogen dan // zuo dem sêwe · an diu schiffelîn. // den vuorte man ûf ünden · unz ze berge an den Rîn. // Ir muget von dem horte · wunder hœren sagen: // swaß zwelf kanzwegene · meist mohten tragen // in vier tagen und nahten · von dem berge dan; // ouch muos ir ieslîcher · des tages drîstunde gân. // Eß was ouch niht anders · wan gestein unde golt. // und ob man al die welte · hête versolt, // sîn wære minner niht · einer marke wert. // jâne hetes Hagene · âne schulde niht gegert. // Der wunsch lac dar under, · von golde ein rüetelîn. // der daß hete erkunnet, · der möhte meister sîn // wol in al der werlde · über ieslîchen man. // der Albrîches mâge · kom vil mit Gêrnôte dan. // Dô sich der hêrre Gêrnôt · und Gîselher daß kint // des hortes underwunden, · do underwunden si sich sint // des landes und der burge · und maneges recken balt: // die muosen im sît dienen · bêdiu durch vorhte und ouch gewalt. // Dô si den hort behielten · in Guntheres lant, // und sich diu küneginne · des alles underwant, // kamere unde türne · die wurden vol getragen; // man gehôrte nie daß wunder · von guote mêre gesagen. // Unde wær sîn tûsent stunt · noch alse vil gewesen, // unde solde Sîvrit · gesunder sîn genesen, // bî im wære Kriemhilt · hemdeblôß bestân. // getriuwer wîbes künne · ein helt nie mêre gewan. // Dô si den hort nu hête, · dô brâhtes in daß lant, // vil unkunder recken; · jâ gap der vrouwen hant, // daß man sô grôßer milte · mêre nie gesach. // si phlac vil grôßer tugende; · des man der küneginne jach. // Den armen und den rîchen · begunde si nu geben, // daß dô reite Hagene, · obe si solde leben // noch deheine wîle, · daß si sô manegen man // in ir dienst gewünne, · daß eß in leide müeste ergân. // Dô sprach künic Gunther: · „ir ist lîp unde guot: // zwiu sol ich daß wenden, · daß si dâ mite tuot? // ja erwarb ich daß vil kûme, · daß si mir wart holt; // nu enruochen, war si teile · ir steine unde ir rôteß golt.“ // Hagene sprach zem künege: · „eß sold ein vrumer man // deheineme wîbe · niht des hortes lân. // si bringet eß mit gâbe · noch unz ûf den tac, // deiß vil wol geriuwen · die küenen Burgunden mac.“ // Dô sprach künic Gunther: · „ich swuor ir einen eit, // daß ich ir getæte · nimmer mêre leit, // und wils vürbaß hüeten: · si ist diu swester mîn.“ // dô sprach aber Hagene: · „lât mich den schuldigen sîn.“ // Ir sumelîcher eide · wâren unbehuot. // dô nâmen si der witewen · daß kreftige guot. // Hagene sich der slüßßele · aller underwant. // daß zurnde ir bruoder Gêrnôt, · dô er daß rehte bevant. // Dô sprach der hêrre Gîselher: · „Hagene hât getân // vil leides mîner swester; · ich soldeß understân: // wær er niht mîn mâc, · eß gienge im an den lîp. // iteniuweß weinen · tete dô Sîvrides wîp. // Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „ê wir immer sîn // gemüet mit dem golde, · wir soldenß in den Rîn // alleß heißen senken, · deiß wurde nieman.“ // si gie vil klegelîche · vür Gîselher ir bruoder stân. // Si sprach: „lieber bruoder, · du solt gedenken mîn, // lîbes unde guotes · soltu mîn voget sîn.“ // dô sprach er zuo der vrouwen: · „daß sol sîn getân, // als wir komen widere: · wir haben rîtennes wân.“ // Der künec und sîne mâgen · die rûmten daß lant, // die aller besten drunder, · die man iender vant; // niuwan eine Hagene · beleip durch den haß, // den er truoc Kriemhilde, · und tet vil schedelîchen daß. // Ê der rîche künic · wider wære komen, // die wîle hete Hagene · den schatz vil gar genomen: // er sancte in dâ ze Lôche · allen in den Rîn. // er wânde, er sold in nießen: · des enkunde dô niht gesîn. // Ê daß von Troneje Hagene · den schatz alsô verbarc, // dô heten siß gevestent · mit eiden alsô starc, // daß er verholen wære, · unz ir einer möhte leben: // so enkunden sis in selben · noch ander niemen gegeben. // Die vürsten kômen widere, · mit in vil manec man. // Kriemhilt ir schaden grôßen · klagen dô began // mit vrouwen und mit meiden; · in was harte leit. // do gebârten die degene, · sam si im hêten widerseit. // Dô sprâchen si gemeine: · „er hât übele getân.“ // er entweich der vürsten zorne · alsô lange dan, // unz er gewan ir hulde: · si ließen in genesen; // doch enkunde im Kriemhilt · nimmer vînder sîn gewesen. // Mit iteniuwen leiden · beswæret was ir muot // umb ir mannes ende · und dô si ir daß guot // Alsô gar benâmen. · dô gestuont ir klage // des lîbes nimmer mêre · unz an ir jungisten tage. // Nâch Sîvrides tôde, · daß ist al wâr, // si wonde in manegem sêre · driuzehen jâr, // daß si des recken tôdes · vergeßßen kunde niht. // si was im ie getriuwe; · des ir diu meiste menege giht. // Ein rîche vürsten abtei · stifte vrou Uote // nâch Dankrâtes tôde · von ir guote // mit starken rîchen urborn, · als eß noch hiute hât, // daß klôster dâ ze Lôrse, · des dinc vil hôhe an êren stât. // Dar zuo gab ouch Kriemhilt · sît ein michel teil // durch Sîvrides sêle · und umb aller sêlen heil, // golt und edel steine, · mit williger hant; // getriuwer wîp deheine · ist uns selten ê bekant. // Sît daß diu vrouwe Kriemhilt · ûf Gunther verkôs // und doch von sînen schulden · den grôßen hort verlôs, // dô wart ir herzenleide · tûsent stunde mêr: // dô wære gerne dannen · diu vrouwe edel unde hêr. // Dô was der vrouwen Uoten · ein sedelhof bereit // ze Lôrse bî ir klôster · mit grôßer rîcheit: // dar zôch sich diu witewe · von ir kinden sît, // dâ noch diu vrouwe hêre · begraben in eime sarke lît. // Dô sprach diu küneginne: · „vil liebiu tohter mîn, // sît du hie niht maht belîben, · sô soltu bî mir sîn // ze Lôrse in mîme hûse · und solt dîn weinen lân.“ // Des antwurt ir Kriemhilt: · „wem ließe ich danne mînen man?“ // „Den lâß et hie belîben,“ · sprach vrou Uote. // „nune welle Got von himele,“ · sprach ab diu guote. // „mîn vil liebiu muoter, · daß sol ich wol bewarn, // wand er muoß von hinnen · mit mir wærlîche varn.“ // Dô schuof diu jâmers rîche, · daß er wart ûf erhaben; // sîn edeleß gebeine · wart anderstunt begraben // ze Lôrse bî dem münster · vil werdeclîchen sît, // dâ der helt vil küene · in einem langen sarke lît. // In den selben zîten, · dâ Kriemhilt solde // varn mit ir muoter, · dar si doch wolde, // dô muoste si belîben, · als eß solde sîn. // daß unterstuonden mære, · vil verre komen über Rîn. // 20. Âventiure // wie künic Etzel ze Burgunden nâch Kriemhilde sande. Daß was in enen zîten, · dô vrou Helche erstarp // und der künic Etzel · umb ander vrouwen warp, // dô rieten sîne vriunde · in Burgunden lant // zuo einer stolzen witwen, · diu was vrou Kriemhilt genant. // Sît daß erstorben wære · der schœnen Helchen lîp, // si sprâchen: „welt ir immer · gewinnen edel wîp, // die hôhsten und die besten, · die künic ie gewan, // sô nemt die selben vrouwen; · der starke Sîvrit was ir man.“ // Dô sprach der künic rîche: · „wie möhte daß ergân, // sît ich bin heiden · und des toufes niht enhân? // sô ist diu vrouwe kristen: · des enlobt siß niht. // eß müese sîn ein wunder, · ob eß immer geschiht.“ // Dô sprâchen die snellen: · „waß, ob siß lîhte tuot // durch iuwern namen hôhen · und iuwer michel guot. // sô sol manß doch versuochen · an daß vil edel wîp. // ir mugt vil gerne minnen · ir vil wünneclîchen lîp.“ // Dô sprach der künic edele: · „wem ist nu bekant // under iu bî Rîne · die liute und ouch daß lant?“ // dô sprach von Bechlâren · der guote Rüedegêr: // „ich hân erkant von kinde · die vil edele künege hêr. // „Gunther unde Gêrnôt, · die edelen rîter guot: // der dritte heißet Gîselher, · ir ieslîcher tuot, // swaß er bester êren · und tugende mac begân: // ouch habent ir alte mâge · noch daß selbe her getân.“ // Dô sprach aber Etzel: · „vriunt, du solt mir sagen, // ob si in mîme lande · krône solde tragen. // und ist ir lîp sô schœne, · sô mir ist geseit, // mînen besten vriunden · sol eß nimmer werden leit.“ // „Si gelîchet sich mit schœne · wol der vrouwen mîn, // Helchen der vil rîchen. · jane kunde niht gesîn // in diser werlde schœner · deheines küneges wîp: // den si lopt ze vriunde, · der mac wol trœsten sînen lîp!“ // Er sprach: „Sô wirb eß, Rüedegêr, · als liep ich dir sî. // und sol ich Kriemhilde · geligen immer bî, // des wil ich dir lônen, · sô ich beste kan, // und hâst ouch mînen willen · mit grôßen triuwen getân. // „Ûßer mîner kamere · sô heiß ich dir geben, // daß du und dîne gesellen · vrœlîchen mügen leben, // von rossen und von kleidern · alleß, daß du wil; // des heiße ich iu bereiten · zuo der boteschefte vil.“ // Des antwurte Rüedegêr, · der markgrâve rîch: // „gerte ich dînes guotes, · daß wære unlobelîch. // ich wil dîn bote gerne · wesen an den Rîn // mit mîn selbes guote, · daß ich hân von den henden dîn.“ // Dô sprach der künic rîche: · „nu wenne welt ir varn // nâch der minneclîchen? · Got sol iuch bewarn // der reise an allen êren · und ouch die vrouwen mîn. // des helfe mir gelücke, · daß si uns genædec müeße sîn.“ // Dô sprach aber Rüedegêr: · „ê wir rûmen daß lant, // wir müeßen ê bereiten · wâfen und gewant, // Alsô daß wirs êre · vor vürsten mügen hân: // ich wil ze Rîne vüeren · vünf hundert wætlîcher man. // Swâ man ze Burgunden · mich und die mîne sehe, // daß ir ieslîcher · danne wol des jehe, // daß nie künec deheiner · alsô manegen man // sô verre baß gesande, · dan du ze Rîne habst getân. // „Und ob duß, künic edele, · dar umbe niht wil lân, // si was dem besten manne, · Sîvride undertân, // dem Sigmundes kinde; · den hâstu hie gesehen: // man mohte im grôßer êren · wol mit wârheite jehen.“ // Dô sprach künic Etzel: · „was si des recken wîp, // sô was wol alsô tiuwer · des edelen vürsten lîp, // daß ich niht versmæhen · die küneginne sol. // durch ir vil grôße schœne · sô gevellet si mir wol.“ // Dô sprach der marcgrâve: · „sô wil ich iu daß sagen, // daß wir uns heben hinnen · in vier und zweinzec tagen. // ich enbiuteß Gotelinde, · der lieben vrouwen mîn, // daß ich nâch Kriemhilde · selbe bote welle sîn.“ // Hin ze Bechelâren · dô sande Rüedegêr // boten sînem wîbe, · der marcgrâvinne hêr. // er enbôt ir, daß er solde · dem künege werben wîp. // si gedâhte vriuntlîche · an der guoten Helchen lîp. // Dô diu marcgrâvinne · die botschaft vernam, // ein teil was eß ir leide, · weinens si gezam, // ob si gewinnen solde · vrouwen alsô ê. // sô si dâhte an Helchen, · daß tet ir inneclîchen wê. // Rüedegêr von Ungern · in siben tagen reit: // des was künic Etzel · vrô und ouch gemeit. // dâ ze der stat ze Wiene · bereite man im die wât. // dâ mohte er niht langer · sîner reise haben rât. // Dâ ze Bechlâren · warte im Gotelint, // und diu junge marcgrâvîn, · Rüedegêres kint, // sach ir vater gerne · und die sîne man: // dô wart ein liebeß bîten · von schœnen vrouwen getân. // Ê der edel Rüedegêr · ze Bechlâren reit // ûß der stat ze Wiene, · dô wâren im diu kleit // rehte volleclîchen · ûf den soumen komen. // si vuoren in der mâße, · daß in wart wênic iht genomen. // Dô si ze Bechlâren · kômen in die stat, // die sînen reisegesellen · herbergen bat // der wirt vil minneclîche · und schuof in guot gemach. // Gotlint diu rîche · den wirt si gerne komen sach. // Als tet sîn liebiu tohter, · diu junge marcgrâvîn: // derne kunde nimmer · sîn komen lieber sîn. // die helde ûß Hiunen lande · wie gerne si si sach! // mit lachendem muote · diu edle juncvrouwe sprach: // „Sî uns grôße willekomen · mîn vater und sîne man.“ // dô wart ein schœne danken · mit vlîße dâ getân // der jungen marcgrâvinne · von manegem rîter guot. // wol weste Gotlint · des hêrren Rüedegêres muot. // Dô si des nahtes · bî Rüedegêre lac, // wie güetlîche vrâgen · diu marcgrâvinne phlac, // war in gesendet hête · der künec von Hiunen lant? // er sprach: „mîn vrou Gotelint, · ich tuonß iu gerne bekant. // „Dâ sol ich mîme hêrren · werben ein wîp, // sît diu ist derstorben · der schönen Helchen lîp. // ich wil nâch Kriemhilde · rîten an den Rîn: // diu sol hie zen Hiunen · vrouwe vil gewaltec sîn.“ // „Daß wolde Got,“ sprach Gotelint, · „möhte daß geschehen! // sît wir ir sô maneger · êren hœren jehen. // si ergezt uns mîner vrouwen · lîhte in alten tagen: // wir möhten si zen Hiunen · gerne lâßen krône tragen.“ // Dô sprach der marcgrâve: · „triutinne mîn, // die mit mir suln rîten · hinnen an den Rîn, // den sult ir minneclîche · bieten iuwer guot: // sô helde varnt rîche, · sô sint si hôhe gemuot.“ // Si sprach: „eß ist neheiner, · derß gerne von mir nimt, // ich engebe ieslîchem, · daß im wol gezimt, // ê ir hinnen scheidet · und ouch iuwer man.“ // dô sprach der marcgrâve: · „daß ist mir liebe getân.“ // Hei, waß man rîcher phelle · von ir kameren truoc! // der wart den edelen recken · ze teile dô genuoc, // ervüllet vlîßeclîchen · von halse unz ûf die sporn. // die im dar ab gevielen, · die het im Rüedegêr erkorn. // An dem siebenden morgen · von Bechlâren reit // der wirt mit sînen degenen: · wâfen unde kleit // vuorten si den vollen · durch der Beire lant. // si wurden ûf der strâße · durch rouben selten an gerant. // Inre tagen zwelfen · si riten an den Rîn. // done kunden disiu mære · niht verholen sîn. // man seite eß dem künege · und den sînen man, // dâ kœmen vremde geste. · der wirt dô vrâgen began, // Ob ieman si bekande, · daß manß im solde sagen. // man sach ir soumære · harte swære tragen: // daß si vil rîche wâren, · daß wart dâ wol bekant. // man schuof in herberge · in der wîten stat zehant. // Dô die vil unkunden · wâren in bekomen, // dô wart ir geverte · vaste war genomen. // si wundert, wannen vüeren · die recken an den Rîn. // der wirt Hagenen vrâgte, · wer die hêrren möhten sîn? // Dô sprach der helt von Troneje: · „ich hân ir niht gesehen, // als wir si nu geschouwen, · ich kan iu wol verjehen, // von swannen si rîten · her in ditze lant. // si suln sîn vil vremde, · ine habe si schiere bekant.“ // Den gesten herberge · wâren nu genomen. // in vil rîchiu kleider · was der bote komen // und sîne hergesellen: · ze hove si dô riten. // si vuorten guotiu kleider, · vil harte spæhe gesniten. // Dô sprach der snelle Hagene: · „als ich mich kan verstân, // wand ich den hêrren lange · niht gesehen hân, // si varnt wol dem gelîche, · sam eß si Rüedegêr, // von Hiunischen landen · der degen küene unde hêr.“ // „Wie sol ich daß gelouben,“ · sprach der künec zehant, // „daß der von Bechelâren · kœme in ditze lant?“ // als der künic Gunther · die rede volsprach, // Hagene der küene · den guoten Rüedegêren sach. // Er und sîne vriunde · si liefen alle dan. // dô sach man von den rossen · fünf hundert rîter stân. // dô wurden wol enphangen · die von Hiunen lant. // boten nie getruogen · alsô hêrlîch gewant. // Dô sprach harte lûte · von Tronje Hagene: // „nu sîn Gote willekomen · dise degene, // der vogt von Bechelâren · und alle sîne man.“ // der antphanc wart mit êren · den snellen Hiunen getân. // Des küneges næhsten mâge · dringen dar man sach. // Ortwîn von Metze · zuo Rüedegêre sprach: // „wir haben in aller wîle · mêre nie gesehen // geste hie sô gerne: · des wil ich wærlîche jehen.“ // Des gruoßes si dô dankten · den recken über al. // mit den hergesinden · si giengen in den sal, // dâ si den künic vunden · bî manegem küenen man. // der hêrre stuont von sedele: · daß was durch grôße zuht getân. // Wie rehte vriuntlîche · er zuo den boten gie! // Gunther unde Gêrnôt · vil vlîßeclîch enphie // den gast mit sînen mannen, · als im wol gezam. // den guoten Rüedegêre · er bî der hende genam. // Er brâhte in zuo dem sedele, · dâ er selbe saß: // den gesten hieß er schenken, · vil gerne tet man daß, // mete den vil guoten · und den besten wîn, // den man kunde vinden · in dem lande al umben Rîn. // Gîselher und Gêre · die wâren beide komen, // Dancwart und Volkêr, · die heten schiere vernomen // von den werden gesten: · si wâren vrô gemuot, // si enphiengen vor dem künege · die rîter edele unde guot. // Dô sprach zuo sîme hêrren · von Troneje Hagene: // „eß solden immer dienen · dise degene, // daß uns der marcgrâve · zuo liebe hât getân: // des solte lôn enphâhen · der schœnen Gotelinde man.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „ine kan daß niht verdagen: // wie sich gehaben beide, · daß sult ir mir sagen, // Etzel unde Helche · ûß der Hiunen lant.“ // dô sprach der marcgrâve: · „ich tuonß iu gerne bekant.“ // Dô stuont er von dem sedele · mit allen sînen man. // er sprach zuo dem künege: · „lât mich urloup hân // ze sagene solhiu mære, · dar umbe ich bin gesant // von dem künic Etzele · her zuo der Burgunden lant.“ // Er sprach: „swaß man uns mære · bî iu enboten hât, // diu erloube ich iu ze sagene · âne vriunde rât. // ir sult si lâßen hœren · mich und mîne man, // wan ich iu aller êren · hie ze werbenne gan.“ // Dô sprach der bote biderbe: · „iu enbiutet an den Rîn // getriuwelîchen dienest · der grôße voget mîn, // dar zuo allen vriunden, · die ir muget hân; // ouch ist disiu botschaft · mit grôßen triuwen getân. // „Iu bat der künic edele · klagen sîne nôt: // sîn volc ist âne vreude, · mîn vrouwe diu ist tôt, // Helche diu vil rîche, · mînes hêrren wîp: // an der ist nu verweiset · vil maneger juncvrouwen lîp, // „Kint der edelen vürsten, · diu si gezogen hât, // dâ von eß inme lande · vil jæmerlîchen stât: // diu enhânt nu leider niemen, · der ir mit triuwen phlege. // des wæn ouch sich vil seine · des küneges sorge gelege.“ // „Nu lône im Got,“ sprach Gunther, · „daß er den dienst sîn // sô willeclîch enbiutet · mir und den vriunden mîn. // den sînen gruoß ich gerne · hie vernomen hân; // daß suln gerne dienen · beide mâge und mîne man.“ // Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt: // „die welt mac immer riuwen · der schœnen Helchen tôt // durch ir vil manec tugende, · der si kunde phlegen.“ // der rede gestuont im Hagene, · dar zuo manec ander degen. // Dô sprach aber Rüedegêr, · der edel bote hêr: // „sît ir mir, künec, erloubet, · ich sol iu sagen mêr, // waß iu mîn lieber hêrre · her enboten hât, // sît im sîn dinc nâch Helchen · sô rehte kumberlîchen stât. // „Man sagete mînem hêrren, · Kriemhilt sî âne man, // hêr Sîvrit ist erstorben. · und ist daß sô getân, // welt ir ir des gunnen, · sô sol si krône tragen // vor Etzelen recken: · daß hieß ir mîn hêrre sagen.“ // Dô sprach der künic rîche, · wol gezogen was sîn muot: // „si hœret mînen willen, · ob si eß gerne tuot. // daß wil ich iu künden · in disen drîen tagen: // ê ich eß an ir vunde, · zwiu solde ich Etzeln versagen?“ // Die wîle man den gesten · hieß schaffen guot gemach. // in wart dâ sô gedienet, · daß Rüedegêr des jach, // daß er dâ hete vriunde · under Gunthers man. // Hagene im diende gerne: · er hete im ê alsam getân. // Alsus beleip dô Rüedegêr · unz an den driten tac. // der künec nâch râte sande, · wie wîslîch er phlac, // vrâgen sîne vriunde, · ob si dûhte guot getân, // daß Kriemhilt nemen solde · den künic Etzelen ze man. // Si rietenß al gemeine · niuwan Hagene, // der sprach zuo Gunther, · dem küenen degene: // „habt ir rehte sinne, · sô wirt eß wol behuot, // und ob sis volgen wolte, · daß irß doch nimmer getuot.“ // „War umbe,“ sprach dô Gunther, · „solt ichs volgen niht? // swaß der küneginne · liebes noch geschiht, // des sol ich ir wol gunnen: · si ist diu swester mîn. // wir soldenß selbe werben, · ob eß ir êre möhte sîn.“ // Dô sprach aber Hagene: · „nu lât die rede stân. // het ir Etzelen künde, · als ich sîn künde hân, // sol si in danne minnen, · als ich iu hœre jehen, // sô ist iu alrêste · von schulden sorgen geschehen.“ // „War umbe?“ sprach dô Gunther, · „ich kan bewarn daß, // daß ich im kom sô nâhe, · daß ich deheinen haß // von im dulden müese, · und wurde si sîn wîp.“ // dô sprach aber Hagene: · „daß gerætet nimmer mîn lîp.“ // Man hieß nâch Gêrnôte · und Gîselhere gân, // ob die hêrren beide · dûhte guot getân, // daß Kriemhilt nemen solde · den rîchen künic hêr. // noch widerreiteß Hagene · unde ouch ander niemen mêr. // Dô sprach von Burgunden · Gîselher der degen: // „nu muget ir, vriunt Hagene, · noch der triuwen phlegen: // ergetzet si der leide, · und ir ir habet getân. // an swiu ir wol gelunge, · daß solt ir ungevêhet lân.“ // „Jâ habet ir mîner swester · getân sô menegiu leit,“ // sô sprach aber Gîselher, · der recke vil gemeit, // „daß si des hete schulde, · daß si iu wære gram. // nie man deheiner vrouwen · vreude mêre benam.“ // „Daß ich daß wol bekenne, · daß tuon ich iu kunt. // und sol si nemen Etzele, · und gelebt si an die stunt, // si getuot uns vil leide, · swie siß getraget an. // jâ wirt ir dâ dienende · vil manec wætlîcher man.“ // Des antwurte Hagenen · der küene Gêrnôt: // „eß mac alsô belîben · unz an ir beider tôt, // daß wir komen nimmer · in Etzelen lant. // wir suln ir sîn getriuwe: · deist uns zen êren gewant.“ // Dô sprach aber Hagene: · „mir mac daß nieman gesagen; // und sol diu edel Kriemhilt · Helchen krône tragen, // si getuot uns leide, · swie si gevüege daß. // ir sult eß lân belîben: · daß zimt iu recken michel baß.“ // Mit zorne sprach dô Gîselher, · der schœnen Uote sun: // „wir suln doch niht alle · meinlîchen tuon. // swaß liebes ir geschæhe, · vrô solden wir des sîn. // swaß ir geredet, Hagene, · ich diene ir durch die triuwe mîn.“ // Dô daß gehôrte Hagene, · dô wart er ungemuot. // Gêrnôt und Gîselher, · die stolzen rîter guot, // und Gunther der rîche · ze jungist reiten daß, // ob eß lobete Kriemhilt, · si woltenß lâßen âne haß. // Dô sprach der vürste Gêre: · „ich wilß der vrouwen sagen, // daß si ir den künic Etzel · lâße wol behagen. // dem ist sô manec recke · mit vorhten undertân: // er mac si noch ergetzen, · swaß si leides ie gewan. // Dô gie der snelle recke, · da er Kriemhilde sach. // si enphie in güetlîche: · wie balde er dô sprach: // „ir muget mich gerne grüeßen · und geben botenbrôt. // iuch wil gelücke scheiden · ûß aller iuwerre nôt. // „Eß hât durch iuwer minne, · vrouwe, her gesant // ein der aller beste, · der ie küneges lant // gewan mit vollen êren · oder krône solde tragen: // eß werbent rîter edele: · daß hieß iu iuwer bruoder sagen.“ // Dô sprach diu jâmers rîche: · „iu sol verbieten Got // und allen mînen vriunden, · daß si deheinen spot // an mir armer üeben: · waß sold ich einem man, // der ie herzeliebe · von guotem wîbe gewan?“ // Si widerreit eß sêre. · dô kômen aber sint // Gêrnôt ir bruoder · und Gîselher daß kint. // si bâten minneclîche · trœsten si den muot: // ob si den künec genæme, · daß wær ir wærlîchen guot. // Ueberwinden kunde nieman · dô daß edele wîp, // daß si minnen wolde · deheines mannes lîp. // dô bâten si die degene: · „nu lâßet doch geschehen, // ob ir anders niht entuot, · daß ir den boten ruochet sehen.“ // „Daß wil ich niht versprechen,“ · sô sprach daß edele wîp, // „ich ensehe gerne · den Rüedegêres lîp // durch sîne manege tugende; · wær er her niht gesant, // swerß ander boten wære, · dem wær ich immer unbekant.“ // Si sprach: „ir sulten morgen · heißen her gân // zuo mîner kemenâten: · ich wil in hœren lân, // wes ich mich habe berâten, · wil ich im denne sagen.“ // ir wart eriteniuwet · daß ir vil grœßlîcheß klagen. // Dô gert ouch niht anders · der edele Rüedegêr, // wan daß er gesæhe · die küneginne hêr: // er weste sich sô wîsen, · ob eß immer kunde ergân, // daß si sich den recken · überreden müese lân. // Des anderen morgens vrüeje, · dô man die messe sanc, // die edelen boten kâmen. · dô wart dâ grôß gedranc. // die mit Rüedegêre · ze hove solden gân, // der sach man dâ gekleidet · vil manegen hêrlîchen man. // Kriemhilt diu vil arme, · diu trûrec gemuot, // si warte Rüedegêre, · dem edelen boten guot. // der vant si in der wæte, · die si alle tage truoc; // dâ bî het ir gesinde · rîcher kleider genuoc. // Si gie im engegene · zuo der türe stân // und enphienc vil güetlîche · den Etzelen man. // niuwan selbe zwelfter · er dar in zuo ir gie. // man bot im grôßen dienest: · ir kômen hôher boten nie. // Man hieß den hêrren sitzen · unt die sîne man. // die zwêne marcgrâven · sach man vor ir stân, // Eckewart und Gêre, · die edelen rîter guot. // durch die hûsvrouwen · si sâhen nieman wol gemuot. // Si sâhen vor ir sitzen · vil manec schœne wîp. // dô phlac niuwan jâmers · der Kriemhilde lîp. // ir wât was vor den brüsten · von heißen trehen naß. // daß sach der marcgrâve; · der helt niht langer dô dâ saß. // Er sprach in grôßen zühten: · „vil edel küneges kint, // mir und den geverten, · die mit mir komen sint, // sult ir, vrouwe, erlouben, · daß wir vor iu stân // und iu sagen diu mære, · war nâch wir her geriten hân.“ // „Nu sî iu erloubet,“ · sprach diu künegin, // „swaß ir reden wellet. · alsô stât mîn sin, // daß ich eß gerne hœre: · ir sît ein bote guot.“ // die andern dô wol hôrten · ir ungewilligen muot. // Dô sprach von Bechelâren · der vürste Rüedegêr: // „mit triuwen grôße liebe · Etzel ein künic hêr // hât iu enboten, vrouwe, · her in ditze lant. // er hât nâch iuwer minne · vil guote recken gesant. // „Er enbiut iu minneclîche · lieb âne leit. // stæter vriuntschefte · sî er iu bereit, // als er ê tet vroun Helchen, · diu im ze herzen lac: // ir sult nu tragen krône, · der mîn vrouwe wîlen phlac.“ // Dô sprach diu küneginne: · „marcgrâve Rüedegêr, // wær ieman, der bekande · mînen scharphen sêr, // der riete mir niht triuten · noch deheinen man: // wan ich vlôs ein der besten, · den ie vrouwe mêr gewan.“ // „Waß mac ergetzen leides,“ · sprach der vil küene man, // „wan vriuntlîche liebe? · swer die kan begân, // und der dan einen kiuset, · der im ze herze kumt, // vür herzenlîche swære · niht sô grœßlîche vrumt. // „Und geruochet ir ze minnen · den edelen hêrren mîn, // zwelf rîcher krône · sult ir gewaltec sîn. // dar zuo gît iu mîn hêrre · wol drîßec vürsten lant, // diu elliu hât betwungen · sîn vil ellenthaftiu hant. // „Ir sult ouch werden vrouwe · über manegen werden man, // die mîner vrouwen Helchen · wâren undertân, // und vil der schœnen megede, · der si hete gewalt, // von hôher vürsten künne,“ · sprach der küene degen balt. // „Dar zuo gît iu mîn hêrre, · heißet er iu sagen // ob ir geruochet krône · bî dem künege tragen, // gewalt den aller hœhisten, · den Helche ie gewan: // den sult ir gwalteclîchen · haben vor Etzelen man.“ // Dô sprach diu küneginne: · „wie möhte mînen lîp // immer des gelüsten, · deich wurde heldes wîp? // mir hât der tôt an eineme · sô rehte leit getân, // des ich unz an mîn ende · muoß unvrœlîche stân.“ // Dô sprâchen ab die Hiunen: · „küneginne rîch, // iur leben wirt bî Etzele · sô rehte lobelîch, // daß iuch immer wünnet, · ist, daß eß ergât, // wan der künic rîche · vil manegen zieren degen hât. // „Helchen juncvrouwen · und iuriu magedîn, // solten die bî ein ander · ein gesinde sîn, // dâ bî möhten recken · werden wol gemuot. // lât eß iu, vrouwe, râten: · eß wirt iu wærlîchen guot.“ // Si sprach in ir zühten: · „nu lât die rede stân // unz morgen vrüeje: · sô sult ir her gân: // sô wil ich iu antworten, · des ir dâ habet muot.“ // des muosen dô gevolgen · die recken küene unde guot. // Dô si zen herbergen · alle kômen dan, // dô hieß diu edele vrouwe · nâch Gîselhere gân // und ouch nâch ir muoter: · den bêden sagt si daß, // daß si gezæme weinens · unde niht anders baß. // Dô sprach ir bruoder Gîselher: · „swester, mirst geseit // und wilß ouch wol gelouben, · daß elliu dîniu leit // der künic Etzel wende; · und nimes dun zeinem man, // swaß ander ieman râte, · sô dunket eß mich guot getân.“ // „Er mac dich wol ergetzen,“ · sprach aber Gîselher. // „vome Roten zuo dem Rîne, · von der Elbe unz an daß mer, // sô ist künec deheiner · sô gewaltec niht. // du maht dich vreuwen balde, · sô er dîn ze konen giht.“ // Si sprach: „lieber bruoder, · zwiu râtestu mir daß? // klagen unde weinen · mir immer zæme baß. // wie sold ich vor recken · dâ ze hove gân? // wart mîn lîp ie schœne, · des bin ich âne getân.“ // Dô sprach diu vrouwe Uote · ir lieben tohter zuo: // „swaß dîne bruoder râten, · liebeß kint, daß tuo. // volge dînen vriunden: · sô mac dir wol geschehen. // ich hân dich doch sô lange · mit grôßem jâmer gesehen.“ // Dô bat si Got den rîchen · vüegen ir den rât: // ob si ze geben hête · golt, silber unde wât // sam ê bî ir manne, · dô er noch was gesunt, // si gelebte doch niht mêre · sît sô vrœlîche stunt. // Si gedâhte in ir sinne: · „und sol ich mînen lîp // geben eime heidenen? · ich bin ein kristen wîp: // des müese ich zer werlte · immer schande hân; // gît er mir elliu rîche, · eß ist immer ungetân.“ // Dâ mit siß lie belîben. · die naht unz an den tac // diu vrouwe an ir bette · mit vil gedanken lac. // diu ir vil liehten ougen · getruckenten nie, // unz si aber den morgen · hin ze mettîne gie. // Ze rehter messezîte · die künege wâren komen. // si heten aber ir swester · under hende genomen: // jâ rietens ir ze minnen · den künec ûß Hiunen lant. // die vrouwen ir deheiner · ein lützel vrœlîcher vant. // Dô hieß man dar gewinnen · die Etzelen man, // die nu mit urloube · gerne wæren dan, // geworben oder gescheiden, · swie eß dô möhte sîn. // ze hove kom dô Rüedegêr: · die helde reiten wider in, // Daß man rehte ervüere · des edelen vürsten muot, // und tæten daß bî zîte: · daß diuhtes alle guot; // ir wege wæren verre · wider in ir lant. // man brâhte Rüedegêren, · dâ man Kriemhilde vant. // Vil minneclîchen bitten · der recke dô began // die edelen küneginne, · si solde in hœren lân, // waß si enbieten wolde · in Etzelen lant. // er wæn an ir niht anders · niuwan lougen envant, // Daß si nimmer minnen wolde · mêr deheinen man. // dô sprach der marcgrâve: · „daß wære missetân. // zwiu woldet ir verderben · alsô schœnen lîp? // ir muget noch mit êren · werden guotes mannes wîp.“ // Niht half, daß si gebâten, · unz daß Rüedegêr // gesprach heinlîche · die küneginne hêr, // er wolde si ergetzen, · swaß ir ie geschach. // ein teil begunde ir senften · dô ir grôßer ungemach. // Er sprach zer küneginne: · „lât iuwer weinen sîn. // ob ir zen Hiunen hêtet · nieman danne mîn, // getriuwer mîner mâge · und ouch der mînen man, // er mües es sêre engelten, · und het iu ieman iht getân.“ // Dâ von wart dô geringet · wol der vrouwen muot. // si sprach: „sô swert mir eide, · swaß mir iemen tuot, // daß ir sît der næhste, · der büeße mîniu leit.“ // dô sprach der marcgrâve: · „des bin ich, vrouwe, vil bereit.“ // Mit allen sînen mannen · swuor ir dô Rüedegêr // mit triuwen immer dienen, · und daß die recken hêr // ir nimmer niht versageten · in Etzelen lant, // des si êre haben solte: · des sichert ir Rüedegêres hant. // Do gedâhte diu getriuwe: · „sît ich vriunde kan // alsô vil gewinnen, · sô sol ich reden lân // die liute, swaß si wellen, · ich jâmerhafteß wîp: // waß, ob noch wirt errochen · mîns vil lieben mannes lîp?“ // Si gedâhte: „sît daß Etzel · der recken hât sô vil, // sol ich den gebieten, · sô tuon ich, swaß ich wil. // er ist ouch wol sô rîche, · daß ich ze gebene hân; // mich hât der leidege Hagen · mînes guotes âne getân.“ // Si sprach ze Rüedegêre: · „het ich daß vernomen, // daß er niht wære ein heiden, · sô wolde ich gerne komen, // swar er hete willen, · und næme in zeinem man.“ // dô sprach der marcgrâve: · „die rede solt ir, vrouwe, lân. // „Ern ist niht gar ein heiden, · des sult ir sicher sîn, // jâ was vil wol bekêret · der liebe hêrre mîn, // wan daß er sich widere · vernoijieret hât. // welt ir in, vrouwe, minnen, · sô mac sîn noch werden rât. // „Er hât sô vil der recken · in kristenlîcher ê, // aß iu bî dem künege · nimmer wirdet wê. // ir muget ouch lîhte erwerben, · daß der vürste guot // wider ze Gote wendet · beide sêle unde muot.“ // Dô sprâchen aber ir bruoder: · „nu lobetß, swester mîn, // iuwer ungemüete · daß sult ir lâßen sîn.“ // si bâtens alsô lange, · unz doch ir trûrec lîp // lobete vor den helden, · si wurde Etzelen wîp. // Si sprach: „ich wil iu volgen, · ich armiu künegîn! // daß ich var zen Hiunen, · sô daß nu mac gesîn, // swenne ich hân die vriunde, · die mich vüeren in sîn lant.“ // des bôt dô vor den helden · diu schœne Kriemhielt die hant. // Dô sprach der marcgrâve: · „habet ir zwêne man, // dar zuo hân ich ir mêre: · eß wirdet wol getân, // daß wir iuch nâch êren · bringen über Rîn. // ine lâße iuch nu niht langer · hie zen Burgunden sîn. // „Ich hân fünf hundert manne · und ouch der mâge mîn: // die suln iu hie dienen · und ouch dâ heime sîn, // swie ir in gebietet; · ich tuon iu selbe alsam, // swenn ir mich mant der mære, · daß ich michs nimmer gescham. // „Nu heißet iu bereiten · iuwer phertkleit, // die Rüedegêres ræte · iu nimmer werdent leit, // und saget eß iuwern mageden, · die ir dâ vüeren welt: // jâ kumet uns ûf der strâße · vil maneger ûß erwelter helt.“ // Si heten noch gesmîde, · daß man dâ vor reit // bî Sîvrides zîten, · daß si vil manege meit // mit êren mohte vüeren, · sô si wolde dan. // hei, waß man guoter setele · den schœnen vrouwen gewan! // Ob si ie getrüegen · deheiniu rîchiu kleit, // der wart zuo zir verte · vil manegeß nu bereit, // wan in von dem künege · sô vil gesaget wart; // si slußßen ûf die kisten, · die ê stuonden wol bespart. // Si wâren vil unmüeßec · wol vünftehalben tac, // si suochten ûß der valden, · des vil dar inne lac. // Kriemhilt ir kameren · ensließen began, // si wolde machen rîche · al die Rüedegêres man. // Si hete noch des goldes · von Niblunge lant: // si wânde, eß zen Hiunen · teilen solde ir hant. // eß enkunden hundert miule · dannen niht getragen. // diu mære hôrte Hagene · dô von Kriemhilde sagen. // Er sprach: „Sît mir vrou Kriemhilt · nimmer wirdet holt, // sô muoß ouch hie belîben · daß Sîvrides golt. // zwiu solde ich mînen vînden · lân sô michel guot? // ich weiß vil wol, waß Kriemhilt · mit disme schatze getuot. // „Ob si in bræhte hinnen, · ich wil gelouben daß, // er wurde doch zerteilet · niuwan ûf mînen haß. // sin habent ouch niht der rosse, · diu in solden tragen: // in wil behalten Hagene, · daß sol man Kriemhilde sagen.“ // Dô si gehôrt diu mære, · daß was ir grimme leit. // eß wart ouch den künegen · allen drin geseit: // si woldenß gerne wenden. · dô des niht geschach, // Rüedegêr der edele · harte vrœlîchen sprach: // „Rîchiu küneginne, · zwiu klaget ir daß golt? // iu ist der künic Etzel · sô grœßlîchen holt: // gesehent iuch sîniu ougen, · er gît iu alsô vil, // daß irß verswendet nimmer; · des ich iuch, vrouwe, weren wil.“ // Dô sprach diu küneginne: · „vil edel Rüedegêr, // eß gewan nie küneges tohter · rîcheite mêr, // danne der mich Hagene · âne hât getân.“ // dô kom ir bruoder Gêrnôt · hin zer kameren gegân. // Mit gewalt des küngs en slüßßel · stieß er an die tür. // golt daß Kriemhilde · reichte man dervür, // ze drîßec tûsent marken · oder dannoch baß. // er hieß eß nemen die geste: · liep was Gunthere daß. // Dô sprach von Bechlâren · der Gotelinde man: // „ob eß mîn vrouwe Kriemhilt · alleß möhte hân, // swaß sîn ie wart gevüeret · von Niblunge lant, // sîn solde lützel rüeren · mîn oder der küneginne hant. // Nu heißet eß behalten, · wand ich sîn niht enwil. // jâ vuort ich von lande · des mînen alsô vil, // daß wirs ûf der strâßen · haben guoten rât // und unser koste hinnen · harte hêrlîche stât.“ // Dâ vor in allen wîlen · gefüllet zwelf schrîn // des aller besten goldes, · daß iender mohte sîn, // heten die ir magede: · daß vuorten si von dan // und gezierde vil der vrouwen, · daß si zer verte solten hân. // Gewalt des grimmen Hagene · dûhte si ze starc. // si het des ophergoldes · wol noch tûsent marc: // si teilteß sîner sêle, · ir vil lieben man. // daß dûhte Rüedegêren · mit grôßen triuwen getân. // Dô sprach diu klagende künegin: · „wâ nu vriunde mîn, // die durch mîne liebe · welnt ellende sîn? // die suln mit mir rîten · in der Hiunen lant: // die nemen schatz mînen · und koufen ros und gewant. // Des antwurte ir schiere · der marcgrâve Eckewart: // „sît daß ich aller êrste · iuwer gesinde wart, // sô hân ich iuch mit triuwen · gedienet,“ sprach der degen, // „und wil unz an mîn ende · des selben immer bî iu phlegen. // „Ich wil ouch mit mir vüeren · vünf hundert mîner man, // der ich iu ze dienste · mit rehten triuwen gan. // wir sîn vil ungescheiden, · eß entuo der tôt.“ // der rede neic im Kriemhilt, · daß irß der helt sô wol erbôt. // Dô zôch man dar die mœre: · si wolden varn dan. // dâ wart vil michel weinen · von vriunden getân. // Uote diu vil rîche · und manec schœne meit // die zeigten, daß in wære · nâch vrouwen Kriemhilde leit. // Hundert rîcher megede · vuort si mit ir dan: // die wurden sô gekleidet, · als in daß wol gezam. // dô vielen in die trehene · von liehten ougen nider; // si gelebten vil der vreuden · ouch bî Etzelen sider. // Dô kom der hêrre Gîselher · und ouch Gêrnôt // mit ir ingesinde, · als in ir zuht gebôt. // dô wolden si beleiten · ir lieben swester dan: // dô vuorten si ir recken · wol tûsent wætlîcher man. // Dô kom der snelle Gêre · und ouch Ortwîn: // Rûmolt der kuchenmeister · dâ mite muose sîn. // si schuofen die nahtselde · der vrouwen ûf den wegen; // Volkêr was ir marschalc, · der solde ir herberge phlegen. // Nâch küssen michel weinen · wart dâ vil vernomen, // ê daß si von der bürge · ze velde wæren komen. // ûß riten unde giengen, · die sis nie gebat. // dô reit der künic Gunther · wan ein lützel vür die stat. // Ê si von Rîne vuoren, · si heten vür gesant // ir boten harte snelle · in der Hiunen lant, // die dem künege sageten, · daß im Rüedegêr // ze wîbe hete erworben · die edelen küneginne hêr. // Die boten strichen sêre: · in was der reise nôt // durch die grôßen êre · und durch rîchiu botenbrôt. // dô si ze lande wâren · mit den mæren komen, // dô het der künic Etzel · nie sô liebes niht vernomen. // Durch disiu lieben mære · hieß der künic geben // den boten solhe gâbe, · daß si wol mohten leben // mit vreuden immer mêre · dar nâch unz an ir tôt: // mit liebe was verschwunden · des küneges kumber unde nôt. // 21. Âventiure // wie Kriemhilt gein den Hiunen vuor. Die boten lâßen rîten: · wir suln iu tuon bekant, // wie diu küneginne · gevuor durch diu lant // oder wâ von ir schieden · Gîselher und Gêrnôt. // sie heten ir gedienet, · als in ir triuwe daß gebôt. // Unz an die Tuonouwe · ze Vergen si dô riten. // si begunden urloubes · die küneginne biten, // wan si wider wolden · rîten an den Rîn. // done mohteß âne weinen · von guoten vriunden niht gesîn. // Gîselher der snelle · sprach zer swester sîn: // „swenne daß du, vrouwe, · bedürfen welles mîn, // ob dir iht gewerre, · daß tuo mir bekant: // sô rîte ich dir ze dieneste · in daß Etzelen lant.“ // Die ir mâge wâren, · kustes an den munt. // vil minneclîchen scheiden · sach man an der stunt // die snellen Burgunden · von Rüedegêres man. // dô vuort diu küneginne · vil manege meit wol getân, // Hundert und viere: · die truogen rîchiu kleit // von gemâlt rîchen phellen. · vil der schilte breit // vuort man bî der vrouwen · nâhen ûf den wegen. // dô nam ouch urloup Volkêr, · der vil zierlîche degen. // Dô si über Tuonouwe · kômen in Beier lant, // dô sagte man diu mære, · dâ wæren vür gerant // vil unkunder geste. · dâ noch ein klôster stât // und dâ daß In mit vlußße · in die Tuonouwe gât, // In der stat ze Paßßouwe · saß ein bischof. // herberge wurden lære · und ouch des vürsten hof: // si îlten gein den gesten · ûf in Beier lant, // dâ der bischof Pilgerîn · die schœnen Kriemhilde vant. // Den recken von dem lande · was dô niht ze leit, // dô si ir volgen sâhen · sô manege schœne meit. // dâ trûte man mit ougen · der edelen rîter kint. // guote herberge · gab man den gesten allen sint. // Dâ ze Pledelinge · schuof man in gemach. // daß volc man allenthalben · zuozin rîten sach. // man gap in willeclîche, · des si bedorften dâ: // si nâmenß wol mit êren; · als tet man sider anderswâ. // Der bischof mit der niftel · ze Paßßouwe reit. // dô daß den burgæren · von der stat wart geseit, // daß dô kœme Kriemhilt, · des vürsten swester kint: // diu wart wol enphangen · von den koufliuten sint. // Daß si belîben solden, · der bischof het des wân. // dô sprach der hêrre Eckewart: · „daß ist ungetân. // wir müeßen varn nidere · in Rüedegêres lant: // uns wartent vil der degene: · eß ist in allen wol bekant.“ // Diu mære nu wol wesse · diu schœne Gotelint: // si bereite sich mit vlîße · und ir vil edel kint. // ir het enboten Rüedegêr, · daß in daß dûhte guot, // daß si der küneginne · dâ mit trôste den muot, // Daß si ir rite engegene · und alle sîne man // ûf zuo der Ense. · dô daß wart getân, // dô sach man allenthalben · die wege unmüeßec stên: // si begunden gegen den gesten · beide rîten unde gên. // Nu was diu küneginne · ze Everdingen komen. // gnuoge ûß Beier lande · solden hân genomen // den roub ûf der strâßen · nâch ir gewoneheit: // sô heten si den gesten · dâ getân vil lîhte leit. // Daß hete wol understanden · der edel Rüedegêr: // er vuorte tûsent rîter · unde dannoch mêr. // dô was ouch komen Gotelint, · Rüedegêres wîp: // mit ir kom hêrlîche · vil maneges küenen recken lîp. // Dô si über die Trûne kômen · bî Ense ûf daß velt, // dô sach man ûf gespannen · hütten und gezelt, // dâ die geste solden · die nahtselde hân. // diu kost diu was den recken · dâ von Rüedegêr getân. // Gotelint diu schœne · die herberge lie // hinder ir belîben. · ûf den wegen gie // mit klingenden zoumen · manec pfert wol getân. // der antphanc wart vil schœne: · liep was eß Rüedegêr getân. // Die in ze beiden sîten · kômen ûf den wegen, // die riten lobelîche: · der was vil manec degen. // si phlâgen rîterschefte: · daß sach vil manec meit. // eß was den schœnen vrouwen · der rîter dienest niht leit. // Dô zuo den gesten kômen · die Rüedegêres man, // vil der trunzûne · sach man ze berge gân // von der recken hende · mit rîterlîchen siten. // dô wart wol ze prîse · vor den vrouwen geriten. // Daß ließen si belîben. · dô gruoßte manec man // vil güetlîche ein ander. · dô vuorten si von dan // die schœnen Gotelinde, · dâ si Kriemhilt sach. // die vrouwen dienen kunden, · die heten kleinen gemach. // Der vogt von Bechelâren · ze sîme wîbe reit. // der edelen marcgrâvinne · was daß niht ze leit, // daß er sô wol gesunder · von Rîne was komen. // ir was ein teil ir swære · mit grôßen vreuden benomen. // Dô sin hete enphangen, · er ließ si ûf daß gras // erbeißen mit den vrouwen, · swaß ir dâ mit ir was. // dâ wart vil unmüeßec · manec edel man: // den vrouwen wart dô dienest · mit grôßem vlîße getân. // Dô sach diu vrouwe Kriemhilt · die markgrâvinne stên // mit dem ir gesinde: · si lie niht nâher gên: // daß phert mit dem zoume · zucken si began // und bat sich snelleclîchen · von dem satele heben dan. // Den bischof sach man wîsen · sîner swester kint, // in und Eckewarten, · zuo Gotelinde sint. // dâ wart vil michel wîchen · an der selben stunt. // dô kuste diu ellende · an der marcgrâvinne munt. // Dô sprach vil minneclîchen · daß Rüedegêres wîp: // „nu wol mich, liebe vrouwe, · deich iuwern schœnen lîp // hân in disme lande · mit ougen mîn gesehen: // mir enkunde an disen zîten · nimmer lieber geschehen.“ // „Nu lôn iu Got,“ sprach Kriemhilt, · „vil edele Gotelint. // sol ich gesunt belîben · mit Botlunges kint, // eß mac iu komen ze liebe, · daß ir mich habt gesehen.“ // in beiden was unkunde, · daß sider muose geschehen. // Mit zühten zuo ein ander · gie vil manec meit. // dô wâren in die recken · mit dienste vil bereit. // si sâßen nâch dem gruoße · nider ûf den klê. // si gewannen maneger künde, · die in vil vremde wâren ê. // Man hieß den vrouwen schenken. · eß was wol mitter tac; // daß edel ingesinde · dâ niht lenger lac. // si riten, dâ si vunden · manege hütten breit: // dâ was den edelen gesten · vil michel dienest bereit. // Die naht si heten ruowe · unz an den morgen vruo. // die von Bechelâren · bereiten sich dar zuo, // wie si behalten solden · vil manegen werden gast. // wol hete gehandelt Rüedegêr, · daß in dâ wênec iht gebrast. // Diu venster an den mûren · sach man offen stân; // diu burc ze Bechelâren · diu was ûf getân. // dô riten dar in die geste, · die man vil gerne sach. // den hieß der wirt vil edele · schaffen guoten gemach. // Diu Rüedegêres tohter · mit ir gesinde gie, // dâ si die küneginne · vil minneclîch enphie. // dâ was ouch ir muoter, · des marcgrâven wîp; // mit liebe wart gegrüeßet · vil maneger juncvrouwen lîp. // Si viengen sich behanden · unde giengen dan // in einen palas wîten: · der was vil wol getân, // dâ diu Tuonouwe · under hine vlôß. // si sâßen gên dem lufte · und heten kurzwîle grôß. // Wes si dâ mêre phlâgen, · desn kan ich niht gesagen. // daß in sô übel zogete, · daß hôrte man dô klagen // die Kriemhilde recken: · wand eß was in leit. // hei, waß dô guoter recken · mit in von Bechlâren reit! // Vil minneclîchen dienest · Rüedegêr in bôt. // dô gap diu küneginne · zwelf armbouge rôt // der Gotlinde tohter · und alsô guot gewant, // daß si niht beßßers brâhte · in daß Etzelen lant. // Swie ir genomen wære · der Niblunge golt, // alle, die si gesâhen, · die mahte si ir holt // noch mit dem kleinen guote, · daß si dâ mohte hân. // des wirtes ingesinde · dem wart grôßiu gâbe getân. // Dâ wider bôt dô êre · diu vrouwe Gotlint // den gesten von dem Rîne · sô güetlîche sint, // daß man der vremden · harte wênec vant, // sine trüegen ir gesteine · oder ir hêrlîch gewant. // Dô si enbißßen wâren · und daß si solden dan, // von der hûsvrouwen · wart geboten an // getriuwelîcher dienest · daß Etzelen wîp. // dô wart ouch vil getriutet · der schœnen juncvrouwen lîp. // Si sprach zer küneginne: · „swenne iuch nu dunket guot, // ich weiß wol, daß eß gerne · mîn lieber vater tuot, // daß er mich zuo ziu sendet · in der Hiunen lant.“ // daßs ir getriuwe wære, · wie wol daß Kriemhilt ervant! // Diu ros bereitet wâren · vür Bechlâren komen: // dô het diu edel künegin · urloup nu genomen // von Rüedegêres wîbe · und der tohter sîn; // dô schiet ouch sich mit gruoße · vil manec schœne magedîn. // Ein ander si vil selten · gesâhen nâch den tagen. // ûßer Medelicke · ûf handen wart getragen // manec goltvaß rîche, · dar inne brâht man wîn // den gesten zuo der strâße: · si muosen willekomen sîn. // Ein wirt was dâ geseßßen, · Astolt genant: // der wîsete si die strâße · in daß Ôsterlant // gegen Mûtâren · die Tuonouwe nider. // dâ wart vil wol gedienet · der rîchen küneginne sider. // Der bischof vriuntlîche · von sîner nifteln schiet. // daß si sich wol gehabete, · wie vaste er ir daß riet, // und daß si ir êre koufte, · als Helche het getân. // hei, waß si grôßer êren · sît dâ zen Hiunen gewan! // Zuo der Treisem brâhte · man die geste dan. // ir phlâgen vlîßeclîchen · die Rüedegêres man, // unz daß die Hiunen · riten über lant! // dô wart der küneginne · vil michel êre bekant. // Bî der Treisem hête · der künec ûß Hiunen lant // eine burc wîte, · diu was wol bekant, // geheißen Treisenmûre: · vrou Helke saß dâ ê // und phlac sô grôßer tugende, · daß wætlîch nimmer mêr ergê, // Eßen tæte danne Kriemhilt, · diu alsô kunde geben. // si mohte nâch ir leide · daß liep wol geleben, // daß ir ouch jâhen êre · die Etzelen man, // der si sît grôßen vollen · bî den helden gewan. // Etzelen hêrschaft · was wîten erkant, // daß man ze allen zîten · in sîme hove vant // die küenesten recken, · von den ie wart vernomen // under kristen unde heiden: · die wâren mit im alle komen. // Bî im was alle zîte, · daß wætlîch mêr ergê, // kristenlîcher orden · und ouch der heiden ê. // in swie getânem lebene · sich ieslîcher truoc, // daß schuof des küneges milte, · daß man in allen gap genuoc. // 22. Âventiure // wie si zen Hiunen wart enphangen. Si was ze Treisenmûre · unz an den vierden tac. // diu molte ûf der strâße · die wîle nie gelac, // si enstübe, sam eß brünne, · allenthalben dan. // dâ riten durch Ôsterrîche · des künic Etzelen man. // Dô was ouch dem künege · vil rehte nu geseit, // des im von gedanken · swunden sîniu leit, // wie hêrlîchen Kriemhilt · kœme durch diu lant. // der künec begunde gâhen, · dâ er die minneclîchen vant. // Von vil maneger sprâche · sach man ûf den wegen // vor Etzelen rîten · manegen küenen degen, // von kristen und von heiden · manege wîte schar. // dâ si die vrouwen vunden, · si kômen hêrlîchen dar. // Von Riußen und von Kriechen · reit dâ manec man; // den Pœlân unde Vlâchen · sach man swinde gân // ros diu vil guoten · si mit kreften riten. // swaß si site hêten, · der wart vil wênec vermiten. // Von dem lant ze Kiewen · reit dâ manec degen // und die wilden Pesnære; · dâ wart vil gephlegen // mit dem bogen schießen · zuo vogelen, dâ si vlugen; // die phîle si sêre · mit kraft unz an die wende zugen. // Ein stat bî Tuonouwe · lît in Ôsterlant, // diu ist geheißen Tulnâ: · dâ wart ir bekant // vil manec site vremde, · den si ê nie gesach. // si enphiengen dâ genuoge, · den sît vil leit von ir geschach. // Vor Etzelen dem künege · ein ingesinde reit, // vrô und vil rîche, · hübsch und gemeit, // wol vier und zweinzec vürsten · rîch unde hêr. // daß si ir vrouwen sâhen, · dâ von engerten si niht mêr. // Der herzoge Râmunc · ûßer Vlâchen lant // mit siben hundert mannen · kom er vür si gerant. // sam vliegende vogele · sach man si alle varn. // dô kom der vürste Gibeke · mit vil hêrlîchen scharn. // Hornboge der snelle · wol mit tûsent man // kêrte von dem künege · gein sîner vrouwen dan. // vil lûte wart geschallet · nâch des landes siten. // von der Hiunen mâgen · wart ouch dâ sêre geriten. // Dô kom von Tenemarke · der küene Hâwart // und Irinc der vil snelle, · vor valsche wol bewart, // Irnvrit von Dürengen, · ein wætlîcher man: // si enphiengen Kriemhilde, · daß sis êre muose hân, // Mit zwelf hundert mannen: · die vuortens in ir schar. // dô kom der hêrre Blœdel · mit drin tûsent dar, // der Etzelen bruoder · ûßer Hiunen lant: // der kom vil hêrlîche, · dâ er die küneginne vant. // Dô kom der künic Etzel · und ouch hêr Dietrîch // mit allen sînen degenen. · dâ was vil lobelîch // manec rîter edele, · biderbe unde guot. // des wart vroun Kriemhilde · ein teil gehœhet ir muot. // Dô sprach zer küneginne · der hêrre Rüedegêr: // „vrouwe, iu wil enphâhen · hie der künic hêr. // swen ich iuch heiße küssen, · daß sol sîn getân: // jane mugt ir niht gelîche · grüeßen al die Etzeln man.“ // Dô huop man von dem mœre · die küneginne hêr. // Etzel der vil rîche · enbeite dô niht mêr, // er stuont von sîme rosse · mit manegem küenen man. // man sach in vrœlîche · gegen Kriemhilde gân. // Zwêne vürsten rîche, · als uns daß ist geseit, // bî der vrouwen giengen · und habten ir diu kleit, // dô ir der künic Etzele · hin engegen gie, // dâ si den vürsten edele · mit küssen güetlîch enphie. // Ûf ructes ir gebende: · ir varwe wol getân // diu lûhte ir ûß dem golde. · dâ was vil manec man, // si jâhen, daß vrou Helche · niht schœner kunde gesîn. // dâ bî sô stuont vil nâhen · des küneges bruoder Blœdelîn. // Den hieß si küssen Rüedegêr, · der marcgrâve rîch, // und den künic Gibeken. · dô stuont ouch Dieterîch; // der recken kuste zwelfe · daß Etzelen wîp. // do enphie si sus mit gruoße · vil manges rîtæres lîp. // Al die wîle und Etzel · bî Kriemhilde stuont, // dô tâten die tumben, · als noch die liute tuont: // vil manegen puneiß rîchen · sach man dâ geriten; // daß tâten kristen helde · und ouch die heiden nâch ir siten. // Wie rehte rîterlîchen · die Dietrîches man // die schefte ließen vliegen · mit trunzûnen dan // hôch über schilde · von guoter rîter hant! // vor den tiuschen gesten · wart dürkel maneges schiltes rant. // Dâ wart von schefte brechen · vil michel dôß vernomen. // dô wâren von dem lande · die recken alle komen // und ouch des küneges geste, · vil manec edel man: // dô gie der künic rîche · mit der küneginne dan. // Si sâhen bî in stênde · ein hêrlîch gezelt. // von hütten was ervüllet · alumbe daß velt, // dâ si solden ruowen · nâch ir arebeit. // von helden wart gewîset · dar under manec schœniu meit // Mit der küneginne, · dâ si sît gesaß // ûf rîche stuolgewæte; · der marcgrâve daß // hete wol geschaffet, · daß man eß vant vil guot. // dô stuont dem künege Etzelen · harte hôhe der muot. // Waß si zesamne redeten, · daß ist mir unbekant; // in der sînen zeswen · lac ir wîßiu hant. // si gesâßen minneclîche, · dâ Rüedegêr der degen // den künec niht wolde lâßen · Kriemhilde heimlîche phlegen. // Dô hieß man lân belîben · den buhurt über al; // mit êren wart verendet · dâ der grôße schal. // dô giengen zuo den hütten · die Etzelen man; // man gab in herberge · vil wîten allenthalben dan. // Den abent zuo der nahte · si heten guot gemach, // unz man den liehten morgen · aber schînen sach. // dô was zuo den rossen · komen manec man: // hei, waß man kurzewîle · dem künege zêren began! // Der künec eß nâch den êren · die Hiunen schaffen bat. // dô riten si von Tulne · ze Wiene zuo der stat. // dâ vunden si gezieret · vil maneger vrouwen lîp: // si enphiengen wol mit êren · des künic Etzelen wîp. // Mit harte grôßem vollen · sô wart in bereit, // swaß si haben solden. · vil manec helt gemeit // sich vreute gên dem schalle. · herbergen man began. // des küneges hôhgezîte · huop sich vil vrœlîchen an. // Sine mohten niht alle · geherbergen in der stat. // die niht geste wâren, · Rüedegêr die bat, // daß si herberge · næmen in daß lant. // ich wæn, man alle zîte · den künec bî Kriemhilde vant. // Dietrîch der hêrre · und ander manec degen // die heten sich der ruowe · mit arbeit bewegen, // durch daß si den gesten · trôsten wol den muot. // Rüedgêr und sîne vriunde · heten kurzwîle guot. // Diu hôhzît was gevallen · an einen phingestac, // dâ der künic Etzel · bî Kriemhilde lac // in der stat ze Wiene. · si wæn sô manegen man // bî ir êrsten manne · nie ze dienste gewan. // Si kunte sich mit gâbe · dem, der si nie gesach. // vil maneger dar under · zuo den gesten sprach: // „wir wânden, daß vrou Kriemhilt · guotes niht möhte hân: // nu ist hie mit ir gâbe · vil manec wunder getân.“ // Diu hôhzît diu werte · sibenzehen tage. // ich wæn, man von deheinem · künege mêre sage, // des hôhzît grœßer wære: · daß ist uns gar verdeit. // alle, die dâ wâren, · truogen iteniuwe kleit. // Si wæn in Niderlande · dâ vor nie gesaß // mit sô manegem recken: · dâ bî geloube ich daß, // was Sîvrit rîch des guotes, · daß er doch nie gewan // sô manegen recken edele, · sô si sach vor Etzeln stân. // Ouch gap nie künec neheiner · zuo sîn selbes hôhgezît // sô manegen rîchen mantel · tief unde wît, // noch sô guoter kleider, · der si vil mohten hân, // die Kriemhilde willen · wurden alle vertân. // Ir vriunde und ouch ir geste · heten einen muot, // daß si dâ niht ensparten · deheiner slahte guot. // swes ieman an si gerte, · des wâren si bereit. // des gestuont dô vil der degene · von milte blôß und âne kleit. // Wie si ze Rîne sæße, · gedâhte si ane daß, // bî ir edelem manne, · ir ougen wurden naß. // si hetes vaste hæle, · daß eß ieman kunde sehen. // ir was nâch manegem leide · sô vil der êren geschehen. // Swaß ieman tet mit milte, · daß was gar ein wint // unz an Dietrîche: · swaß Botlunges kint // im gegeben hête, · daß was nu gar verswant. // ouch begie dâ michel wunder · des milten Rüedegêres hant. // Ûßer Ungerlande · der vürste Blœdelîn // der hieß dâ lære machen · vil manec leitschrîn // von silber und von golde · dâ wart hin gegeben. // man sach des küneges helde · sô rehte vrœlîche leben. // Werbel unde Swemelîn, · des küneges spilman, // ich wæn, ir ieglîcher · zer hôhzît gewan // wol ze tûsent marke · oder dannoch baß, // dâ diu schœne Kriemhilt · bî Etzele under krône saß. // An dem ahtzehenden morgen · von Wiene si dô riten. // dô wart in rîterscheften · schilde vil versniten // von speren, die dâ vuorten · die recken an der hant. // sus kom der künic Etzel · mit vreuden in der Hiunen lant. // Ze Heimburg der alten · si wâren über naht. // done kunde niemen wißßen · wol des volkes aht, // mit wie getâner krefte · si riten über lant. // hei, waß man schœner vrouwen · in sîme heimuote vant. // Ze Misenburc der rîchen · dâ schiften si sich an. // daß waßßer wart verdecket · von ros und ouch von man, // alsam eß erde wære, · swaß man sîn vließen sach. // die wegemüeden vrouwen · die heten semfte und ouch gemach. // Ze samne was gefloßßen · manec schef vil guot, // daß in niht enschadete · die ünde noch diu vluot; // dar über was gespannen · manec guot gezelt, // sam ob si noch hêten · beide lant unde velt. // Dô kômen disiu mære · ze Etzelenburc von dan, // dô vreuten sich dar inne · wîp unde man. // Etzelen ingesinde, · des ê vrou Helche phlac, // gelebte bî Kriemhilde · sît manegen vrœlîchen tac. // Dô stuont dâ wartende · vil manec edel meit, // Die nâch Helchen tôde · heten manegiu leit. // siben künege tohter · Kriemhilt noch dâ vant: // von den was gezieret · wol alleß Etzelen lant. // Diu juncvrouwe Herrât · noch des gesindes phlac, // diu Helchen swester tohter, · an der vil tugende lac, // diu gemahele Dietrîches, · eins edelen küneges kint, // diu tohter Nentwînes: · diu hete vil der êren sint. // Gegen der geste kümfte · vreute sich ir muot; // ouch was dar zuo bereitet · vil kreftigeß guot. // wer kunde iu daß bescheiden, · wie sît der künec gesaß? // si gelebten dâ zen Hiunen · nie mit küneginne baß. // Do der künec mit sîme wîbe · von dem stade reit, // wer ieglîche vuorte, · daß wart dô wol geseit // der edelen Kriemhilde: · si gruoßtes deste baß. // hei, wie gewalteclîchen · si sît an Helchen stat gesaß! // Getriulîches dienstes · wart ir vil bekant. // dô teilte diu küneginne · golt und ouch gewant, // silber und gesteine: · swaß si des über Rîn // mit ir zen Hiunen brâhte, · daß muose gar zergeben sîn. // Ouch wurden ir mit dienste · sider undertân // al des küneges mâge · und alle sîne man, // daß diu vrouwe Helche nie · so gewalteclîch gebôt, // sô si ir muosen dienen · unz an den Kriemhilde tôt. // Dô stuont mit solhen êren · der hof und ouch daß lant, // daß man dâ zallen zîten · die kurzwîle vant, // swar nâch ieglîchem · daß herze truoc den muot, // durch des küneges liebe · und der küneginne guot. // 23. Âventiure // wie Kriemhilt ir leit gedâht ze rechen. In alsô hôhen êren, · daß ist alwâr, // wontens mit ein ander · unz an daß sibende jâr. // die zît diu küneginne · eins suns was genesen: // des kunde der künic Etzel · nimmer vrœlîcher wesen. // Sine wolde niht erwinden, · sine wurbe sint, // daß getoufet wurde · daß Etzelen kint // nâch kristenlîchem rehte: · Ortliep wart eß genant. // des wart vil michel vreude · über al deß Etzelen lant. // Swaß ie guoter tugende · an vroun Helchen lac, // der vleiß sich vrou Kriemhilt · dar nâch vil manegen tac. // die site si lêrte Herrât, · diu ellende meit. // diu hete tougenlîche · nâch Helchen grœßlîchiu leit. // Den vremden und den kunden · was si vil wol bekant; // die jâhen, daß nie vrouwe · besæße küneges lant // beßßer unde milter: · daß heten si vür wâr. // daß lop si truoc zen Hiunen · unz an daß driuzehende jâr. // Nu het si wol erkunnet, · daß ir niemen widerstuont, // alsô noch vürsten wîbe · küneges recken tuont, // und daß si alle zîte · zwelf künege vor ir sach. // si gedâht ouch maneger leide, · der ir dâ heime geschach. // Si dâhte ouch maneger êren · von Niblunge lant, // der si was gewaltec · und die ir Hagenen hant // mit Sîvrides tôde · hete gar benomen, // und ob im daß ouch immer · noch ze leide möhte komen. // „Daß geschæhe, ob ich in bringen · möhte in ditze lant.“ // ir troumde, daß ir gienge · vil dicke an der hant // Gîselher ir bruoder: · si kusten zaller stunt // vil ofte in semftem slâfe. · sît wart in arbeite kunt. // Ich wæn, der übel vâlant · Kriemhilde daß geriet, // daß si mit vriuntschefte · von Gunthere schiet, // den si durch suone kuste · in Burgunden lant. // do begunde ir aber salwen · von heißen trehen ir gewant. // Eß lac ir an dem herzen · spât unde vruo, // wie man si âne schulde · bræhte dar zuo, // daß si muose minnen · einen heidenischen man: // die nôt die hete ir Hagene · unde Gunther getân. // Daß si daß rechen möhte, · des wunschtes alle tage. // si gedâht: „ich bin sô rîche · unt hân sô grôße habe, // daß ich mînen vînden · gevüege noch ein leit: // des wær et ich von Troneje · Hagnen gerne bereit. // „Nâch den getriuwen jâmert · dicke eß herze mîn: // die mir dâ leide tâten, · möhte ich bî den sîn, // sô wurde wol errochen · mînes vriundes lîp. // des ich kûme erbeite,“ · sprach daß jâmerhafte wîp. // Ze liebe si dô hêten · alle sküneges man, // die Kriemhilde recken: · daß was vil wol getân. // der kameren phlac Eckewart, · dâ von er vriunt gewan. // Kriemhilde willen · kunde nieman understân. // Si dâhte zallen zîten: · „ich will den künic biten,“ // daß er ir des gunde · mit güetlîchen siten, // daß man ir vriunde bræhte · in der Hiunen lant. // den argen willen niemen · an der küneginne vant. // Dô si eines nahtes · bî dem künege lac, // mit armen umbevangen · het er si, als er phlac // die edelen vrouwen triuten, · si was im sô sîn lîp: // dô gedâhte ir vînde · daß vil hêrlîche wîp. // Si sprach zuo dem künege: · „vil lieber hêrre mîn, // ich wolde iuch biten gerne, · möhteß mit hulden sîn, // daß ir mich sehen ließet, · ob ich daß het versolt, // daß ir den mînen vriunden · wæret inneclîchen holt.“ // Dô sprach der künic rîche, · getriuwe was sîn muot: // „ich bringe iuch des wol innen, · swâ liep unde guot // den helden widervüere, · des müese ich vreude hân, // wand ich von wîbes minne · nie beßßer vriunde gewan.“ // Dô sprach diu küneginne: · „iu ist daß wol geseit, // ich hân vil hôhe mâge: · dar umbe ist mir sô leit, // daß mich die sô selten · ruochent hie gesehen: // ich hœre, mîn die liute · niuwan vür ellende jehen.“ // Dô sprach der künic Etzel: · „vil liebiu vrouwe mîn, // diuht eß si niht ze verre, · sô lüede ich über Rîn, // swelhe ir dâ gerne sæhet, · her in mîniu lant.“ // des vreute sich diu vrouwe, · dô si den willen sîn ervant. // (Si sprach:) „welt ir mir triuwe · leisten, hêrre mîn, // sô sult ir boten senden · ze Wormeß über Rîn. // so enbiute ich mînen vriunden, · des ich dâ habe muot: // sô kumt uns her ze lande · vil manec edel rîter guot.“ // Er sprach: „swenne ir gebietet, · sô lâß et eß geschehen. // irn kundet iuwer vriunde · sô gerne niht gesehen, // als ich si gesæhe, · der edelen Uoten kint. // mich müet daß harte sêre, · daß si uns sô lange vremde sint. // „Ob eß dir wol gevalle, · vil liebiu vrouwe mîn, // wolde ich ze boten senden · nâch den vriunden dîn // die mînen videlære · in Burgunden lant.“ // die guoten videlære · hieß er bringen sâ zehant. // Si îlten harte balde, · dâ der künic saß // bî der küneginne. · er saget in beiden daß, // si solden boten werden · in Burgunden lant. // dô hieß er in bereiten · harte hêrlîch gewant. // Vier und zweinzec recken · bereite man dô kleit. // ouch wart in von dem künege · diu botschaft geseit, // wie si dar laden solden · Gunther und sîne man. // Kriemhilt diu vrouwe · si sunder sprechen began. // Dô sprach der künic rîche: · „ich sag iu, wie ir tuot: // ich enbiute mînen vriunden · lieb und alleß guot, // daß si geruochen rîten · her in mîniu lant. // ich hân sô lieber geste · harte wênec noch bekant. // „Und ob si mînes willen · wellen iht begân, // die Kriemhilde mâge, · daß si des niht enlân, // sine komen mir ze liebe · zuo mîner hôhgezît, // wan vil der mînen wünne · an mînen konemâgen lît.“ // Dô sprach der videlære, · der stolze Swemelîn: // „wenne sol iuwer hôhzît · in disen landen sîn? // daß wir iuwern vriunden · daß künnen dort gesagen.“ // dô sprach der künic Etzel: · „zen næhsten sunwenden tagen.“ // „Wir tuon, swaß ir gebietet,“ · sprach dô Werbelîn. // in ir kemenâten · bat diu künegîn // bringen tougenlîchen · die boten si gesprach; // dâ von vil manegem degene · sît wênec liebes geschach. // Si sprach zen boten beiden: · „nu dienet michel guot, // daß ir mînen willen · vil güetlîchen tuot, // und sagt, swaß ich enbiete · heim in unser lant: // ich mache iuch guotes rîche · und gib iu hêrlîch gewant. // „Swaß ir der mîner vriunde · immer muget gesehen // ze Wormeß bî dem Rîne, · den sult ir niht verjehen, // daß ir noch ie gesæhet · betrüebet mînen muot; // und saget mînen dienest · den helden küene unde guot. // „Bitet, daß si leisten, · swaß in der künec enbôt, // und mich dâ mite scheiden · von aller mîner nôt. // die Hiunen wellent wænen, · deich âne vriunde sî. // ob ich ein rîter hieße, · ich kœme in etwenne bî. // „Und saget ouch Gêrnôte, · dem edelen bruoder mîn, // daß im zer werlde niemen · holder müge sîn. // bitet, daß er mir bringe · her in ditze lant // unser besten vriunde, · deiß uns zen êren sî gewant. // „Sô saget ouch Gîselhere, · daß er gedenke dran, // daß ich von sînen schulden · nie leides niht gewan: // des sæhen in vil gerne · hie diu ougen mîn // des wolde ich immer mêre · hinz im dienende sîn. // „Saget ouch mîner muoter · die êre, die ich hân, // und ob von Troneje Hagene · welle dort bestân, // wer si danne wîsen · solde durch diu lant: // dem sint die wege von kinde · her zen Hiunen wol bekant.“ // Die boten niene wessen, · wâ von daß was getân, // daß si von Troneje Hagenen · niht ensolden lân // belîben bî dem Rîne. · eß wart in sider leit: // mit im was manegem degene · zem grimmen tôde widerseit. // Brieve unde botschaft · was in nu gegeben. // si vuoren guotes rîche · und mohten schône leben. // urloup gap in Etzel · und ouch sîn schœne wîp; // in was von guoter wæte · vil wol gezieret der lîp. // 24. Âventiure // wie Werbel unde Swemel die botschaft wurben. Dô Etzel sîne boten · zuo dem Rîne sande, // dô vlugen disiu mære · von lande ze lande: // mit boten harte snellen · er bat und ouch gebôt // zuo sîner hôhgezîte; · des holte maneger dâ den tôt. // Die boten dannen vuoren · ûßer Hiunen lant // zuo den Burgunden: · dar wâren si gesant // nâch drin edelen künegen · und ouch nâch ir man: // si solten komen Etzelen; · des man dô gâhen began. // Hin ze Bechlâren · kômen si geriten: // dâ diende man in gerne, · daßn wart dâ niht vermiten. // Rüedgêr sînen dienest · enbôt und Gotelint // bî in hin ze Rîne · und ouch des marcgrâven kint. // Sine ließens âne gâbe · von in niht scheiden dan, // daß deste baß gevüeren · die Etzelen man. // Uoten und ir kinden · enbôt dô Rüedegêr, // sine heten in sô wægen · deheinen marcgrâven mêr. // Si enbuten ouch Prünhilde · dienest unde guot, // stætelîche triuwe · und willigen muot. // dô si die rede vernâmen, · die boten wolden varn: // si bat diu marcgrâvinne · Got von himele bewarn. // Ê daß die boten kœmen · vol durch Beier lant, // Werbel der vil snelle · den guoten bischof vant. // waß der dô sînen vriunden · hin ze Rîne enbôt, // daß ist mir niht gewißßen: · niuwan sîn golt alsô rôt // Gab er den boten ze minnen. · rîten er si lie. // dô sprach der bischof Pilgerîn: · „und solde ichs sehen hie, // mir wære wol ze muote, · die swester süne mîn: // ich mac leider selten · zuozin komen an den Rîn.“ // Welhe wege si vüeren · ze Rîne durch diu lant, // des kan ich niht bescheiden. · ir silber und gewant // des ennam in nieman: · man vorhte ir hêrren zorn: // jâ was vil gewaltec · der edele künic wol geborn. // Inre tagen zwelfen · kômens an den Rîn, // ze Wormeß zuo dem lande, · Werbel und Swemelîn. // dô sagte man diu mære · den künegen und ir man, // dâ kœmen boten vremede: · Gunther dô vrâgen began. // Dô sprach der vogt von Rîne: · „wer tuot uns daß bekant, // von wannen dise vremeden · riten in daß lant?“ // daß enwesse nieman, · unze daß si sach // Hagene von Troneje · dô ze Gunthere sprach: // „Uns koment niuwe mære, · des wil ich iu verjehen: // die Etzelen videlære · die hân ich hie gesehen; // si hât iuwer swester · gesendet an den Rîn: // si suln uns durch ir hêrren · grôße willekomen sîn.“ // Si riten al bereite · vür den palas dan: // eß gevuoren hêrlîcher · nie vürsten spileman. // des küneges ingesinde · enphie si sâ zehant: // man gab in herberge · und hieß behalten ir gewant. // Ir reiskleider wâren · rîch und sô wolgetân, // jâ mohten si mit êren · vür den künic gân; // sine wolden ir niht mêre · dâ ze hove tragen. // ob ir ieman geruohte, · die boten hießen daß sagen. // In der selben mâße · man ouch liute vant, // die eß vil gerne nâmen: · den wart eß gesant. // dô leiten an die geste · verre rîcher wât, // als eß boten küneges · ze tragene hêrlîche stât. // Dô gie mit urloube, · dâ der künic saß, // daß Etzelen gesinde: · gerne sach man daß. // Hagene von dem sedele · gein den boten spranc // und enphie si minneclîche: · des sagten im die knappen danc. // Durch diu kunden mære · vrâgen er began, // wie sich Etzele gehabete · und die sîne man. // dô sprach der videlære: · „daß lant gestuont nie baß, // noch sô vrô die liute: · nu wißßet endelîche daß.“ // Er brâhtes zuo dem wirte; · der palas der was vol: // do enphie man die geste, · sô man boten sol // güetlîchen grüeßen · in ander künege lant. // Werbel vil der recken · dâ bî Gunthere vant. // Der künec gezogenlîche · grüeßen si began: // „sît willekomen beide, · ir Etzelen spileman, // und iuwer hergesellen. · wes hât iuch her gesant // Etzele der rîche · zuo der Burgunden lant?“ // Si nigen dô dem künege. · dô sprach Werbelîn: // „iu enbiutet sînen dienest · der liebe hêrre mîn // und Kriemhilt iuwer swester · her in ditze lant: // si habent uns iu recken · ûf guote triuwe her gesant.“ // Dô sprach der vürste rîche: · „der mære bin ich vrô. // wie gehabt sich Etzele,“ · vrâgte der degen dô, // „und Kriemhilt mîn swester · ûßer Hiunen lant?“ // dô sprach der videlære: · „diu mære tuon ich iu bekant. // „Sich gehabten künege, · ir sult wol wißßen daß, // in deheinem lande · vrœlîcher noch baß, // und alleß daß gedigene, · die mâge und ouch ir man, // si vreuten sich der verte, · dô wir schieden von dan.“ // „Genâde sîner dienste, · die er mir enboten hât, // unde mîner swester, · sît eß alsô stât, // daß si lebent mit vreuden, · der künec und sîne man, // wande ich doch der mære · gevrâget sorgende hân.“ // Die zwêne jungen künege · die wâren ouch nu komen: // si heten disiu mære · alrêste dô vernomen. // durch sîner swester liebe · die boten gerne sach // Gîselher der junge · zuo zin dô minneclîchen sprach: // „Ir boten sult uns grôße · willekomen sîn; // ob ir dicker woldet · her rîten an den Rîn, // ir vündet hie die vriunde, · die ir gerne möhtet sehen. // iu solte hie ze lande · vil wênec leides geschehen.“ // „Wir triuwen iu aller êren,“ · sprach dô Swemlîn; // „ine kunde iu niht bediuten · mit den sinnen mîn, // wie rehte minneclîche · iu Etzel enboten hât // und iuwer edele swester, · der dinc in hôhen êren stât. // „Genâde unde triuwen · mant iuch des küneges wîp, // und daß ir ie was wæge · iur herze und iuwer lîp. // und ze vordrest dem künege · sî wir her gesant, // daß ir geruochet rîten · zuo zin in Etzelen lant. // „Eß sol ouch mit iu rîten · der hêrre Gêrnôt. // Etzel der rîche · iu allen daß enbôt, // ob ir iuch iuwer swester · niht sehen woldet lân, // sô wolde er gerne wißßen, · waß er iu hête getân, // „Daß ir in alsô vremdet · und ouch sîniu lant. // ob iu diu küneginne · wær nie mêr bekant, // sô möhte er doch verdienen, · daß ir in geruochet sehen: // swenne daß ergienge, · sô wær im liebe geschehen.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „über dise siben naht // sô künde ich iu diu mære, · wes ich mich hân bedâht // mit den mînen vriunden: · die wîle sult ir gân // in iuwer herberge · und sult vil guote ruowe hân.“ // Dô sprach aber Werbelîn: · „und möhte daß geschehen, // daß wir mîne vrouwen · kunden ê gesehen, // Uoten die vil rîchen, · ê wir schüefen uns gemach?“ // Gîselher der edele · vil harte zühteclîchen sprach: // „Daß ensol iu niemen wenden; · und welt ir vür si gân, // ir habet mîner muoter · willen gar getân; // wan si siht iuch gerne · durch die swester mîn, // vroun Kriemhilde: · ir sult ir willekomen sîn.“ // Gîselher si brâhte, · dâ er die vrouwen vant. // die boten sach si gerne · ûß der Hiunen lant: // si gruoßtes minneclîche · durch tugenthaften muot. // dô sagten ir diu mære · die boten hövisch unde guot. // „Mîn vrou iu her enbiutet,“ · sô sprach Swemelîn, // „ir dienst in grôßen triuwen, · und möhte daß gesîn, // daß si iuch dicke sæhe, · ir sult gelouben daß, // sô wær ir in der werlte · mit deheinen vreuden baß.“ // Dô sprach diu küneginne: · „des mac nu niht gesîn. // swie gerne ich dicke sæhe · die lieben tohter mîn, // so ist leider mir ze verre · des edelen küneges wîp. // nu sî immer sælec · ir und Etzelen lîp. // „Ir sult mich lâßen wißßen, · ê irß gerûmet hie, // swenne ir wider wendet: · ine gesach sô gerne nie // boten in langen zîten, · danne ich iuch hân gesehen.“ // die knappen ir dô lobeten, · daß si daß ließen geschehen. // Zen herbergen vuoren · die von Hiunen lant. // dô hete der künic rîche · nâch vriunden sîn gesant. // Gunther der edele · vrâgte sîne man, // wie in diu rede geviele? · vil maneger sprechen dô began, // Daß er wol möhte rîten · in Etzelen lant. // daß rieten im die besten, · die er dar under vant, // niuwan Hagen eine: · dem was eß grimme leit. // er sprach zem künege tougen: · „ir habt iu selben widerseit. // „Nu ist iu doch gewißßen, · waß wir haben getân: // wir mugen immer sorge · zuo Kriemhilde hân, // wan ich sluoc ze tode · ir man mit mîner hant: // wie getorsten wir gerîten · in daß Etzelen lant?“ // Dô sprach der künic rîche: · „mîn swester lie den zorn. // mit kusse minneclîche · si hât ûf uns verkorn, // daß wir ir ie getâten, · ê daß si hinnen reit, // eß ensî et, Hagene, · iu eime von ir widerseit.“ // „Nu lât iuch niht betriegen,“ · sprach Hagene, „swes si jehen, // die boten von den Hiunen. · welt ir Kriemhilde sehen, // ir mugt wol dâ verliesen · die êre und ouch den lîp: // eß ist vil lancræche · des küneges Etzelen wîp.“ // Dô sprach zuo dem râte · der vürste Gêrnôt: // „sît ir von schulden · vürhtet dâ den tôt // in Hiunischen rîchen; · solt wirß dar umbe lân, // wirn sæhen unser swester, · daß wær vil übele getân.“ // Dô sprach der hêrre Gîselher · zuo dem degene: // „sît ir iuch schuldec wißßet, · vriunt Hagene, // sô sult ir hie belîben · und iuch vil wol bewarn // und lâßet die getürstigen · mit uns zuo den Hiunen varn.“ // Dô begunde zürnen · von Tronje der degen: // „ich wil niht, daß ir vüeret · iemen ûf den wegen, // der getürre rîten · mit iu ze hove baß. // sît ir niht welt erwinden, · ich sol iu wol erzeigen daß.“ // Dô sprach der kuchenmeister · Rûmolt der degen: // „der vremden und der kunden · mugt ir wol heißen phlegen // nâch iuwer selbes willen, · wand ir habt vollen rât. // ich wæne niht, daß Hagene · iuch noch vergîselet hât. // „Welt ir niht volgen Hagenen, · iu rætet Rûmolt, // wand ich iu bin mit triuwen · dienstlîchen holt, // daß ir hie sult belîben · durch den willen mîn, // und lât den künic Etzelen · dort bî Kriemhilde sîn. // „Wie kund iu in der werlte · immer samfter wesen? // ir muget vor iuwern vînden · hie heime wol genesen. // ir sult mit guoten kleidern · zieren wol den lîp, // trinket wîn, den besten, · und minnet wætlîchiu wîp. // „Dar zuo gît man iu spîse, · die besten, die ie hât // in der werlte künec deheiner. · iur lant vil schône stât: // ir mugt iuch Etzelen hôhgezît · mit êren wol bewegen // und mugt mit iuwern vriunden · vil guoter kurzwîle phlegen. // „Ob ir niht anders hêtet, · daß ir möht geleben, // ich wolde iu einer spîse · den vollen immer geben, // sniten in öl gebrouwen. · deist Rûmoldes rât, // sît eß sô angestlîchen, · ir hêrren, dâ zen Hiunen stât. // „Ich weiß, daß mîn vrou Kriemhilt · iu nimmer wirdet holt; // ouch habt ir unde Hagene · zir anders niht versolt. // des sult ir belîben, · eß mac iu werden leit: // ir kumet es an ein ende, · daß ich iu niht hân misseseit. // „Des rât ich iu belîben. · rîch sint iuwer lant: // man mac iu baß erlœsen · hie heime diu phant // danne dâ zen Hiunen: · wer weiß, wie eß dâ stât? // ir sult belîben, hêrren: · daß ist der Rûmoldes rât. // „Wir wellen niht belîben,“ · sprach dô Gêrnôt. // „sît daß uns mîn swester · sô vriuntlîche enbôt // und Etzele der rîche, · zwiu solde wir daß lân? // der dar niht gerne welle, · der mac hie heime bestân.“ // „Entriuwen,“ sprach dô Rûmolt, · „ich solß der eine sîn, // der durch Etzelen hôhgezît · kumt nimmer über Rîn. // zwiu solde ich daß wâgen, · daß ich wæger hân? // die wîle ich mag immer, · wil ich mich selbe leben lân.“ // „Des selben wil ich volgen,“ · sprach Ortwîn der degen: // „ich wil des geschäftes · hie heime mit iu phlegen.“ // dô sprâchen ir genuoge, · si woldenß ouch bewarn: // „Got lâße iuch, liebe hêrren, · dâ zen Hiunen wol gevarn.“ // Der künec begunde zürnen, · dô er daß gesach, // daß si dâ heime wolden · schaffen ir gemach: // „dar umbe wirß niht lâßen, · wir müeßen an die vart: // eß waldet guoter sinne, · der sich alle zît bewart.“ // Des antwurte Hagene: · „lât iuch unbilden niht // mîne rede dar umbe; · swie halt iu geschiht, // ich rât iu an den triuwen, · welt ir iuch wol bewarn, // sô sult ir zuo den Hiunen · vile werlîchen varn. // „Sît ir niht welt erwinden, · so besendet iuwer man, // die besten, die ir vindet · oder inder muget hân, // sô wel ich ûß in allen · tûsent rîter guot: // sone mag iu niht gewerren · der argen Kriemhilde muot.“ // „Des wil ich gerne volgen,“ · sprach der künec zehant. // dô hieß er boten rîten · wîte in sîn lant: // dô brâhte man der helde · driu tûsent oder mêr. // sin wânden niht erwerben · alsô gremlîchiu sêr. // Si riten vrœlîche · in Guntheres lant. // man hieß in geben allen · ros und ouch gewant, // die dâ varen solden · zuo den Hiunen dan. // der künec mit guotem willen · der vil manegen gewan. // Dô hieß von Tronje Hagene · Dancwart den bruoder sîn // ir beider recken ahzec · vüeren an den Rîn. // die kômen rîterlîche: · harnas und gewant // vuorten die vil snellen · in daß Guntheres lant. // Dô kom der küene Volkêr, · ein edel spilman, // zuo der hovereise · mit drîßec sîner man: // die heten sölch gewæte, · eß möhte ein künic tragen. // daß er zen Hiunen wolde, · daß ließ er Gunthere sagen. // Wer der Volkêr wære, · daß wilch iuch wißßen lân. // er was ein edel hêrre: · im was ouch undertân // vil der guoten recken · in Burgunden lant. // durch daß er videlen kunde, · was er spilman genant. // Hagne welte tûsent: · die het er wol bekant; // waß in starken stürmen · hete gevrumet ir hant, // oder swaß si ie begiengen, · des het er vil gesehen: // in kunde ouch anders nieman · niuwan vrümekeite jehen. // Die boten Kriemhilde · vil sêre dâ verdrôß: // wan ir vorht zir hêrren · diu was harte grôß: // si gerten tegelîche · urloubes von dan. // des engunde in niht Hagene: · daß was durch liste getân. // Er sprach zuo sîme hêrren: · „wir suln daß wol bewarn, // daß wir si lâßen rîten, · ê daß wir selbe varn // dar nâch in siben nahten · in Etzelen lant. // treit uns iemen argen muot, · daß wirt uns dester baß erkant. // „Sone mac ouch sich vrou Kriemhilt · bereiten niht dar zuo, // daß uns durch ir ræte · ieman schaden tuo. // hât aber si den willen, · eß mag ir leide ergân: // wir vüern mit uns zen Hiunen · sô manegen ûß erwelten man.“ // Schilde unde setele · und alleß ir gewant, // daß si vüeren wolden · in Etzelen lant, // daß was nu gar bereitet · vil manegem küenen man. // die boten Kriemhilde · hieß man vür Guntheren gân. // Dô die boten kômen, · dô sprach Gêrnôt: // „der künic wil des volgen, · daß uns Etzel her enbôt. // wir wellen komen gerne · zuo sîner hôhgezît // und sehen unser swester; · daß ir des âne zwîvel sît.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „kunnet ir uns gesagen, // wenne sî diu hôhgezît, · oder in welhen tagen // wir dar komen solden?“ · dô sprach Swemelîn: // „zen næhsten sunewenden · sol si vil wærlîchen sîn.“ // Der künic in erloubte, · des was noch niht geschehen, // ob si wolden gerne · vroun Prünhilde sehen, // daß si vür si solten · mit sînem willen gân. // daß understuont dô Volkêr: · daß was ir liebe getân. // „Jane ist mîn vrouwe Prünhilt · nu niht sô wol gemuot, // daß ir si muget schouwen,“ · sprach der rîter guot. // bîtet unz morgen: · sô lât man si iuch sehen.“ // dô si wânden schouwen, · dône kundes niht geschehen. // Dô ließ der vürste rîche, · er was den boten holt, // durch sîn selbes tugende · tragen dar sîn golt // ûf den breiten schilten: · des mohter vil gehân. // ouch wart in rîchiu gâbe · von sînen vriunden getân. // Gîselher und Gêrnôt, · Gêre und Ortwîn, // daß si ouch milte wâren, · daß tâten si wol schîn. // alsô rîche gâbe si · die boten buten an, // daß sis vor ir hêrren · niht getorsten enphân. // Dô sprach zuo dem künege · der bote Werbelîn: // „her künec, lât iuwer gâbe · hie ze lande sîn. // wir mugen ir doch niht vüeren, · mîn hêrre eß uns verbôt, // daß wir iht gâbe næmen: · ouch ist es harte lützel nôt.“ // Dô wart der vogt von Rîne · dâ von vil ungemuot, // daß si versprechen wolden · sô rîches küneges guot: // dô muosen si enphâhen · sîn golt und sîn gewant, // daß si mit in vuorten · sît in Etzelen lant. // Si wolden sehen Uoten, · ê daß si schieden dan. // Gîselher der junge · brâht die spileman // vür sîne muoter Uoten; · diu vrouwe enbôt dô dan, // swaß si êren hête, · daß wære ir liebe getân. // Dô hieß diu küneginne · ir borten und ir golt // geben durch Kriemhilde, · wan der was si holt, // und durch den künic Etzelen · den selben spilman. // si mohtenß gerne enphâhen: · eß was mit triuwen getân. // Urloup genomen hêten · die boten nu von dan // von mannen und von wîben; · mit vreuden si dô dan // vuoren unz in Swâben: · dar hieß si Gêrnôt // beleiten sîne helde, · daß eß in niemen missebôt. // Dô sich die von in schieden, · die ir dâ solden phlegen, // diu Etzelen hêrschaft · si vridete ûf den wegen: // des ennam in nieman · ros noch ir gewant. // si begunden vaste gâhen · wider in der Hiunen lant. // Swâ si vriunde westen, · daß tâten si den kunt, // daß die von Burgunden · in vil kurzer stunt // kœmen her von Rîne · in der Hiunen lant. // dem Bischof Piligrîne · wart ouch daß mære bekant. // Dô si vür Bechlâren · die strâße nider riten, // man seit eß Rüedegêre, · desn wart niht vermiten, // und vroun Gotelinde, · des marcgrâven wîp. // daß si si sehen solden, · des wart vil vrœlîch ir lîp. // Gâhen mit den mœren · sach man die spilman. // Etzelen si vunden · in sîner stat ze Gran. // dienst über dienste, · der man im vil enbôt, // seiten si dem künege: · vor liebe wart er vreuden rôt. // Dô diu küneginne · diu mære rehte ervant, // daß ir bruoder solden · komen in daß lant, // dô was ir wol ze muote. · si lônde den spilman // mit vil grôßer gâbe: · daß was ir êre getân. // Si sprach: „nu saget beide, · Werbel und Swemlîn, // welhe mîne vriunde · zer hôhzît wellen sîn, // der besten, die wir ladeten · her in ditze lant. // nu saget, waß redet Hagene, · dô er diu mære bevant?“ // „Er kom zuo der sprâche · an einem morgen vruo: // lützel guoter sprüche · redet er der zuo, // dô si die reise lobeten · her in Hiunen lant: // daß was dem grimmen Hagene · gar zem tôde genant. // „Eß kument iuwer bruoder · die künege alle drî // in hêrlîchem muote. · swer mêr dar mite sî, // der mære ich endelîchen · wißßen niene kan. // eß lobte mit in rîten · Volkêr der küene spilman.“ // „Des enbær ich harte lîhte,“ · sprach des küneges wîp, // „daß ich immer hie gesæhe · den Volkêres lîp: // Hagnen bin ich wæge, · der ist ein helt guot: // daß wirn hie sehen müeßen, · des stât mir hôhe der muot.“ // Dô gie diu küneginne, · dâ si den künic sach. // wie rehte minneclîche · vrou Kriemhilt dô sprach: // „wie gevallent iu diu mære, · vil lieber hêrre mîn? // des ie mîn wille gerte, · daß sol nu gar verendet sîn.“ // „Dîn wille derst mîn vreude,“ · sprach der künic dô. // „ine wart mîn selbes mâge · nie sô rehte vrô, // ob si immer komen solden · her in mîniu lant. // durch liebe dîner vriunde · sô ist mîn sorge verswant.“ // Des küneges amptliute · die hießen über al // mit gesidelen rihten · palas unde sal // gên den lieben gesten, · die in dâ solden komen. // sît wart von in dem künege · vil michel wünne benomen. // 25. Âventiure // wie die künege zuo den Hiunen vuoren. Nu lâßen daß belîben, · wie si gebâren hie. // hôch gemuoter recken · die gevuoren nie // sô rehte hêrlîchen · in deheines küneges lant. // si heten, swaß si wolden, · beide wâfen und gewant. // Der vogt von dem Rîne · kleidete sîne man // sehzec unde tûsent, · als ich vernomen hân, // und niun tûsent knehte · gên der hôhzît. // die si dâ heime ließen, · die beweinden eß sît. // Dô truoc man daß gereite · ze Wormeß über den hof. // dô sprach dâ von Spîre · ein alter bischof // zuo der schœnen Uoten: · „unser vriunde wellent varn // gên der hôhzîte: · Got müeße si dâ bewarn.“ // Dô sprach zuozir kinden · diu edele Uote: // „ir soldet hie belîben, · helde guote. // mir ist getroumet hînte · von engestlîcher nôt, // wie alleß daß gevügele · in disme lande wære tôt.“ // „Swer sich an troume wendet,“ · sprach dô Hagene, // „der enweiß der rehten mære · niht ze sagene, // wenne eß im zen êren · volleclîchen stê. // ich wil, daß mîn hêrre · ze hove nâch urloube gê. // „Wir suln vil gerne rîten · in Etzelen lant: // dâ mac wol dienen künege · guoter helde hant, // dâ wir dâ schouwen müeßen · Kriemhilde hôhzît.“ // Hagne riet die reise; · iedoch gerouw eß in sît. // Er heteß widerrâten, · wan daß Gêrnôt // mit ungevüege · im alsô missebôt. // er mant in Sîvrides, · vroun Kriemhilde man: // er sprach: „dâ von wil Hagene · die grôßen hovereise lân.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „durch vorhte ich niht entuo. // swenne ir gebietet, helde, · sô sult ir grîfen zuo: // jâ rîte ich mit iu gerne · in Etzelen lant.“ // sît wart von im verhouwen · manec helm unde rant. // Diu schif bereitet wâren · den künegen und ir man; // swaß si kleider hêten, · diu truoc man dar an. // si wâren vil unmüeßec · vor âbendes zît; // si huoben sich von hûse · vil harte vrœlîche sît. // Gezelt unde hütten · spien man an daß gras // anderhalp des Rînes, · dâ daß gesæße was. // den künec bat noch belîben · sîn vil schœneß wîp: // si trûte noch des nahtes · den sînen wætlîchen lîp. // Pusûnen, vloitieren · houp sich des morgens vruo, // daß si varn solden: · dô griffen si dô zuo. // swer liep hete an arme, · der trûte vriundes lîp; // des schiet sît vil mit leide · des küneges Etzelen wîp. // Diu kint der schœnen Uoten · die heten einen man // küenen und getriuwen: · dô si dô wolten dan, // dô sagete er dem künege · tougen sînen muot. // er sprach: „des muoß ich trûren, · daß ir die hovereise tuot.“ // Er was geheißen Rûmolt · und was ein helt zer hant. // er sprach: „wem welt ir lâßen · liute und ouch diu lant? // daß nieman kan erwenden · iu recken iuwern muot! // Kriemhilde mære · nie gedûhten mich guot.“ // „Daß lant sî dir bevolhen · und ouch mîn kindelîn; // und diene wol den vrouwen: · daß ist der wille mîn. // swen du sehest weinen, · dem trœste sînen lîp; // jâ tuot uns nimmer leide · des künîc Etzelen wîp!“ // Ê daß si schieden dannen, · der künec ze râte gie // mit sînen hôhsten mannen: · unberihtet er niht lie // lant unde bürge: · die der solden phlegen, // den ließ er ze huote · vil manegen ûß erwelten degen. // Diu ros bereitet wâren · den künegen und ir man. // mit minneclîchem kusse · schiet vil maneger dan, // dem in hôhem muote · lebete dô der lîp. // daß muose sît beweinen · vil manec wætlîcheß wîp. // Wuofen unde weinen · des hôrte man genuoc. // ir kint diu küneginne · zem künec ûf armen truoc: // „wie welt ir nu verweisen · unser beider lîp! // ir sult durch uns belîben,“ · sô sprach daß jâmerhafte wîp. // „Ir sult niht, vrouwe, weinen · durch den willen mîn, // ir sult in hôhem muote · hie heime ân angest sîn: // wir kumen schiere widere · mit vreuden wol gesunt.“ // si schieden minneclîchen · von ir vriunden sâ ze stunt. // Dô man die snellen recken · sach zen rossen gân, // dô kôs man vil der vrouwen · trûreclîchen stân. // daß ir vil langeß scheiden · seite in wol der muot: // ûf grôßen schaden ze komene, · daß herze niene samphte tuot. // Die snellen Burgunden · sich ûß huoben, // dô wart in dem lande · ein michel uoben: // beidenthalp der berge · weinde wîp und man. // swie dort ir volc tæte, · si vuoren vrœlîche dan. // Die Niblunges helde · kômen mit in dan // in tûsent halspergen; · die heime heten lân // manege schœne vrouwen, · gesâhens nimmer mê; // Sîvrides wunde · tâten Kriemhilde wê. // In den selben zîten · was noch der gloube kranc; // doch vrumtens einen kapelân, · der in messe sanc: // der kom gesunder widere, · swie er vil kûm entran; // die andern muosen alle · dâ zen Hiunen bestân. // Dô schicten si ir reise · gên dem Möune dan, // ûf durch Ôstervranken, · die Guntheres man. // dar leitete si Hagene, · dem was eß wol bekant. // ir marschalc was Dankwart, · der helt von Burgunden lant. // Dô si von Ôstervranken · gên Swalevelde riten, // dô mohte man si kiesen · an hêrlîchen siten, // die vürsten und ir mâge, · die helde lobesam. // an dem zwelften morgen · der künec zer Tuonouwe kam. // Dô reit von Tronje Hagene · zaller vorderôst: // er was den Niblungen · ein helflîcher trôst. // do erbeißte der degen küene · nider ûf den sant: // sîn ros er harte balde · zuo eime boume gebant. // Daß waßßer was engoßßen, · diu schif verborgen: // eß ergie den Niblungen · zuo grôßen sorgen, // wie si kœmen übere: · der wâc was in ze breit. // do erbeißte zuo der erden · vil manec rîter gemeit. // „Leide,“ sprach dô Hagene, · „mac dir hie wol geschehen, // vogt von dem Rîne; · nu mahtu selbe sehen, // daß waßßer ist engoßßen, · vil starc ist im sîn vluot: // jâ wæn wir hie verliesen · noch hiute manegen recken guot.“ // „Waß wîßet ir mir, Hagene?“ · sprach der künic hêr, // „durch iuwer selbes tugende · untrœstet uns niht mêr. // den vurt sult ir uns suochen · hin über an daß lant, // daß wir von hinnen bringen · beide ros und ouch gewant.“ // „Ja enist mir,“ sprach Hagene, · „mîn leben niht sô leit, // daß ich mich welle ertrenken · in disen ünden breit: // ê sol von mînen handen · ersterben manec man // in Etzelen landen, · des ich vil guoten willen hân. // „Belîbet bî dem waßßer, · ir stolzen rîter guot. // ich wil die vergen suochen · selbe bî der vluot, // die uns bringen übere · in Gelphrâtes lant.“ // dô nam der starke Hagene · sînen guoten schildes rant. // Er was wol gewâfent. · den schilt er dannen truoc, // den helm ûf gebunden; · lieht was er genuoc. // dô truoc er ob der brünne · ein wâfen alsô breit, // daß ze beiden ecken · vil harte vreislîchen sneit. // Dô suohte er nâch den vergen · wider unde dan. // er hôrte waßßer gießen: · losen er began. // in einem schœnen brunnen · tâten daß wîsiu wîp: // diu wolden sich dâ küelen · unde badeten ir lîp. // Hagene wart ir innen, · er sleich in tougen nâch. // dô si daß versunnen, · dô was in dannen gâch. // daß si im entrunnen, · des wâren si vil hêr. // er nam in ir gewæte: · der helt enschadete in niht mêr. // Dô sprach daß eine merwîp, · Hadburc was si genant: // „edel rîter Hagene, · wir tuon iu hie bekant, // swenne ir uns widere · gebet unser wât, // wie iu zuo den Hiunen · iuwer hovereise ergât.“ // Si swebten sam die vogele · vor im ûf der vluot. // des dûhten in ir sinne · starc unde guot: // swaß si im sagen wolden, · er geloubte in dester baß. // daß er dô hinze in gerte, · wol beschieden si im daß. // Si sprach: „ir mugt wol rîten · in Etzelen lant. // des setze ich iu ze bürgen · mîn triuwe hie zehant, // daß helde nie gevuoren · in deheiniu rîche baß // nâch alsô grôßen êren; · nu geloubet wærlîchen daß.“ // Der rede was dô Hagene · in sîme herzen hêr: // dô gab er in ir kleider · und sûmte sich niht mêr. // dô si an geleiten · ir wunderlîch gewant, // dô sageten sim rehte · die reise in Etzelen lant. // Dô sprach daß ander merwîp, · diu hieß Siglint: // „ich wil dich warnen, Hagene, · Aldrîânes kint. // durch der wæte liebe hât · mîn muome dir gelogen: // und kumestu zen Hiunen, · sô bistu sêre betrogen. // „Jâ soltu kêren widere, · daß ist an der zît: // wan ir helde küene · alsô geladet sît, // daß ir sterben müeßet · in Etzelen lant: // swelhe dar gerîtent, · die hânt den tôt an der hant.“ // Dô sprach aber Hagene: · „ir trieget âne nôt. // wie möhte eß sich gevüegen, · daß wir alle tôt // solden dâ belîben · durch iemannes haß?“ // si begunden im diu mære · sagen kuntlîcher baß. // Dô sprach aber diu eine: · „eß muoß alsô wesen, // daß dâ iuwer einer · niht enkan genesen // niuwan des küneges kapelân: · daß ist uns wol bekant: // der kumt gesunder widere · in daß Guntheres lant.“ // Dô sprach in grimmem muote · der küene Hagene: // „daß wære mînen hêrren · müelîch ze sagene, // daß wir zen Hiunen solden · verliesen alle en lîp. // nu zeig uns überß waßßer, · aller wîseste wîp.“ // Si sprach: „Sît du der verte · niht wellest haben rât, // wâ oben bî dem waßßer · ein herberge stât, // dar inne ist ein verge · und niender anderswâ.“ // der mære, der er vrâgte, · der geloubete er sich dâ. // Dem ungemuoten recken · sprach diu eine nâch: // „nu bîtet noch, er Hagene: · jâ ist iu gar ze gâch. // vernemet noch baß diu mære, · (wie ir kumet über sant. // dirre marke hêrre · der ist Else genannt. // „Sîn bruoder derst geheißen · der degen Gelphrât, // ein hêrre in Beier lande: · vil müelîch eß iu stât, // welt ir durch sîne marke). · ir sult iuch wol bewarn // und sult ouch mit dem vergen · vil bescheidenlîchen varn. // „Der ist sô grimmes muotes, · er lât iuch niht genesen, // irn welt mit guoten sinnen · bî dem helde wesen. // welt ir, daß er iuch vüere, · sô gebet ir im den solt. // er hüetet dises landes · und ist Gelphrâte holt. // „Und kume er niht bezîte, · sô rüefet über vluot // und jehet, ir heißet Amelrîch. · der was ein helt guot, // der durch vîentschefte · rûmte ditze lant. // sô kumet iu der verge, · swenne im der name wirt erkant.“ // Der übermüete Hagene · den vrouwen dô neic // des râtes und der lêre; · der helt vil stille sweic. // dô gie er bî dem waßßer · hôher an den sant, // dâ er anderthalben · eine herberge vant. // Er begunde ruofen · vaste über vluot: // „nu hol mich hie, verge,“ · sprach der degen guot, // „sô gib ich dir ze miete · von golde ein bouc vil rôt; // jâ ist mir dirre verte, · daß wißßest, wærlîche nôt.“ // Der verge was sô rîche, · daß im niht dienen zam: // dâ von er lôn vil selten · von ieman dâ genam; // ouch wâren sîne knehte · vil hôhe gemuot. // noch stuont alleß Hagene · eine dishalp der vluot. // Dô ruofte er mit der krefte, · daß al der wâc erdôß // von des heldes sterke: · diu was michel unde grôß: // „nu hol mich Amelrîchen: · ich bin der Elsen man, // der durch starke vîntschaft · von disen landen entran.“ // Vil hôch anme swerte · en bouc er im dô bôt, // lieht unde schœne · was er von golde rôt, // daß man in über fuorte · in Gelphrâtes lant. // der übermüete verge · nam selbe deß ruoder an die hant. // Ouch was der selbe schifman · niulîch gesît. // diu gir nâch grôßem guote · vil bœseß ende gît. // dô wolt er verdienen · daß Hagnen golt vil rôt: // des leit er von dem degene · den swertgrimmegen tôt. // Der verge zôch genôte · hin über an den sant. // den er dâ nennen hôrte, · do er des niht envant, // dô zurnde er ernslîchen; · dô er Hagenen sach, // vil harte grimmeclîchen · zuo dem helde er dô sprach: // „Ir muget wol sîn geheißen · bî namen Amelrîch; // des ich mich hie verwæne, · dem sît ir ungelîch. // von vater und von muoter · was er der bruoder mîn: // nu ir mich betrogen hât, · ir müeßet dishalben sîn.“ // „Nein, durch Got den rîchen,“ · sprach dô Hagene. // „ich bin ein vremder recke · und sorge ûf degene. // nu nemet vriuntlîche · hin mînen solt, // daß ir mich über vüeret: · ich bin iu wærlîchen holt.“ // Dô sprach aber der verge: · „desn mac niht gesîn. // eß habent vîende · die lieben hêrren mîn. // dar umbe ich niemen vremden · vüer in ditze lant: // sô liep dir sî ze lebene, · sô trit balde ûß an den sant.“ // „Nune tuot des niht,“ sprach Hagene. · „trûrec ist mîn muot. // nemt von mir ze minnen · ditze golt vil guot // und vüert uns über tûsent ros · und alsô manegen man.“ // dô sprach der grimme verge, · „daß wirdet nimmer getân.“ // Er huop ein starkeß ruoder, · michel unde breit, // er sluog eß ûf Hagenen, · des wart er ungemeit, // daß er in dem schiffe · strûhte an sîniu knie. // sô rehte grimmer verge · kom dem Tronjære nie. // Dô wolde er baß erzürnen · den übermüeten gast: // er sluoc im eine schalten, · daß diu gar zebrast, // Hagnen über houbet; · er was ein starker man: // dâ von der Elsen verge · grôßen schaden dâ gewan. // Mit grimmigem muote · greif Hagene zehant // vil balde zeiner scheide, · dâ er ein wâfen vant: // er sluoc im ab daß houbet · und warf eß an den grunt. // diu mære wurden schiere · den stolzen Burgunden kunt. // In den selben stunden, · dô er den schifman sluoc, // daß schif vlôß enouwe: · daß was im leit genuoc. // ê erß gerihte widere, · müeden er began: // dô zôch vil krefteclîche · des künic Guntheres man. // Mit zügen harte swinden · kêrte eß der gast, // unz im daß starke ruoder · an sîner hant zebrast. // er wolde zuo den recken · ûß an einen sant. // dô was dâ heinß mêre: · hei, wie schiere erß gebant // Mit eime schiltveßßel! · daß was ein borte smal. // gegen eime walde · kêrte er hin ze tal. // dô vant er sînen hêrren · an dem stade stân: // dô gie im hin enkegene · manec wætlîcher man. // Mit gruoße in wol enphiengen · die edelen rîter guot. // dô sâhens in dem schiffe · riechen daß bluot // von einer starken wunden, · die er dem vergen sluoc: // dâ von sô muose Hagene · hœren vrâgen genuoc. // Dô der künic Gunther · daß heiße bluot ersach // sweben in dem schiffe, · balde er dô sprach: // „wan saget ir mir, Hagene, · war ist der verge komen? // iuwer starkeß ellen · wæn im den namen hât benomen.“ // Dô sprach er lougenlîche: · „dâ ich daß schif vant // bî einer wilden wîden, · dâ lôste eß mîne hant. // ich hân deheinen vergen · hiute hie gesehen; // eß ist ouch niemen leide · von mînen schulden geschehen.“ // Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt: // „hiute muoß ich sorgen · ûf lieber vriunde tôt, // sît wir der schifliute · bereite niene hân. // wie wir komen übere, · des muoß ich trûrende stân.“ // Lûte rief dô Hagene: · „leit nider ûf daß gras, // ir knehte, daß gereite: · ich gedenke, daß ich was // der aller beste verge, · den man bî Rîne vant: // jâ trouwe ich iuch wol bringen · über in Gelphrâtes lant.“ // Daß si deste balder · kœmen über vluot, // diu ros si an sluogen: · der swimmen daß wart guot, // wan diu starke ünde · deheinß in dâ benam. // etlîcheß ouwete, · als im diu müede gezam. // Dô truogen si ze schiffe · ir golt und ouch ir wât, // sît si der verte · niht mohten haben rât. // Hagene der was meister: · des vuorte er ûf den sant // vil manegen zieren recken · in daß unkunde lant. // Zem êrsten brâht er übere · tûsent rîter hêr, // dar zuo sîne recken. · dannoch was ir mêr: // niun tûsent knehte · vuorte er an daß lant. // des tages was unmüeßec · des küenen Tronjæres hant. // Daß schif was ungevüege, · starc und wît genuoc: // fünf hundert unde mêre · eß wol ze mâle truoc // ir gesindes mit ir spîse · und gewæfen über vluot. // an riemen muose ziehen · des tages manec rîter guot. // Dô er si wol gesunde · brâhte über vluot, // do gedâhte vremder mære · der snelle degen guot, // diu im ê seiten · diu wilden merwîp: // des hete des küneges kapelân · nâch verloren sînen lîp. // Bî dem kapelsoume · er den phaffen vant; // ob dem heilictuome · er leinde an sîner hant. // des mohte er niht genießen: · dâ in Hagne sach, // der Gotes arme priester · muose lîden ungemach. // Er swanc in ûß dem schiffe, · dar zuo was im gâch. // dô riefen ir genuoge: · „nu vâhâ, hêrre, vâch.“ // Gîselher der junge · zürnen erß began: // ern wolde eß doch niht lâßen, · er enhete im leide getân. // Dô sprach von Burgunden · der starke Gêrnôt: // „waß hilfet iuch nu, Hagene, · des kapelânes tôt? // tæte eß ander ieman, · eß solde im wesen leit. // umbe welhe schulde · habet ir dem priester widerseit?“ // Der phaffe swam genôte: · er wolde sîn genesen, // sô im ieman hülfe: · des mohte dô niht wesen, // wan der starke Hagene, · vil zornec was sîn muot, // er stieß in zuo dem grunde; · daß endûhte nieman guot. // Dô der arme phaffe · der helfe niht ensach, // dô kêrte er wider übere: · des leit er ungemach. // swie er niht swimmen kunde, · im half diu Gotes hant, // daß er kom gesunder · hin wider ûß an daß lant. // Dô stuont der arme priester · und schutte sîne wât. // dâ bî sach wol Hagene, · daß sîn niht wære rât, // daß im vür mære sagten · diu wilden merwîp. // er dâhte: „dise degene · die müeßen vliesen den lîp.“ // Dô si daß schif entluoden · und gar getruogen dan, // swaß dar ûfe hêten · der drîer künege man, // Hagne eß sluoc ze stucken · und warf eß an die vluot. // des hete michel wunder · die recken küene unde guot. // „Zwiu tuot ir daß, bruoder?“ · sô sprach Dancwart: // „wie suln wir komen übere, · sô wir die widervart // rîten von den Hiunen · ze lande an den Rîn?“ // sît dô sagte im Hagene, · daß des kunde niht gesîn. // Dô sprach von Troneje Hagene: · „ich tuonß ûf den wân, // ob wir an diser reise · deheinen zagen hân, // der uns entrinnen welle · durch zegelîche nôt, // der muoß an disem wâge · lîden schemlîchen tôt.“ // Si vuorten mit in einen · ûß Burgunden lant, // zuo sînen handen einen helt: · der was Volkêr genant: // der redete spæhelîche · allen sînen muot: // swaß ie begie Hagene, · daß dûhte den videlære guot. // Dô des küneges kapelân · daß schef zerhouwen sach, // hin wider überß waßßer · er ze Hagene sprach: // „ir morder âne triuwe, · waß hete ich iu getân, // daß ir mich âne schulde · hie ertrenket woldet hân?“ // Des antwurte im Hagene: · „nu lât die rede wesen. // mir ist leit ûf mîne triuwe, · daß ir sît genesen // hie von mînen handen, · daß wißßet sunder spot.“ // dô sprach der arme kapelân: · „des wil ich immer loben Got. // „Ich vürht iuch nu vil kleine, · des sult ir sicher sîn. // nu vart ir zuo den Hiunen, · sô wil ich an den Rîn. // Got enlâß iuch nimmer · ze Rîne wider komen, // des wünsch ich iu vil sêre: · ir het mir nâch den lîp benomen.“ // Dô sprach der künic Gunther · ze sînem kapelân: // „eß wirt iu wol gebüeßet, · swaß iu hât getân // Hagene in sînem zorne, · und kum ich an den Rîn // wider mit mîme lebene, · des sult ir âne angest sîn. // „Vart wider heim ze lande, · wan eß muoß nu sîn. // ich enbiute mînen dienest · der lieben vrouwen mîn // und andern mînen mâgen, · als ich von rehte sol: // ir sagt in liebiu mære, · daß wir noch alle varn wol. // Ir ros bereitet wâren, · ir soumer wol geladen. // si heten an der verte · noch deheinen schaden // genomen, der si muote, · wan sküneges kapelân: // der muose ûf sînen vüeßen · hin wider zuo dem Rîne gân. // 26. Âventiure // wie Dankwart Gelphrâten sluoc. Dô si nu wâren alle · komen ûf den sant, // der künec begunde vrâgen: · „wer sol uns durch diu lant // die rehten wege wîsen, · daß wir niht irre varn?“ // dô sprach der küene Volkêr: · „daß sol ich eine bewarn.“ // „Nu enthalt iuch,“ sprach Hagene, · „rîter unde kneht. // man sol vriunden volgen: · jâ dunket eß mich reht. // vil ungevüegiu mære · diu tuon ich iu bekant: // wirn komen nimmer mêre · wider in Burgunden lant. // „Daß sagten mir zwei merwîp · hiute morgen vruo, // daß wir niht kœmen widere. · nu râte ich, waß man tuo: // daß ir iuch wâfent, helde. · ir sult iuch wol bewarn, // wir haben hie starke vînde, · daß wir gewerlîchen varn. // „Ich wânde an lüge vinden · diu wîsen merwîp: // si jâhen, daß gesunder · unser deheines lîp // nimmêr ze lande kœme · niuwan der kapelân; // dar umbe ich in sô gerne · wolde hiute ertrenket hân.“ // Dô vlugen disiu mære · von schare baß ze schar. // des wurden snelle helde · vor leide missevar, // dô si begunden sorgen · ûf den herten tôt // an dirre hovereise, · des gie in wærlîchen nôt. // Dâ ze Mœringen · si wâren über komen, // dâ dem Elsen vergen · der lîp was benomen. // dô sprach aber Hagene: · „sît daß ich vînde hân // verdienet ûf der strâße, · wir werden schierlîch bestân. // „Ich sluoc den selben vergen · hiute morgen vruo; // si wißßen wol diu mære. · nu grîfet balde zuo, // sô Gelphrât und Else · hiute hie bestê // unser ingesinde, · daß eß in schedelîch ergê. // „Ich erkenne si sô küene, · eß wirdet niht verlân. // diu ros sult ir lâßen · dester samfter gân, // daß des iemen wæne, · wir vliehen ûf den wegen.“ // „des râtes wil ich volgen,“ · sô sprach Gîselher der degen. // „Wer sol nu daß gesinde · wîsen über lant?“ // si sprâchen: „daß sol Volkêr, · dem ist hie wolbekant // stîge unde strâße, · dem küenen spilman.“ // ê daß mans vollen gerte, · man sach wol gewâfent stân // Den snellen videlære. · den helm er ûf gebant; // in hêrlîcher varwe · was sîn wîcgewant: // er bant ouch zeinem schafte · ein zeichen, daß was rôt. // sît kom er mit den künegen · in eine vreislîche nôt. // Dô was tôt des vergen · Gelphrâte komen // mit gewissen mæren; · dô hete eß ouch vernomen // Else der vil starke: · eß was in beiden leit. // si sanden nâch ir helden: · die wâren schiere bereit. // In vil kurzen zîten, · ich wil iuch hœren lân, // sach man zuo zin rîten, · den schaden was getân, // in starken urliugen · vil ungevüegiu her: // der kômen Gelphrâten · wol siben hundert oder mêr. // Dô si ir grimmen vînden · begunden rîten nâch, // jâ leiten si ir hêrren. · den was ein teil ze gâch // nâch den küenen gesten: · si wolden anden zorn: // des wart der hêrren vriunde · sider mêre verlorn. // Dô het von Tronje Hagene · wol gevüeget daß // (wie möhte sîner mâge · ein helt gehüeten baß?), // er phlac der nâchhuote · mit den sînen man // und Dancwart sîn bruoder: · daß was vil wîslîch getân. // In was des tages zerrunnen: · desn heten si niht mêr. // er vorhte an sînen vriunden · leit unde sêr. // si riten under schilden · durch der Beier lant. // dar nâch in kurzer wîle · die helde wurden an gerant. // Beidenthalp der strâße · und hinden vaste nâch // si hôrten hüeve klaffen; · dem liute was sô gâch. // dô sprach der küene Dancwart: · „man wil uns hie bestân: // nu binden ûf die helme: · daß ist rætlîch getân.“ // Si hielten ab ir verte, · als eß muose sîn. // si sâhen in der vinster · der liehten schilde schîn. // dône wolde Hagene · niht langer si verdagen: // „wer jagt uns ûf der strâße?“ · daß muos im Gelphrât dô sagen. // Dô sprach der marcgrâve · ûßer Beier lant: // „wir suochen unser vînde · und haben her nâch gerant. // ich enweiß niht, wer mir hiute · mînen vergen sluoc. // der was ein helt zen handen: · des ist mir leide genuoc.“ // Dô sprach von Tronje Hagene: · „was der verge dîn? // der wolde uns niht vüeren; · des ist diu schulde mîn: // dô sluoc ich den recken; · deiswâr, des gie mir nôt: // ich het von sînen handen · nâch den grimmegen tôt. // „Ich bôt im ze miete · golt und ouch gewant, // daß er uns über vuorte, · helt, in dîn lant. // daß zurnder sô sêre, · daß er mich dô sluoc // mit einer starken schalten: · des wart ich grimme genuoc. // „Dô kom ich zuo dem swerte · und wert im sînen zorn // mit einer starken wunden: · des wart der helt verlorn. // daß bringe ich iu ze suone, · swie iuch dunket guot.“ // dô gie eß an ein strîten: · si wâren herte gemuot. // „Ich wesse wol,“ sprach Gelphrât, · „dô hie vür gereit // Gunther und sîn gesinde, · daß uns geschæhe leit // von Hagenen übermüete. · nu sol er niht genesen: // vür des vergen ende · muoß der helt hie bürge wesen.“ // Si neicten über schilte · ze stichen nu diu sper, // Gelphrât und Hagene: · in was ze ein ander ger. // Else unde Dancwart · vil hêrlîchen riten; // si versuohten, wer si wâren: · dâ wart vil grimme gestriten. // Wie möhten sich versuochen · immer helde baß? // von einer starken tioste · hinderß ros gesaß // Hagne der küene · von Gelphrâtes hant. // im brast daß vürbüege: · des wart im vallen bekant. // Von ir ingesinde · der krach der schefte schal. // do erholte ouch sich dort Hagene, · dâ er was ze tal // komen von dem stiche · nider ûf daß gras. // er wæne unsamphtes muotes · wider Gelphrâten was. // Wer in diu ros behielte, · daß ist mir unbekant. // si wâren zuo der erden · komen ûf den sant, // Hagne unde Gelphrât, · ein ander liefens an. // des hulfen ir gesellen, · daß in wart strîten kunt getân. // Swie bitterlîchen Hagene · zuo Gelphrâte spranc, // der edele marcgrâve · des schiltes hin im swanc // wol gegen einer ellen, · daßß viur drâte dan. // des was vil nâch erstorben · des künic Guntheres man. // Do begunde er Dancwarten · vil vaste ruofen an: // „hilfâ, lieber bruoder. · jâ hât mich bestân // ein helt zuo sînen handen: · der enlât mich niht genesen.“ // dô sprach der küene Dancwart: · „des sol ich scheidære wesen.“ // Der helt dô spranc dar nâher · und sluoc im einen slac, // dâ von der hêrre Gelphrât · vor im tôt gelac. // Else wolde gerne · rechen dô den man: // er und sîn gesinde · si schieden schedelîchen dan. // Im was erslagen der bruoder, · selbe wart er wunt. // wol ahzec sîner degene · beliben dâ zestunt // mit dem grimmen tôde: · der hêrre muose dan // vlühteclîchen wenden · von den Guntheres man. // Dô die von Beier lande · wichen ûß dem wege, // dô hôrt man nâch hellen · die vreislîchen slege: // dô jagten die von Troneje · ir vîenden nâch; // die es niht enkelten wânden, · den was allen ze gâch. // Dô sprach an ir vlühte · Dancwart der degen: // „wir suln wider wenden · balde ûf disen wegen, // und lâße wir si rîten: · si sint von bluote naß. // gâhen wir zen vriunden: · in triuwen rât ich iu daß.“ // Dô si hin wider kômen, · da der schade was geschehen, // dô sprach von Tronje Hagene: · „helde, ir sult besehen, // wes uns hie gebreste · oder wen wir hân verlorn // hie in disme strîte · durch den Gelphrâtes zorn.“ // Si heten vlorn viere; · die muosen si verklagen, // si wâren wol vergolten; · dâ wider was erslagen // der von Beier lande · hundert oder baß. // des wâren den von Troneje · ir schilde trüebe und bluotes naß. // Ein teil schein ûß wolken · des liehten mânen brehen. // dô sprach aber Hagene: · „niemen sol verjehen // den mînen lieben hêrren, · waß wir hie haben getân: // lât si unz morgen · âne sorge bestân.“ // Dô si nu nâch in kômen, · die dort striten ê, // dô tete dem ingesinde · diu müede harte wê. // „wie lange sul wir rîten?“ · des vrâget manec man. // dô sprach der küene Dancwart: · „wir mugen niht herbergen hân. // „Ir müeßet alle rîten, · unz eß werde tac.“ // Volkêr der snelle, · der des gesindes phlac, // bat den marschalc vrâgen: · „wâ sul wir hînte sîn, // da gerasten unser mære · und ouch die lieben hêrren mîn?“ // Dô sprach der küene Dancwart: · „ich enkans iu niht gesagen: // wir mugen niht geruowen, · endß beginne tagen; // swâ wirß danne vinden, · dâ legen uns an ein gras.“ // dô si diu mære hôrten, · wie leit in sümelîchen was! // Si beliben unvermeldet · des heißen bluotes rôt, // unz daß diu sunne · ir liehteß schînen bôt // dem morgen über berge, · daß eß der künec gesach, // daß si gestriten hêten; · der helt vil zorneclîchen sprach: // „Wie nu, vriunt Hagene? · iu wæne versmâhet daß, // daß ich iu bî wære, · dâ iu die ringe naß // sus wurden von dem bluote. · wer hât iu daß getân?“ // er sprach: „daß tet Else: · der hete uns nehten bestân. // „Durch sînen vergen · wir wurden an gerant. // dô sluoc Gelphrâten · mînes bruoder hant. // sît entran uns Else: · des twanc in michel nôt: // in hundert und uns viere · beliben dâ in strîte tôt.“ // Wir kunnen niht bescheiden, · wâ si sich leiten nider. // al die lantliute · die gevrieschen sider, // daß ze hove vüeren · der edelen Uoten kint. // si wurden wol enphangen · dâ ze Paßßouwe sint. // Der edelen künege œheim, · der bischof Pilgrîn, // dem wart vil wol ze muote, · dô die neven sîn // mit alsô vil recken · kômen in daß lant. // daß er in willec wære, · daß wart in schiere bekant. // Si wurden wol enphangen · von vriunden ûf den wegen. // dâ ze Paßßouwe · man kunder niht gephlegen; // si muosen über waßßer, · dâ si vunden velt: // dâ sluogen ûf die knehte · hütten unde rîch gezelt. // Si muosen dâ belîben · allen einen tac // und ouch die naht mit vollen. · wie schône man ir phlac! // dar nâch si muosen rîten · in Rüedegêres lant: // dem kâmen ouch diu mære, · daß was im liebe bekant. // Dô die wegemüeden · ruowe genâmen // unde si dem lande · nu nâher quâmen, // dô vundens ûf der marke · slâfende einen man, // dem von Tronje Hagene · ein starkeß wâfen an gewan. // Jâ was geheißen Eckewart · der selbe rîter guot. // er gewan dar umbe · vil trûrigen muot, // daß er verlôs daß wâfen · von der helde vart. // die Rüedegêres marke · vundens übele bewart. // „Ouwê mir dirre schande,“ · sprach dô Eckewart. // „jâ riuwet mich vil sêre · der Burgunden vart. // sît ich verlôs Sîvriden, · sît was mîn vreude ergân; // ouwê, hêrre Rüedegêr, · wie hân ich wider dich getân.“ // Wol hôrte Hagene · des edelen recken nôt: // er gab im wider sîn wâfen · und sehs bouge rôt. // „die habe dir, helt, ze minnen, · daß du mîn vriunt sîst; // du bist ein degen küene, · wie eine du hie gelîst.“ // „Got lône iu iuwer bouge,“ · sprach dô Eckewart; // „doch riuwet mich vil sêre · zen Hiunen iuwer vart. // ir sluoget Sîvriden; · man ist iu hie gehaß: // daß ir iuch wol hüetet, · in triuwen rât ich iu daß.“ // „Nu müeße uns Got behüeten,“ · sprach dô Hagene. // „jan hânt niht mêre sorge · dise degene, // wan umb die herberge, · die künege und ir man, // wâ wir in disme lande · noch hînte nahtselde hân. // „Diu ros sint uns vermüedet · ûf den verren wegen // und spîse zerunnen,“ · sprach Hagene der degen: // „wir vindenß ninder veile: · uns wære wirtes nôt, // der uns hînte gæbe · durch sîne milte daß brôt.“ // Dô sprach aber Eckewart: · „ich zeige iu einen wirt, // daß ir zuo hûse selten · baß komen birt, // in deheime lande, · als iu hie mac geschehen, // ob ir snelle degene · wellet Rüedegêren sehen. // „Der sitzet bî der strâße · und ist der beste wirt, // der ie kom ze hûse. · sîn herze tugende birt // alsam der liehte meie · daß gras mit bluomen tuot. // sô er sol helden dienen, · sô ist er vrœlîch gemuot.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „welt ir mîn bote sîn, // ob uns welle behalten · durch den willen mîn // mîn lieber vriunt Rüedegêr, · mîn mâge und unser man? // daß wil ich immer dienen, · sô ich aller beste kan.“ // „Der bote bin ich gerne,“ · sprach dô Eckewart. // mit vil guotem willen · houb er sich an die vart // und seite Rüedegêre, · als er hete vernomen. // im was in langen zîten · niht sô lieber mære komen. // Man sach ze Bechlâren · îlen einen degen. // selbe erkant in Rüedegêr; · er sprach: „ûf disen wegen // dort her gâhet Eckewart, · ein Kriemhilde man.“ // er wânde, daß die vînde · im heten leide getân. // Dô gie er vür die porte, · dâ er den boten vant. // daß swert er abe gurte · und leite eß von der hant. // er sprach zuo dem degene: · „waß habt ir vernomen, // daß ir alsô gâhet? · hât uns ieman iht genomen?“ // „Uns hat geschadet niemen,“ · sprach Eckewart zehant; // „mich habent drî künege · her zuoziu gesant: // Gunther von Burgunden, · Gîselher und Gêrnôt: // der recken ieslîcher · iu sînen dienest her enbôt. // „Daß selbe hât ouch Hagene, · dar zuo Volkêr // mit triuwen vlîßeclîchen; · noch sage ich iu mêr, // daß iu des küneges marschalc · Dancwart daß enbôt, // daß den guoten knehten · wær iuwer herberge nôt.“ // Mit lachendem munde · sprach dô Rüedegêr: // „nu wol mich dirre mære, · daß die künege hêr // geruochent mîner dienste; · der wirt in niht verseit. // koment si mir ze hûse, · des bin ich vrœlîch gemeit.“ // „Dancwart der marschalc · hieß iuch wißßen lân, // wen ir ze hûse · mit in soldet hân: // sehzec sneller recken · und tûsent rîter guot // und niun tûsent knehte.“ · dô wart er vrœlîch gemuot. // „Nu wol mich dirre geste,“ · sprach dô Rüedegêr, // „daß mir koment ze hûse · dise recken hêr, // den ich noch vil selten · iht gedienet hân. // nu rîtet in enkegene, · beide mâge unde man.“ // Dô îlten zuo den rossen · rîter unde kneht: // swaß in gebôt ir hêrre, · daß dûhtes alle reht. // dô ließens in der dienste · zogen deste baß. // eß wesse niht vrou Gotelint, · diu in ir kemenâten saß. // 27. Âventiure // wie si ze Bechelâren kômen. Dô gie der marcgrâve, · dâ er die vrouwen vant, // sîn wîp und sîne tohter, · und seite in zehant // diu lieben mære, · diu er hete vernomen, // daß in ir vrouwen bruoder · dar ze hûse solden komen. // „Vil liebe triutinne,“ · sprach dô Rüedegêr, // „ir sult vil wol enphâhen · die edelen künege hêr, // sô si mit ir gesinde · her ze hove gân. // ir sult ouch schône grüeßen · Hagenen Guntheres man. // „Mit in kumt ouch einer, · der heißet Dancwart; // der ander heißet Volkêr, · an zühten wol bewart. // die sehse sult ir küssen · und diu tohter mîn // und sult ouch bî den recken · in zühten güetlîchen sîn.“ // Daß lobten dô die vrouwen · und wâren sîn bereit: // si suohten ûß den kisten · diu hêrlîchen kleit, // dar inne si begegene · den recken wolden gân. // dâ wart vil michel vlîßen · von schœnen wîben getân. // Gevelschet vrouwen varwe · vil lützel man dâ vant. // si truogen ûf ir houbten · von golde liehtiu bant, // daß wâren schapel rîche, · daß in ir schœne hâr // zervuorten niht die winde; · si wâren hübsch unde clâr. // In solhen unmuoßen · sul wir die vrouwen lân. // hie wart vil michel gâhen · über velt getân // von Rüedegêres vriunden, · dâ man die vürsten vant. // si wurden wol enphangen · in des marcgrâven lant. // Dô si der marcgrâve · zuo im komen sach, // ze sînen lieben gesten · vrœlîch er dô sprach: // „sît willekomen, ir hêrren · und al iuwer man. // hie in mîme lande · vil gerne ich iuch gesehen hân.“ // Dô nigen im die recken · mit triuwen âne haß. // daß er in willec wære, · wol erzeigte er daß. // besunder gruoßter Hagenen: · den het er ê bekant; // sam tet er Volkêren · ûßer Burgunden lant. // Er enphie ouch Dancwarten. · dô sprach der küene degen: // „sît ir uns welt beruochen, · wer sol danne phlegen // unseres ingesindes · von Wormeß über Rîn?“ // dô sprach der marcgrâve: · „die angest sult ir lâßen sîn. // „Eß wirdet wol behalten, · swaß ir in daß lant // habt mit iu gevüeret, · ros, silber und gewant, // dem shaffe ich solhe huote, · daß sîn niht wirt verlorn, // daß iu ze schaden bringe · gegen einem halben sporn. // „Spannet ûf, ir knehte, · die hütten an daß velt; // swaß ir hie verlieset, · des wil ich wesen gelt: // ziehet ab die zoume, · diu ros lâßet gân.“ // daß het in wirt deheiner · dâ vor vil selten getân. // Des vreuten sich die geste. · dô daß geschaffet was, // die hêrren riten dannen. · sich leiten in daß gras // über al die knehte: · si heten guot gemach. // ich wæn, in an der verte · nie sô samfte geschach. // Diu edel marcgrâvinne · vür die burc was gegân // mit ir schœnen tohter. · dô sach man bî ir stân // minneclîche vrouwen · und manec schœne meit: // die truogen vil der bouge · unde hêrlîchiu kleit. // Daß edele gesteine · lûhte verre dan // ûß ir vil rîchen wæte: · si wâren wol getân. // dô kômen ouch die geste · und erbeißten sâ zehant. // hei, waß man grôßer zühte · an den von Burgunden vant! // Sehs und drîßec meide · und ander manec wîp, // den was wol ze wunsche · geschaffen der lîp: // die giengen in enkegene · mit manegem küenen man. // dô wart schône grüeßen · von edelen wîben getân. // Diu marcgrâvinne kuste · die künege alle drî: // alsam tet ir tohter. · dô stuont Hagene bî. // ir vater hieß in küssen: · dô blicte si in an: // er dûhte si sô vorhtlîch, · daß siß vil gerne hete lân. // Doch muoste si dâ leisten, · daß ir der wirt gebôt. // gemischet wart ir varwe, · bleich unde rôt. // si kuste ouch Dancwarten, · dar nâch den spilman: // durch sînes lîbes ellen · wart im daß grüeßen getân. // Diu junge marcgrâvinne · nam bî der hant // Gîselher den jungen · von Burgunden lant: // alsam tet ir muoter · Gunther den küenen man. // si giengen mit den helden · vil harte vrœlîchen dan. // Der wirt gie bî Gêrnôte · in einen wîten sal. // rîter unde vrouwen · gesâßen dâ ze tal. // dô hieß man balde schenken · den gesten guoten wîn. // jâ endorften nimmer · helde baß gehandelt sîn. // Mit lieben ougen blicken · wart gesehen an // Rüedegêres tohter: · diu was sô wol getân. // jâ trûtes in den sinnen · vil manec rîter guot; // daß kunde ouch si verdienen: · si was vil hôhe gemuot. // Si gedâhten, swes si wolden; · des enmoht ab niht geschehen. // hin und her widere · wart dâ vil gesehen // an meide und an vrouwen: · der saß dâ genuoc. // der edele videlære · dem wirte holden willen truoc. // Nâch gewonheite · sô schieden si sich dâ: // rîter unde vrouwen · die giengen anderswâ. // dô rihte man die tische · in dem sale wît; // den unkunden gesten · man diende willeclîche sît. // Durch der geste liebe · hin ze tische gie // diu edele marcgrâvinne; · ir tohter si dô lie // belîben bî den kinden, · dâ si von rehte saß. // die geste ir niht ensâhen: · si muote wærlîchen daß. // Dô si getrunken hêten · und geßßen über al, // dô wîsete man die schœnen · wider in den sal. // gemelîcher sprüche · wart dâ niht verdeit: // der reite vil dô Volkêr, · ein degen küene und gemeit. // Dô sprach offenlîchen · der selbe spilman: // „vil rîcher marcgrâve, · Got hât an iu getân // vil genædeclîchen, · wan er iu hât gegeben // ein wîp sô rehte schœne, · dar zuo ein wünneclîcheß leben. // „Ob ich ein vürste wære,“ · sprach der spilman, // „und solde tragen krône, · ze wîbe wolde ich hân // iuwer schœne tohter: · des wünschete mir der muot. // diu ist minneclîch ze sehene, · dar zuo edel unde guot.“ // Dô sprach der marcgrâve: · „wie möhte daß gesîn, // daß immer künic gerte · der lieben tohter mîn? // wir sîn hie ellende · beide, ich und mîn wîp, // und haben niht ze gebene: · waß hilfet danne ir schœner lîp?“ // Des antwurte Gêrnôt, · der wol gezogene man: // „und solde ich triutinne · nâch mîme willen hân, // sô wolde ich solhen wîbes · immer werden vrô.“ // des antwurte Hagene · harte zühteclîchen dô: // „Nu sol mîn hêrre Gîselher · nemen doch ein wîp: // eß ist sô hôher mâge · der marcgrâvinne lîp, // daß wir ir gerne dienden, · ich und sîne man, // und soldes under krône · dâ zen Burgunden gân.“ // Diu rede Rüedegêren · dûhte harte guot // und ouch Gotelinde: · jâ vreute si in den muot. // sît truogen an die helede, · daß si ze wîbe nam // Gîselher der edele, · als eß künege wol gezam. // Swaß sich sol gevüegen, · wer mac daß understên? // man bat die juncvrouwen · hin ze hove gên: // dô swuor man im ze gebene · daß wünneclîche wîp: // dâ lobte ouch er ze minnen · ir vil minneclîchen lîp. // Man beschiet der juncvrouwen · bürge unde lant. // des sichert dâ mit eiden · des edelen küneges hant // und der hêrre Gêrnôt, · daß wurde daß getân. // dô sprach der marcgrâve: · „sît ich der bürge niht enhân, // „Sô sol ich iu mit triuwen · immer wesen holt. // ich gibe zuo mîner tohter · silber unde golt, // sô hundert soumære · meist mügen tragen, // daß eß iu helden · nâch êren müge wol behagen.“ // Dô hieß man si beide · stên an einen rinc // nâch gewonheite. · vil manec jungelinc // in vrœlîchem muote · ir zegagene stuont: // si gedâhten in ir sinnen, · sô noch die tumben gerne tuont. // Dô man begunde vrâgen · die minneclîchen meit, // ob si den recken wolde, · ein teil was eß ir leit; // doch dâhte si ze nemene · den wætlîchen man. // si schamte sich der vrâge, · sô manec meit hât getân. // Ir riet ir vater Rüedegêr, · daß si spræche jâ // und daß si in gerne næme: · vil schiere dô was dâ // mit sînen wîßen handen, · der si umbeslôß, // Gîselher der junge; · swie lützel si sîn doch genôß. // Dô sprach der marcgrâve: · „ir edelen künege rîch, // als ir nu wider rîtet, · daß ist gewonlîch, // heim zuo ziuren landen, · sô gib ich iu mîn kint, // daß ir si mit iu vüeret,“ · daß gelobten si sint. // Swaß man dâ schalles hôrte, · den muosen si doch lân. // man hieß die juncvrouwen · ze kemenâten gân // und ouch die geste slâfen · mit ruowe an den tac. // do bereite man die spîse; · der wirt ir güetlîche phlac. // Dô si enbißßen wâren, · si wolden dannen varn // gên der Hiunen lande, · „daß hieß ich wol bewarn,“ // sprach der wirt edele, · „ir sult noch hie bestân, // wan ich sô lieber geste · selten iht gewunnen hân.“ // Des antwurte Dancwart: · „des mac niht gesîn: // wâ næmet ir die spîse, · daß brôt und ouch den wîn, // daß ir sô manegen recken · noch hînte müeßet hân?“ // dô daß der wirt erhôrte, · er sprach: „ir sult die rede lân. // „Mîne vil lieben hêrren, · ir sult mir niht versagen; // jâ gib ich iu die spîse · ze vierzehen tagen // mit allem dem gesinde, · daß mit iu her ist komen. // mir hât der künic Etzel · noch vil wênic iht genomen.“ // Swie sêre si sich werten, · si muosen dâ bestân // unz an den vierden morgen. · dô wart dâ getân // von des wirtes milte, · daß verre wart geseit: // er gap sînen gesten · beidiu ros unde kleit. // Eß kunde langer niht gewern, · si muosen dannen varn. // Rüedegêr der kunde · wênic iht gesparn // von sîner milte: · swes iemen gerte nemen, // daß verseiter niemen: · eß muose in allen wol gezemen. // Ir edel ingesinde · brâhte vür daß tor // gesatelt vil der mœre. · dô kom zuo in dâ vor // vil vremder recken: · die truogen schilt enhant, // wan si wolten rîten · in daß Etzelen lant. // Der wirt dô sîne gâbe · bôt über al, // ê die edelen geste · kœmen vür den sal. // er kunde miltlîche · mit grôßen êren leben: // sîne tohter schœne · het er Gîselher gegeben. // Dô gab er Gêrnôte · ein wâfen guot genuoc, // daß er sît in stürmen · vil hêrlîchen truoc. // der gâbe im wol gunde · des marcgrâven wîp; // dâ von der guote Rüedegêr · sît muose vliesen den lîp. // Dô gab er Guntheren, · dem helde lobelîch, // daß wol truoc mit êren · der edel künic rîch, // swie er selten gâbe enphienge, · ein wâfenlîch gewant. // dar nâch neic Gunther · des edelen Rüedegêres hant. // Gotelint bôt Hagenen, · als ir wol gezam, // ir minneclîche gâbe, · sît si der künic nam, // daß er âne ir stiure · zuo der hôhgezît // von ir niht varn solde: · doch widerreite er eß sît. // „Alles, des ich ie gesach,“ · sprach dô Hagene, // „so engerte ich hinnen mêre · niht zuo tragene // niuwan jenes schildes · dort an der want: // den wolde ich gerne · vüeren in Etzelen lant.“ // Dô diu marcgrâvinne · Hagenen rede vernam, // eß mande si ir leide: · weinens si gezam. // dô dâhte si vil tiure · an Nuodunges tôt, // den hete erslagen Witege: · dâ von het si jâmers nôt. // Si sprach zuo dem degene: · „den schilt wil ich iu geben. // daß wolde Got von himele, · daß er noch solde leben, // der in dâ truoc enhende! · der lac in sturme tôt. // den muoß ich immer weinen: · des gât mir armen wîbe nôt.“ // Diu edel marcgrâvinne · von dem sedele gie, // mit ir vil wîßen handen · si den schilt gevie: // diu vrouwe truoc in Hagenen; · er nam in an die hant. // diu gâbe was mit êren · an den recken gewant. // Ein hulft von liehtem phelle · ob sîner varwe lac. // beßßern schilt deheinen · belûhte nie der tac. // von edelem gesteine, · der sîn hete begert // ze koufen, an der koste · was er wol tûsent marke wert. // Den schilt hieß dô Hagene · von im tragen dan. // dô begunde Dancwart · hin ze hove gân. // dem gab vil rîchiu kleider · des marcgrâven kint, // diu er dâ zen Hiunen · truoc vil vrœlîchen sint. // Alleß, daß der gâbe · von in wart genomen, // in ir deheines hende · wær ir niht bekomen // wan durch des wirtes liebe, · derß in sô schône bôt. // sît wurden si im sô vîent, · daß si in slahen muosen tôt. // Volkêr der vil snelle · mit sîner videlen dan // gie gezogenlîchen · vür Gotelinde stân. // er videlte süeße dœne · und sanc ir sîniu liet: // dâ mit nam er urloup, · dô er von Bechlâren schiet. // Ir hieß diu marcgrâvinne · eine lade tragen, // von vriuntlîcher gâbe · muget ir hœren sagen: // dar ûß nam si zwelf bouge · und spien ims an die hant: // „die sult ir hinnen vüeren · in daß Etzelen lant // „Und sult durch mînen willen · si ze hove tragen: // swenne ir wider wendet, · daß man mir müge sagen, // wie ir mir habet gedienet · dâ ze der hôhzît.“ // des diu vrouwe gerte, · vil wol leistete er daß sît. // Dô sprach der wirt zen gesten: · „ir sult dest samfter varn: // ich wil iuch selbe leiten · und heißen wol bewarn, // daß iu ûf der straße · niemen müge schaden.“ // dô wurden sîne soume · harte schiere geladen. // Der wirt wart wol bereitet · mit vünf hundert man, // mit rossen und mit kleidern: · die vuorte er mit im dan // vil harte vrœlîchen · zuo der hôhgezît; // der einer mit dem lîbe · kom nie ze Bechlâren sît. // Mit kusse minneclîchen · der wirt dô dannen schiet: // alsô tet ouch Gîselher, · als im diu liebe riet. // mit umbesloßßen armen · si trûten schœniu wîp; // daß muose sît beweinen · vil maneger juncvrouwen lîp. // Dô wurden allenthalben · diu venster ûf getân. // der wirt mit sînen mannen · ze rossen wolde gân. // ich wæn, ir herze in seite · diu krefteclîchen leit: // dâ weinde manec vrouwe · und manec wætlîchiu meit. // Nâch ir lieben vriunden · genuoge heten sêr, // die si ze Bechelâren · gesâhen nimmer mêr. // doch riten si mit vreuden · nider über sant // ze tal bî Tuonouwe · in daß Hiunische lant. // Dô sprach zen Burgunden · der rîter vil gemeit, // Rüedegêr der edele: · „jâ suln niht verdeit // wesen unser mære, · daß wir zen Hiunen komen. // im hât der künic Etzel · nie so liebes niht vernomen.“ // Ze tal durch Ôsterrîche · vil manec bote reit: // den liuten allenthalben · wart daß wol geseit, // daß die helde kœmen · von Wormeß über Rîn. // des küneges ingesinde · kunde eß niht lieber gesîn. // Die boten vür strichen · mit den mæren, // daß die Niblungen · zuo den Hiunen wæren: // „du solt si wol enphâhen, · Kriemhilt, vrouwe mîn: // dir koment nâch grôßen êren · die vil lieben bruoder dîn.“ // Dô diu küneginne · vernam diu mære, // ir begunde entwîchen · ein teil ir swære: // von ir vater lande · kom ir vil manec man, // dâ von der künic Etzel · vil manegen jâmer sît gewan. // „Nu wol mich mîner vreuden,“ · sô sprach Kriemhilt. // „hie bringent mîne mâge · vil manegen niuwen schilt // und halsperge wîße: · swer nemen welle golt, // der denke mîner leide: · ich wil im immer wesen holt.“ // Si gedâhte tougenlîche: · „noch möhte es werden rât. // der mich an mînen vreuden · alsô gephendet hât, // mag ich daß gevüegen, · eß sol im leide ergân // ze dirre hôhgezîte, · des ich vil guoten willen hân. // „Ich solß alsô schaffen, · daß mîn râche ergê // in dirre hôhgezîte, · swieß dar nâch gestê, // an sînem argen lîbe, · der mir hât genomen // vil der mînen wünne: · des sol ich nu ze gelte komen.“ // 28. Âventiure // wie Kriemhilt Hagene enphie. Dô die Burgunden · kômen ûf daß velt, // ûf sluoc man drî künegen · sô hêrlîch gezelt. // si stießen ûf ir vanen, · die wârn von golde rôt. // dô wessen niht die hêrren, · daß in sô nâhent was der tôt. // Dô gienc diu vrouwe Kriemhilt · an ein zinnen stân, // dô sach si ûf dem velde · rîten manegen man. // des vreut sich tougenlîchen · daß wunderschœne wîp: // „alrêrst sô wirt gerochen · des küenen Sîvrides lîp, // „Der mir sô mortlîchen · ze tôde wart erslagen; // unz an mîn ende kan ich · in nimmer mê verklagen. // ouwê der grôßen êre, · die ich verloren hân; // eß gelac an vrouwen arme · nie sô tugenthafter man. // „Sîn vil grôße tugende · macht mir herzeleit: // swenne ich dar an gedenke, · als er von mir reit // mit sô gar gesundem lîp, · sô mêrt sich mîn klage: // mir darf niemen wîßen, · swaß ich grôßes leides trage. // „Got het mir in zeinem man · ûß aller welt erkorn. // wær tûsent manne tugende · an einem man geborn, // dannoch was ir mêre, · die Sîvrit eine truoc.“ // diu vrouwe klagt vil sêre, · zuo dem herzen si sich sluoc. // Schier wurden dem Bernære · diu mære kunt getân. // dô sach man in vil drâte · über den hof gân, // mit im Hilpranden · nâch rîterlîchen siten: // „vil edeliu küneginne, · daß sult ir lâßen vermiten, // „Daß man iuch siht weinen · zuo dirre hôhgezît. // und habt her besendet · ûß vremden landen wît // vil manegen werden recken · und manegen biderben man: // daß man iuch siht weinen, · daß stêt iu vil übel an.“ // „Ich mane dich dîner triuwe,“ · sprach si, „hêr Hildebrant, // ob du ie gâbe enphienge · von mîner gebenden hant, // sô rich mich an Hagene: · jâ gib ich dir mîn golt // und bin mit guoten triuwen · unz an mîn ende dir holt.“ // Dô sprach der Bernære: · „ir sît ein übel wîp, // daß ir iuwern mâgen · râtent an den lîp // und habt sô manegen boten · ze Rîne nâch in gesant: // sô sint si iu komen ze hûse · mit vil werlîcher hant. // „Neinâ, hêrre Hildebrant, · sô liep ich iu sî, // nu enphâch mir von dem Rîne · die künege alle drî // und heiß si ligen ze velde, · unz sô eß werde tac, // sô warne ich si mit triuwe · des aller besten, sô ich mac.“ // Hart gezogenlîchen · reit meister Hildebrant, // dâ er die drî künege · von dem Rîne vant: // er enbeißt vil rîterlîchen · und lie sich ûf diu knie, // daß er die drî künege · von dem Rîne dâ enphie; // „Bis willekomen hêr Gunther, · künic von dem Rîn: // sam sî hêr Gêrnôt, · der liebe bruoder dîn, // und Gîselher der junge · und Hagen ein starker man // und manec sneller recke, · der ich aller niht genennen kan. // „Iu enpiut der Bernære, · der liebe hêrre mîn, // vriuntschaft und hulde · und ganzen dienest sîn // und heißt iuch ligen ze velde, · unz eß werde tac: // sô warnt er iuch mit triuwen · des aller besten, sô er mac. // „Got müeße iuch behüeten · vor aller slahte nôt: // vor vierthalbem jâre · was iu bereit der tôt. // eß hat iur swester Kriemhilt · gesworn vil manegen eit, // daß si an iu wil rechen · ir vil grôßiu herzeleit. // „Er enpiut iu, daß ir mîdet, · als lieb iu sî daß leben, // daß niuwe hûs bî der Tuonouwe · ist iu herberge geben: // daß sult ir mir gelouben, · und kœme iur dar ein her, // ir müestent al ersterben · und kœm iur keiner ze wer. // „Dâ ligent in drî rôre, · diu sint innân hol, // diu sint geworht schône · mit swebel und mit kol: // diu sol man anzünden, · sô die dische sint bereit. // dâ vor solt ir iuch hüeten, · ir stolzen helde vil gemeint.“ // Des erschrac der künic sêre, · diu rede was im leit. // „nu lôn dir Got, Hildebrant, · daß du uns hâst geseit, // daß du hâst gewarnet · uns ellende man: // ich sich, wir hie zen Hiunen · lützel triuwe vunden hân.“ // Des erlachten die jungen · und hielten eß vür spot. // dô sprâchen die wîsen: · „dâ vor behüete uns Got. // wir sîn durch grôße triuwe · geriten in daß lant; // si hât vil manegen boten · hin nâch uns ze Rîne gesant.“ // Nu sprach gezogenlîche · der hêrre Gêrnôt: // „uns hât mîn swester Kriemhilt · geladen in den tôt. // wir sîn durch grôße triuwe · geriten zuo der stat, // wan uns mîn schœne swester · von dem Rîn ze hûse bat.“ // Dô sprach der videlære, · der küene Volkêr: // „ich bin von dem Rîne · durch gâbe geriten her. // des wil ich mich verßîhen,“ · sô sprach der spilman; // „ich videle mit dem swerte · daß allerbeste, daß ich kan. // „Ich erzeige in mîne dœne, · si müeßen ûf hôher stân: // und welnt si niht erwinden, · eß mac in sô ergân, // ich slahe in eteslîchem · einen swinden gîgenslac, // und hât er liebe mâge, · daß er eß wol klagen mac.“ // Dô Hildebrant der alte · wolte dannen gân, // Gîselher der junge · bat in stille stân: // er gab im einen mantel, · den er im zêren truoc: // vür drîßec marc goldes · hete er phandes genuoc. // Dô zim genam den mantel · meister Hildebrant, // er reit gezogenlîchen, · da er den von Berne vant: // „seht den rîchen mantel, · den ich an mir hân, // den gap mir Gîselher der junge, · dâ ich von im wolde gân.“ // Dô die Burgunden · kômen in daß lant, // do gevriesch eß von Berne · der alte Hildebrant. // er seite eß sîme hêrren; · eß was im harte leit: // er bat in wol enphâhen · die rîter küene und gemeit. // Wolfhart der snelle · hieß bringen diu marc. // dô reit mit Dietrîche · vil manec degen starc, // dâ er si grüeßen wolde, · zuo in an daß velt. // dâ hetens ûf gebunden · vil manec hêrlîch gezelt. // Dô si von Tronje Hagene · verrist rîten sach, // zuo den sînen hêrren · gezogenlîch er sprach: // „nu sult ir snelle recken · von dem sedele stân // und gêt in hin enkegene, · die iuch hie wellent enphân. // „Dort kumt ein hergesinde, · daß ist mir wol bekant. // eß sint vil snelle degene · von Amelunge lant. // si vüeret der von Berne: · si sint vil hôch gemuot. // nu lât iu niht versmâhen, · swaß man iu dienest getuot.“ // Dô stuonden von den rossen, · daß was michel reht, // neben Dietrîche · manc rîter unde kneht. // si giengen zuo den gesten, · dâ man die helde vant: // si gruoßten minneclîche · die von Burgunden lant. // Dô si der hêrre Dietrîch · gên im komen sach, // lieb unde leide · im dar an geschach. // er weste wol diu mære, · ir reise was im leit; // er wânde, eß weste Rüedegêr, · daß erß in hête geseit. // „Sît willekomen, ir hêrren, · Gunther und Gîselher, // Gêrnôt unde Hagene; · sam sî hêr Volkêr // und Dancwart der snelle. · ist iu daß niht bekant? // Kriemhilt noch sêre weinet · den helt von Niblunge lant.“ // „Si mac vil lange weinen,“ · sprach dô Hagene: // „er lît vor manegem jâre · ze tôde erslagene. // den künic von den Hiunen · sol si nu holden haben: // Sîvrit kumt niht widere, · er ist nu lange begraben.“ // „Die Sîvrides wunden · lâßen wir nu stên: // sol leben mîn vrou Kriemhilt, · sô mac schade ergên.“ // sô redete von Berne · der hêrre Dietrich. // „trôst der Niblunge, · dâ vor behüete du dich.“ // „Wie sol ich mich behüeten?“ · sprach der künic hêr. // „Etzel uns boten sande, · waß sold ich vrâgen mêr? // daß wir zuo im solden · rîten in daß lant: // ouch hât uns manec mære · mîn swester Kriemhilt gesant.“ // „Sô wil ich iu gerâten,“ · sprach aber Hagene, // „bitet iu diu mære · baß ze sagene // den hêrren Dietrîchen · und sîne helde guot, // daß si iuch lâßen wißßen · der vrouwen Kriemhilde muot.“ // Dô giengen sunder sprâchen · die drî künege rîch, // Gunther unde Gêrnôt · und ouch hêr Dietrîch. // „nu sag uns, von Berne · vil edel rîter guot, // wie dir sî gewißßen · umb der küneginne muot.“ // Dô sprach der vogt von Berne: · „waß sol ich iu sagen? // wan daß ich alle morgen · weinen hœr unt klagen // mit jæmerlîchen sinnen · daß Etzelen wîp // dem rîchen Got von himele · des starken Sîvrides lîp.“ // „Eß ist et unerwendet,“ · sprach der küene man, // Volkêr der videlære, · „daß wir vernomen hân. // wir suln ze hove rîten · und suln daß besehen, // waß uns snellen degenen · müge zen Hiunen geschehen.“ // Die küenen Burgunden · hin ze hove riten: // si kômen hêrlîchen · nâch ir landes siten. // dô wundert dâ zen Hiunen · vil manegen küenen man // umb Hagnen von Troneje, · wie der wære getân. // Durch daß man seite mære, · des was im genuoc, // daß er von Niderlanden · Sîvriden sluoc, // sterkest aller recken, · vroun Kriemhilde man: // des wart michel vrâgen · ze hove nâch Hagenen getân. // Der helt was wol gewahsen, · daß ist alwâr, // grôß was er zen brüsten, · gemischet was sîn hâr // mit einer grîsen varwe, · diu bein wârn im lanc, // eislîch sîn gesiune, · er hete hêrlîchen ganc. // Dô hieß man herbergen · die Burgunden man. // Gunthers gesinde · wart gesundert dan. // daß riet diu küneginne, · diu im vil haßßes truoc: // dâ von man sît die knehte · an der herberge sluoc. // Dancwart, Hagenen bruoder, · der was marschalch; // der künec im sîn gesinde · vlîßeclîch bevalch, // daß er ir volleclîche · mit spîse solde phlegen. // daß tet dô willeclîche · mit triuwe der vil küene degen. // Kriemhilt diu schœne · mit ir gesinde gie, // dâ si die Niblunge · mit valschem muote enphie. // si kuste Gîselheren · und nam in bî der hant. // daß sach von Tronje Hagene: · den helm er vester gebant. // „Nâch sus getânem gruoße,“ · sô sprach Hagene, // „mugen sich verdenken · snelle degene; // man grüeßet sunderlîchen · die künege und ir man: // wir haben niht guoter reise · zuo dirre hôhzît getân.“ // Si sprach: „nu sît willekomen, · swem iuch gerne siht: // durch iuwer selbes vriuntschaft · grüeße ich iuch niht. // saget, waß ir mir bringet · von Wormeß über Rîn, // dar umbe ir mir sô grôße · soldet willekomen sîn?“ // „Waß sint disiu mære,“ · sprach dô Hagene, // „daß iu gâbe solden · bringen degene? // ich wære wol sô rîche, · het ich mich baß verdâht, // daß ich iu mîne gâbe · her zen Hiunen hete brâht.“ // „Nu sult ir mich der mære · mêre wißßen lân, // hort der Niblunge, · war habt ir den getân? // der was doch mîn eigen: · daß ist iu wol bekant: // den soldet ir mir bringen · in daß Etzelen lant.“ // „Entriuwen, mîn vrou Kriemhilt, · des ist manec tac, // daß ich der Niblunge · hortes nie gephlac. // den hießen mîne hêrren · senken in den Rîn: // dâ muoß er wærlîche · unz an daß jungiste sîn.“ // Dô sprach diu küneginne: · „ich hâns ouch wol gedâht. // ir habt mirs noch vil kleine · her ze lande brâht, // swie er mîn eigen wære · und ich sîn wîlent phlac; // nach im und sîme hêrren · hân ich manegen leiden tac.“ // „Ich bringe iu den tiuvel,“ · sprach aber Hagene, // „ich hân an mîme schilde · sô vil ze tragene // und an mîner brünne: · mîn helme der ist lieht, // daß swert an mîner hende: · des enbringe ich iu niht.“ // „Jane rede ichß niht dar umbe, · deich mêre goldes welle gern. // ich hâns sô vil ze gebene, · deich iuwer gâbe mac enbern. // ein mort und zwêne roube · die mir sint genomen, // des möhte ich vil arme · noch ze liebem gelte komen.“ // Dô sprach diu küneginne · zen recken über al: // „man sol deheiniu wâfen · tragen in den sal; // ir helde, ir sult mirs ûf geben: · ich wils behalten lân.“ // „entriuwen,“ sprach dô Hagene, · „daß wirdet nimmer getân. // „Jane ger ich niht der êren, · vürsten tohter milt, // daß ir zen herbergen · traget mînen schilt // und ander mîn gewæfen. · ir sît ein künegîn. // daß enlêrte mich mîn vater niht: · ich wil selbe kamerære sîn.“ // „Ouwê mîner leide,“ · sprach vrou Kriemhilt: // „war umbe wil mîn bruoder · und Hagne sînen schilt // niht lâßen behalten? · si sint gewarnôt. // und wesse ich, wer daß tæte, · ich riete im immer sînen tôt.“ // Des antwurte ir mit zorne · der hêrre Dietrîch: // „ich binß, der hât gewarnet · die edelen vürsten rîch // und Hagnen den küenen, · den Burgunden man. // nu zuo, vâlandinne, · du solt michs niht genießen lân.“ // Des schamte sich vil sêre · daß Etzelen wîp: // si vorhte bitterlîchen · Dietrîches lîp. // si gie von im balde, · daß si niht ensprach, // wan daß si swinde blicke · an ir vîende sach. // Bî henden sich dô viengen · zwêne degene: // daß eine was hêr Dietrîch, · daß ander Hagene. // dô sprach gezogenlîchen · der recke vil gemeit: // „iur komen ze den Hiunen · ist mir wærlîchen leit, // „Durch daß diu küneginne · alsô gesprochen hât.“ // dô sprach von Troneje Hagen: · „des wirt wol alles rât.“ // sus reiten mit ein ander · die zwêne küene man. // daß sach der künic Etzel; · dar umbe er vrâgen began: // „Diu mære ich weste gerne,“ · sprach der künic rîch, // „wer jener recke wære, · den dort hêr Dietrîch // sô vriuntlîch enphâhet. · er treit vil hôhen muot: // swer sîn vater wære, · er mac wol sîn ein recke guot.“ // Des antwurte dem künege · ein Kriemhilde man: // „er ist geborn von Troneje, · sîn vater hieß Aldrîân. // swie blîde er hie gebâre, · er ist ein grimmec man: // ich lâß iuch daß beschouwen, · daß ich gelogen niene hân.“ // „Wie sol ich daß erkennen, · daß er sô grimmec ist?“ // dannoch er niht weste · sô manegen argen list, // den sît diu küneginne · an ir mâgen begie, // daß si ir nie deheinen · von den Hiunen komen lie. // „Wol erkande ich Hagenen: · wan er was mîn man. // lop und michel êre · er hie bî mir gewan. // ich machte in ze rîter · und gab im mîn golt. // durch daß er getriuwe was, · des muose ich im wesen holt. // „Dâ von ich wol erkenne · alleß Hagnen sint. // eß wâren mîne gîsel · zwei wætlîchiu kint, // er und von Spâne Walther: · die wuohsen hie ze man. // Hagne sand ich wider heim; · Walther mit Hiltegunde entran.“ // Er gedâhte lieber mære, · diu wâren ê geschehen. // sînen vriunt von Troneje · hete er reht ersehen, // der im in sîner jugende · vil starkiu dienest bôt; // sît vrumt er im in alter · vil manegen lieben vriunt tôt. // 29. Âventiure // wie Hagene und Volkêr vor Kriemhilde sal sâßen. Dô schieden sich die zwêne · recken lobelîch, // Hagene von Troneje · und ouch hêr Dietrîch. // dô blikte über ahsel · der Guntheres man // nâch eime hergesellen, · den er vil schiere gewan. // Dô sach er Volkêren · bî Gîselhere stên, // den spæhen videlære: · er bat in mit im gên, // wan er vil wol erkande · sînen grimmen muot. // er was an allen tugenden · ein rîter küene unde guot. // Noch ließen si die hêrren · ûf dem hove stân. // niuwan si zwêne aleine · sach man dannen gân // über den hof vil verre · vür einen palas wît. // die ûß erwelten degene · vorhten niemannes nît. // Si gesâßen vor dem hûse · gein eime sal, // der was Kriemhilde, · ûf eine banc ze tal. // dô lûhte in vor dem lîbe · ir hêrlîch gewant. // genuoge, die daß sâhen, · hetens gerne bekant. // Alsam tier diu wilden · gekaphet wurden an // die übermüeten helde · von den Hiunen man. // si ersach durch ein venster · daß Etzelen wîp: // des wart aber betrüebet · der schœnen Kriemhilde lîp. // Eß mande si ir leide, · weinen si began. // des hete michel wunder · die Etzelen man, // waß ir sô rehte swære · verrihtet hete ir muot. // si sprach: „daß hât Hagene, · ir helde küene unde guot. // Si sprâchen zuo der vrouwen: · „wie ist daß geschehen? // wan wir iuch niulîche · haben vrô gesehen. // nie niemen wart sô küene, · derß iu hât getân, // heißet irß uns rechen, · eß sol im an sîn leben gân.“ // „Daß wolde ich immer dienen, · swer ræche mîniu leit: // alles, deß er gerte, · des wær ich im bereit. // ich biut mich iu ze vüeßen,“ · sprach des küneges wîp: // „rechet mich an Hagenen, · daß er verliese den lîp.“ // Dô garten sich vil balde · sehzec küener man: // durch Kriemhilde willen · si wolden hin gân // und wolden slahen Hagenen, · den vil küenen man, // und ouch den videlære. · daß wart mit râte getân. // Dô diu küneginne · ir schar sô kleine sach, // in einem grimmen muote · si ze den helden sprach: // „des ir dâ habet gedinge, · des sult ir abe gân: // ja endurfet ir sô ringe · Hagenen nimmer bestân. // „Swie stark und swie küene · von Troneje Hagne sî, // noch ist verre sterker, · der im dâ sitzet bî, // Volkêr der videlære: · der ist ein übel man. // ja ensult ir die helde · niht sô lîhte bestân.“ // Dô si daß gehôrten, · dô garte sich ir mêr, // vier hundert recken. · diu küneginne hêr // was des vil genœte, · daß si in tæte leit. // dâ von wart sît den degenen · michel sorge bereit. // Dô si wol gewâfent · ir gesinde sach, // zuo den snellen recken · diu küneginne sprach: // „nu bîtet eine wîle: · jâ sult ir stille stân. // ich wil under krône · ze mînen vîenden gân. // „Und hœret itewîße, · waß mir hât getân // Hagene von Troneje, · Guntheres man: // ich weiß in sô gemuoten, · daß er mir lougent niht; // sô ist ouch mir unmære, · swaß im dar umbe geschiht.“ // Dô sach der videlære, · ein küene spilman, // die edelen küneginne · ab einer stiegen gân // nider abeme hûse. · dô er daß ersach, // Volkêr der küene · zuo sîme hergesellen sprach: // „Nu schouwet, vriunt Hagene, · wâ si dort here gât, // diu uns âne triuwe · inß lant geladet hât. // in gesach mit küneges wîbe · nie sô manegen man, // die swert enhende trüegen, · alsô strîtlîchen gân. // „Wißßet ir, vriunt Hagene, · ob si iu sîn gehaß? // sô wil ich iu daß râten, · ir hüetet deste baß // des lîbes und der êren; · jâ dunket eß mich guot. // als ich mich versinne, · si sint vil zornec gemuot, // „Und sint ouch sumelîche · zen brusten alsô wît, // swer sîn selbes hüeten wil, · der tuo daß enzît. // ich wæn, si under sîden · die vesten prünne tragen. // waß si dâ mite meinen, · daß enhœr ich niemen sagen.“ // Dô sprach in zornes muote · Hagne der küene man: // „ich weiß wol, daß eß alleß · ist ûf mich getân, // daß si diu liehten wâfen · tragent an der hant; // vor den möht ich gerîten · noch in der Burgunden lant. // „Nu saget mir, vriunt Volkêr, · welt ir mir gestân, // ob mit mir wellent strîten · Kriemhilde man? // daß lâßet ir mich hœren, · als liep als ich iu sî. // ich won iu immer mêre · mit triuwen dienstlîchen bî.“ // „Ich hilfe iu sicherlîchen,“ · sô sprach der spilman. // „ob ich uns hie engegene · sæhe den künic gân // mit allen sînen recken, · die wîle ich leben muoß, // so entwîche ich iu durch vorhte · ûß helfe nimmer einen vuoß.“ // „Nu lôn iu Got von himele, · vil edel Volkêr. // ob si mit mir strîten, · wes bedarf ich danne mêr? // sît ir mir helfen wellet, · als ich hân vernomen, // sô suln dise recken · vil gewerlîchen komen.“ // „Nu stê wir von dem sedele,“ · sprach der spilman: // „si ist ein küneginne: · und lât si vür gân. // bieten ir die êre: · si ist ein edel wîp. // dâ mite ist ouch getiuwert · unser ietweders lîp.“ // „Nein, durch mîne liebe,“ · sprach dô Hagene. // „sô wolden sich versinnen · dise degene, // daß ichß durch vorhte tæte, · und solde ich hin gên. // ine wil durch ir deheinen · nimmer von dem sedel stên. // „Jâ zimet eß uns beiden · zwâre lâßen baß. // zwiu sold ich den êren, · der mir ist gehaß? // daß getuon ich nimmer, · die wîl ich hân den lîp: // jane ruoche ich, waß mich nîdet · des künic Etzelen wîp.“ // Der übermüete Hagene · leit über sîniu bein // ein vil liehteß wâfen, · ûß des knophe schein // ein vil liehter jaspis · grüener denne ein gras. // wol erkande eß Kriemhilt, · daß eß Sîvrides was. // Dô si daß swert erkande, · dô gie ir trûrens nôt. // daß gehilz was guldîn, · diu scheide ein borte rôt, // eß mande si ir leide: · weinen si began; // ich wæne, eß hete dar umbe · der küene Hagne getân. // Volkêr der snelle · zôch nâher ûf der banc // einen videlbogen starken, · michel unde lanc, // gelîch eime swerte, · scharph unde breit. // dô sâßen unervorhten · die zwêne recken gemeit. // Nu dûhten sich sô hêre · die zwêne küene man, // daß si niht enwolden · von dem sedel stân // durch niemannes vorhte. · des gieng in an den vuoß // diu edele küneginne · und bôt in vîntlîchen gruoß. // Si sprach: „nu saget, hêr Hagene, · wer hât nâch iu gesant, // daß ir getorstet rîten · her in ditze lant, // und ir daß wol erkandet, · waß ir mir habet getân? // hetet ir guote sinne, · ir soldetß billîchen lân.“ // „Nâch mir ensande niemen,“ · sprach dô Hagene. // „man ladete her ze lande · drîe degene, // die heißent mîne hêrren: · sô bin ich ir man; // deheiner hovereise · bin ich hinder in gestân.“ // Si sprach: „nu saget mir mêre, · zwiu tâtet ir daß, // daß ir daß habt verdienet, · daß ich iu bin gehaß? // ir sluoget Sîvriden, · mînen lieben man, // des ich unz an mîn ende · immer mêr ze weinne hân.“ // Er sprach: „waß sol des mêre? · der rede ist nu genuoc. // ich binß et aber Hagene, · der Sîvriden sluoc, // den helt ze sînen handen: · wie sêre er des enkalt, // daß diu vrouwe Kriemhilt · die schœnen Prünhilde schalt! // „Eß ist et âne lougen, · küneginne rîch, // ich hân des alles schulde, · des schaden schedelîch. // nu reche eß, swer sô welle, · eß sî wîp oder man. // ich enwolde iu danne liegen, · ich hân iu leides vil getân.“ // Si sprach: „daß hœret, recken, · wâ er mir lougent niht // aller mîner leide. · swaß im dâ von geschiht, // daß ist mir vil unmære, · ir Etzelen man.“ // die übermüeten degene · sâhen alle ein ander an. // Swer den strît dâ hüebe, · sô wære dâ geschehen, // daß man den zwein gesellen · der êren müeße jehen, // wan siß in stürmen hêten · vil dicke wol getân. // des sich jene vermâßen, · durch vorhte muosen si daß lân. // Dô sprach ein der recken: · „wes seht ir mich an? // daß ich ê dâ lobete, · des wil ich abe gân, // durch niemannes gâbe · verliesen mînen lîp. // jâ wil uns verleiten · des künic Etzelen wîp.“ // Dô sprach dâ bî ein ander: · „des selben hân ich muot. // der mir gæbe türne · von rôtem golde guot, // disen videlære · wolde ich niht bestân // durch sîne swinde blicke, · die ich an im gesehen hân. // „Ouch erkenne ich Hagenen · von sînen jungen tagen: // des mac man von dem recken · lîhte mir gesagen. // in zwein und zweinzec stürmen · hân ich in gesehen, // dâ vil maneger vrouwen · ist herzeleit von im geschehen. // „Er und der von Spâne · trâten manegen stîc, // dô si hie bî Etzel · vâhten manegen wîc // ze êren dem künege: · des ist vil geschehen: // dar umbe sol man Hagenen · der êren billîchen jehen. // „Dannoch was der recke · sîner jâre ein kint, // daß dô die tumben wâren, · wie grîse die nu sint. // nu ist er komen ze witzen · und ist ein grimmec man; // ouch treit er Balmungen, · daß er übele gewan.“ // Dâ mite was gescheiden, · daß niemen dâ enstreit. // dô wart der küneginne · vil herzenlîchen leit. // die helden kêrten dannen; · jâ vorhten si den tôt // von dem videlære: · des gie in sicherlîchen nôt. // Wie dicke man durch vorhte · manegiu dinc verlât, // swâ sô vriunt bî vriunde · güetlîchen stât! // und hât er guote sinne, · daß er sîn niht entuot, // schade vil maneges mannes · wirt von sinnen wol behuot. // Dô sprach der küene Volkêr: · „wir hân daß wol ersehen, // daß wir hie vinden vînde, · als wir ê hôrten jehen. // wir suln zuo den künegen · hin ze hove gân, // so entar unser hêrren · mit strîte niemen bestân.“ // „Nu wil ich iu volgen,“ · sprach dô Hagene. // si giengen, dâ si vunden · vil der degene // in grôßem antphange · noch an dem hove stân. // Volkêr der küene · vil lûte sprechen began. // Er sprach zuo sînen hêrren: · „wie lange welt ir stên, // daß ir iuch lâßet dringen? · ir sult ze hove gên // und hœret an dem künege, · wie der sî gemuot.“ // dô sach man sich gesellen · die helde küene unde guot. // Der vürste von Berne · der nam an die hant // Gunthern den vil rîchen · von Burgunden lant; // Irnvrit nam Gêrnôten, · den vil küenen man; // dô sach man Gîselheren · ze hove mit sînem sweher gân. // Swie iemen sich gesellete · und ouch ze hove gie, // Volkêr und Hagene · geschieden sich nie // niuwan in eime sturme · unz an ir endes zît. // daß muosen edele vrouwen · beweinen grœßlîchen sît. // Dô sach man mit den künegen · hin ze hove gân // ir edelen ingesindes · tûsent küener man, // dar über sehzec recken: · die wâren mit in komen, // die hete in sîme lande · der küene Hagene genomen. // Hâwart und Îrinc, · zwêne ûß erwelte man, // sach man geselleclîchen · bî den künegen gân. // Dancwart und Wolfhart, · ein tiuwerlîcher degen, // die sach man grôßer tugende · vor den anderen phlegen. // Dô der vogt von Rîne · in den palas gie, // Etzel der rîche · daß langer niht enlie, // er spranc von sîme sedele, · als er in komen sach. // ein gruoß sô rehte schœne · von künege nie mêr geschach. // „Sît willekomen, hêr Gunther · und ouch hêr Gêrnôt // und iuwer bruoder Gîselher, · mîn dienst ich iu enbôt // mit triuwen willeclîchen · ze Wormeß über Rîn, // und alleß daß gedigene · daß sol mir willekomen sîn. // „Nu sît uns grôße willekomen, · ir zwêne degene, // Volkêr der vil küene · und ouch Hagene, // mir und mîner vrouwen · her in ditze lant: // si hât iu boten manegen · hin ze Rîne gesant.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „des hân ich vil vernomen. // wær ich durch mîne hêrren · zen Hiunen niht enkomen, // sô wær ich iu zen êren · geriten in daß lant.“ // dô nam der wirt edele · die lieben geste bî der hant. // Er brâhte si zem sedele, · dâ er ê selbe saß. // dô schancte man den gesten, · mit vlîße tet man daß, // in wîten goldes schâlen · met, môraß unde wîn // und bat die ellenden · grôße willekomen sîn. // Dô sprach der künic Etzele: · „daß wil ich iu verjehen, // mir enkunde in dirre werlde · lieber niht geschehen // danne an iu helden, · daß ir mir sît bekomen. // des ist der küneginne · vil michel trûren benomen. // „Mich nimt des immer wunder, · waß ich iu habe getân, // sô manegen gast vil edele, · den ich gewunnen hân, // daß ir nie geruohtet · komen in mîniu lant. // daß ich iuch nu gesehen hân, · deist mir ze vreuden gewant.“ // Des antwurte Rüedegêr, · ein rîter hôch gemuot: // „ir mugt si sehen gerne, · ir triuwe diu ist guot, // der mîner vrouwen mâge · sô schône kunnen phlegen. // si bringent iu ze hûse · manegen wætlîchen degen.“ // An sunewenden âbent · die hêrren wâren komen // in Etzeln hof des rîchen. · vil selten ist vernomen // von alsô hôhem gruoße, · als er die helde enphie. // dar nâch er zuo den tischen · mit in vil vrœlîche gie. // Ein wirt bî sînen gesten · schôner nie gesaß. // man gab in volleclîchen · trinken unde maß: // alles, des si gerten, · des was man in bereit. // man hete von den helden · vil michel wunder geseit. // Etzel der rîche · het an bou geleit // sînen vlîß kostenlîche · mit grôßer arebeit: // palas unde türne, · kemenâten âne zal // in einer wîten bürge · und einen hêrlîchen sal. // Den het er heißen bouwen · lanc, hôch und wît, // durch daß sô vil der recken · in suohte zaller zît, // ân ander sîn gesinde · zwelf rîche künege hêr // und vil der werden degene · het er zallen zîten mêr, // Denne künic ie gewünne, · als ich vernomen hân. // er lebte in hôher wünne · von mâgen unde man. // schallen unde dringen · het der vürste guot // von manegem snellen degene: · des stuont im hôhe der muot. // 30. Âventiure // wie si der schiltwaht phlâgen. Der tac hete nu ende · und nâhet in diu naht. // die wegemüeden recken · ir sorge an vaht, // wanne si solden ruowen · und an ir bette gân. // daß bereite Hagene: · eß wart in schiere kunt getân. // Gunther sprach ze dem wirte: · „Got lâße iuch wol geleben; // wir wellen varn slâfen: · ir sult uns urloup geben. // swenne ir daß gebietet, · sô kome wir morgen vruo.“ // er schiet von sînen gesten · harte vrœlîchen duo. // Dringen allenthalben · die geste man dô sach. // Volkêr der küene · zuo den Hiunen sprach: // „wie geturret ir den recken · vür die vüeße gân? // und welt ir iuchs niht mâßen, · sô wirt iu leide getân. // „Sô slah ich eteslîchem · sô swæren gîgen slac, // hât er getriuwen iemen, · daß erß beweinen mac. // wan wîchet ir uns recken? · jâ dunket eß mich guot. // eß heißent alleß degene · und sint gelîche niht gemuot.“ // Dô der videlære · sô zorneclîchen sprach, // Hagene der küene · über ahsel sach. // er sprach: „iu râtet rehte · der küene spilman. // ir Kriemhilde helde · sult ze herberge gân. // „Des ir dâ habt gedingen, · ich wæne, eß ieman tuo. // welt ir iht beginnen, · sô kumet uns morgen vruo // und lât uns wegemüeden · hînte haben gemach: // jâ wæn eß von helden · mit solhem willen ie geschach.“ // Dô brâhte man die geste · in einen wîten sal, // den vunden si berihtet · den recken über al // mit vil rîchen betten · lanc unde breit. // in riet diu küneginne · diu aller grœßisten leit. // Manegen kolter spæhe · von Arraß man dâ sach // von vil liehten phellen · und manec bette dach // von Arâbischen sîden, · sô si beste kunden sîn; // dar ûfe lâgen lîsten, · die gaben hêrlîchen schîn. // Declachen hermîn · vil manegiu man dâ sach // und von swarzem zobele, · dar under si ir gemach // des nahtes schaffen solden · unz an den liehten tac. // ein künec mit sîme gesinde · nie sô hêrlîch gelac. // „Ouwê der nahtselde,“ · sprach Gîselher daß kint, // „und ouwê mîner vriunde, · die mit uns komen sint. // swie eß uns mîn swester · sô güetlîch erbôt, // ich vürhte, wir müeßen alle · von ir schulden ligen tôt.“ // „Nu lât iuwer sorgen,“ · sprach Hagene der degen. // „ich wil der schiltwache · noch hînte selbe phlegen. // ich trouwe iuch wol behüeten, · unz uns kumet der tac. // des sît gar ân angest: · sô genese, swer der mac.“ // Dô nigen si im alle · und seiten im des danc. // si giengen zuo den betten. · diu wîle was niht lanc, // daß sich geleit hêten · die wætlîchen man. // Hagene der küene · der helt sich wâfen began. // Dô sprach der videlære, · Volkêr der degen: // „versmâhetß iu niht, Hagene, · sô wold ich mit iu phlegen // hînt der schiltwache · unz morgen vruo.“ // der helt vil minneclîchen · dancte Volkêre duo. // „Nu lône iu Got von himele, · vil lieber Volkêr. // zallen mînen sorgen · sone gerte ich niemen mêr // niuwan iuch aleine, · swâ ich hete nôt. // ich sol eß wol verdienen, · mich enwendes der tôt.“ // Dô garten si sich bêde · in liehteß ir gewant. // dô nam ir ietwedere · den schilt an sîne hant // und giengen ûß dem hûse · vür die tür stân. // dô phlâgen si der geste: · daß was mit triuwen getân. // Volkêr der snelle · zuo des sales want // sînen schilt den guoten · leint er von der hant. // dô gie er hin widere, · sîn gîgen er genam: // dô diende er sînen vriunden, · als eß dem helde gezam. // Under die tür des hûses · saß er ûf den stein. // küener videlære · wart noch nie dehein. // dô im der seiten dœnen · sô süeßlîch erklanc, // die stolzen ellenden · die seitens Volkêre danc. // Dô klungen sîne seiten, · daß al daß hûs erdôß: // sîn ellen zuo der vuoge · diu wâren beidiu grôß. // süeßer unde senfter · gîgen er began: // do enswebete er an den betten · vil manegen sorgenden man. // Dô si entslâfen wâren · und er daß ervant, // dô nam der degen widere · den schilt an die hant // und gie ûß dem gademe · vür die türe stân // und huote sîner vriunde · vor den Kriemhilde man. // Des nahtes wol enmitten, · ine weiß, eß ê geschach, // Volkêr der vil küene · schînen helmen sach // verre ûß einer vinster: · die Kriemhilde man // wolden an den gesten · schaden gerne hân getân. // Ê Kriemhilt dise recken · hete dan gesant, // si sprach: „ob irs sô vindet, · durch Got sô sît gemant, // daß ir dâ slahet niemen · wan den einen man, // den ungetriuwen Hagenen; · die andern sult ir leben lân.“ // Dô sprach der videlære: · „vriunt, her Hagene, // uns zimt disiu sorge · ensamt ze tragene. // ich sihe gewâfent liute · vor dem hûse stên: // als ich mich versinne, · ich wæne, si wellent uns bestên.“ // „Nu swîget,“ sprach dô Hagene, · „lât si her nâher baß. // ê si unser werden innen, · sô wirt hie helmevaß // verrucket mit den swerten · von unser zweier hant: // si werdent Kriemhilde · hin wider übele gesant.“ // Ein der Hiunen recken · vil schiere daß gesach, // diu tür was behüetet: · wie balde er dô sprach: // „des wir dâ heten willen, · jane mag es niht ergân: // ich sihe den videlære · an der schiltwache stân. // „Der treit ûf sîme houbte · einen helmen glanz, // lûter unde herte, · starc unde ganz. // ouch lohent im die ringe, · sam daß viuwer tuot. // bî im stêt ouch Hagene: · des sint die geste wol behuot.“ // Zehant si kêrten widere. · dô Volkêr daß ersach, // wider sînen gesellen · er zorneclîchen sprach: // „nu lât mich zuo den recken · von dem hûse gân: // ich wil vrâgen mære · der vrouwen Kriemhilde man.“ // „Nein, durch mîne liebe,“ · sprach dô Hagene, // „komt ir von dem hûse, · die snellen degene // bringent iuch mit swerten · lîhte in solhe nôt, // daß ich iu müese helfen, · wærß aller mîner mâge tôt. // „Sô wir danne beide · kœmen in den strît, // ir zwêne oder viere · in einer kurzen zît // sprungen zuo dem hûse · und tæten uns diu leit // an den slâfenden, · diu nimmer wurden verkleit.“ // Dô sprach aber Volkêr: · „sô lât daß geschehen, // daß wir si bringen innen, · daß wir si hân gesehen; // daß des iht mugen lougenen · Kriemhilde man, // daß si ungetriulîche · vil gerne hêten getân.“ // Zehant dô rief in Volkêr · hin entgegene: // „wes gêt ir sus gewâfenet, · snelle degene? // welt ir schâchen rîten, · Kriemhilde man? // dar sult ir mich ze helfe · und mînen hergesellen hân.“ // Des antwurte im niemen. · zornec was sîn muot: // „phî, ir zagen bœse,“ · sprach der helt guot, // „wolt ir slâfende · uns ermordert hân? // daß ist sô guoten helden · noch vil selten her getân.“ // Dô wart der küneginne · vil rehte daß geseit, // daß ir boten niht enwurben: · von schulden was ir leit. // dô vuogte si eß anders: · vil grimme was ir muot. // des muosen sît verderben · helde küene unde guot. // 31. Âventiure // wie die hêrren ze kirchen giengen. „Mir kuolent sô die ringe,“ · sô sprach Volkêr: // „jâ wæn diu naht welle · uns niht wern mêr. // ich kiuseß an dem lufte, · eß ist vil schiere tac.“ // dô wacten si der manegen, · der noch slâfende lac. // Dô schein der liehte morgen · den gesten in den sal. // Hagne begunde vrâgen · die Recken über al, // ob si zuo dem münster · ze messe wolden gân? // nâch siten kristenlîchen · man vil liuten began. // Si sungen ungelîche, · daß dâ vil wol schein, // kristen unde heiden · zugen niht enein. // dô wolden zuo der kirchen · Guntheres man: // si wâren von den betten · al gelîche gestân. // Dô næten sich die recken · in alsô guot gewant, // daß nie helde mêre · in deheines küneges lant // ie beßßer kleider brâhten. · daß was Hagnen leit: // er sprach: „jâ sult ir helde · hie tragen anderiu kleit. // „Jâ sint iu doch genuogen · diu mære wol bekant. // nu traget vür die rôsen · diu wâfen an der hant, // vür schapel wol gesteinet · die liehten helme guot, // sît wir wol erkennen · der argen Kriemhilde muot. // „Wir müeßen hiute strîten, · daß wil ich iu sagen. // ir sult vür sîden hemde · halsperge tragen // und vür die rîchen mentel · guote schilde wît: // ob ieman mit iu zürne, · daß ir vil werlîchen sît. // „Mîne vil lieben hêrren, · dar zuo mâge unt man, // ir sult vil willeclîchen · zuo der kirchen gân // und klaget Got dem rîchen · sorge und iuwer nôt // und wißßet sicherlîchen, · daß uns nâhet der tôt. // „Irn sult ouch niht vergeßßen, · swaß ir habt getân, // und sult vil vlîßeclîche · dâ gein Gote stân. // ir sult sîn gewarnet, · recken alsô hêr: // eß enwelle Got von himele, · ir vernemet messe nimmer mêr.“ // Sus giengen zuo dem münster · die vürsten und ir man. // ûf dem vrônen vrîthove · dâ hieß si stille stân // Hagene der küene, · daß si sich schieden niht. // er sprach: „jâ weiß noch niemen, · waß von den Hiunen geschiht. // „Leget, mîne vriunde, · die schilde vür den vuoß // und geltet, ob iu iemen · biete valschen gruoß, // mit tiefen verchwunden: · daß ist der Hagnen rât, // daß ir sô werdet vunden, · sam eß iu lobelîchen stât.“ // Volkêr unde Hagene · die zwêne giengen stân // vür daß wîte münster: · daß wart durch daß getân, // daß si daß wolden vüegen, · daß des küneges wîp // mit in müese dringen; · jâ was vil grimmec ir lîp. // Dô kom der wirt des landes · und ouch sîn schœne wîp; // mit rîchem gewande · gezieret was ir lîp // und der vil snellen recken, · die man sach mit ir varn. // dô kôs man hôhe stouben · von der küneginne scharn. // Dô der künic rîche · alsus gewâfent sach // die künege und ir gesinde, · wie balde er dô sprach: // „wie sihe ich vriunde mîne · under helmen gân? // mir ist leit ûf mîne triuwe, · und hât in iemen iht getân. // „Ich solß in gerne büeßen, · swie si dunket guot. // hât iemen in beswæret · daß herze und ouch den muot, // des bringe ich si wol innen, · daß eß mir ist vil leit: // swaß si mir gebietent, · des bin ich alles in bereit.“ // Des antwurte Hagene: · „uns hât niemen niht getân. // eß ist site mîner hêrren, · daß si gewâfent gân // zallen hôhgezîten · ze vollen drin tagen. // waß man uns hie tæte, · wir soldenß Etzelen klagen.“ // Vil wol gehôrte Kriemhilt, · waß Hagne gesprach. // wie rehte vîentlîche · si im under dougen sach! // sine wolde doch niht melden · den site von ir lant, // swie lange si den hête · ze den Burgunden erkant. // Swie grimme und swie starke · si in vîent wære, // het iemen geseit Etzelen · diu rehten mære, // er het wol understanden, · daß doch sît geschach: // durch ir vil starken übermuot · ir deheiner ims verjach. // Dô gie diu küneginne · mit grôßer menege dan. // done wolden dise zwêne · iedoch niht hôher stân // zweier hande breite: · daß was den Hiunen leit. // jâ muose si sich dringen · mit den helden vil gemeit. // Etzeln kamerære · die endûhte daß niht guot: // jâ heten si den recken · erzürnet dô den muot, // wan daß si entorsten · vor dem künege hêr. // dâ was vil michel dringen · und doch niht anderes mêr. // Dô man dô Gote gediende · und daß si wolden dan, // vil balde kom ze rossen · manec Hiunen man. // dô was bî Kriemhilde · vil manec schœniu meit; // wol siben tûsent degene · bî der küneginne reit. // Kriemhilt mit ir vrouwen · in diu venster gesaß // zuo Etzeln dem rîchen: · liep was im daß. // si wolden schouwen rîten · helde vil gemeit. // hei, waß vremder recken · vor in ûf dem hove reit! // Dô was ouch der marschalc · mit den rossen komen: // Dancwart der vil küene · hete ze im genomen // sîns hêrren ingesinde · von Burgunden lant. // diu ros man wol gesatelet · den küenen Niblungen vant. // Dô ze rosse kômen · die künege und ir man, // Volkêr der küene · râten daß began, // si solden buhurdieren · nâch ir landes siten. // des wart von den helden · sît vil hêrlîch geriten. // Der helt het in gerâten, · des si doch niht verdrôß; // der buhurt unt daß schallen · wurden beide grôß. // ûf den hof vil wîten · kom vil manec man. // Etzel unde Kriemhilt · daß selbe schouwen began. // Ûf den buhurt kômen · sehs hundert degene, // Dietrîches recken, · den gesten zegegene. // si wolden kurzwîle · mit den Burgunden hân: // het er ins gegunnen, · si hetenß gerne getân. // Hei, waß guoter recken · in dâ nâch reit! // dem hêrren Dietrîche · wart daß geseit. // mit Guntheres mannen · daß spil er in verbôt. // er vorhte sîner manne: · des gie im sicherlîchen nôt. // Dô die von Berne · gescheiden wâren dan, // dô kômen von Bechlâren · Rüedegêres man // fünf hundert under schilden · vür den sal geriten. // liep wære dem marcgrâven, · daß siß hêten vermiten. // Er kom zuo zin vil balde · gedrungen durch die schar // und seite sînen mannen, · si wæren des gewar, // daß in unmuote wæren · Guntheres man: // ob si den buhurt ließen, · eß wær im liebe getân. // Dô von in geschieden · die helde vil gemeit, // dô kômen die von Dürengen, · als uns daß ist geseit, // und der von Tenemarken · wol tûsent küener man. // von stichen sach man vliegen · vil der trunzûne dan. // Irnvrit unde Hâwart · in den buhurt riten; // ir heten die von Rîne · vil stolzlîch erbiten. // si buten manege tjoste · den von Dürengen lant: // des wart von stichen dürkel · manec hêrlîcher rant. // Dô kom der hêrre Blœdelîn · mit drin tûsent dar. // Etzel unde Kriemhilt · nâmen sîn wol war, // wan vor in beiden · diu rîterschaft geschach. // diu künegin eß gerne · durch leit der Burgunde sach. // Si gedâht in ir muote, · als eß was nâch geschehen: // „geschæhe iemen leide, · sô möhte ich mich versehen, // daß eß erhaben würde: · an den vînden mîn // wurde ich wol errochen, · des wolde ich gar ân angest sîn.“ // Schrûtân unde Gibeke · ûf den buhurt riten, // Râmunc und Hornboge, · nâch Hiunischen siten. // si hielten gein den helden · von Burgunden lant. // die schefte dræten hôhe · über des küneges sales want. // Swes dâ iemen phlæge, · sô was eß niuwan schal. // man hôrte von schilde stœßen · palas unde sal // harte lût erdießen · von Guntheres man. // den lop daß sîn gesinde · mit grôßen êren gewan. // Dô was ir kurzwîle · sô michel unde grôß, // daß durch die covertiure · der blanke sweiß dô vlôß // von den guoten rossen, · diu die helde riten. // si versuochtenß an den Hiunen · mit vil hôhverten siten. // Dô sprach der küene Volkêr, · ein edel spilman: // „ich wæne, uns dise recken · türren niht bestân. // ich hôrte ie sagen mære, · si wæren uns gehaß: // nu enkunde eß sich gevüegen · zwâre niender in baß.“ // „Zen herbergen vüeren,“ · sprach der künic hêr, // „sol man uns die mœre · und rîten danne mêr // hin gein âbende, · sô es wirdet zît. // waß, ob diu küneginne · den lop den Burgunden gît?“ // Dô sâhens einen rîten · sô weigerlîchen hie, // daß eß al der Hiunen · getet neheiner nie. // jâ moht er in den venstern · wol haben herzen trût: // er vuor sô wol gekleidet · sam eins vil werden rîters brût. // Dô sprach aber Volkêr: · „wie möht ich daß verlân? // jener trût der vrouwen · muoß ein gepiuße hân. // eß kan nieman gescheiden, · eß gât im an den lîp: // ja enruoch ich, ob eß zürnet · des künic Etzelen wîp.“ // „Nein, durch mîne liebe,“ · sprach der künic sân. // „eß wîßent uns die liute, · ob wir si bestân. // lât eß heben die Hiunen: · daß vüeget sich noch baß.“ // dannoch der künic Etzel · bî der küneginne saß. // „Ich wil den buhurt mêren,“ · sprach dô Hagene. // „lât die vrouwen schouwen · und die degene, // wie wir künnen rîten: · daß ist guot getân; // man gît doch lop deheinen · des künic Guntheres man.“ // Volkêr der vil snelle · den buhurt wider reit. // daß wart sît maneger vrouwen · grœßlîchen leit. // er stach dem rîchen Hiunen · daß sper durch den lîp: // daß sach man sît beweinen · beide meit unde wîp. // Dô rukte hurteclîche · Hagne nâch im dan: // mit sehzec sîner degene · rîten er began // nâch dem videlære, · dâ daß spil geschach. // Etzel unde Kriemhilt · eß bescheidenlîchen sach. // Done wolden die drî künege · den küenen spilman // bî den vîenden · niht âne huote lân. // dâ wart von tûsent helden · vil kunstlîch geriten. // si tâten, daß si wolden · in vil hôhverten siten. // Dô der rîche Hiune · ze tôde was erslagen, // man hôrte sîne mâge · rüefen unde klagen. // dô vrâgte al daß gesinde: · „wer hât eß getân?“ // „daß hât der videlære, · Volkêr der küene spilman.“ // Nâch swerten unde schilden · riefen dâ zehant // des marcgrâven mâge · von der Hiunen lant: // si wolden Volkêren · ze tôde erslagen hân. // der wirt ûß eime venster · vil harte gâhen began. // Dô huop sich von den Hiunen · allenthalben schal. // die künege und ir gesinde · erbeißten vür den sal. // diu ros ze rucke stießen · die Burgunden man. // dô kom künic Etzel: · der hêrre eß scheiden began. // Ein des Hiunen mâge, · den er bî im vant, // ein vil scharfeß wâfen · brach erm ûß der hant: // dô sluog ers alle widere, · wan im was vil zorn. // „wie hete ich mînen dienest · an disen helden verlorn! // „Ob ir nu disen spileman · hêt dar umbe erslagen, // ich hieß iuch alle hâhen, · daß wil ich iu sagen. // ich sach vil wol sîn rîten, · dô er den Hiunen stach, // daß eß âne sînen willen · von eime strûche geschach. // „Ir müeßet mîne geste · vride lâßen hân.“ // dô wart er ir geleite. · diu ros zôch man dan // zuo den herbergen. · si heten manegen kneht, // die in mit vlîße wâren · ze allem dienste gereht. // Der wirt mit sînen vriunden · in den palas gie: // zorn er mêr deheinen · dâ niht werden lie. // dô rihte man die tische, · daß waßßer man in truoc. // dô heten die von Rîne · der starken vînde genuoc. // Swie leit eß Etzeln wære, · gewâfent manege schar // sach man nâch vürsten dringen · und wol ze vlîße gar, // dâ si zen tischen giengen, · durch der geste haß. // ir mâc si wolden rechen, · ob sich gevüegen kunde daß. // „Sît ir gewâfent gerner · eßßet danne blôß,“ // sprach der wirt des landes, · „diu unzuht ist ze grôß; // swer aber mînen gesten · hie tuot deheiniu leit, // eß gêt im an sîn houbet: · daß sî iu Hiunen geseit.“ // Ê die hêrren gesæßen, · des wart harte lanc. // diu Kriemhilde sorge · si ze sêre twanc. // (si sprach:) „vürste von Berne, · ich suoche dînen rât, // helfe und genâde: · mîn dinc mir angestlîche stât.“ // Des antwurte ir Hildebrant, · ein recke lobelîch: // „swer sleht die Nibelunge, · der tuot eß âne mich, // durch deheines schatzes liebe; · eß mac im werden leit. // si sint noch unbetwungen · die snellen rîter gemeit.“ // „Ich wolt et niuwan Hagenen, · der mir hât leit getân, // er morte Sîvriden, · den mînen lieben man. // der in ûß den andern schiede, · dem wær mîn golt bereit. // engult es anders iemen, · daß wær mir inneclîchen leit.“ // Dô sprach aber Hildebrant: · „wie kunde daß geschehen, // daß man in bî in slüege? · ich ließe iuch daß gesehen: // ob man den helt bestüende, · sich hüebe lîhte ein nôt, // daß arme unde rîche · dar umbe müesen ligen tôt.“ // Dô sprach in sînen zühten · dar zuo hêr Dietrîch: // „die rede lât belîben, · küneginne rîch; // mir habent iuwer mâge · der leide niht getân, // daß ich die degne küene · mit strîte welle bestân. // „Diu bete iuch lützel êret, · vil edel vürsten wîp, // daß ir iuwern mâgen · râtet an den lîp. // si kômen ûf genâde · her in ditze lant; // Sîvrit ist unerrochen · vone Dietrîches hant.“ // Dô si der untriuwe · an dem Berner niene vant, // dô lobete si alsô balde · in Blœdelînes hant // eine wîte marke, · die Nuodunc ê besaß; // sît dô sluog in Dancwart, · daß er der gâbe gar vergaß. // Si sprach: „du solt mir helfen, · hêrre Blœdelîn. // jâ sint in disem hûse · die vîende mîn, // die Sîvriden sluogen, · den mînen lieben man: // swer mir daß hilfet rechen, · dem bin ich immer undertân.“ // Des antwurte ir Blœdel, · dâ er bî ir saß: // „jane getar ich dînen mâgen · gerâten keinen haß, // wan si mîn bruoder · bî im gerne siht: // ob ich si bestüende, · der künec vertrüege mir sîn niht.“ // „Neinâ, hêrre Blœdel, · ich bin dir immer holt: // jâ gib ich dir ze miete · silber unde golt // und eine schœne vrouwen, · daß Nuodunges wîp: // sô maht du gerne triuten · ir vil minneclîchen lîp. // „Daß lant zuo den bürgen · wil ich dir alleß geben, // sô mahtu, rîter edele, · mit vreuden immer leben, // gewinnestu die marke, · dâ Nuodunc inne saß. // swaß ich dir lobe hiute, · mit triuwen leiste ich dir daß.“ // Dô der hêrre Blœdel · die miete vernam, // und daß im durch ir schœne · diu vrouwe wol gezam, // mit strîte wânde er dienen · daß minneclîche wîp. // dar umbe muose der recke · dô verliesen den lîp. // Er sprach zer küneginne: · „gêt wider in den sal. // ê es iemen werde inne, · sô heb ich einen schal. // eß muoß erarnen Hagene, · daß er iu hât getân: // ich antwurte iu gebunden · des künic Guntheres man.“ // „Nu wâfent iuch,“ sprach Blœdel, · „alle, die ich hân. // wir suln den vîenden · in die herberge gân. // des wil mich niht erlâßen · daß Etzelen wîp: // dar umbe suln wir helde · alle wâgen den lîp.“ // Dô diu küneginne · Blœdelînen lie // in des strîtes willen, · ze tische si dô gie // mit Etzeln dem künege · und ouch mit sînen man. // si hete swinde ræte · an die geste getân. // Wie si ze tische giengen, · daß wil ich iu sagen: // man sach dâ künege rîche · krône vor ir tragen. // vil manegen hôhen vürsten · und manegen werden degen // die sach man grôßer zühte · vor der küneginne phlegen. // Der künic schuof den gesten · den sedel überal, // den hôhsten und den besten · zuozim in den sal. // den kristen und den heiden · ir spîse er underschiet; // man gap genuoc in beiden, · als eß der wîse künec beriet. // Ir ander ingesinde · zen herbergen âßen: // den wâren truhsæßen · ze dieneste lâßen, // die muosen ir spîse · wol ze vlîße phlegen. // ir wirtschaft und ir vreude · wart sît mit jâmer widerwegen. // Dô der strît niht anders · kunde sîn erhaben, // Kriemhilt leit daß alte · in ir herzen was begraben, // dô hieß sie tragen ze tische · den Etzelen sun. // wie kund ein wîp durch râche · immer vreislîcher tuon? // Dô giengen an der stunde · vier Etzelen man: // si truogen Ortlieben, · den jungen künic, dan // zuo der vürsten tische, · dâ ouch Hagene saß. // des muoseß kint ersterben · durch sînen mortlîchen haß. // Dô der künic rîche · sînen sun ersach, // zuo sînen konemâgen · er güetlîchen sprach: // „nu sehet, vriunde mîne, · daß ist mîn einec sun // und ouch iurer swester: · daß mac iu allen wesen vrun. // „Gevâht er nâch dem künne, · er wirt ein küene man, // rîch und vil edele, · starc und wol getân. // lebe ich deheine wîle, · ich gib im zwelf lant: // sô mag iu wol gedienen · des jungen Ortliebes hant. // „Dar umbe bite ich gerne · iuch, lieben vriunde mîn, // swenne ir ze lande widere · rîtet an den Rîn, // sô sult ir mit iu vüeren · iuwer swester sun // und sult ouch an dem kinde · vil genædeclîchen tuon. // „Und ziehet in zen êren, · unz er werde man: // hât iu in den landen · iemen iht getân, // daß hilfet er iu rechen, · gewahset im sîn lîp.“ // die rede hôrte ouch Kriemhilt, · des künic Etzelen wîp. // „Im solden wol getrouwen · dise degene, // gewüehse er ze manne,“ · sô sprach Hagene: // „doch ist der künic junge · sô veiclîch getân: // man sol mich sehen selten · ze hove nâch Ortliebe gân.“ // Der künec an Hagnen blicte: · diu rede was im leit. // swie niht dar umbe redete · der vürste gemeit, // eß truobte im daß herze · und swârte im den muot. // dô was Hagenen wille · niht ze kurzwîle guot. // Eß tet den vürsten allen · mit dem künege wê, // daß Hagne von dem kinde · hete gesprochen ê. // daß siß vertragen solden, · daß was in ungemach; // sin wessen niht der mære, · waß von dem recken sît geschach. // Genuoge, die eß hôrten · und im doch wâren gram, // in hêten gern bestanden; · ouch hete der künec alsam, // torster von sînen êren, · sô wær ers komen in nôt. // sît tet im Hagene mêre, · er sluogn vor sînen ougen tôt. // 32. Âventiure // wie Blœdel mit Dancwart an der herberge streit. Blœdelînes recken · die wâren alle gar. // mit tûsent halspergen · huoben si sich dar, // dâ Dancwart mit den knehten · ob den tischen saß. // dâ huop sich under helden · der aller grœßiste haß. // Alsô der hêrre Blœdel · vür die tische gie, // Dancwart der marschalc · in vlîßeclîch enphie. // „willekomen her ze hûse, · mîn hêr Blœdelîn: // jâ wundert mich der mære: · waß sol disiu rede sîn?“ // „Jane darftu mich niht grüeßen,“ · sô sprach Blœdelîn, // „wan ditze komen mîneß · muoß dîn ende sîn // durch Hagenen dînen bruoder, · der Sîvriden sluoc. // des enkiltestu zen Hiunen · und ander degene genuoc.“ // „Neinâ, hêrre Blœdel,“ · sprach dô Dancwart. // „sô möht uns balde riuwen · disiu hovevart. // ich was ein wênic kindel, · dô Sîvrit vlôs den lîp: // ine weiß niht, waß mir wîßet · des künic Etzelen wîp.“ // „Ja enweiß ich dir der mære · niht mê ze sagene; // eß tâten dîne mâge · Gunther und Hagene. // nu wert iuch vil ellenden: · ir kunnet niht genesen, // ir müeßet mit dem tôde · phant daß Kriemhilde wesen.“ // „So enwelt ir niht erwinden?“ · sprach dô Dancwart. // „sô riuwet mich mîn vlêgen, · daß wære baß gespart!“ // der snelle degen küene · von dem tische spranc, // er zôch ein scharpheß wâfen, · daß was michel unde lanc. // Dô sluoc er Blœdelîne · einen swinden swertes slac, // daß im daß houbt mit helme · vor den vüeßen lac. // „daß sî dîn morgengâbe,“ · sprach Dancwart der degen, // „zuo Nuodunges briute, · die du mit minne woldest phlegen. // „Man mac si morgen mehelen · einem andern man: // wil er die brûtmiete, · dem wirt alsam getân.“ // ein vil getriuwer Hiune · hete im daß geseit, // daß in diu küneginne · riet sô grœßlîchiu leit. // Dô sâhen Blœdelînes man, · ir hêrre lac erslagen; // done wolden si den gesten · niht langer daß vertragen. // mit ûferbürten swerten · si sprungen vür diu kint // in grimmem muote: · daß gerou vil manegen sint. // Lûte rief dô Dancwart · al die knappen an: // „ir seht wol, edel knehte, · wie eß umb uns wil gân. // nu wert iuch ellenden, · als iuch des twinget nôt, // daß ir vrumeclîche · âne schanden liget tôt.“ // Die niht swert enhêten, · die reihten vür die banc: // si huoben von den vüeßen · vil manegen schamel lanc. // der Burgunden knehte · wolden niht vertragen: // dâ wart von swæren stüelen · durch helme biulen vil geslagen. // Wie grimme sich dô werten · diu ellenden kint! // si triben ûß dem hûse · die gewâfenden sint: // doch beleip ir tôt dar inne · fünf hundert oder baß. // dô was daß ingesinde · von bluote rôt unde naß. // Disiu starken mære · wurden dan geseit // Etzelen recken: · eß was in grimme leit, // daß erslagen wære · Blœdel und sîne man; // daß hete Hagenen bruoder · mit den knehten getân. // Ê eß der künec ervünde, · die Hiunen durch ir haß, // der garten sich zwei tûsent · oder dannoch baß. // si giengen zuo den knehten, · daß muos et alsô wesen, // und ließen des gesindes · ninder einen genesen. // Die ungetriuwen brâhten · vürß hûs ein michel her. // die ellenden knehte · stuonden wol ze wer. // waß half ir baldeß ellen? · si muosen ligen tôt; // dar nâch in kurzen stunden · sich huop ein vreislîcher nôt. // Hie mugt ir hœren wunder · bî ungevüege sagen: // niun tûsent knehte · die lâgen tôt erslagen, // dar über rîter zwelfe · der Dancwartes man. // man sach in alterseine · noch bî den vîenden stân. // Der schal was geswiftet, · der dôß was gelegen. // dô blicte über ahsel · Dancwart der degen: // er sprach: „ouwê der vriunde, · die ich verloren hân. // nu muoß ich leider eine · bî mînen vîenden stân.“ // Diu swert genôte vielen · ûf sîn eines lîp: // daß muose sît beweinen · vil maneges heldes wîp. // den schilt den ructe er hôher, · den veßßel nider baß: // dô vrumte er vil der ringe · von bluote vließende naß. // „Sô wê mir dirre leide,“ · sprach Aldrîânes kint. // „nu wîchet, Hiunen recken, · ir lât mich an den wint, // daß der luft erküele · mich sturmmüeden man.“ // do begunder ân ir willen · in strîte gegen der türe gân. // Alsô der strîtemüede · ûß dem hûse spranc, // waß iteniuwer swerte · ûf sîme helme erklanc! // die niht gesehen hêten, · waß wunders tet sîn hant, // die sprungen hin enkegene · dem von Burgunden lant. // „Nu wolde Got,“ sprach Dancwart, · „möht ich den boten hân, // der mînen bruoder Hagenen · kunde wißßen lân, // daß ich vor disen recken · stên in sölher nôt! // er hulfe mir von hinnen · oder er gelæge bî mir tôt.“ // Dô sprâchen Hiunen recken: · „der bote muostu sîn, // sô wir dich tragen tôten · vür den bruoder dîn. // sô sihet im êrste leide · der Guntheres man. // du hâst dem künege Etzel · sô grôßen schaden hie getân.“ // Er sprach: „nu lât daß dröuwen · und wîchet hôher baß: // ja getuon ich eteslîchem · noch die ringe naß. // ich wil diu mære selbe · hin ze hove tragen // und wil ouch mînen hêrren · mînen grôßen kumber klagen.“ // Er leidete sich sô sêre · den Etzelen man, // daß si in mit den swerten · torsten niht bestân: // dô schußßen si der gêre · sô vil in sînen rant, // daß er in durch die swære · muose lâßen von der hant. // Dô wândens in betwingen, · dô er niht schildes truoc. // hei, waß er tiefer wunden · durch die helme sluoc! // des muose vor im strûchen · manec küener man, // dar umbe lop vil grôßen · der küene Dancwart gewan. // Ze beiden sînen sîten · sprungen si im zuo. // jâ kom ir eteslîcher · in den strît ze vruo. // dô gie er vor den vînden, · alsam ein eberswîn // ze walde tuot vor hunden: · wie möht er küener gesîn? // Sîn vart diu wart erniuwet · von heißem bluote naß. // wie kund ein einec recke · gestrîten immer baß // mit sînen vîenden, · danne er het getân? // man sach Hagenen bruoder · ze hove hêrlîchen gân. // Truhsæßen unde schenken · die hôrten swerte klanc: // vil maneger dô daß trinken · von der hende swanc // und etelîche spîse, · die man ze hove truoc. // dô kom im vor der stiegen · der starken vînde genuoc. // „Wie nu, ir truhsæßen?“ · sprach der müede degen, // „jâ soldet ir der geste · vil güetlîchen phlegen // und soldet den hêrren · guote spîse tragen // und ließet mich diu mære · mînen lieben hêrren sagen.“ // Swelher durch sîn ellen · im vür die stiegen spranc, // der sluog er etelîchem · sô swæren swertes swanc, // daß si durch die vorhte · ûf hôher muosen stân. // eß het sîn starkeß ellen · vil michel wunder getân. // 33. Âventiure // wie Dancwart diu mære ze hove sînen hêrren brâhte. Alsô der küene Dancwart · under die tür getrat, // daß Etzeln gesinde · er hôher wîchen bat. // mit bluote was berunnen · alleß sîn gewant; // ein vil scharfeß wâfen · truog er blôß an sîner hant. // Eß was reht in der wîle, · do er kom vür die tür, // daß man Ortlieben · truoc wider unde vür // von tische zuo tischen · den vürsten wol geborn: // von disen starken mæren · wart daß kindelîn verlorn. // Vil lûte rief dô Dancwart · einem degene: // „ir sitzet alze lange, · bruoder Hagene. // iu und Got von himele · klage ich unser nôt: // rîter unde knehte · sint an den herbergen tôt.“ // Er rief im hin enkegene: · „wer hât daß getân?“ // „daß hât der hêrre Blœdel · unde sîne man. // ouch hât ers sêre enkolten, · daß wil ich iu sagen: // ich hân mit mînen handen · im sîn houbet ab geslagen.“ // „Daß ist ein schade kleine,“ · sprach dô Hagene, // „swâ man solhiu mære · saget von degene, // ob er von recken henden · verliuset sînen lîp: // in suln deste ringer · klagen wætlîchiu wîp. // „Nu saget mir, lieber bruoder, · wie sît ir sô rôt? // ich wæne, ir von wunden · lîdet grôße nôt. // ist er inder inme lande, · der eß iu hât getân, // in erner der übel tiuvel, · eß muoß im an sîn leben gân.“ // „Ir sehet mich wol gesunden: · mîn wât ist bluotes naß. // von ander manne wunden · ist mir geschehen daß, // der ich alsô manegen · hiute hân erslagen, // ob ich des swern solde, · ine kundeß nimmer gesagen.“ // Er sprach: „bruoder Dancwart, · sô hüetet uns der tür, // lât der Hiunen einen · komen niht dervür. // ich wil reden mit den recken, · als uns des twinget nôt: // unser ingesinde · lît von in unverdienet tôt.“ // „Sol ich sîn kamerære,“ · sprach der küene man, // „alsô rîchen künegen · ich wol gedienen kan: // sô phlige ich der stiegen · nâch den êren mîn.“ // den Kriemhilde degenen · kunde leider niht gesîn. // „Mich nimt des michel wunder,“ · sprach aber Hagene, // „waß nu hie inne rûnen · die Hiunen degene. // si wæn des lîhte enbæren, · der an der tür dâ stât // und diu hovemære · geseit den Burgunden hât. // „Ich hân vernomen lange · von Kriemhilde sagen, // daß si ir herzeleide · wolde niht vertragen. // nu trinken wir die minne · und gelten sküneges wîn: // der junge voit der Hiunen · der muoß der aller êrste sîn.“ // Dô sluoc daß kint Ortlieben · Hagne der helt guot, // daß im gein der hende · anme swerte vlôß das bluot // und der küneginne eß · houbet sprang in die schôß. // dô huop sich under degenen · ein mort vil grimme unde grôß. // Er sluog deme meizogen · einen swinden swertes slac // mit beiden sînen henden, · der des kindes phlac, // daß im daß houbet schiere · vor tische nider lac. // eß was ein jæmerlîcheß lôn, · daß er dem meizogen wac. // Er sach vor Etzeln tische · einen spilman: // Hagne in sîme zorne · gâhen dar began. // er sluoc im ûf der gîgen · abe die zeswen hant: // „daß habe dir der botschefte · in der Burgunden lant.“ // „Sô wê mir mîner hende,“ · sprach Werbel sân. // „hêr Hagene von Troneje, · waß hân ich iu getân? // ich kom ûf grôße triuwe · in iuwer hêrren lant. // wie klenk ich nu die dœne, · sît ich verlorn hân die hant?“ // Hagne ahte ringe, · gevidelter nimmer mêr. // dô vrumt er inme hûse · diu verchgrimmen sêr // an den Etzeln recken, · der er sô vil ersluoc. // dô brâhte er in dem gademe · ze tôde recken genuoc. // Volkêr der vil snelle · von dem tische spranc: // ein videlboge im lûte · an sîner hant erklanc. // dô videlte ungevuoge · Gunthers spilman. // hei, waß er im ze vînde · der küenen Hiunen gewan! // Ouch sprungen von den tischen · die drîe künege hêr. // si woldenß gerne scheiden, · ê schade geschæhe mêr. // sine mohtenß mit ir sinnen · dô niht understân, // dô Volkêr unde Hagene · sô sêre wüeten began. // Dô sach der voit von Rîne · ungescheiden den strît: // dô sluoc der vürste selbe · manege wunden wît // durch die liehten ringe · den vîenden sîn. // eß was ein helt zen handen, · daß wart dâ grœßlîche schîn. // Dô kom ouch zuo dem strîte · der starke Gêrnôt: // jâ vrumte er der Hiunen · vil manegen helt tôt // mit eime scharfen swerte, · daß im gap Rüedegêr. // den Etzelen recken · tet er diu gremlîchen sêr. // Der junge sun vroun Uoten · zuo dem strîte spranc: // sîn wâfen hêrlîchen · durch die helme ranc // den Etzelen recken · ûßer Hiunen lant; // dâ tet vil michel wunder · des küenen Gîselheres hant. // Swie vrum si alle wâren, · die künege und ouch ir man, // doch sach man vor in allen · Volkêren stân // gein den vîenden; · eß was ein helt guot: // er vrumte mit wunden · manegen vallen in daß bluot. // Ouch werten sich vil sêre · die Etzelen man. // dô sach man die geste · houwende gân // mit den vil liehten swerten · durch des küneges sal. // man hôrte allenthalben · von wuofe grœßlîchen schal. // Dô wolden die dar ûße · zir vriunden sîn dar in: // die nâmen an den türen · vil kleinen gewin. // dô wæren die dar inne · vil gerne vür den sal: // Dancwart ließ ir deheinen · die stiegen ûf noch ze tal. // Des huop sich vor den türen · vil starker gedranc // und ouch von den swerten · grôßer helmklanc. // des kom der küene Dancwart · in eine grôße nôt: // daß besorgete sîn bruoder, · als im sîn triuwe gebôt. // Vil lûte rief dô Hagene · Volkêren an: // „seht ir dort, geselle, · mînen bruoder stân // vor Hiunischen recken · under starken slegen? // vriunt, nert mir den bruoder: · wir verliesen den degen.“ // „Daß tuon ich sicherlîchen,“ · sprach der spilman. // er begunde videlunde · durch den palas gân: // ein herteß swert im ofte · an sîner hant erklanc. // die recken von Rîne · im seiten grœßlîchen danc. // Volkêr der küene · zuo Dancwarte sprach: // „ir habt erliten hiute · vil grôßen ungemach. // mich bat iuwer bruoder · durch helfe zuo iu gân. // welt ir nu sîn dar ûße, · sô wil ich innerthalben stân.“ // Dancwart der snelle · stuont ûßerhalb der tür: // dô werte er in ir stiegen, · swaß ir kom der vür. // des hôrt man wâfen hellen · den helden an der hant. // sam tet ouch innerthalben · Volkêr von Burgunden lant. // Der küene videlære · rief über menege: // „daß hûs ist wol besloßßen, · vriunt her Hagene, // jâ ist alsô verschrenket · diu Etzelen tür // von zweier helde handen: · dâ gênt wol tûsent rigel vür.“ // Dô von Troneje Hagene · die tür sach sô behuot, // den schilt warf dô ze rucke · der mære helt guot: // dô êrst begund er rechen · sîner vriunde leit. // sîns zornes muose engelten · vil manec rîter gemeit. // Dô der voit von Berne · daß wunder rehte ersach, // daß Hagene der starke · sô manegen helm brach, // der künec von Amelunge · spranc ûf eine banc. // er sprach: „hie schenket Hagene · daß aller wirseste tranc.“ // Der wirt het grôße sorge, · sîn wîp diu het alsam: // waß man im lieber vriunde · vor sînen ougen nam! // wan er vor sînen vînden · vil kûme dâ genas. // er saß vil angestlîche: · waß half im, daß er künic was? // Kriemhilt diu rîche · rief Dietrîchen an: // „hilf mir, rîter edele, · mit dem lîbe dan, // durch aller vürsten tugende · ûß Amelunge lant: // wan erreicht mich Hagene, · ich hân den tôt an der hant.“ // „Wie sol ich iu gehelfen,“ · sprach hêr Dieterîch, // „edel küneginne? · nu sorge ich umbe mich. // eß sint sô sêr erzürnet · Guntheres man, // daß ich an disen zîten · gevriden nieman enkan.“ // „Neinâ, hêrre Dietrîch, · vil edel rîter guot, // lâßâ hiute schînen · dînen tugentlîchen muot, // daß du mir helfest hinnen, · oder ich belîbe tôt. // nu hilf mir und dem künege · ûß dirre angeslîcher nôt.“ // „Daß wil ich versuochen, · ob ich iu helfen kan, // wand ich in langen zîten · niht gesehen hân // sô bitterlîch erzürnet · manegen rîter guot. // jâ sich ich durch die helme · von swerten springen daß bluot.“ // Mit kraft begunde rüefen · der rîter ûß erkorn, // daß sîn stimme erhlûte · sam ein wisntes horn, // und daß diu burc vil wîte · von sîner kraft erdôß. // diu sterke Dietrîches · was unmæßlîchen grôß. // Dô gehôrte rüefen · Gunther disen man // in dem vil herten sturme: · hlosen er began. // er sprach: „Dietrîches stimme · ist in mîn ôre komen. // ich wæne, im unser degene · haben etwen benomen. // „Ich sich in ûf dem tische · winken mit der hant. // vriunt unde mâge · von Burgunden lant, // habet ûf des strîtes, · lât hœren unde sehen, // waß hie Dietrîche · von uns ze schaden sî geschehen.“ // Dô der künic Gunther · bat und ouch gebôt, // si habten ûf mit swerten · in des strîtes nôt. // daß was gewalt vil grôßer, · daß dâ niemen sluoc. // er vrâgte den von Berne · der mære schiere genuoc. // Er sprach: „vil edel Dietrîch: · waß ist iu hie getân // vone mînen vriunden? · willen ich des hân, // buoße und suone · der bin ich iu bereit. // swaß iu iemen tæte, · daß wær mir inneclîchen leit.“ // Dô sprach der hêrre Dietrîch: · „mir ist niht getân. // lât mich ûß dem hûse · mit iurme vride gân // von disem herten strîte · mit dem gesinde mîn. // daß wil ich umbe iuch degene · immer dienende sîn.“ // „Waß vlêhet ir sô sêre?“ · sprach hêr Wolfhart, // „jane hât der videlære · die tür nie sô verspart, // wir entsließen si sô wîte, · daß wir dar vür gân.“ // „nu swîc,“ sprach hêr Dietrîch, · „du hast den tievel getân.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „erlouben ich iu wil: // vüert ûß dem hûse · wênec oder vil // âne mîne vînde: · die suln hie bestân. // si hânt mir zen Hiunen · sô rehte leide getân.“ // Dô er daß erhôrte, · under arm er beslôß // die edelen küneginne; · ir sorge was vil grôß: // dô vuorte er anderthalben · Etzeln mit im dan. // ouch gie mit Dietrîche · sechs hundert wætlîcher man. // Dô sprach der marcgrâve, · der edel Rüedegêr: // „sol aber ûß dem hûse · iemen komen mêr, // die iu doch gerne dienent, · daß lât uns vernemen: // sô sol vride stæte · guoten vriunden gezemen.“ // Des antwurte Gîselher · sîme sweher zehant: // „vride unde suone · sî iu von uns bekant, // sît ir sît triuwen stæte, · ir und iuwer man. // ir sult unangestlîchen · mit iuren vriunden hinnen gân.“ // Dô der hêrre Rüedegêr · gerûmte den sal, // vünf hundert oder mêre · im volgten über al. // daß was von den hêrren · durch triuwe getân, // von den der künic Gunther · grôßen schaden sît gewan. // Dô sach ein Hiunen recke · Etzelen gân // bî Dietrîche nâhen: · genoßßen wolde ers hân. // dem gap der videlære · einen sölhen slac, // daß im daß houbet schiere · vor Etzeln vüeßen gelac. // Dô der wirt des landes · kom vür daß hûs gegân, // dô kêrt er sich hin widere · und sach Volkêren an. // „ouwê mir dirre geste: · ditz ist ein grimmiu nôt, // daß alle mîne recken · vor in sulen ligen tôt!“ // „Ach wê der hôhzîte!“ · sprach der künic hêr. // „dâ vihtet einer inne, · der heißet Volkêr, // alsam ein eber wilde · und ist ein spilman. // ich dankes mîme heile, · daß ich dem tievel entran. // „Sîn leiche lûtent übele, · sîn züge sint rôt. // jâ vellent sîne dœne · manegen helt tôt. // ine weiß niht, waß uns wîße · der selbe spilman, // wan ich gast nie einen · sô rehte leiden gewan.“ // Zir herbergen giengen · die recken alsô hêr, // der hêrre von Berne · und ouch Rüedegêr. // sine wolden mit dem strîte · niht ze schaffen hân // und gebuten ouch ir degenen, · daß sis mit vride solden lân. // Und heten si getrouwet · alsolher swære, // daß in diu von in beiden · sô künftec wære, // sine wæren von dem hûse · niht sô sanfte komen, // si heten eine stroufe · an den vil küenen ê genomen. // Si heten, die si wolden, · lâßen vür den sal: // dô huob sich innerhalben · grœßlîcher schal. // die geste sêre râchen, · daß in ê geschach. // Volkêr der vil küene, · hei, waß er helme zebrach! // Sich kêrte gein dem schalle · Gunther der künic hêr: // „hœrt ir die dœne, Hagene, · die dort Volkêr // videlt mit den Hiunen, · swer zuo den türen gât? // eß ist ein rôter anstrich, · den er zem videlbogen hât.“ // „Mich riuwet âne mâße,“ · sô sprach Hagene, // „daß ich mich hân gescheiden · von dem degene. // ich was sîn geselle · und ouch er der mîn: // kome wir immer wider heim, · daß sul wir noch mit triuwen sîn. // „Nu schouwe, künic hêre, · Volkêr ist dir holt: // er dient willeclîchen · dîn silber und dîn golt! // sîn videlboge snîdet · durch den herten stâl, // er brichet ûß den helmen · diu liehte schînenden mâl. // „In gesach nie videlære · sô hêrlîche stân, // alsô der degen Volkêr · hiute hât getân. // sîne leiche hellent · durch helm und durch rant: // jâ sol er rîten guotiu ros · und tragen hêrlîch gewant.“ // Swaß der Hiunen mâge · in dem sale was gewesen, // der enwas nu deheiner · dar inne mê genesen. // des was der schal geswiftet, · daß niemen mit in streit: // diu swert von handen leiten · die küenen recken gemeit. // 34. Âventiure // wie si die tôten abe wurfen. Die hêrren nâch ir müede · gesâßen dô ze tal. // Volkêr unde Hagene · die giengen vür den sal. // sich leinden über schilde · die übermüeten man: // dô wart dâ rede spæhe · von in beiden vil getân. // Dô sprach von Burgunden · Gîselher der degen: // „jane muget ir, lieben vriunde, · noch ruowe niht gephlegen: // ir sult die tôten liute · ûß dem hûse tragen: // wir werden noch bestanden, · ich wilß iu wærlîchen sagen. // „Si suln uns under vüeßen · hie niht langer ligen. // ê daß uns die Hiunen · mit sturme an gesigen, // wir houwen noch die wunden, · diu mir vil sanfte tuot. // des hân ich,“ sprach dô Gîselher, · „einen stætigen muot.“ // „Sô wol mich solhes hêrren,“ · sprach dô Hagene. // „der rât enzæme nieman · wan eime degene, // den uns mîn junger hêrre · hiute hât getân. // des mugt ihr Burgunden · alle vrœlîche stân.“ // Dô volgten si dem râte · und truogen vür die tür // siben tûsent tôten · wurfen si dervür. // vor des sâles stiegen · vielen si ze tal. // dô huop sich von ir mâgen · ein vil klagelîcher schal. // Eß was ir etlîcher · sô mæßlîchen wunt, // der sîn sanfter phlæge, · er wurde noch gesunt, // der von dem hôhen valle · muose ligen tôt. // daß klagten al ir vriunde: · des gie in wærlîchen nôt. // Dô sprach der videlære · Volkêr, ein helt gemeit: // „nu kiuse ich des die wârheit, · als mir ist geseit: // die Hiunen sint bœse, · si klagent sam diu wîp: // si solden wan beruochen · der vil sêre wunden lîp.“ // Dô wând ein marcgrâve, · er reiteß durch guot: // er sach einen sînen mâc · gevallen in daß bluot. // er beslôß in mit den armen · und wolde in tragen dan. // den schôß ob im ze tôde · der vil küene spilman. // Dô die anderen daß sâhen, · diu vluht huop sich von dan: // si begunden alle vluochen · dem selben spilman. // einen gêr er ûf zucte · vil scharf unde hart, // der von eime Hiunen · zuo im dar ûf geschoßßen wart. // Den schôß er krefteclîchen · durch die burc dan // über daß volk verre. · den Etzelen man // gab er herberge · hôher von dem sal. // sîn vil starkeß ellen · die liute vorhten über al. // Dô stuonden vor dem hûse · Etzel und sîne man. // Volkêr unde Hagene · reden dô began // mit der Hiunen künege · allen ir muot. // des kômen sît in sorge · die helden küene unde guot. // „Eß zæme,“ sô sprach Hagene, · „vil wol volkes trôst, // daß die hêrren væhten · ze aller vorderôst, // alsô der mînen hêrren · hie ieslîcher tuot: // die houwen durch die helme, · daß nâch den swerten vliußet bluot.“ // Etzel was der küene, · er vaßte sînen schilt. // „nu vart gewerlîche,“ · sprach vrou Kriemhilt, // „und bietet ir den recken · daß golt über rant. // wan erreicht iuch Hagene, · ir habt den tôt an der hant.“ // Der künic was sô küene, · er wolde erwinden niht, // daß von sô rîchen vürsten · selden nu geschiht. // man muos in bî dem veßßel · ziehen wider dan. // Hagene der grimme · in aber hœnen began: // „Eß was ein nâhiu sippe,“ · sprach Hagene der degen, // „die Sîvrit unde Etzele · ze samne hânt gephlegen: // er minnete Kriemhilden, · ê si gesæhe dich: // künic vil bœse, · war umbe râtest ane mich?“ // Dise rede hôrte · des edelen küneges wîp. // des wart in ungemüete · Kriemhilde lîp. // daß er si torste schelden · vor Etzelen man. // dar umbe si aber râten · an die geste began. // Si sprach: „der von Troneje · Hagenen flüege // unde mir sîn houbet · her vür mich trüege, // dem vult ich rôtes goldes · den Etzelen rant; // dar zuo gæb ich im ze miete · vil guote bürge unde lant.“ // „Nu enweiß ich, wes si bîtent,“ · sprach der spilman. // „ine gesach nie helde mê · sô zagelîchen stân, // dâ man hôrte bieten · alsô hôhen solt. // jâ ensold in Etzel · dar umbe nimmer werden holt. // „Die hie sô lasterlîchen · eßßent des küneges brôt // und im nu geswîchent · in der grœßisten nôt, // der sihe ich hie manegen · vil zagelîchen stân, // und wellent doch sîn küene: · si müeßens immer schande hân.“ // Etzele der vil rîche · hete jâmer unde nôt: // er klagte bitterlîche · mâge unde manne tôt. // dâ stuont von manegen landen · vil recken gemeit: // die weinten mit dem künege · sîniu kreftegen leit. // Des begunde spotten · der küene Volkêr: // „ich sihe hie sêre weinen · vil manegen recken hêr. // si gestênt ir hêrren übele · in sîner starken nôt. // jâ eßßent si mit schanden · nu vil lange hie sîn brôt.“ // Do gedâhten in die besten: · „er hât uns wâr geseit.“ // doch enwas eß dâ niemen · sô herzenlîche leit // als ouch Îringe, · dem helde ûß Tenelant, // daß man in kurzen zîten · mit der wârheit wol bevant. // 35. Âventiure // wie Îrinc erslagen wart. Dô rief von Tenemarke · der marcgrâve Îrinc: // „ich hân ûf êre lâßen · nu lange mîniu dinc // und hân in volkes stürmen · des besten vil getân: // bringet mir mîn gewæfen: · jâ wil ich Hagene bestân.“ // „Daß wil ich widerrâten,“ · sprach dô Hagene. // „so gewinnent iuwer mâge · mêr ze klagene. // gespringent iuwer zwêne · oder drî in den sal, // die send ich ungesunde · die stiegen widere ze tal.“ // „Dar umbe ichß niht enlâße,“ · sprach aber Îrinc. // „ich hân ouch ê versuochet · sam sorclîchiu dinc. // jâ wil ich mit dem swerte · eine dich bestân, // ob du mit strîte hêtest · mêr danne iemen getân.“ // Dô wart gewâfent balde · der degen Îrinc // unde Irnvrit von Dürengen, · ein küener jungelinc, // und Hâwart der starke · wol mit tûsent man: // swes Îrinc begunde, · si woldens alle im gestân. // Dô sach der videlære · ein vil grôße schar, // die mit Îringe · gewâfent kômen dar. // si truogen ûf gebunden · manegen helm guot. // dô wart der küene Volkêr · ein teil vil zornec gemuot. // „Sehet ir, vriunt Hagene, · dort Îringen gân, // der iuch mit dem swerte · lobete eine bestân? // wie zimet helde liegen? · ich wil unprîsen daß. // eß gênt mit im gewâfent · tûsent recken oder baß.“ // „Nu heißet mich niht liegen,“ · sprach Hâwartes man. // „ich wil gerne leisten, · daß ich gelobet hân. // durch deheine vorhte · wil ichs abe gân: // swie griulîch nu sî Hagene, · ich wil in eine bestân.“ // Ze vüeßen bôt sich Îrinc · mâgen unde man, // daß si in eine ließen · den recken bestân. // daß tâten si ungerne, · wan in was wol bekant // der übermüete Hagene · ûßer Burgunden lant. // Doch bat er si sô lange, · daß eß sît geschach. // dô daß ingesinde · den sînen willen sach, // daß er warp nâch êren, · dô ließens in gân. // des wart von in beiden · ein grimmeß strîten getân. // Îrinc von Tenemarken · hôhe truoc den gêr, // sich tacte mit dem schilde · der tiuwer degen hêr: // dô lief er ûf zuo Hagenen · vaste vür den sal: // dô huop sich von den degenen · ein vil grœßlîcher schal. // Dô schußßen si die gêre · mit krefte von der hant // durch die vesten schilte · ûf liehteß ir gewant, // daß die gêrstangen · vil hôhe dræten dan. // dô griffen zuo den swerten · die zwêne grimküene man. // Des küenen Hagenen ellen · was unmâßen grôß; // doch sluoc ûf in Îrinc, · daß al daß hûs erdôß. // palas unde türne · hullen nâch ir slegen. // done kunde niht verenden · sînes willen der degen. // Îrinc lie Hagenen · unverwundet stân: // zuo dem videlære · gâhen er began. // er wânde in mugen twingen · mit sînen grimmen slegen. // daß kunde wol beschermen · der vil zierlîche degen. // Dô sluoc der videlære, · daß über des schildes rant // dræte daß gespenge · von Volkêres hant. // den lie er dô belîben: · er was ein übel man: // dô lief er Guntheren, · den Burgunden künic, an. // Dô was ir ietwedere · ze strîte starc genuoc. // swaß Gunther und Îrinc · ûf ein ander sluoc, // daß brâhte niht von wunden · vließendeß bluot. // daß behuote ir gewæfen: · daß was starc unde guot. // Gunthern er lie belîben · und lief Gêrnôten an. // daß viuwer ûß den ringen · houwen erm began. // dô hete von Burgunden · der künic Gêrnôt // den küenen Îringen · erslagen næhlîchen tôt. // Dô spranc er von dem vürsten; · snel er was genuoc. // der Burgunden viere · der helt vil balde sluoc, // des edelen ingesindes · von Wormeß über Rîn. // dô enkunde Gîselher · nimmer zorner gesîn. // „Got weiß, hêr Îrinc,“ · sprach Gîselher daß kint, // „ir müeßet mir die gelten, · die veige vor iu sint // gelegen an den stunden.“ · dô lief er in an. // er sluoc den Tenelender, · daß er strûchen began. // Er schôß vor sînen handen · nider in daß bluot, // daß si alle wânden, · daß der helt guot // ze strîte nimmer mêre · geslüege keinen slac. // Îrinc doch âne wunden · hie vor Gîselhere lac. // Von des helmes dôße · und von des swertes klanc // wâren sîne witze · worden harte kranc, // daß sich der degen küene · des lebens niht versan. // daß hete mit sînen kreften · der küene Gîselher getân. // Dô im begund entwîchen · von houpte der dôß, // den er ê dâ dolte · von dem slage grôß, // er dâhte: „ich bin noch lebendec · und ouch ninder wunt: // nu ist mir alêrste · daß ellen Gîselheres kunt.“ // Er hôrte beidenthalben · die vîende stân. // wessen si diu mære, · im wære mê getân. // ouch het er Gîselheren · dâ bî im vernomen: // er dâhte, wie er solde · von den vîenden komen. // Wie rehte tobelîchen · er ûß dem bluote spranc. // sîner snelheite · er mahte sagen danc. // dô lief er ûß dem hûse, · dâ er Hagenen vant, // und sluoc im slege swinde · mit sîner ellenthafter hant. // Dô gedâhte Hagene: · „du muost des tôdes wesen. // dich envride der tievel, · dune kanst niht genesen.“ // doch wundet Îrinc Hagenen · durch den helmehuot. // daß tet der helt mit Wasken; · daß was ein wâfen vil guot. // Dô der hêrre Hagene · der wunden enphant, // dô erwagte im ungevuoge · daß swert an sîner hant. // al dâ muoste im entwîchen · der Hâwartes man; // abe von der stiegen · im Hagne volgen began. // Îrinc über houbet · den schilt vil balde swanc. // und wær diu selbe stiege · drîer stiegen lanc, // die wîle lie in Hagene · nie slahen einen slac. // hei, waß rôter vanken · ob sîme helme gelac! // Wider zuo den sînen · kom Îrinc wol gesunt. // dô wurden disiu mære · Kriemhilde kunt, // waß er von Tronje Hagenen · in strîte het getân; // des im diu küneginne · vil hôhe danken began. // „Nu lône dir Got, Îrinc, · vil mære helt guot, // du hâst mir wol getrœstet · daß herze und ouch den muot: // nu sihe ich rôt von bluote · Hagnen sîn gewant.“ // Kriemhilt nam im selbe · den schilt vor liebe von der hant. // „Ir muget im mâßen danken,“ · sô sprach Hagene, // „jâ ist noch harte kleine · dâ von ze sagene: // und wolde erß noch versuochen, · sô wær er küen ein man. // diu wunde vrumt iu kleine, · die ich von im gewunnen hân. // „Daß ir von mîner wunden · die ringe sehet rôt, // daß hât mich erreißet · ûf maneges mannes tôt. // ich bin alrêrste erzürnet · ûf in und manegen man. // mir hât der degen Îrinc · noch vil kleine getân.“ // Dô stuont gein dem winde · Îrinc von Tenelant. // er kuolte sich in ringen, · den helm er abe gebant. // dô sprâchen al die liute, · sîn ellen wære guot: // des hete der marcgrâve · einen rîch hôhen muot. // Aber sprach dô Îrinc: · „mîne vriunt, wißßet daß, // daß ir mich wâfent schiere, · ich wilß versuochen baß, // ob ich müge betwingen · den übermüeten man.“ // sîn schilt was verhouwen, · einen beßßern er gewan. // Vil schiere wart der recke · dô gewâfent baß. // einen gêr vil starken · nam er durch den haß, // dâ mite er aber wolde · Hagnen dort bestân. // eß wær im vrum und êre, · ob erß hete nu verlân. // Sîn mohte niht erbîten · Hagene der degen. // er lief im hin entgegene · mit schüßßen unde slegen // die stiegen an ein ende: · sîn zürnen daß was grôß. // Îrinc sîner sterke · dô vil wênic genôß. // Si sluogen durch die schilde, · daß eß lougen began // von viuwerrôten winden. · der Hâwartes man // wart von Hagenen swerte · krefteclîche wunt // durch schilt unde helmen; · des er wart nimmer mê gesunt. // Dô der degen Îrinc · der wunden enphant, // den schilt er baß dô ructe · über diu helmbant. // der schade in dûhte der volle, · den er dâ gewan; // sît tet im aber mêre · des künic Guntheres man. // Hagene vor sînen vüeßen · einen gêr ligen vant: // er schôß ûf Îringen, · den helt von Tenelant. // daß im von houbte · diu stange ragte dan. // im hete der übermüete · den grimmen ende getân. // Îrinc muoste entwîchen · zuo den von Tenelant. // ê man dô dem degene · den helm ab gebant, // man brach den gêr von houbte: · dô nâhte im der tôt. // daß weinden sîne mâge: · des gie si wærlîche nôt. // Dô kom diu küneginne · über in gegân: // den starken Îringen · klagen si began. // si weinde sîne wunden; · eß was ir grimme leit. // dô sprach vor sînen mâgen · der küene recke gemeit: // „Lât die klage belîben, · vil hêrlîcheß wîp. // waß hilfet iuwer weinen? · jâ muoß ich mînen lîp // verliesen von den wunden, · die ich enphangen hân. // der tôt wil mich niht langer · iu und Etzelen lân.“ // Er sprach zuo den von Dürengen · und den von Tenelant: // „die gâbe sol enphâhen · iuwer deheines hant // von der küneginne, · ir liehteß golt vil rôt: // und bestêt ir Hagenen, · ir müeßet kiesen den tôt.“ // Sîn varwe was erblichen, · des tôdes zeichen truoc // Irinc der vil küene: · daß was in leit genuoc. // genesen niht enmohte · der Hâwartes man: // dô muos eß an ein strîten · von den von Tenemarke gân. // Irnvrit und Hâwart · sprungen vür daß gadem // mit tûsent helden. · vil ungevüegen kradem // hôrt man allenthalben, · kreftec unde grôß. // hei, waß man scharfer gêre · zuo den Burgunden schôß! // Irnvrit der küene · lief an den spilman, // des er schaden grôßen · von sîner hant gewan. // der edel videlære · den lantgrâven sluoc // durch einem helm vesten: · jâ was er grimme genuoc. // Dô sluoc der hêrre Irnvrit · den küenen spilman, // daß im muosen bresten · diu ringes gespan // und daß sich beschutte · diu brünne viuwerrôt. // doch viel der lantgrâve · vor dem videlære tôt. // Hâwart unde Hagene · zesamene wâren komen. // er möhte wunder kiesen, · ders hete war genomen. // diu swert genôte vielen · den helden an der hant: // Hâwart muoste sterben · von dem von Burgunden lant. // Die Tenen und die Dürenge · ir hêrren sâhen tôt. // dô huop sich vor dem hûse · ein vreislîcher nôt, // ê si die tür gewunnen · mit ellenthafter hant. // des wart dâ verhouwen · manec helm unde rant. // „Wîchet,“ sprach dô Volkêr, · „und lât si her in gân: // eß ist sus unverendet, · des si dâ habent wân. // si müeßen drinne sterben · in vil kurzer zît: // si arnent mit dem tôde, · daß in diu küneginne gît.“ // Dô die übermüeten · kômen in den sal, // vil manegem wart daß houbet · geneiget sô ze tal, // daß er muost ersterben · vor ir swinden slegen. // wol streit der küene Gêrnôt; · sam tet ouch Gîselher der degen. // Tûsent unde viere · kômen in daß hûs: // von swerten sach man blicken · vil manegen swinden sûs. // sît wurden doch die recken · alle drinne erslagen: // man möhte michel wunder · von den Burgunden sagen. // Dar nâch wart ein stille, · dô der schal verdôß. // daß bluot allenthalben · durch diu löcher vlôß // und dâ zen rigelsteinen · von den tôten man. // daß heten die von Rîne · mit starkem ellen getân. // Dô sâßen aber râwen · die von Burgunden lant; // diu wâfen mit den schilden · si leiten von der hant. // dô stuont noch vor dem hûse · der küene spilman: // er warte, ob iemen wolde · noch zuo in mit strîte gân. // Der künic klagte sêre: · sam tet ouch sîn wîp; // meide unde vrouwen · quelten dâ den lîp. // ich wæne des, daß hête · der tôt ûf si gesworn: // des wart noch vil der recken · von den gesten dâ verlorn. // 36. Âventiure // wie diu künegin den sal vereiten ließ. „Nu bindet ab die helme,“ · sprach Hagne der degen, // „ich und mîn geselle · suln iuwer phlegen. // und wellent eß versuochen · noch die Etzeln man, // sô warn ich mîne hêrren, · sô ich aller schierest kan. // Do entwâfende daß houbet · manec rîter guot. // si sâßen ûf die wunden, · die vor in in daß bluot // wâren zuo dem tôde · von ir handen komen. // dô wart der edelen geste · vil bœse goume genomen. // Noch vor dem âbende · schuof der künic daß // und ouch diu küneginne, · daß eß versuohten baß // die Hiunischen recken. · der sach man vor in stân // noch wol zweinzec tûsent: · die muosen dâ ze strîte gân. // Sich huop ein sturm herte · zuo den gesten sân. // Dancwart, Hagenen bruoder, · der vil snelle man, // spranc von sînen hêrren · zen vînden vür die tür. // man wând, er wær erstorben; · er kom gesunt wol dervür. // Der herte strît werte, · unz in diu naht benam. // dô werten sich die geste, · sô guoten helden zam, // der Etzelen manne · den sumerlangen tac. // hei, waß guoter degene · vor in veige gelac! // Zeinen sunewenden · der grôße mort geschach, // daß diu vrouwe Kriemhilt · ir herzeleit errach // an ir næhsten mâgen · und an vil manegem man, // dâ von der künic Etzel · vreude nimmer mê gewan. // Sine het der grôßen slahte · alsô niht gedâht. // si hete eß in ihr ahte · vil gerne dar zuo brâht, // daß niuwan Hagene aleine · den lîp dâ hete lân. // do geschuof der übel tiuvel, · deiß übers alle muose ergân. // In was des tags zerrunnen, · dô gie in sorge nôt. // si dâhten, daß in beßßer · wær ein kurzer tôt // danne lange dâ ze quelne · ûf ungevüegiu leit. // eines vrides dô gerten · die stolzen rîter gemeit. // Sie bâten, daß man bræhte · den künic zuo in dar. // die bluotvarwen helde · und ouch harnaschvar // trâten ûß dem hûse · und die drî künege hêr. // si enwessen wem ze klagene · ir vil grœßlîchiu sêr. // Etzel unde Kriemhilt · kômen beidiu dar; // daß lant was ir eigen: · des mêrte sich ir schar. // er sprach zuo den gesten: · „nu sagt, waß welt ir mîn? // ir wænt vride gewinnen: · daß kunde müelîch gesîn // „Ûf schaden alsô grôßen, · als ir mir habt getân. // ir sult es niht genießen, · sol ich mîn leben hân: // mîn kint, daß ir mir sluoget, · und vil der mâge mîn, // vride unde suone · sol iu vil gar versaget sîn.“ // Sus antwurte Gunther: · „des twang uns grôßiu nôt. // alleß mîn gesinde lac · vor dînen helden tôt // an der herberge: · wie hete ich daß versolt? // ich kom zuo dir ûf triuwe, · ich wând, daß du mir wærest holt.“ // Dô sprach von Burgunden · Gîselher daß kint: // „ir Etzelen helde, · die noch lebende sint, // waß wîßet ir mir recken? · waß het ich iu getân? // wan ich vriuntlîche · in ditze lant geriten hân.“ // Si sprâchen: „dîner güete · ist al diu burc vol // mit jâmer zuo dem lande. · jâ gunde wir dir wol, // daß du nie komen wærest · von Wormeß über Rîn. // daß lant hât ir verweiset, · du und ouch die bruoder dîn.“ // Dô sprach in zornes muote · Gunther der degen: // „welt ir ditz starke haßßen · zeiner suone legen // mit uns ellenden, · deist beidenthalben guot; // eß ist gar âne schulde, · swaß uns Etzel getuot.“ // Dô sprach der wirt zen gesten: · „mîn und iuwer leit // diu sint ungelîche: · diu michel arebeit // des schaden zuo den schanden, · die ich hie hân genomen, // des sol iur deheiner · mit dem lîbe hinnen komen.“ // Dô sprach zuo dem künege · der starke Gêrnôt: // „sô sol iu Got gebieten, · daß ir vriuntlîchen tuot: // wîchet von dem hûse · und lât uns zuo ziu gân, // sît wir zuo dem lebene · haben alsô kleinen wân. // „Swaß uns geschehen künne, · daß lât dâ kurz ergân: // ir habt sô vil gesunder, · und türrens uns bestân, // daß si uns sturmmüede · lâßent niht genesen: // wie lange sul wir recken · in disen arbeiten wesen?“ // Die Etzelen recken · die hetenß nâch getân, // daß si si wolden lâßen · vür den palas gân. // daß gehôrte Kriemhilt, · eß was ir grimme leit. // des wart den ellenden · vride gâhes widerseit. // „Neinâ, Hiunen recken, · des ir dâ habet muot, // ich râte an rehten triuwen, · daß ir des niht entuot, // daß ir die mortræßen · lâßet für den sal; // sô müeßen iuwer mâge · lîden tœtlîchen val. // „Ob ir nu nieman lebte · wan diu Uoten kint, // die mînen edelen bruoder, · und kœmens an den wint, // erkuolent in die ringe, · sô sît ir alle vlorn. // eßn wurden küener degene · nie zer werlde geborn.“ // Dô sprach der junge Gîselher: · „vil schœniu swester mîn, // des getrout ich vil übele, · daß du mich über Rîn // ladetes her ze lande · in dise grôße nôt: // wie hân ich an den Hiunen · hie verdienet den tôt? // „Ich was dir ie getriuwe, · nie tet ich dir leit: // ûf solhen gedingen · her ze hove ich reit, // daß du mir holt wærest, · vil liebiu swester mîn. // bedenke an uns genâde: · eß mac niht anders gesîn.“ // „Ich enmag iu niht genâden: · ungenâde ich hân. // mir hât von Troneje Hagene · sô grôßiu leit getân // dâ heime, und hie ze lande · sluog er mir mîn kint: // des müeßen sêre entgelten, · die mit iu her komen sint. // „Welt ab ir mir Hagenen · ze gîsel einen geben, // sone wil ich niht versprechen, · ichn welle iuch lâßen leben. // wan ir sît mîne bruoder · und einer muoter kint: // sô rede ichß zeiner suone · mit den helden, die hie sint.“ // „Nune welle Got von himele,“ · sprach dô Gêrnôt. // „ob unser tûsent wæren, · wir lægen alle tôt // der sippe dîner mâge, · ê wir den einen man // gæben hie ze gîsel: · eß wirt nimmer getân.“ // „Wir müesen doch ersterben,“ · sprach dô Gîselher. // „uns enscheidet nieman · von rîterlîcher wer. // swer gerne mit uns vehte, · wir sîn et aber hie: // wan ich deheinen mînen vriunt · an den triuwen nie verlie.“ // Dô sprach der küene Dancwart, · im zæme niht ze dagene: // „jâ enstêt niht eine · noch mîn bruoder Hagene. // die hie den vride versprechent, · eß mac in werden leit; // des bringe wir iuch inne: · daß sî iu wærlîch geseit.“ // Dô sprach diu küneginne: · „ir helde vil gemeit, // nu gêt der stiege nâher · und rechet unser leit. // daß wil ich immer dienen, · als ich von rehte sol: // der Hagenen übermüete · der gelône ich im wol. // „Lât einen ûß dem gademe · niht komen über al: // sô heiß ich vieren enden · zünden an den sal. // sô werdent wol errochen · elliu mîniu leit.“ // die Etzelen recken · die wurden schiere bereit. // Die noch hie ûßen stuonden, · die tribens in den sal // mit slegen und mit schüßßen: · des wart grôß der schal. // sich wolden nie gescheiden · die vürsten und ir man: // sine kunden von ir triuwe · an ein ander niht gelân. // Den sal hieß dô zünden · daß Etzelen wîp. // dô qualte man mit viure · den helden dâ den lîp. // daß hûs von einem winde · vil balde al erbran: // ich wæne, volk enheineß · grœßer angest ie gewan. // Genuoge riefen drinne: · „ouwê dirre nôt! // wir mehten michel gerner · sîn in sturme tôt. // eß meht Got derbarmen: · wie sî wir alle vlorn! // nu richet ungevuoge · an uns diu küneginne ir zorn.“ // Ir einer sprach dar inne: · „wir müeßen ligen tôt // vor rouch und ouch vor viure: · deist ein grimmiu nôt! // mir tuot vor starker hitze · der durst sô rehte wê, // daß wæn mîn leben schiere · in disen sorgen zergê.“ // Dô sprach von Tronje Hagene: · „ir edelen rîter guot, // swen twinge dürstennes nôt, · der trinke hie daß bluot. // daß ist an solher hitze · beßßer denne wîn; // eßn mac et niht beßßer · an disen zîten gesîn.“ // Dô gie der recken einer, · da er einen tôten vant: // er kniet im zuo der wunden, · den helm er abe gebant. // dô begunde er trinken · daß vließende bluot. // swie ungewon ers wære, · eß dûhte in grœßlîchen guot. // „Nu lôn iu Got, hêr Hagene,“ · sprach der müede man, // „daß ich von iuwer lêre · sô wol getrunken hân. // mir ist noch vil selten · geschenket beßßer wîn. // lebe ich deheine wîle, · ich sol iu immer wæge sîn.“ // Do die andern daß gehôrten, · daß eß in dûhte guot, // dô wart ir michels mêre, · die trunken ouch daß bluot. // dâ von begunde kreften · der guoten recken lîp: // des engalt an lieben vriunden · vil manec wætlîcheß wîp. // Daß viur viel genôte · ûf si in den sal; // dô leiten siß mit schilden · von in hin ze tal. // der rouch und ouch diu hitze · in tâten beidiu wê. // ich wæn, sô grôßer jâmer · an helden nimmer ergê. // Dô sprach von Troneje Hagene: · „stêt zuo des sales want; // lât niht die brende vallen · ûf iuwer helmbant, // tret si mit den vüeßen · tiefer in daß bluot. // eß ist ein übel hôhgezît, · die uns diu küneginne tuot.“ // In sus getânem leide · in doch der naht zeran. // noch stuont vor dem hûse · der küene spilman // und Hagene sîn geselle · geleint über rant: // si warten schaden mêre · von den ûß Etzelen lant. // Den gesten half daß sêre, · daß der sal gewelbet was: // dâ von ir deste mêre · in der nôt genas, // wan daß si zen venstern · von viure liten nôt. // dô nerten sich die degene, · als in ir ellen daß gebôt. // Dô sprach der videlære: · „nu gê wir in den sal: // sô wænent des die Hiunen, · daß wir sîn über al // tôt von dirre quâle, · diu an uns ist getân: // si sehent uns noch begegene · in strîte ir eteslîchen gân.“ // Dô sprach von Burgunden · Gîselher daß kint: // „ich wæne, eß tagen welle: · sich hebet ein küeler wint. // nu lâß uns Got von himele · noch lieber zît geleben. // uns hât mîn swester Kriemhilt · ein arge hôhgezît gegeben.“ // Dô sprach aber einer: · „ich kiuse nu den tac. // sît daß eß uns nu beßßer · wesen niene mac, // sô wâfent ir iuch, recken, · ze strîte, deist uns nôt, // wir komen doch nimmer hinnen, · daß wir mit êren ligen tôt.“ // Der künec wolde wænen, · die geste wæren tôt // von ir arbeite · und von des viurs nôt: // dô lebte ir noch dar inne · sehs hundert küener man, // daß nie künec deheiner · beßßer degene gewan. // Der ellenden huote · hete wol ersehen, // daß noch die geste lebten, · swie vil in was geschehen // ze schaden und ze leide, · den hêrren und ir man. // man sach si in dem gademe · noch vil wol gesunde gân. // Man sagte Kriemhilde, · ir wære vil genesen. // dô sprach diu küneginne: · „daß möhte nimmer wesen, // daß ir deheiner lebte · von des viurs nôt: // ich wil des baß getrouwen, · daß si alle ligen tôt.“ // Noch genæsen gerne · die vürsten und ir man, // ob noch iemen wolde · genâde an in begân. // des enkunden si niht vinden · an den von Hiunen lant: // dô râchen si ir sterben · mit vil williger hant. // Des tages wider morgen · grüeßen man in bôt // mit hertem urliuge: · des kômen helde in nôt. // dô wart zuo in geschoßßen · vil manec starker gêr: // noch vunden si dar inne · ze wer die recken alsô hêr. // Dem Etzeln gesinde · erweget was der muot, // daß si wolden dienen · daß Kriemhilde guot; // dar zuo si wolden leisten, · daß in der künec gebôt: // dâ muose maneger schiere · von in kiesen den tôt. // Von geheiße und ouch von gâbe · man möhte wunder sagen. // si hieß golt daß rôte · dar mit schilden tragen: // si gab eß, swer sîn ruohte · und eß wolde enphân. // jane wart nie grœßer solden · mêr ûf vînde getân. // Ein michel kraft der recken · dar zuo gewâfent gie. // dô sprach der videlære: · „wir sîn et aber hie: // ine gesach ûf vehten · nie helde gerner komen, // wan die daß golt des küneges · uns ze vâre hânt genomen.“ // Dô riefen ir genuoge: · „nâher, helde, baß. // daß wir dâ suln verenden, · nu tuon bizîte daß. // hie belîbet niemen, · wan der doch sterben sol.“ // dô sach man schier ir schilde · stecken gêrschüßße vol. // Waß sol ich sagen mêre? · wol zwelf hundert man // die versuochten eß vil sêre · wider unde dan. // dô kuolten mit den wunden · die geste wol ir muot. // eßn mohte nieman scheiden: · des sach man vließen daß bluot // Von verchtiefen wunden: · der wart dâ vil geslagen. // ieslîchen nâch den vriunden · hôrte man dô klagen. // die biderben sturben alle · dem rîchen künege hêr: // des heten holde mâge · nâch in grœßlîchiu sêr. // 37. Âventiure // wie der marcgrâve Rüedegêr erslagen wart. Eß heten die ellende · wider morgen guot getân. // wine der Gotlinde · kom ze hove gegân, // dô sach er beidenthalben · diu groeßlîchen sêr: // daß weinte inneclîche · der vil getriuwe Rüedegêr. // „Sô wê mich,“ sprach der recke, · „daß ich den lîp gewan; // daß disen grôßen jâmer · kan niemen understân. // swie gerne ichß vriden wolde, · der künec entuot es niht, // wand er der sînen leide · ie mêr und mêre gesiht.“ // Dô sande an Dietrîche · der guote Rüedegêr, // ob siß noch kunden wenden · an dem künege hêr? // do enbôt im der von Berne: · „wer möht eß understân? // eß enwil der künec Etzel · scheiden nieman enlân.“ // Dô sach ein Hiunen recke · Rüedegêren stân // mit weinunden ougen, · und hetes vil getân. // der sprach zer küneginne: · „nu seht ir, wie er stât, // der doch gewalt den meisten · hie bî Etzelen hât // „Und dem eß alleß dienet, · liut unde lant. // wie ist sô vil der bürge · an Rüedegêr gewant, // der er von dem künege · vil manege haben mac! // er sluoc in disem sturme · noch nie loblîchen slac. // „Mich dunket, er enruoche, · wie eß hier umbe gât, // sît et er den vollen · nâch sînem willen hât. // man giht im, er sî küener, · danne ieman müge sîn: // daß ist in disen sorgen · worden bœslîchen schîn.“ // Mit trûregem muote · der vil getriuwe man, // den er daß reden hôrte, · der helt der blicte in an. // er gedâht: „du solt eß arnen: · du gihst, ich sî verzagt: // du hâst diu dînen mære · ze hove ze lûte gesagt.“ // Die vûst begunder twingen: · dô lief er in an // und sluoc sô krefteclîche · den Hiunischen man, // daß er im vor den vüeßen · lac vil schiere tôt. // dô was aver gemêret · des künic Etzelen nôt. // „Hin, du zage mære,“ · sprach dô Rüedegêr, // „ich hân doch genuoge · leit unde sêr. // daß ich hie niht envihte, · zwiu wîßest du mir daß? // jâ wær ich den gesten · von grôßen schulden gehaß, // „Und alleß, daß ich mehte, · daß hete ich in getân, // niuwan daß ich die recken · her gevüeret hân. // ich was ir geleite · in mînes hêrren lant: // des ensol mit in niht strîten · mîn vil ellendes hant.“ // Dô sprach zem marcgrâven · Etzel der künic hêr: // „wie habt ir uns geholfen, · vil edel Rüedegêr! // wan wir sô vil der veigen · hie ze lande hân, // wir bedurfen ir niht mêre: · ir habt vil übele getân.“ // Dô sprach der rîter edele: · „ja beswârt er mir den muot // und hât mir geitewîßet · êre unde guot, // des ich von dînen handen · sô vil hân genomen: // daß ist dem lügenære · ein teil ze unstaten komen.“ // Dô kom diu küneginne · und heteß ouch gesehen, // daß von des heldes zorne · dem Hiune was geschehen. // si klagte eß ungevuoge: · ir ougen wurden naß. // si sprach zuo Rüedegêre: · „wie habe wir verdienet daß, // „Daß ir mir und dem künege · mêret unser leit? // nu habt ir, edel Rüedegêr, · uns alleß her geseit, // ir woldet durch uns wâgen · die êre und daß leben. // ich hôrt iu vil der recken · den prîs vil grœßlîchen geben. // „Ich mane iuch der genâden, · und ir mir hânt gesworn, // do ir mir zuo Etzeln rietet, · rîter ûßerkorn, // daß ir mir woldet dienen · an unser eines tôt. // des wart mir armen wîbe · nie sô grœßlîchen nôt.“ // „Daß ist âne lougen, · ich swuor iu, edel wîp, // daß ich durch iuch wâgte · die êre und ouch den lîp; // daß ich die sêle vliese, · desn hân ich niht gesworn. // zuo dirre hôhgezîte · brâht ich die vürsten wol geborn.“ // Si sprach: „gedenke, Rüedegêr, · der grôßen triuwe dîn, // der stæte und ouch der eide, · daß du den schaden mîn // immer woldest rechen · und elliu mîniu leit.“ // dô sprach der marcgrâve: · „ich hân iu selten iht verseit.“ // Etzel der rîche · vlêgen ouch began: // dô buten si sich beidiu · ze vüeßen vür den man. // den guoten marcgrâven · unmuotes man dô sach: // der vil getriuwe recke · harte jæmerlîchen sprach: // „Ouwê mich Gotes armen, · daß ich ditz gelebet hân. // aller mîner êren · der muoß ich abe stân, // triuwen unde zühte, · die Got an mir gebôt. // ouwê, Got von himele, · daß michs niht wendet der tôt! // „Swelheß ich nu lâße · und daß ander begân, // sô hân ich bœslîche · und vil übele getân: // lâß aber ich si beide, · mich schendet elliu diet. // nu ruoche mich bewîsen, · der mir ze lebene geriet.“ // Dô bâten si genôte, · der künec und ouch sîn wîp. // des muosen sider recken · vliesen den lîp // von Rüedegêres hende, · dâ ouch der helt erstarp. // ir mugt daß hie wol hœren, · daß er vil jæmerlîchen warp. // Er weste schaden gewinnen · und ungevüegiu leit. // er hête dem künege · vil gerne verseit // und ouch der küneginne: · vil sêre vorhte er daß, // ob er ir einen slüege, · diu werlt trüege im drumbe haß. // Dô sprach zuo dem künege · der vil küene man: // „hêr künec, nu nemt hin widere, · swaß ich von iu hân, // daß lant mit den bürgen: · der sol mir niht bestên. // ich wil ûf mînen vüeßen · in daß ellende gên. // „Alles guotes âne · sô rûme ich iu diu lant, // mîn wîp und mîne tohter · nim ich an mîne hant, // ê daß ich âne triuwe · belîben müese tôt. // ich hete genomen übele · iuwer golt alsô rôt.“ // Dô sprach der künic Etzel: · „wer hulfe danne mir? // daß lant zuo den liuten · daß gibich alleß dir, // daß du mich rechest, Rüedegêr, · an den vînden mîn. // du solt ein künec gewaltic · bî neben Etzelen sîn.“ // Dô sprach aber Rüedegêr: · „wie sol ichß ane vân? // heim ze mînem hûse · ich si geladen hân, // trinken unde spîse · ich in güetlîchen bôt // und gab in mîne gâbe: · sol ich si dar zuo slahen tôt? // „Die liute wænent lîhte, · daß ich sî verzagt: // deheinen mînen dienest · hân ich in versagt; // solde ich nu mit in strîten, · daß wære missetân. // sô rouwe mich diu vriuntschaft, · die ich mit in geworben hân. // „Gîselher dem degene · gab ich die tohter mîn: // sine kunde in dirre werlde · niht baß verwendet sîn // ûf zuht und ouch ûf êre, · ûf triuwe und ûf guot. // ine gesach nie künic jungen · sô rehte tugentlîch gemuot.“ // Dô sprach aber Kriemhilt: · „vil edel Rüedegêr: // „nu lâ dich erbarmen · unser beider sêr, // mîn und ouch des küneges; · gedenke wol dar an, // daß nie wirt deheiner · sô leide geste mêr gewan.“ // Dô sprach der marcgrâve · wider daß edel wîp: // „eß muoß hiute gelten · der Rüedegêres lîp, // swaß ir und ouch mîn hêrre · mir liebes habt getân: // dar umbe muoß ich sterben; · daß enmac niht langer gestân. // „Ich weiß wol, daß noch hiute · mîn bürge und mîniu lant // iu müeßen ledec werden · von ir eteslîches hant. // ich bevilhe iu ûf genâde · mîn wîp und mîn kint // und die vil ellenden, · die ze Bechelâren sint.“ // „Nu lôn dir Got, Rüedegêr,“ · sprach der künic dô. // er und diu küneginne · si wurden beidiu vrô. // „uns suln dîne liute · vil wol bevolhen wesen: // ouch trouwe ich mînem heile, · daß du maht selbe wol genesen.“ // Dô ließ er an die wâge · sêle unde lîp. // dô begunde weinen · daß Etzelen wîp. // er sprach: „ich muoß iu leisten, · als ich gelobt hân. // ouwê der mînen vriunde, · die ich vil ungerne bestân.“ // Man sach in von dem künege · vil trûreclîchen gân. // dô vant er sîne recken · vil nâhen bî im stân: // er sprach: „ir sult iuch wâfenen, · alle mîne man: // die küenen Burgunden · muoß ich leider bestân.“ // Si hießen balde springen, · dâ man ir wâfen vant. // eß der helm wære · od des schildes rant, // von ir ingesinde · wart eß in dar getragen. // sît hôrten leidiu mære · die stolzen ellende sagen. // Gewâfent wart dô Rüedegêr · mit fünf hundert man, // dar über zwelf recken · sach man mit im gân. // die wolden prîs erwerben · in des sturmes nôt: // si enwessen niht der mære, · daß in sô nâhent der tôt. // Dô sach man Rüedegêre · under helme gân. // eß truogen swert diu scharphen · des marcgrâven man, // dar zuo vor ir handen · die liehte schilde breit. // daß sach der videlære: · eß was im grœßlîchen leit. // Dô sach der junge Gîselher · sînen sweher gên // mit ûf gebundem helme. · wie moht er dô verstên, // waß er dâ mite meinte · niuwan alleß guot? // des wart der künic edele · sô rehte vrœlîch gemuot. // „Nu wol mich solher vriunde!“ · sprach Gîselher der degen, // „die wir hân gewunnen · nu ûf disen wegen. // wir suln mînes wîbes · vil wol genießen hie: // mir ist liep ûf mîne triuwe, · daß ie der hîrât ergie.“ // „Ine weiß, wes ir iuch trœstet,“ · sprach der spilman. // „wâ sâht ir ie durch suone · sô manegen helt gân // mit ûf gebunden helmen, · die trüegen swert enhant? // an uns wil dienen Rüedegêr · sîne bürge und sîniu lant.“ // Bedaß der videlære · die rede vol sprach, // Rüdegêr den edelen · man vor dem hûse sach. // sînen schilt den guoten · satzt er vür den vuoß: // dô muos er sînen vriunden · versagen dienst unde gruoß. // Der edel marcgrâve · rief dô in den sal: // „ir küene Nibelunge, · nu wert iuch über al. // ir soldet mîn genießen, · ir enkeltet mîn. // ê dô wâr wir vriunde, · der triuwe wil ich ledec sîn.“ // Do erschrahten dirre mære · die nôthaften man: // in was der trôst enphallen, · den si dâ wânden hân, // dô mit in wolde strîten, · dem si dâ wâren holt. // si heten doch von vînden · vil michel arbeit gedolt. // „Nune welle Got von himele,“ · sprach Gunther der degen, // „daß ir iuch genâden · sült an uns bewegen // und der vil grôßen triuwe, · der wir doch heten muot: // ich wil iu des getrouwen, · daß ir eß nimmer getuot.“ // „Jane mac ichs niht gelâßen,“ · sprach der küene man: // „ich muoß mit iu strîten, · wan ichß gelobt hân. // nu wert iuch, küene degene, · sô liep iu sî der lîp. // mich enwoldes niht erlâßen · des künic Etzelen wîp.“ // „Ir widersagt uns nu ze spâte,“ · sprach der künic hêr. // „nu müeß iu Got vergelten, · vil edel Rüedegêr, // triuwe unde minne, · die ir uns habt getân, // ob ir eß an dem ende · woldet güetlîcher lân. // „Wir soltenß immer dienen, · daß ir uns habt gegeben, // ich und mîne mâge, · ob ir uns ließet leben, // der hêrlîchen gâbe, · dô ir uns brâhtet her // in Etzeln lant mit triuwen; · des gedenket, edel Rüedegêr.“ // „Wie wol ich iu des gunde,“ · sprach Rüedegêr der degen, // „daß ich iu mîne gâbe · mit vollen solde wegen // alsô willeclîche, · als ich des hete wân. // sone wurde mir dar umbe · nimmer schelten getân.“ // „Erwindet, edel Rüedegêr,“ · sprach dô Gêrnôt, // „wan eß wirt deheiner · gesten nie erbôt // sô rehte minneclîchen, · als ir uns habt getân. // des sult ir wol genießen, · ob wir bî lebene bestân.“ // „Daß wolde Got,“ sprach Rüedegêr, · „vil edel Gêrnôt, // daß ir ze Rîne wæret · und ich wære tôt // mit etlîchen êren, · sît ich iuch sol bestân! // eß wart an ellenden · von vriunden noch nie wirs getân.“ // „Nu lône iu Got, hêr Rüedegêr,“ · sprach dô Gêrnôt, // „der vil rîchen gâbe. · mich riuwet iuwer tôt, // sol an iu verderben · sô tugentlîcher muot. // hie trag ich iuwer wâfen, · daß ir mir gâbet, helt guot. // „Daß ist mir nie geswichen · in aller dirre nôt: // under sînen ecken · lît manec rîter tôt. // eß ist lûter unde stæte, · hêrlîch unde guot. // ich wæne, sô rîcher gâbe · ein recke nimmer mê getuot. // „Und welt ir niht erwinden, · irn welt uns bestân, // slaht ir mir iht der vriunde, · die ich hinne hân, // mit iuwer selbes swerte · nim ich iu den lîp! // sô riuwet ir mich, Rüedegêr, · und iuwer hêrlîcheß wîp.“ // „Daß wolde Got, hêr Gêrnôt, · und meht eß ergân, // daß aller iuwer wille · wære hie getân // und daß genesen wære · iuwer vriunde lîp! // jâ sold iu wol getrûwen · beidiu mîn tohter und mîn wîp.“ // Dô sprach von Burgunden · der schœnen Uoten kint: // „wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? · die mit mir komen sint, // si sint iu alle wæge: · ir grîfet übel zuo: // die iuwer schœne tohter · welt ir verwitwen ze vruo. // „Swenne ir und iuwer recken · mit strîte mich bestât, // wie reht unvriuntlîche · ir daß schînen lât, // daß ich iu wol getrûwe · vür alle ander man, // dâ von ich ze wîbe · iuwer tohter mir gewan.“ // „Gedenket iuwer triuwen, · vil edel künic hêr, // gesende iuch Got von hinne,“ · sô sprach Rüedegêr, // „lât die juncvrouwen · niht enkelten mîn: // durch iuwer selbes tugende · sô ruochet ir genædec sîn.“ // „Daß tæt ich billîche,“ · sprach Gîselher daß kint: // „die hôhen mîne mâge, · die noch hier inne sint, // suln die von iu sterben, · sô muoß gescheiden sîn // diu vil stæte vriuntschaft · zuo dir und der tohter dîn.“ // „Nu müeß uns Got genâden,“ · sprach der küene man. // dô huoben si die schilde, · alsô si wolden dan // strîten zuo den gesten · in Kriemhilde sal. // dô rief vil lûte Hagene · von der stiege hin ze tal: // „Belîbet eine wîle, · vil edel Rüedegêr.“ // alsô sprach dô Hagene: · „wir wolden reden mêr, // ich und mîne hêrren, · als uns des twinget nôt. // waß mac gehelfen Etzeln · unser ellender tôt? // „Ich stên in grôßen sorgen,“ · sprach aber Hagene, // „den schilt, den mir vrou Gotelint · gap zuo tragene, // den habent mir die Hiunen · zerhouwen von der hant. // ich vuort in vriuntlîche · in daß Etzelen lant. // „Daß des Got von himele · ruochen wolde, // daß ich schilt sô guoten · noch tragen solde, // sô den du hâst vor hende, · vil edel Rüedegêr! // so bedorfte ich in dem sturme · deheiner halsperge mêr.“ // „Vil gerne wær ich dir guot · mit mînem schilde, // getörst ich dirn gebieten · vor Kriemhilde. // doch nim du in hin, Hagene, · und trag in an der hant. // hei, soldest du in vüeren · in der Burgunden lant!“ // Do er im sô willeclîchen · den schilt ze gebene bôt, // dô wart genuoger ougen · von heißen trehen rôt. // eß was diu leste gâbe, · die sider immer mêr // bôt deheinem degene · von Bechlâren Rüedegêr. // Swie grimme Hagne wære · und wie herte gemuot, // ja erbarmet in diu gâbe, · die der helt guot // bî sînen lesten zîten · sô nâhen het getân. // vil manec rîter edele · mit im trûren began. // „Nu lôn iu Got von himele, · vil edel Rüedegêr. // eß wirt iur gelîche · deheiner nimmer mêr, // der ellenden recken · sô hêrlîchen gebe. // sô sol daß Got gebieten, · daß iuwer tugende immer lebe.“ // „Sô wê mich dirre mære,“ · sô sprach ab Hagene. // „wir heten ander swære · sô vil ze tragene: // suln wir mit vriunden strîten, · daß sî Got gekleit.“ // dô sprach der marcgrâve: · daß ist mir inneclîche leit.“ // „Nu lôn ich iu der gâbe, · vil edel Rüedegêr. // swie halt gein iu gebâren · dise recken hêr, // daß nimmer iuch gerüeret · mit strîte hie mîn hant, // ob ir si alle slüeget · die von Burgunden lant.“ // Des neig im mit zühten · der guote Rüedegêr. // si weinten allenthalben: · daß disiu herzen sêr // niemen scheiden kunde, · daß was ein michel nôt. // vater aller tugende · lac an Rüedegêre tôt. // Dô sprach von dem hûse · Volkêr der spileman: // „sît mîn geselle Hagene · den vride hât getân, // den sult ir alsô stæte · hân von mîner hant. // daß habt ir wol verdienet, · dô wir kômen in daß lant. // „Vil edel marcgrâve, · ir sult mîn bote sîn. // dise rôte bouge · gab mir diu marcgrâvîn, // daß ich si tragen solde · hie zer hôhgezît: // die mugt ihr selbe schouwen, · daß ir des mîn geziuge sît.“ // „Daß wolde Got von himele,“ · sprach dô Rüedegêr, // „daß iu diu marcgrâvinne · noch solde geben mêr. // diu mære sage ich gerne · der triutinne mîn, // gesihe ich si gesunder: · des sult ir âne zwîvel sîn.“ // Als er im daß gelobete, · den schilt huop Rüedegêr: // des muotes er ertobete: · do enbeit er dâ niht mêr. // dô lief er zuo den gesten, · einem degen gelîch, // manegen slac vil swinden · sluoc der marcgrâve rîch. // Die zwêne stuonden hôher, · Volkêr und Hagene, // wan eß im ê gelobten · die zwêne degene. // noch vant er als küenen · bî den türen stân, // daß Rüedegêr des strîtes · mit grôßen sorgen began. // Durch mortræßen willen · sô ließen in dar in // Gunther und Gêrnôt: · si heten helde sin. // dô stuont hôher Gîselher: · zwâre eß was im leit. // er versach sich noch des lebenes: · dâ von er Rüedegêre meit. // Dô sprungen zuo den vînden · des marcgrâven man. // man sach si nâch ir hêrren · vil degenlîche gân. // diu snîdunde wâfen · si truogen an der hant: // des brast dâ vil der helme · und manec hêrlîcher rant. // Dô sluogen die vil müeden · vil manegen swinden slac // den von Bechelâren, · der eben und tiefe wac, // durch die vesten ringe · vast unz ûf daß verch. // si tâten in dem sturme · diu vil hêrlîchen werch. // Daß edel ingesinde · was nu komen in. // Volkêr und Hagene · die sprungen balde hin. // sine gâben vride niemen · wan dem einen man. // von ir beider hende · daß bluot durch helme nider ran. // Wie rehte gremlîche · vil swerte drinne erklanc! // vil der schiltspange · ûß von slegen spranc: // des reis ir schiltsteine · nider in daß bluot: // si vâhten alsô grimme, · daß manß nimmer mê getuot. // Der vogt von Bechelâren · gie wider unde dan, // alsô der mit ellen · in sturme werben kan. // dem tet des tages Rüedegêr · harte wol gelîch, // daß er ein recke wære · vil küene unde lobelîch. // Hie stuonden dise recken, · Gunther und Gêrnôt, // si sluogen in dem strîte · vil manegen helt tôt. // Gîselher und Dancwart · die zwêne eß ringe wac: // des vrumten si vil manegen · hinz ûf den jungisten tac. // Vil wol zeigte Rüedegêr, · daß er was starc genuoc, // küene und wol gewâfent: · hei, waß er helde sluoc! // daß sach ein Burgunde: · dô twang in zornes nôt. // dâ von begunde nâhen · des guoten Rüedegêres tôt. // Gêrnôt der starke · den helt ruofte er an. // er sprach zem marcgrâven: · „ir welt mir mîner man // niht genesen lâßen, · vil edel Rüedegêr. // daß müet mich âne mâße: · ichn kans niht an gesehen mêr. // „Nu mag iu iuwer gâbe · wol ze schaden komen, // sît ir mîner vriunde · mir habt sô vil genomen. // nu wendet iuch her umbe, · vil edel küene man: // iur gâbe wirt verdienet, · sô ichß aller hoehste kan.“ // Ê daß der marcgrâve · zuo im vol kœme dar, // des muosen liehte ringe · werden missevar. // dô sprungen zuo ein ander · die êre gernde man. // ir ietweder schermen · vür starke wunden began. // Ir swert sô scharph wâren, · eß enkunde in niht gewegen. // dô sluoc Gêrnôten · Rüedegêr der degen // durch helmen vlinsherten, · daß nider vlôß daß bluot: // daß vergalt im schiere · der rîter küene unde guot. // Die Rüedegêres gâbe · an hende er hôhe erwac: // swie wunt er wær zem tôde, · er sluog im einen slac // durch den schilt vil guoten · unz ûf diu helmgespan: // dâ von muose ersterben · dô der Gotlinden man. // Jane wart nie wirs gelônet · sô rîcher gâbe mêr. // dô vielen beide erslagene, · Gêrnôt und Rüedegêr, // gelîch in dem sturme · von ir beider hant. // alrêst erzurnde Hagene, · dô er den grôßen schaden bevant. // Dô sprach der helt von Troneje: · „eß ist uns übel komen. // wir haben an in beiden · sô grôßen schaden genomen, // den wir nimmer überwinden, · ir liut und ouch ir lant. // die Rüedegêres helde · sint unser ellenden phant.“ // Dane wolde ir deheiner · dem andern niht vertragen: // vil maneger âne wunden · dar nider wart geslagen, // der wol genesen wære: · ob im wart solch gedranc, // swie gesunt er anders wære, · dêr in dem bluote doch ertranc. // „Ouwê mich mînes bruoder, · der tôt ist hie gevrumt. // waß mir der leiden mære · ze allen zîten kumt! // ouch muoß mich immer riuwen · mîn sweher Rüedegêr: // der schade ist beidenthalben · und diu grœßlîchen sêr.“ // Dô der junge Gîselher · sach sînen bruoder tôt, // die dô dar inne wâren, · die muosen lîden nôt. // der tôt der suohte sêre, · dâ sîn gesinde was. // der von Bechelâren · dô langer einer niht genas. // Gunther unde Gîselher · und ouch Hagene, // Dancwart unde Volkêr, · die guoten degene, // die giengen, dâ si vunden · ligen die zwêne man: // dô wart dâ von den helden · mit jâmer weinen begân. // „Der tôt uns sêre roubet,“ · sprach Gîselher daß kint. // „nu lâßet iuwer weinen, · und gê wir an den wint, // daß uns die ringe erkuolent, · uns strîtmüeden man. // jâ wæn Got uns langer · hie ze lebene niht engan.“ // Den sitzen, den sich leinen · sach man dâ manegen degen. // si wâren aber müeßec. · dâ wâren tôt gelegen // die Rüedegêres helde: · vergangen was der dôß. // sô lange wert diu stille, · daß sîn Etzeln erdrôß. // „Ouwê mir dirre swære,“ · sprach des küneges wîp, // „si sprechent al ze lange. · unser vînde lîp // mac nu wol vrî belîben · vor Rüedegêres hant: // er wil si wider bringen · in der Burgunde lant. // „Waß hilfet, künic Etzel, · daß wir geteilet hân // mit im, swaß er wolde? · der helt hât missetân. // der uns dâ solde rechen, · der wil der suone phlegen. // des antwurte ir dô Volkêr, · der vil zierlîche degen: // „Der rede enist sô niht leider, · vil edel küneges wîp. // getörste ich heißen liegen · alsus edelen lîp, // sô het ir tievellîchen · an Rüedegêr gelogen. // er und die sîne degene · sint an der suone gar betrogen. // „Er tet sô willeclîche, · daß im der künec gebôt, // daß er und sîn gesinde · ist hie gelegen tôt. // nu seht al umbe, Kriemhilt, · wem ir gebieten welt: // iu hât unz an den ende · gedienet Rüedegêr der helt. // „Welt ir es niht gelouben, · man solß iuch sehen lân.“ // durch ir herzen sêre · sô wart duo daß getân: // man truoc den helt verhouwen, · dâ in der künic sach. // den Etzelen degenen · sô rehte leide nie geschach. // Dô si den marcgrâven · tôten sâhen tragen, // eß enkunde ein schrîber · gebrieven noch gesagen // die manegen ungebærde · von wîbe und ouch von man, // diu sich von herzen jâmer · aldâ zeigen began. // Der Etzelen jâmer · der wart alsô grôß, // als eines leuwen stimme · der rîche künec erdôß // mit herzeleidem wuofe: · alsam tet ouch sîn wîp. // si klagten ungevuoge · des guoten Rüedegêres lîp. // 38. Âventiure // wie hêrn Dietrîches man alle erslagen wurden. Dô hôrt man allenthalben · jâmer alsô grôß, // daß palas unde türne · von dem wuof erdôß. // dô hôrte eß ouch von Berne · ein Dietrîches man: // durch disiu starken mære · wie balde er gâhen began! // Dô sprach er zuo dem vürsten: · „hœrt, mîn hêr Dietrîch. // swaß ich noch her gelebet hân, · sô rehte unmügelîch // gehôrte ich klage nie mêre, · als ich nu hân vernomen. // ich wæne, der künic selbe · ist zuo der hôhgezîte komen. // „Wie mehtens anders alle · haben solhe nôt? // der künic oder Kriemhilt, · ir eineß daß ist tôt // von den küenen gesten · durch ir nît gelegen. // eß weinet ungevuoge · vil manec ûßerwelter degen.“ // Dô sprach der vogt von Berne: · „mîne vil liebe man, // nu gâhet niht sô sêre. · swaß hie hânt getân // die ellenden recken, · des gât in michel nôt: // und lât si des genießen, · daß ich in mînen vride enbôt.“ // Dô sprach der küene Wolfhart: · „ich wil dar gân // und wil der mære vrâgen, · waß si haben getân, // und wilß iu sagen denne, · vil lieber hêrre mîn, // als ich eß dort ervinde, · waß diu rede müge sîn.“ // Dô sprach der hêrre Dieterîch: · „swa man zornes sich versiht, // ob ungevüegiu vrâge · danne dâ geschiht, // daß betrüebet recken · lîhte ir muot. // ich enwil niht, Wolfhart, · daß ir die vrâge getuot.“ // Dô bat er Helfrîche · balde dar gân, // und hieß daß ervinden · an Etzelen man // oder an den gesten, · waß wære dâ geschehen. // done het er nie von liuten · sô grôßen jâmer gesehen. // Der bote begunde vrâgen; · „waß ist hie getân?“ // dô sprach dar under einer: · „dâ ist vil gar zergân, // swaß wir vreuden hêten · in der Hiunen lant: // hie ligt erslagen Rüedegêr · von der Burgunden hant. // „Die mit im dar in kômen, · derst einer niht genesen.“ // do enkunde Helfrîche · nimmer leider wesen. // jâ sagte er sîniu mære · sô rehte ungerne nie. // der bote dô hin widere · vil sêre weinende gie. // „Waß habt ir uns ervunden?“ · sprach dô Dietrîch: // „wie weinet ir sô sêre, · degen Helferîch?“ // dô sprach der edel recke: · „ich mac wol balde klagen: // den guoten Rüedegêre · hânt die Burgunde erslagen.“ // Dô sprach der helt von Berne: · „desn sol niht wellen Got. // daß wær ein starkiu râche · und ouch des tievels spot. // wâ mit hete Rüedegêr · an in daß versolt? // jâ ist mir daß wol künde, · er ist den ellenden holt.“ // Des antwurte Wolfhart: · „und heten siß getân, // sô solt eß in allen · an daß leben gân. // ob wir inß vertrüegen, · des wær wir geschant. // jâ hât uns vil gedienet · des guoten Rüedegêres hant.“ // Der vogt der Amelunge · hieß eß ervarn baß. // vil harte senelîche · er in ein venster saß: // dô bat er Hilprande · zuo den gesten gân, // daß er an in ervüere, · waß dâ wære getân. // Der sturmküene recke, · meister Hilprant, // weder schilt noch wâfen · truoger an der hant: // er wolde in sînen zühten · zuo den gesten gân; // von sîner swester kinde · wart im ein strâfen getân. // Dô sprach der grimme Wolfhart: · „welt ir dar blôßer gân, // sô mag eß ân ein schelten · nimmer wol gestân: // sô müeßt ir lesterlîche · tuon die widervart; // komt ir dar gewâfent, · daß eteslîcher wol bewart.“ // Dô garte sich der wîse · durch des tumben rât. // ê eß ervunde Hildebrant, · dô wâren in ir wât // alle Dietrîches recken · und truogen swert enhant. // dem helde was eß leide: · vil gerne het erß erwant. // Er vrâgte, war si wolden. · „wir wellen mit iu dar. // waß, ob von Tronje Hagene · deste wirs getar // gein iu mit spotte sprechen, · des er wol kan gephlegen?“ // dô er die rede gehôrte, · dô gestuont ins der degen. // Dô sach der küene Volkêr · wol gewâfent gân // die recken von Berne, · die Dietrîches man, // begürtet mit den swerten; · si truogen schilt enhant: // er sagteß sînen hêrren · ûßer Burgunde lant. // Dô sprach der videlære: · „ich sihe dort here gân // sô rehte vîentlîche · die Dietrîches man, // gewâfent under helme: · si wellent uns bestân. // ich wæne, eß an daß übele · uns ellenden welle gân.“ // In den selben zîten · kom ouch Hildebrant. // dô satzter vür die vüeße · sînes schiltes rant. // er begunde vrâgen · die Guntheres man: // „ouwê, ir guote helde, · waß hete iu Rüedegêr getân? // „Mich hât mîn hêrre Dieterîch · her zuo iu gesant: // ob erslagen hête · iuwer deheines hant // den edelen marcgrâven, · als uns daß ist geseit? // wir enkunden überwinden · niht diu grœßlîchen leit.“ // Dô sprach von Troneje Hagene: · „daß mær ist ungelogen, // wie wol ich iu des gunde, · het iuch der bote betrogen, // durch Rüedegêres liebe, · daß lebte noch sîn lip, // den immer mugen weinen · beidiu man unde wîp.“ // Dô si daß rehte erhôrten, · daß er wære tôt, // dô klagten in die recken: · ir triuwe in daß gebôt. // den Dietrîches mannen · sach man trehne gân // über bart und über kinne: · in was vil leide getân. // Der herzoge ûßer Berne · Sigestap dô sprach: // „nu hât gar ein ende · genomen der gemach, // den uns hie vuogte Rüedegêr · nâch unsern leiden tagen: // vreude ellender diete · lît von iu helden hie erslagen.“ // Dô sprach von Amelunge · der degen Wolfwîn: // „und ob ich hiute sæhe · tôt den vater mîn, // mir enwurde nimmer leider · denn umbe sînen lîp. // ouwê, wer sol nu trœsten · des guoten marcgrâven wîp?“ // Dô sprach in zornes muote · der degen Wolfhart: // „wer wîset nu die recken · sô manege hervart, // alsô der marcgrâve · vil dicke hât getân? // ouwê, vil edel Rüedegêr, · daß wir dich sus verloren hân!“ // Wolfbrant und Helferîch · und ouch Helmnôt // mit allen ir vriunden · weinden sînen tôt. // vor siuften mohte vrâgen · niht mêre Hildebrant: // er sprach: „nu tuot, ir degene, · dar nâch mîn hêrre hât gesant. // „Gebt uns Rüedegêren · sô tôten ûß dem sal, // an dem gar mit jâmer · lît unser vreuden val, // und lât uns an im dienen, · daß er ie hât getan // an uns vil grôßer triuwe · und an manegem vremden man. // „Wir sîn ouch ellende · als Rüedegêr der degen. // wes lâßet ir uns bîten? · lât in uns after wegen // tragen, daß wir nâch tôde · lônen noch dem man; // wir hetenß vil billîche · bî sînem lebene getân.“ // Dô sprach der künic Gunther: · „nie dienest wart sô guot, // sô den ein vriunt vriunde · nâch dem tôde tuot. // daß heiße ich stæte triuwe, · swer die kan begân. // ir lônet im von schulden: · er hât iu liebe getân.“ // „Wie lange sul wir vlêgen?“ · sprach Wolfhart der degen. // „sît unser trôst der beste · von iu ist tôt gelegen, // und wir sîn leider mêre · megen niht gehaben, // lât uns in tragen hinnen, · dâ wir den recken begraben.“ // Des antwurte im Volkêr: · „niemen iu in gît. // nu nemt in in dem hûse, · dâ der degen lît // mit starken verchwunden · gevallen in daß bluot: // so ist eß ein voller dienest, · den ir hie Rüedegêre tuot.“ // Dô sprach der küene Wolfhart: · „Got weiß wol, hêr spilman, // irn durft uns nicht reißen: · ir habt uns übele getân. // törst ich vor mînem hêrren, · sô kœmet irs in nôt. // des müeße wirß lâßen, · wan er uns strîten hie verbôt.“ // Dô sprach der videlære: · „der vorht ist al ze vil, // swaß man im verbiutet, · derß alleß lâßen wil: // daß kan ich niht geheißen · rehten heldes muot.“ // diu rede dûhte Hagenen · von sînem hergesellen guot. // „Welt ir den spot niht lâßen,“ · sprach aber Wolfhart, // „ich entrihte iu lîht die seiten, · swenne ir die widervart // rîtet gegen Rîne, · daß irß wol muget gesagen. // iuwer übermüeten · mag ich mit êren niht vertragen.“ // Dô sprach der videlære; · „swenn ir die seiten mîn // verirret guoter dœne, · der iuwer helmschîn // muoß vil trüebe werden · von der mînen hant, // swie halt ich gerîte · in der Burgunde lant.“ // Dô wolt er zuo im springen, · wan daß in niht enlie // Hildebrant sîn œheim · in vaste zim gevie. // „ich wæn, du woldest wüeten · durch dînen tumben zorn; // mînes hêrren hulde · wir heten immer mêr verlorn.“ // „Lât ab den leuwen, meister, · er ist sô grimme gemuot; // kumt abe er mir ze handen,“ · sprach Volkêr der degen guot, // „het er die werlt alle · mit sîner hant erslagen, // ich slahe in, daß erß widerspel · nimmer mêre darf gesagen.“ // Des wart vil sêre erzürnet · der Bernære muot, // den schilt gezucte Wolfhart, · ein sneller helt guot: // alsam ein leuwe wilde · lief er vor in dan. // im wart ein gæheß volgen · von sînen vriunden getân. // Swie wîter sprünge er phlæge · vür des sales want, // doch ergâhte in vor der stiege · der alte Hildebrant: // er wolde in vor im lâßen · niht komen in den strît. // si vunden, daß si suohten, · an den ellenden sît. // Dô spranc zuo Hagene · meister Hilprant: // diu swert man hôrt erklingen · an ir beider hant. // si wâren sêre erzürnet, · vil wol erkôs manß sint: // von ir zweier wâfen · gie der viurrôte wint. // Die wurden dô gescheiden · in des strîtes nôt: // daß tâten die von Berne, · als in ir kraft gebôt. // zehant dô meister Hildebrant · want von Hagene dan, // dô lief der starke Wolfhart · den küenen Volkêren an. // Er sluoc den videlære · ûf den helmehuot, // daß des swertes ecke · unz ûf die spange wuot. // daß vergalt mit ellen · der küene spilman: // dô sluog er Wolfharten, · daß er stieben began. // Des viurs ûß den ringen · hiuwen si genuoc: // haß ir ieslîcher · dem anderen truoc. // die schiet dô von Berne · der degen Wolfwîn. // ob eß ein helt niht wære, · daß kunde nimmer gesîn. // Gunther der vil küene · mit williger hant // enphie die helde mære · von Amelunge lant. // Gîselher der hêrre · diu liehten helmvaß // der vrumte er dâ vil manegeß · von bluote rôt unde naß. // Dancwart, Hagenen bruoder, · was ein grimmec man: // swaß er dâ vor hête · in strîte getân // den Etzelen recken, · daß was gar ein wint: // alrêst vaht tobelîche · des küenen Aldrîânes kint. // Ritschart unde Gêrbart, · Helfrîch und Wîchart // die heten in manegen stürmen · selten sich gespart: // des brâhten si wol inne · die Guntheres man. // dô sach man Wolfprande · in sturme hêrlîchen gân. // Dô vaht, alsam er wuote, · der alte Hildebrant. // vil der guoten recken · vor Wolfhartes hant // mit tôde muose vallen · von swerten in daß bluot: // sus râchen Rüedegêren · die recken küene unde guot. // Dô vaht der hêrre Sigestap, · als im sîn ellen riet. // hei, waß er in dem sturme · der herten helme schriet // den sînen vîenden, · Dietrîches swester sun. // er kunde in dem sturme · nimmer beßßers niht getuon. // Volkêr der starke, · dô er daß ersach, // daß Sigestap der küene · den bluotegen bach // hiu ûß herten ringen, · daß was dem helde zorn: // er spranc im hin engegene. · dô hete Sigstap verlorn // Von dem videlære · vil schiere daß leben: // er begunde im sîner künste · al solhen teil dâ geben, // daß er von sînem swerte · muose ligen tôt. // daß rach der alte Hildebrant, · als im sîn ellen daß gebôt. // „Ouwê liebes hêrren,“ · sprach meister Hildebrant, // „der hie lît erstorben · vor Volkêres hant. // nune sol der videlære · lenger niht genesen.“ // Hildebrant der küene · wie kunder grimmer sîn gewesen. // Dô sluog er Volkêren, · daß im diu helmbant // stuben allenthalben · zuo des sales want // von helm und ouch von schilte · dem küenen spilman; // dâ von der starke Volkêr · dô den ende dâ gewan. // Dô drungen zuo dem strîte · die Dietrîches man. // si sluogen, daß die ringe · vil verre dræten dan // und daß man ort der swerte · vil hôhe vliegen sach. // si holten ûß den helmen · den heiße vließenden bach. // Dô sach von Troneje Hagene · Volkêren tôt: // daß was zer hôhgezîte · sîn aller meistiu nôt, // die er dâ hete gewunnen · an mâge und ouch an man. // ouwê, wie harte Hagene · den helt dô rechen began! // „Nu ensol sîn niht genießen · der alte Hildebrant: // mîn helfe lît erslagene · von des heldes hant, // der beste hergeselle, · den ich ie gewan.“ // den schilt den ructer hôher: · dô gie er houwende dan. // Helfrîch der starke · Dancwarten sluoc. // Gunther unde Gîselher · den was eß leit genuoc, // dô si in sâhen vallen · in der starken nôt. // er het mit sînen handen · wol vergolten sînen tôt. // Swie vil von manegen landen · gesamnet wære dar, // vil vürsten krefteclîche · gegen ir kleinen schar, // wæren die kristen liute · wider si niht gewesen, // si wæren mit ir ellen · vor allen heiden wol genesen. // Die wîle gie ouch Wolfhart · beidiu wider unde dan, // alleß houwende · die Guntheres man. // er was die driten kêre · nu komen durch daß wal: // dâ viel von sînen handen · vil manec recke ze tal. // Dô rief der starke Gîselher · Wolfharten an: // „ouwê, daß ich sô grimmen · vîent ie gewan! // edel rîter küene, · nu wendet gegen mîn. // ich wil eß helfen enden, · eß enmac niht lenger gesîn.“ // Ze Gîselhere kêrte · Wolfhart in den strît. // dô sluoc ir ietwedere · vil manege wunden wît. // sô rehte krefteclîche · er zuo dem künege dranc, // daß imß bluot undern vüeßen · al überß houbet gespranc. // Mit swinden slegen grimme · der schœnen Uoten kint // enphie Wolfharten · den küenen recken sint. // swie stark der degen wære, · er kunde niht genesen. // eßn dorfte künec sô junger · nimmer küener sîn gewesen. // Dô sluoger Wolfharten · durch eine brünne guot, // daß im von der wunde · nider schôß daß bluot: // er wunte zuo dem tôde · den Dietrîches man. // eßn hete âne einen recken · zwâre niemen getân. // Alsô der küene Wolfhart · der wunden enphant, // den schilt ließ er vallen: · hôher an der hant // huob er ein starkeß wâfen, · daß was scharf genuoc: // durch helm und durch ringe · der helt dô Gîselheren sluoc. // Si heten bêde ein ander · den grimmen tôt getân. // do enlebte ouch nu niht mêre · der Dietrîches man. // Hildebrant der alte · Wolfharten vallen sach: // im wæn vor sînem tôde · sô rehte leide nie geschach. // Dô wâren gar erstorben · die Guntheres man // und ouch die Dietrîches. · Hilprant was gegân, // dâ Wolfhart was gevallen · nider in daß bluot. // er umbeslôß mit armen · den recken küene unde guot. // Er wolde in ûß dem hûse · mit im tragen dan; // er was ein teil ze swære: · er muose in ligen lân. // dâ blicte ûß dem bluote · der rêwunde man: // er sach wol, daß im gerne · sîn neve het geholfen dan. // Dô sprach der tôtwunde: · „vil lieber œheim mîn, // irn mugt an disen zîten · mir niht vrum gesîn. // nu hüetet iuch vor Hagene: · jâ dunket eß mich guot: // er treit in sînem herzen · einen grimmigen muot. // „Und ob mich mîne mâge · nâch tôde wellen klagen, // den næhsten und den besten · den sult ir von mir sagen, // daß si nâch mir iht weinen, · daß sî âne nôt: // von eines küneges handen · lig ich hie hêrlîchen tôt. // „Ich hân ouch hier inne sô · vergolten mînen lîp, // daß eß wol mugen beweinen · der guoten rîter wîp. // ob iuch des iemen vrâge, · sô mugt ir balde sagen: // vor mîn eines handen · lît wol hundert erslagen.“ // Dô gedâht ouch Hagene · an den spilman, // dem der alte Hildebrant · sîn leben an gewan: // dô sprach er zuo dem degene: · „ir geltet mîniu leit. // ir habt uns hinne erbunnen · vil maneges recken gemeit.“ // Er sluog ûf Hildebrande, · daß man wol vernam // Palmunge dießen, · den Sîvride nam // Hagene der vil küene, · dâ er den helt sluoc. // dô werte sich der alte: · er was ouch küene genuoc. // Der Wolfhartes œheim · sluog ein wâfen breit // ûf Hagenen von Troneje, · daß ouch vil sêre sneit. // done kunder niht verwunden · den Guntheres man. // dô sluog aber in Hagene · durch eine brünne wol getân. // Alsô meister Hildebrant · der wunden reht enphant, // dô vorhte er schaden mêre · von der Hagenen hant. // den schilt warf über rucke · der Dietrîches man: // mit der starken wunden · der helt dô Hagenen entran. // Dâ was nu nieman lebender · al der degene, // niuwan die zwêne aleine, · Gunther und Hagene. // mit bluote gie berunnen · der alte Hildebrant: // er brâhte leidiu mære, · dâ er Dietrîchen vant. // Dô sach er trûreclîchen · sitzen hie den man: // der leide michels mêre · der vürste dô gewan. // er sach ouch Hilprande · in sîner brünne rôt: // dô vrâgter in der mære, · als im diu sorge gebôt. // „Nu sagt mir, meister Hildebrant, · wie sît ir sô naß // von dem verchbluote? · oder wer tet iu daß? // ich wæne, ir mit den gesten · zem hûse habt gestriten: // ich verbôt eß iu sô sêre: · dô het irß billîch vermiten.“ // Dô sagte er sînem hêrren: · „eß tet Hagene: // der sluoc mir dise wunden · in dem gademe, // dô ich von dem recken · wolde wenden dan. // mit mînem lebene · dem tiuvel kûme ich entran.“ // Dô sprach der Bernære: · „vil reht ist iu geschehen, // dô ir mich vriuntschefte · den recken hôrtet jehen, // daß ir den vride dâ brâchent, · den ich in hete gegeben: // het ichs niht immer schande, · ir soldet vliesen daß leben.“ // „Nu erzürnet niht sô sêre, · mîn hêr Dietrîch: // an mir und mînen vriunden · der schade ist alze rîch. // wir wolden Rüedegêren · hân getragen dan: // des enwolden uns niht gunnen · des künic Guntheres man.“ // „Sô wê mir dirre leide! · ist Rüedegêr doch tôt? // daß muoß mir sîn ein jâmer · vor aller mîner nôt. // Gotelint diu edele · ist mîner basen kint: // ach wê der armen weisen, · die dâ ze Bechlâren sint!“ // Riuwen unde leides · mant in dô sîn tôt. // er begunde weinen: · des gie dem helde nôt. // „ouwê getriuwer helfe, · die ich verlorn hân: // jane überwinde ich nimmer mê · des künic Etzelen man. // „Megt ir mir, meister Hildebrant, · diu rehten mære sagen, // wer der recke wære, · der in dâ hât erslagen?“ // er sprach: „daß tet mit kreften · der starke Gêrnôt: // von Rüedegêres handen · ist ouch der helt gelegen tôt.“ // Er sprach zuo Hildebrande: · „nu sagt mînen man, // daß si sich balde wâfenen, · wan ich wil dar gân, // und heißet mir gewinnen · mîn liehteß wîcgewant: // ich wil selbe vrâgen · die helde ûß Burgunde lant.“ // Dô sprach meister Hildeprant: · „wer sol zuo iu gên? // swaß ir habt der lebenden, · die seht ir bî iu stên: // daß bin ich alters eine: · die andern die sint tôt.“ // do erschricte er dirre mære: · des gie im wærlîchen nôt, // Wan er leit sô grôßeß · zer werlde nie gewan. // er sprach: „und sint erstorben · alle mîne man, // sô hât mîn Got vergeßßen, · ich armer Dietrîch! // ich was ein künec gewaltec, · vile hêr unde rîch.“ // „Wie kunde eß sich gevüegen,“ · sprach aber hêr Dietrîch, // „daß si alle sint erstorben, · die helde lobelîch, // von den strîtmüeden, · die doch heten nôt? // wan durch mîn ungelücke, · in wær noch vremde der tôt! // „Sît daß es mîn unsælde · niht langer wolde entwesen, // sô sagt mir, ist der geste · noch iemen dâ genesen?“ // dô sprach meister Hildebrant: · „daß weiß Got, nieman mêr // niuwan Hagene aleine · und Gunther der künic hêr.“ // „Ouwê, lieber Wolfhart, · sol ich dich hân verlorn, // sô mac mich balde riuwen, · daß ich ie wart geborn; // Sigstab unde Wolfwîn · und ouch Wolfbrant: // wer sol mir denne helfen · in der Amelunge lant? // „Helfrîch der vil küene, · und ist mir der erslagen, // Gêrbart unde Wîchart, · wie solde ich die verklagen? // daß ist an mînen vreuden · mir der leste tac. // ouwê, daß vor leide · nieman wol sterben mac.“ // 39. Âventiure // wie Gunther unde Hagene unde Kriemhilt wurden erslagen. Dô nam der hêrre Dietrîch · selbe sîn gewant; // im half, daß er sich wâfente, · der alte Hildebrant. // dô klagte alsô sêre · der kreftige man, // daß daß hûs erdießen · von sîner stimme began. // Do gewan er aber widere · rehten heldes muot. // in grimme wart gewâfenet · dô der degen guot. // einen schilt vil vesten · den nam er an die hant: // si giengen balde danne, · er unde meister Hildebrant. // Dô sprach von Tronje Hagene: · „ich sihe dort her gân // den hêrren Dietrîche: · der wil uns bestân // nâch sînem starken leide, · daß im ist hie geschehen. // man sol daß hiute kiesen, · wem man des besten müge jehen. // „Jane dunket sich von Berne · der hêrre Dietrîch // nie sô stark des lîbes · und sô gremlîch, // und wil erß an uns rechen, · daß im ist getân,“ // alsô redete Hagene, · „ich getar in harte wol bestân.“ // Dise rede hôrte · Dietrîch und Hildebrant. // er kom, dâ er die recken · beide stênde vant // ûßen vor dem hûse · geleinet an den sal. // sînen schilt den guoten · satzt hêr Dietrîch ze tal. // In leitlîchen sorgen · sprach hêr Dietrîch: // „wie habt ir sô geworben, · Gunther, künic rîch, // wider mich ellenden? · waß het ich iu getân? // alles mînes trôstes · des bin ich eine bestân. // „Iuch endûhte niht der volle · an der grôßen nôt, // dô ir uns Rüedegêre · den helet sluoget tôt: // nu habt ir mir erbunnen · aller mîner man. // jane het ich iu helden · solher leide niht getân. // „Gedenket an iuch selben · und an iuwer leit, // tôt der iuwer vriunde · und ouch diu arbeit, // ob eß iu guoten recken · beswârt iht den muot. // ouwê, wie rehte unsanfte · mir tôt der Rüedegêres tuot! // „Eß geschach ze dirre werlde · nie manne leider mêr. // ir gedâhtet übele · an mîn und iuwer sêr. // swaß ich vreuden hête, · diu liget von iu erslagen: // ja enkan ich nimmer mêre · die mîne mâge verklagen.“ // „Jane sî wir niht sô schuldec,“ · sprach dô Hagene. // „eß giengen ze dem hûse · die iuwer degene // gewâfent wol ze vlîße · mit einer schar sô breit. // mich dunket, daß diu mære · iu niht rehte sint geseit.“ // „Waß sol ich mêr gelouben? · mir sagt Hildebrant: // dô mîne recken gerten · von Amelunge lant, // daß ir in Rüedegêre · gæbet ûß dem sal, // dô bütet ir niuwan spotten · den mînen recken her ze tal.“ // Dô sprach der vogt von Rîne: · „si jâhen, wolden tragen // Rüedegêr von hinne: · den hieß ich in versagen // Etzeln ze leide · und niht den dînen man, // unz daß dô Wolfhart · dar umbe schelten began.“ // Dô sprach der helt von Berne: · „eß muose et alsô sîn. // Gunther, künic edele, · durch die zühte dîn // ergetze mich der leide, · die mir sint getân, // und süene eß, rîter küene, · sô wil ich gar die schulde lân. // „Ergip dich mir ze gîsel, · du und dîn man: // sô wil ich iuch behüeten, · so ich aller beste kan, // daß dir hie zen Hiunen · niemen niht entuot. // du solt an mir niht vinden · niuwan triuwe und alleß guot.“ // „Daß enwelle Got von himele,“ · sprach dô Hagene, // „daß sich dir ergæben · zwêne degene, // die du sô werlîche · noch sihest gewâfent stân. // daß hieße ein michel schande · und wær ouch übele getân.“ // „Irn sult eß niht versprechen,“ · sprach aber Dietrich. // „Gunther unde Hagene, · jâ habt ir beide mich // sô sêre beswæret, · daß herze und ouch den muot, // und welt ir michs ergetzen, · daß irß vil billîchen tuot. // „Ich gibs iu mîne triuwe · und sicherlîche hant, // daß ich mit iu wider heim · rîte in iuwer lant. // ich geleite iuch nâch den êren · oder ich gelige tôt // und wil durch iuch vergeßßen · der mînen grœßlîchen nôt.“ // „Nu enmuotet sîn niht mêre,“ · sprach aber Hagene. // „von uns enzimt daß mære · niht wol ze sagene, // daß sich iu ergæben · zwên alsô küene man. // nu siht man bî iu niemen · wan eine Hildebrande stân.“ // Des antwurte Hildebrant: · „iuch möhte wol gezemen // den vride mînes hêrren · ob ir den ruochtet nemen: // eß kumt noch an die stunde · vil lîhte in kurzer zît, // daß ir in gerne næmet · und in iu danne niemen gît.“ // „Jâ næme ich ê die suone,“ · sprach ab Hagene, // „ê ich sô lesterlîche · von eime degene // vlühe, meister Hildebrant, · als ir hie habt getân: // ich wânde ûf mîne triuwe, · ir kundet baß gein vînden stân.“ // Dô sprach meister Hildebrant: · „zwiu verwîßet ir mir daß? // nu wer was, der ûfme schilde · vor dem Wasgensteine saß, // dô im von Spâne Walther · sô vil der mâge sluoc? // ouch habt ir noch ze zeigen · an iu selben genuoc.“ // Dô sprach der hêrre Dieterîch: · „daß enzimt niht helde lîp, // daß si suln schelden · sam diu alten wîp. // ich verbiute iu, meister Hildebrant, · daß ir iht sprechet mêr. // mich ellenden recken · twinget grœßlîchiu sêr. // „Lât hœren, vriunt Hagene,“ · sprach dô Dietrîch, // „waß ir ê redetet, · ir recken lobelîch, // dô ir mich gewâfent · zuo iu sâhet gân? // ir jâhet, daß ir eine · mit strîte woldet mich bestân.“ // „Jane lougent iu des niemen,“ · sprach Hagene der degen, // „ich enwelleß hie versuochen · mit den starken slegen, // eß ensî, daß mir zebreste · daß Niblunges swert. // mir ist zorn, daß unser beider · hie ze gîsel ist gegert.“ // Dô Dietrîch gehôrte · den grimmen Hagnen muot, // den schilt vil balde zucte · der snelle degen guot. // wie balde gein im Hagene · von der stiegen spranc! // Niblunges swert daß guote · vil lûte ûf Dietrîch erklanc. // Dô wesse wol hêr Dieterîch, · daß der küene man // vil grimmes muotes wære: · schirmen im began // der hêrre von Berne · vor angestlîchen slegen. // vil wol erkander Hagenen: · er was ein ûßerwelter degen. // Ouch vorht er Balmunge, · ein wâfen starc genuoc. // under wîlen Dietrîch · mit listen wider sluoc, // unz daß er Hagenen · mit strîte doch betwanc. // er sluog im eine wunden, · diu was tief unde lanc. // Do gedâht der hêrre Dieterîch: · „du bist in nôt erwigen; // ich hâns lützel êre, · soltu nu tôt geligen. // ich wil eß sus versuochen, · ob ich entwingen kan // dich mir zeinem gîsel.“ · daß wart mit sorgen getân. // Den schilt ließ er vallen: · sîn sterke diu was grôß; // Hagnen von Troneje · mit armen er beslôß. // des wart dô betwungen · von im der küene man. // Gunther der edele · dar umbe trûren began. // Hagene bant dô Dieterîch · und vuorte in, dâ er vant // die edelen küneginne, · und gab ir bî der hant // den küenisten recken, · der ie swert getruoc. // nâch ir vil starkem leide · dô wart si vrœlîch genuoc. // Vor liebe neic dem degene · daß Etzelen wîp: // „immer sî dir sælec · dîn herze und ouch dîn lîp. // du hâst mich wol ergetzet · aller mîner nôt: // daß sol ich immer dienen, · mich ensûme der tôt.“ // Dô sprach der hêrre Dieterîch: · „ir sult in lân genesen, // vil edeliu küneginne. · eß mac vil wol noch wesen, // daß iuch sîn dienst ergetzet, · daß er iu hât getân: // er sol des niht enkelten, · daß irn gebunden sehet stân.“ // Dô hieß si vüeren Hagenen · an sînen ungemach, // dâ er lac besloßßen · und dâ in niemen sach. // Gunther der künic edele · rüefen dô began. // „war kom der helt von Berne? · der hât mir leide getân.“ // Dô gie im hin engegene · der hêrre Dietrîch. // Guntheres ellen · daß was vil lobelîch; // do enbeit ouch er niht mere, · er lief her vür den sal. // von ir beiden swerten · huob sich ein grœßlîcher schal. // Swie vil der hêrre Dieterîch · lange was gelobt, // Gunther was sô sêre · erzürnet und ertobt: // wan er nâch starkem leide · dô sîn vîent was. // man sagt eß noch ze wunder, · daß dô hêr Dietrîch genas. // Ir ellen und ir sterke · beide wâren grôß. // palas und türne · von ir slegen dôß, // dô si mit swerten hiuwen · ûf die helme guot. // eß hete der künic Gunther · einen hêrlîchen muot. // Sît twanc in der von Berne, · als Hagnen ê geschach. // daß bluot man durch die ringe · dem helde vließen sach // von einem starken swerte, · daß truoc hêr Dietrîch. // doch het gewert hêr Gunther · nâch müede loblîchen sich. // Der hêrre wart gebunden · von Dietrîches hant, // swie künege niene solden · lîden solhiu bant. // er dâht, ob er si ließe, · den künec und sînen man, // alle, die si vünden, · die müesen tôt vor in bestân. // Dietrîch von Berne · der nam in bî der hant: // dô vuorte er in gebunden, · da er Kriemhilde vant. // dô was mit sîme leide · ir sorge ein teil benomen. // si sprach: „künic Gunther, · sît mir grôße willekomen.“ // Er sprach: „ich sold iu nîgen, · vil edel swester mîn, // ob iuwer grüeßen mehte · genædeclîcher sîn. // ich weiß iuch, küneginne, · sô zornec gemuot, // daß ir mich und Hagenen · vil swacheß grüeßen getuot.“ // Dô sprach der helt von Berne: · „vil edel küneges wîp, // eß enwart nie gîsel mêre · sô guoter rîter lîp, // als ich iu, vrouwe hêre, · an in gegeben hân. // nu solt ir die ellenden · mîn vil wol genießen lân.“ // Si jach, si tæte eß gerne. · dô gie hêr Dietrîch // mit weinenden ougen · von den helden lobelîch. // sît rach sich grimmeclîche · daß Etzelen wîp: // den ûß erwelten degenen · nam si beiden den lîp. // Si lie si ligen sunder · durch ir ungemach, // daß ir sît dewedere · den andern nie gesach. // unz si ir bruder houbet · hin vür Hagenen truoc. // der Kriemhilde râche · wart an in beiden genuoc. // Dô gie diu küneginne, · dâ si Hagnen sach; // wie rehte vîntlîche · si zuo dem recken sprach: // „welt ir mir geben widere, · daß ir mir habt genomen, // sô megt ir noch wol lebende · heim zuo den Burgunden komen.“ // Dô sprach der grimme Hagene: · „diu rede ist gar verlorn, // vil edeliu küneginne. · jâ hân ich des gesworn, // daß ich den hort iht zeige: · die wîle daß si leben, // deheiner mîner hêrren, · so enwirt er nieman gegeben.“ // „Ich bringeß an ein ende,“ · sô sprach daß edel wîp. // dô hieß si ir bruoder · nemen dâ den lîp. // man sluoc im ab daß houbet: · bî hâre si eß truoc // vür den helt von Troneje: · dô wart im leide genuoc. // Alsô der ungemuote · sîns hêrren houbet sach, // widre Kriemhilde · dô der recke sprach: // „du hâst eß zeinem ende · nâch dîme willen brâht, // und ist ouch rehte ergangen, · als ich mir hête gedâht. // „Nu ist von Burgunde · der edel künic tôt, // Gîselher der junge · und ouch Gêrnôt. // den schatz weiß nu nieman · wan Got unde mîn: // der sol dich vâlentinne · immer gar verholn sîn.“ // Si sprach: „sô habt ir übele · geltes mich gewert; // sô wil ich doch behalten · daß Sîvrides swert. // daß truoc mîn holder vriedel, · dô ich in jungist sach, // an dem mir herzen leide · vor allem leide geschach.“ // Si zôch eß von der scheide: · daß kunder niht erwern. // dô dâhte si den recken · des lebenes behern. // si huob eß mit ir handen, · daß houbet si im abe sluoc. // daß sach der künic Etzele: · dô was im leide genuoc. // „Wâfen,“ sprach der vürste, · „wie ist nu tôt gelegen // von eines wîbes handen · der aller beste degen, // der ie kom ze sturme · oder ie schilt getruoc! // swie vîent ich im wære, · eß ist mir leide genuoc.“ // Dô sprach meister Hildebrant: · „ja geniußet si es niht, // daß si in slahen torste; · swaß halt mir geschiht, // swie er mich selben brâhte · in angestlîche nôt, // iedoch sô wil ich rechen · des küenen Tronjæres tôt.“ // Hildebrand mit zorne · ze Kriemhilde spranc: // er sluoc der küneginne · eines swertes swanc. // jâ tet ir diu sorge · von dem degene wê; // waß maht si gehelfen, · daß si vil grœßlîchen schrê? // Dô was gelegen über al · dâ der veigen lîp: // ze stucken lac gehouwen · dô daß edel wîp. // Etzel unde Dietrîch · weinen dô began: // si klageten jæmerlîche · beide mâge unde man. // Diu vil mîchel êre · was dâ gelegen tôt: // die liute heten alle · jâmer unde nôt. // mit leide was verendet · des küneges hôhgezît, // als ie diu liebe leide · an dem ende gerne gît. // Ine kan iu niht bescheiden, · waß sider dâ geschach, // wan kristen unde heiden · weinen man dâ sach, // wîb unde knehte · und manege schœne meit: // die heten nâch ir vriunden · diu allergrœßisten leit. // Ine sage iu nu niht mêre · von der grôßen nôt; // die dâ erslagen wâren, · die lâßen ligen tot — // wie ir dinc aneviengen · sît der Hiunen diet, // hie hât daß mære ein ende: · daß ist {der Nibelunge liet}. // * * * * * [Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten übereinstimmend mit A.] Hilprant mit zorne · ze Kriemhilden spranc. // er sluoc der küneginne · einen swæren swertes swanc, // enmitten dâ der borte · ir den lîp het umbegeben. // dô muose diu küneginne · verliesen dâ ir werdeß leben. // Daß swert daß sneit sô drâte, · daß si sîn niht enphant, // daß si het gerüeret · unsanft; si sprach zehant: // „dîn wâfen ist verplawen: · du solteß von dir legen; // eß zimt niht wol ze tragene · eim als zierlîchen degen.“ // Dô zôch er von dem vinger · einen rinc rôt guldîn; // er warf in ir vor die vüeße: · „hebt ir daß vingerlîn // ûf von der erden, · sô habt ir wâr, edel wîp.“ // si neic sich nâch dem golde: · dô viel entzwei ir werder lîp. // Nu ist ouch gelegen Kriemhilt, · ouwê der nôt: // wie rehte gar unmüeßec · was dâ der tôt! // Dietrîch und Etzel · sêre weinen dô began: // si klagten inneclîche · beide wîp unde man. // Diu vil michel êre · was dâ gelegen tôt. // die liute heten alle · jâmer unde nôt. // mit leide was verendet · des küneges hôchzît, // als ie diu liebe leide · ze aller jungiste gît. // Ich enkan iu niht bescheiden, · waß sider dâ geschach, // wan rîter unde knehte · weinen man dâ sach, // dar zuo die edeln knehte, · ir lieben vriunde tôt. // hie hât daß mær ein ende: · ditze ist {der Nibelunge nôt}. //