Heidi kann brauchen, was es gelernt hat

9. Es wird Abſchied genommen, aber auf Wiederſehen

Die Großmama hatte einen Tag vor ihrer Ankunft noch einen Brief nach der Alp hinauf geſchrieben, damit ſie oben beſtimmt wüßten, daß ſie komme. Dieſen Brief brachte am andern Tage der Peter in der Frühe mit ſich, als er auf die Weide zog. Schon war der Großvater mit den Kindern aus der Hütte getreten, und auch Schwänli und Bärli ſtanden beide draußen und ſchüttelten luſtig ihre Köpfe in der friſchen Morgenluft, während die Kinder ſie ſtreichelten und ihnen glückliche Reiſe wünſchten zu ihrer Bergfahrt. Behaglich ſtand der Öhi dabei und ſchaute bald auf die friſchen Geſichter der Kinder, bald auf ſeine ſauber glänzenden Geißen nieder. Beides mußte ihm gefallen, denn er lächelte vergnüglich.

Jetzt kam der Peter heran. Als er die Gruppe gewahr wurde, näherte er ſich langſam, ſtreckte den Brief dem Öhi entgegen, und ſobald dieſer ihn erfaßt hatte, ſprang er ſcheu zurück, ſo als ob ihn etwas erſchreckt habe, und dann guckte er ſchnell hinter ſich, gerade als ob von hinten ihn auch noch etwas hätte erſchrecken wollen; dann machte er einen Sprung und lief davon, den Berg hinauf.

„Großvater“, ſagte das Heidi, das dem Vorgang verwundert zugeſchaut hatte, „warum tut der Peter jetzt immer wie der große Türk, wenn der eine Rute hinter ſich merkt; dann ſcheut er mit dem Kopf und ſchüttelt ihn nach allen Seiten und macht auf einmal Sprünge in die Luft hinauf.“

„Vielleicht merkt der Peter auch eine Rute hinter ſich, die er verdient“, antwortete der Großvater.

Nur die erſte Halde hinauf lief der Peter ſo in einem Zuge davon; ſobald man ihn von unten nicht mehr ſehen konnte, kam es anders. Da ſtand er ſtill und drehte ſcheu den Kopf nach allen Seiten. Plötzlich tat er einen Sprung und ſchaute hinter ſich, ſo erſchreckt, als habe ihn eben einer im Genick gepackt. Hinter jedem Buſch hervor, aus jeder Hecke heraus meinte jetzt der Peter den Polizeidiener aus Frankfurt auf ſich losſtürzen zu ſehen. Je länger aber dieſe geſpannte Erwartung dauerte, je ſchreckhafter wurde es dem Peter zumute, er hatte keinen ruhigen Augenblick mehr.

Nun mußte das Heidi ſeine Hütte aufräumen, denn die Großmama ſollte doch alles in guter Ordnung finden, wenn ſie kam. Klara fand dieſes geſchäftige Treiben Heidis in allen Ecken der Hütte herum immer ſo kurzweilig, daß ſie mit Vorliebe dieſer Tätigkeit zuſchaute.

So vergingen die frühen Morgenſtunden den Kindern unverſehens, und ſchon konnte man der Ankunft der Großmama entgegenſehen.

Jetzt kamen die Kinder bereit und zum Empfange gerüſtet wieder heraus und ſetzten ſich nebeneinander auf die Bank vor die Hütte, in voller Erwartung auf die kommenden Ereigniſſe.

Auch der Großvater trat jetzt wieder zu ihnen. Er hatte einen Gang gemacht und hatte einen großen Strauß dunkelblauer Enzianen mitgebracht, die leuchteten ſo ſchön in der hellen Morgenſonne, daß die Kinder aufjauchzten bei dem Anblick. Der Großvater trug ſie in die Hütte hinein. Von Zeit zu Zeit ſprang das Heidi von der Bank, um auszuſpähen, ob von dem Zuge der Großmama noch nichts zu entdecken ſei.

Aber jetzt: Da kam es von unten herauf, gerade ſo, wie das Heidi es erwartet hatte. Voran ſtieg der Führer, dann kam das weiße Roß und die Großmama darauf, und zuletzt kam der Träger mit dem hohen Reff, denn ohne reichlich Schutzmittel zog die Großmama nun einmal nicht auf die Alp.

Näher und näher kam der Zug. Jetzt war die Höhe erreicht; die Großmama erblickte die Kinder von ihrem Pferde herunter.

„Was iſt denn das? Was ſeh ich, Klärchen? Du ſitzeſt nicht in deinem Seſſel! Wie iſt das möglich?“ rief ſie erſchrocken aus und ſtieg nun eilig herunter. Bevor ſie aber noch bei den Kindern angekommen war, ſchlug ſie die Hände zuſammen und rief in der höchſten Aufregung:

„Klärchen, biſt du's, oder biſt du's nicht? Du haſt ja rote Wangen, kugelrunde! Kind! Ich kenne dich nicht mehr!“ Jetzt wollte die Großmama auf Klara losſtürzen. Aber unverſehens war das Heidi von der Bank geglitten, Klara hatte ſich ſchnell auf ſeine Schultern geſtützt, und fort wanderten die Kinder, ganz gelaſſen einen kleinen Spaziergang machend. Die Großmama war plötzlich ſtillgeſtanden, erſt vor Schrecken, ſie meinte nicht anders, als das Heidi ſtelle eben etwas Unerhörtes an.

Aber was ſah ſie vor ſich!

Aufrecht und ſicher ging Klara neben dem Heidi her; jetzt kamen ſie wieder zurück, beide mit ſtrahlenden Geſichtern, beide mit roſenroten Backen.

Jetzt ſtürzte die Großmama ihnen entgegen. Lachend und weinend umarmte ſie ihr Klärchen, dann das Heidi, dann wieder Klara. Vor Freude fand die Großmama gar keine Worte.

Auf einmal fiel ihr Blick auf den Öhi, der bei der Bank ſtand und mit behaglichem Lächeln nach den dreien herüberſchaute. Jetzt faßte die Großmama Klaras Arm in den ihrigen und wanderte mit ihr unter immerwährenden Ausrufungen des Entzückens, daß es ja wirklich ſo ſei, daß ſie umherwandern könne mit dem Kinde, der Bank zu. Hier ließ ſie Klara los und ergriff den Alten bei beiden Händen.

„Mein lieber Öhi! Mein lieber Öhi! Was haben wir Ihnen zu danken! Es iſt Ihr Werk! Es iſt Ihre Sorge und Pflege...“

„Und unſeres Herrgotts Sonnenſchein und Almluft“, fiel der Öhi lächelnd ein.

„Ja, und Schwänlis gute, ſchöne Milch gewiß auch“, rief nun Klara ihrerſeits. „Großmama, du ſollteſt nur wiſſen, wie ich die Geißenmilch trinken kann und wie gut ſie iſt!“

„Ja, das kann ich an deinen Backen ſehen, Klärchen“, ſagte jetzt die Großmama lachend. „Nein, dich kennt man nicht mehr; rund, breit biſt du ja geworden, wie ich nie geahnt, daß du je werden könnteſt, und groß biſt du, Klärchen! Nein, iſt es denn auch wahr? Ich kann dich ja nicht genug anſehen! Aber nun muß auf der Stelle telegrafiert werden an meinen Sohn in Paris, er muß ſogleich kommen. Ich ſag ihm nicht, warum, das iſt die größte Freude ſeines Lebens. Mein lieber Öhi, wie machen wir das? Sie haben wohl die Männer ſchon entlaſſen?“

„Die ſind fort“, antwortete er, „aber wenn's der Frau Großmama preſſiert, ſo läßt man den Geißenhüter herunterkommen, der hat Zeit.“

Die Großmama beſtand darauf, ſofort ihrem Sohne eine Depeſche zu ſchicken, denn dieſes Glück ſollte ihm keinen Tag vorenthalten bleiben.

Nun ging der Öhi ein wenig auf die Seite, und hier tat er einen ſo durchdringenden Pfiff durch ſeine Finger, daß es hoch oben von den Felſen zurückpfiff, ſo weit weg hatte er das Echo geweckt. Es währte gar nicht lange, ſo kam der Peter heruntergerannt, er kannte den Pfiff wohl. Der Peter war kreideweiß, denn er dachte, der Almöhi rufe ihn zum Gericht. Es wurde ihm aber nur ein Papier übergeben, das die Großmama unterdeſſen überſchrieben hatte, und der Öhi erklärte ihm, er habe das Papier ſofort ins Dörfli hinunterzutragen und auf dem Poſtamt abzugeben, die Bezahlung werde der Öhi ſpäter ſelbſt in Ordnung bringen, denn ſo viele Dinge auf einmal konnte man dem Peter nicht übertragen.

Dieſer ging nun mit ſeinem Papier in der Hand, für diesmal wieder erleichtert, davon, denn der Öhi hatte ja nicht zum Gericht gepfiffen, es war kein Polizeidiener angekommen.

Endlich konnte man ſich denn feſt und ruhig zuſammen um den Tiſch vor der Hütte herumſetzen, und nun mußte der Großmama erzählt werden, wie von Anfang an alles ſich zugetragen hatte. Wie zuerſt der Großvater jeden Tag ein wenig das Stehen und dann ein Schrittchen mit Klara probiert hatte, wie dann die Reiſe auf die Weide gekommen war und der Wind den Rollſtuhl fortgejagt hatte. Wie Klara vor Begierde nach den Blumen den erſten Gang machen konnte und ſo eins aus dem andern gekommen war. Aber es währte lange, bis dieſe Erzählung von den Kindern zu Ende gebracht wurde, denn zwiſchendurch mußte die Großmama immer wieder in Verwunderung und in Lob und Dank ausbrechen, und immer wieder rief ſie aus: „Aber iſt es denn auch möglich! Iſt es denn auch wirklich kein Traum? Sind wir denn auch alle wach, und ſitzen wir hier vor der Almhütte, und das Mädchen vor mir mit dem runden, friſchen Geſicht iſt mein altes, bleiches, kraftloſes Klärchen?“

Und Klara und Heidi hatten immer neue Freude, daß ihre ſchön ausgedachte Überraſchung ſo gut gelungen war bei der Großmama und immer noch fortwirkte.

Herr Seſemann hatte unterdeſſen ſeine Geſchäfte in Paris beendet, und auch er hatte vor, eine Überraſchung zu bereiten. Ohne ein Wort an ſeine Mutter zu ſchreiben, ſetzte er ſich an einem der ſonnigen Sommermorgen auf die Eiſenbahn und fuhr in einem Zuge bis nach Baſel, von wo er in aller Frühe des folgenden Tages gleich wieder aufbrach, denn es hatte ihn ein großes Verlangen ergriffen, einmal wieder ſein Töchterchen zu ſehen, von dem er nun den ganzen Sommer durch getrennt geweſen war. Im Bade Ragaz kam er einige Stunden nach der Abfahrt ſeiner Mutter an.

Die Nachricht, daß ſie eben heute die Reiſe nach der Alp unternommen habe, kam ihm gerade recht. Sofort ſetzte er ſich in einen Wagen und fuhr nach Maienfeld hinüber. Als er da hörte, daß er auch noch bis zum Dörfli hinauffahren könne, tat er dies, denn er dachte, die Fußpartie den Berg hinauf werde ihm immer noch lang genug werden.

Herr Seſemann hatte ſich nicht getäuſcht; die unausgeſetzte Steigung die Alp hinan kam ihm ſehr lang und beſchwerlich vor. Noch immer war keine Hütte in Sicht, und er wußte doch, daß auf halbem Wege er auf die Wohnung des Geißenpeter ſtoßen ſollte, denn oftmals hatte er die Beſchreibung dieſes Weges vernommen.

Es waren überall Spuren von Fußgängern zu ſehen, manchmal gingen die ſchmalen Wege nach allen Richtungen hin. Herr Seſemann wurde unſicher, ob er auch auf dem richtigen Pfade ſei oder ob vielleicht die Hütte auf einer andern Seite der Alp liege. Er ſah ſich um, ob kein menſchliches Weſen zu entdecken ſei, das er um den Weg befragen könnte. Aber es war ſtill ringsum, weit und breit war nichts zu ſehen noch zu hören. Nur der Bergwind ſauſte dann und wann durch die Luft, und im ſonnigen Blau ſummten die kleinen Mücken, und ein luſtiges Vögelein pfiff da und dort auf einem einſamen Lärchenbäumchen. Herr Seſemann ſtand eine Weile ſtill und ließ ſich die heiße Stirne vom Alpenwinde kühlen.

Jetzt kam jemand von oben heruntergelaufen; es war der Peter mit ſeiner Depeſche in der Hand. Er lief gradaus, ſteil herunter, nicht auf dem Fußwege, auf dem Herr Seſemann ſtand. Sobald der Läufer aber nahe genug war, winkte ihm Herr Seſemann, daß er herüberkommen ſollte. Zögernd und ſcheu kam der Peter heran, ſeitwärts, nicht gradaus, und ſo, als könne er nur mit dem einen Fuß richtig vorankommen und müſſe den andern nachſchleppen.

„Na, Junge, friſch heran!“ ermunterte Herr Seſemann.

„Jetzt ſag mir mal, komme ich auf dieſem Wege zu der Hütte hinauf, wo der alte Mann mit dem Kinde Heidi wohnt, bei dem die Leute aus Frankfurt ſind?“

Ein dumpfer Ton furchtbarſten Schreckens war die Antwort, und ſo maßlos ſchoß der Peter davon, daß er kopfüber und über die ſteile Halde hinabſtürzte und fortrollte in unwillkürlichen Purzelbäumen, immer weiter und weiter, ganz ähnlich, wie der Rollſtuhl getan hatte, nur daß glücklicherweiſe der Peter nicht in Stücke ging, wie es bei dem Seſſel der Fall geweſen war.

Nur die Depeſche wurde arg zugerichtet und flog in Fetzen davon.

„Merkwürdig ſchüchterner Bergbewohner“, ſagte Herr Seſemann vor ſich hin, denn er dachte nicht anders, als daß die Erſcheinung eines Fremden dieſen ſtarken Eindruck auf den einfachen Alpenſohn hervorgebracht habe.

Nachdem er Peters gewalttätige Talfahrt noch ein wenig betrachtet hatte, ſetzte Herr Seſemann ſeinen Weg weiter fort.

Der Peter konnte trotz aller Anſtrengung keinen feſten Standpunkt gewinnen, er rollte immerzu, und von Zeit zu Zeit überſchlug er ſich noch in beſonderer Weiſe.

Aber das war nicht die ſchrecklichſte Seite ſeines Schickſals in dieſem Augenblick, viel erſchrecklicher waren die Angſt und das Entſetzen, die ihn erfüllten, nun er wußte, daß der Polizeidiener aus Frankfurt wirklich angekommen war. Denn er konnte nicht daran zweifeln, daß der Fremde es ſei, der den Frankfurtern beim Almöhi nachgefragt hatte. Jetzt, am letzten hohen Abhange oberhalb des Dörfli, warf es den Peter an einen Buſch hin, da konnte er ſich endlich feſtklammern. Einen Augenblick blieb er noch liegen, er mußte ſich erſt wieder ein wenig beſinnen, was mit ihm ſei.

„Gut ſo, wieder einer!“ ſagte eine Stimme hart neben dem Peter. „Und wer kriegt morgen den Puff da droben, daß er herunterkommt wie ein ſchlechtvernähter Kartoffelſack?“

Es war der Bäcker, der ſo ſpottete. Da er da droben aus ſeinem heißen Tagewerk weg ſich ein wenig erluften wollte, hatte er ruhig zugeſehen, wie eben der Peter, dem Heranrollen des Stuhles nicht unähnlich, von oben heruntergekommen war.

Der Peter ſchnellte auf ſeine Füße. Er hatte einen neuen Schrecken. Jetzt wußte der Bäcker auch ſchon, daß der Stuhl einen Puff bekommen hatte. Ohne ein einziges Mal zurückzuſehen, lief der Peter wieder den Berg hinauf. Am liebſten wäre er jetzt heimgegangen und in ſein Bett gekrochen, daß ihn keiner mehr finden konnte, denn da fühlte er ſich am ſicherſten. Aber er hatte ja die Geißen noch oben, und der Öhi hatte ihm noch eingeſchärft, bald wiederzukommen, damit die Herde nicht zu lange allein ſei. Den Öhi aber fürchtete er vor allen und hatte einen ſolchen Reſpekt vor ihm, daß er niemals gewagt hätte, ihm ungehorſam zu ſein. Der Peter ächzte laut und hinkte weiter, es mußte ja ſein, er mußte wieder hinauf. Aber rennen konnte er jetzt nicht mehr, die Angſt und die mannigfaltigen Stöße, die er ſoeben erduldet hatte, konnten nicht ohne Wirkung bleiben. So ging es denn mit Hinken und Stöhnen weiter die Alm hinauf.

Herr Seſemann hatte kurz nach der Begegnung mit Peter die erſte Hütte erreicht und wußte nun, daß er auf dem richtigen Wege war. Er ſtieg mit erneutem Mute weiter, und endlich, nach langer, mühevoller Wanderung, ſah er ſein Ziel vor ſich. Dort oben ſtand die Almhütte, und oben darüber wogten die dunkeln Wipfel der alten Tannen.

Herr Seſemann ging mit Freuden an die letzte Steigung, gleich konnte er ſein Kind überraſchen. Aber ſchon war er von der Geſellſchaft vor der Hütte entdeckt und erkannt worden, und für den Vater wurde vorbereitet, was er nicht ahnte.

Als er den letzten Schritt zur Höhe getan hatte, kamen ihm von der Hütte her zwei Geſtalten entgegen. Es war ein großes Mädchen mit hellblonden Haaren und einem roſigen Geſichtchen, das ſtützte ſich auf das kleinere Heidi, dem ganze Freudenblitze aus den dunklen Augen funkelten. Herr Seſemann ſtutzte, er ſtand ſtill und ſtarrte die Herankommenden an. Auf einmal ſtürzten ihm die großen Tränen aus den Augen. Was ſtiegen auch für Erinnerungen in ſeinem Herzen auf! Ganz ſo hatte Klaras Mutter ausgeſehen, das blonde Mädchen mit den angehauchten Roſenwangen. Herr Seſemann wußte nicht, war er wachend, oder träumte er.

„Papa, kennſt du mich denn gar nicht mehr?“ rief ihm jetzt Klara mit freudeſtrahlendem Geſicht entgegen. „Bin ich denn ſo verändert?“

Nun ſtürzte Herr Seſemann auf ſein Töchterchen zu und ſchloß es in ſeine Arme.

„Ja, du biſt verändert! Iſt es möglich? Iſt es Wirklichkeit?“

Und der überglückliche Vater trat wieder einen Schritt zurück, um noch einmal hinzuſehen, ob denn das Bild nicht verſchwinde vor ſeinen Augen.

„Biſt du's, Klärchen, biſt du's denn wirklich?“ mußte er ein Mal ums andere ausrufen. Dann ſchloß er ſein Kind wieder in die Arme, und gleich nachher mußte er noch einmal ſehen, ob es wirklich ſein Klärchen ſei, das aufrecht vor ihm ſtand.

Jetzt war auch die Großmama herbeigekommen, ſie konnte nicht ſo lange warten, bis ſie das glückliche Geſicht ihres Sohnes erblicken ſollte.

„Na, mein lieber Sohn, was ſagſt du jetzt?“ rief ſie ihm zu. „Die Überraſchung, die du uns machſt, iſt recht ſchön; aber diejenige, die man dir bereitet hat, iſt noch viel ſchöner, nicht?“ Und die erfreute Mutter begrüßte nun mit großer Herzlichkeit ihren lieben Sohn. „Aber jetzt, mein Lieber“, ſagte ſie dann, „kommſt du mit mir dort hinüber, unſern Öhi zu begrüßen, der iſt unſer allergrößter Wohltäter.“

„Gewiß, und auch unſere Hausgenoſſin, unſer kleines Heidi, muß ich noch begrüßen“, ſagte Herr Seſemann, indem er Heidis Hand ſchüttelte. „Nun? Immer friſch und geſund auf der Alp? Aber man muß nicht fragen, kein Alpenröschen kann blühender ausſehen. Das iſt mir eine Freude, Kind, das iſt mir eine große Freude!“

Auch das Heidi ſchaute mit leuchtender Freude zu dem freundlichen Herrn Seſemann auf. Wie gut war er immer zu ihm geweſen! Und daß er nun hier auf der Alp ein ſolches Glück finden ſollte, das machte Heidis Herz laut ſchlagen vor großer Freude.

Jetzt führte die Großmama ihren Sohn zum Almöhi hinüber, und während nun die beiden Männer ſich ſehr herzlich die Hände ſchüttelten und Herr Seſemann begann, ſeinen tiefgefühlten Dank auszuſprechen und ſein unermeßliches Erſtaunen darüber, wie nur dieſes Wunder hatte geſchehen können, da wandte ſich die Großmama und ging ein wenig nach der andern Seite hinüber, dann das hatte ſie nun ſchon durchgeſprochen. Sie wollte einmal nach den alten Tannen ſehen.

Da harrte ihrer ſchon wieder etwas Unerwartetes. Mitten unter den Bäumen, da, wo die langen Äſte noch einen freien Platz gelaſſen hatten, ſtand ein großer Buſch der wundervollſten, dunkelblauen Enzianen, ſo friſch und glänzend, als wären ſie eben da herausgewachſen. Die Großmama ſchlug die Hände zuſammen vor Entzücken.

„Wie köſtlich! Wie prächtig! Welch ein Anblick!“ rief ſie ein Mal ums andere aus. „Heidi, mein liebes Kind, komm hierher! Haſt du mir das zur Freude bereitet? Es iſt vollkommen wundervoll.“

Die Kinder waren ſchon da.

„Nein, nein, ich gewiß nicht“, ſagte das Heidi, „aber ich weiß ſchon, wer's gemacht hat.“

„So iſt's droben auf der Weide, Großmama, und noch viel ſchöner“, fiel hier Klara ein. „Aber rat einmal, wer dir heut früh ſchon die Blumen von der Weide heruntergeholt hat!“ Und Klara lächelte ſo vergnüglich zu ihrer Rede, daß der Großmama einen Augenblick der Gedanke kam, das Kind ſei am Ende heute ſelbſt ſchon dort oben geweſen. Das war doch aber faſt nicht möglich.

Jetzt hörte man ein leiſes Geräuſch hinter den Tannenbäumen; es kam vom Peter her, der unterdeſſen hier oben angelangt war. Da er aber geſehen hatte, wer beim Öhi vor der Hütte ſtand, hatte er einen großen Bogen gemacht und wollte nun ganz heimlich hinter den Tannen hinaufſchleichen. Aber die Großmama hatte ihn erkannt, und plötzlich ſtieg ein neuer Gedanke in ihr auf. Sollte der Peter die Blumen heruntergebracht haben und nun aus lauter Scheu und Beſcheidenheit ſo heimlich vorbeiſchleichen wollen? Nein, das durfte nicht ſein, er ſollte doch eine kleine Belohnung haben.

„Komm, mein Junge, komm hier heraus, friſch, ohne Scheu!“ rief die Großmama laut und ſteckte ein wenig den Kopf zwiſchen die Bäume hinein.

Starr vor Schrecken ſtand der Peter ſtill. Er hatte keine Widerſtandskraft mehr nach allem Erlebten. Er fühlte nur noch das eine: Jetzt iſt's aus! Alle Haare ſtanden ihm aufrecht auf dem Kopf, und farblos und entſtellt von höchſter Angſt trat der Peter hinter den Tannen hervor.

„Nur friſch heran, ohne Umwege“, ermunterte die Großmama. „So, nun ſag mir mal, Junge, haſt du das gemacht?“

Der Peter hob ſeine Augen nicht auf und ſah nicht, wohin der Zeigefinger der Großmama wies. Er hatte geſehen, daß der Öhi an der Ecke der Hütte ſtand und daß deſſen graue Augen durchdringend auf ihn gerichtet waren, und neben dem Öhi ſtand das Schrecklichſte, das der Peter kannte, der Polizeidiener aus Frankfurt. An allen Gliedern zitternd und bebend, ſtieß der Peter einen Laut hervor, es war ein „Ja“.

„Nanu“, ſagte die Großmama, „was iſt denn das Schreckliche dabei?“

„Daß er... daß er... daß er auſeinander iſt und man ihn nicht mehr ganz machen kann“, brachte mühſam der Peter heraus, und nun ſchlotterten ſeine Knie ſo, daß er faſt nicht mehr ſtehen konnte. Die Großmama ging nach der Hüttenecke hinüber.

„Mein lieber Öhi, rappelt es denn wirklich ernſtlich bei dem armen Buben?“ fragte ſie teilnehmend.

„Gar nicht, gar nicht“, verſicherte der Öhi. „Der Bube iſt nur der Wind, der den Rollſtuhl fortgejagt hat, und nun erwartet er ſeine wohlverdiente Strafe.“

Das konnte nun die Großmama gar nicht glauben, denn ſie meinte, boshaft ſehe der Peter doch ganz und gar nicht aus, und ſonſt hätte er doch keinen Grund gehabt, den ſo notwendigen Rollſtuhl zu zerſtören.

Aber dem Öhi war das Geſtändnis nur die Beſtätigung eines Verdachtes geweſen, der gleich nach der Tat in ihm aufgeſtiegen war. Die grimmigen Blicke, die der Peter von Anfang an der Klara zugeworfen hatte, und andere Merkmale ſeiner Erbitterung gegen die neuen Erſcheinungen auf der Alp waren dem Öhi nicht entgangen. Er hatte einen Gedanken an den andern gehängt, und ſo hatte er genau den ganzen Gang der Dinge erkannt und teilte ihn jetzt der Großmama in aller Klarheit mit. Als er zu Ende war, brach die Dame in große Lebhaftigkeit aus.

„Nein, mein lieber Öhi, nein, nein, den armen Buben wollen wir nicht weiter ſtrafen. Man muß billig ſein. Da kommen die fremden Leute aus Frankfurt hereingebrochen und nehmen ihm ganze Wochen lang das Heidi weg, ſein einziges Gut und wirklich ein großes Gut, und da ſitzt er allein Tag für Tag und hat das Nachſehen. Nein, nein, da muß man billig ſein; der Zorn hat ihn überwältigt und hat ihn zu der Rache getrieben, die ein wenig dumm war, aber im Zorn werden wir alle dumm.“

Damit ging die Großmama zum Peter zurück, der noch immerfort bebte und ſchlotterte.

Sie ſetzte ſich auf die Bank unter die Tanne und ſagte freundlich: „So, nun komm, mein Junge, da vor mich hin, ich habe dir etwas zu ſagen. Höre auf zu zittern und zu beben und hör mir zu, das will ich haben. Du haſt den Rollſtuhl den Berg hinuntergejagt, damit er zerſchmettere. Das war etwas Böſes, das haſt du recht wohl gewußt, und daß du eine Strafe verdienteſt, das wußteſt du auch, und damit du dieſe nicht erhalteſt, haſt du dich recht anſtrengen müſſen, daß keiner es merke, was du getan hatteſt. Aber ſiehſt du: Wer etwas Böſes tut und denkt, es weiß keiner, der verrechnet ſich immer. Der liebe Gott ſieht und hört ja doch alles, und ſobald er bemerkt, daß ein Menſch ſeine böſe Tat verheimlichen will, ſo weckt er ſchnell in dem Menſchen das Wächterchen auf, das er ſchon bei ſeiner Geburt in ihn hineingeſetzt hat und das da drinnen ſchlafen darf, bis der Menſch ein Unrecht tut. Und das Wächterchen hat einen kleinen Stachel in der Hand, mit dem ſticht es nun in einem fort den Menſchen, daß er gar keinen ruhigen Augenblick mehr hat. Und auch mit ſeiner Stimme beängſtigt es den Gequälten noch, denn es ruft ihm immer quälend zu: ‚Jetzt kommt alles aus! jetzt holen ſie dich zur Strafe!‘ So muß er immer in Angſt und Schrecken leben und hat keine Freude mehr, gar keine. Haſt du nicht auch ſo etwas erfahren, Peter, eben jetzt?“

Der Peter nickte ganz zerknirſcht, aber wie ein Kenner, denn gerade ſo war es ihm ergangen.

„Und noch in einer Weiſe haſt du dich verrechnet“, fuhr die Großmama fort. „Sieh, wie das Böſe, das du tateſt, zum Beſten ausfiel für die, der du es zufügen wollteſt! Weil Klara keinen Seſſel mehr hatte, auf dem man ſie hinbringen konnte, und doch die ſchönen Blumen ſehen wollte, ſo ſtrengte ſie ſich ganz beſonders an zu gehen, und ſo lernte ſie's und geht nun immer beſſer, und bleibt ſie hier, ſo kann ſie am Ende jeden Tag hinauf zur Weide gehen, viel öfter, als ſie in ihrem Stuhle hinaufgekommen wäre. Siehſt du wohl, Peter? So kann der liebe Gott, was einer böſe machen wollte, nur ſchnell in ſeine Hand nehmen und für den andern, der geſchädigt werden ſollte, etwas Gutes daraus machen, und der Böſewicht hat das Nachſehen und den Schaden davon. Haſt du nun auch alles gut verſtanden, Peter, ja? So denk daran, und jedesmal, wenn es dich wieder gelüſten ſollte, etwas Böſes zu tun, denk an das Wächterchen da drinnen mit dem Stachel und der unangenehmen Stimme. Willſt du das tun?“

„Ja, ſo will ich“, antwortete der Peter, noch ſehr gedrückt, denn noch wußte er ja nicht, wie alles enden würde, da der Polizeidiener immer noch drüben ſtand neben dem Öhi.

„So, nun iſt's gut, die Sache iſt abgetan“, ſchloß die Großmama. „Nun ſollſt du aber auch noch ein Andenken an die Frankfurter haben, das dich freut. So ſag mir nun, mein Junge, haſt du auch ſchon mal was gewünſcht, das du haben möchteſt? Was war's denn? Was möchteſt du am liebſten haben?“

Jetzt hob der Peter ſeinen Kopf auf und ſtarrte die Großmama mit ganz kugelrunden, erſtaunten Augen an. Noch immer hatte er etwas Schreckliches erwartet, und nun ſollte er auf einmal bekommen, was er gern hätte. Dem Peter kam alles durcheinander in ſeinen Gedanken.

„Ja, ja, es iſt mir Ernſt“, ſagte die Großmama. „Du ſollſt etwas haben, das dich freut, zur Erinnerung an die Leute von Frankfurt und zum Zeichen, daß ſie nicht mehr daran denken, daß du etwas Unrechtes getan haſt. Verſtehſt du's nun, Junge?“

In dem Peter fing die Einſicht aufzudämmern an, daß er keine Strafe mehr zu befürchten habe und daß die gute Frau, die vor ihm ſaß, ihn aus der Gewalt des Polizeidieners errettet hatte. Jetzt empfand er eine Erleichterung, als fiele ein Berg von ihm ab, der ihn faſt zuſammengedrückt hatte. Aber nun hatte er auch begriffen, daß es beſſer geht, wenn man gleich eingeſtellt, was gefehlt iſt, und auf einmal ſagte er:

„Und das Papier hab ich auch verloren.“

Die Großmama mußte ſich ein wenig beſinnen, aber der Zuſammenhang kam ihr bald in den Sinn, und ſie ſagte freundlich: „So, ſo, es iſt recht, daß du's ſagſt! Immer gleich bekennen, was nicht recht iſt; dann kommt's wieder in Ordnung. Und jetzt, was hätteſt du gern?“

Nun konnte der Peter auf der Welt wünſchen, was er nur wollte. Es wurde ihm faſt ſchwindelig. Der ganze Jahrmarkt von Maienfeld flimmerte vor ſeinen Augen mit all den ſchönen Sachen, die er oft ſtundenlang angeſtaunt und für immer unerreichbar gehalten hatte, denn Peters Beſitztum hatte nie einen Fünfer überſtiegen, und alle die lockenden Gegenſtände koſteten immer das Doppelte. Da waren die ſchönen roten Pfeifchen, die er ſo gut für ſeine Geißen brauchen konnte. Da waren die lockenden Meſſer mit runden Heften, Krötenſtecher genannt, mit denen man in allen Haſelrutenhecken die beſten Geſchäfte machen konnte.

Tiefſinnig ſtand der Peter da, denn er überdachte, welches von den zweien das Wünſchbarſte wäre, und er fand den Entſcheid nicht. Aber jetzt kam ihm ein lichtvoller Gedanke; ſo konnte er ſich noch bis zum nächſten Jahrmarkt beſinnen.

„Einen Zehner“, antwortete Peter jetzt entſchloſſen.

Die Großmama lachte ein wenig.

„Das iſt nicht übertrieben. So komm her!“ Sie zog jetzt ihren Beutel heraus und nahm einen großen, runden Taler heraus; darauf legte ſie noch zwei Zehnerſtückchen.

„So, wir wollen gerade Rechnung machen“, fuhr ſie fort; „das will ich dir erklären. Hier haſt du nun gerade ſo viele Zehner, als Wochen im Jahre ſind! So kannſt du jeden Sonntag einen Zehner hervornehmen und verbrauchen, das ganze Jahr durch.“

„Meiner Lebtag?“ fragte der Peter ganz harmlos.

Jetzt mußte die Großmama ſo ungeheuer lachen, daß die Herren drüben ihr Geſpräch unterbrechen mußten, um zu hören, was da vorgehe.

Die Großmama lachte immer noch.

„Das ſollſt du haben, Junge, das gibt einen Paſſus in mein Teſtament, hörſt du, mein Sohn? Und nachher geht er in das deinige über, alſo: Dem Geißenpeter einen Zehner wöchentlich, ſolange er am Leben iſt.“

Herr Seſemann nickte zuſtimmend und lachte auch herüber.

Der Peter ſchaute noch einmal auf das Geſchenk in ſeiner Hand, ob es auch wirklich wahr ſei. Dann ſagte er: „Danke Gott!“ Und nun rannte er davon in ganz ungewöhnlichen Sprüngen, aber diesmal blieb er doch auf den Füßen, denn jetzt trieb ihn nicht der Schrecken davon, ſondern eine Freude, wie der Peter noch gar keine gekannt hatte ſein Leben lang. Alle Angſt und Schrecken waren vergangen, und jede Woche hatte er einen Zehner zu erwarten ſein Leben lang.

Als ſpäter die Geſellſchaft vor der Almhütte das fröhliche Mittagsmahl beendet hatte und nun noch in allerlei Geſprächen zuſammenſaß, da nahm Klara ihren Vater, der ganz ſtrahlte vor Freude und jedesmal, wenn er ſie wieder anſchaute, noch ein wenig glücklicher ausſah, bei der Hand und ſagte mit einer Lebhaftigkeit, die man nie an der matten Klara gekannt hatte:

„O Papa, wenn du nur wüßteſt, was der Großvater alles für mich getan hat! So viel alle Tage, daß man es gar nicht nacherzählen kann, aber ich vergeſſe es in meinem ganzen Leben nicht. Und immer denke ich, wenn ich nur dem lieben Großvater auch etwas tun könnte oder etwas ſchenken, das ihm ſo recht Freude machen würde, auch nur halb ſoviel, wie er mir Freude gemacht hat.“

„Das iſt ja auch mein größter Wunſch, liebes Kind“, ſagte der Vater. „Ich ſinne ſchon immer darüber nach, wie wir unſerem Wohltäter unſeren Dank auch nur einigermaßen dartun könnten.“

Herr Seſemann ſtand jetzt auf und ging zum Öhi hinüber, der neben der Großmama ſaß und ſich ausnehmend gut mit ihr unterhalten hatte. Er ſtand aber jetzt auch auf. Herr Seſemann ergriff ſeine Hand und ſagte in der freundſchaftlichſten Weiſe: „Mein lieber Freund, laſſen Sie uns ein Wort zuſammen ſprechen! Sie werden es verſtehen, wenn ich Ihnen ſage, daß ich ſeit langen Jahren keine rechte Freude mehr kannte. Was war mir all mein Geld und Gut, wenn ich mein armes Kind anblickte, das ich mit keinem Reichtum geſund und glücklich machen konnte? Nächſt unſerm Gott im Himmel haben Sie mir das Kind geſund gemacht und mir, wie ihm, damit ein neues Leben geſchenkt. Nun ſprechen Sie, womit kann ich Ihnen meine Dankbarkeit zeigen? Vergelten kann ich nie, was Sie uns getan haben, aber was ich vermag, das ſtelle ich zu Ihrer Verfügung. Sprechen Sie, mein Freund, was darf ich tun?“

Der Öhi hatte ſtill zugehört und den glücklichen Vater mit vergnügtem Lächeln angeblickt.

„Herr Seſemann glaubt mir wohl, daß ich meinen Teil an der großen Freude über die Geneſung auf unſerer Alm auch habe; meine Mühe iſt mir wohl dadurch vergolten“, ſagte jetzt der Öhi in ſeiner feſten Weiſe. „Für die gütigen Anerbietungen danke ich Herrn Seſemann, ich habe nichts nötig. Solange ich lebe, habe ich für das Kind und für mich genug. Aber einen Wunſch hätte ich; wenn mir der erfüllt werden könnte, ſo hätte ich für dieſes Leben keine Sorge mehr.“

„Sprechen Sie, ſprechen Sie, mein lieber Freund!“ drängte Herr Seſemann.

„Ich bin alt“, fuhr der Öhi fort, „und kann nicht mehr lange hierbleiben. Wenn ich gehe, kann ich dem Kinde nichts hinterlaſſen, und Verwandte hat es keine mehr; nur eine einzige Perſon, die würde noch ihren Vorteil aus ihm ziehen wollen. Wenn mir der Herr Seſemann die Zuſicherung geben wollte, daß das Heidi nie in ſeinem Leben hinaus muß, um ſein Brot unter den Fremden zu ſuchen, dann hätte er mir reichlich zurückgegeben, was ich für ihn und ſein Kind tun konnte.“

„Aber, mein lieber Freund, davon kann ja niemals eine Rede ſein“, brach Herr Seſemann nun aus. „Das Kind gehört ja zu uns. Fragen Sie meine Mutter, meine Tochter; das Kind Heidi werden Sie ja in ihrem Leben nicht anderen Leuten überlaſſen! Aber da, wenn es Ihnen eine Beruhigung iſt, mein Freund, hier meine Hand darauf. Ich verſpreche Ihnen: Nie in ſeinem Leben ſoll dieſes Kind hinaus, um unter fremden Menſchen ſein Brot zu verdienen; dafür will ich ſorgen, auch über meine Lebenszeit hinaus. Nun aber will ich noch etwas ſagen. Dieſes Kind iſt nicht für ein Leben in der Fremde gemacht, wie auch die Verhältniſſe wären; das haben wir erfahren. Aber es hat ſich Freunde gemacht. Einen ſolchen kenne ich, der iſt noch in Frankfurt; da tut er ſeine letzten Geſchäfte ab, um dann nachher dahin zu gehen, wo es ihm gefällt, und ſich da zur Ruhe zu ſetzen. Das iſt mein Freund, der Doktor, der noch dieſen Herbſt hier ankommen wird und, Ihren Rat dazu in Anſpruch nehmend, ſich in dieſer Gegend niederlaſſen will, denn in Ihrer und des Kindes Geſellſchaft hat er ſich ſo wohl befunden wie ſonſt nirgends mehr. So ſehen Sie, das Kind Heidi wird fortan zwei Beſchützer in ſeiner Nähe haben. Mögen ihm beide miteinander noch recht lange erhalten bleiben!“

„Das gebe der liebe Gott!“ fiel hier die Großmama ein, und den Wunſch ihres Sohnes beſtätigend, ſchüttelte ſie dem Öhi eine gute Weile mit großer Herzlichkeit die Hand. Dann faßte ſie auf einmal das Heidi um den Hals, das neben ihr ſtand, und zog es zu ſich heran.

„Und du, mein liebes Heidi, dich muß man doch auch noch fragen. Komm, ſag mir mal: Haſt du denn nicht auch einen Wunſch, den du gern erfüllt hätteſt?“

„Ja freilich, das hab ich ſchon“, antwortete das Heidi und blickte ſehr erfreut zu der Großmama auf.

„So, das iſt recht, ſo komm heraus damit“, ermunterte dieſe. „Was hätteſt du denn gern, Kind?“

„Ich hätte gern mein Bett aus Frankfurt mit den drei hohen Kiſſen und der dicken Decke, dann muß die Großmutter nicht mehr mit dem Kopf bergab liegen und kann faſt nicht atmen, und ſie hat warm genug unter der Decke und muß nicht immer mit dem Schal ins Bett gehen, weil ſie ſonſt furchtbar friert.“

Das Heidi hatte alles in einem Atemzuge geſagt vor Eifer, zu ſeinem gewünſchten Ziel zu kommen.

„Ach mein liebes Heidi, was ſagſt du mir da!“ rief die Großmama erregt aus. „Das iſt gut, daß du mich erinnerſt. In der Freude vergißt man leicht, woran man zuallererſt hätte denken ſollen. Wenn uns der liebe Gott etwas Gutes ſchickt, müßten wir doch gleich an diejenigen denken, die ſo viel entbehren! Jetzt wird auf der Stelle nach Frankfurt telegrafiert! Noch heute ſoll die Rottenmeier das Bett zuſammenpacken, in zwei Tagen kann es daſein. Will's Gott, ſoll die Großmutter gut ſchlafen darin!“

Das Heidi hüpfte frohlockend rings um die Großmama herum. Aber auf einmal ſtand es ſtill und ſagte eilig: „Nun muß ich gewiß geſchwind zur Großmutter hinunter, es wird ihr auch wieder angſt, wenn ich ſo lang nicht mehr komme.“

Denn nun konnte das Heidi es nicht mehr erwarten, der Großmutter die Freudenbotſchaft zu bringen, und es war ihm auch wieder in den Sinn gekommen, wie es der Großmutter angſt geweſen, als es zuletzt bei ihr war.

„Nein, nein, Heidi, was meinſt du?“ ermahnte der Großvater. „Wenn man Beſuch hat, läuft man nicht mit einemmal auf und davon.“

Aber die Großmama unterſtützte das Heidi.

„Mein lieber Öhi, das Kind hat ſo unrecht nicht“, ſagte ſie. „Die arme Großmutter iſt auch ſeit langem viel zu kurz gekommen um meinetwillen. Nun wollen wir gleich alle miteinander zu ihr gehen, und ich denke, dort warte ich mein Pferd ab, und wir ſetzen dann unſeren Weg weiter fort, und unten im Dörfli wird ſogleich das Telegramm nach Frankfurt aufgegeben. Mein Sohn, was meinſt du dazu?“

Herr Seſemann hatte bis jetzt noch gar nicht Zeit gehabt, über ſeine Reiſepläne zu ſprechen. Er mußte alſo ſeine Mutter bitten, nicht ſogleich ihr Unternehmen auszuführen, ſondern noch einen Augenblick ſitzen zu bleiben, bis er ſeine Abſicht ausgeſprochen habe.

Herr Seſemann hatte ſich vorgenommen, mit ſeiner Mutter eine kleine Reiſe durch die Schweiz zu machen und erſt zu ſehen, ob ſein Klärchen imſtande ſei, eine kurze Strecke mitzureiſen. Nun war es ſo gekommen, daß er die genußreichſte Reiſe in Geſellſchaft ſeiner Tochter vor ſich ſah, und nun wollte er auch gleich dieſe ſchönen Spätſommertage dazu benutzen. Er hatte im Sinne, die Nacht im Dörfli zuzubringen und am folgenden Morgen Klara auf der Alm abzuholen, um mit ihr zur Großmama nach dem Bade Ragaz hinunter und von da weiterzureiſen.

Klara war ein wenig betroffen über die Anzeige der plötzlichen Abreiſe von der Alp, aber es war ja ſo viel Freude daneben, und überdies war da gar keine Zeit, ſich dem Bedauern hinzugeben.

Schon war die Großmama aufgeſtanden und hatte Heidis Hand erfaßt, um den Zug anzuführen. Jetzt kehrte ſie ſich plötzlich um.

„Aber was in aller Welt macht man nun mit Klärchen?“ rief ſie erſchrocken aus, denn es war ihr in den Sinn gekommen, daß der Gang doch für ſie viel zu weit ſein würde.

Aber ſchon hatte in gewohnter Weiſe der Öhi ſein Pflegetöchterchen auf den Arm genommen und folgte mit feſtem Schritte der Großmama nach, die jetzt mit vielem Wohlgefallen zurücknickte. Zuletzt kam Herr Seſemann, und ſo ging der Zug weiter den Berg hinunter.

Das Heidi mußte immerfort aufhüpfen vor Freude an der Seite der Großmama, und dieſe wollte nun alles wiſſen von der Großmutter, wie ſie lebe und wie alles bei ihr zugehe, beſonders im Winter bei der großen Kälte da droben.

Das Heidi berichtete über alles ganz genau, denn es wußte ſchon, wie da alles zuging und wie dann die Großmutter zuſammengeduckt in ihrem Winkelchen ſaß und zitterte vor Kälte. Es wußte auch gut, was ſie dann zu eſſen hatte, und auch, was ſie nicht hatte.

Bis zur Hütte hinunter hörte die Großmama mit der lebhafteſten Teilnahme Heidis Berichten zu.

Die Brigitte war eben daran, Peters zweites Hemd an die Sonne zu hängen, damit, wenn das eine wieder genug getragen war, das andere angezogen werden konnte. Sie erblickte die Geſellſchaft und ſtürzte in die Stube hinein.

„Jetzt grad geht alles fort, Mutter“, berichtete ſie. „Es iſt ein ganzer Zug; der Öhi begleitet ſie, er trägt das Kranke.“

„Ach, muß es denn wirklich ſein?“ ſeufzte die Großmutter. „So nehmen ſie das Heidi mit, das haſt du geſehen? Ach, wenn es mir nur auch noch die Hand geben dürfte! Wenn ich es nur auch noch einmal hörte!“

Jetzt wurde ſtürmiſch die Tür aufgemacht, und das Heidi war in wenigen Sprüngen in der Ecke bei der Großmutter und umklammerte ſie.

„Großmutter! Großmutter! Mein Bett kommt aus Frankfurt und alle drei Kiſſen und auch die dicke Decke; in zwei Tagen iſt es da, das hat die Großmama geſagt.“

Das Heidi hatte gar nicht ſchnell genug ſeinen Bericht herausbringen können, denn es konnte die ungeheure Freude der Großmutter faſt nicht abwarten. Sie lächelte, aber ein wenig traurig ſagte ſie:

„Ach, was muß das für eine gute Frau ſein! Ich ſollte mich nur freuen, daß ſie dich mitnimmt, Heidi, aber ich kann es nicht lang überleben.“

„Was? Was? Wer ſagt denn der guten alten Großmutter ſo etwas?“ fragte hier eine freundliche Stimme, und die Hand der Alten wurde dabei erfaßt und herzlich gedrückt, denn die Großmama war hinzugetreten und hatte alles gehört. „Nein, nein, davon iſt keine Rede! Das Heidi bleibt bei der Großmutter und macht ihre Freude aus. Wir wollen das Kind auch wiederſehen, aber wir kommen zu ihm. Jedes Jahr werden wir nach der Alm hinaufkommen, denn wir haben Urſache, an dieſer Stelle dem lieben Gott alljährlich unſeren beſonderen Dank zu ſagen, wo er ein ſolches Wunder an unſerem Kinde getan hat.“

Jetzt kam der echte Freudenſchein auf das Geſicht der Großmutter, und mit wortloſem Dank drückte ſie fort und fort die Hand der guten Frau Seſemann, während ihr vor lauter Freude ein paar große Tränen die alten Wangen herabglitten. Das Heidi hatte den Freudenſchein auf dem Geſichte der Großmutter gleich geſehen und war jetzt ganz beglückt.

„Gelt, Großmutter“, ſagte es, ſich an ſie ſchmiegend, „jetzt iſt es ſo gekommen, wie ich dir zuletzt geleſen habe? Gelt, das Bett aus Frankfurt iſt gewiß heilſam?“

„Ach ja, Heidi, und noch ſo vieles, ſo viel Gutes, das der liebe Gott an mir tut!“ ſagte die Großmutter mit tiefer Rührung. „Wie iſt es nur möglich, daß es ſo gute Menſchen gibt, die ſich um eine arme Alte bekümmern und ſo viel an ihr tun! Es iſt nichts, das einem den Glauben ſo ſtärken kann an einen guten Vater im Himmel, der auch ſein Geringſtes nicht vergeſſen will, wie ſo etwas zu erfahren, daß es ſolche Menſchen gibt voll Güte und Barmherzigkeit für ein armes, unnützes Weiblein, wie ich eins bin.“

„Meine gute Großmutter“, fiel hier Frau Seſemann ein, „vor unſerem Herrn im Himmel ſind wir alle gleich armſelig, und alle haben wir es gleich nötig, daß er uns nicht vergeſſe. Und nun nehmen wir Abſchied, aber auf Wiederſehen, denn ſobald wir nächſtes Jahr wieder nach der Alm kommen, ſuchen wir auch die Großmutter wieder auf; die wird nie mehr vergeſſen!“ Damit erfaßte Frau Seſemann noch einmal die Hand der Alten und ſchüttelte ſie.

Aber ſie kam nicht ſo ſchnell fort, wie ſie meinte, denn die Großmutter konnte nicht aufhören zu danken, und alles Gute, das der liebe Gott in ſeiner Hand habe, wünſchte ſie auf ihre Wohltäterin und deren ganzes Haus herab.

Jetzt zog Herr Seſemann mit ſeiner Mutter talabwärts, während der Öhi Klara noch einmal mit nach Hauſe trug und das Heidi, ohne aufzuſetzen, hochauf hüpfte neben ihnen her, denn es war ſo froh über die Ausſicht der Großmutter, daß es mit jedem Schritt einen Sprung machen mußte.

Am Morgen darauf aber gab es heiße Tränen bei der ſcheidenden Klara, nun ſie fort mußte von der ſchönen Alm, wo es ihr ſo wohl geweſen war wie noch nie in ihrem Leben. Aber das Heidi tröſtete ſie und ſagte:

„Es iſt im Augenblick wieder Sommer, und dann kommſt du wieder, und dann iſt's noch viel ſchöner. Dann kannſt du von Anfang an gehen, und wir können alle Tage mit den Geißen auf die Weide gehen und zu den Blumen hinauf, und alles Luſtige geht von vorn an.“

Herr Seſemann war nach Abrede gekommen, ſein Töchterchen abzuholen. Er ſtand jetzt drüben beim Großvater, die Männer hatten noch allerlei zu beſprechen. Klara wiſchte nun ihre Tränen weg, Heidis Worte hatten ſie ein wenig getröſtet.

„Ich laſſe auch den Peter noch grüßen“, ſagte ſie wieder, „und alle Geißen, beſonders das Schwänli. Oh, wenn ich nur dem Schwänli ein Geſchenk machen könnte; es hat ſo viel dazu geholfen, daß ich geſund geworden bin.“

„Das kannſt du ſchon ganz gut“, verſicherte das Heidi. „Schick ihm nur ein wenig Salz, du weißt ſchon, wie gern es am Abend das Salz aus des Großvaters Hand ſchleckt.“

Der Rat gefiel Klara wohl.

„Oh, dann will ich ihm gewiß hundert Pfund Salz aus Frankfurt ſchicken“, rief ſie erfreut aus, „es muß auch ein Andenken an mich haben.“

Jetzt winkte Herr Seſemann den Kindern, denn er wollte abreiſen. Diesmal war das weiße Pferd der Großmama für Klara gekommen, und jetzt konnte ſie herunterreiten, ſie brauchte keinen Tragſeſſel mehr.

Das Heidi ſtellte ſich auf den äußerſten Rand des Abhanges hinaus und winkte mit ſeiner Hand der Klara zu, bis das letzte Reſtchen von Roß und Reiterin geſchwunden war.

Das Bett iſt angekommen, und die Großmutter ſchläft jetzt ſo gut jede Nacht, daß ſie gewiß dadurch zu ganz neuen Kräften kommt. Den harten Winter auf der Alp hat die gute Großmama auch nicht vergeſſen. Sie hat einen großen Warenballen nach der Geißenpeter-Hütte geſandt. Darin war ſo viel warmes Zeug verpackt, daß die Großmutter ſich um und um damit einhüllen kann und gewiß nie mehr zitternd vor Kälte in ihrer Ecke ſitzen muß.

Im Dörfli iſt ein großer Bau im Gange. Der Herr Doktor iſt angekommen und hat vorderhand ſein altes Quartier bezogen. Auf den Rat ſeines Freundes hin hat der Herr Doktor das alte Gebäude angekauft, das der Öhi im Winter mit dem Heidi bewohnt hatte und das ja ſchon einmal ein großer Herrenſitz geweſen war, was man immer noch an der hohen Stube mit dem ſchönen Ofen und dem kunſtreichen Getäfel ſehen konnte. Dieſen Teil des Hauſes läßt der Herr Doktor als ſeine eigene Wohnung aufbauen. Die andere Seite wird als Winterquartier für den Öhi und das Heidi hergeſtellt, denn der Herr Doktor kennt den Alten als einen unabhängigen Mann, der ſeine eigene Behauſung haben muß. Zuhinterſt wird ein feſtgemauerter, warmer Geißenſtall eingerichtet, da werden Schwänli und Bärli in ſehr behaglicher Weiſe ihre Wintertage zubringen.

Der Herr Doktor und der Almöhi werden täglich beſſere Freunde, und wenn ſie zuſammen auf dem Gemäuer herumſteigen, um den Fortgang des Baues zu beſichtigen, kommen ihre Gedanken meiſtens auf das Heidi, denn beiden iſt die Hauptfreude an dem Hauſe, daß ſie mit ihrem fröhlichen Kinde hier einziehen werden.

„Mein lieber Freund“, ſagte kürzlich der Herr Doktor, mit dem Öhi oben auf der Mauer ſtehend, „Sie müſſen die Sache anſehen wie ich. Ich teile alle Freude an dem Kinde mit Ihnen, als wäre ich der nächſte nach Ihnen, zu dem das Kind gehört; ich will aber auch alle Verpflichtungen teilen und nach beſter Einſicht für das Kind ſorgen. So habe ich auch meine Rechte an unſerem Heidi und kann hoffen, daß es mich in meinen alten Tagen pflegt und um mich bleibt, was mein größter Wunſch iſt. Das Heidi ſoll in alle Kindesrechte bei mir eintreten; ſo können wir es ohne Sorge zurücklaſſen, wenn wir einmal von ihm gehen müſſen, Sie und ich.“

Der Öhi drückte dem Herrn Doktor lange die Hand. Er ſagte kein Wort, aber ſein guter Freund konnte in den Augen des Alten die Rührung und hohe Freude leſen, die ſeine Worte erweckt hatten.

Derweilen ſaßen das Heidi und der Peter bei der Großmutter, und das erſtere hatte ſo viel zu tun mit Erzählen und der letztere mit Zuhören, daß ſie alle beide kaum zu Atem kommen konnten und vor Eifer immer näher auf die glückliche Großmutter eindrangen.

Wieviel war ihr auch zu berichten von alle dem, das den ganzen Sommer durch ſich ereignet hatte, denn man war ja ſo wenig zuſammengekommen während dieſer Zeit.

Und von den dreien ſah immer eins glücklicher aus als das andere über das neue Zuſammenſein und über alle die wunderbaren Ereigniſſe. Jetzt aber war das Geſicht der Mutter Brigitte noch faſt am glücklichſten anzuſehen, da mit Heidis Hilfe nun zum erſtenmal klar und verſtändlich die Geſchichte des unaufhörlichen Zehners herauskam. Zuletzt aber ſagte die Großmutter:

„Heidi, lies mir ein Lob- und Danklied! Es iſt mir, als könne ich nur noch loben und preiſen und unſerem Gott im Himmel Dank ſagen für alles, was er an uns getan hat.“