Vollständig, mit Benutzung mehrerer Handschriften zusammengestellt von Karl Simrock, nachbearbeitet.
Uns ist in alten mæren · wunders vil geseit
von helden lobebæren, · von grôßer kuonheit,
von vreude und hôhgezîten, · von weinen und von klagen,
von küener recken strîten · muget ir nu wunder hœren sagen.
Es wuohs in Burgunden · ein edel magedîn,
daß in allen landen · niht schœners mohte sîn;
Kriemhilt was si geheißen, · si wart ein schœne wîp.
dar umbe muosen degene · vil verliesèn den lîp.
Der minneclîchen meide · triuten wol gezam;
ir muoten küene recken; · niemen was ir gram.
âne mâßen schœne · sô was ir edel lîp.
der juncvrouwen tugende · zierten anderiu wîp.
Ir phlâgen drî künege · edel unde rîch,
Gunther unde Gêrnôt, · die recken lobelîch,
und Gîselhêr der junge, · ein ûßerwelter degen.
diu vrouwe was ir swester, · die vürsten hetens in ir phlegen.
Die hêrren wâren milte, · von arte hôch geborn,
mit krefte unmâßen küene, · die recken ûß erkorn.
dâ zen Burgunden · sô was ir lant genant;
si vrumten starkiu wunder · sît in Etzelen lant.
Ze Wormße bî dem Rîne · si wonden mit ir kraft;
in diende von ir landen · vil stolziu rîterschaft
mit lobelîchen êren · unz an ir endes zît.
sît sturbens jâmerlîche · von zweier edelen vrouwen nît.
Ein rîchiu küneginne · vrou Uote ir muoter hieß:
ir vater hieß Dancrât, · der in diu erbe ließ
sît nâch sînem lebene, · ein ellens rîcher man,
der ouch in sîner jugende · grôßer êren vil gewan.
Die drî künege wâren, · als ich gesaget hân,
von vil hôhem ellen; · in wâren undertân
ouch die besten recken, · von den man hât gesaget,
stark und vil küene, · in allen strîten unverzaget.
Daß was von Troneje Hagene · und ouch der bruoder sîn,
Dancwart der snelle, · von Metzen Ortwîn,
die zwêne marcgrâven · Gêre und Eckewart,
Volkêr von Alzeije, · mit ganzen ellen wol bewart,
Rûmolt der kuchenmeister, · ein tiuwerlîcher degen,
Sindolt und Hûnolt: · die hêrren muosen phlegen
des hoves und der êren, · der drîer künege man;
si heten noch manegen recken, · der ich genennen niht enkan.
Dancwart der was marschalc; · dô was der neve sîn
trúhs̀æße des küneges, · von Metzen Ortwîn;
Sindolt der was schenke, · ein wætlîcher degen;
Hûnolt was kamerære: · si kunden hôher êren phlegen.
Von des hoves koste · und von ir wîten kraft,
von ir vil hôhen werdekeit · und von ir rîterschaft,
der die hêrren phlâgen · mit vreuden al ir leben,
des enkunde iu ze wâre · niemen gar ein ende geben.
In ir hôhen êren · troumde Kríemhildè,
wie si züge einen valken · stárc schœn und wíldè,
den ir zwên arn erkrummen, · daß si daß muose sehen.
ir enkunde in dirre werlde · leider nimmer geschehen.
Den troum si dô sagete · ir muoter Úotèn;
sine kunde in niht bescheiden · baß der gúotèn:
„der valke, den du ziuhest, · daß ist ein edel man:
in welle Got behüeten, · du muost in schiere vloren hân.“
„Waß saget ir mir von manne, · vil liebiu muoter mîn?
âne recken minne · sô wil ich immer sîn.
sus schœn ich wil belîben · unz an mînen tôt,
daß ich von recken minne · sol gewinnen nimmer nôt.“
„Nu versprich eß niht ze sêre“, · sprach ir muoter dô,
„soltu immer herzenlîche · zer werlde werden vrô,
daß geschiht von mannes minne: · du wirst ein schœne wîp,
ob Got dir noch gevüeget · eins rehte guoten rîters lîp“.
„Die rede lât belîben, · vil liebiu muoter mîn:
eß ist an manegen wîben · vil dicke worden schîn,
wie liebe mit leide · zu jungest lônen kan:
ich sol si mîden beide, · son kan mir nimmer missegân“.
Kriemhilt in ir muote · sich minne gar bewac.
sît lebete diu vil guote · vil manegen lieben tac,
daß si wesse niemen, · den minnen wolde ir lîp.
sît wart si mit êren · eins vil werden recken wîp.
Der was der selbe valke, · den si in ir troume sach,
den ir beschiet ir muoter. · wie sêre si daß rach
an ir næhsten mâgen, · die in sluogen sint!
durch sîn eines sterben · starp vil maneger muoter kint.
Dô wuohs in Niderlanden · eins rîchen küneges kint,
des vater hieß Sigemunt, · sîn muoter Sigelint,
in einer bürge rîche, · wîten wol bekant,
niden bî dem Rîne, · diu was ze Santen genant.
Ich sage iu von dem degene, · wie schœnè der wart.
sîn lîp vor allen schanden · was vil wol bewart.
stark unde mære · wart sît der küene man.
hei, waß er grôßer êren · ze diser werlde gewan!
Sîvrit was geheißen · der snelle degen guot.
er versuohte vil der recken · durch ellenthaften muot.
durch sînes lîbes sterke · reit er in menegiu lant.
hei, waß er sneller degene · sît zen Burgunden vant!
Ê daß der degen küene · vol gewuohs ze man,
dô hete er solhiu wunder · mit sîner hant getân,
dâ von man immer mêre · mac singen unde sagen,
des wir in disen stunden · müeßen vil von im gedagen.
In sînen besten zîten, · bî sînen jungen tagen,
man mohte michel wunder · von Sîvride sagen,
waß êren an im wüehse · und wie schœne was sîn lîp;
des heten in ze minne · diu vil wætlîchen wîp.
Man zôch in mit dem vlîße, · als im daß wol gezam:
von sîn selbes muote · waß tugende er an sich nam!
des wurden sît gezieret · sînes vater lant,
daß man in ze allen dingen · sô rehte hêrlîchen vant.
Er was nu sô gewahsen, · daß er ze hove reit.
die liute in gerne sâhen: · manec vrouwe und manec meit
im wunschten, daß sîn wille · in immer trüege dar.
holt wâren im genuoge: · des wart der hêrre wol gewar.
Vil selten âne huote · man rîten lie daß kint.
in hieß mit kleidern zieren · Sigmunt und Sigelint.
sîn phlâgen ouch die wîsen, · den êre was bekant:
des mohte er wol gewinnen · beidiu liute unde lant.
Nu was er in der sterke, · daß er wol wâfen truoc:
swes er dar zuo bedorfte, · des lag an im genuoc.
dô begunde er sinnen · werben schœniu wîp:
die trûten wol mit êren · den sînen wætlîchen lîp.
Dô hieß sîn vater Sigemunt · künden sînen man,
er wolde hôhgezîte · mit lieben vriunden hân.
diu mære man dô vuorte · in ander künege lant.
den vremden und den kunden · gab er ros unt gewant.
Swâ man vant deheinen, · der rîter solde sîn
von arte der sînen mâge, · diu edelen kindelîn
ladet man zuo dem lande · durch die hôhgezît:
mit dem jungen künege · swert genâmen si sît.
Von der hôhzîte · man wunder möhte sagen.
Sigmunt unde Sigelint · die mohten wol bejagen
mit guote michel êre: · des teilte vil ir hant.
des sach man vil der vremden · zuo in rîten in daß lant.
Vier hundert swertdegene · die solten tragen kleit
mit dem jungen künege; · vil manec schœniu meit
von werke was unmüeßec, · wan si im wâren holt.
vil der edelen steine · die vrouwen leiten in daß golt,
Die si mit borten wolden · wurken ûf ir wât
den jungen stolzen recken; · des enwas niht rât.
der wirt der hieß dô sidelen · vil manegem küenen man
zeinen sunewenden, · dâ Sîvrit rîters namen gewan.
Dô gie zeime münster · vil manec rîcher kneht
und vil der edelen rîter; · die wîsen heten reht,
daß si den tumben dienden, · als in was ê getân.
si heten kurzwîle · und ouch vil maneger vreuden wân.
Gote man dô zen êren · eine messe sanc.
dô huop sich von den liuten · vil michel gedranc,
dô si ze rîter wurden · nâch rîterlîcher ê
mit alsô grôßen êren, · daß wætlîch nimmer mêre ergê.
Si liefen, dâ si vunden · gesatelt manec marc.
in hove Sigmundes · der buhurt wart sô starc,
daß man erdießen hôrte · palas unde sal:
die hôch gemuoten degene · heten vrœlîchen schal.
Von wîsen und von tumben · man hôrte manegen stôß,
daß der schefte brechen · gein dem lufte dôß.
trunzûne sach man vliegen · vür den palas dan.
dâ sâhen kurzwîle · beide wîp und ouch die man.
Der wirt bat eß lâßen: · dâ zôch man dan diu marc.
man sach ouch dâ zebrochen · vil manege buckel starc
und vil der edelen steine · gevellet ûf daß gras
abe liehten schildes spangen; · von hurte daß geschehen was.
Dô giengen swirtes geste, · dâ man in sitzen riet.
vil der edelen spîse · si von ir müede schiet
und wîn der aller beste, · des man in vil getruoc.
den vremden und den kunden · bôt man êren dâ genuoc.
Swie vil si kurzwîle · phlâgen al den tac,
vil der varnden diete · ruowe sich bewac:
si dienden nâch der gâbe, · die man dâ rîche vant.
des wart mit lobe gezieret · alleß Sigmundes lant.
Der hêrre hieß dô lîhen · Sîvrit den jungen man
lant unde bürge, · als er hete ê getân.
sînen swertgenôßen · den gap dô vil sîn hant:
dô liebete in diu reise, · daß si kômen in daß lant.
Diu hôhgezît werte · unz an den sibenden tac.
Siglint diu rîche · nâch alten siten phlac
durch ir sunes liebe · teilen rôteß golt.
si kunde eß wol gedienen, · daß im die liute wâren holt.
Vil lützel der varenden · man dâ armen vant.
ros unde kleider · daß stoub in von der hant
sam si ze lebene hêten · niht mêr wan einen tac.
ich wæn nie ingesinde · grœßer milte gephlac.
Mit lobelîchen êren · schiet sich diu hôhzît.
von den rîchen hêrren · hôrte man wol sît,
daß si den jungen wolden · zeime hêrren hân:
des gerte niht Sîvrit, · der vil wætlîche man.
Sît daß noch beide lebten, · Sigmunt und Sigelint,
niht wolde tragen krône · ir beider liebeß kint;
doch wolde er wesen hêrre · vür allen den gewalt,
des in den landen vorhte · der degen küene unde balt.
In dorfte niemen schelten: · sît dô er wâfen nam,
jâ geruowete vil selten · der recke lobesam
suohte niuwan strîten; · sîn ellenthaftiu hant
tet in zallen zîten · in vremden rîchen wol bekant.
Den hêrren muoten selten · deheiniu herzeleit.
er hôrte sagen mære, · wie ein schœniu meit
wær in Burgunden, · ze wunsche wolgetân,
von der er sît vil vreuden · und ouch arbeit gewan.
Diu ir unmâßen schœne · was vil wîten kunt,
und ir hôhgemüete · zuo der selben stunt
an der juncvrouwen · sô manec helt ervant:
eß ladete vil der geste · in daß Guntheres lant.
Swaß man nâch ir minne · der werbenden sach,
Kriemhilt in ir sinne · ir selber nie verjach,
daß si deheinen wolde · ze triutenne hân.
er was ir noch vil vremde, · dem si wart sider undertân.
Dô dâhte ûf hôhe minne · daß Siglinde kint.
Eß was ir aller werben · wider in ein wint.
er mohte wol verdienen · schœner vrouwen lîp.
Sît wart diu edel Kriemhilt · des küenen Sîvrides wîp.
Im rieten sîne mâge · und ander sîne man,
sît er ûf stæte minne · tragen wolde wân,
daß er dan eine wurbe, · diu im möhte zemen.
Dô sprach der edel Sîvrit: · „sô wil ich Kriemhilden nemen,
„Die edeln juncvrouwen · von Burgunden lant,
durch ir vil grôßen schœne; · daß ist mir wol bekant,
nie keiser wart sô rîche, · der wolde haben wîp,
im zæme wol ze minne · der rîchen küneginne lîp.“
Disiu selben mære · gehôrte Sigmunt.
eß reiten sîne liute: · dâ von wart im kunt
der wille sînes kindes · was im harte leit,
daß er werben wolde · die vil hêrlîchen meit.
Eß gevriesch ouch Sigelint, · des edelen küneges wîp.
si hete grôße sorge · umb ir kindes lîp,
wan si wol erkande · Gunthern und sîne man.
den gewerp man dem degene · sêre leiden began.
Dô sprach der küene Sîvrit: · „vil lieber vater mîn,
ân edeler vrouwen minne · wolde ich immer sîn,
ich enwurbe dar mîn herze · vil grôße liebe hât.“
swaß iemen reden kunde, · des was deheiner slahte rât.
„Und wiltu niht erwinden,“ · sprach der künic dô,
„sô bin ich dînes willen · wærlîchen vrô
und wil dirß helfen enden, · so ich aller beste kan:
doch hât der künic Gunther · vil manegen hôhverten man.
„Ob eß anders nieman wære · wan Hagene der degen,
der kan mit übermüete · wol hôhverte pflegen,
daß ich des sêre vürhte, · eß müge uns werden leit,
ob wir werben wellen · die vil hêrlîchen meit.“
„Waß mag uns daß gewerren?“ · sprach dô Sîvrit,
„swaß ich vriuntlîche · niht ab in erbit,
daß mac sus erwerben · mit ellen dâ mîn hant.
ich trouwe an im ertwingen · beidiu liute unde lant.“
Dô sprach der vürste Sigemunt: · „dîn rede ist mir leit.
wan wurden disiu mære · ze Rîne geseit,
dune dörftest nimmer rîten · in Guntheres lant.
Gunther unde Gêrnôt · die sint mir lange bekant.
„Mit gewalte niemen · erwerben mac die maget,“
sô sprach der künic Sigmunt, · „daß ist mir wol gesaget;
wil aber du mit recken · rîten in daß lant,
ob wir iht haben vriunde, · die werdent schiere besant.“
„Des enist mir niht ze muote,“ · sprach aber Sîvrit,
„daß mir süln ze Rîne · recken volgen mit
durch deheine hervart, · daß wære mir vil leit,
dâ mit ich solde ertwingen · die vil hêrlîchen meit.
„Si mac wol sus erwerben · dâ mîn eines hant.
ich wil selbe zwelfter · in Guntheres lant.
dar sult ir mir helfen, · vater Sigmunt.“
dô gab man sînen degenen · ze kleidern grâ unde bunt.
Do vernam ouch disiu mære · sîn muoter Siglint.
si begunde trûren · umbe ir liebeß kint:
daß vorhte si verliesen · von Guntheres man.
diu edel küneginne · vil sêre weinen began.
Sîvrit der hêrre · gie, dâ er si sach;
wider sîne muoter · er güetlîchen sprach:
„vrouwe, ir sult niht weinen · durch den willen mîn:
jâ wil ich âne sorge · vor allen wîganden sîn.
„Nu helfet mir der reise · in Burgunden lant,
daß ich und mîne recken · haben sölch gewant,
daß also stolze degene · mit êren mügen tragen.
des wil ich iu genâde · mit triuwen wærlîchen sagen.“
„Sît du niht wil erwinden,“ · sprach vrou Siglint,
„sô hilfe ich dir der reise, · mîn einigeß kint,
mit der besten wæte, · die rîter ie getruoc,
dir und den dînen degenen: · ir sult ir vüeren genuoc.“
Dô neic der küneginne · Sîvrit der junge man.
Er sprach: „ich wil zer verte · niemen mêre hân
niuwan zwelef recken: · den sol man brüeven wât.
ich wil daß sehen gerne, · wieß umbe Kriemhilde stât.“
Dô sâßen schœne vrouwen · naht unde tac,
daß lützel ir deheiniu · ruowe gephlac,
unze man geworhte · die Sîvrides wât.
er wolde sîner reise · haben deheiner slahte rât.
Sîn vater hieß im zieren · sîn rîterlîch gewant,
dâ mite er wolde rûmen · daß Sigmundes lant.
die ir vil liehten brüneje · die wurden ouch bereit
und ir veste helmen, · ir schilde schœne unde breit.
Dô nâhte in ir reise · ze den Burgunden dan.
umb si begunde sorgen · wîb unde man,
ob si immer komen solden · heim wider in ir lant.
die helde in hießen soumen · beide wâfen und gewant.
Ir ros diu wâren schœne, · ir gereite goldes rôt.
lebt iemen übermüeter, · des enwas niht nôt,
danne wære Sîvrit · und die sîne man.
urloubes er dô gerte · zuo den Burgunden dan.
In werte trûreclîche · der künic und sîn wîp.
er trôste minneclîche · dô ir beider lîp.
er sprach: „ir sult niht weinen · durch den willen mîn:
immer âne sorge · sult ir mînes lîbes sîn.“
Eß was leit den recken; · eß weinte ouch manec meit.
ich wæne, in hete ir herze · rehte daß geseit,
daß in sô vil der vriunde · dâ von gelæge tôt.
von schulden si dô klageten: · des gie in wærlîchen nôt.
An dem sibenden morgen · ze Wormeß ûf den sant
riten die vil küenen; · alleß ir gewant
was von rôtem golde, · ir gereite wolgetân;
ir ros in giengen ebene, · des küenen Sîvrides man.
Ir schilde wâren niuwe, · lieht unde breit,
und vil schœne ir helmen, · dô ze hove reit
Sîvrit der vil küene · in Guntheres lant.
man gesach an helden · nie sô hêrlîch gewant.
Diu ort der swerte giengen · nider ûf die sporn:
eß vuorten scharphe gêren · die rîter ûz erkorn.
Sîvrit der vuorte ir einen · wol zweier spannen breit,
der ze sînen ecken · vil harte vreislîchen sneit.
Die goltvarwen zoume · vuortens an der hant,
sîdîniu vürbüege: · sus kômens in daß lant.
daß volc si allenthalben · kaphen an began:
dô liefen in enkegene · vil der Guntheres man.
Die hôch gemuoten recken, · rîter unde kneht,
die giengen zuo den hêrren, · daß was michel reht,
und enphiegen die geste · in ir hêrren lant;
si nâmen in die mœre · mit den schilden von der hant.
Diu ros si wolten dannen · ziehen an gemach:
Sîvrit der vil küene · wie snelle er dô sprach:
„Lât uns noch die mœre · eine wîle stân:
wir wellen schiere hinnen; · des ich guoten willen hân.
„Man sol ouch unser schilde · ninder von uns tragen;
wâ ich den künic vinde, · kan mir daß iemen sagen,
Gunthern den rîchen · ûß Burgunden lant?
dô sagete eß im einer, · dem eß rehte was bekant.
„Welt ir den künic vinden, · daß mac vil wol geschehen;
in jenem sale wîten · hân ich in gesehen
bî den sînen helden: · dâ sult ir hine gân:
dâ muget ir bî im vinden · manegen hêrlîchen man.“
Dô wâren ouch diu mære · dem künege geseit,
ûf sînem hove wæren · rîter vil gemeit:
die vuorten liehte brünne · und hêrlîch gewant;
si derkande nieman · in der Burgunden lant.
Den künic nam des wunder, · von wannen kœmen dar
die hêrlîchen recken · in wæte lieht gevar
und mit sô guoten schilden · niuwe unde breit.
daß im daß nieman sagete, · daß was Gunthere leit.
Des antwurte dem künege · von Metzen Ortwîn;
starc unde küene · mohte er vil wol sîn.
„sît wir ir niht erkennen, · sô sult ir heißen gân
nâch mînem œheim Hagenen: · den sult ir si sehen lân.
„Dem sint kunt diu rîche · und elliu vremdiu lant.
sîn im die hêrren künde, · daß tuot er uns bekant.“
der künic bat in bringen · und die sîne man:
man sach in hêrlîche · mit recken hin ze hove gân.
Waß sîn der künic wolde, · des vrâgte Hagene.
„eß sint in mîme hûse · unkunde degene,
die niemen hie bekennet: · ob ir si ê gesehen
habt in vremden landen, · des sult ir, Hagene, mir verjehen.“
„Daß tuon ich,“ sprach Hagene: · zeim venster er dô gie,
sîn ougen er dâ wenken · zuo den gesten lie.
wol behagete im ir geverte · und ouch ir gewant:
si wâren im vil vremde · in der Burgunden lant.
Er sprach, von swannen kœmen · die recken an den Rîn,
eß möhten selbe vürsten · oder vürsten boten sîn.
„ir ros diu sint schœne, · ir kleider harte guot;
swannen si joch rîten, · si sint vil hôhe gemuot.“
Alsô sprach dô Hagene: · „als ich mich kan verstân,
swie ich Sîvriden · noch nie gesehen hân,
sô wil ich wol gelouben, · swie eß dar umbe stât,
daß eß sî der recke, · der dort sô hêrlîchen gât.
„Er bringet niuwiu mære · her in ditze lant.
die küenen Niblunge · sluoc des heldes hant,
Schilbunc und Niblungen, · des rîchen küneges kint.
er vrumte starkiu wunder · mit sîner grôßen krefte sint.
„Dô der helt aleine · ân alle helfe reit,
er vant vor einem berge, · als mir ist geseit,
bî Niblunges horde · vil manegen küenen man:
die wârn im ê vil vremde, · unz er ir künde dâ gewan.
„Hort der Niblunges · der was gar getragen
ûß eime holn berge. · nu hœret wunder sagen,
wie in wolden teilen · der Niblunge man.
daß sach der degen Sîvrit: · den helt es wundern began.
„Er kom zuozin sô nâhen, · daß er die helde sach
und ouch in die degene. · ir einer drunder sprach:
„hie kumet der starke Sîvrit, · der helt von Niderlant.“
vil seltsæniu mære · er an den Niblungen vant.
„Den recken wol enphiengen · Schilbunc und Nibelunc.
mit gemeinem râte · die edelen vürsten junc
den schaz in bâten teilen · den wætlîchen man
und gerten des mit vlîße, · unz erß in loben dô began.
„Er sach sô vil gesteines, · sô wir hœren sagen,
hundert kanzwagene · eß heten niht getragen;
noch mê des rôten goldes · von Niblunge lant;
daß solt in alleß teilen · des küenen Sîvrides hant.
„Dô gâben si im ze miete · daß Niblunges swert.
si wâren mit dem dienste · vil übele gewert,
den in dâ leisten solde · Sîvrit der helt guot:
ern kunde eß niht verenden: · si wâren zornec gemuot.
„Den schaz er ungeteilet · belîben muose lân.
do begunden mit ihm strîten · der zweier künege man:
mit ir vater swerte, · daß Balmunc was genant,
erstreit ab in der küene · den hort und Nibelunge lant.
Si heten dâ ir vriunde · zwelf küener man,
daß starke risen wâren: · waß kundeß si vervân?
die sluoc sît mit zorne · diu Sîvrides hant,
und recken siben hundert · twang er von Nibelunge lant
„Mit dem guoten swerte, · daß hieß Balmunc.
durch die starken vorhte · vil manec recke junc,
die si ze dem swerte hêten · und an den küenen man,
daß lant zuo den bürgen · si im tâten undertân;
„Dar zuo die rîchen künege · die sluog er beide tôt.
er kom von Albrîche · sît in grôße nôt.
der wânde sîne hêrren · rechen dâ zehant,
unz er die grôßen sterke · sît an Sîvride vant.
„Done kunde im niht gestrîten · daß starke getwerc.
alsam die leuwen wilde · si liefen an den berc,
dâ er die tarnkappe · sît Albrîche an gewan.
dô was des hordes hêrre · Sîvrit der vreislîche man.
„Die dâ torsten vehten, · die lâgen alle erslagen.
den schaz den hieß er balde · vüeren unde tragen,
dâ in dâ vor nâmen · die Niblunges man.
Albrîch der vil starke · dô die kameren gewan.
„Er muos im sweren eide, · er diende im sô sîn kneht:
aller hande dinge · was er im gereht.“
sô sprach von Tronje Hagene: · „daß hât er getân;
alsô grôßer krefte · nie mêr recke gewan.
Noch weiß ich an im mêre, · daß mir ist bekant:
einen lintrachen · sluoc des heldes hant;
er badete in dem bluote: · sîn hût wart hurnîn.
des snîdet in kein wâfen: · daß ist dicke worden schîn.
„Wir suln den jungen hêrren · enphâhen dester baß,
daß wir iht verdienen · des snellen recken haß.
sîn lîp der ist sô küene, · man sol in holden hân;
er hât mit sîner krefte · sô manegiu wunder getân.“
Dô sprach der künic rîche: · „du maht wol haben wâr:
nu sich, wie degenlîche · er stêt gein strîtes vâr,
er und die sînen degene, · der vil küene man.
wir suln im engegene · hin nider zuo dem recken gân.“
„Daß mugt ir,“ sprach dô Hagene, · „wol mit êren tuon.
er ist von edelem künne, · eins rîchen küneges sun.
er stêt in der gebære, · mich dunket, wißße Krist,
eß ensîn niht kleiniu mære, · dar umber her geriten ist.“
Dô sprach der künec des landes: · „nu sî uns willekomen.
er ist edel und küene: · daß hân ich wol vernomen.
des sol ouch er genießen · in Burgunden lant.“
dô gie der hêrre Gunther, · dâ er Sîvriden vant.
Der wirt und sîne recken · enphiengen sô den gast,
daß in an ir zühten · vil lützel iht gebrast.
des begunde in nîgen · der wætlîche man.
man sach in zühteclîche · mit den sînen recken stân.
„Mich wundert dirre mære,“ · sprach der wirt zehant,
„von wanne ir, edel Sîvrit, · sît komen in ditze lant,
oder waß ir wellet werben · ze Wormeß an den Rîn.“
dô sprach der gast ze dem künege: · „daß sol iuch unverdaget sîn.
„Mir wart gesaget mære · in mînes vater lant,
daß hie bî iu wæren, · daß hete ich gerne erkant,
die küenesten recken, · des hân ich vil vernomen,
die ie künec gewünne: · dar umbe bin ich her bekomen.
„Ouch hœre ich iu selben · der degenheite jehen,
daß man künec deheinen · küener hab gesehen.
des redent vil die liute · über elliu disiu lant:
nune wil ich niht erwinden, · unz eß mir werde bekant.
„Ich bin ouch ein recke · und solde krône tragen.
ich wil daß gerne vüegen, · daß si von mir sagen,
daß ich habe von rehte · liute unde lant;
dar umbe sol mîn êre · und ouch mîn houbet wesen phant.
„Nu ir sît sô küene, · als mir ist geseit,
nune ruoche ich, ist eß ieman · lieb oder leit:
ich wil an iu ertwingen, · swaß ir muget hân,
lant unde bürge, · daß sol mir werden undertân.“
Den künic hete wunder · und sîne man alsam
umbe solhiu mære, · als er hie vernam,
daß er des hete willen, · er næme im sîniu lant.
daß hôrten sîne degene: · dô wart in zürnen bekant.
„Wie hete ich daß verdienet,“ · sprach Gunther der degen,
„des mîn vater lange · mit êren hât gephlegen,
daß wir daß solden vliesen · von iemannes kraft?
wir ließen übele schînen, · daß wir ouch phlegen rîterschaft.“
„Ich enwil es niht erwinden,“ · sprach der küene man.
„eß enmüge von dînen ellen · dîn lant den vride hân,
ich wil es alles walten; · und ouch diu erbe mîn,
erwirbest dus mit sterke, · diu suln dir undertænec sîn.
„Dîn erbe und ouch daß mîne · suln gelîche ligen:
sweder unser einer · ame anderen mac gesigen,
dem soll eß alleß dienen, · die liute und ouch diu lant.“
daß widerredet Hagne dâ · unde Gêrnôt zehant.
„Wir hân des niht gedingen,“ · sprach dô Gêrnôt,
„daß wir iht lande ertwingen, · daß iemen drumbe tôt
gelige vor heldes handen. · wir haben rîchiu lant:
diu dienent uns ze rehte, · ze niemen sint si baß bewant.“
Mit grimmegem muote · dâ stuonden vriunde sîn.
dô was ouch dar under · von Metzen Ortwîn:
der sprach: „disiu suone · ist mir harte leit;
iu hât der starke Sîvrit · unverdienet widerseit.
„Ob ir und iuwer bruoder · hetet niht die wer,
und ob er danne hête · ein ganzeß küneges her,
ich trûte wol erstrîten, · daß der küene man
dise starke übermüete · von wâren schulden müese lân.“
Daß zurnde harte sêre · der helt von Niderlant:
er sprach: „sich sol vermeßßen · niht wider mich dîn hant:
ich bin ein künic rîche, · sô bistu küneges man:
jan dorften mich dîn zweleve · mit strîte nimmer bestân.“
Nâch swerten rief dô sêre · von Metzen Ortwîn:
er mohte Hagnen swestersun · von Tronje vil wol sîn.
daß der sô lange dagete, · daß was dem künege leit.
dô understuont eß Gêrnôt, · ein rîter küene und gemeit.
Er sprach zuo Ortwîne: · „lât iuwer zürnen stân.
uns hât der hêrre Sîvrit · solhes niht getân.
wir mügenß noch wol scheiden · mit zühten, dêst mîn rât,
und haben in ze vriunde; · daß uns noch lobelîcher stât.“
Dô sprach der starke Hagene: · „uns mac wol wesen leit,
allen iuwern degenen, · daß er ie gereit
durch strîten her ze Rîne. · er soldeß haben lân:
im heten mîne hêrren · solher leide niht getân.“
Dô sprach aber Sîvrit, · der kreftige man:
„müet iuch daß, hêr Hagene, · daß ich gesprochen hân,
sô sol ich lâßen kiesen, · daß die hende mîn
wellent vil gewaltec · hie zen Burgunden sîn.“
„Daß sol ich eine wenden,“ · sprach dô Gêrnôt.
allen sînen degenen · reden er verbôt
iht mit übermüete, · des im wære leit.
dô gedâhte ouch Sîvrit · an die vil hêrlîchen meit.
„Wie zæme uns mit iu strîten?“ · sprach aber Gêrnôt.
„swaß helde nu dar under · müesen ligen tôt,
wir hetens lützel êren · und ir vil kleinen vrun.“
des antwurte im dô Sîvrit, · des küneges Sigmundes sun:
„War umbe bîtet Hagene · und ouch Ortwîn,
daß er niht gâhet strîten · mit den vriunden sîn,
der er hie sô manegen · ze den Burgunden hât?“
si muosen rede vermîden: · daß was Gêrnôtes rât.
„Ir sult uns wesen willekomen“, · sô sprach daß Uoten kint,
„und iuwer hergesellen, · die hie mit iu sint.
wir suln iu gerne dienen, · ich und die mâge mîn.“
dô hieß man den gesten · schenken Guntheres wîn.
Dô sprach der wirt des landes: · „alleß, daß wir hân,
geruochet irs nâch êren, · daß sî iu undertân
und sî mit iu geteilet · lîp unde guot!“
dô wart der hêrre Sîvrit · ein lützel sanfter gemuot.
Dô hieß man in behalten · alleß ir gewant.
die besten herberge · man suohte, die man vant,
Sîvrides knehten: · man schuof in guot gemach.
den gast man sît vil gerne · dâ zen Burgunden sach.
Man bôt im michel êre · dâ nâch ze manegen tagen,
tûsent stunden mêre, · danne ich iu kan gesagen.
daß hete versolt sîn ellen, · ir sult gelouben daß;
in sach vil lützel iemen, · der im wære gehaß.
Sich vlißßen kurzwîle · die künege und ouch ir man,
sô was er ie der beste, · swes man dâ began:
des enkunde im volgen niemen, · sô michel was sîn kraft,
sô si den stein wurfen · oder schußßen den schaft.
Swâ si bî den vrouwen · durch ir höfscheit
kurzwîle phlâgen, · die rîter vil gemeit,
dâ sach man ie vil gerne · den helt von Niderlant.
er hete ûf hôhe minne · sîne sinne gewant.
Ze hove die schœnen vrouwen · vrâgèten mærè,
wer der stolze vremde · recke wære?
„sîn lîp der ist sô schœne, · vil rîch ist sîn gewant!“
dô sprâchen ir genuoge; · „eß ist der künec von Niderlant.“
Swes man ie begunde, · des was sîn lîp bereit.
er truog in sîme sinne · ein minneclîche meit
und ouch in ein diu vrouwe, · die er noch nie gesach,
diu im in heimlîche · vil dicke güetlîchen sprach.
Swenn ûfem hove wolden · spilen dâ diu kint,
rîter unde knehte, · daß sach vil dicke sint
Kriemhilt durch diu venster, · diu küneginne hêr;
deheiner kurzwîle · bedorfte si in den zîten mêr.
Wester, daß si in sæhe, · die er in herzen truoc,
dâ het er kurzwîle · immer von genuoc.
sæhen si sîn ougen, · ich wil wol wißßen daß,
daß im in dirre werlde · nimmer kunde werden baß.
Swenne er bî den helden · ûf dem hove stuont,
alsô noch die liute · durch kurzewîle tuont,
sô stuont sô minneclîche · daß Siglinde kint,
daß in von herzeliebe · trûte manec vrouwe sint.
Er gedâht ouch manege zîte: · „wie sol daß geschehen,
daß ich die maget edele · mit ougen müge sehen,
die ich von herze minne · und lange hân getân?
diu ist mir noch vil vremede: · des muoß ich trûrec gestân.“
Sô ie die künege rîche · riten in ir lant,
sô muosen ouch die recken · mit in al zehant.
dâ mite muoste ouch Sîvrit: · daß was der vrouwen leit;
er leit ouch von ir minne · dicke michel arbeit.
Sus wonde er bî den hêrren, · daß ist alwâr,
in Guntheres lande · volleclîch ein jâr,
daß er die minneclîchen · die zît nie gesach,
dâ von im sît vil liebe · und ouch vil leide geschach.
Dô kômen vremdiu mære · in Guntheres lant
von boten, die in verre · wurden dar gesant
von unkunden recken, · die in truogen haß.
dô si die rede vernâmen, · leit was in inneclîche daß.
Die wil ich iu nennen: · eß was Liudgêr
ûßer Sahsen lande, · ein rîcher vürste hêr,
und ouch von Tenemarke · der künic Liudgast.
die brâhten in ir reise · vil manegen hêrlîchen gast.
Ir boten komen wâren · in Guntheres lant,
die sîne vîende · heten dar gesant.
dô vrâgte man der mære · die unkunden man.
man hieß die boten balde · ze hove vür den künic gân.
Der künec si gruoßte schône, · er sprach: „sît willekomen!
wer iuch her habe gesendet, · desn hân ich niht vernomen:
daß sult ir lâßen hœren“, · sprach der künic guot.
Dô vorhten si vil sêre · den grimmen Guntheres muot.
„Welt ir, künec, erlouben · daß wir iu mære sagen,
diu wir iu dâ bringen, · sone suln wir niht verdagen.
wir nennen iu die hêrren, · die uns her hânt gesant:
Liudgast und Liudgêr, · die welnt iuch suochen inß lant.
„Ir habet ir zorn verdienet: · jâ hôrten wir wol daß,
daß iu die hêrren beide · tragent grôßen haß.
si wellent herverten · ze Wormeß an den Rîn;
in hilfet vil der degene: · des sult ir gewarnet sîn.
„Inre zwelf wochen · diu reise muoß geschehen;
habt ir iht guoter vriunde, · daß lâßet balde sehen,
die iu vriden helfen · die bürge und iuriu lant:
hie wirt von in verhouwen · vil manec helme unde rant.
„Oder welt ir mit in dingen, · so enbietet eß in dar;
sone rîtent iu sô nâhen · niht die manegen schar
der iuwer starken vînde · ûf herzenlîchiu leit,
dâ von verderben müeßen · vil guote rîter gemeit.“
„Nu bîtet eine wîle · (ich kündiu mînen muot),
unz ich mich baß versinne,“ · sprach der künic guot.
„hân ich guoter iemen, · die sol ich niht verdagen,
disiu starken mære · sol ich mînen vriunden klagen.“
Gunther dem rîchen · leide wart genuoc;
die rede er tougenlîchen · in sîme herze truoc.
er hieß gewinnen Hagenen · und ander sîne man
und bat ouch harte balde · ze hove nâch Gêrnôten gân.
Dô kômen dar die besten, · swaß man der dâ vant.
er sprach: „man wil uns suochen · her in unser lant
mit starken herverten; · daß lât iu wesen leit.
eß ist gar âne schulde, · daß si uns habent widerseit.“
„Daß wer ot wir mit swerten,“ · sô sprach Gêrnôt.
dâ sterbent wan die veigen: · die lâßen ligen tôt.
dar umbe ich niht vergeßßen · mac der êren mîn:
die unser vîende · suln uns willekomen sîn.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „daß endunket mich niht guot.
Liudegast und Liudegêr · die tragent übermuot.
wir mugen uns niht besenden · in sô kurzen tagen,“
sô sprach der küene recke: · „ir sult eß Sîvride sagen.“
Die boten herbergen · hieß man in die stat.
swie vîent man in wære, · vil schône ir phlegen bat
Gunther der rîche, · daß was wol getân,
unz er ervant an vriunden, · wer im dâ wolde gestân.
Dem künege in sînen sorgen · was iedoch vil leit.
dô sach in trûrende · ein rîter vil gemeit,
der niht wißßen kunde, · waß im was geschehen:
dô bat er im der mære · den künic Gunther verjehen.
„Mich nimt des michel wunder,“ · sprach dô Sîvrit,
„wie ir sô habet verkêret · die vrœlîchen sit,
der ir mit uns nu lange · habt alher gephlegen.“
des antwurte ime dô Gunther, · der vil zierlîche degen:
„Jane mac ich allen liuten · die swære niht gesagen,
die ich muoß tougenlîche · in mîme herzen tragen:
man sol stæten vriunden · klagen herzenôt.“
diu Sîvrides varwe · wart dô bleich unde rôt.
Er sprach zuo dem künege: · „ich hân iu niht verseit.
ich sol iu helfen wenden · elliu iuriu leit.
welt ir vrîunt suochen, · der sol ich einer sîn
und trûwe eß wol volbringen · mit êren an daß ende mîn.“
„Nu lône iu Got, hêr Sîvrit, · diu rede mich dunket guot;
und ob mir nimmer helfe · iur ellen getuot,
ich vreu mich doch der mære, · daß ir mir sît sô holt.
lebe ich deheine wîle, · eß wirt wol umb iuch versolt.
„Ich wil iuch hœren lâßen, · war umbe ich trûric stân.
von boten mîner vînde · ich daß vernomen hân,
daß si mich wellent suochen · mit herverte hie;
daß getâten uns noch degene · her zuo disen landen nie.“
„Daß lât iuch ahten ringe,“ · sprach dô Sîvrit,
„senftet iur gemüete, · tuot, des ich iuch bit:
lât mich iu erwerben · êre unde vrumen,
ê daß iuwer vînde · her ze disen landen kumen.
„Swenne iuwer starke vînde · ze helfe möhten hân
drîßec tûsent degene, · sô woldich si bestân,
und het ich niht wan tûsent: · des lât iuch an mich.“
dô sprach der künic Gunther: · „daß dienich immer umbe dich.“
„Sô heißet mir gewinnen · tûsent iuwer man,
sît daß ich der mînen · bî mir niht enhân
niuwan zwelf recken: · sô wer ich iuwer lant.
iu sol mit triuwen dienen · immer Sîvrides hant.
„Des sol uns helfen Hagene · und ouch Ortwîn,
Dancwart und Sindolt, · die lieben recken dîn.
ouch sol dâ mit rîten · Volkêr der küene man:
der sol den vanen vüeren: · baß ichs nieman engan.
„Und lât die boten rîten heim · in ir hêrren lant;
daß si uns dâ sehen schiere, · daß tuo man in bekant,
sô daß unser bürge · müeßen vride hân.“
dâ hieß der künec besenden · beide mâge unde man.
Die boten Liudegêres · ze hove giengen dô;
daß si ze lande solden, · des wâren si vil vrô.
dô bôt in rîche gâbe · Gunther der künic guot
und schuof in sîn geleite: · des stuont in hôhe der muot.
„Nu saget,“ sprach dô Gunther, · „den starken vînden mîn,
si mugent mit ir reise · wol dâ heime sîn;
weln aber si mich suochen · her in mîniu lant,
mirn zerinne mîner vriunde, · in wirt arbeit bekant.“
Den boten rîche gâbe · man dô vür truoc:
der het in ze gebene · Gunther genuoc.
dine torsten niht versprechen · die Liudgêres man.
urloub si dô nâmen · und vuoren vrœlîche dan.
Dô die boten wâren · ze Tenemarke komen,
und der künic Liudegast · hete daß vernomen,
waß si ze Rîne redeten, · als im daß wart geseit,
ir starkeß übermüeten · was im wærlîche leit.
Si sagten, daß si hêten · vil manegen küenen man:
„dar under sach man einen · vor Gunthere stân,
der was geheißen Sîvrit, · ein helt ûß Niderlant.“
eß leidete Liudgaste, · dô er daß mære bevant.
Dô die von Tenemarke · ditze hôrten sagen,
dô îlten si der vriunde · deste mê bejagen,
unz daß er Liudegast · sîner küenen man
zweinzec tûsent degene · ze sîner reise gewan.
Do besande ouch sich von Sahsen · der künic Liudegêr,
unz si vierzec tûsent · heten unde mêr,
mit den si wolden rîten · in Burgunden lant.
dô hete ouch sich hie heime · der künic Gunther besant
Mit den sînen mâgen · und sîner bruoder man,
die si wolden vüeren · durch urliuge dan,
und ouch die Hagenen recken: · des gie den helden nôt.
dar umbe muosen degene · sider kiesen den tôt.
Si vlißßen sich der reise, · dô si wolden dan.
den vanen muose leiten · Volkêr der küene man,
alsô si wolten rîten · von Wormeß über Rîn.
Hagene von Troneje · der muose scharmeister sîn.
Dâ mite reit ouch Sindolt · und der küene Hûnolt,
die wol gedienen kunden · rîcher künege golt.
Dancwart, Hagnen bruoder, · und ouch Ortwîn
die mohten wol mit êren · in der herverte sîn.
„Her künic, sît hie heime,“ · sprach dô Sîvrit.
„sît daß mir iuwer recken · wellent volgen mit,
belîbet bî den vrouwen · und traget hôhen muot.
ich trou iu wol behüeten · beide êre unde guot.
„Die iuch dâ wolden suochen · ze Wormeß an den Rîn,
daß wil ich wol behüeten, · daßs iu iht schade sîn.
wir sulen in gerîten · sô nâhen in ir lant,
daß in ir übermüeten · ze sorgen werde bewant.“
Von Rîne si durch Hessen · mit ir helden riten
gegen Sahsen lande: · dâ wart sît gestriten.
mit roube und mit brande · wuosten si daß lant,
daß eß den vürsten beiden · wart mit arbeit bekant.
Si kômen ûf die marke: · die knehte zogten dan.
Sîvrit der vil starke · vrâgen des began:
„wer sol des gesindes · uns nu hüeten hie?“
jâne wart den Sahsen · geriten schedlîcher nie.
Si sprâchen: „lât die tumben · hüeten ûf den wegen
den küenen Dancwarten, · der ist ein sneller degen.
wir vliesen deste minner · von Liudgêres man;
lât in und Ortwînen · hie die nâchhuote hân.“
„Sô wil ich selbe rîten,“ · sprach Sîvrit der degen,
„unde wil der warte · gein den vînden phlegen,
unz ich rehte ervinde, · wâ die recken sint.“
dô wart gewâfent schiere · der schœnen Siglinden kint.
Daß volc bevalher Hagenen, · dô er wolde dan,
unde Gêrnôte, · dem vil küenen man.
dô reit er eine danne · in der Sahsen lant,
dâ er diu rehten mære · wol mit êren sît ervant.
Dô sach er her daß grôße, · daß ûf dem velde lac,
daß wider sîner helfe · mit ungevüege wac:
des was wol vierzec tûsent · oder dannoch baß.
Sîvrit in hôhem muote · sach vil vrœlîchen daß.
Dô hete sich ouch ein recke · von den vînden dar
erhaben ûf die warte, · der was ze vlîße gar:
den sach der hêrre Sîvrit · und in der küene man;
ieweder dô des andern · mit nîde hüeten began.
Ich sagiu, wer der wære, · der hie der warte pflac;
ein liehter schilt von golde · im vor der hende lac.
eß was der künic Liudegast: · der huote sîner schar.
dirre gast vil edele · sprancte hêrlîchen dar.
Nu het ouch in hêr Liudegast · vîentlîche erkorn:
diu ros si nâmen beide · zen sîten mit den sporn;
si neigten ûf die schilde · die schefte mit ir kraft:
des wart der künic hêre · mit grôßen sorgen behaft.
Diu ros nâch stichen truogen · diu rîchen küneges kint
beide vür ein ander, · sam si wæte ein wint;
mit zoumen wart gewendet · vil rîterlîchen dan:
mit swerten eß versuohten · die zwêne grimmege man.
Dô sluoc der hêrre Sîvrit, · daß al daß velt erdôß.
dô stoup ûß dem helme, · sam von brenden grôß,
die viuwerrôte vanken · von des heldes hant.
dô streit vil mehteclîchen · der küene vogt ûß Niderlant.
Ouch sluog im hêr Liudegast · vil manegen grimmen slac;
ir ieweders ellen · ûf schilden vaste lac.
dô heten dar gehüetet · wol drîßec sîner man:
ê im der helfe kœme, · den sic doch Sîvrit gewan
Mit drin starken wunden, · die er dem künege sluoc
durch eine wîße brünne, · diu was guot genuoc.
daß swert an sînen ecken · brâht ûß wunden bluot.
des gewan der künic Liudegast · einen trûregen muot.
Er bat sich leben lâßen · und bôt im sîniu lant
und sagte im, daß er wære · Liudegast genant.
dô kômen sîne recken: · die heten wol gesehen,
waß dâ von in beiden · ûf der warte was geschehen.
Er wolt in vüeren dannen: · dô wart er an gerant
von drîßec sînen mannen: · dô werte des heldes hant
sînen rîchen gîsel · mit ungevüegen slegen.
sît tet schaden mêre · der vil zierlîche degen.
Die drîßec er ze tôde · werlîche sluoc.
er ließ ir leben einen: · balde er reit genuoc
und sagte hin diu mære, · waß hie was geschehen;
ouch mohte mans die wârheit · an sîme rôten helmen sehen.
Den von Tenemarke · was vil grimme leit,
ir hêrre was gevangen, · dô in daß was geseit.
man sagte eß sînem bruoder: · toben er began
von ungevüegem zorne, · wan im was leide getân.
Liudegast der rîche · was gevüeret dan
von Sîvrides gewalte · zuo Guntheres man.
er bevalch in Hagenen: · der küene recke guot,
dô er vernam diu mære, · dô wart er vrœlîch gemuot.
Man hieß den Burgunden · ir vanen binden an.
„wol ûf,“ sprach Sîvrit, · „hie wirt noch mê getân,
ê sich der tac verende, · sol ich haben den lîp:
daß gemüet in Sahsen lande · vil manec wætlîcheß wîp.
„Ir helde von dem Rîne, · ir sult mîn nemen war:
ich kan iuch wol geleiten · in Liudgêres schar.
sô sehet ir helme houwen · von guoter helde hant.
ê daß wir wider wenden, · in wirdet sorge bekant.“
Zen rossen gâhte Gêrnôt · und die sîne man.
den vanen zucte balde · der küene spilman,
Volkêr der hêrre: · dô reit er vor der schar.
dô was ouch daß gesinde · ze strîte êrlîchen gar.
Si vuorten doch niht mêre · niuwan tûsent man,
dar über zwelf recken. · stieben dô began
diu molte von den strâßen: · si riten über lant.
dô sach man von in schînen · vil manegen hêrlîchen rant.
Dô wâren ouch die Sahsen · mit ir scharn komen,
mit swerten wole wahsen, · daß hân ich sît vernomen.
diu swert diu sniten sêre · den helden an der hant:
dô wolten si den gesten · weren bürge unde lant.
Der hêrren scharmeister · daß volc dô vuorten dan.
dô was ouch komen Sîvrit · mit den zwelef man,
die er mit im brâhte · ûßer Niderlant.
des tages wart in sturme · vil manec bluotegiu hant.
Sindolt und Hûnolt · und ouch Gêrnôt
die vrumten in dem strîte · vil manegen helt tôt,
ê si rehte ervunden, · wie küene was ir lîp:
daß muose sît beweinen · vil manec wætlîcheß wîp.
Volkêr und Hagene · und ouch Ortwîn
laschten in dem strîte · vil maneges helmes schîn
mit vlißendem bluote, · die sturmküene man.
dô wart von Dancwarten · vil michel wunder getân.
Die von Tenemarke · versuohten wol ir hant;
dô hôrte man von hurte · erdießen manegen rant
und ouch von scharphen swerten, · der man dâ vil gesluoc.
die strîtküenen Sahsen · tâten schaden ouch genuoc.
Dô die von Burgunden · drungen in den strît,
von in wart erhouwen · vil manec wunde wît:
dô sach man über satele · vließen daß bluot;
sus wurben nâch den êren · die rîter küene unde guot.
Man hôrt dâ lût erhellen · den helden an der hant
diu vil scharphen wâsen, · dô die von Niderlant
drungen nâch ir hêrren · in die herten schar;
si kômen degenlîche · mit samt Sîvride dar.
Volgen der von Rîne · niemen man im sach.
man mohte kiesen vließen · den bluotegen bach
durch die liehten helme · von Sîvrides hant,
end er Liudgêren · vor sînen hergesellen vant.
Drî widerkêre · het er nu genomen
durch daß her anß ende. · nu was ouch Hagene komen:
der half im wol ervollen · in sturme sînen muot.
des muose dâ ersterben · vor in vil manec rîter guot.
Dô der starke Liudegêr · Sîvriden vant,
und daß er alse hôhe · truoc an sîner hant
den guoten Balmungen · und ir sô manegen sluoc,
dar umbe wart der küene · vor leide zornec genuoc.
Dô wart michel dringen · und grôßer swerte klanc,
dâ ir ingesinde · zuo ein ander dranc.
do versuohten sich die recken · beide deste baß.
die schar begunden wîchen; · sich huob dâ grœßlîcher haß.
Dem vogte von den Sahsen · was daß wol geseit,
sîn bruoder was gevangen: · daß was im harte leit;
niht wesser, daß eß tæte · daß Siglinde kint.
man zêch es Gêrnôten: · wol ervant er eß sint.
Die slege Liudgêres · die wâren alsô starc,
daß Sîvride under satele · strûhte daß marc;
doch sich daß ros erholte: · der küene Sîvrit
der gewan in dem sturme · einen vreislîchen sit.
Des half im Hagene · und ouch Gêrnôt,
Dancwart und Volkêr: · des lac ir vil dâ tôt.
Sindolt und Hûnolt · und Ortwîn der degen
die kunden in dem strîte · zem tôde manegen nider legen.
In sturme ungescheiden · wârn die vürsten hêr.
dô sach man über helme · vliegen manegen gêr
durch die liehten schilde · von der helde hant;
man sach dâ var nâch bluote · vil manegen hêrlîchen rant.
In dem starken sturme · erbeißte manec man
nider von den rossen. · ein ander liefens an
Sîvrit der küene · und ouch Liudgêr;
man sach dâ schefte vliegen · und vil manegen scharphen gêr.
Dô vlouc daß schiltgespenge · von Sîvrides hant.
den sic gedâhte erwerben · der helt von Niderlant
an den küenen Sahsen; · die dolten ungemach.
hei, waß dâ liehter ringe · der küene Dancwart zebrach!
Dô het der hêrre Liudegêr · ûf eime schilte erkant
gemâlet eine krône · vor Sîvrides hant:
wol wesser, daß eß wære · der kreftige man.
der helt zuo sînen vriunden · lûte ruofen began:
„Geloubet iuch des strîtes, · alle mîne man.
sun den Sigmundes · ich hie gesehen hân,
Sîvriden den starken · hân ich hie bekant.
in hât der übel tiuvel · ze den Sahsen gesant.“
Die vanen hieß er lâßen · in dem sturme nider.
vrides er dô gerte; · des werte man in sider;
doch muos er werden gîsel · in Guntheres lant:
daß hete an im ertwungen · diu küene Sîvrides hant.
Mit gemeinem râte · sô ließen si den strît.
dürkel vil der helme · und der schilte wît
si leiten von den handen: · swaß sô man der vant,
die truogen bluotes varwe · von der Burgunden hant.
Si viengen, swen si wolden: · des heten si gewalt.
Gêrnôt und Hagene, · die recken vil balt,
die wunden hießen bâren: · si vuorten mit in dan
gevangen zuo dem Rîne · fünf hundert wætlîcher man.
Die siglôsen recken · ze Tenemarken riten.
done heten ouch die Sahsen · sô hôhe niht gestriten,
daß man in lobes jæhe: · daß was den helden leit.
dô wurden ouch die veigen · von vriunden sêre gekleit.
Si hießen ir gewæfen · soumen an den Rîn.
eß hete wol geworben · mit den helden sîn
Sîvrit der starke · der hete eß guot getân,
des im jehen muosen · alle Guntheres man.
Gegen Wormeß sande · der hêrre Gêrnôt:
heim ze sînem lande · den vriunden er enbôt,
wie gelungen wære · im und sînen man:
eß heten die vil küenen · wol nâch êren getân.
Die garzûne liefen, · von den wart eß geseit.
dâ vreuten sich von liebe, · die ê heten leit,
dirre lieben mære, · diu in dâ wâren komen.
dâ wart von edelen vrouwen · michel vrâgen vernomen,
Wie gelungen wære · des rîchen küneges man.
man hieß der boten einen · vür Kriemhilde gân.
daß geschach vil tougen, · jan torstes überlût:
wan si hete dar under · ein vil liebeß herzen trût.
Dô si den boten komende · zir kemenâte sach,
Kriemhilt diu schœne · vil güetlîchen sprach:
„nu sag an liebiu mære: · jâ gib ich dir mîn golt;
tuostuß âne triegen, · ich wil dir immer wesen holt.
„Wie schiet ûß dem strîte · mîn bruoder Gêrnôt
und ander mîne vriunde? · ist uns iht maneger tôt?
oder wer tet daß beste? · daß soltu mir sagen.“
dô sprach der bote biderbe: · „wir heten ninder einen zagen.
„Ze vorderst in dem strîte · reit niemen alsô wol,
vil edeliu küneginne, · sît ich iuß sagen sol,
sô der gast vil edele · ûßer Niderlant:
dâ worhte michel wunder · des küenen Sîvrides hant.
„Swaß die recken alle · in strîte hân getân,
Dancwart und Hagene · und ander sküneges man,
swaß iemen streit nâch êren, · daß was gar ein wint
wan aleine Sîvrit, · des künic Sigmundes kint.
„Si vrumten in dem sturme · der helde vil derslagen:
doch möhte iu ditze wunder · niemen vol gesagen,
was dâ worhte Sîvrit, · swenne er ze strîte reit.
den vrouwen an ir mâgen · tet er diu grœßlîchen leit.
„Ouch muoste dâ belîben · vil maneger vrouwen trût.
sîne slege man hôrte · ûf helmen alsô lût,
daß si von wunden brâhten · daß vließende bluot:
er ist an allen tugenden · ein rîter küene unde guot.
„Dô hêt ouch vil begangen · von Metzen Ortwîn:
swaß er ir mohte erlangen · mit dem swerte sîn,
die muosen wunt belîben · oder meistec tôt.
dâ tet iuwer bruoder · die aller grœßisten nôt,
„Diu immer in den stürmen · kunde sîn geschehen:
man muoß der wârheite · dem ûß derwelten jehen.
die stolzen Burgunden · habent sô gevarn,
daß si vor allen schanden · ir êre kunden bewarn.
„Man sach dâ von ir handen · vil manegen satel blôß,
dâ von liehten swerten · daß velt sô lûte erdôß.
die recken von dem Rîne · die habent sô geriten,
daß eß ir vîenden · wære beßßer vermiten.
„Die küenen Tronejære · die vrumten grôßiu leit,
dô mit volkes kreften · daß her ze samne reit.
dâ vrumte manegen tôten · des küenen Hagnen hant,
des vil ze sagene wære · her in Burgunden lant.
„Sindolt und Hûnolt, · die Gêrnôtes man,
und Rûmolt der küene · die hânt sô vil getân,
daß eß Liudgêre · mag immer wesen leit,
daß er den mînen hêrren · het ze Rîne widerseit.
„Strît den aller hœhsten, · der inder dâ geschach
ze jungest und zem êrsten, · den iemen dâ gesach,
den tet vil degenlîchen · diu Sîvrides hant.
er bringet rîche gîsele · her in Guntheres lant.
„Die twanc mit sînen ellen · der wætlîche man;
des ouch der künic Liudegast · muoß den schaden hân
und ouch von Sahsen landen · sîn bruoder Liudgêr.
nu hœret mîniu mære, · edel küneginne hêr.
„Si hât gevangen beide · diu Sîvrides hant.
nie sô manegen gîsel · man brâhte in ditze lant,
sô von sînen schulden · nu kumt an den Rîn.“
ir enkunden disiu mære · nimmer lieber gesîn.
„Man bringet der gesunden · fünf hundert oder baß
und der verchwunden, · wißßet, vrouwe, daß,
wol ahzec rôte bâre · her in unser lant,
die meistec hat verhouwen · des küenen Sîvrides hant.
„Die durch übermüete · widerseiten an den Rîn,
die müeßen nu gevangen · die Guntheres sîn.
die bringet man mit vreuden · her in ditze lant.“
do erblüete ir liehte varwe, · dô si diu mære rehte ervant.
Ir schœneß antlütze · daß wart rôsenrôt,
dô mit lîbe was gescheiden · ûß sô grôßer nôt
Sîvrit der junge, · der wætlîche man.
si vreute ouch sich ir vriunde: · daß was von schulden getân.
Dô sprach diu minneclîche: · „du hâst mir wol geseit.
du solt hân dar umbe · ze miete rîchiu kleit,
und zehen marc von golde · die heiß ich dir tragen.“
des mac man solhiu mære · rîchen vrouwen gerne sagen.
Man gab im sîne miete, · daß golt und ouch diu kleit.
dô gie an diu venster · vil manec schœniu meit:
si warten ûf die strâße: · rîten man dô vant
vil der hôch gemuoten · in der Burgunden lant.
Dâ kômen die gesunden, · die wunden tâten sam;
si mohten grüeßen hœren · von vriunden âne scham.
der wirt gên sînen gesten · vil vrœlîchen reit:
mit vreuden was verendet · sîn vil grœßlîcheß leit.
Do enphie er wol die sîne, · die vremden tet er sam,
wan dem rîchen künege · anders niht enzam
wan danken güetlîche · den, die im wâren komen,
daß si den sic nâch êren · in sturme hêten genomen.
Gunther bat im mære · von sînen vriunden sagen,
wer im an der reise · ze tôde wær erslagen:
dô het er vlorn niemen · niuwan sehzec man.
verklagen man die muose, · sô sît vil helde sint getân.
Die gesunden brâhten · zerhouwen manegen rant
und helme vil verschrôten · in Guntheres lant.
daß volk erbeißte nidere · vür des küneges sal;
ze liebem antphange · man hôrte vrœlîchen schal.
Dô hieß man herbergen · die recken in die stat.
der künic sîner geste · vil schône phlegen bat;
er hieß der wunden hüeten · und schaffen guot gemach.
wol man sîne tugende · an sînen vîenden sach.
Er sprach zuo Liudegêre: · „nu sît mir willekomen!
ich hân von iuwern schulden · schaden vil genomen:
der wirt mir nu gebüeßet, · ob ich gelücke hân.
Got lône mînen vriunden: · si hânt mir liebe getân.“
„Ir muget in gerne danken,“ · sprach dô Liudgêr,
alsô hôher gîsel · gewan nie künic mêr.
umbe schœne huote · wir bieten michel guot,
daß ir genædeclîche · an mir und mînen vriunden tuot.“
„Ich wil iuch beide lâßen,“ · sprach er, „ledec gên;
daß mîne vîende · hie bî mir bestên,
des wil ich haben bürgen, · daß si mîniu lant
iht rûmen âne hulde.“ · des sichert dô ir beider hant.
Man brâhte si ze ruowe · und schuof in ir gemach.
den wunden man gebettet · vil güetlîchen sach;
man schancte den gesunden · met und guoten wîn:
dô kunde daß gesinde · nimmer vrœlîcher sîn.
Ir zerhouwen schilde · man behalten truoc.
vil bluoteger setele, · der was dâ genuoc:
die hieß man verbergen, · daß weinten niht diu wîp.
dâ kom vil hermüede · maneges guoten rîters lîp.
Der künec phlac sîner geste · vil grœßlîche wol.
der vremden und der kunden · diu lant wâren vol.
er bat der sêre wunden · vil güetlîchen phlegen.
dô was ir übermüeten · vil harte ringe gelegen.
Die erzenîe kunden, · den bôt man rîchen solt,
silber âne wâge, · dar zuo daß liehte golt,
daß si die helde nerten · nâch des strîtes nôt;
dar zuo der künec den gesten · gâbe grœßlîchen bôt.
Die wider heim ze hûse · heten reise muot,
die bat man noch belîben, · sô man vriunden tuot.
der künic gie ze râte, · wie er lônde sînen man:
si heten sînen willen · nâch grôßen êren getân.
Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „man sol si rîten lân:
über sehs wochen · sî in daß kunt getân,
daß si kumen widere · zeiner hôhgezît;
so ist maneger geheilet, · der nu vil sêre wunder lît.“
Dô gerte ouch urloubes · Sîvrit von Niderlant.
dô der künic Gunther · den willen sîn ervant,
er bat in minneclîchen · noch bî im bestân.
niuwan durch sîn swester, · sône wæreß niht getân.
Dar zuo was er ze rîche, · daß er iht næme solt;
er heteß wol verdienet. · der künic was im holt;
sam wâren sîne mâgen, · die heten daß gesehen,
waß von sînen handen · in dem strîte was geschehen.
Durch der schœnen willen · gedâhte er noch bestân,
ob er si sehen möhte. · sît wart eß getân:
wol nâch sînem willen · wart im diu maget bekant.
sît reit er vrœlîche · heim in sînes vater lant.
Der wirt hieß zallen zîten · rîterschefte phlegen:
daß tet vil willeclîchen · dô manec junger degen.
die wîle hieß er sidelen · vor Wormeß an den sant
den, die im komen solden · in der Burgunden lant.
In den selben zîten, · dô si nu solden komen,
dô hete diu schœne Kriemhilt · diu mære wol vernomen,
er wolde hôhgezîte · durch liebe vriunde hân.
dô wart vil michel vlîßen · von schœnen vrouwen getân
Mit wæte und mit gebende, · daß si dâ solten tragen.
Uote diu vil rîche · diu mære hôrte sagen
von den stolzen recken, · die dâ solden komen:
dô wart ûß der valde · vil rîcher kleider genomen.
Durch ir kinde liebe · hieß si bereiten kleit;
dâ mite wart gezieret · vil vroun und manec meit
und vil der jungen recken · ûß Burgunden lant.
si hieß ouch vil der vremden · brüeven hêrlîch gewant.
Man sach si tegelîchen · nu rîten an den Rîn,
die zer hôhgezîte · gerne wolden sîn.
die durch der künege liebe · kômen in daß lant,
den bôt man sumelîchen · beidiu ros und gewant.
In was ir gesidele · allen wol bereit,
den hôhsten und den besten, · als uns daß ist geseit,
zwein und drîßec vürsten, · dâ zer hôhgezît:
dâ zierten sich engegene · alle vrouwen wider strît.
Eß was dâ vil unmüeßec · Gîselher daß kint.
die geste mit den kunden · vil güetlîchen sint
die enphieng er und Gêrnôt · und ouch ir beider man:
jâ gruoßten si die degene, · als eß nâch êren was getân.
Vil goltrôter setele · si vuorten in daß lant,
zierlîche schilde · und êrlîch gewant
brâhten si ze Rîne · zuo der hôhgezît.
manegen ungesunden · sach man vrœlîchen sît.
Die in den betten lâgen · und heten wunden nôt,
die muosen des vergeßßen, · wie herte was der tôt.
die siechen ungesunden · muosen si verklagen:
si vreuten sich der mære · gên der hôhgezîte tagen,
Wie si leben wolden · dâ ze der wirtschaft.
wünne âne mâße, · mit vreuden überkraft
heten al die liute, · swaß man ir dâ vant:
des huop sich michel wünne · über al daß Guntheres lant.
An einem phingestmorgen · sach man vür gân
gekleidet wünneclîche · vil manegen küenen man,
fünf tûsent oder mêre, · dâ zer hôhgezît.
sich huob diu kurzewîle · an manegen enden wider strît.
Der wirt der hete die sinne, · im was daß wol erkant,
wie rehte herzenlîche · der helt von Niderlant
sîne swester trûte, · die er noch nie gesach,
der man sô grôßer schœne · vor allen juncvrouwen jach.
Er sprach: „nu râtet alle, · mâge und mîne man,
wie wir die hôhgezîte · sô lobelîche hân,
daß man uns drumbe iht schelte · her nâch dirre zît;
ein ieslîch lop vil stæte · ze jungest an den werken lît.“
Dô sprach zuo dem künege · der degen Ortwîn:
„welt ir mit vollen êren · ze der hôhzîte sîn,
sô sult ir lâßen schouwen · diu wünneclîchen kint,
die mit sô grôßen êren · hie zen Burgunden sint.
„Waß wære mannes wünne, · wes vreute sich sîn lîp,
eß entæten schœne meide · und hêrlîchiu wîp?
lâßet iuwer swester · vür iuwer geste gân!“
der rât was ze liebe · manegem helde getân.
„Des wil ich gerne volgen,“ · sprach der künic dô.
alle, dieß ervunden, · wârens harte vrô.
ernbôt eß vroun Uoten · und ir tohter wolgetân,
daß si mit ir megeden · hin ze hove solde gân.
Dô wart ûß den schrînen · gesuochet guot gewant,
swaß man in der valde · der guoten wæte vant,
die bouge mit den borten; · des was in vil bereit.
sich zierte minneclîche · vil manec wætlîchiu meit.
Vil manec recke tumber · des tages hete muot,
daß er an ze sehene · den vrouwen wære guot,
daß er dâ vür niht næme · eins rîchen küneges lant.
si sâhen die vil gerne, · die si heten nie bekant.
Dô hieß der künic rîche · mit sîner swester gân,
die ir dienen solden, · hundert sîner man,
ir und sîner muoter: · die truogen swert enhant.
daß was daß hofgesinde · in der Burgunden lant.
Uoten die vil rîchen · sach man mit ir komen.
diu hete schœner vrouwen · geselleclîch genomen
hundert oder mêre: · die truogen rîchiu kleit.
ouch gie dâ nâch ir tohter · vil manec wætlîchiu meit.
Von einer kemenâten · sach man si alle gân:
dô wart vil michel dringen · von helden dar getân,
die des gedinge hêten, · ob kunde daß geschehen,
daß si die maget edele · solden vrœlîche sehen.
Nu gie diu minneclîche, · alsô der morgen rôt
tuot ûß trüeben wolken. · dô schiet von maneger nôt,
der si da truoc in herzen · und lange hete getân.
er sach die minneclîchen · nu vil hêrlîchen stân.
Jâ lûhte ir von ir wæte · vil manec edel stein:
ir rôsenrôtiu varwe · vil minneclîchen schein.
ob ieman wünschen solde, · der kunde niht gejehen,
daß er ze dirre werlde · hete iht schœners gesehen.
Sam der liehte mâne · vor den sternen stât,
des schîn sô lûterlîche · ab den wolken gât,
dem stuont si nu gelîche · vor andern vrouwen guot.
des wart dâ wol gehœhet · den zieren helden der muot.
Die rîchen kamerære · sach man vor ir gân.
die hôch gemuoten degene · wolden des niht lân,
sin drungen, dâ si sâhen · die minneclîchen meit.
Sîvride dem hêrren · wart beide lieb unde leit.
Er dâhte in sînem muote: · „wie kunde daß ergân,
daß ich dich minnen solde? · daß ist ein tumber wân;
sol aber ich dich vremden, · sô wære ich samfter tôt.“
er wart von gedanken · dicke bleich unde rôt.
Dô stuont sô minneclîche · daß Siglinde kint,
sam er entworfen wære · an ein permint
von guotes meisters listen, · sô man im verjach,
daß man helt neheinen · nie sô schœnen gesach.
Die mit der vrouwen giengen, · die hießen von den wegen
wîchen allenthalben: · daß leiste manec degen.
diu hôch tragenden herzen · vreuten manegen lîp;
man sach in grôßen zühten · vil manec hêrlîcheß wîp.
Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt:
„der iu sînen dienest · sô güetlîchen bôt,
Gunther, lieber bruoder, · dem sult ir tuon alsam
vor allen disen recken: · des râts ich nimmer mich gescham.
„Ir heißet Sîvriden · zuo mîner swester kumen,
daß in diu maget grüeße; · des habe wir immer vrumen:
diu nie gegruoßte recken, · diu sol in grüeßen phlegen;
dâ mite wir hân gewunnen · den vil zierlîchen degen.“
Dô giengen swirtes mâgen, · dâ man den helt vant.
si sprâchen zuo dem recken · ûßer Niderlant:
„iu hât der künec erloubet, · ir sult ze hove gân,
sîn swester sol iuch grüeßen: · daß ist iu zêren getân.“
Der hêrre in sînem muote · was des vil gemeit.
dô truoc er in dem herzen · lieb âne leit,
daß er sehen solde · der schœnen Uoten kint.
mit minneclîchen tugenden · si gruoßte Sîvriden sint.
Dô si den hôch gemuoten · vor ir stênde sach,
do erzunde sich ir varwe; · diu schœne meit sprach:
„sît willekomen, er Sîvrit, · ein edel rîter guot.“
dô wart im von dem gruoße · wol gehœhet der muot.
Er neig ir minneclîchen, · genâde er ir bôt.
si twanc gên ein ander · der seneden minne nôt;
mit lieben ougen blicken · ein ander sâhen an
der hêrre und ouch diu vrouwe: · daß wart vil tougen getân.
Wart dâ vriuntlîche · getriutet (ir vil) wîßiu hant
von herzen lieber minne, · daß ist mir niht bekant.
doch wil ich niht gelouben, · daß eß wurde lân:
zwei minne gerndiu herze · heten anders missetân.
Bî der sumerzîte · und gên des meijen tagen
dorft er niht mêre · in sîme herze tragen
sô vil hôher vreude, · sô er dâ gewan,
dô im diu gie an hende, · die er ze trûte gerte hân.
Dô dâhte manec recke: · „hei, wær mir sam geschehen,
daß ich ir gienge nebene, · als ich in hân gesehen,
oder bî ze ligene! · daß ließe ich âne haß!“
eß gediende noch nie recke · nâch einer küneginne baß.
Von swelher künege lande · die geste kômen dar,
die nâmen al gelîche · niuwan ir zweier war.
ir wart erloubet küssen · den wætlîchen man:
im wart ze dirre werlde · nie sô liebe getân.
Der künec von Tenemarke · sprach dô sâ zestunt:
„des vil hôhen gruoßes · lît vil maneger wunt,
des ich dâ wol enphinde, · von Sîvrides hant:
Got lâße in nimmer mêre · ze Tenemarke in daß lant!“
Man hieß dô allenthalben · wîchen von den wegen
der schœnen Kriemhilde; · manegen küenen degen
sach man zühteclîche · ze kirche mit ir gân.
sît wart von ir gescheiden · der vil wætlîche man.
Dô gie si zuo dem münster, · ir volgete manec wîp.
dâ was ouch wol gezieret · der küneginne lîp,
daß dô hôher wünsche · maneger wart verlorn.
si was ze ougen weide · manegem recken erkorn.
Vil kûme erbeite Sîvrit, · daß man dâ gesanc.
er mohte sînen sælden · immer sagen danc,
daß im diu was sô wæge, · die er in herzen truoc:
ouch was er der schœnen · holt von schulden genuoc.
Dô si kom ûz dem münster, · als er hete ê getân,
man sach in vriuntlîche · zuo Kriemhilde gân.
alrêst begunde im danken · diu minneclîche meit,
daß er vor den recken · sô rehte wîclîchen streit.
„Nu lôn iu Got, er Sîvrit,“ · sprach daß schœne kint,
„daß ir daß habt verdienet, · daß iu die recken sint
sô holt in guoten triuwen, · sô ich si hœre jehen.“
do begunde er minneclîche · an vroun Kriemhilde sehen.
„Ich sol in immer dienen“, · sprach Sîvrit der degen,
„und enwil mîn houbet · nimmer ê gelegen,
ich enwerbe nâch ir willen, · sol ich mîn leben hân.
daß muoß iu sîn ze dienste, · mîn vrou Kriemhilt, getân.“
Inre tage zwelven, · der tage al ieslîch,
sach man bî dem degene · die maget lobelîch,
sô si ze hove solde · vor ir vriunden gân.
der dienst wart dem recken · durch grôße liebe getân.
Vreude unde wünne · und michelen schal
sach man tegelîche · vor Guntheres sal,
dar ûße und ouch dar inne · von manegem küenen man.
Ortwîn und Hagene · vil grôßer wunder began.
Swes iemen phlegen solde, · des wâren si bereit
mit volleclîcher mâße, · die helde vil gemeit.
des wurden von den gesten · die recken wol bekant;
dâ von sô was gezieret · alleß Guntheres lant.
Die ê dâ wunde lâgen, · die sach man vüre gân:
si wolden kurzewîle · mit dem gesinde hân,
schirmen mit den schilden · und schießen manegen schaft.
des hulfen in genuoge; · si heten michele kraft.
In der hôhzîte · der wirt hieß ir phlegen
mit der besten spîse. · er hete sich bewegen
aller slahte schande, · die ie künec gewan.
man sach in vriuntlîche · zuo den sînen gesten gân.
Er sprach: „ir guoten recken, · ê daß ir scheidet hin,
sô nemet ir mîne gâbe: · alsô stêt mîn sin,
daß ichß immer diene; · versmâhe iu niht mîn guot:
daß wil ich mit iu teilen: · des hân ich willigen muot.“
Die von Tenemarken · sprâchen sâ zehant:
„ê daß wir wider rîten · heim in unser lant,
wir gern stæter suone: · des ist uns recken nôt:
wir hân von iuwern degenen · manegen lieben vriunt tôt.“
Liudegast geheilet · sîner wunden was:
der vogt von den Sahsen · nâch strîte wol genas.
etelîche tôten · si ließen dâ ze lant.
dô gie der künic Gunther, · dâ er Sîvriden vant.
Er sprach zuo dem recken: · „nu rât, wie ich tuo.
unser geste wellent · rîten morgen vruo
und gerent stæter suone · an mich und mîne man:
nu râtâ, degen küene, · waß dich des dünke guot getân.
„Waß mir die hêrren bieten, · daß wil ich dir sagen:
swaß vünf hundert mære · goldes mügen tragen,
daß gebent si mir gerne, · wil ich si ledic lân.“
dô sprach Sîvrit: · „daß wær übele getân.
„Ir sult si ledeclîchen · hinnen lâßen varn:
und daß die recken edele · vürbaß bewarn
vîentlîcheß rîten · her in iuwer lant,
des lât iu sicherheit · geben beider hêrren hant.“
„Des râtes wil ich volgen.“ · dâ mite si giengen dan.
den sînen widerwinnen · wart daß kunt getân,
ir goldes gerte niemen, · daß si dâ büten ê.
dâ heime ir lieben vriunden · was nâch den hermüeden wê.
Manegen schilt vollen · man dar schatzes truoc;
er teilt es âne wâge · den vriunden genuoc,
bî vünf hundert marken · und eteslîchen baß.
Gêrnôt der vil küene · der riet Gunthere daß.
Urloup si dô nâmen, · alsô si wolden dan.
dô sach man die geste · vür Kriemhilde gân
und ouch, dâ vrou Uote · diu küneginne saß.
eß enwart nie degenen · mêre geurloubet baß.
Herberge wurden lære, · dô si dannen riten.
doch bestuont dâ heime · mit hêrlîchen siten
der künic mit den sînen · und manec edel man:
die sach man tegelîche · vür vroun Kriemhilde gân.
Urloup nemen wolde ouch · Sîvrit ein helt guot:
er wânde niht erwerben, · des er hete muot.
der künic sagen hôrte, · daß er wolde dan:
Gîselher der junge · in von der reise gewan.
„War woldet ir nu rîten, · edel Sîvrit?
belîbet bî den recken, · tuot, des ich iuch bit,
bî Gunther dem künege · und bî sînen man.
hie sint vil schœne vrouwen, · die man iuch sol sehen lân.“
Dô sprach der starke Sîvrit: · „sô lât diu ros stân.
ich wolde hinne rîten; · des wil ich abe gân;
und traget hin die schilde. · jâ wolde ich in mîn lant:
des hât mich her Gîselher · mit grôßen triuwen erwant.“
Sus beleip der küene · durch vriunde liebe dâ.
jâ wær er in den landen · niender anderswâ
gewesen alse sanfte: · dâ von daß geschach,
daß er nu tegelîche · die schœnen Kriemhilde sach.
Durch ir unmâßen schœne · der hêrre dâ beleip.
mit maneger kurzwîle · man nu die zît vertreip;
wan daß in twanc ir minne: · diu gab im dicke nôt;
dar umbe sît der küene · lac vil jæmerlîchen tôt.
Iteniuwiu mære · sich huoben über Rîn:
man seite, daß dâ wære · manec magedîn.
der dâhte im eine werben · des künic Gunthers muot.
daß dûhte sîne recken · und die hêrren alle guot.
Eß was ein küneginne · geseßßen über sê,
ir gelîche · was deheiniu mê.
si was unmâßen schœne, · vil michel was ir kraft;
si schôß mit snellen degenen · umbe minne den schaft.
Den stein warf si verre, · dar nâch si wîten spranc.
swer ir minne gerte, · der muose âne wank
driu spil an gewinnen · der vrouwen wol geborn:
gebrast im an eime, · er het daß houbet verlorn.
Des het diu juncvrouwe · unmâßen vil getân,
do gevriesch eß bî dem Rîne · ein rîter wol getân.
der wande sîne sinne · an daß schœne wîp;
des muosen vil helde · sît verliesen den lîp.
Dô si eines tages sâßen, · der künec und sîne man,
manegen ende si eß mâßen · beidiu wider unde dan,
welhe ir hêrre möhte · zeinem wîbe nemen,
diu im ze vrouwen töhte · und ouch dem lande möhte zemen.
Dô sprach der vogt von Rîne: · „ich wil an den sê
hin zuo Prünhilde, · swie eß mir ergê.
ich wil umbe ir minne · wâgen den lîp:
den wil ich verliesen, · sine werde mîn wîp.“
„Daß wil ich widerrâten,“ · sprach dô Sîvrit.
„jâ hât diu küneginne · sô vreislîchen sit,
swer ir minne wirbet, · daß eß im hôhe stât.
des muget ir der reise · haben wærlîchen rât.“
Dô sprach der künic Gunther: · „nie geborn wart ein wîp
sô stark und ouch sô küene, · ine wolde wol ir lîp
in strîte betwingen · mit mîn selbes hant.“
„swîget,“ sprach dô Sîvrit, · „iu ist ir ellen unbekant.
„Und wæren iuwer viere, · dine kunden niht genesen
von ir vil grimmen zorne: · ir lât den willen wesen,
daß rât ich iu mit triuwen; · welt ir niht ligen tôt,
sone lât iuch nâch ir minne · niht ze sêre wesen nôt.“
„Nu sî swie stark si welle, · ine lâße der reise niht
hin ze Prünhilde, · swaß halt mir geschiht.
durch ir unmâßen schœne · muoß eß gewâget sîn:
waß, ob mir Got gevüeget, · daß si mir volget an den Rîn?“
„Sô wil ich iu daß râten,“ · sprach dô Hagene,
„ir bitet Sîvride · mit iu ze tragene
die vil starken sorge: · daß ist nu mîn rât,
sît im daß ist sô kündec, · wieß umbe Prünhilde stât.“
Er sprach: „wiltu mir helfen, · vil edel Sîvrit,
die minneclîchen werben? · tuo, des ich dich bit.
und wirt mir ze trûte · daß hêrlîche wîp,
ich wil durch dînen willen · wâgen êre unde lîp.“
Des antwurte Sîvrit, · Sigmundes sun:
„gîstu mir dîn swester, · sô wil ich eß tuon,
die schœnen Kriemhilde, · ein küneginne hêr:
sô gere ich niht lônes · nâch mînen arbeiten mêr.“
„Daß lobe ich,“ sprach Gunther, · „Sîvrit, an dîne hant.
und kumet diu schœne Prünhilt · her in ditze lant,
sô wil ich dir ze wîbe · mîne swester geben:
sô mahtu mit ir · immer vrœlîchen leben.“
Des swuoren si dô eide, · die recken vil hêr.
des wart ir arbeite · verre dester mêr,
ê si die wolgetânen · brâhten an den Rîn:
des muosen die küenen · sît in grôßen nœten sîn.
Von wilden getwergen · hân ich gehœret sagen,
si sîn in holen bergen · und (daß si) ze scherme tragen
eineß, heißet tarnkappen, · von wunderlîcher art:
swerß hât an sîme lîbe, · der sol vil gar wol sîn bewart
Vor slegen und vor stichen; · in müge ouch niemen sehen,
swenne er sî dar inne; · beide hœren unde spehen
mag er nâch sînem willen, · daß in doch niemen siht;
er sî ouch verre sterker, · als uns diu âventiure giht.
Sîvrit muose vüeren · die kappen mit im dan,
die der helt küene · mit sorge gewan
ab eime getwerge, · daß hieß Albrîch.
sich garten zuo der verte · die recken küene unde rîch.
Alsô der starke Sîvrit · die tarnkappen truoc,
sô hete er dar inne · krefte genuoc,
zwelf manne sterke, · als uns ist geseit.
er gewan mit grôßen listen · die vil hêrlîchen meit.
Ouch was diu tarnhût · alsô getân,
daß dar inne worhte · ein ieslîcher man,
swaß er selbe wolde, · daß in niemen sach.
dâ mit gewan er Prünhilt; · dâ von im leide geschach.
„Du solt mir sagen, Sîvrit, · ê unser vart ergê,
wie wir mit vollen êren · komen an den sê?
suln wir rîter vüeren · in Prünhilde lant?
drîßec tûsent degene, · die werdent schiere besant.“
„Swie vil wir volkes vüeren,“ · sprach aber Sîvrit,
„eß phligt diu küneginne · sô vreislîcher sit,
die müesen doch ersterben · von ir übermuot.
ich wil iuch baß bewîsen, · degen küene unde guot.
„Wir suln in recken wîse · varn ze tal den Rîn.
die wil ich iu nennen, · die daß sulen sîn:
zuo uns zwein noch zwêne · unde niemen mê;
so erwerben wir die vrouwen, · swie eß uns dar nâch ergê.
„Der gesellen bin ich einer, · der ander soltu wesen,
der drite daß sî Hagene: · wir suln wol genesen;
der vierte daß sî Dancwart, · der vil küene man.
uns geturren ander tûsent · mit strîte nimmer bestân.“
„Diu mære wesse ich gerne,“ · sprach der künic dô,
„ê wir hinnen vüeren, · des wære ich harte vrô,
waß wir kleider solden · vor Prünhilde tragen,
diu uns dâ wol zæmen: · Sîvrit, daß soltu mir sagen.“
„Wât die aller beste, · die man ie bevant,
treit man zallen zîten · in Prünhilde lant:
des suln wir rîche kleider · vor der vrouwen tragen,
daß wirs iht haben schande, · sô man diu mære hœre sagen.“
Dô sprach der degen guoter: · „sô wil ich selbe gân
ze mîner lieben muoter, · ob ich erwerben kan,
daß uns ir schœnen meide · helfen brüeven kleit,
diu wir tragen mit êren · vür die hêrlîchen meit.“
Dô sprach von Troneje Hagene · mit hêrlîchen siten:
„zwiu welt ir iuwer muoter · sölher dienste biten?
lât iuwer swester hœren, · wes ir habet muot:
si ist sô kunstrîche, · daß diu kleider werdent guot.“
Do enbôt er sîner swester, · daß er se wolde sehen
und ouch der degen Sîvrit. · ê daß was geschehen,
dô hete sich diu schœne · ze lobe wol gekleit.
daß die hêrren kômen, · daß was ir mæßlîchen leit.
Nu was ouch ir gesinde · geziert, als im gezam.
die vürsten kômen beide: · dô si daß vernam,
dô stuont si von dem sedele: · mit zühten si dô gie,
dâ si den gast vil edele · und ouch ir bruoder enphie.
„Sî willekomen, mîn bruoder · und der geselle sîn.
diu mære ich weste gerne,“ · sprach daß meidîn,
„waß ir hêrren woldet, · sît ir ze hove gât.
lât ir mich hœren, · wieß iu edelen recken stât.“
Dô sprach der künic Gunther: · „vrouwe, ich wilß iu sagen.
wir müeßen michel sorge · bî hôhme muote tragen;
wir wellen hübschen rîten · verre in vremdiu lant:
wir solden zuo der reise · haben zierlîch gewant.“
„Nu sitzet, lieber bruoder,“ · sprach daß küneges kint.
„lât mich rehte hœren, · wer die vrouwen sint,
der ir gert ze minne · in ander künege lant.“
die ûßerwelten beide · nam diu vrouwe bî der hant.
Si gie mit den degenen, · dâ si ê dâ saß
ûf matraze rîche, · ich wil wißßen daß,
geworht mit guoten bilden, · mit golde wol erhaben.
si mohten bî der vrouwen · guote kurzwîle haben.
Vriuntlîche blicke · und güetlîchen sehen,
daß mohte von in beiden · harte vil geschehen.
er truoc si in dem herzen, · si was im sô der lîp.
er erwarp mit starkem dienste, · daß si sider wart sîn wîp.
Dô sprach der künic rîche: · „vil liebiu swester mîn,
âne dîne helfe · kunde eß niht gesîn.
wir wellen kurzwîlen · in Prünhilde lant:
da bedorften wir ze tragene · vor vrouwen hêrlîch gewant.“
Dô sprach diu küneginne: · „vil lieber bruoder mîn,
swaß der mînen helfe · dar an kan gesîn,
des bringe ich iuch wol innen, · daß ich iu bin bereit.
versagt iu ander iemen, · daß wære Kriemhilde leit.
„Ir sult mich, rîter edele, · niht sorgende biten,
ir sult mir gebieten · mit hêrlîchen siten:
swaß iu von mir gevalle, · des bin ich iu bereit
und tuon eß willeclîche,“ · sprach diu wünneclîchiu meit.
„Wir wellen, liebiu swester, · tragen guot gewant.
daß sol helfen brüeven · iuwer wîßiu hant;
des vlîßen sich iur megede, · daß eß uns rehte stât,
wande wir der verte · hân deheiner slahte rât.“
Dô sprach diu juncvrouwe: · „nu merket, waß ich sage.
wir hân selbe sîden; · nu schaffet, daß man trage
gestein uns ûf den schilden, · sô würken wir diu kleit,
daß ir si tragt mit êren · vür die hêrlîchen meit.“
„Wer sint die gesellen,“ · sprach diu künegîn,
„die mit iu gekleidet · ze hove sulen sîn?“
er sprach: „ich selbe vierde. · zwêne mîne man,
Dancwart und Hagene, · ze hove sulen mit mir gân.
„Nu merket, liebiu swester, · rehte, waß wir sagen:
daß wir vier gesellen · ze vier tagen tragen
ie drîer hande kleider · und alsô guot gewant,
daß wir âne schande · rûmen Prünhilde lant!“
Daß lobte si den recken; · die hêrren schieden dan.
dô hieß ir juncvrouwen · drîßec meide gân
ûß ir kemenâten · Kriemhilt diu künegîn,
die zuo solhem werke · heten grœßlîchen sin.
Die Arâbischen sîden · wîß alsô der snê
unde von Zazamanc · der grüenen sô der klê,
dar în si leiten steine: · des wurden guotiu kleit;
selbe sneit si Kriemhilt, · diu vil hêrlîche meit.
Von vremder vische hiuten · bezoc wolgetân,
ze sehene vremd den liuten, · swaß man der gewan,
die dacten si mit sîden; · golt dar în getragen:
man mohte michel wunder · von der liehten wæte sagen.
Von Marroch dem lande · und ouch von Libîân
die aller besten sîden, · die ie mêr gewan
deheines küneges künne, · der heten si genuoc.
wol lie daß schînen Kriemhilt, · daß si in holden willen truoc.
Sît sis zer hovereise · heten sô gegert,
hermîne vedere · dûhten si unwert;
phelle dar ûfe lâgen · swarz alsam ein kol,
daß noch snellen degenen · stüende in hôhzîten wol.
Ûß Arâbischem golde · vil gesteines schein;
der vrouwen unmuoße · was niht ze klein.
inre siben wochen · bereiten si diu cleit;
dô was ouch gewæfen · den guoten recken bereit.
Dô si bereit wâren, · dô was in ûf dem Rîn
gemachet vlîßeclîchen · ein starkeß schiflîn,
daß si tragen solde · nider an den sê.
den edelen juncvrouwen · was von arbeiten wê.
Dô sagte man den recken, · in wæren nu bereit,
diu si dâ vüeren solden, · ir zierlîchen kleit.
alsô si dâ gerten, · daß was nu getân:
done wolden si niht langer · bî dem Rîne bestân.
Nâch den hergesellen · wart bote sâ gesant,
ob si wolden schouwen · niuweß ir gewant,
ob eß den helden wære · ze kurz oder ze lanc.
eß was in rehter mâße: · des seiten si den vrouwen danc.
Vür alle die si kômen, · die muosen in des jehen,
daß si zer werlde hêten · beßßers niht gesehen.
des möhten si se gerne · dâ ze hove tragen:
von beßßerr recken wæte · kunde niemen niht gesagen.
Vil michel danken · wart dâ niht verdeit.
dô gerten urloubes · die recken vil gemeit;
in rîterlîchen zühten · die hêrren tâten daß.
des wurden liehtiu ougen · von weinen trüebe unde naß.
Si sprach: „vil lieber bruoder, · ir möhtet noch bestân
und wurbet ander vrouwen: · daß hieße ich wol getân;
und dâ iu niht enstünde · en wâge sô der lîp.
ir muget hie nâhen vinden · ein als hôch geboren wîp.“
Ich wæne, in sagt daß herze, · daß in dâ von geschach.
si weinten al gelîche, · swaß ieman gesprach.
ir golt in vor den brüsten · wart vor trähen sal:
die vielen in genôte · von den ougen ze tal.
Si sprach: „hêrre Sîvrit, · lât iu bevolhen sîn
ûf triuwe und ûf genâde · den lieben bruoder mîn,
daß im iht werre · in Prünhilde lant.“
daß lobte ir der küene · mit guotem willen an die hant.
Dô sprach der degen rîche: · „ob mir mîn lîp bestât,
sô sult ir aller sorge, · vrouwe, haben rât:
ich bringen iu gesunden · her wider an den Rîn.
daß habt ûf mîme lîbe.“ · im neic daß schœne magedîn.
Ir goltvarwen schilde · man truoc in ûf den sant
und brâht in zuo dem schiffe · alleß ir gewant.
ir ros hieß man in ziehen: · si wolden varn dan.
dô wart von schœnen vrouwen · vil michel weinen getân.
Dô stuonden in diu venster · diu minneclîchen kint.
ir schif mit dem segele · ruorte ein hôher wint.
die stolzen hergesellen · sâßen ûf den Rîn;
dô sprach der künic Gunther: · „wer sol nu schifmeister sîn?“
„Daß wil ich,“ sprach Sîvrit: · „ich kan iuch ûf der vluot
hinnen wol gevüeren, · daß wißßet, helde guot;
die rehten waßßerstrâße · sint mir wol bekant.“
mit vreuden si dô schieden · ûß der Burgunden lant.
Sîvrit dô balde · ein schalten gewan,
von stade er schieben · vaste began.
Gunther der küene · ein ruoder selbe nam.
dô huoben sich von lande · die snellen rîter lobesam.
Si vuorten rîche spîse, · dar zuo guoten wîn,
den besten, den man kunde · vinden umben Rîn.
ir ros stuonden ebene, · si heten guot gemach.
ir schif gienc ouch ebene: · lützel leides in geschach.
Ir (vil) starken segelseil · wurden in gestraht:
si vuoren zweinzec mîle, · end eß wurde naht,
mit eime guoten winde · nider gein dem sê;
ir starkes arbeiten · tet sît schœnen vrouwen wê.
An dem zwelften morgen, · sô wir hœren sagen,
heten si die winde · verre dan getragen
gegen Isensteine · in Prünhilde lant;
daß was niemen mêre · wane Sîvride bekant.
Dô der künic Gunther · sô vil der bürge sach
und ouch der wîten marke, · wie balde er dô sprach:
„saget mir, vriunt, hêr Sîvrit, · ist iu daß bekant?
wes sint dise bürge · und ouch daß hêrlîche lant?
„Ine hân bî mînen zîten, · ine wolde lüge jehen,
sô wol erbouwen bürge · mêre nie gesehen
in deheinem einlande, · als ir hie vor uns stât:
er mac wol wesen rîche, · der si hie gebouwen hât.“
Des antwurte Sîvrit: · „eß ist mir wol bekant:
eß ist Prünhilde, · bürge unde lant
und Isenstein diu veste, · als ir mich hœret jehen.
dâ muget ir noch hiute · vil schœner vrouwen gesehen.
„Ich wil iu helden râten, · ir habet einen muot,
ir jehet al gelîche: · jâ dunket eß mich guot.
swenne wir noch hiute · vür Prünhilde gân,
sô müeßen wir mit sorgen · vor der küneginne stân.
„Sô wir die minneclîchen · bî ir gesinde sehen,
sô sult ir helde mære · wan einer rede jehen:
Gunther sî mîn hêrre · unde ich sîn man;
des er hât gedingen, · daß wirt alleß getân.“
Des wâren si bereite, · des er si loben hieß:
durch ir übermüete · deheiner eß niht ließ.
si jâhen, swes er wolde; · dâ von in wol geschach,
dô der künic Gunther · die schönen Prünhilde sach.
„Jane lobe ichß niht sô verre · durch die liebe dîn,
sô durch dîne swester, · daß schœne magedîn.
diu ist mir sam mîn sêle · und sô mîn selbes lîp;
ich wil daß gerne dienen, · daß si werde mîn wîp.“
In der selben zîte · dô was ir schif gegân
der burc alsô nâhen: · dô sach der künic stân
oben in den venstern · manec schœne meit.
daß er si niht erkande, · daß was im wærlîche leit.
Er vrâgte Sîvriden, · den gesellen sîn:
„ist iu iht daß künde · umb disiu magedîn,
die dort nider schouwent · gên uns ûf die vluot?
swie ir hêrre geheiße, · si sint vil hôhe gemuot.“
Dô sprach der küene Sîvrit: · „nu sult ir tougen spehen
under den juncvrouwen · und sult mir danne jehen,
welhe ir nemen woldet, · hetet irs gewalt.“
„daß tuon ich,“ sprach Gunther, · ein rîter küene unde balt.
„Sô sihe ich ir eine · in jenem venster stân
in snêwîßer wæte: · diu ist sô wol getân:
die welent mîniu ougen · durch ir schœnen lîp:
ob ich gewalt des hête, · si müese werden mîn wîp.“
„Dir hât erwelt vil rehte · dîner ougen schîn:
eß ist diu edel Prünhilt, · daß schœne magedîn,
nâch der dîn herze ringet, · dîn sin und ouch dîn muot.“
elliu ir gebærde · dûhte Gunthere guot.
Dô hieß diu küneginne · ûz den venstern gân
ir minneclîchen meide; · sine solden dâ niht stân
den vremden an ze sehene: · des wâren si bereit.
waß dô die vrouwen tâten, · daß ist uns sider ouch geseit.
Gên den unkunden · strichen si ir lîp,
des ie site hêten · wætlîchiu wîp.
an diu engen venster · kômen si gegân,
dâ si die helde sâhen: · daß was durch schouwen getân.
Ir wâren niuwan viere, · die kômen in daß lant.
Sîvrit der küene · ein ros zôch ûf den sant.
daß sâhen durch diu venster · diu wætlîchen wîp:
des dûhte sich getiuret · des künic Guntheres lîp.
Er habte im dâ bî zoume · daß zierlîche marc,
guot unde schœne, · michel unde starc,
unz der künic Gunther · in den satel gesaß.
alsô diente im Sîvrit, · des er doch sider gar vergaß.
Dô zôch er ouch daß sîne · von dem schiffe dan:
er het solhen dienest · vil selten ê getân,
daß er bî stegereife · gestüende helde mêr.
daß sâhen durch diu venster · die vrouwen schœn unde hêr.
Rehte in einer mâße · den helden vil gemeit
von snêblanker varwe · ir ros und ouch ir kleit
wâren vil gelîche, · ir schilde wol getân:
die lûhten von den handen · den vil wætlîchen man.
Ir setele wol gesteinet, · ir vürbüege smal:
si riten hêrlîche · vür Prünhilde sal;
dar an sô hiengen schellen · von liehtem golde rôt.
si kômen zuo dem lande, · als eß ir ellen in gebôt,
Mit spern niuwe sliffen, · mit swerten wol getân,
diu ûf die sporen giengen · den wætlîchen man.
diu vuorten die vil küenen · scharph unde breit.
daß sach alleß Prünhilt, · diu vil hêrlîche meit.
Mit in kom dô Dancwart · und ouch Hagene:
wir hœren sagen mære, · wie die degene
von rabenswarzer varwe · truogen rîchiu kleit.
ir schilde wâren niuwe, · michel, guot unde breit.
Von Indîâ dem lande · sach man si steine tragen,
die kôs man an ir wæte · vil hêrlîchen wagen.
si ließen âne huote · daß schiffel bî der vluot:
sus riten zuo der bürge · die helde küene unde guot.
Sehs und ahzec türne · si sâhen drinne stân,
drî palas wîte · und einen sal wol getân
von edelem marmelsteine · grüene alsam ein gras,
dar inne diu küneginne · mit ir ingesinde was.
Diu burc was entsloßßen, · vil wîte ûf getân.
dô liefen in enkegene · die Prünhilde man
und enphiengen die geste · in ir vrouwen lant.
ir ros man hieß behalden · und ir schilde vor der hant.
Dô sprach ein kamerære: · „gebet uns diu swert
und die liehten brünne.“ · „des sît ir ungewert,“
sprach von Troneje Hagene, · „wir wellens selbe tragen.“
dô begunde Sîvrit · im den hovesite sagen.
„In dirre burc phliget man, · daß wil ich iu sagen,
daß neheine geste · sulen wâfen tragen:
lât si tragen hinnen, · daß ist wol getân.“
des volgte ungerne · Hagne Guntheres man.
Man hieß den gesten schenken · und schaffen guot gemach.
manegen snellen recken · man ze hove sach
in vürstlîcher wæte · allenthalben gân;
doch wart michel schouwen · an die küenen getân.
Dô wart vroun Prünhilde · gesaget mit mæren,
daß unkunde recken · dâ komen wæren
in hêrlîcher wæte · gevloßßen ûf der vluot.
dâ von begonde vrâgen · diu maget schœne unde guot:
„Ir sult mich lâßen hœren,“ · sprach diu künegîn,
„wer die unkunden · recken mügen sîn,
die ich sô hêrlîche · dort sihe stân,
und durch wes liebe · die helde her gevarn hân.“
Dô sprach ein ir gesinde: · „vrouwe, ich mac wol jehen,
daß ich ir deheinen · mêre habe gesehen,
wan Sîvride gelîche · einer drunder stât:
den sult ir wol enphâhen: · daß ist mit triuwen mîn rât.“
Der ander der gesellen · der ist sô lobelîch:
„ob er gewalt des hæte, · wol wær er künic rîch
ob wîten vürsten landen · und mohte er diu hân.
man siht in bî den andern · sô rehte hêrlîche stân.
„Der drite der gesellen · der ist sô gremlîch
und doch mit schœnem lîbe, · küneginne rîch,
von swinden sînen blicken, · der er sô vil getuot.
er ist in sînen sinnen · ich wæne grimme gemuot.
„Der jungeste dar under · der ist sô lobelîch:
magtlîcher zühte · sihe ich den degen rîch
mit guotem gelæße · sô minneclîche stân.
wir möhtenß alle vürhten, · hete im hie iemen iht getân.
„Swie blîde er phlege der zühte · und swie schœne sî sîn lîp,
er möhte wol erweinen · vil wætlîchiu wîp,
swenne er begonde zürnen. · sîn lîp ist sô gestalt,
er ist in allen tugenden · ein degen küene unde balt.“
Dô sprach diu küneginne: · „Nu brinc mir mîn gewant:
und ist der starke Sîvrit · komen in mîn lant
durch willen mîner minne, · eß gât im an den lîp.
ich vürhte in niht sô sêre, · daß ich werde sîn wîp.“
Prünhilt diu schœne · wart schiere wol gekleit.
dô gie mit ir dannen · manegiu schœniu meit,
wol hundert oder mêre; · gezieret was ir lîp.
die geste wolden schouwen · diu vil wætlîchen wîp.
Dâ mite giengen degene · ûß Isenlant,
Prünhilde recken: · die truogen swert enhant,
vünf hundert oder mêre. · daß was den gesten leit:
dô stuonden von dem sedele · die küenen helde gemeit.
Dô diu küneginne · Sîvriden sach,
zuo deme gaste · si zühteclîchen sprach:
„sît willekomen, hêr Sîvrit, · her in ditze lant!
waß meinet iuwer reise? · daß hete ich gerne bekant.“
„Vil michel genâde, · vrou Prünhilt,
daß ir mich ruochet grüeßen, · vürsten tohter milt,
vor disem edelen recken, · der hie vor mir stât:
wan der ist mîn hêrre; · der êren hete ich gerne rât.
„Er ist künec ze Rîne: · waß sol ich sagen mêr?
durch dîne liebe · sîn wir gevarn her.
er wil dich gerne minnen, · swaß im dâ von geschiht.
bedenke dichs bezîte: · er enlât dich sîn niht.
„Er ist geheißen Gunther, · ein künec rîch unde hêr.
erwurb er dîne minne, · sone gerte er niht mêr.
durch dich mit im · ich her gevarn hân;
wærer niht mîn hêrre, · ich heteß nimmer getân.“
Si sprach: „ist er dîn hêrre · unde du sîn man,
wil er mîn geteiltiu spil · alsô bestân,
behabe er die meisterschaft, · sô wird ich sîn wîp:
gewinne aber ich ir eineß, · eß gêt iu allen an den lîp.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „vrouwe, lât uns sehen
iuwer spil geteiltiu. · end iu müeste jehen
Gunther mîn hêrre, · dâ mües eß herte sîn.
er trouwet wol erwerben · ein alse schœne magedîn.“
„Den stein sol er werfen · und springen dar nâch,
den gêr mit mir schießen. · lât iu niht sîn ze gâch.
ir muget hie wol verliesen · die êre und ouch den lîp:
des sult ir iuch bedenken,“ · sprach daß minneclîche wîp.
Sîvrit der snelle · zuo dem künege trat,
allen sînen willen · er in reden bat
gên der küneginne: · er solde ân angest sîn:
„ich sol dich wol behüeten · vor ir mit den listen mîn.“
Dô sprach der künic Gunther: · „küneginne hêr,
nu teilt, swaß ir gebietet. · und wæres dannoch mêr,
ich bestüende eß alleß · durch iuwern schœnen lîp.
mîn houbet ich verliuse, · ir enwerdet mîn wîp.“
Dô diu küneginne · sîne rede vernam,
der spile bat si gâhen, · als ir daß gezam.
si hieß ir ze strîte · bringen ir gewant,
ein brünne von golde · und einen guoten schildes rant.
Ein wâfenhemde sîdîn · leite an diu meit,
daß in deheime strîte · wâfen nie versneit,
von phelle ûßer Libîâ; · eß was wol getân:
von borten lieht gewürhte · sach man schînen dar an.
Die zît wart den recken · in gelfe vil gedreut.
Dancwart und Hagene · wâren ungevreut.
wie eß dem künege ergienge, · des sorget in der muot.
si dâhten: „unser reise · ist uns gesten niht ze guot.“
Die wîle was ouch Sîvrit, · der listige man,
end eß iemen wesse, · zuo dem schiffe gegân,
dâ er die tarnkappe · verborgen ligen vant.
dar în slouf er schiere: · dô was er niemen bekant.
Er îlte hin widere: · dô vant er recken vil,
dâ diu küneginne · teilte ir hôhiu spil.
dâ gie er tougenlîchen, · daß in dâ niemen sach
aller, die dâ wâren, · vone listen daß geschach.
Der rinc was bezeiget, · dô soldeß spil geschehen
vor manegem küenen recken, · die daß solden sehen.
wol siben hundert · sach man wâfen tragen:
swer daß spil gewünne, · daß si die wârheit solden sagen.
Dô was ouch komen Prünhilt: · gewâfent man die vant,
sam ob si wolde strîten · umbe elliu küneges lant.
jâ truoc si ob den sîden · manegen goldes zein,
dar under minneclîchen · ir vil liehtiu varwe schein.
Dô kom ir gesinde · und truogen dar zehant
von alrôtem golde · einen schildes rant
mit stahelherten spangen, · michel unde breit,
dar under spilen wolde · diu vil minneclîche meit.
Der meide schiltveßßel · ein edel borte was,
dar ûfe lâgen steine · grüene alsam ein gras:
der lûhte maneger leije · mit schîne widerß golt.
er müeste wesen küene, · dem diu vrouwe wurde holt.
Der schilt was under buckeln, · als uns daß ist geseit,
drîer spannen dicke, · den tragen solt diu meit:
von stâle und ouch von golde · rîch er was genuoc,
den ir kamerære · selp vierde kûme getruoc.
Alsô der starke Hagene · den schilt dar tragen sach,
in grôßem unmuote · der helt von Troneje sprach:
„wâ nu, künic Gunther, · wie vliese wir den lîp?
der ir dâ gert ze minnen, · diu ist des tiuveles wîp.“
Vernemt noch von ihr wæte: · der hæte si genuoc.
von Azagouc der sîden · einen wâfenroc si truoc,
edel unde rîche, · ab des varwe schein
von der küneginne · vil manec hêrlîcher stein.
Dô truoc man der vrouwen · swære unde grôß
einen vil scharfen gêr, · dens zallen zîten schôß,
stark und ungevüege, · michel unde breit,
der ze sînen ecken · vile vreislîchen sneit.
Von des gêres swære · hœret wunder sagen.
vierdehalp messe · was dar zuo geslagen.
den truogen kûme drîe · Prünhilde man.
Gunther der edele · dar umbe sorge gewan.
Er dâhte in sînem muote: · „waß sol ditze wesen?
der tiuvel ûß der helle · (wie) kunde er dâ vor genesen?
wære ich ze Burgunden · mit dem lebene mîn,
si müeste hie vil lange · vrî vor mîner minne sîn.“
Im was in sînen sorgen, · daß wißßet, leit genuoc.
alleß sîn gewæfen · man im einen truoc.
dâ wart der künic rîche · wol gewâfent in.
vor leide hete Hagene · vil nâch verwandelt den sin.
Dô sprach Hagnen bruoder, · der küene Dankwart:
„mich riuwet inneclîchen · disiu hovevart.
nu hießen wir ie recken! · wie vliese wir den lîp!
suln uns in disem lande · nu verderben diu wîp?
„Mich müet harte sêre, · daß ich kom in daß lant.
hete mîn bruoder Hagene · sîn wâfen an der hant
und ouch ich daß mîne, · sô möhten samfte gân
mit ir übermüete · alle Prünhilde man.
Daß wißßet sicherlîchen, · si soldenß wol bewarn.
und hete ich tûsent eide · zeinem vride geswarn,
ê daß ich sterben sæhe · den lieben hêrren mîn,
jâ müesen lîp verliesen · daß vil schœne magedîn.“
„Wir solden ungevangen · wol rûmen ditze lant,“
sprach sîn bruoder Hagene, · „hete wir daß gewant,
des wir ze nôt bedurfen, · und diu swert vil guot,
sô wurde wol gesenftet · der schœnen vrouwen übermuot.“
Wol hôrt diu maget edele, · waß der degen sprach.
mit smielendem munde · si über ahsel sach:
„nu er dunket sich sô küene, · sô traget in ir gewant,
ir vil scharfen wâfen · gebet den helden an die hant.
„Mir ist alse mære, · daß si gewâfent sîn,
als ob si blôße stüenden,“ · sô sprach diu künegîn.
„ich envürhte niemens sterke, · den ich noch habe bekant:
ich getrouwe wol gedingen · in strîte vor sîn eines hant.“
Dô si diu swert gewunnen, · sô diu meit gebôt,
der vil küene Dancwart · wart von vreuden rôt:
„nu spilen, swes si wellen,“ · sprach der küene man.
„Gunther ist unbetwungen, · sît wir unser wâfen hân.“
Prünhilde sterke · grœßlîchen schein.
man truog ir zuo dem ringe · einen swæren stein,
grôß und ungevüege, · michel unde wel:
in truogen kûme zweleve · der küenen helde unde snel.
Den warf si zallen zîten, · sô si den gêr verschôß.
der Burgunden sorge · was vil harte grôß.
„wâfen!“ sprach Hagene, · „waß hât der künec ze trût!
jâ sol si in der helle · sîn des übelen tiuvels brût.“
An ir vil wîße arme · si die ermel want,
si begunde vaßßen · den schilt an der hant,
den gêr si hôhe zucte: · dô gie eß an den strît.
die ellenden geste · vorhten Prünhilde nît.
Unde wære im Sîvrit · niht dâ ze helfe komen,
sô hete si Gunther · sînen lîp benomen.
er gie dar tougenlîche · und ruort im sîne hant.
Gunther sîne liste · harte sorclîch ervant.
„Waß hât mich gerüeret?“ · dâht der küene man.
dô sach er allenthalben: · er vant dâ niemen stân.
er sprach: „ich pinß, Sîvrit, · der liebe vriunt dîn.
vor der küneginne · soltu gar âne angest sîn.“
(Er sprach): „gip mir von handen · den schilt lâ mich tragen,
unde merke rehte, · waß du mich hœrest sagen.
nu habe du die gebærde, · diu werk wil ich begân.“
dô er in bekande, · eß was im liebe getân.
„Nu hil du mîne liste, · daß ist uns beiden guot:
sone mac diu küneginne · ir starke übermuot
an dir iht verenden, · des si doch willen hât:
nu sihtu, wie diu vrouwe · vor dir unsorclîchen stât.“
Dô schôß vil krefteclîchen · diu hêrlîche meit
ûf einen schilt niuwen, · michel unde breit;
den truoc an sîner hende · daß Siglinde kint.
daß viur spranc von stahele, · sam eß wâte der wint.
Des starken gêres snîde · al durch den schilt gebrach,
daß man daß viuwer lougen · ûß den ringen sach.
des schußßes beide strûchten · die kreftige man:
wan diu tarnkappe, · si wæren tôt dâ bestân.
Sîvride dem küenen · von munde brast daß bluot.
vil balde spranc er widere: · dô nam der helt guot
den gêr, den si geschoßßen · im hete durch den rant:
den schôß ir dô hin widere · des starken Sîvrides hant.
Er dâhte: „ich wil niht schießen · daß schœne magedîn.“
er kêrte des gêres snîde · hindern rücke sîn;
mit der gêrstangen · er shôß ûf ir gewant,
daß eß erklanc vil lûte · von sîner ellenthaften hant.
Daß fiuwer stoub ûß ringen, · als ob eß tribe der wint.
den gêr schôß mit ellen · daß Sigmundes kint:
sine mohte mit ir kreften · des schußßes niht gestân;
eß enhete der künic Gunther · in triuwen nimmer getân.
Prünhilt diu schœne · balde ûf spranc:
„edel rîter Gunther, · des schußßes habe danc.“
si wânde, daß erß hête · mit sîner kraft getân;
nein, si hete gevellet · ein verre kreftiger man.
Dô gie si hin balde, · zornec was ir muot:
den stein huop vil hôhe · diu edel maget guot.
si swanc in krefteclîche · verre von der hant:
dô spranc si nâch dem wurfe, · daß lûte erklang ir gewant.
Der stein was gevallen · zwelf klâfter dan:
den wurf brach mit sprunge · diu maget wol getân.
dar gie der snelle Sîvrit, · dâ der stein gelac:
Gunther in wegete, · der helende werfennes phlac.
Sîvrit was küene, · kreftec unde lanc:
den stein warf er verrer, · dar zuo er wîter spranc.
von sînen schœnen listen · het er kraft genuoc,
daß er mit dem sprunge · den künic Gunthere truoc.
Der sprunc was ergangen, · der stein was gelegen:
dô sach man ander niemen · wan Gunther den degen.
Prünhilt diu schœne · wart in zorne rôt;
Sîvrit hete geverret · des künic Guntheres tôt.
Zuo ir ingesinde · ein teil si lûte sprach,
dô si ze ende des ringes · den helt gesunden sach:
„balde komet her nâher, · mâge und mîne man:
ir sult dem künic Gunther · alle werden undertân.“
Dô leiten die vil küenen · diu wâfen von der hant,
si buten sich ze vüeßen · von Burgunden lant
Gunther dem rîchen, · vil manec küener man:
si wânden, er hête · mit sîner kraft diu spil getân.
Er gruoßtes minneclîche: · jâ was er tugende rîch.
dô nam in bî der hende · diu maget lobelîch:
si erloubte im, daß er solde · haben dâ gewalt.
des vreute sich dô Hagene, · der degen küene unde balt.
Si bat den rîter edele · mit ir dannen gân
in den palas wîten: · dâ was vil manec man.
durch vorhte manß dem degene · deste baß erbôt.
von Sîvrides ellen · si wâren komen ûßer nôt.
Sîvrit der snelle, · wîse er was genuoc,
sîne tarnkappen · er ze behalten truoc.
dô gie er hin widere, · dâ manec vrouwe saß;
er sprach zuo dem künege · und tet vil kündeclîche daß:
„Wes pîtet ir, mîn hêrre, · wan beginnet ir der spil,
der iu diu küneginne · teilet alsô vil?
und lât uns balde schouwen, · wie diu sîn getân.“
sam ers niht enweste, · gebârt der listige man.
Dô sprach diu küneginne: · „wie ist daß geschehen,
daß ir habt, hêr Sîvrit, · der spil niht gesehen,
diu hie hât errungen · diu Guntheres hant?“
des antwurte ir Hagene · ûßer Burgunden lant:
Er sprach: „dâ het ir, vrouwe, · betrüebet uns den muot:
dô was bî dem scheffe · Sîvrit der helt guot,
dô der vogt von Rîne · diu spil iu an gewan:
des ist eß im unkündec,“ · sprach der Guntheres man.
„Sô wol mich dirre mære,“ · sprach Sîvrit der degen,
„daß iuwer hôchverten · alsô ist gelegen,
„daß iemen lebet, der iuwer · meister müge sîn.
nu sult ir, maget edele, · uns hinnen volgen an den Rîn.“
Dô sprach diu wol getâne: · „des mac niht ergân.
eß müeßen ê bevinden · mâge und mîne man.
jane mag ich alsô lîhte · gerûmen niht mîn lant:
die mîne hôhsten vriunde · müeßen werden ê besant.“
Dô hieß si boten rîten · allenthalben dan:
si besande ir vriunde, · mâg unde man.
die bat si ze Isensteine · komen unerwant,
und hieß in geben allen · rîch und hêrlîch gewant.
Si riten tegelîche · spâte unde vruo
Prünhilde bürge · scharhafte zuo.
„jarîâ,“ sprach Hagene, · „waß habe wir getân!
wir erbeiten hie übele · der schœnen Prünhilde man.
„Sô si nu mit ir krefte · koment in daß lant,
der küneginne wille · ist uns unbekant:
waß, ob si alsô zürnet, · daß wir sîn verlorn?
sô ist diu maget edel uns · ze grôßen sorgen geborn.“
Dô sprach der starke Sîvrit: · „daß sol ich understên.
des ir dâ habet sorge, · des lâße ich niht ergên.
ich sol iu helfe bringen · her in ditze lant
von ûß erwelten recken, · die sint iu noch unbekant.
„Ir sult nâch mir niht vrâgen: · ich wil hinnen varn.
Got müeße iuwer êre · die zît wol bewarn.
ich kume schiere widere · und bringiu tûsent man
der aller besten degene, · der iemen künde gewan.“
„Sone sît et niht ze lange,“ · sprach der künic dô.
„wir sîn iuwer helfe · billîchen vrô“.
er sprach: „ich kume widere · in vil kurzen tagen.
daß ir mich habet gesendet, · sult ir der küneginne sagen.“
„Dannen gie dô Sîvrit · zer porten ûf den sant
in sîner tarnkappen, · dâ er ein schiffel vant.
dar an sô stuont vil tougen · daß Sigmundes kint:
er vuorte eß balde dannen, · als ob eß wæte der wint.
Den schifmeister niemen sach; · daß schiffel sêre vlôß
von Sîvrides kreften: · die wâren alsô grôß.
si wânden, daß eß vuorte · ein sunder starker wint:
nein, eß vuorte Sîvrit, · der schœnen Siglinde kint.
Bî des tages zîte · und bî der einen naht
kom er zeime lande · mit michelre maht,
hundert langer raste · und dannoch lîhte baß;
daß hieß Niblunge, · dâ er den grôßen hort besaß.
Der helt vuor aleine · ûf einen wert breit:
daß schif gebant vil balde · der rîter vil gemeit.
er gie zuo eime berge, · dar ûfe ein burc stuont,
und suohte herberge, · sô die wegemüede tuont.
Dô kom er vür die porten: · versloßßen im diu stuont:
jâ huoten si ir êre, · sô noch die liute tuont.
anß tor begunde bôßen · der unkunde man:
daß was wol behüetet; · dô vant er innerthalben stân
Einen ungevüegen, · der der burc phlac,
bî dem zallen zîten · sîn gewæfen lac.
der sprach: „wer ist der bôßet · sô vaste an daß tor?“
dô wandelte sîne stimme · der küene Sîvrit dâ vor
Und sprach: „ich bin ein recke: · nu sliuß ûf daß tor.
ich erzürne eteslîchen · noch hiute dâ vor,
der gerne samphte læge · und hete sîn gemach.“
daß muote den portenære, · dô daß Sîvrit gesprach.
Nu hete der rise küene · sîn wæfen an getân,
sîn helmen ûf sîn houbet: · der vil starke man
den schilt vil balde zucte, · daß tor er ûf swief:
wie rehte gremlîchen · er dô an Sîvriden lief!
Wie er getorste wecken · sô manegen küenen man?
dô wurden slege swinde · von sîner hant getân.
dô begunde im schirmen · der hêrlîche gast;
doch schuof der portenære, · daß sîn gespenge zebrast
Von einer îsenstangen: · des gie dem helde nôt.
ein teil begunde vürhten · der helt den grimmen tôt,
dô der portenære · sô krefteclîchen sluoc.
dar umbe was im wæge · sîn hêrre Sîvrit genuoc.
Si striten alsô sêre, · daß al diu burc erschal:
dô hôrte man daß dießen · in Niblunge sal.
er twanc den portenære, · daß er in sît gebant;
diu mære wurden künde · in al der Niblunge lant.
Dô hôrte daß strîten · verre durch den berc
Albrîch der küene, · ein wildeß getwerc.
Er wâfent sich balde · und lief, dâ er dâ vant
disen gast vil edele, · dâ er den risen vaste gebant.
Albrîch was küene, · dar zuo stark genuoc.
helm unde ringe · er an dem lîbe truoc
und eine geisel swære · von golde an sîner hant.
dô lief er harte swinde, · dâ er Sîvriden vant.
Siben knöphe swære · hiengen vor dar an,
dâ mit er umb die hende · den schilt dem küenen man
sluoc sô bitterlîchen, · daß im des vil zebrast.
des lîbes kom in sorge · dô der wætlîche gast.
Den scherm er von der hende · gar zebrochen swanc:
dô stieß er in die scheide · ein wâfen, daß was lanc.
sînen kamerære · wold er niht slahen tôt:
er schônde sîner liute, · als im tugent daß gebôt.
Mit starken sînen handen · lief er Albrîchen an
und vie bî dem barte · den altgrîsen man:
er zogte in ungevuoge, · daß er vil lûte erschrê.
zuht des jungen heldes · diu tet Albrîche wê.
Lûte rief der küene: · „nu lâßet mich genesen.
und möhte ich iemens eigen · ân einen recken wesen
(dem swuor ich des eide, · ich wær im undertân),
ich diente iu, ê ich sturbe,“ · sprach der listige man.
Er bant ouch Albrîchen · sam den risen ê:
die Sîvrides krefte · tâten im vil wê.
daß twerc begunde vrâgen: · „wie sît ir genant?“
er sprach: „ich heiße Sîvrit: · ich wânde, ich wære iu wol bekant.“
„Sô wol mich dirre mære,“ · sprach Albrîch daß getwerc.
„nu hân ich wol ervunden · diu hêrlîchen werc,
daß ir von wâren schulden · muget landes hêrre wesen,
ich tuon, swaß ir gebietet, · daß ir lât mich genesen.“
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ir sult vil balde gân
und bringet mir der besten · recken, die wir hân,
tûsent Niblunge, · daß mich die hie gesehen:
sô wil ich iu leides · lâßen hie niht geschehen.“
Dem risen und Albrîche · lôste er dô diu bant.
dô lief Albrîch balde, · dâ er die recken vant:
sorgende wacter · der Niblunge man.
er sprach: „wol ûf, ir helde, · ir sult ze Sîvride gân.
Si sprungen von den betten · und wâren vil bereit.
tûsent rîter snelle · die wurden wol gekleit.
si giengen, dâ si vunden · Sîvriden stân.
dô wart ein schœne grüeßen, · ein teil mit werken getân.
Vil kerzen was enzündet, · man schancte im lûtertranc.
daß si kômen schiere, · er seit ins allen danc.
er sprach: „ir sult hinnen · mit samt mir über vluot.“
des vant er vil bereite · die helde küene unde guot.
Wol drîßec tûsent recken · wâren schiere komen:
ûß den wurden tûsent · der besten dô genomen.
den brâhte man ir helme · und ander ir gewant,
wan er si vüeren wolde · in daß Prünhilde lant.
Er sprach: „ir guoten rîter, · daß wil ich iu sagen,
ir sult vil rîchiu kleider · dâ ze hove tragen,
wan uns dâ sehen müeßen · vil minneclîchiu wîp.
dar umbe solt ir zieren · mit guoter wæte den lîp.“
Nu sprichet lîhte ein tumber: · „eß mac wol lüge wesen:
wie möhte sô vil rîter · bî ein ander sîn genesen?
wâ nâmen si die spîse, · wâ nâmen si gewant?
sine kundenß niht verenden, · und ob in dienten drîßec lant.“
Sîvrit was sô rîche, · als ir wol habt gehôrt.
im diente daß künecrîche · und Nibelunge hort:
des gaber sînen degenen · vil volleclîch genuoc,
wan sîn wart doch niht minre, · swie vil man von dem schatze truoc.
An einem morgen vrüeje · huoben si sich dan:
waß sneller geverten · Sîvrit dô gewan!
si vuorten ros diu guoten · und hêrlîch gewant:
si kômen weigerlîchen · in daß Prünhilde lant.
Dô stuonden in den zinnen · diu minneclîchen kint.
dô sprach diu küneginne: · „weiß iemen, wer die sint,
die ich dort sihe vließen · sô verre ûf dem sê?
si vüerent segel rîche, · diu sint noch wîßer danne snê.“
Dô sprach der vogt von Rîne: · „eß sint mîne man;
die hete ich an der verte · hie nâhen bî verlân.
die hân ich besendet: · die sint nu, vrouwe, komen.“
der hêrlîchen geste · wart mit zühten war genomen.
Dô sach man Sîvriden · vor ime schiffe stân
in hêrlîcher wæte · und ander manegen man.
dô sprach diu küneginne: · „her künec, ir sult mir sagen,
sol ich die geste grüeßen · oder sol ich grüeßen si verdagen?“
Er sprach: „ir sult enkegen · in vür daß palas gên,
ob ir si sehet gerne, · daß si daß wol verstên.“
dô tete diu küneginne, · als ir der künic riet;
Sîvriden mit dem gruoße · si von den anderen schiet.
Man schuof in herberge · und behielt in ir gewant.
dô was sô vil geste · komen in daß lant,
daß si sich allenthalben · drungen mit ir scharn.
dâ wolden die vil küenen · heim zen Burgunden varn.
Dô sprach diu küneginne: · „ich wolde im wesen holt,
der geteilen kunde · mîn silber und mîn golt
mîn und des küneges gesten, · des ich sô vil hân.“
dô antwurte Dankwart, · des küenen Gîselhêres man:
„Vil edel küneginne, · lât mich der slüßßel phlegen.
ich trûweß sô geteilen,“ · sprach der küene degen,
„swaß ich erwerbe schande, · die lât mîn eines sîn.“
daß er milte wære, · daß tete er grœßlîchen schîn.
Dô sich Hagenen bruoder · der slüßßele underwant,
sô manege rîche gâbe · bôt des heldes hant:
der einer mark gerte, · dem wart sô vil gegeben,
daß die armen alle · muosen vrœlîchen leben.
Wol bî hundert phunden · gab er âne zal.
genuoge in rîcher wæte · giengen vor den sal,
die nie dâ vor getruogen · sô hêrlîchiu cleit.
daß gevriesch diu künegîn: · eß was ir swære unde leit.
Dô sprach diu küneginne: · „hêr künic, ich het des rât,
daß iuwer kamerære · mir wil mîner wât
lâßen niht belîben: · er swendet gar mîn golt.
derß noch understüende, · dem wolde ich immer wesen holt.“
„Er gît sô rîche gâbe, · jâ wænet des der degen,
ich habe gesant nâch tôde: · ich wils noch lenger phlegen.
ouch trûwe ichß wol verswenden, · daß mir mîn vater lie.“
sô milten kamerære · gewan noch küneginne nie.
Dô sprach von Troneje Hagene: · „vrouwe, iu sî geseit,
eß hât der künic von Rîne · golt unde kleit
alsô vil ze gebene, · daß wir des haben rât,
daß wir von hinnen vüeren · iht der Prünhilde wât.“
„Nein, durch mîne liebe,“ · sprach diu künegîn,
„nu lât mir ervüllen · zweinzec leitschrîn
von golde und ouch sîden, · daß geben sol mîn hant,
sô wir über komen heim · in der Burgunden lant.“
Mit edelem gesteine · ladet man ir diu schrîn.
ir selber kamerære · dâ mite muosen sîn:
sine wolde es niht getrouwen · dem Gîselhêres man.
Gunther und Hagene · dar umbe lachen began.
Dô sprach diu küneginne: · „wem lâße ich mîniu lant?
diu sol ê hie bestiften · mîn und iuwer hant.“
dô sprach der künic edele: · „nu heißet her gân,
der iu dar zuo gevalle, · den sul wir voget wesen lân.“
Ein ir hôhsten mâge · diu vrouwe bî ir sach,
er was ir muoter bruoder, · zuo dem diu maget sprach:
„nu lât iu sîn bevolhen · mîn bürge und ouch daß lant,
unze daß hie rihte · des künic Guntheres hant.“
Dô welt si ir gesindes · zweinzec hundert man,
die mit ir ze Rîne · solden varn dan,
zuo jenen tûsent recken · ûß Nibelunge lant.
si rihten sich zer verte: · man sach si rîten ûf den sant.
Si vuorte mit ir dannen · sehs und ahzec wîp,
dar zuo hundert meide: · vil schœne was der lîp.
sin sûmten sich niht langer, · si wolden gâhen dan.
die si dâ heime ließen, · hei, waß der weinen began!
In tugentlîchen zühten · diu vrouwe rûmte ir lant:
si kuste ir næhsten vriunde, · die si bî ir vant.
mit guotem urloube · si kômen ûf den sê;
zuo ir vater lande · kom diu vrouwe nimmer mê.
Man hôrte ûf ir verte · maneger hande spil;
aller kurzwîle · der hêten si vil.
ouch kom in zuo ir reise · ein rehter waßßerwint.
si vuoren von dem lande: · daß beweinde maneger muoter kint.
Doch wolde si den hêrren · niht minnen ûf der vart:
eß wart ir kurzwîle · unz in ir hûs gespart
ze Wormeß zuo der bürge · an eine hôhzît,
dar si vil vreuden rîche · kômen mit ir helden sît.
Dô si gevarn wâren · volle niun tage,
dô sprach von Troneje Hagene: · „nu hœret, waß ich sage.
wir sûmen uns mit den mæren · ze Wormeß an den Rîn:
iuwer boten solden · nu ze Burgunden sîn.“
Dô sprach künic Gunther: · „ir habet wâr geseit.
uns wære ze der verte · niemen sô bereit
als ir, vriunt Hagene: · nu rîtet in mîn lant.
unser hovereise · tuot in nieman baß bekant.“
„Nu wißßet, lieber hêrre, · ich bin niht bote guot:
lât mich phlegen der kamere, · belîben ûf der vluot.
jâ wil ich bî den vrouwen · behüeten ir gewant,
unz wir si bringen · in der Burgunde lant.“
„Nu bitet Sîvriden · vüern die botschaft:
der kan si wol gewerben · mit ellenhafter kraft.
verseit er iu die reise, · ir sult mit guoten siten
durch iuwer swester liebe · der verte in vriuntlîchen biten.“
Er sande nâch dem recken: · der kom, dô man in vant.
er sprach: „sît wir nâhen · heim in mîniu lant,
sô solde ich boten senden · der lieben swester mîn
und ouch mîner muoter, · daß wir nâhen an den Rîn.
„Des ger ich an iu, Sîvrit, · daß ir die reise tuot,
daß ich eß immer diene,“ · sprach der degen guot.
dô widerredetß Sîvrit, · der vil küene man,
unz daß in künic Gunther · sêre vlêgen began.
Er sprach: „ir sult rîten · durch den willen mîn
und ouch durch Kriemhilde, · daß schœne magedîn,
daß eß mit mir verdiene · diu hêrlîche meit.“
dô daß erhôrte Sîvrit, · dô was der recke vil bereit.
„Enbietet, swaß ir wellet: · des wirt niht verdaget.
ich wil eß werben gerne · durch die schœne maget.
zwiu solde ich die verzîhen, · die ich in herzen hân?
durch si, swaß ir gebietet, · daß ist alleß getân.“
„Sô saget Uoten, · der rîchen künegîn,
daß wir an dirre verte · hôhes muotes sîn.
lât wißßen mîne bruoder, · wie wir geworben hân;
ir sult ouch unser vriunde · disiu mære hœren lân.
„Mîne schœne swester · sult ir niht verdagen,
ir sult ir Prünhilde · und mînen dienest sagen
und ouch dem gesinde · und allen mînen man.
dar nâch ie ranc mîn herze, · wol ich daß verendet hân.
„Und saget Ortwîne, · dem lieben neven mîn,
daß er heiße rihten · sidel an dem Rîn,
und ander mîne mâge · die sol man wißßen lân,
ich wil mit Prünhilde · grôße hôhgezîte hân.
„Und saget mîner swester, · sô si habe vernomen,
daß ich mit mînen gesten · sî ze lande komen,
daß si wol enphâhe · die triutinne mîn:
daß wil ich immer diende · umbe Kriemhilde sîn.“
Sîvrit der hêrre · balde urloup nam
vrouwen Prünhilde, · als im daß wol gezam,
und zallem ir gesinde: · dô reit er an den Rîn.
eß enkunde in dirre werlde · ein bote beßßer niht gesîn.
Mit vier und zweinzec recken · ze Wormeß er dô reit;
des küneges kom er âne: · dô daß wart geseit,
alleß daß gedigene · muote jâmers nôt:
si vorhten, daß ir hêrre · dort belîben wære tôt.
Si erbeißten von den rossen, · hôhe stuont ir muot;
schiere kom in Gîselhêr, · der junge künic guot,
und Gêrnôt sîn bruoder: · wie balde er dô sprach,
dô er den künic Gunther · niht bî Sîvride sach:
Sît willekomen, hêr Sîvrit; · ir sult mich wißßen lân,
war ir mînen bruoder, · den künic, habet getân?
Prünhilde sterke · in wæn uns habe benomen:
„sô wære ir hôhiu minne · uns ze grôßen schaden komen.“
Die angest lât belîben: · iu und den mâgen sîn
enbiutet sînen dienest · der hergeselle mîn.
den lie ich wol gesunden: · er hât mich iu gesant,
daß ich sîn bote wære · mit mæren her in iuwer lant.
„Ir sult daß ahten schiere, · swie sô daß geschehe,
daß ich die küneginne · und iuwer swester sehe.
die sol ich lâßen hœren, · waß iu enboten hât
Gunther und Prünhilt: · ir dinc in beiden hôhe stât.“
Dô sprach der junge Gîselher: · „dâ sult ir zuo ir gân;
dâ habet ir mîner swester · liebe an getân.
si treit michel sorge · umbe den bruoder mîn:
diu meit sihet iuch gerne: · des wil ich iuwer bürge sîn.“
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „swâ ich ir dienen kan,
daß sol willeclîchen · mit triuwen sîn getân.
wer seit nu den vrouwen, · daß ich wil dar gân?“
des wart dô bote Gîselher, · der vil wætlîche man.
Gîselher der junge · zuo sîner muoter sprach
und ouch zuo sîner swester, · dâ er si beide sach:
uns ist komen Sîvrit, · der helt ûß Niderlant:
in hât mîn bruoder Gunther · her ze Rîne gesant.
„Er bringet uns diu mære, · wieß umbe den künic stê;
nu sult ir im erlouben, · daß er ze hove gê:
er seit diu rehten mære · her von Isenlant.“
noch was den edelen vrouwen · michel sorgen bekant.
Si sprungen nâch ir wæte · und leiten sich an.
si bâten Sîvriden · hin ze hove gân:
daß tete er willeclîchen, · wande er si gerne sach.
Kriemhilt diu edele · zuo im vil güetlîchen sprach:
„Sît willekomen, hêr Sîvrit, · rîter lobelîch.
wâ ist mîn bruoder Gunther, · der edel künic rîch?
von Prünhilde sterke · den wæn wir hân verlorn.
ouwê mir armer meide, · daß ich zer werlde ie wart geborn.“
Dô sprach der rîter küene: · „gebet mir boten brôt:
ir vil schœnen vrouwen · weinet âne nôt.
ich lie in wol gesunden: · daß tuon ich iu bekant:
er hât mich iu beiden · mitten mæren her gesant.
„Mit vriuntlîcher liebe, · vil edel künegîn,
enbiutet iu ir dienest · er und diu wine sîn.
nu lât iuwer weinen: · si wellent schiere komen.“
si hete in manegen zîten · sô lieber mære niht vernomen.
Mit snêwîßen gêren · ir ougen wol getân
wischte si nâch trehenen. · danken si began
dem boten dirre mære, · diu ir dâ wâren komen.
dô was ir michel trûren · unde weinen benomen.
Si bat den boten sitzen: · des was er vil bereit.
dô sprach diu minneclîche: · „mir wære niht ze leit,
ob ich ze boten miete · iu solte geben mîn golt:
dar zuo sît ir ze rîche: · ich wil iu sust wesen holt.“
„Ob ich nu eine hête,“ · sprach er, „drîßec lant,
so enphienge ich doch gerne · gâbe ûß iuwer hant.“
dô sprach diu tugentrîche: · „sô sol eß sîn getân.“
si hieß ir kamerære · nâch der boten miete gân.
Vier und zweinzec bouge · mit gesteine guot
gap si im ze miete. · sô stuont des heldes muot,
er woldeß niht behalten, · er gab eß sâ zehant
ir vil schœnen meiden, · die er ze kemenâten vant.
„Ir muoter bôt ir dienest · im güetlîchen an.
„ich sol iu sagen mêre,“ · sprach der küene man,
„wes iuch der künic bittet, · so er kumet an den Rîn:
ob ir daß, vrouwe, leistet, · er welle iuch immer wæge sîn.
„Sîne rîche geste, · hôrte ich in gern,
daß ir die wol enphâhet, · und sult in des gewern,
daß ir gên im rîtet · vür Wormeß ûf den sant.
des sît ir von dem künege · mit guoten triuwen gemant.“
Dô sprach diu minneclîche: · „des bin ich bereit.
swaß ich im kan dienen, · daß ist im unverseit:
mit vriuntlîchen triuwen · sô sol eß sîn getân.“
dô mêrte sich ir varwe, · die si vor liebe gewan.
Eß enwart nie bote enphangen · deheines vürsten baß:
getorste si in hân küsset, · daß hete si âne haß;
anders minneclîchen · er von der vrouwen schiet.
dô tâten die Burgunden, · als in Sîvrit geriet.
Sindolt und Hûnolt · und Rûmolt der degen
vil grôßer unmuoße · muosen si dô phlegen,
rihten daß gesidele · vor Wormeß ûf den sant;
des küneges schaffære · man mit arbeiten vant.
Ortwîn und Gêre · dine wolden daß niht lân,
si sanden nâch den vriunden · allenthalben dan
und kunten in die hôhgezît, · diu dâ solde sîn.
dâ zierten sich engegene · diu vil schœnen magedîn.
Der palas und die wende · was alleß über al
gezieret gên den gesten: · der Guntheres sal
wart vil wol bezimbert · durch manegen vremden man.
disiu starke hôhgezît · huop sich vil vrœlîchen an.
Dô riten allenthalben · die wege durch daß lant
der drîer künege mâge · hete man besant,
daß si den solden warten, · die in dâ solden komen.
dô wart ûß der valde · rîcher wæte vil genomen.
Dô seite man diu mære, · daß man rîten sach
Prünhilde vriunde: · dô huop sich ungemach
von des volkes krefte · in Burgunden lant.
hei, waß man küener degene · dâ ze beiden sîten vant!
Dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „ir, mîne magedîn,
die an dem antphange · mit mir wellen sîn,
die suochen ûß den kisten · diu aller besten kleit:
sô wirt uns von den gesten · lob und êre geseit.“
Dô kômen ouch die recken · und hießen tragen dar
hêrlîche setele · von rôtem golde gar,
die die vrouwen solden rîten · ze Wormeß an den Rîn.
beßßer phertgereite · kunde nimmer gesîn.
Hei, waß dâ liehtes goldes · von den mœren schein!
in lûhte von den zoumen · vil manec edel stein;
die guldînen schæmele · ob liehtem phelle guot
die brâhte man den vrouwen: · si wâren vrœlîch gemuot.
Ûf dem hove wâren · diu vrouwen phert bereit
den edelen juncvrouwen, · als ich iu hân geseit.
diu smalen vürbüege · sach man die mœre tragen
von den besten sîden, · dâ von iu iemen kunde sagen.
Sehs und ahzec vrouwen · sach man vür gân,
die gebende truogen. · zuo Kriemhilde dan
kômen die vil schône · und truogen rîchiu kleit;
dar kom ouch wol gezieret · vil manec wætlîchiu meit,
Funfzec unde viere · von Burgunde lant:
eß wâren ouch die besten, · die man iender vant.
die sach man valevahse · under liehten porten gân.
des ê der künic gerte, · daß wart mit vlîße getân.
Si truogen rîche phelle, · die besten, die man vant,
vor den vremden recken, · sô manec guot gewant,
daß ir schœnen varwe · ze rehte wol gezam.
er wære in swachem muote, · der ir deheiner wære gram.
Von zobel und von harme · vil kleider man dâ vant.
dâ wart vil wol gezieret · manec arm unde hant
mit pougen ob den sîden, · die si solden tragen.
iu enkunde ditze vlîßen · ze ende niemen gesagen.
Vil manegen gürtel spæhe, · rîch unde lanc,
über liehtiu kleider · manec hant dô swanc
ûf edel röcke ferrans · von phelle ûß Arabîn,
daß si in al der werlde · niht beßßer kunden gesîn.
Eß wart in vürgespenge · manec schœniu meit
genæt vil minneclîche. · eß möhte ir wesen leit,
der ir liehtiu varwe · niht lûhte gên der wât.
sô schœnes ingesindes · nu niht küneges künne hât.
Dô die minneclîchen · nu truogen ir gewant,
die si dâ vüeren solden, · die kômen dar zehant,
der hôch gemuoten recken · ein vil michel kraft;
man truoc ouch dar mit schilden · manegen eschînen schaft.
Anderthalp des Rînes · sach man mit manegen scharn
den künec mit sînen gesten · zuo dem stade varn.
man sach ouch dâ bî zoume · leiten manec meit.
die si enphâhen solden, · die wâren alle bereit.
Dô die von Isenlande · zen schiffen kômen dan
und ouch von Niblunge · Sîvrides man,
si gâhten zuo dem lande, · unmüeßec was ir hant,
dâ man des küneges vriunde · anderthalp des stades vant.
Nu hœrt ouch disiu mære · von der künegîn,
Uoten der vil rîchen, · wie si diu meidîn
gevrumte von der bürge, · dar si dâ selbe reit.
da gewan ein ander künde · vil manec rîter unde meit.
Der marcgrâve Gêre · Kriemhilt zoumte dan
niuwan vür daß bürgetor: · Sîvrit der küene man
der muoste ir vürbaß dienen; · si was ein schœne kint.
des wart im wol gelônet · von der juncvrouwen sint.
Ortwîn der küene · bî vroun Uoten reit
und vil geselleclîchen · manec rîter unde meit.
ze solhem antphange, · des mac man wol verjehen,
wart nie sô vil der vrouwen · bî ein ander gesehen.
Vil manegen buhurt rîchen · sach man dâ getriben
von helden lobelîchen · (niht wol wær eß beliben)
vor Kriemhilt der schœnen · zuo den schiffen dan.
dô huob man von den mœren · manege vrouwen wol getân.
Der künec was komen übere · und manec werder gast.
hei, waß starker schefte · vor den vrouwen brast.
man hôrt dâ hurtlîchen · von schilden manegen stôß.
hei, waß rîcher buckeln · vor gedrange lûte erdôß!
Die vil minneclîchen · stuonden an der habe;
Gunther mit sînen gesten · gie von schiffen abe:
er vuorte Prünhilde · selbe an sîner hant.
dâ lûhte wider ein ander · vil liehte steine und gewant.
Mit vil grôßen zühten · vrou Kriemhilt dô gie,
dâ si vroun Prünhilde · und ir gesinde enphie.
man sach dâ schapel rücken · mit wîßen henden dan,
dâ si sich kusten beide: · daß wart durch liebe getân.
Dô sprach gezogenlîchen · Kriemhilt daß meidîn:
„ir sult zuo disen landen · uns willekomen sîn
mir und mîner muoter · und allen, die wir hân
der getriuwen vriunde.“ · dô wart dâ nîgen getân.
Die vrouwen sich beviengen · mit armen dicke hie.
sô minneclîch enphâhen · gehôrte man noch nie,
sô die vrouwen beide · der briute tâten kunt,
vrou Uote und ir tohter: · si kusten dicke ir süeßen munt.
Dô Prünhilde vrouwen · volkômen ûf den sant,
dâ wart minneclîchen · genomen bî der hant
von wætlîchen recken · manec wîp wol getân.
man sach die edelen meide · vor vrou Prünhilde stân.
Ê daß ir gruoß ergienge, · daß was ein lengiu stunt.
jâ wart dâ geküsset · manec rôter munt.
noch stuonden bî ein ander · die künege tohtre rîch:
daß liebet an ze sehene · manegen recken lobelîch.
Dô spehten mit den ougen, · die ê hôrten jehen,
daß si alsô schœnes · heten niht gesehen
sô die vrouwen beide: · des sach man âne lüge.
man kôs an ir lîbe · dâ deheiner slahte trüge.
Die vrouwen spehen kunden · und minneclîchen lîp,
die lobten durch ir schœne · daß Guntheres wîp;
doch sprâchen dâ die wîsen, · die hetenß baß besehen,
man möhte Kriemhilde · für vroun Prünhilde jehen.
Wider ein ander giengen · maget unde wîp;
man sach dâ wol gezieret · vil manegen schœnen lîp.
dâ stuonden sîden hütten · und manec rîch gezelt:
der was dâ gar ervüllet · vor Wormeß alleß daß velt.
Von des küneges mâgen · wart dringen niht verlân.
man hieß die küneginne · beide dannen gân
und mit in al die vrouwen, · dâ man schate vant;
dar brâhten si die degene · ûßer Burgunden lant.
Nu wâren ouch die geste · ze rossen alle komen;
vil manec rîchiu tjoste · durch schilde wart genomen.
daß velt begunde stouben, · sam ob al daß lant
mit louge wære enbrunnen. · dâ wurden helde wol bekant.
Des dâ die recken phlâgen, · daß sach vil manec meit.
mich dunket, daß er Sîvrit · mit sînen degen reit
vil manege widerkêre · vür die hütten dan.
er vuort der Nibelunge · tûsent wætlîcher man.
Dô kom von Troneje Hagene, · als im der wirt geriet:
den buhurt minneclîchen · dô der helt geschiet,
daßs ungestoubet ließen · diu vil schœnen kint.
des wart dô von den gesten · gevolget güetlîchen sint.
Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „diu ros lâßet stân,
unz eß beginne kuolen, · sô sul wir ane vân
dienen schœnen wîben · vür den palas wît;
so der künic welle rîten, · daß ir vil bereite sît.“
Der buhurt was zergangen · über al daß velt.
dô giengen kurzwîlen · under manec hôch gezelt
die rîter zuo den vrouwen · ûf hôher vreuden wân.
da vertriben si die stunde, · unz man rîten wolde dan.
Vor âbende nâhen, · dô diu sunne nider gie
und eß begunde kuolen, · niht lenger man daß lie,
sich huoben gên der bürge · manec man unde wîp.
mit ougen wart getriutet · vil maneger schœnen vrouwen lîp.
Dô wart von guoten knehten · vil kleider ab geriten
vor den hôch gemuoten · nâch des landes siten
biß vür den palas, · da der künic nider stuont.
dâ wart gedienet vrouwen, · sô helde hôch gemuote tuont.
Dô wurden ouch gescheiden · die rîchen künegin.
vrou Uote und ir tohter · die giengen beide hin
mit ir ingesinde · in ein vil wîteß gadem.
dô hôrte man allenthalben · ze vreuden grœßlîchen kradem.
Gerihtet was gesidele: · der künic wolde gân
ze tische mit den gesten. · dô sach man bî im stân
die schœnen Prünhilde. · krône si dô truoc
in des küneges lande: · jâ was si rîche genuoc.
Vil manec hêr gesidele · mit guoten taveln breit
vol spîse wart gesetzet, · als uns daß ist geseit.
des si dâ haben solden, · wie wênec des gebrast!
dô sach man bî dem künege · gar manegen hêrlîchen gast.
Des wirtes kamerære · von golde in pecken rôt
daß waßßer vür truogen. · des wære lützel nôt,
ob iu daß iemen seite, · daß man diende baß
ze vürsten hôhgezîte: · ich wolde niht gelouben daß.
Ê daß der vogt von Rîne · waßßer dô genam,
dô tet der hêrre Sîvrit, · als im daß gezam,
er mande in sîner triuwe, · wes er im verjach,
ê daß er Prünhilde · dâ heime in Isenlande sach.
Er sprach: „ir sult gedenken, · wes mir swuor iuwer hant,
swenne daß vrou Prünhilt · kœme in ditze lant,
ir gæbt mir iuwer swester: · war sint die eide komen?
ich hân an iuwer reise · vil michel arbeit genomen.“
Dô sprach der künec zem gaste: · „ir habt mich rehte ermant.
jane sol niht meineide · werden des mîn hant:
ich wilß iu helfen vüegen, · sô ich beste kan.“
dô hieß man Kriemhilde · ze hove vür den künic gân.
Mit ir vil schœnen meiden · si kom vür den sal.
dô spranc von einer stiegen · Gîselher ze tal:
„Nu heißet wider wenden · disiu magedîn:
niuwan mîn swester eine · sol hie bî dem künege sîn.“
Dô brâht man Kriemhilde, · dâ man den künic vant:
dô stuonden rîter edele · von maneger vürsten lant.
in dem sal enmitten · man hieß si stille stân;
ouch was Prünhilt · nu zuo tische gegân.
Sine wesse niht der mære, · waß man dô wolde tuon.
dô sprach zuo sînen mâgen · der Dankrâtes sun:
„helft mir, daß mîn swester · Sîvriden neme ze man.“
si sprachen al gelîche: · „si mag in wol mit êren hân.“
Dô sprach der künic Gunther: · „swester vil gemeit,
durch dîn selber tugende · lœse mînen eit.
ich swuor dich eime recken, · und wirdet er dîn man,
sô hâstu mînen willen · mit grôßen triuwen getân.“
Dô sprach diu maget edele: · „lieber bruoder mîn,
irn sult mich niht vlêgen: · jâ wil ich immer sîn,
swie ir mir gebietet: · daß sol sîn getân.
ich wil in loben gerne, · den ir mir, hêrre, gebt ze man.“
Von liebe und ouch von vreuden · wart Sîvrides varwe rôt.
ze dienste sich der recke · vroun Kriemhilde bôt.
man hieß si zuo ein ander · an dem ringe stân:
man vrâgt si, ob si wolde · den vil wætlîchen man.
In meitlîchen zühten · si schamte sich ein teil;
doch sô was gelücke · und Sîvrides heil,
daß si in niht versprechen · wolde dâ zehant;
ouch lobte si ze wîbe · der edel künec von Niderlant.
Dô er si gelobete · und ouch in diu meit,
güetlîchen umbevâhen · was dâ vil bereit
von Sîvrides armen · daß minneclîche kint.
vor helden wart geküsset · diu edel küneginne sint.
Sich teilte daß gesinde, · alsô daß geschach;
an daß gegensidele · man Sîvriden sach
sitzen mit Kriemhilde. · im diende manec man.
man sach die Niblunge · mit Sîvrit an den sedel gân.
Der künic was geseßßen · und Prünhilt diu meit.
dô sach si Kriemhilde · (ir wart nie sô leit)
bî Sîvride sitzen: · weinen si began,
ir vielen heiße trähene · über liehtiu wange dan.
Dô sprach der wirt des landes: · „waß ist iu, vrouwe mîn,
daß ir sô lâßet truoben · liehter ougen schîn?
ir sult iuch vreuwen balde: · iu ist undertân
mîn lant und rîche bürge · unde manec wætlîch man.“
„Ich mac wol weinen balde,“ · sprach diu schœne meit.
„umbe dîne swester · ist mir von herzen leit.
die sihe ich sitzen nâhen · dem eigen holden dîn:
daß muoß ich immer weinen, · sol si sô verderbet sîn.
Dô sprach der künic Gunther: · „ir sult des stille dagen,
ich wil iu zandern zîten · disiu mære sagen,
war umbe ich mîne swester · Sîvride hân gegeben.
jâ mac si mit dem recken · immer vrœlîche leben.“
Si sprach: „mich riuwet immer · ir schœne und ouch ir zuht.
wessich, war ich mehte, · ich hete gerne vluht,
daß ich iu nimmer wolde · geligen nâhen bî,
irn saget mir, wâ von Kriemhilt · wine Sîvrides sî.“
Dô sprach der künic Gunther: · „ich tuonß iu wol bekant.
er hât als ich wol bürge · unde wîtiu lant.
daß wißßet sicherlîchen, · er ist ein künic rîch:
des gan ich im ze minnen · die schœnen magt lobelîch.“
Swaß ir der künic seite, · doch hete si trüeben muot.
dô gâhte von den tischen · manec rîter guot:
ir buhurt wart sô herte, · daß al diu burc erdôß.
den wirt bî sînen gesten · harte sêre verdrôß.
Er dâhte: „ich læge sanfter · der schœnen vrouwen bî.“
dô was er des gedingen · niht gar in herzen vrî,
im müese von ir minne · liebe vil geschehen.
er begunde vriuntlîchen · an vrou Prünhilde sehen.
Rîterschaft die geste · bat man abe lân:
der künec mit sîme wîbe · ze bette wolde gân.
vor des sales stiegen · gesamden sich dô sît
Kriemhilt und Prünhilt; · noch was eß ân ir beider nît.
Dô kom ir ingesinde: · die sûmten sich des niht,
ir rîche kamerære · die brâhten in diu lieht.
sich teilten dô die recken, · der zweier künege man.
dô sach man vil degene · dan mit Sîvride gân.
Die hêrren kômen beide, · dâ si solden ligen.
dô dâhte ir iewedere · mit minnen an gesigen
den wætlîchen vrouwen, · daß senftet in den muot.
Sîvrides kurzwîle · diu wart grœßlîchen guot.
Dô der hêrre Sîvrit · bî Kriemhilde lac
und er sô minneclîche · der juncvrouwen phlac
mit sîner edelen minne, · si wart im sô sîn lîp:
er næme vür si eine · niht tûsent anderiu wîp.
Ich sage iu niht mêre, · wie er der vrouwen phlac.
nu hœret disiu mære, · wie Gunther gelac
bî vrouwen Prünhilde: · der zierlîche degen
hæte dicke sanfter · bî anderen wîben gelegen.
Daß volc was im entwichen, · vrouwen unde man:
dô wart diu kemenâte · balde zuo getân.
er wânde, er solde triuten · ir minneclîchen lîp:
jâ was eß noch unnâhen, · ê si wurde sîn wîp.
In sabenwîßen hemede · si an daß bette gie.
dô dâhte der rîter edele: · „nu hân ichß alleß hie,
des ich ie dâ gerte · in allen mînen tagen.“
si muos im durch ir schœne · von grôßen schulden behagen.
Diu lieht begunde bergen · des edelen küneges hant.
dô gie der degen küene, · dâ er die vrouwen vant.
er leite sich ir nâhen: · sîn vreude diu was grôß,
die vil minneclîchen · der helt mit armen umbeslôß.
Minneclîche triuten · des kunder vil begân,
ob in diu edele vrouwe · hete lâßen daß getân:
dô zurnde si sô sêre, · daß in gemuote daß:
er wânde vinden vreude, · dô vant er vîntlîchen haß.
Si sprach: „rîter edele, · ir sult eß lâßen stân.
des ir dâ habet gedingen, · jane mages niht ergân.
ich wil noch meit belîben, · ir sult wol merken daß,
unz ich diu mære ervinde.“ · des wart ir Gunther gehaß.
Dô rang er nâch ir minne · und zervuorte ir diu kleit.
dô greif nâch eime gürtel · diu hêrlîche meit,
eime starken borten, · dens umbe ir sîten truoc:
dô tet si dem künege · grôßer leide genuoc.
Die vüeße und ouch die hende · si im zesamne bant,
si truog in zeime nagele · und hieng in an die want.
dô er si slâfes irte, · minne si im verbôt.
jâ hete er von ir krefte · nâch gewunnen den tôt.
Dô begunde vlêgen, · der meister solde sîn.
„nu lœset mîn gebende, · vil edel künegîn:
ine trouwiu, schœne vrouwe, · nimmer an gesigen
und sol ouch harte selten · iu sô nâhen bî geligen.“
Sine ruohte, wie im wære, · want si vil sanfte lac.
dort muoste er alleß hangen · die naht unz an den tac,
unz der liehte morgen · durch diu venster schein.
ob er ie kraft gewünne, · diu was an sîme lîbe klein.
„Nu saget mir, er Gunther, · ist iu daß iht leit,
ob iuch gebunden vindent,“ · sprach diu schœne meit,
„iuwer kamerære · von einer vrouwen hant?“
dô sprach der rîter edele: · „daß wurde iu übele bewant.
„Ouch hete ichs wênec êre,“ · sprach der edel man:
„durch iuwer tugende · lât mich nu zuoziu gân.
sît iu mîne minne · sint sô starke leit,
ich sol mit mînen handen · selten rüeren iuwer kleit.“
Dô lôste si in balde, · ûf si in verlie.
wider an daß bette · er zuo der vrouwen gie.
er leite sich sô verre, · daß er ir schœne wât
dar nâch selten ruorte: · ouch wolde si des haben rât.
Dô kom ouch ir gesinde: · die brâhten niuwe kleit:
der was in an dem morgen · harte vil bereit.
swie wol man dâ gebârte, · trûrec was genuoc
der edel wirt des landes, · swie er des tages krône truoc.
Nâch siten, der si phlâgen · und man durch reht begie,
Gunther unde Prünhilt · niht langer daß verlie:
si giengen zuo dem münster, · dâ man die messe sanc.
dar kom ouch er Sîvrit: · dô huop sich michel gedranc.
Nâch küneclîchen êren · was in dar bereit,
swaß si haben solden, · ir krône und ouch ir kleit.
dô wurden si gewîhet. · dô daß was getân,
dô sach man under krône · elliu vieriu schône stân.
Vil degen swert dâ nâmen, · sehs hundert oder baß,
den künigen ze êren, · ir sult wißßen daß.
sich huop michel vreude · in Burgunden lant:
man hôrte schefte bresten · an der swertdegen hant.
Dô sâßen in den venstern · diu schœnen magedîn.
si sâhen vor in liuhten · maneges schildes schîn.
dô hete sich gesundert · der künec von sînen man:
swes iemen dâ begunde, · man sach in trûrende gân.
Im unde Sîvride · ungelîche stuont der muot;
wol wiste, waß im würre, · der edel rîter guot.
er gie zuo dem künege, · vrâgen er began:
„wie ist iu hînt gelungen? · daß sult ir mich wißßen lân.“
Dô sprach der wirt zem gaste: · „laster unde schaden
hân ich an mîner vrouwen · ze hûse heim geladen.
dô ich se wânde minnen, · vil sêre si mich bant:
si truoc mich zeime nagele · und hienc mich hôch an die want.
„Dâ hieng ich angestlîchen · die naht unz an den tac,
ê si mich enbunde: · wie sanfte si dô lac!
daß sol dir vriuntlîchen · tougen sîn gekleit.“
dô sprach der starke Sîvrit: · „daß ist mir wærlîchen leit.
„Des bringe ich iuch wol innen, · lât irß âne nît.
ich schaffe, daß si hînaht · sô nâhen bî iu lît,
daß si iuch ir minne · gesûmet nimmer mêr.“
der rede was dô Gunther · nâch sînen arbeiten hêr.
„Nu schouwe mîne hende, · wie die geswollen sint:
die twanc si mir sô sêre, · als ob ich wære ein kint,
daß mir bluot zen nagelen · allenthalben dranc.
ich hete ze mîme lebene · harte kleinen gedanc.“
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „du maht wol genesen,
ich wæne, uns ungelîche · hînaht sî gewesen.
mir ist dîn swester Kriemhilt · lieber danne der lîp.
eß muoß diu vrouwe Prünhilt · noch hînte werden dîn wîp.“
Er sprach: „ich kume noch hînte · zer kemenâten dîn
alsô tougenlîche · in der tarnkappe mîn,
daß sich mîner liste · niemen mac verstên.
sô lâ die kamerære · zuo den herbergen gên.
„Sô lesche ich den kinden · diu lieht an der hant:
bî disem wortzeichen · sol dir sîn bekant,
daß ich bî dir sî nâhen. · jâ twing ich dir dîn wîp,
daß du si hînte minnest, · oder ich verliuse den lîp.“
„Ane daß du iht triutest,“ · sprach der künic dô,
„mîne lieben vrouwen; · anders bin ichs vrô:
sô tuo ir, swaß du wellest; · und næmestu ir den lîp,
daß solde ich wol verkiesen: · si ist ein angestlîcheß wîp.“
„Daß nim ich,“ sprach Sîvrit, · „ûf die triuwe mîn,
daß ich ir niht enminne: · diu liebe swester dîn
ist mir vor in allen, · die ich noch ie gesach.“
vil wol geloubetß Gunther, · swaß dô Sîvrit gesprach.
Dâ was von kurzewîle · vreude unde nôt.
buhurt unde schallen · man alleß verbôt.
dô die vrouwen solden · gegen dem sale gân,
dô hießen kamerære · die liute von den wegen stân.
Von rossen und von liuten · gerûmet wart der hof.
der vrouwen ieslîche · vuorte ein bischof,
dô si vor den künegen · ze tische solden gân.
in volgte an daß gesidele · vil manec wætlîcher man.
Der künic in guotem wâne · dô vroelîchen saß:
daß im gelobte Sîvrit, · wol dâhte er ane daß.
der eine tac in dûhte · wol drîßec tage lanc:
an Prünhilde minne · stuont im aller sîn gedanc.
Der künic erbeite kûme, · daß man von tische gie.
die schœnen Prünhilde · man dô komen lie
und ouch Kriemhilde, · beide an ir gemach:
hei, waß man küener degene · vor den küneginnen sach!
Sîvrit der hêrre · vil minneclîchen saß
bî sîme schœnen wîbe · mit vreuden âne haß.
si trûte sîne hende · mit ir vil wîßen hant,
unz er ir vor den ougen · sine wesse wenne verswant.
Dô si mit im spilte · und si sîn niht ensach,
zuo sîme ingesinde · diu küneginne sprach:
„mich hât des michel wunder: · war ist der künic komen?
wer hât die sînen hende · ûß den mînen genomen?“
Die rede si lie belîben. · dô was er hin gegân,
dâ er die kamerære · vant mit liehten stân:
diu begunde er leschen · den kinden an der hant:
daß eß wære Sîvrit, · daß was dô Gunther bekant.
Wol wesser, waß er wolde: · dô hieß er dannen gân
meide unde vrouwen. · dô daß was getân,
der edel künic dô selbe · vil wol beslôß die tür:
starker rigele zwêne · warf er balde dervür.
Diu lieht verbarg er schiere · under die bettewât.
eines spils begunde, · des enwas niht rât,
Sîvrit der starke · und ouch diu schœne meit:
daß was dem künege Gunther · beide lieb unde leît.
Sîvrit sich dô leite · der küneginne bî.
si sprach: „nu lâtß, er Gunther, · als liep iu daß sî,
daß ir iht arbeite · lîdet alsam ê,
oder iu geschihet hie · von mînen handen wider wê.“
Dô hal er sîne stimme, · daß er niht ensprach.
Gunther wol hôrte, · swie er si niht ensach,
daß dâ heimlîche · von in niht geschach;
si heten an dem bette · harte kleinen gemach.
Er gebârte, sam eß wære · Gunther der künic rîch;
er umbeslôß mit armen · die maget lobelîch.
si warf in ûß dem bette · dâ bî ûf eine banc,
daß sîn houbet lûte · an eime schamel im erklanc.
Wider ûf mit kreften · spranc der küene man:
er woldeß baß versuochen: · dô er des began,
daß er si wolde twingen, · dar umbe wart im wê.
solich wer an vrouwen · ich wæne nimmer ergê.
Dô er niht wolde erwinden, · diu maget ûf spranc:
„iu zimet niht zefüeren · mîn hemde sô blanc.
ir sît ungevüege: · daß sol iu werden leit.
des bringe ich iuch wol innen,“ · sprach diu wætlîche meit.
Si beslôß mit armen · den tiuwerlîchen degen
und wold in gebunden · alsam den künic legen,
daß si an dem bette · hete guot gemach.
daß er ir wât zervuorte, · diu vrouwe eß grœßlîchen rach.
Waß half dô sîn sterke · und ouch sîn kraft?
wan si im erzeigte · ir lîbes meisterschaft.
si truoc in mit gewalte, · daß muos et alsô sîn,
und dructe in ungevuoge · bî dem bette an einen schrîn.
„Ouwê,“ gedâht der recke, · „sol ich nu mînen lîp
von einer meit verliesen, · sô mugen elliu wîp
dar nâch immer mêre · tragen gelphen muot
gegen ir manne, · diu sus eß nimmer getuot.“
Der künic eß wol hôrte; · er angstete umbe den man.
Sîvrit sich schamte, · zürnen er began.
mit ungevüeger krefte · satzter ir sich wider;
versuochende angestlîchen · an vroun Prünhilde sider.
Swie vaste si ûf im læge, · sîn zorn in dô twanc
und ouch sîn starkeß ellen, · daß er âne ir danc
sich wider ûf gerihte; · sîn angest diu was grôß.
si tâten in dem gademe · her und dar vil manegen stôß.
Ouch was der künic Gunther · niht âne angest gar:
er muose dicke wenken · vor in her und dar.
si rungen alsô starke, · daß eß grôß wunder was,
daß ir ieslîcheß · vor dem andern ie genas.
Den künic muote sêre · beidenthalp diu nôt;
doch vorhte er michels mêre · den Sîvrides tôt.
wand si het dem degene · den lîp nâch benomen:
wan daß er niht getorste, · er wær ze helfe im gerne komen.
Jâ werte harte lange · under in der strît;
doch brâhte er die vrouwen · wider an daß bette sît:
swie vaste si sich werte, · ir wer wart (ze iungest) kranc.
der künec in sînen sorgen · hete manegen gedanc.
In dûhte harte lange, · unz er si betwanc.
si druhte sîne hende, · daß ûß den nagelen spranc
daß bluot von ir krefte: · daß was dem helde leit.
dâ brâhte er an ein lougen · die vil hêrlîchen meit
Ir ungevüeges willen, · des si ê dâ jach.
der künic eß alleß hôrte, · swie er niht ensprach.
er dructes an daß bette, · daß si es vil lûte erschrê;
ir tâten sîne krefte · harte grœßlîchen wê.
Dô greif si zuo der sîten, · dâ si den porten vant,
und wolde in hân gebunden: · dô werteß sô sîn hant,
daß ir diu lit erkrachten, · dar zuo al der lîp.
des wart der kriec gescheiden: · dô wart si Guntheres wîp.
Si sprach: „künic edele, · du solt mich leben lân:
eß wirt wol versüenet, · swaß ich dir hân getân.
ich were mich nimmer mêre · der edelen minne dîn:
ich hân wol ervunden, · daß du kanst vrouwen meister sîn.“
Sîvrit der stuont dannen, · ligen lie er die meit,
sam ober von im ziehen · wolde sîniu kleit.
er zôch ir ab der hende · ein guldîn vingerlîn,
daß es dâ nie wart innen · diu vil edel künegîn.
Dar zuo nam er ir gürtel: · daß was ein borte guot.
ich enweiß, ob er daß tæte · durch sînen hôhen muot.
er gab in sînem wîbe: · daß wart im sider leit.
dô lâgen bî ein ander · der künic und diu schœne meit.
Er phlac ir minneclîchen, · als im daß gezam:
dâ muose si verkiesen · ir zorn und ouch ir sham.
von sîner heimlîche · si wart ein lützel bleich.
Hei, waß ir von der minne · ir vil grôßen krefte entweich!
Done was ouch si niht sterker · danne ein ander wîp.
er trûte minneclîchen · ir vil schœnen lîp;
ob siß versuochte mêre, · waß kunde eß si vervân?
daß het ir alleß Gunther · mit sînen minnen getân.
Wie rehte minneclîche · er bî der vrouwen lac
mit vriuntlîcher liebe · biß an den liehten tac!
nu was der hêrre Sîvrit · wider ûß gegân,
dâ er wart wol enphangen · von einer vrouwen wol getân.
Er understuont ir vrâge, · der si hete gedâht;
er hal si sît vil lange, · daß er ir hete brâht.
diz kleinœt er dâ heime · ir doch ze jungest gap:
daß vrumte vil der degene · mit samt im selben in daß grap.
Der wirt wart an dem morgen · verre baß gemuot,
danner vore wære: · des wart diu vreude guot
in allen den landen · von manegem edelen man.
die er ze hûse ladete, · den wart vil dienste getân.
Diu hôhzît diu werte · den vierzehenden tac,
daß in al der wîle · der schal nie gelac
von aller hande vreuden, · der iemen solde phlegen.
dâ wart des küneges koste · vil harte hôhe gewegen.
Des edelen wirtes mâge, · als eß der künic gebôt,
gâben durch sîn êre · kleider und golt rôt,
ros und dar zuo silber · manegem vremden man.
die gâbe nemen wolden, · die schieden vrœlîchen dan.
Ouch der hêrre Sîvrit · ûßer Niderlant
mit tûsent sînen mannen, · alleß daß gewant,
daß si ze Rîne brâhten, · daß wart gar hin gegeben,
schœniu ros mit setelen: · si kunden hêrlîchen leben.
Ê man die rîchen gâbe · alle dâ verswanc,
die wider ze lande wolden, · die dûhte des ze lanc.
eß enwart nie gesindes · mêre baß gephlegen.
sô endete sich diu hôhgezît: · eß schiet von dannen manec degen.
Dô die geste wâren · alle dan gevarn,
dô sprach zuo sîm gesinde · Sigmundes barn:
„wir suln ouch uns bereiten · heim in unser lant.“
liep was eß sînem wîbe, · dô eß diu mære rehte ervant.
Si sprach zuozir manne: · „wenne sul wir varn?
daß ich sô harte gâhe, · daß heiße ich wol bewarn:
mir suln ê mîne bruoder · teilen mit diu lant.“
leit was eß Sîvride, · dô erß an Kriemhilt ervant.
Die vürsten zuozim giengen · und sprâchen alle drî:
„nu wißßet daß, hêr Sîvrit, · daß iu immer sî
mit triuwen unser dienest · bereit unz in den tôt.“
dô neiger den hêrren, · dô man imß sô wol erbôt.
„Wir suln ouch mit iu teilen,“ · sprach Gîselher daß kint,
„lant unde bürge, · die unser eigen sint:
swaß der wîten rîche · uns ist undertân,
der sult ir teil vil guoten · mit samt Kriemhilde hân.“
Sun der Sigmundes · zuo den vürsten sprach,
dô er den guoten willen · an den hêrren sach:
„Got lâße iu iuwer erbe · immer sælec sîn
und ouch die liute drinne; · ja getuot diu liebe wine mîn
„Des teiles wol ze râte, · den ir ir woldet geben:
dâ si sol tragen krône, · und sul wir daß geleben,
si muoß werden rîcher, · dan iemen lebender sî.
swaß ir sus gebietet, · des bin ich iu dienstlîchen bî.“
Dô sprach diu vrouwe Kriemhilt: · „habet ir der erbe rât,
umb Burgunden degene · eß niht sô lîhte stât,
si müge ein künic gerne · vüeren in sîn lant:
jâ sol si mit mir teilen · mîner lieben bruoder hant.“
Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „nim dir, swen du wil.
die gerne mit dir rîten, · der vindestu hie vil.
ûß drîßec hundert recken · nim dir tûsent man:
die sîn dîn heimgesinde.“ · Kriemhilt senden began
Nâch Hagenen von Troneje · und nâch Ortwîn,
ob die und ir mâge · Kriemhilde wolden sîn.
do gewan dar umbe Hagene · ein zornlîcheß leben:
er sprach: „jâ mag uns Gunther · zer werlde niemen gegeben.
„Ander ingesinde · lât iu volgen mite,
wan ir wol bekennet · der Tronejære site:
wir müeßen bî den künegen · hie ze hove bestân.
wir suln in langer dienen, · den wir her gevolget hân.“
Daß ließen si belîben · und bereiten sich dan.
ir edel ingesinde · vrou Kriemhilt zir gewan,
zwô und drîßec meide · und fünf hundert man;
Eckewart der grâve · volgete Kriemhilde dan.
Urloup si dô nâmen, · rîter unde kneht,
meide unde vrouwen: · daß was vil michel reht.
gescheiden küssende · wurden si zehant:
si rûmten vrœlîchen · des künic Guntheres lant.
Do beleiten si ir mâge · verre ûf den wegen.
man hieß in allenthalben · ir nahtselde legen,
swâ sis gerne nâmen, · durch der künege lant.
boten wurden balde · Sigemunde dan gesant,
Daß er wißßen solde · und ouch vrou Sigelint,
daß sîn sun komen wolde · und vrou Uoten kint,
Kriemhilt diu vil schœne, · von Wormeß über Rîn.
done kunden in diu mære · nimmer lieber gesîn.
„Wol mich,“ sprach dô Sigemunt, · „daß ich gelebet hân,
daß diu schœne Kriemhilt · sol hie gekrônet gân:
des müeßen wol getiuret · sîn diu erbe mîn.
mîn sun Sîvrit · sol hie selbe künic sîn.“
Dô gap diu vrouwe Sigelint · manegen samît rôt,
silber und golt swære · was ir botenbrôt.
si vreute sich der mære, · diu si dô vernam.
alleß ir gesinde · mit vlîße kleiden sich began.
Man seite, wer dâ kœme · mit Sîvride in daß lant.
dô hieß si gesidele · rihten sâ zehant,
dar zuo er under krône · vor vriunden solde gân.
dô riten in engegene · des künic Sigmundes man.
Ist iemen baß enphangen, · dêst mir unbekant,
danne die helde · in Sigmundes lant.
Siglint diu schœne · Kriemhilde gegen reit
mit maneger schœnen vrouwen · unde rîtern gemeit
In einer tageweide, · dâ man die geste sach.
die kunden und die vremden · liten ungemach,
unze si kômen · zeiner bürge wît,
diu was geheißen Santen, · dâ si krône truogen sît.
Mit lachendem munde · Siglint und Sigmunt
kusten Kriemhilde · durch liebe manege stunt
und ouch Sîvriden: · in was ir leit benomen.
alleß ir gesinde · was in grôße willekomen.
Dô brâhte man die geste · vür Sigmundes sal.
die schœnen juncvrouwen · huop man dâ ze tal
nider von den mœren. · dâ was manec man,
der den schœnen wîben · mit vlîße dienen began.
Swie grôß ir hôhzîte · bî Rîne was bekant,
noch gap man hie den helden · vil beßßer gewant,
denne si ie getrüegen noch · bî allen ir tagen.
man mohte michel wunder · von ir rîcheite sagen.
Dôs in ir grôßen êren · sâßen und heten genuoc,
waß goltvarwer gêren · ir ingesinde truoc,
borten und edel gesteine · verwieret wol dar în!
sus phlac vlîßeclîchen · ir diu edel künegîn.
Dô sprach vor sînen vriunden · der hêrre Sigmunt:
„allen mînen vriunden · sol daß wesen kunt,
daß Sîvrit mîne krône · hinnen vür sol tragen.“
diu mære hôrten gerne · die von Niderlanden sagen.
Er bevalch im sîne krône, · gerihte unde lant:
sît was er ir hêrre. · die er ze rehte vant
und dar er rihten solde, · daß wart alsô getân,
daß man sêre vorhte · der schœnen Kriemhilde man.
In disen hôhen êren · lebter, daß ist wâr,
und rihte ouch under krône · unz in daß zehende jâr,
daß diu schœne vrouwe · einen sun gewan:
daß was des küneges mâgen · nâch ir willen wol ergân.
Den îlte man dô toufen · und gab im einen namen,
Gunther, nâch sînem œheim; · des dorfte er sich niht schamen.
geriet er nâch den mâgen, · er wurde ein küene man.
dô zôch man in mit vlîße: · daß was von schulden getân.
In den selben zîten · starp vrou Sigelint:
dô nam den gwalt mit alle · der edelen Uoten kint,
der sô rîcher vrouwen · ob landen wol gezam.
daß klageten genuoge, · dô si der tôt von in genam.
Nu hete ouch dort bî Rîne, · sô wir hœren sagen,
bî Gunther dem rîchen · einen sun getragen
Prünhilt diu schœne · in Burgunden lant.
durch des heldes liebe · wart er Sîvrit genant.
Wie rehte vlîßeclîche · man sîn hüeten hieß!
Gunther der edele · im magezogen ließ,
dieß kunden lêren tugende, · gewüehseß zeinem man.
hei, waß im ungelücke · sît der vriunde an gewan!
Mære zallen zîten · wart sô vil geseit,
wie rehte lobelîchen · die recken vil gemeit
lebten zallen stunden · in Sigmundes lant.
alsam tet ouch Gunther · mit sînen mâgen ûß erkant.
Daß lant ze Niblunge · Sîvride diende hie,
rîcher sîner mâge · wart deheiner nie,
und Schilbunges recken · und ir beider guot.
des truoc der vil küene · deste hôher den muot.
Hort den aller meisten, · den ie helt gewan,
âne dies ê phlâgen, · hete der küene man,
den er vor eime berge · mit sîner hende erstreit,
dar umbe er sluoc ze tôde · manegen rîter gemeit.
Er hete den wunsch der êren, · und wær des niht geschehen,
sô müese man von schulden · dem edelen recken jehen,
daß er wær der beste, · der ie ûf ors gesaß.
man vorhte sîne sterke · und tet vil billîchen daß.
Dô dâhte ouch alle zîte · daß Guntheres wîp:
„wie treit et alsô hôhe · vrou Kriemhilt den lîp?
nu ist doch unser eigen · Sîvrit ir man:
er hât uns nu lange · lützel dienste getân.“
Daß truoc si in ir herzen · und wart ouch wol verdeit;
daß si ir vremde wâren, · daß was der vrouwen leit.
daß si niht zinses hête · von des vürsten lant,
wâ von daß wære, · daß hete si gerne bekant.
Si versuochte eß an dem künege, · ob daß möhte geschehen,
daß si Kriemhilde · solde noch gesehen.
si reite eß heimlîche, · des si dâ hete muot.
dô dûhte den hêrren · diu rede mæßlîchen guot.
„Wie möhten wir si bringen,“ · sprach der künic rîch,
„her zuo disem lande? · daß wær unmügelîch.
si sitzent uns ze verre: · ich getarses niht gebiten.“
des antwurt im Prünhilt · in vil hôhverten siten:
„Swie hôhe rîche wære · deheines küneges man,
swaß im gebüte sîn hêrre, · daß solde er doch niht lân.“
des ersmielte Gunther, · dô si daß gesprach:
ern jachs im niht ze dienste, · swie dicke er Sîvriden sach.
Si sprach: „lieber hêrre, · durch den willen mîn,
hilf mir, daß Sîvrit · und diu swester dîn
komen zuo dem lande, · daß wir si hie gesehen:
sone kunde mir ze wâre · nimmer lieber geschehen.
„Dîner swester zühte, · ir wol gezogen muot,
sô ich dar an gedenke, · wie sanfte mir daß tuot;
wie wir ensament sâßen, · dô ich wart dîn wîp!
si mac mit êren minnen · des küenen Sîvrides lîp.“
Si gertes alsô lange, · unz der künic sprach:
„nu wißßet, daß ich geste · sô gerne nie gesach.
ir muget mich sanfte vlêgen: · ich wil die boten mîn
nâch in beiden senden, · daß si her komen an den Rîn.“
Dô sprach diu küneginne: · „sô sult ir mir sagen,
wenne ir si welt besenden, · oder in welhen tagen
unser liebe vriunde · suln komen in daß lant.
die ir dar welt senden, · die lât mir werden bekant.“
„Daß tuon ich,“ sprach der fürste: · „drîßec mîner man
wil ich dar lân rîten.“ · die hieß er vür sich gân:
bî den enbôt er mære · in Sîvrides lant.
ze liebe gab in Prünhilt · vil harte hêrlîch gewant.
Dô sprach der künec: „ir recken · sult von mir sagen,
daß ich dar enbiete, · des sult ir niht verdagen,
dem starken Sîvride · und der swester mîn,
daß in darf zer werlde · niemen holder gesîn.
„Und bitet, daß si beidiu · uns komen an den Rîn:
daß welle ich und mîn vrouwe · immer diende sîn.
vor disen sunewenden · sol er und sîne man
sehen hie vil manegen, · der in grôßer êren gan.
„Dem künic Sigmunde · saget den dienst mîn,
daß ich und mîne vriunde · im immer wæge sîn,
und saget ouch mîner swester, · daß si niht lâße daß,
sine rîte zuo ir vriunden: · ir zaeme nie hôhzîte baß.“
Prünhilt und Uote · und swaß man vrouwen vant,
die enbuten ir dienest · in Sîvrides lant
den minneclîchen vrouwen · und manegem küenen man.
mit des küneges râte · die boten huoben sich dan.
Si vuoren reislîche; · ir phert und ir gewant
daß was in komen allen: · dô rûmten si daß lant.
in zogte wol ir verte, · dar si dâ wolden varn.
der künic mit geleite · bat die boten wol bewarn.
Inre tagen zwelven · si kômen in daß lant,
ze Niblunges bürge: · dar wâren si gesant.
ze Norweg in der marke · vunden si den degen.
ros und liute wâren · müede von den langen wegen.
Sîvride und Kriemhilde · wart beiden dô geseit,
daß rîter komen wæren, · die trüegen solhiu kleit,
sam man zen Burgunden · dâ der site phlac.
si spranc von eime bette · dâ si ruowende lac.
Dô bat si zeime venster · eine maget gân.
diu sach den küenen Gêren · an dem hove stân,
in und die gesellen, · die wâren dar gesant.
gegen ir herzeleide · wie liebiu mære si bevant!
Si sprach zuo dem künege: · „seht ir, wâ si stênt,
die mit dem starken Gêren · ûf dem hove gênt,
die uns mîn bruoder Gunther · sendet nider Rîn.“
dô sprach der starke Sîvrit: · „der sol uns willekomen sîn.“
Alleß daß gesinde · lief, dâ man si sach.
ir ieslîch besunder · vil güetlîche sprach
daß beste, daß si kunden, · zuo den boten dô.
Sigmunt der hêrre · was ir künfte harte vrô.
Dô wart geherberget · Gêre und sîne man;
diu ros man hieß behalten. · die boten giengen dan,
dâ hêr Sîvrit · bî Kriemhilde saß.
si sâhen in vil gerne, · daß sult ir wißßen, âne haß.
Der wirt mit sînem wîbe · stuont ûf sâ zehant.
wol wart enphangen Gêre · ûß Burgunden lant
und sîne hergesellen, · Guntheres man,
Gêren den vil rîchen · bat man an den sedel gân.
„Erloubet uns die botschaft, · ê wir sitzen gên,
uns wegemüede geste · lât uns die wîle sten.
wir suln iu sagen mære, · waß iu enboten hât
Gunther und Prünhilt, · der dinc vil zierlîche stât,
„Unde waß vrou Uote, · iur muoter, her enbôt,
Gîselher der junge · und ouch er Gêrnôt
und iuwer besten mâge · habent uns her gesant:
die enbietent iu ir dienest · ûßer Burgunden lant.“
„Nu lôn in Got,“ sprach Sîvrit, · „ich getrûwe in wol
triuwen unde guotes, · alsô man vriunden sol.
sam tuot ouch ir swester; · man sol uns mêre sagen,
ob unser lieben vriunde · daheim iht hôhes muotes tragen.
„Sît wir von in schieden, · hât man in iht getân
mînen kone mâgen? · daß lâßet mich verstân.
daß wil ich in mit triuwen · immer helfen tragen,
unz daß ir vîende · mînen dienst müeßen klagen.“
Dô sprach der marcgrâve · Gêre, ein rîter guot:
„si sint in allen tugenden · mit vreuden wol gemuot.
si ladent iuch ze Rîne · zeiner hôhgezît.
si sæhen iuch vil gerne, · daß ir des âne zwîvel sît.
„Si bitent mîne vrouwen, · si sül mit iu dar komen.
swenne der winder · ein ende habe genomen,
vor disen sunewenden · wolden si iuch sehen.“
dô sprach der starke Sîvrit: · „daß kunde müelîch geschehen.“
Dô sprach aber Gêre · von Burgunden lant:
„iuwer muoter Uote · diu hât iuch gemant,
Gêrnôt unde Gîselher, · ir sült in niht versagen.
daß ir in sît sô verre, · daß hœre ich tegelîche klagen.
Prünhilt mîn vrouwe · und ir magedîn
vreuwent sich der mære: · ob daß mehte sîn,
daß si iuch noch sæhen, · daß gæbe in hôhen muot.“
dô dûhten disiu mære · die schœnen Kriemhilde guot.
Gêre was ir sippe: · der wirt in sitzen hieß;
den gesten hieß er schenken: · niht langer man daß ließ.
dô kom ouch dar Sigmunt, · dâ er die boten sach:
der hêrre vriuntlîche · zuo den Burgunden sprach:
„Sît willekomen, ir recken, · Guntheres man.
sît daß Kriemhilde · ze wîbe gewan
mîn sun Sîvrit, · man solde iuch dicker sehen
hie in disem lande, · wolt ir uns vriuntschefte jehen.“
Si sprâchen, swenne er wolde, · si solden gerne komen.
in wart michel müede · mit vreuden benomen.
die boten bat man sitzen, · spîse man in truoc:
der hieß dô geben Sîvrit · den lieben gesten genuoc.
Si muosen dâ belîben · bevollen niun tage.
des heten endelîchen · die snellen rîter klage,
daß si niht wider rîten · solden in ir lant.
dô hete der künic Sîvrit · nâch sînen vriunden gesant.
Er vrâgte, waß si rieten: · er sold an den Rîn.
„eß hât nâch mir gesendet · Gunther der vriunt mîn,
er und sîne mâge, · durch eine hôhzît:
nu kœm ich im vil gerne, · wan daß sîn lant ze verre lît.
„Si bitent Kriemhilde, · daß si mit mir var.
nu râtet, lieben vriunde, · wie sol si komen dar?
sold ich herverten · durch si in drîßec lant,
dâ müese in dienen gerne · hin diu Sîvrides hant.“
Dô sprâchen sîne recken: · „habet ir der reise muot
hin zer hôhzîte, · wir râten, waß ir tuot:
ir sult mit tûsent recken · rîten an den Rîn:
sô muget ir wol mit êren · dâ zen Burgunden sîn.“
Dô sprach von Niderlanden · der hêrre Sigmunt:
„welt ir zer hôhzîte, · wan tuot ir mir daß kunt?
obeß iu niht versmâhet, · sô rîte ich mit iu dar.
ich vüere hundert degene, · dâ mite mêre ich iuwer schar.“
„Welt ir mit uns rîten, · lieber vater mîn,“
sprach der küene Sîvrit, · „vil vrô sol ich des sîn.
inre tagen zwelfen · sô rûme ich mîniu lant.“
alle, die es gerten, · den gap man ros und ouch gewant.
Dô der künic edele · der reise hete muot,
dô hieß man wider rîten · die snellen degne guot.
sînen konemâgen · enbôt er an den Rîn,
er wolde harte gerne · bî ir hôhgezîte sîn.
Sîvrit und Kriemhilt, · sô wir hœren sagen,
sô vil den boten gâben, · daß eß niht mohten tragen
ir mœre heim ze lande: · er was ein rîcher man.
ir starken soumære · treip man vrœlîchen dan.
Ir volk kleidete Sîvrit · und ouch Sigemunt.
Eckewart der grâve · der hieß an der stunt
vrouwen kleider suochen, · diu besten, die man vant
oder inder kunde erwerben · über Sîvrides lant.
Die setel zuo den schilden · bereiten man began.
rîtern und vrouwen, · die mit im solden dan,
den gap man, swaß si wolden, · daß in niht gebrast.
er brâhte sînen vriunden · manegen hêrlîchen gast.
Die boten zogten sêre · ze lande ûf den wegen.
dô kom zen Burgunden · Gêre der degen.
er wart vil wol enphangen: · do erbeißten si ze tal
von rossen und von mœren · vür den Guntheres sal.
Die tumben zuo den wîsen · giengen, sô man tuot,
vrâgen umbe mære. · sô sprach der rîter guot:
„swenne ich si sage dem künege, · dâ hœrt ir si zehant.“
er gie mit den gesellen, · dâ er Guntheren vant.
Der künic von liebe · von dem sedel spranc.
daß si sô snelle kômen, · des seite in dô danc
Prünhilt diu schœne. · Gunther zen boten sprach:
„wie gehabet sich Sîvrit, · von dem mir liebe vil geschach?“
Dô sprach der küene Gêre: · „dâ wart er vreuden rôt,
er und iuwer swester. · nie vriunden baß enbôt
sô getriuwe mære · deheiner slahte man,
als iu der hêrre Sîvrit · und ouch sîn vater hât getân.“
Dô sprach zem marcgrâven · des rîchen küneges wîp:
„nu sagt mir, kumt uns Kriemhilt? · hât noch ir schœner lîp
behalten iht der zühte, · der si kunde phlegen?“
er sprach: „si koment beide · und mit in maneger küene degen.“
Uote bat dô drâte · die boten vür sich gên.
man moht an ir vrâge · harte wol verstên,
daß si hôrte gerne: · „was Kriemhilt noch gesunt?“
er seite, wier si vunde · und daß si kœme in kurzer stunt.
Eß wart von in diu gâbe · ze hove niht verdeit,
die in gap er Sîvrit: · golt und ouch diu kleit
brâhte man ze sehene · der drîer künege man.
ir vil grôßer milte · wart dâ danken getân.
„Er mac,“ sprach dô Hagene, · „von im sanfte geben:
ern kundeß niht verswenden, · sold er immer leben.
hort der Niblunge · besloßßen hât sîn hant;
hei, sold er immer · komen in Burgunden lant!“
Alleß daß gedigene · vreute sich dar zuo,
daß si komen solden. · spâte unde vruo
wâren vil unmüeßec · der drîer künege man.
manec hêr gesidele · man dô rihten began.
Hûnolt der küene · und Sindolt der degen
heten vil unmuoße. · die zît muosen phlegen
truhsæßen unde schenken, · ze rihten manege banc.
des half in ouch Ortwîn; · des seite in Gunthere danc.
Rûmolt der kuchenmeister, · wie wol er rihte sît
sîne undertâne! · manegen keßßel wît,
haven unde phannen: · hei, waß man der dâ vant!
do bereite man den spîse, · die dâ kômen in daß lant.
Der vrouwen arbeiten · was ouch niht kleine,
dô si bereiten ir kleider. · die edelen steine
mit glanze verre glesten, · verwieret in daß golt,
dô si si ane leiten, · daß in die liute wurden holt.
Alle ir unmuoße · lâßen wir nu sîn
und sagen, wie vrou Kriemhilt · und ir magedîn
hin gên Rîne vuoren · von Niblunge lant.
nie getruogen mœre · sô manec hêrlîch gewant.
Vil der soumschrîne · man schihte zuo den wegen.
dô reit mit sînen vriunden · Sîvrit der degen
und diu küneginne, · dar si heten vreuden wân;
sît wart eß in allen · ze grôßem leide getân.
Dâ heime si dô ließen · Sîvrides kindelîn
und sun den Kriemhilde; · daß muos et alsô sîn.
von ir hovereise · wuohs vil michel sêr:
sînen vater und sîn muoter · gesach daß kindel nimmer mêr.
Dô reit ouch mit in dannen · der hêrre Sigmunt.
solde er rehte wißßen, · wie eß nâch der stunt
zer hôhzît ergienge, · er het ir niht gesehen:
im kunde an lieben vriunden · leider nimmer geschehen.
Boten man vür sande, · die mære seiten dar.
dô reit ouch in enkegene · mit wünneclîcher schar
vil der Uoten vriunde · und der Guntheres man.
der wirt gên sînen gesten · sich sêre vlîßen began.
Er gie zuo Prünhilde, · dâ er si sitzen vant.
„wie enphieng iuch mîn swester, · do ir kômet in daß lant?
sam sult ir enphâhen · Sîvrides wîp.“
„daß tuon ich,“ sprach si, „gerne: · von schulden holt ist ir mîn lîp.“
Dô sprach der künic rîche: · „si koment uns morgen vruo.
welt ir si enphâhen, · dâ grîfet balde zuo,
daß wir ir niht bîten · in der burc hie.
mir sint in allen zîten · lieber geste komen nie.“
Ir meide und ir vrouwen · hieß si sâ zehant
suochen guotiu kleider, · diu besten, diu man vant,
diu ir ingesinde · vor gesten solde tragen.
daß tâten si doch gerne: · daß mac man lîhte gesagen.
Ouch îlten in dô dienen · die Guntheres man.
alle sîne recken · der wirt zuo im gewan.
dô reit diu küneginne · hêrlîchen dan.
dâ wart vil michel grüeßen · die lieben geste getân.
Mit wie getânen êren · man die geste enphie!
si dûhte, daß vrou Kriemhilt · vroun Prünhilde nie
sô rehte wol enphienge · in Burgunden lant.
die eß ie gesâhen, · den wart vil hôher muot bekant.
Nu was ouch komen Sîvrit · mit den sînen man.
man sach die helde wenden · wider unde dan
des veldes allenthalben · mit ungevüegen scharn.
dringen unde stouben · kunde niemen dâ bewarn.
Dô der wirt des landes · Sîvriden sach
und ouch Sigmunden, · wie güetlîch er sprach!
„nu sît mir grôße willekomen · und al den vriunden mîn;
iuwer hovereise · sul wir hôhes muotes sîn.“
„Nu lône iu got,“ sprach Sigmunt, · der êre gernde man.
„sît daß iuch Sîvrit · ze vriunde gewan,
dô rieten mîne sinne, · daß ich iuch wolde sehen.“
dô sprach der künic Gunther: · „nu ist mir liebe dran geschehen.“
Sîvrit wart enphangen, · als im daß wol gezam,
mit vil grôßen êren; · niemen was im gram.
des half mit grôßen zühten · Gîselher und Gêrnôt.
nie lieben gesten · manß sô güetlîch erbôt.
Nu nâheten ze ein ander · der zweier künege wîp.
dâ wart vil setel lære, · maneger vrouwen lîp
wart von helde handen · erhaben ûf daß gras.
die vrouwen gerne dienden, · waß der dâ unmüeßec was!
Dô giengen zuo ein ander · diu minneclîchen wîp.
des was in grôßen vreuden · maneges rîters lîp,
daß ir beider grüeßen · sô minneclîch ergie.
dô sach man vil der recken, · der dienen vrouwen dâ niht lie.
Daß hêrlîch gesinde · vie sich bî der hant;
in zühten grôße nîgen · des man vil dâ vant
und küssen minneclîchen · von vrouwen wol getân.
daß was liep ze sehene · Gunthers und Sîvrides man.
Si biten dâ niht langer, · si riten zuo der stat.
der wirt sînen gesten · wol erzeigen bat,
daß man si gerne sæhe · in Burgunden lant.
manegen puneiß rîchen · man vor den juncvrouwen vant.
Ûßer Troneje Hagene · und ouch Ortwîn,
daß si gewaltec wæren, · daß tâten si wol schîn.
swaß si gebieten wolden, · des torste man niht lân.
von in wart michel dienest · den lieben gesten getân.
Vil schilde hôrt man hellen · dâ ze dem bürge tor
von stichen und von stôßen. · lange habete dâ vor
der wirt mit sînen gesten, · ê si kômen drin.
jâ gie in diu stunde · mit grôßer kurzwîle hin.
Vür den palas wîten · mit vreuden si dô riten.
manegen phelle spæhe, · guot und wol gesniten,
sach man über setele · den vrouwen wol getân
allenthalben hangen. · dô kômen Guntheres man:
Die hießen si dô vüeren · balde an ir gemach.
under wîlen blicken · man Prünhilde sach
an vrouwen Kriemhilde, · diu schœne was genuoc.
ir varwe gên dem golde · den glanz vil hêrlîchen truoc.
Allenthalben schallen · ze Wormeß in der stat
hôrte manß gesinde. · Gunther dô bat
Dancwarten sînen marschalc, · daß er ir solde phlegen.
do begunde er daß gesinde · harte güetlîchen legen.
Dar ûße und ouch dar inne · spîsen man si lie.
jâ wart vremder geste · baß gephlegen nie.
alles, des si gerten, · des was man in bereit.
der künic was sô rîche, · daß niemen dâ niht wart verseit.
Man diende in vriuntlîche · und ân allen haß.
der wirt dâ ze tische · mit sînen gesten saß.
dô muose sitzen Sîvrît, · als er ê hete getân.
dô gie mit im ze tische · vil manec wætlîcher man.
Zwelf hundert recken · an dem ringe sîn
dâ ze tische sâßen. · Prünhilt diu künegîn
gedâht, daß eigen holde · niht rîcher kunde wesen.
si was im noch sô wæge, · daß si in gerne lie genesen.
An jenem âbende, · dâ der künic saß,
vil der rîchen kleider · wart von wîne naß,
dâ die schenken solden · zuo den tischen gân:
dâ wart vil voller dienest · mit grôßem vlîße getân.
Sô man ze hôhgezîten · lange hât gephlegen,
vrouwen unde meide · hieß man schône legen.
swannen si dar kômen, · der wirt in willen truoc;
in güetlîchen êren · man gap in allen genuoc.
Dô diu naht het ende · und der tac erschein,
ûß den soumschrînen · manec edel stein
erlûhte in guoter wæte, · die ruorte vrouwen hant.
dô wart ervür gesuochet · manec hêrlîch gewant.
Ê eß vol ertagete, · dô kômen vür den sal
vil rîter unde knehte: · dô huop sich aber schal
vor einer vruomesse, · die man dem künege sanc.
dâ riten junge helde, · daß ins der künic seite danc.
Manec pusûne lûte · vil krefteclîch erdôß.
von trumben und von vloiten · der schal wart sô grôß,
daß Wormeß diu vil wîte · dar nâch lûte erschal.
die hôch gemuoten helde · ze rossen kômen über al.
Dô huop sich in dem lande · harte hôch ein spil
von manegem guoten recken: · der sach man dâ vil,
den ir tumbiu herze · gâben hôhen muot;
dô sach man under schilde · manegen zieren rîter guot.
In diu venster sâßen · diu hêrlîchen wîp
und vil der schœnen meide; · gezieret was ir lîp.
si sâhen kurzewîle · von manegem küenen man.
der wirt mit sînen vriunden · selbe rîten dâ began.
Sus vertriben si die wîle: · diu dûhte si niht lanc.
man hôrte dâ zem tuome · maneger glocken klanc:
dô kômen in die mœre: · die vrouwen riten dan;
den edelen küneginnen · volgete manec küene man.
Si stuonden vor dem münster · nider ûf daß gras.
Prünhilt ir gesten · dannoch wæge was.
si giengen under krône · in daß münster wît.
diu liebe wart gescheiden: · daß vrumte grœßlîcher nît.
Dô si gehôrten messe, · si vuoren wider dan
mit vil manegen êren. · man sach si sider gân
ze tische vrœlîche. · ir vreude nie gelac
dâ zer hôhgezîte · unz an den einliften tac.
Do gedâht diu küneginne: · „ine mac niht langer dagen.
swie ich daß gevüege, · Kriemhilt muoß mir sagen,
war umbe uns alsô lange · den zins verseßßen hât
ir man, derst unser eigen: · der vrâge hân ich keinen rât.“
Sus warte si der wîle, · als eß der tiuvel riet:
die vreude und ouch die hôhgezît · mit leide si dô schiet.
daß ir lac amme herzen, · ze liehte eß muose komen.
des wart in manegen landen · von ir jâmers vil vernomen.
Vor einer vesperzîte · huop sich grôß ungemach,
daß von manegem recken · ûf dem hove geschach:
si phlâgen rîterschefte · durch kurzwîle wân.
dô liefen dar durch schouwen · manec wîp unde man.
Ze samne dô gesâßen · die küneginne rîch:
si gedâhten zweier recken, · die wâren lobelîch.
dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „ich hân einen man,
daß elliu disiu rîche · zuo sînen handen solden stân.“
Dô sprach diu vrouwe Prünhilt: · „wie kunde daß gesîn?
ob ander nieman lebete · wan dîn unde sîn,
sô möhten im diu rîche · wol wesen undertân:
die wîle daß lebet Gunther, · sô kundeß nimmer ergân.“
Dô sprach aber Kriemhilt: · „sihestu, wie er stât,
wie rehte hêrlîche · er vor den recken gât,
sam der liehte mâne · vor den sternen tuot!
des muoß ich von schulden · tragen vrœlîchen muot.“
Dô sprach diu vrouwe Prünhilt: · „swie wætlîch sî dîn man,
swie biderbe und swie schœne, · sô soltu vor im lân
Gunther den recken, · den edelen bruoder dîn:
der muoß vor allen künegen, · daß wißße, wærlîche sîn.“
Dô sprach aber Kriemhilt: · „sô tiuwer ist mîn man,
daß ich in âne schulde · niht gelobet hân.
an vil manegen dingen · ist sîn êre grôß.
geloubestu daß, Prünhilt, · er ist wol Gunthers genôß.“
„Jane soltu mirß, Kriemhilt, · ze arge niht verstân,
wan ich ouch âne schulde niht · die rede hân getân:
ich hôrtes jehen beide, · dô ichs êrste sach,
und dâ des küneges wille · an mîme lîbe geschach,
„Und dâ er mîne minne · sô rîterlîch gewan,
dô jach Sîvrit, · er wære sküneges man:
des hân ich in vür eigen, · sît ich ins hôrte jehen.“
dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „sô wær mir übele geschehen.
„Wie heten sô geworben · die edelen bruoder mîn,
daß ich eigenmannes · wine solde sîn?
des wil ich dich, Prünhilt, · vil vriuntlîchen biten,
daß du die rede lâßest · durch mich mit güetlîchen siten.“
„Ich mag ir niht gelâßen,“ · sprach des küneges wîp:
„zwiu sold ich verkiesen · sô maneges rîters lîp,
der uns mit dem degene · dienstlîch ist undertân?“
Kriemhilt diu vil schœne · daß sêre zürnen began.
„Du muost in verkiesen, · daß er dir immer bî
wone deheiner dienste. · erst tiurer, danne sî
Gunther mîn bruoder, · der vil edel man.
du solt mich des erlâßen, · daß ich von dir vernomen hân.
„Und nimt mich immer wunder, · sît er dîn eigen ist
und du über uns beidiu · sô gewaltec bist,
daß er dir sô lange · den zins verseßßen hât.
dîner übermüete · solde ich von rehte haben rât.“
„Du ziuhest dich ze hôhe,“ · sprach dô des küneges wîp.
„nu wil ich sehen gerne, · ob man dînen lîp
habe ze solhen êren, · sô man den mînen tuot.“
die vrouwen wurden beide · vil sêre zornec gemuot.
Dô sprach diu vrouwe Kriemhilt: · „daß muoß et nu geschehen:
sît du mînes mannes · vür eigen hâst gejehen,
sô müeßen hiute kiesen · der beider künege man,
ob ich vor küneges wîbe · ze kirche türre gegân.
„Du muost daß hiute schouwen, · daß ich bin edelvrî,
und daß mîn man ist tiuwerer, · danne der dîn sî.
dâ mite wil ich selbe · niht bescholden sîn.
du solt noch hiute kiesen, · wie diu eigen diu dîn
„Ze hove gê vor recken · in Burgunden lant.
ich wil wesen tiuwerer, · danne ieman habe bekant
deheine küneginne, · diu krôn her ie getruoc.“
dô huop sich undern vrouwen · grôßes nîdes genuoc.
Dô sprach aber Prünhilt: · „wiltu niht eigen sîn,
sô muostu dich scheiden · mit den vrouwen dîn
von mînem ingesinde, · dâ wir ze münster gân.“
des antwurte Kriemhilt: · „triuwen, daß sol sîn getân.“
„Nu kleidet iuch, mîn meide,“ · sprach Sîvrides wîp.
„eß muoß âne schande · belîben hie mîn lîp.
ir sult daß lâßen schouwen, · habt ir iht rîche wât.
si mac sîn gerne lougen, · des si hie verjehen hât.“
Man mohte in lîhte râten, · si suochten rîchiu kleit.
dâ wart vil wol gezieret · manec vrouwe unde meit.
dô gie mit ir gesinde · des edelen wirtes wîp;
ze wunsche wart gekleidet · der schœnen Kriemhilde lîp
Mit drin und vierzec meiden: · die brâhtes an den Rîn;
die truogen liehte phelle, · geworht in Arâbîn.
sus kômen zuo dem münster · die meide wol getân.
ir warten vor dem hûse · alle Sîvrides man.
Die liute nam des wunder, · wâ von daß geschach,
daß man die küneginne · alsô gescheiden sach,
daß si bî ein ander · niht giengen alsam ê.
dâ von wart manegem degene · sît vil sorclîchen wê.
Nu stuont vor dem münster · Guntheres wîp.
dô hete kurzwîle · vil maneges rîters lîp
mit den schœnen vrouwen, · der si dâ nâmen war.
dô kom diu edel Kriemhilt · mit maneger hêrlîchen schar.
Swaß kleider ie getruogen · edeler rîter kint,
wider ir gesinde · daß was gar ein wint.
si was sô rîch des guotes, · daß drîßec küneges wîp
eß möhten niht erziugen, · daß eine erziuget ir lîp.
Ob ieman wünschen solde, · der kunde niht gesagen,
daß man sô rîcher kleider · gesæhe ie mê getragen,
sô dâ ze stunde truogen · ir meide wol getân.
wan Prünhilde ze leide, · eß hete Kriemhilt verlân.
Ze samene si dô kômen · vor dem münster wît.
eß tet diu hûsvrouwe · durch einen grôßen nît,
si hieß vil übellîche · Kriemhilde stân:
„jâ sol vor küneges wîbe · nimmer eigen diu gegân.“
Dô sprach diu schœne Kriemhilt, · zornec was ir muot:
„kundestu noch swîgen, · daß wær dir lîhte guot.
duo hâst geschendet · dînen schœnen lîp.
wie mohte mannes kebse · immer werden küneges wîp?“
„Wen hâstu hie verkebeset?“ · sprach des küneges wîp.
„daß tuon ich dich,“ sprach Kriemhilt: · „dînen schœnen lîp
minnete êrste Sîvrit, · mîn vil lieber man.
jâ was eß niht mîn bruoder, · der dînen meituom gewan.
„War kômen dîne sinne? · eß was ein arger list,
daß du in ließe minnen, · sît er dîn eigen ist.
ich hœre dich,“ sprach Kriemhilt, · „âne schulde klagen.“
„triuwen,“ sprach dô Prünhilt, · „daß wil ich Gunthere sagen.“
„Waß mac mir daß gewerren? · dîn übermuot dich hât betrogen:
du hâst mich ze dienste · mit rede dich an gezogen.
daß wißße an rehten triuwen, · eß ist mir immer leit:
getriuwer heinlîche · sol ich dir wesen unbereit.“
Prünhilt dô weinde: · Kriemhilt niht lenger lie,
vor des küneges wîbe · inß münster si dô gie
mit ir ingesinde. · dâ huop sich grôßer haß:
des wurden liehtiu ougen · starke trüebe unde naß.
Swie vil man Gote diende · oder ieman dâ sanc,
des dûhte Prünhilde · diu wîle gar ze lanc,
wand ir was vil trüebe · der lîp und ouch der muot.
des muoste sît enkelten · manec helt küene unde guot.
Prünhilt mit ir vrouwen · gie vür daß münster stân.
si dâhte: „mich muoß Kriemhilt · mêre hœren lân,
des mich sô lûte zîhet · daß wortræße wîp.
hât er sichs gerüemet, · eß gêt im wærlîch an den lîp.“
Nu kom diu edel Kriemhilt · mit manegem küenen man.
dô sprach diu vrouwe Prünhilt: · „ir sult noch stille stân.
ir jâhet mîn ze kebesen: · daß sult ir lâßen sehen:
mir ist von iuwern sprüchen, · daß wißßet, leide geschehen.“
Dô sprach diu schœne Kriemhilt: · „ir möht mich lâßen gân.
ich erziugeß mit dem golde, · deich an der hende hân:
daß brâhte mir Sîvrit, · dô er bî iu lac.“
nie gelebte Prünhilt · deheinen leideren tac.
Si sprach: diz golt vil edele · daß wart mir verstoln
und ist mich harte lange · übele verholn:
ich kum es an ein ende, · wer mirß hât genomen.“
die vrouwen wâren beide · in grôß ungemüete komen.
Dô sprach aber Kriemhilt: · „ine wils niht wesen diep.
du möhtest gedaget hân, · wær dir êre liep.
ich erziugeß mit dem gürtel, · den ich umbe hân,
daß ich niht enliuge: · jâ wart Sîvrit dîn man.“
Von Ninnivê der sîden · si den borten truoc
mit edelem gesteine; · jâ was er guot genuoc.
dô den gesach Prünhilt, · weinen si began:
daß muoste vreischen Gunther, · dar zuo alle sîne man.
Dô sprach diu küneginne: · „heißet here gân
den vürsten von Rîne: · ich wil in hœren lân,
wie mich hât gehœnet · sîner swester lîp.
si seit hie offenlîche, · ich sî Sîvrides wîp.“
Der künic kom mit recken: · weinen er dô sach
sîne triutinne: · güetlîch er dô sprach:
„saget mir, liebiu vrouwe, · wer hât iu iht getân?“
si sprach zuo dem künege: · „ich muoß unvrœlîchen stân.
„Von allen mînen êren · mich diu swester dîn
gerne wolde scheiden: · dir sol geklaget sîn,
si giht, mich habe gekebeset · Sîvrit ir man.“
dô sprach der künic Gunther: · „sô hetes übele getân.“
„Si treit hie mînen gürtel, · den ich hân verlorn,
und mîn golt daß rôte. · daß ich ie wart geborn,
daß riuwet mich vil sêre. · dun entredest, künic, mich
der vil grôßen schanden, · ich minne nie mêre dich.“
Dô sprach künic Gunther: · „er sol her vüre gân:
hât er sichs gerüemet, · daß sol er hœren lân,
oder sîn muoß lougenen · der helt ûß Niderlant.“
dô wart der küene Sîvrit · harte balde dar besant.
Dô der hêrre Sîvrit · die ungemuoten sach,
ern weste niht der mære, · balde er dô sprach:
„waß weinent dise vrouwen? · daß hete ich gerne erkant,
oder von welhen schulden · ich dâ her sî besant.“
Dô sprach künic Gunther: · mir ist harte leit.
mir hât mîn vrouwe Prünhilt · ein mære hie geseit:
du hâst dich gerüemet, · du wærst ir êrster man.
sô seit dîn wîp Kriemhilt: · hâstu, degen, daß getân?
„Nein ich,“ sprach dô Sîvrit. · „und hât si daß geseit,
end ich erwinde, · daß muoß ir werden leit,
und wil dirß gerihten · vor allen dînen man
mit mînen hôhen eiden, · daß ich irß niht gesaget hân.“
Dô sprach der künec von Rîne: · „daß soltu lâßen sehen:
den eit, den du biutest, · mac der hie geschehen,
aller valschen dinge · wil ich dich ledec lân.“
man sach zuo dem ringe · dô die von Burgunden stân.
Sîvrit der vil küene · zem eide bôt die hant.
dô sprach der künic rîche: · „mir ist sô wol bekant
iuwer grôß unschulde: · ich wil iuch ledec lân,
des iuch mîn swester zîhet, · daß ir des niht habet getân.“
Dô sprach aber Sîvrit: · „und genießet des ir lîp,
daß si hât ertrüebet · dîn vil schœne wîp,
daß ist mir sicherlîchen · âne mâße leit.“
dô sâhen zuo ein ander · die küenen rîter gemeit.
„Man sol sô vrouwen ziehen,“ · sprach Sîvrit der degen,
„daß si üppege sprüche · lâßen under wegen.
verbiut eß dînem wîbe, · der mînen tuon ich sam.
solher übermüete · ich mich wærlîchen scham.“
Mit rede wart gescheiden · manec schœne wîp.
dô trûrte alsô sêre · Prünhilde ir lîp,
daß eß erbarmen muose · die Guntheres man.
dô kom von Troneje Hagene · zuo sîner vrouwen gegân.
Er vrâgte, waß ir wære: · weinende er si vant.
dô seite si im diu mære. · er lobte ir sâ zehant,
daß eß erarnen müese · Kriemhilde man,
oder er wolde nimmer · dar umbe vrœlîch gestân.
Zuo der rede kômen · Ortwîn und Gêrnôt,
dâ die helde rieten · den Sîvrides tôt.
dar zuo kom ouch Gîselher, · der schœnen Uoten kint;
dô er ir rede gehôrte, · er sprach getriulîchen sint:
„Ouwê, ir guoten knehte, · war umbe tuot ir daß?
jane gediende Sîvrit · nie alsolhen haß,
daß er dar umbe solde · verliesen sînen lîp:
jâ ist des harte lîhte, · dar umbe zürnent diu wîp.“
„Suln wir gouche ziehen?“ · sprach aber Hagene:
„des habent lützel êre · sô guote degene.
daß er sich hât gerüemet · der lieben vrouwen mîn,
dar umbe wil ich sterben, · eß engê im an daß leben sîn.“
Dô sprach der künic selbe: · „ern hât uns niht getân
niuwan guot und êre: · man sol in leben lân.
waß touc, ob ich dem recken · wære nu gehaß?
er was ie getriuwe · und tet vil willeclîchen daß.“
Dô sprach ûßer Metzen · der degen Ortwîn:
„jane kan in niht gehelfen · diu grôße sterke sîn.
erloubet mirß mîn hêrre, · ich tuon im alleß leit.“
dô heten im die helde · âne schulde widerseit.
Sîn gevolgte niemen, · niuwan daß Hagene
riet in allen zîten · Gunther dem degene,
ob Sîvrit niht enlebte, · sô wurde im undertân
vil der künege lande. · der helt des trûren began.
Dô ließen siß belîben: · spiln man dô sach.
hei, waß man starker schefte · vor dem münster brach
vor Sîvrides wîbe · al zuo dem sale dan!
dô wâren in unmuote · genuoge Guntheres man.
Der künic sprach: „lât belîben · den mortlîchen zorn.
er ist uns ze sælden · unt ze êren geborn;
ouch ist sô stark grimme · der wundernküene man,
wurde er sîn innen, · sô torst in nieman bestân.“
„Nein er,“ sprach dô Hagene. · „lât iu eß wol behagen:
ich trouwe eß heinlîche · alsô an getragen,
daß Prünhilde weinen · sol im werden leit.
jâ sol im von Hagenen · immer wesen widerseit.“
Dô sprach der künic Gunther: · „wie möhte daß ergân?“
des antwurte Hagene: · „ich wil iuchß hœren lân:
heißen boten rîten · zuo uns in daß lant
widersagen offenlîche, · die hie niemen sîn bekant.
Sô jehet ir vor den gesten, · daß ir und iuwer man
wellent herverten. · alsô daß ist getân,
sô lobet er iu dar dienen: · des vliuset er den lîp,
ervare ich uns diu mære · an des küenen recken wîp.“
Der künic übel volgte · Hagnen sînem man.
die starken untriuwe · begunden tragen an,
ê ieman daß ervunde, · die rîter ûß erkorn.
von zweier vrouwen bâgen · wart vil manec helt verlorn.
An dem vierden morgen · zwên und drîßec man
sach man ze hove rîten. · daß wart dô kunt getân
Gunther dem rîchen, · im wære widerseit.
von lüge wuohs den vrouwen · grôßer jâmer unde leit.
Urloup si gewunnen, · daß si vür solden gân,
und jâhen, daß siß wæren · Liudgêres man,
den ê dâ hete betwungen · Sîvrides hant
und in ze gîsel bræhte · in daß Guntheres lant.
Die boten er dô gruoßte · und hieß si sitzen gân.
einer sprach dar under: · hêrre, lât uns stân,
unz wir gesagen mære, · diu iu enboten sint.
jâ habet ir ze vînde, · daß wißßet, maneger muoter kint.
„Iu widerseit Liudegast · unde Liudgêr,
den ir dâ wîlen tâtet · gremlîchiu sêr:
die wellent zuo iu rîten · mit her in ditze lant.“
der künic begunde zürnen, · als ob eß wære im unbekant.
Man hieß die meinræten · zen herbergen varn.
wie möhte sich Sîvrit · dâ vor dô bewarn,
er oder ander ieman, · daß si dô truogen an?
daß wart sît in selben · ze grôßem leide getân.
Der künic mit sînen vriunden · rûnende gie.
Hagne von Troneje · in nie geruowen lie.
noch heten eß gescheiden · genuoge sküneges man;
dône wolde et Hagene · nie des râtes abe gân.
Eines tages si Sîvrit · rûnende vant.
dô begunde vrâgen · der helt von Niderlant:
„wie gât sô trûreclîchen · der künic und sîne man?“
daß hilfe ich immer rechen, · hât in iemen iht getân.“
Dô sprach künic Gunther: · „mir ist von schulden leit:
Liudgast und Liudegêr · habent mir widerseit:
si wellen offenlîche · rîten in mîn lant.“
dô sprach der degen küene: · „daß sol Sîvrides hant
„Nâch allen iuwern êren · mit vlîße understân;
ich tuon noch den degenen, · als ich hân ê getân.
ich lege in wüeste ir bürge · und ouch ir lant,
ê daß ich erwinde: · des sî mîn houbet iuwer phant.
„Ir und iuwer recken · sult hie heime bestân
und lât mich zuo in rîten · mit den, die ich hân.
daß ich iu gerne diene, · daß lâße ich iuch sehen:
von mir sol iuwern vînden, · daß wißßet, leide geschehen.“
„Sô wol mich dirre mære,“ · sprach der künic dô,
als ob er ernslîche · der helfe wære vrô.
in valsche neig im tiefe · der ungetriuwe man.
dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ir sult kleine sorge hân.“
Dô schikten si die reise · mit den knehten dan:
Sîvride und den sînen · ze sehene eß was getân.
dô hieß er sich bereiten · die von Niderlant:
Sîvrides recken · suohten strîtlîch gewant.
Dô sprach der starke Sîvrit: · „mîn vater Sigmunt,
ir sult hie belîben: · wir komen in kurzer stunt,
gît uns Got gelücke, · her wider an den Rîn.
ir sult bî dem künege · hie vil vrœlîchen sîn.“
Diu zeichen si ane bunden, · alsô si wolden dan.
dô wâren dâ genuoge · Guntheres man,
dine wessen niht der mære, · wâ von eß was geschehen.
man mohte grôß gesinde · dô bî Sîvride sehen.
Ir helme und ouch ir brünne · si bunden ûf diu marc;
dô wolde von dem lande · vil manec recke starc.
dô gie von Troneje Hagene, · da er Kriemhilde vant,
und bat im geben urloup: · si wolden rûmen daß lant.
„Wol mich,“ sprach Kriemhilt, · deich ie den man gewan,
der mînen lieben vriunden · sô wol tar vor stân,
alse mîn hêr Sîvrit · tuot den vriunden mîn:
des wil ich hôhes muotes,“ · sprach diu küneginne, „sîn.“
„Lieber vriunt, er Hagene, · gedenket an daß,
daß ich iu gerne diene · und noch nie wart gehaß.
des lâßet mich genießen · an mînem lieben man:
er sol des niht enkelten, · hân ich Prünhilt iht getân.
„Des hât mich sît gerouwen,“ · sprach daß edel wîp,
„ouch hât er sô zerblouwen · dar umbe mînen lîp:
daß ichß ie gereite, · daß beswârte ir den muot,
daß hât vil wol errochen · der degen küene unde guot.“
„Ir werdet wol versüenet,“ · sprach er, „nâch disen tagen.
Kriemhilt, liebiu vrouwe, · jâ sult ir mir sagen,
wie ich iu müge dienen · an Sîvride iuwerm man.
daß tuon ich gerne, vrouwe: · baß ichs nieman engan.“
„Ich wære ân alle sorge,“ · sprach dô daß edel wîp,
„daß im ieman næme · in sturme sînen lîp,
ob er niht wolde volgen · sîner übermuot:
sô wær immer sicher · der degen küene unde guot.“
„Vrouwe,“ sprach dô Hagene, · „und habet ir des wân,
daß man in müge versnîden, · ir sult mich wißßen lân,
mit wie getânen listen · sol ichß understên?
ich wil im ze huote · immer rîten unde gên.“
Si sprach: „du bist mîn mâc, · sô bin ich der dîn.
ich bevilhe dir ûf triuwe · den lieben wine mîn,
daß du wol behüetest · mir den lieben man.“
si seit im kundiu mære, · diu beßßer wæren verlân.
Si sprach: „mîn man ist küene, · dar zuo stark genuoc.
dô er den lintdrachen · an dem berge sluoc,
jâ badet sich in dem bluote · der recke vil gemeit,
dâ von in sît in stürmen · dehein wâfen nie versneit.
„Jedoch bin ich in sorgen, · swenne er in strîte stât
und vil der gêrschüßße · von helde handen gât,
daß ich dâ verliese · den mînen lieben man.
hei, waß ich grôßer sorge · dicke umb Sîvriden hân!
„Ich melde eß ûf genâde, · vil lieber vriunt, dir,
daß du dîne triuwe · behaltest ane mir,
dâ man dâ mac verhouwen · den mînen lieben man.
daß lâße ich dich hœren: · dêst ûf genâde getân.
„Dô von des trachen wunden · vlôß daß heiße bluot
und dar inne badete · sich der rîter guot,
dô viel im zwischen herten · ein linden blat vil breit.
dâ mac man in versnîden: · des hân ich sorge unde leit.“
Dô sprach von Tronje Hagene: · „ûf daß sîn gewant
næt ein kleineß zeichen. · dâ bî ist mir bekant,
wâ ich in müge behüeten, · sô wir in stürmen stân.“
si wânde den helt vristen; · eß was ûf sînen tôt getân.
Si sprach: „mit kleinen sîden · næ ich ûf sîn gewant
ein tougenlîcheß criuze. · dâ sol, helt, dîn hant
mînen man behüeten, · so eß an die herte gât,
und er in starken stürmen · vor sînen vîenden stât.“
„Daß tuon ich,“ sprach dô Hagene, · „vil liebiu vrouwe mîn.“
dô wând ouch diu vrouwe, · eß sold im vrume sîn:
dô was dâ mite verrâten · der Kriemhilde man.
urloup nam dô Hagene: · dô gie er vrœlîchen dan.
Daß er revarn hête, · bat im sîn hêrre sagen.
„mugt ir die reise wenden, · sô suln wir rîten jagen.
ich hân nu gar diu mære, · wie ich in gewinnen sol.
muget ir daß gevüegen?“ · „daß tuon ich,“ sprach der künic, „wol“.
Des küneges ingesinde · was alleß wol gemuot.
ich wæne, nimmer recke · deheiner mêr getuot
sô grôße meinræte, · sô dâ von im ergie,
dô sich an sîne triuwe · diu schœne künegîn verlie.
Des anderen morgens · mit tûsent sîner man
reit der hêrre Sîvrit · vil vrœlîchen dan.
er wânde, er solde rechen · sîner vriunde leit.
Hagene im reit sô nâhen, · daß er geschouwet diu kleit.
Als er gesach daß bilde, · dô schikte er tougen dan,
die seiten andriu mære, · zwêne sîner man:
mit vride solde belîben · daß Guntheres lant,
und si hete Liudegêr · zuo dem künige gesant.
Wie ungerne Sîvrit · dô hin wider reit,
er enhete ê gerochen · sîner vriunde leit!
wan in der reise erwanden · vil kûme Gunthers man.
er reit zuo dem künege: · der wirt im danken began.
„Nu lône iu Got des willen, · vriunt, hêr Sîvrit,
daß ir sô willeclîchen · tuot, des ich iuch bit:
daß wil ich immer dienen, · als ich von rehte sol.
vür alle mîne vriunde · sô getrouwe ich iu wol.
„Nu wir der herverte · ledec worden sîn,
sô wil ich jagen rîten · bern unde swîn
hin zuo dem Oten walde, · als ich vil dicke hân.“
daß hete gerâten Hagene, · der vil ungetriuwe man.
„Allen mînen gesten · sol man daß nu sagen,
ich welle vruo rîten: · die wellen mit mir jagen,
daß sich die bereiten; · die wellen hie bestân,
hübschen mit den vrouwen: · daß sî liep mir getân.“
Dô sprach der starke Sîvrit · mit hêrlîchem site:
„swenne ir jagen rîtet, · sô wil ich gerne mite.
sô sult ir mir lîhen · einen suochman
und etelîchen bracken: · sô wil ich mit iu in den tan.“
„Welt ir niht wan einen?“ · sprach der künic zehant.
„ich lîhe iu, welt ir, viere, · den wol ist bekant
der walt und ouch die stîge, · swâ diu tier gânt,
die iuch niht urwîse · wider heim rîten lânt.“
Dô reit zuo sînem wîbe · der rîter vil gemeit.
schiere hete Hagene · dem künige geseit,
wie er gewinnen wolde · den tiuwerlîchen degen.
sus grôßer untriuwe · solde nimmer man gephlegen.
Dô die vil ungetriuwen · ûf geleiten sînen tot,
si wistenß al gemeine; · Gîselher und Gêrnôt
wolden niht jagen rîten. · ineweiß, durch welhen nît
daß si in niht enwarenden; · iedoch erarneten siß sît.
Gunther und Hagene · die recken vil balt
lobeten mit untriuwen · ein pirsen in den walt.
mit ir scharphen gêren · si wolden jagen swîn,
beren unde wisende: · waß kunde küeners gesîn?
Dâ mite reit ouch Sîvrit · in êrlîchem site.
maneger hande spîse · die vuorte man in mite.
zuo eime kalten brunnen · verlôs er sît den lîp.
daß hete gerâten Prünhilt, · künic Guntheres wîp.
Dô gie der degen küene, · da er Kriemhilde vant.
dô was nû ûf gesoumet · sîn edel pirsgewant
und ouch der gesellen: · si wolden über Rîn.
do endorfte Kriemhilde · nimmer leider gesîn.
Sîne triutinne · kust er an den munt:
„Got lâße mich dich, vrouwe, · gesehen noch gesunt
und mich ouch dîniu ougen. · mit holden mâgen dîn
soltu kurzwîlen: · ine mac heime niht gesîn.“
Dô dâhtes an diu mære, · si entorste ir niht sagen,
diu si Hagenen seite: · dô begunde klagen
diu edel küneginne, · daß si ie gewan den lîp.
dô weinde âne mâße · daß vil wunderschœne wîp.
Si sprach zuo dem recken: · „lât iuwer jagen sîn.
mir troumde hînt leide, · wie iuch zwei wildiu swîn
jageten über heide: · dâ wurden bluomen rôt.
daß ich sô sêre weine, · des gêt mir armen wîbe nôt.
„Jâ vürhte ich harte sêre · etelîchen rât,
ob man der deheinen · missedienet hât,
die uns gevüegen kunnen · vîentlîchen haß.
belîbet, lieber hêrre, · mit triuwen râte ich iu daß.“
„Mîn liebiu triutinne, · ich kume in kurzen tagen.
ine weiß hie niht der liute, · die mir iht haßßes tragen.
alle dîne mâge · sint mir gemeine holt;
ouch hân ich an den degenen · hie niht anders versolt.“
„Neinâ, hêrre Sîvrit, · jâ vürhtich dînen val.
mir troumde hînt leide, · wie obe dir ze tal
vielen zwêne berge: · ine sach dich nimmer mê.
wiltu von mir scheiden, · daß tuot mir inneclîchen wê.“
Er umbevie mit armen · daß tugentrîche wîp,
mit minneclîchem küssen · er trûte ir schœnen lîp.
mit urloube er dannen · schiet in kurzer stunt.
sine gesach in leider · dar nâch nimmer mêr gesunt.
Dô riten si von dannen · in einen tiefen walt
durch kurzewîle willen; · vil manec rîter balt
riten mit dem wirte; · man vuorte ouch mit in dan
vil der edelen spîse, · die die helden solden hân.
Geladen vil der rosse · kom vor in über Rîn,
diu den jeitgesellen · truogen brôt unt wîn,
vleisch mit den vischen · und ander manegen rât,
den ein künic sô rîche · harte billîchen hât.
Si hießen herbergen · vür den grüenen walt
gêns wildes abeloufe · die stolzen jegere balt,
dâ si dâ jagen solden, · ûf einen wert vil breit.
dô was ouch komen Sîvrit: · daß wart dem künige geseit.
Von den jeitgesellen · wurden dô bestân
die warte an allen ende. · dô sprach der küene man,
Sîvrit der vil starke: · „wer sol uns in den walt
wîsen nâch dem wilde, · ir degne küene unde balt?“
„Welle wir uns scheiden,“ · sprach dô Hagene,
„ê daß wir beginnen · hie ze jagene:
dâ bî mugen bekennen · ich und der hêrre mîn,
wer die besten jegere · an diser waltreise sîn.
„Liute unde hunde · suln wir teilen gar:
sô kêre ieslîcher, · dar er gerne var.
der danne jage beste, · der sol des haben danc.“
dô was der jeger bîten · bî ein ander niht lanc.
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ich hân der hunde rât
wan einen bracken, · der sô genoßßen hât,
daß er die verte erkenne · der tiere durch den tan.
wir komen wol ze jeide,“ · sprach der Kriemhilde man.
Dô nam ein alter jegere · einen spürhunt:
er brâhte den hêrren · in einer kurzen stunt,
dâ si vil tiere vunden: · swaß der von leger stuont,
diu erjeiten die gesellen, · sô noch guote jeger tuont.
Swaß ir der bracke ersprancte, · diu sluoc mit sîner hant
Sîvrit der küene, · der helt von Niderlant.
sîn ros lief sô sêre, · daß ir im niht entran.
den lop er vor in allen · an dem gejeide gewan.
Er was an allen dingen · biderbe genuoc.
sîn tier daß êrste, · daß er ze tôde sluoc,
was ein starkeß halpswuol, · mit der sîner hant;
dar nâch er vil schiere · einen grimmen leuwen vant.
Der bracke den ersprancte: · er schôß in mit dem bogen.
eine scharfe strâle · hete er dar in gezogen:
der leuw lief nâch dem schußße · wan drîer sprünge lanc.
sîne jeitgesellen · die seiten Sîvride danc.
Dar nâch sluoc er schiere · einen wisent und einen elch,
starker ûre viere · und einen grimmen schelch.
sîn ros truoc in sô balde, · daß im niht entran.
hirße oder hinde · kunde im wênec enkân.
Einen eber grôßen · vant der spürhunt.
als er begunde vliehen, · dô kom an der stunt
des gejeides meister · bestuont in ûf der slâ.
daß swîn zorneclîchen · lief an den küenen degen sâ.
Dô sluoc in mit dem swerte · Kriemhilde man:
eß hete ein ander jegere · sô sanfte niht getân.
dô ern hete ervellet, · man vie den spürhunt.
dô wart sîn rîch gejeide · allen Burgunden kunt.
Dô sprâchen sîne jegere: · „mag eß mit vuoge wesen,
sô lât uns, hêr Sîvrit, · der tier ein teil genesen:
ir tuot uns hiute lære · den berc und ouch den walt.“
des begonde smielen · der degen küene unde balt.
Si hôrten allenthalben · ludem unde dôß.
von liuten und von hunden · der schal was sô grôß,
daß in dâ von antwurte · der berc und ouch der tan.
vier und zweinzec ruore · die jeger hêten verlân.
Dô muosen vil der tiere · verliesen dâ daß leben.
dô wânden si vüegen, · daß man solde geben
in den prîs des jeides: · des kunde niht geschehen,
dô der starke Sîvrit · wart zer viurstat gesehen.
Daß jeit was ergangen · unde doch niht gar.
die zer viurstat wolden, · die brâhten mit in dar
vil maneger hande hiute · und wildes genuoc.
hei, waß des ze kuchen · des küneges ingesinde truoc!
Dô hieß der künic künden · den jegern wol geborn,
daß er enbîßen wolde. · dô wart lûte ein horn
zeiner stunt geblâsen: · dâ mite wart erkant,
daß man den vürsten edele · dâ zen herbergen vant.
Dô sprach ein Sîvrides jegere: · „hêrre, ich hân vernomen
von eines hornes dußße, · daß wir nu suln komen
zuo den herbergen: · antwurten ich des wil.“
dô wart nâch den gesellen · gevrâget blâsende vil.
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „nu rûme wir den tan!“
sîn ros truoc in ebene: · si îlten mit im dan.
si ersprancten mit ir schalle · ein tier gremelich,
einen bern wilden. · dô sprach der degen hinder sich:
„Ich wil uns hergesellen · kurzwîle wern.
ir solt den bracken lâßen: · ich sihe einen bern;
der sol mit uns hinnen · zen herbergen varn.
ern vliehe danne sêre, · ern kan sichs nimmer bewarn.“
Der bracke wart verlâßen, · der ber spranc von dan.
dô wolde in errîten · Kriemhilde man.
er kom in ein gevelle: · done kunde eß niht wesen;
daß starke tier dô wânde · vor den jegeren genesen.
Dô spranc von sîme rosse · der stolze rîter guot,
er begunde nâch loufen. · daß tier was unbehuot,
eß enkunde im niht entrinnen: · dô vie erß sâ zehant;
ân alle wunden · der helt eß schiere gebant.
Krazen noch gebîßen · kunde eß niht den man.
er band eß zuo dem satele: · ûf saß der snelle sân,
er brâhte eß an die viuwerstat · durch sînen hôhen muot
zeiner kurzwîle, · der degen küene unde guot.
Wie rehte hêrlîche · er ze herbergen reit!
sîn gêr was vil michel, · starc unde breit;
im hie ein zier wâfen · nider ûf den sporn.
von rôteme golde · der hêrre vuorte ein schœne horn.
Von beßßerm pirsgewæte · hôrte ich nie gesagen.
einen roc swarz phellîn · sach man in tragen
und einen huot von zobele, · der rîche was genuoc.
hei, waß er borten · an sîme kochære truoc!
Von eineme pantel · dar über was gezogen
ein hût durch die süeße. · ouch vuorter einen bogen,
den man mit antwerke · muose ziehen dan,
der in spannen wolde, · ern heteß selbe getân.
Von einer ludmes hiute · was alleß sîn gewant;
von houbet unz anß ende · gestreut man drûfe vant.
ûß der liehten riuhe · vil manec goldes zein
ze beiden sînen sîten · dem küenen jegermeister schein.
Ouch vuorte er Balmungen, · ein ziere wâfen breit:
daß was alsô scherphe, · daß eß nie vermeit,
swâ manß sluoc ûf helme: · sîn ecke wâren guot.
der hêrlîche jegere · was vil hôhe gemuot.
Sît ich iu diu mære · gar bescheiden sol,
im was sîn edel kocher · guoter strâle vol,
von guldînen tüllen, · diu sahs wol hende breit.
eß muoste balde ersterben, · swaß er dâ mit versneit.
Dô reit der rîter edele · vil weidenlîche dan.
in sâhen zuo in komende · Guntheres man:
si liefen im enkegene · und enphiengen im daß marc:
dô vuorte er bî dem satele · den beren grôß unde starc.
Als er gestuont von rosse, · dô lôste er im diu bant
von vuoße und ouch von munde. · do erlûte sâ zehant
vil lûte daß gehünde, · swaß es den bern sach.
daß tier ze walde wolde: · die liute hetens ungemach.
Der ber von dem schalle · durch die kuche geriet:
hei, waß er kuchenknehte · von dem viuwer schiet!
vil keßßele wart gerüeret, · zervüeret manec brant;
hei, waß man guoter spîse · in dem aschen ligen vant!
Dô sprungen von dem sedele · die hêrren und ir man.
der ber begunde zürnen; · der künic hieß dô lân
alleß daß gehünde, · daß an seilen lac;
und wære eß wol verendet, · si heten vrœlîchen tac.
Mit bogen und mit spießen, · niht langer man daß lie,
dar liefen dô die snellen, · dâ der bere gie.
dô was sô vil der hunde, · daß dâ nieman schôß.
von des liutes schalle · daß gebirge alleß erdôß.
Der ber begunde vliehen · vor den hunden dan:
im kunde niht gevolgen · wan Kriemhilde man.
er erlief in mit dem swerte, · ze tôde er in dô sluoc.
hin zuo dem viure · man den beren wider truoc.
Dô sprâchen, die daß sâhen, · er wære ein kreftec man.
die stolzen jeitgesellen · hieß man ze tische gân.
ûf einen schœnen anger · saß ir dâ genuoc.
hei, waß man rîterspîse · dô den stolzen jegern truoc!
Die schenken kômen seine, · die tragen solden wîn;
eß enkunde baß gedienet · nimmer helden sîn.
heten si dar under · niht sô valschen muot,
sô wæren wol die recken · vor allen schanden behuot.
Done hete niht der sinne · der küene veige man,
daß er ir untriuwe · kunde sich verstân.
er was in ganzen tugenden · alles valsches blôß;
sîns tôdes muose engelten sît, · der sîn nie niht genôß.
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „wunder mich des hât,
sît man uns von kuchen · gît sô manegen rât,
war umbe uns die schenken · dar zuo niht bringen wîn:
man phlege baß der jegere, · ich wil niht jeitgeselle sîn.
„Ich hete wol verdienet, · daß man mîn næme war.“
der künic von dem tische · sprach in valsche dar:
„man sol iu gerne büeßen, · swes wir gebresten hân.
eß ist von Hagnen schulde: · der wil uns erdürsten lân.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „lieber hêrre mîn,
ich wânde, daß pirsen · solde hiute sîn
dâ zem Spehtsharte: · den wîn den sande ich dar.
sîn wir hiut ungetrunken, · wie wol ich mêre daß bewar.“
Dô sprach der hêrre Sîvrit: · „ir lîp der habe undanc.
man sold mir siben soume · met und lûtertranc
haben her gevüeret. · dô des niht mohte sîn,
dô sold man uns gesidelet · haben nâher an den Rîn.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „ir edelen rîter balt,
ich weiß hie vil nâhen · einen brunnen kalt:
daß ir niht enzürnet: · dâ sul wir hine gân.“
der rât wart manegem degene · ze grôßen sorgen getân.
Sîvriden den recken · twanc des durstes nôt;
den tisch er deste zîter · ruken dan gebôt:
er wolde vür die berge · zuo dem brunnen gân.
dô was der rât mit meine · von den degenen getân.
Diu tier hieß man ûf wägenen · und vüeren in daß lant,
diu dâ hete verhouwen · Sîvrides hant.
man jach im grôßer êren, · swer eß ie gesach.
Hagne sîne triuwe · sêre an Sîvride brach.
Dô si wolden dannen · zuo der linden breit,
dô sprach von Troneje Hagene: · „mir ist des vil geseit,
daß niht gevolgen kunde · dem Kriemhilde man,
swenne er welle gâhen; · hei! wolde er uns daß sehen lân!“
Dô sprach von Niderlande · der küene Sîvrit:
„daß muget ir wol versuochen, · welt ir mir volgen mit
ze wette zuo dem brunnen. · sô daß ist getân,
dem sol man jehen danne, · den man siht ze vorderst stân.“
„Nu welle wirß versuochen,“ · sprach Hagne der degen.
dô sprach der starke Sîvrit: · „sô wil ich mich legen
vür iuwer vüeße · nider an daß gras.“
dô er daß gehôrte, · wie liep daß Gunthere was!
Dô sprach der degen küene: · „ich wil iu mêre sagen:
alleß mîn gewæte · wil ich mit mir tragen,
den gêr zuo dem schilde · und mîn pirsgewant.“
den kocher zuo dem swerte · vil schier er umbe gebant.
Dô zugen si diu kleider · von dem lîbe dan:
in zwein wîßen hemden · sach man si beide stân.
sam zwei wildiu pantel · si liefen durch den klê;
doch sach man bî dem brunnen · den küenen Sîvriden ê.
Den prîs an allen dingen · truoc er vor manegem man.
daß swert lôste er schiere, · den kocher leit er dan,
den starken gêr er leinde · an der linden ast:
bî des brunnen vlußße · stuont der hêrlîche gast.
Die Sîvrides tugende · wâren harte grôß.
den schilt er leite nidere, · dâ der brunne vlôß:
swie harte sô in durste, · der helt doch niht entranc,
ê der künec getrunke: · des seit er im vil bœsen danc.
Der brunne was küele, · lûter unde guot.
Gunther sich dô neigete · nider zuo der vluot.
als er hete getrunken, · dô rihte er sich von dan:
alsam het ouch gerne · der küene Sîvrit getân.
Do engalt er sîner zühte. · den bogen und daß swert
daß truoc alleß Hagene · von im danwert
und spranc dâ hin widere, · da er den gêre vant.
er sach nâch einem bilde · an des küenen gewant.
Dô der hêrre Sîvrit · ob dem brunnen tranc,
er schôß in durch daß kriuze, · daß von der wunden spranc
daß bluot von dem herzen · vaste an Hagnen wât.
solher missewende · ein helt nu nimmer begât.
Den gêr im gên dem herzen · stecken er dô lie.
alsô grimmeclîche · ze flühte Hagne nie
gelief in der werlde · vor deheinem man.
dô sich der starke Sîvrit · der grôßen wunden versan,
Der hêrre tobelîchen · von dem brunnen spranc;
im ragete von den herten · ein gêrstange lanc.
der vürste wânde vinden · bogen oder swert:
sô müese wesen Hagene · nâch sîme dienste gewert.
Dô der sêre wunde · des swertes niht envant,
done het et er niht mêre · wan des schildes rant:
er zuct in von dem brunnen, · dô lief er Hagnen an:
done kunde im niht entrinnen · des künic Guntheres man.
Swie wunt er was zem tôde, · sô krefteclîch er sluoc,
daß ûßer dem schilde · dræte genuoc
des edelen gesteines; · der schilt vil gar zerbrast.
sich hete gerne errochen · der vil hêrlîche gast.
Hagene muose strûchen · vor sîner hant ze tal;
von des slages krefte · der wert vil lûte erhal.
het er sîn swert enhende, · sô wær eß Hagenen tôt.
sêre zurnde der wunde, · des twanc in êhaftiu nôt.
Erblichen was sîn varwe: · ern mohte niht gestên.
sînes lîbes sterke · muoste gar zergên,
wande er des tôdes zeichen · in liehter varwe truoc.
sît wart er beweinet · von schœnen vrouwen genuoc.
Dô viel in die bluomen · der Kriemhilde man.
daß bluot von sîner wunden · sach man vaste gân.
dô begunder schelten, · des twanc in grôßiu nôt,
die ûf in gerâten · heten ungetriuwe den tôt.
Dô sprach der verchwunde: · „jâ ir bœsen zagen,
waß helfent mîniu dienest, · sît ir mich habet erslagen?
ich was iu ie getriuwe: · des ich enkolten hân.
ir habt an iuwern vriunden · leider übele getân.
„Die sint dâ von bescholden, · swaß ir wirt geborn
her nâch disen zîten. · ir habt iuwern zorn
gerochen al ze sêre · an dem lîbe mîn.
mit laster gescheiden · sult ir von guoten recken sîn.“
Die rîter liefen alle, · dâ er erslagen lac.
eß was ir genuogen · ein vreudelôser tac.
die iht triuwe hêten, · von den wart er gekleit:
daß het ouch wol gedienet · umb alle liute der helt gemeit.
Der künec von Burgunden · klagte ouch sînen tôt.
dô sprach der verchwunde: · „daß ist âne nôt,
daß der nâch schaden weinet, · der in dâ hât getân:
der dienet michel schelten: · eß wære beßßer verlân.“
Dô sprach der grimme Hagene: · „jane weiß ich, waß ir kleit.
eß hat nu alleß ende an uns, · sorge unde leit.
wir vinden ir nu wênec, · die getürren uns bestân;
wol mich, deich sîner hêrschaft · hân ze râte getân.“
„Ir muget iuch lîhte rüemen,“ · sprach dô Sîvrit.
„het ich an iu erkunnet · den mortlîchen sit,
ich hete wol behalten · vor iu mînen lîp.
mich riuwet niht sô sêre · sô vrou Kriemhilt mîn wîp.
„Nu müeße Got erbarmen, · deich ie gewan den sun,
dem man itewîßen · sol daß her nâch tuon,
daß sîne mâge ieman · mortlîch hânt erslagen.
möhte ichß verenden, · daß solde ich pillîche klagen.
„Zer werlde wart nie mêre · grœßer mort begân,“
sprach er zuo dem künege, · „denne an mir ist getân.
ich behielt iu lîp und êre · in angestlîcher nôt;
ich hâns engolten sêre, · daß ichß iu ie sô wol erbôt.“
Dô sprach jæmerlîche · der verchwunde man:
„welt ir, künic edele, · triuwen iht began
in der werlde an iemen, · lât iu bevolhen sîn
ûf iuwer genâde · die lieben triutinne mîn.
„Lât si des genießen, · daß si iuwer swester sî:
durch aller vürsten tugende · wont ir mit triuwen bî.
mir müeßen warten lange · mîn vater und mîne man:
eß enwart nie vrouwen leider · an liebem vriunde getân.“
Er ramph sich bitterlîche, · als im diu nôt gebôt,
und sprach dô jæmerlîche: · „der mortlîche tôt
mag iuch wol geriuwen · her nâch disen tagen:
geloubt an rehten triuwen, · daß ir iuch selben habt erslagen.“
Die bluomen allenthalben · von bluote wâren naß.
dô ranger mit dem tôde, · unlange tet er daß,
wan des tôdes wâfen · ie ze sêre sneit.
dô mohte reden niht mêre · der recke küene unde gemeit.
Dô die hêrren sâhen, · daß der helt was tôt,
si leiten in ûf einen schilt, · der was von golde rôt,
und wurden des ze râte, · wie daß solde ergân,
daß man eß verhæle, · daß eß Hagne hete getân.
Dô sprâchen ir genuoge: · „uns ist übel geschehen.
ir sult eß heln alle · und sult gelîche jehen:
da er jagen rite aleine, · Kriemhilde man,
in slüegen schâchære, · dâ er vüere durch den tan.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „ich bring in in daß lant.
mir ist vil unmære, · wirt eß ir bekant,
diu sô hât betrüebet · den Prünhilde muot.
eß ahtet mich vil ringe, · swaß si nu weinen getuot.“
Von dem selben brunnen, · dâ Sîvrit wart erslagen,
sult ir die rehten wârheit · von mir hœren sagen:
vor dem Otenwalde · ein dorf lît, Otenheim:
dâ vliußet noch der brunne, · des ist zwîvel dehein.
Dô biten si der nahte · und vuoren über Rîn:
von helden kunde nimmer · wirs gejaget sîn.
ein tier, daß si dâ sluogen, · daß weinden edeliu wîp:
jâ muosen sîn enkelten · vil guoter wîgande lîp.
Von grôßer übermüete · muget ir hœren sagen
und eislîcher râche. · eß hieß Hagne tragen
Sîvriden alsô tôten · von Niblunge lant
vür eine kemenâten, · dâ man Kriemhilde vant.
Er hieß in tougenlîche · legen an die tür,
daß si in dâ vinden solde, · sô si gienge dervür
hin ze mettîne, · ê daß eß wurde tac,
der diu vrouwe Kriemhilt · vil selten eine verlac.
Man lûte dâ zem münster · nâch gewoneheit:
Kriemhilt diu vil schœne · wacte manege meit.
ein lieht bat si ir bringen · und ouch ir gewant;
dô kom ein kamerære, · dâ er Sîvriden vant.
Er sach in bluotes rôten, · sîn wât was elliu naß.
daß eß sîn hêrre wære, · niht enwesser daß.
hin ze der kemenâten · daß lieht er truoc enhant,
bî dem vil leide mære · vrouwe Kriemhilt ervant.
Dô si mit ir vrouwen · ze kirche wolde gân,
dô sprach der kamerære: · „vrouwe, ir sult stille stân:
eß lît vor dem gademe · ein rîter tôt erslagen.“
„Ouwê,“ sprach vrou Kriemhilt, · „waß wiltu solher mære sagen?“
Ê si rehte ervunde, · daß eß wære ir man,
an die Hagenen vrâge · denken si began,
wie er solde in vristen: · êrst dô wart ir leit.
von ir was allen vreuden · mit sîme tôde widerseit.
Si seic zuo der erden, · daß si niht ensprach:
die schœnen vreudelôsen · ligen man dô sach.
Kriemhilde jâmer · wart unmâßen grôß.
dô schrei si nâch unkreften, · daß al diu kemenâte erdôß.
Dô sprach daß gesinde: · „waß, obeß ist ein gast?“
daß bluot ir ûß dem munde · vor herzen jâmer brast.
(si sprach): „nein, eß ist Sîvrit, · mîn vil lieber man:
eß hât gerâten Prünhilt, · daß eß Hagne hât getân.“
Diu vrouwe bat sich wîsen, · dâ si den helt vant.
si huop sîn schœne houbet · mit ir vil wîßen hant.
swie rôt er was von bluote, · si hete in schiere erkant.
dô lac vil jæmerlîche · der helt von Nibelunge lant.
Dô rief trûreclîchen · diu küneginne milt:
„wê mir dises leides: · nu ist dir doch dîn schilt
mit swerten niht verhouwen: · du lîst ermorderôt.
wesse ich, wer eß het getân, · ich riete im immer sînen tôt.“
Alleß ir gesinde · klagete unde schrê
mit ir lieben vrouwen, · wande in was vil wê
umb ir edelen hêrren, · der dâ was verlorn.
gerochen hete Hagene · vil übele Prünhilde zorn.
Dô sprach diu jâmerhafte: · „ir sult hine gân
und wecket harte balde · die Sîvrides man.
ir sult ouch Sigmunde · mînen jâmer sagen,
ob er mir helfen welle · den küenen Sîvriden klagen.“
Dô lief ein bote balde, · dâ er ligen vant
Sîvrides helde · von Niblunge lant.
mit den vil leiden mæren · ir vreude er in benam;
si woldenß niht gelouben, · ê man daß weinen vernam.
Der bote kom ouch schiere, · dâ der künic lac.
Sigmunt der hêrre · des slâfes niene phlac:
ich wæn, sîn herze im seite, · daß im was geschehen,
daz er sînen lieben sun · nimmer solde mêr gesehen.
„Wachet, hêrre Sigmunt! · mich bat nâch iu gân
Kriemhilt mîn vrouwe: · der ist ein leit getân,
daß ir vor allen leiden · an ir herze gât:
daß sult ir klagen helfen, · wan eß sêre iuch bestât.“
Ûf rihte sich dô Sigemunt, · er sprach: „waß sint diu leit
der schœnen Kriemhilde, · sô du hâst geseit?“
der bote sprach mit weinen: · „si muoß von schulden klagen:
jâ ist von Niderlanden · der küene Sîvrit erslagen.“
Dô sprach der künic Sigemunt: · „lât daß schimpfen sîn
und alsô bœsiu mære · von dem sune mîn,
daß ir saget ieman, · daß er sî erslagen,
wan ich enkunde in nimmer · unz an mîn ende verklagen.“
„Und welt irß niht gelouben, · daß ir mich hœret sagen,
sô vernemet selbe · Kriemhilde klagen
und alleß ir gesinde · den Sîvrides tôt.“
vil sêre schrac dô Sigmunt: · des gie im wærlîchen nôt.
Mit hundert sîner manne · er von dem bette spranc.
si zucten zuo den handen · diu scharphen wâfen lanc:
si liefen zuo dem wuofe · jâmerlîchen dan.
dô kômen tûsent recken, · des küenen Sîvrides man.
Dô si sô jâmerlîche · die vrouwen hôrten klagen,
dô wânden sumelîche, · si solden kleider tragen.
jane mohten si der sinne · vor leide niht gehaben:
in was michel swære · in ir herze begraben.
Dô kom der künic Sigemunt, · da er Kriemhilde vant.
er sprach: „ouwê der reise · her in ditze lant.
wer hât mich mînes kindes · und iuch des iuwern man
bî alsô guoten vriunden · sus mortlîch âne getân?“
„Solde ich den bekennen,“ · sprach daß vil edel wîp,
„holt wurde im nimmer · mîn herze noch mîn lîp:
ich riete im alse leides, · daß al die vriunde sîn
mit jâmer müesen weinen, · daß wißßet, von den schulden mîn.“
Sigemunt mit armen · den vürsten umbeslôß.
dô wart von sînen vriunden · der jâmer alsô grôß,
daß von dem starken wuofe · palas unde sal
und diu stat ze Wormße · von ir weinen erschal.
Done kunde nieman trœsten · Sîvrides wîp.
man zôch ûß den kleidern · sînen schœnen lîp
und wuosch im sîne wunde, · man leite in ûf den rê.
dô was sînen liuten · von starkem jâmer vil wê.
Eß sprâchen sîne recken · ûß Niblunge lant:
„in sol immer rechen · mit willen unser hant.
er ist in disem hûse, · der eß hât getân.“
dô ilten sich wâfenen · alle Sîvrides man.
Die ûß erwelten degene · mit schilden kômen dar,
einlif hundert recken: · die hete an sîner schar
Sigmunt der rîche. · sînes sunes tôt
wolde er gerne rechen, · als im sîn triuwe daß gebôt.
Sine wessen, wen si solden · mit strîte dô bestân,
si entæten Guntheren · und ouch sîne man,
mit den der hêrre Sîvrit · an daß gejeide reit.
Kriemhilt sach si gewâfent; · daß was ir grœßlîche leit.
Swie michel wær ir jâmer · und wie starc ir nôt,
doch vorhte si sô harte · der Niblunge tôt
von ir bruoder mannen, · daß si eß understuont.
si warnt si güetlîche, · sô vriunde liebe vriunde tuont.
Dô sprach diu jâmers rîche: · „mîn hêr Sigmunt,
wes welt ir beginnen? · iu ist niht rehte kunt.
jâ hât künic Gunther · sô manegen küenen man:
ir welt iuch alle vliesen, · welt ir die recken bestân.“
Mit ûf erburten schilden · was in ze strîte nôt.
diu edel küneginne · si bat und ouch gebôt,
daß eß mîden solden · die recken vil gemeit.
daß wolden si niht lâßen, · daß was ir wærlîche leit.
Si sprach: „mîn hêr Sigmunt, · ir sult eß lâßen stân,
unz eß sich baß vüege: · sô wil ich mînen man
immer mit iu rechen. · der mir in hât benomen,
wird ich des bewîset, · eß muoß im schedlîchen komen.
„Eß ist der übermüeten · hie bî Rîne vil,
dâ von ich iu des strîtes · râten niht enwil.
si habent wider einen · ie wol drîßec man;
Got lâß in gelingen, · als si umb uns gedienet hân.
„Ir sult hie belîben · und dolt mit mir diu leit,
unz eß tagen beginne, · ir helde vil gemeit:
sô helfet mir beserken · mînen lieben man.“
dô sprâchen die degene: · „vrouwe liep, daß sî getân.“
Iu enkunde nieman · daß wunder volsagen
von rîtern und von vrouwen, · wie man die hôrte klagen,
sô daß man des wuofes · wart in der stat gewar.
die edelen burgære · kômen gâhende dar.
Si klagten mit den gesten, · wan in was harte leit.
Sîvrides schulde · in wâren niht geseit,
durch waß der edel recke · verlôs dâ sînen lîp.
dô weinden mit den vrouwen · der guoten burgære wîp.
Smide hieß man gâhen · wurken einen sarc
von silber und von golde, · michel unde starc,
und hieß in vaste spengen · mit stahel, der was guot.
dô was al den liuten · harte trûrec der muot.
Diu naht was ergangen: · man seite, eß wolde tagen.
dô hieß diu edel vrouwe · zuo dem münster tragen
den vil edelen tôten, · ir vil lieben man.
swaß er dâ vriunde hête, · die sach man weinende gân.
Dô si in zem münster brâhten, · wie vil dâ glocken klanc!
man hôrte allenthalben · maneges phaphen sanc.
dô kom der künic Gunther · dar mit sînen man
und ouch der grimme Hagene; · daß wære beßßer verlân.
Er sprach: „liebiu swester, · wê der leide dîn.
daß wir niht mohten âne · sô grôßes schaden sîn.
wir müeßen klagen immer · Sîvrides lîp.“
„daß tuot ir âne schulde,“ · sprach daß jâmerhafte wîp.
„Wær iu dar umbe leide, · sone wær es niht geschehen.
ir hetet mîn vergeßßen, · des mag ich wol jehen,
dâ ich dâ wart gescheiden · von mîme lieben man.
daß wolde Got von himele, · wær eß mir selber getân.“
Si buten vaste ir lougenen; · Kriemhilt begunde jehen:
„swelher sî unschuldec, · der lâße daß besehen.
der sol zuo der bâre · vor den liuten gân:
dâ mac man die wârheit · harte schiere bî verstân.“
Daß ist ein michel wunder: · dicke eß noch geschiht,
swâ man den mortmeilen · bî dem tôten siht,
sô bluotent im die wunden; · sam ouch dâ geschach;
dâ von man die schulde · dâ ze Hagenen gesach.
Die wunden vlußßen sêre, · alsam si tâten ê.
die ê dâ sêre klageten, · des wart nu michel mê.
dô sprach künic Gunther: · „ich wilß iuch wißßen lân.
in sluogen schâchære: · Hagene hât es niht getân.“
„Mir sint die schâchære,“ · sprach si, „vil wol bekant.
nu lâße eß Got errechen · noch sîner vriunde hant.
Gunther und Hagene, · jâ habet irß getân.“
die Sîvrides degene · hêten dô zuo strîte wân.
Dô sprach aber Kriemhilt: · „nu dolt mit mir die nôt.“
dô kômen dise beide, · dâ si in vunden tôt,
Gêrnôt ir bruoder · und Gîselher daß kint.
mit triuwen si in klageten; · ir ougen wurden naßßes blint.
Si weinden inneclîche · Kriemhilde man.
man wolde messe singen: · zuo dem münster dan
giengen allenthalben · man unde wîp.
die sîn doch lîhte enbâren, · die weinden Sîvrides lîp.
Gêrnôt unde Gîselher · sprâchen: „swester mîn,
nu trœste dich nâch tôde, · als eß iedoch muoß sîn.
wir wellen dichs ergetzen, · die wîle wir leben.“
dône kunde ir nieman · trôst neheinen gegeben.
Sîn sarc was bereitet · wol umbe mitten tac;
man huob in von der bâre, · dâ er ûfe lac.
in wolde noch diu vrouwe · lâßen niht begraben:
des muosen al die liute · michel arbeite haben.
In einen rîchen phelle · man den tôten want.
ich wæne, man dâ ieman · âne weinen vant.
dô klagte herzenlîche · Uote, ein edel wîp,
und al ir ingesinde · Sîvrides wætlîchen lîp.
Dô man gehôrte, · daß man zem münster sanc
und in besarket hête, · dâ huop sich grôß gedranc:
durch willen sîner sêle · waß man ophers truoc!
er hete bî den vînden · doch guoter vriunde genuoc.
Kriemhilt diu arme · zir kameræren sprach:
„ir sult durch mîne liebe · lîden ungemach:
die im guotes günnen · und mir wesen holt,
durch Sîvrides sêle · sol man in teilen sîn golt.“
Dehein kint was sô kleine, · daß witze mohte haben,
eß muose gên zem opher, · ê er wurde begraben.
wol hundert messe · man des tages sanc.
von Sîvrides vriunden · wart dô grôßer gedranc.
Dô man het gesungen, · daß volc sich huop von dan.
dô sprach vrou Kriemhilt: · „irn sult niht eine lân
hînte mich bewachen · den ûß erwelten degen.
eß ist an sîme lîbe · al mîn vreude gelegen.
„Drî tac und drî nahte · wil ich in lâßen stân,
unz ich mich geniete · mîns vil lieben man.
waß, ob Got gebiutet, · daß mich ouch nimt der tôt?
sô wære wol verendet · mîn armer Kriemhilde nôt.“
Ze herbergen giengen · die liute von der stat.
phaffen unde müniche · si belîben bat
und alleß sîn gesinde, · daß des heldes phlac.
si heten naht vil arge · und vil müelîchen tac.
Ân eßßen und ân trinken · beleib dâ manec man.
die eß nemen wolden, · den wart daß kunt getân,
man gæbes in den vollen: · daß schuof er Sigmunt.
dô was den Niblungen · vil michel arbeite kunt.
Die drîe tagezîte, · sô wir hœren sagen,
die dâ kunden singen, · daß si muosen tragen
vil der arbeite: · waß man in ophers truoc!
die dâ arme wâren, · die wurden rîche genuoc.
Swaß man vant der armen, · die es niht mohten hân,
die hieß man doch zem opher · mit dem golde gân
ûß sîn selbes kamere: · dô er niht solde leben,
umbe sîne sêle · wart manec tûsent marc gegeben.
Urbor ûf der erden · teiltes in diu lant,
swâ sô man klôster · und guote liute vant.
silber gap man unde wât · den armen dâ genuoc.
si tet dem wol gelîche, · daß sim holden willen truoc.
An dem dritten morgen · ze rehter messezît
sô was bî dem münster · der kirchhof alsô wît
von den lantliuten · weinennes alsô vol:
si dienden im nâch tôde, · als man lieben vriunden sol.
In den tagen vieren, · man hât gesaget daß,
ze drîßec tûsent marken · oder dannoch baß
wart durch sîne sêle · den armen dâ gegeben.
dô was gelegen ringe · sîn grôßiu schœne und ouch sîn leben.
Dô Gote wart gedienet · und man vol gesanc,
mit ungevüegem leide · vil des volkes ranc.
man hieß in ûß dem münster · zuo dem grabe tragen.
man vant dâ niht anders · wan ein weinen unde klagen.
Lûte schrîende · daß liut gie mit im dan:
vrô enwas dô niemen · weder wîp noch man.
ê man in begrüebe, · man sanc unde las:
hei, waß guoter phaffen · bî sîner bevilde was!
Ê ze dem grâbe kœme · Sîvrides wîp,
dô ranc mit solhem jâmer · ir getriuwer lîp,
daß man si mit dem brunnen · dicke dâ begôß.
eß was ir ungemüete · vil harte unmæßlîchen grôß.
Eß was michel wunder, · daß si ie genas.
mit klage ir helfende · dâ manec vrouwe was.
dô sprach diu küneginne: · „ir Sîvrides man,
ir sult durch iuwer triuwe · an mir genâde begân.
„Lât mir nâch mîme leide · ein kleine liep geschehen,
daß ich sîn schœne houbet · noch eins müeße sehen.“
dô bat sis alsô lange · mit jâmers sinnen starc,
daß man zebrechen muose · den vil hêrlîchen sarc.
Dô brâhte man die vrouwen, · dâ si in ligen vant.
si huop sîn schœneß houbet · mit ir vil wîßen hant
und kuste in alsô tôten, · den edelen rîter guot:
ir vil liehten ougen · von leide weinden dô bluot.
Ein jæmerlîcheß scheiden · wart dô dâ getân.
dô truoc man si von dannen: · sine kunde niht gegân.
dô vant man sinnelôse · daß hêrlîche wîp.
von leide möht ersterben · ir vil wünneclîcher lîp.
Dô man den edelen hêrren · hete nu begraben,
leit âne mâße · sach man die alle haben,
die mit im komen wâren · von Niblunge lant.
vil selten vrœlîchen · man dô Sigmunden vant.
Dô was etelîcher, · der drîer tage lanc
vor dem grôßen leide · niht aß noch entranc.
dô mohten si dem lîbe · sô geswîchen niht:
si nerten sich nâch sorgen, · sô noch genuogen geschiht.
Kriemhilt unversunnen · in unkreften lac
den tac und den âbent · unz an den andern tac.
swaß iemen sprechen kunde, · daß was ir gar unkunt.
in den selben nœten · lag ouch der künic Sigemunt.
Vil kûme wart der hêrre · wider ze sinnen brâht.
von dem starken leide · kranc was gar sîn maht:
daß enwas niht wunder. · dô sprâchen sîne man:
„hêrre, ir sult ze lande: · wir mugen niht langer hie bestân.“
Der sweher Kriemhilde · gie, dâ er si vant.
er sprach ze der küneginne: · „wir suln in unser lant.
wir wæne unmære geste · bî dem Rîne sîn.
Kriemhilt, vil liebiu vrouwe, · nu vart ir zuo dem lande mîn.
„Sît daß uns untriuwe · âne hât getân
hie in disen landen · des iuwern edelen man:
des sult ir niht enkelten: · ich tuon iu triuwen schîn
durch iuwers mannes liebe · unde des edelen kindes sîn.
„Ir sult ouch haben, vrouwe, · allen den gewalt,
den iu tet ê Sîvrit · kunt, der degen balt.
daß lant und ouch diu krône · sî iu undertân.
iu suln gerne dienen · alle Sîvrides man.“
Dô seite man den knehten, · si solden rîten dan:
dô wart michel gâhen · nâch rossen getân.
bî ir starken vînden · was in daß leben leit.
vrouwen unde meiden · hieß man suochen diu kleit.
Dô der künic Sigemunt · wolde sîn geriten,
dô begunde ir muoter · Kriemhilde biten,
daß si bî ir mâgen · solde dâ bestân.
dô sprach diu vreuden arme: · „daß kunde müelîch ergân.
„Wie möht ich den immer · mit ougen an gesehen,
von dem mir armen wîbe · sô leide ist geschehen?“
dô sprach der junge Gîselher: · „liebiu swester mîn,
du solt durch dîne triuwe · hie bî dîner muoter sîn.
„Die dir hânt beswæret · und betrüebet dînen muot,
der bedarftu niht ze dienste, · du zere mîn eines guot.“
si sprach zuo dem recken: · „jane mag es niht geschehen.
von leide müese ich sterben, · swenne ich Hagene solde sehen.“
„Des tuon ich dir ze râte, · vil liebiu swester mîn.
du solt bî dînem bruoder · Gîselhere sîn.
jâ wil ich dich ergetzen · dînes mannes tôt.“
dô sprach diu Gotes arme: · „des wære Kriemhilde nôt.“
Dô eß ir der junge · sô güetlîch erbôt,
dô begunde ouch vlêgen · Uote und Gêrnôt
und ir getriuwe mâge, · si bâtens dâ bestân,
si hete lützel künnes · under Sîvrides man.
„Si sint iu alle vremede,“ · sô sprach Gêrnôt.
„niemen lebt sô starker, · ern müeße ligen tôt.
daß bedenket, liebiu swester, · und trœstet iuwern muot,
belîbet bî den vriunden; · eß wirt iu wærlîchen guot.“
Si lobete Gîselhere, · si wolde dâ bestân.
diu ros gezogen wâren · Sigmundes man,
als si wolden rîten · ze Niblunge lant;
dô was ouch ûf gesoumet · al der recken gewant.
Dô gie hêr Sigemunt · vür Kriemhilde stân:
er sprach zuo der vrouwen: · „Sîvrides man
wartent bî den rossen, · nu suln wir rîten hin,
wan ich vil ungerne · hie bî den Burgunden bin.“
Dô sprach vrou Kriemhilt: · „mir râtent vriunde mîn,
swaß der ist getriuwe, · ich sul hie bî in sîn:
ich habe niemen mâge · in Niblunge lant.“
leit was eß Sigmunde, · dô erß an Kriemhilde vant.
Dô sprach künic Sigemunt: · „lât iuß nieman sagen:
vor allen mînen mâgen · sult ir krône tragen
vil gewalteclîchen, · als ir habt ê getân:
irn sult des niht enkelten, · daß wir den helt verlorn hân.
„Und vart mit uns widere · durch iuwer kindelîn;
daß ensult ir niht verweiset, · vrouwe, lâßen sîn,
swenn iuwer sun gewahset, · der trœstet iu den muot.
die wîle sol iu dienen · manec küene degen guot.“
Si sprach: „mîn hêr Sigemunt, · jane mag ich rîten niht.
ich muoß hie belîben, · swaß halt mir geschiht,
bî mînen mâgen, · die mir helfen klagen.“
do begunden disiu mære · den guoten recken missehagen.
Si sprâchen al gelîche: · „sô möhten wir wol jehen,
daß uns êrste wære · leide geschehen,
woldet ir belîben · bî unsern vînden hie:
so geriten hovereise · noch helde sorclîcher nie.“
„Ir sult âne sorge · Got bevolhen varn:
man gît iu guot geleite, · ich heiß iuch wol bewarn
zuo iuwerme lande; · mîn liebeß kindelîn
daß sol ûf genâde · iu recken wol bevolhen sîn.“
Dô si wol vernâmen, · daß si niht wolde dan,
dô weinden al gelîche · Sigmundes man.
wie rehte jæmerlîche · schiet dô Sigmunt
von vrouwen Kriemhilde! · dô was im ungemüete kunt.
„Sô wê der hôhzîte,“ · sprach der künic hêr.
„eß geschiht von kurzwîle · vürbaß nimmer mêr
künege noch sînen mâgen, · daß uns ist geschehen.
man sol uns nimmer mêre · hie zen Burgunden sehen.“
Dô sprâchen offenlîche · Sîvrides man:
„eß möhte noch diu reise · in ditz lant ergân,
sô wir den noch vunden, · der uns den hêrren sluoc.
si hânt von sînen mâgen · starker vînde genuoc.“
Er kuste Kriemhilde: · jæmerlîch er sprach,
dô si belîben wolde · und er daß rehte ersach:
„nu rîten vreuden âne · heim in unser lant!
alle mîne sorge · sint mir êrste nu bekant.“
Si riten ân geleite · von Wormeß über Rîn:
si mohten wol des muotes · sicherlîchen sîn,
ob si in vîentschefte · wurden an gerant,
daß sich weren wolde · der küenen Niblunge hant.
Sine gerten urloubes · dâ ze keinem man.
dô sach man Gêrnôten · und Gîselheren gân
zuo im minneclîchen: · in was sîn schade leit:
des brâhten in wol inne · die helde küene unt gemeit.
Dô sprach gezogenlîche · der fürste Gêrnôt:
„Got weiß wol von himele, · an Sîvrides tôt
gewan ich nie schulde: · ich hôrte ouch nie gesagen,
wer im hie vîent wære: · ich soll in billîche klagen.“
Dô gab im guot geleite · Gîselher daß kint.
er brâhte sorgen âne, · die noch bî leide sint,
den künec bî sînen recken · heim ze Niderlant.
wie lützel man der mâge · dar inne vrœlîche vant!
Wie si nu gevüeren, · des kan ich niht gesagen.
man hôrte zallen zîten · hie Kriemhilde klagen,
daß ir niemen trôste · daß herze noch den muot,
eß entæte Gîselher: · der was getriuwe unde guot.
Prünhilt diu schœne · mit übermüete saß.
swaß geweinde Kriemhilt, · ummære was ir daß.
sine wart ir guoter triuwen · nimmer mê bereit;
sît tet ouch ir vrou Kriemhilt · diu vil herzenlîchen leit.
Dô diu edel Kriemhilt · alsô verwitwet wart
bî ir inme lande · der grâve Eckewart
beleip mit sînen mannen: · sîn triuwe im daß gebôt.
er diende sîner vrouwen · mit willen unz an sînen tôt.
Ze Wormeß bî dem münster · ein gezimber man ir slôß,
wît und vil michel, · rîch unde grôß,
dâ si mit ir gesinde · sît âne vreude saß.
si was ze kirchen gerne · und tet vil willeclîchen daß.
Dô man begruob ir vriedel, · wie selten si daß lie!
mit trûrigem muote · si alle zît dar gie
und bat Got den rîchen · sîner sêle phlegen.
vil dicke wart beweinet · mit grôßen triuwen der degen.
Uote und ir gesinde · trôstens alle stunt;
dô was ir daß herze · sô grœßlîchen wunt,
eß kunde niht vervâhen, · swaß man ir trôstes bôt.
si het nâch ir vriunde · die aller grœßisten nôt,
Die nâch liebem manne · ie mê wîp gewan.
man moht ir michel tugende · kiesen wol dar an.
si klagete unz an ir ende, · die wîle werte ir lîp.
sît rach sich wol mit ellen · in grôßen triuwen daß wîp.
Sus saß si nâch ir leide, · daß ist alwâr,
nâch ir mannes tôde · unz in daß vierde jâr,
daß si ze Gunthere · nie kein wort gesprach,
und ouch ir vîent Hagenen · in der zîte nie gesach.
Dô sprach von Tronje Hagene: · „muget ir daß tragen an,
daß ir iuwer swester · ze vriunt möhtet hân?
sô kœm zuo disem lande · der Niblunge golt:
des möht ir vil gewinnen, · wurde uns diu küneginne holt.“
„Daß suln wir versuochen,“ · sprach der künic sân.
„ich wil eß mîne bruoder · hin zir werben lân,
daß si mir daß vüegen, · daß si daß gerne sehe.“
„ine trouwes niht,“ sprach Hagene, · „daß eß immer geschehe.“
Dô hieß er Ortwînen · hin ze hove gân
und den marcgrâven Gêren. · dô daß was getân,
man brâhte ouch Gêrnôte · und Gîselher daß kint.
si versuohtens vriuntlîchen · an vrouwen Kriemhilde sint.
Dô sprach von Burgunden · der küene Gêrnôt:
„vrouwe, ir klaget ze lange · den Sîvrides tôt.
iu wil der künic rihten, · daß ern niht hât erslagen.
man hœrt iuch zallen zîten · sô rehte grœßlîchen klagen.“
Si sprach: „des zîht in nieman: · in sluoc Hagnen hant,
wâ man in verhouwen solde, · do er daß an mir ervant.
wie moht ich des getrouwen, · daß er im trüege haß?
ich hete wol behüetet,“ · sprach diu küneginne, „daß,
„Daß ich vermeldet hête · sînen schœnen lîp.
sô ließe ich nu mîn weinen, · ich vil armeß wîp.
holt wird ich in nimmer, · die eß dâ hânt getân.“
do begunde vlêgen Gîselher, · der vil wætlîche man.
Si sprach: „ich muoß in grüeßen, · irn welts mich niht erlân:
des habt ir grôße sünde. · der künec hât mir getân
sô vil der herzen swære · gar âne mîne scholt:
mîn munt im giht der suone, · im wirt daß herze nimmer holt.“
„Dar nâch wirt eß beßßer,“ · sprâchen ir vriunde dô.
„waß, ob er ir an verdienet, · daß si noch wirdet vrô.“
„er mac si wol ergetzen,“ · sprach Gêrnôt der helt.
dô sprach diu jâmers rîche: · „seht, nu tuon ich, swaß ir welt.
„Ich wil den künic grüeßen.“ · dô si im des verjach,
mit sînen besten vriunden · man in vor ir sach.
dô getorste Hagene · vür si niht gegân:
wol weste er sîne schulde: · er hete ir leide getân.
Dô si verkiesen wolde · ûf Gunther den haß,
ob er si küssen solde, · eß zæme im deste baß.
wær ir von sîme râte · leide niht getân,
sô möhte er vrevellîche · dicke sîn zuo ir gegân.
Eß enwart nie suone · mit sô vil trehen mê
gevüeget under vriunden. · ir tet ir schade vil wê;
si verkôs ûf si alle · wan ûf den einen man:
in hete erslagen niemen, · het eß Hagene niht getân.
Dar nâch vil unlange · dô truogen si daß an,
daß diu vrouwe Kriemhilt · den grôßen hort gewan
von Niblunges lande · und vuorte in an den Rîn:
eß was ir morgengâbe, · er solde ir billîchen sîn.
Dar nâch vuor dô Gîselher · und ouch Gêrnôt.
ahtzec hundert mannen · Kriemhilt dô gebôt,
daß si in holen solden, · dâ er verborgen lac,
dâ sîn der degen Alberîch · mit sînen besten vriunden phlac.
Dô man die von Rîne · nâch dem schatze komen sach,
Albrîch der vil küene · zuo sînen vriunden sprach:
„wir turren ir des hortes · vor gehaben niht,
sît sîn ze morgengâbe · diu edel küneginne giht.
„Doch enwurdeß nimmer,“ · sprach Alberîch, „getân,
niuwan daß wir übele · dâ verlorn hân
mit samet Sîvride · die guoten tarnhût:
wan die truoc alle zîte · der schœnen Kriemhilde trût.
„Nu ist eß Sîvride · leider übel komen,
daß uns die tarnkappen · der helt hete benomen
und daß im muose dienen · alleß ditze lant.“
dô gie der kamerære, · dâ er die slüßßele vant.
Eß stuonden vor dem berge · Kriemhilde man
und ouch ein teil ir mâge: · den schaz sie truogen dan
zuo dem sêwe · an diu schiffelîn.
den vuorte man ûf ünden · unz ze berge an den Rîn.
Ir muget von dem horte · wunder hœren sagen:
swaß zwelf kanzwegene · meist mohten tragen
in vier tagen und nahten · von dem berge dan;
ouch muos ir ieslîcher · des tages drîstunde gân.
Eß was ouch niht anders · wan gestein unde golt.
und ob man al die welte · hête versolt,
sîn wære minner niht · einer marke wert.
jâne hetes Hagene · âne schulde niht gegert.
Der wunsch lac dar under, · von golde ein rüetelîn.
der daß hete erkunnet, · der möhte meister sîn
wol in al der werlde · über ieslîchen man.
der Albrîches mâge · kom vil mit Gêrnôte dan.
Dô sich der hêrre Gêrnôt · und Gîselher daß kint
des hortes underwunden, · do underwunden si sich sint
des landes und der burge · und maneges recken balt:
die muosen im sît dienen · bêdiu durch vorhte und ouch gewalt.
Dô si den hort behielten · in Guntheres lant,
und sich diu küneginne · des alles underwant,
kamere unde türne · die wurden vol getragen;
man gehôrte nie daß wunder · von guote mêre gesagen.
Unde wær sîn tûsent stunt · noch alse vil gewesen,
unde solde Sîvrit · gesunder sîn genesen,
bî im wære Kriemhilt · hemdeblôß bestân.
getriuwer wîbes künne · ein helt nie mêre gewan.
Dô si den hort nu hête, · dô brâhtes in daß lant,
vil unkunder recken; · jâ gap der vrouwen hant,
daß man sô grôßer milte · mêre nie gesach.
si phlac vil grôßer tugende; · des man der küneginne jach.
Den armen und den rîchen · begunde si nu geben,
daß dô reite Hagene, · obe si solde leben
noch deheine wîle, · daß si sô manegen man
in ir dienst gewünne, · daß eß in leide müeste ergân.
Dô sprach künic Gunther: · „ir ist lîp unde guot:
zwiu sol ich daß wenden, · daß si dâ mite tuot?
ja erwarb ich daß vil kûme, · daß si mir wart holt;
nu enruochen, war si teile · ir steine unde ir rôteß golt.“
Hagene sprach zem künege: · „eß sold ein vrumer man
deheineme wîbe · niht des hortes lân.
si bringet eß mit gâbe · noch unz ûf den tac,
deiß vil wol geriuwen · die küenen Burgunden mac.“
Dô sprach künic Gunther: · „ich swuor ir einen eit,
daß ich ir getæte · nimmer mêre leit,
und wils vürbaß hüeten: · si ist diu swester mîn.“
dô sprach aber Hagene: · „lât mich den schuldigen sîn.“
Ir sumelîcher eide · wâren unbehuot.
dô nâmen si der witewen · daß kreftige guot.
Hagene sich der slüßßele · aller underwant.
daß zurnde ir bruoder Gêrnôt, · dô er daß rehte bevant.
Dô sprach der hêrre Gîselher: · „Hagene hât getân
vil leides mîner swester; · ich soldeß understân:
wær er niht mîn mâc, · eß gienge im an den lîp.
iteniuweß weinen · tete dô Sîvrides wîp.
Dô sprach der hêrre Gêrnôt: · „ê wir immer sîn
gemüet mit dem golde, · wir soldenß in den Rîn
alleß heißen senken, · deiß wurde nieman.“
si gie vil klegelîche · vür Gîselher ir bruoder stân.
Si sprach: „lieber bruoder, · du solt gedenken mîn,
lîbes unde guotes · soltu mîn voget sîn.“
dô sprach er zuo der vrouwen: · „daß sol sîn getân,
als wir komen widere: · wir haben rîtennes wân.“
Der künec und sîne mâgen · die rûmten daß lant,
die aller besten drunder, · die man iender vant;
niuwan eine Hagene · beleip durch den haß,
den er truoc Kriemhilde, · und tet vil schedelîchen daß.
Ê der rîche künic · wider wære komen,
die wîle hete Hagene · den schatz vil gar genomen:
er sancte in dâ ze Lôche · allen in den Rîn.
er wânde, er sold in nießen: · des enkunde dô niht gesîn.
Ê daß von Troneje Hagene · den schatz alsô verbarc,
dô heten siß gevestent · mit eiden alsô starc,
daß er verholen wære, · unz ir einer möhte leben:
so enkunden sis in selben · noch ander niemen gegeben.
Die vürsten kômen widere, · mit in vil manec man.
Kriemhilt ir schaden grôßen · klagen dô began
mit vrouwen und mit meiden; · in was harte leit.
do gebârten die degene, · sam si im hêten widerseit.
Dô sprâchen si gemeine: · „er hât übele getân.“
er entweich der vürsten zorne · alsô lange dan,
unz er gewan ir hulde: · si ließen in genesen;
doch enkunde im Kriemhilt · nimmer vînder sîn gewesen.
Mit iteniuwen leiden · beswæret was ir muot
umb ir mannes ende · und dô si ir daß guot
Alsô gar benâmen. · dô gestuont ir klage
des lîbes nimmer mêre · unz an ir jungisten tage.
Nâch Sîvrides tôde, · daß ist al wâr,
si wonde in manegem sêre · driuzehen jâr,
daß si des recken tôdes · vergeßßen kunde niht.
si was im ie getriuwe; · des ir diu meiste menege giht.
Ein rîche vürsten abtei · stifte vrou Uote
nâch Dankrâtes tôde · von ir guote
mit starken rîchen urborn, · als eß noch hiute hât,
daß klôster dâ ze Lôrse, · des dinc vil hôhe an êren stât.
Dar zuo gab ouch Kriemhilt · sît ein michel teil
durch Sîvrides sêle · und umb aller sêlen heil,
golt und edel steine, · mit williger hant;
getriuwer wîp deheine · ist uns selten ê bekant.
Sît daß diu vrouwe Kriemhilt · ûf Gunther verkôs
und doch von sînen schulden · den grôßen hort verlôs,
dô wart ir herzenleide · tûsent stunde mêr:
dô wære gerne dannen · diu vrouwe edel unde hêr.
Dô was der vrouwen Uoten · ein sedelhof bereit
ze Lôrse bî ir klôster · mit grôßer rîcheit:
dar zôch sich diu witewe · von ir kinden sît,
dâ noch diu vrouwe hêre · begraben in eime sarke lît.
Dô sprach diu küneginne: · „vil liebiu tohter mîn,
sît du hie niht maht belîben, · sô soltu bî mir sîn
ze Lôrse in mîme hûse · und solt dîn weinen lân.“
Des antwurt ir Kriemhilt: · „wem ließe ich danne mînen man?“
„Den lâß et hie belîben,“ · sprach vrou Uote.
„nune welle Got von himele,“ · sprach ab diu guote.
„mîn vil liebiu muoter, · daß sol ich wol bewarn,
wand er muoß von hinnen · mit mir wærlîche varn.“
Dô schuof diu jâmers rîche, · daß er wart ûf erhaben;
sîn edeleß gebeine · wart anderstunt begraben
ze Lôrse bî dem münster · vil werdeclîchen sît,
dâ der helt vil küene · in einem langen sarke lît.
In den selben zîten, · dâ Kriemhilt solde
varn mit ir muoter, · dar si doch wolde,
dô muoste si belîben, · als eß solde sîn.
daß unterstuonden mære, · vil verre komen über Rîn.
Daß was in enen zîten, · dô vrou Helche erstarp
und der künic Etzel · umb ander vrouwen warp,
dô rieten sîne vriunde · in Burgunden lant
zuo einer stolzen witwen, · diu was vrou Kriemhilt genant.
Sît daß erstorben wære · der schœnen Helchen lîp,
si sprâchen: „welt ir immer · gewinnen edel wîp,
die hôhsten und die besten, · die künic ie gewan,
sô nemt die selben vrouwen; · der starke Sîvrit was ir man.“
Dô sprach der künic rîche: · „wie möhte daß ergân,
sît ich bin heiden · und des toufes niht enhân?
sô ist diu vrouwe kristen: · des enlobt siß niht.
eß müese sîn ein wunder, · ob eß immer geschiht.“
Dô sprâchen die snellen: · „waß, ob siß lîhte tuot
durch iuwern namen hôhen · und iuwer michel guot.
sô sol manß doch versuochen · an daß vil edel wîp.
ir mugt vil gerne minnen · ir vil wünneclîchen lîp.“
Dô sprach der künic edele: · „wem ist nu bekant
under iu bî Rîne · die liute und ouch daß lant?“
dô sprach von Bechlâren · der guote Rüedegêr:
„ich hân erkant von kinde · die vil edele künege hêr.
„Gunther unde Gêrnôt, · die edelen rîter guot:
der dritte heißet Gîselher, · ir ieslîcher tuot,
swaß er bester êren · und tugende mac begân:
ouch habent ir alte mâge · noch daß selbe her getân.“
Dô sprach aber Etzel: · „vriunt, du solt mir sagen,
ob si in mîme lande · krône solde tragen.
und ist ir lîp sô schœne, · sô mir ist geseit,
mînen besten vriunden · sol eß nimmer werden leit.“
„Si gelîchet sich mit schœne · wol der vrouwen mîn,
Helchen der vil rîchen. · jane kunde niht gesîn
in diser werlde schœner · deheines küneges wîp:
den si lopt ze vriunde, · der mac wol trœsten sînen lîp!“
Er sprach: „Sô wirb eß, Rüedegêr, · als liep ich dir sî.
und sol ich Kriemhilde · geligen immer bî,
des wil ich dir lônen, · sô ich beste kan,
und hâst ouch mînen willen · mit grôßen triuwen getân.
„Ûßer mîner kamere · sô heiß ich dir geben,
daß du und dîne gesellen · vrœlîchen mügen leben,
von rossen und von kleidern · alleß, daß du wil;
des heiße ich iu bereiten · zuo der boteschefte vil.“
Des antwurte Rüedegêr, · der markgrâve rîch:
„gerte ich dînes guotes, · daß wære unlobelîch.
ich wil dîn bote gerne · wesen an den Rîn
mit mîn selbes guote, · daß ich hân von den henden dîn.“
Dô sprach der künic rîche: · „nu wenne welt ir varn
nâch der minneclîchen? · Got sol iuch bewarn
der reise an allen êren · und ouch die vrouwen mîn.
des helfe mir gelücke, · daß si uns genædec müeße sîn.“
Dô sprach aber Rüedegêr: · „ê wir rûmen daß lant,
wir müeßen ê bereiten · wâfen und gewant,
Alsô daß wirs êre · vor vürsten mügen hân:
ich wil ze Rîne vüeren · vünf hundert wætlîcher man.
Swâ man ze Burgunden · mich und die mîne sehe,
daß ir ieslîcher · danne wol des jehe,
daß nie künec deheiner · alsô manegen man
sô verre baß gesande, · dan du ze Rîne habst getân.
„Und ob duß, künic edele, · dar umbe niht wil lân,
si was dem besten manne, · Sîvride undertân,
dem Sigmundes kinde; · den hâstu hie gesehen:
man mohte im grôßer êren · wol mit wârheite jehen.“
Dô sprach künic Etzel: · „was si des recken wîp,
sô was wol alsô tiuwer · des edelen vürsten lîp,
daß ich niht versmæhen · die küneginne sol.
durch ir vil grôße schœne · sô gevellet si mir wol.“
Dô sprach der marcgrâve: · „sô wil ich iu daß sagen,
daß wir uns heben hinnen · in vier und zweinzec tagen.
ich enbiuteß Gotelinde, · der lieben vrouwen mîn,
daß ich nâch Kriemhilde · selbe bote welle sîn.“
Hin ze Bechelâren · dô sande Rüedegêr
boten sînem wîbe, · der marcgrâvinne hêr.
er enbôt ir, daß er solde · dem künege werben wîp.
si gedâhte vriuntlîche · an der guoten Helchen lîp.
Dô diu marcgrâvinne · die botschaft vernam,
ein teil was eß ir leide, · weinens si gezam,
ob si gewinnen solde · vrouwen alsô ê.
sô si dâhte an Helchen, · daß tet ir inneclîchen wê.
Rüedegêr von Ungern · in siben tagen reit:
des was künic Etzel · vrô und ouch gemeit.
dâ ze der stat ze Wiene · bereite man im die wât.
dâ mohte er niht langer · sîner reise haben rât.
Dâ ze Bechlâren · warte im Gotelint,
und diu junge marcgrâvîn, · Rüedegêres kint,
sach ir vater gerne · und die sîne man:
dô wart ein liebeß bîten · von schœnen vrouwen getân.
Ê der edel Rüedegêr · ze Bechlâren reit
ûß der stat ze Wiene, · dô wâren im diu kleit
rehte volleclîchen · ûf den soumen komen.
si vuoren in der mâße, · daß in wart wênic iht genomen.
Dô si ze Bechlâren · kômen in die stat,
die sînen reisegesellen · herbergen bat
der wirt vil minneclîche · und schuof in guot gemach.
Gotlint diu rîche · den wirt si gerne komen sach.
Als tet sîn liebiu tohter, · diu junge marcgrâvîn:
derne kunde nimmer · sîn komen lieber sîn.
die helde ûß Hiunen lande · wie gerne si si sach!
mit lachendem muote · diu edle juncvrouwe sprach:
„Sî uns grôße willekomen · mîn vater und sîne man.“
dô wart ein schœne danken · mit vlîße dâ getân
der jungen marcgrâvinne · von manegem rîter guot.
wol weste Gotlint · des hêrren Rüedegêres muot.
Dô si des nahtes · bî Rüedegêre lac,
wie güetlîche vrâgen · diu marcgrâvinne phlac,
war in gesendet hête · der künec von Hiunen lant?
er sprach: „mîn vrou Gotelint, · ich tuonß iu gerne bekant.
„Dâ sol ich mîme hêrren · werben ein wîp,
sît diu ist derstorben · der schönen Helchen lîp.
ich wil nâch Kriemhilde · rîten an den Rîn:
diu sol hie zen Hiunen · vrouwe vil gewaltec sîn.“
„Daß wolde Got,“ sprach Gotelint, · „möhte daß geschehen!
sît wir ir sô maneger · êren hœren jehen.
si ergezt uns mîner vrouwen · lîhte in alten tagen:
wir möhten si zen Hiunen · gerne lâßen krône tragen.“
Dô sprach der marcgrâve: · „triutinne mîn,
die mit mir suln rîten · hinnen an den Rîn,
den sult ir minneclîche · bieten iuwer guot:
sô helde varnt rîche, · sô sint si hôhe gemuot.“
Si sprach: „eß ist neheiner, · derß gerne von mir nimt,
ich engebe ieslîchem, · daß im wol gezimt,
ê ir hinnen scheidet · und ouch iuwer man.“
dô sprach der marcgrâve: · „daß ist mir liebe getân.“
Hei, waß man rîcher phelle · von ir kameren truoc!
der wart den edelen recken · ze teile dô genuoc,
ervüllet vlîßeclîchen · von halse unz ûf die sporn.
die im dar ab gevielen, · die het im Rüedegêr erkorn.
An dem siebenden morgen · von Bechlâren reit
der wirt mit sînen degenen: · wâfen unde kleit
vuorten si den vollen · durch der Beire lant.
si wurden ûf der strâße · durch rouben selten an gerant.
Inre tagen zwelfen · si riten an den Rîn.
done kunden disiu mære · niht verholen sîn.
man seite eß dem künege · und den sînen man,
dâ kœmen vremde geste. · der wirt dô vrâgen began,
Ob ieman si bekande, · daß manß im solde sagen.
man sach ir soumære · harte swære tragen:
daß si vil rîche wâren, · daß wart dâ wol bekant.
man schuof in herberge · in der wîten stat zehant.
Dô die vil unkunden · wâren in bekomen,
dô wart ir geverte · vaste war genomen.
si wundert, wannen vüeren · die recken an den Rîn.
der wirt Hagenen vrâgte, · wer die hêrren möhten sîn?
Dô sprach der helt von Troneje: · „ich hân ir niht gesehen,
als wir si nu geschouwen, · ich kan iu wol verjehen,
von swannen si rîten · her in ditze lant.
si suln sîn vil vremde, · ine habe si schiere bekant.“
Den gesten herberge · wâren nu genomen.
in vil rîchiu kleider · was der bote komen
und sîne hergesellen: · ze hove si dô riten.
si vuorten guotiu kleider, · vil harte spæhe gesniten.
Dô sprach der snelle Hagene: · „als ich mich kan verstân,
wand ich den hêrren lange · niht gesehen hân,
si varnt wol dem gelîche, · sam eß si Rüedegêr,
von Hiunischen landen · der degen küene unde hêr.“
„Wie sol ich daß gelouben,“ · sprach der künec zehant,
„daß der von Bechelâren · kœme in ditze lant?“
als der künic Gunther · die rede volsprach,
Hagene der küene · den guoten Rüedegêren sach.
Er und sîne vriunde · si liefen alle dan.
dô sach man von den rossen · fünf hundert rîter stân.
dô wurden wol enphangen · die von Hiunen lant.
boten nie getruogen · alsô hêrlîch gewant.
Dô sprach harte lûte · von Tronje Hagene:
„nu sîn Gote willekomen · dise degene,
der vogt von Bechelâren · und alle sîne man.“
der antphanc wart mit êren · den snellen Hiunen getân.
Des küneges næhsten mâge · dringen dar man sach.
Ortwîn von Metze · zuo Rüedegêre sprach:
„wir haben in aller wîle · mêre nie gesehen
geste hie sô gerne: · des wil ich wærlîche jehen.“
Des gruoßes si dô dankten · den recken über al.
mit den hergesinden · si giengen in den sal,
dâ si den künic vunden · bî manegem küenen man.
der hêrre stuont von sedele: · daß was durch grôße zuht getân.
Wie rehte vriuntlîche · er zuo den boten gie!
Gunther unde Gêrnôt · vil vlîßeclîch enphie
den gast mit sînen mannen, · als im wol gezam.
den guoten Rüedegêre · er bî der hende genam.
Er brâhte in zuo dem sedele, · dâ er selbe saß:
den gesten hieß er schenken, · vil gerne tet man daß,
mete den vil guoten · und den besten wîn,
den man kunde vinden · in dem lande al umben Rîn.
Gîselher und Gêre · die wâren beide komen,
Dancwart und Volkêr, · die heten schiere vernomen
von den werden gesten: · si wâren vrô gemuot,
si enphiengen vor dem künege · die rîter edele unde guot.
Dô sprach zuo sîme hêrren · von Troneje Hagene:
„eß solden immer dienen · dise degene,
daß uns der marcgrâve · zuo liebe hât getân:
des solte lôn enphâhen · der schœnen Gotelinde man.“
Dô sprach der künic Gunther: · „ine kan daß niht verdagen:
wie sich gehaben beide, · daß sult ir mir sagen,
Etzel unde Helche · ûß der Hiunen lant.“
dô sprach der marcgrâve: · „ich tuonß iu gerne bekant.“
Dô stuont er von dem sedele · mit allen sînen man.
er sprach zuo dem künege: · „lât mich urloup hân
ze sagene solhiu mære, · dar umbe ich bin gesant
von dem künic Etzele · her zuo der Burgunden lant.“
Er sprach: „swaß man uns mære · bî iu enboten hât,
diu erloube ich iu ze sagene · âne vriunde rât.
ir sult si lâßen hœren · mich und mîne man,
wan ich iu aller êren · hie ze werbenne gan.“
Dô sprach der bote biderbe: · „iu enbiutet an den Rîn
getriuwelîchen dienest · der grôße voget mîn,
dar zuo allen vriunden, · die ir muget hân;
ouch ist disiu botschaft · mit grôßen triuwen getân.
„Iu bat der künic edele · klagen sîne nôt:
sîn volc ist âne vreude, · mîn vrouwe diu ist tôt,
Helche diu vil rîche, · mînes hêrren wîp:
an der ist nu verweiset · vil maneger juncvrouwen lîp,
„Kint der edelen vürsten, · diu si gezogen hât,
dâ von eß inme lande · vil jæmerlîchen stât:
diu enhânt nu leider niemen, · der ir mit triuwen phlege.
des wæn ouch sich vil seine · des küneges sorge gelege.“
„Nu lône im Got,“ sprach Gunther, · „daß er den dienst sîn
sô willeclîch enbiutet · mir und den vriunden mîn.
den sînen gruoß ich gerne · hie vernomen hân;
daß suln gerne dienen · beide mâge und mîne man.“
Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt:
„die welt mac immer riuwen · der schœnen Helchen tôt
durch ir vil manec tugende, · der si kunde phlegen.“
der rede gestuont im Hagene, · dar zuo manec ander degen.
Dô sprach aber Rüedegêr, · der edel bote hêr:
„sît ir mir, künec, erloubet, · ich sol iu sagen mêr,
waß iu mîn lieber hêrre · her enboten hât,
sît im sîn dinc nâch Helchen · sô rehte kumberlîchen stât.
„Man sagete mînem hêrren, · Kriemhilt sî âne man,
hêr Sîvrit ist erstorben. · und ist daß sô getân,
welt ir ir des gunnen, · sô sol si krône tragen
vor Etzelen recken: · daß hieß ir mîn hêrre sagen.“
Dô sprach der künic rîche, · wol gezogen was sîn muot:
„si hœret mînen willen, · ob si eß gerne tuot.
daß wil ich iu künden · in disen drîen tagen:
ê ich eß an ir vunde, · zwiu solde ich Etzeln versagen?“
Die wîle man den gesten · hieß schaffen guot gemach.
in wart dâ sô gedienet, · daß Rüedegêr des jach,
daß er dâ hete vriunde · under Gunthers man.
Hagene im diende gerne: · er hete im ê alsam getân.
Alsus beleip dô Rüedegêr · unz an den driten tac.
der künec nâch râte sande, · wie wîslîch er phlac,
vrâgen sîne vriunde, · ob si dûhte guot getân,
daß Kriemhilt nemen solde · den künic Etzelen ze man.
Si rietenß al gemeine · niuwan Hagene,
der sprach zuo Gunther, · dem küenen degene:
„habt ir rehte sinne, · sô wirt eß wol behuot,
und ob sis volgen wolte, · daß irß doch nimmer getuot.“
„War umbe,“ sprach dô Gunther, · „solt ichs volgen niht?
swaß der küneginne · liebes noch geschiht,
des sol ich ir wol gunnen: · si ist diu swester mîn.
wir soldenß selbe werben, · ob eß ir êre möhte sîn.“
Dô sprach aber Hagene: · „nu lât die rede stân.
het ir Etzelen künde, · als ich sîn künde hân,
sol si in danne minnen, · als ich iu hœre jehen,
sô ist iu alrêste · von schulden sorgen geschehen.“
„War umbe?“ sprach dô Gunther, · „ich kan bewarn daß,
daß ich im kom sô nâhe, · daß ich deheinen haß
von im dulden müese, · und wurde si sîn wîp.“
dô sprach aber Hagene: · „daß gerætet nimmer mîn lîp.“
Man hieß nâch Gêrnôte · und Gîselhere gân,
ob die hêrren beide · dûhte guot getân,
daß Kriemhilt nemen solde · den rîchen künic hêr.
noch widerreiteß Hagene · unde ouch ander niemen mêr.
Dô sprach von Burgunden · Gîselher der degen:
„nu muget ir, vriunt Hagene, · noch der triuwen phlegen:
ergetzet si der leide, · und ir ir habet getân.
an swiu ir wol gelunge, · daß solt ir ungevêhet lân.“
„Jâ habet ir mîner swester · getân sô menegiu leit,“
sô sprach aber Gîselher, · der recke vil gemeit,
„daß si des hete schulde, · daß si iu wære gram.
nie man deheiner vrouwen · vreude mêre benam.“
„Daß ich daß wol bekenne, · daß tuon ich iu kunt.
und sol si nemen Etzele, · und gelebt si an die stunt,
si getuot uns vil leide, · swie siß getraget an.
jâ wirt ir dâ dienende · vil manec wætlîcher man.“
Des antwurte Hagenen · der küene Gêrnôt:
„eß mac alsô belîben · unz an ir beider tôt,
daß wir komen nimmer · in Etzelen lant.
wir suln ir sîn getriuwe: · deist uns zen êren gewant.“
Dô sprach aber Hagene: · „mir mac daß nieman gesagen;
und sol diu edel Kriemhilt · Helchen krône tragen,
si getuot uns leide, · swie si gevüege daß.
ir sult eß lân belîben: · daß zimt iu recken michel baß.“
Mit zorne sprach dô Gîselher, · der schœnen Uote sun:
„wir suln doch niht alle · meinlîchen tuon.
swaß liebes ir geschæhe, · vrô solden wir des sîn.
swaß ir geredet, Hagene, · ich diene ir durch die triuwe mîn.“
Dô daß gehôrte Hagene, · dô wart er ungemuot.
Gêrnôt und Gîselher, · die stolzen rîter guot,
und Gunther der rîche · ze jungist reiten daß,
ob eß lobete Kriemhilt, · si woltenß lâßen âne haß.
Dô sprach der vürste Gêre: · „ich wilß der vrouwen sagen,
daß si ir den künic Etzel · lâße wol behagen.
dem ist sô manec recke · mit vorhten undertân:
er mac si noch ergetzen, · swaß si leides ie gewan.
Dô gie der snelle recke, · da er Kriemhilde sach.
si enphie in güetlîche: · wie balde er dô sprach:
„ir muget mich gerne grüeßen · und geben botenbrôt.
iuch wil gelücke scheiden · ûß aller iuwerre nôt.
„Eß hât durch iuwer minne, · vrouwe, her gesant
ein der aller beste, · der ie küneges lant
gewan mit vollen êren · oder krône solde tragen:
eß werbent rîter edele: · daß hieß iu iuwer bruoder sagen.“
Dô sprach diu jâmers rîche: · „iu sol verbieten Got
und allen mînen vriunden, · daß si deheinen spot
an mir armer üeben: · waß sold ich einem man,
der ie herzeliebe · von guotem wîbe gewan?“
Si widerreit eß sêre. · dô kômen aber sint
Gêrnôt ir bruoder · und Gîselher daß kint.
si bâten minneclîche · trœsten si den muot:
ob si den künec genæme, · daß wær ir wærlîchen guot.
Ueberwinden kunde nieman · dô daß edele wîp,
daß si minnen wolde · deheines mannes lîp.
dô bâten si die degene: · „nu lâßet doch geschehen,
ob ir anders niht entuot, · daß ir den boten ruochet sehen.“
„Daß wil ich niht versprechen,“ · sô sprach daß edele wîp,
„ich ensehe gerne · den Rüedegêres lîp
durch sîne manege tugende; · wær er her niht gesant,
swerß ander boten wære, · dem wær ich immer unbekant.“
Si sprach: „ir sulten morgen · heißen her gân
zuo mîner kemenâten: · ich wil in hœren lân,
wes ich mich habe berâten, · wil ich im denne sagen.“
ir wart eriteniuwet · daß ir vil grœßlîcheß klagen.
Dô gert ouch niht anders · der edele Rüedegêr,
wan daß er gesæhe · die küneginne hêr:
er weste sich sô wîsen, · ob eß immer kunde ergân,
daß si sich den recken · überreden müese lân.
Des anderen morgens vrüeje, · dô man die messe sanc,
die edelen boten kâmen. · dô wart dâ grôß gedranc.
die mit Rüedegêre · ze hove solden gân,
der sach man dâ gekleidet · vil manegen hêrlîchen man.
Kriemhilt diu vil arme, · diu trûrec gemuot,
si warte Rüedegêre, · dem edelen boten guot.
der vant si in der wæte, · die si alle tage truoc;
dâ bî het ir gesinde · rîcher kleider genuoc.
Si gie im engegene · zuo der türe stân
und enphienc vil güetlîche · den Etzelen man.
niuwan selbe zwelfter · er dar in zuo ir gie.
man bot im grôßen dienest: · ir kômen hôher boten nie.
Man hieß den hêrren sitzen · unt die sîne man.
die zwêne marcgrâven · sach man vor ir stân,
Eckewart und Gêre, · die edelen rîter guot.
durch die hûsvrouwen · si sâhen nieman wol gemuot.
Si sâhen vor ir sitzen · vil manec schœne wîp.
dô phlac niuwan jâmers · der Kriemhilde lîp.
ir wât was vor den brüsten · von heißen trehen naß.
daß sach der marcgrâve; · der helt niht langer dô dâ saß.
Er sprach in grôßen zühten: · „vil edel küneges kint,
mir und den geverten, · die mit mir komen sint,
sult ir, vrouwe, erlouben, · daß wir vor iu stân
und iu sagen diu mære, · war nâch wir her geriten hân.“
„Nu sî iu erloubet,“ · sprach diu künegin,
„swaß ir reden wellet. · alsô stât mîn sin,
daß ich eß gerne hœre: · ir sît ein bote guot.“
die andern dô wol hôrten · ir ungewilligen muot.
Dô sprach von Bechelâren · der vürste Rüedegêr:
„mit triuwen grôße liebe · Etzel ein künic hêr
hât iu enboten, vrouwe, · her in ditze lant.
er hât nâch iuwer minne · vil guote recken gesant.
„Er enbiut iu minneclîche · lieb âne leit.
stæter vriuntschefte · sî er iu bereit,
als er ê tet vroun Helchen, · diu im ze herzen lac:
ir sult nu tragen krône, · der mîn vrouwe wîlen phlac.“
Dô sprach diu küneginne: · „marcgrâve Rüedegêr,
wær ieman, der bekande · mînen scharphen sêr,
der riete mir niht triuten · noch deheinen man:
wan ich vlôs ein der besten, · den ie vrouwe mêr gewan.“
„Waß mac ergetzen leides,“ · sprach der vil küene man,
„wan vriuntlîche liebe? · swer die kan begân,
und der dan einen kiuset, · der im ze herze kumt,
vür herzenlîche swære · niht sô grœßlîche vrumt.
„Und geruochet ir ze minnen · den edelen hêrren mîn,
zwelf rîcher krône · sult ir gewaltec sîn.
dar zuo gît iu mîn hêrre · wol drîßec vürsten lant,
diu elliu hât betwungen · sîn vil ellenthaftiu hant.
„Ir sult ouch werden vrouwe · über manegen werden man,
die mîner vrouwen Helchen · wâren undertân,
und vil der schœnen megede, · der si hete gewalt,
von hôher vürsten künne,“ · sprach der küene degen balt.
„Dar zuo gît iu mîn hêrre, · heißet er iu sagen
ob ir geruochet krône · bî dem künege tragen,
gewalt den aller hœhisten, · den Helche ie gewan:
den sult ir gwalteclîchen · haben vor Etzelen man.“
Dô sprach diu küneginne: · „wie möhte mînen lîp
immer des gelüsten, · deich wurde heldes wîp?
mir hât der tôt an eineme · sô rehte leit getân,
des ich unz an mîn ende · muoß unvrœlîche stân.“
Dô sprâchen ab die Hiunen: · „küneginne rîch,
iur leben wirt bî Etzele · sô rehte lobelîch,
daß iuch immer wünnet, · ist, daß eß ergât,
wan der künic rîche · vil manegen zieren degen hât.
„Helchen juncvrouwen · und iuriu magedîn,
solten die bî ein ander · ein gesinde sîn,
dâ bî möhten recken · werden wol gemuot.
lât eß iu, vrouwe, râten: · eß wirt iu wærlîchen guot.“
Si sprach in ir zühten: · „nu lât die rede stân
unz morgen vrüeje: · sô sult ir her gân:
sô wil ich iu antworten, · des ir dâ habet muot.“
des muosen dô gevolgen · die recken küene unde guot.
Dô si zen herbergen · alle kômen dan,
dô hieß diu edele vrouwe · nâch Gîselhere gân
und ouch nâch ir muoter: · den bêden sagt si daß,
daß si gezæme weinens · unde niht anders baß.
Dô sprach ir bruoder Gîselher: · „swester, mirst geseit
und wilß ouch wol gelouben, · daß elliu dîniu leit
der künic Etzel wende; · und nimes dun zeinem man,
swaß ander ieman râte, · sô dunket eß mich guot getân.“
„Er mac dich wol ergetzen,“ · sprach aber Gîselher.
„vome Roten zuo dem Rîne, · von der Elbe unz an daß mer,
sô ist künec deheiner · sô gewaltec niht.
du maht dich vreuwen balde, · sô er dîn ze konen giht.“
Si sprach: „lieber bruoder, · zwiu râtestu mir daß?
klagen unde weinen · mir immer zæme baß.
wie sold ich vor recken · dâ ze hove gân?
wart mîn lîp ie schœne, · des bin ich âne getân.“
Dô sprach diu vrouwe Uote · ir lieben tohter zuo:
„swaß dîne bruoder râten, · liebeß kint, daß tuo.
volge dînen vriunden: · sô mac dir wol geschehen.
ich hân dich doch sô lange · mit grôßem jâmer gesehen.“
Dô bat si Got den rîchen · vüegen ir den rât:
ob si ze geben hête · golt, silber unde wât
sam ê bî ir manne, · dô er noch was gesunt,
si gelebte doch niht mêre · sît sô vrœlîche stunt.
Si gedâhte in ir sinne: · „und sol ich mînen lîp
geben eime heidenen? · ich bin ein kristen wîp:
des müese ich zer werlte · immer schande hân;
gît er mir elliu rîche, · eß ist immer ungetân.“
Dâ mit siß lie belîben. · die naht unz an den tac
diu vrouwe an ir bette · mit vil gedanken lac.
diu ir vil liehten ougen · getruckenten nie,
unz si aber den morgen · hin ze mettîne gie.
Ze rehter messezîte · die künege wâren komen.
si heten aber ir swester · under hende genomen:
jâ rietens ir ze minnen · den künec ûß Hiunen lant.
die vrouwen ir deheiner · ein lützel vrœlîcher vant.
Dô hieß man dar gewinnen · die Etzelen man,
die nu mit urloube · gerne wæren dan,
geworben oder gescheiden, · swie eß dô möhte sîn.
ze hove kom dô Rüedegêr: · die helde reiten wider in,
Daß man rehte ervüere · des edelen vürsten muot,
und tæten daß bî zîte: · daß diuhtes alle guot;
ir wege wæren verre · wider in ir lant.
man brâhte Rüedegêren, · dâ man Kriemhilde vant.
Vil minneclîchen bitten · der recke dô began
die edelen küneginne, · si solde in hœren lân,
waß si enbieten wolde · in Etzelen lant.
er wæn an ir niht anders · niuwan lougen envant,
Daß si nimmer minnen wolde · mêr deheinen man.
dô sprach der marcgrâve: · „daß wære missetân.
zwiu woldet ir verderben · alsô schœnen lîp?
ir muget noch mit êren · werden guotes mannes wîp.“
Niht half, daß si gebâten, · unz daß Rüedegêr
gesprach heinlîche · die küneginne hêr,
er wolde si ergetzen, · swaß ir ie geschach.
ein teil begunde ir senften · dô ir grôßer ungemach.
Er sprach zer küneginne: · „lât iuwer weinen sîn.
ob ir zen Hiunen hêtet · nieman danne mîn,
getriuwer mîner mâge · und ouch der mînen man,
er mües es sêre engelten, · und het iu ieman iht getân.“
Dâ von wart dô geringet · wol der vrouwen muot.
si sprach: „sô swert mir eide, · swaß mir iemen tuot,
daß ir sît der næhste, · der büeße mîniu leit.“
dô sprach der marcgrâve: · „des bin ich, vrouwe, vil bereit.“
Mit allen sînen mannen · swuor ir dô Rüedegêr
mit triuwen immer dienen, · und daß die recken hêr
ir nimmer niht versageten · in Etzelen lant,
des si êre haben solte: · des sichert ir Rüedegêres hant.
Do gedâhte diu getriuwe: · „sît ich vriunde kan
alsô vil gewinnen, · sô sol ich reden lân
die liute, swaß si wellen, · ich jâmerhafteß wîp:
waß, ob noch wirt errochen · mîns vil lieben mannes lîp?“
Si gedâhte: „sît daß Etzel · der recken hât sô vil,
sol ich den gebieten, · sô tuon ich, swaß ich wil.
er ist ouch wol sô rîche, · daß ich ze gebene hân;
mich hât der leidege Hagen · mînes guotes âne getân.“
Si sprach ze Rüedegêre: · „het ich daß vernomen,
daß er niht wære ein heiden, · sô wolde ich gerne komen,
swar er hete willen, · und næme in zeinem man.“
dô sprach der marcgrâve: · „die rede solt ir, vrouwe, lân.
„Ern ist niht gar ein heiden, · des sult ir sicher sîn,
jâ was vil wol bekêret · der liebe hêrre mîn,
wan daß er sich widere · vernoijieret hât.
welt ir in, vrouwe, minnen, · sô mac sîn noch werden rât.
„Er hât sô vil der recken · in kristenlîcher ê,
aß iu bî dem künege · nimmer wirdet wê.
ir muget ouch lîhte erwerben, · daß der vürste guot
wider ze Gote wendet · beide sêle unde muot.“
Dô sprâchen aber ir bruoder: · „nu lobetß, swester mîn,
iuwer ungemüete · daß sult ir lâßen sîn.“
si bâtens alsô lange, · unz doch ir trûrec lîp
lobete vor den helden, · si wurde Etzelen wîp.
Si sprach: „ich wil iu volgen, · ich armiu künegîn!
daß ich var zen Hiunen, · sô daß nu mac gesîn,
swenne ich hân die vriunde, · die mich vüeren in sîn lant.“
des bôt dô vor den helden · diu schœne Kriemhielt die hant.
Dô sprach der marcgrâve: · „habet ir zwêne man,
dar zuo hân ich ir mêre: · eß wirdet wol getân,
daß wir iuch nâch êren · bringen über Rîn.
ine lâße iuch nu niht langer · hie zen Burgunden sîn.
„Ich hân fünf hundert manne · und ouch der mâge mîn:
die suln iu hie dienen · und ouch dâ heime sîn,
swie ir in gebietet; · ich tuon iu selbe alsam,
swenn ir mich mant der mære, · daß ich michs nimmer gescham.
„Nu heißet iu bereiten · iuwer phertkleit,
die Rüedegêres ræte · iu nimmer werdent leit,
und saget eß iuwern mageden, · die ir dâ vüeren welt:
jâ kumet uns ûf der strâße · vil maneger ûß erwelter helt.“
Si heten noch gesmîde, · daß man dâ vor reit
bî Sîvrides zîten, · daß si vil manege meit
mit êren mohte vüeren, · sô si wolde dan.
hei, waß man guoter setele · den schœnen vrouwen gewan!
Ob si ie getrüegen · deheiniu rîchiu kleit,
der wart zuo zir verte · vil manegeß nu bereit,
wan in von dem künege · sô vil gesaget wart;
si slußßen ûf die kisten, · die ê stuonden wol bespart.
Si wâren vil unmüeßec · wol vünftehalben tac,
si suochten ûß der valden, · des vil dar inne lac.
Kriemhilt ir kameren · ensließen began,
si wolde machen rîche · al die Rüedegêres man.
Si hete noch des goldes · von Niblunge lant:
si wânde, eß zen Hiunen · teilen solde ir hant.
eß enkunden hundert miule · dannen niht getragen.
diu mære hôrte Hagene · dô von Kriemhilde sagen.
Er sprach: „Sît mir vrou Kriemhilt · nimmer wirdet holt,
sô muoß ouch hie belîben · daß Sîvrides golt.
zwiu solde ich mînen vînden · lân sô michel guot?
ich weiß vil wol, waß Kriemhilt · mit disme schatze getuot.
„Ob si in bræhte hinnen, · ich wil gelouben daß,
er wurde doch zerteilet · niuwan ûf mînen haß.
sin habent ouch niht der rosse, · diu in solden tragen:
in wil behalten Hagene, · daß sol man Kriemhilde sagen.“
Dô si gehôrt diu mære, · daß was ir grimme leit.
eß wart ouch den künegen · allen drin geseit:
si woldenß gerne wenden. · dô des niht geschach,
Rüedegêr der edele · harte vrœlîchen sprach:
„Rîchiu küneginne, · zwiu klaget ir daß golt?
iu ist der künic Etzel · sô grœßlîchen holt:
gesehent iuch sîniu ougen, · er gît iu alsô vil,
daß irß verswendet nimmer; · des ich iuch, vrouwe, weren wil.“
Dô sprach diu küneginne: · „vil edel Rüedegêr,
eß gewan nie küneges tohter · rîcheite mêr,
danne der mich Hagene · âne hât getân.“
dô kom ir bruoder Gêrnôt · hin zer kameren gegân.
Mit gewalt des küngs en slüßßel · stieß er an die tür.
golt daß Kriemhilde · reichte man dervür,
ze drîßec tûsent marken · oder dannoch baß.
er hieß eß nemen die geste: · liep was Gunthere daß.
Dô sprach von Bechlâren · der Gotelinde man:
„ob eß mîn vrouwe Kriemhilt · alleß möhte hân,
swaß sîn ie wart gevüeret · von Niblunge lant,
sîn solde lützel rüeren · mîn oder der küneginne hant.
Nu heißet eß behalten, · wand ich sîn niht enwil.
jâ vuort ich von lande · des mînen alsô vil,
daß wirs ûf der strâßen · haben guoten rât
und unser koste hinnen · harte hêrlîche stât.“
Dâ vor in allen wîlen · gefüllet zwelf schrîn
des aller besten goldes, · daß iender mohte sîn,
heten die ir magede: · daß vuorten si von dan
und gezierde vil der vrouwen, · daß si zer verte solten hân.
Gewalt des grimmen Hagene · dûhte si ze starc.
si het des ophergoldes · wol noch tûsent marc:
si teilteß sîner sêle, · ir vil lieben man.
daß dûhte Rüedegêren · mit grôßen triuwen getân.
Dô sprach diu klagende künegin: · „wâ nu vriunde mîn,
die durch mîne liebe · welnt ellende sîn?
die suln mit mir rîten · in der Hiunen lant:
die nemen schatz mînen · und koufen ros und gewant.
Des antwurte ir schiere · der marcgrâve Eckewart:
„sît daß ich aller êrste · iuwer gesinde wart,
sô hân ich iuch mit triuwen · gedienet,“ sprach der degen,
„und wil unz an mîn ende · des selben immer bî iu phlegen.
„Ich wil ouch mit mir vüeren · vünf hundert mîner man,
der ich iu ze dienste · mit rehten triuwen gan.
wir sîn vil ungescheiden, · eß entuo der tôt.“
der rede neic im Kriemhilt, · daß irß der helt sô wol erbôt.
Dô zôch man dar die mœre: · si wolden varn dan.
dâ wart vil michel weinen · von vriunden getân.
Uote diu vil rîche · und manec schœne meit
die zeigten, daß in wære · nâch vrouwen Kriemhilde leit.
Hundert rîcher megede · vuort si mit ir dan:
die wurden sô gekleidet, · als in daß wol gezam.
dô vielen in die trehene · von liehten ougen nider;
si gelebten vil der vreuden · ouch bî Etzelen sider.
Dô kom der hêrre Gîselher · und ouch Gêrnôt
mit ir ingesinde, · als in ir zuht gebôt.
dô wolden si beleiten · ir lieben swester dan:
dô vuorten si ir recken · wol tûsent wætlîcher man.
Dô kom der snelle Gêre · und ouch Ortwîn:
Rûmolt der kuchenmeister · dâ mite muose sîn.
si schuofen die nahtselde · der vrouwen ûf den wegen;
Volkêr was ir marschalc, · der solde ir herberge phlegen.
Nâch küssen michel weinen · wart dâ vil vernomen,
ê daß si von der bürge · ze velde wæren komen.
ûß riten unde giengen, · die sis nie gebat.
dô reit der künic Gunther · wan ein lützel vür die stat.
Ê si von Rîne vuoren, · si heten vür gesant
ir boten harte snelle · in der Hiunen lant,
die dem künege sageten, · daß im Rüedegêr
ze wîbe hete erworben · die edelen küneginne hêr.
Die boten strichen sêre: · in was der reise nôt
durch die grôßen êre · und durch rîchiu botenbrôt.
dô si ze lande wâren · mit den mæren komen,
dô het der künic Etzel · nie sô liebes niht vernomen.
Durch disiu lieben mære · hieß der künic geben
den boten solhe gâbe, · daß si wol mohten leben
mit vreuden immer mêre · dar nâch unz an ir tôt:
mit liebe was verschwunden · des küneges kumber unde nôt.
Die boten lâßen rîten: · wir suln iu tuon bekant,
wie diu küneginne · gevuor durch diu lant
oder wâ von ir schieden · Gîselher und Gêrnôt.
sie heten ir gedienet, · als in ir triuwe daß gebôt.
Unz an die Tuonouwe · ze Vergen si dô riten.
si begunden urloubes · die küneginne biten,
wan si wider wolden · rîten an den Rîn.
done mohteß âne weinen · von guoten vriunden niht gesîn.
Gîselher der snelle · sprach zer swester sîn:
„swenne daß du, vrouwe, · bedürfen welles mîn,
ob dir iht gewerre, · daß tuo mir bekant:
sô rîte ich dir ze dieneste · in daß Etzelen lant.“
Die ir mâge wâren, · kustes an den munt.
vil minneclîchen scheiden · sach man an der stunt
die snellen Burgunden · von Rüedegêres man.
dô vuort diu küneginne · vil manege meit wol getân,
Hundert und viere: · die truogen rîchiu kleit
von gemâlt rîchen phellen. · vil der schilte breit
vuort man bî der vrouwen · nâhen ûf den wegen.
dô nam ouch urloup Volkêr, · der vil zierlîche degen.
Dô si über Tuonouwe · kômen in Beier lant,
dô sagte man diu mære, · dâ wæren vür gerant
vil unkunder geste. · dâ noch ein klôster stât
und dâ daß In mit vlußße · in die Tuonouwe gât,
In der stat ze Paßßouwe · saß ein bischof.
herberge wurden lære · und ouch des vürsten hof:
si îlten gein den gesten · ûf in Beier lant,
dâ der bischof Pilgerîn · die schœnen Kriemhilde vant.
Den recken von dem lande · was dô niht ze leit,
dô si ir volgen sâhen · sô manege schœne meit.
dâ trûte man mit ougen · der edelen rîter kint.
guote herberge · gab man den gesten allen sint.
Dâ ze Pledelinge · schuof man in gemach.
daß volc man allenthalben · zuozin rîten sach.
man gap in willeclîche, · des si bedorften dâ:
si nâmenß wol mit êren; · als tet man sider anderswâ.
Der bischof mit der niftel · ze Paßßouwe reit.
dô daß den burgæren · von der stat wart geseit,
daß dô kœme Kriemhilt, · des vürsten swester kint:
diu wart wol enphangen · von den koufliuten sint.
Daß si belîben solden, · der bischof het des wân.
dô sprach der hêrre Eckewart: · „daß ist ungetân.
wir müeßen varn nidere · in Rüedegêres lant:
uns wartent vil der degene: · eß ist in allen wol bekant.“
Diu mære nu wol wesse · diu schœne Gotelint:
si bereite sich mit vlîße · und ir vil edel kint.
ir het enboten Rüedegêr, · daß in daß dûhte guot,
daß si der küneginne · dâ mit trôste den muot,
Daß si ir rite engegene · und alle sîne man
ûf zuo der Ense. · dô daß wart getân,
dô sach man allenthalben · die wege unmüeßec stên:
si begunden gegen den gesten · beide rîten unde gên.
Nu was diu küneginne · ze Everdingen komen.
gnuoge ûß Beier lande · solden hân genomen
den roub ûf der strâßen · nâch ir gewoneheit:
sô heten si den gesten · dâ getân vil lîhte leit.
Daß hete wol understanden · der edel Rüedegêr:
er vuorte tûsent rîter · unde dannoch mêr.
dô was ouch komen Gotelint, · Rüedegêres wîp:
mit ir kom hêrlîche · vil maneges küenen recken lîp.
Dô si über die Trûne kômen · bî Ense ûf daß velt,
dô sach man ûf gespannen · hütten und gezelt,
dâ die geste solden · die nahtselde hân.
diu kost diu was den recken · dâ von Rüedegêr getân.
Gotelint diu schœne · die herberge lie
hinder ir belîben. · ûf den wegen gie
mit klingenden zoumen · manec pfert wol getân.
der antphanc wart vil schœne: · liep was eß Rüedegêr getân.
Die in ze beiden sîten · kômen ûf den wegen,
die riten lobelîche: · der was vil manec degen.
si phlâgen rîterschefte: · daß sach vil manec meit.
eß was den schœnen vrouwen · der rîter dienest niht leit.
Dô zuo den gesten kômen · die Rüedegêres man,
vil der trunzûne · sach man ze berge gân
von der recken hende · mit rîterlîchen siten.
dô wart wol ze prîse · vor den vrouwen geriten.
Daß ließen si belîben. · dô gruoßte manec man
vil güetlîche ein ander. · dô vuorten si von dan
die schœnen Gotelinde, · dâ si Kriemhilt sach.
die vrouwen dienen kunden, · die heten kleinen gemach.
Der vogt von Bechelâren · ze sîme wîbe reit.
der edelen marcgrâvinne · was daß niht ze leit,
daß er sô wol gesunder · von Rîne was komen.
ir was ein teil ir swære · mit grôßen vreuden benomen.
Dô sin hete enphangen, · er ließ si ûf daß gras
erbeißen mit den vrouwen, · swaß ir dâ mit ir was.
dâ wart vil unmüeßec · manec edel man:
den vrouwen wart dô dienest · mit grôßem vlîße getân.
Dô sach diu vrouwe Kriemhilt · die markgrâvinne stên
mit dem ir gesinde: · si lie niht nâher gên:
daß phert mit dem zoume · zucken si began
und bat sich snelleclîchen · von dem satele heben dan.
Den bischof sach man wîsen · sîner swester kint,
in und Eckewarten, · zuo Gotelinde sint.
dâ wart vil michel wîchen · an der selben stunt.
dô kuste diu ellende · an der marcgrâvinne munt.
Dô sprach vil minneclîchen · daß Rüedegêres wîp:
„nu wol mich, liebe vrouwe, · deich iuwern schœnen lîp
hân in disme lande · mit ougen mîn gesehen:
mir enkunde an disen zîten · nimmer lieber geschehen.“
„Nu lôn iu Got,“ sprach Kriemhilt, · „vil edele Gotelint.
sol ich gesunt belîben · mit Botlunges kint,
eß mac iu komen ze liebe, · daß ir mich habt gesehen.“
in beiden was unkunde, · daß sider muose geschehen.
Mit zühten zuo ein ander · gie vil manec meit.
dô wâren in die recken · mit dienste vil bereit.
si sâßen nâch dem gruoße · nider ûf den klê.
si gewannen maneger künde, · die in vil vremde wâren ê.
Man hieß den vrouwen schenken. · eß was wol mitter tac;
daß edel ingesinde · dâ niht lenger lac.
si riten, dâ si vunden · manege hütten breit:
dâ was den edelen gesten · vil michel dienest bereit.
Die naht si heten ruowe · unz an den morgen vruo.
die von Bechelâren · bereiten sich dar zuo,
wie si behalten solden · vil manegen werden gast.
wol hete gehandelt Rüedegêr, · daß in dâ wênec iht gebrast.
Diu venster an den mûren · sach man offen stân;
diu burc ze Bechelâren · diu was ûf getân.
dô riten dar in die geste, · die man vil gerne sach.
den hieß der wirt vil edele · schaffen guoten gemach.
Diu Rüedegêres tohter · mit ir gesinde gie,
dâ si die küneginne · vil minneclîch enphie.
dâ was ouch ir muoter, · des marcgrâven wîp;
mit liebe wart gegrüeßet · vil maneger juncvrouwen lîp.
Si viengen sich behanden · unde giengen dan
in einen palas wîten: · der was vil wol getân,
dâ diu Tuonouwe · under hine vlôß.
si sâßen gên dem lufte · und heten kurzwîle grôß.
Wes si dâ mêre phlâgen, · desn kan ich niht gesagen.
daß in sô übel zogete, · daß hôrte man dô klagen
die Kriemhilde recken: · wand eß was in leit.
hei, waß dô guoter recken · mit in von Bechlâren reit!
Vil minneclîchen dienest · Rüedegêr in bôt.
dô gap diu küneginne · zwelf armbouge rôt
der Gotlinde tohter · und alsô guot gewant,
daß si niht beßßers brâhte · in daß Etzelen lant.
Swie ir genomen wære · der Niblunge golt,
alle, die si gesâhen, · die mahte si ir holt
noch mit dem kleinen guote, · daß si dâ mohte hân.
des wirtes ingesinde · dem wart grôßiu gâbe getân.
Dâ wider bôt dô êre · diu vrouwe Gotlint
den gesten von dem Rîne · sô güetlîche sint,
daß man der vremden · harte wênec vant,
sine trüegen ir gesteine · oder ir hêrlîch gewant.
Dô si enbißßen wâren · und daß si solden dan,
von der hûsvrouwen · wart geboten an
getriuwelîcher dienest · daß Etzelen wîp.
dô wart ouch vil getriutet · der schœnen juncvrouwen lîp.
Si sprach zer küneginne: · „swenne iuch nu dunket guot,
ich weiß wol, daß eß gerne · mîn lieber vater tuot,
daß er mich zuo ziu sendet · in der Hiunen lant.“
daßs ir getriuwe wære, · wie wol daß Kriemhilt ervant!
Diu ros bereitet wâren · vür Bechlâren komen:
dô het diu edel künegin · urloup nu genomen
von Rüedegêres wîbe · und der tohter sîn;
dô schiet ouch sich mit gruoße · vil manec schœne magedîn.
Ein ander si vil selten · gesâhen nâch den tagen.
ûßer Medelicke · ûf handen wart getragen
manec goltvaß rîche, · dar inne brâht man wîn
den gesten zuo der strâße: · si muosen willekomen sîn.
Ein wirt was dâ geseßßen, · Astolt genant:
der wîsete si die strâße · in daß Ôsterlant
gegen Mûtâren · die Tuonouwe nider.
dâ wart vil wol gedienet · der rîchen küneginne sider.
Der bischof vriuntlîche · von sîner nifteln schiet.
daß si sich wol gehabete, · wie vaste er ir daß riet,
und daß si ir êre koufte, · als Helche het getân.
hei, waß si grôßer êren · sît dâ zen Hiunen gewan!
Zuo der Treisem brâhte · man die geste dan.
ir phlâgen vlîßeclîchen · die Rüedegêres man,
unz daß die Hiunen · riten über lant!
dô wart der küneginne · vil michel êre bekant.
Bî der Treisem hête · der künec ûß Hiunen lant
eine burc wîte, · diu was wol bekant,
geheißen Treisenmûre: · vrou Helke saß dâ ê
und phlac sô grôßer tugende, · daß wætlîch nimmer mêr ergê,
Eßen tæte danne Kriemhilt, · diu alsô kunde geben.
si mohte nâch ir leide · daß liep wol geleben,
daß ir ouch jâhen êre · die Etzelen man,
der si sît grôßen vollen · bî den helden gewan.
Etzelen hêrschaft · was wîten erkant,
daß man ze allen zîten · in sîme hove vant
die küenesten recken, · von den ie wart vernomen
under kristen unde heiden: · die wâren mit im alle komen.
Bî im was alle zîte, · daß wætlîch mêr ergê,
kristenlîcher orden · und ouch der heiden ê.
in swie getânem lebene · sich ieslîcher truoc,
daß schuof des küneges milte, · daß man in allen gap genuoc.
Si was ze Treisenmûre · unz an den vierden tac.
diu molte ûf der strâße · die wîle nie gelac,
si enstübe, sam eß brünne, · allenthalben dan.
dâ riten durch Ôsterrîche · des künic Etzelen man.
Dô was ouch dem künege · vil rehte nu geseit,
des im von gedanken · swunden sîniu leit,
wie hêrlîchen Kriemhilt · kœme durch diu lant.
der künec begunde gâhen, · dâ er die minneclîchen vant.
Von vil maneger sprâche · sach man ûf den wegen
vor Etzelen rîten · manegen küenen degen,
von kristen und von heiden · manege wîte schar.
dâ si die vrouwen vunden, · si kômen hêrlîchen dar.
Von Riußen und von Kriechen · reit dâ manec man;
den Pœlân unde Vlâchen · sach man swinde gân
ros diu vil guoten · si mit kreften riten.
swaß si site hêten, · der wart vil wênec vermiten.
Von dem lant ze Kiewen · reit dâ manec degen
und die wilden Pesnære; · dâ wart vil gephlegen
mit dem bogen schießen · zuo vogelen, dâ si vlugen;
die phîle si sêre · mit kraft unz an die wende zugen.
Ein stat bî Tuonouwe · lît in Ôsterlant,
diu ist geheißen Tulnâ: · dâ wart ir bekant
vil manec site vremde, · den si ê nie gesach.
si enphiengen dâ genuoge, · den sît vil leit von ir geschach.
Vor Etzelen dem künege · ein ingesinde reit,
vrô und vil rîche, · hübsch und gemeit,
wol vier und zweinzec vürsten · rîch unde hêr.
daß si ir vrouwen sâhen, · dâ von engerten si niht mêr.
Der herzoge Râmunc · ûßer Vlâchen lant
mit siben hundert mannen · kom er vür si gerant.
sam vliegende vogele · sach man si alle varn.
dô kom der vürste Gibeke · mit vil hêrlîchen scharn.
Hornboge der snelle · wol mit tûsent man
kêrte von dem künege · gein sîner vrouwen dan.
vil lûte wart geschallet · nâch des landes siten.
von der Hiunen mâgen · wart ouch dâ sêre geriten.
Dô kom von Tenemarke · der küene Hâwart
und Irinc der vil snelle, · vor valsche wol bewart,
Irnvrit von Dürengen, · ein wætlîcher man:
si enphiengen Kriemhilde, · daß sis êre muose hân,
Mit zwelf hundert mannen: · die vuortens in ir schar.
dô kom der hêrre Blœdel · mit drin tûsent dar,
der Etzelen bruoder · ûßer Hiunen lant:
der kom vil hêrlîche, · dâ er die küneginne vant.
Dô kom der künic Etzel · und ouch hêr Dietrîch
mit allen sînen degenen. · dâ was vil lobelîch
manec rîter edele, · biderbe unde guot.
des wart vroun Kriemhilde · ein teil gehœhet ir muot.
Dô sprach zer küneginne · der hêrre Rüedegêr:
„vrouwe, iu wil enphâhen · hie der künic hêr.
swen ich iuch heiße küssen, · daß sol sîn getân:
jane mugt ir niht gelîche · grüeßen al die Etzeln man.“
Dô huop man von dem mœre · die küneginne hêr.
Etzel der vil rîche · enbeite dô niht mêr,
er stuont von sîme rosse · mit manegem küenen man.
man sach in vrœlîche · gegen Kriemhilde gân.
Zwêne vürsten rîche, · als uns daß ist geseit,
bî der vrouwen giengen · und habten ir diu kleit,
dô ir der künic Etzele · hin engegen gie,
dâ si den vürsten edele · mit küssen güetlîch enphie.
Ûf ructes ir gebende: · ir varwe wol getân
diu lûhte ir ûß dem golde. · dâ was vil manec man,
si jâhen, daß vrou Helche · niht schœner kunde gesîn.
dâ bî sô stuont vil nâhen · des küneges bruoder Blœdelîn.
Den hieß si küssen Rüedegêr, · der marcgrâve rîch,
und den künic Gibeken. · dô stuont ouch Dieterîch;
der recken kuste zwelfe · daß Etzelen wîp.
do enphie si sus mit gruoße · vil manges rîtæres lîp.
Al die wîle und Etzel · bî Kriemhilde stuont,
dô tâten die tumben, · als noch die liute tuont:
vil manegen puneiß rîchen · sach man dâ geriten;
daß tâten kristen helde · und ouch die heiden nâch ir siten.
Wie rehte rîterlîchen · die Dietrîches man
die schefte ließen vliegen · mit trunzûnen dan
hôch über schilde · von guoter rîter hant!
vor den tiuschen gesten · wart dürkel maneges schiltes rant.
Dâ wart von schefte brechen · vil michel dôß vernomen.
dô wâren von dem lande · die recken alle komen
und ouch des küneges geste, · vil manec edel man:
dô gie der künic rîche · mit der küneginne dan.
Si sâhen bî in stênde · ein hêrlîch gezelt.
von hütten was ervüllet · alumbe daß velt,
dâ si solden ruowen · nâch ir arebeit.
von helden wart gewîset · dar under manec schœniu meit
Mit der küneginne, · dâ si sît gesaß
ûf rîche stuolgewæte; · der marcgrâve daß
hete wol geschaffet, · daß man eß vant vil guot.
dô stuont dem künege Etzelen · harte hôhe der muot.
Waß si zesamne redeten, · daß ist mir unbekant;
in der sînen zeswen · lac ir wîßiu hant.
si gesâßen minneclîche, · dâ Rüedegêr der degen
den künec niht wolde lâßen · Kriemhilde heimlîche phlegen.
Dô hieß man lân belîben · den buhurt über al;
mit êren wart verendet · dâ der grôße schal.
dô giengen zuo den hütten · die Etzelen man;
man gab in herberge · vil wîten allenthalben dan.
Den abent zuo der nahte · si heten guot gemach,
unz man den liehten morgen · aber schînen sach.
dô was zuo den rossen · komen manec man:
hei, waß man kurzewîle · dem künege zêren began!
Der künec eß nâch den êren · die Hiunen schaffen bat.
dô riten si von Tulne · ze Wiene zuo der stat.
dâ vunden si gezieret · vil maneger vrouwen lîp:
si enphiengen wol mit êren · des künic Etzelen wîp.
Mit harte grôßem vollen · sô wart in bereit,
swaß si haben solden. · vil manec helt gemeit
sich vreute gên dem schalle. · herbergen man began.
des küneges hôhgezîte · huop sich vil vrœlîchen an.
Sine mohten niht alle · geherbergen in der stat.
die niht geste wâren, · Rüedegêr die bat,
daß si herberge · næmen in daß lant.
ich wæn, man alle zîte · den künec bî Kriemhilde vant.
Dietrîch der hêrre · und ander manec degen
die heten sich der ruowe · mit arbeit bewegen,
durch daß si den gesten · trôsten wol den muot.
Rüedgêr und sîne vriunde · heten kurzwîle guot.
Diu hôhzît was gevallen · an einen phingestac,
dâ der künic Etzel · bî Kriemhilde lac
in der stat ze Wiene. · si wæn sô manegen man
bî ir êrsten manne · nie ze dienste gewan.
Si kunte sich mit gâbe · dem, der si nie gesach.
vil maneger dar under · zuo den gesten sprach:
„wir wânden, daß vrou Kriemhilt · guotes niht möhte hân:
nu ist hie mit ir gâbe · vil manec wunder getân.“
Diu hôhzît diu werte · sibenzehen tage.
ich wæn, man von deheinem · künege mêre sage,
des hôhzît grœßer wære: · daß ist uns gar verdeit.
alle, die dâ wâren, · truogen iteniuwe kleit.
Si wæn in Niderlande · dâ vor nie gesaß
mit sô manegem recken: · dâ bî geloube ich daß,
was Sîvrit rîch des guotes, · daß er doch nie gewan
sô manegen recken edele, · sô si sach vor Etzeln stân.
Ouch gap nie künec neheiner · zuo sîn selbes hôhgezît
sô manegen rîchen mantel · tief unde wît,
noch sô guoter kleider, · der si vil mohten hân,
die Kriemhilde willen · wurden alle vertân.
Ir vriunde und ouch ir geste · heten einen muot,
daß si dâ niht ensparten · deheiner slahte guot.
swes ieman an si gerte, · des wâren si bereit.
des gestuont dô vil der degene · von milte blôß und âne kleit.
Wie si ze Rîne sæße, · gedâhte si ane daß,
bî ir edelem manne, · ir ougen wurden naß.
si hetes vaste hæle, · daß eß ieman kunde sehen.
ir was nâch manegem leide · sô vil der êren geschehen.
Swaß ieman tet mit milte, · daß was gar ein wint
unz an Dietrîche: · swaß Botlunges kint
im gegeben hête, · daß was nu gar verswant.
ouch begie dâ michel wunder · des milten Rüedegêres hant.
Ûßer Ungerlande · der vürste Blœdelîn
der hieß dâ lære machen · vil manec leitschrîn
von silber und von golde · dâ wart hin gegeben.
man sach des küneges helde · sô rehte vrœlîche leben.
Werbel unde Swemelîn, · des küneges spilman,
ich wæn, ir ieglîcher · zer hôhzît gewan
wol ze tûsent marke · oder dannoch baß,
dâ diu schœne Kriemhilt · bî Etzele under krône saß.
An dem ahtzehenden morgen · von Wiene si dô riten.
dô wart in rîterscheften · schilde vil versniten
von speren, die dâ vuorten · die recken an der hant.
sus kom der künic Etzel · mit vreuden in der Hiunen lant.
Ze Heimburg der alten · si wâren über naht.
done kunde niemen wißßen · wol des volkes aht,
mit wie getâner krefte · si riten über lant.
hei, waß man schœner vrouwen · in sîme heimuote vant.
Ze Misenburc der rîchen · dâ schiften si sich an.
daß waßßer wart verdecket · von ros und ouch von man,
alsam eß erde wære, · swaß man sîn vließen sach.
die wegemüeden vrouwen · die heten semfte und ouch gemach.
Ze samne was gefloßßen · manec schef vil guot,
daß in niht enschadete · die ünde noch diu vluot;
dar über was gespannen · manec guot gezelt,
sam ob si noch hêten · beide lant unde velt.
Dô kômen disiu mære · ze Etzelenburc von dan,
dô vreuten sich dar inne · wîp unde man.
Etzelen ingesinde, · des ê vrou Helche phlac,
gelebte bî Kriemhilde · sît manegen vrœlîchen tac.
Dô stuont dâ wartende · vil manec edel meit,
Die nâch Helchen tôde · heten manegiu leit.
siben künege tohter · Kriemhilt noch dâ vant:
von den was gezieret · wol alleß Etzelen lant.
Diu juncvrouwe Herrât · noch des gesindes phlac,
diu Helchen swester tohter, · an der vil tugende lac,
diu gemahele Dietrîches, · eins edelen küneges kint,
diu tohter Nentwînes: · diu hete vil der êren sint.
Gegen der geste kümfte · vreute sich ir muot;
ouch was dar zuo bereitet · vil kreftigeß guot.
wer kunde iu daß bescheiden, · wie sît der künec gesaß?
si gelebten dâ zen Hiunen · nie mit küneginne baß.
Do der künec mit sîme wîbe · von dem stade reit,
wer ieglîche vuorte, · daß wart dô wol geseit
der edelen Kriemhilde: · si gruoßtes deste baß.
hei, wie gewalteclîchen · si sît an Helchen stat gesaß!
Getriulîches dienstes · wart ir vil bekant.
dô teilte diu küneginne · golt und ouch gewant,
silber und gesteine: · swaß si des über Rîn
mit ir zen Hiunen brâhte, · daß muose gar zergeben sîn.
Ouch wurden ir mit dienste · sider undertân
al des küneges mâge · und alle sîne man,
daß diu vrouwe Helche nie · so gewalteclîch gebôt,
sô si ir muosen dienen · unz an den Kriemhilde tôt.
Dô stuont mit solhen êren · der hof und ouch daß lant,
daß man dâ zallen zîten · die kurzwîle vant,
swar nâch ieglîchem · daß herze truoc den muot,
durch des küneges liebe · und der küneginne guot.
In alsô hôhen êren, · daß ist alwâr,
wontens mit ein ander · unz an daß sibende jâr.
die zît diu küneginne · eins suns was genesen:
des kunde der künic Etzel · nimmer vrœlîcher wesen.
Sine wolde niht erwinden, · sine wurbe sint,
daß getoufet wurde · daß Etzelen kint
nâch kristenlîchem rehte: · Ortliep wart eß genant.
des wart vil michel vreude · über al deß Etzelen lant.
Swaß ie guoter tugende · an vroun Helchen lac,
der vleiß sich vrou Kriemhilt · dar nâch vil manegen tac.
die site si lêrte Herrât, · diu ellende meit.
diu hete tougenlîche · nâch Helchen grœßlîchiu leit.
Den vremden und den kunden · was si vil wol bekant;
die jâhen, daß nie vrouwe · besæße küneges lant
beßßer unde milter: · daß heten si vür wâr.
daß lop si truoc zen Hiunen · unz an daß driuzehende jâr.
Nu het si wol erkunnet, · daß ir niemen widerstuont,
alsô noch vürsten wîbe · küneges recken tuont,
und daß si alle zîte · zwelf künege vor ir sach.
si gedâht ouch maneger leide, · der ir dâ heime geschach.
Si dâhte ouch maneger êren · von Niblunge lant,
der si was gewaltec · und die ir Hagenen hant
mit Sîvrides tôde · hete gar benomen,
und ob im daß ouch immer · noch ze leide möhte komen.
„Daß geschæhe, ob ich in bringen · möhte in ditze lant.“
ir troumde, daß ir gienge · vil dicke an der hant
Gîselher ir bruoder: · si kusten zaller stunt
vil ofte in semftem slâfe. · sît wart in arbeite kunt.
Ich wæn, der übel vâlant · Kriemhilde daß geriet,
daß si mit vriuntschefte · von Gunthere schiet,
den si durch suone kuste · in Burgunden lant.
do begunde ir aber salwen · von heißen trehen ir gewant.
Eß lac ir an dem herzen · spât unde vruo,
wie man si âne schulde · bræhte dar zuo,
daß si muose minnen · einen heidenischen man:
die nôt die hete ir Hagene · unde Gunther getân.
Daß si daß rechen möhte, · des wunschtes alle tage.
si gedâht: „ich bin sô rîche · unt hân sô grôße habe,
daß ich mînen vînden · gevüege noch ein leit:
des wær et ich von Troneje · Hagnen gerne bereit.
„Nâch den getriuwen jâmert · dicke eß herze mîn:
die mir dâ leide tâten, · möhte ich bî den sîn,
sô wurde wol errochen · mînes vriundes lîp.
des ich kûme erbeite,“ · sprach daß jâmerhafte wîp.
Ze liebe si dô hêten · alle sküneges man,
die Kriemhilde recken: · daß was vil wol getân.
der kameren phlac Eckewart, · dâ von er vriunt gewan.
Kriemhilde willen · kunde nieman understân.
Si dâhte zallen zîten: · „ich will den künic biten,“
daß er ir des gunde · mit güetlîchen siten,
daß man ir vriunde bræhte · in der Hiunen lant.
den argen willen niemen · an der küneginne vant.
Dô si eines nahtes · bî dem künege lac,
mit armen umbevangen · het er si, als er phlac
die edelen vrouwen triuten, · si was im sô sîn lîp:
dô gedâhte ir vînde · daß vil hêrlîche wîp.
Si sprach zuo dem künege: · „vil lieber hêrre mîn,
ich wolde iuch biten gerne, · möhteß mit hulden sîn,
daß ir mich sehen ließet, · ob ich daß het versolt,
daß ir den mînen vriunden · wæret inneclîchen holt.“
Dô sprach der künic rîche, · getriuwe was sîn muot:
„ich bringe iuch des wol innen, · swâ liep unde guot
den helden widervüere, · des müese ich vreude hân,
wand ich von wîbes minne · nie beßßer vriunde gewan.“
Dô sprach diu küneginne: · „iu ist daß wol geseit,
ich hân vil hôhe mâge: · dar umbe ist mir sô leit,
daß mich die sô selten · ruochent hie gesehen:
ich hœre, mîn die liute · niuwan vür ellende jehen.“
Dô sprach der künic Etzel: · „vil liebiu vrouwe mîn,
diuht eß si niht ze verre, · sô lüede ich über Rîn,
swelhe ir dâ gerne sæhet, · her in mîniu lant.“
des vreute sich diu vrouwe, · dô si den willen sîn ervant.
(Si sprach:) „welt ir mir triuwe · leisten, hêrre mîn,
sô sult ir boten senden · ze Wormeß über Rîn.
so enbiute ich mînen vriunden, · des ich dâ habe muot:
sô kumt uns her ze lande · vil manec edel rîter guot.“
Er sprach: „swenne ir gebietet, · sô lâß et eß geschehen.
irn kundet iuwer vriunde · sô gerne niht gesehen,
als ich si gesæhe, · der edelen Uoten kint.
mich müet daß harte sêre, · daß si uns sô lange vremde sint.
„Ob eß dir wol gevalle, · vil liebiu vrouwe mîn,
wolde ich ze boten senden · nâch den vriunden dîn
die mînen videlære · in Burgunden lant.“
die guoten videlære · hieß er bringen sâ zehant.
Si îlten harte balde, · dâ der künic saß
bî der küneginne. · er saget in beiden daß,
si solden boten werden · in Burgunden lant.
dô hieß er in bereiten · harte hêrlîch gewant.
Vier und zweinzec recken · bereite man dô kleit.
ouch wart in von dem künege · diu botschaft geseit,
wie si dar laden solden · Gunther und sîne man.
Kriemhilt diu vrouwe · si sunder sprechen began.
Dô sprach der künic rîche: · „ich sag iu, wie ir tuot:
ich enbiute mînen vriunden · lieb und alleß guot,
daß si geruochen rîten · her in mîniu lant.
ich hân sô lieber geste · harte wênec noch bekant.
„Und ob si mînes willen · wellen iht begân,
die Kriemhilde mâge, · daß si des niht enlân,
sine komen mir ze liebe · zuo mîner hôhgezît,
wan vil der mînen wünne · an mînen konemâgen lît.“
Dô sprach der videlære, · der stolze Swemelîn:
„wenne sol iuwer hôhzît · in disen landen sîn?
daß wir iuwern vriunden · daß künnen dort gesagen.“
dô sprach der künic Etzel: · „zen næhsten sunwenden tagen.“
„Wir tuon, swaß ir gebietet,“ · sprach dô Werbelîn.
in ir kemenâten · bat diu künegîn
bringen tougenlîchen · die boten si gesprach;
dâ von vil manegem degene · sît wênec liebes geschach.
Si sprach zen boten beiden: · „nu dienet michel guot,
daß ir mînen willen · vil güetlîchen tuot,
und sagt, swaß ich enbiete · heim in unser lant:
ich mache iuch guotes rîche · und gib iu hêrlîch gewant.
„Swaß ir der mîner vriunde · immer muget gesehen
ze Wormeß bî dem Rîne, · den sult ir niht verjehen,
daß ir noch ie gesæhet · betrüebet mînen muot;
und saget mînen dienest · den helden küene unde guot.
„Bitet, daß si leisten, · swaß in der künec enbôt,
und mich dâ mite scheiden · von aller mîner nôt.
die Hiunen wellent wænen, · deich âne vriunde sî.
ob ich ein rîter hieße, · ich kœme in etwenne bî.
„Und saget ouch Gêrnôte, · dem edelen bruoder mîn,
daß im zer werlde niemen · holder müge sîn.
bitet, daß er mir bringe · her in ditze lant
unser besten vriunde, · deiß uns zen êren sî gewant.
„Sô saget ouch Gîselhere, · daß er gedenke dran,
daß ich von sînen schulden · nie leides niht gewan:
des sæhen in vil gerne · hie diu ougen mîn
des wolde ich immer mêre · hinz im dienende sîn.
„Saget ouch mîner muoter · die êre, die ich hân,
und ob von Troneje Hagene · welle dort bestân,
wer si danne wîsen · solde durch diu lant:
dem sint die wege von kinde · her zen Hiunen wol bekant.“
Die boten niene wessen, · wâ von daß was getân,
daß si von Troneje Hagenen · niht ensolden lân
belîben bî dem Rîne. · eß wart in sider leit:
mit im was manegem degene · zem grimmen tôde widerseit.
Brieve unde botschaft · was in nu gegeben.
si vuoren guotes rîche · und mohten schône leben.
urloup gap in Etzel · und ouch sîn schœne wîp;
in was von guoter wæte · vil wol gezieret der lîp.
Dô Etzel sîne boten · zuo dem Rîne sande,
dô vlugen disiu mære · von lande ze lande:
mit boten harte snellen · er bat und ouch gebôt
zuo sîner hôhgezîte; · des holte maneger dâ den tôt.
Die boten dannen vuoren · ûßer Hiunen lant
zuo den Burgunden: · dar wâren si gesant
nâch drin edelen künegen · und ouch nâch ir man:
si solten komen Etzelen; · des man dô gâhen began.
Hin ze Bechlâren · kômen si geriten:
dâ diende man in gerne, · daßn wart dâ niht vermiten.
Rüedgêr sînen dienest · enbôt und Gotelint
bî in hin ze Rîne · und ouch des marcgrâven kint.
Sine ließens âne gâbe · von in niht scheiden dan,
daß deste baß gevüeren · die Etzelen man.
Uoten und ir kinden · enbôt dô Rüedegêr,
sine heten in sô wægen · deheinen marcgrâven mêr.
Si enbuten ouch Prünhilde · dienest unde guot,
stætelîche triuwe · und willigen muot.
dô si die rede vernâmen, · die boten wolden varn:
si bat diu marcgrâvinne · Got von himele bewarn.
Ê daß die boten kœmen · vol durch Beier lant,
Werbel der vil snelle · den guoten bischof vant.
waß der dô sînen vriunden · hin ze Rîne enbôt,
daß ist mir niht gewißßen: · niuwan sîn golt alsô rôt
Gab er den boten ze minnen. · rîten er si lie.
dô sprach der bischof Pilgerîn: · „und solde ichs sehen hie,
mir wære wol ze muote, · die swester süne mîn:
ich mac leider selten · zuozin komen an den Rîn.“
Welhe wege si vüeren · ze Rîne durch diu lant,
des kan ich niht bescheiden. · ir silber und gewant
des ennam in nieman: · man vorhte ir hêrren zorn:
jâ was vil gewaltec · der edele künic wol geborn.
Inre tagen zwelfen · kômens an den Rîn,
ze Wormeß zuo dem lande, · Werbel und Swemelîn.
dô sagte man diu mære · den künegen und ir man,
dâ kœmen boten vremede: · Gunther dô vrâgen began.
Dô sprach der vogt von Rîne: · „wer tuot uns daß bekant,
von wannen dise vremeden · riten in daß lant?“
daß enwesse nieman, · unze daß si sach
Hagene von Troneje · dô ze Gunthere sprach:
„Uns koment niuwe mære, · des wil ich iu verjehen:
die Etzelen videlære · die hân ich hie gesehen;
si hât iuwer swester · gesendet an den Rîn:
si suln uns durch ir hêrren · grôße willekomen sîn.“
Si riten al bereite · vür den palas dan:
eß gevuoren hêrlîcher · nie vürsten spileman.
des küneges ingesinde · enphie si sâ zehant:
man gab in herberge · und hieß behalten ir gewant.
Ir reiskleider wâren · rîch und sô wolgetân,
jâ mohten si mit êren · vür den künic gân;
sine wolden ir niht mêre · dâ ze hove tragen.
ob ir ieman geruohte, · die boten hießen daß sagen.
In der selben mâße · man ouch liute vant,
die eß vil gerne nâmen: · den wart eß gesant.
dô leiten an die geste · verre rîcher wât,
als eß boten küneges · ze tragene hêrlîche stât.
Dô gie mit urloube, · dâ der künic saß,
daß Etzelen gesinde: · gerne sach man daß.
Hagene von dem sedele · gein den boten spranc
und enphie si minneclîche: · des sagten im die knappen danc.
Durch diu kunden mære · vrâgen er began,
wie sich Etzele gehabete · und die sîne man.
dô sprach der videlære: · „daß lant gestuont nie baß,
noch sô vrô die liute: · nu wißßet endelîche daß.“
Er brâhtes zuo dem wirte; · der palas der was vol:
do enphie man die geste, · sô man boten sol
güetlîchen grüeßen · in ander künege lant.
Werbel vil der recken · dâ bî Gunthere vant.
Der künec gezogenlîche · grüeßen si began:
„sît willekomen beide, · ir Etzelen spileman,
und iuwer hergesellen. · wes hât iuch her gesant
Etzele der rîche · zuo der Burgunden lant?“
Si nigen dô dem künege. · dô sprach Werbelîn:
„iu enbiutet sînen dienest · der liebe hêrre mîn
und Kriemhilt iuwer swester · her in ditze lant:
si habent uns iu recken · ûf guote triuwe her gesant.“
Dô sprach der vürste rîche: · „der mære bin ich vrô.
wie gehabt sich Etzele,“ · vrâgte der degen dô,
„und Kriemhilt mîn swester · ûßer Hiunen lant?“
dô sprach der videlære: · „diu mære tuon ich iu bekant.
„Sich gehabten künege, · ir sult wol wißßen daß,
in deheinem lande · vrœlîcher noch baß,
und alleß daß gedigene, · die mâge und ouch ir man,
si vreuten sich der verte, · dô wir schieden von dan.“
„Genâde sîner dienste, · die er mir enboten hât,
unde mîner swester, · sît eß alsô stât,
daß si lebent mit vreuden, · der künec und sîne man,
wande ich doch der mære · gevrâget sorgende hân.“
Die zwêne jungen künege · die wâren ouch nu komen:
si heten disiu mære · alrêste dô vernomen.
durch sîner swester liebe · die boten gerne sach
Gîselher der junge · zuo zin dô minneclîchen sprach:
„Ir boten sult uns grôße · willekomen sîn;
ob ir dicker woldet · her rîten an den Rîn,
ir vündet hie die vriunde, · die ir gerne möhtet sehen.
iu solte hie ze lande · vil wênec leides geschehen.“
„Wir triuwen iu aller êren,“ · sprach dô Swemlîn;
„ine kunde iu niht bediuten · mit den sinnen mîn,
wie rehte minneclîche · iu Etzel enboten hât
und iuwer edele swester, · der dinc in hôhen êren stât.
„Genâde unde triuwen · mant iuch des küneges wîp,
und daß ir ie was wæge · iur herze und iuwer lîp.
und ze vordrest dem künege · sî wir her gesant,
daß ir geruochet rîten · zuo zin in Etzelen lant.
„Eß sol ouch mit iu rîten · der hêrre Gêrnôt.
Etzel der rîche · iu allen daß enbôt,
ob ir iuch iuwer swester · niht sehen woldet lân,
sô wolde er gerne wißßen, · waß er iu hête getân,
„Daß ir in alsô vremdet · und ouch sîniu lant.
ob iu diu küneginne · wær nie mêr bekant,
sô möhte er doch verdienen, · daß ir in geruochet sehen:
swenne daß ergienge, · sô wær im liebe geschehen.“
Dô sprach der künic Gunther: · „über dise siben naht
sô künde ich iu diu mære, · wes ich mich hân bedâht
mit den mînen vriunden: · die wîle sult ir gân
in iuwer herberge · und sult vil guote ruowe hân.“
Dô sprach aber Werbelîn: · „und möhte daß geschehen,
daß wir mîne vrouwen · kunden ê gesehen,
Uoten die vil rîchen, · ê wir schüefen uns gemach?“
Gîselher der edele · vil harte zühteclîchen sprach:
„Daß ensol iu niemen wenden; · und welt ir vür si gân,
ir habet mîner muoter · willen gar getân;
wan si siht iuch gerne · durch die swester mîn,
vroun Kriemhilde: · ir sult ir willekomen sîn.“
Gîselher si brâhte, · dâ er die vrouwen vant.
die boten sach si gerne · ûß der Hiunen lant:
si gruoßtes minneclîche · durch tugenthaften muot.
dô sagten ir diu mære · die boten hövisch unde guot.
„Mîn vrou iu her enbiutet,“ · sô sprach Swemelîn,
„ir dienst in grôßen triuwen, · und möhte daß gesîn,
daß si iuch dicke sæhe, · ir sult gelouben daß,
sô wær ir in der werlte · mit deheinen vreuden baß.“
Dô sprach diu küneginne: · „des mac nu niht gesîn.
swie gerne ich dicke sæhe · die lieben tohter mîn,
so ist leider mir ze verre · des edelen küneges wîp.
nu sî immer sælec · ir und Etzelen lîp.
„Ir sult mich lâßen wißßen, · ê irß gerûmet hie,
swenne ir wider wendet: · ine gesach sô gerne nie
boten in langen zîten, · danne ich iuch hân gesehen.“
die knappen ir dô lobeten, · daß si daß ließen geschehen.
Zen herbergen vuoren · die von Hiunen lant.
dô hete der künic rîche · nâch vriunden sîn gesant.
Gunther der edele · vrâgte sîne man,
wie in diu rede geviele? · vil maneger sprechen dô began,
Daß er wol möhte rîten · in Etzelen lant.
daß rieten im die besten, · die er dar under vant,
niuwan Hagen eine: · dem was eß grimme leit.
er sprach zem künege tougen: · „ir habt iu selben widerseit.
„Nu ist iu doch gewißßen, · waß wir haben getân:
wir mugen immer sorge · zuo Kriemhilde hân,
wan ich sluoc ze tode · ir man mit mîner hant:
wie getorsten wir gerîten · in daß Etzelen lant?“
Dô sprach der künic rîche: · „mîn swester lie den zorn.
mit kusse minneclîche · si hât ûf uns verkorn,
daß wir ir ie getâten, · ê daß si hinnen reit,
eß ensî et, Hagene, · iu eime von ir widerseit.“
„Nu lât iuch niht betriegen,“ · sprach Hagene, „swes si jehen,
die boten von den Hiunen. · welt ir Kriemhilde sehen,
ir mugt wol dâ verliesen · die êre und ouch den lîp:
eß ist vil lancræche · des küneges Etzelen wîp.“
Dô sprach zuo dem râte · der vürste Gêrnôt:
„sît ir von schulden · vürhtet dâ den tôt
in Hiunischen rîchen; · solt wirß dar umbe lân,
wirn sæhen unser swester, · daß wær vil übele getân.“
Dô sprach der hêrre Gîselher · zuo dem degene:
„sît ir iuch schuldec wißßet, · vriunt Hagene,
sô sult ir hie belîben · und iuch vil wol bewarn
und lâßet die getürstigen · mit uns zuo den Hiunen varn.“
Dô begunde zürnen · von Tronje der degen:
„ich wil niht, daß ir vüeret · iemen ûf den wegen,
der getürre rîten · mit iu ze hove baß.
sît ir niht welt erwinden, · ich sol iu wol erzeigen daß.“
Dô sprach der kuchenmeister · Rûmolt der degen:
„der vremden und der kunden · mugt ir wol heißen phlegen
nâch iuwer selbes willen, · wand ir habt vollen rât.
ich wæne niht, daß Hagene · iuch noch vergîselet hât.
„Welt ir niht volgen Hagenen, · iu rætet Rûmolt,
wand ich iu bin mit triuwen · dienstlîchen holt,
daß ir hie sult belîben · durch den willen mîn,
und lât den künic Etzelen · dort bî Kriemhilde sîn.
„Wie kund iu in der werlte · immer samfter wesen?
ir muget vor iuwern vînden · hie heime wol genesen.
ir sult mit guoten kleidern · zieren wol den lîp,
trinket wîn, den besten, · und minnet wætlîchiu wîp.
„Dar zuo gît man iu spîse, · die besten, die ie hât
in der werlte künec deheiner. · iur lant vil schône stât:
ir mugt iuch Etzelen hôhgezît · mit êren wol bewegen
und mugt mit iuwern vriunden · vil guoter kurzwîle phlegen.
„Ob ir niht anders hêtet, · daß ir möht geleben,
ich wolde iu einer spîse · den vollen immer geben,
sniten in öl gebrouwen. · deist Rûmoldes rât,
sît eß sô angestlîchen, · ir hêrren, dâ zen Hiunen stât.
„Ich weiß, daß mîn vrou Kriemhilt · iu nimmer wirdet holt;
ouch habt ir unde Hagene · zir anders niht versolt.
des sult ir belîben, · eß mac iu werden leit:
ir kumet es an ein ende, · daß ich iu niht hân misseseit.
„Des rât ich iu belîben. · rîch sint iuwer lant:
man mac iu baß erlœsen · hie heime diu phant
danne dâ zen Hiunen: · wer weiß, wie eß dâ stât?
ir sult belîben, hêrren: · daß ist der Rûmoldes rât.
„Wir wellen niht belîben,“ · sprach dô Gêrnôt.
„sît daß uns mîn swester · sô vriuntlîche enbôt
und Etzele der rîche, · zwiu solde wir daß lân?
der dar niht gerne welle, · der mac hie heime bestân.“
„Entriuwen,“ sprach dô Rûmolt, · „ich solß der eine sîn,
der durch Etzelen hôhgezît · kumt nimmer über Rîn.
zwiu solde ich daß wâgen, · daß ich wæger hân?
die wîle ich mag immer, · wil ich mich selbe leben lân.“
„Des selben wil ich volgen,“ · sprach Ortwîn der degen:
„ich wil des geschäftes · hie heime mit iu phlegen.“
dô sprâchen ir genuoge, · si woldenß ouch bewarn:
„Got lâße iuch, liebe hêrren, · dâ zen Hiunen wol gevarn.“
Der künec begunde zürnen, · dô er daß gesach,
daß si dâ heime wolden · schaffen ir gemach:
„dar umbe wirß niht lâßen, · wir müeßen an die vart:
eß waldet guoter sinne, · der sich alle zît bewart.“
Des antwurte Hagene: · „lât iuch unbilden niht
mîne rede dar umbe; · swie halt iu geschiht,
ich rât iu an den triuwen, · welt ir iuch wol bewarn,
sô sult ir zuo den Hiunen · vile werlîchen varn.
„Sît ir niht welt erwinden, · so besendet iuwer man,
die besten, die ir vindet · oder inder muget hân,
sô wel ich ûß in allen · tûsent rîter guot:
sone mag iu niht gewerren · der argen Kriemhilde muot.“
„Des wil ich gerne volgen,“ · sprach der künec zehant.
dô hieß er boten rîten · wîte in sîn lant:
dô brâhte man der helde · driu tûsent oder mêr.
sin wânden niht erwerben · alsô gremlîchiu sêr.
Si riten vrœlîche · in Guntheres lant.
man hieß in geben allen · ros und ouch gewant,
die dâ varen solden · zuo den Hiunen dan.
der künec mit guotem willen · der vil manegen gewan.
Dô hieß von Tronje Hagene · Dancwart den bruoder sîn
ir beider recken ahzec · vüeren an den Rîn.
die kômen rîterlîche: · harnas und gewant
vuorten die vil snellen · in daß Guntheres lant.
Dô kom der küene Volkêr, · ein edel spilman,
zuo der hovereise · mit drîßec sîner man:
die heten sölch gewæte, · eß möhte ein künic tragen.
daß er zen Hiunen wolde, · daß ließ er Gunthere sagen.
Wer der Volkêr wære, · daß wilch iuch wißßen lân.
er was ein edel hêrre: · im was ouch undertân
vil der guoten recken · in Burgunden lant.
durch daß er videlen kunde, · was er spilman genant.
Hagne welte tûsent: · die het er wol bekant;
waß in starken stürmen · hete gevrumet ir hant,
oder swaß si ie begiengen, · des het er vil gesehen:
in kunde ouch anders nieman · niuwan vrümekeite jehen.
Die boten Kriemhilde · vil sêre dâ verdrôß:
wan ir vorht zir hêrren · diu was harte grôß:
si gerten tegelîche · urloubes von dan.
des engunde in niht Hagene: · daß was durch liste getân.
Er sprach zuo sîme hêrren: · „wir suln daß wol bewarn,
daß wir si lâßen rîten, · ê daß wir selbe varn
dar nâch in siben nahten · in Etzelen lant.
treit uns iemen argen muot, · daß wirt uns dester baß erkant.
„Sone mac ouch sich vrou Kriemhilt · bereiten niht dar zuo,
daß uns durch ir ræte · ieman schaden tuo.
hât aber si den willen, · eß mag ir leide ergân:
wir vüern mit uns zen Hiunen · sô manegen ûß erwelten man.“
Schilde unde setele · und alleß ir gewant,
daß si vüeren wolden · in Etzelen lant,
daß was nu gar bereitet · vil manegem küenen man.
die boten Kriemhilde · hieß man vür Guntheren gân.
Dô die boten kômen, · dô sprach Gêrnôt:
„der künic wil des volgen, · daß uns Etzel her enbôt.
wir wellen komen gerne · zuo sîner hôhgezît
und sehen unser swester; · daß ir des âne zwîvel sît.“
Dô sprach der künic Gunther: · „kunnet ir uns gesagen,
wenne sî diu hôhgezît, · oder in welhen tagen
wir dar komen solden?“ · dô sprach Swemelîn:
„zen næhsten sunewenden · sol si vil wærlîchen sîn.“
Der künic in erloubte, · des was noch niht geschehen,
ob si wolden gerne · vroun Prünhilde sehen,
daß si vür si solten · mit sînem willen gân.
daß understuont dô Volkêr: · daß was ir liebe getân.
„Jane ist mîn vrouwe Prünhilt · nu niht sô wol gemuot,
daß ir si muget schouwen,“ · sprach der rîter guot.
bîtet unz morgen: · sô lât man si iuch sehen.“
dô si wânden schouwen, · dône kundes niht geschehen.
Dô ließ der vürste rîche, · er was den boten holt,
durch sîn selbes tugende · tragen dar sîn golt
ûf den breiten schilten: · des mohter vil gehân.
ouch wart in rîchiu gâbe · von sînen vriunden getân.
Gîselher und Gêrnôt, · Gêre und Ortwîn,
daß si ouch milte wâren, · daß tâten si wol schîn.
alsô rîche gâbe si · die boten buten an,
daß sis vor ir hêrren · niht getorsten enphân.
Dô sprach zuo dem künege · der bote Werbelîn:
„her künec, lât iuwer gâbe · hie ze lande sîn.
wir mugen ir doch niht vüeren, · mîn hêrre eß uns verbôt,
daß wir iht gâbe næmen: · ouch ist es harte lützel nôt.“
Dô wart der vogt von Rîne · dâ von vil ungemuot,
daß si versprechen wolden · sô rîches küneges guot:
dô muosen si enphâhen · sîn golt und sîn gewant,
daß si mit in vuorten · sît in Etzelen lant.
Si wolden sehen Uoten, · ê daß si schieden dan.
Gîselher der junge · brâht die spileman
vür sîne muoter Uoten; · diu vrouwe enbôt dô dan,
swaß si êren hête, · daß wære ir liebe getân.
Dô hieß diu küneginne · ir borten und ir golt
geben durch Kriemhilde, · wan der was si holt,
und durch den künic Etzelen · den selben spilman.
si mohtenß gerne enphâhen: · eß was mit triuwen getân.
Urloup genomen hêten · die boten nu von dan
von mannen und von wîben; · mit vreuden si dô dan
vuoren unz in Swâben: · dar hieß si Gêrnôt
beleiten sîne helde, · daß eß in niemen missebôt.
Dô sich die von in schieden, · die ir dâ solden phlegen,
diu Etzelen hêrschaft · si vridete ûf den wegen:
des ennam in nieman · ros noch ir gewant.
si begunden vaste gâhen · wider in der Hiunen lant.
Swâ si vriunde westen, · daß tâten si den kunt,
daß die von Burgunden · in vil kurzer stunt
kœmen her von Rîne · in der Hiunen lant.
dem Bischof Piligrîne · wart ouch daß mære bekant.
Dô si vür Bechlâren · die strâße nider riten,
man seit eß Rüedegêre, · desn wart niht vermiten,
und vroun Gotelinde, · des marcgrâven wîp.
daß si si sehen solden, · des wart vil vrœlîch ir lîp.
Gâhen mit den mœren · sach man die spilman.
Etzelen si vunden · in sîner stat ze Gran.
dienst über dienste, · der man im vil enbôt,
seiten si dem künege: · vor liebe wart er vreuden rôt.
Dô diu küneginne · diu mære rehte ervant,
daß ir bruoder solden · komen in daß lant,
dô was ir wol ze muote. · si lônde den spilman
mit vil grôßer gâbe: · daß was ir êre getân.
Si sprach: „nu saget beide, · Werbel und Swemlîn,
welhe mîne vriunde · zer hôhzît wellen sîn,
der besten, die wir ladeten · her in ditze lant.
nu saget, waß redet Hagene, · dô er diu mære bevant?“
„Er kom zuo der sprâche · an einem morgen vruo:
lützel guoter sprüche · redet er der zuo,
dô si die reise lobeten · her in Hiunen lant:
daß was dem grimmen Hagene · gar zem tôde genant.
„Eß kument iuwer bruoder · die künege alle drî
in hêrlîchem muote. · swer mêr dar mite sî,
der mære ich endelîchen · wißßen niene kan.
eß lobte mit in rîten · Volkêr der küene spilman.“
„Des enbær ich harte lîhte,“ · sprach des küneges wîp,
„daß ich immer hie gesæhe · den Volkêres lîp:
Hagnen bin ich wæge, · der ist ein helt guot:
daß wirn hie sehen müeßen, · des stât mir hôhe der muot.“
Dô gie diu küneginne, · dâ si den künic sach.
wie rehte minneclîche · vrou Kriemhilt dô sprach:
„wie gevallent iu diu mære, · vil lieber hêrre mîn?
des ie mîn wille gerte, · daß sol nu gar verendet sîn.“
„Dîn wille derst mîn vreude,“ · sprach der künic dô.
„ine wart mîn selbes mâge · nie sô rehte vrô,
ob si immer komen solden · her in mîniu lant.
durch liebe dîner vriunde · sô ist mîn sorge verswant.“
Des küneges amptliute · die hießen über al
mit gesidelen rihten · palas unde sal
gên den lieben gesten, · die in dâ solden komen.
sît wart von in dem künege · vil michel wünne benomen.
Nu lâßen daß belîben, · wie si gebâren hie.
hôch gemuoter recken · die gevuoren nie
sô rehte hêrlîchen · in deheines küneges lant.
si heten, swaß si wolden, · beide wâfen und gewant.
Der vogt von dem Rîne · kleidete sîne man
sehzec unde tûsent, · als ich vernomen hân,
und niun tûsent knehte · gên der hôhzît.
die si dâ heime ließen, · die beweinden eß sît.
Dô truoc man daß gereite · ze Wormeß über den hof.
dô sprach dâ von Spîre · ein alter bischof
zuo der schœnen Uoten: · „unser vriunde wellent varn
gên der hôhzîte: · Got müeße si dâ bewarn.“
Dô sprach zuozir kinden · diu edele Uote:
„ir soldet hie belîben, · helde guote.
mir ist getroumet hînte · von engestlîcher nôt,
wie alleß daß gevügele · in disme lande wære tôt.“
„Swer sich an troume wendet,“ · sprach dô Hagene,
„der enweiß der rehten mære · niht ze sagene,
wenne eß im zen êren · volleclîchen stê.
ich wil, daß mîn hêrre · ze hove nâch urloube gê.
„Wir suln vil gerne rîten · in Etzelen lant:
dâ mac wol dienen künege · guoter helde hant,
dâ wir dâ schouwen müeßen · Kriemhilde hôhzît.“
Hagne riet die reise; · iedoch gerouw eß in sît.
Er heteß widerrâten, · wan daß Gêrnôt
mit ungevüege · im alsô missebôt.
er mant in Sîvrides, · vroun Kriemhilde man:
er sprach: „dâ von wil Hagene · die grôßen hovereise lân.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „durch vorhte ich niht entuo.
swenne ir gebietet, helde, · sô sult ir grîfen zuo:
jâ rîte ich mit iu gerne · in Etzelen lant.“
sît wart von im verhouwen · manec helm unde rant.
Diu schif bereitet wâren · den künegen und ir man;
swaß si kleider hêten, · diu truoc man dar an.
si wâren vil unmüeßec · vor âbendes zît;
si huoben sich von hûse · vil harte vrœlîche sît.
Gezelt unde hütten · spien man an daß gras
anderhalp des Rînes, · dâ daß gesæße was.
den künec bat noch belîben · sîn vil schœneß wîp:
si trûte noch des nahtes · den sînen wætlîchen lîp.
Pusûnen, vloitieren · houp sich des morgens vruo,
daß si varn solden: · dô griffen si dô zuo.
swer liep hete an arme, · der trûte vriundes lîp;
des schiet sît vil mit leide · des küneges Etzelen wîp.
Diu kint der schœnen Uoten · die heten einen man
küenen und getriuwen: · dô si dô wolten dan,
dô sagete er dem künege · tougen sînen muot.
er sprach: „des muoß ich trûren, · daß ir die hovereise tuot.“
Er was geheißen Rûmolt · und was ein helt zer hant.
er sprach: „wem welt ir lâßen · liute und ouch diu lant?
daß nieman kan erwenden · iu recken iuwern muot!
Kriemhilde mære · nie gedûhten mich guot.“
„Daß lant sî dir bevolhen · und ouch mîn kindelîn;
und diene wol den vrouwen: · daß ist der wille mîn.
swen du sehest weinen, · dem trœste sînen lîp;
jâ tuot uns nimmer leide · des künîc Etzelen wîp!“
Ê daß si schieden dannen, · der künec ze râte gie
mit sînen hôhsten mannen: · unberihtet er niht lie
lant unde bürge: · die der solden phlegen,
den ließ er ze huote · vil manegen ûß erwelten degen.
Diu ros bereitet wâren · den künegen und ir man.
mit minneclîchem kusse · schiet vil maneger dan,
dem in hôhem muote · lebete dô der lîp.
daß muose sît beweinen · vil manec wætlîcheß wîp.
Wuofen unde weinen · des hôrte man genuoc.
ir kint diu küneginne · zem künec ûf armen truoc:
„wie welt ir nu verweisen · unser beider lîp!
ir sult durch uns belîben,“ · sô sprach daß jâmerhafte wîp.
„Ir sult niht, vrouwe, weinen · durch den willen mîn,
ir sult in hôhem muote · hie heime ân angest sîn:
wir kumen schiere widere · mit vreuden wol gesunt.“
si schieden minneclîchen · von ir vriunden sâ ze stunt.
Dô man die snellen recken · sach zen rossen gân,
dô kôs man vil der vrouwen · trûreclîchen stân.
daß ir vil langeß scheiden · seite in wol der muot:
ûf grôßen schaden ze komene, · daß herze niene samphte tuot.
Die snellen Burgunden · sich ûß huoben,
dô wart in dem lande · ein michel uoben:
beidenthalp der berge · weinde wîp und man.
swie dort ir volc tæte, · si vuoren vrœlîche dan.
Die Niblunges helde · kômen mit in dan
in tûsent halspergen; · die heime heten lân
manege schœne vrouwen, · gesâhens nimmer mê;
Sîvrides wunde · tâten Kriemhilde wê.
In den selben zîten · was noch der gloube kranc;
doch vrumtens einen kapelân, · der in messe sanc:
der kom gesunder widere, · swie er vil kûm entran;
die andern muosen alle · dâ zen Hiunen bestân.
Dô schicten si ir reise · gên dem Möune dan,
ûf durch Ôstervranken, · die Guntheres man.
dar leitete si Hagene, · dem was eß wol bekant.
ir marschalc was Dankwart, · der helt von Burgunden lant.
Dô si von Ôstervranken · gên Swalevelde riten,
dô mohte man si kiesen · an hêrlîchen siten,
die vürsten und ir mâge, · die helde lobesam.
an dem zwelften morgen · der künec zer Tuonouwe kam.
Dô reit von Tronje Hagene · zaller vorderôst:
er was den Niblungen · ein helflîcher trôst.
do erbeißte der degen küene · nider ûf den sant:
sîn ros er harte balde · zuo eime boume gebant.
Daß waßßer was engoßßen, · diu schif verborgen:
eß ergie den Niblungen · zuo grôßen sorgen,
wie si kœmen übere: · der wâc was in ze breit.
do erbeißte zuo der erden · vil manec rîter gemeit.
„Leide,“ sprach dô Hagene, · „mac dir hie wol geschehen,
vogt von dem Rîne; · nu mahtu selbe sehen,
daß waßßer ist engoßßen, · vil starc ist im sîn vluot:
jâ wæn wir hie verliesen · noch hiute manegen recken guot.“
„Waß wîßet ir mir, Hagene?“ · sprach der künic hêr,
„durch iuwer selbes tugende · untrœstet uns niht mêr.
den vurt sult ir uns suochen · hin über an daß lant,
daß wir von hinnen bringen · beide ros und ouch gewant.“
„Ja enist mir,“ sprach Hagene, · „mîn leben niht sô leit,
daß ich mich welle ertrenken · in disen ünden breit:
ê sol von mînen handen · ersterben manec man
in Etzelen landen, · des ich vil guoten willen hân.
„Belîbet bî dem waßßer, · ir stolzen rîter guot.
ich wil die vergen suochen · selbe bî der vluot,
die uns bringen übere · in Gelphrâtes lant.“
dô nam der starke Hagene · sînen guoten schildes rant.
Er was wol gewâfent. · den schilt er dannen truoc,
den helm ûf gebunden; · lieht was er genuoc.
dô truoc er ob der brünne · ein wâfen alsô breit,
daß ze beiden ecken · vil harte vreislîchen sneit.
Dô suohte er nâch den vergen · wider unde dan.
er hôrte waßßer gießen: · losen er began.
in einem schœnen brunnen · tâten daß wîsiu wîp:
diu wolden sich dâ küelen · unde badeten ir lîp.
Hagene wart ir innen, · er sleich in tougen nâch.
dô si daß versunnen, · dô was in dannen gâch.
daß si im entrunnen, · des wâren si vil hêr.
er nam in ir gewæte: · der helt enschadete in niht mêr.
Dô sprach daß eine merwîp, · Hadburc was si genant:
„edel rîter Hagene, · wir tuon iu hie bekant,
swenne ir uns widere · gebet unser wât,
wie iu zuo den Hiunen · iuwer hovereise ergât.“
Si swebten sam die vogele · vor im ûf der vluot.
des dûhten in ir sinne · starc unde guot:
swaß si im sagen wolden, · er geloubte in dester baß.
daß er dô hinze in gerte, · wol beschieden si im daß.
Si sprach: „ir mugt wol rîten · in Etzelen lant.
des setze ich iu ze bürgen · mîn triuwe hie zehant,
daß helde nie gevuoren · in deheiniu rîche baß
nâch alsô grôßen êren; · nu geloubet wærlîchen daß.“
Der rede was dô Hagene · in sîme herzen hêr:
dô gab er in ir kleider · und sûmte sich niht mêr.
dô si an geleiten · ir wunderlîch gewant,
dô sageten sim rehte · die reise in Etzelen lant.
Dô sprach daß ander merwîp, · diu hieß Siglint:
„ich wil dich warnen, Hagene, · Aldrîânes kint.
durch der wæte liebe hât · mîn muome dir gelogen:
und kumestu zen Hiunen, · sô bistu sêre betrogen.
„Jâ soltu kêren widere, · daß ist an der zît:
wan ir helde küene · alsô geladet sît,
daß ir sterben müeßet · in Etzelen lant:
swelhe dar gerîtent, · die hânt den tôt an der hant.“
Dô sprach aber Hagene: · „ir trieget âne nôt.
wie möhte eß sich gevüegen, · daß wir alle tôt
solden dâ belîben · durch iemannes haß?“
si begunden im diu mære · sagen kuntlîcher baß.
Dô sprach aber diu eine: · „eß muoß alsô wesen,
daß dâ iuwer einer · niht enkan genesen
niuwan des küneges kapelân: · daß ist uns wol bekant:
der kumt gesunder widere · in daß Guntheres lant.“
Dô sprach in grimmem muote · der küene Hagene:
„daß wære mînen hêrren · müelîch ze sagene,
daß wir zen Hiunen solden · verliesen alle en lîp.
nu zeig uns überß waßßer, · aller wîseste wîp.“
Si sprach: „Sît du der verte · niht wellest haben rât,
wâ oben bî dem waßßer · ein herberge stât,
dar inne ist ein verge · und niender anderswâ.“
der mære, der er vrâgte, · der geloubete er sich dâ.
Dem ungemuoten recken · sprach diu eine nâch:
„nu bîtet noch, er Hagene: · jâ ist iu gar ze gâch.
vernemet noch baß diu mære, · (wie ir kumet über sant.
dirre marke hêrre · der ist Else genannt.
„Sîn bruoder derst geheißen · der degen Gelphrât,
ein hêrre in Beier lande: · vil müelîch eß iu stât,
welt ir durch sîne marke). · ir sult iuch wol bewarn
und sult ouch mit dem vergen · vil bescheidenlîchen varn.
„Der ist sô grimmes muotes, · er lât iuch niht genesen,
irn welt mit guoten sinnen · bî dem helde wesen.
welt ir, daß er iuch vüere, · sô gebet ir im den solt.
er hüetet dises landes · und ist Gelphrâte holt.
„Und kume er niht bezîte, · sô rüefet über vluot
und jehet, ir heißet Amelrîch. · der was ein helt guot,
der durch vîentschefte · rûmte ditze lant.
sô kumet iu der verge, · swenne im der name wirt erkant.“
Der übermüete Hagene · den vrouwen dô neic
des râtes und der lêre; · der helt vil stille sweic.
dô gie er bî dem waßßer · hôher an den sant,
dâ er anderthalben · eine herberge vant.
Er begunde ruofen · vaste über vluot:
„nu hol mich hie, verge,“ · sprach der degen guot,
„sô gib ich dir ze miete · von golde ein bouc vil rôt;
jâ ist mir dirre verte, · daß wißßest, wærlîche nôt.“
Der verge was sô rîche, · daß im niht dienen zam:
dâ von er lôn vil selten · von ieman dâ genam;
ouch wâren sîne knehte · vil hôhe gemuot.
noch stuont alleß Hagene · eine dishalp der vluot.
Dô ruofte er mit der krefte, · daß al der wâc erdôß
von des heldes sterke: · diu was michel unde grôß:
„nu hol mich Amelrîchen: · ich bin der Elsen man,
der durch starke vîntschaft · von disen landen entran.“
Vil hôch anme swerte · en bouc er im dô bôt,
lieht unde schœne · was er von golde rôt,
daß man in über fuorte · in Gelphrâtes lant.
der übermüete verge · nam selbe deß ruoder an die hant.
Ouch was der selbe schifman · niulîch gesît.
diu gir nâch grôßem guote · vil bœseß ende gît.
dô wolt er verdienen · daß Hagnen golt vil rôt:
des leit er von dem degene · den swertgrimmegen tôt.
Der verge zôch genôte · hin über an den sant.
den er dâ nennen hôrte, · do er des niht envant,
dô zurnde er ernslîchen; · dô er Hagenen sach,
vil harte grimmeclîchen · zuo dem helde er dô sprach:
„Ir muget wol sîn geheißen · bî namen Amelrîch;
des ich mich hie verwæne, · dem sît ir ungelîch.
von vater und von muoter · was er der bruoder mîn:
nu ir mich betrogen hât, · ir müeßet dishalben sîn.“
„Nein, durch Got den rîchen,“ · sprach dô Hagene.
„ich bin ein vremder recke · und sorge ûf degene.
nu nemet vriuntlîche · hin mînen solt,
daß ir mich über vüeret: · ich bin iu wærlîchen holt.“
Dô sprach aber der verge: · „desn mac niht gesîn.
eß habent vîende · die lieben hêrren mîn.
dar umbe ich niemen vremden · vüer in ditze lant:
sô liep dir sî ze lebene, · sô trit balde ûß an den sant.“
„Nune tuot des niht,“ sprach Hagene. · „trûrec ist mîn muot.
nemt von mir ze minnen · ditze golt vil guot
und vüert uns über tûsent ros · und alsô manegen man.“
dô sprach der grimme verge, · „daß wirdet nimmer getân.“
Er huop ein starkeß ruoder, · michel unde breit,
er sluog eß ûf Hagenen, · des wart er ungemeit,
daß er in dem schiffe · strûhte an sîniu knie.
sô rehte grimmer verge · kom dem Tronjære nie.
Dô wolde er baß erzürnen · den übermüeten gast:
er sluoc im eine schalten, · daß diu gar zebrast,
Hagnen über houbet; · er was ein starker man:
dâ von der Elsen verge · grôßen schaden dâ gewan.
Mit grimmigem muote · greif Hagene zehant
vil balde zeiner scheide, · dâ er ein wâfen vant:
er sluoc im ab daß houbet · und warf eß an den grunt.
diu mære wurden schiere · den stolzen Burgunden kunt.
In den selben stunden, · dô er den schifman sluoc,
daß schif vlôß enouwe: · daß was im leit genuoc.
ê erß gerihte widere, · müeden er began:
dô zôch vil krefteclîche · des künic Guntheres man.
Mit zügen harte swinden · kêrte eß der gast,
unz im daß starke ruoder · an sîner hant zebrast.
er wolde zuo den recken · ûß an einen sant.
dô was dâ heinß mêre: · hei, wie schiere erß gebant
Mit eime schiltveßßel! · daß was ein borte smal.
gegen eime walde · kêrte er hin ze tal.
dô vant er sînen hêrren · an dem stade stân:
dô gie im hin enkegene · manec wætlîcher man.
Mit gruoße in wol enphiengen · die edelen rîter guot.
dô sâhens in dem schiffe · riechen daß bluot
von einer starken wunden, · die er dem vergen sluoc:
dâ von sô muose Hagene · hœren vrâgen genuoc.
Dô der künic Gunther · daß heiße bluot ersach
sweben in dem schiffe, · balde er dô sprach:
„wan saget ir mir, Hagene, · war ist der verge komen?
iuwer starkeß ellen · wæn im den namen hât benomen.“
Dô sprach er lougenlîche: · „dâ ich daß schif vant
bî einer wilden wîden, · dâ lôste eß mîne hant.
ich hân deheinen vergen · hiute hie gesehen;
eß ist ouch niemen leide · von mînen schulden geschehen.“
Dô sprach von Burgunden · der hêrre Gêrnôt:
„hiute muoß ich sorgen · ûf lieber vriunde tôt,
sît wir der schifliute · bereite niene hân.
wie wir komen übere, · des muoß ich trûrende stân.“
Lûte rief dô Hagene: · „leit nider ûf daß gras,
ir knehte, daß gereite: · ich gedenke, daß ich was
der aller beste verge, · den man bî Rîne vant:
jâ trouwe ich iuch wol bringen · über in Gelphrâtes lant.“
Daß si deste balder · kœmen über vluot,
diu ros si an sluogen: · der swimmen daß wart guot,
wan diu starke ünde · deheinß in dâ benam.
etlîcheß ouwete, · als im diu müede gezam.
Dô truogen si ze schiffe · ir golt und ouch ir wât,
sît si der verte · niht mohten haben rât.
Hagene der was meister: · des vuorte er ûf den sant
vil manegen zieren recken · in daß unkunde lant.
Zem êrsten brâht er übere · tûsent rîter hêr,
dar zuo sîne recken. · dannoch was ir mêr:
niun tûsent knehte · vuorte er an daß lant.
des tages was unmüeßec · des küenen Tronjæres hant.
Daß schif was ungevüege, · starc und wît genuoc:
fünf hundert unde mêre · eß wol ze mâle truoc
ir gesindes mit ir spîse · und gewæfen über vluot.
an riemen muose ziehen · des tages manec rîter guot.
Dô er si wol gesunde · brâhte über vluot,
do gedâhte vremder mære · der snelle degen guot,
diu im ê seiten · diu wilden merwîp:
des hete des küneges kapelân · nâch verloren sînen lîp.
Bî dem kapelsoume · er den phaffen vant;
ob dem heilictuome · er leinde an sîner hant.
des mohte er niht genießen: · dâ in Hagne sach,
der Gotes arme priester · muose lîden ungemach.
Er swanc in ûß dem schiffe, · dar zuo was im gâch.
dô riefen ir genuoge: · „nu vâhâ, hêrre, vâch.“
Gîselher der junge · zürnen erß began:
ern wolde eß doch niht lâßen, · er enhete im leide getân.
Dô sprach von Burgunden · der starke Gêrnôt:
„waß hilfet iuch nu, Hagene, · des kapelânes tôt?
tæte eß ander ieman, · eß solde im wesen leit.
umbe welhe schulde · habet ir dem priester widerseit?“
Der phaffe swam genôte: · er wolde sîn genesen,
sô im ieman hülfe: · des mohte dô niht wesen,
wan der starke Hagene, · vil zornec was sîn muot,
er stieß in zuo dem grunde; · daß endûhte nieman guot.
Dô der arme phaffe · der helfe niht ensach,
dô kêrte er wider übere: · des leit er ungemach.
swie er niht swimmen kunde, · im half diu Gotes hant,
daß er kom gesunder · hin wider ûß an daß lant.
Dô stuont der arme priester · und schutte sîne wât.
dâ bî sach wol Hagene, · daß sîn niht wære rât,
daß im vür mære sagten · diu wilden merwîp.
er dâhte: „dise degene · die müeßen vliesen den lîp.“
Dô si daß schif entluoden · und gar getruogen dan,
swaß dar ûfe hêten · der drîer künege man,
Hagne eß sluoc ze stucken · und warf eß an die vluot.
des hete michel wunder · die recken küene unde guot.
„Zwiu tuot ir daß, bruoder?“ · sô sprach Dancwart:
„wie suln wir komen übere, · sô wir die widervart
rîten von den Hiunen · ze lande an den Rîn?“
sît dô sagte im Hagene, · daß des kunde niht gesîn.
Dô sprach von Troneje Hagene: · „ich tuonß ûf den wân,
ob wir an diser reise · deheinen zagen hân,
der uns entrinnen welle · durch zegelîche nôt,
der muoß an disem wâge · lîden schemlîchen tôt.“
Si vuorten mit in einen · ûß Burgunden lant,
zuo sînen handen einen helt: · der was Volkêr genant:
der redete spæhelîche · allen sînen muot:
swaß ie begie Hagene, · daß dûhte den videlære guot.
Dô des küneges kapelân · daß schef zerhouwen sach,
hin wider überß waßßer · er ze Hagene sprach:
„ir morder âne triuwe, · waß hete ich iu getân,
daß ir mich âne schulde · hie ertrenket woldet hân?“
Des antwurte im Hagene: · „nu lât die rede wesen.
mir ist leit ûf mîne triuwe, · daß ir sît genesen
hie von mînen handen, · daß wißßet sunder spot.“
dô sprach der arme kapelân: · „des wil ich immer loben Got.
„Ich vürht iuch nu vil kleine, · des sult ir sicher sîn.
nu vart ir zuo den Hiunen, · sô wil ich an den Rîn.
Got enlâß iuch nimmer · ze Rîne wider komen,
des wünsch ich iu vil sêre: · ir het mir nâch den lîp benomen.“
Dô sprach der künic Gunther · ze sînem kapelân:
„eß wirt iu wol gebüeßet, · swaß iu hât getân
Hagene in sînem zorne, · und kum ich an den Rîn
wider mit mîme lebene, · des sult ir âne angest sîn.
„Vart wider heim ze lande, · wan eß muoß nu sîn.
ich enbiute mînen dienest · der lieben vrouwen mîn
und andern mînen mâgen, · als ich von rehte sol:
ir sagt in liebiu mære, · daß wir noch alle varn wol.
Ir ros bereitet wâren, · ir soumer wol geladen.
si heten an der verte · noch deheinen schaden
genomen, der si muote, · wan sküneges kapelân:
der muose ûf sînen vüeßen · hin wider zuo dem Rîne gân.
Dô si nu wâren alle · komen ûf den sant,
der künec begunde vrâgen: · „wer sol uns durch diu lant
die rehten wege wîsen, · daß wir niht irre varn?“
dô sprach der küene Volkêr: · „daß sol ich eine bewarn.“
„Nu enthalt iuch,“ sprach Hagene, · „rîter unde kneht.
man sol vriunden volgen: · jâ dunket eß mich reht.
vil ungevüegiu mære · diu tuon ich iu bekant:
wirn komen nimmer mêre · wider in Burgunden lant.
„Daß sagten mir zwei merwîp · hiute morgen vruo,
daß wir niht kœmen widere. · nu râte ich, waß man tuo:
daß ir iuch wâfent, helde. · ir sult iuch wol bewarn,
wir haben hie starke vînde, · daß wir gewerlîchen varn.
„Ich wânde an lüge vinden · diu wîsen merwîp:
si jâhen, daß gesunder · unser deheines lîp
nimmêr ze lande kœme · niuwan der kapelân;
dar umbe ich in sô gerne · wolde hiute ertrenket hân.“
Dô vlugen disiu mære · von schare baß ze schar.
des wurden snelle helde · vor leide missevar,
dô si begunden sorgen · ûf den herten tôt
an dirre hovereise, · des gie in wærlîchen nôt.
Dâ ze Mœringen · si wâren über komen,
dâ dem Elsen vergen · der lîp was benomen.
dô sprach aber Hagene: · „sît daß ich vînde hân
verdienet ûf der strâße, · wir werden schierlîch bestân.
„Ich sluoc den selben vergen · hiute morgen vruo;
si wißßen wol diu mære. · nu grîfet balde zuo,
sô Gelphrât und Else · hiute hie bestê
unser ingesinde, · daß eß in schedelîch ergê.
„Ich erkenne si sô küene, · eß wirdet niht verlân.
diu ros sult ir lâßen · dester samfter gân,
daß des iemen wæne, · wir vliehen ûf den wegen.“
„des râtes wil ich volgen,“ · sô sprach Gîselher der degen.
„Wer sol nu daß gesinde · wîsen über lant?“
si sprâchen: „daß sol Volkêr, · dem ist hie wolbekant
stîge unde strâße, · dem küenen spilman.“
ê daß mans vollen gerte, · man sach wol gewâfent stân
Den snellen videlære. · den helm er ûf gebant;
in hêrlîcher varwe · was sîn wîcgewant:
er bant ouch zeinem schafte · ein zeichen, daß was rôt.
sît kom er mit den künegen · in eine vreislîche nôt.
Dô was tôt des vergen · Gelphrâte komen
mit gewissen mæren; · dô hete eß ouch vernomen
Else der vil starke: · eß was in beiden leit.
si sanden nâch ir helden: · die wâren schiere bereit.
In vil kurzen zîten, · ich wil iuch hœren lân,
sach man zuo zin rîten, · den schaden was getân,
in starken urliugen · vil ungevüegiu her:
der kômen Gelphrâten · wol siben hundert oder mêr.
Dô si ir grimmen vînden · begunden rîten nâch,
jâ leiten si ir hêrren. · den was ein teil ze gâch
nâch den küenen gesten: · si wolden anden zorn:
des wart der hêrren vriunde · sider mêre verlorn.
Dô het von Tronje Hagene · wol gevüeget daß
(wie möhte sîner mâge · ein helt gehüeten baß?),
er phlac der nâchhuote · mit den sînen man
und Dancwart sîn bruoder: · daß was vil wîslîch getân.
In was des tages zerrunnen: · desn heten si niht mêr.
er vorhte an sînen vriunden · leit unde sêr.
si riten under schilden · durch der Beier lant.
dar nâch in kurzer wîle · die helde wurden an gerant.
Beidenthalp der strâße · und hinden vaste nâch
si hôrten hüeve klaffen; · dem liute was sô gâch.
dô sprach der küene Dancwart: · „man wil uns hie bestân:
nu binden ûf die helme: · daß ist rætlîch getân.“
Si hielten ab ir verte, · als eß muose sîn.
si sâhen in der vinster · der liehten schilde schîn.
dône wolde Hagene · niht langer si verdagen:
„wer jagt uns ûf der strâße?“ · daß muos im Gelphrât dô sagen.
Dô sprach der marcgrâve · ûßer Beier lant:
„wir suochen unser vînde · und haben her nâch gerant.
ich enweiß niht, wer mir hiute · mînen vergen sluoc.
der was ein helt zen handen: · des ist mir leide genuoc.“
Dô sprach von Tronje Hagene: · „was der verge dîn?
der wolde uns niht vüeren; · des ist diu schulde mîn:
dô sluoc ich den recken; · deiswâr, des gie mir nôt:
ich het von sînen handen · nâch den grimmegen tôt.
„Ich bôt im ze miete · golt und ouch gewant,
daß er uns über vuorte, · helt, in dîn lant.
daß zurnder sô sêre, · daß er mich dô sluoc
mit einer starken schalten: · des wart ich grimme genuoc.
„Dô kom ich zuo dem swerte · und wert im sînen zorn
mit einer starken wunden: · des wart der helt verlorn.
daß bringe ich iu ze suone, · swie iuch dunket guot.“
dô gie eß an ein strîten: · si wâren herte gemuot.
„Ich wesse wol,“ sprach Gelphrât, · „dô hie vür gereit
Gunther und sîn gesinde, · daß uns geschæhe leit
von Hagenen übermüete. · nu sol er niht genesen:
vür des vergen ende · muoß der helt hie bürge wesen.“
Si neicten über schilte · ze stichen nu diu sper,
Gelphrât und Hagene: · in was ze ein ander ger.
Else unde Dancwart · vil hêrlîchen riten;
si versuohten, wer si wâren: · dâ wart vil grimme gestriten.
Wie möhten sich versuochen · immer helde baß?
von einer starken tioste · hinderß ros gesaß
Hagne der küene · von Gelphrâtes hant.
im brast daß vürbüege: · des wart im vallen bekant.
Von ir ingesinde · der krach der schefte schal.
do erholte ouch sich dort Hagene, · dâ er was ze tal
komen von dem stiche · nider ûf daß gras.
er wæne unsamphtes muotes · wider Gelphrâten was.
Wer in diu ros behielte, · daß ist mir unbekant.
si wâren zuo der erden · komen ûf den sant,
Hagne unde Gelphrât, · ein ander liefens an.
des hulfen ir gesellen, · daß in wart strîten kunt getân.
Swie bitterlîchen Hagene · zuo Gelphrâte spranc,
der edele marcgrâve · des schiltes hin im swanc
wol gegen einer ellen, · daßß viur drâte dan.
des was vil nâch erstorben · des künic Guntheres man.
Do begunde er Dancwarten · vil vaste ruofen an:
„hilfâ, lieber bruoder. · jâ hât mich bestân
ein helt zuo sînen handen: · der enlât mich niht genesen.“
dô sprach der küene Dancwart: · „des sol ich scheidære wesen.“
Der helt dô spranc dar nâher · und sluoc im einen slac,
dâ von der hêrre Gelphrât · vor im tôt gelac.
Else wolde gerne · rechen dô den man:
er und sîn gesinde · si schieden schedelîchen dan.
Im was erslagen der bruoder, · selbe wart er wunt.
wol ahzec sîner degene · beliben dâ zestunt
mit dem grimmen tôde: · der hêrre muose dan
vlühteclîchen wenden · von den Guntheres man.
Dô die von Beier lande · wichen ûß dem wege,
dô hôrt man nâch hellen · die vreislîchen slege:
dô jagten die von Troneje · ir vîenden nâch;
die es niht enkelten wânden, · den was allen ze gâch.
Dô sprach an ir vlühte · Dancwart der degen:
„wir suln wider wenden · balde ûf disen wegen,
und lâße wir si rîten: · si sint von bluote naß.
gâhen wir zen vriunden: · in triuwen rât ich iu daß.“
Dô si hin wider kômen, · da der schade was geschehen,
dô sprach von Tronje Hagene: · „helde, ir sult besehen,
wes uns hie gebreste · oder wen wir hân verlorn
hie in disme strîte · durch den Gelphrâtes zorn.“
Si heten vlorn viere; · die muosen si verklagen,
si wâren wol vergolten; · dâ wider was erslagen
der von Beier lande · hundert oder baß.
des wâren den von Troneje · ir schilde trüebe und bluotes naß.
Ein teil schein ûß wolken · des liehten mânen brehen.
dô sprach aber Hagene: · „niemen sol verjehen
den mînen lieben hêrren, · waß wir hie haben getân:
lât si unz morgen · âne sorge bestân.“
Dô si nu nâch in kômen, · die dort striten ê,
dô tete dem ingesinde · diu müede harte wê.
„wie lange sul wir rîten?“ · des vrâget manec man.
dô sprach der küene Dancwart: · „wir mugen niht herbergen hân.
„Ir müeßet alle rîten, · unz eß werde tac.“
Volkêr der snelle, · der des gesindes phlac,
bat den marschalc vrâgen: · „wâ sul wir hînte sîn,
da gerasten unser mære · und ouch die lieben hêrren mîn?“
Dô sprach der küene Dancwart: · „ich enkans iu niht gesagen:
wir mugen niht geruowen, · endß beginne tagen;
swâ wirß danne vinden, · dâ legen uns an ein gras.“
dô si diu mære hôrten, · wie leit in sümelîchen was!
Si beliben unvermeldet · des heißen bluotes rôt,
unz daß diu sunne · ir liehteß schînen bôt
dem morgen über berge, · daß eß der künec gesach,
daß si gestriten hêten; · der helt vil zorneclîchen sprach:
„Wie nu, vriunt Hagene? · iu wæne versmâhet daß,
daß ich iu bî wære, · dâ iu die ringe naß
sus wurden von dem bluote. · wer hât iu daß getân?“
er sprach: „daß tet Else: · der hete uns nehten bestân.
„Durch sînen vergen · wir wurden an gerant.
dô sluoc Gelphrâten · mînes bruoder hant.
sît entran uns Else: · des twanc in michel nôt:
in hundert und uns viere · beliben dâ in strîte tôt.“
Wir kunnen niht bescheiden, · wâ si sich leiten nider.
al die lantliute · die gevrieschen sider,
daß ze hove vüeren · der edelen Uoten kint.
si wurden wol enphangen · dâ ze Paßßouwe sint.
Der edelen künege œheim, · der bischof Pilgrîn,
dem wart vil wol ze muote, · dô die neven sîn
mit alsô vil recken · kômen in daß lant.
daß er in willec wære, · daß wart in schiere bekant.
Si wurden wol enphangen · von vriunden ûf den wegen.
dâ ze Paßßouwe · man kunder niht gephlegen;
si muosen über waßßer, · dâ si vunden velt:
dâ sluogen ûf die knehte · hütten unde rîch gezelt.
Si muosen dâ belîben · allen einen tac
und ouch die naht mit vollen. · wie schône man ir phlac!
dar nâch si muosen rîten · in Rüedegêres lant:
dem kâmen ouch diu mære, · daß was im liebe bekant.
Dô die wegemüeden · ruowe genâmen
unde si dem lande · nu nâher quâmen,
dô vundens ûf der marke · slâfende einen man,
dem von Tronje Hagene · ein starkeß wâfen an gewan.
Jâ was geheißen Eckewart · der selbe rîter guot.
er gewan dar umbe · vil trûrigen muot,
daß er verlôs daß wâfen · von der helde vart.
die Rüedegêres marke · vundens übele bewart.
„Ouwê mir dirre schande,“ · sprach dô Eckewart.
„jâ riuwet mich vil sêre · der Burgunden vart.
sît ich verlôs Sîvriden, · sît was mîn vreude ergân;
ouwê, hêrre Rüedegêr, · wie hân ich wider dich getân.“
Wol hôrte Hagene · des edelen recken nôt:
er gab im wider sîn wâfen · und sehs bouge rôt.
„die habe dir, helt, ze minnen, · daß du mîn vriunt sîst;
du bist ein degen küene, · wie eine du hie gelîst.“
„Got lône iu iuwer bouge,“ · sprach dô Eckewart;
„doch riuwet mich vil sêre · zen Hiunen iuwer vart.
ir sluoget Sîvriden; · man ist iu hie gehaß:
daß ir iuch wol hüetet, · in triuwen rât ich iu daß.“
„Nu müeße uns Got behüeten,“ · sprach dô Hagene.
„jan hânt niht mêre sorge · dise degene,
wan umb die herberge, · die künege und ir man,
wâ wir in disme lande · noch hînte nahtselde hân.
„Diu ros sint uns vermüedet · ûf den verren wegen
und spîse zerunnen,“ · sprach Hagene der degen:
„wir vindenß ninder veile: · uns wære wirtes nôt,
der uns hînte gæbe · durch sîne milte daß brôt.“
Dô sprach aber Eckewart: · „ich zeige iu einen wirt,
daß ir zuo hûse selten · baß komen birt,
in deheime lande, · als iu hie mac geschehen,
ob ir snelle degene · wellet Rüedegêren sehen.
„Der sitzet bî der strâße · und ist der beste wirt,
der ie kom ze hûse. · sîn herze tugende birt
alsam der liehte meie · daß gras mit bluomen tuot.
sô er sol helden dienen, · sô ist er vrœlîch gemuot.“
Dô sprach der künic Gunther: · „welt ir mîn bote sîn,
ob uns welle behalten · durch den willen mîn
mîn lieber vriunt Rüedegêr, · mîn mâge und unser man?
daß wil ich immer dienen, · sô ich aller beste kan.“
„Der bote bin ich gerne,“ · sprach dô Eckewart.
mit vil guotem willen · houb er sich an die vart
und seite Rüedegêre, · als er hete vernomen.
im was in langen zîten · niht sô lieber mære komen.
Man sach ze Bechlâren · îlen einen degen.
selbe erkant in Rüedegêr; · er sprach: „ûf disen wegen
dort her gâhet Eckewart, · ein Kriemhilde man.“
er wânde, daß die vînde · im heten leide getân.
Dô gie er vür die porte, · dâ er den boten vant.
daß swert er abe gurte · und leite eß von der hant.
er sprach zuo dem degene: · „waß habt ir vernomen,
daß ir alsô gâhet? · hât uns ieman iht genomen?“
„Uns hat geschadet niemen,“ · sprach Eckewart zehant;
„mich habent drî künege · her zuoziu gesant:
Gunther von Burgunden, · Gîselher und Gêrnôt:
der recken ieslîcher · iu sînen dienest her enbôt.
„Daß selbe hât ouch Hagene, · dar zuo Volkêr
mit triuwen vlîßeclîchen; · noch sage ich iu mêr,
daß iu des küneges marschalc · Dancwart daß enbôt,
daß den guoten knehten · wær iuwer herberge nôt.“
Mit lachendem munde · sprach dô Rüedegêr:
„nu wol mich dirre mære, · daß die künege hêr
geruochent mîner dienste; · der wirt in niht verseit.
koment si mir ze hûse, · des bin ich vrœlîch gemeit.“
„Dancwart der marschalc · hieß iuch wißßen lân,
wen ir ze hûse · mit in soldet hân:
sehzec sneller recken · und tûsent rîter guot
und niun tûsent knehte.“ · dô wart er vrœlîch gemuot.
„Nu wol mich dirre geste,“ · sprach dô Rüedegêr,
„daß mir koment ze hûse · dise recken hêr,
den ich noch vil selten · iht gedienet hân.
nu rîtet in enkegene, · beide mâge unde man.“
Dô îlten zuo den rossen · rîter unde kneht:
swaß in gebôt ir hêrre, · daß dûhtes alle reht.
dô ließens in der dienste · zogen deste baß.
eß wesse niht vrou Gotelint, · diu in ir kemenâten saß.
Dô gie der marcgrâve, · dâ er die vrouwen vant,
sîn wîp und sîne tohter, · und seite in zehant
diu lieben mære, · diu er hete vernomen,
daß in ir vrouwen bruoder · dar ze hûse solden komen.
„Vil liebe triutinne,“ · sprach dô Rüedegêr,
„ir sult vil wol enphâhen · die edelen künege hêr,
sô si mit ir gesinde · her ze hove gân.
ir sult ouch schône grüeßen · Hagenen Guntheres man.
„Mit in kumt ouch einer, · der heißet Dancwart;
der ander heißet Volkêr, · an zühten wol bewart.
die sehse sult ir küssen · und diu tohter mîn
und sult ouch bî den recken · in zühten güetlîchen sîn.“
Daß lobten dô die vrouwen · und wâren sîn bereit:
si suohten ûß den kisten · diu hêrlîchen kleit,
dar inne si begegene · den recken wolden gân.
dâ wart vil michel vlîßen · von schœnen wîben getân.
Gevelschet vrouwen varwe · vil lützel man dâ vant.
si truogen ûf ir houbten · von golde liehtiu bant,
daß wâren schapel rîche, · daß in ir schœne hâr
zervuorten niht die winde; · si wâren hübsch unde clâr.
In solhen unmuoßen · sul wir die vrouwen lân.
hie wart vil michel gâhen · über velt getân
von Rüedegêres vriunden, · dâ man die vürsten vant.
si wurden wol enphangen · in des marcgrâven lant.
Dô si der marcgrâve · zuo im komen sach,
ze sînen lieben gesten · vrœlîch er dô sprach:
„sît willekomen, ir hêrren · und al iuwer man.
hie in mîme lande · vil gerne ich iuch gesehen hân.“
Dô nigen im die recken · mit triuwen âne haß.
daß er in willec wære, · wol erzeigte er daß.
besunder gruoßter Hagenen: · den het er ê bekant;
sam tet er Volkêren · ûßer Burgunden lant.
Er enphie ouch Dancwarten. · dô sprach der küene degen:
„sît ir uns welt beruochen, · wer sol danne phlegen
unseres ingesindes · von Wormeß über Rîn?“
dô sprach der marcgrâve: · „die angest sult ir lâßen sîn.
„Eß wirdet wol behalten, · swaß ir in daß lant
habt mit iu gevüeret, · ros, silber und gewant,
dem shaffe ich solhe huote, · daß sîn niht wirt verlorn,
daß iu ze schaden bringe · gegen einem halben sporn.
„Spannet ûf, ir knehte, · die hütten an daß velt;
swaß ir hie verlieset, · des wil ich wesen gelt:
ziehet ab die zoume, · diu ros lâßet gân.“
daß het in wirt deheiner · dâ vor vil selten getân.
Des vreuten sich die geste. · dô daß geschaffet was,
die hêrren riten dannen. · sich leiten in daß gras
über al die knehte: · si heten guot gemach.
ich wæn, in an der verte · nie sô samfte geschach.
Diu edel marcgrâvinne · vür die burc was gegân
mit ir schœnen tohter. · dô sach man bî ir stân
minneclîche vrouwen · und manec schœne meit:
die truogen vil der bouge · unde hêrlîchiu kleit.
Daß edele gesteine · lûhte verre dan
ûß ir vil rîchen wæte: · si wâren wol getân.
dô kômen ouch die geste · und erbeißten sâ zehant.
hei, waß man grôßer zühte · an den von Burgunden vant!
Sehs und drîßec meide · und ander manec wîp,
den was wol ze wunsche · geschaffen der lîp:
die giengen in enkegene · mit manegem küenen man.
dô wart schône grüeßen · von edelen wîben getân.
Diu marcgrâvinne kuste · die künege alle drî:
alsam tet ir tohter. · dô stuont Hagene bî.
ir vater hieß in küssen: · dô blicte si in an:
er dûhte si sô vorhtlîch, · daß siß vil gerne hete lân.
Doch muoste si dâ leisten, · daß ir der wirt gebôt.
gemischet wart ir varwe, · bleich unde rôt.
si kuste ouch Dancwarten, · dar nâch den spilman:
durch sînes lîbes ellen · wart im daß grüeßen getân.
Diu junge marcgrâvinne · nam bî der hant
Gîselher den jungen · von Burgunden lant:
alsam tet ir muoter · Gunther den küenen man.
si giengen mit den helden · vil harte vrœlîchen dan.
Der wirt gie bî Gêrnôte · in einen wîten sal.
rîter unde vrouwen · gesâßen dâ ze tal.
dô hieß man balde schenken · den gesten guoten wîn.
jâ endorften nimmer · helde baß gehandelt sîn.
Mit lieben ougen blicken · wart gesehen an
Rüedegêres tohter: · diu was sô wol getân.
jâ trûtes in den sinnen · vil manec rîter guot;
daß kunde ouch si verdienen: · si was vil hôhe gemuot.
Si gedâhten, swes si wolden; · des enmoht ab niht geschehen.
hin und her widere · wart dâ vil gesehen
an meide und an vrouwen: · der saß dâ genuoc.
der edele videlære · dem wirte holden willen truoc.
Nâch gewonheite · sô schieden si sich dâ:
rîter unde vrouwen · die giengen anderswâ.
dô rihte man die tische · in dem sale wît;
den unkunden gesten · man diende willeclîche sît.
Durch der geste liebe · hin ze tische gie
diu edele marcgrâvinne; · ir tohter si dô lie
belîben bî den kinden, · dâ si von rehte saß.
die geste ir niht ensâhen: · si muote wærlîchen daß.
Dô si getrunken hêten · und geßßen über al,
dô wîsete man die schœnen · wider in den sal.
gemelîcher sprüche · wart dâ niht verdeit:
der reite vil dô Volkêr, · ein degen küene und gemeit.
Dô sprach offenlîchen · der selbe spilman:
„vil rîcher marcgrâve, · Got hât an iu getân
vil genædeclîchen, · wan er iu hât gegeben
ein wîp sô rehte schœne, · dar zuo ein wünneclîcheß leben.
„Ob ich ein vürste wære,“ · sprach der spilman,
„und solde tragen krône, · ze wîbe wolde ich hân
iuwer schœne tohter: · des wünschete mir der muot.
diu ist minneclîch ze sehene, · dar zuo edel unde guot.“
Dô sprach der marcgrâve: · „wie möhte daß gesîn,
daß immer künic gerte · der lieben tohter mîn?
wir sîn hie ellende · beide, ich und mîn wîp,
und haben niht ze gebene: · waß hilfet danne ir schœner lîp?“
Des antwurte Gêrnôt, · der wol gezogene man:
„und solde ich triutinne · nâch mîme willen hân,
sô wolde ich solhen wîbes · immer werden vrô.“
des antwurte Hagene · harte zühteclîchen dô:
„Nu sol mîn hêrre Gîselher · nemen doch ein wîp:
eß ist sô hôher mâge · der marcgrâvinne lîp,
daß wir ir gerne dienden, · ich und sîne man,
und soldes under krône · dâ zen Burgunden gân.“
Diu rede Rüedegêren · dûhte harte guot
und ouch Gotelinde: · jâ vreute si in den muot.
sît truogen an die helede, · daß si ze wîbe nam
Gîselher der edele, · als eß künege wol gezam.
Swaß sich sol gevüegen, · wer mac daß understên?
man bat die juncvrouwen · hin ze hove gên:
dô swuor man im ze gebene · daß wünneclîche wîp:
dâ lobte ouch er ze minnen · ir vil minneclîchen lîp.
Man beschiet der juncvrouwen · bürge unde lant.
des sichert dâ mit eiden · des edelen küneges hant
und der hêrre Gêrnôt, · daß wurde daß getân.
dô sprach der marcgrâve: · „sît ich der bürge niht enhân,
„Sô sol ich iu mit triuwen · immer wesen holt.
ich gibe zuo mîner tohter · silber unde golt,
sô hundert soumære · meist mügen tragen,
daß eß iu helden · nâch êren müge wol behagen.“
Dô hieß man si beide · stên an einen rinc
nâch gewonheite. · vil manec jungelinc
in vrœlîchem muote · ir zegagene stuont:
si gedâhten in ir sinnen, · sô noch die tumben gerne tuont.
Dô man begunde vrâgen · die minneclîchen meit,
ob si den recken wolde, · ein teil was eß ir leit;
doch dâhte si ze nemene · den wætlîchen man.
si schamte sich der vrâge, · sô manec meit hât getân.
Ir riet ir vater Rüedegêr, · daß si spræche jâ
und daß si in gerne næme: · vil schiere dô was dâ
mit sînen wîßen handen, · der si umbeslôß,
Gîselher der junge; · swie lützel si sîn doch genôß.
Dô sprach der marcgrâve: · „ir edelen künege rîch,
als ir nu wider rîtet, · daß ist gewonlîch,
heim zuo ziuren landen, · sô gib ich iu mîn kint,
daß ir si mit iu vüeret,“ · daß gelobten si sint.
Swaß man dâ schalles hôrte, · den muosen si doch lân.
man hieß die juncvrouwen · ze kemenâten gân
und ouch die geste slâfen · mit ruowe an den tac.
do bereite man die spîse; · der wirt ir güetlîche phlac.
Dô si enbißßen wâren, · si wolden dannen varn
gên der Hiunen lande, · „daß hieß ich wol bewarn,“
sprach der wirt edele, · „ir sult noch hie bestân,
wan ich sô lieber geste · selten iht gewunnen hân.“
Des antwurte Dancwart: · „des mac niht gesîn:
wâ næmet ir die spîse, · daß brôt und ouch den wîn,
daß ir sô manegen recken · noch hînte müeßet hân?“
dô daß der wirt erhôrte, · er sprach: „ir sult die rede lân.
„Mîne vil lieben hêrren, · ir sult mir niht versagen;
jâ gib ich iu die spîse · ze vierzehen tagen
mit allem dem gesinde, · daß mit iu her ist komen.
mir hât der künic Etzel · noch vil wênic iht genomen.“
Swie sêre si sich werten, · si muosen dâ bestân
unz an den vierden morgen. · dô wart dâ getân
von des wirtes milte, · daß verre wart geseit:
er gap sînen gesten · beidiu ros unde kleit.
Eß kunde langer niht gewern, · si muosen dannen varn.
Rüedegêr der kunde · wênic iht gesparn
von sîner milte: · swes iemen gerte nemen,
daß verseiter niemen: · eß muose in allen wol gezemen.
Ir edel ingesinde · brâhte vür daß tor
gesatelt vil der mœre. · dô kom zuo in dâ vor
vil vremder recken: · die truogen schilt enhant,
wan si wolten rîten · in daß Etzelen lant.
Der wirt dô sîne gâbe · bôt über al,
ê die edelen geste · kœmen vür den sal.
er kunde miltlîche · mit grôßen êren leben:
sîne tohter schœne · het er Gîselher gegeben.
Dô gab er Gêrnôte · ein wâfen guot genuoc,
daß er sît in stürmen · vil hêrlîchen truoc.
der gâbe im wol gunde · des marcgrâven wîp;
dâ von der guote Rüedegêr · sît muose vliesen den lîp.
Dô gab er Guntheren, · dem helde lobelîch,
daß wol truoc mit êren · der edel künic rîch,
swie er selten gâbe enphienge, · ein wâfenlîch gewant.
dar nâch neic Gunther · des edelen Rüedegêres hant.
Gotelint bôt Hagenen, · als ir wol gezam,
ir minneclîche gâbe, · sît si der künic nam,
daß er âne ir stiure · zuo der hôhgezît
von ir niht varn solde: · doch widerreite er eß sît.
„Alles, des ich ie gesach,“ · sprach dô Hagene,
„so engerte ich hinnen mêre · niht zuo tragene
niuwan jenes schildes · dort an der want:
den wolde ich gerne · vüeren in Etzelen lant.“
Dô diu marcgrâvinne · Hagenen rede vernam,
eß mande si ir leide: · weinens si gezam.
dô dâhte si vil tiure · an Nuodunges tôt,
den hete erslagen Witege: · dâ von het si jâmers nôt.
Si sprach zuo dem degene: · „den schilt wil ich iu geben.
daß wolde Got von himele, · daß er noch solde leben,
der in dâ truoc enhende! · der lac in sturme tôt.
den muoß ich immer weinen: · des gât mir armen wîbe nôt.“
Diu edel marcgrâvinne · von dem sedele gie,
mit ir vil wîßen handen · si den schilt gevie:
diu vrouwe truoc in Hagenen; · er nam in an die hant.
diu gâbe was mit êren · an den recken gewant.
Ein hulft von liehtem phelle · ob sîner varwe lac.
beßßern schilt deheinen · belûhte nie der tac.
von edelem gesteine, · der sîn hete begert
ze koufen, an der koste · was er wol tûsent marke wert.
Den schilt hieß dô Hagene · von im tragen dan.
dô begunde Dancwart · hin ze hove gân.
dem gab vil rîchiu kleider · des marcgrâven kint,
diu er dâ zen Hiunen · truoc vil vrœlîchen sint.
Alleß, daß der gâbe · von in wart genomen,
in ir deheines hende · wær ir niht bekomen
wan durch des wirtes liebe, · derß in sô schône bôt.
sît wurden si im sô vîent, · daß si in slahen muosen tôt.
Volkêr der vil snelle · mit sîner videlen dan
gie gezogenlîchen · vür Gotelinde stân.
er videlte süeße dœne · und sanc ir sîniu liet:
dâ mit nam er urloup, · dô er von Bechlâren schiet.
Ir hieß diu marcgrâvinne · eine lade tragen,
von vriuntlîcher gâbe · muget ir hœren sagen:
dar ûß nam si zwelf bouge · und spien ims an die hant:
„die sult ir hinnen vüeren · in daß Etzelen lant
„Und sult durch mînen willen · si ze hove tragen:
swenne ir wider wendet, · daß man mir müge sagen,
wie ir mir habet gedienet · dâ ze der hôhzît.“
des diu vrouwe gerte, · vil wol leistete er daß sît.
Dô sprach der wirt zen gesten: · „ir sult dest samfter varn:
ich wil iuch selbe leiten · und heißen wol bewarn,
daß iu ûf der straße · niemen müge schaden.“
dô wurden sîne soume · harte schiere geladen.
Der wirt wart wol bereitet · mit vünf hundert man,
mit rossen und mit kleidern: · die vuorte er mit im dan
vil harte vrœlîchen · zuo der hôhgezît;
der einer mit dem lîbe · kom nie ze Bechlâren sît.
Mit kusse minneclîchen · der wirt dô dannen schiet:
alsô tet ouch Gîselher, · als im diu liebe riet.
mit umbesloßßen armen · si trûten schœniu wîp;
daß muose sît beweinen · vil maneger juncvrouwen lîp.
Dô wurden allenthalben · diu venster ûf getân.
der wirt mit sînen mannen · ze rossen wolde gân.
ich wæn, ir herze in seite · diu krefteclîchen leit:
dâ weinde manec vrouwe · und manec wætlîchiu meit.
Nâch ir lieben vriunden · genuoge heten sêr,
die si ze Bechelâren · gesâhen nimmer mêr.
doch riten si mit vreuden · nider über sant
ze tal bî Tuonouwe · in daß Hiunische lant.
Dô sprach zen Burgunden · der rîter vil gemeit,
Rüedegêr der edele: · „jâ suln niht verdeit
wesen unser mære, · daß wir zen Hiunen komen.
im hât der künic Etzel · nie so liebes niht vernomen.“
Ze tal durch Ôsterrîche · vil manec bote reit:
den liuten allenthalben · wart daß wol geseit,
daß die helde kœmen · von Wormeß über Rîn.
des küneges ingesinde · kunde eß niht lieber gesîn.
Die boten vür strichen · mit den mæren,
daß die Niblungen · zuo den Hiunen wæren:
„du solt si wol enphâhen, · Kriemhilt, vrouwe mîn:
dir koment nâch grôßen êren · die vil lieben bruoder dîn.“
Dô diu küneginne · vernam diu mære,
ir begunde entwîchen · ein teil ir swære:
von ir vater lande · kom ir vil manec man,
dâ von der künic Etzel · vil manegen jâmer sît gewan.
„Nu wol mich mîner vreuden,“ · sô sprach Kriemhilt.
„hie bringent mîne mâge · vil manegen niuwen schilt
und halsperge wîße: · swer nemen welle golt,
der denke mîner leide: · ich wil im immer wesen holt.“
Si gedâhte tougenlîche: · „noch möhte es werden rât.
der mich an mînen vreuden · alsô gephendet hât,
mag ich daß gevüegen, · eß sol im leide ergân
ze dirre hôhgezîte, · des ich vil guoten willen hân.
„Ich solß alsô schaffen, · daß mîn râche ergê
in dirre hôhgezîte, · swieß dar nâch gestê,
an sînem argen lîbe, · der mir hât genomen
vil der mînen wünne: · des sol ich nu ze gelte komen.“
Dô die Burgunden · kômen ûf daß velt,
ûf sluoc man drî künegen · sô hêrlîch gezelt.
si stießen ûf ir vanen, · die wârn von golde rôt.
dô wessen niht die hêrren, · daß in sô nâhent was der tôt.
Dô gienc diu vrouwe Kriemhilt · an ein zinnen stân,
dô sach si ûf dem velde · rîten manegen man.
des vreut sich tougenlîchen · daß wunderschœne wîp:
„alrêrst sô wirt gerochen · des küenen Sîvrides lîp,
„Der mir sô mortlîchen · ze tôde wart erslagen;
unz an mîn ende kan ich · in nimmer mê verklagen.
ouwê der grôßen êre, · die ich verloren hân;
eß gelac an vrouwen arme · nie sô tugenthafter man.
„Sîn vil grôße tugende · macht mir herzeleit:
swenne ich dar an gedenke, · als er von mir reit
mit sô gar gesundem lîp, · sô mêrt sich mîn klage:
mir darf niemen wîßen, · swaß ich grôßes leides trage.
„Got het mir in zeinem man · ûß aller welt erkorn.
wær tûsent manne tugende · an einem man geborn,
dannoch was ir mêre, · die Sîvrit eine truoc.“
diu vrouwe klagt vil sêre, · zuo dem herzen si sich sluoc.
Schier wurden dem Bernære · diu mære kunt getân.
dô sach man in vil drâte · über den hof gân,
mit im Hilpranden · nâch rîterlîchen siten:
„vil edeliu küneginne, · daß sult ir lâßen vermiten,
„Daß man iuch siht weinen · zuo dirre hôhgezît.
und habt her besendet · ûß vremden landen wît
vil manegen werden recken · und manegen biderben man:
daß man iuch siht weinen, · daß stêt iu vil übel an.“
„Ich mane dich dîner triuwe,“ · sprach si, „hêr Hildebrant,
ob du ie gâbe enphienge · von mîner gebenden hant,
sô rich mich an Hagene: · jâ gib ich dir mîn golt
und bin mit guoten triuwen · unz an mîn ende dir holt.“
Dô sprach der Bernære: · „ir sît ein übel wîp,
daß ir iuwern mâgen · râtent an den lîp
und habt sô manegen boten · ze Rîne nâch in gesant:
sô sint si iu komen ze hûse · mit vil werlîcher hant.
„Neinâ, hêrre Hildebrant, · sô liep ich iu sî,
nu enphâch mir von dem Rîne · die künege alle drî
und heiß si ligen ze velde, · unz sô eß werde tac,
sô warne ich si mit triuwe · des aller besten, sô ich mac.“
Hart gezogenlîchen · reit meister Hildebrant,
dâ er die drî künege · von dem Rîne vant:
er enbeißt vil rîterlîchen · und lie sich ûf diu knie,
daß er die drî künege · von dem Rîne dâ enphie;
„Bis willekomen hêr Gunther, · künic von dem Rîn:
sam sî hêr Gêrnôt, · der liebe bruoder dîn,
und Gîselher der junge · und Hagen ein starker man
und manec sneller recke, · der ich aller niht genennen kan.
„Iu enpiut der Bernære, · der liebe hêrre mîn,
vriuntschaft und hulde · und ganzen dienest sîn
und heißt iuch ligen ze velde, · unz eß werde tac:
sô warnt er iuch mit triuwen · des aller besten, sô er mac.
„Got müeße iuch behüeten · vor aller slahte nôt:
vor vierthalbem jâre · was iu bereit der tôt.
eß hat iur swester Kriemhilt · gesworn vil manegen eit,
daß si an iu wil rechen · ir vil grôßiu herzeleit.
„Er enpiut iu, daß ir mîdet, · als lieb iu sî daß leben,
daß niuwe hûs bî der Tuonouwe · ist iu herberge geben:
daß sult ir mir gelouben, · und kœme iur dar ein her,
ir müestent al ersterben · und kœm iur keiner ze wer.
„Dâ ligent in drî rôre, · diu sint innân hol,
diu sint geworht schône · mit swebel und mit kol:
diu sol man anzünden, · sô die dische sint bereit.
dâ vor solt ir iuch hüeten, · ir stolzen helde vil gemeint.“
Des erschrac der künic sêre, · diu rede was im leit.
„nu lôn dir Got, Hildebrant, · daß du uns hâst geseit,
daß du hâst gewarnet · uns ellende man:
ich sich, wir hie zen Hiunen · lützel triuwe vunden hân.“
Des erlachten die jungen · und hielten eß vür spot.
dô sprâchen die wîsen: · „dâ vor behüete uns Got.
wir sîn durch grôße triuwe · geriten in daß lant;
si hât vil manegen boten · hin nâch uns ze Rîne gesant.“
Nu sprach gezogenlîche · der hêrre Gêrnôt:
„uns hât mîn swester Kriemhilt · geladen in den tôt.
wir sîn durch grôße triuwe · geriten zuo der stat,
wan uns mîn schœne swester · von dem Rîn ze hûse bat.“
Dô sprach der videlære, · der küene Volkêr:
„ich bin von dem Rîne · durch gâbe geriten her.
des wil ich mich verßîhen,“ · sô sprach der spilman;
„ich videle mit dem swerte · daß allerbeste, daß ich kan.
„Ich erzeige in mîne dœne, · si müeßen ûf hôher stân:
und welnt si niht erwinden, · eß mac in sô ergân,
ich slahe in eteslîchem · einen swinden gîgenslac,
und hât er liebe mâge, · daß er eß wol klagen mac.“
Dô Hildebrant der alte · wolte dannen gân,
Gîselher der junge · bat in stille stân:
er gab im einen mantel, · den er im zêren truoc:
vür drîßec marc goldes · hete er phandes genuoc.
Dô zim genam den mantel · meister Hildebrant,
er reit gezogenlîchen, · da er den von Berne vant:
„seht den rîchen mantel, · den ich an mir hân,
den gap mir Gîselher der junge, · dâ ich von im wolde gân.“
Dô die Burgunden · kômen in daß lant,
do gevriesch eß von Berne · der alte Hildebrant.
er seite eß sîme hêrren; · eß was im harte leit:
er bat in wol enphâhen · die rîter küene und gemeit.
Wolfhart der snelle · hieß bringen diu marc.
dô reit mit Dietrîche · vil manec degen starc,
dâ er si grüeßen wolde, · zuo in an daß velt.
dâ hetens ûf gebunden · vil manec hêrlîch gezelt.
Dô si von Tronje Hagene · verrist rîten sach,
zuo den sînen hêrren · gezogenlîch er sprach:
„nu sult ir snelle recken · von dem sedele stân
und gêt in hin enkegene, · die iuch hie wellent enphân.
„Dort kumt ein hergesinde, · daß ist mir wol bekant.
eß sint vil snelle degene · von Amelunge lant.
si vüeret der von Berne: · si sint vil hôch gemuot.
nu lât iu niht versmâhen, · swaß man iu dienest getuot.“
Dô stuonden von den rossen, · daß was michel reht,
neben Dietrîche · manc rîter unde kneht.
si giengen zuo den gesten, · dâ man die helde vant:
si gruoßten minneclîche · die von Burgunden lant.
Dô si der hêrre Dietrîch · gên im komen sach,
lieb unde leide · im dar an geschach.
er weste wol diu mære, · ir reise was im leit;
er wânde, eß weste Rüedegêr, · daß erß in hête geseit.
„Sît willekomen, ir hêrren, · Gunther und Gîselher,
Gêrnôt unde Hagene; · sam sî hêr Volkêr
und Dancwart der snelle. · ist iu daß niht bekant?
Kriemhilt noch sêre weinet · den helt von Niblunge lant.“
„Si mac vil lange weinen,“ · sprach dô Hagene:
„er lît vor manegem jâre · ze tôde erslagene.
den künic von den Hiunen · sol si nu holden haben:
Sîvrit kumt niht widere, · er ist nu lange begraben.“
„Die Sîvrides wunden · lâßen wir nu stên:
sol leben mîn vrou Kriemhilt, · sô mac schade ergên.“
sô redete von Berne · der hêrre Dietrich.
„trôst der Niblunge, · dâ vor behüete du dich.“
„Wie sol ich mich behüeten?“ · sprach der künic hêr.
„Etzel uns boten sande, · waß sold ich vrâgen mêr?
daß wir zuo im solden · rîten in daß lant:
ouch hât uns manec mære · mîn swester Kriemhilt gesant.“
„Sô wil ich iu gerâten,“ · sprach aber Hagene,
„bitet iu diu mære · baß ze sagene
den hêrren Dietrîchen · und sîne helde guot,
daß si iuch lâßen wißßen · der vrouwen Kriemhilde muot.“
Dô giengen sunder sprâchen · die drî künege rîch,
Gunther unde Gêrnôt · und ouch hêr Dietrîch.
„nu sag uns, von Berne · vil edel rîter guot,
wie dir sî gewißßen · umb der küneginne muot.“
Dô sprach der vogt von Berne: · „waß sol ich iu sagen?
wan daß ich alle morgen · weinen hœr unt klagen
mit jæmerlîchen sinnen · daß Etzelen wîp
dem rîchen Got von himele · des starken Sîvrides lîp.“
„Eß ist et unerwendet,“ · sprach der küene man,
Volkêr der videlære, · „daß wir vernomen hân.
wir suln ze hove rîten · und suln daß besehen,
waß uns snellen degenen · müge zen Hiunen geschehen.“
Die küenen Burgunden · hin ze hove riten:
si kômen hêrlîchen · nâch ir landes siten.
dô wundert dâ zen Hiunen · vil manegen küenen man
umb Hagnen von Troneje, · wie der wære getân.
Durch daß man seite mære, · des was im genuoc,
daß er von Niderlanden · Sîvriden sluoc,
sterkest aller recken, · vroun Kriemhilde man:
des wart michel vrâgen · ze hove nâch Hagenen getân.
Der helt was wol gewahsen, · daß ist alwâr,
grôß was er zen brüsten, · gemischet was sîn hâr
mit einer grîsen varwe, · diu bein wârn im lanc,
eislîch sîn gesiune, · er hete hêrlîchen ganc.
Dô hieß man herbergen · die Burgunden man.
Gunthers gesinde · wart gesundert dan.
daß riet diu küneginne, · diu im vil haßßes truoc:
dâ von man sît die knehte · an der herberge sluoc.
Dancwart, Hagenen bruoder, · der was marschalch;
der künec im sîn gesinde · vlîßeclîch bevalch,
daß er ir volleclîche · mit spîse solde phlegen.
daß tet dô willeclîche · mit triuwe der vil küene degen.
Kriemhilt diu schœne · mit ir gesinde gie,
dâ si die Niblunge · mit valschem muote enphie.
si kuste Gîselheren · und nam in bî der hant.
daß sach von Tronje Hagene: · den helm er vester gebant.
„Nâch sus getânem gruoße,“ · sô sprach Hagene,
„mugen sich verdenken · snelle degene;
man grüeßet sunderlîchen · die künege und ir man:
wir haben niht guoter reise · zuo dirre hôhzît getân.“
Si sprach: „nu sît willekomen, · swem iuch gerne siht:
durch iuwer selbes vriuntschaft · grüeße ich iuch niht.
saget, waß ir mir bringet · von Wormeß über Rîn,
dar umbe ir mir sô grôße · soldet willekomen sîn?“
„Waß sint disiu mære,“ · sprach dô Hagene,
„daß iu gâbe solden · bringen degene?
ich wære wol sô rîche, · het ich mich baß verdâht,
daß ich iu mîne gâbe · her zen Hiunen hete brâht.“
„Nu sult ir mich der mære · mêre wißßen lân,
hort der Niblunge, · war habt ir den getân?
der was doch mîn eigen: · daß ist iu wol bekant:
den soldet ir mir bringen · in daß Etzelen lant.“
„Entriuwen, mîn vrou Kriemhilt, · des ist manec tac,
daß ich der Niblunge · hortes nie gephlac.
den hießen mîne hêrren · senken in den Rîn:
dâ muoß er wærlîche · unz an daß jungiste sîn.“
Dô sprach diu küneginne: · „ich hâns ouch wol gedâht.
ir habt mirs noch vil kleine · her ze lande brâht,
swie er mîn eigen wære · und ich sîn wîlent phlac;
nach im und sîme hêrren · hân ich manegen leiden tac.“
„Ich bringe iu den tiuvel,“ · sprach aber Hagene,
„ich hân an mîme schilde · sô vil ze tragene
und an mîner brünne: · mîn helme der ist lieht,
daß swert an mîner hende: · des enbringe ich iu niht.“
„Jane rede ichß niht dar umbe, · deich mêre goldes welle gern.
ich hâns sô vil ze gebene, · deich iuwer gâbe mac enbern.
ein mort und zwêne roube · die mir sint genomen,
des möhte ich vil arme · noch ze liebem gelte komen.“
Dô sprach diu küneginne · zen recken über al:
„man sol deheiniu wâfen · tragen in den sal;
ir helde, ir sult mirs ûf geben: · ich wils behalten lân.“
„entriuwen,“ sprach dô Hagene, · „daß wirdet nimmer getân.
„Jane ger ich niht der êren, · vürsten tohter milt,
daß ir zen herbergen · traget mînen schilt
und ander mîn gewæfen. · ir sît ein künegîn.
daß enlêrte mich mîn vater niht: · ich wil selbe kamerære sîn.“
„Ouwê mîner leide,“ · sprach vrou Kriemhilt:
„war umbe wil mîn bruoder · und Hagne sînen schilt
niht lâßen behalten? · si sint gewarnôt.
und wesse ich, wer daß tæte, · ich riete im immer sînen tôt.“
Des antwurte ir mit zorne · der hêrre Dietrîch:
„ich binß, der hât gewarnet · die edelen vürsten rîch
und Hagnen den küenen, · den Burgunden man.
nu zuo, vâlandinne, · du solt michs niht genießen lân.“
Des schamte sich vil sêre · daß Etzelen wîp:
si vorhte bitterlîchen · Dietrîches lîp.
si gie von im balde, · daß si niht ensprach,
wan daß si swinde blicke · an ir vîende sach.
Bî henden sich dô viengen · zwêne degene:
daß eine was hêr Dietrîch, · daß ander Hagene.
dô sprach gezogenlîchen · der recke vil gemeit:
„iur komen ze den Hiunen · ist mir wærlîchen leit,
„Durch daß diu küneginne · alsô gesprochen hât.“
dô sprach von Troneje Hagen: · „des wirt wol alles rât.“
sus reiten mit ein ander · die zwêne küene man.
daß sach der künic Etzel; · dar umbe er vrâgen began:
„Diu mære ich weste gerne,“ · sprach der künic rîch,
„wer jener recke wære, · den dort hêr Dietrîch
sô vriuntlîch enphâhet. · er treit vil hôhen muot:
swer sîn vater wære, · er mac wol sîn ein recke guot.“
Des antwurte dem künege · ein Kriemhilde man:
„er ist geborn von Troneje, · sîn vater hieß Aldrîân.
swie blîde er hie gebâre, · er ist ein grimmec man:
ich lâß iuch daß beschouwen, · daß ich gelogen niene hân.“
„Wie sol ich daß erkennen, · daß er sô grimmec ist?“
dannoch er niht weste · sô manegen argen list,
den sît diu küneginne · an ir mâgen begie,
daß si ir nie deheinen · von den Hiunen komen lie.
„Wol erkande ich Hagenen: · wan er was mîn man.
lop und michel êre · er hie bî mir gewan.
ich machte in ze rîter · und gab im mîn golt.
durch daß er getriuwe was, · des muose ich im wesen holt.
„Dâ von ich wol erkenne · alleß Hagnen sint.
eß wâren mîne gîsel · zwei wætlîchiu kint,
er und von Spâne Walther: · die wuohsen hie ze man.
Hagne sand ich wider heim; · Walther mit Hiltegunde entran.“
Er gedâhte lieber mære, · diu wâren ê geschehen.
sînen vriunt von Troneje · hete er reht ersehen,
der im in sîner jugende · vil starkiu dienest bôt;
sît vrumt er im in alter · vil manegen lieben vriunt tôt.
Dô schieden sich die zwêne · recken lobelîch,
Hagene von Troneje · und ouch hêr Dietrîch.
dô blikte über ahsel · der Guntheres man
nâch eime hergesellen, · den er vil schiere gewan.
Dô sach er Volkêren · bî Gîselhere stên,
den spæhen videlære: · er bat in mit im gên,
wan er vil wol erkande · sînen grimmen muot.
er was an allen tugenden · ein rîter küene unde guot.
Noch ließen si die hêrren · ûf dem hove stân.
niuwan si zwêne aleine · sach man dannen gân
über den hof vil verre · vür einen palas wît.
die ûß erwelten degene · vorhten niemannes nît.
Si gesâßen vor dem hûse · gein eime sal,
der was Kriemhilde, · ûf eine banc ze tal.
dô lûhte in vor dem lîbe · ir hêrlîch gewant.
genuoge, die daß sâhen, · hetens gerne bekant.
Alsam tier diu wilden · gekaphet wurden an
die übermüeten helde · von den Hiunen man.
si ersach durch ein venster · daß Etzelen wîp:
des wart aber betrüebet · der schœnen Kriemhilde lîp.
Eß mande si ir leide, · weinen si began.
des hete michel wunder · die Etzelen man,
waß ir sô rehte swære · verrihtet hete ir muot.
si sprach: „daß hât Hagene, · ir helde küene unde guot.
Si sprâchen zuo der vrouwen: · „wie ist daß geschehen?
wan wir iuch niulîche · haben vrô gesehen.
nie niemen wart sô küene, · derß iu hât getân,
heißet irß uns rechen, · eß sol im an sîn leben gân.“
„Daß wolde ich immer dienen, · swer ræche mîniu leit:
alles, deß er gerte, · des wær ich im bereit.
ich biut mich iu ze vüeßen,“ · sprach des küneges wîp:
„rechet mich an Hagenen, · daß er verliese den lîp.“
Dô garten sich vil balde · sehzec küener man:
durch Kriemhilde willen · si wolden hin gân
und wolden slahen Hagenen, · den vil küenen man,
und ouch den videlære. · daß wart mit râte getân.
Dô diu küneginne · ir schar sô kleine sach,
in einem grimmen muote · si ze den helden sprach:
„des ir dâ habet gedinge, · des sult ir abe gân:
ja endurfet ir sô ringe · Hagenen nimmer bestân.
„Swie stark und swie küene · von Troneje Hagne sî,
noch ist verre sterker, · der im dâ sitzet bî,
Volkêr der videlære: · der ist ein übel man.
ja ensult ir die helde · niht sô lîhte bestân.“
Dô si daß gehôrten, · dô garte sich ir mêr,
vier hundert recken. · diu küneginne hêr
was des vil genœte, · daß si in tæte leit.
dâ von wart sît den degenen · michel sorge bereit.
Dô si wol gewâfent · ir gesinde sach,
zuo den snellen recken · diu küneginne sprach:
„nu bîtet eine wîle: · jâ sult ir stille stân.
ich wil under krône · ze mînen vîenden gân.
„Und hœret itewîße, · waß mir hât getân
Hagene von Troneje, · Guntheres man:
ich weiß in sô gemuoten, · daß er mir lougent niht;
sô ist ouch mir unmære, · swaß im dar umbe geschiht.“
Dô sach der videlære, · ein küene spilman,
die edelen küneginne · ab einer stiegen gân
nider abeme hûse. · dô er daß ersach,
Volkêr der küene · zuo sîme hergesellen sprach:
„Nu schouwet, vriunt Hagene, · wâ si dort here gât,
diu uns âne triuwe · inß lant geladet hât.
in gesach mit küneges wîbe · nie sô manegen man,
die swert enhende trüegen, · alsô strîtlîchen gân.
„Wißßet ir, vriunt Hagene, · ob si iu sîn gehaß?
sô wil ich iu daß râten, · ir hüetet deste baß
des lîbes und der êren; · jâ dunket eß mich guot.
als ich mich versinne, · si sint vil zornec gemuot,
„Und sint ouch sumelîche · zen brusten alsô wît,
swer sîn selbes hüeten wil, · der tuo daß enzît.
ich wæn, si under sîden · die vesten prünne tragen.
waß si dâ mite meinen, · daß enhœr ich niemen sagen.“
Dô sprach in zornes muote · Hagne der küene man:
„ich weiß wol, daß eß alleß · ist ûf mich getân,
daß si diu liehten wâfen · tragent an der hant;
vor den möht ich gerîten · noch in der Burgunden lant.
„Nu saget mir, vriunt Volkêr, · welt ir mir gestân,
ob mit mir wellent strîten · Kriemhilde man?
daß lâßet ir mich hœren, · als liep als ich iu sî.
ich won iu immer mêre · mit triuwen dienstlîchen bî.“
„Ich hilfe iu sicherlîchen,“ · sô sprach der spilman.
„ob ich uns hie engegene · sæhe den künic gân
mit allen sînen recken, · die wîle ich leben muoß,
so entwîche ich iu durch vorhte · ûß helfe nimmer einen vuoß.“
„Nu lôn iu Got von himele, · vil edel Volkêr.
ob si mit mir strîten, · wes bedarf ich danne mêr?
sît ir mir helfen wellet, · als ich hân vernomen,
sô suln dise recken · vil gewerlîchen komen.“
„Nu stê wir von dem sedele,“ · sprach der spilman:
„si ist ein küneginne: · und lât si vür gân.
bieten ir die êre: · si ist ein edel wîp.
dâ mite ist ouch getiuwert · unser ietweders lîp.“
„Nein, durch mîne liebe,“ · sprach dô Hagene.
„sô wolden sich versinnen · dise degene,
daß ichß durch vorhte tæte, · und solde ich hin gên.
ine wil durch ir deheinen · nimmer von dem sedel stên.
„Jâ zimet eß uns beiden · zwâre lâßen baß.
zwiu sold ich den êren, · der mir ist gehaß?
daß getuon ich nimmer, · die wîl ich hân den lîp:
jane ruoche ich, waß mich nîdet · des künic Etzelen wîp.“
Der übermüete Hagene · leit über sîniu bein
ein vil liehteß wâfen, · ûß des knophe schein
ein vil liehter jaspis · grüener denne ein gras.
wol erkande eß Kriemhilt, · daß eß Sîvrides was.
Dô si daß swert erkande, · dô gie ir trûrens nôt.
daß gehilz was guldîn, · diu scheide ein borte rôt,
eß mande si ir leide: · weinen si began;
ich wæne, eß hete dar umbe · der küene Hagne getân.
Volkêr der snelle · zôch nâher ûf der banc
einen videlbogen starken, · michel unde lanc,
gelîch eime swerte, · scharph unde breit.
dô sâßen unervorhten · die zwêne recken gemeit.
Nu dûhten sich sô hêre · die zwêne küene man,
daß si niht enwolden · von dem sedel stân
durch niemannes vorhte. · des gieng in an den vuoß
diu edele küneginne · und bôt in vîntlîchen gruoß.
Si sprach: „nu saget, hêr Hagene, · wer hât nâch iu gesant,
daß ir getorstet rîten · her in ditze lant,
und ir daß wol erkandet, · waß ir mir habet getân?
hetet ir guote sinne, · ir soldetß billîchen lân.“
„Nâch mir ensande niemen,“ · sprach dô Hagene.
„man ladete her ze lande · drîe degene,
die heißent mîne hêrren: · sô bin ich ir man;
deheiner hovereise · bin ich hinder in gestân.“
Si sprach: „nu saget mir mêre, · zwiu tâtet ir daß,
daß ir daß habt verdienet, · daß ich iu bin gehaß?
ir sluoget Sîvriden, · mînen lieben man,
des ich unz an mîn ende · immer mêr ze weinne hân.“
Er sprach: „waß sol des mêre? · der rede ist nu genuoc.
ich binß et aber Hagene, · der Sîvriden sluoc,
den helt ze sînen handen: · wie sêre er des enkalt,
daß diu vrouwe Kriemhilt · die schœnen Prünhilde schalt!
„Eß ist et âne lougen, · küneginne rîch,
ich hân des alles schulde, · des schaden schedelîch.
nu reche eß, swer sô welle, · eß sî wîp oder man.
ich enwolde iu danne liegen, · ich hân iu leides vil getân.“
Si sprach: „daß hœret, recken, · wâ er mir lougent niht
aller mîner leide. · swaß im dâ von geschiht,
daß ist mir vil unmære, · ir Etzelen man.“
die übermüeten degene · sâhen alle ein ander an.
Swer den strît dâ hüebe, · sô wære dâ geschehen,
daß man den zwein gesellen · der êren müeße jehen,
wan siß in stürmen hêten · vil dicke wol getân.
des sich jene vermâßen, · durch vorhte muosen si daß lân.
Dô sprach ein der recken: · „wes seht ir mich an?
daß ich ê dâ lobete, · des wil ich abe gân,
durch niemannes gâbe · verliesen mînen lîp.
jâ wil uns verleiten · des künic Etzelen wîp.“
Dô sprach dâ bî ein ander: · „des selben hân ich muot.
der mir gæbe türne · von rôtem golde guot,
disen videlære · wolde ich niht bestân
durch sîne swinde blicke, · die ich an im gesehen hân.
„Ouch erkenne ich Hagenen · von sînen jungen tagen:
des mac man von dem recken · lîhte mir gesagen.
in zwein und zweinzec stürmen · hân ich in gesehen,
dâ vil maneger vrouwen · ist herzeleit von im geschehen.
„Er und der von Spâne · trâten manegen stîc,
dô si hie bî Etzel · vâhten manegen wîc
ze êren dem künege: · des ist vil geschehen:
dar umbe sol man Hagenen · der êren billîchen jehen.
„Dannoch was der recke · sîner jâre ein kint,
daß dô die tumben wâren, · wie grîse die nu sint.
nu ist er komen ze witzen · und ist ein grimmec man;
ouch treit er Balmungen, · daß er übele gewan.“
Dâ mite was gescheiden, · daß niemen dâ enstreit.
dô wart der küneginne · vil herzenlîchen leit.
die helden kêrten dannen; · jâ vorhten si den tôt
von dem videlære: · des gie in sicherlîchen nôt.
Wie dicke man durch vorhte · manegiu dinc verlât,
swâ sô vriunt bî vriunde · güetlîchen stât!
und hât er guote sinne, · daß er sîn niht entuot,
schade vil maneges mannes · wirt von sinnen wol behuot.
Dô sprach der küene Volkêr: · „wir hân daß wol ersehen,
daß wir hie vinden vînde, · als wir ê hôrten jehen.
wir suln zuo den künegen · hin ze hove gân,
so entar unser hêrren · mit strîte niemen bestân.“
„Nu wil ich iu volgen,“ · sprach dô Hagene.
si giengen, dâ si vunden · vil der degene
in grôßem antphange · noch an dem hove stân.
Volkêr der küene · vil lûte sprechen began.
Er sprach zuo sînen hêrren: · „wie lange welt ir stên,
daß ir iuch lâßet dringen? · ir sult ze hove gên
und hœret an dem künege, · wie der sî gemuot.“
dô sach man sich gesellen · die helde küene unde guot.
Der vürste von Berne · der nam an die hant
Gunthern den vil rîchen · von Burgunden lant;
Irnvrit nam Gêrnôten, · den vil küenen man;
dô sach man Gîselheren · ze hove mit sînem sweher gân.
Swie iemen sich gesellete · und ouch ze hove gie,
Volkêr und Hagene · geschieden sich nie
niuwan in eime sturme · unz an ir endes zît.
daß muosen edele vrouwen · beweinen grœßlîchen sît.
Dô sach man mit den künegen · hin ze hove gân
ir edelen ingesindes · tûsent küener man,
dar über sehzec recken: · die wâren mit in komen,
die hete in sîme lande · der küene Hagene genomen.
Hâwart und Îrinc, · zwêne ûß erwelte man,
sach man geselleclîchen · bî den künegen gân.
Dancwart und Wolfhart, · ein tiuwerlîcher degen,
die sach man grôßer tugende · vor den anderen phlegen.
Dô der vogt von Rîne · in den palas gie,
Etzel der rîche · daß langer niht enlie,
er spranc von sîme sedele, · als er in komen sach.
ein gruoß sô rehte schœne · von künege nie mêr geschach.
„Sît willekomen, hêr Gunther · und ouch hêr Gêrnôt
und iuwer bruoder Gîselher, · mîn dienst ich iu enbôt
mit triuwen willeclîchen · ze Wormeß über Rîn,
und alleß daß gedigene · daß sol mir willekomen sîn.
„Nu sît uns grôße willekomen, · ir zwêne degene,
Volkêr der vil küene · und ouch Hagene,
mir und mîner vrouwen · her in ditze lant:
si hât iu boten manegen · hin ze Rîne gesant.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „des hân ich vil vernomen.
wær ich durch mîne hêrren · zen Hiunen niht enkomen,
sô wær ich iu zen êren · geriten in daß lant.“
dô nam der wirt edele · die lieben geste bî der hant.
Er brâhte si zem sedele, · dâ er ê selbe saß.
dô schancte man den gesten, · mit vlîße tet man daß,
in wîten goldes schâlen · met, môraß unde wîn
und bat die ellenden · grôße willekomen sîn.
Dô sprach der künic Etzele: · „daß wil ich iu verjehen,
mir enkunde in dirre werlde · lieber niht geschehen
danne an iu helden, · daß ir mir sît bekomen.
des ist der küneginne · vil michel trûren benomen.
„Mich nimt des immer wunder, · waß ich iu habe getân,
sô manegen gast vil edele, · den ich gewunnen hân,
daß ir nie geruohtet · komen in mîniu lant.
daß ich iuch nu gesehen hân, · deist mir ze vreuden gewant.“
Des antwurte Rüedegêr, · ein rîter hôch gemuot:
„ir mugt si sehen gerne, · ir triuwe diu ist guot,
der mîner vrouwen mâge · sô schône kunnen phlegen.
si bringent iu ze hûse · manegen wætlîchen degen.“
An sunewenden âbent · die hêrren wâren komen
in Etzeln hof des rîchen. · vil selten ist vernomen
von alsô hôhem gruoße, · als er die helde enphie.
dar nâch er zuo den tischen · mit in vil vrœlîche gie.
Ein wirt bî sînen gesten · schôner nie gesaß.
man gab in volleclîchen · trinken unde maß:
alles, des si gerten, · des was man in bereit.
man hete von den helden · vil michel wunder geseit.
Etzel der rîche · het an bou geleit
sînen vlîß kostenlîche · mit grôßer arebeit:
palas unde türne, · kemenâten âne zal
in einer wîten bürge · und einen hêrlîchen sal.
Den het er heißen bouwen · lanc, hôch und wît,
durch daß sô vil der recken · in suohte zaller zît,
ân ander sîn gesinde · zwelf rîche künege hêr
und vil der werden degene · het er zallen zîten mêr,
Denne künic ie gewünne, · als ich vernomen hân.
er lebte in hôher wünne · von mâgen unde man.
schallen unde dringen · het der vürste guot
von manegem snellen degene: · des stuont im hôhe der muot.
Der tac hete nu ende · und nâhet in diu naht.
die wegemüeden recken · ir sorge an vaht,
wanne si solden ruowen · und an ir bette gân.
daß bereite Hagene: · eß wart in schiere kunt getân.
Gunther sprach ze dem wirte: · „Got lâße iuch wol geleben;
wir wellen varn slâfen: · ir sult uns urloup geben.
swenne ir daß gebietet, · sô kome wir morgen vruo.“
er schiet von sînen gesten · harte vrœlîchen duo.
Dringen allenthalben · die geste man dô sach.
Volkêr der küene · zuo den Hiunen sprach:
„wie geturret ir den recken · vür die vüeße gân?
und welt ir iuchs niht mâßen, · sô wirt iu leide getân.
„Sô slah ich eteslîchem · sô swæren gîgen slac,
hât er getriuwen iemen, · daß erß beweinen mac.
wan wîchet ir uns recken? · jâ dunket eß mich guot.
eß heißent alleß degene · und sint gelîche niht gemuot.“
Dô der videlære · sô zorneclîchen sprach,
Hagene der küene · über ahsel sach.
er sprach: „iu râtet rehte · der küene spilman.
ir Kriemhilde helde · sult ze herberge gân.
„Des ir dâ habt gedingen, · ich wæne, eß ieman tuo.
welt ir iht beginnen, · sô kumet uns morgen vruo
und lât uns wegemüeden · hînte haben gemach:
jâ wæn eß von helden · mit solhem willen ie geschach.“
Dô brâhte man die geste · in einen wîten sal,
den vunden si berihtet · den recken über al
mit vil rîchen betten · lanc unde breit.
in riet diu küneginne · diu aller grœßisten leit.
Manegen kolter spæhe · von Arraß man dâ sach
von vil liehten phellen · und manec bette dach
von Arâbischen sîden, · sô si beste kunden sîn;
dar ûfe lâgen lîsten, · die gaben hêrlîchen schîn.
Declachen hermîn · vil manegiu man dâ sach
und von swarzem zobele, · dar under si ir gemach
des nahtes schaffen solden · unz an den liehten tac.
ein künec mit sîme gesinde · nie sô hêrlîch gelac.
„Ouwê der nahtselde,“ · sprach Gîselher daß kint,
„und ouwê mîner vriunde, · die mit uns komen sint.
swie eß uns mîn swester · sô güetlîch erbôt,
ich vürhte, wir müeßen alle · von ir schulden ligen tôt.“
„Nu lât iuwer sorgen,“ · sprach Hagene der degen.
„ich wil der schiltwache · noch hînte selbe phlegen.
ich trouwe iuch wol behüeten, · unz uns kumet der tac.
des sît gar ân angest: · sô genese, swer der mac.“
Dô nigen si im alle · und seiten im des danc.
si giengen zuo den betten. · diu wîle was niht lanc,
daß sich geleit hêten · die wætlîchen man.
Hagene der küene · der helt sich wâfen began.
Dô sprach der videlære, · Volkêr der degen:
„versmâhetß iu niht, Hagene, · sô wold ich mit iu phlegen
hînt der schiltwache · unz morgen vruo.“
der helt vil minneclîchen · dancte Volkêre duo.
„Nu lône iu Got von himele, · vil lieber Volkêr.
zallen mînen sorgen · sone gerte ich niemen mêr
niuwan iuch aleine, · swâ ich hete nôt.
ich sol eß wol verdienen, · mich enwendes der tôt.“
Dô garten si sich bêde · in liehteß ir gewant.
dô nam ir ietwedere · den schilt an sîne hant
und giengen ûß dem hûse · vür die tür stân.
dô phlâgen si der geste: · daß was mit triuwen getân.
Volkêr der snelle · zuo des sales want
sînen schilt den guoten · leint er von der hant.
dô gie er hin widere, · sîn gîgen er genam:
dô diende er sînen vriunden, · als eß dem helde gezam.
Under die tür des hûses · saß er ûf den stein.
küener videlære · wart noch nie dehein.
dô im der seiten dœnen · sô süeßlîch erklanc,
die stolzen ellenden · die seitens Volkêre danc.
Dô klungen sîne seiten, · daß al daß hûs erdôß:
sîn ellen zuo der vuoge · diu wâren beidiu grôß.
süeßer unde senfter · gîgen er began:
do enswebete er an den betten · vil manegen sorgenden man.
Dô si entslâfen wâren · und er daß ervant,
dô nam der degen widere · den schilt an die hant
und gie ûß dem gademe · vür die türe stân
und huote sîner vriunde · vor den Kriemhilde man.
Des nahtes wol enmitten, · ine weiß, eß ê geschach,
Volkêr der vil küene · schînen helmen sach
verre ûß einer vinster: · die Kriemhilde man
wolden an den gesten · schaden gerne hân getân.
Ê Kriemhilt dise recken · hete dan gesant,
si sprach: „ob irs sô vindet, · durch Got sô sît gemant,
daß ir dâ slahet niemen · wan den einen man,
den ungetriuwen Hagenen; · die andern sult ir leben lân.“
Dô sprach der videlære: · „vriunt, her Hagene,
uns zimt disiu sorge · ensamt ze tragene.
ich sihe gewâfent liute · vor dem hûse stên:
als ich mich versinne, · ich wæne, si wellent uns bestên.“
„Nu swîget,“ sprach dô Hagene, · „lât si her nâher baß.
ê si unser werden innen, · sô wirt hie helmevaß
verrucket mit den swerten · von unser zweier hant:
si werdent Kriemhilde · hin wider übele gesant.“
Ein der Hiunen recken · vil schiere daß gesach,
diu tür was behüetet: · wie balde er dô sprach:
„des wir dâ heten willen, · jane mag es niht ergân:
ich sihe den videlære · an der schiltwache stân.
„Der treit ûf sîme houbte · einen helmen glanz,
lûter unde herte, · starc unde ganz.
ouch lohent im die ringe, · sam daß viuwer tuot.
bî im stêt ouch Hagene: · des sint die geste wol behuot.“
Zehant si kêrten widere. · dô Volkêr daß ersach,
wider sînen gesellen · er zorneclîchen sprach:
„nu lât mich zuo den recken · von dem hûse gân:
ich wil vrâgen mære · der vrouwen Kriemhilde man.“
„Nein, durch mîne liebe,“ · sprach dô Hagene,
„komt ir von dem hûse, · die snellen degene
bringent iuch mit swerten · lîhte in solhe nôt,
daß ich iu müese helfen, · wærß aller mîner mâge tôt.
„Sô wir danne beide · kœmen in den strît,
ir zwêne oder viere · in einer kurzen zît
sprungen zuo dem hûse · und tæten uns diu leit
an den slâfenden, · diu nimmer wurden verkleit.“
Dô sprach aber Volkêr: · „sô lât daß geschehen,
daß wir si bringen innen, · daß wir si hân gesehen;
daß des iht mugen lougenen · Kriemhilde man,
daß si ungetriulîche · vil gerne hêten getân.“
Zehant dô rief in Volkêr · hin entgegene:
„wes gêt ir sus gewâfenet, · snelle degene?
welt ir schâchen rîten, · Kriemhilde man?
dar sult ir mich ze helfe · und mînen hergesellen hân.“
Des antwurte im niemen. · zornec was sîn muot:
„phî, ir zagen bœse,“ · sprach der helt guot,
„wolt ir slâfende · uns ermordert hân?
daß ist sô guoten helden · noch vil selten her getân.“
Dô wart der küneginne · vil rehte daß geseit,
daß ir boten niht enwurben: · von schulden was ir leit.
dô vuogte si eß anders: · vil grimme was ir muot.
des muosen sît verderben · helde küene unde guot.
„Mir kuolent sô die ringe,“ · sô sprach Volkêr:
„jâ wæn diu naht welle · uns niht wern mêr.
ich kiuseß an dem lufte, · eß ist vil schiere tac.“
dô wacten si der manegen, · der noch slâfende lac.
Dô schein der liehte morgen · den gesten in den sal.
Hagne begunde vrâgen · die Recken über al,
ob si zuo dem münster · ze messe wolden gân?
nâch siten kristenlîchen · man vil liuten began.
Si sungen ungelîche, · daß dâ vil wol schein,
kristen unde heiden · zugen niht enein.
dô wolden zuo der kirchen · Guntheres man:
si wâren von den betten · al gelîche gestân.
Dô næten sich die recken · in alsô guot gewant,
daß nie helde mêre · in deheines küneges lant
ie beßßer kleider brâhten. · daß was Hagnen leit:
er sprach: „jâ sult ir helde · hie tragen anderiu kleit.
„Jâ sint iu doch genuogen · diu mære wol bekant.
nu traget vür die rôsen · diu wâfen an der hant,
vür schapel wol gesteinet · die liehten helme guot,
sît wir wol erkennen · der argen Kriemhilde muot.
„Wir müeßen hiute strîten, · daß wil ich iu sagen.
ir sult vür sîden hemde · halsperge tragen
und vür die rîchen mentel · guote schilde wît:
ob ieman mit iu zürne, · daß ir vil werlîchen sît.
„Mîne vil lieben hêrren, · dar zuo mâge unt man,
ir sult vil willeclîchen · zuo der kirchen gân
und klaget Got dem rîchen · sorge und iuwer nôt
und wißßet sicherlîchen, · daß uns nâhet der tôt.
„Irn sult ouch niht vergeßßen, · swaß ir habt getân,
und sult vil vlîßeclîche · dâ gein Gote stân.
ir sult sîn gewarnet, · recken alsô hêr:
eß enwelle Got von himele, · ir vernemet messe nimmer mêr.“
Sus giengen zuo dem münster · die vürsten und ir man.
ûf dem vrônen vrîthove · dâ hieß si stille stân
Hagene der küene, · daß si sich schieden niht.
er sprach: „jâ weiß noch niemen, · waß von den Hiunen geschiht.
„Leget, mîne vriunde, · die schilde vür den vuoß
und geltet, ob iu iemen · biete valschen gruoß,
mit tiefen verchwunden: · daß ist der Hagnen rât,
daß ir sô werdet vunden, · sam eß iu lobelîchen stât.“
Volkêr unde Hagene · die zwêne giengen stân
vür daß wîte münster: · daß wart durch daß getân,
daß si daß wolden vüegen, · daß des küneges wîp
mit in müese dringen; · jâ was vil grimmec ir lîp.
Dô kom der wirt des landes · und ouch sîn schœne wîp;
mit rîchem gewande · gezieret was ir lîp
und der vil snellen recken, · die man sach mit ir varn.
dô kôs man hôhe stouben · von der küneginne scharn.
Dô der künic rîche · alsus gewâfent sach
die künege und ir gesinde, · wie balde er dô sprach:
„wie sihe ich vriunde mîne · under helmen gân?
mir ist leit ûf mîne triuwe, · und hât in iemen iht getân.
„Ich solß in gerne büeßen, · swie si dunket guot.
hât iemen in beswæret · daß herze und ouch den muot,
des bringe ich si wol innen, · daß eß mir ist vil leit:
swaß si mir gebietent, · des bin ich alles in bereit.“
Des antwurte Hagene: · „uns hât niemen niht getân.
eß ist site mîner hêrren, · daß si gewâfent gân
zallen hôhgezîten · ze vollen drin tagen.
waß man uns hie tæte, · wir soldenß Etzelen klagen.“
Vil wol gehôrte Kriemhilt, · waß Hagne gesprach.
wie rehte vîentlîche · si im under dougen sach!
sine wolde doch niht melden · den site von ir lant,
swie lange si den hête · ze den Burgunden erkant.
Swie grimme und swie starke · si in vîent wære,
het iemen geseit Etzelen · diu rehten mære,
er het wol understanden, · daß doch sît geschach:
durch ir vil starken übermuot · ir deheiner ims verjach.
Dô gie diu küneginne · mit grôßer menege dan.
done wolden dise zwêne · iedoch niht hôher stân
zweier hande breite: · daß was den Hiunen leit.
jâ muose si sich dringen · mit den helden vil gemeit.
Etzeln kamerære · die endûhte daß niht guot:
jâ heten si den recken · erzürnet dô den muot,
wan daß si entorsten · vor dem künege hêr.
dâ was vil michel dringen · und doch niht anderes mêr.
Dô man dô Gote gediende · und daß si wolden dan,
vil balde kom ze rossen · manec Hiunen man.
dô was bî Kriemhilde · vil manec schœniu meit;
wol siben tûsent degene · bî der küneginne reit.
Kriemhilt mit ir vrouwen · in diu venster gesaß
zuo Etzeln dem rîchen: · liep was im daß.
si wolden schouwen rîten · helde vil gemeit.
hei, waß vremder recken · vor in ûf dem hove reit!
Dô was ouch der marschalc · mit den rossen komen:
Dancwart der vil küene · hete ze im genomen
sîns hêrren ingesinde · von Burgunden lant.
diu ros man wol gesatelet · den küenen Niblungen vant.
Dô ze rosse kômen · die künege und ir man,
Volkêr der küene · râten daß began,
si solden buhurdieren · nâch ir landes siten.
des wart von den helden · sît vil hêrlîch geriten.
Der helt het in gerâten, · des si doch niht verdrôß;
der buhurt unt daß schallen · wurden beide grôß.
ûf den hof vil wîten · kom vil manec man.
Etzel unde Kriemhilt · daß selbe schouwen began.
Ûf den buhurt kômen · sehs hundert degene,
Dietrîches recken, · den gesten zegegene.
si wolden kurzwîle · mit den Burgunden hân:
het er ins gegunnen, · si hetenß gerne getân.
Hei, waß guoter recken · in dâ nâch reit!
dem hêrren Dietrîche · wart daß geseit.
mit Guntheres mannen · daß spil er in verbôt.
er vorhte sîner manne: · des gie im sicherlîchen nôt.
Dô die von Berne · gescheiden wâren dan,
dô kômen von Bechlâren · Rüedegêres man
fünf hundert under schilden · vür den sal geriten.
liep wære dem marcgrâven, · daß siß hêten vermiten.
Er kom zuo zin vil balde · gedrungen durch die schar
und seite sînen mannen, · si wæren des gewar,
daß in unmuote wæren · Guntheres man:
ob si den buhurt ließen, · eß wær im liebe getân.
Dô von in geschieden · die helde vil gemeit,
dô kômen die von Dürengen, · als uns daß ist geseit,
und der von Tenemarken · wol tûsent küener man.
von stichen sach man vliegen · vil der trunzûne dan.
Irnvrit unde Hâwart · in den buhurt riten;
ir heten die von Rîne · vil stolzlîch erbiten.
si buten manege tjoste · den von Dürengen lant:
des wart von stichen dürkel · manec hêrlîcher rant.
Dô kom der hêrre Blœdelîn · mit drin tûsent dar.
Etzel unde Kriemhilt · nâmen sîn wol war,
wan vor in beiden · diu rîterschaft geschach.
diu künegin eß gerne · durch leit der Burgunde sach.
Si gedâht in ir muote, · als eß was nâch geschehen:
„geschæhe iemen leide, · sô möhte ich mich versehen,
daß eß erhaben würde: · an den vînden mîn
wurde ich wol errochen, · des wolde ich gar ân angest sîn.“
Schrûtân unde Gibeke · ûf den buhurt riten,
Râmunc und Hornboge, · nâch Hiunischen siten.
si hielten gein den helden · von Burgunden lant.
die schefte dræten hôhe · über des küneges sales want.
Swes dâ iemen phlæge, · sô was eß niuwan schal.
man hôrte von schilde stœßen · palas unde sal
harte lût erdießen · von Guntheres man.
den lop daß sîn gesinde · mit grôßen êren gewan.
Dô was ir kurzwîle · sô michel unde grôß,
daß durch die covertiure · der blanke sweiß dô vlôß
von den guoten rossen, · diu die helde riten.
si versuochtenß an den Hiunen · mit vil hôhverten siten.
Dô sprach der küene Volkêr, · ein edel spilman:
„ich wæne, uns dise recken · türren niht bestân.
ich hôrte ie sagen mære, · si wæren uns gehaß:
nu enkunde eß sich gevüegen · zwâre niender in baß.“
„Zen herbergen vüeren,“ · sprach der künic hêr,
„sol man uns die mœre · und rîten danne mêr
hin gein âbende, · sô es wirdet zît.
waß, ob diu küneginne · den lop den Burgunden gît?“
Dô sâhens einen rîten · sô weigerlîchen hie,
daß eß al der Hiunen · getet neheiner nie.
jâ moht er in den venstern · wol haben herzen trût:
er vuor sô wol gekleidet · sam eins vil werden rîters brût.
Dô sprach aber Volkêr: · „wie möht ich daß verlân?
jener trût der vrouwen · muoß ein gepiuße hân.
eß kan nieman gescheiden, · eß gât im an den lîp:
ja enruoch ich, ob eß zürnet · des künic Etzelen wîp.“
„Nein, durch mîne liebe,“ · sprach der künic sân.
„eß wîßent uns die liute, · ob wir si bestân.
lât eß heben die Hiunen: · daß vüeget sich noch baß.“
dannoch der künic Etzel · bî der küneginne saß.
„Ich wil den buhurt mêren,“ · sprach dô Hagene.
„lât die vrouwen schouwen · und die degene,
wie wir künnen rîten: · daß ist guot getân;
man gît doch lop deheinen · des künic Guntheres man.“
Volkêr der vil snelle · den buhurt wider reit.
daß wart sît maneger vrouwen · grœßlîchen leit.
er stach dem rîchen Hiunen · daß sper durch den lîp:
daß sach man sît beweinen · beide meit unde wîp.
Dô rukte hurteclîche · Hagne nâch im dan:
mit sehzec sîner degene · rîten er began
nâch dem videlære, · dâ daß spil geschach.
Etzel unde Kriemhilt · eß bescheidenlîchen sach.
Done wolden die drî künege · den küenen spilman
bî den vîenden · niht âne huote lân.
dâ wart von tûsent helden · vil kunstlîch geriten.
si tâten, daß si wolden · in vil hôhverten siten.
Dô der rîche Hiune · ze tôde was erslagen,
man hôrte sîne mâge · rüefen unde klagen.
dô vrâgte al daß gesinde: · „wer hât eß getân?“
„daß hât der videlære, · Volkêr der küene spilman.“
Nâch swerten unde schilden · riefen dâ zehant
des marcgrâven mâge · von der Hiunen lant:
si wolden Volkêren · ze tôde erslagen hân.
der wirt ûß eime venster · vil harte gâhen began.
Dô huop sich von den Hiunen · allenthalben schal.
die künege und ir gesinde · erbeißten vür den sal.
diu ros ze rucke stießen · die Burgunden man.
dô kom künic Etzel: · der hêrre eß scheiden began.
Ein des Hiunen mâge, · den er bî im vant,
ein vil scharfeß wâfen · brach erm ûß der hant:
dô sluog ers alle widere, · wan im was vil zorn.
„wie hete ich mînen dienest · an disen helden verlorn!
„Ob ir nu disen spileman · hêt dar umbe erslagen,
ich hieß iuch alle hâhen, · daß wil ich iu sagen.
ich sach vil wol sîn rîten, · dô er den Hiunen stach,
daß eß âne sînen willen · von eime strûche geschach.
„Ir müeßet mîne geste · vride lâßen hân.“
dô wart er ir geleite. · diu ros zôch man dan
zuo den herbergen. · si heten manegen kneht,
die in mit vlîße wâren · ze allem dienste gereht.
Der wirt mit sînen vriunden · in den palas gie:
zorn er mêr deheinen · dâ niht werden lie.
dô rihte man die tische, · daß waßßer man in truoc.
dô heten die von Rîne · der starken vînde genuoc.
Swie leit eß Etzeln wære, · gewâfent manege schar
sach man nâch vürsten dringen · und wol ze vlîße gar,
dâ si zen tischen giengen, · durch der geste haß.
ir mâc si wolden rechen, · ob sich gevüegen kunde daß.
„Sît ir gewâfent gerner · eßßet danne blôß,“
sprach der wirt des landes, · „diu unzuht ist ze grôß;
swer aber mînen gesten · hie tuot deheiniu leit,
eß gêt im an sîn houbet: · daß sî iu Hiunen geseit.“
Ê die hêrren gesæßen, · des wart harte lanc.
diu Kriemhilde sorge · si ze sêre twanc.
(si sprach:) „vürste von Berne, · ich suoche dînen rât,
helfe und genâde: · mîn dinc mir angestlîche stât.“
Des antwurte ir Hildebrant, · ein recke lobelîch:
„swer sleht die Nibelunge, · der tuot eß âne mich,
durch deheines schatzes liebe; · eß mac im werden leit.
si sint noch unbetwungen · die snellen rîter gemeit.“
„Ich wolt et niuwan Hagenen, · der mir hât leit getân,
er morte Sîvriden, · den mînen lieben man.
der in ûß den andern schiede, · dem wær mîn golt bereit.
engult es anders iemen, · daß wær mir inneclîchen leit.“
Dô sprach aber Hildebrant: · „wie kunde daß geschehen,
daß man in bî in slüege? · ich ließe iuch daß gesehen:
ob man den helt bestüende, · sich hüebe lîhte ein nôt,
daß arme unde rîche · dar umbe müesen ligen tôt.“
Dô sprach in sînen zühten · dar zuo hêr Dietrîch:
„die rede lât belîben, · küneginne rîch;
mir habent iuwer mâge · der leide niht getân,
daß ich die degne küene · mit strîte welle bestân.
„Diu bete iuch lützel êret, · vil edel vürsten wîp,
daß ir iuwern mâgen · râtet an den lîp.
si kômen ûf genâde · her in ditze lant;
Sîvrit ist unerrochen · vone Dietrîches hant.“
Dô si der untriuwe · an dem Berner niene vant,
dô lobete si alsô balde · in Blœdelînes hant
eine wîte marke, · die Nuodunc ê besaß;
sît dô sluog in Dancwart, · daß er der gâbe gar vergaß.
Si sprach: „du solt mir helfen, · hêrre Blœdelîn.
jâ sint in disem hûse · die vîende mîn,
die Sîvriden sluogen, · den mînen lieben man:
swer mir daß hilfet rechen, · dem bin ich immer undertân.“
Des antwurte ir Blœdel, · dâ er bî ir saß:
„jane getar ich dînen mâgen · gerâten keinen haß,
wan si mîn bruoder · bî im gerne siht:
ob ich si bestüende, · der künec vertrüege mir sîn niht.“
„Neinâ, hêrre Blœdel, · ich bin dir immer holt:
jâ gib ich dir ze miete · silber unde golt
und eine schœne vrouwen, · daß Nuodunges wîp:
sô maht du gerne triuten · ir vil minneclîchen lîp.
„Daß lant zuo den bürgen · wil ich dir alleß geben,
sô mahtu, rîter edele, · mit vreuden immer leben,
gewinnestu die marke, · dâ Nuodunc inne saß.
swaß ich dir lobe hiute, · mit triuwen leiste ich dir daß.“
Dô der hêrre Blœdel · die miete vernam,
und daß im durch ir schœne · diu vrouwe wol gezam,
mit strîte wânde er dienen · daß minneclîche wîp.
dar umbe muose der recke · dô verliesen den lîp.
Er sprach zer küneginne: · „gêt wider in den sal.
ê es iemen werde inne, · sô heb ich einen schal.
eß muoß erarnen Hagene, · daß er iu hât getân:
ich antwurte iu gebunden · des künic Guntheres man.“
„Nu wâfent iuch,“ sprach Blœdel, · „alle, die ich hân.
wir suln den vîenden · in die herberge gân.
des wil mich niht erlâßen · daß Etzelen wîp:
dar umbe suln wir helde · alle wâgen den lîp.“
Dô diu küneginne · Blœdelînen lie
in des strîtes willen, · ze tische si dô gie
mit Etzeln dem künege · und ouch mit sînen man.
si hete swinde ræte · an die geste getân.
Wie si ze tische giengen, · daß wil ich iu sagen:
man sach dâ künege rîche · krône vor ir tragen.
vil manegen hôhen vürsten · und manegen werden degen
die sach man grôßer zühte · vor der küneginne phlegen.
Der künic schuof den gesten · den sedel überal,
den hôhsten und den besten · zuozim in den sal.
den kristen und den heiden · ir spîse er underschiet;
man gap genuoc in beiden, · als eß der wîse künec beriet.
Ir ander ingesinde · zen herbergen âßen:
den wâren truhsæßen · ze dieneste lâßen,
die muosen ir spîse · wol ze vlîße phlegen.
ir wirtschaft und ir vreude · wart sît mit jâmer widerwegen.
Dô der strît niht anders · kunde sîn erhaben,
Kriemhilt leit daß alte · in ir herzen was begraben,
dô hieß sie tragen ze tische · den Etzelen sun.
wie kund ein wîp durch râche · immer vreislîcher tuon?
Dô giengen an der stunde · vier Etzelen man:
si truogen Ortlieben, · den jungen künic, dan
zuo der vürsten tische, · dâ ouch Hagene saß.
des muoseß kint ersterben · durch sînen mortlîchen haß.
Dô der künic rîche · sînen sun ersach,
zuo sînen konemâgen · er güetlîchen sprach:
„nu sehet, vriunde mîne, · daß ist mîn einec sun
und ouch iurer swester: · daß mac iu allen wesen vrun.
„Gevâht er nâch dem künne, · er wirt ein küene man,
rîch und vil edele, · starc und wol getân.
lebe ich deheine wîle, · ich gib im zwelf lant:
sô mag iu wol gedienen · des jungen Ortliebes hant.
„Dar umbe bite ich gerne · iuch, lieben vriunde mîn,
swenne ir ze lande widere · rîtet an den Rîn,
sô sult ir mit iu vüeren · iuwer swester sun
und sult ouch an dem kinde · vil genædeclîchen tuon.
„Und ziehet in zen êren, · unz er werde man:
hât iu in den landen · iemen iht getân,
daß hilfet er iu rechen, · gewahset im sîn lîp.“
die rede hôrte ouch Kriemhilt, · des künic Etzelen wîp.
„Im solden wol getrouwen · dise degene,
gewüehse er ze manne,“ · sô sprach Hagene:
„doch ist der künic junge · sô veiclîch getân:
man sol mich sehen selten · ze hove nâch Ortliebe gân.“
Der künec an Hagnen blicte: · diu rede was im leit.
swie niht dar umbe redete · der vürste gemeit,
eß truobte im daß herze · und swârte im den muot.
dô was Hagenen wille · niht ze kurzwîle guot.
Eß tet den vürsten allen · mit dem künege wê,
daß Hagne von dem kinde · hete gesprochen ê.
daß siß vertragen solden, · daß was in ungemach;
sin wessen niht der mære, · waß von dem recken sît geschach.
Genuoge, die eß hôrten · und im doch wâren gram,
in hêten gern bestanden; · ouch hete der künec alsam,
torster von sînen êren, · sô wær ers komen in nôt.
sît tet im Hagene mêre, · er sluogn vor sînen ougen tôt.
Blœdelînes recken · die wâren alle gar.
mit tûsent halspergen · huoben si sich dar,
dâ Dancwart mit den knehten · ob den tischen saß.
dâ huop sich under helden · der aller grœßiste haß.
Alsô der hêrre Blœdel · vür die tische gie,
Dancwart der marschalc · in vlîßeclîch enphie.
„willekomen her ze hûse, · mîn hêr Blœdelîn:
jâ wundert mich der mære: · waß sol disiu rede sîn?“
„Jane darftu mich niht grüeßen,“ · sô sprach Blœdelîn,
„wan ditze komen mîneß · muoß dîn ende sîn
durch Hagenen dînen bruoder, · der Sîvriden sluoc.
des enkiltestu zen Hiunen · und ander degene genuoc.“
„Neinâ, hêrre Blœdel,“ · sprach dô Dancwart.
„sô möht uns balde riuwen · disiu hovevart.
ich was ein wênic kindel, · dô Sîvrit vlôs den lîp:
ine weiß niht, waß mir wîßet · des künic Etzelen wîp.“
„Ja enweiß ich dir der mære · niht mê ze sagene;
eß tâten dîne mâge · Gunther und Hagene.
nu wert iuch vil ellenden: · ir kunnet niht genesen,
ir müeßet mit dem tôde · phant daß Kriemhilde wesen.“
„So enwelt ir niht erwinden?“ · sprach dô Dancwart.
„sô riuwet mich mîn vlêgen, · daß wære baß gespart!“
der snelle degen küene · von dem tische spranc,
er zôch ein scharpheß wâfen, · daß was michel unde lanc.
Dô sluoc er Blœdelîne · einen swinden swertes slac,
daß im daß houbt mit helme · vor den vüeßen lac.
„daß sî dîn morgengâbe,“ · sprach Dancwart der degen,
„zuo Nuodunges briute, · die du mit minne woldest phlegen.
„Man mac si morgen mehelen · einem andern man:
wil er die brûtmiete, · dem wirt alsam getân.“
ein vil getriuwer Hiune · hete im daß geseit,
daß in diu küneginne · riet sô grœßlîchiu leit.
Dô sâhen Blœdelînes man, · ir hêrre lac erslagen;
done wolden si den gesten · niht langer daß vertragen.
mit ûferbürten swerten · si sprungen vür diu kint
in grimmem muote: · daß gerou vil manegen sint.
Lûte rief dô Dancwart · al die knappen an:
„ir seht wol, edel knehte, · wie eß umb uns wil gân.
nu wert iuch ellenden, · als iuch des twinget nôt,
daß ir vrumeclîche · âne schanden liget tôt.“
Die niht swert enhêten, · die reihten vür die banc:
si huoben von den vüeßen · vil manegen schamel lanc.
der Burgunden knehte · wolden niht vertragen:
dâ wart von swæren stüelen · durch helme biulen vil geslagen.
Wie grimme sich dô werten · diu ellenden kint!
si triben ûß dem hûse · die gewâfenden sint:
doch beleip ir tôt dar inne · fünf hundert oder baß.
dô was daß ingesinde · von bluote rôt unde naß.
Disiu starken mære · wurden dan geseit
Etzelen recken: · eß was in grimme leit,
daß erslagen wære · Blœdel und sîne man;
daß hete Hagenen bruoder · mit den knehten getân.
Ê eß der künec ervünde, · die Hiunen durch ir haß,
der garten sich zwei tûsent · oder dannoch baß.
si giengen zuo den knehten, · daß muos et alsô wesen,
und ließen des gesindes · ninder einen genesen.
Die ungetriuwen brâhten · vürß hûs ein michel her.
die ellenden knehte · stuonden wol ze wer.
waß half ir baldeß ellen? · si muosen ligen tôt;
dar nâch in kurzen stunden · sich huop ein vreislîcher nôt.
Hie mugt ir hœren wunder · bî ungevüege sagen:
niun tûsent knehte · die lâgen tôt erslagen,
dar über rîter zwelfe · der Dancwartes man.
man sach in alterseine · noch bî den vîenden stân.
Der schal was geswiftet, · der dôß was gelegen.
dô blicte über ahsel · Dancwart der degen:
er sprach: „ouwê der vriunde, · die ich verloren hân.
nu muoß ich leider eine · bî mînen vîenden stân.“
Diu swert genôte vielen · ûf sîn eines lîp:
daß muose sît beweinen · vil maneges heldes wîp.
den schilt den ructe er hôher, · den veßßel nider baß:
dô vrumte er vil der ringe · von bluote vließende naß.
„Sô wê mir dirre leide,“ · sprach Aldrîânes kint.
„nu wîchet, Hiunen recken, · ir lât mich an den wint,
daß der luft erküele · mich sturmmüeden man.“
do begunder ân ir willen · in strîte gegen der türe gân.
Alsô der strîtemüede · ûß dem hûse spranc,
waß iteniuwer swerte · ûf sîme helme erklanc!
die niht gesehen hêten, · waß wunders tet sîn hant,
die sprungen hin enkegene · dem von Burgunden lant.
„Nu wolde Got,“ sprach Dancwart, · „möht ich den boten hân,
der mînen bruoder Hagenen · kunde wißßen lân,
daß ich vor disen recken · stên in sölher nôt!
er hulfe mir von hinnen · oder er gelæge bî mir tôt.“
Dô sprâchen Hiunen recken: · „der bote muostu sîn,
sô wir dich tragen tôten · vür den bruoder dîn.
sô sihet im êrste leide · der Guntheres man.
du hâst dem künege Etzel · sô grôßen schaden hie getân.“
Er sprach: „nu lât daß dröuwen · und wîchet hôher baß:
ja getuon ich eteslîchem · noch die ringe naß.
ich wil diu mære selbe · hin ze hove tragen
und wil ouch mînen hêrren · mînen grôßen kumber klagen.“
Er leidete sich sô sêre · den Etzelen man,
daß si in mit den swerten · torsten niht bestân:
dô schußßen si der gêre · sô vil in sînen rant,
daß er in durch die swære · muose lâßen von der hant.
Dô wândens in betwingen, · dô er niht schildes truoc.
hei, waß er tiefer wunden · durch die helme sluoc!
des muose vor im strûchen · manec küener man,
dar umbe lop vil grôßen · der küene Dancwart gewan.
Ze beiden sînen sîten · sprungen si im zuo.
jâ kom ir eteslîcher · in den strît ze vruo.
dô gie er vor den vînden, · alsam ein eberswîn
ze walde tuot vor hunden: · wie möht er küener gesîn?
Sîn vart diu wart erniuwet · von heißem bluote naß.
wie kund ein einec recke · gestrîten immer baß
mit sînen vîenden, · danne er het getân?
man sach Hagenen bruoder · ze hove hêrlîchen gân.
Truhsæßen unde schenken · die hôrten swerte klanc:
vil maneger dô daß trinken · von der hende swanc
und etelîche spîse, · die man ze hove truoc.
dô kom im vor der stiegen · der starken vînde genuoc.
„Wie nu, ir truhsæßen?“ · sprach der müede degen,
„jâ soldet ir der geste · vil güetlîchen phlegen
und soldet den hêrren · guote spîse tragen
und ließet mich diu mære · mînen lieben hêrren sagen.“
Swelher durch sîn ellen · im vür die stiegen spranc,
der sluog er etelîchem · sô swæren swertes swanc,
daß si durch die vorhte · ûf hôher muosen stân.
eß het sîn starkeß ellen · vil michel wunder getân.
Alsô der küene Dancwart · under die tür getrat,
daß Etzeln gesinde · er hôher wîchen bat.
mit bluote was berunnen · alleß sîn gewant;
ein vil scharfeß wâfen · truog er blôß an sîner hant.
Eß was reht in der wîle, · do er kom vür die tür,
daß man Ortlieben · truoc wider unde vür
von tische zuo tischen · den vürsten wol geborn:
von disen starken mæren · wart daß kindelîn verlorn.
Vil lûte rief dô Dancwart · einem degene:
„ir sitzet alze lange, · bruoder Hagene.
iu und Got von himele · klage ich unser nôt:
rîter unde knehte · sint an den herbergen tôt.“
Er rief im hin enkegene: · „wer hât daß getân?“
„daß hât der hêrre Blœdel · unde sîne man.
ouch hât ers sêre enkolten, · daß wil ich iu sagen:
ich hân mit mînen handen · im sîn houbet ab geslagen.“
„Daß ist ein schade kleine,“ · sprach dô Hagene,
„swâ man solhiu mære · saget von degene,
ob er von recken henden · verliuset sînen lîp:
in suln deste ringer · klagen wætlîchiu wîp.
„Nu saget mir, lieber bruoder, · wie sît ir sô rôt?
ich wæne, ir von wunden · lîdet grôße nôt.
ist er inder inme lande, · der eß iu hât getân,
in erner der übel tiuvel, · eß muoß im an sîn leben gân.“
„Ir sehet mich wol gesunden: · mîn wât ist bluotes naß.
von ander manne wunden · ist mir geschehen daß,
der ich alsô manegen · hiute hân erslagen,
ob ich des swern solde, · ine kundeß nimmer gesagen.“
Er sprach: „bruoder Dancwart, · sô hüetet uns der tür,
lât der Hiunen einen · komen niht dervür.
ich wil reden mit den recken, · als uns des twinget nôt:
unser ingesinde · lît von in unverdienet tôt.“
„Sol ich sîn kamerære,“ · sprach der küene man,
„alsô rîchen künegen · ich wol gedienen kan:
sô phlige ich der stiegen · nâch den êren mîn.“
den Kriemhilde degenen · kunde leider niht gesîn.
„Mich nimt des michel wunder,“ · sprach aber Hagene,
„waß nu hie inne rûnen · die Hiunen degene.
si wæn des lîhte enbæren, · der an der tür dâ stât
und diu hovemære · geseit den Burgunden hât.
„Ich hân vernomen lange · von Kriemhilde sagen,
daß si ir herzeleide · wolde niht vertragen.
nu trinken wir die minne · und gelten sküneges wîn:
der junge voit der Hiunen · der muoß der aller êrste sîn.“
Dô sluoc daß kint Ortlieben · Hagne der helt guot,
daß im gein der hende · anme swerte vlôß das bluot
und der küneginne eß · houbet sprang in die schôß.
dô huop sich under degenen · ein mort vil grimme unde grôß.
Er sluog deme meizogen · einen swinden swertes slac
mit beiden sînen henden, · der des kindes phlac,
daß im daß houbet schiere · vor tische nider lac.
eß was ein jæmerlîcheß lôn, · daß er dem meizogen wac.
Er sach vor Etzeln tische · einen spilman:
Hagne in sîme zorne · gâhen dar began.
er sluoc im ûf der gîgen · abe die zeswen hant:
„daß habe dir der botschefte · in der Burgunden lant.“
„Sô wê mir mîner hende,“ · sprach Werbel sân.
„hêr Hagene von Troneje, · waß hân ich iu getân?
ich kom ûf grôße triuwe · in iuwer hêrren lant.
wie klenk ich nu die dœne, · sît ich verlorn hân die hant?“
Hagne ahte ringe, · gevidelter nimmer mêr.
dô vrumt er inme hûse · diu verchgrimmen sêr
an den Etzeln recken, · der er sô vil ersluoc.
dô brâhte er in dem gademe · ze tôde recken genuoc.
Volkêr der vil snelle · von dem tische spranc:
ein videlboge im lûte · an sîner hant erklanc.
dô videlte ungevuoge · Gunthers spilman.
hei, waß er im ze vînde · der küenen Hiunen gewan!
Ouch sprungen von den tischen · die drîe künege hêr.
si woldenß gerne scheiden, · ê schade geschæhe mêr.
sine mohtenß mit ir sinnen · dô niht understân,
dô Volkêr unde Hagene · sô sêre wüeten began.
Dô sach der voit von Rîne · ungescheiden den strît:
dô sluoc der vürste selbe · manege wunden wît
durch die liehten ringe · den vîenden sîn.
eß was ein helt zen handen, · daß wart dâ grœßlîche schîn.
Dô kom ouch zuo dem strîte · der starke Gêrnôt:
jâ vrumte er der Hiunen · vil manegen helt tôt
mit eime scharfen swerte, · daß im gap Rüedegêr.
den Etzelen recken · tet er diu gremlîchen sêr.
Der junge sun vroun Uoten · zuo dem strîte spranc:
sîn wâfen hêrlîchen · durch die helme ranc
den Etzelen recken · ûßer Hiunen lant;
dâ tet vil michel wunder · des küenen Gîselheres hant.
Swie vrum si alle wâren, · die künege und ouch ir man,
doch sach man vor in allen · Volkêren stân
gein den vîenden; · eß was ein helt guot:
er vrumte mit wunden · manegen vallen in daß bluot.
Ouch werten sich vil sêre · die Etzelen man.
dô sach man die geste · houwende gân
mit den vil liehten swerten · durch des küneges sal.
man hôrte allenthalben · von wuofe grœßlîchen schal.
Dô wolden die dar ûße · zir vriunden sîn dar in:
die nâmen an den türen · vil kleinen gewin.
dô wæren die dar inne · vil gerne vür den sal:
Dancwart ließ ir deheinen · die stiegen ûf noch ze tal.
Des huop sich vor den türen · vil starker gedranc
und ouch von den swerten · grôßer helmklanc.
des kom der küene Dancwart · in eine grôße nôt:
daß besorgete sîn bruoder, · als im sîn triuwe gebôt.
Vil lûte rief dô Hagene · Volkêren an:
„seht ir dort, geselle, · mînen bruoder stân
vor Hiunischen recken · under starken slegen?
vriunt, nert mir den bruoder: · wir verliesen den degen.“
„Daß tuon ich sicherlîchen,“ · sprach der spilman.
er begunde videlunde · durch den palas gân:
ein herteß swert im ofte · an sîner hant erklanc.
die recken von Rîne · im seiten grœßlîchen danc.
Volkêr der küene · zuo Dancwarte sprach:
„ir habt erliten hiute · vil grôßen ungemach.
mich bat iuwer bruoder · durch helfe zuo iu gân.
welt ir nu sîn dar ûße, · sô wil ich innerthalben stân.“
Dancwart der snelle · stuont ûßerhalb der tür:
dô werte er in ir stiegen, · swaß ir kom der vür.
des hôrt man wâfen hellen · den helden an der hant.
sam tet ouch innerthalben · Volkêr von Burgunden lant.
Der küene videlære · rief über menege:
„daß hûs ist wol besloßßen, · vriunt her Hagene,
jâ ist alsô verschrenket · diu Etzelen tür
von zweier helde handen: · dâ gênt wol tûsent rigel vür.“
Dô von Troneje Hagene · die tür sach sô behuot,
den schilt warf dô ze rucke · der mære helt guot:
dô êrst begund er rechen · sîner vriunde leit.
sîns zornes muose engelten · vil manec rîter gemeit.
Dô der voit von Berne · daß wunder rehte ersach,
daß Hagene der starke · sô manegen helm brach,
der künec von Amelunge · spranc ûf eine banc.
er sprach: „hie schenket Hagene · daß aller wirseste tranc.“
Der wirt het grôße sorge, · sîn wîp diu het alsam:
waß man im lieber vriunde · vor sînen ougen nam!
wan er vor sînen vînden · vil kûme dâ genas.
er saß vil angestlîche: · waß half im, daß er künic was?
Kriemhilt diu rîche · rief Dietrîchen an:
„hilf mir, rîter edele, · mit dem lîbe dan,
durch aller vürsten tugende · ûß Amelunge lant:
wan erreicht mich Hagene, · ich hân den tôt an der hant.“
„Wie sol ich iu gehelfen,“ · sprach hêr Dieterîch,
„edel küneginne? · nu sorge ich umbe mich.
eß sint sô sêr erzürnet · Guntheres man,
daß ich an disen zîten · gevriden nieman enkan.“
„Neinâ, hêrre Dietrîch, · vil edel rîter guot,
lâßâ hiute schînen · dînen tugentlîchen muot,
daß du mir helfest hinnen, · oder ich belîbe tôt.
nu hilf mir und dem künege · ûß dirre angeslîcher nôt.“
„Daß wil ich versuochen, · ob ich iu helfen kan,
wand ich in langen zîten · niht gesehen hân
sô bitterlîch erzürnet · manegen rîter guot.
jâ sich ich durch die helme · von swerten springen daß bluot.“
Mit kraft begunde rüefen · der rîter ûß erkorn,
daß sîn stimme erhlûte · sam ein wisntes horn,
und daß diu burc vil wîte · von sîner kraft erdôß.
diu sterke Dietrîches · was unmæßlîchen grôß.
Dô gehôrte rüefen · Gunther disen man
in dem vil herten sturme: · hlosen er began.
er sprach: „Dietrîches stimme · ist in mîn ôre komen.
ich wæne, im unser degene · haben etwen benomen.
„Ich sich in ûf dem tische · winken mit der hant.
vriunt unde mâge · von Burgunden lant,
habet ûf des strîtes, · lât hœren unde sehen,
waß hie Dietrîche · von uns ze schaden sî geschehen.“
Dô der künic Gunther · bat und ouch gebôt,
si habten ûf mit swerten · in des strîtes nôt.
daß was gewalt vil grôßer, · daß dâ niemen sluoc.
er vrâgte den von Berne · der mære schiere genuoc.
Er sprach: „vil edel Dietrîch: · waß ist iu hie getân
vone mînen vriunden? · willen ich des hân,
buoße und suone · der bin ich iu bereit.
swaß iu iemen tæte, · daß wær mir inneclîchen leit.“
Dô sprach der hêrre Dietrîch: · „mir ist niht getân.
lât mich ûß dem hûse · mit iurme vride gân
von disem herten strîte · mit dem gesinde mîn.
daß wil ich umbe iuch degene · immer dienende sîn.“
„Waß vlêhet ir sô sêre?“ · sprach hêr Wolfhart,
„jane hât der videlære · die tür nie sô verspart,
wir entsließen si sô wîte, · daß wir dar vür gân.“
„nu swîc,“ sprach hêr Dietrîch, · „du hast den tievel getân.“
Dô sprach der künic Gunther: · „erlouben ich iu wil:
vüert ûß dem hûse · wênec oder vil
âne mîne vînde: · die suln hie bestân.
si hânt mir zen Hiunen · sô rehte leide getân.“
Dô er daß erhôrte, · under arm er beslôß
die edelen küneginne; · ir sorge was vil grôß:
dô vuorte er anderthalben · Etzeln mit im dan.
ouch gie mit Dietrîche · sechs hundert wætlîcher man.
Dô sprach der marcgrâve, · der edel Rüedegêr:
„sol aber ûß dem hûse · iemen komen mêr,
die iu doch gerne dienent, · daß lât uns vernemen:
sô sol vride stæte · guoten vriunden gezemen.“
Des antwurte Gîselher · sîme sweher zehant:
„vride unde suone · sî iu von uns bekant,
sît ir sît triuwen stæte, · ir und iuwer man.
ir sult unangestlîchen · mit iuren vriunden hinnen gân.“
Dô der hêrre Rüedegêr · gerûmte den sal,
vünf hundert oder mêre · im volgten über al.
daß was von den hêrren · durch triuwe getân,
von den der künic Gunther · grôßen schaden sît gewan.
Dô sach ein Hiunen recke · Etzelen gân
bî Dietrîche nâhen: · genoßßen wolde ers hân.
dem gap der videlære · einen sölhen slac,
daß im daß houbet schiere · vor Etzeln vüeßen gelac.
Dô der wirt des landes · kom vür daß hûs gegân,
dô kêrt er sich hin widere · und sach Volkêren an.
„ouwê mir dirre geste: · ditz ist ein grimmiu nôt,
daß alle mîne recken · vor in sulen ligen tôt!“
„Ach wê der hôhzîte!“ · sprach der künic hêr.
„dâ vihtet einer inne, · der heißet Volkêr,
alsam ein eber wilde · und ist ein spilman.
ich dankes mîme heile, · daß ich dem tievel entran.
„Sîn leiche lûtent übele, · sîn züge sint rôt.
jâ vellent sîne dœne · manegen helt tôt.
ine weiß niht, waß uns wîße · der selbe spilman,
wan ich gast nie einen · sô rehte leiden gewan.“
Zir herbergen giengen · die recken alsô hêr,
der hêrre von Berne · und ouch Rüedegêr.
sine wolden mit dem strîte · niht ze schaffen hân
und gebuten ouch ir degenen, · daß sis mit vride solden lân.
Und heten si getrouwet · alsolher swære,
daß in diu von in beiden · sô künftec wære,
sine wæren von dem hûse · niht sô sanfte komen,
si heten eine stroufe · an den vil küenen ê genomen.
Si heten, die si wolden, · lâßen vür den sal:
dô huob sich innerhalben · grœßlîcher schal.
die geste sêre râchen, · daß in ê geschach.
Volkêr der vil küene, · hei, waß er helme zebrach!
Sich kêrte gein dem schalle · Gunther der künic hêr:
„hœrt ir die dœne, Hagene, · die dort Volkêr
videlt mit den Hiunen, · swer zuo den türen gât?
eß ist ein rôter anstrich, · den er zem videlbogen hât.“
„Mich riuwet âne mâße,“ · sô sprach Hagene,
„daß ich mich hân gescheiden · von dem degene.
ich was sîn geselle · und ouch er der mîn:
kome wir immer wider heim, · daß sul wir noch mit triuwen sîn.
„Nu schouwe, künic hêre, · Volkêr ist dir holt:
er dient willeclîchen · dîn silber und dîn golt!
sîn videlboge snîdet · durch den herten stâl,
er brichet ûß den helmen · diu liehte schînenden mâl.
„In gesach nie videlære · sô hêrlîche stân,
alsô der degen Volkêr · hiute hât getân.
sîne leiche hellent · durch helm und durch rant:
jâ sol er rîten guotiu ros · und tragen hêrlîch gewant.“
Swaß der Hiunen mâge · in dem sale was gewesen,
der enwas nu deheiner · dar inne mê genesen.
des was der schal geswiftet, · daß niemen mit in streit:
diu swert von handen leiten · die küenen recken gemeit.
Die hêrren nâch ir müede · gesâßen dô ze tal.
Volkêr unde Hagene · die giengen vür den sal.
sich leinden über schilde · die übermüeten man:
dô wart dâ rede spæhe · von in beiden vil getân.
Dô sprach von Burgunden · Gîselher der degen:
„jane muget ir, lieben vriunde, · noch ruowe niht gephlegen:
ir sult die tôten liute · ûß dem hûse tragen:
wir werden noch bestanden, · ich wilß iu wærlîchen sagen.
„Si suln uns under vüeßen · hie niht langer ligen.
ê daß uns die Hiunen · mit sturme an gesigen,
wir houwen noch die wunden, · diu mir vil sanfte tuot.
des hân ich,“ sprach dô Gîselher, · „einen stætigen muot.“
„Sô wol mich solhes hêrren,“ · sprach dô Hagene.
„der rât enzæme nieman · wan eime degene,
den uns mîn junger hêrre · hiute hât getân.
des mugt ihr Burgunden · alle vrœlîche stân.“
Dô volgten si dem râte · und truogen vür die tür
siben tûsent tôten · wurfen si dervür.
vor des sâles stiegen · vielen si ze tal.
dô huop sich von ir mâgen · ein vil klagelîcher schal.
Eß was ir etlîcher · sô mæßlîchen wunt,
der sîn sanfter phlæge, · er wurde noch gesunt,
der von dem hôhen valle · muose ligen tôt.
daß klagten al ir vriunde: · des gie in wærlîchen nôt.
Dô sprach der videlære · Volkêr, ein helt gemeit:
„nu kiuse ich des die wârheit, · als mir ist geseit:
die Hiunen sint bœse, · si klagent sam diu wîp:
si solden wan beruochen · der vil sêre wunden lîp.“
Dô wând ein marcgrâve, · er reiteß durch guot:
er sach einen sînen mâc · gevallen in daß bluot.
er beslôß in mit den armen · und wolde in tragen dan.
den schôß ob im ze tôde · der vil küene spilman.
Dô die anderen daß sâhen, · diu vluht huop sich von dan:
si begunden alle vluochen · dem selben spilman.
einen gêr er ûf zucte · vil scharf unde hart,
der von eime Hiunen · zuo im dar ûf geschoßßen wart.
Den schôß er krefteclîchen · durch die burc dan
über daß volk verre. · den Etzelen man
gab er herberge · hôher von dem sal.
sîn vil starkeß ellen · die liute vorhten über al.
Dô stuonden vor dem hûse · Etzel und sîne man.
Volkêr unde Hagene · reden dô began
mit der Hiunen künege · allen ir muot.
des kômen sît in sorge · die helden küene unde guot.
„Eß zæme,“ sô sprach Hagene, · „vil wol volkes trôst,
daß die hêrren væhten · ze aller vorderôst,
alsô der mînen hêrren · hie ieslîcher tuot:
die houwen durch die helme, · daß nâch den swerten vliußet bluot.“
Etzel was der küene, · er vaßte sînen schilt.
„nu vart gewerlîche,“ · sprach vrou Kriemhilt,
„und bietet ir den recken · daß golt über rant.
wan erreicht iuch Hagene, · ir habt den tôt an der hant.“
Der künic was sô küene, · er wolde erwinden niht,
daß von sô rîchen vürsten · selden nu geschiht.
man muos in bî dem veßßel · ziehen wider dan.
Hagene der grimme · in aber hœnen began:
„Eß was ein nâhiu sippe,“ · sprach Hagene der degen,
„die Sîvrit unde Etzele · ze samne hânt gephlegen:
er minnete Kriemhilden, · ê si gesæhe dich:
künic vil bœse, · war umbe râtest ane mich?“
Dise rede hôrte · des edelen küneges wîp.
des wart in ungemüete · Kriemhilde lîp.
daß er si torste schelden · vor Etzelen man.
dar umbe si aber râten · an die geste began.
Si sprach: „der von Troneje · Hagenen flüege
unde mir sîn houbet · her vür mich trüege,
dem vult ich rôtes goldes · den Etzelen rant;
dar zuo gæb ich im ze miete · vil guote bürge unde lant.“
„Nu enweiß ich, wes si bîtent,“ · sprach der spilman.
„ine gesach nie helde mê · sô zagelîchen stân,
dâ man hôrte bieten · alsô hôhen solt.
jâ ensold in Etzel · dar umbe nimmer werden holt.
„Die hie sô lasterlîchen · eßßent des küneges brôt
und im nu geswîchent · in der grœßisten nôt,
der sihe ich hie manegen · vil zagelîchen stân,
und wellent doch sîn küene: · si müeßens immer schande hân.“
Etzele der vil rîche · hete jâmer unde nôt:
er klagte bitterlîche · mâge unde manne tôt.
dâ stuont von manegen landen · vil recken gemeit:
die weinten mit dem künege · sîniu kreftegen leit.
Des begunde spotten · der küene Volkêr:
„ich sihe hie sêre weinen · vil manegen recken hêr.
si gestênt ir hêrren übele · in sîner starken nôt.
jâ eßßent si mit schanden · nu vil lange hie sîn brôt.“
Do gedâhten in die besten: · „er hât uns wâr geseit.“
doch enwas eß dâ niemen · sô herzenlîche leit
als ouch Îringe, · dem helde ûß Tenelant,
daß man in kurzen zîten · mit der wârheit wol bevant.
Dô rief von Tenemarke · der marcgrâve Îrinc:
„ich hân ûf êre lâßen · nu lange mîniu dinc
und hân in volkes stürmen · des besten vil getân:
bringet mir mîn gewæfen: · jâ wil ich Hagene bestân.“
„Daß wil ich widerrâten,“ · sprach dô Hagene.
„so gewinnent iuwer mâge · mêr ze klagene.
gespringent iuwer zwêne · oder drî in den sal,
die send ich ungesunde · die stiegen widere ze tal.“
„Dar umbe ichß niht enlâße,“ · sprach aber Îrinc.
„ich hân ouch ê versuochet · sam sorclîchiu dinc.
jâ wil ich mit dem swerte · eine dich bestân,
ob du mit strîte hêtest · mêr danne iemen getân.“
Dô wart gewâfent balde · der degen Îrinc
unde Irnvrit von Dürengen, · ein küener jungelinc,
und Hâwart der starke · wol mit tûsent man:
swes Îrinc begunde, · si woldens alle im gestân.
Dô sach der videlære · ein vil grôße schar,
die mit Îringe · gewâfent kômen dar.
si truogen ûf gebunden · manegen helm guot.
dô wart der küene Volkêr · ein teil vil zornec gemuot.
„Sehet ir, vriunt Hagene, · dort Îringen gân,
der iuch mit dem swerte · lobete eine bestân?
wie zimet helde liegen? · ich wil unprîsen daß.
eß gênt mit im gewâfent · tûsent recken oder baß.“
„Nu heißet mich niht liegen,“ · sprach Hâwartes man.
„ich wil gerne leisten, · daß ich gelobet hân.
durch deheine vorhte · wil ichs abe gân:
swie griulîch nu sî Hagene, · ich wil in eine bestân.“
Ze vüeßen bôt sich Îrinc · mâgen unde man,
daß si in eine ließen · den recken bestân.
daß tâten si ungerne, · wan in was wol bekant
der übermüete Hagene · ûßer Burgunden lant.
Doch bat er si sô lange, · daß eß sît geschach.
dô daß ingesinde · den sînen willen sach,
daß er warp nâch êren, · dô ließens in gân.
des wart von in beiden · ein grimmeß strîten getân.
Îrinc von Tenemarken · hôhe truoc den gêr,
sich tacte mit dem schilde · der tiuwer degen hêr:
dô lief er ûf zuo Hagenen · vaste vür den sal:
dô huop sich von den degenen · ein vil grœßlîcher schal.
Dô schußßen si die gêre · mit krefte von der hant
durch die vesten schilte · ûf liehteß ir gewant,
daß die gêrstangen · vil hôhe dræten dan.
dô griffen zuo den swerten · die zwêne grimküene man.
Des küenen Hagenen ellen · was unmâßen grôß;
doch sluoc ûf in Îrinc, · daß al daß hûs erdôß.
palas unde türne · hullen nâch ir slegen.
done kunde niht verenden · sînes willen der degen.
Îrinc lie Hagenen · unverwundet stân:
zuo dem videlære · gâhen er began.
er wânde in mugen twingen · mit sînen grimmen slegen.
daß kunde wol beschermen · der vil zierlîche degen.
Dô sluoc der videlære, · daß über des schildes rant
dræte daß gespenge · von Volkêres hant.
den lie er dô belîben: · er was ein übel man:
dô lief er Guntheren, · den Burgunden künic, an.
Dô was ir ietwedere · ze strîte starc genuoc.
swaß Gunther und Îrinc · ûf ein ander sluoc,
daß brâhte niht von wunden · vließendeß bluot.
daß behuote ir gewæfen: · daß was starc unde guot.
Gunthern er lie belîben · und lief Gêrnôten an.
daß viuwer ûß den ringen · houwen erm began.
dô hete von Burgunden · der künic Gêrnôt
den küenen Îringen · erslagen næhlîchen tôt.
Dô spranc er von dem vürsten; · snel er was genuoc.
der Burgunden viere · der helt vil balde sluoc,
des edelen ingesindes · von Wormeß über Rîn.
dô enkunde Gîselher · nimmer zorner gesîn.
„Got weiß, hêr Îrinc,“ · sprach Gîselher daß kint,
„ir müeßet mir die gelten, · die veige vor iu sint
gelegen an den stunden.“ · dô lief er in an.
er sluoc den Tenelender, · daß er strûchen began.
Er schôß vor sînen handen · nider in daß bluot,
daß si alle wânden, · daß der helt guot
ze strîte nimmer mêre · geslüege keinen slac.
Îrinc doch âne wunden · hie vor Gîselhere lac.
Von des helmes dôße · und von des swertes klanc
wâren sîne witze · worden harte kranc,
daß sich der degen küene · des lebens niht versan.
daß hete mit sînen kreften · der küene Gîselher getân.
Dô im begund entwîchen · von houpte der dôß,
den er ê dâ dolte · von dem slage grôß,
er dâhte: „ich bin noch lebendec · und ouch ninder wunt:
nu ist mir alêrste · daß ellen Gîselheres kunt.“
Er hôrte beidenthalben · die vîende stân.
wessen si diu mære, · im wære mê getân.
ouch het er Gîselheren · dâ bî im vernomen:
er dâhte, wie er solde · von den vîenden komen.
Wie rehte tobelîchen · er ûß dem bluote spranc.
sîner snelheite · er mahte sagen danc.
dô lief er ûß dem hûse, · dâ er Hagenen vant,
und sluoc im slege swinde · mit sîner ellenthafter hant.
Dô gedâhte Hagene: · „du muost des tôdes wesen.
dich envride der tievel, · dune kanst niht genesen.“
doch wundet Îrinc Hagenen · durch den helmehuot.
daß tet der helt mit Wasken; · daß was ein wâfen vil guot.
Dô der hêrre Hagene · der wunden enphant,
dô erwagte im ungevuoge · daß swert an sîner hant.
al dâ muoste im entwîchen · der Hâwartes man;
abe von der stiegen · im Hagne volgen began.
Îrinc über houbet · den schilt vil balde swanc.
und wær diu selbe stiege · drîer stiegen lanc,
die wîle lie in Hagene · nie slahen einen slac.
hei, waß rôter vanken · ob sîme helme gelac!
Wider zuo den sînen · kom Îrinc wol gesunt.
dô wurden disiu mære · Kriemhilde kunt,
waß er von Tronje Hagenen · in strîte het getân;
des im diu küneginne · vil hôhe danken began.
„Nu lône dir Got, Îrinc, · vil mære helt guot,
du hâst mir wol getrœstet · daß herze und ouch den muot:
nu sihe ich rôt von bluote · Hagnen sîn gewant.“
Kriemhilt nam im selbe · den schilt vor liebe von der hant.
„Ir muget im mâßen danken,“ · sô sprach Hagene,
„jâ ist noch harte kleine · dâ von ze sagene:
und wolde erß noch versuochen, · sô wær er küen ein man.
diu wunde vrumt iu kleine, · die ich von im gewunnen hân.
„Daß ir von mîner wunden · die ringe sehet rôt,
daß hât mich erreißet · ûf maneges mannes tôt.
ich bin alrêrste erzürnet · ûf in und manegen man.
mir hât der degen Îrinc · noch vil kleine getân.“
Dô stuont gein dem winde · Îrinc von Tenelant.
er kuolte sich in ringen, · den helm er abe gebant.
dô sprâchen al die liute, · sîn ellen wære guot:
des hete der marcgrâve · einen rîch hôhen muot.
Aber sprach dô Îrinc: · „mîne vriunt, wißßet daß,
daß ir mich wâfent schiere, · ich wilß versuochen baß,
ob ich müge betwingen · den übermüeten man.“
sîn schilt was verhouwen, · einen beßßern er gewan.
Vil schiere wart der recke · dô gewâfent baß.
einen gêr vil starken · nam er durch den haß,
dâ mite er aber wolde · Hagnen dort bestân.
eß wær im vrum und êre, · ob erß hete nu verlân.
Sîn mohte niht erbîten · Hagene der degen.
er lief im hin entgegene · mit schüßßen unde slegen
die stiegen an ein ende: · sîn zürnen daß was grôß.
Îrinc sîner sterke · dô vil wênic genôß.
Si sluogen durch die schilde, · daß eß lougen began
von viuwerrôten winden. · der Hâwartes man
wart von Hagenen swerte · krefteclîche wunt
durch schilt unde helmen; · des er wart nimmer mê gesunt.
Dô der degen Îrinc · der wunden enphant,
den schilt er baß dô ructe · über diu helmbant.
der schade in dûhte der volle, · den er dâ gewan;
sît tet im aber mêre · des künic Guntheres man.
Hagene vor sînen vüeßen · einen gêr ligen vant:
er schôß ûf Îringen, · den helt von Tenelant.
daß im von houbte · diu stange ragte dan.
im hete der übermüete · den grimmen ende getân.
Îrinc muoste entwîchen · zuo den von Tenelant.
ê man dô dem degene · den helm ab gebant,
man brach den gêr von houbte: · dô nâhte im der tôt.
daß weinden sîne mâge: · des gie si wærlîche nôt.
Dô kom diu küneginne · über in gegân:
den starken Îringen · klagen si began.
si weinde sîne wunden; · eß was ir grimme leit.
dô sprach vor sînen mâgen · der küene recke gemeit:
„Lât die klage belîben, · vil hêrlîcheß wîp.
waß hilfet iuwer weinen? · jâ muoß ich mînen lîp
verliesen von den wunden, · die ich enphangen hân.
der tôt wil mich niht langer · iu und Etzelen lân.“
Er sprach zuo den von Dürengen · und den von Tenelant:
„die gâbe sol enphâhen · iuwer deheines hant
von der küneginne, · ir liehteß golt vil rôt:
und bestêt ir Hagenen, · ir müeßet kiesen den tôt.“
Sîn varwe was erblichen, · des tôdes zeichen truoc
Irinc der vil küene: · daß was in leit genuoc.
genesen niht enmohte · der Hâwartes man:
dô muos eß an ein strîten · von den von Tenemarke gân.
Irnvrit und Hâwart · sprungen vür daß gadem
mit tûsent helden. · vil ungevüegen kradem
hôrt man allenthalben, · kreftec unde grôß.
hei, waß man scharfer gêre · zuo den Burgunden schôß!
Irnvrit der küene · lief an den spilman,
des er schaden grôßen · von sîner hant gewan.
der edel videlære · den lantgrâven sluoc
durch einem helm vesten: · jâ was er grimme genuoc.
Dô sluoc der hêrre Irnvrit · den küenen spilman,
daß im muosen bresten · diu ringes gespan
und daß sich beschutte · diu brünne viuwerrôt.
doch viel der lantgrâve · vor dem videlære tôt.
Hâwart unde Hagene · zesamene wâren komen.
er möhte wunder kiesen, · ders hete war genomen.
diu swert genôte vielen · den helden an der hant:
Hâwart muoste sterben · von dem von Burgunden lant.
Die Tenen und die Dürenge · ir hêrren sâhen tôt.
dô huop sich vor dem hûse · ein vreislîcher nôt,
ê si die tür gewunnen · mit ellenthafter hant.
des wart dâ verhouwen · manec helm unde rant.
„Wîchet,“ sprach dô Volkêr, · „und lât si her in gân:
eß ist sus unverendet, · des si dâ habent wân.
si müeßen drinne sterben · in vil kurzer zît:
si arnent mit dem tôde, · daß in diu küneginne gît.“
Dô die übermüeten · kômen in den sal,
vil manegem wart daß houbet · geneiget sô ze tal,
daß er muost ersterben · vor ir swinden slegen.
wol streit der küene Gêrnôt; · sam tet ouch Gîselher der degen.
Tûsent unde viere · kômen in daß hûs:
von swerten sach man blicken · vil manegen swinden sûs.
sît wurden doch die recken · alle drinne erslagen:
man möhte michel wunder · von den Burgunden sagen.
Dar nâch wart ein stille, · dô der schal verdôß.
daß bluot allenthalben · durch diu löcher vlôß
und dâ zen rigelsteinen · von den tôten man.
daß heten die von Rîne · mit starkem ellen getân.
Dô sâßen aber râwen · die von Burgunden lant;
diu wâfen mit den schilden · si leiten von der hant.
dô stuont noch vor dem hûse · der küene spilman:
er warte, ob iemen wolde · noch zuo in mit strîte gân.
Der künic klagte sêre: · sam tet ouch sîn wîp;
meide unde vrouwen · quelten dâ den lîp.
ich wæne des, daß hête · der tôt ûf si gesworn:
des wart noch vil der recken · von den gesten dâ verlorn.
„Nu bindet ab die helme,“ · sprach Hagne der degen,
„ich und mîn geselle · suln iuwer phlegen.
und wellent eß versuochen · noch die Etzeln man,
sô warn ich mîne hêrren, · sô ich aller schierest kan.
Do entwâfende daß houbet · manec rîter guot.
si sâßen ûf die wunden, · die vor in in daß bluot
wâren zuo dem tôde · von ir handen komen.
dô wart der edelen geste · vil bœse goume genomen.
Noch vor dem âbende · schuof der künic daß
und ouch diu küneginne, · daß eß versuohten baß
die Hiunischen recken. · der sach man vor in stân
noch wol zweinzec tûsent: · die muosen dâ ze strîte gân.
Sich huop ein sturm herte · zuo den gesten sân.
Dancwart, Hagenen bruoder, · der vil snelle man,
spranc von sînen hêrren · zen vînden vür die tür.
man wând, er wær erstorben; · er kom gesunt wol dervür.
Der herte strît werte, · unz in diu naht benam.
dô werten sich die geste, · sô guoten helden zam,
der Etzelen manne · den sumerlangen tac.
hei, waß guoter degene · vor in veige gelac!
Zeinen sunewenden · der grôße mort geschach,
daß diu vrouwe Kriemhilt · ir herzeleit errach
an ir næhsten mâgen · und an vil manegem man,
dâ von der künic Etzel · vreude nimmer mê gewan.
Sine het der grôßen slahte · alsô niht gedâht.
si hete eß in ihr ahte · vil gerne dar zuo brâht,
daß niuwan Hagene aleine · den lîp dâ hete lân.
do geschuof der übel tiuvel, · deiß übers alle muose ergân.
In was des tags zerrunnen, · dô gie in sorge nôt.
si dâhten, daß in beßßer · wær ein kurzer tôt
danne lange dâ ze quelne · ûf ungevüegiu leit.
eines vrides dô gerten · die stolzen rîter gemeit.
Sie bâten, daß man bræhte · den künic zuo in dar.
die bluotvarwen helde · und ouch harnaschvar
trâten ûß dem hûse · und die drî künege hêr.
si enwessen wem ze klagene · ir vil grœßlîchiu sêr.
Etzel unde Kriemhilt · kômen beidiu dar;
daß lant was ir eigen: · des mêrte sich ir schar.
er sprach zuo den gesten: · „nu sagt, waß welt ir mîn?
ir wænt vride gewinnen: · daß kunde müelîch gesîn
„Ûf schaden alsô grôßen, · als ir mir habt getân.
ir sult es niht genießen, · sol ich mîn leben hân:
mîn kint, daß ir mir sluoget, · und vil der mâge mîn,
vride unde suone · sol iu vil gar versaget sîn.“
Sus antwurte Gunther: · „des twang uns grôßiu nôt.
alleß mîn gesinde lac · vor dînen helden tôt
an der herberge: · wie hete ich daß versolt?
ich kom zuo dir ûf triuwe, · ich wând, daß du mir wærest holt.“
Dô sprach von Burgunden · Gîselher daß kint:
„ir Etzelen helde, · die noch lebende sint,
waß wîßet ir mir recken? · waß het ich iu getân?
wan ich vriuntlîche · in ditze lant geriten hân.“
Si sprâchen: „dîner güete · ist al diu burc vol
mit jâmer zuo dem lande. · jâ gunde wir dir wol,
daß du nie komen wærest · von Wormeß über Rîn.
daß lant hât ir verweiset, · du und ouch die bruoder dîn.“
Dô sprach in zornes muote · Gunther der degen:
„welt ir ditz starke haßßen · zeiner suone legen
mit uns ellenden, · deist beidenthalben guot;
eß ist gar âne schulde, · swaß uns Etzel getuot.“
Dô sprach der wirt zen gesten: · „mîn und iuwer leit
diu sint ungelîche: · diu michel arebeit
des schaden zuo den schanden, · die ich hie hân genomen,
des sol iur deheiner · mit dem lîbe hinnen komen.“
Dô sprach zuo dem künege · der starke Gêrnôt:
„sô sol iu Got gebieten, · daß ir vriuntlîchen tuot:
wîchet von dem hûse · und lât uns zuo ziu gân,
sît wir zuo dem lebene · haben alsô kleinen wân.
„Swaß uns geschehen künne, · daß lât dâ kurz ergân:
ir habt sô vil gesunder, · und türrens uns bestân,
daß si uns sturmmüede · lâßent niht genesen:
wie lange sul wir recken · in disen arbeiten wesen?“
Die Etzelen recken · die hetenß nâch getân,
daß si si wolden lâßen · vür den palas gân.
daß gehôrte Kriemhilt, · eß was ir grimme leit.
des wart den ellenden · vride gâhes widerseit.
„Neinâ, Hiunen recken, · des ir dâ habet muot,
ich râte an rehten triuwen, · daß ir des niht entuot,
daß ir die mortræßen · lâßet für den sal;
sô müeßen iuwer mâge · lîden tœtlîchen val.
„Ob ir nu nieman lebte · wan diu Uoten kint,
die mînen edelen bruoder, · und kœmens an den wint,
erkuolent in die ringe, · sô sît ir alle vlorn.
eßn wurden küener degene · nie zer werlde geborn.“
Dô sprach der junge Gîselher: · „vil schœniu swester mîn,
des getrout ich vil übele, · daß du mich über Rîn
ladetes her ze lande · in dise grôße nôt:
wie hân ich an den Hiunen · hie verdienet den tôt?
„Ich was dir ie getriuwe, · nie tet ich dir leit:
ûf solhen gedingen · her ze hove ich reit,
daß du mir holt wærest, · vil liebiu swester mîn.
bedenke an uns genâde: · eß mac niht anders gesîn.“
„Ich enmag iu niht genâden: · ungenâde ich hân.
mir hât von Troneje Hagene · sô grôßiu leit getân
dâ heime, und hie ze lande · sluog er mir mîn kint:
des müeßen sêre entgelten, · die mit iu her komen sint.
„Welt ab ir mir Hagenen · ze gîsel einen geben,
sone wil ich niht versprechen, · ichn welle iuch lâßen leben.
wan ir sît mîne bruoder · und einer muoter kint:
sô rede ichß zeiner suone · mit den helden, die hie sint.“
„Nune welle Got von himele,“ · sprach dô Gêrnôt.
„ob unser tûsent wæren, · wir lægen alle tôt
der sippe dîner mâge, · ê wir den einen man
gæben hie ze gîsel: · eß wirt nimmer getân.“
„Wir müesen doch ersterben,“ · sprach dô Gîselher.
„uns enscheidet nieman · von rîterlîcher wer.
swer gerne mit uns vehte, · wir sîn et aber hie:
wan ich deheinen mînen vriunt · an den triuwen nie verlie.“
Dô sprach der küene Dancwart, · im zæme niht ze dagene:
„jâ enstêt niht eine · noch mîn bruoder Hagene.
die hie den vride versprechent, · eß mac in werden leit;
des bringe wir iuch inne: · daß sî iu wærlîch geseit.“
Dô sprach diu küneginne: · „ir helde vil gemeit,
nu gêt der stiege nâher · und rechet unser leit.
daß wil ich immer dienen, · als ich von rehte sol:
der Hagenen übermüete · der gelône ich im wol.
„Lât einen ûß dem gademe · niht komen über al:
sô heiß ich vieren enden · zünden an den sal.
sô werdent wol errochen · elliu mîniu leit.“
die Etzelen recken · die wurden schiere bereit.
Die noch hie ûßen stuonden, · die tribens in den sal
mit slegen und mit schüßßen: · des wart grôß der schal.
sich wolden nie gescheiden · die vürsten und ir man:
sine kunden von ir triuwe · an ein ander niht gelân.
Den sal hieß dô zünden · daß Etzelen wîp.
dô qualte man mit viure · den helden dâ den lîp.
daß hûs von einem winde · vil balde al erbran:
ich wæne, volk enheineß · grœßer angest ie gewan.
Genuoge riefen drinne: · „ouwê dirre nôt!
wir mehten michel gerner · sîn in sturme tôt.
eß meht Got derbarmen: · wie sî wir alle vlorn!
nu richet ungevuoge · an uns diu küneginne ir zorn.“
Ir einer sprach dar inne: · „wir müeßen ligen tôt
vor rouch und ouch vor viure: · deist ein grimmiu nôt!
mir tuot vor starker hitze · der durst sô rehte wê,
daß wæn mîn leben schiere · in disen sorgen zergê.“
Dô sprach von Tronje Hagene: · „ir edelen rîter guot,
swen twinge dürstennes nôt, · der trinke hie daß bluot.
daß ist an solher hitze · beßßer denne wîn;
eßn mac et niht beßßer · an disen zîten gesîn.“
Dô gie der recken einer, · da er einen tôten vant:
er kniet im zuo der wunden, · den helm er abe gebant.
dô begunde er trinken · daß vließende bluot.
swie ungewon ers wære, · eß dûhte in grœßlîchen guot.
„Nu lôn iu Got, hêr Hagene,“ · sprach der müede man,
„daß ich von iuwer lêre · sô wol getrunken hân.
mir ist noch vil selten · geschenket beßßer wîn.
lebe ich deheine wîle, · ich sol iu immer wæge sîn.“
Do die andern daß gehôrten, · daß eß in dûhte guot,
dô wart ir michels mêre, · die trunken ouch daß bluot.
dâ von begunde kreften · der guoten recken lîp:
des engalt an lieben vriunden · vil manec wætlîcheß wîp.
Daß viur viel genôte · ûf si in den sal;
dô leiten siß mit schilden · von in hin ze tal.
der rouch und ouch diu hitze · in tâten beidiu wê.
ich wæn, sô grôßer jâmer · an helden nimmer ergê.
Dô sprach von Troneje Hagene: · „stêt zuo des sales want;
lât niht die brende vallen · ûf iuwer helmbant,
tret si mit den vüeßen · tiefer in daß bluot.
eß ist ein übel hôhgezît, · die uns diu küneginne tuot.“
In sus getânem leide · in doch der naht zeran.
noch stuont vor dem hûse · der küene spilman
und Hagene sîn geselle · geleint über rant:
si warten schaden mêre · von den ûß Etzelen lant.
Den gesten half daß sêre, · daß der sal gewelbet was:
dâ von ir deste mêre · in der nôt genas,
wan daß si zen venstern · von viure liten nôt.
dô nerten sich die degene, · als in ir ellen daß gebôt.
Dô sprach der videlære: · „nu gê wir in den sal:
sô wænent des die Hiunen, · daß wir sîn über al
tôt von dirre quâle, · diu an uns ist getân:
si sehent uns noch begegene · in strîte ir eteslîchen gân.“
Dô sprach von Burgunden · Gîselher daß kint:
„ich wæne, eß tagen welle: · sich hebet ein küeler wint.
nu lâß uns Got von himele · noch lieber zît geleben.
uns hât mîn swester Kriemhilt · ein arge hôhgezît gegeben.“
Dô sprach aber einer: · „ich kiuse nu den tac.
sît daß eß uns nu beßßer · wesen niene mac,
sô wâfent ir iuch, recken, · ze strîte, deist uns nôt,
wir komen doch nimmer hinnen, · daß wir mit êren ligen tôt.“
Der künec wolde wænen, · die geste wæren tôt
von ir arbeite · und von des viurs nôt:
dô lebte ir noch dar inne · sehs hundert küener man,
daß nie künec deheiner · beßßer degene gewan.
Der ellenden huote · hete wol ersehen,
daß noch die geste lebten, · swie vil in was geschehen
ze schaden und ze leide, · den hêrren und ir man.
man sach si in dem gademe · noch vil wol gesunde gân.
Man sagte Kriemhilde, · ir wære vil genesen.
dô sprach diu küneginne: · „daß möhte nimmer wesen,
daß ir deheiner lebte · von des viurs nôt:
ich wil des baß getrouwen, · daß si alle ligen tôt.“
Noch genæsen gerne · die vürsten und ir man,
ob noch iemen wolde · genâde an in begân.
des enkunden si niht vinden · an den von Hiunen lant:
dô râchen si ir sterben · mit vil williger hant.
Des tages wider morgen · grüeßen man in bôt
mit hertem urliuge: · des kômen helde in nôt.
dô wart zuo in geschoßßen · vil manec starker gêr:
noch vunden si dar inne · ze wer die recken alsô hêr.
Dem Etzeln gesinde · erweget was der muot,
daß si wolden dienen · daß Kriemhilde guot;
dar zuo si wolden leisten, · daß in der künec gebôt:
dâ muose maneger schiere · von in kiesen den tôt.
Von geheiße und ouch von gâbe · man möhte wunder sagen.
si hieß golt daß rôte · dar mit schilden tragen:
si gab eß, swer sîn ruohte · und eß wolde enphân.
jane wart nie grœßer solden · mêr ûf vînde getân.
Ein michel kraft der recken · dar zuo gewâfent gie.
dô sprach der videlære: · „wir sîn et aber hie:
ine gesach ûf vehten · nie helde gerner komen,
wan die daß golt des küneges · uns ze vâre hânt genomen.“
Dô riefen ir genuoge: · „nâher, helde, baß.
daß wir dâ suln verenden, · nu tuon bizîte daß.
hie belîbet niemen, · wan der doch sterben sol.“
dô sach man schier ir schilde · stecken gêrschüßße vol.
Waß sol ich sagen mêre? · wol zwelf hundert man
die versuochten eß vil sêre · wider unde dan.
dô kuolten mit den wunden · die geste wol ir muot.
eßn mohte nieman scheiden: · des sach man vließen daß bluot
Von verchtiefen wunden: · der wart dâ vil geslagen.
ieslîchen nâch den vriunden · hôrte man dô klagen.
die biderben sturben alle · dem rîchen künege hêr:
des heten holde mâge · nâch in grœßlîchiu sêr.
Eß heten die ellende · wider morgen guot getân.
wine der Gotlinde · kom ze hove gegân,
dô sach er beidenthalben · diu groeßlîchen sêr:
daß weinte inneclîche · der vil getriuwe Rüedegêr.
„Sô wê mich,“ sprach der recke, · „daß ich den lîp gewan;
daß disen grôßen jâmer · kan niemen understân.
swie gerne ichß vriden wolde, · der künec entuot es niht,
wand er der sînen leide · ie mêr und mêre gesiht.“
Dô sande an Dietrîche · der guote Rüedegêr,
ob siß noch kunden wenden · an dem künege hêr?
do enbôt im der von Berne: · „wer möht eß understân?
eß enwil der künec Etzel · scheiden nieman enlân.“
Dô sach ein Hiunen recke · Rüedegêren stân
mit weinunden ougen, · und hetes vil getân.
der sprach zer küneginne: · „nu seht ir, wie er stât,
der doch gewalt den meisten · hie bî Etzelen hât
„Und dem eß alleß dienet, · liut unde lant.
wie ist sô vil der bürge · an Rüedegêr gewant,
der er von dem künege · vil manege haben mac!
er sluoc in disem sturme · noch nie loblîchen slac.
„Mich dunket, er enruoche, · wie eß hier umbe gât,
sît et er den vollen · nâch sînem willen hât.
man giht im, er sî küener, · danne ieman müge sîn:
daß ist in disen sorgen · worden bœslîchen schîn.“
Mit trûregem muote · der vil getriuwe man,
den er daß reden hôrte, · der helt der blicte in an.
er gedâht: „du solt eß arnen: · du gihst, ich sî verzagt:
du hâst diu dînen mære · ze hove ze lûte gesagt.“
Die vûst begunder twingen: · dô lief er in an
und sluoc sô krefteclîche · den Hiunischen man,
daß er im vor den vüeßen · lac vil schiere tôt.
dô was aver gemêret · des künic Etzelen nôt.
„Hin, du zage mære,“ · sprach dô Rüedegêr,
„ich hân doch genuoge · leit unde sêr.
daß ich hie niht envihte, · zwiu wîßest du mir daß?
jâ wær ich den gesten · von grôßen schulden gehaß,
„Und alleß, daß ich mehte, · daß hete ich in getân,
niuwan daß ich die recken · her gevüeret hân.
ich was ir geleite · in mînes hêrren lant:
des ensol mit in niht strîten · mîn vil ellendes hant.“
Dô sprach zem marcgrâven · Etzel der künic hêr:
„wie habt ir uns geholfen, · vil edel Rüedegêr!
wan wir sô vil der veigen · hie ze lande hân,
wir bedurfen ir niht mêre: · ir habt vil übele getân.“
Dô sprach der rîter edele: · „ja beswârt er mir den muot
und hât mir geitewîßet · êre unde guot,
des ich von dînen handen · sô vil hân genomen:
daß ist dem lügenære · ein teil ze unstaten komen.“
Dô kom diu küneginne · und heteß ouch gesehen,
daß von des heldes zorne · dem Hiune was geschehen.
si klagte eß ungevuoge: · ir ougen wurden naß.
si sprach zuo Rüedegêre: · „wie habe wir verdienet daß,
„Daß ir mir und dem künege · mêret unser leit?
nu habt ir, edel Rüedegêr, · uns alleß her geseit,
ir woldet durch uns wâgen · die êre und daß leben.
ich hôrt iu vil der recken · den prîs vil grœßlîchen geben.
„Ich mane iuch der genâden, · und ir mir hânt gesworn,
do ir mir zuo Etzeln rietet, · rîter ûßerkorn,
daß ir mir woldet dienen · an unser eines tôt.
des wart mir armen wîbe · nie sô grœßlîchen nôt.“
„Daß ist âne lougen, · ich swuor iu, edel wîp,
daß ich durch iuch wâgte · die êre und ouch den lîp;
daß ich die sêle vliese, · desn hân ich niht gesworn.
zuo dirre hôhgezîte · brâht ich die vürsten wol geborn.“
Si sprach: „gedenke, Rüedegêr, · der grôßen triuwe dîn,
der stæte und ouch der eide, · daß du den schaden mîn
immer woldest rechen · und elliu mîniu leit.“
dô sprach der marcgrâve: · „ich hân iu selten iht verseit.“
Etzel der rîche · vlêgen ouch began:
dô buten si sich beidiu · ze vüeßen vür den man.
den guoten marcgrâven · unmuotes man dô sach:
der vil getriuwe recke · harte jæmerlîchen sprach:
„Ouwê mich Gotes armen, · daß ich ditz gelebet hân.
aller mîner êren · der muoß ich abe stân,
triuwen unde zühte, · die Got an mir gebôt.
ouwê, Got von himele, · daß michs niht wendet der tôt!
„Swelheß ich nu lâße · und daß ander begân,
sô hân ich bœslîche · und vil übele getân:
lâß aber ich si beide, · mich schendet elliu diet.
nu ruoche mich bewîsen, · der mir ze lebene geriet.“
Dô bâten si genôte, · der künec und ouch sîn wîp.
des muosen sider recken · vliesen den lîp
von Rüedegêres hende, · dâ ouch der helt erstarp.
ir mugt daß hie wol hœren, · daß er vil jæmerlîchen warp.
Er weste schaden gewinnen · und ungevüegiu leit.
er hête dem künege · vil gerne verseit
und ouch der küneginne: · vil sêre vorhte er daß,
ob er ir einen slüege, · diu werlt trüege im drumbe haß.
Dô sprach zuo dem künege · der vil küene man:
„hêr künec, nu nemt hin widere, · swaß ich von iu hân,
daß lant mit den bürgen: · der sol mir niht bestên.
ich wil ûf mînen vüeßen · in daß ellende gên.
„Alles guotes âne · sô rûme ich iu diu lant,
mîn wîp und mîne tohter · nim ich an mîne hant,
ê daß ich âne triuwe · belîben müese tôt.
ich hete genomen übele · iuwer golt alsô rôt.“
Dô sprach der künic Etzel: · „wer hulfe danne mir?
daß lant zuo den liuten · daß gibich alleß dir,
daß du mich rechest, Rüedegêr, · an den vînden mîn.
du solt ein künec gewaltic · bî neben Etzelen sîn.“
Dô sprach aber Rüedegêr: · „wie sol ichß ane vân?
heim ze mînem hûse · ich si geladen hân,
trinken unde spîse · ich in güetlîchen bôt
und gab in mîne gâbe: · sol ich si dar zuo slahen tôt?
„Die liute wænent lîhte, · daß ich sî verzagt:
deheinen mînen dienest · hân ich in versagt;
solde ich nu mit in strîten, · daß wære missetân.
sô rouwe mich diu vriuntschaft, · die ich mit in geworben hân.
„Gîselher dem degene · gab ich die tohter mîn:
sine kunde in dirre werlde · niht baß verwendet sîn
ûf zuht und ouch ûf êre, · ûf triuwe und ûf guot.
ine gesach nie künic jungen · sô rehte tugentlîch gemuot.“
Dô sprach aber Kriemhilt: · „vil edel Rüedegêr:
„nu lâ dich erbarmen · unser beider sêr,
mîn und ouch des küneges; · gedenke wol dar an,
daß nie wirt deheiner · sô leide geste mêr gewan.“
Dô sprach der marcgrâve · wider daß edel wîp:
„eß muoß hiute gelten · der Rüedegêres lîp,
swaß ir und ouch mîn hêrre · mir liebes habt getân:
dar umbe muoß ich sterben; · daß enmac niht langer gestân.
„Ich weiß wol, daß noch hiute · mîn bürge und mîniu lant
iu müeßen ledec werden · von ir eteslîches hant.
ich bevilhe iu ûf genâde · mîn wîp und mîn kint
und die vil ellenden, · die ze Bechelâren sint.“
„Nu lôn dir Got, Rüedegêr,“ · sprach der künic dô.
er und diu küneginne · si wurden beidiu vrô.
„uns suln dîne liute · vil wol bevolhen wesen:
ouch trouwe ich mînem heile, · daß du maht selbe wol genesen.“
Dô ließ er an die wâge · sêle unde lîp.
dô begunde weinen · daß Etzelen wîp.
er sprach: „ich muoß iu leisten, · als ich gelobt hân.
ouwê der mînen vriunde, · die ich vil ungerne bestân.“
Man sach in von dem künege · vil trûreclîchen gân.
dô vant er sîne recken · vil nâhen bî im stân:
er sprach: „ir sult iuch wâfenen, · alle mîne man:
die küenen Burgunden · muoß ich leider bestân.“
Si hießen balde springen, · dâ man ir wâfen vant.
eß der helm wære · od des schildes rant,
von ir ingesinde · wart eß in dar getragen.
sît hôrten leidiu mære · die stolzen ellende sagen.
Gewâfent wart dô Rüedegêr · mit fünf hundert man,
dar über zwelf recken · sach man mit im gân.
die wolden prîs erwerben · in des sturmes nôt:
si enwessen niht der mære, · daß in sô nâhent der tôt.
Dô sach man Rüedegêre · under helme gân.
eß truogen swert diu scharphen · des marcgrâven man,
dar zuo vor ir handen · die liehte schilde breit.
daß sach der videlære: · eß was im grœßlîchen leit.
Dô sach der junge Gîselher · sînen sweher gên
mit ûf gebundem helme. · wie moht er dô verstên,
waß er dâ mite meinte · niuwan alleß guot?
des wart der künic edele · sô rehte vrœlîch gemuot.
„Nu wol mich solher vriunde!“ · sprach Gîselher der degen,
„die wir hân gewunnen · nu ûf disen wegen.
wir suln mînes wîbes · vil wol genießen hie:
mir ist liep ûf mîne triuwe, · daß ie der hîrât ergie.“
„Ine weiß, wes ir iuch trœstet,“ · sprach der spilman.
„wâ sâht ir ie durch suone · sô manegen helt gân
mit ûf gebunden helmen, · die trüegen swert enhant?
an uns wil dienen Rüedegêr · sîne bürge und sîniu lant.“
Bedaß der videlære · die rede vol sprach,
Rüdegêr den edelen · man vor dem hûse sach.
sînen schilt den guoten · satzt er vür den vuoß:
dô muos er sînen vriunden · versagen dienst unde gruoß.
Der edel marcgrâve · rief dô in den sal:
„ir küene Nibelunge, · nu wert iuch über al.
ir soldet mîn genießen, · ir enkeltet mîn.
ê dô wâr wir vriunde, · der triuwe wil ich ledec sîn.“
Do erschrahten dirre mære · die nôthaften man:
in was der trôst enphallen, · den si dâ wânden hân,
dô mit in wolde strîten, · dem si dâ wâren holt.
si heten doch von vînden · vil michel arbeit gedolt.
„Nune welle Got von himele,“ · sprach Gunther der degen,
„daß ir iuch genâden · sült an uns bewegen
und der vil grôßen triuwe, · der wir doch heten muot:
ich wil iu des getrouwen, · daß ir eß nimmer getuot.“
„Jane mac ichs niht gelâßen,“ · sprach der küene man:
„ich muoß mit iu strîten, · wan ichß gelobt hân.
nu wert iuch, küene degene, · sô liep iu sî der lîp.
mich enwoldes niht erlâßen · des künic Etzelen wîp.“
„Ir widersagt uns nu ze spâte,“ · sprach der künic hêr.
„nu müeß iu Got vergelten, · vil edel Rüedegêr,
triuwe unde minne, · die ir uns habt getân,
ob ir eß an dem ende · woldet güetlîcher lân.
„Wir soltenß immer dienen, · daß ir uns habt gegeben,
ich und mîne mâge, · ob ir uns ließet leben,
der hêrlîchen gâbe, · dô ir uns brâhtet her
in Etzeln lant mit triuwen; · des gedenket, edel Rüedegêr.“
„Wie wol ich iu des gunde,“ · sprach Rüedegêr der degen,
„daß ich iu mîne gâbe · mit vollen solde wegen
alsô willeclîche, · als ich des hete wân.
sone wurde mir dar umbe · nimmer schelten getân.“
„Erwindet, edel Rüedegêr,“ · sprach dô Gêrnôt,
„wan eß wirt deheiner · gesten nie erbôt
sô rehte minneclîchen, · als ir uns habt getân.
des sult ir wol genießen, · ob wir bî lebene bestân.“
„Daß wolde Got,“ sprach Rüedegêr, · „vil edel Gêrnôt,
daß ir ze Rîne wæret · und ich wære tôt
mit etlîchen êren, · sît ich iuch sol bestân!
eß wart an ellenden · von vriunden noch nie wirs getân.“
„Nu lône iu Got, hêr Rüedegêr,“ · sprach dô Gêrnôt,
„der vil rîchen gâbe. · mich riuwet iuwer tôt,
sol an iu verderben · sô tugentlîcher muot.
hie trag ich iuwer wâfen, · daß ir mir gâbet, helt guot.
„Daß ist mir nie geswichen · in aller dirre nôt:
under sînen ecken · lît manec rîter tôt.
eß ist lûter unde stæte, · hêrlîch unde guot.
ich wæne, sô rîcher gâbe · ein recke nimmer mê getuot.
„Und welt ir niht erwinden, · irn welt uns bestân,
slaht ir mir iht der vriunde, · die ich hinne hân,
mit iuwer selbes swerte · nim ich iu den lîp!
sô riuwet ir mich, Rüedegêr, · und iuwer hêrlîcheß wîp.“
„Daß wolde Got, hêr Gêrnôt, · und meht eß ergân,
daß aller iuwer wille · wære hie getân
und daß genesen wære · iuwer vriunde lîp!
jâ sold iu wol getrûwen · beidiu mîn tohter und mîn wîp.“
Dô sprach von Burgunden · der schœnen Uoten kint:
„wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? · die mit mir komen sint,
si sint iu alle wæge: · ir grîfet übel zuo:
die iuwer schœne tohter · welt ir verwitwen ze vruo.
„Swenne ir und iuwer recken · mit strîte mich bestât,
wie reht unvriuntlîche · ir daß schînen lât,
daß ich iu wol getrûwe · vür alle ander man,
dâ von ich ze wîbe · iuwer tohter mir gewan.“
„Gedenket iuwer triuwen, · vil edel künic hêr,
gesende iuch Got von hinne,“ · sô sprach Rüedegêr,
„lât die juncvrouwen · niht enkelten mîn:
durch iuwer selbes tugende · sô ruochet ir genædec sîn.“
„Daß tæt ich billîche,“ · sprach Gîselher daß kint:
„die hôhen mîne mâge, · die noch hier inne sint,
suln die von iu sterben, · sô muoß gescheiden sîn
diu vil stæte vriuntschaft · zuo dir und der tohter dîn.“
„Nu müeß uns Got genâden,“ · sprach der küene man.
dô huoben si die schilde, · alsô si wolden dan
strîten zuo den gesten · in Kriemhilde sal.
dô rief vil lûte Hagene · von der stiege hin ze tal:
„Belîbet eine wîle, · vil edel Rüedegêr.“
alsô sprach dô Hagene: · „wir wolden reden mêr,
ich und mîne hêrren, · als uns des twinget nôt.
waß mac gehelfen Etzeln · unser ellender tôt?
„Ich stên in grôßen sorgen,“ · sprach aber Hagene,
„den schilt, den mir vrou Gotelint · gap zuo tragene,
den habent mir die Hiunen · zerhouwen von der hant.
ich vuort in vriuntlîche · in daß Etzelen lant.
„Daß des Got von himele · ruochen wolde,
daß ich schilt sô guoten · noch tragen solde,
sô den du hâst vor hende, · vil edel Rüedegêr!
so bedorfte ich in dem sturme · deheiner halsperge mêr.“
„Vil gerne wær ich dir guot · mit mînem schilde,
getörst ich dirn gebieten · vor Kriemhilde.
doch nim du in hin, Hagene, · und trag in an der hant.
hei, soldest du in vüeren · in der Burgunden lant!“
Do er im sô willeclîchen · den schilt ze gebene bôt,
dô wart genuoger ougen · von heißen trehen rôt.
eß was diu leste gâbe, · die sider immer mêr
bôt deheinem degene · von Bechlâren Rüedegêr.
Swie grimme Hagne wære · und wie herte gemuot,
ja erbarmet in diu gâbe, · die der helt guot
bî sînen lesten zîten · sô nâhen het getân.
vil manec rîter edele · mit im trûren began.
„Nu lôn iu Got von himele, · vil edel Rüedegêr.
eß wirt iur gelîche · deheiner nimmer mêr,
der ellenden recken · sô hêrlîchen gebe.
sô sol daß Got gebieten, · daß iuwer tugende immer lebe.“
„Sô wê mich dirre mære,“ · sô sprach ab Hagene.
„wir heten ander swære · sô vil ze tragene:
suln wir mit vriunden strîten, · daß sî Got gekleit.“
dô sprach der marcgrâve: · daß ist mir inneclîche leit.“
„Nu lôn ich iu der gâbe, · vil edel Rüedegêr.
swie halt gein iu gebâren · dise recken hêr,
daß nimmer iuch gerüeret · mit strîte hie mîn hant,
ob ir si alle slüeget · die von Burgunden lant.“
Des neig im mit zühten · der guote Rüedegêr.
si weinten allenthalben: · daß disiu herzen sêr
niemen scheiden kunde, · daß was ein michel nôt.
vater aller tugende · lac an Rüedegêre tôt.
Dô sprach von dem hûse · Volkêr der spileman:
„sît mîn geselle Hagene · den vride hât getân,
den sult ir alsô stæte · hân von mîner hant.
daß habt ir wol verdienet, · dô wir kômen in daß lant.
„Vil edel marcgrâve, · ir sult mîn bote sîn.
dise rôte bouge · gab mir diu marcgrâvîn,
daß ich si tragen solde · hie zer hôhgezît:
die mugt ihr selbe schouwen, · daß ir des mîn geziuge sît.“
„Daß wolde Got von himele,“ · sprach dô Rüedegêr,
„daß iu diu marcgrâvinne · noch solde geben mêr.
diu mære sage ich gerne · der triutinne mîn,
gesihe ich si gesunder: · des sult ir âne zwîvel sîn.“
Als er im daß gelobete, · den schilt huop Rüedegêr:
des muotes er ertobete: · do enbeit er dâ niht mêr.
dô lief er zuo den gesten, · einem degen gelîch,
manegen slac vil swinden · sluoc der marcgrâve rîch.
Die zwêne stuonden hôher, · Volkêr und Hagene,
wan eß im ê gelobten · die zwêne degene.
noch vant er als küenen · bî den türen stân,
daß Rüedegêr des strîtes · mit grôßen sorgen began.
Durch mortræßen willen · sô ließen in dar in
Gunther und Gêrnôt: · si heten helde sin.
dô stuont hôher Gîselher: · zwâre eß was im leit.
er versach sich noch des lebenes: · dâ von er Rüedegêre meit.
Dô sprungen zuo den vînden · des marcgrâven man.
man sach si nâch ir hêrren · vil degenlîche gân.
diu snîdunde wâfen · si truogen an der hant:
des brast dâ vil der helme · und manec hêrlîcher rant.
Dô sluogen die vil müeden · vil manegen swinden slac
den von Bechelâren, · der eben und tiefe wac,
durch die vesten ringe · vast unz ûf daß verch.
si tâten in dem sturme · diu vil hêrlîchen werch.
Daß edel ingesinde · was nu komen in.
Volkêr und Hagene · die sprungen balde hin.
sine gâben vride niemen · wan dem einen man.
von ir beider hende · daß bluot durch helme nider ran.
Wie rehte gremlîche · vil swerte drinne erklanc!
vil der schiltspange · ûß von slegen spranc:
des reis ir schiltsteine · nider in daß bluot:
si vâhten alsô grimme, · daß manß nimmer mê getuot.
Der vogt von Bechelâren · gie wider unde dan,
alsô der mit ellen · in sturme werben kan.
dem tet des tages Rüedegêr · harte wol gelîch,
daß er ein recke wære · vil küene unde lobelîch.
Hie stuonden dise recken, · Gunther und Gêrnôt,
si sluogen in dem strîte · vil manegen helt tôt.
Gîselher und Dancwart · die zwêne eß ringe wac:
des vrumten si vil manegen · hinz ûf den jungisten tac.
Vil wol zeigte Rüedegêr, · daß er was starc genuoc,
küene und wol gewâfent: · hei, waß er helde sluoc!
daß sach ein Burgunde: · dô twang in zornes nôt.
dâ von begunde nâhen · des guoten Rüedegêres tôt.
Gêrnôt der starke · den helt ruofte er an.
er sprach zem marcgrâven: · „ir welt mir mîner man
niht genesen lâßen, · vil edel Rüedegêr.
daß müet mich âne mâße: · ichn kans niht an gesehen mêr.
„Nu mag iu iuwer gâbe · wol ze schaden komen,
sît ir mîner vriunde · mir habt sô vil genomen.
nu wendet iuch her umbe, · vil edel küene man:
iur gâbe wirt verdienet, · sô ichß aller hoehste kan.“
Ê daß der marcgrâve · zuo im vol kœme dar,
des muosen liehte ringe · werden missevar.
dô sprungen zuo ein ander · die êre gernde man.
ir ietweder schermen · vür starke wunden began.
Ir swert sô scharph wâren, · eß enkunde in niht gewegen.
dô sluoc Gêrnôten · Rüedegêr der degen
durch helmen vlinsherten, · daß nider vlôß daß bluot:
daß vergalt im schiere · der rîter küene unde guot.
Die Rüedegêres gâbe · an hende er hôhe erwac:
swie wunt er wær zem tôde, · er sluog im einen slac
durch den schilt vil guoten · unz ûf diu helmgespan:
dâ von muose ersterben · dô der Gotlinden man.
Jane wart nie wirs gelônet · sô rîcher gâbe mêr.
dô vielen beide erslagene, · Gêrnôt und Rüedegêr,
gelîch in dem sturme · von ir beider hant.
alrêst erzurnde Hagene, · dô er den grôßen schaden bevant.
Dô sprach der helt von Troneje: · „eß ist uns übel komen.
wir haben an in beiden · sô grôßen schaden genomen,
den wir nimmer überwinden, · ir liut und ouch ir lant.
die Rüedegêres helde · sint unser ellenden phant.“
Dane wolde ir deheiner · dem andern niht vertragen:
vil maneger âne wunden · dar nider wart geslagen,
der wol genesen wære: · ob im wart solch gedranc,
swie gesunt er anders wære, · dêr in dem bluote doch ertranc.
„Ouwê mich mînes bruoder, · der tôt ist hie gevrumt.
waß mir der leiden mære · ze allen zîten kumt!
ouch muoß mich immer riuwen · mîn sweher Rüedegêr:
der schade ist beidenthalben · und diu grœßlîchen sêr.“
Dô der junge Gîselher · sach sînen bruoder tôt,
die dô dar inne wâren, · die muosen lîden nôt.
der tôt der suohte sêre, · dâ sîn gesinde was.
der von Bechelâren · dô langer einer niht genas.
Gunther unde Gîselher · und ouch Hagene,
Dancwart unde Volkêr, · die guoten degene,
die giengen, dâ si vunden · ligen die zwêne man:
dô wart dâ von den helden · mit jâmer weinen begân.
„Der tôt uns sêre roubet,“ · sprach Gîselher daß kint.
„nu lâßet iuwer weinen, · und gê wir an den wint,
daß uns die ringe erkuolent, · uns strîtmüeden man.
jâ wæn Got uns langer · hie ze lebene niht engan.“
Den sitzen, den sich leinen · sach man dâ manegen degen.
si wâren aber müeßec. · dâ wâren tôt gelegen
die Rüedegêres helde: · vergangen was der dôß.
sô lange wert diu stille, · daß sîn Etzeln erdrôß.
„Ouwê mir dirre swære,“ · sprach des küneges wîp,
„si sprechent al ze lange. · unser vînde lîp
mac nu wol vrî belîben · vor Rüedegêres hant:
er wil si wider bringen · in der Burgunde lant.
„Waß hilfet, künic Etzel, · daß wir geteilet hân
mit im, swaß er wolde? · der helt hât missetân.
der uns dâ solde rechen, · der wil der suone phlegen.
des antwurte ir dô Volkêr, · der vil zierlîche degen:
„Der rede enist sô niht leider, · vil edel küneges wîp.
getörste ich heißen liegen · alsus edelen lîp,
sô het ir tievellîchen · an Rüedegêr gelogen.
er und die sîne degene · sint an der suone gar betrogen.
„Er tet sô willeclîche, · daß im der künec gebôt,
daß er und sîn gesinde · ist hie gelegen tôt.
nu seht al umbe, Kriemhilt, · wem ir gebieten welt:
iu hât unz an den ende · gedienet Rüedegêr der helt.
„Welt ir es niht gelouben, · man solß iuch sehen lân.“
durch ir herzen sêre · sô wart duo daß getân:
man truoc den helt verhouwen, · dâ in der künic sach.
den Etzelen degenen · sô rehte leide nie geschach.
Dô si den marcgrâven · tôten sâhen tragen,
eß enkunde ein schrîber · gebrieven noch gesagen
die manegen ungebærde · von wîbe und ouch von man,
diu sich von herzen jâmer · aldâ zeigen began.
Der Etzelen jâmer · der wart alsô grôß,
als eines leuwen stimme · der rîche künec erdôß
mit herzeleidem wuofe: · alsam tet ouch sîn wîp.
si klagten ungevuoge · des guoten Rüedegêres lîp.
Dô hôrt man allenthalben · jâmer alsô grôß,
daß palas unde türne · von dem wuof erdôß.
dô hôrte eß ouch von Berne · ein Dietrîches man:
durch disiu starken mære · wie balde er gâhen began!
Dô sprach er zuo dem vürsten: · „hœrt, mîn hêr Dietrîch.
swaß ich noch her gelebet hân, · sô rehte unmügelîch
gehôrte ich klage nie mêre, · als ich nu hân vernomen.
ich wæne, der künic selbe · ist zuo der hôhgezîte komen.
„Wie mehtens anders alle · haben solhe nôt?
der künic oder Kriemhilt, · ir eineß daß ist tôt
von den küenen gesten · durch ir nît gelegen.
eß weinet ungevuoge · vil manec ûßerwelter degen.“
Dô sprach der vogt von Berne: · „mîne vil liebe man,
nu gâhet niht sô sêre. · swaß hie hânt getân
die ellenden recken, · des gât in michel nôt:
und lât si des genießen, · daß ich in mînen vride enbôt.“
Dô sprach der küene Wolfhart: · „ich wil dar gân
und wil der mære vrâgen, · waß si haben getân,
und wilß iu sagen denne, · vil lieber hêrre mîn,
als ich eß dort ervinde, · waß diu rede müge sîn.“
Dô sprach der hêrre Dieterîch: · „swa man zornes sich versiht,
ob ungevüegiu vrâge · danne dâ geschiht,
daß betrüebet recken · lîhte ir muot.
ich enwil niht, Wolfhart, · daß ir die vrâge getuot.“
Dô bat er Helfrîche · balde dar gân,
und hieß daß ervinden · an Etzelen man
oder an den gesten, · waß wære dâ geschehen.
done het er nie von liuten · sô grôßen jâmer gesehen.
Der bote begunde vrâgen; · „waß ist hie getân?“
dô sprach dar under einer: · „dâ ist vil gar zergân,
swaß wir vreuden hêten · in der Hiunen lant:
hie ligt erslagen Rüedegêr · von der Burgunden hant.
„Die mit im dar in kômen, · derst einer niht genesen.“
do enkunde Helfrîche · nimmer leider wesen.
jâ sagte er sîniu mære · sô rehte ungerne nie.
der bote dô hin widere · vil sêre weinende gie.
„Waß habt ir uns ervunden?“ · sprach dô Dietrîch:
„wie weinet ir sô sêre, · degen Helferîch?“
dô sprach der edel recke: · „ich mac wol balde klagen:
den guoten Rüedegêre · hânt die Burgunde erslagen.“
Dô sprach der helt von Berne: · „desn sol niht wellen Got.
daß wær ein starkiu râche · und ouch des tievels spot.
wâ mit hete Rüedegêr · an in daß versolt?
jâ ist mir daß wol künde, · er ist den ellenden holt.“
Des antwurte Wolfhart: · „und heten siß getân,
sô solt eß in allen · an daß leben gân.
ob wir inß vertrüegen, · des wær wir geschant.
jâ hât uns vil gedienet · des guoten Rüedegêres hant.“
Der vogt der Amelunge · hieß eß ervarn baß.
vil harte senelîche · er in ein venster saß:
dô bat er Hilprande · zuo den gesten gân,
daß er an in ervüere, · waß dâ wære getân.
Der sturmküene recke, · meister Hilprant,
weder schilt noch wâfen · truoger an der hant:
er wolde in sînen zühten · zuo den gesten gân;
von sîner swester kinde · wart im ein strâfen getân.
Dô sprach der grimme Wolfhart: · „welt ir dar blôßer gân,
sô mag eß ân ein schelten · nimmer wol gestân:
sô müeßt ir lesterlîche · tuon die widervart;
komt ir dar gewâfent, · daß eteslîcher wol bewart.“
Dô garte sich der wîse · durch des tumben rât.
ê eß ervunde Hildebrant, · dô wâren in ir wât
alle Dietrîches recken · und truogen swert enhant.
dem helde was eß leide: · vil gerne het erß erwant.
Er vrâgte, war si wolden. · „wir wellen mit iu dar.
waß, ob von Tronje Hagene · deste wirs getar
gein iu mit spotte sprechen, · des er wol kan gephlegen?“
dô er die rede gehôrte, · dô gestuont ins der degen.
Dô sach der küene Volkêr · wol gewâfent gân
die recken von Berne, · die Dietrîches man,
begürtet mit den swerten; · si truogen schilt enhant:
er sagteß sînen hêrren · ûßer Burgunde lant.
Dô sprach der videlære: · „ich sihe dort here gân
sô rehte vîentlîche · die Dietrîches man,
gewâfent under helme: · si wellent uns bestân.
ich wæne, eß an daß übele · uns ellenden welle gân.“
In den selben zîten · kom ouch Hildebrant.
dô satzter vür die vüeße · sînes schiltes rant.
er begunde vrâgen · die Guntheres man:
„ouwê, ir guote helde, · waß hete iu Rüedegêr getân?
„Mich hât mîn hêrre Dieterîch · her zuo iu gesant:
ob erslagen hête · iuwer deheines hant
den edelen marcgrâven, · als uns daß ist geseit?
wir enkunden überwinden · niht diu grœßlîchen leit.“
Dô sprach von Troneje Hagene: · „daß mær ist ungelogen,
wie wol ich iu des gunde, · het iuch der bote betrogen,
durch Rüedegêres liebe, · daß lebte noch sîn lip,
den immer mugen weinen · beidiu man unde wîp.“
Dô si daß rehte erhôrten, · daß er wære tôt,
dô klagten in die recken: · ir triuwe in daß gebôt.
den Dietrîches mannen · sach man trehne gân
über bart und über kinne: · in was vil leide getân.
Der herzoge ûßer Berne · Sigestap dô sprach:
„nu hât gar ein ende · genomen der gemach,
den uns hie vuogte Rüedegêr · nâch unsern leiden tagen:
vreude ellender diete · lît von iu helden hie erslagen.“
Dô sprach von Amelunge · der degen Wolfwîn:
„und ob ich hiute sæhe · tôt den vater mîn,
mir enwurde nimmer leider · denn umbe sînen lîp.
ouwê, wer sol nu trœsten · des guoten marcgrâven wîp?“
Dô sprach in zornes muote · der degen Wolfhart:
„wer wîset nu die recken · sô manege hervart,
alsô der marcgrâve · vil dicke hât getân?
ouwê, vil edel Rüedegêr, · daß wir dich sus verloren hân!“
Wolfbrant und Helferîch · und ouch Helmnôt
mit allen ir vriunden · weinden sînen tôt.
vor siuften mohte vrâgen · niht mêre Hildebrant:
er sprach: „nu tuot, ir degene, · dar nâch mîn hêrre hât gesant.
„Gebt uns Rüedegêren · sô tôten ûß dem sal,
an dem gar mit jâmer · lît unser vreuden val,
und lât uns an im dienen, · daß er ie hât getan
an uns vil grôßer triuwe · und an manegem vremden man.
„Wir sîn ouch ellende · als Rüedegêr der degen.
wes lâßet ir uns bîten? · lât in uns after wegen
tragen, daß wir nâch tôde · lônen noch dem man;
wir hetenß vil billîche · bî sînem lebene getân.“
Dô sprach der künic Gunther: · „nie dienest wart sô guot,
sô den ein vriunt vriunde · nâch dem tôde tuot.
daß heiße ich stæte triuwe, · swer die kan begân.
ir lônet im von schulden: · er hât iu liebe getân.“
„Wie lange sul wir vlêgen?“ · sprach Wolfhart der degen.
„sît unser trôst der beste · von iu ist tôt gelegen,
und wir sîn leider mêre · megen niht gehaben,
lât uns in tragen hinnen, · dâ wir den recken begraben.“
Des antwurte im Volkêr: · „niemen iu in gît.
nu nemt in in dem hûse, · dâ der degen lît
mit starken verchwunden · gevallen in daß bluot:
so ist eß ein voller dienest, · den ir hie Rüedegêre tuot.“
Dô sprach der küene Wolfhart: · „Got weiß wol, hêr spilman,
irn durft uns nicht reißen: · ir habt uns übele getân.
törst ich vor mînem hêrren, · sô kœmet irs in nôt.
des müeße wirß lâßen, · wan er uns strîten hie verbôt.“
Dô sprach der videlære: · „der vorht ist al ze vil,
swaß man im verbiutet, · derß alleß lâßen wil:
daß kan ich niht geheißen · rehten heldes muot.“
diu rede dûhte Hagenen · von sînem hergesellen guot.
„Welt ir den spot niht lâßen,“ · sprach aber Wolfhart,
„ich entrihte iu lîht die seiten, · swenne ir die widervart
rîtet gegen Rîne, · daß irß wol muget gesagen.
iuwer übermüeten · mag ich mit êren niht vertragen.“
Dô sprach der videlære; · „swenn ir die seiten mîn
verirret guoter dœne, · der iuwer helmschîn
muoß vil trüebe werden · von der mînen hant,
swie halt ich gerîte · in der Burgunde lant.“
Dô wolt er zuo im springen, · wan daß in niht enlie
Hildebrant sîn œheim · in vaste zim gevie.
„ich wæn, du woldest wüeten · durch dînen tumben zorn;
mînes hêrren hulde · wir heten immer mêr verlorn.“
„Lât ab den leuwen, meister, · er ist sô grimme gemuot;
kumt abe er mir ze handen,“ · sprach Volkêr der degen guot,
„het er die werlt alle · mit sîner hant erslagen,
ich slahe in, daß erß widerspel · nimmer mêre darf gesagen.“
Des wart vil sêre erzürnet · der Bernære muot,
den schilt gezucte Wolfhart, · ein sneller helt guot:
alsam ein leuwe wilde · lief er vor in dan.
im wart ein gæheß volgen · von sînen vriunden getân.
Swie wîter sprünge er phlæge · vür des sales want,
doch ergâhte in vor der stiege · der alte Hildebrant:
er wolde in vor im lâßen · niht komen in den strît.
si vunden, daß si suohten, · an den ellenden sît.
Dô spranc zuo Hagene · meister Hilprant:
diu swert man hôrt erklingen · an ir beider hant.
si wâren sêre erzürnet, · vil wol erkôs manß sint:
von ir zweier wâfen · gie der viurrôte wint.
Die wurden dô gescheiden · in des strîtes nôt:
daß tâten die von Berne, · als in ir kraft gebôt.
zehant dô meister Hildebrant · want von Hagene dan,
dô lief der starke Wolfhart · den küenen Volkêren an.
Er sluoc den videlære · ûf den helmehuot,
daß des swertes ecke · unz ûf die spange wuot.
daß vergalt mit ellen · der küene spilman:
dô sluog er Wolfharten, · daß er stieben began.
Des viurs ûß den ringen · hiuwen si genuoc:
haß ir ieslîcher · dem anderen truoc.
die schiet dô von Berne · der degen Wolfwîn.
ob eß ein helt niht wære, · daß kunde nimmer gesîn.
Gunther der vil küene · mit williger hant
enphie die helde mære · von Amelunge lant.
Gîselher der hêrre · diu liehten helmvaß
der vrumte er dâ vil manegeß · von bluote rôt unde naß.
Dancwart, Hagenen bruoder, · was ein grimmec man:
swaß er dâ vor hête · in strîte getân
den Etzelen recken, · daß was gar ein wint:
alrêst vaht tobelîche · des küenen Aldrîânes kint.
Ritschart unde Gêrbart, · Helfrîch und Wîchart
die heten in manegen stürmen · selten sich gespart:
des brâhten si wol inne · die Guntheres man.
dô sach man Wolfprande · in sturme hêrlîchen gân.
Dô vaht, alsam er wuote, · der alte Hildebrant.
vil der guoten recken · vor Wolfhartes hant
mit tôde muose vallen · von swerten in daß bluot:
sus râchen Rüedegêren · die recken küene unde guot.
Dô vaht der hêrre Sigestap, · als im sîn ellen riet.
hei, waß er in dem sturme · der herten helme schriet
den sînen vîenden, · Dietrîches swester sun.
er kunde in dem sturme · nimmer beßßers niht getuon.
Volkêr der starke, · dô er daß ersach,
daß Sigestap der küene · den bluotegen bach
hiu ûß herten ringen, · daß was dem helde zorn:
er spranc im hin engegene. · dô hete Sigstap verlorn
Von dem videlære · vil schiere daß leben:
er begunde im sîner künste · al solhen teil dâ geben,
daß er von sînem swerte · muose ligen tôt.
daß rach der alte Hildebrant, · als im sîn ellen daß gebôt.
„Ouwê liebes hêrren,“ · sprach meister Hildebrant,
„der hie lît erstorben · vor Volkêres hant.
nune sol der videlære · lenger niht genesen.“
Hildebrant der küene · wie kunder grimmer sîn gewesen.
Dô sluog er Volkêren, · daß im diu helmbant
stuben allenthalben · zuo des sales want
von helm und ouch von schilte · dem küenen spilman;
dâ von der starke Volkêr · dô den ende dâ gewan.
Dô drungen zuo dem strîte · die Dietrîches man.
si sluogen, daß die ringe · vil verre dræten dan
und daß man ort der swerte · vil hôhe vliegen sach.
si holten ûß den helmen · den heiße vließenden bach.
Dô sach von Troneje Hagene · Volkêren tôt:
daß was zer hôhgezîte · sîn aller meistiu nôt,
die er dâ hete gewunnen · an mâge und ouch an man.
ouwê, wie harte Hagene · den helt dô rechen began!
„Nu ensol sîn niht genießen · der alte Hildebrant:
mîn helfe lît erslagene · von des heldes hant,
der beste hergeselle, · den ich ie gewan.“
den schilt den ructer hôher: · dô gie er houwende dan.
Helfrîch der starke · Dancwarten sluoc.
Gunther unde Gîselher · den was eß leit genuoc,
dô si in sâhen vallen · in der starken nôt.
er het mit sînen handen · wol vergolten sînen tôt.
Swie vil von manegen landen · gesamnet wære dar,
vil vürsten krefteclîche · gegen ir kleinen schar,
wæren die kristen liute · wider si niht gewesen,
si wæren mit ir ellen · vor allen heiden wol genesen.
Die wîle gie ouch Wolfhart · beidiu wider unde dan,
alleß houwende · die Guntheres man.
er was die driten kêre · nu komen durch daß wal:
dâ viel von sînen handen · vil manec recke ze tal.
Dô rief der starke Gîselher · Wolfharten an:
„ouwê, daß ich sô grimmen · vîent ie gewan!
edel rîter küene, · nu wendet gegen mîn.
ich wil eß helfen enden, · eß enmac niht lenger gesîn.“
Ze Gîselhere kêrte · Wolfhart in den strît.
dô sluoc ir ietwedere · vil manege wunden wît.
sô rehte krefteclîche · er zuo dem künege dranc,
daß imß bluot undern vüeßen · al überß houbet gespranc.
Mit swinden slegen grimme · der schœnen Uoten kint
enphie Wolfharten · den küenen recken sint.
swie stark der degen wære, · er kunde niht genesen.
eßn dorfte künec sô junger · nimmer küener sîn gewesen.
Dô sluoger Wolfharten · durch eine brünne guot,
daß im von der wunde · nider schôß daß bluot:
er wunte zuo dem tôde · den Dietrîches man.
eßn hete âne einen recken · zwâre niemen getân.
Alsô der küene Wolfhart · der wunden enphant,
den schilt ließ er vallen: · hôher an der hant
huob er ein starkeß wâfen, · daß was scharf genuoc:
durch helm und durch ringe · der helt dô Gîselheren sluoc.
Si heten bêde ein ander · den grimmen tôt getân.
do enlebte ouch nu niht mêre · der Dietrîches man.
Hildebrant der alte · Wolfharten vallen sach:
im wæn vor sînem tôde · sô rehte leide nie geschach.
Dô wâren gar erstorben · die Guntheres man
und ouch die Dietrîches. · Hilprant was gegân,
dâ Wolfhart was gevallen · nider in daß bluot.
er umbeslôß mit armen · den recken küene unde guot.
Er wolde in ûß dem hûse · mit im tragen dan;
er was ein teil ze swære: · er muose in ligen lân.
dâ blicte ûß dem bluote · der rêwunde man:
er sach wol, daß im gerne · sîn neve het geholfen dan.
Dô sprach der tôtwunde: · „vil lieber œheim mîn,
irn mugt an disen zîten · mir niht vrum gesîn.
nu hüetet iuch vor Hagene: · jâ dunket eß mich guot:
er treit in sînem herzen · einen grimmigen muot.
„Und ob mich mîne mâge · nâch tôde wellen klagen,
den næhsten und den besten · den sult ir von mir sagen,
daß si nâch mir iht weinen, · daß sî âne nôt:
von eines küneges handen · lig ich hie hêrlîchen tôt.
„Ich hân ouch hier inne sô · vergolten mînen lîp,
daß eß wol mugen beweinen · der guoten rîter wîp.
ob iuch des iemen vrâge, · sô mugt ir balde sagen:
vor mîn eines handen · lît wol hundert erslagen.“
Dô gedâht ouch Hagene · an den spilman,
dem der alte Hildebrant · sîn leben an gewan:
dô sprach er zuo dem degene: · „ir geltet mîniu leit.
ir habt uns hinne erbunnen · vil maneges recken gemeit.“
Er sluog ûf Hildebrande, · daß man wol vernam
Palmunge dießen, · den Sîvride nam
Hagene der vil küene, · dâ er den helt sluoc.
dô werte sich der alte: · er was ouch küene genuoc.
Der Wolfhartes œheim · sluog ein wâfen breit
ûf Hagenen von Troneje, · daß ouch vil sêre sneit.
done kunder niht verwunden · den Guntheres man.
dô sluog aber in Hagene · durch eine brünne wol getân.
Alsô meister Hildebrant · der wunden reht enphant,
dô vorhte er schaden mêre · von der Hagenen hant.
den schilt warf über rucke · der Dietrîches man:
mit der starken wunden · der helt dô Hagenen entran.
Dâ was nu nieman lebender · al der degene,
niuwan die zwêne aleine, · Gunther und Hagene.
mit bluote gie berunnen · der alte Hildebrant:
er brâhte leidiu mære, · dâ er Dietrîchen vant.
Dô sach er trûreclîchen · sitzen hie den man:
der leide michels mêre · der vürste dô gewan.
er sach ouch Hilprande · in sîner brünne rôt:
dô vrâgter in der mære, · als im diu sorge gebôt.
„Nu sagt mir, meister Hildebrant, · wie sît ir sô naß
von dem verchbluote? · oder wer tet iu daß?
ich wæne, ir mit den gesten · zem hûse habt gestriten:
ich verbôt eß iu sô sêre: · dô het irß billîch vermiten.“
Dô sagte er sînem hêrren: · „eß tet Hagene:
der sluoc mir dise wunden · in dem gademe,
dô ich von dem recken · wolde wenden dan.
mit mînem lebene · dem tiuvel kûme ich entran.“
Dô sprach der Bernære: · „vil reht ist iu geschehen,
dô ir mich vriuntschefte · den recken hôrtet jehen,
daß ir den vride dâ brâchent, · den ich in hete gegeben:
het ichs niht immer schande, · ir soldet vliesen daß leben.“
„Nu erzürnet niht sô sêre, · mîn hêr Dietrîch:
an mir und mînen vriunden · der schade ist alze rîch.
wir wolden Rüedegêren · hân getragen dan:
des enwolden uns niht gunnen · des künic Guntheres man.“
„Sô wê mir dirre leide! · ist Rüedegêr doch tôt?
daß muoß mir sîn ein jâmer · vor aller mîner nôt.
Gotelint diu edele · ist mîner basen kint:
ach wê der armen weisen, · die dâ ze Bechlâren sint!“
Riuwen unde leides · mant in dô sîn tôt.
er begunde weinen: · des gie dem helde nôt.
„ouwê getriuwer helfe, · die ich verlorn hân:
jane überwinde ich nimmer mê · des künic Etzelen man.
„Megt ir mir, meister Hildebrant, · diu rehten mære sagen,
wer der recke wære, · der in dâ hât erslagen?“
er sprach: „daß tet mit kreften · der starke Gêrnôt:
von Rüedegêres handen · ist ouch der helt gelegen tôt.“
Er sprach zuo Hildebrande: · „nu sagt mînen man,
daß si sich balde wâfenen, · wan ich wil dar gân,
und heißet mir gewinnen · mîn liehteß wîcgewant:
ich wil selbe vrâgen · die helde ûß Burgunde lant.“
Dô sprach meister Hildeprant: · „wer sol zuo iu gên?
swaß ir habt der lebenden, · die seht ir bî iu stên:
daß bin ich alters eine: · die andern die sint tôt.“
do erschricte er dirre mære: · des gie im wærlîchen nôt,
Wan er leit sô grôßeß · zer werlde nie gewan.
er sprach: „und sint erstorben · alle mîne man,
sô hât mîn Got vergeßßen, · ich armer Dietrîch!
ich was ein künec gewaltec, · vile hêr unde rîch.“
„Wie kunde eß sich gevüegen,“ · sprach aber hêr Dietrîch,
„daß si alle sint erstorben, · die helde lobelîch,
von den strîtmüeden, · die doch heten nôt?
wan durch mîn ungelücke, · in wær noch vremde der tôt!
„Sît daß es mîn unsælde · niht langer wolde entwesen,
sô sagt mir, ist der geste · noch iemen dâ genesen?“
dô sprach meister Hildebrant: · „daß weiß Got, nieman mêr
niuwan Hagene aleine · und Gunther der künic hêr.“
„Ouwê, lieber Wolfhart, · sol ich dich hân verlorn,
sô mac mich balde riuwen, · daß ich ie wart geborn;
Sigstab unde Wolfwîn · und ouch Wolfbrant:
wer sol mir denne helfen · in der Amelunge lant?
„Helfrîch der vil küene, · und ist mir der erslagen,
Gêrbart unde Wîchart, · wie solde ich die verklagen?
daß ist an mînen vreuden · mir der leste tac.
ouwê, daß vor leide · nieman wol sterben mac.“
Dô nam der hêrre Dietrîch · selbe sîn gewant;
im half, daß er sich wâfente, · der alte Hildebrant.
dô klagte alsô sêre · der kreftige man,
daß daß hûs erdießen · von sîner stimme began.
Do gewan er aber widere · rehten heldes muot.
in grimme wart gewâfenet · dô der degen guot.
einen schilt vil vesten · den nam er an die hant:
si giengen balde danne, · er unde meister Hildebrant.
Dô sprach von Tronje Hagene: · „ich sihe dort her gân
den hêrren Dietrîche: · der wil uns bestân
nâch sînem starken leide, · daß im ist hie geschehen.
man sol daß hiute kiesen, · wem man des besten müge jehen.
„Jane dunket sich von Berne · der hêrre Dietrîch
nie sô stark des lîbes · und sô gremlîch,
und wil erß an uns rechen, · daß im ist getân,“
alsô redete Hagene, · „ich getar in harte wol bestân.“
Dise rede hôrte · Dietrîch und Hildebrant.
er kom, dâ er die recken · beide stênde vant
ûßen vor dem hûse · geleinet an den sal.
sînen schilt den guoten · satzt hêr Dietrîch ze tal.
In leitlîchen sorgen · sprach hêr Dietrîch:
„wie habt ir sô geworben, · Gunther, künic rîch,
wider mich ellenden? · waß het ich iu getân?
alles mînes trôstes · des bin ich eine bestân.
„Iuch endûhte niht der volle · an der grôßen nôt,
dô ir uns Rüedegêre · den helet sluoget tôt:
nu habt ir mir erbunnen · aller mîner man.
jane het ich iu helden · solher leide niht getân.
„Gedenket an iuch selben · und an iuwer leit,
tôt der iuwer vriunde · und ouch diu arbeit,
ob eß iu guoten recken · beswârt iht den muot.
ouwê, wie rehte unsanfte · mir tôt der Rüedegêres tuot!
„Eß geschach ze dirre werlde · nie manne leider mêr.
ir gedâhtet übele · an mîn und iuwer sêr.
swaß ich vreuden hête, · diu liget von iu erslagen:
ja enkan ich nimmer mêre · die mîne mâge verklagen.“
„Jane sî wir niht sô schuldec,“ · sprach dô Hagene.
„eß giengen ze dem hûse · die iuwer degene
gewâfent wol ze vlîße · mit einer schar sô breit.
mich dunket, daß diu mære · iu niht rehte sint geseit.“
„Waß sol ich mêr gelouben? · mir sagt Hildebrant:
dô mîne recken gerten · von Amelunge lant,
daß ir in Rüedegêre · gæbet ûß dem sal,
dô bütet ir niuwan spotten · den mînen recken her ze tal.“
Dô sprach der vogt von Rîne: · „si jâhen, wolden tragen
Rüedegêr von hinne: · den hieß ich in versagen
Etzeln ze leide · und niht den dînen man,
unz daß dô Wolfhart · dar umbe schelten began.“
Dô sprach der helt von Berne: · „eß muose et alsô sîn.
Gunther, künic edele, · durch die zühte dîn
ergetze mich der leide, · die mir sint getân,
und süene eß, rîter küene, · sô wil ich gar die schulde lân.
„Ergip dich mir ze gîsel, · du und dîn man:
sô wil ich iuch behüeten, · so ich aller beste kan,
daß dir hie zen Hiunen · niemen niht entuot.
du solt an mir niht vinden · niuwan triuwe und alleß guot.“
„Daß enwelle Got von himele,“ · sprach dô Hagene,
„daß sich dir ergæben · zwêne degene,
die du sô werlîche · noch sihest gewâfent stân.
daß hieße ein michel schande · und wær ouch übele getân.“
„Irn sult eß niht versprechen,“ · sprach aber Dietrich.
„Gunther unde Hagene, · jâ habt ir beide mich
sô sêre beswæret, · daß herze und ouch den muot,
und welt ir michs ergetzen, · daß irß vil billîchen tuot.
„Ich gibs iu mîne triuwe · und sicherlîche hant,
daß ich mit iu wider heim · rîte in iuwer lant.
ich geleite iuch nâch den êren · oder ich gelige tôt
und wil durch iuch vergeßßen · der mînen grœßlîchen nôt.“
„Nu enmuotet sîn niht mêre,“ · sprach aber Hagene.
„von uns enzimt daß mære · niht wol ze sagene,
daß sich iu ergæben · zwên alsô küene man.
nu siht man bî iu niemen · wan eine Hildebrande stân.“
Des antwurte Hildebrant: · „iuch möhte wol gezemen
den vride mînes hêrren · ob ir den ruochtet nemen:
eß kumt noch an die stunde · vil lîhte in kurzer zît,
daß ir in gerne næmet · und in iu danne niemen gît.“
„Jâ næme ich ê die suone,“ · sprach ab Hagene,
„ê ich sô lesterlîche · von eime degene
vlühe, meister Hildebrant, · als ir hie habt getân:
ich wânde ûf mîne triuwe, · ir kundet baß gein vînden stân.“
Dô sprach meister Hildebrant: · „zwiu verwîßet ir mir daß?
nu wer was, der ûfme schilde · vor dem Wasgensteine saß,
dô im von Spâne Walther · sô vil der mâge sluoc?
ouch habt ir noch ze zeigen · an iu selben genuoc.“
Dô sprach der hêrre Dieterîch: · „daß enzimt niht helde lîp,
daß si suln schelden · sam diu alten wîp.
ich verbiute iu, meister Hildebrant, · daß ir iht sprechet mêr.
mich ellenden recken · twinget grœßlîchiu sêr.
„Lât hœren, vriunt Hagene,“ · sprach dô Dietrîch,
„waß ir ê redetet, · ir recken lobelîch,
dô ir mich gewâfent · zuo iu sâhet gân?
ir jâhet, daß ir eine · mit strîte woldet mich bestân.“
„Jane lougent iu des niemen,“ · sprach Hagene der degen,
„ich enwelleß hie versuochen · mit den starken slegen,
eß ensî, daß mir zebreste · daß Niblunges swert.
mir ist zorn, daß unser beider · hie ze gîsel ist gegert.“
Dô Dietrîch gehôrte · den grimmen Hagnen muot,
den schilt vil balde zucte · der snelle degen guot.
wie balde gein im Hagene · von der stiegen spranc!
Niblunges swert daß guote · vil lûte ûf Dietrîch erklanc.
Dô wesse wol hêr Dieterîch, · daß der küene man
vil grimmes muotes wære: · schirmen im began
der hêrre von Berne · vor angestlîchen slegen.
vil wol erkander Hagenen: · er was ein ûßerwelter degen.
Ouch vorht er Balmunge, · ein wâfen starc genuoc.
under wîlen Dietrîch · mit listen wider sluoc,
unz daß er Hagenen · mit strîte doch betwanc.
er sluog im eine wunden, · diu was tief unde lanc.
Do gedâht der hêrre Dieterîch: · „du bist in nôt erwigen;
ich hâns lützel êre, · soltu nu tôt geligen.
ich wil eß sus versuochen, · ob ich entwingen kan
dich mir zeinem gîsel.“ · daß wart mit sorgen getân.
Den schilt ließ er vallen: · sîn sterke diu was grôß;
Hagnen von Troneje · mit armen er beslôß.
des wart dô betwungen · von im der küene man.
Gunther der edele · dar umbe trûren began.
Hagene bant dô Dieterîch · und vuorte in, dâ er vant
die edelen küneginne, · und gab ir bî der hant
den küenisten recken, · der ie swert getruoc.
nâch ir vil starkem leide · dô wart si vrœlîch genuoc.
Vor liebe neic dem degene · daß Etzelen wîp:
„immer sî dir sælec · dîn herze und ouch dîn lîp.
du hâst mich wol ergetzet · aller mîner nôt:
daß sol ich immer dienen, · mich ensûme der tôt.“
Dô sprach der hêrre Dieterîch: · „ir sult in lân genesen,
vil edeliu küneginne. · eß mac vil wol noch wesen,
daß iuch sîn dienst ergetzet, · daß er iu hât getân:
er sol des niht enkelten, · daß irn gebunden sehet stân.“
Dô hieß si vüeren Hagenen · an sînen ungemach,
dâ er lac besloßßen · und dâ in niemen sach.
Gunther der künic edele · rüefen dô began.
„war kom der helt von Berne? · der hât mir leide getân.“
Dô gie im hin engegene · der hêrre Dietrîch.
Guntheres ellen · daß was vil lobelîch;
do enbeit ouch er niht mere, · er lief her vür den sal.
von ir beiden swerten · huob sich ein grœßlîcher schal.
Swie vil der hêrre Dieterîch · lange was gelobt,
Gunther was sô sêre · erzürnet und ertobt:
wan er nâch starkem leide · dô sîn vîent was.
man sagt eß noch ze wunder, · daß dô hêr Dietrîch genas.
Ir ellen und ir sterke · beide wâren grôß.
palas und türne · von ir slegen dôß,
dô si mit swerten hiuwen · ûf die helme guot.
eß hete der künic Gunther · einen hêrlîchen muot.
Sît twanc in der von Berne, · als Hagnen ê geschach.
daß bluot man durch die ringe · dem helde vließen sach
von einem starken swerte, · daß truoc hêr Dietrîch.
doch het gewert hêr Gunther · nâch müede loblîchen sich.
Der hêrre wart gebunden · von Dietrîches hant,
swie künege niene solden · lîden solhiu bant.
er dâht, ob er si ließe, · den künec und sînen man,
alle, die si vünden, · die müesen tôt vor in bestân.
Dietrîch von Berne · der nam in bî der hant:
dô vuorte er in gebunden, · da er Kriemhilde vant.
dô was mit sîme leide · ir sorge ein teil benomen.
si sprach: „künic Gunther, · sît mir grôße willekomen.“
Er sprach: „ich sold iu nîgen, · vil edel swester mîn,
ob iuwer grüeßen mehte · genædeclîcher sîn.
ich weiß iuch, küneginne, · sô zornec gemuot,
daß ir mich und Hagenen · vil swacheß grüeßen getuot.“
Dô sprach der helt von Berne: · „vil edel küneges wîp,
eß enwart nie gîsel mêre · sô guoter rîter lîp,
als ich iu, vrouwe hêre, · an in gegeben hân.
nu solt ir die ellenden · mîn vil wol genießen lân.“
Si jach, si tæte eß gerne. · dô gie hêr Dietrîch
mit weinenden ougen · von den helden lobelîch.
sît rach sich grimmeclîche · daß Etzelen wîp:
den ûß erwelten degenen · nam si beiden den lîp.
Si lie si ligen sunder · durch ir ungemach,
daß ir sît dewedere · den andern nie gesach.
unz si ir bruder houbet · hin vür Hagenen truoc.
der Kriemhilde râche · wart an in beiden genuoc.
Dô gie diu küneginne, · dâ si Hagnen sach;
wie rehte vîntlîche · si zuo dem recken sprach:
„welt ir mir geben widere, · daß ir mir habt genomen,
sô megt ir noch wol lebende · heim zuo den Burgunden komen.“
Dô sprach der grimme Hagene: · „diu rede ist gar verlorn,
vil edeliu küneginne. · jâ hân ich des gesworn,
daß ich den hort iht zeige: · die wîle daß si leben,
deheiner mîner hêrren, · so enwirt er nieman gegeben.“
„Ich bringeß an ein ende,“ · sô sprach daß edel wîp.
dô hieß si ir bruoder · nemen dâ den lîp.
man sluoc im ab daß houbet: · bî hâre si eß truoc
vür den helt von Troneje: · dô wart im leide genuoc.
Alsô der ungemuote · sîns hêrren houbet sach,
widre Kriemhilde · dô der recke sprach:
„du hâst eß zeinem ende · nâch dîme willen brâht,
und ist ouch rehte ergangen, · als ich mir hête gedâht.
„Nu ist von Burgunde · der edel künic tôt,
Gîselher der junge · und ouch Gêrnôt.
den schatz weiß nu nieman · wan Got unde mîn:
der sol dich vâlentinne · immer gar verholn sîn.“
Si sprach: „sô habt ir übele · geltes mich gewert;
sô wil ich doch behalten · daß Sîvrides swert.
daß truoc mîn holder vriedel, · dô ich in jungist sach,
an dem mir herzen leide · vor allem leide geschach.“
Si zôch eß von der scheide: · daß kunder niht erwern.
dô dâhte si den recken · des lebenes behern.
si huob eß mit ir handen, · daß houbet si im abe sluoc.
daß sach der künic Etzele: · dô was im leide genuoc.
„Wâfen,“ sprach der vürste, · „wie ist nu tôt gelegen
von eines wîbes handen · der aller beste degen,
der ie kom ze sturme · oder ie schilt getruoc!
swie vîent ich im wære, · eß ist mir leide genuoc.“
Dô sprach meister Hildebrant: · „ja geniußet si es niht,
daß si in slahen torste; · swaß halt mir geschiht,
swie er mich selben brâhte · in angestlîche nôt,
iedoch sô wil ich rechen · des küenen Tronjæres tôt.“
Hildebrand mit zorne · ze Kriemhilde spranc:
er sluoc der küneginne · eines swertes swanc.
jâ tet ir diu sorge · von dem degene wê;
waß maht si gehelfen, · daß si vil grœßlîchen schrê?
Dô was gelegen über al · dâ der veigen lîp:
ze stucken lac gehouwen · dô daß edel wîp.
Etzel unde Dietrîch · weinen dô began:
si klageten jæmerlîche · beide mâge unde man.
Diu vil mîchel êre · was dâ gelegen tôt:
die liute heten alle · jâmer unde nôt.
mit leide was verendet · des küneges hôhgezît,
als ie diu liebe leide · an dem ende gerne gît.
Ine kan iu niht bescheiden, · waß sider dâ geschach,
wan kristen unde heiden · weinen man dâ sach,
wîb unde knehte · und manege schœne meit:
die heten nâch ir vriunden · diu allergrœßisten leit.
Ine sage iu nu niht mêre · von der grôßen nôt;
die dâ erslagen wâren, · die lâßen ligen tot —
wie ir dinc aneviengen · sît der Hiunen diet,
hie hât daß mære ein ende: · daß ist der Nibelunge liet.
Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten übereinstimmend mit A.
Hilprant mit zorne · ze Kriemhilden spranc.
er sluoc der küneginne · einen swæren swertes swanc,
enmitten dâ der borte · ir den lîp het umbegeben.
dô muose diu küneginne · verliesen dâ ir werdeß leben.
Daß swert daß sneit sô drâte, · daß si sîn niht enphant,
daß si het gerüeret · unsanft; si sprach zehant:
„dîn wâfen ist verplawen: · du solteß von dir legen;
eß zimt niht wol ze tragene · eim als zierlîchen degen.“
Dô zôch er von dem vinger · einen rinc rôt guldîn;
er warf in ir vor die vüeße: · „hebt ir daß vingerlîn
ûf von der erden, · sô habt ir wâr, edel wîp.“
si neic sich nâch dem golde: · dô viel entzwei ir werder lîp.
Nu ist ouch gelegen Kriemhilt, · ouwê der nôt:
wie rehte gar unmüeßec · was dâ der tôt!
Dietrîch und Etzel · sêre weinen dô began:
si klagten inneclîche · beide wîp unde man.
Diu vil michel êre · was dâ gelegen tôt.
die liute heten alle · jâmer unde nôt.
mit leide was verendet · des küneges hôchzît,
als ie diu liebe leide · ze aller jungiste gît.
Ich enkan iu niht bescheiden, · waß sider dâ geschach,
wan rîter unde knehte · weinen man dâ sach,
dar zuo die edeln knehte, · ir lieben vriunde tôt.
hie hât daß mær ein ende: · ditze ist der Nibelunge nôt.